Quellen der Menschheit

Brahma-Purāṇa

Kapitel 146: kālañjaratīrthamāhātmyavarṇanam Die Größe des Kālañjara- (Yāyāta-) Tīrtha (König Yayāti, Devayānī, Śarmiṣṭhā und der Fluch des Alters)

König Yayāti hat zwei Gattinnen: Devayānī, Śukras Tochter, und Śarmiṣṭhā, die Tochter des Vṛṣaparvan und Dienerin Devayānīs. Als Devayānī sich bei ihrem Vater über die größere Kinderzahl der Nebenfrau beklagt, verflucht Śukra Yayāti zu vorzeitigem Greisenalter; auf Yayātis Einwand hin gewährt er die Gnade, das Alter auf einen willigen Sohn übertragen zu können. Nur der jüngste Sohn Pūru nimmt es an, während die älteren Brüder Yadu, Turvasu, Druhyu und Anu es ablehnen und dafür verflucht werden. Nach tausend Jahren des durch Pūrus Jugend genossenen Lebens gibt Yayāti ihm die Jugend zurück und übt Askese an der Gautamī, worauf Śiva auf Pūrus Bitte das Greisenalter vernichtet und die Brüder vom Fluch befreit. Ursprung des Kālañjara-Tīrtha (auch Yāyāta, Nāhuṣa, Paura, Śaukra, Śārmiṣṭha) mit 108 weiteren Tīrthas.

{brahmovāca:} yāyātam aparaṃ tīrthaṃ yatra kālañjaraḥ śivaḥ / sarvapāpapraśamanaṃ tadvṛttam ucyate mayā //

Brahmā sprach: Es gibt eine weitere Tīrtha namens Yāyāta, wo Śiva als Kālañjara weilt, die alle Sünden besänftigt; ihre Geschichte wird von mir erzählt.

Wort für Wort
yāyātam aparaṃ tīrthaṃ yatra kālañjaraḥ śivaḥ
Yāyāta genannt (ist) eine weitere Tīrtha, wo Śiva als Kālañjara (weilt)
sarvapāpapraśamanaṃ tadvṛttam ucyate mayā
alle Sünden besänftigend - ihre Geschichte wird von mir erzählt

yayātir nāhuṣo rājā sākṣād indra ivāparaḥ / tasya bhāryādvayaṃ cāsīt kulalakṣaṇabhūṣitam //

König Yayāti, der Sohn des Nahuṣa, war wie ein zweiter, leibhaftiger Indra. Er hatte zwei Gattinnen, geschmückt mit den Merkmalen edler Herkunft.

Wort für Wort
yayātir nāhuṣo rājā sākṣād indra ivāparaḥ
König Yayāti, der Sohn des Nahuṣa, war wie ein zweiter leibhaftiger Indra
tasya bhāryādvayaṃ cāsīt kulalakṣaṇabhūṣitam
er hatte zwei Gattinnen, geschmückt mit den Merkmalen edler Herkunft

jyeṣṭhā tu devayānīti nāmnā śukrasutā śubhā / śarmiṣṭheti dvitīyā sā sutā syād vṛṣaparvaṇaḥ //

Die Ältere, mit Namen Devayānī, war die schöne Tochter Śukras; die Zweite, genannt Śarmiṣṭhā, war die Tochter des Vṛṣaparvan.

Wort für Wort
jyeṣṭhā tu devayānīti nāmnā śukrasutā śubhā
die Ältere, Devayānī genannt, die schöne Tochter Śukras
śarmiṣṭheti dvitīyā sā sutā syād vṛṣaparvaṇaḥ
die Zweite, Śarmiṣṭhā genannt, war die Tochter des Vṛṣaparvan

brāhmaṇy api mahāprājñā devayānī sumadhyamā / yayāter abhavad bhāryā sā tu śukraprasādataḥ //

Devayānī, obwohl Brahmanin, hochweise und schlank in der Taille, wurde durch Śukras Gnade die Gattin Yayātis.

Wort für Wort
brāhmaṇy api mahāprājñā devayānī sumadhyamā
Devayānī, obwohl Brahmanin, hochweise, schlank in der Taille
yayāter abhavad bhāryā sā tu śukraprasādataḥ
wurde die Gattin Yayātis, durch Śukras Gnade

śarmiṣṭhā cāpi tasyaiva bhāryā yā vṛṣaparvajā / devayānī śukrasutā dvau putrau samajījanat //

Auch Śarmiṣṭhā, die Tochter des Vṛṣaparvan, wurde seine Gattin. Devayānī, Śukras Tochter, gebar zwei Söhne:

Wort für Wort
śarmiṣṭhā cāpi tasyaiva bhāryā yā vṛṣaparvajā
auch Śarmiṣṭhā, die Tochter des Vṛṣaparvan, wurde eben seine Gattin
devayānī śukrasutā dvau putrau samajījanat
Devayānī, Śukras Tochter, gebar zwei Söhne

yaduṃ ca turvasuṃ caiva devaputrasamāv ubhau / śarmiṣṭhā ca nṛpāl lebhe trīn putrān devasaṃnibhān //

Yadu und Turvasu, beide den Göttersöhnen gleich. Und Śarmiṣṭhā erhielt vom König drei Söhne, den Göttern ähnlich:

Wort für Wort
yaduṃ ca turvasuṃ caiva devaputrasamāv ubhau
Yadu und Turvasu, beide den Göttersöhnen gleich
śarmiṣṭhā ca nṛpāl lebhe trīn putrān devasaṃnibhān
und Śarmiṣṭhā erhielt vom König drei Söhne, den Göttern ähnlich

druhyuṃ cānuṃ ca pūruṃ ca yayāter nṛpasattamāt / devayānyāḥ sutau brahman sadṛśau śukrarūpataḥ //

Druhyu, Anu und Pūru, von Yayāti, dem besten der Könige. Devayānīs beide Söhne, o Brahmane, glichen an Gestalt Śukra.

Wort für Wort
druhyuṃ cānuṃ ca pūruṃ ca yayāter nṛpasattamāt
Druhyu, Anu und Pūru, von Yayāti, dem besten der Könige
devayānyāḥ sutau brahman sadṛśau śukrarūpataḥ
Devayānīs beide Söhne, o Brahmane, glichen an Gestalt Śukra

śarmiṣṭhāyās tu tanayāḥ śakrāgnivaruṇaprabhāḥ / devayānī kadācit tu pitaraṃ prāha duḥkhitā //

Śarmiṣṭhās Söhne aber glänzten wie Śakra, Agni und Varuṇa. Devayānī sprach einst betrübt zu ihrem Vater:

Wort für Wort
śarmiṣṭhāyās tu tanayāḥ śakrāgnivaruṇaprabhāḥ
Śarmiṣṭhās Söhne aber (glänzten) wie Śakra, Agni und Varuṇa
devayānī kadācit tu pitaraṃ prāha duḥkhitā
Devayānī sprach einst betrübt zu ihrem Vater

{devayāny uvāca:} mama tv apatyadvitayam abhāgyāyā bhṛgūdvaha / mama dāsyāḥ sabhāgyāyā apatyatritayaṃ pitaḥ //

Devayānī sprach: Mir, der Unglücklichen, o Sproß Bhṛgus, wurden nur zwei Kinder geboren, während meiner Dienerin, der Glücklichen, drei Kinder wurden, o Vater.

Wort für Wort
mama tv apatyadvitayam abhāgyāyā bhṛgūdvaha
mir, der Unglücklichen, o Sproß Bhṛgus, (sind) nur zwei Kinder
mama dāsyāḥ sabhāgyāyā apatyatritayaṃ pitaḥ
meiner Dienerin, der Glücklichen, (sind) drei Kinder, o Vater

tad etad anumṛśyāyaṃ duḥkham atyantam āgatā / mariṣye dānavaguro yayātikṛtavipriyāt / mānabhaṅgād varaṃ tāta maraṇaṃ hi manasvinām //

Wenn ich dies bedenke, bin ich in äußerstes Leid geraten. Ich werde sterben, o Lehrer der Dānavas, durch das mir von Yayāti zugefügte Unrecht; besser als die Kränkung der Ehre ist für Stolze der Tod, mein Vater.

Wort für Wort
tad etad anumṛśyāyaṃ duḥkham atyantam āgatā
dies bedenkend, bin ich in äußerstes Leid geraten
mariṣye dānavaguro yayātikṛtavipriyāt
ich werde sterben, o Lehrer der Dānavas, durch das von Yayāti zugefügte Unrecht
mānabhaṅgād varaṃ tāta maraṇaṃ hi manasvinām
besser als Ehrkränkung ist für Stolze der Tod, mein Vater

[Anm.: Dreizeiliger Vers im Original.]

{brahmovāca:} tad etat putrikāvākyaṃ śrutvā śukraḥ pratāpavān / kupito 'bhyāyayau śīghraṃ yayātim idam abravīt //

Brahmā sprach: Als der mächtige Śukra diese Worte seiner Tochter gehört hatte, kam er zornig eilends herbei und sprach zu Yayāti Folgendes:

Wort für Wort
tad etat putrikāvākyaṃ śrutvā śukraḥ pratāpavān
als der mächtige Śukra diese Worte der Tochter gehört hatte
kupito 'bhyāyayau śīghraṃ yayātim idam abravīt
kam er zornig eilends herbei und sprach dies zu Yayāti

{śukra uvāca:} yad idaṃ vipriyaṃ me tvaṃ sutāyāḥ kṛtavān asi / rūponmattena rājendra tasmād vṛddho bhaviṣyasi //

Śukra sprach: Weil du, von deiner Schönheit berauscht, o Herrscher der Könige, dieses Unrecht meiner Tochter zugefügt hast, wirst du daher alt werden.

Wort für Wort
yad idaṃ vipriyaṃ me tvaṃ sutāyāḥ kṛtavān asi
weil du meiner Tochter dieses Unrecht zugefügt hast
rūponmattena rājendra tasmād vṛddho bhaviṣyasi
von deiner Schönheit berauscht, o Herrscher der Könige, wirst du daher alt werden

na ca bhoktuṃ na ca tyaktuṃ śaknoti viṣayāturaḥ / spṛhayan manasaivāste niḥśvāsocchvāsanaṣṭadhīḥ //

Der von den Sinnesobjekten Gequälte vermag weder zu genießen noch zu lassen; nur im Geiste begehrend verweilt er, den Verstand durch Seufzen und Atmen zerrüttet.

Wort für Wort
na ca bhoktuṃ na ca tyaktuṃ śaknoti viṣayāturaḥ
der von den Sinnesobjekten Gequälte vermag weder zu genießen noch zu lassen
spṛhayan manasaivāste niḥśvāsocchvāsanaṣṭadhīḥ
nur im Geiste begehrend verweilt er, den Verstand durch Seufzen zerrüttet

vṛddhatvam eva maraṇaṃ jīvatām api dehinām / tasmāc chīghraṃ prayāhi tvaṃ jarāṃ bhūpātidurdharām //

Das Greisenalter allein ist der Tod, auch für lebende verkörperte Wesen. Daher sollst du rasch in das schwer zu ertragende Greisenalter eingehen, o König.

Wort für Wort
vṛddhatvam eva maraṇaṃ jīvatām api dehinām
das Greisenalter allein ist der Tod, auch für lebende verkörperte Wesen
tasmāc chīghraṃ prayāhi tvaṃ jarāṃ bhūpātidurdharām
daher sollst du rasch in das schwer zu ertragende Greisenalter eingehen, o König

{brahmovāca:} etac chrutvā yayātis tu śāpaṃ śukrasya dhīmataḥ / kṛtāñjalipuṭo rājā yayātiḥ śukram abravīt //

Brahmā sprach: Als Yayāti diesen Fluch des weisen Śukra vernommen hatte, sprach König Yayāti, mit gefalteten Händen, zu Śukra:

Wort für Wort
etac chrutvā yayātis tu śāpaṃ śukrasya dhīmataḥ
als Yayāti diesen Fluch des weisen Śukra vernommen hatte
kṛtāñjalipuṭo rājā yayātiḥ śukram abravīt
sprach König Yayāti, mit gefalteten Händen, zu Śukra

{yayātir uvāca:} nāparādhye na saṃkupye naivādharmaṃ pravartaye / adharmakāriṇaḥ pāpāḥ śāsyā eva mahātmanām //

Yayāti sprach: Ich habe keine Schuld begangen, ich zürne nicht, ich verbreite kein Unrecht. Die Sünder, die Unrecht tun, sind es, die von den Großmütigen zurechtgewiesen werden müssen.

Wort für Wort
nāparādhye na saṃkupye naivādharmaṃ pravartaye
ich habe keine Schuld begangen, ich zürne nicht, ich verbreite kein Unrecht
adharmakāriṇaḥ pāpāḥ śāsyā eva mahātmanām
die Sünder, die Unrecht tun, sind es, die von den Großmütigen zurechtgewiesen werden müssen

dharmam eva carantaṃ vai kathaṃ māṃ śaptavān asi / devayānī dvijaśreṣṭha vṛthā māṃ vakti kiṃcana //

Wie konntest du mich verfluchen, der ich doch nur dem Dharma folge? Devayānī, o Bester der Zweifachgeborenen, spricht grundlos irgendetwas gegen mich.

Wort für Wort
dharmam eva carantaṃ vai kathaṃ māṃ śaptavān asi
wie konntest du mich verfluchen, der ich doch nur dem Dharma folge
devayānī dvijaśreṣṭha vṛthā māṃ vakti kiṃcana
Devayānī, o Bester der Zweifachgeborenen, spricht grundlos irgendetwas gegen mich

tasmān na mama viprendra śāpaṃ dātuṃ tvam arhasi / vidvāṃso 'pi hi nirdoṣe yadi kupyanti mohitāḥ / tadā na doṣo mūrkhāṇāṃ dveṣāgnipluṣṭacetasām //

Daher gebührt es dir nicht, o Herr der Brahmanen, mir einen Fluch aufzuerlegen. Wenn nämlich selbst Gelehrte, verblendet, gegen einen Schuldlosen zürnen, dann trifft keine Schuld die Toren, deren Sinn vom Feuer des Hasses versengt ist.

Wort für Wort
tasmān na mama viprendra śāpaṃ dātuṃ tvam arhasi
daher gebührt es dir nicht, o Herr der Brahmanen, mir einen Fluch aufzuerlegen
vidvāṃso 'pi hi nirdoṣe yadi kupyanti mohitāḥ
wenn selbst Gelehrte, verblendet, gegen einen Schuldlosen zürnen
tadā na doṣo mūrkhāṇāṃ dveṣāgnipluṣṭacetasām
dann trifft keine Schuld die Toren, deren Sinn vom Feuer des Hasses versengt ist

[Anm.: Dreizeiliger Vers im Original; die genaue logische Verbindung des letzten Halbsatzes bleibt sinngemäß.]

{brahmovāca:} yayātivākyāc chukro 'pi sasmāra sutayā kṛtam / asakṛd vipriyaṃ tasya divā rātrau pracaṇḍayā //

Brahmā sprach: Durch Yayātis Worte erinnerte sich auch Śukra an das ihm von seiner heftigen Tochter wiederholt, bei Tag und Nacht, zugefügte Unrecht.

Wort für Wort
yayātivākyāc chukro 'pi sasmāra sutayā kṛtam
durch Yayātis Worte erinnerte sich auch Śukra an das von der Tochter Getane
asakṛd vipriyaṃ tasya divā rātrau pracaṇḍayā
das wiederholte Unrecht, das ihm von der Heftigen bei Tag und Nacht (zugefügt wurde)

gatakopo 'ham ity uktvā kāvyo rājānam abravīt //

'Mein Zorn ist gewichen', so sprechend, sagte Kāvya (Śukra) zum König:

Wort für Wort
gatakopo 'ham ity uktvā
'mein Zorn ist gewichen', so sprechend
kāvyo rājānam abravīt
sagte Kāvya (Śukra) zum König

[Anm.: Unvollständiger Halbvers im Original (mit * markiert).]

{śukra uvāca:} jñātaṃ mayānayākāri vipriyaṃ na vade 'nṛtam / śāpasyemaṃ kariṣyāmi śṛṇuṣvānugrahaṃ nṛpa //

Śukra sprach: Ich weiß, dass dir von ihr Unrecht zugefügt wurde - ich spreche keine Unwahrheit. Ich will diesem Fluch eine Gnade beifügen; höre, o König.

Wort für Wort
jñātaṃ mayānayākāri vipriyaṃ na vade 'nṛtam
ich weiß, dass dir von ihr Unrecht zugefügt wurde - ich spreche keine Unwahrheit
śāpasyemaṃ kariṣyāmi śṛṇuṣvānugrahaṃ nṛpa
diesem Fluch will ich eine Gnade beifügen; höre, o König

yasmai putrāya saṃdātuṃ jarām icchasi mānada / tasya sā yātv iyaṃ rājañ jarā putrāya madvarāt //

Welchem Sohn du auch immer das Greisenalter zu übertragen wünschst, o Ehrenspender - auf ihn soll dieses Greisenalter übergehen, o König, durch meine Gunst.

Wort für Wort
yasmai putrāya saṃdātuṃ jarām icchasi mānada
welchem Sohn du auch immer das Greisenalter zu übertragen wünschst, o Ehrenspender
tasya sā yātv iyaṃ rājañ jarā putrāya madvarāt
auf diesen Sohn soll das Greisenalter übergehen, o König, durch meine Gunst

{brahmovāca:} punar yayātiḥ śvaśuraṃ śukraṃ prāha vinītavat //

Brahmā sprach: Wiederum sprach Yayāti demütig zu seinem Schwiegervater Śukra:

Wort für Wort
punar yayātiḥ śvaśuraṃ
wiederum (sprach) Yayāti zu seinem Schwiegervater
śukraṃ prāha vinītavat
zu Śukra sprach er demütig

[Anm.: Unvollständiger Halbvers im Original (mit * markiert).]

{yayātir uvāca:} yo gṛhṇāti mayā dattāṃ jarāṃ bhaktisamanvitaḥ / sa rājā syād daityaguro tad etad anumanyatām //

Yayāti sprach: Wer immer, mit Hingabe erfüllt, das von mir gegebene Greisenalter annimmt, der soll König werden, o Lehrer der Daityas; das sollst du gewähren.

Wort für Wort
yo gṛhṇāti mayā dattāṃ jarāṃ bhaktisamanvitaḥ
wer, mit Hingabe erfüllt, das von mir gegebene Greisenalter annimmt
sa rājā syād daityaguro tad etad anumanyatām
der soll König werden, o Lehrer der Daityas; das sollst du gewähren

yo madvākyaṃ nābhinandet suto daityaguro dṛḍham / taṃ śapeyam anujñātra dātavyaiva tvayā guro //

Welcher Sohn auch immer meinem Wort nicht standhaft zustimmt, o Lehrer der Daityas - den will ich verfluchen; erlaube mir dies, o Lehrer, das musst du mir gewähren.

Wort für Wort
yo madvākyaṃ nābhinandet suto daityaguro dṛḍham
welcher Sohn meinem Wort nicht standhaft zustimmt, o Lehrer der Daityas
taṃ śapeyam anujñātra dātavyaiva tvayā guro
den will ich verfluchen; die Erlaubnis dazu musst du mir gewähren, o Lehrer

{brahmovāca:} evam astv iti rājānam uvāca bhṛgunandanaḥ / tato yayātiḥ svaṃ putram āhūyedaṃ vaco 'bravīt //

Brahmā sprach: 'So sei es', sprach der Sproß Bhṛgus zum König. Darauf rief Yayāti seinen Sohn und sprach zu ihm folgende Worte:

Wort für Wort
evam astv iti rājānam uvāca bhṛgunandanaḥ
'so sei es', sprach der Sproß Bhṛgus zum König
tato yayātiḥ svaṃ putram āhūyedaṃ vaco 'bravīt
darauf rief Yayāti seinen Sohn und sprach dieses Wort

{yayātir uvāca:} yado gṛhāṇa me śāpāj jarāṃ jātāṃ suto bhavān / jyeṣṭhaḥ sarvārthavit prauḍhaḥ putrāṇāṃ dhuri saṃsthitaḥ / putrī tenaiva janako yas tadājñāvaśe sthitaḥ //

Yayāti sprach: Yadu, nimm das aus dem Fluch entstandene Greisenalter von mir an, mein Sohn; du bist der Älteste, aller Ziele kundig, gereift, an der Spitze der Söhne stehend. Derjenige Sohn, der sich dem Befehl des Vaters unterordnet, macht eben dadurch den Vater zu einem wahrhaft Sohn-Habenden.

Wort für Wort
yado gṛhāṇa me śāpāj jarāṃ jātāṃ suto bhavān
Yadu, nimm, mein Sohn, das aus dem Fluch entstandene Greisenalter von mir an
jyeṣṭhaḥ sarvārthavit prauḍhaḥ putrāṇāṃ dhuri saṃsthitaḥ
du bist der Älteste, aller Ziele kundig, gereift, an der Spitze der Söhne
putrī tenaiva janako yas tadājñāvaśe sthitaḥ
wer sich dem Befehl (des Vaters) unterordnet, macht eben dadurch den Vater zu einem wahren Sohn-Habenden

[Anm.: Dreizeiliger Vers im Original; die letzte Zeile sinngemäß übersetzt.]

{brahmovāca:} nety uvāca yadus tātaṃ yayātiṃ bhūridakṣiṇam / yayātiś ca yaduṃ śaptvā turvasuṃ kāmam abravīt //

Brahmā sprach: 'Nein', sprach Yadu zu seinem Vater Yayāti, dem Freigebigen. Und Yayāti, nachdem er Yadu verflucht hatte, sprach nach Belieben zu Turvasu:

Wort für Wort
nety uvāca yadus tātaṃ yayātiṃ bhūridakṣiṇam
'nein', sprach Yadu zu seinem Vater Yayāti, dem Freigebigen
yayātiś ca yaduṃ śaptvā turvasuṃ kāmam abravīt
und Yayāti, nachdem er Yadu verflucht hatte, sprach nach Belieben zu Turvasu

nāgṛhṇāt turvasuś cāpi pitrā dattāṃ jarāṃ tadā / taṃ śaptvā cābravīd druhyuṃ gṛhāṇemāṃ jarāṃ mama //

Auch Turvasu nahm das vom Vater gegebene Greisenalter damals nicht an. Nachdem er auch ihn verflucht hatte, sprach er zu Druhyu: 'Nimm dieses mein Greisenalter an.'

Wort für Wort
nāgṛhṇāt turvasuś cāpi pitrā dattāṃ jarāṃ tadā
auch Turvasu nahm das vom Vater gegebene Greisenalter damals nicht an
taṃ śaptvā cābravīd druhyuṃ gṛhāṇemāṃ jarāṃ mama
nachdem er auch ihn verflucht hatte, sprach er zu Druhyu: 'Nimm dieses mein Greisenalter an'

druhyuś ca naicchat tāṃ dattāṃ jarāṃ rūpavināśinīm / anum apy abravīd rājā gṛhāṇemāṃ jarāṃ mama //

Auch Druhyu wollte das ihm gegebene, die Schönheit zerstörende Greisenalter nicht. Der König sprach auch zu Anu: 'Nimm dieses mein Greisenalter an.'

Wort für Wort
druhyuś ca naicchat tāṃ dattāṃ jarāṃ rūpavināśinīm
auch Druhyu wollte das gegebene, die Schönheit zerstörende Greisenalter nicht
anum apy abravīd rājā gṛhāṇemāṃ jarāṃ mama
der König sprach auch zu Anu: 'Nimm dieses mein Greisenalter an'

anur neti tadovāca śaptvā taṃ pūrum abravīt / abhinandya tadā pūrur jarāṃ tāṃ jagṛhe pituḥ //

Anu sagte darauf 'Nein'; nachdem er auch ihn verflucht hatte, sprach er zu Pūru. Da nahm Pūru freudig das Greisenalter seines Vaters an.

Wort für Wort
anur neti tadovāca śaptvā taṃ pūrum abravīt
Anu sagte darauf 'Nein'; nachdem er auch ihn verflucht hatte, sprach er zu Pūru
abhinandya tadā pūrur jarāṃ tāṃ jagṛhe pituḥ
da nahm Pūru freudig das Greisenalter des Vaters an

sahasram ekaṃ varṣāṇāṃ yāvat prīto 'bhavat pitā / yauvane yāni bhogyāni vastūni vividhāni ca //

Er trug es, bis der Vater ein Jahrtausend hindurch zufrieden war, und genoss die mancherlei Dinge, die in der Jugend genießbar sind.

Wort für Wort
sahasram ekaṃ varṣāṇāṃ yāvat prīto 'bhavat pitā
ein Jahrtausend hindurch, bis der Vater zufrieden war
yauvane yāni bhogyāni vastūni vividhāni ca
die mancherlei Dinge, die in der Jugend genießbar sind

putrayauvanasaṃtuṣṭo yayātir bubhuje sukham / tatas tṛpto 'bhavad rājā sarvabhogeṣu nāhuṣaḥ / tato harṣāt samāhūya pūruṃ putram athābravīt //

Zufrieden mit der Jugend seines Sohnes genoss Yayāti das Glück. Darauf ward der König, der Sohn des Nahuṣa, an allen Genüssen gesättigt. Voller Freude rief er darauf seinen Sohn Pūru und sprach zu ihm:

Wort für Wort
putrayauvanasaṃtuṣṭo yayātir bubhuje sukham
zufrieden mit der Jugend des Sohnes genoss Yayāti das Glück
tatas tṛpto 'bhavad rājā sarvabhogeṣu nāhuṣaḥ
darauf ward der König, der Sohn des Nahuṣa, an allen Genüssen gesättigt
tato harṣāt samāhūya pūruṃ putram athābravīt
voller Freude rief er darauf seinen Sohn Pūru und sprach zu ihm

[Anm.: Dreizeiliger Vers im Original.]

{yayātir uvāca:} tṛpto 'smi sarvabhogeṣu yauvanena tavānagha / gṛhāṇa yauvanaṃ putra jarāṃ me dehi kaśmalām //

Yayāti sprach: Ich bin gesättigt an allen Genüssen durch deine Jugend, du Makelloser. Nimm die Jugend zurück, mein Sohn, und gib mir das leidvolle Greisenalter zurück.

Wort für Wort
tṛpto 'smi sarvabhogeṣu yauvanena tavānagha
ich bin gesättigt an allen Genüssen durch deine Jugend, du Makelloser
gṛhāṇa yauvanaṃ putra jarāṃ me dehi kaśmalām
nimm die Jugend zurück, mein Sohn, und gib mir das leidvolle Greisenalter

{brahmovāca:} nety uvāca tadā pūrur jarayā kṣīyate mayā / vikārās tāta bhāvānāṃ durnivārāḥ śarīriṇām //

Brahmā sprach: Da sagte Pūru 'Nein': 'Durch das Greisenalter werde ich selbst verzehrt. Die Wandlungen der Zustände sind für verkörperte Wesen, mein Vater, schwer abzuwenden.'

Wort für Wort
nety uvāca tadā pūrur jarayā kṣīyate mayā
da sagte Pūru 'Nein': 'durch das Greisenalter werde ich verzehrt'
vikārās tāta bhāvānāṃ durnivārāḥ śarīriṇām
die Wandlungen der Zustände sind für verkörperte Wesen, Vater, schwer abzuwenden

balāt kālāgatā sahyā jarāpy akhiladehibhiḥ / sā ced gurūpakārāya gṛhītā tyajyate katham //

Das durch die Macht der Zeit gekommene Greisenalter muss von allen verkörperten Wesen ertragen werden. Wenn es aber zum Wohl des ehrwürdigen Vaters angenommen wurde, wie sollte man es dann wieder ablegen?

Wort für Wort
balāt kālāgatā sahyā jarāpy akhiladehibhiḥ
das durch die Macht der Zeit gekommene Greisenalter muss von allen verkörperten Wesen ertragen werden
sā ced gurūpakārāya gṛhītā tyajyate katham
wenn es zum Wohl des ehrwürdigen (Vaters) angenommen wurde, wie sollte man es ablegen?

svīkṛtatyāgapāpād dhi dehināṃ maraṇaṃ varam / athavā tu jarāṃ rājaṃs tapasā nāśayāmy aham //

Denn besser als die Sünde, das einmal Angenommene wieder zu verwerfen, ist für verkörperte Wesen der Tod. Oder aber, o König, ich werde das Greisenalter durch Askese vernichten.

Wort für Wort
svīkṛtatyāgapāpād dhi dehināṃ maraṇaṃ varam
besser als die Sünde, das Angenommene zu verwerfen, ist für verkörperte Wesen der Tod
athavā tu jarāṃ rājaṃs tapasā nāśayāmy aham
oder aber, o König, ich werde das Greisenalter durch Askese vernichten

{brahmovāca:} evam uktvā tu pitaraṃ yayau gaṅgām anuttamām / gautamyā dakṣiṇe pāre tatas tepe tapo mahat //

Brahmā sprach: So zu seinem Vater sprechend, ging er zur unübertrefflichen Gaṅgā; am Südufer der Gautamī übte er darauf große Askese.

Wort für Wort
evam uktvā tu pitaraṃ yayau gaṅgām anuttamām
so zu seinem Vater sprechend, ging er zur unübertrefflichen Gaṅgā
gautamyā dakṣiṇe pāre tatas tepe tapo mahat
am Südufer der Gautamī übte er darauf große Askese

tataḥ prīto 'bhavad devaḥ kālena mahatā śivaḥ / lokātītamahodāraguṇasanmaṇibhūṣitam / kiṃ dadāmīti taṃ prāha pūruṃ sa surasattamaḥ //

Darauf ward der Gott Śiva nach langer Zeit erfreut. Zu jenem Pūru, geschmückt mit dem Juwel überweltlicher, großzügiger Tugenden, sprach der beste der Götter: 'Was soll ich dir geben?'

Wort für Wort
tataḥ prīto 'bhavad devaḥ kālena mahatā śivaḥ
darauf ward der Gott Śiva nach langer Zeit erfreut
lokātītamahodāraguṇasanmaṇibhūṣitam
geschmückt mit dem Juwel überweltlicher, großzügiger Tugenden
kiṃ dadāmīti taṃ prāha pūruṃ sa surasattamaḥ
'was soll ich (dir) geben?' sprach der beste der Götter zu jenem Pūru

[Anm.: Dreizeiliger Vers im Original.]

{pūrur uvāca:} śāpaprāptāṃ jarāṃ nātha pitur mama surādhipa / tāṃ nāśayasva deveśa pitṛśaptāṃś ca kopataḥ / madbhrātṝñ śāpato muktān kuruṣva surapūjita //

Pūru sprach: Das durch Fluch erlangte Greisenalter meines Vaters, o Herr, Gebieter der Götter - vernichte es, Herr der Götter; und meine im Zorn vom Vater verfluchten Brüder mache frei vom Fluch, o von den Göttern Verehrter.

Wort für Wort
śāpaprāptāṃ jarāṃ nātha pitur mama surādhipa
das durch Fluch erlangte Greisenalter meines Vaters, o Herr, Gebieter der Götter
tāṃ nāśayasva deveśa pitṛśaptāṃś ca kopataḥ
vernichte es, Herr der Götter; und die vom Vater im Zorn Verfluchten
madbhrātṝñ śāpato muktān kuruṣva surapūjita
meine Brüder mache frei vom Fluch, o von den Göttern Verehrter

[Anm.: Dreizeiliger Vers im Original.]

{brahmovāca:} tathety uktvā jagannāthaḥ śāpāj jātāṃ jarāṃ tathā / anāśayaj jagannātho bhrātṝṃś cakre viśāpinaḥ //

Brahmā sprach: 'So sei es', sprach der Herr der Welt, und der Herr der Welt vernichtete das durch den Fluch entstandene Greisenalter und befreite die Brüder vom Fluch.

Wort für Wort
tathety uktvā jagannāthaḥ śāpāj jātāṃ jarāṃ tathā
'so sei es', sprach der Herr der Welt, und (vernichtete) das durch den Fluch entstandene Greisenalter
anāśayaj jagannātho bhrātṝṃś cakre viśāpinaḥ
der Herr der Welt vernichtete (es) und machte die Brüder fluchfrei

tataḥ prabhṛti tat tīrthaṃ jarārogavināśanam / akālajajarādīnāṃ smaraṇād api nāśanam //

Seitdem vernichtet diese Tīrtha das Greisenalter als Krankheit; sie vernichtet vorzeitiges Altern und Ähnliches schon durch bloßes Gedenken.

Wort für Wort
tataḥ prabhṛti tat tīrthaṃ jarārogavināśanam
seitdem (ist) diese Tīrtha die Krankheit des Alterns vernichtend
akālajajarādīnāṃ smaraṇād api nāśanam
sie vernichtet vorzeitiges Altern und Ähnliches schon durch Gedenken

tannāmnā cāpi vikhyātaṃ kālañjaram udāhṛtam / yāyātaṃ nāhuṣaṃ pauraṃ śaukraṃ śārmiṣṭham eva ca //

Nach diesem Geschehen benannt, ist sie als Kālañjara bekannt, auch Yāyāta, Nāhuṣa, Paura, Śaukra und Śārmiṣṭha genannt.

Wort für Wort
tannāmnā cāpi vikhyātaṃ kālañjaram udāhṛtam
nach diesem Namen ist sie als Kālañjara bekannt
yāyātaṃ nāhuṣaṃ pauraṃ śaukraṃ śārmiṣṭham eva ca
auch Yāyāta, Nāhuṣa, Paura, Śaukra und Śārmiṣṭha genannt

evamādīni tīrthāni tatrāṣṭottaram eva ca / śataṃ vidyān mahābuddhe sarvasiddhikaraṃ tathā //

Solcherart Tīrthas gibt es dort, hundertundacht an der Zahl, o Hochverständiger - man wisse, dass sie alle Vollkommenheit verleihen.

Wort für Wort
evamādīni tīrthāni tatrāṣṭottaram eva ca
solcherart Tīrthas (gibt es) dort, hundertundacht
śataṃ vidyān mahābuddhe sarvasiddhikaraṃ tathā
man wisse, o Hochverständiger, dass sie alle Vollkommenheit verleihen

teṣu snānaṃ ca dānaṃ ca śravaṇaṃ paṭhanaṃ tathā / sarvapāpapraśamanaṃ bhuktimuktipradaṃ bhavet //

Das Baden und Spenden an ihnen sowie das Hören und Rezitieren dieser Geschichte besänftigt alle Sünden und gewährt Genuss und Erlösung.

Wort für Wort
teṣu snānaṃ ca dānaṃ ca śravaṇaṃ paṭhanaṃ tathā
das Baden und Spenden an ihnen sowie das Hören und Rezitieren
sarvapāpapraśamanaṃ bhuktimuktipradaṃ bhavet
besänftigt alle Sünden und gewährt Genuss und Erlösung

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