Quellen der Menschheit

Brahma-Purāṇa

Kapitel 33: sūryāṣṭottaraśatanāmastavavarṇanam Die Weltentstehung aus Savitṛ, der große Lobpreis der Sonne und ihre 108 Namen

Die Weisen bitten um weitere Sonnen-Erzählungen. Brahmā berichtet eine kurze Kosmogonie (aus den finsteren, formlosen Welten entstehen Buddhi, Ahaṃkāra, die Elemente und das Weltei; Brahmā selbst weilte darin als Viṣṇu Maheśvara) und wie aus jener Finsternis der Finsternis-Vertreiber - Savitṛ - erschien und durch Dhyānayoga erkannt wurde (V.1-8). Es folgt ein ausführlicher Lobpreis (V.9-23) mit Identifikationen der Sonne mit allen Göttern, Elementen und Weltprinzipien, dem Puruṣa-Motiv 'überall Hände und Füße' (Parallelstelle zu Kap.30/Bhagavadgītā 13,13) und abschließenden vierzeiligen Namo-Versen. Die Sonne, so gepriesen, nimmt ihre feurige Gestalt an und gewährt den Göttern auf deren Bitte eine erträgliche Form, wodurch sie zur Geberin von Hitze, Regen und Kälte für die Aufgaben der Welt wird (V.24-26). Es folgen Verse über die Frucht der Sonnenverehrung (Meditation der Sāṅkhyas/Yogis, Überwindung aller Sünde, Vorrang vor Agnihotra/Veda/Opfer, höchste Pilgerstätte, Eingang in die Sonnenwelt, V.27-31). Auf erneute Bitte der Weisen verkündet Brahmā die 108 Namen der Sonne (aṣṭottaraśatanāman, V.32-46) und schließt mit einem vierzeiligen Lobpreis samt Phalaśruti (Frucht des Rezitierens: Nachkommen, Reichtum, Erinnerung früherer Geburten, Befreiung von Kummer, Erfüllung der Wünsche, V.47-49).

{munaya ūcuḥ:} bhūyo 'pi kathayāsmākaṃ kathāṃ sūryasamāśritām / na tṛptim adhigacchāmaḥ śṛṇvantas tāṃ kathāṃ śubhām //

Die Weisen sprachen: Erzähle uns doch noch mehr die auf die Sonne bezogene Erzählung; wir gelangen nicht zur Sättigung, während wir diese schöne Erzählung hören.

Wort für Wort
bhūyaḥ api
noch mehr, wiederum
kathaya
erzähle
asmākam
uns
kathām
Erzählung
sūryasamāśritām
die auf die Sonne bezogene
na tṛptim adhigacchāmaḥ
wir gelangen nicht zur Sättigung
śṛṇvantaḥ
hörend
tām kathām śubhām
diese schöne Erzählung

yo 'yaṃ dīpto mahātejā vahnirāśisamaprabhaḥ / etad veditum icchāmaḥ prabhāvo 'sya kutaḥ prabho //

Dieser Leuchtende, von großer Glut, gleich einer Feuermasse an Glanz - das möchten wir wissen: woher kommt seine Macht, o Herr?

Wort für Wort
yaḥ ayam
dieser
dīptaḥ
leuchtend, entflammt
mahātejāḥ
von großer Glut
vahnirāśisamaprabhaḥ
gleich einer Feuermasse an Glanz
etat veditum icchāmaḥ
das möchten wir wissen
prabhāvaḥ asya kutaḥ
woher (kommt) seine Macht
prabho
o Herr

{brahmovāca:} tamobhūteṣu lokeṣu naṣṭe sthāvarajaṅgame / prakṛter guṇahetus tu pūrvaṃ buddhir ajāyata //

Brahmā sprach: Als die Welten zu Finsternis geworden und Unbewegliches wie Bewegliches vergangen war, entstand zuerst, als Wirkursache aus den Guṇas der Urmaterie (Prakṛti), die Buddhi (die Erkenntniskraft).

Wort für Wort
tamobhūteṣu lokeṣu
als die Welten zu Finsternis geworden waren
naṣṭe sthāvarajaṅgame
als Unbewegliches und Bewegliches vergangen war
prakṛteḥ guṇahetuḥ tu
aber als Wirkursache aus den Guṇas der Urmaterie
pūrvam
zuerst
buddhiḥ ajāyata
entstand die Erkenntniskraft

ahaṃkāras tato jāto mahābhūtapravartakaḥ / vāyvagnir āpaḥ khaṃ bhūmis tatas tv aṇḍam ajāyata //

Daraus entstand das Ich-Bewusstsein (Ahaṃkāra), das die großen Elemente hervorbringt; Wind, Feuer, Wasser, Äther und Erde - daraus entstand dann das (Welt-)Ei.

Wort für Wort
ahaṃkāraḥ tataḥ jātaḥ
das Ich-Bewusstsein entstand daraus
mahābhūtapravartakaḥ
das die großen Elemente Hervorbringende
vāyu-agniḥ āpaḥ kham bhūmiḥ
Wind, Feuer, Wasser, Äther, Erde
tataḥ tu aṇḍam ajāyata
daraus aber entstand das Ei

tasminn aṇḍe tv ime lokāḥ sapta caiva pratiṣṭhitāḥ / pṛthivī saptabhir dvīpaiḥ samudraiś caiva saptabhiḥ //

In jenem Ei nun sind diese sieben Welten fest gegründet, (ebenso) die Erde mit ihren sieben Inseln (Dvīpas) und den sieben Ozeanen.

Wort für Wort
tasmin aṇḍe tu
in jenem Ei aber
ime lokāḥ sapta ca eva pratiṣṭhitāḥ
diese sieben Welten sind auch fest gegründet
pṛthivī
die Erde
saptabhiḥ dvīpaiḥ
mit sieben Inseln
samudraiḥ ca eva saptabhiḥ
und auch mit sieben Ozeanen

tatraivāvasthito hy āsīd ahaṃ viṣṇur maheśvaraḥ / vimūḍhās tāmasāḥ sarve pradhyāyanti tam īśvaram //

Eben dort war ich, Viṣṇu, der große Herr, verweilend; alle in Tamas Verwirrten sinnen über jenen Herrn nach.

Wort für Wort
tatra eva avasthitaḥ hi āsīt aham
eben dort war ich fürwahr verweilend
viṣṇuḥ maheśvaraḥ
Viṣṇu, der große Herr
vimūḍhāḥ tāmasāḥ sarve
alle in Tamas Verwirrten
pradhyāyanti tam īśvaram
sinnen über jenen Herrn nach

[Anm.: Brahmā, der Sprecher, identifiziert sich hier zugleich mit Viṣṇu Maheśvara - Ausdruck der in den Purāṇas geläufigen Austauschbarkeit/Einheit der großen Götter als Erscheinungsformen des Einen.]

tato vai sumahātejāḥ prādurbhūtas tamonudaḥ / dhyānayogena cāsmābhir vijñātaḥ savitā tadā //

Dann erschien der von großer Glut Erfüllte, der Finsternis-Vertreiber, und wurde von uns damals durch die Vertiefung in Meditation (Dhyānayoga) als Savitṛ erkannt.

Wort für Wort
tataḥ vai
dann fürwahr
sumahātejāḥ prādurbhūtaḥ
der von sehr großer Glut Erfüllte erschien
tamonudaḥ
der Finsternis-Vertreiber
dhyānayogena ca asmābhiḥ
und von uns durch Meditationsvertiefung
vijñātaḥ savitā tadā
wurde damals als Savitṛ erkannt

jñātvā ca paramātmānaṃ sarva eva pṛthak pṛthak / divyābhiḥ stutibhir devaḥ stuto 'smābhis tadeśvaraḥ //

Und nachdem wir das höchste Selbst erkannt hatten, wurde jener Gott, der Herr, von uns allen, jedem für sich, mit göttlichen Lobpreisungen besungen.

Wort für Wort
jñātvā ca paramātmānam
und das höchste Selbst erkennend
sarve eva pṛthak pṛthak
wir alle, jeder für sich
divyābhiḥ stutibhiḥ
mit göttlichen Lobpreisungen
devaḥ stutaḥ asmābhiḥ tadā īśvaraḥ
wurde der Gott, der Herr, damals von uns besungen

ādidevo 'si devānām aiśvaryāc ca tvam īśvaraḥ / ādikartāsi bhūtānāṃ devadevo divākaraḥ //

Du bist der Urgott der Götter, und durch Herrschermacht bist du der Herr; du bist der Urschöpfer der Wesen, der Gott der Götter, die Sonne.

Wort für Wort
ādidevaḥ asi devānām
du bist der Urgott der Götter
aiśvaryāt ca tvam īśvaraḥ
und durch Herrschermacht bist du der Herr
ādikartā asi bhūtānām
du bist der Urschöpfer der Wesen
devadevaḥ divākaraḥ
der Gott der Götter, die Sonne

jīvanaḥ sarvabhūtānāṃ devagandharvarakṣasām / munikiṃnarasiddhānāṃ tathaivoragapakṣiṇām //

Du bist das Leben aller Wesen - der Götter, Gandharven und Rākṣasas, der Weisen, Kiṃnaras und Siddhas, ebenso der Schlangenwesen und der Vögel.

Wort für Wort
jīvanaḥ sarvabhūtānām
das Leben aller Wesen
deva-gandharva-rakṣasām
der Götter, Gandharven, Rākṣasas
muni-kiṃnara-siddhānām
der Weisen, Kiṃnaras, Siddhas
tathā eva uraga-pakṣiṇām
ebenso der Schlangenwesen und Vögel

tvaṃ brahmā tvaṃ mahādevas tvaṃ viṣṇus tvaṃ prajāpatiḥ / vāyur indraś ca somaś ca vivasvān varuṇas tathā //

Du bist Brahmā, du bist Mahādeva, du bist Viṣṇu, du bist Prajāpati; du bist Vāyu und Indra und Soma und Vivasvat und ebenso Varuṇa.

Wort für Wort
tvam brahmā
du bist Brahmā
tvam mahādevaḥ
du bist Mahādeva
tvam viṣṇuḥ
du bist Viṣṇu
tvam prajāpatiḥ
du bist Prajāpati
vāyuḥ indraḥ ca somaḥ ca
Vāyu und Indra und Soma
vivasvān varuṇaḥ tathā
Vivasvat und ebenso Varuṇa

tvaṃ kālaḥ sṛṣṭikartā ca hartā bhartā tathā prabhuḥ / saritaḥ sāgarāḥ śailā vidyudindradhanūṃṣi ca //

Du bist die Zeit, der Schöpfer, ebenso der Vernichter, der Erhalter, der Herr; du bist die Flüsse, die Ozeane, die Berge, die Blitze und die Regenbögen.

Wort für Wort
tvam kālaḥ sṛṣṭikartā ca
du bist die Zeit und der Schöpfer
hartā bhartā tathā prabhuḥ
der Vernichter, der Erhalter, ebenso der Herr
saritaḥ sāgarāḥ śailāḥ
die Flüsse, die Ozeane, die Berge
vidyut-indradhanūṃṣi ca
und die Blitze und Regenbögen

pralayaḥ prabhavaś caiva vyaktāvyaktaḥ sanātanaḥ / īśvarāt parato vidyā vidyāyāḥ parataḥ śivaḥ //

Du bist die Auflösung und ebenso der Ursprung, offenbar-unoffenbar, ewig; höher als der Herr ist das Wissen, höher als das Wissen ist Śiva.

Wort für Wort
pralayaḥ prabhavaḥ ca eva
die Auflösung und ebenso der Ursprung
vyaktāvyaktaḥ sanātanaḥ
offenbar-unoffenbar, ewig
īśvarāt parataḥ vidyā
höher als der Herr ist das Wissen
vidyāyāḥ parataḥ śivaḥ
höher als das Wissen ist Śiva

śivāt parataro devas tvam eva parameśvaraḥ / sarvataḥpāṇipādāntaḥ sarvatokṣiśiromukhaḥ //

Höher als Śiva bist du selbst der Gott, der höchste Herr - überall Hände und Füße innehabend, überall Augen, Häupter und Gesichter habend.

Wort für Wort
śivāt parataraḥ devaḥ
höher als Śiva ist der Gott
tvam eva parameśvaraḥ
du selbst bist der höchste Herr
sarvataḥ-pāṇi-pāda-antaḥ
überall Hände und Füße innehabend
sarvataḥ-akṣi-śiraḥ-mukhaḥ
überall Augen, Häupter, Gesichter habend

[Anm.: Motiv des allseitigen Puruṣa ("sarvataḥ pāṇipādam"), vgl. denselben Topos in Kap.30 sowie Bhagavadgītā 13,13.]

sahasrāṃśuḥ sahasrāsyaḥ sahasracaraṇekṣaṇaḥ / bhūtādir bhūr bhuvaḥ svaś ca mahaḥ satyaṃ tapo janaḥ //

Tausendstrahlig, tausendmündig, mit tausend Füßen und Augen; der Uranfang der Wesen - du bist Bhūr, Bhuvaḥ und Svaḥ, Mahaḥ, Satya, Tapas und Janas.

Wort für Wort
sahasrāṃśuḥ sahasrāsyaḥ
tausendstrahlig, tausendmündig
sahasra-caraṇa-īkṣaṇaḥ
mit tausend Füßen und Augen
bhūtādiḥ
der Uranfang der Wesen
bhūḥ bhuvaḥ svaḥ ca
die Welten Bhūr, Bhuvaḥ, Svaḥ
mahaḥ satyam tapaḥ janaḥ
die Welten Mahar, Satya, Tapas, Janas

pradīptaṃ dīpanaṃ divyaṃ sarvalokaprakāśakam / durnirīkṣaṃ surendrāṇāṃ yad rūpaṃ tasya te namaḥ //

Die entflammte, leuchtende, göttliche Gestalt, die alle Welten erhellt, die selbst für die Herren der Götter schwer anzuschauen ist - welche Gestalt das ist, dieser sei Verehrung dir!

Wort für Wort
pradīptam dīpanam divyam
entflammt, leuchtend, göttlich
sarvalokaprakāśakam
alle Welten erhellend
durnirīkṣam surendrāṇām
schwer anzuschauen für die Herren der Götter
yat rūpam tasya te namaḥ
welche Gestalt (es sei), dieser sei dir Verehrung

surasiddhagaṇair juṣṭaṃ bhṛgvatripulahādibhiḥ / stutaṃ paramam avyaktaṃ yad rūpaṃ tasya te namaḥ //

Die von den Scharen der Götter und Siddhas verehrte, von Bhṛgu, Atri, Pulaha und anderen gepriesene, höchste, unoffenbare Gestalt - welche Gestalt das ist, dieser sei Verehrung dir!

Wort für Wort
surasiddhagaṇaiḥ juṣṭam
von den Scharen der Götter und Siddhas verehrt
bhṛgu-atri-pulaha-ādibhiḥ stutam
von Bhṛgu, Atri, Pulaha u.a. gepriesen
paramam avyaktam
höchst, unoffenbar
yat rūpam tasya te namaḥ
welche Gestalt, dieser sei dir Verehrung

vedyaṃ vedavidāṃ nityaṃ sarvajñānasamanvitam / sarvadevātidevasya yad rūpaṃ tasya te namaḥ //

Die den Vedakundigen ewig erkennbare, mit allem Wissen ausgestattete Gestalt des höchsten Gottes über allen Göttern - welche Gestalt das ist, dieser sei Verehrung dir!

Wort für Wort
vedyam vedavidām nityam
den Vedakundigen ewig erkennbar
sarvajñānasamanvitam
mit allem Wissen ausgestattet
sarvadevātidevasya
des höchsten Gottes über allen Göttern
yat rūpam tasya te namaḥ
welche Gestalt, dieser sei dir Verehrung

viśvakṛd viśvabhūtaṃ ca vaiśvānarasurārcitam / viśvasthitam acintyaṃ ca yad rūpaṃ tasya te namaḥ //

Die alles erschaffende, in allem seiende, von Vaiśvānara (dem Feuer) und den Göttern verehrte, in allem verweilende, unfassbare Gestalt - welche Gestalt das ist, dieser sei Verehrung dir!

Wort für Wort
viśvakṛt viśvabhūtam ca
alles erschaffend und in allem seiend
vaiśvānarasurārcitam
von Vaiśvānara (Feuer) und den Göttern verehrt
viśvasthitam acintyam ca
in allem verweilend und unfassbar
yat rūpam tasya te namaḥ
welche Gestalt, dieser sei dir Verehrung

paraṃ yajñāt paraṃ vedāt paraṃ lokāt paraṃ divaḥ / paramātmety abhikhyātaṃ yad rūpaṃ tasya te namaḥ //

Die höher als das Opfer, höher als der Veda, höher als die Welt, höher als der Himmel, als 'höchstes Selbst' bekannte Gestalt - welche Gestalt das ist, dieser sei Verehrung dir!

Wort für Wort
param yajñāt
höher als das Opfer
param vedāt
höher als der Veda
param lokāt
höher als die Welt
param divaḥ
höher als der Himmel
paramātmā iti abhikhyātam
als 'höchstes Selbst' bekannt
yat rūpam tasya te namaḥ
welche Gestalt, dieser sei dir Verehrung

avijñeyam anālakṣyam adhyānagatam avyayam / anādinidhanaṃ caiva yad rūpaṃ tasya te namaḥ //

Die unerkennbare, unwahrnehmbare, durch Meditation erreichbare, unvergängliche und anfang- wie endlose Gestalt - welche Gestalt das ist, dieser sei Verehrung dir!

Wort für Wort
avijñeyam anālakṣyam
unerkennbar, unwahrnehmbar
adhyānagatam avyayam
durch Meditation erreichbar, unvergänglich
anādinidhanam ca eva
und auch anfang- und endlos
yat rūpam tasya te namaḥ
welche Gestalt, dieser sei dir Verehrung

namo namaḥ kāraṇakāraṇāya / namo namaḥ pāpavimocanāya / namo namas te ditijārdanāya / namo namo rogavimocanāya //

Verehrung, Verehrung dir, der Ursache der Ursache! Verehrung, Verehrung dir, dem Befreier von Sünde! Verehrung, Verehrung dir, dem Bedränger der Diti-Söhne! Verehrung, Verehrung dir, dem Befreier von Krankheit!

Wort für Wort
namaḥ namaḥ kāraṇakāraṇāya
Verehrung, Verehrung der Ursache der Ursache
namaḥ namaḥ pāpavimocanāya
Verehrung, Verehrung dem Befreier von Sünde
namaḥ namaḥ te ditijārdanāya
Verehrung, Verehrung dir, dem Bedränger der Diti-Söhne
namaḥ namaḥ rogavimocanāya
Verehrung, Verehrung dem Befreier von Krankheit

[Anm.: Vers in vierzeiliger Anordnung (Pāda a-d) statt der sonst üblichen zweizeiligen Form - Wechsel des Versmaßes; wörtlich als eigener Vers wiedergegeben.]

namo namaḥ sarvavarapradāya / namo namaḥ sarvasukhapradāya / namo namaḥ sarvadhanapradāya / namo namaḥ sarvamatipradāya //

Verehrung, Verehrung dir, dem Geber aller Segensgaben! Verehrung, Verehrung dir, dem Geber alles Glücks! Verehrung, Verehrung dir, dem Geber allen Reichtums! Verehrung, Verehrung dir, dem Geber aller Einsicht!

Wort für Wort
namaḥ namaḥ sarvavarapradāya
Verehrung, Verehrung dem Geber aller Segensgaben
namaḥ namaḥ sarvasukhapradāya
Verehrung, Verehrung dem Geber alles Glücks
namaḥ namaḥ sarvadhanapradāya
Verehrung, Verehrung dem Geber allen Reichtums
namaḥ namaḥ sarvamatipradāya
Verehrung, Verehrung dem Geber aller Einsicht

[Anm.: ebenfalls vierzeiliger Vers, s. Anm. zu V.22.]

stutaḥ sa bhagavān evaṃ taijasaṃ rūpam āsthitaḥ / uvāca vācā kalyāṇyā ko varo vaḥ pradīyatām //

So gepriesen, in seine feurige Gestalt eingetreten, sprach der Erhabene mit heilvoller Stimme: 'Welcher Segen soll euch gegeben werden?'

Wort für Wort
stutaḥ saḥ bhagavān evam
so gepriesen, jener Erhabene
taijasam rūpam āsthitaḥ
in seine feurige Gestalt eingetreten
uvāca vācā kalyāṇyā
sprach mit heilvoller Stimme
kaḥ varaḥ vaḥ pradīyatām
welcher Segen soll euch gegeben werden

{devā ūcuḥ:} tavātitaijasaṃ rūpaṃ na kaścit soḍhum utsahet / sahanīyaṃ tad bhavatu hitāya jagataḥ prabho //

Die Götter sprachen: Deine übermäßig feurige Gestalt vermag niemand zu ertragen; sie werde erträglich, zum Heil der Welt, o Herr!

Wort für Wort
tava atitaijasam rūpam
deine übermäßig feurige Gestalt
na kaścit soḍhum utsahet
niemand vermöchte sie zu ertragen
sahanīyam tat bhavatu
sie werde erträglich
hitāya jagataḥ prabho
zum Heil der Welt, o Herr

evam astv iti so 'py uktvā bhagavān ādikṛt prabhuḥ / lokānāṃ kāryasiddhyarthaṃ gharmavarṣahimapradaḥ //

'So sei es', so sprach auch er, der Erhabene, der Urschöpfer, der Herr, und wurde, zur Erfüllung der Aufgaben der Welten, zum Geber von Hitze, Regen und Schnee/Kälte.

Wort für Wort
evam astu iti
'so sei es', so
saḥ api uktvā
auch er, gesprochen habend
bhagavān ādikṛt prabhuḥ
der Erhabene, der Urschöpfer, der Herr
lokānām kāryasiddhyartham
zur Erfüllung der Aufgaben der Welten
gharma-varṣa-hima-pradaḥ
Geber von Hitze, Regen und Schnee/Kälte

tataḥ sāṃkhyāś ca yogāś ca ye cānye mokṣakāṅkṣiṇaḥ / dhyāyanti dhyāyino devaṃ hṛdayasthaṃ divākaram //

Seitdem meditieren die Sāṅkhyas und Yogis und andere, die nach Befreiung verlangen, als Meditierende über den im Herzen weilenden Gott, die Sonne.

Wort für Wort
tataḥ sāṃkhyāḥ ca yogāḥ ca
seitdem die Sāṅkhyas und Yogis
ye ca anye mokṣakāṅkṣiṇaḥ
und andere, die nach Befreiung verlangen
dhyāyanti dhyāyinaḥ
meditieren als Meditierende
devam hṛdayastham divākaram
über den im Herzen weilenden Gott, die Sonne

sarvalakṣaṇahīno 'pi yukto vā sarvapātakaiḥ / sarvaṃ ca tarate pāpaṃ devam arkaṃ samāśritaḥ //

Auch wer aller guten Merkmale entbehrt, oder mit allen Sünden behaftet ist, überwindet doch alle Sünde, wenn er sich dem Gott, der Sonne, anvertraut.

Wort für Wort
sarvalakṣaṇahīnaḥ api
auch aller (guten) Merkmale entbehrend
yuktaḥ vā sarvapātakaiḥ
oder mit allen Sünden behaftet
sarvam ca tarate pāpam
überwindet doch alle Sünde
devam arkam samāśritaḥ
wenn er sich dem Gott, der Sonne, anvertraut

agnihotraṃ ca vedāś ca yajñāś ca bahudakṣiṇāḥ / bhānor bhaktinamaskāra-kalāṃ nārhanti ṣoḍaśīm //

Das Feueropfer und die Veden und Opfer mit reichen Priestergaben erreichen nicht ein Sechzehntel des Wertes der hingebungsvollen Verehrung der Sonne.

Wort für Wort
agnihotram ca vedāḥ ca
das Feueropfer und die Veden
yajñāḥ ca bahudakṣiṇāḥ
und Opfer mit reichen Priestergaben
bhānoḥ bhaktinamaskārakalām
den Teil der hingebungsvollen Verehrung der Sonne
na arhanti ṣoḍaśīm
erreichen nicht ein Sechzehntel

tīrthānāṃ paramaṃ tīrthaṃ maṅgalānāṃ ca maṅgalam / pavitraṃ ca pavitrāṇāṃ prapadyante divākaram //

Als höchste Pilgerstätte der Pilgerstätten, als Segen der Segensbringenden, als das Reine der reinen Dinge nehmen sie Zuflucht zur Sonne.

Wort für Wort
tīrthānām paramam tīrtham
die höchste Pilgerstätte der Pilgerstätten
maṅgalānām ca maṅgalam
und den Segen der Segensbringenden
pavitram ca pavitrāṇām
und das Reine der reinen Dinge
prapadyante divākaram
nehmen sie Zuflucht zur Sonne

śakrādyaiḥ saṃstutaṃ devaṃ ye namasyanti bhāskaram / sarvakilbiṣanirmuktāḥ sūryalokaṃ vrajanti te //

Die den von Indra und anderen gepriesenen Gott, die Sonne, verehren, gehen, von aller Sünde befreit, in die Sonnenwelt ein.

Wort für Wort
śakrādyaiḥ saṃstutam devam
den von Indra u.a. gepriesenen Gott
ye namasyanti bhāskaram
die die Sonne verehren
sarvakilbiṣanirmuktāḥ
von aller Sünde befreit
sūryalokam vrajanti te
gehen sie in die Sonnenwelt ein

{munaya ūcuḥ:} cirāt prabhṛti no brahmañ śrotum icchā pravartate / nāmnām aṣṭaśataṃ brūhi yat tvayoktaṃ purā raveḥ //

Die Weisen sprachen: Schon seit langem, o Brahmā, regt sich in uns der Wunsch zu hören; verkünde die 108 Namen der Sonne, die du einst genannt hast.

Wort für Wort
cirāt prabhṛti naḥ brahman
schon seit langem, o Brahmā, in uns
śrotum icchā pravartate
regt sich der Wunsch zu hören
nāmnām aṣṭaśatam brūhi
verkünde die 108 Namen
yat tvayā uktam purā raveḥ
die von dir einst (genannt wurden), der Sonne

{brahmovāca:} aṣṭottaraśataṃ nāmnāṃ śṛṇudhvaṃ gadato mama / bhāskarasya paraṃ guhyaṃ svargamokṣapradaṃ dvijāḥ //

Brahmā sprach: Hört die 108 Namen, wie ich sie ausspreche, o Brahmanen - das höchste Geheimnis der Sonne, das Himmel und Befreiung verleiht.

Wort für Wort
aṣṭottaraśatam nāmnām
die 108 Namen
śṛṇudhvam gadataḥ mama
hört von mir gesprochen
bhāskarasya param guhyam
das höchste Geheimnis der Sonne
svargamokṣapradam dvijāḥ
Himmel und Befreiung verleihend, o Brahmanen

oṃ sūryo 'ryamā bhagas tvaṣṭā pūṣārkaḥ savitā raviḥ / gabhastimān ajaḥ kālo mṛtyur dhātā prabhākaraḥ //

Oṃ! Sūrya, Aryaman, Bhaga, Tvaṣṭṛ, Pūṣan, der Strahlende (Arka), Savitṛ, Ravi, der Strahlenreiche, der Ungeborene, die Zeit, der Tod, der Ordner (Dhātṛ), der Lichtbereiter (Prabhākara).

Wort für Wort
oṃ
Oṃ (heilige Silbe)
sūryaḥ, aryamā, bhagaḥ, tvaṣṭā, pūṣā, arkaḥ, savitā, raviḥ
Sūrya, Aryaman, Bhaga, Tvaṣṭṛ, Pūṣan, der Strahlende, Savitṛ, Ravi
gabhastimān, ajaḥ, kālaḥ, mṛtyuḥ, dhātā, prabhākaraḥ
der Strahlenreiche, der Ungeborene, die Zeit, der Tod, der Ordner, der Lichtbereiter

[Anm.: Beginn der 108-Namen-Reihe (aṣṭottaraśatanāman) der Sonne; im Folgenden überwiegend Namen ohne durchgehende wörtliche Analyse, da reine Namensaufzählung.]

pṛthivy āpaś ca tejaś ca khaṃ vāyuś ca parāyaṇam / somo bṛhaspatiḥ śukro budho 'ṅgāraka eva ca //

Die Erde, das Wasser, die Glut, der Äther und der Wind, die höchste Zuflucht; der Mond, Jupiter, Venus, Merkur und auch Mars.

Wort für Wort
pṛthivī, āpaḥ, tejaḥ, kham, vāyuḥ
Erde, Wasser, Glut, Äther, Wind
parāyaṇam
die höchste Zuflucht
somaḥ, bṛhaspatiḥ, śukraḥ, budhaḥ, aṅgārakaḥ
Mond, Jupiter, Venus, Merkur, Mars

[Anm.: Elemente und Planeten werden hier als 'Namen' der Sonne aufgeführt - Ausdruck der Identifikation der Sonne mit allen kosmischen Prinzipien.]

indro vivasvān dīptāṃśuḥ śuciḥ śauriḥ śanaiścaraḥ / brahmā viṣṇuś ca rudraś ca skando vaiśravaṇo yamaḥ //

Indra, Vivasvat, der Glutstrahlige, der Lautere, der Heldenhafte [?], der Langsamschreitende (Saturn); Brahmā und Viṣṇu und Rudra, Skanda, Vaiśravaṇa, Yama.

Wort für Wort
indraḥ, vivasvān, dīptāṃśuḥ, śuciḥ
Indra, Vivasvat, der Glutstrahlige, der Lautere
śauriḥ [?], śanaiścaraḥ
der Heldenhafte [?], der Langsamschreitende (Saturn)
brahmā, viṣṇuḥ, rudraḥ, skandaḥ, vaiśravaṇaḥ, yamaḥ
Brahmā, Viṣṇu, Rudra, Skanda, Vaiśravaṇa, Yama

[?: 'śauriḥ' hier unklar - wörtlich 'der Heldenhafte/Sohn des Śūra', evtl. Bezug auf Śani (Saturn) als Sohn der Sonne (vgl. die Chāyā-Erzählung in Kap.32); kontextnah, aber nicht sicher übersetzt.]

vaidyuto jāṭharaś cāgnir aindhanas tejasāṃ patiḥ / dharmadhvajo vedakartā vedāṅgo vedavāhanaḥ //

Der Blitzhafte, der im Bauchfeuer Wirkende und das Feuer, der durch Brennstoff Genährte, der Herr der Gluten; dessen Banner die Rechtsordnung ist, der Schöpfer der Veden, der die Glieder der Veden verkörpert, dessen Fahrzeug der Veda ist.

Wort für Wort
vaidyutaḥ, jāṭharaḥ, agniḥ
der Blitzhafte, der im Bauchfeuer Wirkende, das Feuer
aindhanaḥ, tejasāṃ patiḥ
der durch Brennstoff Genährte, der Herr der Gluten
dharmadhvajaḥ, vedakartā, vedāṅgaḥ, vedavāhanaḥ
dessen Banner die Rechtsordnung ist, der Schöpfer der Veden, der die Vedāṅgas verkörpert, dessen Fahrzeug der Veda ist

kṛtaṃ tretā dvāparaś ca kaliḥ sarvāmarāśrayaḥ / kalākāṣṭhāmuhūrtāś ca kṣapā yāmās tathā kṣaṇāḥ //

Das Kṛta-, Tretā-, Dvāpara- und Kali-Zeitalter, die Zuflucht aller Unsterblichen; die Zeiteinheiten Kalā, Kāṣṭhā und Muhūrta, die Nacht, die Nachtwachen und die Augenblicke.

Wort für Wort
kṛtam, tretā, dvāparaḥ, kaliḥ
das Kṛta-, Tretā-, Dvāpara- und Kali-Zeitalter
sarvāmarāśrayaḥ
die Zuflucht aller Unsterblichen
kalā, kāṣṭhā, muhūrtāḥ, kṣapā, yāmāḥ, kṣaṇāḥ
Kalā, Kāṣṭhā, Muhūrtas, Nacht, Nachtwachen, Augenblicke

saṃvatsarakaro 'śvatthaḥ kālacakro vibhāvasuḥ / puruṣaḥ śāśvato yogī vyaktāvyaktaḥ sanātanaḥ //

Der Jahrschöpfer, der heilige Aśvattha-Baum, das Rad der Zeit, der Glanzreiche; der Puruṣa, der Ewige, der Yogin, der Offenbar-Unoffenbare, der Immerwährende.

Wort für Wort
saṃvatsarakaraḥ, aśvatthaḥ, kālacakraḥ, vibhāvasuḥ
der Jahrschöpfer, der Aśvattha-Baum, das Rad der Zeit, der Glanzreiche
puruṣaḥ, śāśvataḥ, yogī, vyaktāvyaktaḥ, sanātanaḥ
der Puruṣa, der Ewige, der Yogin, der Offenbar-Unoffenbare, der Immerwährende

kālādhyakṣaḥ prajādhyakṣo viśvakarmā tamonudaḥ / varuṇaḥ sāgaro 'ṃśaś ca jīmūto jivano 'rihā //

Der Aufseher der Zeit, der Aufseher der Geschöpfe, Viśvakarman, der Finsternis-Vertreiber; Varuṇa und das Meer und Aṃśa, die Wolke, das Leben, der Feindevernichter.

Wort für Wort
kālādhyakṣaḥ, prajādhyakṣaḥ, viśvakarmā, tamonudaḥ
der Aufseher der Zeit, der Aufseher der Geschöpfe, Viśvakarman, der Finsternis-Vertreiber
varuṇaḥ, sāgaraḥ, aṃśaḥ, jīmūtaḥ, jīvanaḥ, arihā
Varuṇa, das Meer, Aṃśa, die Wolke, das Leben, der Feindevernichter

bhūtāśrayo bhūtapatiḥ sarvalokanamaskṛtaḥ / sraṣṭā saṃvartako vahniḥ sarvasyādir alolupaḥ //

Die Zuflucht der Wesen, der Herr der Wesen, der von aller Welt Verehrte; der Schöpfer, der Weltzerstörer, das Feuer, der Anfang von allem, der Unbegehrliche.

Wort für Wort
bhūtāśrayaḥ, bhūtapatiḥ, sarvalokanamaskṛtaḥ
die Zuflucht der Wesen, der Herr der Wesen, der von aller Welt Verehrte
sraṣṭā, saṃvartakaḥ, vahniḥ, sarvasyādiḥ, alolupaḥ
der Schöpfer, der Weltzerstörer, das Feuer, der Anfang von allem, der Unbegehrliche

anantaḥ kapilo bhānuḥ kāmadaḥ sarvatomukhaḥ / jayo viśālo varadaḥ sarvabhūtaniṣevitaḥ //

Der Endlose, Kapila, der Glanzvolle (Bhānu), der Wunscherfüller, der überall Gesichter Habende; der Sieg, der Gewaltige, der Segenspender, der von allen Wesen Verehrte.

Wort für Wort
anantaḥ, kapilaḥ, bhānuḥ, kāmadaḥ, sarvatomukhaḥ
der Endlose, Kapila, der Glanzvolle, der Wunscherfüller, der überall Gesichter Habende
jayaḥ, viśālaḥ, varadaḥ, sarvabhūtaniṣevitaḥ
der Sieg, der Gewaltige, der Segenspender, der von allen Wesen Verehrte

manaḥ suparṇo bhūtādiḥ śīghragaḥ prāṇadhāraṇaḥ / dhanvantarir dhūmaketur ādidevo 'diteḥ sutaḥ //

Der Geist, der Schönbeflügelte, der Uranfang der Wesen, der Schnellziehende, der Träger des Lebensatems; Dhanvantari, der Rauchbannerträger, der Urgott, der Sohn der Aditi.

Wort für Wort
manaḥ, suparṇaḥ, bhūtādiḥ, śīghragaḥ, prāṇadhāraṇaḥ
der Geist, der Schönbeflügelte, der Uranfang der Wesen, der Schnellziehende, der Träger des Lebensatems
dhanvantariḥ, dhūmaketuḥ, ādidevaḥ, aditeḥ sutaḥ
Dhanvantari, der Rauchbannerträger, der Urgott, der Sohn der Aditi

dvādaśātmā ravir dakṣaḥ pitā mātā pitāmahaḥ / svargadvāraṃ prajādvāraṃ mokṣadvāraṃ triviṣṭapam //

Der Zwölfgestaltige, Ravi, Dakṣa, der Vater, die Mutter, der Großvater; das Tor zum Himmel, das Tor zu den Geschöpfen, das Tor zur Befreiung, der Himmel selbst.

Wort für Wort
dvādaśātmā, raviḥ, dakṣaḥ, pitā, mātā, pitāmahaḥ
der Zwölfgestaltige, Ravi, Dakṣa, der Vater, die Mutter, der Großvater
svargadvāram, prajādvāram, mokṣadvāram, triviṣṭapam
das Tor zum Himmel, das Tor zu den Geschöpfen, das Tor zur Befreiung, der Himmel

dehakartā praśāntātmā viśvātmā viśvatomukhaḥ / carācarātmā sūkṣmātmā maitreyaḥ karuṇānvitaḥ //

Der Leibbildner, der von befriedetem Wesen, die Weltseele, der überallhin Gewandte; die Seele des Beweglichen und Unbeweglichen, die feinstoffliche Seele, der Freundliche, der mit Mitleid Begabte.

Wort für Wort
dehakartā, praśāntātmā, viśvātmā, viśvatomukhaḥ
der Leibbildner, der von befriedetem Wesen, die Weltseele, der überallhin Gewandte
carācarātmā, sūkṣmātmā, maitreyaḥ, karuṇānvitaḥ
die Seele des Beweglichen und Unbeweglichen, die feinstoffliche Seele, der Freundliche, der mit Mitleid Begabte

etad vai kīrtanīyasya sūryasyāmitatejasaḥ / nāmnām aṣṭaśataṃ ramyaṃ mayā proktaṃ dvijottamāḥ //

Dies ist fürwahr die liebliche 108-Namenreihe der preisenswerten Sonne von unermesslicher Glut, von mir verkündet, o Beste der Zweifachgeborenen.

Wort für Wort
etat vai kīrtanīyasya sūryasya
dies ist fürwahr des preisenswerten Sonne
amitatejasaḥ
von unermesslicher Glut
nāmnām aṣṭaśatam ramyam
die liebliche 108-Namenreihe
mayā proktam dvijottamāḥ
von mir verkündet, o Beste der Zweifachgeborenen

[Anm.: Die tatsächliche Anzahl der in V.34-45 aufgeführten Einzelnamen übersteigt bei wörtlicher Zählung geringfügig 108; dies ist bei solchen Nāmastotras üblich - die traditionelle Zahl 'aṣṭottaraśata' (108) wird unverändert beibehalten.]

suragaṇapitṛyakṣasevitaṃ hy / asuraniśākarasiddhavanditam / varakanakahutāśanaprabhaṃ / praṇipatito 'smi hitāya bhāskaram //

Der von den Scharen der Götter, der Ahnen und Yakṣas verehrt wird, der von Asuras, dem Mond und den Siddhas gepriesen wird, der wie bestes Gold und wie loderndes Feuer glänzt - vor dieser Sonne (Bhāskara) verneige ich mich, zum Heil (der Welt).

Wort für Wort
suragaṇapitṛyakṣasevitam hi
von den Scharen der Götter, Ahnen und Yakṣas verehrt, fürwahr
asuraniśākarasiddhavanditam
von Asuras, Mond und Siddhas gepriesen
varakanakahutāśanaprabham
wie bestes Gold und loderndes Feuer glänzend
praṇipatitaḥ asmi hitāya bhāskaram
ich habe mich verneigt, zum Heil, vor der Sonne

[Anm.: Ab hier Wechsel des Versmaßes - vierzeilige Verse (Pāda a-d) statt der bisherigen zweizeiligen Ślokas, wie schon in V.22-23; abschließender Lobpreis mit Phalaśruti (V.47-49).]

sūryodaye yaḥ susamāhitaḥ paṭhet / sa putradārān dhanaratnasaṃcayān / labheta jātismaratāṃ naraḥ sa tu / smṛtiṃ ca medhāṃ ca sa vindate parām //

Wer dies bei Sonnenaufgang wohlgesammelt rezitiert, der erlangt Söhne und Gattin, Anhäufungen von Reichtum und Juwelen; jener Mensch erlangt die Erinnerung an frühere Geburten, und er findet höchstes Gedächtnis und höchste Geisteskraft.

Wort für Wort
sūryodaye yaḥ susamāhitaḥ paṭhet
wer bei Sonnenaufgang wohlgesammelt rezitiert
saḥ putradārān dhanaratnasaṃcayān
der erlangt Söhne, Gattin, Anhäufungen von Reichtum und Juwelen
labheta jātismaratām naraḥ saḥ tu
jener Mensch erlangt die Erinnerung an frühere Geburten
smṛtim ca medhām ca saḥ vindate parām
und er findet höchstes Gedächtnis und höchste Geisteskraft

imaṃ stavaṃ devavarasya yo naraḥ / prakīrtayec chuddhamanāḥ samāhitaḥ / vimucyate śokadavāgnisāgarāl / labheta kāmān manasā yathepsitān //

Welcher Mensch diesen Lobpreis des besten der Götter mit reinem Geist und gesammelt verkündet, der wird aus dem Ozean des Kummer-Waldbrandfeuers befreit; er erlangt die Wünsche, wie sie im Geiste erwünscht sind.

Wort für Wort
imam stavam devavarasya yaḥ naraḥ
welcher Mensch diesen Lobpreis des besten der Götter
prakīrtayet śuddhamanāḥ samāhitaḥ
verkündet, reinen Geistes und gesammelt
vimucyate śokadavāgnisāgarāt
wird befreit aus dem Ozean des Kummer-Waldbrandfeuers
labheta kāmān manasā yathā īpsitān
er erlangt die Wünsche, wie sie im Geiste erwünscht sind

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