Quellen der Menschheit

Brahma-Purāṇa

Kapitel 43: indradyumnacaritāvantīnagaravarṇanam Die Geschichte König Indradyumnas und die Beschreibung der Stadt Avantī (Ujjayinī)

Brahmā schließt seine Erzählung über Puruṣottama-Kṣetra mit einer kurzen Zusammenfassung ab, wie König Indradyumna von Avantī dorthin zog, ein Aśvamedha darbrachte, einen Tempel errichtete und darin Bilder von Kṛṣṇa, Balarāma (Saṃkarṣaṇa) und Subhadrā aufstellte, wodurch er die Erlösung erlangte. Auf Nachfrage der Weisen, wie es dazu kam, beginnt Brahmā die Geschichte von vorn und schildert ausführlich (im gewohnten Kāvya-Stil) die Pracht der Stadt Avantī/Ujjayinī, ihres Mahākāla-Śiva-Tempels, des Flusses Śiprā sowie der dortigen Viṣṇu-Heiligtümer Govindasvāmin und Vikramasvāmin, bevor in Kap.44 die eigentliche Handlung um Indradyumna beginnt.

purā kṛtayuge viprāḥ śakratulyaparākramaḥ / babhūva nṛpatiḥ śrīmān indradyumna iti śrutaḥ //

{Brahmā sprach (Fortsetzung):} Einst im Kṛtayuga, o Brahmanen, gab es einen König von Śakra-gleicher Tapferkeit, glanzvoll, bekannt als Indradyumna.

Wort für Wort
purā kṛtayuge
einst im Kṛtayuga
viprāḥ
o Brahmanen
śakratulyaparākramaḥ
von Śakra-gleicher Tapferkeit
babhūva nṛpatiḥ śrīmān
es gab einen glanzvollen König
indradyumnaḥ iti śrutaḥ
bekannt als Indradyumna

satyavādī śucir dakṣaḥ sarvaśāstraviśāradaḥ / rūpavān subhagaḥ śūro dātā bhoktā priyaṃvadaḥ //

wahrhaft redend, rein, tüchtig, in allen Lehrschriften bewandert, von schöner Gestalt, anmutig, tapfer, freigebig, [des Lebens] genießend, freundlich redend,

Wort für Wort
satyavādī
wahrhaft redend
śuciḥ dakṣaḥ
rein, tüchtig
sarvaśāstraviśāradaḥ
in allen Lehrschriften bewandert
rūpavān subhagaḥ śūraḥ
von schöner Gestalt, anmutig, tapfer
dātā bhoktā priyaṃvadaḥ
freigebig, genießend, freundlich redend

yaṣṭā samastayajñānāṃ brahmaṇyaḥ satyasaṃgaraḥ / dhanurvede ca vede ca śāstre ca nipuṇaḥ kṛtī //

ein Vollzieher aller Opfer, den Brahmanen zugetan, wahrhaft in seinen Abmachungen, im Bogen-Veda und im Veda und in den Lehrschriften geschickt, fähig,

Wort für Wort
yaṣṭā samastayajñānām
ein Vollzieher aller Opfer
brahmaṇyaḥ
den Brahmanen zugetan
satyasaṃgaraḥ
wahrhaft in seinen Abmachungen
dhanurvede ca vede ca śāstre ca nipuṇaḥ kṛtī
im Bogen-Veda, im Veda und in den Lehrschriften geschickt, fähig

vallabho naranārīṇāṃ paurṇamāsyāṃ yathā śaśī / āditya iva duṣprekṣyaḥ śatrusaṃghabhayaṃkaraḥ //

geliebt von Männern und Frauen wie der Mond am Vollmondstag, wie die Sonne schwer anzuschauen, den Feindesscharen Furcht bereitend,

Wort für Wort
vallabhaḥ naranārīṇām
geliebt von Männern und Frauen
paurṇamāsyām yathā śaśī
wie der Mond am Vollmondstag
ādityaḥ iva duṣprekṣyaḥ
wie die Sonne schwer anzuschauen
śatrusaṃghabhayaṃkaraḥ
den Feindesscharen Furcht bereitend

vaiṣṇavaḥ sattvasaṃpanno jitakrodho jitendriyaḥ / adhyetā yogasāṃkhyānāṃ mumukṣur dharmatatparaḥ //

ein Verehrer Viṣṇus, mit reiner Wesensart ausgestattet, den Zorn bezwungen, die Sinne bezwungen, ein Studierender von Yoga und Sāṃkhya, nach Erlösung strebend, dem Dharma ergeben.

Wort für Wort
vaiṣṇavaḥ
ein Verehrer Viṣṇus
sattvasaṃpannaḥ
mit reiner Wesensart ausgestattet
jitakrodhaḥ jitendriyaḥ
den Zorn bezwungen, die Sinne bezwungen
adhyetā yogasāṃkhyānām
ein Studierender von Yoga und Sāṃkhya
mumukṣuḥ dharmatatparaḥ
nach Erlösung strebend, dem Dharma ergeben

evaṃ sa pālayan pṛthvīṃ rājā sarvaguṇākaraḥ / tasya buddhiḥ samutpannā harer ārādhanaṃ prati //

So beschützte er, der König, eine Fundgrube aller Tugenden, die Erde; ihm entstand der Gedanke, Hari zu verehren.

Wort für Wort
evam sa pālayan pṛthvīm
so, die Erde beschützend
rājā sarvaguṇākaraḥ
der König, eine Fundgrube aller Tugenden
tasya buddhiḥ samutpannā
ihm entstand der Gedanke
hareḥ ārādhanam prati
in Bezug auf die Verehrung Haris

katham ārādhayiṣyāmi devadevaṃ janārdanam / kasmin kṣetre 'thavā tīrthe nadītīre tathāśrame //

"Wie werde ich den Gott der Götter, Janārdana, verehren - an welchem Feld oder Tīrtha, an einem Flussufer oder in einem Āśrama?"

Wort für Wort
katham ārādhayiṣyāmi
wie werde ich verehren
devadevam janārdanam
den Gott der Götter, Janārdana
kasmin kṣetre athavā tīrthe
an welchem Feld oder Tīrtha
nadītīre tathā āśrame
an einem Flussufer oder in einem Āśrama

evaṃ cintāparaḥ so 'tha nirīkṣya manasā mahīm / ālokya sarvatīrthāni kṣetrāṇy atha purāṇy api //

So in Gedanken versunken, betrachtete er darauf mit dem Geist die Erde, erblickte alle Tīrthas, Felder und auch Städte,

Wort für Wort
evam cintāparaḥ saḥ atha
so in Gedanken versunken, er darauf
nirīkṣya manasā mahīm
mit dem Geist die Erde betrachtend
ālokya sarvatīrthāni
alle Tīrthas erblickend
kṣetrāṇi atha purāṇi api
Felder und auch Städte

tāni sarvāṇi saṃtyajya jagāmāyatanaṃ punaḥ / vikhyātaṃ paramaṃ kṣetraṃ muktidaṃ puruṣottamam //

[und] alle diese verwerfend, begab er sich wiederum zu dem berühmten, höchsten Heiligtum, das Erlösung gewährt, zu Puruṣottama.

Wort für Wort
tāni sarvāṇi saṃtyajya
alle diese verwerfend
jagāma āyatanam punaḥ
er begab sich wiederum zum Heiligtum
vikhyātam paramam kṣetram
dem berühmten, höchsten Feld
muktidam puruṣottamam
Erlösung gewährend, [zu] Puruṣottama

sa gatvā tat kṣetravaraṃ samṛddhabalavāhanaḥ / ayajac cāśvamedhena vidhivad bhūridakṣiṇaḥ //

Er, zu jenem vorzüglichen Feld gegangen, mit gediegenem Heer und Fahrzeugen, opferte mit dem Aśvamedha vorschriftsgemäß, mit reichlichen Priestergaben,

Wort für Wort
sa gatvā tat kṣetravaram
er, zu jenem vorzüglichen Feld gegangen
samṛddhabalavāhanaḥ
mit gediegenem Heer und Fahrzeugen
ayajat ca aśvamedhena vidhivat
und opferte vorschriftsgemäß mit dem Aśvamedha
bhūridakṣiṇaḥ
mit reichlichen Priestergaben

kārayitvā mahotsedhaṃ prāsādaṃ caiva viśrutam / tatra saṃkarṣaṇaṃ kṛṣṇaṃ subhadrāṃ sthāpya vīryavān //

und ließ einen hochragenden, berühmten Palast/Tempel errichten; dort stellte er, der Tatkräftige, Saṃkarṣaṇa [Balarāma], Kṛṣṇa und Subhadrā auf,

Wort für Wort
kārayitvā mahotsedham
errichten lassend, hochragenden
prāsādam ca eva viśrutam
und den berühmten Palast/Tempel
tatra saṃkarṣaṇam kṛṣṇam subhadrām sthāpya
dort Saṃkarṣaṇa, Kṛṣṇa und Subhadrā aufstellend
vīryavān
der Tatkräftige

pañcatīrthaṃ ca vidhivat kṛtvā tatra mahīpatiḥ / snānaṃ dānaṃ tapo homaṃ devatāprekṣaṇaṃ tathā //

und der Herr der Erde vollzog dort vorschriftsgemäß die fünf Tīrtha[-Riten] - Bad, Gabe, Askese, Feueropfer und ebenso das Schauen der Gottheit,

Wort für Wort
pañcatīrtham ca vidhivat kṛtvā
und die fünf Tīrtha[-Riten] vorschriftsgemäß vollziehend
tatra mahīpatiḥ
dort der Herr der Erde
snānam dānam tapaḥ homam
Bad, Gabe, Askese, Feueropfer
devatāprekṣaṇam tathā
und ebenso das Schauen der Gottheit

bhaktyā cārādhya vidhivat pratyahaṃ puruṣottamam / prasādād devadevasya tato mokṣam avāptavān //

und indem er mit Hingabe vorschriftsgemäß täglich den Puruṣottama verehrte, erlangte er durch die Gnade des Gottes der Götter danach die Erlösung.

Wort für Wort
bhaktyā ca ārādhya vidhivat
und mit Hingabe vorschriftsgemäß verehrend
pratyaham puruṣottamam
täglich den Puruṣottama
prasādāt devadevasya
durch die Gnade des Gottes der Götter
tataḥ mokṣam avāptavān
danach erlangte er die Erlösung

mārkaṇḍeyaṃ ca kṛṣṇaṃ ca dṛṣṭvā rāmaṃ ca bho dvijāḥ / sāgare cendradyumnākhye snātvā mokṣaṃ labhed dhruvam //

Wer Mārkaṇḍeya, Kṛṣṇa und Rāma erblickt hat, o Zweifachgeborene, und im nach Indradyumna benannten Ozean[-Tīrtha] gebadet hat, erlangt gewiss die Erlösung.

Wort für Wort
mārkaṇḍeyam ca kṛṣṇam ca dṛṣṭvā rāmam ca
Mārkaṇḍeya, Kṛṣṇa und Rāma erblickt habend
bho dvijāḥ
o Zweifachgeborene
sāgare ca indradyumnākhye snātvā
und im nach Indradyumna benannten Ozean gebadet habend
mokṣam labhet dhruvam
erlangt er gewiss die Erlösung

{munaya ūcuḥ:} kasmāt sa nṛpatiḥ pūrvam indradyumno jagatpatiḥ / jagāma paramaṃ kṣetraṃ muktidaṃ puruṣottamam //

Die Weisen sprachen: "Weshalb ging jener König Indradyumna, der Herr seines Reiches, einst zu dem höchsten, erlösunggewährenden Feld Puruṣottama?

Wort für Wort
kasmāt
weshalb
sa nṛpatiḥ pūrvam indradyumnaḥ
jener König Indradyumna einst
jagatpatiḥ
der Herr seines Reiches
jagāma paramam kṣetram muktidam puruṣottamam
ging zum höchsten, erlösunggewährenden Feld Puruṣottama

gatvā tatra suraśreṣṭha kathaṃ sa nṛpasattamaḥ / vājimedhena vidhivad iṣṭavān puruṣottamam //

Dorthin gegangen, o Bester der Götter, wie hat jener beste der Könige mit dem Rossopfer vorschriftsgemäß den Puruṣottama verehrt?

Wort für Wort
gatvā tatra
dorthin gegangen
suraśreṣṭha
o Bester der Götter
katham sa nṛpasattamaḥ
wie jener beste der Könige
vājimedhena vidhivat iṣṭavān puruṣottamam
mit dem Rossopfer vorschriftsgemäß den Puruṣottama verehrte

kathaṃ sa sarvaphalade kṣetre paramadurlabhe / prāsādaṃ kārayām āsa ceṣṭaṃ trailokyaviśrutam //

Wie ließ er in dem alle Frucht gewährenden, überaus schwer zu erlangenden Feld einen Palast/Tempel errichten, erwünscht, in den drei Welten berühmt?

Wort für Wort
katham sa sarvaphalade kṣetre paramadurlabhe
wie er in dem alle Frucht gewährenden, überaus schwer zu erlangenden Feld
prāsādam kārayām āsa
einen Palast/Tempel errichten ließ
ceṣṭam trailokyaviśrutam
erwünscht, in den drei Welten berühmt

kathaṃ sa kṛṣṇaṃ rāmaṃ ca subhadrāṃ ca prajāpate / nirmame rājaśārdūlaḥ kṣetraṃ rakṣitavān katham //

Wie fertigte er, der Tiger unter den Königen, o Herr der Geschöpfe, Kṛṣṇa, Rāma und Subhadrā an, und wie beschützte er das Feld?

Wort für Wort
katham sa kṛṣṇam rāmam ca subhadrām ca
wie er Kṛṣṇa, Rāma und Subhadrā
prajāpate
o Herr der Geschöpfe
nirmame rājaśārdūlaḥ
anfertigte, der Tiger unter den Königen
kṣetram rakṣitavān katham
wie beschützte er das Feld

kathaṃ tatra mahīpālaḥ prāsāde bhuvanottame / sthāpayām āsa matimān kṛṣṇādīṃs tridaśārcitān //

Wie stellte dort der kluge Herrscher der Erde in dem vorzüglichsten Palast/Tempel der Welt Kṛṣṇa und die anderen auf, die von den Dreißig [Göttern] verehrt werden?"

Wort für Wort
katham tatra mahīpālaḥ
wie dort der Herrscher der Erde
prāsāde bhuvanottame
in dem vorzüglichsten Palast/Tempel der Welt
sthāpayām āsa matimān
aufstellte, der Kluge
kṛṣṇādīn tridaśārcitān
Kṛṣṇa und die anderen, von den Dreißig verehrt

etat sarvaṃ suraśreṣṭha vistareṇa yathātatham / vaktum arhasy aśeṣeṇa caritaṃ tasya dhīmataḥ //

All dies, o Bester der Götter, solltest du ausführlich, der Wahrheit gemäß, vollständig verkünden - die Geschichte jenes Weisen [Königs].

Wort für Wort
etat sarvam
all dies
suraśreṣṭha
o Bester der Götter
vistareṇa yathātatham
ausführlich, der Wahrheit gemäß
vaktum arhasi aśeṣeṇa
solltest du vollständig verkünden
caritam tasya dhīmataḥ
die Geschichte jenes Weisen

na tṛptim adhigacchāmas tava vākyāmṛtena vai / śrotum icchāmahe brahman paraṃ kautūhalaṃ hi naḥ //

Wir gelangen wahrlich nicht zur Sättigung durch den Nektar deiner Worte; wir wollen [weiter] hören, o Brahmane, denn unsere Neugier ist groß."

Wort für Wort
na tṛptim adhigacchāmaḥ
wir gelangen nicht zur Sättigung
tava vākyāmṛtena vai
durch den Nektar deiner Worte wahrlich
śrotum icchāmahe
wir wollen hören
brahman
o Brahmane
param kautūhalam hi naḥ
denn unsere Neugier ist groß

{brahmovāca:} sādhu sādhu dvijaśreṣṭhā yat pṛcchadhvaṃ purātanam / sarvapāpaharaṃ puṇyaṃ bhuktimuktipradaṃ śubham //

Brahmā sprach: "Gut, gut, o beste der Zweifachgeborenen, dass ihr nach dem alten [Geschehen] fragt, das alle Sünde hinwegnimmt, heilig ist, Genuss und Erlösung gewährt, verheißungsvoll ist.

Wort für Wort
sādhu sādhu
gut, gut
dvijaśreṣṭhāḥ
o beste der Zweifachgeborenen
yat pṛcchadhvam purātanam
dass ihr nach dem alten [Geschehen] fragt
sarvapāpaharam puṇyam
alle Sünde hinwegnehmend, heilig
bhuktimuktipradam śubham
Genuss und Erlösung gewährend, verheißungsvoll

vakṣyāmi tasya caritaṃ yathāvṛttaṃ kṛte yuge / śṛṇudhvaṃ muniśārdūlāḥ prayatāḥ saṃyatendriyāḥ //

Ich werde seine Geschichte verkünden, wie sie sich im Kṛtayuga zugetragen hat; höret, o Tiger unter den Weisen, geläutert, mit gebändigten Sinnen.

Wort für Wort
vakṣyāmi tasya caritam
ich werde seine Geschichte verkünden
yathāvṛttam kṛte yuge
wie sie sich im Kṛtayuga zugetragen hat
śṛṇudhvam muniśārdūlāḥ
höret, o Tiger unter den Weisen
prayatāḥ saṃyatendriyāḥ
geläutert, mit gebändigten Sinnen

avantī nāma nagarī mālave bhuvi viśrutā / babhūva tasya nṛpateḥ pṛthivī kakudopamā //

Eine Stadt namens Avantī, berühmt im Lande Mālava - jenes Königs Erde [Reich] war [vorzüglich] wie ein Berggipfel.

Wort für Wort
avantī nāma nagarī
eine Stadt namens Avantī
mālave bhuvi viśrutā
berühmt im Lande Mālava
babhūva tasya nṛpateḥ pṛthivī
jenes Königs Erde [Reich] war
kakudopamā
dem Höcker/Gipfel gleich [?]

[?] "pṛthivī kakudopamā" (wörtl. "die Erde, dem Höcker/Gipfel gleich") ist bildlich unsicher - gemeint ist wohl, dass sein Reich das vorzüglichste, herausragendste war.

hṛṣṭapuṣṭajanākīrṇā dṛḍhaprākāratoraṇā / dṛḍhayantrārgaladvārā parikhābhir alaṃkṛtā //

von frohen, wohlgenährten Leuten wimmelnd, mit festen Wällen und Torbögen, mit fest verriegelten Toren, mit Wassergräben geschmückt,

Wort für Wort
hṛṣṭapuṣṭajanākīrṇā
von frohen, wohlgenährten Leuten wimmelnd
dṛḍhaprākāratoraṇā
mit festen Wällen und Torbögen
dṛḍhayantrārgaladvārā
mit fest verriegelten Toren
parikhābhiḥ alaṃkṛtā
mit Wassergräben geschmückt

nānāvaṇiksamākīrṇā nānābhāṇḍasuvikriyā / rathyāpaṇavatī ramyā suvibhaktacatuṣpathā //

von vielerlei Kaufleuten wimmelnd, mit gutem Handel mit mancherlei Waren, mit Straßen und Märkten versehen, lieblich, mit wohlgegliederten Kreuzungen,

Wort für Wort
nānāvaṇiksamākīrṇā
von vielerlei Kaufleuten wimmelnd
nānābhāṇḍasuvikriyā
mit gutem Handel mit mancherlei Waren
rathyāpaṇavatī ramyā
mit Straßen und Märkten versehen, lieblich
suvibhaktacatuṣpathā
mit wohlgegliederten Kreuzungen

gṛhagopurasaṃbādhā vīthībhiḥ samalaṃkṛtā / rājahaṃsanibhaiḥ śubhraiś citragrīvair manoharaiḥ //

gedrängt voll von Häusern und Torbauten, mit Alleen geschmückt, [mit Palästen] königsschwanähnlich weiß, mit bunten Zierfirsten [?], bezaubernd,

Wort für Wort
gṛhagopurasaṃbādhā
gedrängt voll von Häusern und Torbauten
vīthībhiḥ samalaṃkṛtā
mit Alleen geschmückt
rājahaṃsanibhaiḥ śubhraiḥ
königsschwanähnlich weiß
citragrīvaiḥ manoharaiḥ
mit bunten Zierfirsten [?], bezaubernd

[?] "citragrīvaiḥ" (wörtl. "buntgehalsig") ist im Kontext der Palastbeschreibung unklar - evtl. ein architektonisches Zierelement (First, Giebel) oder eine Anspielung auf taubenförmigen Schmuck gemeint.

anekaśatasāhasraiḥ prāsādaiḥ samalaṃkṛtā / yajñotsavapramuditā gītavāditranisvanā //

mit vielen hunderttausend Palästen geschmückt, durch Opfer und Feste erfreut, vom Klang von Gesang und Instrumenten [erfüllt],

Wort für Wort
anekaśatasāhasraiḥ prāsādaiḥ samalaṃkṛtā
mit vielen hunderttausend Palästen geschmückt
yajñotsavapramuditā
durch Opfer und Feste erfreut
gītavāditranisvanā
vom Klang von Gesang und Instrumenten erfüllt

nānāvarṇapatākābhir dhvajaiś ca samalaṃkṛtā / hastyaśvarathasaṃkīrṇā padātigaṇasaṃkulā //

mit vielfarbigen Fahnen und Bannern geschmückt, von Elefanten, Pferden und Wagen wimmelnd, von Scharen von Fußsoldaten erfüllt,

Wort für Wort
nānāvarṇapatākābhiḥ dhvajaiḥ ca samalaṃkṛtā
mit vielfarbigen Fahnen und Bannern geschmückt
hastyaśvarathasaṃkīrṇā
von Elefanten, Pferden und Wagen wimmelnd
padātigaṇasaṃkulā
von Scharen von Fußsoldaten erfüllt

nānāyodhasamākīrṇā nānājanapadair yutā / brāhmaṇaiḥ kṣatriyair vaiśyaiḥ śūdraiś caiva dvijātibhiḥ //

von vielerlei Kriegern wimmelnd, mit vielerlei Landbewohnern versehen, mit Brahmanen, Kṣatriyas, Vaiśyas, Śūdras und ebenso Zweifachgeborenen,

Wort für Wort
nānāyodhasamākīrṇā
von vielerlei Kriegern wimmelnd
nānājanapadaiḥ yutā
mit vielerlei Landbewohnern versehen
brāhmaṇaiḥ kṣatriyaiḥ vaiśyaiḥ
mit Brahmanen, Kṣatriyas, Vaiśyas
śūdraiḥ ca eva dvijātibhiḥ
und ebenso Śūdras und Zweifachgeborenen

samṛddhā sā muniśreṣṭhā vidvadbhiḥ samalaṃkṛtā / na tatra malināḥ santi na mūrkhā nāpi nirdhanāḥ //

gedeihend war sie, o beste der Weisen, mit Gelehrten geschmückt; dort gibt es keine Befleckten, keine Toren, auch keine Mittellosen,

Wort für Wort
samṛddhā sā
gedeihend war sie
muniśreṣṭhāḥ
o beste der Weisen
vidvadbhiḥ samalaṃkṛtā
mit Gelehrten geschmückt
na tatra malināḥ santi
dort gibt es keine Befleckten
na mūrkhāḥ na api nirdhanāḥ
keine Toren, auch keine Mittellosen

na rogiṇo na hīnāṅgā na dyūtavyasanānvitāḥ / sadā hṛṣṭāḥ sumanaso dṛśyante puruṣāḥ striyaḥ //

keine Kranken, keine Verstümmelten, keine dem Laster des Würfelspiels Verfallenen; stets froh, wohlgesinnt sieht man die Männer und Frauen.

Wort für Wort
na rogiṇaḥ na hīnāṅgāḥ
keine Kranken, keine Verstümmelten
na dyūtavyasanānvitāḥ
keine dem Laster des Würfelspiels Verfallenen
sadā hṛṣṭāḥ sumanasaḥ
stets froh, wohlgesinnt
dṛśyante puruṣāḥ striyaḥ
sieht man die Männer und Frauen

krīḍanti sma divā rātrau hṛṣṭās tatra pṛthak pṛthak / suveṣāḥ puruṣās tatra dṛśyante mṛṣṭakuṇḍalāḥ //

Sie spielten bei Tag und Nacht, froh, dort ein jeder für sich; wohlgekleidete Männer sieht man dort, mit blank polierten Ohrringen,

Wort für Wort
krīḍanti sma divā rātrau
sie spielten bei Tag und Nacht
hṛṣṭāḥ tatra pṛthak pṛthak
froh, dort ein jeder für sich
suveṣāḥ puruṣāḥ tatra dṛśyante
wohlgekleidete Männer sieht man dort
mṛṣṭakuṇḍalāḥ
mit blank polierten Ohrringen

surūpāḥ suguṇāś caiva divyālaṃkārabhūṣitāḥ / kāmadevapratīkāśāḥ sarvalakṣaṇalakṣitāḥ //

wohlgestaltet und tugendhaft, mit göttlichem Schmuck geziert, dem Liebesgott Kāma gleich, mit allen [günstigen] Merkmalen gekennzeichnet,

Wort für Wort
surūpāḥ suguṇāḥ ca eva
wohlgestaltet und tugendhaft
divyālaṃkārabhūṣitāḥ
mit göttlichem Schmuck geziert
kāmadevapratīkāśāḥ
dem Liebesgott Kāma gleich
sarvalakṣaṇalakṣitāḥ
mit allen [günstigen] Merkmalen gekennzeichnet

sukeśāḥ sukapolāś ca sumukhāḥ śmaśrudhāriṇaḥ / jñātāraḥ sarvaśāstrāṇāṃ bhettāraḥ śatruvāhinīm //

mit schönem Haar, schönen Wangen und schönem Gesicht, Bartträger, Kenner aller Lehrschriften, Durchbrecher feindlicher Heere,

Wort für Wort
sukeśāḥ sukapolāḥ ca sumukhāḥ
mit schönem Haar, schönen Wangen und schönem Gesicht
śmaśrudhāriṇaḥ
Bartträger
jñātāraḥ sarvaśāstrāṇām
Kenner aller Lehrschriften
bhettāraḥ śatruvāhinīm
Durchbrecher feindlicher Heere

dātāraḥ sarvaratnānāṃ bhoktāraḥ sarvasaṃpadām / striyas tatra muniśreṣṭhā dṛśyante sumanoharāḥ //

Geber aller Juwelen, Genießer alles Reichtums. Frauen sieht man dort, o beste der Weisen, überaus bezaubernd,

Wort für Wort
dātāraḥ sarvaratnānām
Geber aller Juwelen
bhoktāraḥ sarvasaṃpadām
Genießer alles Reichtums
striyaḥ tatra muniśreṣṭhāḥ
Frauen dort, o beste der Weisen
dṛśyante sumanoharāḥ
sieht man, überaus bezaubernd

haṃsavāraṇagāminyaḥ praphullāmbhojalocanāḥ / sumadhyamāḥ sujaghanāḥ pīnonnatapayodharāḥ //

mit dem Gang von Schwänen und Elefanten, mit Augen wie aufgeblühte Lotosblüten, mit schlanker Taille, mit schönen Hüften, mit vollen, hohen Brüsten,

Wort für Wort
haṃsavāraṇagāminyaḥ
mit dem Gang von Schwänen und Elefanten
praphullāmbhojalocanāḥ
mit Augen wie aufgeblühte Lotosblüten
sumadhyamāḥ sujaghanāḥ
mit schlanker Taille, mit schönen Hüften
pīnonnatapayodharāḥ
mit vollen, hohen Brüsten

sukeśāś cāruvadanāḥ sukapolāḥ sthirālakāḥ / hāvabhāvānatagrīvāḥ karṇābharaṇabhūṣitāḥ //

mit schönem Haar, anmutigem Antlitz, schönen Wangen, festsitzenden Locken, durch kokette Gesten geneigten Hälsen, mit Ohrschmuck geziert,

Wort für Wort
sukeśāḥ cāruvadanāḥ
mit schönem Haar, anmutigem Antlitz
sukapolāḥ sthirālakāḥ
mit schönen Wangen, festsitzenden Locken
hāvabhāvānatagrīvāḥ
durch kokette Gesten geneigten Hälsen
karṇābharaṇabhūṣitāḥ
mit Ohrschmuck geziert

bimbauṣṭhyo rañjitamukhās tāmbūlena virājitāḥ / suvarṇābharaṇopetāḥ sarvālaṃkārabhūṣitāḥ //

mit Lippen [rot] wie die Bimba-Frucht, mit gefärbtem Mund, durch Betel strahlend, mit goldenem Schmuck versehen, mit allerlei Zierat geschmückt,

Wort für Wort
bimbauṣṭhyaḥ rañjitamukhāḥ
mit Lippen [rot] wie die Bimba-Frucht, mit gefärbtem Mund
tāmbūlena virājitāḥ
durch Betel strahlend
suvarṇābharaṇopetāḥ
mit goldenem Schmuck versehen
sarvālaṃkārabhūṣitāḥ
mit allerlei Zierat geschmückt

śyāmāvadātāḥ suśroṇyaḥ kāñcīnūpuranāditāḥ / divyamālyāmbaradharā divyagandhānulepanāḥ //

von dunkel-heller Hautfarbe, mit schönen Hüften, ertönend von Gürtelschmuck und Fußreifen, göttliche Blumenkränze und Gewänder tragend, mit göttlicher Salbe gesalbt,

Wort für Wort
śyāmāvadātāḥ
von dunkel-heller Hautfarbe [?]
suśroṇyaḥ
mit schönen Hüften
kāñcīnūpuranāditāḥ
ertönend von Gürtelschmuck und Fußreifen
divyamālyāmbaradharāḥ
göttliche Blumenkränze und Gewänder tragend
divyagandhānulepanāḥ
mit göttlicher Salbe gesalbt

[?] "śyāmāvadātāḥ" verbindet "dunkel" (śyāma) und "hell/rein" (avadāta) - vermutlich ein Beauty-Ideal zwischen beiden Farbtönen, evtl. auch kollektiv "teils dunkle, teils helle [Frauen]".

vidagdhāḥ subhagāḥ kāntāś cārvaṅgyaḥ priyadarśanāḥ / rūpalāvaṇyasaṃyuktāḥ sarvāḥ prahasitānanāḥ //

klug, anmutig, liebreizend, mit schönen Gliedern, lieblich anzuschauen, mit Schönheit und Anmut versehen, alle mit lächelndem Antlitz,

Wort für Wort
vidagdhāḥ subhagāḥ kāntāḥ
klug, anmutig, liebreizend
cārvaṅgyaḥ priyadarśanāḥ
mit schönen Gliedern, lieblich anzuschauen
rūpalāvaṇyasaṃyuktāḥ
mit Schönheit und Anmut versehen
sarvāḥ prahasitānanāḥ
alle mit lächelndem Antlitz

krīḍantyaś ca madonmattāḥ sabhāsu catvareṣu ca / gītavādyakathālāpai ramayantyaś ca tāḥ striyaḥ //

spielend, trunken vor Leidenschaft, in Versammlungshallen und auf Plätzen, mit Gesang, Instrumenten und Erzählungen sich vergnügend, diese Frauen,

Wort für Wort
krīḍantyaḥ ca madonmattāḥ
spielend und trunken vor Leidenschaft
sabhāsu catvareṣu ca
in Versammlungshallen und auf Plätzen
gītavādyakathālāpaiḥ
mit Gesang, Instrumenten und Erzählungen
ramayantyaḥ ca tāḥ striyaḥ
sich vergnügend, diese Frauen

vāramukhyāś ca dṛśyante nṛtyagītaviśāradāḥ / prekṣaṇālāpakuśalāḥ sarvayoṣidguṇānvitāḥ //

und man sieht vorzügliche Hetären, in Tanz und Gesang bewandert, geschickt in Blick und Rede, mit allen weiblichen Vorzügen versehen,

Wort für Wort
vāramukhyāḥ ca dṛśyante
und man sieht vorzügliche Hetären
nṛtyagītaviśāradāḥ
in Tanz und Gesang bewandert
prekṣaṇālāpakuśalāḥ
geschickt in Blick und Rede
sarvayoṣidguṇānvitāḥ
mit allen weiblichen Vorzügen versehen

anyāś ca tatra dṛśyante guṇācāryāḥ kulastriyaḥ / pativratāś ca subhagā guṇaiḥ sarvair alaṃkṛtāḥ //

und andere sieht man dort - Meisterinnen der Tugend, Frauen aus gutem Hause, ihrem Gatten treu ergeben und anmutig, mit allen Tugenden geschmückt.

Wort für Wort
anyāḥ ca tatra dṛśyante
und andere sieht man dort
guṇācāryāḥ kulastriyaḥ
Meisterinnen der Tugend, Frauen aus gutem Hause
pativratāḥ ca subhagāḥ
ihrem Gatten treu ergeben und anmutig
guṇaiḥ sarvaiḥ alaṃkṛtāḥ
mit allen Tugenden geschmückt

vanaiś copavanaiḥ puṇyair udyānaiś ca manoramaiḥ / devatāyatanair divyair nānākusumaśobhitaiḥ //

mit Wäldern und heiligen Hainen, mit entzückenden Gärten, mit göttlichen Gottheitstempeln, mit vielerlei Blüten geschmückt,

Wort für Wort
vanaiḥ ca upavanaiḥ puṇyaiḥ
mit Wäldern und heiligen Hainen
udyānaiḥ ca manoramaiḥ
mit entzückenden Gärten
devatāyatanaiḥ divyaiḥ
mit göttlichen Gottheitstempeln
nānākusumaśobhitaiḥ
mit vielerlei Blüten geschmückt

śālais tālais tamālaiś ca bakulair nāgakesaraiḥ / pippalaiḥ karṇikāraiś ca candanāgurucampakaiḥ //

mit Śāla-, Palmyra-, Tamāla-Bäumen, mit Bakula- und Nāgakesara-Bäumen, mit Pippala- und Karṇikāra-Bäumen, mit Sandel-, Aguru- und Campaka-Bäumen,

Wort für Wort
śālaiḥ tālaiḥ tamālaiḥ ca
mit Śāla-, Palmyra-, Tamāla-Bäumen
bakulaiḥ nāgakesaraiḥ
mit Bakula- und Nāgakesara-Bäumen
pippalaiḥ karṇikāraiḥ ca
mit Pippala- und Karṇikāra-Bäumen
candanāgurucampakaiḥ
mit Sandel-, Aguru- und Campaka-Bäumen

puṃnāgair nārikeraiś ca panasaiḥ saraladrumaiḥ / nāraṅgair lakucair lodhraiḥ saptaparṇaiḥ śubhāñjanaiḥ //

mit Puṃnāga- und Kokosbäumen, mit Jackfrucht- und Sarala-Bäumen, mit Orangen-, Lakuca- und Lodhra-Bäumen, mit Saptaparṇa- und schönen Añjana-Bäumen,

Wort für Wort
puṃnāgaiḥ nārikeraiḥ ca
mit Puṃnāga- und Kokosbäumen
panasaiḥ saraladrumaiḥ
mit Jackfrucht- und Sarala-Bäumen
nāraṅgaiḥ lakucaiḥ lodhraiḥ
mit Orangen-, Lakuca- und Lodhra-Bäumen
saptaparṇaiḥ śubhāñjanaiḥ
mit Saptaparṇa- und schönen Añjana-Bäumen

cūtabilvakadambaiś ca śiṃśapair dhavakhādiraiḥ / pāṭalāśokatagaraiḥ karavīraiḥ sitetaraiḥ //

mit Mango-, Bilva- und Kadamba-Bäumen, mit Śiṃśapā-, Dhava- und Khadira-Bäumen, mit Pāṭala-, Aśoka- und Tagara-Bäumen, mit weißen und andersfarbigen Karavīra-Blüten,

Wort für Wort
cūtabilvakadambaiḥ ca
mit Mango-, Bilva- und Kadamba-Bäumen
śiṃśapaiḥ dhavakhādiraiḥ
mit Śiṃśapā-, Dhava- und Khadira-Bäumen
pāṭalāśokatagaraiḥ
mit Pāṭala-, Aśoka- und Tagara-Bäumen
karavīraiḥ sitetaraiḥ
mit weißen und andersfarbigen Karavīra-Blüten

pītārjunakabhallātaiḥ siddhair āmrātakais tathā / nyagrodhāśvatthakāśmaryaiḥ palāśair devadārubhiḥ //

mit gelben Arjuna- und Bhallāta-Bäumen, mit reifen Āmrātaka-Bäumen, mit Banyan-, Aśvattha- und Kāśmarya-Bäumen, mit Palāśa- und Devadāru-Bäumen,

Wort für Wort
pītārjunakabhallātaiḥ
mit gelben Arjuna- und Bhallāta-Bäumen
siddhaiḥ āmrātakaiḥ tathā
mit reifen Āmrātaka-Bäumen, ebenso
nyagrodhāśvatthakāśmaryaiḥ
mit Banyan-, Aśvattha- und Kāśmarya-Bäumen
palāśaiḥ devadārubhiḥ
mit Palāśa- und Devadāru-Bäumen

mandāraiḥ pārijātaiś ca tintiḍīkavibhītakaiḥ / prācīnāmalakaiḥ plakṣair jambūśirīṣapādapaiḥ //

mit Mandāra- und Pārijāta-Bäumen, mit Tamarinden- und Vibhītaka-Bäumen, mit Prācīnāmalaka- und Feigenbäumen, mit Jambū- und Śirīṣa-Bäumen,

Wort für Wort
mandāraiḥ pārijātaiḥ ca
mit Mandāra- und Pārijāta-Bäumen
tintiḍīkavibhītakaiḥ
mit Tamarinden- und Vibhītaka-Bäumen
prācīnāmalakaiḥ plakṣaiḥ
mit Prācīnāmalaka- und Feigenbäumen
jambūśirīṣapādapaiḥ
mit Jambū- und Śirīṣa-Bäumen

kāleyaiḥ kāñcanāraiś ca madhujambīratindukaiḥ / kharjūrāgastyabakulaiḥ śākhoṭakaharītakaiḥ //

mit Kāleya- und Kāñcanāra-Bäumen, mit Madhu-, Jambīra- und Tinduka-Bäumen, mit Dattel-, Agasti- und Bakula-Bäumen, mit Śākhoṭaka- und Harītakī-Bäumen,

Wort für Wort
kāleyaiḥ kāñcanāraiḥ ca
mit Kāleya- und Kāñcanāra-Bäumen
madhujambīratindukaiḥ
mit Madhu-, Jambīra- und Tinduka-Bäumen
kharjūrāgastyabakulaiḥ
mit Dattel-, Agasti- und Bakula-Bäumen
śākhoṭakaharītakaiḥ
mit Śākhoṭaka- und Harītakī-Bäumen

kaṅkolair mucukundaiś ca hintālair bījapūrakaiḥ / ketakīvanakhaṇḍaiś ca atimuktaiḥ sakubjakaiḥ //

mit Kaṅkola- und Mucukunda-Bäumen, mit Hintāla- und Bījapūraka-Bäumen, mit Ketakī-Waldstücken, mit Atimukta- und Kubjaka-Ranken,

Wort für Wort
kaṅkolaiḥ mucukundaiḥ ca
mit Kaṅkola- und Mucukunda-Bäumen
hintālaiḥ bījapūrakaiḥ
mit Hintāla- und Bījapūraka-Bäumen
ketakīvanakhaṇḍaiḥ ca
mit Ketakī-Waldstücken
atimuktaiḥ sakubjakaiḥ
mit Atimukta- und Kubjaka-Ranken

mallikākundabāṇaiś ca kadalīkhaṇḍamaṇḍitaiḥ / mātuluṅgaiḥ pūgaphalaiḥ karuṇaiḥ sindhuvārakaiḥ //

mit Mallikā-, Kunda- und Bāṇa-Blüten, mit Bananenwaldstücken geschmückt, mit Zitronenbäumen, Areka-Früchten, Karuṇa- und Sindhuvāraka-Bäumen,

Wort für Wort
mallikākundabāṇaiḥ ca
mit Mallikā-, Kunda- und Bāṇa-Blüten
kadalīkhaṇḍamaṇḍitaiḥ
mit Bananenwaldstücken geschmückt
mātuluṅgaiḥ pūgaphalaiḥ
mit Zitronenbäumen, Areka-Früchten
karuṇaiḥ sindhuvārakaiḥ
mit Karuṇa- und Sindhuvāraka-Bäumen

bahuvāraiḥ kovidārair badaraiḥ sakarañjakaiḥ / anyaiś ca vividhaiḥ puṣpavṛkṣaiś cānyair manoharaiḥ //

mit Bahuvāra- und Kovidāra-Bäumen, mit Jujube- und Karañja-Bäumen, und mit anderen mannigfaltigen Blütenbäumen und anderen bezaubernden [Pflanzen],

Wort für Wort
bahuvāraiḥ kovidāraiḥ
mit Bahuvāra- und Kovidāra-Bäumen
badaraiḥ sakarañjakaiḥ
mit Jujube- und Karañja-Bäumen
anyaiḥ ca vividhaiḥ puṣpavṛkṣaiḥ
und mit anderen mannigfaltigen Blütenbäumen
ca anyaiḥ manoharaiḥ
und anderen bezaubernden [Pflanzen]

latāgulmair vitānaiś ca udyānair nandanopamaiḥ / sadā kusumagandhāḍhyaiḥ sadā phalabharānataiḥ //

mit Schlingpflanzen, Sträuchern und Baldachinen, mit Gärten, dem Nandana gleich, stets reich an Blütenduft, stets unter der Last der Früchte sich neigend,

Wort für Wort
latāgulmaiḥ vitānaiḥ ca
mit Schlingpflanzen, Sträuchern und Baldachinen
udyānaiḥ nandanopamaiḥ
mit Gärten, dem Nandana gleich
sadā kusumagandhāḍhyaiḥ
stets reich an Blütenduft
sadā phalabharānataiḥ
stets unter der Last der Früchte sich neigend

nānāpakṣirutai ramyair nānāmṛgagaṇāvṛtaiḥ / cakoraiḥ śatapattraiś ca bhṛṅgāraiḥ priyaputrakaiḥ //

lieblich von vielerlei Vogelrufen, von vielerlei Wildtierherden umgeben, mit Cakora- und śatapattra-Vögeln, mit Bhṛṅgāra- und Priyaputra-Vögeln,

Wort für Wort
nānāpakṣirutaiḥ ramyaiḥ
lieblich von vielerlei Vogelrufen
nānāmṛgagaṇāvṛtaiḥ
von vielerlei Wildtierherden umgeben
cakoraiḥ śatapattraiḥ ca
mit Cakora- und śatapattra-Vögeln
bhṛṅgāraiḥ priyaputrakaiḥ
mit Bhṛṅgāra- und Priyaputra-Vögeln

kalaviṅkair mayūraiś ca śukaiḥ kokilakais tathā / kapotaiḥ khañjarīṭaiś ca śyenaiḥ pārāvatais tathā //

mit Sperlingen und Pfauen, mit Papageien, ebenso mit Kuckucken, mit Tauben und Bachstelzen, mit Falken, ebenso mit Ringeltauben,

Wort für Wort
kalaviṅkaiḥ mayūraiḥ ca
mit Sperlingen und Pfauen
śukaiḥ kokilakaiḥ tathā
mit Papageien, ebenso mit Kuckucken
kapotaiḥ khañjarīṭaiḥ ca
mit Tauben und Bachstelzen
śyenaiḥ pārāvataiḥ tathā
mit Falken, ebenso mit Ringeltauben

khagaiś cānyair bahuvidhaiḥ śrotraramyair manoramaiḥ / saritaḥ puṣkariṇyaś ca sarāṃsi subahūni ca //

und mit anderen vielerlei, dem Ohr erfreuenden, bezaubernden Vögeln; Flüsse, Lotosteiche und sehr viele Seen,

Wort für Wort
khagaiḥ ca anyaiḥ bahuvidhaiḥ
und mit anderen vielerlei Vögeln
śrotraramyaiḥ manoramaiḥ
dem Ohr erfreuenden, bezaubernden
saritaḥ puṣkariṇyaḥ ca
Flüsse, Lotosteiche
sarāṃsi subahūni ca
und sehr viele Seen

anyair jalāśayaiḥ puṇyaiḥ kumudotpalamaṇḍitaiḥ / padmaiḥ sitetaraiḥ śubhraiḥ kahlāraiś ca sugandhibhiḥ //

und andere heilige Wasserbecken, mit Nachtlotos und Lotosblüten geschmückt, mit weißen und andersfarbigen strahlenden Lotosblüten und mit duftenden Kahlāra-Blüten,

Wort für Wort
anyaiḥ jalāśayaiḥ puṇyaiḥ
und andere heilige Wasserbecken
kumudotpalamaṇḍitaiḥ
mit Nachtlotos und Lotosblüten geschmückt
padmaiḥ sitetaraiḥ śubhraiḥ
mit weißen und andersfarbigen strahlenden Lotosblüten
kahlāraiḥ ca sugandhibhiḥ
und mit duftenden Kahlāra-Blüten

anyair bahuvidhaiḥ puṣpair jalajaiḥ sumanoharaiḥ / gandhāmodakarair divyaiḥ sarvartukusumojjvalaiḥ //

mit anderen vielerlei, im Wasser entstandenen, überaus bezaubernden Blüten, göttlich duftverbreitenden, strahlend von Blüten aller Jahreszeiten,

Wort für Wort
anyaiḥ bahuvidhaiḥ puṣpaiḥ jalajaiḥ
mit anderen vielerlei, im Wasser entstandenen Blüten
sumanoharaiḥ
überaus bezaubernden
gandhāmodakaraiḥ divyaiḥ
göttlich duftverbreitenden
sarvartukusumojjvalaiḥ
strahlend von Blüten aller Jahreszeiten

haṃsakāraṇḍavākīrṇaiś cakravākopaśobhitaiḥ / sārasaiś ca balākaiś ca kūrmair matsyaiḥ sanakrakaiḥ //

von Schwänen und Kāraṇḍava-Enten wimmelnd, von Cakravāka-Vögeln verschönert, mit Kranichen und Reihern, mit Schildkröten, Fischen und Krokodilen,

Wort für Wort
haṃsakāraṇḍavākīrṇaiḥ
von Schwänen und Kāraṇḍava-Enten wimmelnd
cakravākopaśobhitaiḥ
von Cakravāka-Vögeln verschönert
sārasaiḥ ca balākaiḥ ca
mit Kranichen und Reihern
kūrmaiḥ matsyaiḥ sanakrakaiḥ
mit Schildkröten, Fischen und Krokodilen

jalapādaiḥ kadambaiś ca plavaiś ca jalakukkuṭaiḥ / khagair jalacaraiś cānyair nānāravavibhūṣitaiḥ //

mit Jalapāda-Vögeln und Kādamba-Gänsen, mit Tauchvögeln und Wasserhühnern, mit anderen Vögeln und Wasserlebewesen, mit mancherlei Rufen geschmückt,

Wort für Wort
jalapādaiḥ kadambaiḥ ca
mit Jalapāda-Vögeln und Kādamba-Gänsen
plavaiḥ ca jalakukkuṭaiḥ
mit Tauchvögeln und Wasserhühnern
khagaiḥ jalacaraiḥ ca anyaiḥ
mit anderen Vögeln und Wasserlebewesen
nānāravavibhūṣitaiḥ
mit mancherlei Rufen geschmückt

nānāvarṇaiḥ sadā hṛṣṭair añcitāni samantataḥ / evaṃ nānāvidhaiḥ puṣpair vividhaiś ca jalāśayaiḥ //

von vielerlei Farbe, stets froh - [die Gewässer] sind ringsum bedeckt. So mit vielerlei Blüten und mancherlei Wasserbecken,

Wort für Wort
nānāvarṇaiḥ sadā hṛṣṭaiḥ
von vielerlei Farbe, stets froh
añcitāni samantataḥ
sind ringsum bedeckt
evam nānāvidhaiḥ puṣpaiḥ
so mit vielerlei Blüten
vividhaiḥ ca jalāśayaiḥ
und mancherlei Wasserbecken

vividhaiḥ pādapaiḥ puṇyair udyānair vividhais tathā / jalasthalacaraiś caiva vihagaiś cārvadhiṣṭhitaiḥ //

mit mancherlei heiligen Bäumen, ebenso mit mancherlei Gärten, mit im Wasser und auf dem Land lebenden [Tieren] und mit schön weilenden Vögeln,

Wort für Wort
vividhaiḥ pādapaiḥ puṇyaiḥ
mit mancherlei heiligen Bäumen
udyānaiḥ vividhaiḥ tathā
ebenso mit mancherlei Gärten
jalasthalacaraiḥ ca eva
mit im Wasser und auf dem Land lebenden [Tieren]
vihagaiḥ cāru adhiṣṭhitaiḥ
und mit schön weilenden Vögeln

devatāyatanair divyaiḥ śobhitā sā mahāpurī / tatrāste bhagavān devas tripurāris trilocanaḥ //

mit göttlichen Gottheitstempeln geschmückt war jene große Stadt. Dort weilt der erhabene Gott, der Feind der drei Städte, der Dreiäugige,

Wort für Wort
devatāyatanaiḥ divyaiḥ śobhitā
mit göttlichen Gottheitstempeln geschmückt
sā mahāpurī
jene große Stadt
tatra āste bhagavān devaḥ
dort weilt der erhabene Gott
tripurāriḥ trilocanaḥ
der Feind der drei Städte, der Dreiäugige

mahākāleti vikhyātaḥ sarvakāmapradaḥ śivaḥ / śivakuṇḍe naraḥ snātvā vidhivat pāpanāśane //

berühmt als Mahākāla, alle Wünsche gewährend - Śiva. Wer im Śiva-Becken, das die Sünde vernichtet, vorschriftsgemäß gebadet hat,

Wort für Wort
mahākāla iti vikhyātaḥ
berühmt als Mahākāla
sarvakāmapradaḥ śivaḥ
alle Wünsche gewährend, Śiva
śivakuṇḍe naraḥ snātvā vidhivat
wer im Śiva-Becken vorschriftsgemäß gebadet hat
pāpanāśane
das die Sünde vernichtet

devān pitṝn ṛṣīṃś caiva saṃtarpya vidhivad budhaḥ / gatvā śivālayaṃ paścāt kṛtvā taṃ triḥ pradakṣiṇam //

die Götter, Ahnen und Weisen vorschriftsgemäß zufriedengestellt, der Kundige, danach zum Śiva-Tempel gegangen, ihn dreimal umschreitend,

Wort für Wort
devān pitṝn ṛṣīn ca eva
die Götter, Ahnen und Weisen
saṃtarpya vidhivat budhaḥ
vorschriftsgemäß zufriedengestellt, der Kundige
gatvā śivālayam paścāt
danach zum Śiva-Tempel gegangen
kṛtvā tam triḥ pradakṣiṇam
ihn dreimal umschreitend

praviśya saṃyato bhūtvā dhautavāsā jitendriyaḥ / snānaiḥ puṣpais tathā gandhair dhūpair dīpaiś ca bhaktitaḥ //

eingetreten, gesammelt geworden, mit gewaschenem Gewand, die Sinne bezwungen, mit Bädern, Blumen, ebenso mit Duftstoffen, Räucherwerk und Lichtern, aus Hingabe,

Wort für Wort
praviśya saṃyataḥ bhūtvā
eingetreten, gesammelt geworden
dhautavāsāḥ jitendriyaḥ
mit gewaschenem Gewand, die Sinne bezwungen
snānaiḥ puṣpaiḥ tathā gandhaiḥ
mit Bädern, Blumen, ebenso mit Duftstoffen
dhūpaiḥ dīpaiḥ ca bhaktitaḥ
mit Räucherwerk und Lichtern, aus Hingabe

naivedyair upahāraiś ca gītavādyaiḥ pradakṣiṇaiḥ / daṇḍavatpraṇipātaiś ca nṛtyaiḥ stotraiś ca śaṃkaram //

mit Speiseopfergaben und Geschenken, mit Gesang, Instrumenten, Umschreitungen, mit stabgleichen Niederwerfungen, mit Tanz und Lobpreisungen den Śaṃkara,

Wort für Wort
naivedyaiḥ upahāraiḥ ca
mit Speiseopfergaben und Geschenken
gītavādyaiḥ pradakṣiṇaiḥ
mit Gesang, Instrumenten, Umschreitungen
daṇḍavatpraṇipātaiḥ ca
mit stabgleichen Niederwerfungen
nṛtyaiḥ stotraiḥ ca śaṃkaram
mit Tanz und Lobpreisungen den Śaṃkara

saṃpūjya vidhivad bhaktyā mahākālaṃ sakṛc chivam / aśvamedhasahasrasya phalaṃ prāpnoti mānavaḥ //

vorschriftsgemäß mit Hingabe verehrt habend, den Mahākāla, den Śiva, auch nur einmal, erlangt der Mensch die Frucht von tausend Aśvamedha[-Opfern].

Wort für Wort
saṃpūjya vidhivat bhaktyā
vorschriftsgemäß mit Hingabe verehrt habend
mahākālam sakṛt śivam
den Mahākāla, den Śiva, auch nur einmal
aśvamedhasahasrasya phalam
die Frucht von tausend Aśvamedha[-Opfern]
prāpnoti mānavaḥ
erlangt der Mensch

pāpaiḥ sarvair vinirmukto vimānaiḥ sārvakāmikaiḥ / āruhya tridivaṃ yāti yatra śaṃbhor niketanam //

Von aller Sünde befreit, auf Flugwagen, die alle Wünsche gewähren, steigend, geht er zum dreifachen Himmel ein, wo Śambhus Wohnstatt ist,

Wort für Wort
pāpaiḥ sarvaiḥ vinirmuktaḥ
von aller Sünde befreit
vimānaiḥ sārvakāmikaiḥ
auf Flugwagen, die alle Wünsche gewähren
āruhya tridivam yāti
steigend, geht er zum dreifachen Himmel ein
yatra śaṃbhoḥ niketanam
wo Śambhus Wohnstatt ist

divyarūpadharaḥ śrīmān divyālaṃkārabhūṣitaḥ / bhuṅkte tatra varān bhogān yāvad ābhūtasaṃplavam //

eine göttliche Gestalt tragend, glanzvoll, mit göttlichem Schmuck geziert, genießt er dort vorzügliche Genüsse bis zur [nächsten] Weltauflösung,

Wort für Wort
divyarūpadharaḥ śrīmān
eine göttliche Gestalt tragend, glanzvoll
divyālaṃkārabhūṣitaḥ
mit göttlichem Schmuck geziert
bhuṅkte tatra varān bhogān
genießt er dort vorzügliche Genüsse
yāvat ābhūtasaṃplavam
bis zur [nächsten] Weltauflösung

śivaloke muniśreṣṭhā jarāmaraṇavarjitaḥ / puṇyakṣayād ihāyātaḥ pravare brāhmaṇe kule //

in der Welt Śivas, o beste der Weisen, frei von Alter und Tod; wenn sein Verdienst schwindet, hierher gekommen, in einer vorzüglichen Brahmanenfamilie,

Wort für Wort
śivaloke
in der Welt Śivas
muniśreṣṭhāḥ
o beste der Weisen
jarāmaraṇavarjitaḥ
frei von Alter und Tod
puṇyakṣayāt ihā āyātaḥ
wenn sein Verdienst schwindet, hierher gekommen
pravare brāhmaṇe kule
in einer vorzüglichen Brahmanenfamilie

caturvedī bhaved vipraḥ sarvaśāstraviśāradaḥ / yogaṃ pāśupataṃ prāpya tato mokṣam avāpnuyāt //

wird er ein Brahmane, Kenner der vier Veden, in allen Lehrschriften bewandert; das Pāśupata-Joch erlangend, erlangt er danach die Erlösung.

Wort für Wort
caturvedī bhavet vipraḥ
wird er ein Brahmane, Kenner der vier Veden
sarvaśāstraviśāradaḥ
in allen Lehrschriften bewandert
yogam pāśupatam prāpya
das Pāśupata-Joch erlangend
tataḥ mokṣam avāpnuyāt
danach erlangt er die Erlösung

āste tatra nadī puṇyā śiprā nāmeti viśrutā / tasyāṃ snātas tu vidhivat saṃtarpya pitṛdevatāḥ //

Dort ist ein heiliger Fluss, bekannt unter dem Namen Śiprā; wer in ihm vorschriftsgemäß gebadet und die Ahnen und Götter zufriedengestellt hat,

Wort für Wort
āste tatra nadī puṇyā
dort ist ein heiliger Fluss
śiprā nāma iti viśrutā
bekannt unter dem Namen Śiprā
tasyām snātaḥ tu vidhivat
wer in ihm vorschriftsgemäß gebadet hat
saṃtarpya pitṛdevatāḥ
die Ahnen und Götter zufriedengestellt habend

sarvapāpavinirmukto vimānavaram āsthitaḥ / bhuṅkte bahuvidhān bhogān svargaloke narottamaḥ //

von aller Sünde befreit, auf einem vorzüglichen Flugwagen weilend, genießt der beste der Männer vielerlei Genüsse in der Himmelswelt.

Wort für Wort
sarvapāpavinirmuktaḥ
von aller Sünde befreit
vimānavaram āsthitaḥ
auf einem vorzüglichen Flugwagen weilend
bhuṅkte bahuvidhān bhogān
genießt vielerlei Genüsse
svargaloke narottamaḥ
in der Himmelswelt, der beste der Männer

āste tatraiva bhagavān devadevo janārdanaḥ / govindasvāmināmāsau bhuktimuktiprado hariḥ //

Dort eben weilt der erhabene Gott der Götter, Janārdana, dieser Hari, benannt Govindasvāmin, Genuss und Erlösung gewährend.

Wort für Wort
āste tatra eva bhagavān devadevaḥ janārdanaḥ
dort eben weilt der erhabene Gott der Götter, Janārdana
govindasvāmi nāma asau
dieser, benannt Govindasvāmin
bhuktimuktipradaḥ hariḥ
Genuss und Erlösung gewährender Hari

taṃ dṛṣṭvā muktim āpnoti trisaptakulasaṃyutaḥ / vimānenārkavarṇena kiṅkiṇījālamālinā //

Wer ihn erblickt hat, erlangt die Erlösung, samt einundzwanzig Geschlechtern [seiner Sippe], auf einem sonnenfarbenen Flugwagen, bekränzt mit einem Netz von Glöckchen,

Wort für Wort
tam dṛṣṭvā muktim āpnoti
ihn erblickt habend, erlangt er die Erlösung
trisaptakulasaṃyutaḥ
samt einundzwanzig (dreimal-sieben) Geschlechtern [seiner Sippe]
vimānena ārkavarṇena
auf einem sonnenfarbenen Flugwagen
kiṅkiṇījālamālinā
bekränzt mit einem Netz von Glöckchen

sarvakāmasamṛddhena kāmagenāsthireṇa ca / upagīyamāno gandharvair viṣṇuloke mahīyate //

reich an allen Wünschen, nach Belieben beweglich und rasch fahrend, von Gandharvas besungen, wird er in Viṣṇus Welt hoch geehrt,

Wort für Wort
sarvakāmasamṛddhena
reich an allen Wünschen
kāmagena asthireṇa ca
nach Belieben beweglich und rasch fahrend
upagīyamānaḥ gandharvaiḥ
von Gandharvas besungen
viṣṇuloke mahīyate
wird er in Viṣṇus Welt hoch geehrt

bhuṅkte ca vividhān kāmān nirātaṅko gatajvaraḥ / ābhūtasaṃplavaṃ yāvat surūpaḥ subhagaḥ sukhī //

und genießt mancherlei Wünsche, frei von Angst, frei von Fieber, bis zur Weltauflösung, wohlgestaltet, anmutig, glücklich.

Wort für Wort
bhuṅkte ca vividhān kāmān
und genießt mancherlei Wünsche
nirātaṅkaḥ gatajvaraḥ
frei von Angst, frei von Fieber
ābhūtasaṃplavam yāvat
bis zur Weltauflösung
surūpaḥ subhagaḥ sukhī
wohlgestaltet, anmutig, glücklich

kālenāgatya matimān brāhmaṇaḥ syān mahītale / pravare yogināṃ gehe vedaśāstrārthatattvavit //

Mit der Zeit hierher gekommen, wird der Kluge ein Brahmane auf der Erde, im vorzüglichen Hause von Yogins, ein Kenner der wahren Bedeutung von Veda und Lehrschrift,

Wort für Wort
kālena āgatya matimān
mit der Zeit hierher gekommen, der Kluge
brāhmaṇaḥ syāt mahītale
wird er ein Brahmane auf der Erde
pravare yogināṃ gehe
im vorzüglichen Hause von Yogins
vedaśāstrārthatattvavit
ein Kenner der wahren Bedeutung von Veda und Lehrschrift

vaiṣṇavaṃ yogam āsthāya tato mokṣam avāpnuyāt / vikramasvāmināmānaṃ viṣṇuṃ tatraiva bho dvijāḥ //

das Viṣṇu-Joch ergreifend, erlangt er danach die Erlösung. Den ebendort [befindlichen], Vikramasvāmin benannten Viṣṇu, o Zweifachgeborene,

Wort für Wort
vaiṣṇavam yogam āsthāya
das Viṣṇu-Joch ergreifend
tataḥ mokṣam avāpnuyāt
danach erlangt er die Erlösung
vikramasvāmi nāmānam viṣṇum
den Vikramasvāmin benannten Viṣṇu
tatra eva bho dvijāḥ
ebendort, o Zweifachgeborene

dṛṣṭvā naro vā nārī vā phalaṃ pūrvoditaṃ labhet / anye 'pi tatra tiṣṭhanti devāḥ śakrapurogamāḥ //

wer ihn erblickt, sei es Mann oder Frau, erlangt die zuvor genannte Frucht. Auch andere Götter weilen dort, mit Śakra [Indra] an der Spitze,

Wort für Wort
dṛṣṭvā naraḥ vā nārī vā
erblickt habend, sei es Mann oder Frau
phalam pūrvoditam labhet
erlangt er die zuvor genannte Frucht
anye api tatra tiṣṭhanti devāḥ
auch andere Götter weilen dort
śakrapurogamāḥ
mit Śakra [Indra] an der Spitze

mātaraś ca muniśreṣṭhāḥ sarvakāmaphalapradāḥ / dṛṣṭvā tān vidhivad bhaktyā saṃpūjya praṇipatya ca //

und die Mütter[-Göttinnen], o beste der Weisen, alle Wunschfrüchte gewährend; wer diese erblickt, vorschriftsgemäß mit Hingabe verehrt und sich verneigt hat,

Wort für Wort
mātaraḥ ca
und die Mütter[-Göttinnen]
muniśreṣṭhāḥ
o beste der Weisen
sarvakāmaphalapradāḥ
alle Wunschfrüchte gewährend
dṛṣṭvā tān vidhivat bhaktyā saṃpūjya praṇipatya ca
diese erblickt, vorschriftsgemäß mit Hingabe verehrt und sich verneigt habend

sarvapāpavinirmukto naro yāti triviṣṭapam / evaṃ sā nagarī ramyā rājasiṃhena pālitā //

der Mann, von aller Sünde befreit, geht zum Himmel ein. So [war] jene liebliche Stadt, vom Löwen unter den Königen beschützt,

Wort für Wort
sarvapāpavinirmuktaḥ naraḥ
der Mann, von aller Sünde befreit
yāti triviṣṭapam
geht zum Himmel ein
evam sā nagarī ramyā
so [war] jene liebliche Stadt
rājasiṃhena pālitā
vom Löwen unter den Königen beschützt

nityotsavapramuditā yathendrasyāmarāvatī / purāṣṭādaśasaṃyuktā suvistīrṇacatuṣpathā //

durch beständige Feste erfreut, wie Indras Stadt Amarāvatī, mit achtzehn [Stadtteilen] versehen, mit weit ausgedehnten Kreuzungen,

Wort für Wort
nityotsavapramuditā
durch beständige Feste erfreut
yathā indrasya amarāvatī
wie Indras Stadt Amarāvatī
purāṣṭādaśasaṃyuktā
mit achtzehn [Stadtteilen] versehen [?]
suvistīrṇacatuṣpathā
mit weit ausgedehnten Kreuzungen

[?] "purāṣṭādaśasaṃyuktā" ("mit achtzehn Purās/Stadtteilen versehen") bleibt unsicher - evtl. sind achtzehn Vorstädte, Zünfte oder Verwaltungsbezirke gemeint.

dhanurjyāghoṣaninadā siddhasaṃgamabhūṣitā / vidyāvadgaṇabhūyiṣṭhā vedanirghoṣanāditā //

ertönend vom Klang der Bogensehnen, geschmückt durch Zusammenkünfte von Siddhas, überaus reich an Scharen von Gelehrten, ertönend vom Klang der Veden,

Wort für Wort
dhanurjyāghoṣaninadā
ertönend vom Klang der Bogensehnen
siddhasaṃgamabhūṣitā
geschmückt durch Zusammenkünfte von Siddhas
vidyāvadgaṇabhūyiṣṭhā
überaus reich an Scharen von Gelehrten
vedanirghoṣanāditā
ertönend vom Klang der Veden

itihāsapurāṇāni śāstrāṇi vividhāni ca / kāvyālāpakathāś caiva śrūyante 'harniśaṃ dvijāḥ //

die Itihāsas und Purāṇas, die mannigfaltigen Lehrschriften, und Kāvya-Reden und Erzählungen wurden Tag und Nacht gehört, o Zweifachgeborene.

Wort für Wort
itihāsapurāṇāni
die Itihāsas und Purāṇas
śāstrāṇi vividhāni ca
die mannigfaltigen Lehrschriften
kāvyālāpakathāḥ ca eva
und Kāvya-Reden und Erzählungen
śrūyante aharniśam dvijāḥ
wurden Tag und Nacht gehört, o Zweifachgeborene

evaṃ mayā guṇāḍhyā sā taduyinī?? samudāhṛtā / yasyāṃ rājābhavat pūrvam indradyumno mahāmatiḥ //

So wurde von mir jene an Vorzügen reiche [Stadt] - Ujjayinī - beschrieben, in der einst der hochweise König Indradyumna herrschte.

Wort für Wort
evam mayā guṇāḍhyā sā
so [wurde] von mir jene an Vorzügen reiche [Stadt]
taduyinī?? [ujjayinī]
Ujjayinī [?, im Quelltext als unsicher markiert]
samudāhṛtā
beschrieben
yasyām rājā abhavat pūrvam
in der einst ein König war
indradyumnaḥ mahāmatiḥ
der hochweise Indradyumna

[Anm.: Die Quelle liest an dieser Stelle "taduyinī??" - mit einem im Quelltext selbst stehenden Doppel-Fragezeichen, das dort offenbar eine unsichere/korrupte Lesart markiert. Gemeint ist mit ziemlicher Sicherheit "ujjayinī", der bekannte (zweite) Name der zuvor als "Avantī" bezeichneten Stadt (das heutige Ujjain).]

Interaktive Leseansicht des ganzen Werks