Kapitel 219: kokāmukhamāhātmyaṃ pitṛśrāddhavidhiś ca
Die Größe des Kokāmukha und die Ordnung des Ahnenopfers
Die ausführliche Legende von der Ahnenschar (Pitṛs), die durch einen Fluch des Mondes ihre Yoga-Kraft verliert, in der Kokā versinkt und von Viṣṇu in Ebergestalt (Varāha) gerettet wird; darin eingebettet eine detaillierte technische Darstellung des vedischen Ahnenopfer-Rituals (śrāddha/tarpaṇa), sowie der Ursprung Narakāsuras aus der Vereinigung Varāhas mit der Erdgöttin Chāyā.
{munaya ūcuḥ:} paralokagatānāṃ tu svakarmasthānavāsinām / teṣāṃ śrāddhaṃ kathaṃ jñeyaṃ putraiś cānyaiś ca bandhubhiḥ //
Die Weisen sprachen: Wie soll das Totenopfer (śrāddha) für jene, die in die andere Welt gegangen sind und an dem ihren Taten entsprechenden Ort weilen, von den Söhnen und anderen Verwandten vollzogen werden?
Wort für Wort
paralokagatānāṃ tu svakarmasthānavāsinām /
Für jene, die in die andere Welt gegangen sind (paralokagatānām) und an dem ihren eigenen Taten entsprechenden Ort weilen (svakarmasthānavāsinām),
teṣāṃ śrāddhaṃ kathaṃ jñeyaṃ putraiś cānyaiś ca bandhubhiḥ //
wie (katham) soll ihr Totenopfer (śrāddham) von Söhnen (putraiḥ) und anderen Verwandten (anyaiḥ ca bandhubhiḥ) verstanden/vollzogen werden (jñeyam)?
Vyāsa sprach: Nachdem ich mich vor dem Herrn der Welt, dem Eber, dem Erhalter der Welt, verneigt habe, höret! Ich will nun das Ritual des Totenopfers vollständig verkünden, so wie es überliefert ist.
Wort für Wort
namaskṛtya jagannāthaṃ vārāhaṃ lokabhāvanam /
Vor dem Herrn der Welt (jagannātham), dem Eber (vārāham), dem Erhalter der Welt (lokabhāvanam), verneigt habend (namaskṛtya),
Einst rettete der Mächtige die im Wasser der Kokā versunkenen Ahnen, und der Gott vollzog dort das Totenopfer, o beste der Zweifachgeborenen – höret, wie das geschah.
Wort für Wort
purā kokājale magnān pitṝn uddhṛtavān vibhuḥ /
Einst (purā) rettete (uddhṛtavān) der Mächtige (vibhuḥ) die im Wasser der Kokā (kokājale) versunkenen (magnān) Ahnen (pitṝn),
śrāddhaṃ kṛtvā tadā devo yathā tatra dvijottamāḥ //
und vollzog (kṛtvā) dort das Totenopfer (śrāddham), der Gott (devaḥ), so wie es dort [geschah] (yathā tatra), o beste der Zweifachgeborenen (dvijottamāḥ).
{munaya ūcuḥ:} kimarthaṃ te tu kokāyāṃ nimagnāḥ pitaro 'mbhasi / kathaṃ tenoddhṛtās te vai vārāheṇa dvijottama //
Die Weisen sprachen: Aus welchem Grund waren die Ahnen im Wasser der Kokā versunken, und wie wurden sie von Varāha gerettet, o Bester der Zweifachgeborenen?
Wort für Wort
kimarthaṃ te tu kokāyāṃ nimagnāḥ pitaro 'mbhasi /
Aus welchem Grund (kimartham) waren die Ahnen (pitaraḥ) im Wasser (ambhasi) der Kokā (kokāyām) versunken (nimagnāḥ)?
kathaṃ tenoddhṛtās te vai vārāheṇa dvijottama //
Wie (katham) wurden sie (te) von Varāha (vārāheṇa) gerettet (uddhṛtāḥ), o Bester der Zweifachgeborenen (dvijottama)?
Vyāsa sprach: Am Übergang von Tretā- und Dvāpara-Zeitalter weilten einst die Ahnen, göttliche wie menschliche, auf dem Rücken des Berges Meru, zusammen mit den Viśvedevas.
Wort für Wort
tretādvāparayoḥ saṃdhau pitaro divyamānuṣāḥ /
Am Übergang (saṃdhau) von Tretā und Dvāpara (tretādvāparayoḥ) [weilten] die Ahnen (pitaraḥ), göttliche wie menschliche (divyamānuṣāḥ),
purā merugireḥ pṛṣṭhe viśvair devaiḥ saha sthitāḥ //
einst (purā) auf dem Rücken (pṛṣṭhe) des Berges Meru (merugireḥ), zusammen mit den Viśvedevas (viśvair devaiḥ saha) weilend (sthitāḥ).
teṣāṃ samupaviṣṭānāṃ pitṝṇāṃ somasaṃbhavā / kanyā kāntimatī divyā purataḥ prāñjaliḥ sthitā / tām ūcuḥ pitaro divyā ye tatrāsan samāgatāḥ //
Während diese Ahnen dort versammelt saßen, stand eine liebliche, göttliche, von Soma geborene Jungfrau mit gefalteten Händen vor ihnen. Zu ihr sprachen die dort versammelten göttlichen Ahnen:
Wort für Wort
teṣāṃ samupaviṣṭānāṃ pitṝṇāṃ somasaṃbhavā /
Während diese Ahnen (teṣām pitṝṇām) [dort] versammelt saßen (samupaviṣṭānām), eine von Soma geborene (somasaṃbhavā)
kanyā kāntimatī divyā purataḥ prāñjaliḥ sthitā /
liebliche (kāntimatī), göttliche (divyā) Jungfrau (kanyā) stand vor ihnen mit gefalteten Händen (purataḥ prāñjaliḥ sthitā).
tām ūcuḥ pitaro divyā ye tatrāsan samāgatāḥ //
Zu ihr (tām) sprachen (ūcuḥ) die göttlichen Ahnen (pitaro divyā), die dort versammelt waren (ye tatra āsan samāgatāḥ).
Die Viśvedevas aber erkannten sie als solche, die auf das Antlitz der Jungfrau starrten, und sahen sie so als aus ihrer Yoga-Sammlung Gefallene an; sie verließen sie und gingen zum Himmel.
Wort für Wort
viśvedevāś ca tāñ jñātvā kanyāmukhanirīkṣakān /
Die Viśvedevas (viśvedevāḥ) aber erkannten sie (tān jñātvā) als Betrachter des Antlitzes der Jungfrau (kanyāmukhanirīkṣakān),
yogacyutān nirīkṣyaiva vihāya tridivaṃ gatāḥ //
sahen sie als aus dem Yoga Gefallene an (yogacyutān nirīkṣya eva), verließen sie (vihāya) und gingen zum Himmel (tridivaṃ gatāḥ).
sa viveda tadā somaḥ prāptāṃ pitṝṃś ca kāmataḥ / taiś cāvalokitāṃ hārdāt svīkṛtāṃ ca tapobalāt //
Da erkannte Soma, dass sie aus eigenem Verlangen zu den Ahnen gelangt war, von ihnen aus Zuneigung angeschaut und durch die Kraft ihrer Askese in Besitz genommen worden war.
Wort für Wort
sa viveda tadā somaḥ prāptāṃ pitṝṃś ca kāmataḥ /
Da (tadā) erkannte (viveda) Soma (somaḥ), dass sie aus [eigenem] Verlangen (kāmataḥ) zu den Ahnen (pitṝn) gelangt war (prāptām),
taiś cāvalokitāṃ hārdāt svīkṛtāṃ ca tapobalāt //
und von ihnen (taiḥ) aus Zuneigung (hārdāt) angeschaut (avalokitām) und durch die Kraft der Askese (tapobalāt) in Besitz genommen worden war (svīkṛtām).
Da verfluchte der Mond, von Zorn erfüllten Sinnes, die Ahnen, o Zweifachgeborene: 'Ihr sollt herabstürzen, aus eurer Yoga-Sammlung gefallen und von Sinnen!'
Wort für Wort
tataḥ krodhaparītātmā pitṝñ śaśadharo dvijāḥ /
Da (tataḥ), von Zorn erfüllten Sinnes (krodhaparītātmā), [verfluchte] der Mond (śaśadharaḥ) die Ahnen (pitṝn), o Zweifachgeborene (dvijāḥ),
śaśāpa nipatiṣyadhvaṃ yogabhraṣṭā vicetasaḥ //
er verfluchte (śaśāpa) sie: 'Ihr sollt herabstürzen (nipatiṣyadhvam), aus dem Yoga gefallen (yogabhraṣṭāḥ) und von Sinnen (vicetasaḥ)!'
'– da sie, eigenmächtig handelnd, den Dharma preisgegeben hat, so werde sie darum zu einem Fluss, der in der Welt als Kokā bekannt ist und am Himālaya ruht!'
auf dem Hochplateau (prasthe), und gelangte zu der vortrefflichen, mit den sieben Meeren [verbundenen] Tīrtha (saptasāmudram uttamam tīrtham samāsādya).
kokā nāma tato vegān nadī tīrthaśatākulā / plāvayantī gireḥ śṛṅgaṃ sarpaṇāt tu sarit smṛtā //
Sie wurde zu einem reißenden Fluss namens Kokā, reich an hunderten heiligen Furten, der den Berggipfel überflutete; wegen ihres Fließens wird sie Sarit (die Fließende) genannt.
Wort für Wort
kokā nāma tato vegān nadī tīrthaśatākulā /
Sie wurde, von ihrem Andrang (vegāt), zu einem Fluss namens Kokā (kokā nāma nadī), reich an hunderten Tīrthas (tīrthaśatākulā),
plāvayantī gireḥ śṛṅgaṃ sarpaṇāt tu sarit smṛtā //
den Berggipfel überflutend (plāvayantī gireḥ śṛṅgam); wegen ihres Fließens (sarpaṇāt) aber wird sie 'Sarit' genannt (sarit smṛtā).
kṣīraṃ madhu ca tad divyaṃ kokāmbho badarīphalam / idaṃ girivareṇaiṣāṃ poṣaṇāya nirūpitam //
Diese Milch und jener göttliche Honig, das Wasser der Kokā und die Frucht des Jujubenbaums – dies wurde von dem vortrefflichen Berg zu ihrer Ernährung bestimmt.
Wort für Wort
kṣīraṃ madhu ca tad divyaṃ kokāmbho badarīphalam /
Diese Milch (kṣīram) und jener göttliche Honig (madhu tad divyam), das Wasser der Kokā (kokāmbhaḥ), die Frucht des Jujubenbaums (badarīphalam) –
idaṃ girivareṇaiṣāṃ poṣaṇāya nirūpitam //
dies (idam) wurde von dem vortrefflichen Berg (girivareṇa) zu ihrer Ernährung (eṣāṃ poṣaṇāya) bestimmt (nirūpitam).
Als die Daiteyas und ebenso die Rākṣasas sahen, dass die Ahnen im Wasser verschwunden waren, verbargen sie sich, ohne ihre Beute gefunden zu haben, auf einen Vibhītaka-Baum steigend.
Wort für Wort
pitṝn antarhitān dṛṣṭvā daiteyā rākṣasās tathā /
Als die Daiteyas (daiteyāḥ) und ebenso die Rākṣasas (rākṣasāḥ tathā) sahen, dass die Ahnen verschwunden waren (pitṝn antarhitān dṛṣṭvā),
vibhītakaṃ samāruhya nirāhārās tirohitāḥ //
verbargen sie sich (tirohitāḥ), ohne Nahrung/Beute (nirāhārāḥ), auf einen Vibhītaka-Baum steigend (vibhītakaṃ samāruhya).
Im Wasser versinkend, von Hunger und Schwindel geplagt, sahen sich die im Wasser liegenden Ahnen selbst dem Untergang nahe; da priesen die Ahnen den Gott Janārdana und nahmen Zuflucht zu Hari.
Wort für Wort
salilena viṣīdantaḥ pitaraḥ kṣudbhramāturāḥ /
Im Wasser versinkend (salilena viṣīdantaḥ), von Hunger und Schwindel geplagt (kṣudbhramāturāḥ), die Ahnen (pitaraḥ),
viṣīdamānam ātmānaṃ samīkṣya salilāśayāḥ /
sich selbst dem Untergang nahe sehend (viṣīdamānam ātmānaṃ samīkṣya), im Wasser liegend (salilāśayāḥ),
jagur janārdanaṃ devaṃ pitaraḥ śaraṇaṃ harim //
priesen (jaguḥ) die Ahnen (pitaraḥ) den Gott Janārdana (janārdanaṃ devam) und nahmen Zuflucht zu Hari (śaraṇaṃ harim).
Die Ahnen sprachen: Sei gepriesen, Govinda, Wohnstatt der Welt! Uns werde Sieg zuteil, Keśava, durch deine Gnade! Janārdana, du sollst uns, die wir mitten im Wasser stehen, erretten, o du von makellosem Ruhm!
Wort für Wort
jayasva govinda jagannivāsa
Sei gepriesen (jayasva), Govinda, Wohnstatt der Welt (jagannivāsa)!
jayo 'stu naḥ keśava te prasādāt
Uns (naḥ) werde Sieg zuteil (jayaḥ astu), Keśava, durch deine Gnade (te prasādāt)!
janārdanāsmān salilāntarasthān
Janārdana, uns (asmān), die wir mitten im Wasser stehen (salilāntarasthān),
uddhartum arhasy anaghapratāpa
sollst du erretten (uddhartum arhasi), o du von makellosem Ruhm (anaghapratāpa)!
[Anm.] Vierzeiliger Hymnenvers (V.31-35) in abweichendem Versmaß, gesprochen von den Ahnen als Lobpreis an Viṣṇu-Varāha.
Vor den schrecklich anzusehenden Nachtwandlern, o Herr, o Erhabener, Vaikuṇṭha, Eber, Viṣṇu, Nārāyaṇa, Herr aller großen Herrscher – eile zu uns Verängstigten, siege, o Lotusnabliger!
Wort für Wort
niśācarair dāruṇadarśanaiḥ prabho
Vor den schrecklich anzusehenden (dāruṇadarśanaiḥ) Nachtwandlern (niśācaraiḥ), o Herr (prabho),
vareṇya vaikuṇṭha varāha viṣṇo
o Erhabener (vareṇya), Vaikuṇṭha, Eber (varāha), Viṣṇu,
nārāyaṇāśeṣamaheśvareśa
Nārāyaṇa, Herr aller großen Herrscher (aśeṣamaheśvareśa),
prayāhi bhītāñ jaya padmanābha
eile zu uns Verängstigten (prayāhi bhītān), siege (jaya), o Lotusnabliger (padmanābha)!
O Upendra, Yogin, Bezwinger von Madhu und Kaiṭabha, o Viṣṇu, Ananta, Acyuta, Vāsudeva, du mit Śārṅga-Bogen, Diskus, Lotus und Muschelhorn in Händen – beschütze uns, o Herr der Götter, vor den Rākṣasas!
Wort für Wort
upendra yogin madhukaiṭabhaghna
O Upendra, Yogin, Bezwinger von Madhu und Kaiṭabha (madhukaiṭabhaghna),
viṣṇo anantācyuta vāsudeva
o Viṣṇu, Ananta, Acyuta, Vāsudeva,
śrīśārṅgacakrāmbujaśaṅkhapāṇe
du mit Śārṅga-Bogen, Diskus, Lotus und Muschelhorn in Händen (śārṅgacakrāmbujaśaṅkhapāṇe),
rakṣasva deveśvara rākṣasebhyaḥ
beschütze uns (rakṣasva), o Herr der Götter (deveśvara), vor den Rākṣasas (rākṣasebhyaḥ)!
Du bist der Vater der Welt, o Wohltäter! Kein anderer vermag die schreckliche Schar der Nachtwandler zu vertreiben. Darum sind wir zu dir als unserer Zuflucht gekommen.
Durch die Verkündigung deines Namens fliehen die Nachtwandler, die bösen Wesen weichen, und auch die Feinde gehen jetzt, o Viṣṇu, ihrem Untergang entgegen; so werden Dharma, Wahrheit und dergleichen hier zum Vorrang gebracht.
Wort für Wort
tvannāmasaṃkīrtanato niśācarā
Durch die Verkündigung deines Namens (tvannāmasaṃkīrtanataḥ) fliehen die Nachtwandler (niśācarā dravanti),
dravanti bhūtāny apayānti cārayaḥ
die bösen Wesen (bhūtāni) weichen (apayānti), [ebenso] die Feinde/Späher (cārayaḥ) [Anm.],
nāśaṃ tathā saṃprati yānti viṣṇo
so (tathā) gehen sie jetzt (saṃprati) ihrem Untergang entgegen (nāśaṃ yānti), o Viṣṇu,
dharmādi satyaṃ bhavatīha mukhyam
Dharma, Wahrheit und dergleichen (dharmādi satyam) werden hier zum Vorrang gebracht (bhavati iha mukhyam).
[Anm.] "cārayaḥ" (etwa "Späher/Feinde") und der letzte Halbvers sind sinngemäß, nicht wörtlich sicher übersetzt.
{vyāsa uvāca:} itthaṃ stutaḥ sa pitṛbhir dharaṇīdharas tu tuṣṭas tadāviṣkṛtadivyamūrtiḥ kokāmukhe pitṛgaṇaṃ salile nimagnaṃ devo dadarśa śirasātha śilāṃ vahantam //
Vyāsa sprach: So gepriesen, wurde jener Erdenträger zufrieden und offenbarte seine göttliche Gestalt; da erblickte der Gott bei Kokāmukha die Ahnenschar, im Wasser versunken, den Felsen mit dem Haupt tragend.
Wort für Wort
itthaṃ stutaḥ sa pitṛbhir dharaṇīdharas tu
So (ittham) von den Ahnen gepriesen (stutaḥ pitṛbhiḥ), jener Erdenträger (dharaṇīdharaḥ tu),
tuṣṭas tadāviṣkṛtadivyamūrtiḥ
wurde zufrieden (tuṣṭaḥ) und offenbarte da seine göttliche Gestalt (tadā āviṣkṛtadivyamūrtiḥ);
kokāmukhe pitṛgaṇaṃ salile nimagnaṃ
bei Kokāmukha (kokāmukhe) [erblickte er] die Ahnenschar (pitṛgaṇam), im Wasser versunken (salile nimagnam),
devo dadarśa śirasātha śilāṃ vahantam //
der Gott (devaḥ) erblickte sie (dadarśa), wie sie den Felsen mit dem Haupt trugen (śirasā śilāṃ vahantam).
Mit der Spitze seines Hauers stieß der Eber gegen den Felsen und schleuderte ihn fort; die Ahnen aufnehmend, hob der Mächtige sie von der Felsenoberfläche empor.
Wort für Wort
daṃṣṭrāgreṇa samāhatya śilāṃ cikṣepa śūkaraḥ /
Mit der Spitze seines Hauers (daṃṣṭrāgreṇa) gegen den Felsen stoßend (samāhatya), schleuderte ihn der Eber fort (śilāṃ cikṣepa śūkaraḥ),
pitṝn ādāya ca vibhur ujjahāra śilātalāt //
und die Ahnen aufnehmend (pitṝn ādāya), hob der Mächtige (vibhuḥ) sie von der Felsenoberfläche empor (ujjahāra śilātalāt).
Da nahm Keśava Kuśagras, das aus seinen eigenen Haaren entstanden war, und Sesamkörner, die aus seinem Schweiß hervorgegangen waren, und machte daraus eine vortreffliche Feuerfackel.
Wort für Wort
tataḥ svaromasaṃbhūtān kuśān ādāya keśavaḥ /
Da (tataḥ) nahm Keśava (keśavaḥ ādāya) Kuśagras, das aus seinen eigenen Haaren entstanden war (svaromasaṃbhūtān kuśān),
und Sesamkörner, die aus seinem Schweiß hervorgegangen waren (svedodbhavān tilān), und machte daraus eine vortreffliche Feuerfackel (cakre ulmukam uttamam).
Er entfachte ein Licht von der Pracht der Sonne, schuf ein Opfergefäß und die wunscherfüllende Tīrtha, stand unter dem Koṭivaṭa und bereitete reines, gangesgleiches Wasser.
Wort für Wort
jyotiḥ sūryaprabhaṃ kṛtvā pātraṃ tīrthaṃ ca kāmikam /
Ein Licht von der Pracht der Sonne (jyotiḥ sūryaprabham) machend (kṛtvā), ein Opfergefäß (pātram) und die wunscherfüllende Tīrtha (tīrtham kāmikam),
sthitaḥ koṭivaṭasyādho vāri gaṅgādharaṃ śuci //
stand er unter dem Koṭivaṭa (koṭivaṭasya adhaḥ sthitaḥ) [und bereitete] reines, gangesgleiches Wasser (vāri gaṅgādharaṃ śuci).
[Anm.] "Koṭivaṭa" ("Zehnmillionen-Banyan") ist der Name eines Baumes am heiligen Ort.
Er bestrich die Stelle mit einer aus Hitze entstandenen Substanz, furchte sie erneut mit Kuśagras, umkreiste sie mit der Feuerfackel und besprengte sie wieder und wieder.
Wort für Wort
gharmodbhavenopalipya kuśair ullikhya tāṃ punaḥ /
Mit einer aus Hitze entstandenen [Substanz] bestreichend (gharmodbhavena upalipya) [Anm.], sie erneut mit Kuśagras furchend (kuśair ullikhya tāṃ punaḥ),
pariṇīyolmukenainām abhyukṣya ca punaḥ punaḥ //
sie mit der Feuerfackel umkreisend (pariṇīya ulmukena enām) und wieder und wieder besprengend (abhyukṣya ca punaḥ punaḥ).
[Anm.] "gharmodbhavena" ("mit dem aus Hitze/Schweiß Entstandenen") bezeichnet eine unklare rituelle Substanz.
Er nahm ostwärts gerichtetes Kuśagras, das aus seinen Hautporen hervorgewachsen war, rief die Ṛṣis herbei und fragte sie: 'Ich werde die Ahnen-Wasserspende vollziehen.'
Wort für Wort
kuśān ādāya prāgagrāṃl lomakūpāntarasthitān /
Ostwärts gerichtetes Kuśagras nehmend (kuśān ādāya prāgagrān), das aus seinen Hautporen hervorgewachsen war (lomakūpāntarasthitān),
ṛṣīn āhūya papraccha kariṣye pitṛtarpaṇam //
rief er die Ṛṣis herbei (ṛṣīn āhūya) und fragte (papraccha): 'Ich werde die Ahnen-Wasserspende vollziehen (kariṣye pitṛtarpaṇam).'
Nachdem er sie mit Mantras nach der im Veda festgesetzten Weise herbeigerufen hatte, vollzog Hari, der Träger von Diskus und Keule, mit ungebrochenen Reiskörnern den Schutz der Gottheiten.
Wort für Wort
āhūya mantratas teṣāṃ vedoktavidhinā hariḥ /
Sie mit Mantras nach der im Veda festgesetzten Weise herbeigerufen habend (āhūya mantrataḥ vedoktavidhinā), Hari (hariḥ),
akṣatair daivatārakṣāṃ cakre cakragadādharaḥ //
vollzog mit ungebrochenen Körnern (akṣataiḥ) den Schutz der Gottheiten (daivatārakṣām cakre), der Träger von Diskus und Keule (cakragadādharaḥ).
akṣatās tu yavauṣadhyaḥ sarvadevāṃśasaṃbhavāḥ / rakṣanti sarvatra diśo rakṣārthaṃ nirmitā hi te //
Die unversehrten Gerstenkörner nämlich, entstanden aus Anteilen aller Götter, schützen überall die Himmelsrichtungen, denn sie wurden eigens zum Schutz geschaffen.
Wort für Wort
akṣatās tu yavauṣadhyaḥ sarvadevāṃśasaṃbhavāḥ /
Die unversehrten Gerstenkörner (akṣatāḥ yavauṣadhyaḥ), entstanden aus Anteilen aller Götter (sarvadevāṃśasaṃbhavāḥ),
rakṣanti sarvatra diśo rakṣārthaṃ nirmitā hi te //
schützen (rakṣanti) überall die Himmelsrichtungen (sarvatra diśaḥ), denn sie wurden eigens zum Schutz geschaffen (rakṣārthaṃ nirmitā hi te).
devadānavadaityeṣu yakṣarakṣaḥsu caiva hi / nahi kaścit kṣayaṃ teṣāṃ kartuṃ śaktaś carācare //
Unter Göttern, Dānavas und Daityas, ebenso unter Yakṣas und Rākṣasas – niemand in der beweglichen und unbeweglichen Welt vermag ihnen Verderben zuzufügen.
Wort für Wort
devadānavadaityeṣu yakṣarakṣaḥsu caiva hi /
Unter Göttern, Dānavas und Daityas (devadānavadaityeṣu), ebenso unter Yakṣas und Rākṣasas (yakṣarakṣaḥsu ca eva hi),
nahi kaścit kṣayaṃ teṣāṃ kartuṃ śaktaś carācare //
vermag niemand (na kaścit śaktaḥ) in der beweglichen und unbeweglichen Welt (carācare) ihnen Verderben zuzufügen (teṣāṃ kṣayaṃ kartum).
na kenacit kṛtaṃ yasmāt tasmāt te hy akṣatāḥ kṛtāḥ / devānāṃ te hi rakṣārthaṃ niyuktā viṣṇunā purā //
Weil ihnen von niemandem Schaden zugefügt werden kann, deshalb werden sie 'die Unversehrten' genannt; denn sie wurden einst von Viṣṇu zum Schutz der Götter bestimmt.
Wort für Wort
na kenacit kṛtaṃ yasmāt tasmāt te hy akṣatāḥ kṛtāḥ /
Weil (yasmāt) [ihnen] von niemandem [Schaden] zugefügt werden kann (na kenacit kṛtam), deshalb (tasmāt) werden sie 'die Unversehrten' genannt (te hi akṣatāḥ kṛtāḥ),
devānāṃ te hi rakṣārthaṃ niyuktā viṣṇunā purā //
denn sie (te) wurden einst (purā) von Viṣṇu zum Schutz der Götter bestimmt (devānāṃ rakṣārthaṃ niyuktāḥ viṣṇunā).
pitṝn āvāhayiṣyāmi ye divyā ye ca mānuṣāḥ / āvāhayasveti ca tair uktas tv āvāhayec chuciḥ //
'Ich werde die Ahnen anrufen, sowohl die göttlichen als auch die menschlichen.' – 'So rufe sie an!', sprachen sie, und darauf rief er, gereinigt, sie an.
Wort für Wort
pitṝn āvāhayiṣyāmi ye divyā ye ca mānuṣāḥ /
'Ich werde die Ahnen anrufen (pitṝn āvāhayiṣyāmi), die göttlichen wie die menschlichen (ye divyā ye ca mānuṣāḥ),'
āvāhayasveti ca tair uktas tv āvāhayec chuciḥ //
'so rufe sie an (āvāhayasva)!', sprachen sie (taiḥ uktaḥ), und darauf rief er, gereinigt, sie an (āvāhayet śuciḥ).
śliṣṭamūlāgradarbhāṃs tu satilān veda vedavit / jānāv āropya hastaṃ tu dadau savyena cāsanam //
Kuśahalme, deren Wurzel- und Spitzenenden zusammengelegt waren, nahm er samt Sesam, wie es der Vedakundige weiß; er legte sie auf sein Knie und reichte mit der linken Hand den Sitz dar.
Wort für Wort
śliṣṭamūlāgradarbhāṃs tu satilān veda vedavit /
Kuśahalme mit zusammengelegten Wurzel- und Spitzenenden (śliṣṭamūlāgradarbhān), samt Sesam (satilān), wie es der Vedakundige weiß (veda vedavit),
jānāv āropya hastaṃ tu dadau savyena cāsanam //
auf sein Knie legend (jānau āropya), reichte er mit der linken Hand den Sitz dar (hastaṃ savyena āsanam dadau).
Und ebenso, mit einer auf dem Knie ruhenden Hand, sprach der Eber zu jenen Ahnen-Brahmanen die Worte: 'Sie sollen nicht kommen' [wohl eine rituelle Formel].
Wort für Wort
tathaiva jānusaṃsthena kareṇaikena tān pitṝn /
Und ebenso (tathā eva), mit einer auf dem Knie ruhenden Hand (jānusaṃsthena kareṇa ekena), zu jenen Ahnen (tān pitṝn),
vārāhaḥ pitṛviprāṇām āyāntu na itīrayan //
sprach der Eber (vārāhaḥ) zu den Ahnen-Brahmanen (pitṛviprāṇām) die Worte 'āyāntu na' [?] (itīrayan).
[?] "āyāntu na" ist als rituelle Formel unklar; wörtlich "sie sollen kommen, nicht" – Sinn und genaue Funktion im Ritus bleiben unsicher.
Er sprach das rituelle Wort 'Apahata' ('vertrieben') und vollzog den Schutz im umgekehrten (apasavya) Sinn; danach vollzog er die Anrufung der Ahnen nach Namen und Gotra.
Wort für Wort
apahatety uvācaiva rakṣaṇaṃ cāpasavyataḥ /
Er sprach eben das Wort 'apahata' ('vertrieben') (apahata iti uvāca eva) und vollzog den Schutz im umgekehrten (apasavya) Sinn (rakṣaṇaṃ cāpasavyataḥ),
kṛtvā cāvāhanaṃ cakre pitṝṇāṃ nāmagotrataḥ //
und vollzog danach die Anrufung der Ahnen (āvāhanaṃ cakre pitṝṇām) nach Namen und Gotra (nāmagotrataḥ).
[Anm.] "apasavya" bezeichnet die für Ahnenriten charakteristische umgekehrte (linksläufige) Ritualrichtung.
tat pitaro manojarān āgacchata itīrayan / saṃvatsarair ity udīrya tato 'rghyaṃ teṣu vinyaset //
'Kommet, o Ahnen, ihr Ehrwürdigen!' – so sprach er, und nachdem er '...durch die Jahre...' ausgesprochen hatte, setzte er darauf die Ehrengabe für sie dar.
Wort für Wort
tat pitaro manojarān āgacchata itīrayan /
'Kommet (āgacchata)', o Ahnen (pitaraḥ), ihr Ehrwürdigen (manojarān) [Anm.] – so sprach er (iti īrayan),
saṃvatsarair ity udīrya tato 'rghyaṃ teṣu vinyaset //
und nachdem er 'durch die Jahre' (saṃvatsaraiḥ iti) ausgesprochen hatte (udīrya), setzte er darauf die Ehrengabe für sie dar (tataḥ arghyaṃ teṣu vinyaset).
[Anm.] "manojarān" (etwa "die im Geiste Betagten/Ehrwürdigen") ist in seiner genauen Bedeutung unsicher.
yās tiṣṭhanty amṛtā vāco yan maiti ca pituḥ pituḥ / yan me pitāmahāity evaṃ dadāv arghyaṃ pitāmaha //
Mit den Worten der unvergänglichen rituellen Sprüche, sprechend 'Dies ist mein', an Vater und Vatersvater gerichtet, und 'Dies ist mein, o Großvater' – so gab er dem Großvater die Ehrengabe.
Wort für Wort
yās tiṣṭhanty amṛtā vāco yan maiti ca pituḥ pituḥ /
Mit den unvergänglichen [rituellen] Worten (yāḥ tiṣṭhanti amṛtāḥ vācaḥ), 'Dies ist mein' (yat me iti) sprechend, an Vater und Vatersvater gerichtet (pituḥ pituḥ),
yan me pitāmahāity evaṃ dadāv arghyaṃ pitāmaha //
'Dies ist mein, o Großvater' (yat me pitāmaha iti) – so (evam) gab er dem Großvater die Ehrengabe (dadau arghyaṃ pitāmaha).
yan me prapitāmahāiti dadau ca prapitāmahe / kuśagandhatilonmiśraṃ sapuṣpam apasavyataḥ //
'Dies ist mein, o Urgroßvater' – so gab er dem Urgroßvater die Gabe, gemischt mit Kuśagras, Duftstoff und Sesam, samt Blumen, in der umgekehrten Weise.
Wort für Wort
yan me prapitāmahāiti dadau ca prapitāmahe /
'Dies ist mein, o Urgroßvater' (yat me prapitāmaha iti) – so gab er [auch] dem Urgroßvater (dadau ca prapitāmahe),
kuśagandhatilonmiśraṃ sapuṣpam apasavyataḥ //
gemischt mit Kuśagras, Duftstoff und Sesam (kuśagandhatilonmiśram), samt Blumen (sapuṣpam), in der umgekehrten Weise (apasavyataḥ).
tadvan mātāmahebhyas tu vidhiṃ cakre janārdanaḥ / tān arcya bhūyo gandhādyair dhūpaṃ dattvā tu bhaktitaḥ //
Ebenso vollzog Janārdana das Ritual für die mütterlichen Großväter; nachdem er sie weiter mit Duftstoffen usw. verehrt hatte, brachte er ihnen mit Hingabe Räucherwerk dar.
Wort für Wort
tadvan mātāmahebhyas tu vidhiṃ cakre janārdanaḥ /
Ebenso (tadvat) vollzog Janārdana (janārdanaḥ) das Ritual (vidhiṃ cakre) für die mütterlichen Großväter (mātāmahebhyaḥ),
tān arcya bhūyo gandhādyair dhūpaṃ dattvā tu bhaktitaḥ //
sie weiter mit Duftstoffen usw. verehrend (tān arcya bhūyaḥ gandhādyaiḥ), brachte er mit Hingabe Räucherwerk dar (dhūpaṃ dattvā bhaktitaḥ).
Nachdem der Herr der Welt die Worte 'die Ādityas, die Vasus, die Rudras' ausgesprochen hatte, nahm er darauf Speise, vermengt mit Ghee, Sesam und Kuśagras.
Wort für Wort
ādityā vasavo rudrā ity uccārya jagatprabhuḥ /
'Die Ādityas, die Vasus, die Rudras' (ādityā vasavo rudrāḥ iti) aussprechend (uccārya), der Herr der Welt (jagatprabhuḥ),
tataś cānnaṃ samādāya sarpistilakuśākulam //
nahm darauf (tataḥ ca samādāya) Speise (annam), vermengt mit Ghee, Sesam und Kuśagras (sarpistilakuśākulam).
vidhāya pātre tac caiva paryapṛcchat tato munīn / agnau kariṣya iti taiḥ kuruṣveti ca coditaḥ //
Und nachdem er dies in das Gefäß gelegt hatte, fragte er darauf die Weisen: 'Ich werde dies ins Feuer opfern' – und von ihnen mit 'Tue es!' aufgefordert –
Wort für Wort
vidhāya pātre tac caiva paryapṛcchat tato munīn /
Dies in das Gefäß legend (vidhāya pātre tat), fragte er darauf die Weisen (paryapṛcchat tato munīn):
agnau kariṣya iti taiḥ kuruṣveti ca coditaḥ //
'Ich werde [dies] ins Feuer opfern' (agnau kariṣye iti), und von ihnen mit 'Tue es!' aufgefordert (taiḥ kuruṣva iti coditaḥ) –
ato 'vaśiṣṭam annādyaṃ piṇḍapātre tu nikṣipet / tato 'nnaṃ sarasaṃ svādu dadau pāyasapūrvakam //
Was danach an Speise übrigblieb, legte er in das Gefäß für die Opferbällchen; dann gab er schmackhafte, wohlschmeckende Speise, angefangen mit Milchreis.
Wort für Wort
ato 'vaśiṣṭam annādyaṃ piṇḍapātre tu nikṣipet /
Was danach an Speise übrigblieb (ataḥ avaśiṣṭam annādyam), legte er in das Gefäß für die Opferbällchen (piṇḍapātre nikṣipet),
tato 'nnaṃ sarasaṃ svādu dadau pāyasapūrvakam //
dann gab er schmackhafte, wohlschmeckende Speise (annaṃ sarasaṃ svādu), angefangen mit Milchreis (pāyasapūrvakam).
Speise, die frisch, auf einmal gekocht, nicht abgestanden und vortrefflich war, wenig Gemüse, aber viel Frucht enthielt, von sechsfachem Geschmack und dem Nektar vergleichbar.
Wort für Wort
pratyagram ekadā svinnam aparyuṣitam uttamam /
Frisch (pratyagram), auf einmal gekocht (ekadā svinnam), nicht abgestanden (aparyuṣitam), vortrefflich (uttamam),
alpaśākaṃ bahuphalaṃ ṣaḍrasam amṛtopamam //
wenig Gemüse, aber viel Frucht enthaltend (alpaśākaṃ bahuphalam), von sechsfachem Geschmack (ṣaḍrasam), dem Nektar vergleichbar (amṛtopamam).
Diese Speise, mit vorangehendem Vedaspruch, in Ghee getränkt und mit Honig besprengt, gab er den Brahmanen und ebenso, im Opfergefäß, den Ahnen als ihre eigene Speise.
Wort für Wort
yad brāhmaṇeṣu pradadau piṇḍapātre pitṝṃs tathā /
Diese [Speise] gab er den Brahmanen (yat brāhmaṇeṣu pradadau) und ebenso im Opfergefäß den Ahnen (piṇḍapātre pitṝn tathā),
vedapūrvaṃ pitṛsvannam ājyaplutaṃ madhūkṣitam //
mit vorangehendem Vedaspruch (vedapūrvam), als der Ahnen eigene Speise (pitṛsvannam), in Ghee getränkt (ājyaplutam), mit Honig besprengt (madhūkṣitam).
jajāpa vaiṣāṃ jāpyaṃ tu sūktaṃ sauraṃ sapauruṣam / bhuktavatsu ca vipreṣu pṛṣṭvā tṛptā stha ity uta //
Er murmelte auch das für sie vorgeschriebene Rezitationsgut, das Sonnenlied samt dem Puruṣasūkta; und als die Brahmanen gegessen hatten, fragte er: 'Seid ihr gesättigt?'
Wort für Wort
jajāpa vaiṣāṃ jāpyaṃ tu sūktaṃ sauraṃ sapauruṣam /
Er murmelte (jajāpa) auch das für sie [vorgeschriebene] Rezitationsgut (eṣāṃ jāpyam), das Sonnenlied samt dem Puruṣa[sūkta] (sūktaṃ sauraṃ sapauruṣam),
bhuktavatsu ca vipreṣu pṛṣṭvā tṛptā stha ity uta //
und als die Brahmanen gegessen hatten (bhuktavatsu vipreṣu), fragte er (pṛṣṭvā): 'Seid ihr gesättigt (tṛptāḥ stha)?'
'Wir sind gesättigt', sprachen sie; da reichte er einmal Wasser, um sie vom Schweigegebot zu entbinden. Danach nahm er das Opfergefäß mit den Bällchen und übergab es der Chāyā.
Wort für Wort
tṛptāḥ smeti sakṛt toyaṃ dadau maunavimocanam /
'Wir sind gesättigt' (tṛptāḥ smaḥ iti) – da reichte er einmal Wasser (sakṛt toyaṃ dadau), um sie vom Schweigegebot zu entbinden (maunavimocanam),
piṇḍapātraṃ samādāya cchāyāyai pradadau tataḥ //
danach nahm er das Opfergefäß mit den Bällchen (piṇḍapātraṃ samādāya) und übergab es der Chāyā (chāyāyai pradadau tataḥ).
dakṣiṇāgrān kuśān kṛtvā teṣām upari cāsanam / satileṣu samūleṣu kuśeṣv eva tu saṃśrayaḥ //
Er legte Kuśahalme mit nach Süden gerichteten Spitzen aus und bereitete darauf einen Sitz; auf dem mit Wurzeln versehenen, sesambestreuten Kuśagras selbst war die Stütze der Opferbällchen.
Wort für Wort
dakṣiṇāgrān kuśān kṛtvā teṣām upari cāsanam /
Kuśahalme mit nach Süden gerichteten Spitzen legend (dakṣiṇāgrān kuśān kṛtvā), darauf einen Sitz (teṣām upari āsanam),
satileṣu samūleṣu kuśeṣv eva tu saṃśrayaḥ //
auf dem mit Wurzeln versehenen, sesambestreuten Kuśagras selbst (satileṣu samūleṣu kuśeṣu eva) war die Stütze (saṃśrayaḥ).
Nachdem er Duftstoffe, Blumen und Ähnliches dargebracht hatte, sprach er mit Hingabe über dem Opferbällchen die Worte 'Erde, trage es' und gab dann das Bällchen dar.
Wort für Wort
gandhapuṣpādikaṃ kṛtvā tataḥ piṇḍaṃ tu bhaktitaḥ /
Duftstoffe, Blumen und Ähnliches dargebracht habend (gandhapuṣpādikaṃ kṛtvā), dann das Opferbällchen (piṇḍam), mit Hingabe (bhaktitaḥ),
Die von der Darbringung der Opferbällchen übriggebliebene Speise gab er den 'Lepa-Essern'; mit den Worten 'Dies ist für euch, o Väter' gab er hingebungsvoll Gewänder.
Wort für Wort
piṇḍanirvāpaṇocchiṣṭam annaṃ lepabhujeṣv adāt /
Die von der Darbringung der Opferbällchen übriggebliebene Speise (piṇḍanirvāpaṇocchiṣṭam annam) gab er den 'Lepa-Essern' (lepabhujeṣu adāt) [Anm.],
Nachdem er selbst Wasser genippt hatte, ließ er die Brahmanen, zuerst die die Ahnen vertretenden, dann die die Götter vertretenden, Wasser nippen; dann besprengte er jenen Boden und gab Wasser, Blumen und unversehrte Körner.
Wort für Wort
ācamyācāmayed viprān paitrān ādau tataḥ surān /
Selbst Wasser genippt habend (ācamya), ließ er die Brahmanen Wasser nippen (ācāmayed viprān), zuerst die Ahnen[-Vertreter] (paitrān ādau), dann die Götter[-Vertreter] (tataḥ surān),
tatas tv abhyukṣya tāṃ bhūmiṃ dattvāpaḥ sumanokṣatān //
dann besprengte er jenen Boden (tataḥ abhyukṣya tāṃ bhūmim) und gab Wasser, Blumen und unversehrte Körner (dattvā apaḥ sumanaḥ akṣatān).
satilāmbu pitṛṣv ādau dattvā deveṣu sākṣatam / akṣayyaṃ nas tv iti pitṝn prīyatām iti devatāḥ //
Nachdem er zuerst den Ahnen sesamhaltiges Wasser und den Göttern Wasser mit ungebrochenen Körnern gegeben hatte, sprach er: 'Unerschöpflich sei es für uns' zu den Ahnen, 'Die Ahnen mögen sich freuen' zu den Gottheiten.
Wort für Wort
satilāmbu pitṛṣv ādau dattvā deveṣu sākṣatam /
Zuerst den Ahnen sesamhaltiges Wasser (satilāmbu pitṛṣu ādau) und den Göttern [Wasser] mit ungebrochenen Körnern gebend (deveṣu sākṣatam dattvā),
akṣayyaṃ nas tv iti pitṝn prīyatām iti devatāḥ //
[sprach er] 'Unerschöpflich sei es für uns' (akṣayyaṃ naḥ iti) zu den Ahnen (pitṝn), 'Die Ahnen mögen sich freuen' (prīyatām iti) zu den Gottheiten (devatāḥ).
prīṇayitvā parāvṛtya trir japec cāghamarṣaṇam / tato nivṛtya tu japed yan me nāma itīrayan //
Nachdem er sie zufriedengestellt hatte, wandte er sich um und murmelte dreimal den Aghamarṣaṇa-Spruch; dann, zurückgewandt, murmelte er, 'was mein Name ist...' aussprechend –
Wort für Wort
prīṇayitvā parāvṛtya trir japec cāghamarṣaṇam /
Sie zufriedengestellt habend (prīṇayitvā), sich umwendend (parāvṛtya), murmelte er dreimal den Aghamarṣaṇa[-Spruch] (trir japet aghamarṣaṇam);
tato nivṛtya tu japed yan me nāma itīrayan //
dann, zurückgewandt (tataḥ nivṛtya), murmelte er (japet), 'was mein Name ist' (yat me nāma) aussprechend (itīrayan) –
Nachdem er die Gaben niedergelegt hatte mit den Worten 'die Ūrjā tragende Kokā', murmelte er sodann einen Spruch über das Wasser der Kokā und gab kühle Milch, Honig und Sesam als Wasserspende für die Ahnen.
Wort für Wort
nikṣipyorjaṃ vahantīti kokātoyam atho 'japat /
Niedergelegt habend (nikṣipya) mit den Worten 'die Ūrjā tragende [Kokā]' (ūrjaṃ vahantī iti), murmelte er sodann [einen Spruch] über das Wasser der Kokā (kokātoyam atha ajapat),
himakṣīraṃ madhutilān pitṝṇāṃ tarpaṇaṃ dadau //
kühle Milch, Honig und Sesam (himakṣīraṃ madhutilān) gab er als Wasserspende für die Ahnen (pitṝṇāṃ tarpaṇaṃ dadau).
Als von den Ahnen-Vertretern 'Heil!' gesprochen wurde, setzte er auch am Nachmittag die Wasserspende fort, und der Gott, der Keulenträger, gab den Brahmanen Silber als Opferlohn.
Wort für Wort
svastīty ukte paitṛkais tu sorāhne pnāvatarpayan /
Als von den Ahnen-[Vertretern] 'Heil!' gesprochen wurde (svasti iti ukte paitṛkaiḥ), setzte er am Nachmittag die Wasserspende fort (aparāhne api atarpayat) [?],
rajataṃ dakṣiṇāṃ dattvā viprān devo gadādharaḥ //
und der Gott, der Keulenträger (devo gadādharaḥ), gab den Brahmanen Silber als Opferlohn (rajataṃ dakṣiṇāṃ dattvā viprān).
[?] Die Verszeile "sorāhne pnāvatarpayan" ist im überlieferten Text korrupt/unklar; sinngemäß als Fortsetzung der Wasserspende am Nachmittag wiedergegeben.
Er gab den Menschen einen Anteil, und sie sprachen 'Das Unsrige'; als jemand sagte 'Es ist vollbracht', wurde ihm von ihnen geantwortet, o beste der Zweifachgeborenen –
Wort für Wort
saṃvibhāgaṃ manuṣyebhyo dadau svad iti cābruvan /
Er gab den Menschen einen Anteil (saṃvibhāgaṃ manuṣyebhyaḥ dadau), und sie sprachen 'das Unsrige' (svat iti abruvan) [Anm.],
kaścit saṃpannam ity uktvā pratyuktas tair dvijottamāḥ //
als jemand sagte 'es ist vollbracht' (kaścit saṃpannam iti uktvā), wurde ihm geantwortet (pratyuktaḥ taiḥ), o beste der Zweifachgeborenen (dvijottamāḥ) –
[Anm.] "svat" als knappe Ausrufeformel unsicher; sinngemäß als Formel der Annahme wiedergegeben.
abhiramyatām ity uvāca procus te 'bhiratāḥ sma vai / śiṣṭam annaṃ ca papraccha tair iṣṭaiḥ saha coditaḥ //
'Möget ihr wohlgefällig ruhen', sprach er; sie erwiderten: 'Wir sind zufrieden.' Und, von jenen lieben Ahnen dazu aufgefordert, fragte er nach der übrigen Speise.
Wort für Wort
abhiramyatām ity uvāca procus te 'bhiratāḥ sma vai /
'Möget ihr wohlgefällig ruhen' (abhiramyatām), sprach er (iti uvāca); sie erwiderten (procuḥ): 'Wir sind zufrieden' (te abhiratāḥ sma vai),
śiṣṭam annaṃ ca papraccha tair iṣṭaiḥ saha coditaḥ //
und, von jenen lieben [Ahnen] dazu aufgefordert (taiḥ iṣṭaiḥ saha coditaḥ), fragte er nach der übrigen Speise (śiṣṭam annaṃ papraccha).
Der Herr gab das Opferbällchen seiner aus Schatten bestehenden Gattin, der Erde, mit den Worten 'Empfange, o Ahn, einen Keim'; auch sie, in ihrer angenommenen Gestalt –
Wort für Wort
chāyāmayī mahī patnī tasyai piṇḍam adāt prabhuḥ /
Der aus Schatten bestehenden Gattin (chāyāmayī patnī), der Erde (mahī), gab der Herr das Opferbällchen (tasyai piṇḍam adāt prabhuḥ),
ādhatta pitaro garbham ity uktvā sāpi rūpiṇī //
'Empfange, o Ahn, einen Keim' (ādhatta pitaraḥ garbham) sprechend, sie auch, in ihrer [angenommenen] Gestalt (sā api rūpiṇī) –
kokā ca pitaraś caiva procuḥ svārthakaraṃ vacaḥ / śaptāś ca bhagavan pūrvaṃ divasthā himabhānunā //
Da sprachen Kokā und die Ahnen Worte, die ihrem eigenen Anliegen dienten: 'O Herr, einst wurden wir, die wir im Himmel weilten, von dem kühlstrahlenden Mond verflucht –'
Wort für Wort
kokā ca pitaraś caiva procuḥ svārthakaraṃ vacaḥ /
Kokā und die Ahnen (kokā ca pitaraḥ ca eva) sprachen Worte, die ihrem eigenen Anliegen dienten (procuḥ svārthakaraṃ vacaḥ):
śaptāś ca bhagavan pūrvaṃ divasthā himabhānunā //
'O Herr (bhagavan), einst (pūrvam) wurden wir, die wir im Himmel weilten (divasthāḥ), von dem kühlstrahlenden [Mond] verflucht (śaptāḥ himabhānunā) –'
yogabhraṣṭā bhaviṣyadhvaṃ sarva eva divaś cyutāḥ / tad evaṃ bhavatā trātāḥ praviśanto rasātalam //
'– er verfluchte uns: Ihr sollt yoga-gefallen werden, allesamt aus dem Himmel gestürzt. So wurden wir, als wir schon in die Unterwelt hinabzusinken drohten, von dir errettet.'
Wort für Wort
yogabhraṣṭā bhaviṣyadhvaṃ sarva eva divaś cyutāḥ /
'Ihr sollt yoga-gefallen werden (yogabhraṣṭāḥ bhaviṣyadhvam), allesamt aus dem Himmel gestürzt (sarve eva divaḥ cyutāḥ)' –
tad evaṃ bhavatā trātāḥ praviśanto rasātalam //
so (tat evam) wurden wir von dir errettet (bhavatā trātāḥ), als wir [schon] in die Unterwelt (rasātalam) hinabzusinken drohten (praviśantaḥ).
yogabhraṣṭāṃś ca viśveśās tatyajur yogarakṣiṇaḥ / tat te bhūyo 'bhirakṣantu viśve devā hi naḥ sadā //
'Und die Viśvedevas, die Hüter des Yoga, verließen uns, die wir aus dem Yoga gefallen waren. So mögen die Viśvedevas uns nun wieder und für immer beschützen –'
Wort für Wort
yogabhraṣṭāṃś ca viśveśās tatyajur yogarakṣiṇaḥ /
'Und uns, die aus dem Yoga Gefallenen (yogabhraṣṭān), verließen die Viśvedevas (viśveśāḥ tatyajuḥ), die Hüter des Yoga (yogarakṣiṇaḥ),'
tat te bhūyo 'bhirakṣantu viśve devā hi naḥ sadā //
'so mögen sie uns nun wieder [beschützen] (tat te bhūyaḥ abhirakṣantu), die Viśvedevas (viśve devāḥ), für immer (sadā)!'
svargaṃ yāsyāmaś ca vibho prasādāt tava śūkara / somo 'dhidevo 'smākaṃ ca bhavatv acyuta yogadhṛk //
'Wir werden zum Himmel gehen, o Mächtiger, durch deine Gnade, o Eber. Und Soma möge unsere Schutzgottheit sein, o Unvergänglicher, du Erhalter des Yoga.'
Wort für Wort
svargaṃ yāsyāmaś ca vibho prasādāt tava śūkara /
'Wir werden zum Himmel gehen (svargaṃ yāsyāmaḥ), o Mächtiger (vibho), durch deine Gnade (prasādāt tava), o Eber (śūkara),'
somo 'dhidevo 'smākaṃ ca bhavatv acyuta yogadhṛk //
'und Soma möge unsere Schutzgottheit sein (somaḥ adhidevaḥ asmākam bhavatu), o Unvergänglicher (acyuta), Erhalter des Yoga (yogadhṛk).'
yogādhāras tathā somas trāyate na kadācana / divi bhūmau sadā vāso bhavatv asmāsu yogataḥ //
'So möge Soma, die Stütze des Yoga, uns schützen, damit wir niemals mehr der Rettung bedürfen; stets sei uns durch den Yoga ein Wohnsitz im Himmel wie auf Erden.'
Wort für Wort
yogādhāras tathā somas trāyate na kadācana /
'So möge Soma, die Stütze des Yoga (yogādhāraḥ somaḥ), [uns schützen], damit wir niemals [mehr der Rettung] bedürfen (trāyate na kadācana),'
divi bhūmau sadā vāso bhavatv asmāsu yogataḥ //
'stets (sadā) sei uns durch den Yoga (yogataḥ) ein Wohnsitz (vāsaḥ bhavatu) im Himmel wie auf Erden (divi bhūmau).'
antarikṣe ca keṣāṃcin māsaṃ puṣṭis tathāstu naḥ / ūrjā ceyaṃ hi naḥ patnī svadhānāmnā tu viśrutā //
'Und im Luftraum sei manchen von uns für einen Monat Nahrung zuteil. Und diese Ūrjā sei fürderhin unsere Gemahlin, bekannt aber unter dem Namen Svadhā.'
Wort für Wort
antarikṣe ca keṣāṃcin māsaṃ puṣṭis tathāstu naḥ /
'Und im Luftraum (antarikṣe) sei manchen von uns (keṣāṃcit naḥ) für einen Monat (māsam) Nahrung [zuteil] (puṣṭiḥ tathā astu),'
ūrjā ceyaṃ hi naḥ patnī svadhānāmnā tu viśrutā //
'und diese Ūrjā (ūrjā ca iyam) sei unsere Gemahlin (naḥ patnī), bekannt aber unter dem Namen Svadhā (svadhānāmnā tu viśrutā).'
'Sie sei fortan reich an Yoga und die Mutter des Yoga, durch den Himmel wandelnd.' So von den Ahnen angesprochen, antwortete der Eber, der Wesenserhalter:
Wort für Wort
bhavatv eṣaiva yogāḍhyā yogamātā ca khecarī /
'Sie (eṣā) sei reich an Yoga (yogāḍhyā bhavatu) und die Mutter des Yoga (yogamātā), durch den Himmel wandelnd (khecarī)!'
ity evam uktaḥ pitṛbhir vārāho bhūtabhāvanaḥ //
So (iti evam) von den Ahnen angesprochen (uktaḥ pitṛbhiḥ), [antwortete] der Eber, der Wesenserhalter (vārāho bhūtabhāvanaḥ):
kāmato vicariṣyadhvaṃ phaladāḥ sarvajantuṣu / svargasthān narakasthāṃś ca bhūmisthāṃś ca carācarān //
'Nach Belieben werdet ihr umherwandeln, allen Geschöpfen Frucht ihrer Taten gewährend – den im Himmel, den in der Hölle und den auf Erden Weilenden, dem Beweglichen wie Unbeweglichen.'
Wort für Wort
kāmato vicariṣyadhvaṃ phaladāḥ sarvajantuṣu /
'Nach Belieben (kāmataḥ) werdet ihr umherwandeln (vicariṣyadhvam), allen Geschöpfen Frucht [ihrer Taten] gewährend (phaladāḥ sarvajantuṣu),'
svargasthān narakasthāṃś ca bhūmisthāṃś ca carācarān //
'den im Himmel, den in der Hölle und den auf Erden Weilenden (svargasthān narakasthān bhūmisthān), dem Beweglichen wie Unbeweglichen (carācarān).'
'Allein durch eure eigene Yoga-Kraft werdet ihr, Vortreffliche, alle Wesen stärken. Diese Ūrjā, die Tochter des Mondes, deren Wesen aus Wasser und Honig besteht –'
Wort für Wort
nijayogabalenaivāpyāyayiṣyadhvam uttamāḥ /
'Allein durch eure eigene Yoga-Kraft (nijayogabalena eva) werdet ihr, Vortreffliche (uttamāḥ), [alle Wesen] stärken (āpyāyayiṣyadhvam),'
iyam ūrjā śaśisutā kīlālamadhuvigrahā //
'diese Ūrjā, die Tochter des Mondes (iyam ūrjā śaśisutā), deren Wesen aus Wasser [Anm.] und Honig besteht (kīlālamadhuvigrahā) –'
[Anm.] "kīlāla" kann sowohl "Wasser" als auch "Blut" bedeuten; hier im Sinne von "Wasser/Nektar" gedeutet.
'Gaben, die hier gegeben werden, gelten als unerschöpflich und heben Geburt, Tod und Alter auf. Im Monat Māgha, in der dunklen Monatshälfte, beim Schwinden des Mondes –'
Wort für Wort
dānam akṣayyam uditaṃ janmamṛtyujarāpaham /
'Gaben [hier] gelten als unerschöpflich (dānam akṣayyam uditam) und heben Geburt, Tod und Alter auf (janmamṛtyujarāpaham);'
māghe māsy asite pakṣe bhavadbhir uḍupakṣaye //
'im Monat Māgha, in der dunklen Monatshälfte (māghe māsi asite pakṣe), beim Schwinden des Mondes (uḍupakṣaye), von euch –'
Auch Kokā blieb mitsamt ihren Tīrthas auf dem Bergkönig zurück; die aus Erde bestehende Chāyā, in Eberweibchen-Gestalt, ward durch das Verzehren des Opferbällchens schwanger.
Wort für Wort
kokāpi tīrthasahitā saṃsthitā girirājani /
Auch Kokā (kokā api) blieb mitsamt ihren Tīrthas (tīrthasahitā) auf dem Bergkönig zurück (saṃsthitā girirājani);
chāyā mahīmayī kroḍī piṇḍaprāśanabṛṃhitā //
die aus Erde bestehende Chāyā (chāyā mahīmayī), in Eberweibchen-Gestalt (kroḍī), ward durch das Verzehren des Opferbällchens schwanger (piṇḍaprāśanabṛṃhitā).
garbham ādāya saśraddhā vārāhasyaiva sundarī / tato 'syāḥ prābhavat putro bhaumas tu narakāsuraḥ / prāgjyotiṣaṃ ca nagaram asya dattaṃ ca viṣṇunā //
Die Schöne empfing gläubig den Keim des Ebers; daraus entstand ihr Sohn, der erdgeborene Narakāsura. Und die Stadt Prāgjyotiṣa wurde ihm von Viṣṇu gegeben.
Wort für Wort
garbham ādāya saśraddhā vārāhasyaiva sundarī /
Die Schöne (sundarī) empfing gläubig (saśraddhā ādāya) den Keim (garbham) des Ebers (vārāhasya eva),
tato 'syāḥ prābhavat putro bhaumas tu narakāsuraḥ /
daraus (tataḥ) entstand ihr Sohn (asyāḥ prābhavat putraḥ), der erdgeborene (bhaumaḥ tu) Narakāsura,
prāgjyotiṣaṃ ca nagaram asya dattaṃ ca viṣṇunā //
und die Stadt Prāgjyotiṣa (prāgjyotiṣaṃ ca nagaram) wurde ihm (asya) von Viṣṇu gegeben (dattaṃ viṣṇunā).
So habe ich von dem gnadenspendenden Viṣṇu und seiner göttlichen Ebergestalt bei Kokāmukha berichtet; wer dies hört, wird, von Makel befreit und sündenlos, die Frucht von zehn Aśvamedha-Opfern erlangen.
Wort für Wort
evaṃ mayoktaṃ varadasya viṣṇoḥ
So habe ich (evam mayā uktam) von dem gnadenspendenden (varadasya) Viṣṇu berichtet,
kokāmukhe divyavarāharūpam
[und] seiner göttlichen Ebergestalt bei Kokāmukha (kokāmukhe divyavarāharūpam);
śrutvā naras tyaktamalo vipāpmā
wer dies hört (śrutvā naraḥ), von Makel befreit (tyaktamalaḥ) und sündenlos (vipāpmā),
daśāśvamedheṣṭiphalaṃ labheta //
wird die Frucht von zehn Aśvamedha-Opfern erlangen (daśāśvamedheṣṭiphalaṃ labheta).
[Anm.] Vierzeiliger Schlussvers in abweichendem Versmaß.