Quellen der Menschheit

Brahma-Purāṇa

Kapitel 152: nandītaṭatīrthamāhātmyavarṇanam Die Größe des Nandītaṭa- (Ānanda-) Tīrtha (Candra, Tārā, Bṛhaspati und Śukras Zorn)

Candra (Candramā) raubt die Gattin Tārā seines eigenen Lehrers Bṛhaspati, was zu einem Kampf und schließlich einer Klage bei Śukra führt. Śukra verflucht Candra zur Aussätzigkeit (Ursprung des Mondflecks) und erzwingt so die Rückgabe Tārās. Auf Anweisung einer Śruti-Stimme badet Tārā mit Bṛhaspati an der Gautamī, wodurch sie gereinigt wird; Bṛhaspati preist daraufhin die Gautamī als besonders machtvoll, wenn Jupiter im Zeichen des Löwen steht. Ursprung des Nandītaṭa-Tīrtha (auch Ānanda-Tīrtha), benannt nach Śivas Stier Nandī, der dort leibhaftig als Dharma wandelt, mit 5000 weiteren Tīrthas.

{brahmovāca:} nandītaṭam iti khyātaṃ tīrthaṃ vedavido viduḥ / tasya prabhāvaṃ vakṣyāmi śṛṇu yatnena nārada //

Brahmā sprach: Es gibt eine als Nandītaṭa bekannte Tīrtha, wie die Vedakundigen wissen. Ihre Macht will ich verkünden - höre aufmerksam, Nārada.

Wort für Wort
nandītaṭam iti khyātaṃ tīrthaṃ vedavido viduḥ
Nandītaṭa genannt (ist) die Tīrtha, wie die Vedakundigen wissen
tasya prabhāvaṃ vakṣyāmi śṛṇu yatnena nārada
ihre Macht werde ich verkünden, höre aufmerksam, Nārada

atriputro mahātejāś candramā iti viśrutaḥ / sarvān vedāṃś ca vidhivad dhanurvedaṃ yathāvidhi //

Atris Sohn, von großem Glanz, war als Candramā bekannt. Alle Veden, vorschriftsgemäß, und den Dhanurveda, wie es sich gebührt,

Wort für Wort
atriputro mahātejāś candramā iti viśrutaḥ
Atris Sohn, von großem Glanz, war als Candramā bekannt
sarvān vedāṃś ca vidhivad dhanurvedaṃ yathāvidhi
alle Veden, vorschriftsgemäß, und den Dhanurveda, wie es sich gebührt

adhītya jīvāt sarvāś ca vidyāś cānyā mahāmate / gurupūjāṃ karomīti jīvam āha sa candramāḥ / bṛhaspatis tadā prāha candraṃ śiṣyaṃ mudānvitaḥ //

hatte er von Jīva erlernt, sowie alle anderen Wissenschaften, o Hochgesinnter. 'Ich will meinem Lehrer Verehrung erweisen', sprach jener Candramā zu Jīva. Da sprach Bṛhaspati, voller Freude, zu seinem Schüler Candra:

Wort für Wort
adhītya jīvāt sarvāś ca vidyāś cānyā mahāmate
von Jīva erlernt, sowie alle anderen Wissenschaften, o Hochgesinnter
gurupūjāṃ karomīti jīvam āha sa candramāḥ
'ich will meinem Lehrer Verehrung erweisen', sprach jener Candramā zu Jīva
bṛhaspatis tadā prāha candraṃ śiṣyaṃ mudānvitaḥ
da sprach Bṛhaspati, voller Freude, zu seinem Schüler Candra

[Anm.: Dreizeiliger Vers im Original.]

{bṛhaspatir uvāca:} mama priyā tu jānīte tārā ratisamaprabhā //

Bṛhaspati sprach: Meine Geliebte, Tārā, an Glanz der Rati gleich, weiß (Bescheid).

Wort für Wort
mama priyā tu jānīte
meine Geliebte aber weiß Bescheid
tārā ratisamaprabhā
Tārā, an Glanz der Rati gleich

[Anm.: Unvollständiger Halbvers im Original (mit * markiert); die genaue Aussage bleibt syntaktisch offen.]

{brahmovāca:} praṣṭuṃ tāṃ ca tadā prāyād antar veśma sa candramāḥ / tārāṃ tārāmukhīṃ dṛṣṭvā jagṛhe tāṃ kareṇa saḥ //

Brahmā sprach: Um sie zu befragen, ging da Candramā ins Innere des Hauses. Als er Tārā, deren Antlitz einem Stern glich, erblickte, ergriff er sie mit der Hand.

Wort für Wort
praṣṭuṃ tāṃ ca tadā prāyād antar veśma sa candramāḥ
um sie zu befragen, ging da Candramā ins Innere des Hauses
tārāṃ tārāmukhīṃ dṛṣṭvā jagṛhe tāṃ kareṇa saḥ
als er Tārā, deren Antlitz einem Stern glich, erblickte, ergriff er sie mit der Hand

svaveśma prati tāṃ lobhād balād ākarṣayat tadā / tāvad dhairyanidhir jñānī matimān vijitendriyaḥ //

Aus Begierde zog er sie da mit Gewalt zu seinem eigenen Haus. So lange ist ein Kenner, ein Standhafter, ein Verständiger, ein Sinnenbezwinger standhaft,

Wort für Wort
svaveśma prati tāṃ lobhād balād ākarṣayat tadā
aus Begierde zog er sie da mit Gewalt zu seinem eigenen Haus
tāvad dhairyanidhir jñānī matimān vijitendriyaḥ
so lange ist ein Kenner, ein Standhafter, ein Verständiger, ein Sinnenbezwinger (standhaft)

yāvan na kāminīnetra-vāgurābhir nibadhyate / viśeṣato rahaḥsaṃsthāṃ kāminīm āyatekṣaṇām //

als er nicht durch die Schlingen der Augen einer begehrenswerten Frau gefesselt wird - insbesondere, wenn er eine im Verborgenen weilende, langäugige begehrenswerte Frau...

Wort für Wort
yāvan na kāminīnetravāgurābhir nibadhyate
solange er nicht durch die Schlingen der Augen einer begehrenswerten Frau gefesselt wird
viśeṣato rahaḥsaṃsthāṃ kāminīm āyatekṣaṇām
insbesondere eine im Verborgenen weilende, langäugige begehrenswerte Frau

vilokya na mano yāti kasya kāmeṣu vaśyatām / ata evānyapuruṣa-darśanaṃ na kadācana //

erblickt - wessen Sinn gerät da nicht in die Gewalt der Begierden? Eben deshalb soll sie niemals von einem fremden Mann gesehen werden -

Wort für Wort
vilokya na mano yāti kasya kāmeṣu vaśyatām
erblickend, wessen Sinn gerät nicht in die Gewalt der Begierden?
ata evānyapuruṣadarśanaṃ na kadācana
eben deshalb (soll sie) niemals von einem fremden Mann gesehen werden

kulavadhvā rahaḥ kāryaṃ bhītayā śīlavipluteḥ / vijñāya tat parijanāt sahasotthāya nirgataḥ //

eine Frau aus edlem Haus muss, aus Furcht vor dem Verlust ihrer Tugend, im Verborgenen bleiben. Als er dies von seinem Gefolge erfuhr, erhob er sich plötzlich und ging hinaus.

Wort für Wort
kulavadhvā rahaḥ kāryaṃ bhītayā śīlavipluteḥ
eine Frau aus edlem Haus muss, aus Furcht vor dem Verlust der Tugend, im Verborgenen bleiben
vijñāya tat parijanāt sahasotthāya nirgataḥ
als er dies von seinem Gefolge erfuhr, erhob er sich plötzlich und ging hinaus

dṛṣṭvā tad duṣkṛtaṃ karma bṛhaspatir udāradhīḥ / śaśāpa kopāc cākṣipya vāgbhir vipriyakāribhiḥ //

Als der edelsinnige Bṛhaspati diese üble Tat sah, verfluchte er ihn zornig, ihn mit unfreundlichen Worten schmähend.

Wort für Wort
dṛṣṭvā tad duṣkṛtaṃ karma bṛhaspatir udāradhīḥ
als der edelsinnige Bṛhaspati diese üble Tat sah
śaśāpa kopāc cākṣipya vāgbhir vipriyakāribhiḥ
verfluchte er ihn zornig, mit unfreundlichen Worten schmähend

parābhibhūtām ālokya kāntāṃ kaḥ soḍhum īśvaraḥ / yuyudhe tena jīvo 'pi devaś candramasā ruṣā //

Wer wäre imstande, den Anblick seiner von einem anderen bezwungenen Geliebten zu ertragen? So kämpfte auch der Gott Jīva zornig mit Candramā.

Wort für Wort
parābhibhūtām ālokya kāntāṃ kaḥ soḍhum īśvaraḥ
wer wäre imstande, den Anblick der von einem anderen bezwungenen Geliebten zu ertragen?
yuyudhe tena jīvo 'pi devaś candramasā ruṣā
so kämpfte auch der Gott Jīva zornig mit Candramā

na śāpair hanyate candro nāyudhaiḥ suramantritaiḥ / bṛhaspatipraṇītaiś ca na mantrair hanyate śaśī //

Doch Candra wurde weder durch Flüche noch durch von den Göttern besprochene Waffen getötet; auch durch von Bṛhaspati vorgetragene Mantras wurde der Mond nicht getötet.

Wort für Wort
na śāpair hanyate candro nāyudhaiḥ suramantritaiḥ
Candra wurde weder durch Flüche noch durch von den Göttern besprochene Waffen getötet
bṛhaspatipraṇītaiś ca na mantrair hanyate śaśī
auch durch von Bṛhaspati vorgetragene Mantras wurde der Mond nicht getötet

tadā candras tu tāṃ tārāṃ nītvā saṃsthāpya mandire / bubhuje bahuvarṣāṇi rohiṇīṃ cākutobhayaḥ //

Da nahm Candra jene Tārā mit sich, brachte sie in seinem Palast unter und genoss sie viele Jahre hindurch, ebenso Rohiṇī, ohne jede Furcht.

Wort für Wort
tadā candras tu tāṃ tārāṃ nītvā saṃsthāpya mandire
da nahm Candra jene Tārā mit sich und brachte sie in seinem Palast unter
bubhuje bahuvarṣāṇi rohiṇīṃ cākutobhayaḥ
und genoss sie viele Jahre hindurch, ebenso Rohiṇī, ohne jede Furcht

na jīyeta tadā devair na kopaiḥ śāpamantrakaiḥ / na rājabhir na ṛṣibhir na sāmnā bhedadaṇḍanaiḥ //

Er wurde damals weder von den Göttern noch durch zornige Flüche und Mantras besiegt, weder von Königen noch von Weisen, weder durch Versöhnung, Zwietracht noch Bestrafung.

Wort für Wort
na jīyeta tadā devair na kopaiḥ śāpamantrakaiḥ
er wurde damals weder von den Göttern noch durch zornige Flüche und Mantras besiegt
na rājabhir na ṛṣibhir na sāmnā bhedadaṇḍanaiḥ
weder von Königen noch von Weisen, weder durch Versöhnung, Zwietracht noch Bestrafung

yadā bhāryāṃ na lebhe 'sau guruḥ sarvaprayatnataḥ / sarvopāyakṣaye jīvas tadā nītim athāsmarat //

Als der Lehrer trotz all seiner Bemühungen seine Gattin nicht zurückgewann, erinnerte sich Jīva, nachdem alle Mittel erschöpft waren, an die Klugheitslehre:

Wort für Wort
yadā bhāryāṃ na lebhe 'sau guruḥ sarvaprayatnataḥ
als der Lehrer trotz all seiner Bemühungen seine Gattin nicht zurückgewann
sarvopāyakṣaye jīvas tadā nītim athāsmarat
nachdem alle Mittel erschöpft waren, erinnerte sich Jīva an die Klugheitslehre

apamānaṃ puraskṛtya mānaṃ kṛtvā tu pṛṣṭhataḥ / svārtham uddharate prājñaḥ svārthabhraṃśo hi mūrkhatā //

Indem er die Demütigung voranstellt und den Stolz zurückstellt, rettet der Kluge seinen eigenen Vorteil; das Verlieren des eigenen Vorteils ist ja Torheit.

Wort für Wort
apamānaṃ puraskṛtya mānaṃ kṛtvā tu pṛṣṭhataḥ
indem er die Demütigung voranstellt und den Stolz zurückstellt
svārtham uddharate prājñaḥ svārthabhraṃśo hi mūrkhatā
rettet der Kluge seinen eigenen Vorteil; das Verlieren des eigenen Vorteils ist Torheit

sādhyaṃ kenāpy upāyena jānadbhiḥ puruṣaiḥ phalam / vṛthābhimāninaḥ śīghraṃ vipadyante vimohitāḥ //

Von Männern, die wissen, dass die Frucht durch irgendein Mittel zu erreichen ist, wird sie erreicht; die grundlos Stolzen aber gehen, verblendet, rasch zugrunde.

Wort für Wort
sādhyaṃ kenāpy upāyena jānadbhiḥ puruṣaiḥ phalam
von Männern, die wissen, dass die Frucht durch irgendein Mittel zu erreichen ist
vṛthābhimāninaḥ śīghraṃ vipadyante vimohitāḥ
die grundlos Stolzen aber gehen, verblendet, rasch zugrunde

evaṃ niścitya medhāvī śukraṃ gatvā nyavedayat / tam āgataṃ kavir jñātvā saṃmānenābhyanandayat //

So entschlossen, ging der Kluge zu Śukra und trug ihm sein Anliegen vor. Als der Dichter ihn kommen sah, hieß er ihn mit Ehrerbietung willkommen.

Wort für Wort
evaṃ niścitya medhāvī śukraṃ gatvā nyavedayat
so entschlossen, ging der Kluge zu Śukra und trug ihm sein Anliegen vor
tam āgataṃ kavir jñātvā saṃmānenābhyanandayat
als der Dichter ihn kommen sah, hieß er ihn mit Ehrerbietung willkommen

upaviṣṭaṃ suviśrāntaṃ pūjitaṃ ca yathāvidhi / paryapṛcchad daityagurus tadāgamanakāraṇam //

Nachdem er Platz genommen, sich gut ausgeruht und gebührend geehrt worden war, fragte der Lehrer der Daityas nach dem Grund seines Kommens.

Wort für Wort
upaviṣṭaṃ suviśrāntaṃ pūjitaṃ ca yathāvidhi
nachdem er Platz genommen, sich gut ausgeruht und gebührend geehrt worden war
paryapṛcchad daityagurus tadāgamanakāraṇam
fragte der Lehrer der Daityas nach dem Grund seines Kommens

gṛhāgatasya vimukhāḥ śatravo 'py uttamā nahi / tasmai sa vistareṇāha bhāryāharaṇam āditaḥ //

Selbst Feinde wenden sich einem ins Haus Gekommenen nicht ab, geschweige denn Vortreffliche. Ihm erzählte er ausführlich von Anfang an den Raub seiner Gattin.

Wort für Wort
gṛhāgatasya vimukhāḥ śatravo 'py uttamā nahi
selbst Feinde wenden sich einem ins Haus Gekommenen nicht ab, geschweige denn Vortreffliche
tasmai sa vistareṇāha bhāryāharaṇam āditaḥ
ihm erzählte er ausführlich von Anfang an den Raub seiner Gattin

bṛhaspates tadā vākyaṃ śrutvā kopānvitaḥ kaviḥ / aparādhaṃ tu candrasya mene śiṣyasya nārada / atikramam imaṃ śrutvā kopāt kavir athābravīt //

Als der Dichter Bṛhaspatis Worte gehört hatte, wurde er zornig; er erachtete dies als Vergehen des Schülers Candra, o Nārada. Nachdem er von dieser Übertretung gehört hatte, sprach der Dichter zornig:

Wort für Wort
bṛhaspates tadā vākyaṃ śrutvā kopānvitaḥ kaviḥ
als der Dichter Bṛhaspatis Worte gehört hatte, wurde er zornig
aparādhaṃ tu candrasya mene śiṣyasya nārada
er erachtete dies als Vergehen des Schülers Candra, o Nārada
atikramam imaṃ śrutvā kopāt kavir athābravīt
nachdem er von dieser Übertretung gehört hatte, sprach der Dichter zornig

[Anm.: Dreizeiliger Vers im Original.]

{śukra uvāca:} tadā bhokṣye tadā pāsye tadā svapsye tadā vade / yadānaye priyāṃ bhrātas tava bhāryāṃ parārditām //

Śukra sprach: Erst dann werde ich essen, erst dann trinken, erst dann schlafen, erst dann sprechen, wenn ich deine von einem anderen bedrängte, geliebte Gattin, o Bruder, zurückgebracht habe.

Wort für Wort
tadā bhokṣye tadā pāsye tadā svapsye tadā vade
erst dann werde ich essen, erst dann trinken, erst dann schlafen, erst dann sprechen
yadānaye priyāṃ bhrātas tava bhāryāṃ parārditām
wenn ich deine von einem anderen bedrängte, geliebte Gattin, o Bruder, zurückgebracht habe

tām ānīya bhavaṃ pūjya candraṃ śaptvā gurudruham / paścād bhokṣye mahābāho śṛṇu vācaṃ graheśvara //

Nachdem ich sie zurückgebracht, Bhava verehrt und Candra, den Verräter am Lehrer, verflucht habe, werde ich danach essen, Starkarmiger; höre mein Wort, Herr der Planeten.

Wort für Wort
tām ānīya bhavaṃ pūjya candraṃ śaptvā gurudruham
nachdem ich sie zurückgebracht, Bhava verehrt und Candra, den Verräter am Lehrer, verflucht habe
paścād bhokṣye mahābāho śṛṇu vācaṃ graheśvara
werde ich danach essen, Starkarmiger; höre mein Wort, Herr der Planeten

{brahmovāca:} evam uktvā sa jīvena daityācāryo jagāma ha / śivam ārādhya yatnena paraṃ sāmarthyam āptavān //

Brahmā sprach: So sprechend, ging der Lehrer der Daityas zusammen mit Jīva fort; nachdem er Śiva eifrig verehrt hatte, erlangte er höchste Kraft.

Wort für Wort
evam uktvā sa jīvena daityācāryo jagāma ha
so sprechend, ging der Lehrer der Daityas zusammen mit Jīva fort
śivam ārādhya yatnena paraṃ sāmarthyam āptavān
nachdem er Śiva eifrig verehrt hatte, erlangte er höchste Kraft

varān avāpya vividhāñ śaṃkarād bhāvapūjitāt / śivaprasādāt kiṃ nāma dehinām iha durlabham //

Nachdem er von Śaṃkara, verehrt in Hingabe, mancherlei Segnungen erlangt hatte - was wäre wohl durch Śivas Gnade für verkörperte Wesen hier unerreichbar?

Wort für Wort
varān avāpya vividhāñ śaṃkarād bhāvapūjitāt
nachdem er von Śaṃkara, verehrt in Hingabe, mancherlei Segnungen erlangt hatte
śivaprasādāt kiṃ nāma dehinām iha durlabham
was wäre durch Śivas Gnade für verkörperte Wesen hier unerreichbar?

jagāma śukro jīvena tārayā yatra candramāḥ / vartate taṃ śaśāpoccaiḥ śṛṇu tvaṃ candra me vacaḥ //

Śukra ging zusammen mit Jīva dorthin, wo Candramā mit Tārā weilte. Er verfluchte ihn laut: 'Höre du, Candra, mein Wort:'

Wort für Wort
jagāma śukro jīvena tārayā yatra candramāḥ
Śukra ging zusammen mit Jīva dorthin, wo Candramā mit Tārā weilte
vartate taṃ śaśāpoccaiḥ śṛṇu tvaṃ candra me vacaḥ
er verfluchte ihn laut: 'höre du, Candra, mein Wort'

yasmāt pāpataraṃ karma tvayā pāpa madāt kṛtam / kuṣṭhī bhūyās tataś candraṃ śaśāpaivaṃ ruṣā kaviḥ //

'Weil von dir, Sünder, aus Stolz eine überaus sündige Tat begangen wurde, sollst du aussätzig werden.' So verfluchte der Dichter zornig den Candra.

Wort für Wort
yasmāt pāpataraṃ karma tvayā pāpa madāt kṛtam
weil von dir, Sünder, aus Stolz eine überaus sündige Tat begangen wurde
kuṣṭhī bhūyās tataś candraṃ śaśāpaivaṃ ruṣā kaviḥ
sollst du aussätzig werden - so verfluchte der Dichter zornig den Candra

kaviśāpapradagdho 'bhūt tadaiva mṛgalāñchanaḥ / prāpuḥ kṣayaṃ na ke nāma gurusvāmisakhidruhaḥ //

Vom Fluch des Dichters versengt, ward er sogleich mit dem Fleck des Rehs gezeichnet. Wer wäre nicht dem Verfall verfallen, der seinen Lehrer, Herrn oder Freund verrät?

Wort für Wort
kaviśāpapradagdho 'bhūt tadaiva mṛgalāñchanaḥ
vom Fluch des Dichters versengt, ward er sogleich mit dem Fleck des Rehs gezeichnet
prāpuḥ kṣayaṃ na ke nāma gurusvāmisakhidruhaḥ
wer wäre nicht dem Verfall verfallen, der Lehrer, Herrn oder Freund verrät?

[Anm.: 'mṛgalāñchana' (Reh-Zeichen) bezeichnet das dunkle Mondmal, hier als Folge des Fluches erklärt.]

tatyāja tāṃ sa candro 'pi tāṃ tārāṃ jagṛhe kaviḥ / śukro 'pi devān āhūya ṛṣīn pitṛgaṇāṃs tathā //

Da ließ Candra jene Tārā los, und der Dichter nahm Tārā zurück. Śukra rief auch die Götter, die Weisen und die Scharen der Ahnen herbei,

Wort für Wort
tatyāja tāṃ sa candro 'pi tāṃ tārāṃ jagṛhe kaviḥ
da ließ Candra jene Tārā los, und der Dichter nahm Tārā zurück
śukro 'pi devān āhūya ṛṣīn pitṛgaṇāṃs tathā
Śukra rief auch die Götter, die Weisen und die Scharen der Ahnen herbei

nadīr nadāṃś ca vividhān oṣadhīś ca pativratāḥ / tataḥ saṃpraṣṭum ārebhe tārāvṛttaviniṣkrayam //

die verschiedenen Flüsse und Ströme sowie die den Gatten treuen Pflanzengöttinnen. Darauf begann er zu erfragen, wie Tārās Verhalten wieder gutgemacht werden könnte.

Wort für Wort
nadīr nadāṃś ca vividhān oṣadhīś ca pativratāḥ
die verschiedenen Flüsse und Ströme sowie die dem Gatten treuen Pflanzengöttinnen
tataḥ saṃpraṣṭum ārebhe tārāvṛttaviniṣkrayam
darauf begann er zu erfragen, wie Tārās Verhalten wieder gutgemacht werden könnte

tataḥ śrutiḥ surān āha gautamyāṃ bhaktitas tv iyam / snānaṃ karotu jīvena tārā pūtā bhaviṣyati //

Da sprach eine Śruti-Stimme zu den Göttern: 'Sie soll mit Hingabe an der Gautamī baden, zusammen mit Jīva; dann wird Tārā gereinigt sein.'

Wort für Wort
tataḥ śrutiḥ surān āha gautamyāṃ bhaktitas tv iyam
da sprach eine Śruti-Stimme zu den Göttern: mit Hingabe an der Gautamī, sie
snānaṃ karotu jīvena tārā pūtā bhaviṣyati
soll baden zusammen mit Jīva; dann wird Tārā gereinigt sein

rahasyam etat paramaṃ na kathyaṃ yasya kasyacit / sarvāsv api daśāsv eha śaraṇaṃ gautamī nṛṇām //

'Dies ist ein höchstes Geheimnis, das niemandem mitgeteilt werden soll. In allen Zuständen hier ist die Gautamī die Zuflucht der Menschen.'

Wort für Wort
rahasyam etat paramaṃ na kathyaṃ yasya kasyacit
dies ist ein höchstes Geheimnis, das niemandem mitgeteilt werden soll
sarvāsv api daśāsv eha śaraṇaṃ gautamī nṛṇām
in allen Zuständen hier ist die Gautamī die Zuflucht der Menschen

tathākaroc caiva tārā bhartrā snānaṃ yathāvidhi / puṣpavṛṣṭir abhūt tatra jayaśabdo vyavartata //

So tat Tārā es auch, zusammen mit ihrem Gatten badete sie vorschriftsgemäß. Ein Blütenregen fiel dort, und Jubelrufe ertönten.

Wort für Wort
tathākaroc caiva tārā bhartrā snānaṃ yathāvidhi
so tat Tārā es auch, zusammen mit ihrem Gatten badete sie vorschriftsgemäß
puṣpavṛṣṭir abhūt tatra jayaśabdo vyavartata
ein Blütenregen fiel dort, und Jubelrufe ertönten

punar vai devā adaduḥ punar manuṣyā uta / rājānaḥ satyaṃ kṛṇvānā brahmajāyāṃ punar daduḥ //

Wieder gaben die Götter sie zurück, wieder auch die Menschen; die Könige, der Wahrheit gemäß handelnd, gaben die Brahmanengattin wieder zurück.

Wort für Wort
punar vai devā adaduḥ punar manuṣyā uta
wieder gaben die Götter (sie zurück), wieder auch die Menschen
rājānaḥ satyaṃ kṛṇvānā brahmajāyāṃ punar daduḥ
die Könige, der Wahrheit gemäß handelnd, gaben die Brahmanengattin wieder zurück

[Anm.: sinngemäß - der Vers scheint eine liturgisch-formelhafte Wiederholung im Sinne einer feierlichen Rückgabe-Formel wiederzugeben.]

punar dattvā brahmajāyāṃ kṛtāṃ devair akalmaṣām / sarvaṃ kṣemam abhūt tatra tasmāt tīrthaṃ mahāmune //

Nachdem die von den Göttern makellos gemachte Brahmanengattin zurückgegeben worden war, entstand dort allseitiges Wohlergehen; daher heißt es Tīrtha, o großer Weiser.

Wort für Wort
punar dattvā brahmajāyāṃ kṛtāṃ devair akalmaṣām
nachdem die von den Göttern makellos gemachte Brahmanengattin zurückgegeben worden war
sarvaṃ kṣemam abhūt tatra tasmāt tīrthaṃ mahāmune
entstand dort allseitiges Wohlergehen; daher (heißt es) Tīrtha, o großer Weiser

punar dattvā brahmajāyāṃ kṛtāṃ devair akalmaṣām sarvaṃ kṣemam abhūt tatra tasmāt tīrthaṃ mahāmune tad abhūt sakalāghaughadhvaṃsanaṃ sarvakāmadam ānandaṃ kṣemam abhavat surāṇām asurāriṇām //

Nachdem die von den Göttern makellos gemachte Brahmanengattin zurückgegeben worden war, entstand dort allseitiges Wohlergehen; daher heißt es Tīrtha, o großer Weiser. Diese Tīrtha wurde zur Vernichterin der ganzen Sündenflut, alle Wünsche erfüllend; Freude und Wohlergehen entstand für die Götter, die Feinde der Asuras.

Wort für Wort
punar dattvā brahmajāyāṃ kṛtāṃ devair akalmaṣām
nachdem die von den Göttern makellos gemachte Brahmanengattin zurückgegeben worden war
sarvaṃ kṣemam abhūt tatra tasmāt tīrthaṃ mahāmune
entstand dort allseitiges Wohlergehen; daher (heißt es) Tīrtha, o großer Weiser
tad abhūt sakalāghaughadhvaṃsanaṃ sarvakāmadam
diese wurde zur Vernichterin der ganzen Sündenflut, alle Wünsche erfüllend
ānandaṃ kṣemam abhavat surāṇām asurāriṇām
Freude und Wohlergehen entstand für die Götter, die Feinde der Asuras

[Anm.: Die ersten beiden Zeilen dieses Verses wiederholen V.35 nahezu wörtlich - eine im Quelltext vorhandene Wiederholung (Dittographie), die hier beibehalten und nicht stillschweigend getilgt wird.]

bṛhaspateś ca śukrasya tārāyāś ca viśeṣataḥ / paramānandam āpanno gurur gaṅgām abhāṣata //

Bṛhaspati, Śukra und besonders Tārā gelangten zu höchster Freude; der Lehrer sprach zur Gaṅgā:

Wort für Wort
bṛhaspateś ca śukrasya tārāyāś ca viśeṣataḥ
Bṛhaspati, Śukra und besonders Tārā
paramānandam āpanno gurur gaṅgām abhāṣata
zu höchster Freude gelangt, sprach der Lehrer zur Gaṅgā

{gurur uvāca:} tvaṃ gautami sadā pūjyā sarveṣām api muktidā / viśeṣatas tu siṃhasthe mayi trailokyapāvanī //

Der Lehrer sprach: Du, Gautamī, bist stets verehrungswürdig, allen Erlösung gewährend; besonders aber, wenn ich im Zeichen des Löwen stehe, bist du die Läuterin der drei Welten.

Wort für Wort
tvaṃ gautami sadā pūjyā sarveṣām api muktidā
du, Gautamī, bist stets verehrungswürdig, allen Erlösung gewährend
viśeṣatas tu siṃhasthe mayi trailokyapāvanī
besonders aber, wenn ich im Zeichen des Löwen stehe, bist du die Läuterin der drei Welten

bhaviṣyasi saricchreṣṭhe sarvatīrthaiḥ samanvitā / yāni kāni ca tīrthāni svargamṛtyurasātale / tvāṃ snātuṃ tāni yāsyanti mayi siṃhasthite 'mbike //

Du wirst, o beste der Flüsse, mit allen Tīrthas vereint sein; welche Tīrthas es auch im Himmel, auf Erden oder in der Unterwelt gibt, sie alle werden kommen, um in dir zu baden, wenn ich, o Mutter, im Löwen stehe.

Wort für Wort
bhaviṣyasi saricchreṣṭhe sarvatīrthaiḥ samanvitā
du wirst, o beste der Flüsse, mit allen Tīrthas vereint sein
yāni kāni ca tīrthāni svargamṛtyurasātale
welche Tīrthas es auch im Himmel, auf Erden oder in der Unterwelt gibt
tvāṃ snātuṃ tāni yāsyanti mayi siṃhasthite 'mbike
sie alle werden kommen, um in dir zu baden, wenn ich, o Mutter, im Löwen stehe

[Anm.: Dreizeiliger Vers im Original.]

{brahmovāca:} dhanyaṃ yaśasyam āyuṣyam ārogyaśrīvivardhanam / saubhāgyaiśvaryajananaṃ tīrtham ānandanāmakam //

Brahmā sprach: Segensreich, ruhmbringend, lebensverlängernd, Gesundheit und Wohlstand mehrend, Glück und Herrschaft erzeugend ist die Tīrtha mit Namen Ānanda.

Wort für Wort
dhanyaṃ yaśasyam āyuṣyam ārogyaśrīvivardhanam
segensreich, ruhmbringend, lebensverlängernd, Gesundheit und Wohlstand mehrend
saubhāgyaiśvaryajananaṃ tīrtham ānandanāmakam
Glück und Herrschaft erzeugend (ist) die Tīrtha mit Namen Ānanda

tatra pañca sahasrāṇi tīrthāny āha sa gautamaḥ / smaraṇāt paṭhanād vāpi iṣṭaiḥ saṃyujyate sadā //

Dort gibt es, so sagt Gautama, fünftausend Tīrthas; durch bloßes Gedenken oder Rezitieren wird man stets mit dem Erwünschten vereint.

Wort für Wort
tatra pañca sahasrāṇi tīrthāny āha sa gautamaḥ
dort gibt es, so sagt Gautama, fünftausend Tīrthas
smaraṇāt paṭhanād vāpi iṣṭaiḥ saṃyujyate sadā
durch bloßes Gedenken oder Rezitieren wird man stets mit dem Erwünschten vereint

śivasyātra niviṣṭasya nandī gaṅgātaṭe 'niśam / sākṣāc caraty asau dharmas tasmān nandītaṭaṃ smṛtam / ānandam api tat tīrthaṃ sarvānandavivardhanāt //

Hier, wo Śiva weilt, wandelt sein Stier Nandī unablässig am Ufer der Gaṅgā, leibhaftig als Dharma umhergehend; daher wird sie Nandītaṭa genannt. Sie heißt auch Ānanda-Tīrtha, weil sie alle Freude vermehrt.

Wort für Wort
śivasyātra niviṣṭasya nandī gaṅgātaṭe 'niśam
hier, wo Śiva weilt, (wandelt) sein Stier Nandī unablässig am Ufer der Gaṅgā
sākṣāc caraty asau dharmas tasmān nandītaṭaṃ smṛtam
leibhaftig als Dharma wandelnd; daher wird sie Nandītaṭa genannt
ānandam api tat tīrthaṃ sarvānandavivardhanāt
sie heißt auch Ānanda-Tīrtha, weil sie alle Freude vermehrt

[Anm.: Dreizeiliger Vers im Original.]

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