Kapitel 68: viṣṇulokamāhātmyavarṇanam
Die Beschreibung der Größe der Welt Viṣṇus (Vaikuṇṭha)
Auf die Bitte der Munis beschreibt Brahmā ausführlich die ewige Welt Viṣṇus: ihre paradiesischen Wälder mit unzähligen benannten Bäumen, Blumen und Lotosteichen voller Wasservögel; die von Apsaras und himmlischen Frauen belebte, mit Himmelswagen durchzogene Stadt, in der die am Ufer des südlichen Meeres beim Banyan-Baum verstorbenen Seher Kṛṣṇa spielend mit den Apsaras erblicken; den gewaltigen, siebenfach ummauerten Palast Haris aus sieben verschiedenen Edelsteinschichten; die zentrale Gestalt des Gottes selbst, mit tausend Häuptern, Armen, Füßen und Namen, auf dem Löwenthron sitzend, seine Attribute Sudarśana-Rad, Muschelhorn Pāñcajanya, Keule Kaumodakī und Bogen Śārṅga tragend, umgeben von personifizierten Tugenden und Göttinnen (Kīrti, Sarasvatī, Gāyatrī, Śraddhā u.a.) sowie einem langen Namenskatalog von Apsaras. Die Welt Viṣṇus wird als alle anderen Himmelswelten (auch die des Svarga) an Wert um ein Vielfaches übertreffend beschrieben, frei von Krankheit, Alter und Tod, unerreichbar für Ungläubige und moralisch Verfehlte, aber offen für treue Vaiṣṇavas sowie für jeden, der im Puruṣottama-Kṣetra selbst verstirbt oder dort Puruṣottamas gedenkt.
Die Munis sprachen: Wir wünschen zu hören, o Gott, von der leidlosen Welt Viṣṇus, die Freude in der Welt hervorbringt, lieblich, mit allen Wundern verbunden ist,
durch [bloßen] Anblick oder Berührung, oder auch durch Baden an einer Pilgerstätte und dergleichen – sage [es] ausführlich, der Wahrheit gemäß, denn groß ist unsere Neugier.
Wort für Wort
darśanāt sparśanāt vā api
durch Anblick oder Berührung, oder auch
tīrthasnānādinā api vā
oder auch durch Baden an einer Pilgerstätte und dergleichen
Brahmā sprach: Hört, all ihr Munis, [von] jenem höchsten, allerhöchsten Zustand, dem von den Anhängern Ersehnten, glückbringenden, heiligen, den Weltenkreislauf (Saṃsāra) vernichtenden,
dem trefflichsten aller Welten, mit Namen Viṣṇu[-loka], von mir gesprochen, [dem] ganz aus Wundern bestehenden, heiligen Ort, der von den drei Welten verehrt wird.
mit Orangen-, Jackfrucht-, Lodhra-, Nimba-, Granatapfel-, Sarja-Bäumen, mit Weinreben, Feigenbäumen, Dattelpalmen, Bäumen mit Madhuka- und Indra[-Frucht]-Früchten,
kapitthair nārikeraiś ca tālaiḥ śrīphalasaṃbhavaiḥ /
kalpavṛkṣair asaṃkhyaiś ca vanyair anyaiḥ suśobhanaiḥ // BrP_68.9 //
mit Kapittha[-Bäumen], Kokospalmen, Palmyrapalmen, von Śrīphala[-Bäumen] hervorgebracht, mit unzähligen Wunschbäumen (Kalpavṛkṣa) und anderen prächtigen Wald[-bäumen],
mit Sarala[-Fichten], Sandelholz-, Nīpa-, Devadāru[-Zedern]-, herrlichen Añjana-Bäumen, mit Jasmin, Gewürznelken, Kaṅkola[-Pfeffer], mit vom Duft des Kampfers erfüllten [Bäumen],
raktanīlotpalaiḥ kāntaiḥ kahlāraiś ca sugandhibhiḥ /
anyaiś ca jalajaiḥ puṣpair nānāvarṇaiḥ suśobhanaiḥ // BrP_68.14 //
mit lieblichen roten und blauen Lotosblüten (Utpala) und wohlriechenden Kahlāra[-Seerosen], und mit anderen Wasserblumen von mannigfacher, prächtiger Farbe,
Wort für Wort
raktanīlotpalaiḥ kāntaiḥ
mit lieblichen roten und blauen Lotosblüten (Utpala)
haṃsakāraṇḍavākīrṇaiś cakravākopaśobhitaiḥ /
koyaṣṭikaiś ca dātyūhaiḥ kāraṇḍavaravākulaiḥ // BrP_68.15 //
überstreut mit Gänsen und Kāraṇḍava-Enten, geschmückt mit Cakravāka[-Vögeln], mit Koyaṣṭika- und Dātyūha[-Vögeln], voll von trefflichen Kāraṇḍava[-Enten],
mit Cātaka[-Vögeln], Priyaputra[-Vögeln], mit dem Geschlecht der Jīvaṃjīvaka[-Vögel], mit anderen göttlichen Wasserwesen von süßem, spielerischem Klang,
so ist [jene Welt], mit mannigfaltigen göttlichen, mit vielerlei Wundern verbundenen Bäumen und heiligen Wasserbecken geschmückt, überaus herzerfreuend.
tatra divyair vimānaiś ca nānāratnavibhūṣitaiḥ /
kāmagaiḥ kāñcanaiḥ śubhrair divyagandharvanāditaiḥ // BrP_68.18 //
Dort, mit göttlichen Himmelswagen, mit mannigfachen Juwelen geschmückt, nach Belieben beweglich, golden, strahlend, von göttlichem Gandharva-Klang erfüllt,
reich an mannigfachem Blütenduft, mit Sandelholz und Aloeholz (Aguru) geschmückt, mit vielfach angenehmer Fortbewegung, mit mannigfachem Instrumentenklang,
manomārutatulyaiś ca kiṅkiṇīstabakākulaiḥ /
viharanti pure tasmin vaiṣṇave lokapūjite // BrP_68.22 //
gleich [schnell] wie Geist und Wind, voll von Büscheln kleiner Glöckchen (Kiṅkiṇī) – [mit solchen Himmelswagen] vergnügen sie sich in jener Viṣṇu[-gehörigen] Stadt, die von der Welt verehrt wird,
stets [begleitet] von mannigfachen Frauen, angefangen mit Gandharva- und Apsaras[-Frauen], mit mondgesichtigen, lieblichen, überaus herzerfreuenden Frauen,
Wort für Wort
nānāṅganābhiḥ satataṃ
stets von mannigfachen Frauen
gandharvāpsarasādibhiḥ
angefangen mit Gandharva- und Apsaras(-Frauen)
candrānanābhiḥ kāntābhiḥ
mit mondgesichtigen, lieblichen
yoṣidbhiḥ sumanoharaiḥ
überaus herzerfreuenden Frauen
[Anm.: Der Quelltext liest hier das Adjektiv 'sumanoharaiḥ' in maskuliner Form, obwohl es sich auf die feminine 'yoṣidbhiḥ' (Frauen) bezieht – vermutlich eine metrisch bedingte oder textkritische Unregelmäßigkeit.]
mit Gesang und Tanz, ebenso mit Instrumenten, sich freuend, von Rausch träge – [begleitet] von Yakṣas, Vidyādharas, Siddhas, Gandharvas und Scharen von Apsaras,
surasaṃghaiś ca ṛṣibhiḥ śuśubhe bhuvanottamam /
tatra prāpya mahābhogān prāpnuvanti manīṣiṇaḥ // BrP_68.27 //
und von Scharen der Götter und den Weisen erstrahlte jene beste der Welten. Dort erlangen die Weisen, nachdem sie [dorthin] gelangt sind, große Genüsse.
Wort für Wort
surasaṃghaiḥ ca ṛṣibhiḥ
und von Scharen der Götter und den Weisen
śuśubhe bhuvanottamam
erstrahlte jene beste der Welten
tatra prāpya mahābhogān
dort, nachdem sie dorthin gelangt sind, große Genüsse
In der Nähe des Banyan-Königs (Vaṭarāja) [Baumes], am Ufer des südlichen Meeres, von denen der erhabene Kṛṣṇa gesehen wurde, der Lotosäugige, der Herr der Welt –
na tatra punarāvṛttir gamanāj jāyate dvijāḥ /
prabhāvāt tasya devasya yāvad ābhūtasaṃplavam // BrP_68.34 //
Dort entsteht durch das [einmalige] Hingehen keine Rückkehr [in den Weltenkreislauf], o Zweifachgeborene, durch die Macht jenes Gottes, bis zur [kosmischen] Auflösung der Wesen.
mit bunten Standarten von mannigfacher Farbe, kunstvoll errichtet, überaus herzerfreuend, erstrahlend wie der herbstliche Mond zusammen mit den Sternen.
mit vier Toren, weit ausgedehnt, von Torwächtern (Kañcukin) wohl bewacht, mit sieben [konzentrischen] Stadtmauern verbunden, überaus prächtig, herzerfreuend.
prathamaṃ kāñcanaṃ tatra dvitīyaṃ marakatair yutam /
indranīlaṃ tṛtīyaṃ tu mahānīlaṃ tataḥ param // BrP_68.40 //
Die erste dort [ist] golden, die zweite mit Smaragden versehen, die dritte aber aus Indranīla [Saphir], danach die weitere aus Mahānīla [dunklem Saphir],
die fünfte Stadt[-mauer] aber leuchtend, aus Padmarāga [Rubin] bestehend; die sechste aus Diamant, o Brahmanen, die siebte Stadt[-mauer] aus Vaidūrya [Katzenauge].
und, o beste der Munis, Keśava hatte, gleich der Jasminblüte, dem Mond und Silber, gleich einer Perlenkette aus Kuhmilch, jenes [im Folgenden benannte Muschelhorn] in der linken Hand ergriffen –
Wort für Wort
kundendurajataprakhyaṃ
gleich der Jasminblüte, dem Mond und Silber
hāragokṣīrasaṃnibham
gleich einer Perlenkette aus Kuhmilch
ādāya taṃ muniśreṣṭhāḥ
nachdem er jenes ergriffen hatte, o beste der Munis
savyahastena keśavaḥ
Keśava, mit der linken Hand
[Anm.: Der eigentliche Gegenstand (das Muschelhorn Pāñcajanya) wird erst im folgenden Vers V47 benannt; V46 beschreibt bereits dessen Farbe und Erscheinung.]
[die Keule,] die den bösen Taten ein Ende bereitet, die furchtbare, die Daityas und Dānavas vernichtende, gleich einer lodernden Feuerspitze, unerträglich selbst für die Götter (Tridaśa) –
Wort für Wort
duṣkṛtāntakarīṃ raudrāṃ
die den bösen Taten ein Ende bereitet, die furchtbare
kaumodakīṃ gadāṃ cāsau dhṛtavān dakṣiṇe kare /
vāme visphurati hy asya śārṅgaṃ sūryasamaprabham // BrP_68.49 //
die Keule Kaumodakī hielt jener [Hari] in einer rechten Hand; in einer Linken erglänzt fürwahr sein Bogen Śārṅga, gleich der Sonne leuchtend,
Wort für Wort
kaumodakīṃ gadāṃ ca asau
und jene Keule Kaumodakī
dhṛtavān dakṣiṇe kare
hielt er in einer rechten Hand
vāme visphurati hi asya
in einer Linken erglänzt fürwahr sein
śārṅgaṃ sūryasamaprabham
Bogen Śārṅga, gleich der Sonne leuchtend
[Anm.: Die wiederholte Rede von 'der rechten' bzw. 'der linken' Hand (vgl. V45f.) erklärt sich daraus, dass der im Folgenden (V52) als tausendarmig beschriebene Gott hier mit mehreren seiner Hände verschiedene Attribute zugleich trägt.]
śarair ādityasaṃkāśair jvālāmālākulair varaiḥ /
yo 'sau saṃharate devas trailokyaṃ sacarācaram // BrP_68.50 //
mit Pfeilen, gleich der Sonne, von Flammenkränzen umgeben, trefflich – er, jener Gott, der die drei Welten samt allem Beweglichen und Unbeweglichen vernichtet [am Ende der Zeit],
Wort für Wort
śaraiḥ ādityasaṃkāśaiḥ
mit Pfeilen, gleich der Sonne
jvālāmālākulaiḥ varaiḥ
von Flammenkränzen umgeben, trefflich
yaḥ asau saṃharate devaḥ
er, jener Gott, der vernichtet
trailokyaṃ sacarācaram
die drei Welten samt allem Beweglichen und Unbeweglichen
Gāyatrī und Sāvitrī, die Glückverheißende (Maṅgalā), die allen Segen [bringende] (Sarvamaṅgalā), Glanz (Prabhā), Verstand (Mati), ebenso Schönheit (Kānti) – dort weilt [auch] Nārāyaṇī,
Glaube (Śraddhā) und die Göttin Kauśikī, der Blitz (Vidyut, Saudāminī), ebenso Schlaf (Nidrā), Nacht (Rātri), ebenso Māyā, und ebenso andere Göttinnen (Amara-Frauen).
die Munis-Bezaubernde (Munisaṃmohinī), die Schöne (Rāmā), Candramadhyā, die mit hellem Antlitz (Śubhānanā), Sukeśī, Nīlakeśā, und ebenso die Liebe-Entflammende (Manmathadīpinī),
Parāvatī von großer Gestalt, Śaśilekhā mit hellem Antlitz, die dem Spiel der Schwäne Nachahmenden (im Gang), [und] die mit dem Gang eines brünstigen Elefanten,
mit schönen Taillen, mit anmutigen Gesichtern, mit allem Schmuck geziert, mit der Süße des Gesangs verbunden, mit allen [günstigen] Merkmalen versehen,
na tatra rogo no glānir na mṛtyur na himātapau /
na kṣut pipāsā na jarā na vairūpyaṃ na cāsukham // BrP_68.68 //
Dort gibt es keine Krankheit, keine Erschöpfung, keinen Tod, weder Kälte noch [sengende] Hitze, kein Hungern, keinen Durst, kein Alter, keine Missgestalt und kein Unglück.
Eine höchste Wonne hervorbringende, alle Wünsche als Frucht gewährende Welt, [eine Welt] höher als die Welt Viṣṇus, sehe ich hierin nicht, o Zweifachgeborene.
ye lokāḥ svargaloke tu śrūyante puṇyakarmaṇām /
viṣṇulokasya te viprāḥ kalāṃ nārhanti ṣoḍaśīm // BrP_68.70 //
Die Welten, die man von der Himmelswelt (Svarga) der Menschen mit frommem Wirken hört – diese, o Brahmanen, erreichen nicht den sechzehnten Teil der Welt Viṣṇus.
So [ist] die Stadt-Stätte Haris, mit allen Genuss-Eigenschaften verbunden, allen Wohlbefinden bereitend, heilig, ganz aus Wundern bestehend, o Zweifachgeborene.
na tatra nāstikā yānti puruṣā viṣayātmakāḥ /
na kṛtaghnā na piśunā no stenā nājitendriyāḥ // BrP_68.72 //
Dorthin gehen nicht die Ungläubigen (Nāstika), nicht die den [Sinnes-]Objekten ergebenen Menschen, nicht die Undankbaren, nicht die Verleumder, nicht die Diebe, nicht die, die ihre Sinne nicht bezwungen haben.
Wort für Wort
na tatra nāstikāḥ yānti
dorthin gehen nicht die Ungläubigen
puruṣāḥ viṣayātmakāḥ
die den (Sinnes-)Objekten ergebenen Menschen
na kṛtaghnāḥ na piśunāḥ
nicht die Undankbaren, nicht die Verleumder
no stenāḥ na ajitendriyāḥ
nicht die Diebe, nicht die Sinne-nicht-Bezwungenen
dakṣiṇasyodadhes tīre kṣetre paramadurlabhe /
dṛṣṭvā kṛṣṇaṃ ca rāmaṃ ca subhadrāṃ ca dvijottamāḥ // BrP_68.74 //
Am Ufer des südlichen Meeres, an dem höchst schwer erlangbaren heiligen Gebiet, nachdem sie Kṛṣṇa, Rāma und Subhadrā gesehen haben, o Beste der Zweifachgeborenen,
Wort für Wort
dakṣiṇasya udadheḥ tīre
am Ufer des südlichen Meeres
kṣetre paramadurlabhe
an dem höchst schwer erlangbaren heiligen Gebiet
dṛṣṭvā kṛṣṇaṃ ca rāmaṃ ca subhadrāṃ ca
nachdem sie Kṛṣṇa, Rāma und Subhadrā gesehen haben
auch sie gehen dorthin zum höchsten Ort – daran besteht kein Zweifel. So wurde von mir, o beste der Munis, die ewige Welt Viṣṇus, die allen Freude bereitet, dargelegt, die Genuss und Erlösung als Frucht gewährt.
Wort für Wort
te api tatra paraṃ sthānaṃ yānti
auch sie gehen dorthin zum höchsten Ort
na asti atra saṃśayaḥ
daran besteht kein Zweifel
evaṃ mayā muniśreṣṭhāḥ
so wurde von mir, o beste der Munis
viṣṇulokaḥ sanātanaḥ
die ewige Welt Viṣṇus
sarvānandakaraḥ proktaḥ
die allen Freude bereitet, dargelegt
bhuktimuktiphalapradaḥ
die Genuss und Erlösung als Frucht gewährt
[Anm.: Dieser Schlussvers erstreckt sich unregelmäßig über drei Zeilen (6 Pādas) statt der üblichen zwei.]