Kapitel 161: kuśatarpaṇapraṇītāsaṃgamatīrthamāhātmyavarṇanam
Die Größe der Tīrthas Kuśatarpaṇa und Praṇītā-Saṃgama (Brahmās eigene Erzählung von seinem Puruṣa-Opfer und der Erschaffung der Welt)
[Anm.: Brahmā erzählt in Ich-Form die Urgeschichte seiner eigenen Entstehung aus dem Lotos, sein Ratlosigkeit vor der Schöpfung, die Anweisung einer körperlosen göttlichen Stimme (Viṣṇus/der Prakṛti), am Sahya-/Brahmagiri-Berg (Daṇḍakāraṇya) ein Opfer zu vollziehen, seine Teilung in sich selbst und seine Gattin, die Verwandlung kosmischer Prinzipien in Opfergeräte, die Puruṣa-Sūkta-Schöpfung der Stände, Götter und Welten aus dem geopferten Puruṣa (Viṣṇu), und schließlich den Ursprung des unvergänglichen Banyan-Opferpfostens, des Flusses Praṇītā und der Tīrthas Kuśatarpaṇa und Praṇītā-Saṃgama aus den beim Reinigen des Kuśa-Grases herabgefallenen Wassertropfen.]
yadaṅghribhyo 'bhavan nadyo godābhīmarathīmukhāḥ /
yatrābhavat tad virajam ekavīrā ca yatra sā //
Aus dessen Füßen [Ausläufern] entstanden die Flüsse, angeführt von Godā [Godāvarī] und Bhīmarathī; wo jenes „Viraja“ entstand, und wo jene „Ekavīrā“ [entstand].
Wort für Wort
yadaṅghribhyo 'bhavan nadyo godābhīmarathīmukhāḥ
Aus dessen Füßen entstanden die Flüsse, angeführt von Godā und Bhīmarathī;
yatrābhavat tad virajam ekavīrā ca yatra sā
wo jenes „Viraja“ entstand, und wo jene „Ekavīrā“ [entstand].
tad ahaṃ prītaye vakṣye śravaṇāt sarvakāmadam /
paraḥ sa puruṣo jñeyo hy avyakto 'kṣara eva tu //
Das will ich zur Freude verkünden, [es ist] durch [bloßes] Hören alle Wünsche gewährend: Jener höchste Puruṣa ist zu erkennen als unmanifest, als unvergänglich.
Wort für Wort
tad ahaṃ prītaye vakṣye śravaṇāt sarvakāmadam
Das will ich zur Freude verkünden, [es ist] durch [bloßes] Hören alle Wünsche gewährend:
paraḥ sa puruṣo jñeyo hy avyakto 'kṣara eva tu
Jener höchste Puruṣa ist zu erkennen als unmanifest, als unvergänglich.
aparaś ca kṣaras tasmāt prakṛtyanvita eva ca /
nirākārāt sāvayavaḥ puruṣaḥ samajāyata //
Und ein anderer, vergänglicher, [entstand] aus jenem, mit der Urnatur (prakṛti) verbunden; aus dem Gestaltlosen entstand der gestalthafte, gliedertragende Puruṣa.
Wort für Wort
aparaś ca kṣaras tasmāt prakṛtyanvita eva ca
Und ein anderer, vergänglicher, [entstand] aus jenem, mit der Urnatur verbunden;
nirākārāt sāvayavaḥ puruṣaḥ samajāyata
aus dem Gestaltlosen entstand der gestalthafte, gliedertragende Puruṣa.
Aus jenem entstanden die Wasser, und aus den Wassern ebenso [wiederum] der Puruṣa; aus beiden entstand der Lotos, worin ich [Brahmā], o Weiser, entstand.
Wort für Wort
tasmād āpaḥ samudbhūtā adbhyaś ca puruṣas tathā
Aus jenem entstanden die Wasser, und aus den Wassern ebenso [wiederum] der Puruṣa;
tābhyām abjaṃ samudbhūtaṃ tatrāham abhavaṃ mune
aus beiden entstand der Lotos, worin ich, o Weiser, entstand.
Nur diese sah ich, nichts anderes Bewegliches oder Unbewegliches; auch die Veden gab es damals noch nicht, und ich vermochte nichts [weiteres] zu erblicken.
Wort für Wort
etān eva prapaśyāmi nānyat sthāvarajaṅgamam
Nur diese sah ich, nichts anderes Bewegliches oder Unbewegliches;
naiva vedās tadā cāsan nāhaṃ draṣṭāsmi kiṃcana
auch die Veden gab es damals noch nicht, und ich vermochte nichts [weiteres] zu erblicken.
Ebenjene Stimme, die als göttliche Urnatur (prakṛti) bezeichnet wird, von Viṣṇu angetrieben, die Mutter, die Herrin der Welt, aus der Welt bestehend, sprach:
Wort für Wort
saiva vāg abravīd daivī prakṛtir yābhidhīyate
Ebenjene Stimme, die als göttliche Urnatur bezeichnet wird,
viṣṇunā preritā mātā jagadīśā jaganmayī
von Viṣṇu angetrieben, die Mutter, die Herrin der Welt, aus der Welt bestehend, sprach:
{ākāśavāg uvāca:} yajñaṃ kuru tataḥ śaktis te bhavitrī na saṃśayaḥ /
yajño vai viṣṇur ity eṣā śrutir brahman sanātanī //
{Die Himmelsstimme sprach:} „Vollziehe ein Opfer (yajña), dann wird dir zweifellos [die nötige] Kraft zuteil; ‚das Opfer ist fürwahr Viṣṇu‘ – so lautet, Brahmane, die ewige [vedische] Kunde (śruti).“
Wort für Wort
yajñaṃ kuru tataḥ śaktis te bhavitrī na saṃśayaḥ
„Vollziehe ein Opfer, dann wird dir zweifellos [die nötige] Kraft zuteil;
yajño vai viṣṇur ity eṣā śrutir brahman sanātanī
‚das Opfer ist fürwahr Viṣṇu‘ – so lautet, Brahmane, die ewige Kunde.“
{brahmovāca:} punas tām abravaṃ devīṃ kva vā keneti tad vada /
yajñaḥ kāryo mahābhāge tataḥ sovāca māṃ prati //
{Brahmā sprach:} Wiederum sprach ich zu jener Göttin: „Wo, oder womit [soll ich] das Opfer vollziehen? Sag es, o Hochgesegnete!“ Darauf sprach sie zu mir:
Wort für Wort
punas tām abravaṃ devīṃ kva vā keneti tad vada
Wiederum sprach ich zu jener Göttin: „Wo, oder womit [soll ich] das Opfer vollziehen? Sag es!“
yajñaḥ kāryo mahābhāge tataḥ sovāca māṃ prati
„Das Opfer ist zu vollziehen, o Hochgesegnete“ – darauf sprach sie zu mir:
{Die Himmelsstimme sprach:} „Die Göttin, die zur Silbe Oṃ geworden ist, gleich einer Mutter, aus der Welt bestehend – auf der Wirkstätte (karmabhūmi) opfere hier dem Herrn des Opfers, dem Opfer-Puruṣa.“
Wort für Wort
oṃkārabhūtā yā devī mātṛkalpā jaganmayī
„Die Göttin, die zur Silbe Oṃ geworden ist, gleich einer Mutter, aus der Welt bestehend –
karmabhūmau yajasveha yajñeśaṃ yajñapūruṣam
auf der Wirkstätte opfere hier dem Herrn des Opfers, dem Opfer-Puruṣa.“
sa eva sādhanaṃ te syāt tena taṃ yaja suvrata /
yajñaḥ svāhā svadhā mantrā brāhmaṇā havirādikam //
„Ebendieser wird dir das Mittel sein; darum opfere ihm, o [du] von gutem Gelübde. Das Opfer, [die Ausrufe] svāhā [und] svadhā, die Mantras, die Brahmanen, die Opferspende und dergleichen,“
Wort für Wort
sa eva sādhanaṃ te syāt tena taṃ yaja suvrata
„Ebendieser wird dir das Mittel sein; darum opfere ihm, o [du] von gutem Gelübde.
yajñaḥ svāhā svadhā mantrā brāhmaṇā havirādikam
Das Opfer, svāhā, svadhā, die Mantras, die Brahmanen, die Opferspende und dergleichen,“
{brahmovāca:} punas tām abravaṃ devīṃ karmabhūḥ kva vidhīyate /
tadā nārada naivāsīd bhāgīrathy atha narmadā //
{Brahmā sprach:} Wiederum sprach ich zu jener Göttin: „Wo wird die Wirkstätte festgelegt?“ Damals, o Nārada, gab es weder die Bhāgīrathī [Gaṅgā] noch die Narmadā,
Wort für Wort
punas tām abravaṃ devīṃ karmabhūḥ kva vidhīyate
Wiederum sprach ich zu jener Göttin: „Wo wird die Wirkstätte festgelegt?“
tadā nārada naivāsīd bhāgīrathy atha narmadā
Damals, o Nārada, gab es weder die Bhāgīrathī noch die Narmadā,
weder die Yamunā noch jene Tāpī, [noch] die Sarasvatī oder die Gautamī, weder ein Meer noch irgendein Strom, kein See [und] keine reinen Flüsse [gab es]. Jene [göttliche] Kraft sprach wiederum, so, immer wieder zu mir:
Wort für Wort
yamunā naiva tāpī sā sarasvaty atha gautamī
weder die Yamunā noch jene Tāpī, [noch] die Sarasvatī oder die Gautamī,
samudro vā nadaḥ kaścin na saraḥ sarito 'malāḥ
weder ein Meer noch irgendein Strom, kein See [und] keine reinen Flüsse [gab es].
sā śaktiḥ punar apy evaṃ mām uvāca punaḥ punaḥ
Jene Kraft sprach wiederum, so, immer wieder zu mir:
[Anm.: Dreizeiliger Vers unter einer Versmarke im Quelltext, hier als eine Einheit mit drei Wort-für-Wort-Zeilen wiedergegeben.]
{Die göttliche Stimme sprach:} „Auf der Südseite des Sumeru, ebenso [auf der Südseite] des Himavat-Berges, auch auf der Südseite des Vindhya und auch auf der Südseite des Sahya – überall, zu jeder Zeit, [ist] die Wirkstätte von heilvollem Aufgang.“
Wort für Wort
sumeror dakṣiṇe pārśve tathā himavato gireḥ
„Auf der Südseite des Sumeru, ebenso [auf der Südseite] des Himavat-Berges,
dakṣiṇe cāpi vindhyasya sahyāc caivātha dakṣiṇe
auch auf der Südseite des Vindhya und auch auf der Südseite des Sahya –
sarvasya sarvakāle tu karmabhūmiḥ śubhodayā
überall, zu jeder Zeit, [ist] die Wirkstätte von heilvollem Aufgang.“
[Anm.: Dreizeiliger Vers unter einer Versmarke im Quelltext, hier als eine Einheit mit drei Wort-für-Wort-Zeilen wiedergegeben.]
{brahmovāca:} tat tu vākyam atho śrutvā tyaktvā meruṃ mahāgirim /
taṃ pradeśam athāgatya sthātavyaṃ kvety acintayam /
tato mām abravīt saiva viṣṇor vāṇy aśarīriṇī //
{Brahmā sprach:} Nachdem ich nun jene Worte gehört hatte, verließ ich den großen Berg Meru; zu jener Gegend gelangt, überlegte ich: „Wo soll ich verweilen?“ Da sprach ebenjene körperlose Stimme Viṣṇus zu mir:
Wort für Wort
tat tu vākyam atho śrutvā tyaktvā meruṃ mahāgirim
Nachdem ich nun jene Worte gehört hatte, verließ ich den großen Berg Meru;
taṃ pradeśam athāgatya sthātavyaṃ kvety acintayam
zu jener Gegend gelangt, überlegte ich: „Wo soll ich verweilen?“
tato mām abravīt saiva viṣṇor vāṇy aśarīriṇī
Da sprach ebenjene körperlose Stimme Viṣṇus zu mir:
[Anm.: Dreizeiliger Vers unter einer Versmarke im Quelltext, hier als eine Einheit mit drei Wort-für-Wort-Zeilen wiedergegeben.]
{ākāśavāg uvāca:} ito gaccha itas tiṣṭha tathopaviśa cātra hi /
saṃkalpaṃ kuru yajñasya sa te yajñaḥ samāpyate //
{Die Himmelsstimme sprach:} „Geh von hier, verweile hier, und setze dich ebendort nieder; fasse den [rituellen] Entschluss (saṃkalpa) zum Opfer – jenes Opfer wird sich dir vollenden.“
Wort für Wort
ito gaccha itas tiṣṭha tathopaviśa cātra hi
„Geh von hier, verweile hier, und setze dich ebendort nieder;
saṃkalpaṃ kuru yajñasya sa te yajñaḥ samāpyate
fasse den Entschluss zum Opfer – jenes Opfer wird sich dir vollenden.“
{brahmovāca:} itihāsapurāṇāni yad anyac chabdagocaram /
svato mukhe mama prāyād abhūc ca smṛtigocaram //
{Brahmā sprach:} Die Itihāsas und Purāṇas, und was sonst noch dem Bereich der [heiligen] Worte [angehört] – von selbst kam es mir in den Mund und wurde dem Bereich meiner Erinnerung [zugänglich].
Wort für Wort
itihāsapurāṇāni yad anyac chabdagocaram
Die Itihāsas und Purāṇas, und was sonst noch dem Bereich der [heiligen] Worte [angehört] –
svato mukhe mama prāyād abhūc ca smṛtigocaram
von selbst kam es mir in den Mund und wurde dem Bereich meiner Erinnerung [zugänglich].
tatra cāhavanīyasya evam agnīṃs tv akalpayam /
vinā patnyā na sidhyeta yajñaḥ śrutinidarśanāt //
Und dort [richtete ich] ebenso das Āhavanīya-[Feuer ein] – so richtete ich die [drei] Feuer her; ohne Gattin gelingt das Opfer nicht, gemäß der Weisung der Veden (śruti).
Wort für Wort
tatra cāhavanīyasya evam agnīṃs tv akalpayam
Und dort [richtete ich] ebenso das Āhavanīya-[Feuer ein] – so richtete ich die [drei] Feuer her;
vinā patnyā na sidhyeta yajñaḥ śrutinidarśanāt
ohne Gattin gelingt das Opfer nicht, gemäß der Weisung der Veden.
Mit der hinteren [Hälfte] blieb ich [selbst]; ebenso [heißt es]: „Die Ehefrau ist die [andere] Hälfte“ – so [besagt es] die Śruti. Die vorzügliche Zeit des Frühlings [nahm ich] in Gestalt der Opferbutter (ājya), o Nārada,
Wort für Wort
uttareṇa tv ahaṃ tadvad ardho jāyā iti śruteḥ
Mit der hinteren [Hälfte] blieb ich [selbst]; ebenso: „Die Ehefrau ist die [andere] Hälfte“ – so die Śruti.
kālaṃ vasantam utkṛṣṭam ājyarūpeṇa nārada
Die vorzügliche Zeit des Frühlings [nahm ich] in Gestalt der Opferbutter, o Nārada,
akalpayaṃ tathā cedhmaṃ grīṣmaṃ cāpi śarad dhaviḥ /
ṛtuṃ ca prāvṛṣaṃ putra tadā barhir akalpayam //
so richtete ich [sie] her, und den Sommer als Brennholz (idhma), und den Herbst als Opferspende (havis); und die Regenzeit, mein Sohn, richtete ich damals als [das] Opfergras (barhis) her.
Wort für Wort
akalpayaṃ tathā cedhmaṃ grīṣmaṃ cāpi śarad dhaviḥ
so richtete ich [sie] her, und den Sommer als Brennholz, und den Herbst als Opferspende;
ṛtuṃ ca prāvṛṣaṃ putra tadā barhir akalpayam
und die Regenzeit, mein Sohn, richtete ich damals als [das] Opfergras her.
chandāṃsi sapta vai tatra tadā paridhayo 'bhavan /
kalākāṣṭhānimeṣā hi samitpātrakuśāḥ smṛtāḥ //
Die sieben [vedischen] Versmaße wurden damals dort zu den [Feuer-]Umfriedungen (paridhi); Kalā, Kāṣṭhā [und] Nimeṣa [Zeiteinheiten] galten als Brennscheite, Gefäße und Kuśa-Gras.
Wort für Wort
chandāṃsi sapta vai tatra tadā paridhayo 'bhavan
Die sieben Versmaße wurden damals dort zu den [Feuer-]Umfriedungen;
kalākāṣṭhānimeṣā hi samitpātrakuśāḥ smṛtāḥ
Kalā, Kāṣṭhā [und] Nimeṣa galten als Brennscheite, Gefäße und Kuśa-Gras.
yo 'nādiś ca tv anantaś ca svayaṃ kālo 'bhavat tadā /
yūparūpeṇa devarṣe yoktraṃ ca paśubandhanam //
Die Zeit selbst, die anfangslos und endlos ist, wurde damals, o Götterweiser, zur Gestalt des Opferpfostens (yūpa) und zum Strick, der das Opfertier bindet.
Wort für Wort
yo 'nādiś ca tv anantaś ca svayaṃ kālo 'bhavat tadā
Die Zeit selbst, die anfangslos und endlos ist, wurde damals, o Götterweiser,
yūparūpeṇa devarṣe yoktraṃ ca paśubandhanam
zur Gestalt des Opferpfostens und zum Strick, der das Opfertier bindet.
Die drei Guṇas, mit Sattva beginnend, wurden zu den [Fessel-]Stricken; doch es gab dort kein Opfertier. Da sprach ich zu der körperlosen Stimme, die zu Viṣṇu gehörte:
Wort für Wort
sattvāditriguṇāḥ pāśā naiva tatrābhavat paśuḥ
Die drei Guṇas, mit Sattva beginnend, wurden zu den [Fessel-]Stricken; doch es gab dort kein Opfertier.
tato 'ham abravaṃ vācaṃ vaiṣṇavīm aśarīriṇīm
Da sprach ich zu der körperlosen Stimme, die zu Viṣṇu gehörte:
{brahmovāca:} tathety uktvā stūyamāne devadeve janārdane /
mama cotpādake bhaktyā sūktena puruṣasya hi //
{Brahmā sprach:} „So sei es“, sagte ich, und während der Gott der Götter, Janārdana [Viṣṇu], mein Erzeuger, mit Hingabe durch das Sūkta des Puruṣa gepriesen wurde,
Wort für Wort
tathety uktvā stūyamāne devadeve janārdane
„So sei es“, sagte ich, und während der Gott der Götter, Janārdana, gepriesen wurde,
mama cotpādake bhaktyā sūktena puruṣasya hi
mein Erzeuger, mit Hingabe durch das Sūkta des Puruṣa,
an der Seite des Zeit-Opferpfostens, mit den Guṇa-Stricken gebunden, auf dem Opfergras stehend; ich besprengte den Puruṣa, der zuvorderst entstanden war.
Wort für Wort
kālayūpasya pārśve taṃ guṇapāśair niveśitam
an der Seite des Zeit-Opferpfostens, mit den Guṇa-Stricken gebunden, auf dem Opfergras stehend,
barhisthitam ahaṃ praukṣaṃ puruṣaṃ jātam agrataḥ
besprengte ich den Puruṣa, der zuvorderst entstanden war.
[Anm.: Die Passage – die Göttin (Prakṛti) bietet sich als Opfertier an und wird zugleich mit dem an den Pfosten gebundenen Puruṣa in eins gesetzt – ist theologisch dicht und in ihren Einzelbezügen streckenweise unklar [?].]
aus dem Mund [entstanden] Indra und Agni, aus dem Atem entstand der Wind (śvasana); aus dem Ohr die Himmelsrichtungen, und aus dem Haupt entstand da der ganze Himmel.
Wort für Wort
mukhād indras tathāgniś ca śvasanaḥ prāṇato 'bhavat
aus dem Mund [entstanden] Indra und Agni, aus dem Atem entstand der Wind;
Die zahmen und die wilden Tiere entstanden allesamt aus den Nägeln; Würmer, Insekten, fliegendes Getier und dergleichen entstand aus dem After und den Geschlechtsteilen.
Wort für Wort
grāmyāraṇyāś ca paśavo nakhebhyaḥ sarvato 'bhavan
Die zahmen und die wilden Tiere entstanden allesamt aus den Nägeln;
kṛmikīṭapataṃgādi pāyūpasthād ajāyata
Würmer, Insekten, fliegendes Getier und dergleichen entstand aus dem After und den Geschlechtsteilen.
Was auch immer unbeweglich oder beweglich, sichtbar oder unsichtbar ist – alles das entstand daraus; und die Götter entstanden wiederum, [in einer zweiten Stufe,] aus mir. In diesem Augenblick sprach ebenjene Stimme Viṣṇus wiederum zu mir:
Wort für Wort
sthāvaraṃ jaṅgamaṃ kiṃcid dṛśyādṛśyaṃ ca kiṃcana
Was auch immer unbeweglich oder beweglich, sichtbar oder unsichtbar ist –
alles das entstand daraus; und die Götter entstanden wiederum aus mir.
etasminn antare saiva viṣṇor vāg abravīc ca mām
In diesem Augenblick sprach ebenjene Stimme Viṣṇus wiederum zu mir:
[Anm.: Dreizeiliger Vers unter einer Versmarke im Quelltext. Gemeint ist wohl eine zweite, nachgeordnete Hervorbringung der Götter durch Brahmā selbst, im Anschluss an die primäre Puruṣa-Schöpfung [?].]
{ākāśavāg uvāca:} sarvaṃ saṃpūrṇam abhavat sṛṣṭir jātā tathepsitā /
idānīṃ juhudhi hy agnau pātrāṇi ca samāni ca //
{Die Himmelsstimme sprach:} „Alles ist vollendet, die Schöpfung ist so entstanden, wie gewünscht; nun bringe im Feuer dar, sowohl die [Opfer-]Gefäße als auch [die übrigen Geräte].“
Wort für Wort
sarvaṃ saṃpūrṇam abhavat sṛṣṭir jātā tathepsitā
„Alles ist vollendet, die Schöpfung ist so entstanden, wie gewünscht;
idānīṃ juhudhi hy agnau pātrāṇi ca samāni ca
nun bringe im Feuer dar, sowohl die [Opfer-]Gefäße als auch [die übrigen Geräte].“
visarjaya tathā yūpaṃ praṇītāṃ ca kuśāṃs tathā /
ṛtvigrūpaṃ yajñarūpam uddeśyaṃ dhyeyam eva ca //
„Entlasse ebenso den Opferpfosten und das Praṇītā-Wassergefäß sowie das Kuśa-Gras, die Gestalt der Priester (ṛtvij), die Gestalt des Opfers, das zu Bezeichnende und das zu Meditierende,“
Wort für Wort
visarjaya tathā yūpaṃ praṇītāṃ ca kuśāṃs tathā
„Entlasse ebenso den Opferpfosten und das Praṇītā-Wassergefäß sowie das Kuśa-Gras,
ṛtvigrūpaṃ yajñarūpam uddeśyaṃ dhyeyam eva ca
die Gestalt der Priester, die Gestalt des Opfers, das zu Bezeichnende und das zu Meditierende,“
{Brahmā sprach:} Zur selben Zeit wie jene Worte, der Reihe nach, an den Ursprungsstätten des Opfers – im Gārhapatya-, im Dakṣiṇa-Feuer, und ebenso, o großer Weiser,
Wort für Wort
tadvākyasamakālaṃ tu kramaśo yajñayoniṣu
Zur selben Zeit wie jene Worte, der Reihe nach, an den Ursprungsstätten des Opfers –
gārhapatye dakṣiṇāgnau tathā caiva mahāmune
im Gārhapatya-, im Dakṣiṇa-Feuer, und ebenso, o großer Weiser,
durch Mantras geläutert, ganz und gar rein, war der Opfergott, aus der Welt bestehend, der Herr der Welten, der Schöpfer des Alls, dort in der Nähe der Feuergruben (kuṇḍa) gegenwärtig –
Wort für Wort
mantrapūtaṃ śuciḥ samyag yajñadevo jaganmayaḥ
durch Mantras geläutert, ganz und gar rein, war der Opfergott, aus der Welt bestehend,
lokanātho viśvakartā kuṇḍānāṃ tatra saṃnidhau
der Herr der Welten, der Schöpfer des Alls, dort in der Nähe der Feuergruben gegenwärtig –
Ich entließ jenes Praṇītā[-Gefäß], nachdem ich es mit Kuśa-Gras gereinigt hatte; während die Reinigung vollzogen wurde, [fielen] Tropfen des Praṇītā-Wassers –
Wort für Wort
vyasarjayaṃ praṇītāṃ tāṃ mārjayitvā kuśair atha
Ich entließ jenes Praṇītā[-Gefäß], nachdem ich es mit Kuśa-Gras gereinigt hatte;
mārjane kriyamāṇe tu praṇītodakabindavaḥ
während die Reinigung vollzogen wurde, [fielen] Tropfen des Praṇītā-Wassers –
patitās tatra tīrthāni jātāni guṇavanti ca /
saṃjātā muniśārdūla snānāt kratuphalapradā //
[diese] fielen dort [nieder], und daraus entstanden vorzügliche Tīrthas, o Tiger unter den Weisen, entstanden, die durch Baden die Frucht [eines vollzogenen] Opfers verleihen.
Wort für Wort
patitās tatra tīrthāni jātāni guṇavanti ca
[diese] fielen dort [nieder], und daraus entstanden vorzügliche Tīrthas,
saṃjātā muniśārdūla snānāt kratuphalapradā
o Tiger unter den Weisen, die durch Baden die Frucht [eines vollzogenen] Opfers verleihen.
[Jene Tīrthas,] geschmückt zu jeder Zeit vom Gott der Götter, dem Träger des [Bogens] Śārṅga [Viṣṇu] – sie [sind] für alle eine Stufenreihe zum Aufstieg nach Vaikuṇṭha.
Wort für Wort
yālaṃkṛtā sarvakālaṃ devadevena śārṅgiṇā
[Jene Tīrthas,] geschmückt zu jeder Zeit vom Gott der Götter, dem Träger des Bogens Śārṅga –
sopānapaṅktiḥ sarveṣāṃ vaikuṇṭhārohaṇāya sā
sie [sind] für alle eine Stufenreihe zum Aufstieg nach Vaikuṇṭha.
kuśaiś ca tarpitāḥ sarve kuśatarpaṇam ucyate /
paścāc ca saṃgatā tatra gautamī kāraṇāntarāt //
Und weil alle [Ahnen] durch das Kuśa-Gras gesättigt wurden, wird es „Kuśatarpaṇa“ genannt; später vereinigte sich dort, aus einem anderen Grund, die Gautamī [mit diesem Ort].
Wort für Wort
kuśaiś ca tarpitāḥ sarve kuśatarpaṇam ucyate
Und weil alle [Ahnen] durch das Kuśa-Gras gesättigt wurden, wird es „Kuśatarpaṇa“ genannt;
paścāc ca saṃgatā tatra gautamī kāraṇāntarāt
später vereinigte sich dort, aus einem anderen Grund, die Gautamī [mit diesem Ort].
Er wurde unvergänglich und glanzvoll; jener [Pfosten] wurde zum unvergänglichen Banyan-Baum (vaṭa); ewig, von der Gestalt der Zeit, gewährt er, [schon] durch Gedenken, den Verdienst eines [vollzogenen] Opfers.
Wort für Wort
akṣayaś cābhavac chrīmān akṣayo 'sau vaṭo 'bhavat
Er wurde unvergänglich und glanzvoll; jener [Pfosten] wurde zum unvergänglichen Banyan-Baum;
nityaś ca kālarūpo 'sau smaraṇāt kratupuṇyadaḥ
ewig, von der Gestalt der Zeit, gewährt er, [schon] durch Gedenken, den Verdienst eines Opfers.
yo virāḍ ucyate vede yasmān mūrtam ajāyata /
yasmāc ca mama cotpattir yasyedaṃ vikṛtaṃ jagat //
Er, der im Veda „Virāj“ genannt wird, aus dem die verkörperte [Welt] entstand, aus dem auch meine eigene Entstehung [erfolgte], dessen Umgestaltung diese Welt ist –
Wort für Wort
yo virāḍ ucyate vede yasmān mūrtam ajāyata
Er, der im Veda „Virāj“ genannt wird, aus dem die verkörperte [Welt] entstand,
yasmāc ca mama cotpattir yasyedaṃ vikṛtaṃ jagat
aus dem auch meine eigene Entstehung [erfolgte], dessen Umgestaltung diese Welt ist –
tasmād adyāpi kuṇḍāni santi ca trīṇi nārada /
yajñeśvarasvarūpāṇi viṣṇor vai cakrapāṇinaḥ //
Deswegen gibt es noch heute drei Feuergruben (kuṇḍa), o Nārada, [welche] die eigentliche Gestalt des Opferherrn, Viṣṇus, des Diskusträgers, [darstellen].
Wort für Wort
tasmād adyāpi kuṇḍāni santi ca trīṇi nārada
Deswegen gibt es noch heute drei Feuergruben, o Nārada,
yajñeśvarasvarūpāṇi viṣṇor vai cakrapāṇinaḥ
[welche] die eigentliche Gestalt des Opferherrn, Viṣṇus, des Diskusträgers, [darstellen].
Selbst gegenüber Vārāṇasī, o Weiser, ist das Kuśatarpaṇa überlegen; kein diesem gleichwertiges Tīrtha gibt es in der beweglichen und unbeweglichen [Welt].
Wort für Wort
vārāṇasyā api mune kuśatarpaṇam uttamam
Selbst gegenüber Vārāṇasī, o Weiser, ist das Kuśatarpaṇa überlegen;
nānena sadṛśaṃ tīrthaṃ vidyate sacarācare
kein diesem gleichwertiges Tīrtha gibt es in der beweglichen und unbeweglichen [Welt].
Selbst durch bloßes Gedenken [bewirkt es] die Vernichtung von Sünden wie Brahmanenmord und dergleichen; dieses Tīrtha, o Weiser, wird als das Himmelstor auf Erden bezeichnet.
Wort für Wort
brahmahatyādipāpānāṃ smaraṇād api nāśanam
Selbst durch bloßes Gedenken [bewirkt es] die Vernichtung von Sünden wie Brahmanenmord und dergleichen;
tīrtham etan mune proktaṃ svargadvāraṃ mahītale
dieses Tīrtha, o Weiser, wird als das Himmelstor auf Erden bezeichnet.