Kapitel 65: kṛṣṇabalabhadrasubhadrāsnānayātrāmāhātmyavarṇanam
Die Größe der jährlichen Bade-Fahrt (Snānayātrā) von Kṛṣṇa, Balabhadra und Subhadrā zum Jyeṣṭha-Vollmond
Brahmā beschreibt das jährliche große Bade-Fest der drei Bildnisse am Jyeṣṭha-Vollmond: den Bau der geschmückten Bade-Plattform (Mañca), das Bad selbst unter gewaltigem Andrang aller vier Stände unter Verwendung der Wasser sämtlicher zuvor genannten Pilgerstätten, die Anwesenheit und Verehrung durch Himmelswesen und einen umfangreichen kosmischen Versammlungskatalog (Götter, Weise, personifizierte Flüsse und Berge, Göttinnen u.a.) bei der eigentlichen Abhiṣeka-Waschung mit goldenen Gefäßen. Es folgt eine achtteilige, in Prosa gehaltene 'Jaya-Jaya'-Litanei von Viṣṇu-Kṛṣṇa-Beinamen (V49) sowie zwei metrische Schluss-Jaya-Verse (V50f.). Den Hauptteil des zweiten Kapitelabschnitts bilden zwei lange formelhafte Verdienst-Gleichsetzungs-Reihen: V59-73 setzen zahlreiche traditionelle Gaben und Gelübde (Kuh-, Land-, Gold-, Elefanten-Gaben, Fasten u.a.) der bloßen Anblicks-Frucht Kṛṣṇas auf der Plattform gleich; V83-96 setzen den Anblick des nach Süden schreitenden gebadeten Kṛṣṇa der Verdienst-Frucht des Besuchs sämtlicher großer Tīrthas der Erde (Badarī, Gaṅgādvāra, Prayāga, Śālagrāma, Puṣkara, Gaṅgāsāgara u.a.) gleich, einschließlich bei Sonnenfinsternis. Dazwischen (V77-82) wird das Bade-Restwasser (Snānaśeṣa) Kṛṣṇas als Heilmittel für unfruchtbare, unglückliche, dämonisch geplagte oder kranke Frauen und als allen anderen heiligen Gewässern überlegen beschrieben.
{munaya ūcuḥ:} kasmin kāle bhavet snānaṃ kṛṣṇasya kamalodbhava / vidhinā kena tad brūhi tato vidhividāṃ vara // BrP_65.1 //
Die Weisen sprachen: Zu welcher Zeit findet das Bad Kṛṣṇas statt, o Lotosgeborener [Brahmā]? Sag uns, nach welcher Vorschrift, o Bester der Vorschriftskundigen.
Wenn der Monat Jyeṣṭha eingetreten ist, unter dem Mondhaus, dessen Gottheit der Mond ist, dann [findet] am Vollmondtag das Bad Haris statt – zu jeder [anderen] Zeit auch, o Zweifachgeborene.
Ein aus allen Pilgerstätten [gebildeter] Brunnen befindet sich dort, makellos, rein; dann wird dort die [Unterwelt-Flusgöttin] Bhogavatī sichtbar, o Zweifachgeborene.
Wort für Wort
sarvatīrthamayaḥ kūpaḥ
ein aus allen Pilgerstätten gebildeter Brunnen
tatra āste nirmalaḥ śuciḥ
befindet sich dort, makellos, rein
tadā bhogavatī tatra
dann die Bhogavatī dort
pratyakṣā bhavati dvijāḥ
wird sichtbar, o Zweifachgeborene
[Anm.: 'Bhogavatī' – Name des himmlischen Gaṅgā-Armes in der Unterwelt (Pātāla); ihr sichtbares Erscheinen an diesem Brunnen unterstreicht dessen besondere Heiligkeit.]
Nachdem man daraus am [Vollmondtag des] Jyeṣṭha mit goldreichen Krügen Wasser geschöpft hat, zum Zweck der Übergießung (Abhiṣeka) Kṛṣṇas, Rāmas und der Subhadrā, o Zweifachgeborene,
nachdem man eine wohlgestaltete Plattform (Mañca), mit Bannern geschmückt, sehr fest, bequem zu besteigen, mit Tüchern und Blumen geschmückt, errichtet hat,
nachdem man dort, unter vielfältigen Instrumenten, den blaugewandeten Kṛṣṇa, o Zweifachgeborene, [und] in der Mitte Subhadrā, unter Jaya-Maṅgala-Rufen, aufgestellt hat,
baden dann Haushälter, Snātakas [Bade-Absolventen], Asketen und Brahmacārins den auf der Plattform befindlichen Kṛṣṇa, zusammen mit dem Pflugträger [Balarāma],
Wort für Wort
gṛhasthāḥ snātakāḥ ca eva
Haushälter, Snātakas
yatayaḥ brahmacāriṇaḥ
Asketen und Brahmacārins
snāpayanti tadā kṛṣṇam
baden dann Kṛṣṇa
mañcasthaṃ sahalāyudham
auf der Plattform befindlich, zusammen mit dem Pflugträger
und mit den Wassern aller zuvor genannten Pilgerstätten, o beste der Zweifachgeborenen, mit Blumen vermischt, baden sie [ihn], jede [Pilgerstätte] gesondert.
danach, mit dem Klang von Trommeln, Muscheln und dergleichen, von Kesselpauken und Handtrommeln, mit Hörnern, Beckenschlägen, Mṛdaṅgas und ebenso Jharjhara-Trommeln,
mit dem vedischen Klang der Weisen, mit anderen Mantra-Klängen ebenso, mit den vielfältigen, heiligen Tönen der Lobhymnen, verstärkt durch den Klang des Sāmaveda,
Wort für Wort
munīnām vedaśabdena
mit dem vedischen Klang der Weisen
mantraśabdaiḥ tathā aparaiḥ
und ebenso mit anderen Mantra-Klängen
nānāstotraravaiḥ puṇyaiḥ
mit den vielfältigen, heiligen Tönen der Lobhymnen
werden Rāma und Keśava mit göttlichen, juwelenbesetzten Ohrringen, mit goldenen Büscheln versehen, mit Wedeln (Cāmara) an juwelenbesetzten Stäben gefächelt.
namas te devadeveśa purāṇa puruṣottama / sargasthityantakṛd deva lokanātha jagatpate // BrP_65.21 //
‚Verehrung sei dir, o Herr der Götter der Götter, uralter Puruṣottama, du Gott, der Schöpfung, Erhaltung und Ende bewirkt, o Herr der Welten, o Herr des Alls,
den die drei Welten tragenden Gott, den Brahmanenfreundlichen, die Ursache der Erlösung – ihn verehren wir mit Hingabe, den Gewährer der Frucht aller Wünsche.‘
Wort für Wort
trailokyadhāriṇam devam
den die drei Welten tragenden Gott
brahmaṇyam mokṣakāraṇam
den Brahmanenfreundlichen, die Ursache der Erlösung
Indra und die anderen Götter, alle Seher, ebenso die Vorfahren, die Herren der Geschöpfe (Prajāpatis), die Nāgas, und wer sonst noch im Himmel wohnt –
Wort für Wort
śakrādyāḥ vibudhāḥ sarve
Indra und die anderen Götter, alle
ṛṣayaḥ pitaraḥ tathā
die Seher, ebenso die Vorfahren
prajānām patayaḥ nāgāḥ
die Herren der Geschöpfe, die Nāgas
ye ca anye svargavāsinaḥ
und wer sonst noch im Himmel wohnt
[Anm.: Beginn einer ausgedehnten Aufzählung der zur Abhiṣeka-Zeremonie versammelten Götter und Wesen (V26-42), vergleichbar mit früheren kosmologischen Katalogen dieses Werks.]
Dann, nachdem die Götterscharen mit den glücksbringenden Utensilien, mit vorschriftsmäßigen Mantras versehen, die Übergießungs-Substanzen ergriffen haben,
Indra, der überaus kraftvolle Viṣṇu, Sonne und Mond, ebenso Dhātṛ und Vidhātṛ, und ebenso Wind und Feuer,
Wort für Wort
indraḥ viṣṇuḥ mahāvīryaḥ
Indra, der überaus kraftvolle Viṣṇu
sūryācandramasau tathā
ebenso Sonne und Mond
dhātā ca eva vidhātā ca
und Dhātṛ und Vidhātṛ
tathā ca eva anilānalau
und ebenso Wind und Feuer
[Anm.: Beginn einer ausgedehnten Aufzählung der zur Abhiṣeka-Zeremonie versammelten Götter, Weisen und kosmischen Prinzipien (V28-42), vergleichbar früheren kosmologischen Katalogen dieses Werks.]
mit den Gandharvas und Apsaras, mit Yakṣas, Rākṣasas und Schlangenwesen (Pannaga), mit unzähligen Götterweisen, ebenso mit den vortrefflichen Brahmanenweisen,
mit den Vaikhānasas, den Vālakhilyas, denen, die von Wind leben, den Marīcipas [„Sonnenstrahl-Trinkern“], den Bhṛgus und Aṅgirasas, die in aller Wissenschaft fest gegründet sind,
uccaiḥśravā hayaśreṣṭho nāgarājaś ca vāmanaḥ / aruṇo garuḍaś caiva vṛkṣāś cauṣadhibhiḥ saha // BrP_65.40 //
Uccaiḥśravas, das beste der Pferde, und der Schlangenkönig namens Vāmana, Aruṇa und Garuḍa, und die Bäume zusammen mit den Heilkräutern,
Wort für Wort
uccaiḥśravāḥ hayaśreṣṭhaḥ
Uccaiḥśravas, das beste der Pferde
nāgarājaḥ ca vāmanaḥ [?]
und der Schlangenkönig namens Vāmana [?]
aruṇaḥ garuḍaḥ ca eva
Aruṇa und Garuḍa
vṛkṣāḥ ca auṣadhibhiḥ saha
und die Bäume zusammen mit den Heilkräutern
[Anm.: 'Vāmana' als Name eines Schlangenkönigs (Nāgarāja) ist ungewöhnlich, da dieser Name sonst den Zwerg-Avatāra Viṣṇus bezeichnet; hier offenbar ein gleichnamiger, gesonderter Nāga [?].]
bahulatvāc ca noktā ye vividhā devatāgaṇāḥ / te devasyābhiṣekārthaṃ samāyānti tatas tataḥ // BrP_65.42 //
und die vielfältigen Götterscharen, die wegen ihrer Menge nicht [eigens] genannt wurden – sie alle kommen von überallher zum Zweck der Übergießung des Gottes zusammen.
Wort für Wort
bahulatvāt ca na uktāḥ ye
und die wegen ihrer Menge nicht genannt wurden
vividhāḥ devatāgaṇāḥ
die vielfältigen Götterscharen
te devasya abhiṣekārtham
sie zum Zweck der Übergießung des Gottes
samāyānti tataḥ tataḥ
kommen von überallher zusammen
[Anm.: Abschluss des ausgedehnten Götter- und Wesenskatalogs (V28-42).]
divyasaṃbhārasaṃyuktaiḥ kalaśaiḥ kāñcanair dvijāḥ / sārasvatībhiḥ puṇyābhir divyatoyābhir eva ca // BrP_65.44 //
mit goldenen Krügen, versehen mit göttlichen Ingredienzien, o Zweifachgeborene, mit den heiligen [Wassern] der Sarasvatī, und auch mit göttlichen Wassern,
Heil, Heil, Weltenhüter, Beschützer der Hingebungsvollen! Heil, Heil, Liebender der sich Verneigenden! Heil, Heil, [du,] der zu den Wesen wandelt! Heil, Heil, Urgott, vielfache Ursache! Heil, Heil, Vāsudeva! Heil, Heil, Vernichter der Dämonen! Heil, Heil, göttlicher Fisch! Heil, Heil, Bester der Götter! Heil, Heil, [du,] der auf dem Ozean ruht! (1) Heil, Heil, Bester der Yogis! Heil, Heil, [du,] dessen Auge die Sonne ist! Heil, Heil, König der Götter! Heil, Heil, Feind des Kaiṭabha! Heil, Heil, Bester der Veden! Heil, Heil, [du] in Schildkrötengestalt! Heil, Heil, Bester der Opfer! Heil, Heil, Lotosnabliger! Heil, Heil, [du,] der auf Bergen wandelt! (2) Heil, Heil, [du,] im Yoga-Schlaf Ruhender! Heil, Heil, Träger der Wucht! Heil, Heil, Allgestaltiger! Heil, Heil, Diskusträger! Heil, Heil, Herr der Wesen! Heil, Heil, Träger der Erde! Heil, Heil, auf Śeṣa Ruhender! Heil, Heil, [du] in gelbem Gewand! Heil, Heil, Geliebter des Mondes! (3) Heil, Heil, Wohnstatt des Yoga! Heil, Heil, [du] mit feurigem Antlitz! Heil, Heil, Wohnstatt des Dharma! Heil, Heil, Schatz der guten Eigenschaften! Heil, Heil, Wohnstatt der Śrī! Heil, Heil, [du,] auf Garuḍa Fahrender! Heil, Heil, Wohnstatt des Glücks! Heil, Heil, Banner des Dharma! Heil, Heil, Wohnstatt der Erde! (4) Heil, Heil, [du] von unergründlichem Wandel! Heil, Heil, [du,] den die Yogis erreichen! Heil, Heil, Wohnstatt des Opfers! Heil, Heil, [du,] den die Veden erkennen! Heil, Bewirker des Friedens! Heil, Heil, [du,] von den Yogis Erdachter! Heil, Heil, Bewirker des Gedeihens! Heil, Heil, Gestalt des Wissens! Heil, Heil, Lotosteich! (5) Heil, Heil, [du,] den man im [reinen] Gemüt erkennt! Heil, Heil, Bewirker der Befreiung! Heil, Heil, [du] von makellosem Leib! Heil, Heil, Wohnstatt der Wesenshaftigkeit! Heil, Heil, [du,] reich an guten Eigenschaften! Heil, Heil, Bewirker des Opfers! Heil, Heil, [du,] frei von [bindenden] Eigenschaften! Heil, Heil, Bewirker der Erlösung! Heil, Heil, Zuflucht der Erde! (6) Heil, Heil, [du] voller Glanz! Heil, Heil, Zuflucht der Welt! Heil, Heil, [du] mit Lakṣmī vereint! Heil, Heil, Lotosäugiger! Heil, Heil, Bewirker der Schöpfung! Heil, Heil, [du] im Yoga vereint! Heil, Heil, [du,] dessen Leib dunkel wie die Flachsblüte ist! Heil, Heil, [du,] dessen Leib in den Ozean eingegangen ist! Heil, Heil, [du,] Biene am Lotos der Lakṣmī! (7) Heil, Heil, [du,] den Hingebungsvollen unterworfen! Heil, Heil, Geliebter der Welt! Heil, Heil, höchst Friedvoller! Heil, Heil, höchste Essenz! Heil, Heil, Diskusträger! Heil, Heil, [du,] mit der Schlange [Śeṣa] vereint! Heil, Heil, [du] in blauem Gewand! Heil, Heil, Bewirker des Friedens! Heil, Heil, Bewirker der Erlösung! Heil, Heil, Nehmer der Trübung! (8)
Wort für Wort
jaya jaya (wiederholt)
'Heil, Heil' — Ruf-Formel, die jedem Epitheton vorangestellt ist
lokapāla, bhaktarakṣaka, praṇatavatsala usw.
Weltenhüter, Beschützer der Hingebungsvollen, Liebender der sich Verneigenden usw. — Reihe von Anrufungs-Epitheta
[Anm.: Ausgedehnte, im Quelltext als achtteiliger Prosa-Abschnitt (BrP_65.49/1 bis /8) markierte 'Jaya-Jaya'-Epitheta-Litanei ohne Vers-Metrum – ein dichtes Bündel von Anrufungsnamen Viṣṇu-Kṛṣṇas, hier als eine zusammenhängende Einheit wiedergegeben, mit (1)-(8) zur Kennzeichnung der acht Quellabschnitte.]
jaya mālāvṛtoraska jaya cakragadādhara / jaya padmālayākānta jaya viṣṇo namo 'stu te // BrP_65.51 //
Heil, [du,] dessen Brust mit einer Girlande umhüllt ist! Heil, Träger von Diskus und Keule! Heil, Geliebter der in der Lotosblüte Wohnenden [Lakṣmī]! Heil, Viṣṇu, Verehrung sei dir!
Wort für Wort
jaya mālāvṛtoraska
Heil, [du,] dessen Brust mit einer Girlande umhüllt ist
evaṃ stutvā tadā devāḥ śakrādyā hṛṣṭamānasāḥ /
siddhacāraṇasaṃghāś ca ye cānye svargavāsinaḥ // BrP_65.52 //
So, nachdem sie [ihn] gepriesen hatten, gingen da die Götter, angeführt von Śakra [Indra], mit erfreutem Sinn, und die Scharen der Siddhas und Cāraṇas und die anderen Himmelsbewohner, welche es auch gab, [fort].
dṛṣṭvā stutvā namaskṛtvā tadā te tridivaukasaḥ /
kṛṣṇaṃ rāmaṃ subhadrāṃ ca yānti svaṃ svaṃ niveśanam // BrP_65.54 //
Nachdem sie [ihn] gesehen, gepriesen und sich verneigt hatten, da gehen die Himmelsbewohner, [nachdem sie] Kṛṣṇa, Rāma und Subhadrā [verehrt hatten], ein jeder zu seiner eigenen Wohnstätte.
Nachdem sie Puruṣottama, der zusammen mit Subhadrā und Rāma auf der Plattform weilt, gesehen haben, gehen sie zum leidlosen Ort – daran besteht kein Zweifel.
Die Frucht, welche durch die Gabe von hundert falben Kühen (Kapilā) in Puṣkara überliefert ist – diese Frucht erlangt der gutes wirkende Mann, o beste der Munis, indem er Kṛṣṇa, der zusammen mit dem Pflugträger [Balarāma] auf der Plattform weilt, und Subhadrā erblickt.
Wort für Wort
kapilāśatadānena
durch die Gabe von hundert falben Kühen (Kapilā)
yat phalaṃ
welche Frucht
puṣkare
in Puṣkara
smṛtam
überliefert ist
tat phalaṃ
diese Frucht
kṛṣṇam ālokya
indem er Kṛṣṇa erblickt
mañcastham
auf der Plattform weilend
sahalāyudham
zusammen mit dem Pflugträger (Balarāma)
subhadrāṃ ca
und Subhadrā
muniśreṣṭhāḥ
o beste der Munis
prāpnoti
erlangt
śubhakṛt naraḥ
der gutes wirkende Mann
[Anm.: Dieser Vers erstreckt sich unregelmäßig über drei Zeilen (6 Pādas) statt der üblichen zwei; die Struktur des Quelltexts wird beibehalten. Es eröffnet die folgende lange Reihe formelhafter Verdienst-Gleichsetzungen mit dem Anblick Kṛṣṇas auf der Plattform.]
Die Frucht, die durch die Gabe von hundert Jungfrauen verkündet ist – diese Frucht erlangt der Mann, indem er Kṛṣṇa auf der Plattform weilend erblickt.
Die Frucht, die durch die Gabe von hundert goldenen Niṣka [Goldmünzen] überliefert ist – diese Frucht erlangt der Mann, indem er Kṛṣṇa auf der Plattform weilend erblickt.
Wort für Wort
suvarṇaśataniṣkāṇāṃ dānena
durch die Gabe von hundert Niṣka (Goldmünzen) aus Gold
Die Frucht, die durch die vorschriftsmäßige Gabe von Land verkündet ist – diese Frucht erlangt der Mann, indem er Kṛṣṇa auf der Plattform weilend erblickt.
Und die Frucht, die durch Speisegabe [und] Gastfreundschaft (Arghya-Darbringung) verkündet ist – diese Frucht erlangt der Mann, indem er Kṛṣṇa auf der Plattform weilend erblickt.
Die Frucht, die durch die vorschriftsmäßige Freilassung eines [Opfer-]Stiers (Vṛṣotsarga) verkündet ist – diese Frucht erlangt der Mann, indem er Kṛṣṇa auf der Plattform weilend erblickt.
Wort für Wort
vṛṣotsargeṇa vidhivat
durch die vorschriftsmäßige Freilassung eines Stiers (Vṛṣotsarga)
Die Frucht, die durch Wassergabe im Sommer oder anderswo verkündet ist – diese Frucht erlangt der Mann, indem er Kṛṣṇa auf der Plattform weilend erblickt.
Die Frucht, die durch die Gabe einer Sesam-Kuh (Tiladhenu) gepriesen wird – diese Frucht erlangt der Mann, indem er Kṛṣṇa auf der Plattform weilend erblickt.
Die Frucht, die durch die Gabe von Elefant, Pferd und Wagen verkündet ist – diese Frucht erlangt der Mann, indem er Kṛṣṇa auf der Plattform weilend erblickt.
Die Frucht, die durch die Gabe einer goldgehörnten [Kuh] verkündet ist – diese Frucht erlangt der Mann, indem er Kṛṣṇa auf der Plattform weilend erblickt.
Die Frucht, die durch die Gabe einer Wasser-Kuh (Jaladhenu) verkündet ist – diese Frucht erlangt der Mann, indem er Kṛṣṇa auf der Plattform weilend erblickt.
dānena ghṛtadhenvāś ca phalaṃ yat samudāhṛtam /
tat phalaṃ kṛṣṇam ālokya mañcasthaṃ labhate naraḥ // BrP_65.71 //
Und die Frucht, die durch die Gabe einer Ghee-Kuh (Ghṛtadhenu) verkündet ist – diese Frucht erlangt der Mann, indem er Kṛṣṇa auf der Plattform weilend erblickt.
Die Frucht, die durch das vollzogene Cāndrāyaṇa[-Fasten] verkündet ist – diese Frucht erlangt der Mann, indem er Kṛṣṇa auf der Plattform weilend erblickt.
Die Frucht, die durch vorschriftsmäßiges einmonatiges Fasten verkündet ist – diese Frucht erlangt der Mann, indem er Kṛṣṇa auf der Plattform weilend erblickt.
Doch was [nützt es], viel und immer wieder Gesagtes und Gesprochenes [zu wiederholen]? [So groß ist] die Größe dieses Gottes, der auf der Plattform weilt, o Beste der Zweifachgeborenen, [dass...]
yat phalaṃ sarvatīrtheṣu vratair dānaiś ca kīrtitam /
tat phalaṃ kṛṣṇam ālokya mañcasthaṃ sahalāyudham // BrP_65.75 //
[dass] die Frucht, die an allen Pilgerstätten durch Gelübde und Gaben verkündet ist, diese Frucht [erlangt man], indem man Kṛṣṇa, der zusammen mit dem Pflugträger [Balarāma] auf der Plattform weilt, erblickt,
denn dann erlangt er die Frucht des Bades und dergleichen an sämtlichen Pilgerstätten. Mit dem Wasser des Bade-Restes (Snānaśeṣa) Kṛṣṇas besprengt er sich selbst.
vandhyā mṛtaprajā yā tu durbhagā grahapīḍitā /
rākṣasādyair gṛhītā vā tathā rogaiś ca saṃhatāḥ // BrP_65.78 //
Eine Frau, die unfruchtbar ist, deren Kinder gestorben sind, die unglücklich oder von einem Graha-Dämon geplagt, von Rākṣasas u.ä. ergriffen oder ebenso von Krankheiten befallen ist –
putrārthinī labhet putrān saubhāgyaṃ ca sukhārthinī /
rogārtā mucyate rogād dhanaṃ ca dhanakāṅkṣiṇī // BrP_65.80 //
Die einen Sohn Begehrende erlangt Söhne, und die nach Glück Verlangende Wohlergehen; die von Krankheit Geplagte wird von der Krankheit befreit, und die nach Reichtum Verlangende [erlangt] Reichtum.
Welche heiligen Wasser auch immer auf der Erdoberfläche bestehen, diese erreichen nicht den sechzehnten Teil des Bade-Restes.
Wort für Wort
puṇyāni yāni toyāni
welche heiligen Wasser auch immer
tiṣṭhanti
bestehen
dharaṇītale
auf der Erdoberfläche
tāni
diese
snānāvaśeṣasya
des Bade-Restes
kalāṃ
den Teil
na arhanti
erreichen nicht
ṣoḍaśīm
den sechzehnten
[Anm.: Klassische Formel zur Überhöhung eines Tīrtha bzw. Heiligtums über alle anderen heiligen Gewässer, vgl. die ähnliche Argumentation zugunsten des Meeres in Kap.62.]
snātaṃ paśyanti ye kṛṣṇaṃ vrajantaṃ dakṣiṇāmukham /
brahmahatyādibhiḥ pāpair mucyante te na saṃśayaḥ // BrP_65.83 //
Die, welche den gebadeten Kṛṣṇa sehen, wie er, das Gesicht nach Süden gewandt, dahinschreitet, werden von Sünden wie Brahmanenmord befreit – daran besteht kein Zweifel.
Die Frucht, die in den Śāstras für drei Umwandlungen (Pradakṣiṇa) der Erde verkündet ist, diese erlangt der Mann, indem er Kṛṣṇa sieht, wie er, das Gesicht nach Süden gewandt, dahinschreitet.
Wort für Wort
śāstreṣu
in den Śāstras
yat phalaṃ proktaṃ
welche Frucht verkündet ist
pṛthivyāḥ
der Erde
tripradakṣiṇaiḥ
durch drei Umwandlungen (Pradakṣiṇa)
dṛṣṭvā
indem er sieht
naraḥ
der Mann
labhet
erlangt
kṛṣṇam
Kṛṣṇa
tat phalaṃ
diese Frucht
dakṣiṇāmukham
mit nach Süden gewandtem Gesicht dahinschreitend
[Anm.: Der Quelltext liest hier metrisch unregelmäßig 'pṛthiv-yas' statt des zu erwartenden 'pṛthivyās' (Genitiv von pṛthivī, 'der Erde').]
tīrthayātrāphalaṃ yat tu pṛthivyāṃ samudāhṛtam /
dṛṣṭvā naro labhet kṛṣṇaṃ tat phalaṃ dakṣiṇāmukham // BrP_65.85 //
Die Frucht der Pilgerfahrt (Tīrthayātrā) aber, die auf der Erde verkündet ist, diese Frucht erlangt der Mann, indem er den nach Süden gewandten Kṛṣṇa sieht.
Die Frucht, die in Badarī [Badarikāśrama] für das Sehen von Nara[-und]-Nārāyaṇa verkündet ist, diese Frucht erlangt der Mann, indem er den nach Süden gewandten Kṛṣṇa sieht.
Wort für Wort
badaryāṃ
in Badarī
yat phalaṃ proktaṃ
welche Frucht verkündet ist
dṛṣṭvā nārāyaṇaṃ naram
durch das Sehen von Nara(-und)-Nārāyaṇa
dṛṣṭvā
indem er sieht
naraḥ
der Mann
labhet
erlangt
kṛṣṇam
Kṛṣṇa
tat phalaṃ
diese Frucht
dakṣiṇāmukham
mit nach Süden gewandtem Gesicht dahinschreitend
[Anm.: 'nārāyaṇaṃ naram' bezieht sich auf das Weisenpaar Nara-Nārāyaṇa im Āśrama von Badarī.]
Die Frucht, die in Gaṅgādvāra [und] Kurukṣetra durch Bad und Gabe [entsteht], diese Frucht erlangt der Mann, indem er den nach Süden gewandten Kṛṣṇa sieht.
prayāge ca mahāmāghyāṃ yat phalaṃ samudāhṛtam /
dṛṣṭvā naro labhet kṛṣṇaṃ tat phalaṃ dakṣiṇāmukham // BrP_65.88 //
Die Frucht, die in Prayāga zur großen Māghī[-Vollmondnacht] verkündet ist, diese Frucht erlangt der Mann, indem er den nach Süden gewandten Kṛṣṇa sieht.
Die Frucht, die in Śālagrāma zur großen Caitrī[-Vollmondnacht] durch Bad und Gabe [entsteht], diese Frucht erlangt der Mann, indem er den nach Süden gewandten Kṛṣṇa sieht.
Die Frucht, die in Puṣkara zur mit großem Namen [versehenen] Kārttikī[-Vollmondnacht] überliefert ist, diese Frucht erlangt der Mann, indem er den nach Süden gewandten Kṛṣṇa sieht.
Wort für Wort
mahābhidhānakārttikyāṃ
zur mit großem Namen (versehenen) Kārttikī(-Vollmondnacht)
Die Frucht, die durch Bad und Gabe am Zusammenfluss von Gaṅgā und Meer (Gaṅgāsāgara) [entsteht], diese Frucht erlangt der Mann, indem er den nach Süden gewandten Kṛṣṇa sieht.
Die Frucht, die in Kurukṣetra durch Bad und Gabe entsteht, wenn die Sonne verfinstert ist, diese Frucht erlangt der Mann, indem er den nach Süden gewandten Kṛṣṇa sieht.
in Puṣkara und den [anderen] Pilgerstätten, in Gayā und Amarakaṇṭaka, an den mit Naimiṣa beginnenden Pilgerstätten, an den heiligen Gebieten (Kṣetra) und Heiligtümern (Āyatana),
die Frucht, die durch Bad und Gabe entsteht, wenn die Sonne von Rāhu verschlungen [d.h. verfinstert] ist – diese Frucht erlangt der Mann, indem er den nach Süden gewandten Kṛṣṇa sieht.
Wort für Wort
yat phalaṃ snānadānena
welche Frucht durch Bad und Gabe
rāhugraste divākare
wenn die Sonne von Rāhu verschlungen (verfinstert) ist
vedaśāstre purāṇe ca bhārate ca dvijottamāḥ /
dharmaśāstreṣu sarveṣu tathānyatra manīṣibhiḥ // BrP_65.98 //
in der Veda-Wissenschaft, im Purāṇa und im [Mahā-]Bhārata, o Beste der Zweifachgeborenen, in allen Dharmaśāstras und ebenso anderswo von den Weisen [verkündet wird] –
diese gesamte Frucht erlangt der Mann, indem er Kṛṣṇa zusammen mit dem Pflugträger [Balarāma] und ganz zusammen mit Bhadrā [Subhadrā] sieht, wie er, das Gesicht nach Süden gewandt, dahinschreitet.
Wort für Wort
dṛṣṭvā naro labhet kṛṣṇaṃ
indem er sieht erlangt der Mann Kṛṣṇa
tat phalaṃ
diese Frucht
sahalāyudham
zusammen mit dem Pflugträger (Balarāma)
sakalaṃ bhadrayā sārdham
ganz zusammen mit Bhadrā (Subhadrā)
vrajantaṃ dakṣiṇāmukham
wie er, das Gesicht nach Süden gewandt, dahinschreitet