Kapitel 36: śivapārvatīvivāhavarṇanam
Die Selbstwahl und Vermählung von Śiva und Pārvatī auf dem Himavat
Auf dem Himavat findet, von Himavat selbst ausgerichtet, die Selbstwahl (Svayaṃvara) seiner Tochter statt; alle Götter kommen in ausführlich in Kāvya-Manier geschilderter Pracht (Indra auf Airāvata, Sūrya/Bhaga, Yama/Kṛtānta, Vāyu, Agni, Kubera, Candra, Viṣṇu/Garuḍa, die Aśvins, Schlangenwesen, Daityas, der Gandharva-König u.a., V.1-26). Śiva verwandelt sich, um Umās Entschlossenheit ein letztes Mal zu prüfen, in ein fünfgezopftes Kind in ihrem Schoß; die verwirrten Götter versuchen vergeblich, es zu ergreifen oder anzugreifen (ihre Waffen und Glieder werden gelähmt), bis Brahmā selbst Śiva erkennt, ihn in einem langen Lobpreis als höchstes Prinzip und Umā als Prakṛti identifiziert, und die Götter zur Zuflucht bei ihm anleitet; Śiva enthüllt eine dreiäugige, alles überstrahlende Gestalt, wird von den Göttern erkannt und verehrt, und Umā legt ihm den Wahl-Kranz zu Füßen (V.27-54). Himavat und Brahmā vereinbaren die sofortige Vermählung; eine juwelenreiche Hochzeitsstadt wird errichtet (V.55-64). Zur Hochzeit erscheinen sämtliche Elemente der Schöpfung sowie - als besonderes Wunder - alle sechs Jahreszeiten gleichzeitig in ausführlicher, kunstvoller Personifikation (Varṣā/Regenzeit, Śarat/Herbst, Hemanta-Śiśira/Winter, Vasanta/Frühling, Grīṣma/Sommer, V.65-124). Brahmā selbst vollzieht als Upādhyāya (Lehrpriester) das vedische Hochzeitsritual (Handverbindung mit Kuśa-Gras, Feueropfer, Umschreitung des Feuers), wobei jedoch die eigentliche, durch bloßen Yoga vollzogene Vermählung von Umā und dem höchsten Herrn von den Göttern nicht in ihrer wahren Natur erkannt wird (V.125-135).
- veranstaltete, unter den Göttern bis hinauf zu Brahman, der beste der Bergkönige, nachdem er den Ort mit Juwelen ausgestattet hatte, die Selbstwahl für die Göttin.
athaivam āghoṣitamātra eva / svayaṃvare tatra nagendraputryāḥ / devādayaḥ sarvajagannivāsāḥ / samāyayus tatra gṛhītaveśāḥ //
Sobald dies verkündet war, kamen zu jener Selbstwahl der Bergfürstentochter die Götter und andere, alle Weltbewohner, dorthin, in prächtigem Schmuck gekleidet.
Wort für Wort
atha evam āghoṣitamātre eva
sobald dies verkündet war
svayaṃvare tatra nagendraputryāḥ
bei jener Selbstwahl der Bergfürstentochter
devādayaḥ sarvajagannivāsāḥ
die Götter und andere, alle Weltbewohner
samāyayuḥ tatra gṛhītaveśāḥ
kamen dorthin, in prächtigem Schmuck gekleidet
[Anm.: Ab hier folgt ein längerer Abschnitt in vierzeiligen Versen (Pāda a-d, Kāvya-Stil) zur Beschreibung der ankommenden Götter, V.7-26.]
Ich, auf dem aufgeblühten Lotussitz thronend, von Siddhas und unermesslichen Yogis umgeben, von jenem Bergkönig benachrichtigt, kam damals, von den Himmlischen begleitet.
Der Götterkönig, tausend Augen tragend, mit göttlichem Schmuck, Blumenketten und erhabener Gestalt, bestieg Airāvata, den ersten aller Elefantenfürsten, dessen strömender Rauschsaft einen Fluss bildete,
Wort für Wort
akṣṇām sahasram surarāṭ sa bibhrat
der Götterkönig, tausend Augen tragend
divyāṅgahārasragudārarūpaḥ
mit göttlichem Schmuck, Blumenketten und erhabener Gestalt
- bestiegen habend, kam der König aller Unsterblichen, den Vajra tragend, an die Spitze der Götter, an Glut und Macht der Sonne gleichrangig, alle Himmelsrichtungen erleuchtend.
Wort für Wort
āruhya sarvāmararāṭ saḥ vajram bibhrat
bestiegen habend, kam der König aller Unsterblichen, den Vajra tragend
samāgāt purataḥ surāṇām
an die Spitze der Götter
tejaḥprabhāvādhikatulyarūpī
an Glut und Macht überragend gleichrangig (mit der Sonne)
Ein goldenes Luftfahrzeug mit flatternder Fahne bestiegen habend, kam er eilig mit Geschwindigkeit, mit von Juwelen entflammten, glänzenden Ohrringen, in einem Fahrzeug, das Feuer und Sonne an Glut glich.
Wort für Wort
haimam vimānam savalatpatākam
ein goldenes Luftfahrzeug mit flatternder Fahne
ārūḍhaḥ āgāt tvaritam javena
bestiegen habend, kam er eilig mit Geschwindigkeit
maṇipradīptojjvalakuṇḍalaḥ ca
mit von Juwelen entflammten, glänzenden Ohrringen
vahnyarkatejaḥpratime vimāne
in einem Fahrzeug, das Feuer und Sonne an Glut glich
[?: Unklar, ob V.11 noch Indras Beschreibung fortsetzt (weiteres Fahrzeug neben Airāvata) oder einen ungenannten Übergang bildet; sinngemäß als Fortsetzung von V.9-10 gedeutet.]
Es kam herbei der eine Sohn des Kaśyapa, aus der Mitte der Ādityas, den Namen Bhaga tragend, von kräftiger Gliedergestalt, mit wohlgestalteten Körperbewegungen, von einer Macht, die Glut, Kraft und Befehlsgewalt entsprach.
Wort für Wort
samabhyagāt kaśyapasūnuḥ ekaḥ
es kam herbei der eine Sohn des Kaśyapa
ādityamadhyāt bhaganāmadhārī
aus der Mitte der Ādityas, den Namen Bhaga tragend
pīnāṅgayaṣṭiḥ sukṛtāṅgahāraḥ
von kräftiger Gliedergestalt, mit wohlgestalteten Körperbewegungen
tejobalājñāsadṛśaprabhāvaḥ
von einer Macht, die Glut, Kraft und Befehlsgewalt entsprach
Den Stab der Strafe ergreifend, kam Kṛtānta, einen furchtbaren Büffel mit Geschwindigkeit bestiegen habend, von körperlicher Größe wie ein hoher Berg, in schöner, mit Gold und anderen Juwelen geschmückter Kleidung.
Wort für Wort
daṇḍam samāgṛhya kṛtāntaḥ āgāt
den Stab ergreifend, kam Kṛtānta (Yama)
āruhya bhīmam mahiṣam javena
einen furchtbaren Büffel mit Geschwindigkeit bestiegen habend
mahāmahīdhrocchrayapīnagātraḥ
von körperlicher Größe wie ein hoher Berg
svarṇādiratnāñcitacāruveśaḥ
in schöner, mit Gold und anderen Juwelen geschmückter Kleidung
Samīraṇa, der Träger aller Welten, kam, ein Luftfahrzeug bestiegen habend, herbei, alle Herren der Götter und Asuras erhitzend, an Glut überragend, in Glut verweilend.
Wort für Wort
samīraṇaḥ sarvajagadvibhartā
Samīraṇa (Vāyu), der Träger aller Welten
vimānam āruhya samabhyagāt hi
ein Luftfahrzeug bestiegen habend, kam er fürwahr herbei
Agni, herangekommen, stand mitten unter den Götterfürsten, lodernd, prächtige Kleidung tragend, mit von vielerlei Juwelen entflammtem Körper, nachdem er das erste, göttliche, für die Welt vortreffliche Luftfahrzeug bestiegen hatte.
Wort für Wort
vahniḥ samabhyetya surendramadhye
Agni, herangekommen, mitten unter den Götterfürsten
jvalan pratasthau varaveśadhārī
stand lodernd, prächtige Kleidung tragend
nānāmaṇiprajvalitāṅgayaṣṭiḥ
mit von vielerlei Juwelen entflammtem Körper
jagadvaram divyavimānam agryam
(nachdem er) das für die Welt vortreffliche, erste göttliche Luftfahrzeug (bestiegen hatte)
āruhya sarvadraviṇādhipeśaḥ / sa rājarājas tvarito 'bhyagāc ca / āpyāyayan sarvasurāsureśān / kāntyā ca veśena ca cārurūpaḥ //
Der Herr über alle Schätze bestiegen habend, jener König der Könige, kam eilig herbei, alle Herren der Götter und Asuras erfrischend, durch Glanz und Kleidung von schöner Gestalt.
Wort für Wort
āruhya sarvadraviṇādhipeśaḥ
der Herr über alle Schätze (sein Fahrzeug) bestiegen habend
Ein loderndes, mit großen Juwelen kunstvoll gestaltetes Luftfahrzeug bestiegen habend, kam der Mond, von dunkler Gliedergestalt, in überaus kunstvoller Kleidung, an allen Gliedern mit wohlriechenden Kränzen geschmückt.
Wort für Wort
jvalan mahāratnavicitrarūpam vimānam āruhya
ein loderndes, mit großen Juwelen kunstvoll gestaltetes Luftfahrzeug bestiegen habend
śaśī samāyāt
kam der Mond
śyāmāṅgayaṣṭiḥ suvicitraveśaḥ [?]
von dunkler Gliedergestalt [?], in überaus kunstvoller Kleidung
sarvāṅge ābaddhasugandhimālyaḥ
an allen Gliedern mit wohlriechenden Kränzen geschmückt
[?: 'śyāmāṅgayaṣṭiḥ' (dunkler Körper) für den Mond ungewöhnlich - wörtlich übersetzt.]
Tārkṣya, einem Berg gleich, bestiegen habend, kam jener Keulenträger eilig herbei; und auch die beiden Aśvins, die vorzüglichen Ärzte, ein einziges Luftfahrzeug eilig besteigend,
Wort für Wort
tārkṣyam samāruhya mahīdhrakalpam
Tārkṣya (Garuḍa), einem Berg gleich, bestiegen habend
gadādharaḥ asau tvaritaḥ sametaḥ
kam jener Keulenträger (Viṣṇu) eilig herbei
atha aśvinau ca api bhiṣagvarau dvau
und auch die beiden Aśvins, die vorzüglichen Ärzte
- die bezaubernden, in loderndem, schönem Gewand kamen, die vortrefflichen Götter, die tapferen; und Sahasranāga, von blitzendem Feuerglanz, damals Feuer- und Sonnenglut tragend,
sārdhaṃ sa nāgair aparair mahātmā / vimānam āruhya samabhyagāc ca / diteḥ sutānāṃ ca mahāsurāṇāṃ / vahnyarkaśakrānilatulyabhāsām //
- zusammen mit anderen Schlangenwesen, der Großmütige, ein Luftfahrzeug bestiegen habend, kam auch herbei; und die Söhne der Diti, die großen Asuras, von einem Glanz gleich Feuer, Sonne, Indra und Wind,
Wort für Wort
sārdham sa nāgaiḥ aparaiḥ mahātmā
zusammen mit anderen Schlangenwesen, der Großmütige
vimānam āruhya samabhyagāt ca
ein Luftfahrzeug bestiegen habend, kam er auch herbei
diteḥ sutānām ca mahāsurāṇām
und die Söhne der Diti, die großen Asuras
vahnyarkaśakrānilatulyabhāsām
von einem Glanz gleich Feuer, Sonne, Indra und Wind
varānurūpaṃ pravidhāya veśaṃ / vṛndaṃ samāgāt purataḥ surāṇām / gandharvarājaḥ sa ca cārurūpī / divyāṅgado divyavimānacārī //
- eine dem Anlass entsprechende Kleidung anlegend, kam die Schar an die Spitze der Götter; und der Gandharva-König, von schöner Gestalt, mit göttlichem Armschmuck, auf einem göttlichen Luftfahrzeug fahrend,
Wort für Wort
varānurūpam pravidhāya veśam
eine dem Anlass entsprechende Kleidung anlegend
vṛndam samāgāt purataḥ surāṇām
kam die Schar an die Spitze der Götter
gandharvarājaḥ sa ca cārurūpī
und der Gandharva-König, von schöner Gestalt
divyāṅgadaḥ divyavimānacārī
mit göttlichem Armschmuck, auf einem göttlichen Luftfahrzeug fahrend
gandharvasaṃghaiḥ sahito 'psarobhiḥ / śakrājñayā tatra samājagāma / anye ca devās tridivāt tadānīṃ / pṛthak pṛthak cārugṛhītaveśāḥ //
- begleitet von Scharen der Gandharven und Apsaras, kam auf Indras Geheiß dorthin; und andere Götter kamen damals vom Himmel, jeder für sich in schönem Schmuck gekleidet,
ājagmur āruhya vimānapṛṣṭhaṃ / gandharvayakṣoragakiṃnarāś ca / śacīpatis tatra surendramadhye / rarāja rājādhikalakṣyamūrtiḥ //
- kamen, den Rücken der Luftfahrzeuge besteigend, und auch Gandharven, Yakṣas, Schlangenwesen und Kiṃnaras; Śacīs Gatte glänzte dort inmitten der Götterfürsten, an königlicher Erscheinung alle übertreffend.
Wort für Wort
ājagmuḥ āruhya vimānapṛṣṭham
kamen, den Rücken der Luftfahrzeuge besteigend
gandharvayakṣoragakiṃnarāḥ ca
und auch Gandharven, Yakṣas, Schlangenwesen und Kiṃnaras
śacīpatiḥ tatra surendramadhye
Śacīs Gatte (Indra) dort inmitten der Götterfürsten
rarāja rājādhikalakṣyamūrtiḥ
glänzte, an königlicher Erscheinung alle übertreffend
Durch Befehlsgewalt, Kraft und Herrschermacht in Wonne versetzt, schmückte er jene Selbstwahl; die Ursache der drei Welten, die Mutter der Weltentstehung, und die Mutter jener Wesen samt Göttern und Asuras -
Wort für Wort
ājñābalaiśvaryakṛtapramodaḥ
durch Befehlsgewalt, Kraft und Herrschermacht in Wonne versetzt
svayaṃvaram tam samalaṃcakāra
schmückte er jene Selbstwahl
hetuḥ trilokasya jagatprasūteḥ
die Ursache der drei Welten, der Weltentstehung
mātā ca teṣām sasurāsurāṇām
und die Mutter jener Wesen samt Göttern und Asuras
- und die Gattin des Śambhu, des weisen Puruṣa, die im Purāṇa als die höchste Prakṛti besungen wird - sie, aus Zorn über Dakṣa, war zum Wohl der Himmelsbewohner ins Haus des Himavat gekommen -
Wort für Wort
patnī ca śaṃbhoḥ puruṣasya dhīmataḥ
und die Gattin des Śambhu, des weisen Puruṣa
gītā purāṇe prakṛtiḥ parā yā
die im Purāṇa als die höchste Prakṛti besungen wird
dakṣasya kopāt himavadgṛham sā
sie, aus Zorn über Dakṣa, (kam) ins Haus des Himavat
- auf dem mit Juwelen und Gold geschmückten Rücken eines Luftfahrzeugs stehend, mit wehenden Wedeln umfächelt, ergriff die Göttin einen aus Blumen aller Jahreszeiten duftenden Kranz und schritt entschlossen voran.
Wort für Wort
vimānapṛṣṭhe maṇihemajuṣṭe
auf dem mit Juwelen und Gold geschmückten Rücken eines Luftfahrzeugs
sthitā valaccāmaravījitāṅgī
stehend, mit wehenden Wedeln umfächelt
sarvartupuṣpām susugandhamālām pragṛhya
einen aus Blumen aller Jahreszeiten duftenden Kranz ergreifend
Brahmā sprach: Als die Göttin, den Kranz ergriffen habend, in der Götterversammlung stand, nachdem die Selbstwahl, mit Indra und den anderen angekommenen Göttern, begonnen hatte,
Wort für Wort
mālām pragṛhya devyām tu sthitāyām devasaṃsadi
als die Göttin, den Kranz ergriffen habend, in der Götterversammlung stand
bhago nāma tato deva ādityaḥ kāśyapo balī / utkṣipya āyudhaṃ dīptaṃ chettum icchan vimohitaḥ //
Da hob der Gott namens Bhaga, der Āditya, der Sohn des Kaśyapa, der Starke, seine lodernde Waffe, um es zu zerteilen, wurde aber, dies wünschend, verwirrt.
Wort für Wort
bhagaḥ nāma tataḥ devaḥ ādityaḥ kāśyapaḥ balī
da der Gott namens Bhaga, der Āditya, der Sohn des Kaśyapa, der Starke
Mit alten, im Sāman gesungenen, heiligen, geheimen Namen: 'Du bist der Ungeborene, der alterslose Gott, der Schöpfer, der Herr über Höheres und Niedrigeres.'
Wort für Wort
purāṇaiḥ sāmasaṃgītaiḥ
mit alten, im Sāman gesungenen
puṇyākhyaiḥ guhyanāmabhiḥ
mit heiligen, geheimen Namen
ajaḥ tvam ajaraḥ devaḥ
du bist der Ungeborene, der alterslose Gott
sraṣṭā vibhuḥ parāparam
der Schöpfer, der Herr über Höheres und Niedrigeres
brahmasṛk prakṛteḥ sraṣṭā sarvakṛt prakṛteḥ paraḥ / iyaṃ ca prakṛtir devī sadā te sṛṣṭikāraṇam //
Der Schöpfer Brahmans, der Schöpfer der Urnatur, der Allschöpfer, jenseits der Urnatur; und diese Göttin ist die Urnatur, stets die Ursache deiner Schöpfung.
prasādāt tava deveśa niyogāc ca mayā prajāḥ / devādyās tu imāḥ sṛṣṭā mūḍhās tvadyogamāyayā //
Durch deine Gnade, o Göttergebieter, und auf deinen Auftrag habe ich diese Geschöpfe, angefangen mit den Göttern, erschaffen, die nun durch deine Yogamāyā verwirrt sind.
tejasā tasya te dhvastāś cakṣuḥ sarve nyamīlayan / tebhyaḥ sa paramaṃ cakṣuḥ svavapurdṛṣṭiśaktimat //
Durch dessen Glut geblendet, schlossen sie alle die Augen; ihnen verlieh er sodann ein höchstes Auge, mit der Sehkraft ausgestattet, seine eigene Gestalt zu erblicken.
Wort für Wort
tejasā tasya te dhvastāḥ
durch dessen Glut geblendet, sie
cakṣuḥ sarve nyamīlayan
schlossen alle die Augen
tebhyaḥ saḥ paramam cakṣuḥ
ihnen (verlieh) er ein höchstes Auge
svavapurdṛṣṭiśaktimat
mit der Sehkraft, seine eigene Gestalt (zu erblicken), ausgestattet
- den Blütenkranz zu seinen Füßen nieder, sie, die von unermesslichem Glanz; 'Wohlgetan, wohlgetan!' - so sprachen alle Götter wiederum zu ihm, dem Herrn,
saha devyā namaś cakruḥ śirobhir bhūtalāśritaiḥ / athāsminn antare viprās tam ahaṃ daivataiḥ saha //
- und erwiesen ihm samt der Göttin Verehrung, mit den Häuptern den Boden berührend. Da, in diesem Augenblick, o Brahmanen, sprach ich, zusammen mit den Göttern,
'Die Verbindung mit Śarva - dein großer Aufstieg ist das; die schöne Vermählung werde nun vollzogen, wozu wird weiter gewartet?' Darauf verneigte sich Himavat und erwiderte mir damals:
Wort für Wort
śarveṇa saha saṃbandhaḥ
die Verbindung mit Śarva
yasya te abhyudayaḥ mahān
dein großer Aufstieg, das ist
kriyatām cāruḥ udvāhaḥ
die schöne Vermählung werde vollzogen
kimartham sthīyate param
wozu wird weiter gewartet
tataḥ praṇamya himavān tadā mām pratyabhāṣata
darauf verneigte sich Himavat und erwiderte mir damals
{himavān uvāca:} tvam eva kāraṇaṃ deva yasya sarvodaye mama / prasādaḥ sahasotpanno hetuś cāpi tvam eva hi / udvāhas tu yadā yādṛk tad vidhatsva pitāmaha //
Himavat sprach: Du bist die Ursache, o Gott, für all mein Aufblühen; die plötzlich entstandene Gnade - auch deren Ursache bist du fürwahr; wann und wie die Vermählung stattfinden soll, das ordne du, o Großvater.
- in verkörperter Gestalt herbeigekommen, schmückten sie die vortreffliche Stadt; ein bunter, aus Smaragd bestehender Boden, mit goldenen Säulen geschmückt,
Sie erstrahlte für den Gott der Götter, den großmütigen Maheśa; Mond und Sonne gleichermaßen, dort zwei große Juwelen erwärmend,
Wort für Wort
śuśubhe devadevasya maheśasya mahātmanaḥ
sie erstrahlte für den großmütigen Maheśa, den Gott der Götter
somādityau samam tatra
Mond und Sonne gleichermaßen dort
tāpayantau mahāmaṇī [?]
zwei große Juwelen erwärmend [?]
[?: Syntax von 'somādityau ... tāpayantau mahāmaṇī' unklar; sinngemäß als bildliche Beschreibung von Sonnen-/Mondlicht auf juwelenbesetzten Wänden der Stadt gedeutet.]
Die sechs Jahreszeiten, alle vielerlei Wohlgeruch und Wonne bringend, erschienen dort gleichzeitig in verkörperter Gestalt, denn es war ja Śaṃkaras Vermählung.
Wort für Wort
ṛtavaḥ ṣaṭ samam tatra
die sechs Jahreszeiten gleichzeitig dort
nānāgandhasukhāvahāḥ
vielerlei Wohlgeruch und Wonne bringend
udvāhaḥ śaṃkarasya iti
denn es war Śaṃkaras Vermählung
mūrtimantaḥ upasthitāḥ
erschienen in verkörperter Gestalt
[Anm.: Ab hier folgt eine ausführliche, kunstvolle (Kāvya-)Beschreibung des gleichzeitigen Erscheinens aller sechs Jahreszeiten anlässlich der Hochzeit, V.70ff.]
- frisch entstandene Pilze und Sprossen habend, mit an Lianen und Bäumen frisch hervorgebrochenen schönen Trieben; von schönen, durch Wasserstrahlen liebevoll geweckten, trägen Froschscharen erfüllt mit Lärm,
Wort für Wort
pratyagrasaṃjātaśilīndhrakandalī
frisch entstandene Pilze und Sprossen habend
latādrumādyudgatapallavā śubhā
mit an Lianen und Bäumen frisch hervorgebrochenen schönen Trieben
śubhāmbudhārāpraṇayaprabodhitaiḥ
von schönen Wasserstrahlen liebevoll geweckten
mahālasaiḥ bhekagaṇaiḥ ca nāditā
von trägen Froschscharen erfüllt mit Lärm
[Anm.: Fortsetzung der Beschreibung der personifizierten Regenzeit (Varṣā) aus V.72; das grammatische Subjekt und Hauptverb folgen erst in V.79d ('prāvṛḍ āvirbabhūva' - 'die Regenzeit erschien'), sodass V.73-79 einen einzigen langen Satz bilden.]
- ebenso durch den vielfarbig-glänzenden, schönen, überall wie eine gekrümmte Mondsichel gebogenen, in der Nähe der Wolkenmassen befindlichen großen Regenbogen überaus geschmückt,
Wort für Wort
tathā vivarṇojjvalacārumūrtinā
ebenso durch die vielfarbig-glänzende, schöne Gestalt
śaśāṅkalekhākuṭilena sarvataḥ
überall wie eine gekrümmte Mondsichel gebogen
payodasaṃghātasamīpavartinā
in der Nähe der Wolkenmassen befindlich
mahendracāpena bhṛśam virājitā
durch den großen Regenbogen (Indras Bogen) überaus geschmückt
- durch bunte, aus Blumen und Wasser entstandene, wohlriechende, durch Berührung mit dichtem Wasser sehr kühle, bezaubernde Winde die schönen Lockenreihen der Götterfrauen erzittern lassend,
Wort für Wort
vicitrapuṣpāmbubhavaiḥ sugandhibhiḥ
durch bunte, aus Blumen und Wasser entstandene, wohlriechende (Winde)
- ihre Mondscheibe von donnernden Wolken verhüllt, mit von frischem Wasser benetztem, schönem Gras, von sehnsuchtsvollen Wanderersfrauen, deren Seufzer gleichsam wie Rauch aufstiegen, ehrfürchtig betrachtet -
Wort für Wort
garjatpayodasthagitendubimbā
ihre Mondscheibe von donnernden Wolken verhüllt
navāmbusiktodakacārudūrvā
mit von frischem Wasser benetztem, schönem Gras
nirīkṣitā sādaram utsukābhiḥ
ehrfürchtig betrachtet von sehnsuchtsvollen
niśvāsadhūmram pathikāṅganābhiḥ
von Wanderersfrauen, deren Seufzer wie Rauch (aufstiegen)
- ihre Schwäne erschreckt vom tiefen Donnergrollen der dunklen Wolken, mit von reinen Wasserstrahlen niedergebeugten Lotusspitzen, an allen Gliedern geschmückt mit dem Blütenstaub duftender Blumen - bei der Vermählung der Bergtochter erschien die Regenzeit.
Wort für Wort
asitajaladadhīradhvānavitrastahaṃsā
ihre Schwäne erschreckt vom tiefen Donnergrollen der dunklen Wolken
vimalasaliladhārotpātanamrotpalāgrā
mit von reinen Wasserstrahlen niedergebeugten Lotusspitzen
surabhikusumareṇukḹptasarvāṅgaśobhā
an allen Gliedern geschmückt mit dem Blütenstaub duftender Blumen
giriduhitṛvivāhe prāvṛṭ āvirbabhūva
bei der Vermählung der Bergtochter erschien die Regenzeit
[Anm.: Abschluss des langen Satzes V.73-79 mit Hauptverb 'āvirbabhūva' ('erschien') und Subjekt 'prāvṛḍ' ('die Regenzeit'); Kāvya-Personifikation der Jahreszeit als schöne Frau.]
Vom Wolkengewand befreit, mit aus Lotuskelchen entstandenen Brüsten, mit dem Klang von Schwanenfußspangen widerhallend, mit Feldfrüchten bis zum Horizont überall - (so kam der Herbst).
Wort für Wort
meghakañcukanirmuktā
vom Wolkengewand befreit
padmakośodbhavastanī
mit aus Lotuskelchen entstandenen Brüsten
haṃsanūpuranihrādā
mit dem Klang von Schwanenfußspangen widerhallend
sarvasasyadigantarā
mit Feldfrüchten bis zum Horizont überall
[Anm.: Beginn der Personifikation des Herbstes (Śarat), V.80-88.]
- mit weiten Sandbank-Hüften, mit einem aus rufenden Kranichen bestehenden Gürtel, mit bezaubernden, dunklen, wie aufgeblühte blaue Lotusblumen glänzenden Augen -
Wort für Wort
vistīrṇapulinaśroṇī
mit weiten Sandbank-Hüften
kūjatsārasamekhalā
mit einem aus rufenden Kranichen bestehenden Gürtel
praphullendīvaraśyāmavilocanamanoharā
mit bezaubernden, dunklen, wie aufgeblühte blaue Lotusblumen glänzenden Augen
- vom dunklen Wolkengewand befreit, mit einem Antlitz wie die volle Mondscheibe, mit blauen Lotusaugen, mit von Sonnenstrahlen aufgesprungenen Lotus-Brüsten, die Herzen durch den Wind mit dem Duft vielerlei Blütenstaubs erfreuend, mit dem Klang von Gänse-Fußspangen - so war dort bei der Vermählung der Göttin der Herbst.
Wort für Wort
nirmuktāsitameghakañcukapaṭā
vom dunklen Wolkengewand befreit
pūrṇendubimbānanā
mit einem Antlitz wie die volle Mondscheibe
nīlāmbhojavilocanā
mit blauen Lotusaugen
ravikaraprodbhinnapadmastanī
mit von Sonnenstrahlen aufgesprungenen Lotus-Brüsten
nānāpuṣparajaḥsugandhipavanaprahrādanī cetasām
die Herzen durch den Wind mit dem Duft vielerlei Blütenstaubs erfreuend
tatra āsīt kalahaṃsanūpuraravā devyā vivāhe śarat
dort war, mit dem Klang von Gänse-Fußspangen, bei der Vermählung der Göttin, der Herbst
[Anm.: Abschlussvers der Herbst-Personifikation mit Subjekt 'śarat' ('Herbst') und Verb 'āsīt'.]
manobhavodrekakarāḥ surāṇāṃ / surāṅganānāṃ ca muhuḥ samīrāḥ / svacchāmbupūrṇāś ca tathā nalinyaḥ / padmotpalānāṃ kusumair upetāḥ //
Die Winde, die bei den Göttern und Götterfrauen wiederholt Liebesverlangen erregten, und ebenso die mit klarem Wasser gefüllten, mit Lotus- und blauen Lotusblüten versehenen Teiche -
Wie Frauen mit leicht aufgesprungenen Brustspitzen wurden die Gewässer noch bezaubernder; die weder zu heißen noch zu kalten Wasserflächen, durch Blütenstaub bräunlich gefärbt, vom Ruf der Cakravāka-Paare widerhallend - dorthin gingen freudig die vorzüglichsten Elefanten der Götter.
Wort für Wort
īṣatsamudbhinnapayodharāgrā nāryaḥ yathā
wie Frauen mit leicht aufgesprungenen Brustspitzen
ramyatarāḥ babhūvuḥ
wurden (die Gewässer) noch bezaubernder
na atyuṣṇaśītāni payaḥsarāṃsi
die weder zu heißen noch zu kalten Wasserflächen
kiñjalkacūrṇaiḥ kapilīkṛtāni
durch Blütenstaub bräunlich gefärbt
cakrāhvayugmaiḥ upanāditāni
vom Ruf der Cakravāka-Paare widerhallend
yayuḥ prahṛṣṭāḥ suradantimukhyāḥ
dorthin gingen freudig die vorzüglichsten Elefanten der Götter
[Anm.: Sechszeiliger Vers (Pāda a-f) unter einer Nummer - ungewöhnlich auch innerhalb der lettered-Verse; Syntax verdichtet, sinngemäß rekonstruiert.]
Auf den weißen Schneegipfeln erstrahlten die blühenden Tilaka-Bäume in Blütenfülle wie herbeigekommene Alte, die auf eine bevorstehende Aufgabe hindeuten.
Wort für Wort
himaśṛṅgeṣu śukleṣu
auf den weißen Schneegipfeln
tilakāḥ kusumotkarāḥ śuśubhuḥ
erstrahlten die Tilaka-Bäume in Blütenfülle
kāryam uddiśya vṛddhāḥ iva samāgatāḥ [?]
wie herbeigekommene Alte, die auf eine Aufgabe hindeuten [?]
[?: Vergleich 'vṛddhā iva samāgatāḥ' in seiner Pointe unklar; wörtlich übersetzt.]
- die Aśoka-, Sarja-, Arjuna- und Kovidāra-Bäume, die Puṃnāga-, Nāgeśvara- und Karṇikāra-Bäume, die Gewürznelken-, Palm-, Aloeholz- und Saptaparṇa-Bäume, die Banyan-, Meerrettichbaum- und Kokospalmen -
Wort für Wort
aśokasarjārjunakovidārāḥ
die Aśoka-, Sarja-, Arjuna- und Kovidāra-Bäume
puṃnāganāgeśvarakarṇikārāḥ
die Puṃnāga-, Nāgeśvara- und Karṇikāra-Bäume
lavaṅgatālāgurusaptaparṇāḥ
die Gewürznelken-, Palm-, Aloeholz- und Saptaparṇa-Bäume
- und andere Bäume, reich an Früchten und Blüten, wurden sichtbar, von überaus bezaubernder Gestalt; und die Gewässer, mit goldfarbenem Wasser, von Cakravāka-, Kāraṇḍava- und Schwanen-Vögeln besucht,
Wort für Wort
vṛkṣāḥ tathā anye phalapuṣpavantaḥ
und andere Bäume, reich an Früchten und Blüten
dṛśyāḥ babhūvuḥ sumanoharāṅgāḥ
wurden sichtbar, von überaus bezaubernder Gestalt
jalāśayāḥ ca eva suvarṇatoyāḥ
und die Gewässer, mit goldfarbenem Wasser
cakrāṅgakāraṇḍavahaṃsajuṣṭāḥ
von Cakravāka-, Kāraṇḍava- und Schwanen-Vögeln besucht
koyaṣṭidātyūhabalākayuktā / dṛśyās tu padmotpalamīnapūrṇāḥ / khagāś ca nānāvidhabhūṣitāṅgā / dṛśyās tu vṛkṣeṣu sucitrapakṣāḥ //
- mit Koyaṣṭi-, Dātyūha-Vögeln und Kranichen versehen, sichtbar, voll von Lotus, blauem Lotus und Fischen; und die Vögel, an vielerlei Weise geschmückten Gliedern, sichtbar auf den Bäumen, mit bunten Flügeln -
Wort für Wort
koyaṣṭidātyūhabalākayuktā
mit Koyaṣṭi-, Dātyūha-Vögeln und Kranichen versehen
dṛśyāḥ tu padmotpalamīnapūrṇāḥ
sichtbar, voll von Lotus, blauem Lotus und Fischen
khagāḥ ca nānāvidhabhūṣitāṅgāḥ
und die Vögel, an vielerlei Weise geschmückten Gliedern
- beim Spiel vereint, einander gleichsam drohend, gaben sie, von Liebesverlangen bewegten Gliedern, Laute von sich; auf jenem Berg, bei der Vermählung der Bergtochter, wehten die Winde mit angenehm-kühlen Gliedern.
Wort für Wort
krīḍāsu yuktān atha tarjayantaḥ
beim Spiel vereint, einander drohend
kurvanti śabdam madaneritāṅgāḥ
gaben sie, von Liebesverlangen bewegten Gliedern, Laute von sich
tasmin girau adrisutāvivāhe
auf jenem Berg, bei der Vermählung der Bergtochter
puṣpāṇi śubhrāṇy api pātayantaḥ / śanair nagebhyo malayādrijātāḥ / tathaiva sarve ṛtavaś ca puṇyāś / cakāśire 'nyonyavimiśritāṅgāḥ //
- weiße Blüten sanft von den Bäumen herabfallen lassend, vom Malaya-Berg entstammend; ebenso erstrahlten alle heiligen Jahreszeiten, mit einander vermischten Gliedern.
Wort für Wort
puṣpāṇi śubhrāṇi api pātayantaḥ
weiße Blüten herabfallen lassend
śanaiḥ nagebhyaḥ malayādrijātāḥ
sanft von den Bäumen, vom Malaya-Berg entstammend
tathā eva sarve ṛtavaḥ ca puṇyāḥ
ebenso alle heiligen Jahreszeiten
cakāśire anyonyavimiśritāṅgāḥ
erstrahlten mit einander vermischten Gliedern
[Anm.: Ende der ausführlichen Frühlings- und Gesamtjahreszeiten-Beschreibung.]
samadālikulodgīta-śilākusumasaṃcayaiḥ / parasparaṃ hi mālatyo bhāvayantyo virejire //
Durch die von berauschten Bienenscharen besungenen Ansammlungen von Śilā-Blüten erstrahlten die Mālatī-Blütenranken, einander gleichsam zueinander neigend.
Wort für Wort
samadālikulodgītaśilākusumasaṃcayaiḥ [?]
durch die von berauschten Bienenscharen besungenen Ansammlungen von Śilā-Blüten [?]
parasparam hi mālatyaḥ bhāvayantyaḥ virejire
erstrahlten die Mālatī-Ranken, einander gleichsam zueinander neigend
nīlāni nīlāmburuhaiḥ payāṃsi / gaurāṇi gauraiś ca mṛṇāladaṇḍaiḥ / raktaiś ca raktāni bhṛśaṃ kṛtāni / mattadvirephāvalijuṣṭapattraiḥ //
Die Gewässer, blau durch blaue Lotusblumen, weiß durch weiße Lotus-Stängel, und durch rote Lotusblumen intensiv rot gefärbt, mit von Scharen berauschter Bienen besuchten Blättern -
Wort für Wort
nīlāni nīlāmburuhaiḥ payāṃsi
die Gewässer, blau durch blaue Lotusblumen
gaurāṇi gauraiḥ ca mṛṇāladaṇḍaiḥ
weiß durch weiße Lotus-Stängel
raktaiḥ ca raktāni bhṛśam kṛtāni
und durch rote (Lotusblumen) intensiv rot gefärbt
mattadvirephāvalijuṣṭapattraiḥ
mit von Scharen berauschter Bienen besuchten Blättern
- in manchen weiten Gewässern goldfarben, in manchen ununterbrochen überaus schön, in manchen Seen mit Lapislazuli-Stängeln - überall entstanden die Lotusfelder.
Mit reichlich blühenden, weitästigen, hoch aufragenden Sandel- und Campaka-Bäumen, mit dem Geschwätz berauschter männlicher Kokilas erstrahlte der Schneeberg damals überaus.
Als sie überall den sanft-berauschten, süßen Laut der Kokilas gehört hatten, ließen die Pfauen, mit zuckenden Flügeln, einen noch süßeren Laut erschallen; durch deren Laute an Kraft gestärkt, machte sich der Körperlose, den Blumenbogen und -pfeil in der Hand, bereit, die Glieder der Götterfrauen zu treffen.
Wort für Wort
śrutvā śabdam mṛdumadakalam sarvataḥ kokilānām
als sie überall den sanft-berauschten Laut der Kokilas gehört hatten
cañcatpakṣāḥ samadhurataram nīlakaṇṭhāḥ vineduḥ
ließen die Pfauen, mit zuckenden Flügeln, einen noch süßeren Laut erschallen
teṣām śabdaiḥ upacitabalaḥ puṣpacāpeṣuhastaḥ
durch deren Laute an Kraft gestärkt, den Blumenbogen und -pfeil in der Hand
sajjībhūtaḥ tridaśavanitāḥ veddhum aṅgeṣu anaṅgaḥ
machte sich der Körperlose (Kāma) bereit, die Glieder der Götterfrauen zu treffen
[Anm.: 'anaṅgaḥ' ('der Körperlose') ist ein Beiname des Liebesgottes Kāma.]
So kamen, mit bunten Blüten an allen Bäumen, mit lieblichen, vom Laut vielerlei Vögel erfüllten Orten, zum Wohl der Vermählung der Schneeberg-Tochter die sechs Jahreszeiten herbei, o beste der Weisen.
Wort für Wort
iti kusumavicitrasarvavṛkṣāḥ
so, mit bunten Blüten an allen Bäumen
vividhavihaṃgamanādaramyadeśāḥ
mit lieblichen, vom Laut vielerlei Vögel erfüllten Orten
himagiritanayāvivāhabhūtyai
zum Wohl der Vermählung der Schneeberg-Tochter
ṣaṭ upayayuḥ ṛtavaḥ munipravīrāḥ
kamen die sechs Jahreszeiten herbei, o beste der Weisen
[Anm.: Abschluss der gesamten sechsteiligen Jahreszeiten-Beschreibung V.70-124.]
vṛtta udvāhakāle tu praṇamya ca vṛṣadhvajam / yogenaiva tayor viprās tad umāparameśayoḥ //
Als der Vermählungsritus vollzogen war, verneigte ich mich vor dem mit dem Stier im Banner; durch bloßen Yoga, o Brahmanen, jener beiden, Umā und des höchsten Herrn,
Wort für Wort
vṛtte udvāhakāle tu
als der Vermählungsritus vollzogen war
praṇamya ca vṛṣadhvajam
und mich vor dem mit dem Stier im Banner verneigend
- fand jene höchste Vermählung statt, die die Götter nirgends erkannten. So ist euch diese ganze schöne Selbstwahl erzählt worden; höret nun weiter von der höchst wunderbaren Vermählung des Gottes.
Wort für Wort
udvāhaḥ sa paraḥ vṛttaḥ
jene höchste Vermählung fand statt
yam devāḥ na viduḥ kvacit
die die Götter nirgends erkannten
iti vaḥ sarvam ākhyātam svayaṃvaram idam śubham
so ist euch diese ganze schöne Selbstwahl erzählt worden
udvāhaḥ ca eva devasya śṛṇudhvam paramādbhutam
und höret nun von der höchst wunderbaren Vermählung des Gottes
[Anm.: dreizeiliger Vers unter einer Nummer; letzte Zeile kündigt an, dass in Kap.37 noch weiter von der Vermählung berichtet wird - Kap.37 beginnt mit der Freude der Götter nach der Hochzeit.]