Kapitel 114: avighnatīrthamāhātmyavarṇanam
Die Größe des Avighna-Tīrtha (Gaṇeśa-Hymne und Beseitigung der Opfer-Hindernisse)
Brahmā erzählt: Ein Götteropfer (Sattra) am Nordufer der Gautamī kommt wegen Hindernissen nicht zum Abschluss; Brahmā erkennt in Meditation, dass Vināyaka (Gaṇeśa) diese Hindernisse verursacht, und rät den Göttern, ihn zu preisen. Es folgt eine ausführliche Gaṇeśa-Hymne (V.6-18) mit Anspielungen auf bekannte Kindheits- und Ätiologie-Erzählungen (das Verstecken des Mondes in Śivas Haar, die Herkunft des Namens Lambodara aus Eifersucht auf den Bruder Skanda, die Einsetzung als Gaṇeśvara durch Śiva, und die Erzählung, dass selbst Śiva vor der Tripura-Vernichtung ein Hindernis erlitt, bis er Gaṇeśa gebührend verehrte). Zufriedengestellt gewährt Gaṇeśa dem Opfer Hindernisfreiheit und verspricht allen, die diese Hymne mit Hingabe rezitieren oder dort baden und spenden, Freiheit von Armut und Leid sowie das Gelingen aller Unternehmungen. Ursprung des Avighna-Tīrtha. V.15 enthält eine in ihrem genauen Bezug ([?]) unsichere Wendung zur Bruder-Beziehung.
Brahmā sprach: 'Das Avighna-Tīrtha (Tīrtha ohne Hindernis) wurde genannt, das alle Hindernisse vernichtet. Auch dazu werde ich das Geschehene erzählen – höre, Nārada, mit Hingabe.'
Die Götter sprachen: 'Der bei allen Unternehmungen der Götter stets – selbst des Īśa (Śiva), Viṣṇu und des Lotusgeborenen (Brahmā) – verehrungswürdig, anbetungswürdig und zu bedenken ist, zu jenem Vighnarāja (Herr der Hindernisse) nehmen wir Zuflucht.'
Wort für Wort
yaḥ sarvakāryeṣu sadā surāṇām
der bei allen Unternehmungen der Götter stets
api īśaviṣṇvambujasaṃbhavānām
selbst des Īśa, Viṣṇu und des Lotusgeborenen
pūjyo namasyaḥ paricintanīyaḥ
verehrungswürdig, anbetungswürdig, zu bedenken
taṃ vighnarājaṃ śaraṇaṃ vrajāmaḥ
zu jenem Vighnarāja nehmen wir Zuflucht
[Anm.: Ab hier V.6-18 Gaṇeśa-Hymne in besonderem, padaweise gezähltem Hymnenmetrum.]
na vighnarājena samo 'sti kaścid BrP_114.7a
devo manovāñchitasaṃpradātā BrP_114.7b
niścitya caitat tripurāntako 'pi BrP_114.7c
taṃ pūjayām āsa vadhe purāṇām BrP_114.7d
'Keiner ist dem Vighnarāja gleich, kein Gott, der die Herzenswünsche gewährt; dies erkennend, verehrte sogar der Tripura-Vernichter (Śiva) ihn bei der Tötung der (Dämonen-)Burgen.'
'Er, der Sohn der Ambikā (Āmbikeya, Gaṇeśa), möge rasch dieses unser großes Opfer ohne Hindernis machen, durch dessen bloßes Gedenken die Herzenswünsche aller verkörperten Wesen erfüllt werden.'
Wort für Wort
karotu so 'smākam avighnam asmin mahākratau satvaram āmbikeyaḥ
der Sohn der Ambikā möge rasch dieses unser großes Opfer ohne Hindernis machen
mahotsavo 'bhūd akhilasya devyā BrP_114.9a
jātaḥ sutaś cintitamātra eva BrP_114.9b
ato 'vadan surasaṃghāḥ kṛtārthāḥ BrP_114.9c
sadyojātaṃ vighnarājaṃ namantaḥ BrP_114.9d
'Ein großes Freudenfest entstand für die ganze (Welt): der Göttin (Pārvatī) Sohn wurde geboren, allein durch Gedanken (erschaffen); deshalb sprachen die Götterscharen, ihr Ziel erreicht habend, indem sie den soeben geborenen Vighnarāja verehrten.'
Wort für Wort
mahotsavo 'bhūd akhilasya devyā
ein großes Freudenfest entstand für die ganze (Welt) der Göttin (wegen)
jātaḥ sutaś cintitamātra eva
der Sohn wurde geboren, allein durch Gedanken (erschaffen)
ato 'vadan surasaṃghāḥ kṛtārthāḥ
deshalb sprachen die Götterscharen, ihr Ziel erreicht habend
'Er, der, im Schoß der Mutter sitzend, obwohl von der Mutter zurückgehalten, dennoch mit Gewalt den Mond in den Haarsträhnen des Vaters (Śiva) verbarg – dies ist ein Spiel des Herrn der Gaṇas.'
Wort für Wort
yo mātur utsaṅgagato 'tha mātrā nivāryamāṇo 'pi balāc ca candram
der, im Schoß der Mutter, obwohl von ihr zurückgehalten, dennoch mit Gewalt den Mond
saṃgopayām āsa pitur jaṭāsu
in den Haarsträhnen des Vaters verbarg
gaṇādhināthasya vinoda eṣaḥ
dies ist ein Spiel des Herrn der Gaṇas
[Anm.: Anspielung auf eine Kindheitsepisode Gaṇeśas.]
'Er trank die Brust der Mutter, doch wurde, gesättigt, von Neid auf den Bruder getrübten Sinnes; (da sprach Śiva:) Werde du, Vighnarāja, Lambodara (Hängebauch)! So gab Śambhu ihm den Namen Lambodara.'
Wort für Wort
papau stanaṃ mātur athāpi tṛpto
er trank die Brust der Mutter, doch wurde gesättigt
yo bhrātṛmātsaryakaṣāyabuddhiḥ
der von Neid auf den Bruder getrübten Sinnes (war)
lambodaras tvaṃ bhava vighnarājo
'werde du, Vighnarāja, Lambodara'
lambodaraṃ nāma cakāra śaṃbhuḥ
so gab Śambhu ihm den Namen Lambodara
[Anm.: Ätiologie des Namens Lambodara; Anspielung auf Gaṇeśas Eifersucht auf seinen Bruder Skanda/Kārttikeya.]
'Umringt von den Götterscharen sprach Maheśa: Der Tanz möge beginnen; zufriedengestellt allein durch den Klang der Fußglöckchen (des Kindes), weihte er seinen Sohn zum Herrn der Gaṇas (Gaṇeśvara).'
yo vighnapāśaṃ ca kareṇa bibhrat BrP_114.13a
skandhe kuṭhāraṃ ca tathā pareṇa BrP_114.13b
apūjito vighnam atho 'pi mātuḥ BrP_114.13c
karoti ko vighnapateḥ samo 'nyaḥ BrP_114.13d
'Er, der in der einen Hand die Hindernis-Schlinge trägt, und ebenso auf der Schulter mit der anderen (Hand) die Axt – wenn er nicht verehrt wird, schafft er sogar der Mutter ein Hindernis; wer anderer ist dem Herrn der Hindernisse gleich?'
Wort für Wort
yo vighnapāśaṃ ca kareṇa bibhrat
der die Hindernis-Schlinge in der Hand trägt
skandhe kuṭhāraṃ ca tathā pareṇa
und ebenso auf der Schulter mit der anderen (Hand) die Axt
apūjito vighnam atho 'pi mātuḥ karoti
wenn er nicht verehrt wird, schafft er sogar der Mutter ein Hindernis
dharmārthakāmādiṣu pūrvapūjyo BrP_114.14a
devāsuraiḥ pūjyata eva nityam BrP_114.14b
yasyārcanaṃ naiva vināśam asti BrP_114.14c
taṃ pūrvapūjyaṃ prathamaṃ namāmi BrP_114.14d
'Der bei Dharma, Artha, Kāma und anderen (Zielen) zuerst zu verehren ist, der von Göttern und Asuras stets verehrt wird, dessen Verehrung niemals Untergang bringt – jenen zuerst zu Verehrenden verehre ich als Ersten.'
Wort für Wort
dharmārthakāmādiṣu pūrvapūjyo
der bei Dharma, Artha, Kāma und anderen zuerst zu verehren ist
devāsuraiḥ pūjyata eva nityam
der von Göttern und Asuras stets verehrt wird
yasyārcanaṃ naiva vināśam asti
dessen Verehrung niemals Untergang bringt
taṃ pūrvapūjyaṃ prathamaṃ namāmi
jenen zuerst zu Verehrenden verehre ich als Ersten
yasyārcanāt prārthanayānurūpāṃ BrP_114.15a
dṛṣṭvā tu sarvasya phalasya siddhim BrP_114.15b
svatantrasāmarthyakṛtātigarvaṃ BrP_114.15c
bhrātṛpriyaṃ tv ākhurathaṃ tam īḍe BrP_114.15d
[?] 'Durch dessen Verehrung man, dem Wunsch entsprechend, das Gelingen jeder Frucht gesehen hat – ihn, den durch eigene Kraft überaus stolz gewordenen, den dem Bruder Zugetanen, den auf der Ratte Fahrenden (Ākhuratha), preise ich.'
Wort für Wort
yasyārcanāt prārthanayānurūpāṃ dṛṣṭvā tu sarvasya phalasya siddhim
durch dessen Verehrung man das dem Wunsch entsprechende Gelingen jeder Frucht gesehen hat
svatantrasāmarthyakṛtātigarvaṃ
den durch eigene Kraft überaus stolz gewordenen
bhrātṛpriyaṃ tv ākhurathaṃ tam īḍe
den dem Bruder Zugetanen, den auf der Ratte Fahrenden, preise ich
[Anm.: 'bhrātṛpriyaṃ' ('dem Bruder lieb/zugetan') bleibt in seinem genauen Bezug zur in V.11 erwähnten Bruder-Eifersucht unsicher.]
'Er, der die Mutter mit anmutigen Tänzen und Liedern sowie mit allen erwünschten Vergnügungen erfreute, wodurch sie höchst zufrieden wurde – zu jenem glückverheißenden Gaṇeśa nehme ich Zuflucht.'
Wort für Wort
yo mātaraṃ sarasair nṛtyagītais tathā abhilāṣair akhilair vinodaiḥ
der die Mutter mit anmutigen Tänzen und Liedern und allen erwünschten Vergnügungen
saṃtoṣayām āsa tadātituṣṭaṃ
erfreute, wodurch sie höchst zufrieden wurde
taṃ śrīgaṇeśaṃ śaraṇaṃ prapadye
zu jenem glückverheißenden Gaṇeśa nehme ich Zuflucht
suropakārair asuraiś ca yuddhaiḥ BrP_114.17a
stotrair namaskāraparaiś ca mantraiḥ BrP_114.17b
pitṛprasādena sadā samṛddhaṃ BrP_114.17c
taṃ śrīgaṇeśaṃ śaraṇaṃ prapadye BrP_114.17d
'Durch Wohltaten für die Götter und Kämpfe gegen die Asuras, durch Lobpreisungen und der Verehrung hingegebene Mantras, und durch die Gunst des Vaters stets gedeihend – zu jenem glückverheißenden Gaṇeśa nehme ich Zuflucht.'
Wort für Wort
suropakārair asuraiś ca yuddhaiḥ
durch Wohltaten für die Götter und Kämpfe gegen die Asuras
stotrair namaskāraparaiś ca mantraiḥ
durch Lobpreisungen und der Verehrung hingegebene Mantras
pitṛprasādena sadā samṛddhaṃ
durch die Gunst des Vaters stets gedeihend
taṃ śrīgaṇeśaṃ śaraṇaṃ prapadye
zu jenem glückverheißenden Gaṇeśa nehme ich Zuflucht
'Er, der beim Sieg über die (Dämonen-)Burgen (zunächst) ein Hindernis bereitete, der dann auch vom Vater voller Freude gebührend verehrt wurde, und der daraufhin wieder Hindernisfreiheit bewirkte – jenem Gaṇeśa erweise ich Verehrung.'
Wort für Wort
jaye purāṇām akarot pratīpaṃ
beim Sieg über die Burgen bereitete er (zunächst) ein Hindernis
pitrāpi harṣāt pratipūjito yaḥ
der dann auch vom Vater voller Freude verehrt wurde
nirvighnatāṃ cāpi punaś cakāra
und der daraufhin wieder Hindernisfreiheit bewirkte
tasmai gaṇeśāya namaskaromi
jenem Gaṇeśa erweise ich Verehrung
[Anm.: Anspielung auf die bekannte Erzählung, dass Śiva vor der Vernichtung der Tripura-Burgen (Tripura-dahana) zunächst vergaß, Gaṇeśa zu verehren, worauf ein Hindernis eintrat, das erst durch nachträgliche Verehrung behoben wurde – vgl. bereits V.7.]
{brahmovāca: }
tadvākyasamakālaṃ tu tathety ūcuḥ surā api /
nivṛtte tu makhe tasmin surā jagmuḥ svam ālayam // BrP_114.24 //
Brahmā sprach: Zugleich mit diesen Worten sprachen auch die Götter 'So sei es'; als jenes Opfer beendet war, gingen die Götter zu ihrer eigenen Wohnstatt.
Wort für Wort
tadvākyasamakālaṃ tu tathety ūcuḥ surā api
zugleich mit diesen Worten sprachen auch die Götter 'so sei es'
nivṛtte tu makhe tasmin surā jagmuḥ svam ālayam
als jenes Opfer beendet war, gingen die Götter zu ihrer eigenen Wohnstatt