Quellen der Menschheit

Brahma-Purāṇa

Kapitel 100: suparṇāsaṃgamamāhātmyavarṇanam (madhyameśvaratīrtham) Die Größe des Suparṇā-/Kādravā-Saṃgama (Madhyameśvara-Tīrtha)

Die Vālakhilya-Weisen, von Indra geschädigt, erhalten von Kaśyapa gegen die Hälfte ihrer Askese das Versprechen eines indra-bezwingenden Sohnes; Kaśyapa zeugt Keime in seinen Gattinnen Suparṇā und Kadrū und verbietet ihnen vor seiner Abreise jedes Fehlverhalten. Berauscht und stolz stören sie eine Opfersitzung der Weisen, die sie daraufhin verfluchen, zu Flüssen zu werden. Auf Anraten der Vālakhilyas preist Kaśyapa Śiva/Maheśvara (der als Madhyameśvara inmitten der Gaṅgā residiert) mit einem dreiteiligen Hymnus; Śiva gewährt, dass die beiden Flussgattinnen durch das Zusammenfließen mit der Gaṅgā ihre menschliche Gestalt zurückerhalten. Nach ihrer Wiedervereinigung mit Kaśyapa verspottet Kadrū die Brahmanen mit den Augen und wird zur Strafe einäugig ('Sarpamātā', Mutter der Schlangen) – die Weisen versprechen jedoch, dass die Gautamī vor tausend weiteren Vergehen schützen werde. Ursprung des Suparṇā-/Kādravā-Saṃgama- bzw. Madhyameśvara-Tīrtha.

suparṇāsaṃgamaṃ nāma kādravāsaṃgamaṃ tathā / maheśvaro yatra devo gaṅgāpulinam āśritaḥ //

Das 'Suparṇā-Saṃgama' genannte Tīrtha, ebenso das 'Kādravā-Saṃgama', wo der Gott Maheśvara sich auf der Sandbank der Gaṅgā aufhält.

Wort für Wort
suparṇāsaṃgamaṃ nāma
das 'Suparṇā-Saṃgama' genannte (Tīrtha)
kādravāsaṃgamaṃ tathā
ebenso das 'Kādravā-Saṃgama'
maheśvaro yatra devo
wo der Gott Maheśvara
gaṅgāpulinam āśritaḥ
sich auf der Sandbank der Gaṅgā aufhält

agnikuṇḍaṃ ca tatraiva raudraṃ vaiṣṇavam eva ca / sauraṃ saumyaṃ tathā brāhmaṃ kaumāraṃ vāruṇaṃ tathā //

Und ebendort sind die Feuergruben: die Raudra-, die Vaiṣṇava-, die Saura- (Sonnen-), die Saumya- (Mond-), ebenso die Brāhma-, die Kaumāra- und die Vāruṇa-Feuergrube.

Wort für Wort
agnikuṇḍaṃ ca tatraiva
und ebendort (sind) die Feuergruben
raudraṃ vaiṣṇavam eva ca
die Raudra- und die Vaiṣṇava-(Feuergrube)
sauraṃ saumyaṃ tathā brāhmam
die Saura-, die Saumya-, ebenso die Brāhma-(Feuergrube)
kaumāraṃ vāruṇaṃ tathā
die Kaumāra- und die Vāruṇa-(Feuergrube)

apsarā ca nadī yatra saṃgatā gaṅgayā tathā / tattīrthasmaraṇād eva kṛtakṛtyo bhaven naraḥ //

Und der Fluss Apsarā, der dort mit der Gaṅgā zusammenfließt – allein durch das Gedenken an dieses Tīrtha wird ein Mensch zum Vollbringer seiner Pflicht.

Wort für Wort
apsarā ca nadī yatra
und der Fluss Apsarā, wo (er)
saṃgatā gaṅgayā tathā
mit der Gaṅgā zusammenfließt
tattīrthasmaraṇād eva
allein durch das Gedenken an dieses Tīrtha
kṛtakṛtyo bhaven naraḥ
wird ein Mensch zum Vollbringer seiner Pflicht

sarvapāpapraśamanaṃ śṛṇu yatnena nārada / indreṇa hiṃsitāḥ pūrvaṃ vālakhilyā maharṣayaḥ / dattārdhatapasaḥ sarve procus te kāśyapaṃ munim //

Höre eifrig, Nārada, wie die Besänftigung aller Sünden geschah: Einst, von Indra geschädigt, sprachen die Großweisen Vālakhilyas – bereit, die Hälfte ihrer Askese herzugeben – alle zu dem Weisen Kaśyapa.

Wort für Wort
sarvapāpapraśamanaṃ śṛṇu yatnena nārada
höre eifrig, Nārada, die Besänftigung aller Sünden
indreṇa hiṃsitāḥ pūrvaṃ
einst von Indra geschädigt
vālakhilyā maharṣayaḥ
die Großweisen Vālakhilyas
dattārdhatapasaḥ sarve
alle bereit, die Hälfte ihrer Askese herzugeben
procus te kāśyapaṃ munim
sprachen sie zu dem Weisen Kaśyapa

[Anm.: Dreizeiliger Vers; 'dattārdhatapasaḥ' ('die die Hälfte der Askese gegeben hatten') wird hier proleptisch verstanden, da der eigentliche Hingabe-Beschluss erst in der folgenden direkten Rede (V5) ausgesprochen wird.]

{vālakhilyā ūcuḥ: } putram utpādayānena indradarpaharaṃ śubham / tapaso 'rdhaṃ tu dāsyāmas tathety āha munis tu tān //

Die Vālakhilyas sprachen: 'Durch das Zeugen eines Sohnes, der Indras Stolz bricht und heilvoll ist, werden wir dir die Hälfte unserer Askese geben.' 'So sei es', sprach der Weise zu ihnen.

Wort für Wort
vālakhilyā ūcuḥ
die Vālakhilyas sprachen
putram utpādayānena
durch das Zeugen eines Sohnes
indradarpaharaṃ śubham
der Indras Stolz bricht und heilvoll ist
tapaso 'rdhaṃ tu dāsyāmaḥ
die Hälfte unserer Askese werden wir geben
tathety āha munis tu tān
'so sei es', sprach der Weise zu ihnen

suparṇāyāṃ tato garbham ādadhe sa prajāpatiḥ / kadrvāṃ caiva śanair brahman sarpāṇāṃ sarpamātari //

Da erzeugte jener Prajāpati langsam einen Keim in Suparṇā, o Brahmane, und ebenso in Kadrū, der Mutter der Schlangen.

Wort für Wort
suparṇāyāṃ tato garbham
da (erzeugte er) in Suparṇā einen Keim
ādadhe sa prajāpatiḥ
erzeugte jener Prajāpati
kadrvāṃ caiva śanair brahman
und ebenso langsam in Kadrū, o Brahmane
sarpāṇāṃ sarpamātari
der Mutter der Schlangen

te garbhiṇyāv ubhe āha gantukāmaḥ prajāpatiḥ / aparādho na ca kvāpi kāryo gamanam eva ca //

Zu jenen beiden Schwangeren sprach der fortgehen wollende Prajāpati: 'Keine Verfehlung soll irgendwo begangen werden, und auch kein Weggehen von hier.'

Wort für Wort
te garbhiṇyāv ubhe āha
zu jenen beiden Schwangeren sprach
gantukāmaḥ prajāpatiḥ
der fortgehen wollende Prajāpati
aparādho na ca kvāpi kāryo
keine Verfehlung soll irgendwo begangen werden
gamanam eva ca
und auch kein Weggehen

anyatra gamanāc chāpo bhaviṣyati na saṃśayaḥ //*

'Durch ein Weggehen anderswohin wird ohne Zweifel ein Fluch entstehen.'

Wort für Wort
anyatra gamanāt
durch ein Weggehen anderswohin
śāpo bhaviṣyati na saṃśayaḥ
wird ohne Zweifel ein Fluch entstehen

[Anm.: Halbvers, im Quelltext mit '//*' als unvollständig markiert.]

{brahmovāca: } ity uktvā sa yayau patnyau gate bhartari te ubhe / tadaiva jagmatuḥ sattram ṛṣīṇāṃ bhāvitātmanām //

Brahmā sprach: Nachdem er dies gesagt hatte, ging er fort. Als der Gemahl fortgegangen war, gingen jene beiden Gattinnen sofort zur Opfersitzung der geistig gereiften Weisen.

Wort für Wort
brahmovāca
Brahmā sprach
ity uktvā sa yayau
nachdem er dies gesagt hatte, ging er fort
patnyau gate bhartari te ubhe
als der Gemahl fortgegangen war, jene beiden Gattinnen
tadaiva jagmatuḥ sattram
gingen sofort zur Opfersitzung
ṛṣīṇāṃ bhāvitātmanām
der geistig gereiften Weisen

brahmavṛndasamākīrṇaṃ gaṅgātīrasamāśritam / unmatte te ubhe nityaṃ vayaḥsaṃpattigarvite //

die von einer Menge Brahmanen erfüllt war und sich am Gaṅgā-Ufer befand; jene beiden, ständig berauscht und stolz auf ihre jugendliche Schönheit,

Wort für Wort
brahmavṛndasamākīrṇam
die von einer Menge Brahmanen erfüllt war
gaṅgātīrasamāśritam
und sich am Gaṅgā-Ufer befand
unmatte te ubhe nityam
jene beiden, ständig berauscht
vayaḥsaṃpattigarvite
stolz auf ihre jugendliche Schönheit

nivāryamāṇe bahuśo munibhis tattvadarśibhiḥ / vikurvatyau tatra sattre samāni ca havīṃṣi ca //

obwohl vielfach von den die Wahrheit erkennenden Weisen zurückgehalten, verhielten sich dennoch ungebührlich bei jener Opfersitzung und bezüglich der gleichmäßig verteilten Opfergaben.

Wort für Wort
nivāryamāṇe bahuśo
obwohl vielfach zurückgehalten
munibhis tattvadarśibhiḥ
von den die Wahrheit erkennenden Weisen
vikurvatyau tatra sattre
verhielten sich (dennoch) ungebührlich bei jener Opfersitzung
samāni ca havīṃṣi ca
und bezüglich der gleichmäßig verteilten Opfergaben

yoṣitāṃ durvilasitaṃ kaḥ saṃvaritum īśvaraḥ / te dṛṣṭvā cukṣubhur viprā apamārgarate ubhe //

Wer ist mächtig genug, das schlechte Treiben von Frauen einzudämmen? Als die Brahmanen jene beiden sahen, die sich dem Irrweg erfreuten, wurden sie erregt.

Wort für Wort
yoṣitāṃ durvilasitaṃ
das schlechte Treiben von Frauen
kaḥ saṃvaritum īśvaraḥ
wer ist mächtig genug einzudämmen
te dṛṣṭvā cukṣubhur viprā
als die Brahmanen (sie) sahen, wurden sie erregt
apamārgarate ubhe
jene beiden, die sich dem Irrweg erfreuten

apamārgasthite yasmād āpage hi bhaviṣyathaḥ / suparṇā caiva kadrūś ca nadyau te saṃbabhūvatuḥ //

'Weil ihr auf dem Irrweg verweilt, sollt ihr zu Flüssen werden!' – Suparṇā und Kadrū, sie beide wurden zu Flüssen.

Wort für Wort
apamārgasthite yasmāt
weil ihr auf dem Irrweg verweilt
āpage hi bhaviṣyathaḥ
sollt ihr zu Flüssen werden
suparṇā caiva kadrūś ca
Suparṇā und Kadrū
nadyau te saṃbabhūvatuḥ
sie beide wurden zu Flüssen

sa kadācid gṛhaṃ prāyāt kaśyapo 'tha prajāpatiḥ / ṛṣibhyas tatra vṛttāntaṃ śāpaṃ tābhyāṃ savistaram //

Als jener Prajāpati Kaśyapa dann einst zum Hause zurückkehrte, berichteten ihm die Weisen dort ausführlich den Vorfall, den Fluch über die beiden.

Wort für Wort
sa kadācid gṛhaṃ prāyāt
als er einst zum Hause zurückkehrte
kaśyapo 'tha prajāpatiḥ
jener Prajāpati Kaśyapa
ṛṣibhyas tatra vṛttāntaṃ
(berichteten) ihm die Weisen dort den Vorfall
śāpaṃ tābhyāṃ savistaram
den Fluch über die beiden, ausführlich

śrutvā tu vismayāviṣṭaḥ kiṃ karomīty acintayat / ṛṣibhyaḥ kathayām āsa vālakhilyā iti śrutāḥ //

Nachdem er es gehört hatte, von Erstaunen erfüllt, dachte er: 'Was soll ich tun?' Er erzählte es den Weisen, die als Vālakhilyas bekannt waren.

Wort für Wort
śrutvā tu vismayāviṣṭaḥ
nachdem er es gehört hatte, von Erstaunen erfüllt
kiṃ karomīty acintayat
dachte er: 'was soll ich tun?'
ṛṣibhyaḥ kathayām āsa
er erzählte es den Weisen
vālakhilyā iti śrutāḥ
die als Vālakhilyas bekannt waren

ta ūcuḥ kaśyapaṃ vipraṃ gatvā gaṅgāṃ tu gautamīm / tatra stuhi maheśānaṃ punar bhārye bhaviṣyataḥ //

Sie sprachen zu dem Brahmanen Kaśyapa: 'Geh zur Gaṅgā, zur Gautamī, und preise dort den großen Herrn – dann werden deine Gattinnen wieder menschliche Gestalt annehmen.'

Wort für Wort
ta ūcuḥ kaśyapaṃ vipraṃ
sie sprachen zu dem Brahmanen Kaśyapa
gatvā gaṅgāṃ tu gautamīm
'geh zur Gaṅgā, zur Gautamī'
tatra stuhi maheśānaṃ
'preise dort den großen Herrn'
punar bhārye bhaviṣyataḥ
'dann werden (deine) Gattinnen wieder (menschliche Gestalt annehmen)'

brahmahatyābhayād eva yatra devo maheśvaraḥ / gaṅgāmadhye sadā hy āste madhyameśvarasaṃjñayā //

dort, wo der Gott Maheśvara eben aus Furcht vor der Brahmanenmord-Sünde stets inmitten der Gaṅgā verweilt, unter dem Namen Madhyameśvara ('Herr der Mitte').

Wort für Wort
brahmahatyābhayād eva
eben aus Furcht vor der Brahmanenmord-Sünde
yatra devo maheśvaraḥ
wo der Gott Maheśvara
gaṅgāmadhye sadā hy āste
stets inmitten der Gaṅgā verweilt
madhyameśvarasaṃjñayā
unter dem Namen Madhyameśvara

tathety uktvā kaśyapo 'pi snātvā gaṅgāṃ jitavrataḥ / tuṣṭāva stavanaiḥ puṇyair devadevaṃ maheśvaram //

'So sei es', sprach auch Kaśyapa, und nachdem er, sein Gelübde bewahrend, in der Gaṅgā gebadet hatte, lobte er mit heilvollen Lobpreisungen den Gott der Götter, Maheśvara.

Wort für Wort
tathety uktvā kaśyapo 'pi
'so sei es', sprach auch Kaśyapa
snātvā gaṅgāṃ jitavrataḥ
nachdem er, sein Gelübde bewahrend, in der Gaṅgā gebadet hatte
tuṣṭāva stavanaiḥ puṇyaiḥ
lobte er mit heilvollen Lobpreisungen
devadevaṃ maheśvaram
den Gott der Götter, Maheśvara

{kaśyapa uvāca: } lokatrayaikādhipater na yasya kutrāpi vastuny abhimānaleśaḥ sa siddhanātho 'khilaviśvakartā bhartā śivāyā bhavatu prasannaḥ //

Kaśyapa sprach: 'Er, der alleinige Herrscher der drei Welten, der bei keinem Dinge auch nur einen Hauch von Eigendünkel hat, er, der Herr der Vollendeten, der Schöpfer des gesamten Universums, der Gemahl der Śivā (Pārvatī) – möge er gnädig sein.'

Wort für Wort
kaśyapa uvāca
Kaśyapa sprach
lokatrayaikādhipater na yasya
er, der alleinige Herrscher der drei Welten, der ... nicht
kutrāpi vastuny abhimānaleśaḥ
bei keinem Dinge auch nur einen Hauch von Eigendünkel (hat)
sa siddhanātho 'khilaviśvakartā
er, der Herr der Vollendeten, der Schöpfer des gesamten Universums
bhartā śivāyā bhavatu prasannaḥ
der Gemahl der Śivā – möge er gnädig sein

[Anm.: Vierzeiliger Hymnenvers in eigenem Versmaß (Pādas a-d).]

tāpatrayoṣṇadyutitāpitānām itas tato vai paridhāvatāṃ ca śarīriṇāṃ sthāvarajaṅgamānāṃ tvam eva duḥkhavyapanodadakṣaḥ //

'Für die von der Glut der dreifachen Qual Versehrten, die hierhin und dorthin umherlaufen, für die verkörperten Wesen, die unbeweglichen wie beweglichen – du allein bist fähig, ihr Leid zu vertreiben.'

Wort für Wort
tāpatrayoṣṇadyutitāpitānām
für die von der Glut der dreifachen Qual Versehrten
itas tato vai paridhāvatāṃ ca
die hierhin und dorthin umherlaufen
śarīriṇāṃ sthāvarajaṅgamānām
für die verkörperten Wesen, die unbeweglichen wie beweglichen
tvam eva duḥkhavyapanodadakṣaḥ
du allein bist fähig, (ihr) Leid zu vertreiben

[Anm.: 'tāpatrayoṣṇadyutitāpitānām' kompakt/ungewöhnlich gebildet; sinngemäß auf die klassische Lehre der 'drei Arten von Leid' (tāpatraya) bezogen.]

sattvādiyogas trividho 'pi yasya śakrādibhir vaktum aśakya eva vicitravṛttiṃ paricintya somaṃ sukhī sadā dānaparo vareṇyaḥ //

'Er, dessen dreifache Verbindung mit Sattva usw. selbst von Indra und den anderen Göttern nicht auszusprechen ist, der, das wandelbare Wesen des Mondes bedenkend, stets glückselig, freigebig, der Erwählte – (sei uns gnädig).'

Wort für Wort
sattvādiyogas trividho 'pi yasya
er, dessen dreifache Verbindung mit Sattva usw.
śakrādibhir vaktum aśakya eva
selbst von Indra und den anderen (Göttern) nicht auszusprechen ist
vicitravṛttiṃ paricintya somam
das wandelbare Wesen des Mondes bedenkend
sukhī sadā dānaparo vareṇyaḥ
stets glückselig, freigebig, der Erwählte

[Anm.: Syntaktisch sehr verdichteter Vers, Satzbezüge unsicher; 'somam paricintya' evtl. Anspielung auf die Mondsichel auf Śivas Haupt.]

{brahmovāca: } ityādistutibhir devaḥ stuto gaurīpatiḥ śivaḥ / prasanno hy adadāc chaṃbhuḥ kaśyapāya varān bahūn //

Brahmā sprach: Durch solche und weitere Lobpreisungen gepriesen, wurde der Gott Śiva, der Gemahl der Gaurī, zufrieden, und Śambhu gewährte Kaśyapa viele Segensgaben.

Wort für Wort
brahmovāca
Brahmā sprach
ityādistutibhir devaḥ stuto
durch solche und weitere Lobpreisungen gepriesen
gaurīpatiḥ śivaḥ
der Gott Śiva, der Gemahl der Gaurī
prasanno hy adadāc chaṃbhuḥ
zufrieden, gewährte Śambhu
kaśyapāya varān bahūn
Kaśyapa viele Segensgaben

bhāryārthinaṃ tu taṃ prāha syātāṃ bhārye ubhe tu te / nadīsvarūpe patnyau ye gaṅgāṃ prāpya saridvarām //

Zu ihm, der seine Gattinnen zurückwünschte, sprach er: 'Jene deine beiden Gattinnen, die in Flussgestalt sind, sollen, sobald sie die Gaṅgā, die beste der Flüsse, erreicht haben,'

Wort für Wort
bhāryārthinaṃ tu taṃ prāha
zu ihm, der seine Gattinnen zurückwünschte, sprach er
syātāṃ bhārye ubhe tu te
jene deine beiden Gattinnen sollen
nadīsvarūpe patnyau ye
die Gattinnen, die in Flussgestalt sind
gaṅgāṃ prāpya saridvarām
sobald sie die Gaṅgā, die beste der Flüsse, erreicht haben

tatsaṃgamanamātreṇa tābhyāṃ bhūyāt svakaṃ vapuḥ / te garbhiṇyau punar jāte gaṅgāyāś ca prasādataḥ //

'allein durch jenes Zusammenfließen ihre eigene Gestalt wiedererlangen.' Jene beiden, schwanger, wurden erneut geboren, durch die Gnade der Gaṅgā.

Wort für Wort
tatsaṃgamanamātreṇa
allein durch jenes Zusammenfließen
tābhyāṃ bhūyāt svakaṃ vapuḥ
sollen sie ihre eigene Gestalt wiedererlangen
te garbhiṇyau punar jāte
jene beiden, schwanger, wurden erneut geboren
gaṅgāyāś ca prasādataḥ
durch die Gnade der Gaṅgā

tataḥ prajāpatiḥ prīto bhārye prāpya mahāmanāḥ / āhvayām āsa tān viprān gautamītīram āśritān //

Da rief der hochherzige Prajāpati, erfreut, seine Gattinnen wiedererlangt zu haben, jene Brahmanen, die sich am Gautamī-Ufer aufhielten.

Wort für Wort
tataḥ prajāpatiḥ prīto
da (rief) der erfreute Prajāpati
bhārye prāpya mahāmanāḥ
der hochherzige, seine Gattinnen wiedererlangt habend
āhvayām āsa tān viprān
rief jene Brahmanen
gautamītīram āśritān
die sich am Gautamī-Ufer aufhielten

sīmantonnayanaṃ cakre tābhyāṃ prītaḥ prajāpatiḥ / brāhmaṇān pūjayām āsa vidhidṛṣṭena karmaṇā //

Der erfreute Prajāpati vollzog für die beiden das Sīmantonnayana-Ritual (das 'Scheitelscheiten', ein Schwangerschaftsritus) und verehrte die Brahmanen gemäß der vorgeschriebenen Handlung.

Wort für Wort
sīmantonnayanaṃ cakre
vollzog das Sīmantonnayana-Ritual
tābhyāṃ prītaḥ prajāpatiḥ
der erfreute Prajāpati, für die beiden
brāhmaṇān pūjayām āsa
verehrte die Brahmanen
vidhidṛṣṭena karmaṇā
gemäß der vorgeschriebenen Handlung

bhuktavatsv atha vipreṣu kaśyapasyātha mandire / bhartṛsamīpopaviṣṭā kadrūr viprān nirīkṣya ca //

Als dann die Brahmanen in Kaśyapas Wohnstatt gespeist hatten, betrachtete Kadrū, die neben ihrem Gemahl saß, die Brahmanen,

Wort für Wort
bhuktavatsv atha vipreṣu
als dann die Brahmanen gespeist hatten
kaśyapasyātha mandire
in Kaśyapas Wohnstatt
bhartṛsamīpopaviṣṭā kadrūḥ
Kadrū, die neben ihrem Gemahl saß
viprān nirīkṣya ca
betrachtete die Brahmanen

tataḥ kadrūr ṛṣīn akṣṇā prāhasat te ca cukṣubhuḥ / yenākṣṇā hasitā pāpe bhajyatāṃ te 'kṣi pāpavat //

da verspottete Kadrū die Weisen mit einem Augenzucken; und sie wurden erzürnt und sprachen: 'Mit welchem Auge du uns verspottet hast, du Sünderin, jenes Auge soll dir, sündhaft, zerstört werden.'

Wort für Wort
tataḥ kadrūr ṛṣīn akṣṇā prāhasat
da verspottete Kadrū die Weisen mit einem (Zwinkern des) Auges
te ca cukṣubhuḥ
und sie wurden erzürnt
yenākṣṇā hasitā pāpe
'mit welchem Auge du verspottet hast, du Sünderin'
bhajyatāṃ te 'kṣi pāpavat
'jenes Auge soll dir, sündhaft, zerstört werden'

kāṇābhavat tataḥ kadrūḥ sarpamāteti yocyate / tataḥ prasādayām āsa kaśyapo bhagavān ṛṣīn //

Da wurde Kadrū, die 'Mutter der Schlangen' genannt wird, einäugig. Darauf besänftigte der erhabene Kaśyapa die Weisen.

Wort für Wort
kāṇābhavat tataḥ kadrūḥ
da wurde Kadrū einäugig
sarpamāteti yocyate
die 'Mutter der Schlangen' genannt wird
tataḥ prasādayām āsa
darauf besänftigte
kaśyapo bhagavān ṛṣīn
der erhabene Kaśyapa die Weisen

tataḥ prasannās te procur gautamī saritāṃ varā / aparādhasahasrebhyo rakṣiṣyati ca sevanāt //

Darauf, besänftigt, sprachen sie: 'Die Gautamī, die beste der Flüsse, wird sie vor tausend Vergehen schützen, durch Verehrung an ihr.'

Wort für Wort
tataḥ prasannās te procur
darauf, besänftigt, sprachen sie
gautamī saritāṃ varā
'die Gautamī, die beste der Flüsse'
aparādhasahasrebhyo
vor tausend Vergehen
rakṣiṣyati ca sevanāt
wird (sie) schützen, durch Verehrung

bhāryānvitas tathā cakre kaśyapo munisattamaḥ / tataḥ prabhṛti tat tīrtham ubhayoḥ saṃgamaṃ viduḥ / sarvapāpapraśamanaṃ sarvakratuphalapradam //

So handelte Kaśyapa, der beste der Weisen, zusammen mit seinen Gattinnen. Seitdem kennt man jenes Tīrtha als den Zusammenfluss der beiden Flüsse, das alle Sünden besänftigt und die Frucht aller Opfer gewährt.

Wort für Wort
bhāryānvitas tathā cakre
so handelte, zusammen mit seinen Gattinnen
kaśyapo munisattamaḥ
Kaśyapa, der beste der Weisen
tataḥ prabhṛti tat tīrtham
seitdem kennt man jenes Tīrtha
ubhayoḥ saṃgamaṃ viduḥ
als den Zusammenfluss der beiden (Flüsse)
sarvapāpapraśamanaṃ sarvakratuphalapradam
das alle Sünden besänftigt und die Frucht aller Opfer gewährt

[Anm.: Dreizeiliger Vers im Quelltext.]

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