Quellen der Menschheit

Brahma-Purāṇa

Kapitel 36: śivapārvatīvivāhavarṇanam Die Selbstwahl und Vermählung von Śiva und Pārvatī auf dem Himavat

Auf dem Himavat findet, von Himavat selbst ausgerichtet, die Selbstwahl (Svayaṃvara) seiner Tochter statt; alle Götter kommen in ausführlich in Kāvya-Manier geschilderter Pracht (Indra auf Airāvata, Sūrya/Bhaga, Yama/Kṛtānta, Vāyu, Agni, Kubera, Candra, Viṣṇu/Garuḍa, die Aśvins, Schlangenwesen, Daityas, der Gandharva-König u.a., V.1-26). Śiva verwandelt sich, um Umās Entschlossenheit ein letztes Mal zu prüfen, in ein fünfgezopftes Kind in ihrem Schoß; die verwirrten Götter versuchen vergeblich, es zu ergreifen oder anzugreifen (ihre Waffen und Glieder werden gelähmt), bis Brahmā selbst Śiva erkennt, ihn in einem langen Lobpreis als höchstes Prinzip und Umā als Prakṛti identifiziert, und die Götter zur Zuflucht bei ihm anleitet; Śiva enthüllt eine dreiäugige, alles überstrahlende Gestalt, wird von den Göttern erkannt und verehrt, und Umā legt ihm den Wahl-Kranz zu Füßen (V.27-54). Himavat und Brahmā vereinbaren die sofortige Vermählung; eine juwelenreiche Hochzeitsstadt wird errichtet (V.55-64). Zur Hochzeit erscheinen sämtliche Elemente der Schöpfung sowie - als besonderes Wunder - alle sechs Jahreszeiten gleichzeitig in ausführlicher, kunstvoller Personifikation (Varṣā/Regenzeit, Śarat/Herbst, Hemanta-Śiśira/Winter, Vasanta/Frühling, Grīṣma/Sommer, V.65-124). Brahmā selbst vollzieht als Upādhyāya (Lehrpriester) das vedische Hochzeitsritual (Handverbindung mit Kuśa-Gras, Feueropfer, Umschreitung des Feuers), wobei jedoch die eigentliche, durch bloßen Yoga vollzogene Vermählung von Umā und dem höchsten Herrn von den Göttern nicht in ihrer wahren Natur erkannt wird (V.125-135).

vistṛte himavatpṛṣṭhe vimānaśatasaṃkule / abhavat sa tu kālena śailaputryāḥ svayaṃvaraḥ //

Auf dem weiten Rücken des Himavat, überfüllt mit hundert Luftfahrzeugen, fand mit der Zeit die Selbstwahl der Bergtochter statt.

Wort für Wort
vistṛte himavatpṛṣṭhe
auf dem weiten Rücken des Himavat
vimānaśatasaṃkule
überfüllt mit hundert Luftfahrzeugen
abhavat saḥ tu kālena
fand mit der Zeit statt
śailaputryāḥ svayaṃvaraḥ
die Selbstwahl der Bergtochter

atha parvatarājo 'sau himavān dhyānakovidaḥ / duhitur devadevena jñātvā tad abhimantritam //

Da erkannte jener Bergkönig Himavat, kundig in Meditation, dass dies von dem Gott der Götter für seine Tochter verheißen worden war.

Wort für Wort
atha parvatarājaḥ asau himavān
da jener Bergkönig Himavat
dhyānakovidaḥ
kundig in Meditation
duhituḥ devadevena jñātvā
erkennend, dass für seine Tochter vom Gott der Götter
tat abhimantritam
dies verheißen worden war

jānann api mahāśailaḥ samayārakṣaṇepsayā / svayaṃvaraṃ tato devyāḥ sarvalokeṣv aghoṣayat //

Obwohl er es wusste, verkündete der große Berg, aus dem Wunsch, die Zusage zu wahren, darauf die Selbstwahl der Göttin in allen Welten.

Wort für Wort
jānan api mahāśailaḥ
obwohl er es wusste, der große Berg
samayārakṣaṇepsayā
aus dem Wunsch, die Zusage zu wahren
svayaṃvaram tataḥ devyāḥ
darauf die Selbstwahl der Göttin
sarvalokeṣu aghoṣayat
verkündete er in allen Welten

devadānavasiddhānāṃ sarvalokanivāsinām / vṛṇuyāt parameśānaṃ samakṣaṃ yadi me sutā //

'Wenn meine Tochter vor den Göttern, Dānavas, Siddhas und allen Weltbewohnern öffentlich den höchsten Herrn wählt -'

Wort für Wort
devadānavasiddhānām sarvalokanivāsinām
vor den Göttern, Dānavas, Siddhas und allen Weltbewohnern
vṛṇuyāt parameśānam samakṣam yadi me sutā
wenn meine Tochter öffentlich den höchsten Herrn wählt

tad eva sukṛtaṃ ślāghyaṃ mamābhyudayasaṃmatam / iti saṃcintya śailendraḥ kṛtvā hṛdi maheśvaram //

'- eben das ist wohlgetan, preiswürdig, meinem Aufstieg zuträglich' - so überlegend, den großen Herrn im Herzen tragend, der Bergkönig -

Wort für Wort
tat eva sukṛtam ślāghyam
eben das ist wohlgetan, preiswürdig
mama abhyudayasaṃmatam
meinem Aufstieg zuträglich
iti saṃcintya śailendraḥ
so überlegend, der Bergkönig
kṛtvā hṛdi maheśvaram
den großen Herrn im Herzen tragend

ābrahmakeṣu deveṣu devyāḥ śailendrasattamaḥ / kṛtvā ratnākulaṃ deśaṃ svayaṃvaram acīkarat //

- veranstaltete, unter den Göttern bis hinauf zu Brahman, der beste der Bergkönige, nachdem er den Ort mit Juwelen ausgestattet hatte, die Selbstwahl für die Göttin.

Wort für Wort
ābrahmakeṣu deveṣu
unter den Göttern bis hinauf zu Brahman
devyāḥ śailendrasattamaḥ
der beste der Bergkönige, für die Göttin
kṛtvā ratnākulam deśam
den Ort mit Juwelen ausgestattet habend
svayaṃvaram acīkarat
veranstaltete er die Selbstwahl

athaivam āghoṣitamātra eva / svayaṃvare tatra nagendraputryāḥ / devādayaḥ sarvajagannivāsāḥ / samāyayus tatra gṛhītaveśāḥ //

Sobald dies verkündet war, kamen zu jener Selbstwahl der Bergfürstentochter die Götter und andere, alle Weltbewohner, dorthin, in prächtigem Schmuck gekleidet.

Wort für Wort
atha evam āghoṣitamātre eva
sobald dies verkündet war
svayaṃvare tatra nagendraputryāḥ
bei jener Selbstwahl der Bergfürstentochter
devādayaḥ sarvajagannivāsāḥ
die Götter und andere, alle Weltbewohner
samāyayuḥ tatra gṛhītaveśāḥ
kamen dorthin, in prächtigem Schmuck gekleidet

[Anm.: Ab hier folgt ein längerer Abschnitt in vierzeiligen Versen (Pāda a-d, Kāvya-Stil) zur Beschreibung der ankommenden Götter, V.7-26.]

praphullapadmāsanasaṃniviṣṭaḥ / siddhair vṛto yogibhir aprameyaiḥ / vijñāpitas tena mahīdhrarājñā / āgatas tadāhaṃ tridivair upetaḥ //

Ich, auf dem aufgeblühten Lotussitz thronend, von Siddhas und unermesslichen Yogis umgeben, von jenem Bergkönig benachrichtigt, kam damals, von den Himmlischen begleitet.

Wort für Wort
praphullapadmāsanasaṃniviṣṭaḥ
auf dem aufgeblühten Lotussitz thronend
siddhaiḥ vṛtaḥ yogibhiḥ aprameyaiḥ
von Siddhas und unermesslichen Yogis umgeben
vijñāpitaḥ tena mahīdhrarājñā
von jenem Bergkönig benachrichtigt
āgataḥ tadā aham tridivaiḥ upetaḥ
kam ich damals, von den Himmlischen begleitet

akṣṇāṃ sahasraṃ surarāṭ sa bibhrad / divyāṅgahārasragudārarūpaḥ / airāvataṃ sarvagajendramukhyaṃ / sravanmadāsārakṛtapravāham //

Der Götterkönig, tausend Augen tragend, mit göttlichem Schmuck, Blumenketten und erhabener Gestalt, bestieg Airāvata, den ersten aller Elefantenfürsten, dessen strömender Rauschsaft einen Fluss bildete,

Wort für Wort
akṣṇām sahasram surarāṭ sa bibhrat
der Götterkönig, tausend Augen tragend
divyāṅgahārasragudārarūpaḥ
mit göttlichem Schmuck, Blumenketten und erhabener Gestalt
airāvatam sarvagajendramukhyam
Airāvata, den ersten aller Elefantenfürsten
sravanmadāsārakṛtapravāham
dessen strömender Rauschsaft einen Fluss bildete

āruhya sarvāmararāṭ sa vajraṃ / bibhrat samāgāt purataḥ surāṇām / tejaḥprabhāvādhikatulyarūpī / prodbhāsayan sarvadiśo vivasvān //

- bestiegen habend, kam der König aller Unsterblichen, den Vajra tragend, an die Spitze der Götter, an Glut und Macht der Sonne gleichrangig, alle Himmelsrichtungen erleuchtend.

Wort für Wort
āruhya sarvāmararāṭ saḥ vajram bibhrat
bestiegen habend, kam der König aller Unsterblichen, den Vajra tragend
samāgāt purataḥ surāṇām
an die Spitze der Götter
tejaḥprabhāvādhikatulyarūpī
an Glut und Macht überragend gleichrangig (mit der Sonne)
prodbhāsayan sarvadiśaḥ vivasvān
alle Himmelsrichtungen erleuchtend, wie die Sonne

haimaṃ vimānaṃ savalatpatākam / ārūḍha āgāt tvaritaṃ javena / maṇipradīptojjvalakuṇḍalaś ca / vahnyarkatejaḥpratime vimāne //

Ein goldenes Luftfahrzeug mit flatternder Fahne bestiegen habend, kam er eilig mit Geschwindigkeit, mit von Juwelen entflammten, glänzenden Ohrringen, in einem Fahrzeug, das Feuer und Sonne an Glut glich.

Wort für Wort
haimam vimānam savalatpatākam
ein goldenes Luftfahrzeug mit flatternder Fahne
ārūḍhaḥ āgāt tvaritam javena
bestiegen habend, kam er eilig mit Geschwindigkeit
maṇipradīptojjvalakuṇḍalaḥ ca
mit von Juwelen entflammten, glänzenden Ohrringen
vahnyarkatejaḥpratime vimāne
in einem Fahrzeug, das Feuer und Sonne an Glut glich

[?: Unklar, ob V.11 noch Indras Beschreibung fortsetzt (weiteres Fahrzeug neben Airāvata) oder einen ungenannten Übergang bildet; sinngemäß als Fortsetzung von V.9-10 gedeutet.]

samabhyagāt kaśyapasūnur eka / ādityamadhyād bhaganāmadhārī / pīnāṅgayaṣṭiḥ sukṛtāṅgahāra / tejobalājñāsadṛśaprabhāvaḥ //

Es kam herbei der eine Sohn des Kaśyapa, aus der Mitte der Ādityas, den Namen Bhaga tragend, von kräftiger Gliedergestalt, mit wohlgestalteten Körperbewegungen, von einer Macht, die Glut, Kraft und Befehlsgewalt entsprach.

Wort für Wort
samabhyagāt kaśyapasūnuḥ ekaḥ
es kam herbei der eine Sohn des Kaśyapa
ādityamadhyāt bhaganāmadhārī
aus der Mitte der Ādityas, den Namen Bhaga tragend
pīnāṅgayaṣṭiḥ sukṛtāṅgahāraḥ
von kräftiger Gliedergestalt, mit wohlgestalteten Körperbewegungen
tejobalājñāsadṛśaprabhāvaḥ
von einer Macht, die Glut, Kraft und Befehlsgewalt entsprach

daṇḍaṃ samāgṛhya kṛtānta āgād / āruhya bhīmaṃ mahiṣaṃ javena / mahāmahīdhrocchrayapīnagātraḥ / svarṇādiratnāñcitacāruveśaḥ //

Den Stab der Strafe ergreifend, kam Kṛtānta, einen furchtbaren Büffel mit Geschwindigkeit bestiegen habend, von körperlicher Größe wie ein hoher Berg, in schöner, mit Gold und anderen Juwelen geschmückter Kleidung.

Wort für Wort
daṇḍam samāgṛhya kṛtāntaḥ āgāt
den Stab ergreifend, kam Kṛtānta (Yama)
āruhya bhīmam mahiṣam javena
einen furchtbaren Büffel mit Geschwindigkeit bestiegen habend
mahāmahīdhrocchrayapīnagātraḥ
von körperlicher Größe wie ein hoher Berg
svarṇādiratnāñcitacāruveśaḥ
in schöner, mit Gold und anderen Juwelen geschmückter Kleidung

samīraṇaḥ sarvajagadvibhartā / vimānam āruhya samabhyagād dhi / saṃtāpayan sarvasurāsureśāṃs / tejodhikas tejasi saṃniviṣṭaḥ //

Samīraṇa, der Träger aller Welten, kam, ein Luftfahrzeug bestiegen habend, herbei, alle Herren der Götter und Asuras erhitzend, an Glut überragend, in Glut verweilend.

Wort für Wort
samīraṇaḥ sarvajagadvibhartā
Samīraṇa (Vāyu), der Träger aller Welten
vimānam āruhya samabhyagāt hi
ein Luftfahrzeug bestiegen habend, kam er fürwahr herbei
saṃtāpayan sarvasurāsureśān
alle Herren der Götter und Asuras erhitzend
tejodhikaḥ tejasi saṃniviṣṭaḥ
an Glut überragend, in Glut verweilend

vahniḥ samabhyetya surendramadhye / jvalan pratasthau varaveśadhārī / nānāmaṇiprajvalitāṅgayaṣṭir / jagadvaraṃ divyavimānam agryam //

Agni, herangekommen, stand mitten unter den Götterfürsten, lodernd, prächtige Kleidung tragend, mit von vielerlei Juwelen entflammtem Körper, nachdem er das erste, göttliche, für die Welt vortreffliche Luftfahrzeug bestiegen hatte.

Wort für Wort
vahniḥ samabhyetya surendramadhye
Agni, herangekommen, mitten unter den Götterfürsten
jvalan pratasthau varaveśadhārī
stand lodernd, prächtige Kleidung tragend
nānāmaṇiprajvalitāṅgayaṣṭiḥ
mit von vielerlei Juwelen entflammtem Körper
jagadvaram divyavimānam agryam
(nachdem er) das für die Welt vortreffliche, erste göttliche Luftfahrzeug (bestiegen hatte)

āruhya sarvadraviṇādhipeśaḥ / sa rājarājas tvarito 'bhyagāc ca / āpyāyayan sarvasurāsureśān / kāntyā ca veśena ca cārurūpaḥ //

Der Herr über alle Schätze bestiegen habend, jener König der Könige, kam eilig herbei, alle Herren der Götter und Asuras erfrischend, durch Glanz und Kleidung von schöner Gestalt.

Wort für Wort
āruhya sarvadraviṇādhipeśaḥ
der Herr über alle Schätze (sein Fahrzeug) bestiegen habend
saḥ rājarājaḥ tvaritaḥ abhyagāt ca
jener König der Könige (Kubera) kam eilig herbei
āpyāyayan sarvasurāsureśān
alle Herren der Götter und Asuras erfrischend
kāntyā ca veśena ca cārurūpaḥ
durch Glanz und Kleidung von schöner Gestalt

jvalan mahāratnavicitrarūpaṃ / vimānam āruhya śaśī samāyāt / śyāmāṅgayaṣṭiḥ suvicitraveśaḥ / sarvāṅga ābaddhasugandhimālyaḥ //

Ein loderndes, mit großen Juwelen kunstvoll gestaltetes Luftfahrzeug bestiegen habend, kam der Mond, von dunkler Gliedergestalt, in überaus kunstvoller Kleidung, an allen Gliedern mit wohlriechenden Kränzen geschmückt.

Wort für Wort
jvalan mahāratnavicitrarūpam vimānam āruhya
ein loderndes, mit großen Juwelen kunstvoll gestaltetes Luftfahrzeug bestiegen habend
śaśī samāyāt
kam der Mond
śyāmāṅgayaṣṭiḥ suvicitraveśaḥ [?]
von dunkler Gliedergestalt [?], in überaus kunstvoller Kleidung
sarvāṅge ābaddhasugandhimālyaḥ
an allen Gliedern mit wohlriechenden Kränzen geschmückt

[?: 'śyāmāṅgayaṣṭiḥ' (dunkler Körper) für den Mond ungewöhnlich - wörtlich übersetzt.]

tārkṣyaṃ samāruhya mahīdhrakalpaṃ / gadādharo 'sau tvaritaḥ sametaḥ / athāśvinau cāpi bhiṣagvarau dvāv / ekaṃ vimānaṃ tvarayādhiruhya //

Tārkṣya, einem Berg gleich, bestiegen habend, kam jener Keulenträger eilig herbei; und auch die beiden Aśvins, die vorzüglichen Ärzte, ein einziges Luftfahrzeug eilig besteigend,

Wort für Wort
tārkṣyam samāruhya mahīdhrakalpam
Tārkṣya (Garuḍa), einem Berg gleich, bestiegen habend
gadādharaḥ asau tvaritaḥ sametaḥ
kam jener Keulenträger (Viṣṇu) eilig herbei
atha aśvinau ca api bhiṣagvarau dvau
und auch die beiden Aśvins, die vorzüglichen Ärzte
ekam vimānam tvarayā adhiruhya
ein einziges Luftfahrzeug eilig besteigend

manoharau prajvalacāruveśau / ājagmatur devavarau suvīrau / sahasranāgaḥ sphuradagnivarṇaṃ / bibhrat tadānīṃ jvalanārkatejāḥ //

- die bezaubernden, in loderndem, schönem Gewand kamen, die vortrefflichen Götter, die tapferen; und Sahasranāga, von blitzendem Feuerglanz, damals Feuer- und Sonnenglut tragend,

Wort für Wort
manoharau prajvalacāruveśau
die bezaubernden, in loderndem, schönem Gewand
ājagmatuḥ devavarau suvīrau
kamen, die vortrefflichen, tapferen Götter
sahasranāgaḥ sphuradagnivarṇam
und Sahasranāga, von blitzendem Feuerglanz
bibhrat tadānīm jvalanārkatejāḥ
damals Feuer- und Sonnenglut tragend

sārdhaṃ sa nāgair aparair mahātmā / vimānam āruhya samabhyagāc ca / diteḥ sutānāṃ ca mahāsurāṇāṃ / vahnyarkaśakrānilatulyabhāsām //

- zusammen mit anderen Schlangenwesen, der Großmütige, ein Luftfahrzeug bestiegen habend, kam auch herbei; und die Söhne der Diti, die großen Asuras, von einem Glanz gleich Feuer, Sonne, Indra und Wind,

Wort für Wort
sārdham sa nāgaiḥ aparaiḥ mahātmā
zusammen mit anderen Schlangenwesen, der Großmütige
vimānam āruhya samabhyagāt ca
ein Luftfahrzeug bestiegen habend, kam er auch herbei
diteḥ sutānām ca mahāsurāṇām
und die Söhne der Diti, die großen Asuras
vahnyarkaśakrānilatulyabhāsām
von einem Glanz gleich Feuer, Sonne, Indra und Wind

varānurūpaṃ pravidhāya veśaṃ / vṛndaṃ samāgāt purataḥ surāṇām / gandharvarājaḥ sa ca cārurūpī / divyāṅgado divyavimānacārī //

- eine dem Anlass entsprechende Kleidung anlegend, kam die Schar an die Spitze der Götter; und der Gandharva-König, von schöner Gestalt, mit göttlichem Armschmuck, auf einem göttlichen Luftfahrzeug fahrend,

Wort für Wort
varānurūpam pravidhāya veśam
eine dem Anlass entsprechende Kleidung anlegend
vṛndam samāgāt purataḥ surāṇām
kam die Schar an die Spitze der Götter
gandharvarājaḥ sa ca cārurūpī
und der Gandharva-König, von schöner Gestalt
divyāṅgadaḥ divyavimānacārī
mit göttlichem Armschmuck, auf einem göttlichen Luftfahrzeug fahrend

gandharvasaṃghaiḥ sahito 'psarobhiḥ / śakrājñayā tatra samājagāma / anye ca devās tridivāt tadānīṃ / pṛthak pṛthak cārugṛhītaveśāḥ //

- begleitet von Scharen der Gandharven und Apsaras, kam auf Indras Geheiß dorthin; und andere Götter kamen damals vom Himmel, jeder für sich in schönem Schmuck gekleidet,

Wort für Wort
gandharvasaṃghaiḥ sahitaḥ apsarobhiḥ
begleitet von Scharen der Gandharven und Apsaras
śakrājñayā tatra samājagāma
kam auf Indras Geheiß dorthin
anye ca devāḥ tridivāt tadānīm
und andere Götter kamen damals vom Himmel
pṛthak pṛthak cārugṛhītaveśāḥ
jeder für sich in schönem Schmuck gekleidet

ājagmur āruhya vimānapṛṣṭhaṃ / gandharvayakṣoragakiṃnarāś ca / śacīpatis tatra surendramadhye / rarāja rājādhikalakṣyamūrtiḥ //

- kamen, den Rücken der Luftfahrzeuge besteigend, und auch Gandharven, Yakṣas, Schlangenwesen und Kiṃnaras; Śacīs Gatte glänzte dort inmitten der Götterfürsten, an königlicher Erscheinung alle übertreffend.

Wort für Wort
ājagmuḥ āruhya vimānapṛṣṭham
kamen, den Rücken der Luftfahrzeuge besteigend
gandharvayakṣoragakiṃnarāḥ ca
und auch Gandharven, Yakṣas, Schlangenwesen und Kiṃnaras
śacīpatiḥ tatra surendramadhye
Śacīs Gatte (Indra) dort inmitten der Götterfürsten
rarāja rājādhikalakṣyamūrtiḥ
glänzte, an königlicher Erscheinung alle übertreffend

ājñābalaiśvaryakṛtapramodaḥ / svayaṃvaraṃ taṃ samalaṃcakāra / hetus trilokasya jagatprasūter / mātā ca teṣāṃ sasurāsurāṇām //

Durch Befehlsgewalt, Kraft und Herrschermacht in Wonne versetzt, schmückte er jene Selbstwahl; die Ursache der drei Welten, die Mutter der Weltentstehung, und die Mutter jener Wesen samt Göttern und Asuras -

Wort für Wort
ājñābalaiśvaryakṛtapramodaḥ
durch Befehlsgewalt, Kraft und Herrschermacht in Wonne versetzt
svayaṃvaram tam samalaṃcakāra
schmückte er jene Selbstwahl
hetuḥ trilokasya jagatprasūteḥ
die Ursache der drei Welten, der Weltentstehung
mātā ca teṣām sasurāsurāṇām
und die Mutter jener Wesen samt Göttern und Asuras

patnī ca śaṃbhoḥ puruṣasya dhīmato / gītā purāṇe prakṛtiḥ parā yā / dakṣasya kopād dhimavadgṛhaṃ sā / kāryārthamāyāt tridivaukasāṃ hi //

- und die Gattin des Śambhu, des weisen Puruṣa, die im Purāṇa als die höchste Prakṛti besungen wird - sie, aus Zorn über Dakṣa, war zum Wohl der Himmelsbewohner ins Haus des Himavat gekommen -

Wort für Wort
patnī ca śaṃbhoḥ puruṣasya dhīmataḥ
und die Gattin des Śambhu, des weisen Puruṣa
gītā purāṇe prakṛtiḥ parā yā
die im Purāṇa als die höchste Prakṛti besungen wird
dakṣasya kopāt himavadgṛham sā
sie, aus Zorn über Dakṣa, (kam) ins Haus des Himavat
kāryārtham āyāt tridivaukasām hi
kam fürwahr zum Wohl der Himmelsbewohner

vimānapṛṣṭhe maṇihemajuṣṭe / sthitā valaccāmaravījitāṅgī / sarvartupuṣpāṃ susugandhamālāṃ / pragṛhya devī prasabhaṃ pratasthe //

- auf dem mit Juwelen und Gold geschmückten Rücken eines Luftfahrzeugs stehend, mit wehenden Wedeln umfächelt, ergriff die Göttin einen aus Blumen aller Jahreszeiten duftenden Kranz und schritt entschlossen voran.

Wort für Wort
vimānapṛṣṭhe maṇihemajuṣṭe
auf dem mit Juwelen und Gold geschmückten Rücken eines Luftfahrzeugs
sthitā valaccāmaravījitāṅgī
stehend, mit wehenden Wedeln umfächelt
sarvartupuṣpām susugandhamālām pragṛhya
einen aus Blumen aller Jahreszeiten duftenden Kranz ergreifend
devī prasabham pratasthe
schritt die Göttin entschlossen voran

{brahmovāca:} mālāṃ pragṛhya devyāṃ tu sthitāyāṃ devasaṃsadi / śakrādyair āgatair devaiḥ svayaṃvara upāgate //

Brahmā sprach: Als die Göttin, den Kranz ergriffen habend, in der Götterversammlung stand, nachdem die Selbstwahl, mit Indra und den anderen angekommenen Göttern, begonnen hatte,

Wort für Wort
mālām pragṛhya devyām tu sthitāyām devasaṃsadi
als die Göttin, den Kranz ergriffen habend, in der Götterversammlung stand
śakrādyaiḥ āgataiḥ devaiḥ
mit Indra und den anderen angekommenen Göttern
svayaṃvare upāgate
als die Selbstwahl begonnen hatte

devyā jijñāsayā śaṃbhur bhūtvā pañcaśikhaḥ śiśuḥ / utsaṅgatalasaṃsupto babhūva sahasā vibhuḥ //

- da wurde, um die Göttin zu prüfen, Śambhu, der Herr, plötzlich zu einem fünfgezopften Kind, das eingeschlafen in ihrem Schoß lag.

Wort für Wort
devyāḥ jijñāsayā
um die Göttin zu prüfen
śaṃbhuḥ bhūtvā pañcaśikhaḥ śiśuḥ
Śambhu, ein fünfgezopftes Kind geworden
utsaṅgatalasaṃsuptaḥ babhūva sahasā vibhuḥ
wurde plötzlich, eingeschlafen in ihrem Schoß liegend, der Herr

tato dadarśa taṃ devī śiśuṃ pañcaśikhaṃ sthitam / jñātvā taṃ samavadhyānāj jagṛhe prītisaṃyutā //

Da erblickte die Göttin jenes fünfgezopfte Kind, das dort lag; es durch Meditation erkennend, nahm sie es liebevoll auf.

Wort für Wort
tataḥ dadarśa tam devī śiśum pañcaśikham sthitam
da erblickte die Göttin jenes fünfgezopfte Kind, das dort lag
jñātvā tam samavadhyānāt
es durch Meditation erkennend
jagṛhe prītisaṃyutā
nahm sie es liebevoll auf

atha sā śuddhasaṃkalpā kāṅkṣitaṃ prāpya satpatim / nivṛttā ca tadā tasthau kṛtvā sā hṛdi taṃ vibhum //

Da, ihres reinen Entschlusses den ersehnten wahren Gatten erlangend, hielt sie inne und verweilte, ihn, den Herrn, im Herzen tragend.

Wort für Wort
atha sā śuddhasaṃkalpā
da sie, reinen Entschlusses
kāṅkṣitam prāpya satpatim
den ersehnten wahren Gatten erlangend
nivṛttā ca tadā tasthau
hielt sie inne und verweilte
kṛtvā hṛdi tam vibhum
ihn, den Herrn, im Herzen tragend

tato dṛṣṭvā śiśuṃ devā devyā utsaṅgavartinam / ko 'yam atreti saṃmantrya cukruśur bhṛśamohitāḥ //

Als die Götter das Kind im Schoß der Göttin erblickten, riefen sie, sich beratend 'wer ist dieser hier?', heftig verwirrt aus.

Wort für Wort
tataḥ dṛṣṭvā śiśum devāḥ
als die Götter das Kind erblickten
devyāḥ utsaṅgavartinam
im Schoß der Göttin befindlich
kaḥ ayam atra iti saṃmantrya
sich beratend, 'wer ist dieser hier?'
cukruśuḥ bhṛśamohitāḥ
riefen sie heftig verwirrt aus

vajram āhārayat tasya bāhum utkṣipya vṛtrahā / sa bāhur utthitas tasya tathaiva samatiṣṭhata //

Der Vṛtratöter hob den Arm, um seinen Vajra gegen es zu schleudern; jener erhobene Arm blieb aber genau so erhoben stehen.

Wort für Wort
vajram āhārayat
er wollte den Vajra herbeiführen (schleudern)
tasya bāhum utkṣipya vṛtrahā
seinen Arm erhebend, der Vṛtratöter
sa bāhuḥ utthitaḥ tasya
jener erhobene Arm von ihm
tathā eva samatiṣṭhata
blieb genau so stehen

stambhitaḥ śiśurūpeṇa devadevena śaṃbhunā / vajraṃ kṣeptuṃ na śaśāka vṛtrahā calituṃ na ca //

Vom Gott der Götter Śambhu in Kindsgestalt gelähmt, vermochte der Vṛtratöter weder den Vajra zu schleudern noch sich zu rühren.

Wort für Wort
stambhitaḥ śiśurūpeṇa devadevena śaṃbhunā
vom Gott der Götter Śambhu in Kindsgestalt gelähmt
vajram kṣeptum na śaśāka
vermochte er den Vajra nicht zu schleudern
vṛtrahā calitum na ca
der Vṛtratöter auch nicht, sich zu rühren

bhago nāma tato deva ādityaḥ kāśyapo balī / utkṣipya āyudhaṃ dīptaṃ chettum icchan vimohitaḥ //

Da hob der Gott namens Bhaga, der Āditya, der Sohn des Kaśyapa, der Starke, seine lodernde Waffe, um es zu zerteilen, wurde aber, dies wünschend, verwirrt.

Wort für Wort
bhagaḥ nāma tataḥ devaḥ ādityaḥ kāśyapaḥ balī
da der Gott namens Bhaga, der Āditya, der Sohn des Kaśyapa, der Starke
utkṣipya āyudham dīptam
seine lodernde Waffe erhebend
chettum icchan vimohitaḥ
dies zu zerteilen wünschend, wurde er verwirrt

tasyāpi bhagavān bāhuṃ tathaivāstambhayat tadā / balaṃ tejaś ca yogaś ca tathaivāstambhayad vibhuḥ //

Auch dessen Arm lähmte der Erhabene ebenso; Kraft, Glut und Yoga-Vermögen lähmte der Herr in gleicher Weise.

Wort für Wort
tasya api bhagavān bāhum tathā eva astambhayat tadā
auch dessen Arm lähmte der Erhabene damals ebenso
balam tejaḥ ca yogaḥ ca
Kraft, Glut und Yoga-Vermögen
tathā eva astambhayat vibhuḥ
lähmte der Herr in gleicher Weise

śiraḥ prakampayan viṣṇuḥ śaṃkaraṃ samavaikṣata / atha teṣu sthiteṣv evaṃ manyumatsu sureṣu ca //

Viṣṇu, das Haupt schüttelnd, blickte auf Śaṃkara; da nun, als die Götter, von Zorn erfüllt, so dastanden -

Wort für Wort
śiraḥ prakampayan viṣṇuḥ
Viṣṇu, das Haupt schüttelnd
śaṃkaram samavaikṣata
blickte auf Śaṃkara
atha teṣu sthiteṣu evam manyumatsu sureṣu ca
da nun, als die Götter, von Zorn erfüllt, so dastanden

ahaṃ paramasaṃvigno dhyānam āsthāya sādaram / buddhavān devadeveśam umotsaṅge samāsthitam //

- da erkannte ich, höchst erschüttert, in ehrfürchtige Meditation versunken, den Gott der Götter, den Herrn, im Schoß der Umā verweilend.

Wort für Wort
aham paramasaṃvignaḥ
ich, höchst erschüttert
dhyānam āsthāya sādaram
in ehrfürchtige Meditation versunken
buddhavān devadeveśam
erkannte ich den Gott der Götter, den Herrn
umotsaṅge samāsthitam
im Schoß der Umā verweilend

jñātvāhaṃ parameśānaṃ śīghram utthāya sādaram / vavande caraṇaṃ śaṃbhoḥ stutavāṃs tam ahaṃ dvijāḥ //

Als ich den höchsten Herrn erkannt hatte, erhob ich mich schnell und ehrfürchtig, verehrte Śambhus Fuß und pries ihn, o Brahmanen.

Wort für Wort
jñātvā aham parameśānam
als ich den höchsten Herrn erkannt hatte
śīghram utthāya sādaram
schnell und ehrfürchtig mich erhebend
vavande caraṇam śaṃbhoḥ
verehrte ich Śambhus Fuß
stutavān tam aham dvijāḥ
und pries ihn, o Brahmanen

purāṇaiḥ sāmasaṃgītaiḥ puṇyākhyair guhyanāmabhiḥ / ajas tvam ajaro devaḥ sraṣṭā vibhuḥ parāparam //

Mit alten, im Sāman gesungenen, heiligen, geheimen Namen: 'Du bist der Ungeborene, der alterslose Gott, der Schöpfer, der Herr über Höheres und Niedrigeres.'

Wort für Wort
purāṇaiḥ sāmasaṃgītaiḥ
mit alten, im Sāman gesungenen
puṇyākhyaiḥ guhyanāmabhiḥ
mit heiligen, geheimen Namen
ajaḥ tvam ajaraḥ devaḥ
du bist der Ungeborene, der alterslose Gott
sraṣṭā vibhuḥ parāparam
der Schöpfer, der Herr über Höheres und Niedrigeres

pradhānaṃ puruṣo yas tvaṃ brahma dhyeyaṃ tad akṣaram / amṛtaṃ paramātmā ca īśvaraḥ kāraṇaṃ mahat //

Du bist die Urmaterie, der Puruṣa, das zu meditierende unvergängliche Brahman, das Amṛta, das höchste Selbst und der Herr, die große Ursache.

Wort für Wort
pradhānam puruṣaḥ yaḥ tvam
du bist die Urmaterie, der Puruṣa
brahma dhyeyam tat akṣaram
das zu meditierende unvergängliche Brahman
amṛtam paramātmā ca
das Amṛta und das höchste Selbst
īśvaraḥ kāraṇam mahat
der Herr, die große Ursache

brahmasṛk prakṛteḥ sraṣṭā sarvakṛt prakṛteḥ paraḥ / iyaṃ ca prakṛtir devī sadā te sṛṣṭikāraṇam //

Der Schöpfer Brahmans, der Schöpfer der Urnatur, der Allschöpfer, jenseits der Urnatur; und diese Göttin ist die Urnatur, stets die Ursache deiner Schöpfung.

Wort für Wort
brahmasṛk prakṛteḥ sraṣṭā
der Schöpfer Brahmans, der Schöpfer der Urnatur
sarvakṛt prakṛteḥ paraḥ
der Allschöpfer, jenseits der Urnatur
iyam ca prakṛtiḥ devī
und diese Göttin ist die Urnatur
sadā te sṛṣṭikāraṇam
stets die Ursache deiner Schöpfung

patnīrūpaṃ samāsthāya jagatkāraṇam āgatā / namas tubhyaṃ mahādeva devyā vai sahitāya ca //

In Gestalt der Gattin, die Ursache der Welt, ist sie gekommen. Verehrung dir, o Mahādeva, und dir, mit der Göttin vereint!

Wort für Wort
patnīrūpam samāsthāya
in Gestalt der Gattin
jagatkāraṇam āgatā
die Ursache der Welt ist gekommen
namaḥ tubhyam mahādeva
Verehrung dir, o Mahādeva
devyā vai sahitāya ca
und dir, mit der Göttin vereint

prasādāt tava deveśa niyogāc ca mayā prajāḥ / devādyās tu imāḥ sṛṣṭā mūḍhās tvadyogamāyayā //

Durch deine Gnade, o Göttergebieter, und auf deinen Auftrag habe ich diese Geschöpfe, angefangen mit den Göttern, erschaffen, die nun durch deine Yogamāyā verwirrt sind.

Wort für Wort
prasādāt tava deveśa
durch deine Gnade, o Göttergebieter
niyogāt ca mayā prajāḥ
und auf deinen Auftrag von mir die Geschöpfe
devādyāḥ tu imāḥ sṛṣṭāḥ
angefangen mit den Göttern erschaffen
mūḍhāḥ tvadyogamāyayā
(die nun) durch deine Yogamāyā verwirrt sind

kuru prasādam eteṣāṃ yathāpūrvaṃ bhavantv ime / tata evam ahaṃ viprā vijñāpya parameśvaram //

'Erweise diesen Gnade, dass sie wieder wie zuvor werden.' So, o Brahmanen, den höchsten Herrn bittend -

Wort für Wort
kuru prasādam eteṣām
erweise diesen Gnade
yathāpūrvam bhavantu ime
dass sie wieder wie zuvor werden
tataḥ evam aham viprāḥ
so, o Brahmanen, ich
vijñāpya parameśvaram
den höchsten Herrn bittend

stambhitān sarvadevāṃs tān idaṃ cāhaṃ tadoktavān / mūḍhāś ca devatāḥ sarvā nainaṃ budhyata śaṃkaram //

- sprach ich damals zu all jenen gelähmten Göttern folgendes: 'Ihr verwirrten Götter alle, ihr erkennt diesen Śaṃkara nicht!'

Wort für Wort
stambhitān sarvadevān tān
zu all jenen gelähmten Göttern
idam ca aham tadā uktavān
sprach ich damals folgendes
mūḍhāḥ ca devatāḥ sarvāḥ
ihr verwirrten Götter alle
na enam budhyata śaṃkaram
ihr erkennt diesen Śaṃkara nicht

gacchadhvaṃ śaraṇaṃ śīghram enam eva maheśvaram / sārdhaṃ mayaiva deveśaṃ paramātmānam avyayam //

'Geht schnell mit mir zusammen zu ihm, dem großen Herrn, dem Göttergebieter, dem unvergänglichen höchsten Selbst, Zuflucht suchend!'

Wort für Wort
gacchadhvam śaraṇam śīghram
geht schnell zur Zuflucht
enam eva maheśvaram
zu eben diesem großen Herrn
sārdham mayā eva deveśam
zusammen mit mir, zum Göttergebieter
paramātmānam avyayam
zum unvergänglichen höchsten Selbst

tatas te stambhitāḥ sarve tathaiva tridivaukasaḥ / praṇemur manasā śarvaṃ bhāvaśuddhena cetasā //

Darauf verneigten sich alle jene gelähmten Himmelsbewohner ebenso, mit reinem Sinnesgemüt, vor Śarva.

Wort für Wort
tataḥ te stambhitāḥ sarve
darauf jene alle gelähmten
tathā eva tridivaukasaḥ
ebenso die Himmelsbewohner
praṇemuḥ manasā śarvam
verneigten sich im Geiste vor Śarva
bhāvaśuddhena cetasā
mit reinem Sinnesgemüt

atha teṣāṃ prasanno 'bhūd devadevo maheśvaraḥ / yathāpūrvaṃ cakārāśu devatānāṃ tanūs tadā //

Da wurde der Gott der Götter, der große Herr, ihnen gnädig, und machte sogleich die Körper der Götter wieder wie zuvor.

Wort für Wort
atha teṣām prasannaḥ abhūt
da wurde ihnen gnädig
devadevaḥ maheśvaraḥ
der Gott der Götter, der große Herr
yathāpūrvam cakāra āśu
machte sogleich wieder wie zuvor
devatānām tanūḥ tadā
die Körper der Götter, damals

tata evaṃ pravṛtte tu sarvadevanivāraṇe / vapuś cakāra deveśas tryakṣaṃ paramam adbhutam //

Nachdem so die Lähmung aller Götter aufgehoben geschehen war, nahm der Göttergebieter eine höchst wunderbare, dreiäugige Gestalt an.

Wort für Wort
tataḥ evam pravṛtte tu
nachdem so geschehen war
sarvadevanivāraṇe
die Lähmung aller Götter (aufgehoben)
vapuḥ cakāra deveśaḥ
nahm der Göttergebieter eine Gestalt an
tryakṣam paramam adbhutam
eine dreiäugige, höchst wunderbare

tejasā tasya te dhvastāś cakṣuḥ sarve nyamīlayan / tebhyaḥ sa paramaṃ cakṣuḥ svavapurdṛṣṭiśaktimat //

Durch dessen Glut geblendet, schlossen sie alle die Augen; ihnen verlieh er sodann ein höchstes Auge, mit der Sehkraft ausgestattet, seine eigene Gestalt zu erblicken.

Wort für Wort
tejasā tasya te dhvastāḥ
durch dessen Glut geblendet, sie
cakṣuḥ sarve nyamīlayan
schlossen alle die Augen
tebhyaḥ saḥ paramam cakṣuḥ
ihnen (verlieh) er ein höchstes Auge
svavapurdṛṣṭiśaktimat
mit der Sehkraft, seine eigene Gestalt (zu erblicken), ausgestattet

prādāt paramadeveśam apaśyaṃs te tadā vibhum / te dṛṣṭvā parameśānaṃ tṛtīyekṣaṇadhāriṇam //

- er gab es ihnen, damit sie den höchsten Göttergebieter, den Herrn, sähen; sie, den höchsten Herrn erblickend, der ein drittes Auge trug,

Wort für Wort
prādāt paramadeveśam
er gab es, den höchsten Göttergebieter (zu sehen)
apaśyan te tadā vibhum
sie sahen damals den Herrn
te dṛṣṭvā parameśānam
sie, den höchsten Herrn erblickend
tṛtīyekṣaṇadhāriṇam
der ein drittes Auge trug

śakrādyā menire devāḥ sarva eva sureśvarāḥ / tasya devī tadā hṛṣṭā samakṣaṃ tridivaukasām //

- erkannten ihn, Indra und die anderen Götter, alle Herren der Götter; da legte die Göttin, erfreut, vor den Augen der Himmelsbewohner,

Wort für Wort
śakrādyāḥ menire devāḥ
Indra und die anderen Götter erkannten (ihn)
sarve eva sureśvarāḥ
alle Herren der Götter
tasya devī tadā hṛṣṭā
da legte die Göttin, erfreut, für ihn
samakṣam tridivaukasām
vor den Augen der Himmelsbewohner

pādayoḥ sthāpayām āsa sraṅmālām amitadyutiḥ / sādhu sādhv iti te hocuḥ sarve devāḥ punar vibhum //

- den Blütenkranz zu seinen Füßen nieder, sie, die von unermesslichem Glanz; 'Wohlgetan, wohlgetan!' - so sprachen alle Götter wiederum zu ihm, dem Herrn,

Wort für Wort
pādayoḥ sthāpayām āsa sraṅmālām
legte den Blütenkranz zu seinen Füßen nieder
amitadyutiḥ
sie, von unermesslichem Glanz
sādhu sādhu iti te ha ūcuḥ
'wohlgetan, wohlgetan!' so sprachen sie
sarve devāḥ punaḥ vibhum
alle Götter wiederum zum Herrn

saha devyā namaś cakruḥ śirobhir bhūtalāśritaiḥ / athāsminn antare viprās tam ahaṃ daivataiḥ saha //

- und erwiesen ihm samt der Göttin Verehrung, mit den Häuptern den Boden berührend. Da, in diesem Augenblick, o Brahmanen, sprach ich, zusammen mit den Göttern,

Wort für Wort
saha devyā namaḥ cakruḥ
samt der Göttin erwiesen sie Verehrung
śirobhiḥ bhūtalāśritaiḥ
mit den Häuptern den Boden berührend
atha asmin antare viprāḥ
da, in diesem Augenblick, o Brahmanen
tam aham daivataiḥ saha
zu ihm, ich, zusammen mit den Göttern

himavantaṃ mahāśailam uktavāṃś ca mahādyutim / ślāghyaḥ pūjyaś ca vandyaś ca sarveṣāṃ tvaṃ mahān asi //

- zu Himavat, dem großen Berg von großem Glanz: 'Preiswürdig, verehrungswürdig und anbetungswürdig - du bist groß vor allen.'

Wort für Wort
himavantam mahāśailam uktavān ca mahādyutim
sprach zu Himavat, dem großen Berg von großem Glanz
ślāghyaḥ pūjyaḥ ca vandyaḥ ca
preiswürdig, verehrungswürdig und anbetungswürdig
sarveṣām tvam mahān asi
du bist groß vor allen

śarveṇa saha saṃbandho yasya te 'bhyudayo mahān / kriyatāṃ cārur udvāhaḥ kimarthaṃ sthīyate param / tataḥ praṇamya himavāṃs tadā māṃ pratyabhāṣata //

'Die Verbindung mit Śarva - dein großer Aufstieg ist das; die schöne Vermählung werde nun vollzogen, wozu wird weiter gewartet?' Darauf verneigte sich Himavat und erwiderte mir damals:

Wort für Wort
śarveṇa saha saṃbandhaḥ
die Verbindung mit Śarva
yasya te abhyudayaḥ mahān
dein großer Aufstieg, das ist
kriyatām cāruḥ udvāhaḥ
die schöne Vermählung werde vollzogen
kimartham sthīyate param
wozu wird weiter gewartet
tataḥ praṇamya himavān tadā mām pratyabhāṣata
darauf verneigte sich Himavat und erwiderte mir damals

[Anm.: dreizeiliger Vers unter einer Nummer.]

{himavān uvāca:} tvam eva kāraṇaṃ deva yasya sarvodaye mama / prasādaḥ sahasotpanno hetuś cāpi tvam eva hi / udvāhas tu yadā yādṛk tad vidhatsva pitāmaha //

Himavat sprach: Du bist die Ursache, o Gott, für all mein Aufblühen; die plötzlich entstandene Gnade - auch deren Ursache bist du fürwahr; wann und wie die Vermählung stattfinden soll, das ordne du, o Großvater.

Wort für Wort
tvam eva kāraṇam deva
du bist die Ursache, o Gott
yasya sarvodaye mama
für all mein Aufblühen
prasādaḥ sahasā utpannaḥ
die plötzlich entstandene Gnade
hetuḥ ca api tvam eva hi
auch deren Ursache bist du fürwahr
udvāhaḥ tu yadā yādṛk
wann und wie die Vermählung
tat vidhatsva pitāmaha
das ordne du, o Großvater

[Anm.: dreizeiliger Vers unter einer Nummer.]

{brahmovāca:} tata evaṃ vacaḥ śrutvā girirājasya bho dvijāḥ / udvāhaḥ kriyatāṃ deva ity ahaṃ coktavān vibhum //

Brahmā sprach: Als ich dieses Wort des Bergkönigs gehört hatte, o Brahmanen, sprach ich zum Herrn: 'Die Vermählung werde vollzogen, o Gott.'

Wort für Wort
tataḥ evam vacaḥ śrutvā girirājasya bho dvijāḥ
als ich dieses Wort des Bergkönigs gehört hatte, o Brahmanen
udvāhaḥ kriyatām deva
die Vermählung werde vollzogen, o Gott
iti aham ca uktavān vibhum
so sprach ich zum Herrn

mām āha śaṃkaro devo yatheṣṭam iti lokapaḥ / tatkṣaṇāc ca tato viprā asmābhir nirmitaṃ puram //

Der Gott Śaṃkara, der Weltenschützer, sprach zu mir: 'Wie es beliebt.' Und in eben diesem Augenblick, o Brahmanen, wurde von uns eine Stadt errichtet,

Wort für Wort
mām āha śaṃkaraḥ devaḥ yatheṣṭam iti lokapaḥ
der Gott Śaṃkara, der Weltenschützer, sprach zu mir: 'wie es beliebt'
tatkṣaṇāt ca tataḥ viprāḥ
und in eben diesem Augenblick, o Brahmanen
asmābhiḥ nirmitam puram
wurde von uns eine Stadt errichtet

udvāhārthaṃ maheśasya nānāratnopaśobhitam / ratnāni maṇayaś citrā hemamauktikam eva ca //

- zum Zwecke von Maheśas Vermählung, mit vielerlei Juwelen geschmückt; Edelsteine, kunstvolle Perlen, Gold und Perlmutt -

Wort für Wort
udvāhārtham maheśasya
zum Zwecke von Maheśas Vermählung
nānāratnopaśobhitam
mit vielerlei Juwelen geschmückt
ratnāni maṇayaḥ citrāḥ
Edelsteine, kunstvolle Perlen
hemamauktikam eva ca
und auch Gold und Perlmutt

mūrtimanta upāgamya alaṃcakruḥ purottamam / citrā mārakatī bhūmiḥ suvarṇastambhaśobhitā //

- in verkörperter Gestalt herbeigekommen, schmückten sie die vortreffliche Stadt; ein bunter, aus Smaragd bestehender Boden, mit goldenen Säulen geschmückt,

Wort für Wort
mūrtimantaḥ upāgamya
in verkörperter Gestalt herbeigekommen
alaṃcakruḥ purottamam
schmückten sie die vortreffliche Stadt
citrā mārakatī bhūmiḥ
ein bunter, aus Smaragd bestehender Boden
suvarṇastambhaśobhitā
mit goldenen Säulen geschmückt

bhāsvatsphaṭikabhittiś ca muktāhārapralambitā / tasmin dvāri pure ramya udvāhārthaṃ vinirmitā //

- mit strahlenden Kristallwänden, mit herabhängenden Perlenketten - an jenem Tor der lieblichen Stadt wurde sie zum Zwecke der Vermählung errichtet.

Wort für Wort
bhāsvatsphaṭikabhittiḥ ca
und mit strahlenden Kristallwänden
muktāhārapralambitā
mit herabhängenden Perlenketten
tasmin dvāri pure ramye
an jenem Tor der lieblichen Stadt
udvāhārtham vinirmitā
wurde sie zum Zwecke der Vermählung errichtet

śuśubhe devadevasya maheśasya mahātmanaḥ / somādityau samaṃ tatra tāpayantau mahāmaṇī //

Sie erstrahlte für den Gott der Götter, den großmütigen Maheśa; Mond und Sonne gleichermaßen, dort zwei große Juwelen erwärmend,

Wort für Wort
śuśubhe devadevasya maheśasya mahātmanaḥ
sie erstrahlte für den großmütigen Maheśa, den Gott der Götter
somādityau samam tatra
Mond und Sonne gleichermaßen dort
tāpayantau mahāmaṇī [?]
zwei große Juwelen erwärmend [?]

[?: Syntax von 'somādityau ... tāpayantau mahāmaṇī' unklar; sinngemäß als bildliche Beschreibung von Sonnen-/Mondlicht auf juwelenbesetzten Wänden der Stadt gedeutet.]

saurabheyaṃ manoramyaṃ gandham ādāya mārutaḥ / pravavau sukhasaṃsparśo bhavabhaktiṃ pradarśayan //

Der Wind, einen wohlriechenden, bezaubernden Duft tragend, wehte mit angenehmer Berührung, gleichsam Hingabe an Bhava zeigend.

Wort für Wort
saurabheyam manoramyam gandham ādāya
einen wohlriechenden, bezaubernden Duft tragend
mārutaḥ pravavau
der Wind wehte
sukhasaṃsparśaḥ
mit angenehmer Berührung
bhavabhaktim pradarśayan
gleichsam Hingabe an Bhava zeigend

samudrās tatra catvāraḥ śakrādyāś ca surottamāḥ / devanadyo mahānadyaḥ siddhā munaya eva ca //

Dort kamen die vier Ozeane und Indra und die anderen besten Götter, die göttlichen Flüsse, die großen Flüsse, die Siddhas und auch die Weisen,

Wort für Wort
samudrāḥ tatra catvāraḥ
dort die vier Ozeane
śakrādyāḥ ca surottamāḥ
und Indra und die anderen besten Götter
devanadyaḥ mahānadyaḥ
die göttlichen Flüsse, die großen Flüsse
siddhāḥ munayaḥ eva ca
die Siddhas und auch die Weisen

gandharvāpsarasaḥ sarve nāgā yakṣāḥ sarākṣasāḥ / audakāḥ khecarāś cānye kiṃnarā devacāraṇāḥ //

- alle Gandharven und Apsaras, Schlangenwesen, Yakṣas samt Rākṣasas, Wasserwesen und andere Luftwandler, Kiṃnaras, die göttlichen Cāraṇas,

Wort für Wort
gandharvāpsarasaḥ sarve
alle Gandharven und Apsaras
nāgāḥ yakṣāḥ sarākṣasāḥ
Schlangenwesen, Yakṣas samt Rākṣasas
audakāḥ khecarāḥ ca anye
Wasserwesen und andere Luftwandler
kiṃnarāḥ devacāraṇāḥ
Kiṃnaras, die göttlichen Cāraṇas

tumburur nārado hāhā hūhūś caiva tu sāmagāḥ / ramyāṇy ādāya vādyāni tatrājagmus tadā puram //

- Tumburu, Nārada, Hāhā und Hūhū sowie die Sāman-Sänger, liebliche Musikinstrumente mitbringend, kamen damals dorthin zur Stadt.

Wort für Wort
tumburuḥ nāradaḥ hāhā hūhūḥ ca eva tu sāmagāḥ
Tumburu, Nārada, Hāhā und Hūhū sowie die Sāman-Sänger
ramyāṇi ādāya vādyāni
liebliche Musikinstrumente mitbringend
tatra ājagmuḥ tadā puram
kamen damals dorthin zur Stadt

ṛṣayas tu kathās tatra vedagītās tapodhanāḥ / puṇyān vaivāhikān mantrāñ jepuḥ saṃhṛṣṭamānasāḥ //

Die Weisen aber, reich an Askese, murmelten dort, Vedengesänge rezitierend, mit freudeerfülltem Sinn die heiligen Hochzeitsmantras.

Wort für Wort
ṛṣayaḥ tu kathāḥ tatra
die Weisen aber (rezitierten) dort Erzählungen
vedagītāḥ tapodhanāḥ
reich an Askese, Vedengesänge (rezitierend)
puṇyān vaivāhikān mantrān jepuḥ
murmelten die heiligen Hochzeitsmantras
saṃhṛṣṭamānasāḥ
mit freudeerfülltem Sinn

jagato mātaraḥ sarvā devakanyāś ca kṛtsnaśaḥ / gāyanti harṣitāḥ sarvā udvāhe parameṣṭhinaḥ //

Alle Mütter der Welt und sämtliche Göttertöchter sangen, alle erfreut, bei der Vermählung des höchsten Herrn.

Wort für Wort
jagataḥ mātaraḥ sarvāḥ
alle Mütter der Welt
devakanyāḥ ca kṛtsnaśaḥ
und sämtliche Göttertöchter
gāyanti harṣitāḥ sarvāḥ
sangen, alle erfreut
udvāhe parameṣṭhinaḥ
bei der Vermählung des höchsten Herrn

ṛtavaḥ ṣaṭ samaṃ tatra nānāgandhasukhāvahāḥ / udvāhaḥ śaṃkarasyeti mūrtimanta upasthitāḥ //

Die sechs Jahreszeiten, alle vielerlei Wohlgeruch und Wonne bringend, erschienen dort gleichzeitig in verkörperter Gestalt, denn es war ja Śaṃkaras Vermählung.

Wort für Wort
ṛtavaḥ ṣaṭ samam tatra
die sechs Jahreszeiten gleichzeitig dort
nānāgandhasukhāvahāḥ
vielerlei Wohlgeruch und Wonne bringend
udvāhaḥ śaṃkarasya iti
denn es war Śaṃkaras Vermählung
mūrtimantaḥ upasthitāḥ
erschienen in verkörperter Gestalt

[Anm.: Ab hier folgt eine ausführliche, kunstvolle (Kāvya-)Beschreibung des gleichzeitigen Erscheinens aller sechs Jahreszeiten anlässlich der Hochzeit, V.70ff.]

nīlajīmūtasaṃkāśair mantradhvanipraharṣibhiḥ / kekāyamānaiḥ śikhibhir nṛtyamānaiś ca sarvaśaḥ //

- mit den blaue Wolken gleichenden, vom Klang der Mantras erfreuten, kreischenden und überall tanzenden Pfauen -

Wort für Wort
nīlajīmūtasaṃkāśaiḥ
mit den blaue Wolken gleichenden
mantradhvanipraharṣibhiḥ
vom Klang der Mantras erfreuten
kekāyamānaiḥ śikhibhiḥ
kreischenden Pfauen
nṛtyamānaiḥ ca sarvaśaḥ
und überall tanzenden

vilolapiṅgalaspaṣṭa-vidyullekhāvihāsitā / kumudāpīḍaśuklābhir balākābhiś ca śobhitā //

- (die Regenzeit,) belebt von zuckenden, rötlich-gelb deutlichen Blitzstreifen, geschmückt mit Kranichen, weiß wie die Kumuda-Blüte.

Wort für Wort
vilolapiṅgalaspaṣṭavidyullekhāvihāsitā
belebt von zuckenden, rötlich-gelb deutlichen Blitzstreifen
kumudāpīḍaśuklābhiḥ balākābhiḥ ca śobhitā
geschmückt mit Kranichen, weiß wie die Kumuda-Blüte

[Anm.: Beginn der Beschreibung der Regenzeit (Varṣā) als personifizierte Jahreszeit; Fortsetzung in V.73ff. (Teil 2).]

pratyagrasaṃjātaśilīndhrakandalī / latādrumādyudgatapallavā śubhā / śubhāmbudhārāpraṇayaprabodhitair / mahālasair bhekagaṇaiś ca nāditā //

- frisch entstandene Pilze und Sprossen habend, mit an Lianen und Bäumen frisch hervorgebrochenen schönen Trieben; von schönen, durch Wasserstrahlen liebevoll geweckten, trägen Froschscharen erfüllt mit Lärm,

Wort für Wort
pratyagrasaṃjātaśilīndhrakandalī
frisch entstandene Pilze und Sprossen habend
latādrumādyudgatapallavā śubhā
mit an Lianen und Bäumen frisch hervorgebrochenen schönen Trieben
śubhāmbudhārāpraṇayaprabodhitaiḥ
von schönen Wasserstrahlen liebevoll geweckten
mahālasaiḥ bhekagaṇaiḥ ca nāditā
von trägen Froschscharen erfüllt mit Lärm

[Anm.: Fortsetzung der Beschreibung der personifizierten Regenzeit (Varṣā) aus V.72; das grammatische Subjekt und Hauptverb folgen erst in V.79d ('prāvṛḍ āvirbabhūva' - 'die Regenzeit erschien'), sodass V.73-79 einen einzigen langen Satz bilden.]

priyeṣu mānoddhatamānasānāṃ / manasvinīnām api kāminīnām / mayūrakekābhirutaiḥ kṣaṇena / manoharair mānavibhaṅgahetubhiḥ //

- durch das bezaubernde Pfauenschreien, das im Nu der stolzen, in Groll gegen ihre Geliebten verharrenden, hochgesinnten Liebenden Stolz bricht,

Wort für Wort
priyeṣu mānoddhatamānasānām
der gegen ihre Geliebten in Groll erhabenen Sinnes verharrenden
manasvinīnām api kāminīnām
auch der hochgesinnten Liebenden
mayūrakekābhirutaiḥ kṣaṇena
durch das Pfauenschreien im Nu
manoharaiḥ mānavibhaṅgahetubhiḥ
durch bezauberndes, Stolz-brechendes (Schreien)

tathā vivarṇojjvalacārumūrtinā / śaśāṅkalekhākuṭilena sarvataḥ / payodasaṃghātasamīpavartinā / mahendracāpena bhṛśaṃ virājitā //

- ebenso durch den vielfarbig-glänzenden, schönen, überall wie eine gekrümmte Mondsichel gebogenen, in der Nähe der Wolkenmassen befindlichen großen Regenbogen überaus geschmückt,

Wort für Wort
tathā vivarṇojjvalacārumūrtinā
ebenso durch die vielfarbig-glänzende, schöne Gestalt
śaśāṅkalekhākuṭilena sarvataḥ
überall wie eine gekrümmte Mondsichel gebogen
payodasaṃghātasamīpavartinā
in der Nähe der Wolkenmassen befindlich
mahendracāpena bhṛśam virājitā
durch den großen Regenbogen (Indras Bogen) überaus geschmückt

vicitrapuṣpāmbubhavaiḥ sugandhibhir / ghanāmbusaṃparkatayā suśītalaiḥ / vikampayantī pavanair manoharaiḥ / surāṅganānām alakāvalīḥ śubhāḥ //

- durch bunte, aus Blumen und Wasser entstandene, wohlriechende, durch Berührung mit dichtem Wasser sehr kühle, bezaubernde Winde die schönen Lockenreihen der Götterfrauen erzittern lassend,

Wort für Wort
vicitrapuṣpāmbubhavaiḥ sugandhibhiḥ
durch bunte, aus Blumen und Wasser entstandene, wohlriechende (Winde)
ghanāmbusaṃparkatayā suśītalaiḥ
durch Berührung mit dichtem Wasser sehr kühle
vikampayantī pavanaiḥ manoharaiḥ
durch bezaubernde Winde erzittern lassend
surāṅganānām alakāvalīḥ śubhāḥ
die schönen Lockenreihen der Götterfrauen

garjatpayodasthagitendubimbā / navāmbusiktodakacārudūrvā / nirīkṣitā sādaram utsukābhir / niśvāsadhūmraṃ pathikāṅganābhiḥ //

- ihre Mondscheibe von donnernden Wolken verhüllt, mit von frischem Wasser benetztem, schönem Gras, von sehnsuchtsvollen Wanderersfrauen, deren Seufzer gleichsam wie Rauch aufstiegen, ehrfürchtig betrachtet -

Wort für Wort
garjatpayodasthagitendubimbā
ihre Mondscheibe von donnernden Wolken verhüllt
navāmbusiktodakacārudūrvā
mit von frischem Wasser benetztem, schönem Gras
nirīkṣitā sādaram utsukābhiḥ
ehrfürchtig betrachtet von sehnsuchtsvollen
niśvāsadhūmram pathikāṅganābhiḥ
von Wanderersfrauen, deren Seufzer wie Rauch (aufstiegen)

haṃsanūpuraśabdāḍhyā samunnatapayodharā / caladvidyullatāhārā spaṣṭapadmavilocanā //

- reich am Klang der Schwanenfußspangen, mit hocherhabenen Wolken-Brüsten, mit einer Kette aus zuckenden Blitz-Lianen, mit deutlichen Lotusaugen,

Wort für Wort
haṃsanūpuraśabdāḍhyā
reich am Klang der Schwanenfußspangen
samunnatapayodharā
mit hocherhabenen Wolken-Brüsten
caladvidyullatāhārā
mit einer Kette aus zuckenden Blitz-Lianen
spaṣṭapadmavilocanā
mit deutlichen Lotusaugen

asitajaladadhīradhvānavitrastahaṃsā / vimalasaliladhārotpātanamrotpalāgrā / surabhikusumareṇukḹptasarvāṅgaśobhā / giriduhitṛvivāhe prāvṛḍ āvirbabhūva //

- ihre Schwäne erschreckt vom tiefen Donnergrollen der dunklen Wolken, mit von reinen Wasserstrahlen niedergebeugten Lotusspitzen, an allen Gliedern geschmückt mit dem Blütenstaub duftender Blumen - bei der Vermählung der Bergtochter erschien die Regenzeit.

Wort für Wort
asitajaladadhīradhvānavitrastahaṃsā
ihre Schwäne erschreckt vom tiefen Donnergrollen der dunklen Wolken
vimalasaliladhārotpātanamrotpalāgrā
mit von reinen Wasserstrahlen niedergebeugten Lotusspitzen
surabhikusumareṇukḹptasarvāṅgaśobhā
an allen Gliedern geschmückt mit dem Blütenstaub duftender Blumen
giriduhitṛvivāhe prāvṛṭ āvirbabhūva
bei der Vermählung der Bergtochter erschien die Regenzeit

[Anm.: Abschluss des langen Satzes V.73-79 mit Hauptverb 'āvirbabhūva' ('erschien') und Subjekt 'prāvṛḍ' ('die Regenzeit'); Kāvya-Personifikation der Jahreszeit als schöne Frau.]

meghakañcukanirmuktā padmakośodbhavastanī / haṃsanūpuranihrādā sarvasasyadigantarā //

Vom Wolkengewand befreit, mit aus Lotuskelchen entstandenen Brüsten, mit dem Klang von Schwanenfußspangen widerhallend, mit Feldfrüchten bis zum Horizont überall - (so kam der Herbst).

Wort für Wort
meghakañcukanirmuktā
vom Wolkengewand befreit
padmakośodbhavastanī
mit aus Lotuskelchen entstandenen Brüsten
haṃsanūpuranihrādā
mit dem Klang von Schwanenfußspangen widerhallend
sarvasasyadigantarā
mit Feldfrüchten bis zum Horizont überall

[Anm.: Beginn der Personifikation des Herbstes (Śarat), V.80-88.]

vistīrṇapulinaśroṇī kūjatsārasamekhalā / praphullendīvaraśyāma-vilocanamanoharā //

- mit weiten Sandbank-Hüften, mit einem aus rufenden Kranichen bestehenden Gürtel, mit bezaubernden, dunklen, wie aufgeblühte blaue Lotusblumen glänzenden Augen -

Wort für Wort
vistīrṇapulinaśroṇī
mit weiten Sandbank-Hüften
kūjatsārasamekhalā
mit einem aus rufenden Kranichen bestehenden Gürtel
praphullendīvaraśyāmavilocanamanoharā
mit bezaubernden, dunklen, wie aufgeblühte blaue Lotusblumen glänzenden Augen

pakvabimbādharapuṭā kundadantaprahāsinī / navaśyāmalatāśyāma-romarājipuraskṛtā //

- mit Lippen wie reife Bimba-Früchte, mit einem Lächeln von Jasmin-weißen Zähnen, mit einer Haarlinie dunkel wie frische dunkle Lianen -

Wort für Wort
pakvabimbādharapuṭā
mit Lippen wie reife Bimba-Früchte
kundadantaprahāsinī
mit einem Lächeln von Jasmin-weißen Zähnen
navaśyāmalatāśyāmaromarājipuraskṛtā
mit einer Haarlinie dunkel wie frische dunkle Lianen

candrāṃśuhāravargeṇa kaṇṭhorasthalagāminā / prahlādayantī cetāṃsi sarveṣāṃ tridivaukasām //

- mit einer bis zu Hals und Brust reichenden Kette aus Mondstrahlen, die Herzen aller Himmelsbewohner erfreuend -

Wort für Wort
candrāṃśuhāravargeṇa kaṇṭhorasthalagāminā
mit einer bis zu Hals und Brust reichenden Kette aus Mondstrahlen
prahlādayantī cetāṃsi sarveṣām tridivaukasām
die Herzen aller Himmelsbewohner erfreuend

samadālikulodgīta-madhurasvarabhāṣiṇī / calatkumudasaṃghāta-cārukuṇḍalaśobhinī //

- mit süßer Stimme sprechend wie von berauschten Bienenscharen gesungen, geschmückt mit schönen Ohrringen aus sich bewegenden Kumuda-Blütenmassen -

Wort für Wort
samadālikulodgītamadhurasvarabhāṣiṇī
mit süßer Stimme sprechend wie von berauschten Bienenscharen gesungen
calatkumudasaṃghātacārukuṇḍalaśobhinī
geschmückt mit schönen Ohrringen aus sich bewegenden Kumuda-Blütenmassen

raktāśokapraśākhottha-pallavāṅgulidhāriṇī / tatpuṣpasaṃcayamayair vāsobhiḥ samalaṃkṛtā //

- mit Fingern wie die aus den Zweigen des roten Aśoka-Baumes hervorgebrochenen Triebe, geschmückt mit Gewändern aus einer Ansammlung jener Blüten -

Wort für Wort
raktāśokapraśākhotthapallavāṅgulidhāriṇī
mit Fingern wie die aus den Zweigen des roten Aśoka-Baumes hervorgebrochenen Triebe
tatpuṣpasaṃcayamayaiḥ vāsobhiḥ samalaṃkṛtā
geschmückt mit Gewändern aus einer Ansammlung jener Blüten

raktotpalāgracaraṇā jātīpuṣpanakhāvalī / kadalīstambhavāmorūḥ śaśāṅkavadanā tathā //

- mit Füßen wie rote Lotusspitzen, mit Nägeln wie Jasminblüten, mit Schenkeln wie Bananenstämme, ebenso mit einem Antlitz wie der Mond -

Wort für Wort
raktotpalāgracaraṇā
mit Füßen wie rote Lotusspitzen
jātīpuṣpanakhāvalī
mit Nägeln wie Jasminblüten
kadalīstambhavāmorūḥ
mit Schenkeln wie Bananenstämme
śaśāṅkavadanā tathā
ebenso mit einem Antlitz wie der Mond

sarvalakṣaṇasaṃpannā sarvālaṃkārabhūṣitā / premṇā spṛśati kānteva sānurāgā manoramā //

- mit allen guten Merkmalen versehen, mit allem Schmuck geziert, liebevoll berührend wie eine Geliebte, voller Zuneigung, bezaubernd -

Wort für Wort
sarvalakṣaṇasaṃpannā
mit allen guten Merkmalen versehen
sarvālaṃkārabhūṣitā
mit allem Schmuck geziert
premṇā spṛśati kāntā iva
liebevoll berührend wie eine Geliebte
sānurāgā manoramā
voller Zuneigung, bezaubernd

nirmuktāsitameghakañcukapaṭā pūrṇendubimbānanā / nīlāmbhojavilocanā ravikaraprodbhinnapadmastanī / nānāpuṣparajaḥsugandhipavanaprahrādanī cetasāṃ / tatrāsīt kalahaṃsanūpuraravā devyā vivāhe śarat //

- vom dunklen Wolkengewand befreit, mit einem Antlitz wie die volle Mondscheibe, mit blauen Lotusaugen, mit von Sonnenstrahlen aufgesprungenen Lotus-Brüsten, die Herzen durch den Wind mit dem Duft vielerlei Blütenstaubs erfreuend, mit dem Klang von Gänse-Fußspangen - so war dort bei der Vermählung der Göttin der Herbst.

Wort für Wort
nirmuktāsitameghakañcukapaṭā
vom dunklen Wolkengewand befreit
pūrṇendubimbānanā
mit einem Antlitz wie die volle Mondscheibe
nīlāmbhojavilocanā
mit blauen Lotusaugen
ravikaraprodbhinnapadmastanī
mit von Sonnenstrahlen aufgesprungenen Lotus-Brüsten
nānāpuṣparajaḥsugandhipavanaprahrādanī cetasām
die Herzen durch den Wind mit dem Duft vielerlei Blütenstaubs erfreuend
tatra āsīt kalahaṃsanūpuraravā devyā vivāhe śarat
dort war, mit dem Klang von Gänse-Fußspangen, bei der Vermählung der Göttin, der Herbst

[Anm.: Abschlussvers der Herbst-Personifikation mit Subjekt 'śarat' ('Herbst') und Verb 'āsīt'.]

atyarthaśītalāmbhobhiḥ plāvayantau diśaḥ sadā / ṛtū hemantaśiśirau ājagmatur atidyutī //

Mit überaus kaltem Wasser stets die Himmelsrichtungen überflutend, kamen die beiden Jahreszeiten Hemanta und Śiśira, von großem Glanz.

Wort für Wort
atyarthaśītalāmbhobhiḥ
mit überaus kaltem Wasser
plāvayantau diśaḥ sadā
stets die Himmelsrichtungen überflutend
ṛtū hemantaśiśirau ājagmatuḥ atidyutī
kamen die beiden Jahreszeiten Hemanta und Śiśira, von großem Glanz

[Anm.: Beginn der Beschreibung von Winter/Frost (Hemanta/Śiśira), V.89-93.]

tābhyām ṛtubhyāṃ saṃprāpto himavān sa nagottamaḥ / prāleyacūrṇavarṣibhyāṃ kṣipraṃ raupyaharo babhau //

Von jenen beiden Jahreszeiten erreicht, die Schneepulver regnen ließen, erstrahlte jener beste Berg, der Himavat, schnell wie ein Silberträger.

Wort für Wort
tābhyām ṛtubhyām saṃpraptaḥ
von jenen beiden Jahreszeiten erreicht
himavān sa nagottamaḥ
jener beste Berg, der Himavat
prāleyacūrṇavarṣibhyām
die Schneepulver regnen ließen
kṣipram raupyaharaḥ babhau
erstrahlte schnell wie ein Silberträger

tena prāleyavarṣeṇa ghanenaiva himālayaḥ / agādhena tadā reje kṣīroda iva sāgaraḥ //

Durch jenen dichten Schneefall erstrahlte der Himālaya damals, unergründlich, wie der Milchmeer-Ozean.

Wort für Wort
tena prāleyavarṣeṇa ghanena eva
durch jenen dichten Schneefall
himālayaḥ agādhena tadā reje
erstrahlte der Himālaya damals, unergründlich
kṣīrodaḥ iva sāgaraḥ
wie der Milchmeer-Ozean

ṛtupāryayasaṃprāpto babhūva sa mahāgiriḥ / sādhūpacārāt sahasā kṛtārtha iva durjanaḥ //

Vom Jahreszeitenwechsel erreicht, wurde jener große Berg, plötzlich durch guten Umgang, wie ein zum Ziel gelangter Übeltäter.

Wort für Wort
ṛtupāryayasaṃpraptaḥ babhūva sa mahāgiriḥ
vom Jahreszeitenwechsel erreicht, wurde jener große Berg
sādhūpacārāt sahasā kṛtārthaḥ iva durjanaḥ [?]
plötzlich durch guten Umgang wie ein zum Ziel gelangter Übeltäter [?]

[?: Vergleich 'sādhūpacārāt ... kṛtārtha iva durjanaḥ' in seiner Pointe unklar; wörtlich übersetzt.]

prāleyapaṭalacchannaiḥ śṛṅgais tu śuśubhe nagaḥ / chattrair iva mahābhāgaiḥ pāṇḍaraiḥ pṛthivīpatiḥ //

Mit von Schneedecken verhüllten Gipfeln erstrahlte der Berg, wie ein Herrscher der Erde mit prächtigen, weißen Schirmen.

Wort für Wort
prāleyapaṭalacchannaiḥ śṛṅgaiḥ tu śuśubhe nagaḥ
mit von Schneedecken verhüllten Gipfeln erstrahlte der Berg
chattraiḥ iva mahābhāgaiḥ pāṇḍaraiḥ pṛthivīpatiḥ
wie ein Herrscher der Erde mit prächtigen, weißen Schirmen

manobhavodrekakarāḥ surāṇāṃ / surāṅganānāṃ ca muhuḥ samīrāḥ / svacchāmbupūrṇāś ca tathā nalinyaḥ / padmotpalānāṃ kusumair upetāḥ //

Die Winde, die bei den Göttern und Götterfrauen wiederholt Liebesverlangen erregten, und ebenso die mit klarem Wasser gefüllten, mit Lotus- und blauen Lotusblüten versehenen Teiche -

Wort für Wort
manobhavodrekakarāḥ surāṇām
die bei den Göttern Liebesverlangen erregenden
surāṅganānām ca muhuḥ samīrāḥ
und bei den Götterfrauen wiederholt, die Winde
svacchāmbupūrṇāḥ ca tathā nalinyaḥ
und ebenso die mit klarem Wasser gefüllten Teiche
padmotpalānām kusumaiḥ upetāḥ
mit Lotus- und blauen Lotusblüten versehen

vivāhe gurukanyāyā vasantaḥ samagād ṛtuḥ //*

- bei der Vermählung der Tochter des Berges kam der Frühling als Jahreszeit hinzu.

Wort für Wort
vivāhe gurukanyāyāḥ
bei der Vermählung der Tochter des Berges
vasantaḥ samagāt ṛtuḥ
kam der Frühling als Jahreszeit hinzu

[Anm.: Im Original einzeiliger Halbvers, durch Asterisk gekennzeichnet; Beginn der Frühlings-Beschreibung (Vasanta), V.95-124.]

īṣatsamudbhinnapayodharāgrā / nāryo yathā ramyatarā babhūvuḥ / nātyuṣṇaśītāni payaḥsarāṃsi / kiñjalkacūrṇaiḥ kapilīkṛtāni / cakrāhvayugmair upanāditāni / yayuḥ prahṛṣṭāḥ suradantimukhyāḥ //

Wie Frauen mit leicht aufgesprungenen Brustspitzen wurden die Gewässer noch bezaubernder; die weder zu heißen noch zu kalten Wasserflächen, durch Blütenstaub bräunlich gefärbt, vom Ruf der Cakravāka-Paare widerhallend - dorthin gingen freudig die vorzüglichsten Elefanten der Götter.

Wort für Wort
īṣatsamudbhinnapayodharāgrā nāryaḥ yathā
wie Frauen mit leicht aufgesprungenen Brustspitzen
ramyatarāḥ babhūvuḥ
wurden (die Gewässer) noch bezaubernder
na atyuṣṇaśītāni payaḥsarāṃsi
die weder zu heißen noch zu kalten Wasserflächen
kiñjalkacūrṇaiḥ kapilīkṛtāni
durch Blütenstaub bräunlich gefärbt
cakrāhvayugmaiḥ upanāditāni
vom Ruf der Cakravāka-Paare widerhallend
yayuḥ prahṛṣṭāḥ suradantimukhyāḥ
dorthin gingen freudig die vorzüglichsten Elefanten der Götter

[Anm.: Sechszeiliger Vers (Pāda a-f) unter einer Nummer - ungewöhnlich auch innerhalb der lettered-Verse; Syntax verdichtet, sinngemäß rekonstruiert.]

priyaṅgūś cūtataravaś cūtāṃś cāpi priyaṅgavaḥ / tarjayanta ivānyonyaṃ mañjarībhiś cakāśire //

Die Priyaṅgu-Sträucher und Mangobäume, und auch die Mangobäume die Priyaṅgu-Sträucher, wie einander mit ihren Blütenrispen drohend, erstrahlten.

Wort für Wort
priyaṅgūḥ cūtataravaḥ
die Priyaṅgu-Sträucher (und) die Mangobäume
cūtān ca api priyaṅgavaḥ
und auch die Priyaṅgu (drohten) den Mangobäumen
tarjayantaḥ iva anyonyam mañjarībhiḥ cakāśire
wie einander mit ihren Blütenrispen drohend, erstrahlten sie

himaśṛṅgeṣu śukleṣu tilakāḥ kusumotkarāḥ / śuśubhuḥ kāryam uddiśya vṛddhā iva samāgatāḥ //

Auf den weißen Schneegipfeln erstrahlten die blühenden Tilaka-Bäume in Blütenfülle wie herbeigekommene Alte, die auf eine bevorstehende Aufgabe hindeuten.

Wort für Wort
himaśṛṅgeṣu śukleṣu
auf den weißen Schneegipfeln
tilakāḥ kusumotkarāḥ śuśubhuḥ
erstrahlten die Tilaka-Bäume in Blütenfülle
kāryam uddiśya vṛddhāḥ iva samāgatāḥ [?]
wie herbeigekommene Alte, die auf eine Aufgabe hindeuten [?]

[?: Vergleich 'vṛddhā iva samāgatāḥ' in seiner Pointe unklar; wörtlich übersetzt.]

phullāśokalatās tatra rejire śālasaṃśritāḥ / kāminya iva kāntānāṃ kaṇṭhālambitabāhavaḥ //

Die aufgeblühten Aśoka-Ranken, sich an Śāla-Bäume schmiegend, erstrahlten dort wie liebende Frauen, deren Arme am Hals ihrer Geliebten hängen.

Wort für Wort
phullāśokalatāḥ tatra rejire śālasaṃśritāḥ
die aufgeblühten, an Śāla-Bäume geschmiegten Aśoka-Ranken erstrahlten dort
kāminyaḥ iva kāntānām kaṇṭhālambitabāhavaḥ
wie liebende Frauen, deren Arme am Hals ihrer Geliebten hängen

tasminn ṛtau śubhrakadambanīpās / tālāḥ stamālāḥ saralāḥ kapitthāḥ //

In jener Jahreszeit erstrahlten die weißblühenden Kadamba- und Nīpa-Bäume, die Palmen, Tamāla-, Kiefern- und Kapittha-Bäume,

Wort für Wort
tasmin ṛtau śubhrakadambanīpāḥ
in jener Jahreszeit die weißblühenden Kadamba- und Nīpa-Bäume
tālāḥ stamālāḥ saralāḥ kapitthāḥ
die Palmen, Tamāla-, Kiefern- und Kapittha-Bäume

[Anm.: Es folgt ein poetischer Baumkatalog, V.100-101.]

aśokasarjārjunakovidārāḥ / puṃnāganāgeśvarakarṇikārāḥ / lavaṅgatālāgurusaptaparṇā / nyagrodhaśobhāñjananārikelāḥ //

- die Aśoka-, Sarja-, Arjuna- und Kovidāra-Bäume, die Puṃnāga-, Nāgeśvara- und Karṇikāra-Bäume, die Gewürznelken-, Palm-, Aloeholz- und Saptaparṇa-Bäume, die Banyan-, Meerrettichbaum- und Kokospalmen -

Wort für Wort
aśokasarjārjunakovidārāḥ
die Aśoka-, Sarja-, Arjuna- und Kovidāra-Bäume
puṃnāganāgeśvarakarṇikārāḥ
die Puṃnāga-, Nāgeśvara- und Karṇikāra-Bäume
lavaṅgatālāgurusaptaparṇāḥ
die Gewürznelken-, Palm-, Aloeholz- und Saptaparṇa-Bäume
nyagrodhaśobhāñjananārikelāḥ
die Banyan-, Meerrettichbaum- und Kokospalmen

vṛkṣās tathānye phalapuṣpavanto / dṛśyā babhūvuḥ sumanoharāṅgāḥ / jalāśayāś caiva suvarṇatoyāś / cakrāṅgakāraṇḍavahaṃsajuṣṭāḥ //

- und andere Bäume, reich an Früchten und Blüten, wurden sichtbar, von überaus bezaubernder Gestalt; und die Gewässer, mit goldfarbenem Wasser, von Cakravāka-, Kāraṇḍava- und Schwanen-Vögeln besucht,

Wort für Wort
vṛkṣāḥ tathā anye phalapuṣpavantaḥ
und andere Bäume, reich an Früchten und Blüten
dṛśyāḥ babhūvuḥ sumanoharāṅgāḥ
wurden sichtbar, von überaus bezaubernder Gestalt
jalāśayāḥ ca eva suvarṇatoyāḥ
und die Gewässer, mit goldfarbenem Wasser
cakrāṅgakāraṇḍavahaṃsajuṣṭāḥ
von Cakravāka-, Kāraṇḍava- und Schwanen-Vögeln besucht

koyaṣṭidātyūhabalākayuktā / dṛśyās tu padmotpalamīnapūrṇāḥ / khagāś ca nānāvidhabhūṣitāṅgā / dṛśyās tu vṛkṣeṣu sucitrapakṣāḥ //

- mit Koyaṣṭi-, Dātyūha-Vögeln und Kranichen versehen, sichtbar, voll von Lotus, blauem Lotus und Fischen; und die Vögel, an vielerlei Weise geschmückten Gliedern, sichtbar auf den Bäumen, mit bunten Flügeln -

Wort für Wort
koyaṣṭidātyūhabalākayuktā
mit Koyaṣṭi-, Dātyūha-Vögeln und Kranichen versehen
dṛśyāḥ tu padmotpalamīnapūrṇāḥ
sichtbar, voll von Lotus, blauem Lotus und Fischen
khagāḥ ca nānāvidhabhūṣitāṅgāḥ
und die Vögel, an vielerlei Weise geschmückten Gliedern
dṛśyāḥ tu vṛkṣeṣu sucitrapakṣāḥ
sichtbar auf den Bäumen, mit bunten Flügeln

krīḍāsu yuktān atha tarjayantaḥ / kurvanti śabdaṃ madaneritāṅgāḥ / tasmin girāv adrisutāvivāhe / vavuś ca vātāḥ sukhaśītalāṅgāḥ //

- beim Spiel vereint, einander gleichsam drohend, gaben sie, von Liebesverlangen bewegten Gliedern, Laute von sich; auf jenem Berg, bei der Vermählung der Bergtochter, wehten die Winde mit angenehm-kühlen Gliedern.

Wort für Wort
krīḍāsu yuktān atha tarjayantaḥ
beim Spiel vereint, einander drohend
kurvanti śabdam madaneritāṅgāḥ
gaben sie, von Liebesverlangen bewegten Gliedern, Laute von sich
tasmin girau adrisutāvivāhe
auf jenem Berg, bei der Vermählung der Bergtochter
vavuḥ ca vātāḥ sukhaśītalāṅgāḥ
wehten die Winde mit angenehm-kühlen Gliedern

puṣpāṇi śubhrāṇy api pātayantaḥ / śanair nagebhyo malayādrijātāḥ / tathaiva sarve ṛtavaś ca puṇyāś / cakāśire 'nyonyavimiśritāṅgāḥ //

- weiße Blüten sanft von den Bäumen herabfallen lassend, vom Malaya-Berg entstammend; ebenso erstrahlten alle heiligen Jahreszeiten, mit einander vermischten Gliedern.

Wort für Wort
puṣpāṇi śubhrāṇi api pātayantaḥ
weiße Blüten herabfallen lassend
śanaiḥ nagebhyaḥ malayādrijātāḥ
sanft von den Bäumen, vom Malaya-Berg entstammend
tathā eva sarve ṛtavaḥ ca puṇyāḥ
ebenso alle heiligen Jahreszeiten
cakāśire anyonyavimiśritāṅgāḥ
erstrahlten mit einander vermischten Gliedern

[Anm.: Ende der ausführlichen Frühlings- und Gesamtjahreszeiten-Beschreibung.]

yeṣāṃ suliṅgāni ca kīrtitāni / te tatra āsan sumanojñarūpāḥ //

Sie, deren gute Merkmale soeben genannt wurden, waren dort von überaus lieblicher Gestalt.

Wort für Wort
yeṣām suliṅgāni ca kīrtitāni
sie, deren gute Merkmale genannt wurden
te tatra āsan sumanojñarūpāḥ
waren dort von überaus lieblicher Gestalt

[Anm.: Im Original nur zweizeiliger (lettered a-b) Halbvers.]

samadālikulodgīta-śilākusumasaṃcayaiḥ / parasparaṃ hi mālatyo bhāvayantyo virejire //

Durch die von berauschten Bienenscharen besungenen Ansammlungen von Śilā-Blüten erstrahlten die Mālatī-Blütenranken, einander gleichsam zueinander neigend.

Wort für Wort
samadālikulodgītaśilākusumasaṃcayaiḥ [?]
durch die von berauschten Bienenscharen besungenen Ansammlungen von Śilā-Blüten [?]
parasparam hi mālatyaḥ bhāvayantyaḥ virejire
erstrahlten die Mālatī-Ranken, einander gleichsam zueinander neigend

[?: 'śilākusuma' unklarer Pflanzenname; wörtlich transliteriert.]

nīlāni nīlāmburuhaiḥ payāṃsi / gaurāṇi gauraiś ca mṛṇāladaṇḍaiḥ / raktaiś ca raktāni bhṛśaṃ kṛtāni / mattadvirephāvalijuṣṭapattraiḥ //

Die Gewässer, blau durch blaue Lotusblumen, weiß durch weiße Lotus-Stängel, und durch rote Lotusblumen intensiv rot gefärbt, mit von Scharen berauschter Bienen besuchten Blättern -

Wort für Wort
nīlāni nīlāmburuhaiḥ payāṃsi
die Gewässer, blau durch blaue Lotusblumen
gaurāṇi gauraiḥ ca mṛṇāladaṇḍaiḥ
weiß durch weiße Lotus-Stängel
raktaiḥ ca raktāni bhṛśam kṛtāni
und durch rote (Lotusblumen) intensiv rot gefärbt
mattadvirephāvalijuṣṭapattraiḥ
mit von Scharen berauschter Bienen besuchten Blättern

haimāni vistīrṇajaleṣu keṣucin / nirantaraṃ cārutarāṇi keṣucit / vaidūryanālāni saraḥsu keṣucit / prajajñire padmavanāni sarvataḥ //

- in manchen weiten Gewässern goldfarben, in manchen ununterbrochen überaus schön, in manchen Seen mit Lapislazuli-Stängeln - überall entstanden die Lotusfelder.

Wort für Wort
haimāni vistīrṇajaleṣu keṣucit
in manchen weiten Gewässern goldfarben
nirantaram cārutarāṇi keṣucit
in manchen ununterbrochen überaus schön
vaidūryanālāni saraḥsu keṣucit
in manchen Seen mit Lapislazuli-Stängeln
prajajñire padmavanāni sarvataḥ
überall entstanden die Lotusfelder

vāpyas tatrābhavan ramyāḥ kamalotpalapuṣpitāḥ / nānāvihaṃgasaṃjuṣṭā haimasopānapaṅktayaḥ //

Dort gab es liebliche Teiche, blühend mit Lotus und blauem Lotus, von vielerlei Vögeln besucht, mit Reihen goldener Treppenstufen.

Wort für Wort
vāpyaḥ tatra abhavan ramyāḥ
dort gab es liebliche Teiche
kamalotpalapuṣpitāḥ
blühend mit Lotus und blauem Lotus
nānāvihaṃgasaṃjuṣṭāḥ
von vielerlei Vögeln besucht
haimasopānapaṅktayaḥ
mit Reihen goldener Treppenstufen

śṛṅgāṇi tasya tu gireḥ karṇikāraiḥ supuṣpitaiḥ / samucchritāny aviralair hemānīva babhur dvijāḥ //

Die Gipfel jenes Berges, mit dicht wohlblühenden Karṇikāra-Bäumen erhöht, erglänzten wie aus Gold, o Brahmanen.

Wort für Wort
śṛṅgāṇi tasya tu gireḥ
die Gipfel jenes Berges
karṇikāraiḥ supuṣpitaiḥ samucchritāni aviralaiḥ
mit dicht wohlblühenden Karṇikāra-Bäumen erhöht
hemāni iva babhuḥ dvijāḥ
erglänzten wie aus Gold, o Brahmanen

īṣadvibhinnakusumaiḥ pāṭalaiś cāpi pāṭalāḥ / saṃbabhūvur diśaḥ sarvāḥ pavanākampimūrtibhiḥ //

Mit leicht aufgesprungenen Pāṭala-Blüten wurden alle Himmelsrichtungen rötlich, deren Gestalten vom Wind bewegt wurden.

Wort für Wort
īṣadvibhinnakusumaiḥ pāṭalaiḥ ca api
mit leicht aufgesprungenen Pāṭala-Blüten
pāṭalāḥ saṃbabhūvuḥ diśaḥ sarvāḥ
wurden alle Himmelsrichtungen rötlich
pavanākampimūrtibhiḥ
deren Gestalten vom Wind bewegt wurden

kṛṣṇārjunā daśaguṇā nīlāśokamahīruhāḥ / girau vavṛdhire phullāḥ spardhayantaḥ parasparam //

Die Kṛṣṇārjuna-, Daśaguṇa- und blauen Aśoka-Bäume wuchsen auf dem Berg blühend, miteinander wetteifernd.

Wort für Wort
kṛṣṇārjunāḥ daśaguṇāḥ nīlāśokamahīruhāḥ
die Kṛṣṇārjuna-, Daśaguṇa- und blauen Aśoka-Bäume
girau vavṛdhire phullāḥ
wuchsen auf dem Berg blühend
spardhayantaḥ parasparam
miteinander wetteifernd

cārurāvavijuṣṭāni kiṃśukānāṃ vanāni ca / parvatasya nitambeṣu sarveṣu ca virejire //

Und die von schönem Vogelgesang besuchten Kiṃśuka-Wälder erstrahlten an allen Hängen des Berges.

Wort für Wort
cārurāvavijuṣṭāni kiṃśukānām vanāni ca
und die von schönem Vogelgesang besuchten Kiṃśuka-Wälder
parvatasya nitambeṣu sarveṣu ca virejire
erstrahlten an allen Hängen des Berges

tamālagulmais tasyāsīc chobhā himavatas tadā / nīlajīmūtasaṃghātair nilīnair iva saṃdhiṣu //

Durch die Tamāla-Büsche entstand damals die Pracht des Himavat, wie durch dunkle Wolkenmassen, die sich in den Bergspalten verbergen.

Wort für Wort
tamālagulmaiḥ tasya āsīt śobhā himavataḥ tadā
durch die Tamāla-Büsche entstand damals die Pracht des Himavat
nīlajīmūtasaṃghātaiḥ nilīnaiḥ iva saṃdhiṣu
wie durch dunkle Wolkenmassen, die sich in den Spalten verbergen

nikāmapuṣpaiḥ suviśālaśākhaiḥ / samucchritaiś candanacampakaiś ca / pramattapuṃskokilasaṃpralāpair / himācalo 'tīva tadā rarāja //

Mit reichlich blühenden, weitästigen, hoch aufragenden Sandel- und Campaka-Bäumen, mit dem Geschwätz berauschter männlicher Kokilas erstrahlte der Schneeberg damals überaus.

Wort für Wort
nikāmapuṣpaiḥ suviśālaśākhaiḥ
mit reichlich blühenden, weitästigen
samucchritaiḥ candanacampakaiḥ ca
mit hoch aufragenden Sandel- und Campaka-Bäumen
pramattapuṃskokilasaṃpralāpaiḥ
mit dem Geschwätz berauschter männlicher Kokilas
himācalaḥ atīva tadā rarāja
erstrahlte der Schneeberg damals überaus

śrutvā śabdaṃ mṛdumadakalaṃ sarvataḥ kokilānāṃ / cañcatpakṣāḥ samadhurataraṃ nīlakaṇṭhā vineduḥ / teṣāṃ śabdair upacitabalaḥ puṣpacāpeṣuhastaḥ / sajjībhūtas tridaśavanitā veddhum aṅgeṣv anaṅgaḥ //

Als sie überall den sanft-berauschten, süßen Laut der Kokilas gehört hatten, ließen die Pfauen, mit zuckenden Flügeln, einen noch süßeren Laut erschallen; durch deren Laute an Kraft gestärkt, machte sich der Körperlose, den Blumenbogen und -pfeil in der Hand, bereit, die Glieder der Götterfrauen zu treffen.

Wort für Wort
śrutvā śabdam mṛdumadakalam sarvataḥ kokilānām
als sie überall den sanft-berauschten Laut der Kokilas gehört hatten
cañcatpakṣāḥ samadhurataram nīlakaṇṭhāḥ vineduḥ
ließen die Pfauen, mit zuckenden Flügeln, einen noch süßeren Laut erschallen
teṣām śabdaiḥ upacitabalaḥ puṣpacāpeṣuhastaḥ
durch deren Laute an Kraft gestärkt, den Blumenbogen und -pfeil in der Hand
sajjībhūtaḥ tridaśavanitāḥ veddhum aṅgeṣu anaṅgaḥ
machte sich der Körperlose (Kāma) bereit, die Glieder der Götterfrauen zu treffen

[Anm.: 'anaṅgaḥ' ('der Körperlose') ist ein Beiname des Liebesgottes Kāma.]

paṭuḥ sūryātapaś cāpi prāyaśo 'lpajalāśayaḥ / devīvivāhasamaye grīṣma āgād dhimācalam //

Mit scharfer Sonnenglut und meist geringem Wasservorrat kam zur Zeit der Vermählung der Göttin der Sommer zum Schneeberg.

Wort für Wort
paṭuḥ sūryātapaḥ ca api
mit scharfer Sonnenglut
prāyaśaḥ alpajalāśayaḥ
und meist geringem Wasservorrat
devīvivāhasamaye grīṣmaḥ āgāt himācalam
zur Zeit der Vermählung der Göttin kam der Sommer zum Schneeberg

[Anm.: Beginn der Sommer-Beschreibung (Grīṣma), V.118-123.]

sa cāpi tarubhis tatra bahubhiḥ kusumotkaraiḥ / śobhayām āsa śṛṅgāṇi prāleyādreḥ samantataḥ //

Auch er schmückte dort mit vielen blütenreichen Bäumen die Gipfel des Schneebergs ringsum.

Wort für Wort
saḥ ca api tarubhiḥ tatra bahubhiḥ kusumotkaraiḥ
auch er, mit vielen dort blütenreichen Bäumen
śobhayām āsa śṛṅgāṇi prāleyādreḥ samantataḥ
schmückte die Gipfel des Schneebergs ringsum

tathāpi ca girau tatra vāyavaḥ sumanoharāḥ / vavuḥ pāṭalavistīrṇa-kadambārjunagandhinaḥ //

Und dennoch wehten dort auf dem Berg überaus bezaubernde Winde, duftend nach weit verbreiteten Pāṭala-, Kadamba- und Arjuna-Blüten.

Wort für Wort
tathāpi ca girau tatra vāyavaḥ sumanoharāḥ
und dennoch dort auf dem Berg überaus bezaubernde Winde
vavuḥ pāṭalavistīrṇakadambārjunagandhinaḥ
wehten, duftend nach weit verbreiteten Pāṭala-, Kadamba- und Arjuna-Blüten

vāpyaḥ praphullapadmaugha-kesarāruṇamūrtayaḥ / abhavaṃs taṭasaṃghuṣṭa-phalahaṃsakadambakāḥ //

Die Teiche, von rötlicher Gestalt durch die Staubfäden der aufgeblühten Lotusmassen, wurden belebt von an den Ufern lärmenden Scharen von Vögeln.

Wort für Wort
vāpyaḥ praphullapadmaughakesarāruṇamūrtayaḥ
die Teiche, von rötlicher Gestalt durch die Staubfäden der aufgeblühten Lotusmassen
abhavan taṭasaṃghuṣṭaphalahaṃsakadambakāḥ [?]
wurden belebt von an den Ufern lärmenden Scharen [?]

[?: 'phalahaṃsakadambakāḥ' ('Scharen von Früchten und Gänsen') wörtlich unklar; sinngemäß als lärmende Vogelscharen an den Ufern gedeutet.]

tathā kurabakāś cāpi kusumāpāṇḍumūrtayaḥ / sarveṣu nagaśṛṅgeṣu bhramarāvalisevitāḥ //

Ebenso wurden auch die Kurabaka-Sträucher, von blassgelber Blütengestalt, auf allen Berggipfeln von Bienenreihen besucht.

Wort für Wort
tathā kurabakāḥ ca api kusumāpāṇḍumūrtayaḥ
ebenso auch die Kurabaka-Sträucher, von blassgelber Blütengestalt
sarveṣu nagaśṛṅgeṣu bhramarāvalisevitāḥ
auf allen Berggipfeln von Bienenreihen besucht

bakulāś ca nitambeṣu viśāleṣu mahībhṛtaḥ / utsasarja manojñāni kusumāni samantataḥ //

Und die Bakula-Bäume an den weiten Berghängen verstreuten ringsum bezaubernde Blüten.

Wort für Wort
bakulāḥ ca nitambeṣu viśāleṣu mahībhṛtaḥ
und die Bakula-Bäume an den weiten Berghängen
utsasarja manojñāni kusumāni samantataḥ
verstreuten ringsum bezaubernde Blüten

iti kusumavicitrasarvavṛkṣā / vividhavihaṃgamanādaramyadeśāḥ / himagiritanayāvivāhabhūtyai / ṣaḍ upayayur ṛtavo munipravīrāḥ //

So kamen, mit bunten Blüten an allen Bäumen, mit lieblichen, vom Laut vielerlei Vögel erfüllten Orten, zum Wohl der Vermählung der Schneeberg-Tochter die sechs Jahreszeiten herbei, o beste der Weisen.

Wort für Wort
iti kusumavicitrasarvavṛkṣāḥ
so, mit bunten Blüten an allen Bäumen
vividhavihaṃgamanādaramyadeśāḥ
mit lieblichen, vom Laut vielerlei Vögel erfüllten Orten
himagiritanayāvivāhabhūtyai
zum Wohl der Vermählung der Schneeberg-Tochter
ṣaṭ upayayuḥ ṛtavaḥ munipravīrāḥ
kamen die sechs Jahreszeiten herbei, o beste der Weisen

[Anm.: Abschluss der gesamten sechsteiligen Jahreszeiten-Beschreibung V.70-124.]

{brahmovāca:} tata evaṃ pravṛtte tu sarvabhūtasamāgame / nānāvādyasamākīrṇe ahaṃ tatra dvijātayaḥ //

Brahmā sprach: Als so die Versammlung aller Wesen zustande gekommen war, erfüllt von vielerlei Musikinstrumenten, dort, o Zweifachgeborene, ich -

Wort für Wort
tataḥ evam pravṛtte tu sarvabhūtasamāgame
als so die Versammlung aller Wesen zustande gekommen war
nānāvādyasamākīrṇe
erfüllt von vielerlei Musikinstrumenten
aham tatra dvijātayaḥ
dort, o Zweifachgeborene, ich

śailaputrīm alaṃkṛtya yogyābharaṇasaṃpadā / puraṃ praveśitavāṃs tāṃ svayam ādāya bho dvijāḥ //

- schmückte die Bergtochter mit dem Reichtum passenden Schmuckes und führte sie, sie selbst geleitend, in die Stadt, o Brahmanen.

Wort für Wort
śailaputrīm alaṃkṛtya yogyābharaṇasaṃpadā
die Bergtochter mit dem Reichtum passenden Schmuckes schmückend
puram praveśitavān tām
führte ich sie in die Stadt
svayam ādāya bho dvijāḥ
selbst geleitend, o Brahmanen

tatas tu punar eveśam ahaṃ caivoktavān vibhum / havir juhomi vahnau te upādhyāyapade sthitaḥ //

Darauf sprach ich wiederum zum Herrn: 'Ich opfere die Opfergabe ins Feuer für dich, im Amt des Lehrpriesters stehend,

Wort für Wort
tataḥ tu punaḥ eva īśam aham ca uktavān vibhum
darauf sprach ich wiederum zum Herrn
haviḥ juhomi vahnau te
ich opfere die Opfergabe ins Feuer für dich
upādhyāyapade sthitaḥ
im Amt des Lehrpriesters stehend

dadāsi mahyaṃ yady ājñāṃ kartavyo 'yaṃ kriyāvidhiḥ / mām āha śaṃkaraś caivaṃ devadevo jagatpatiḥ //

- wenn du mir die Erlaubnis gibst, ist dieser Ritualvollzug zu vollziehen.' So sprach Śaṃkara, der Gott der Götter, der Herr der Welt, zu mir:

Wort für Wort
dadāsi mahyam yadi ājñām
wenn du mir die Erlaubnis gibst
kartavyaḥ ayam kriyāvidhiḥ
ist dieser Ritualvollzug zu vollziehen
mām āha śaṃkaraḥ ca evam devadevaḥ jagatpatiḥ
so sprach Śaṃkara, der Gott der Götter, der Herr der Welt, zu mir

{śiva uvāca:} yad uddiṣṭaṃ sureśāna tat kuruṣva yathepsitam / kartāsmi vacanaṃ sarvaṃ brahmaṃs tava jagadvibho //

Śiva sprach: Was du bestimmt hast, o Herr der Götter, das tu, wie es dir beliebt; ich werde all dein Wort erfüllen, o Brahman, Herr der Welt.

Wort für Wort
yat uddiṣṭam sureśāna
was du bestimmt hast, o Herr der Götter
tat kuruṣva yathā īpsitam
das tu, wie es beliebt
kartā asmi vacanam sarvam
ich werde all das Wort erfüllen
brahman tava jagadvibho
o Brahman, Herr der Welt

{brahmovāca:} tataś cāhaṃ prahṛṣṭātmā kuśān ādāya satvaram / hastaṃ devasya devyāś ca yogabandhena yuktavān //

Brahmā sprach: Darauf verband ich, freudigen Herzens, schnell Kuśa-Gras ergreifend, die Hand des Gottes und der Göttin mit einem Yoga-Band.

Wort für Wort
tataḥ ca aham prahṛṣṭātmā
darauf ich, freudigen Herzens
kuśān ādāya satvaram
schnell Kuśa-Gras ergreifend
hastam devasya devyāḥ ca
die Hand des Gottes und der Göttin
yogabandhena yuktavān
verband ich mit einem Yoga-Band

jvalanaś ca svayaṃ tatra kṛtāñjalipuṭaḥ sthitaḥ / śrutigītair mahāmantrair mūrtimadbhir upasthitaiḥ //

Und Agni selbst stand dort mit gefalteten Händen, während die großen, im Śruti gesungenen Mantras, gleichsam verkörpert, gegenwärtig waren.

Wort für Wort
jvalanaḥ ca svayam tatra kṛtāñjalipuṭaḥ sthitaḥ
und Agni selbst stand dort mit gefalteten Händen
śrutigītaiḥ mahāmantraiḥ mūrtimadbhiḥ upasthitaiḥ
während die großen, im Śruti gesungenen Mantras, verkörpert, gegenwärtig waren

yathoktavidhinā hutvā sarpis tad amṛtaṃ haviḥ / tatas taṃ jvalanaṃ sarvaṃ kārayitvā pradakṣiṇam //

Nach vorgeschriebener Weise die Ghee-Opfergabe, jenes Amṛta, darbringend, ließ ich sie dann jenes Feuer ganz umschreiten,

Wort für Wort
yathoktavidhinā hutvā sarpiḥ tat amṛtam haviḥ
nach vorgeschriebener Weise die Ghee-Opfergabe, jenes Amṛta, darbringend
tataḥ tam jvalanam sarvam kārayitvā pradakṣiṇam
ließ ich sie dann jenes Feuer ganz umschreiten

muktvā hastasamāyogaṃ sahitaḥ sarvadaivataiḥ / putraiś ca mānasaiḥ siddhaiḥ prahṛṣṭenāntarātmanā //

- und löste die Handverbindung, zusammen mit allen Göttern und den geistgeborenen, vollendeten Söhnen, mit freudeerfülltem inneren Selbst.

Wort für Wort
muktvā hastasamāyogam
die Handverbindung lösend
sahitaḥ sarvadaivataiḥ
zusammen mit allen Göttern
putraiḥ ca mānasaiḥ siddhaiḥ
und mit den geistgeborenen, vollendeten Söhnen
prahṛṣṭena antarātmanā
mit freudeerfülltem inneren Selbst

vṛtta udvāhakāle tu praṇamya ca vṛṣadhvajam / yogenaiva tayor viprās tad umāparameśayoḥ //

Als der Vermählungsritus vollzogen war, verneigte ich mich vor dem mit dem Stier im Banner; durch bloßen Yoga, o Brahmanen, jener beiden, Umā und des höchsten Herrn,

Wort für Wort
vṛtte udvāhakāle tu
als der Vermählungsritus vollzogen war
praṇamya ca vṛṣadhvajam
und mich vor dem mit dem Stier im Banner verneigend
yogena eva tayoḥ viprāḥ
durch bloßen Yoga jener beiden, o Brahmanen
tat umāparameśayoḥ
nämlich Umā und des höchsten Herrn

udvāhaḥ sa paro vṛtto yaṃ devā na viduḥ kvacit / iti vaḥ sarvam ākhyātaṃ svayaṃvaram idaṃ śubham / udvāhaś caiva devasya śṛṇudhvaṃ paramādbhutam //

- fand jene höchste Vermählung statt, die die Götter nirgends erkannten. So ist euch diese ganze schöne Selbstwahl erzählt worden; höret nun weiter von der höchst wunderbaren Vermählung des Gottes.

Wort für Wort
udvāhaḥ sa paraḥ vṛttaḥ
jene höchste Vermählung fand statt
yam devāḥ na viduḥ kvacit
die die Götter nirgends erkannten
iti vaḥ sarvam ākhyātam svayaṃvaram idam śubham
so ist euch diese ganze schöne Selbstwahl erzählt worden
udvāhaḥ ca eva devasya śṛṇudhvam paramādbhutam
und höret nun von der höchst wunderbaren Vermählung des Gottes

[Anm.: dreizeiliger Vers unter einer Nummer; letzte Zeile kündigt an, dass in Kap.37 noch weiter von der Vermählung berichtet wird - Kap.37 beginnt mit der Freude der Götter nach der Hochzeit.]

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