Kapitel 152: nandītaṭatīrthamāhātmyavarṇanam
Die Größe des Nandītaṭa- (Ānanda-) Tīrtha (Candra, Tārā, Bṛhaspati und Śukras Zorn)
Candra (Candramā) raubt die Gattin Tārā seines eigenen Lehrers Bṛhaspati, was zu einem Kampf und schließlich einer Klage bei Śukra führt. Śukra verflucht Candra zur Aussätzigkeit (Ursprung des Mondflecks) und erzwingt so die Rückgabe Tārās. Auf Anweisung einer Śruti-Stimme badet Tārā mit Bṛhaspati an der Gautamī, wodurch sie gereinigt wird; Bṛhaspati preist daraufhin die Gautamī als besonders machtvoll, wenn Jupiter im Zeichen des Löwen steht. Ursprung des Nandītaṭa-Tīrtha (auch Ānanda-Tīrtha), benannt nach Śivas Stier Nandī, der dort leibhaftig als Dharma wandelt, mit 5000 weiteren Tīrthas.
hatte er von Jīva erlernt, sowie alle anderen Wissenschaften, o Hochgesinnter. 'Ich will meinem Lehrer Verehrung erweisen', sprach jener Candramā zu Jīva. Da sprach Bṛhaspati, voller Freude, zu seinem Schüler Candra:
Wort für Wort
adhītya jīvāt sarvāś ca vidyāś cānyā mahāmate
von Jīva erlernt, sowie alle anderen Wissenschaften, o Hochgesinnter
gurupūjāṃ karomīti jīvam āha sa candramāḥ
'ich will meinem Lehrer Verehrung erweisen', sprach jener Candramā zu Jīva
bṛhaspatis tadā prāha candraṃ śiṣyaṃ mudānvitaḥ
da sprach Bṛhaspati, voller Freude, zu seinem Schüler Candra
{brahmovāca:} praṣṭuṃ tāṃ ca tadā prāyād antar veśma sa candramāḥ /
tārāṃ tārāmukhīṃ dṛṣṭvā jagṛhe tāṃ kareṇa saḥ //
Brahmā sprach: Um sie zu befragen, ging da Candramā ins Innere des Hauses. Als er Tārā, deren Antlitz einem Stern glich, erblickte, ergriff er sie mit der Hand.
Wort für Wort
praṣṭuṃ tāṃ ca tadā prāyād antar veśma sa candramāḥ
um sie zu befragen, ging da Candramā ins Innere des Hauses
tārāṃ tārāmukhīṃ dṛṣṭvā jagṛhe tāṃ kareṇa saḥ
als er Tārā, deren Antlitz einem Stern glich, erblickte, ergriff er sie mit der Hand
Aus Begierde zog er sie da mit Gewalt zu seinem eigenen Haus. So lange ist ein Kenner, ein Standhafter, ein Verständiger, ein Sinnenbezwinger standhaft,
Wort für Wort
svaveśma prati tāṃ lobhād balād ākarṣayat tadā
aus Begierde zog er sie da mit Gewalt zu seinem eigenen Haus
tāvad dhairyanidhir jñānī matimān vijitendriyaḥ
so lange ist ein Kenner, ein Standhafter, ein Verständiger, ein Sinnenbezwinger (standhaft)
yāvan na kāminīnetra-vāgurābhir nibadhyate /
viśeṣato rahaḥsaṃsthāṃ kāminīm āyatekṣaṇām //
als er nicht durch die Schlingen der Augen einer begehrenswerten Frau gefesselt wird - insbesondere, wenn er eine im Verborgenen weilende, langäugige begehrenswerte Frau...
Wort für Wort
yāvan na kāminīnetravāgurābhir nibadhyate
solange er nicht durch die Schlingen der Augen einer begehrenswerten Frau gefesselt wird
viśeṣato rahaḥsaṃsthāṃ kāminīm āyatekṣaṇām
insbesondere eine im Verborgenen weilende, langäugige begehrenswerte Frau
eine Frau aus edlem Haus muss, aus Furcht vor dem Verlust ihrer Tugend, im Verborgenen bleiben. Als er dies von seinem Gefolge erfuhr, erhob er sich plötzlich und ging hinaus.
Wort für Wort
kulavadhvā rahaḥ kāryaṃ bhītayā śīlavipluteḥ
eine Frau aus edlem Haus muss, aus Furcht vor dem Verlust der Tugend, im Verborgenen bleiben
vijñāya tat parijanāt sahasotthāya nirgataḥ
als er dies von seinem Gefolge erfuhr, erhob er sich plötzlich und ging hinaus
na śāpair hanyate candro nāyudhaiḥ suramantritaiḥ /
bṛhaspatipraṇītaiś ca na mantrair hanyate śaśī //
Doch Candra wurde weder durch Flüche noch durch von den Göttern besprochene Waffen getötet; auch durch von Bṛhaspati vorgetragene Mantras wurde der Mond nicht getötet.
Wort für Wort
na śāpair hanyate candro nāyudhaiḥ suramantritaiḥ
Candra wurde weder durch Flüche noch durch von den Göttern besprochene Waffen getötet
bṛhaspatipraṇītaiś ca na mantrair hanyate śaśī
auch durch von Bṛhaspati vorgetragene Mantras wurde der Mond nicht getötet
na jīyeta tadā devair na kopaiḥ śāpamantrakaiḥ /
na rājabhir na ṛṣibhir na sāmnā bhedadaṇḍanaiḥ //
Er wurde damals weder von den Göttern noch durch zornige Flüche und Mantras besiegt, weder von Königen noch von Weisen, weder durch Versöhnung, Zwietracht noch Bestrafung.
Wort für Wort
na jīyeta tadā devair na kopaiḥ śāpamantrakaiḥ
er wurde damals weder von den Göttern noch durch zornige Flüche und Mantras besiegt
na rājabhir na ṛṣibhir na sāmnā bhedadaṇḍanaiḥ
weder von Königen noch von Weisen, weder durch Versöhnung, Zwietracht noch Bestrafung
Als der Lehrer trotz all seiner Bemühungen seine Gattin nicht zurückgewann, erinnerte sich Jīva, nachdem alle Mittel erschöpft waren, an die Klugheitslehre:
Wort für Wort
yadā bhāryāṃ na lebhe 'sau guruḥ sarvaprayatnataḥ
als der Lehrer trotz all seiner Bemühungen seine Gattin nicht zurückgewann
sarvopāyakṣaye jīvas tadā nītim athāsmarat
nachdem alle Mittel erschöpft waren, erinnerte sich Jīva an die Klugheitslehre
apamānaṃ puraskṛtya mānaṃ kṛtvā tu pṛṣṭhataḥ /
svārtham uddharate prājñaḥ svārthabhraṃśo hi mūrkhatā //
Indem er die Demütigung voranstellt und den Stolz zurückstellt, rettet der Kluge seinen eigenen Vorteil; das Verlieren des eigenen Vorteils ist ja Torheit.
Wort für Wort
apamānaṃ puraskṛtya mānaṃ kṛtvā tu pṛṣṭhataḥ
indem er die Demütigung voranstellt und den Stolz zurückstellt
svārtham uddharate prājñaḥ svārthabhraṃśo hi mūrkhatā
rettet der Kluge seinen eigenen Vorteil; das Verlieren des eigenen Vorteils ist Torheit
Von Männern, die wissen, dass die Frucht durch irgendein Mittel zu erreichen ist, wird sie erreicht; die grundlos Stolzen aber gehen, verblendet, rasch zugrunde.
Wort für Wort
sādhyaṃ kenāpy upāyena jānadbhiḥ puruṣaiḥ phalam
von Männern, die wissen, dass die Frucht durch irgendein Mittel zu erreichen ist
vṛthābhimāninaḥ śīghraṃ vipadyante vimohitāḥ
die grundlos Stolzen aber gehen, verblendet, rasch zugrunde
gṛhāgatasya vimukhāḥ śatravo 'py uttamā nahi /
tasmai sa vistareṇāha bhāryāharaṇam āditaḥ //
Selbst Feinde wenden sich einem ins Haus Gekommenen nicht ab, geschweige denn Vortreffliche. Ihm erzählte er ausführlich von Anfang an den Raub seiner Gattin.
Wort für Wort
gṛhāgatasya vimukhāḥ śatravo 'py uttamā nahi
selbst Feinde wenden sich einem ins Haus Gekommenen nicht ab, geschweige denn Vortreffliche
tasmai sa vistareṇāha bhāryāharaṇam āditaḥ
ihm erzählte er ausführlich von Anfang an den Raub seiner Gattin
Als der Dichter Bṛhaspatis Worte gehört hatte, wurde er zornig; er erachtete dies als Vergehen des Schülers Candra, o Nārada. Nachdem er von dieser Übertretung gehört hatte, sprach der Dichter zornig:
Wort für Wort
bṛhaspates tadā vākyaṃ śrutvā kopānvitaḥ kaviḥ
als der Dichter Bṛhaspatis Worte gehört hatte, wurde er zornig
aparādhaṃ tu candrasya mene śiṣyasya nārada
er erachtete dies als Vergehen des Schülers Candra, o Nārada
atikramam imaṃ śrutvā kopāt kavir athābravīt
nachdem er von dieser Übertretung gehört hatte, sprach der Dichter zornig
Śukra sprach: Erst dann werde ich essen, erst dann trinken, erst dann schlafen, erst dann sprechen, wenn ich deine von einem anderen bedrängte, geliebte Gattin, o Bruder, zurückgebracht habe.
Wort für Wort
tadā bhokṣye tadā pāsye tadā svapsye tadā vade
erst dann werde ich essen, erst dann trinken, erst dann schlafen, erst dann sprechen
yadānaye priyāṃ bhrātas tava bhāryāṃ parārditām
wenn ich deine von einem anderen bedrängte, geliebte Gattin, o Bruder, zurückgebracht habe
Nachdem ich sie zurückgebracht, Bhava verehrt und Candra, den Verräter am Lehrer, verflucht habe, werde ich danach essen, Starkarmiger; höre mein Wort, Herr der Planeten.
Wort für Wort
tām ānīya bhavaṃ pūjya candraṃ śaptvā gurudruham
nachdem ich sie zurückgebracht, Bhava verehrt und Candra, den Verräter am Lehrer, verflucht habe
paścād bhokṣye mahābāho śṛṇu vācaṃ graheśvara
werde ich danach essen, Starkarmiger; höre mein Wort, Herr der Planeten
Nachdem er von Śaṃkara, verehrt in Hingabe, mancherlei Segnungen erlangt hatte - was wäre wohl durch Śivas Gnade für verkörperte Wesen hier unerreichbar?
Wort für Wort
varān avāpya vividhāñ śaṃkarād bhāvapūjitāt
nachdem er von Śaṃkara, verehrt in Hingabe, mancherlei Segnungen erlangt hatte
śivaprasādāt kiṃ nāma dehinām iha durlabham
was wäre durch Śivas Gnade für verkörperte Wesen hier unerreichbar?
kaviśāpapradagdho 'bhūt tadaiva mṛgalāñchanaḥ /
prāpuḥ kṣayaṃ na ke nāma gurusvāmisakhidruhaḥ //
Vom Fluch des Dichters versengt, ward er sogleich mit dem Fleck des Rehs gezeichnet. Wer wäre nicht dem Verfall verfallen, der seinen Lehrer, Herrn oder Freund verrät?
Wort für Wort
kaviśāpapradagdho 'bhūt tadaiva mṛgalāñchanaḥ
vom Fluch des Dichters versengt, ward er sogleich mit dem Fleck des Rehs gezeichnet
prāpuḥ kṣayaṃ na ke nāma gurusvāmisakhidruhaḥ
wer wäre nicht dem Verfall verfallen, der Lehrer, Herrn oder Freund verrät?
[Anm.: 'mṛgalāñchana' (Reh-Zeichen) bezeichnet das dunkle Mondmal, hier als Folge des Fluches erklärt.]
nadīr nadāṃś ca vividhān oṣadhīś ca pativratāḥ /
tataḥ saṃpraṣṭum ārebhe tārāvṛttaviniṣkrayam //
die verschiedenen Flüsse und Ströme sowie die den Gatten treuen Pflanzengöttinnen. Darauf begann er zu erfragen, wie Tārās Verhalten wieder gutgemacht werden könnte.
Wort für Wort
nadīr nadāṃś ca vividhān oṣadhīś ca pativratāḥ
die verschiedenen Flüsse und Ströme sowie die dem Gatten treuen Pflanzengöttinnen
tataḥ saṃpraṣṭum ārebhe tārāvṛttaviniṣkrayam
darauf begann er zu erfragen, wie Tārās Verhalten wieder gutgemacht werden könnte
Nachdem die von den Göttern makellos gemachte Brahmanengattin zurückgegeben worden war, entstand dort allseitiges Wohlergehen; daher heißt es Tīrtha, o großer Weiser.
Wort für Wort
punar dattvā brahmajāyāṃ kṛtāṃ devair akalmaṣām
nachdem die von den Göttern makellos gemachte Brahmanengattin zurückgegeben worden war
sarvaṃ kṣemam abhūt tatra tasmāt tīrthaṃ mahāmune
entstand dort allseitiges Wohlergehen; daher (heißt es) Tīrtha, o großer Weiser
Nachdem die von den Göttern makellos gemachte Brahmanengattin zurückgegeben worden war, entstand dort allseitiges Wohlergehen; daher heißt es Tīrtha, o großer Weiser. Diese Tīrtha wurde zur Vernichterin der ganzen Sündenflut, alle Wünsche erfüllend; Freude und Wohlergehen entstand für die Götter, die Feinde der Asuras.
Wort für Wort
punar dattvā brahmajāyāṃ kṛtāṃ devair akalmaṣām
nachdem die von den Göttern makellos gemachte Brahmanengattin zurückgegeben worden war
sarvaṃ kṣemam abhūt tatra tasmāt tīrthaṃ mahāmune
entstand dort allseitiges Wohlergehen; daher (heißt es) Tīrtha, o großer Weiser
tad abhūt sakalāghaughadhvaṃsanaṃ sarvakāmadam
diese wurde zur Vernichterin der ganzen Sündenflut, alle Wünsche erfüllend
ānandaṃ kṣemam abhavat surāṇām asurāriṇām
Freude und Wohlergehen entstand für die Götter, die Feinde der Asuras
[Anm.: Die ersten beiden Zeilen dieses Verses wiederholen V.35 nahezu wörtlich - eine im Quelltext vorhandene Wiederholung (Dittographie), die hier beibehalten und nicht stillschweigend getilgt wird.]
{gurur uvāca:} tvaṃ gautami sadā pūjyā sarveṣām api muktidā /
viśeṣatas tu siṃhasthe mayi trailokyapāvanī //
Der Lehrer sprach: Du, Gautamī, bist stets verehrungswürdig, allen Erlösung gewährend; besonders aber, wenn ich im Zeichen des Löwen stehe, bist du die Läuterin der drei Welten.
Wort für Wort
tvaṃ gautami sadā pūjyā sarveṣām api muktidā
du, Gautamī, bist stets verehrungswürdig, allen Erlösung gewährend
viśeṣatas tu siṃhasthe mayi trailokyapāvanī
besonders aber, wenn ich im Zeichen des Löwen stehe, bist du die Läuterin der drei Welten
Du wirst, o beste der Flüsse, mit allen Tīrthas vereint sein; welche Tīrthas es auch im Himmel, auf Erden oder in der Unterwelt gibt, sie alle werden kommen, um in dir zu baden, wenn ich, o Mutter, im Löwen stehe.
Wort für Wort
bhaviṣyasi saricchreṣṭhe sarvatīrthaiḥ samanvitā
du wirst, o beste der Flüsse, mit allen Tīrthas vereint sein
yāni kāni ca tīrthāni svargamṛtyurasātale
welche Tīrthas es auch im Himmel, auf Erden oder in der Unterwelt gibt
tvāṃ snātuṃ tāni yāsyanti mayi siṃhasthite 'mbike
sie alle werden kommen, um in dir zu baden, wenn ich, o Mutter, im Löwen stehe
Brahmā sprach: Segensreich, ruhmbringend, lebensverlängernd, Gesundheit und Wohlstand mehrend, Glück und Herrschaft erzeugend ist die Tīrtha mit Namen Ānanda.
Wort für Wort
dhanyaṃ yaśasyam āyuṣyam ārogyaśrīvivardhanam
segensreich, ruhmbringend, lebensverlängernd, Gesundheit und Wohlstand mehrend
saubhāgyaiśvaryajananaṃ tīrtham ānandanāmakam
Glück und Herrschaft erzeugend (ist) die Tīrtha mit Namen Ānanda
śivasyātra niviṣṭasya nandī gaṅgātaṭe 'niśam /
sākṣāc caraty asau dharmas tasmān nandītaṭaṃ smṛtam /
ānandam api tat tīrthaṃ sarvānandavivardhanāt //
Hier, wo Śiva weilt, wandelt sein Stier Nandī unablässig am Ufer der Gaṅgā, leibhaftig als Dharma umhergehend; daher wird sie Nandītaṭa genannt. Sie heißt auch Ānanda-Tīrtha, weil sie alle Freude vermehrt.
Wort für Wort
śivasyātra niviṣṭasya nandī gaṅgātaṭe 'niśam
hier, wo Śiva weilt, (wandelt) sein Stier Nandī unablässig am Ufer der Gaṅgā