Quellen der Menschheit

Brahma-Purāṇa

Kapitel 207: pauṇḍrakavadhaḥ kāśīdahanaṃ ca Die Tötung des Pauṇḍraka und die Verbrennung von Kāśī

König Pauṇḍraka, fälschlich für den wahren Vāsudeva gehalten, fordert Kṛṣṇa heraus, Kennzeichen und Namen abzulegen; Kṛṣṇa tötet ihn samt dem verbündeten König von Kāśī. Dessen Sohn erwirkt von Śiva eine feurige Kṛtyā zur Rache, die jedoch von Kṛṣṇas Diskus Sudarśana bis nach Vārāṇasī verfolgt und vernichtet wird, worauf der Diskus die gesamte Stadt Kāśī in Brand setzt, ehe er zu Kṛṣṇa zurückkehrt.

cakre karma mahac chaurir bibhrad yo mānuṣīṃ tanum / jigāya śakraṃ śarvaṃ ca sarvadevāṃś ca līlayā //

Die Weisen sprachen: „Er, der Sohn Śūras [Kṛṣṇa], der, einen menschlichen Leib tragend, jene große Tat vollbrachte und Śakra, Śarva [Śiva] und alle Götter wie im Spiel besiegte —

Wort für Wort
cakre karma mahac chaurir bibhrad yo mānuṣīṃ tanum /
Er, der Sohn Śūras, der, einen menschlichen Leib tragend, jene große Tat vollbrachte
jigāya śakraṃ śarvaṃ ca sarvadevāṃś ca līlayā //
und Śakra, Śarva [Śiva] und alle Götter wie im Spiel besiegte —

yac cānyad akarot karma divyaceṣṭāvighātakṛt / kathyatāṃ tan muniśreṣṭha paraṃ kautūhalaṃ hi naḥ //

und welche andere Tat er, der Vollender/Durchkreuzer göttlichen Wirkens, [noch] vollbrachte – das möge erzählt werden, o bester der Weisen; groß ist ja unsere Neugier.”

Wort für Wort
yac cānyad akarot karma divyaceṣṭāvighātakṛt /
und welche andere Tat er, der Durchkreuzer göttlichen Wirkens, [noch] vollbrachte –
kathyatāṃ tan muniśreṣṭha paraṃ kautūhalaṃ hi naḥ //
das möge erzählt werden, o bester der Weisen; groß ist ja unsere Neugier.”

gadato me muniśreṣṭhāḥ śrūyatām idam ādarāt / narāvatāre kṛṣṇena dagdhā vārāṇasī yathā //

Vyāsa sprach: „Höret dies mit Ehrfurcht, o beste der Weisen, während ich [es] erzähle: wie in [seiner] Inkarnation als Mensch Vārāṇasī von Kṛṣṇa verbrannt wurde.

Wort für Wort
gadato me muniśreṣṭhāḥ śrūyatām idam ādarāt /
Höret dies mit Ehrfurcht, o beste der Weisen, während ich [es] erzähle:
narāvatāre kṛṣṇena dagdhā vārāṇasī yathā //
wie in [seiner] Inkarnation als Mensch Vārāṇasī von Kṛṣṇa verbrannt wurde.

pauṇḍrako vāsudevaś ca vāsudevo 'bhavad bhuvi / avatīrṇas tvam ity ukto janair ajñānamohitaiḥ //

Es gab auf Erden [einen König] Pauṇḍraka-Vāsudeva; er wurde von Leuten, die von Unwissenheit umnebelt waren, angesprochen: ‚Du bist der [wahre] Inkarnierte.'

Wort für Wort
pauṇḍrako vāsudevaś ca vāsudevo 'bhavad bhuvi /
Es gab auf Erden [einen König namens] Pauṇḍraka-Vāsudeva;
avatīrṇas tvam ity ukto janair ajñānamohitaiḥ //
er wurde von Leuten, die von Unwissenheit umnebelt waren, angesprochen: ‚Du bist der [wahre] Inkarnierte.'

sa mene vāsudevo 'ham avatīrṇo mahītale / naṣṭasmṛtis tataḥ sarvaṃ viṣṇucihnam acīkarat / dūtaṃ ca preṣayām āsa sa kṛṣṇāya dvijottamāḥ //

Er dachte: ‚Ich bin Vāsudeva, auf Erden inkarniert'; seiner rechten Erinnerung beraubt, fertigte er sich darauf alle Kennzeichen Viṣṇus an und sandte einen Boten zu Kṛṣṇa, o beste der Zweifachgeborenen.

Wort für Wort
sa mene vāsudevo 'ham avatīrṇo mahītale /
Er dachte: ‚Ich bin Vāsudeva, auf Erden inkarniert';
naṣṭasmṛtis tataḥ sarvaṃ viṣṇucihnam acīkarat /
seiner rechten Erinnerung beraubt, fertigte er sich darauf alle Kennzeichen Viṣṇus an
dūtaṃ ca preṣayām āsa sa kṛṣṇāya dvijottamāḥ //
und sandte einen Boten zu Kṛṣṇa, o beste der Zweifachgeborenen.

[Anm.: 3-zeiliger Vers.]

tyaktvā cakrādikaṃ cihnaṃ madīyaṃ nāma mātmanaḥ / vāsudevātmakaṃ mūḍha muktvā sarvam aśeṣataḥ //

Der Bote sprach: ‚Verlasse, du Tor, die mir gehörenden Kennzeichen wie den Diskus, sowie den Namen „Vāsudeva”, [den du dir] selbst [zugelegt hast] – gib alles gänzlich auf,

Wort für Wort
tyaktvā cakrādikaṃ cihnaṃ madīyaṃ nāma mātmanaḥ /
‚Verlasse, du Tor, die mir gehörenden Kennzeichen wie den Diskus, sowie den [dir selbst zugelegten] Namen
vāsudevātmakaṃ mūḍha muktvā sarvam aśeṣataḥ //
„Vāsudeva” – gib alles gänzlich auf,

ātmano jīvitārthaṃ ca tathā me praṇatiṃ vraja //

und begib dich, um deines eigenen Lebens willen, ebenso zur Ehrerbietung vor mir.'

Wort für Wort
ātmano jīvitārthaṃ ca tathā me praṇatiṃ vraja //
und begib dich, um deines eigenen Lebens willen, ebenso zur Ehrerbietung vor mir.'

[Anm.: Einzeiliger Vers mit Asterisk-Markierung im Quelltext (//* BrP_207.7 //), offenbar fehlendes zweites Pāda.]

ity uktaḥ sa prahasyaiva dūtaṃ prāha janārdanaḥ //

Vyāsa sprach: So angesprochen, sprach Janārdana, nur lachend, zu dem Boten:

Wort für Wort
ity uktaḥ sa prahasyaiva dūtaṃ prāha janārdanaḥ //
So angesprochen, sprach Janārdana, nur lachend, zu dem Boten:

[Anm.: Einzeiliger Vers mit Asterisk-Markierung im Quelltext (//* BrP_207.8 //), offenbar fehlendes zweites Pāda.]

nijacihnam ahaṃ cakraṃ samutsrakṣye tvayīti vai / vācyaś ca pauṇḍrako gatvā tvayā dūta vaco mama //

Der Erhabene Herr sprach: ‚Ich werde in der Tat mein eigenes Kennzeichen, den Diskus, auf dich [d.h. deinen Herrn] loslassen' – dieses Wort von mir soll, o Bote, nach deiner Rückkehr Pauṇḍraka gesagt werden.

Wort für Wort
nijacihnam ahaṃ cakraṃ samutsrakṣye tvayīti vai /
‚Ich werde in der Tat mein eigenes Kennzeichen, den Diskus, auf dich [d.h. deinen Herrn] loslassen' –
vācyaś ca pauṇḍrako gatvā tvayā dūta vaco mama //
dieses Wort von mir soll, o Bote, nach deiner Rückkehr Pauṇḍraka gesagt werden.

jñātas tvadvākyasadbhāvo yat kāryaṃ tad vidhīyatām / gṛhītacihna evāham āgamiṣyāmi te puram //

Die Wahrheit deiner Worte ist erkannt – was zu tun ist, das werde getan. Ich selbst, meine [wahren] Kennzeichen aufnehmend, werde zu deiner Stadt kommen,

Wort für Wort
jñātas tvadvākyasadbhāvo yat kāryaṃ tad vidhīyatām /
Die Wahrheit deiner Worte ist erkannt – was zu tun ist, das werde getan.
gṛhītacihna evāham āgamiṣyāmi te puram //
Ich selbst, meine [wahren] Kennzeichen aufnehmend, werde zu deiner Stadt kommen,

utsrakṣyāmi ca te cakraṃ nijacihnam asaṃśayam / ājñāpūrvaṃ ca yad idam āgaccheti tvayoditam //

und werde ohne Zweifel mein eigenes Kennzeichen, den Diskus, auf dich loslassen; und was diesen Befehl betrifft, den du ausgesprochen hast: „Komm [und unterwirf dich]” –

Wort für Wort
utsrakṣyāmi ca te cakraṃ nijacihnam asaṃśayam /
und werde ohne Zweifel mein eigenes Kennzeichen, den Diskus, auf dich loslassen;
ājñāpūrvaṃ ca yad idam āgaccheti tvayoditam //
und was diesen Befehl betrifft, den du ausgesprochen hast: „Komm [und unterwirf dich]” –

saṃpādayiṣye śvas tubhyaṃ tad apy eṣo 'vilambitam / śaraṇaṃ te samabhyetya kartāsmi nṛpate tathā / yathā tvatto bhayaṃ bhūyo naiva kiṃcid bhaviṣyati //

auch dies werde ich dir morgen erfüllen, ohne Verzug; als [käme ich] zu dir Zuflucht [suchend], werde ich, o König, so handeln, dass von dir keinerlei Furcht mehr ausgehen wird.'

Wort für Wort
saṃpādayiṣye śvas tubhyaṃ tad apy eṣo 'vilambitam /
auch dies werde ich dir morgen erfüllen, ohne Verzug;
śaraṇaṃ te samabhyetya kartāsmi nṛpate tathā /
als [käme ich] zu dir Zuflucht [suchend], werde ich, o König, so handeln,
yathā tvatto bhayaṃ bhūyo naiva kiṃcid bhaviṣyati //
dass von dir keinerlei Furcht mehr ausgehen wird.'

[Anm.: 3-zeiliger Vers; 'śaraṇaṃ te samabhyetya' ist als bittere Ironie Kṛṣṇas zu verstehen – er wird Pauṇḍraka nicht schonend, sondern vernichtend „besuchen”.]

ity ukte 'pagate dūte saṃsmṛtyābhyāgataṃ hariḥ / garutmantaṃ samāruhya tvaritaṃ tatpuraṃ yayau //

Vyāsa sprach: Als dies gesagt und der Bote fortgegangen war, bestieg Hari den Garutmān [Garuḍa], der, sogleich an ihn gedacht, herbeigekommen war, und zog eilends zu jener Stadt.

Wort für Wort
ity ukte 'pagate dūte saṃsmṛtyābhyāgataṃ hariḥ /
Als dies gesagt und der Bote fortgegangen war, bestieg Hari den [durch Gedanken] herbeigekommenen Garutmān,
garutmantaṃ samāruhya tvaritaṃ tatpuraṃ yayau //
und zog eilends zu jener Stadt.

tasyāpi keśavodyogaṃ śrutvā kāśipatis tadā / sarvasainyaparīvāra-pārṣṇigrāham upāyayau //

Als auch er, der Herr von Kāśī, von Keśavas Unternehmen gehört hatte, rückte er da, von seinem gesamten Heer umgeben, als Nachhut/Verstärkung heran.

Wort für Wort
tasyāpi keśavodyogaṃ śrutvā kāśipatis tadā /
Als auch er, der Herr von Kāśī, von Keśavas Unternehmen gehört hatte,
sarvasainyaparīvāra-pārṣṇigrāham upāyayau //
rückte er da, von seinem gesamten Heer umgeben, als Nachhut/Verstärkung heran.

tato balena mahatā kāśirājabalena ca / pauṇḍrako vāsudevo 'sau keśavābhimukhaṃ yayau //

Dann zog jener Pauṇḍraka-Vāsudeva mit großem Heer, zusammen mit dem Heer des Königs von Kāśī, gegen Keśava.

Wort für Wort
tato balena mahatā kāśirājabalena ca /
Dann zog jener [Pauṇḍraka-Vāsudeva] mit großem Heer, zusammen mit dem Heer des Königs von Kāśī,
pauṇḍrako vāsudevo 'sau keśavābhimukhaṃ yayau //
gegen Keśava.

taṃ dadarśa harir dūrād udārasyandane sthitam / cakraśaṅkhagadāpāṇiṃ pāṇinā vidhṛtāmbujam //

Hari sah ihn von ferne, auf einem prächtigen Wagen stehend, Diskus, Muschel und Keule in der Hand, mit [einer weiteren] Hand einen Lotos haltend,

Wort für Wort
taṃ dadarśa harir dūrād udārasyandane sthitam /
Hari sah ihn von ferne, auf einem prächtigen Wagen stehend,
cakraśaṅkhagadāpāṇiṃ pāṇinā vidhṛtāmbujam //
Diskus, Muschel und Keule in der Hand, mit [einer weiteren] Hand einen Lotos haltend,

sragdharaṃ dhṛtaśārṅgaṃ ca suparṇaracanādhvajam / vakṣasthalakṛtaṃ cāsya śrīvatsaṃ dadṛśe hariḥ //

eine Girlande tragend, den Śārṅga-Bogen haltend, mit einem in Gestalt Suparṇas [Garuḍa] gefertigten Banner, und mit einem an seiner Brust angebrachten [nachgeahmten] Śrīvatsa-Zeichen – so sah ihn Hari.

Wort für Wort
sragdharaṃ dhṛtaśārṅgaṃ ca suparṇaracanādhvajam /
eine Girlande tragend, den Śārṅga-Bogen haltend, mit einem in Gestalt Suparṇas gefertigten Banner,
vakṣasthalakṛtaṃ cāsya śrīvatsaṃ dadṛśe hariḥ //
und mit einem an seiner Brust angebrachten [nachgeahmten] Śrīvatsa-Zeichen – so sah ihn Hari.

kirīṭakuṇḍaladharaṃ pītavāsaḥsamanvitam / dṛṣṭvā taṃ bhāvagambhīraṃ jahāsa madhusūdanaḥ //

Als er ihn, Krone und Ohrringe tragend, in gelbe Gewänder gehüllt, erblickte, lachte Madhusūdana, [seinen eigenen] Gemütszustand tief verbergend.

Wort für Wort
kirīṭakuṇḍaladharaṃ pītavāsaḥsamanvitam /
Als er ihn, Krone und Ohrringe tragend, in gelbe Gewänder gehüllt,
dṛṣṭvā taṃ bhāvagambhīraṃ jahāsa madhusūdanaḥ //
erblickte, lachte Madhusūdana, [seinen eigenen] Gemütszustand tief verbergend.

yuyudhe ca balenāsya hastyaśvabalinā dvijāḥ / nistriṃśarṣṭigadāśūla-śaktikārmukaśālinā //

Und er kämpfte, o Zweifachgeborene, mit dessen Heer, das an Elefanten und Pferden stark und mit Schwertern, Wurfspeeren, Keulen, Lanzen, Speeren und Bögen ausgestattet war.

Wort für Wort
yuyudhe ca balenāsya hastyaśvabalinā dvijāḥ /
Und er kämpfte, o Zweifachgeborene, mit dessen Heer, das an Elefanten und Pferden stark war
nistriṃśarṣṭigadāśūla-śaktikārmukaśālinā //
und mit Schwertern, Wurfspeeren, Keulen, Lanzen, Speeren und Bögen ausgestattet war.

kṣaṇena śārṅganirmuktaiḥ śarair agnividāraṇaiḥ / gadācakrātipātaiś ca sūdayām āsa tadbalam //

Im Nu vernichtete er, mit vom Śārṅga-Bogen abgeschossenen, feuerspaltenden Pfeilen und mit Schlägen von Keule und Diskus, jenes Heer.

Wort für Wort
kṣaṇena śārṅganirmuktaiḥ śarair agnividāraṇaiḥ /
Im Nu, mit vom Śārṅga-Bogen abgeschossenen, feuerspaltenden Pfeilen,
gadācakrātipātaiś ca sūdayām āsa tadbalam //
und mit Schlägen von Keule und Diskus vernichtete er jenes Heer.

kāśirājabalaṃ caiva kṣayaṃ nītvā janārdanaḥ / uvāca pauṇḍrakaṃ mūḍham ātmacihnopalakṣaṇam //

Und nachdem Janārdana auch das Heer des Königs von Kāśī zugrunde gerichtet hatte, sprach er zu dem törichten Pauṇḍraka, der seine [Kṛṣṇas] eigenen Kennzeichen nachgeahmt trug:

Wort für Wort
kāśirājabalaṃ caiva kṣayaṃ nītvā janārdanaḥ /
Und nachdem Janārdana auch das Heer des Königs von Kāśī zugrunde gerichtet hatte,
uvāca pauṇḍrakaṃ mūḍham ātmacihnopalakṣaṇam //
sprach er zu dem törichten Pauṇḍraka, der seine eigenen Kennzeichen nachgeahmt trug:

pauṇḍrakoktaṃ tvayā yat tad dūtavaktreṇa māṃ prati / samutsṛjeti cihnāni tat te saṃpādayāmy aham //

Der Erhabene Herr sprach: ‚Was von dir, Pauṇḍraka, durch den Mund deines Boten mir gesagt wurde – „Lege die Kennzeichen ab!” – das erfülle ich dir nun.

Wort für Wort
pauṇḍrakoktaṃ tvayā yat tad dūtavaktreṇa māṃ prati /
‚Was von dir, Pauṇḍraka, durch den Mund deines Boten mir gesagt wurde –
samutsṛjeti cihnāni tat te saṃpādayāmy aham //
„Lege die Kennzeichen ab!” – das erfülle ich dir nun.

cakram etat samutsṛṣṭaṃ gadeyaṃ te visarjitā / garutmān eṣa nirdiṣṭaḥ samārohatu te dhvajam //

Dieser Diskus ist [nun] auf dich losgelassen, diese Keule ist entsandt; und hier ist Garutmān, dazu bestimmt, dein Banner zu besteigen.'

Wort für Wort
cakram etat samutsṛṣṭaṃ gadeyaṃ te visarjitā /
Dieser Diskus ist [nun] auf dich losgelassen, diese Keule ist entsandt;
garutmān eṣa nirdiṣṭaḥ samārohatu te dhvajam //
und hier ist Garutmān, dazu bestimmt, dein Banner zu besteigen.'

ity uccārya vimuktena cakreṇāsau vidāritaḥ / pothito gadayā bhagno garutmāṃś ca garutmatā //

Dies aussprechend, wurde jener vom losgelassenen Diskus zerrissen, von der Keule zerschmettert, und sein [nachgeahmtes] Garuḍa-Zeichen wurde von dem [wahren] Garutmān zerbrochen.

Wort für Wort
ity uccārya vimuktena cakreṇāsau vidāritaḥ /
Dies aussprechend, wurde jener vom losgelassenen Diskus zerrissen,
pothito gadayā bhagno garutmāṃś ca garutmatā //
von der Keule zerschmettert, und sein [nachgeahmtes] Garuḍa-Zeichen wurde von dem [wahren] Garutmān zerbrochen.

tato hāhākṛte loke kāśīnām adhipas tadā / yuyudhe vāsudevena mitrasyāpacitau sthitaḥ //

Da, während die Welt aufschrie, kämpfte der Herrscher der Kāśis, entschlossen zur Ehrung seines Freundes, [nun selbst] gegen Vāsudeva.

Wort für Wort
tato hāhākṛte loke kāśīnām adhipas tadā /
Da, während die Welt aufschrie, [kämpfte] der Herrscher der Kāśis,
yuyudhe vāsudevena mitrasyāpacitau sthitaḥ //
entschlossen zur Ehrung seines Freundes, [nun selbst] gegen Vāsudeva.

tataḥ śārṅgavinirmuktaiś chittvā tasya śaraiḥ śiraḥ / kāśipuryāṃ sa cikṣepa kurvaṃl lokasya vismayam //

Da schnitt er ihm mit vom Śārṅga-Bogen abgeschossenen Pfeilen den Kopf ab und warf ihn in die Stadt Kāśī, wodurch er die Menschen in Staunen versetzte.

Wort für Wort
tataḥ śārṅgavinirmuktaiś chittvā tasya śaraiḥ śiraḥ /
Da schnitt er ihm mit vom Śārṅga-Bogen abgeschossenen Pfeilen den Kopf ab
kāśipuryāṃ sa cikṣepa kurvaṃl lokasya vismayam //
und warf ihn in die Stadt Kāśī, wodurch er die Menschen in Staunen versetzte.

hatvā tu pauṇḍrakaṃ śauriḥ kāśirājaṃ ca sānugam / reme dvāravatīṃ prāpto 'maraḥ svargagato yathā //

Nachdem der Sohn Śūras [Kṛṣṇa] Pauṇḍraka und den König von Kāśī samt Gefolge erschlagen hatte, weilte er, nach Dvāravatī zurückgekehrt, glücklich, wie ein Unsterblicher, der in den Himmel gelangt ist.

Wort für Wort
hatvā tu pauṇḍrakaṃ śauriḥ kāśirājaṃ ca sānugam /
Nachdem der Sohn Śūras Pauṇḍraka und den König von Kāśī samt Gefolge erschlagen hatte,
reme dvāravatīṃ prāpto 'maraḥ svargagato yathā //
weilte er, nach Dvāravatī zurückgekehrt, glücklich, wie ein Unsterblicher, der in den Himmel gelangt ist.

tacchiraḥ patitaṃ tatra dṛṣṭvā kāśipateḥ pure / janaḥ kim etad ity āha kenety atyantavismitaḥ //

Als sie jenen dort in der Stadt des Herrn von Kāśī gefallenen Kopf sahen, sprachen die Leute, höchlich erstaunt: ‚Was ist dies?' und ‚Durch wen [geschah dies]?'

Wort für Wort
tacchiraḥ patitaṃ tatra dṛṣṭvā kāśipateḥ pure /
Als sie jenen dort in der Stadt des Herrn von Kāśī gefallenen Kopf sahen,
janaḥ kim etad ity āha kenety atyantavismitaḥ //
sprachen die Leute, höchlich erstaunt: ‚Was ist dies?' und ‚Durch wen [geschah dies]?'

jñātvā taṃ vāsudevena hataṃ tasya sutas tataḥ / purohitena sahitas toṣayām āsa śaṃkaram //

Als sein Sohn erfuhr, dass er von Vāsudeva erschlagen worden war, stimmte er da, zusammen mit dem Hauspriester, Śaṃkara gnädig.

Wort für Wort
jñātvā taṃ vāsudevena hataṃ tasya sutas tataḥ /
Als sein Sohn erfuhr, dass er von Vāsudeva erschlagen worden war,
purohitena sahitas toṣayām āsa śaṃkaram //
stimmte er da, zusammen mit dem Hauspriester, Śaṃkara gnädig.

avimukte mahākṣetre toṣitas tena śaṃkaraḥ / varaṃ vṛṇīṣveti tadā taṃ provāca nṛpātmajam //

Von ihm im großen heiligen Feld Avimukta [Kāśī] versöhnt, sprach Śaṃkara da zu jenem Königssohn: ‚Wähle einen Segen.'

Wort für Wort
avimukte mahākṣetre toṣitas tena śaṃkaraḥ /
Von ihm im großen heiligen Feld Avimukta [Kāśī] versöhnt,
varaṃ vṛṇīṣveti tadā taṃ provāca nṛpātmajam //
sprach Śaṃkara da zu jenem Königssohn: ‚Wähle einen Segen.'

sa vavre bhagavan kṛtyā pitur hantur vadhāya me / samuttiṣṭhatu kṛṣṇasya tvatprasādān maheśvara //

Er wählte: ‚O Erhabener, durch deine Gnade, o Maheśvara, möge mir eine Kṛtyā [ein Zauberwesen] erstehen, zur Tötung Kṛṣṇas, des Mörders meines Vaters.'

Wort für Wort
sa vavre bhagavan kṛtyā pitur hantur vadhāya me /
Er wählte: ‚O Erhabener, möge mir eine Kṛtyā erstehen, zur Tötung Kṛṣṇas, des Mörders meines Vaters,
samuttiṣṭhatu kṛṣṇasya tvatprasādān maheśvara //
durch deine Gnade, o Maheśvara.'

evaṃ bhaviṣyatīty ukte dakṣiṇāgner anantaram / mahākṛtyā samuttasthau tasyaivāgniniveśanāt //

Vyāsa sprach: Als gesagt worden war: ‚So soll es geschehen', erhob sich sogleich aus dem südlichen [Opfer-]Feuer, aus eben diesem Eintritt ins Feuer, eine große Kṛtyā.

Wort für Wort
evaṃ bhaviṣyatīty ukte dakṣiṇāgner anantaram /
Als gesagt worden war: ‚So soll es geschehen', [erhob sich] sogleich aus dem südlichen [Opfer-]Feuer,
mahākṛtyā samuttasthau tasyaivāgniniveśanāt //
aus eben diesem Eintritt ins Feuer, eine große Kṛtyā.

tato jvālākarālāsyā jvalatkeśakalāpikā / kṛṣṇa kṛṣṇeti kupitā kṛtvā dvāravatīṃ yayau //

Dann, mit einem von Flammen schrecklichen Antlitz, mit lodernder Haarflut, rief sie zornig ‚Kṛṣṇa, Kṛṣṇa!' und machte sich auf nach Dvāravatī.

Wort für Wort
tato jvālākarālāsyā jvalatkeśakalāpikā /
Dann, mit einem von Flammen schrecklichen Antlitz, mit lodernder Haarflut,
kṛṣṇa kṛṣṇeti kupitā kṛtvā dvāravatīṃ yayau //
rief sie zornig ‚Kṛṣṇa, Kṛṣṇa!' und machte sich auf nach Dvāravatī.

tām avekṣya janaḥ sarvo raudrāṃ vikṛtalocanām / yayau śaraṇyaṃ jagatāṃ śaraṇaṃ madhusūdanam //

Als sie alle Menschen erblickten, schrecklich, mit entstellten Augen, suchten sie Zuflucht bei Madhusūdana, der Zuflucht der Welten.

Wort für Wort
tām avekṣya janaḥ sarvo raudrāṃ vikṛtalocanām /
Als alle Menschen sie erblickten, schrecklich, mit entstellten Augen,
yayau śaraṇyaṃ jagatāṃ śaraṇaṃ madhusūdanam //
suchten sie Zuflucht bei Madhusūdana, der Zuflucht der Welten.

kāśirājasuteneyam ārādhya vṛṣabhadhvajam / utpāditā mahākṛtyā vadhāya tava cakriṇaḥ / jahi kṛtyām imām ugrāṃ vahnijvālājaṭākulām //

Die Leute sprachen: ‚Diese große Kṛtyā wurde vom Sohn des Königs von Kāśī, nachdem er den Stier-bannerträger [Śiva] verehrt hatte, hervorgebracht, um dich, den Diskusträger, zu töten – erschlage diese schreckliche, von Feuerflammen-Geflecht durchwirrte Kṛtyā!'

Wort für Wort
kāśirājasuteneyam ārādhya vṛṣabhadhvajam /
Diese [Kṛtyā] wurde vom Sohn des Königs von Kāśī, nachdem er den Stier-bannerträger [Śiva] verehrt hatte,
utpāditā mahākṛtyā vadhāya tava cakriṇaḥ /
als große Kṛtyā hervorgebracht, um dich, den Diskusträger, zu töten –
jahi kṛtyām imām ugrāṃ vahnijvālājaṭākulām //
erschlage diese schreckliche, von Feuerflammen-Geflecht durchwirrte Kṛtyā!'

[Anm.: 3-zeiliger Vers.]

cakram utsṛṣṭam akṣeṣu krīḍāsaktena līlayā / tad agnimālājaṭilaṃ jvālodgārātibhīṣaṇam //

Vyāsa sprach: [Da] wurde der Diskus, von ihm, der [gerade beim] Würfelspiel vertieft war, wie im Spiel losgelassen – jener, mit einem Kranz von Feuer umwunden, höchst furchtbar durch seinen Ausstoß an Flammen,

Wort für Wort
cakram utsṛṣṭam akṣeṣu krīḍāsaktena līlayā /
[Da] wurde der Diskus, von ihm, der [gerade beim] Würfelspiel vertieft war, wie im Spiel losgelassen –
tad agnimālājaṭilaṃ jvālodgārātibhīṣaṇam //
jener, mit einem Kranz von Feuer umwunden, höchst furchtbar durch seinen Ausstoß an Flammen,

[Anm.: 'akṣeṣu krīḍāsaktena' – Kṛṣṇa löst den Diskus beiläufig, während er in ein Würfelspiel vertieft ist, aus, als Zeichen mühelosester göttlicher Macht.]

kṛtyām anujagāmāśu viṣṇucakraṃ sudarśanam / tataḥ sā cakravidhvastā kṛtyā māheśvarī tadā //

verfolgte Viṣṇus Diskus Sudarśana sogleich die Kṛtyā; da wurde jene Kṛtyā Maheśvaras, vom Diskus zerschlagen,

Wort für Wort
kṛtyām anujagāmāśu viṣṇucakraṃ sudarśanam /
verfolgte Viṣṇus Diskus Sudarśana sogleich die Kṛtyā;
tataḥ sā cakravidhvastā kṛtyā māheśvarī tadā //
da wurde jene Kṛtyā Maheśvaras, vom Diskus zerschlagen,

jagāma veginī vegāt tad apy anujagāma tām / kṛtyā vārāṇasīm eva praviveśa tvarānvitā //

eilig aus Geschwindigkeit davongejagt; auch er [der Diskus] verfolgte sie weiter; die Kṛtyā drang, von Eile erfasst, geradewegs in Vārāṇasī ein.

Wort für Wort
jagāma veginī vegāt tad apy anujagāma tām /
eilig aus Geschwindigkeit davongejagt; auch er [der Diskus] verfolgte sie weiter;
kṛtyā vārāṇasīm eva praviveśa tvarānvitā //
die Kṛtyā drang, von Eile erfasst, geradewegs in Vārāṇasī ein.

viṣṇucakrapratihata-prabhāvā munisattamāḥ / tataḥ kāśibalaṃ bhūri pramathānāṃ tathā balam //

ihre Macht durch Viṣṇus Diskus gebrochen, o beste der Weisen; darauf [stellte sich] das gewaltige Heer von Kāśī, und ebenso das Heer der Pramathas,

Wort für Wort
viṣṇucakrapratihata-prabhāvā munisattamāḥ /
ihre Macht durch Viṣṇus Diskus gebrochen, o beste der Weisen;
tataḥ kāśibalaṃ bhūri pramathānāṃ tathā balam //
darauf [stellte sich] das gewaltige Heer von Kāśī, und ebenso das Heer der Pramathas,

samastaśastrāstrayutaṃ cakrasyābhimukhaṃ yayau / śastrāstramokṣabahulaṃ dagdhvā tad balam ojasā //

mit sämtlichen Waffen und Geschossen ausgerüstet, dem Diskus entgegen; nachdem [der Diskus] jenes, reich an entsandten Waffen und Geschossen, mit seiner Kraft verbrannt hatte,

Wort für Wort
samastaśastrāstrayutaṃ cakrasyābhimukhaṃ yayau /
mit sämtlichen Waffen und Geschossen ausgerüstet, dem Diskus entgegen;
śastrāstramokṣabahulaṃ dagdhvā tad balam ojasā //
nachdem [der Diskus] jenes, reich an entsandten Waffen und Geschossen, mit seiner Kraft verbrannt hatte,

kṛtvākṣemām aśeṣāṃ tāṃ purīṃ vārāṇasīṃ yayau / prabhūtabhṛtyapaurāṃ tāṃ sāśvamātaṅgamānavām //

zog er, nachdem er [das Heer] gänzlich seiner Sicherheit beraubt hatte, weiter zur Stadt Vārāṇasī, jener [Stadt] mit ihren zahlreichen Dienern und Bürgern, samt Pferden, Elefanten und Menschen,

Wort für Wort
kṛtvākṣemām aśeṣāṃ tāṃ purīṃ vārāṇasīṃ yayau /
zog er, nachdem er [das Heer] gänzlich seiner Sicherheit beraubt hatte, weiter zur Stadt Vārāṇasī,
prabhūtabhṛtyapaurāṃ tāṃ sāśvamātaṅgamānavām //
jener [Stadt] mit ihren zahlreichen Dienern und Bürgern, samt Pferden, Elefanten und Menschen,

aśeṣadurgakoṣṭhāṃ tāṃ durnirīkṣyāṃ surair api / jvālāparivṛtāśeṣa-gṛhaprākāratoraṇām //

jener [Stadt] mit all ihren Festungskammern, selbst für die Götter kaum anzusehen, deren sämtliche Häuser, Wälle und Torbögen [nun] von Flammen umgeben waren –

Wort für Wort
aśeṣadurgakoṣṭhāṃ tāṃ durnirīkṣyāṃ surair api /
jener [Stadt] mit all ihren Festungskammern, selbst für die Götter kaum anzusehen,
jvālāparivṛtāśeṣa-gṛhaprākāratoraṇām //
deren sämtliche Häuser, Wälle und Torbögen [nun] von Flammen umgeben waren –

dadāha tāṃ purīṃ cakraṃ sakalām eva satvaram / akṣīṇāmarṣam atyalpa-sādhyasādhananispṛham / tac cakraṃ prasphuraddīpti viṣṇor abhyāyayau karam //

jene ganze Stadt verbrannte der Diskus rasch, sein Zorn ungemindert, gleichgültig gegenüber dieser für ihn nur allzu geringen zu vollbringenden Aufgabe; jener Diskus, in strahlendem Glanz erglühend, kehrte darauf in Viṣṇus Hand zurück.

Wort für Wort
dadāha tāṃ purīṃ cakraṃ sakalām eva satvaram /
jene ganze Stadt verbrannte der Diskus rasch,
akṣīṇāmarṣam atyalpa-sādhyasādhananispṛham /
sein Zorn ungemindert, gleichgültig gegenüber dieser für ihn nur allzu geringen zu vollbringenden Aufgabe;
tac cakraṃ prasphuraddīpti viṣṇor abhyāyayau karam //
jener Diskus, in strahlendem Glanz erglühend, kehrte darauf in Viṣṇus Hand zurück.

[Anm.: 3-zeiliger Vers.]

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