Quellen der Menschheit

Brahma-Purāṇa

Kapitel 189: rāsakrīḍā ariṣṭavadhaś ca Das Rāsa-Spiel und die Tötung des Ariṣṭa

Die Kuhhirten stellen Kṛṣṇa nach der Govardhana-Erhebung zur Rede, ob er ein Gott sei; Kṛṣṇa besteht darauf, nur ihr Verwandter zu sein. In einer Herbstnacht feiert er mit den Gopīs den berühmten Rāsa-Tanz (jede Gopī fühlt ihn an ihrer Seite). Der brünstige Stierdämon Ariṣṭa greift Gokula an und wird von Kṛṣṇa mit bloßen Händen getötet.

gate śakre tu gopālāḥ kṛṣṇam akliṣṭakāriṇam / ūcuḥ prītyā dhṛtaṃ dṛṣṭvā tena govardhanācalam //

Vyāsa sprach: Nachdem Śakra fortgegangen war, sprachen die Kuhhirten voller Zuneigung zu Kṛṣṇa, dem mühelos Handelnden, da sie den von ihm gehaltenen Berg Govardhana gesehen hatten.

Wort für Wort
gate śakre tu
nachdem Śakra fortgegangen war
gopālāḥ kṛṣṇam akliṣṭakāriṇam
die Kuhhirten zu Kṛṣṇa, dem mühelos Handelnden
ūcuḥ prītyā
sprachen voller Zuneigung
dhṛtaṃ dṛṣṭvā tena govardhanācalam
da sie den von ihm gehaltenen Berg Govardhana gesehen hatten

vayam asmān mahābhāga bhavatā mahato bhayāt / gāvaś ca bhavatā trātā giridhāraṇakarmaṇā //

Die Kuhhirten sprachen: Wir sind von dir, o Glückreicher, aus großer Furcht [errettet worden], und die Kühe wurden von dir durch die Tat des Bergehaltens gerettet.

Wort für Wort
vayam asmān mahābhāga
wir ... o Glückreicher
bhavatā mahato bhayāt
von dir aus großer Furcht [errettet]
gāvaś ca bhavatā trātā
und die Kühe wurden von dir gerettet
giridhāraṇakarmaṇā
durch die Tat des Bergehaltens

[?] Genaue grammatische Beziehung von 'trātā' (Sg./Pl.) zu 'vayam' und 'gāvaḥ' im Sanskrit uneindeutig, sinngemäß übersetzt.

bālakrīḍeyam atulā gopālatvaṃ jugupsitam / divyaṃ ca karma bhavataḥ kim etat tāta kathyatām //

Dieses Kinderspiel ist unvergleichlich, das Kuhhirtendasein [für dich] verwerflich, und deine Tat ist göttlich – was ist dies, o Lieber? Es werde gesagt!

Wort für Wort
bālakrīḍā iyam atulā
dieses Kinderspiel ist unvergleichlich
gopālatvaṃ jugupsitam
das Kuhhirtendasein [ist] verwerflich
divyaṃ ca karma bhavataḥ
und deine Tat ist göttlich
kim etat tāta kathyatām
was ist dies, o Lieber? Es werde gesagt

kāliyo damitas toye pralambo vinipātitaḥ / dhṛto govardhanaś cāyaṃ śaṅkitāni manāṃsi naḥ //

Kāliya wurde im Wasser gebändigt, Pralamba niedergestreckt, und dieser Govardhana wurde gehalten – unsere Gedanken sind voller Zweifel.

Wort für Wort
kāliyo damitas toye
Kāliya wurde im Wasser gebändigt
pralambo vinipātitaḥ
Pralamba wurde niedergestreckt
dhṛto govardhanaś cāyam
und dieser Govardhana wurde gehalten
śaṅkitāni manāṃsi naḥ
unsere Gedanken sind voller Zweifel

satyaṃ satyaṃ hareḥ pādau śrayāmo 'mitavikrama / yathā tvadvīryam ālokya na tvāṃ manyāmahe naram //

Wahrlich, wahrlich, wir nehmen Zuflucht zu den Füßen Haris, o du von unermesslicher Kraft – da wir, nachdem wir deine Heldenkraft gesehen haben, dich nicht für einen [bloßen] Menschen halten.

Wort für Wort
satyaṃ satyaṃ hareḥ pādau śrayāmaḥ
wahrlich, wahrlich, wir nehmen Zuflucht zu den Füßen Haris
amitavikrama
o du von unermesslicher Kraft
yathā tvadvīryam ālokya
da wir deine Heldenkraft gesehen haben
na tvāṃ manyāmahe naram
halten wir dich nicht für einen Menschen

devo vā dānavo vā tvaṃ yakṣo gandharva eva vā / kiṃ cāsmākaṃ vicāreṇa bāndhavo 'sti namo 'stu te //

Ob du ein Gott bist oder ein Dämon, ein Yakṣa oder wahrlich ein Gandharva – was nützt uns solches Grübeln? Du bist [unser] Verwandter, Verehrung sei dir!

Wort für Wort
devo vā dānavo vā tvam
ob du ein Gott bist oder ein Dämon
yakṣo gandharva eva vā
ein Yakṣa oder wahrlich ein Gandharva
kiṃ cāsmākaṃ vicāreṇa
was nützt uns solches Grübeln
bāndhavo 'sti namo 'stu te
du bist [unser] Verwandter, Verehrung sei dir

prītiḥ sastrīkumārasya vrajasya tava keśava / karma cedam aśakyaṃ yat samastais tridaśair api //

[Wir sehen] deine Zuneigung, o Keśava, zu Vraja samt seinen Frauen und Kindern, und diese Tat, die selbst allen Göttern zusammen unmöglich wäre.

Wort für Wort
prītiḥ sastrīkumārasya vrajasya tava
deine Zuneigung zu Vraja samt seinen Frauen und Kindern
keśava
o Keśava
karma cedam aśakyam
und diese Tat [ist] unmöglich
yat samastais tridaśair api
die selbst allen Göttern zusammen [unmöglich wäre]

bālatvaṃ cātivīryaṃ ca janma cāsmāsv aśobhanam / cintyamānam ameyātmañ śaṅkāṃ kṛṣṇa prayacchati //

Dein Kindsein und deine übergroße Kraft und deine Geburt unter uns, die unpassend [erscheint] – wenn man darüber nachsinnt, o Kṛṣṇa von unermesslichem Selbst, erzeugt dies nur Zweifel.

Wort für Wort
bālatvaṃ cātivīryaṃ ca
dein Kindsein und deine übergroße Kraft
janma cāsmāsv aśobhanam
und deine Geburt unter uns, die unpassend [erscheint]
cintyamānam ameyātman
wenn man darüber nachsinnt, o du von unermesslichem Selbst
śaṅkāṃ kṛṣṇa prayacchati
erzeugt dies, o Kṛṣṇa, Zweifel

kṣaṇaṃ bhūtvā tv asau tūṣṇīṃ kiṃcit praṇayakopavān / ity evam uktas tair gopair āha kṛṣṇo dvijottamāḥ //

Vyāsa sprach: Nachdem er einen Augenblick lang schweigsam gewesen war, ein wenig von liebevollem Unmut erfüllt, sprach Kṛṣṇa, so von jenen Kuhhirten angesprochen, o Beste der Zweifachgeborenen.

Wort für Wort
kṣaṇaṃ bhūtvā tv asau tūṣṇīm
nachdem er einen Augenblick lang schweigsam gewesen war
kiṃcit praṇayakopavān
ein wenig von liebevollem Unmut erfüllt
ity evam uktas tair gopaiḥ
so von jenen Kuhhirten angesprochen
āha kṛṣṇo dvijottamāḥ
sprach Kṛṣṇa, o Beste der Zweifachgeborenen

matsaṃbandhena vo gopā yadi lajjā na jāyate / ślāghyo vāhaṃ tataḥ kiṃ vo vicāreṇa prayojanam //

Śrī Kṛṣṇa sprach: Wenn euch, o Kuhhirten, durch die Verbindung mit mir keine Scham entsteht, oder ob ich lobenswert bin – was nützt euch dann solches Grübeln?

Wort für Wort
matsaṃbandhena vo gopā
durch die Verbindung mit mir, o Kuhhirten
yadi lajjā na jāyate
wenn euch keine Scham entsteht
ślāghyo vāham
oder ob ich lobenswert bin
tataḥ kiṃ vo vicāreṇa prayojanam
was nützt euch dann solches Grübeln

yadi vo 'sti mayi prītiḥ ślāghyo 'haṃ bhavatāṃ yadi / tad arghā bandhusadṛśī bāndhavāḥ kriyatāṃ mayi //

Wenn ihr Zuneigung zu mir habt, und wenn ich in euren Augen lobenswert bin, dann erweist mir ein würdiges, verwandtschaftsgemäßes Verhalten wie einem Verwandten.

Wort für Wort
yadi vo 'sti mayi prītiḥ
wenn ihr Zuneigung zu mir habt
ślāghyo 'haṃ bhavatāṃ yadi
und wenn ich in euren Augen lobenswert bin
tad arghā bandhusadṛśī
dann [erweist] ein würdiges, verwandtschaftsgemäßes [Verhalten]
bāndhavāḥ kriyatāṃ mayi
wie einem Verwandten mir gegenüber

[?] Genaue syntaktische Verbindung von 'arghā bandhusadṛśī' zu 'bāndhavāḥ kriyatām' unsicher, sinngemäß übersetzt.

nāhaṃ devo na gandharvo na yakṣo na ca dānavaḥ / ahaṃ vo bāndhavo jāto nātaś cintyam ato 'nyathā //

Ich bin kein Gott, kein Gandharva, kein Yakṣa und kein Dämon; ich bin als euer Verwandter geboren – deshalb ist dies nicht anders zu bedenken.

Wort für Wort
nāhaṃ devo na gandharvo
ich bin kein Gott, kein Gandharva
na yakṣo na ca dānavaḥ
kein Yakṣa und kein Dämon
ahaṃ vo bāndhavo jātaḥ
ich bin als euer Verwandter geboren
nātaś cintyam ato 'nyathā
deshalb ist dies nicht anders zu bedenken

iti śrutvā harer vākyaṃ baddhamaunās tato balam / yayur gopā mahābhāgās tasmin praṇayakopini //

Vyāsa sprach: Nachdem sie so Haris Worte gehört hatten, verstummten die glückreichen Kuhhirten und gingen dann zu Bala[rāma], während er [Kṛṣṇa] noch von liebevollem Unmut erfüllt war.

Wort für Wort
iti śrutvā harer vākyam
nachdem sie so Haris Worte gehört hatten
baddhamaunās tato balam
verstummten sie und gingen dann zu Bala[rāma]
yayur gopā mahābhāgāḥ
gingen die glückreichen Kuhhirten
tasmin praṇayakopini
während er noch von liebevollem Unmut erfüllt war

kṛṣṇas tu vimalaṃ vyoma śaraccandrasya candrikām / tathā kumudinīṃ phullām āmoditadigantarām //

Kṛṣṇa aber, den makellosen Himmel, das Mondlicht des Herbstmondes, ebenso die blühenden Lotusblumen, die die Himmelsrichtungen mit Duft erfüllten,

Wort für Wort
kṛṣṇas tu vimalaṃ vyoma
Kṛṣṇa aber [betrachtete] den makellosen Himmel
śaraccandrasya candrikām
das Mondlicht des Herbstmondes
tathā kumudinīṃ phullām
ebenso die blühenden Lotusblumen
āmoditadigantarām
die die Himmelsrichtungen mit Duft erfüllten

vanarājīṃ tathā kūjad-bhṛṅgamālāmanoramām / vilokya saha gopībhir manaś cakre ratiṃ prati //

und ebenso die Baumreihe des Waldes, reizvoll durch den Kranz summender Bienen, erblickend, richtete er, zusammen mit den Gopīs, seinen Sinn auf das Liebesspiel.

Wort für Wort
vanarājīṃ tathā
und ebenso die Baumreihe des Waldes
kūjadbhṛṅgamālāmanoramām
reizvoll durch den Kranz summender Bienen
vilokya saha gopībhiḥ
erblickend, zusammen mit den Gopīs
manaś cakre ratiṃ prati
richtete er seinen Sinn auf das Liebesspiel

saha rāmeṇa madhuram atīva vanitāpriyam / jagau kamalapādo 'sau nāma tatra kṛtavrataḥ //

Zusammen mit Rāma sang er, der Lotosfüßige, dort überaus süß ein den Frauen liebes [Lied], entschlossen zu [dem Fest].

Wort für Wort
saha rāmeṇa madhuram atīva
zusammen mit Rāma, überaus süß
vanitāpriyam jagau
sang er ein den Frauen liebes [Lied]
kamalapādo 'sau nāma tatra
er, der Lotosfüßige, dort
kṛtavrataḥ
entschlossen [zu dem Fest]

[?] Genauer Bezug von 'kṛtavrataḥ' ('der ein Gelübde abgelegt hat / entschlossen war') unklar; sinngemäß auf den Vorsatz zum Rāsa-Fest bezogen.

ramyaṃ gītadhvaniṃ śrutvā saṃtyajyāvasathāṃs tadā / ājagmus tvaritā gopyo yatrāste madhusūdanaḥ //

Nachdem sie den bezaubernden Klang des Gesangs gehört hatten, verließen die Gopīs damals ihre Wohnstätten und kamen eilig dorthin, wo Madhusūdana weilte.

Wort für Wort
ramyaṃ gītadhvaniṃ śrutvā
nachdem sie den bezaubernden Klang des Gesangs gehört hatten
saṃtyajyāvasathāṃs tadā
verließen sie damals ihre Wohnstätten
ājagmus tvaritā gopyaḥ
die Gopīs kamen eilig
yatrāste madhusūdanaḥ
dorthin, wo Madhusūdana weilte

śanaiḥ śanair jagau gopī kācit tasya padānugā / dattāvadhānā kācic ca tam eva manasāsmarat //

Leise, leise sang eine Gopī, seinem Vers folgend; eine andere, voller Aufmerksamkeit, gedachte im Geiste nur seiner.

Wort für Wort
śanaiḥ śanair jagau gopī kācit
leise, leise sang eine Gopī
tasya padānugā
seinem Vers folgend
dattāvadhānā kācic ca
eine andere, voller Aufmerksamkeit
tam eva manasāsmarat
gedachte im Geiste nur seiner

kācit kṛṣṇeti kṛṣṇeti coktvā lajjām upāyayau / yayau ca kācit premāndhā tatpārśvam avilajjitā //

Eine, nachdem sie 'Kṛṣṇa! Kṛṣṇa!' gerufen hatte, verfiel in Scham; und eine andere, blind vor Liebe, ging unbeschämt zu seiner Seite.

Wort für Wort
kācit kṛṣṇeti kṛṣṇeti coktvā
eine, nachdem sie 'Kṛṣṇa! Kṛṣṇa!' gerufen hatte
lajjām upāyayau
verfiel in Scham
yayau ca kācit premāndhā
und eine andere, blind vor Liebe, ging
tatpārśvam avilajjitā
unbeschämt zu seiner Seite

kācid āvasathasyāntaḥ sthitvā dṛṣṭvā bahir gurum / tanmayatvena govindaṃ dadhyau mīlitalocanā //

Eine, im Innern ihrer Wohnstatt verweilend, da sie draußen ihren Vormund sah, sann mit geschlossenen Augen ganz in ihm aufgehend über Govinda nach.

Wort für Wort
kācid āvasathasyāntaḥ sthitvā
eine, im Innern ihrer Wohnstatt verweilend
dṛṣṭvā bahir gurum
da sie draußen ihren Vormund sah
tanmayatvena govindaṃ dadhyau
sann ganz in ihm aufgehend über Govinda nach
mīlitalocanā
mit geschlossenen Augen

[Anm.: 'dṛṣṭvā bahir gurum' sinngemäß so gedeutet, dass sie wegen eines draußen wachenden Älteren/Vormunds nicht hinausgehen konnte und stattdessen innerlich meditierte.]

gopīparivṛto rātriṃ śaraccandramanoramām / mānayām āsa govindo rāsārambharasotsukaḥ //

Von den Gopīs umgeben, ehrte Govinda, begierig auf die Freude des beginnenden Rāsa-Tanzes, die durch den Herbstmond bezaubernde Nacht.

Wort für Wort
gopīparivṛto rātriṃ
von den Gopīs umgeben, die Nacht
śaraccandramanoramām
die durch den Herbstmond bezaubernde
mānayām āsa govindo
ehrte Govinda
rāsārambharasotsukaḥ
begierig auf die Freude des beginnenden Rāsa-Tanzes

gopyaś ca vṛndaśaḥ kṛṣṇa-ceṣṭābhyāyattamūrtayaḥ / anyadeśagate kṛṣṇe cerur vṛndāvanāntaram //

Und die Gopīs, in Scharen, deren Gestalt ganz von Kṛṣṇas Gebärden abhängig geworden war, durchstreiften, als Kṛṣṇa an einen anderen Ort gegangen war, das Innere Vṛndāvanas.

Wort für Wort
gopyaś ca vṛndaśaḥ
und die Gopīs, in Scharen
kṛṣṇaceṣṭābhyāyattamūrtayaḥ
deren Gestalt ganz von Kṛṣṇas Gebärden abhängig geworden war
anyadeśagate kṛṣṇe
als Kṛṣṇa an einen anderen Ort gegangen war
cerur vṛndāvanāntaram
durchstreiften sie das Innere Vṛndāvanas

[Anm.: Anspielung auf das später (z.B. Bhāgavata-Purāṇa 10,30) ausführlich geschilderte Verschwinden Kṛṣṇas aus dem Rāsa-Tanz, worauf die Gopīs ihn suchen und dabei teils seine Taten nachahmen – hier nur knapp angedeutet.]

babhramus tās tato gopyaḥ kṛṣṇadarśanalālasāḥ / kṛṣṇasya caraṇaṃ rātrau dṛṣṭvā vṛndāvane dvijāḥ //

Jene Gopīs irrten dann umher, begierig nach dem Anblick Kṛṣṇas, nachdem sie, o Zweifachgeborene, Kṛṣṇas Fußspur nachts in Vṛndāvana gesehen hatten.

Wort für Wort
babhramus tās tato gopyaḥ
jene Gopīs irrten dann umher
kṛṣṇadarśanalālasāḥ
begierig nach dem Anblick Kṛṣṇas
kṛṣṇasya caraṇaṃ rātrau dṛṣṭvā
nachdem sie Kṛṣṇas Fußspur nachts gesehen hatten
vṛndāvane dvijāḥ
in Vṛndāvana, o Zweifachgeborene

evaṃ nānāprakārāsu kṛṣṇaceṣṭāsu tāsu ca / gopyo vyagrāḥ samaṃ cerū ramyaṃ vṛndāvanaṃ vanam //

So durchstreiften die verwirrten Gopīs, [den Spuren] von Kṛṣṇas mannigfaltigen Taten [folgend], gemeinsam den reizvollen Wald Vṛndāvana.

Wort für Wort
evaṃ nānāprakārāsu kṛṣṇaceṣṭāsu tāsu ca
so, [den Spuren] von Kṛṣṇas mannigfaltigen Taten folgend
gopyo vyagrāḥ
die verwirrten Gopīs
samaṃ cerū
durchstreiften gemeinsam
ramyaṃ vṛndāvanaṃ vanam
den reizvollen Wald Vṛndāvana

nivṛttās tās tato gopyo nirāśāḥ kṛṣṇadarśane / yamunātīram āgamya jagus taccaritaṃ dvijāḥ //

Jene Gopīs kehrten dann um, hoffnungslos, Kṛṣṇa zu sehen, und sangen, o Zweifachgeborene, nachdem sie ans Ufer der Yamunā gekommen waren, von seinen Taten.

Wort für Wort
nivṛttās tās tato gopyo
jene Gopīs kehrten dann um
nirāśāḥ kṛṣṇadarśane
hoffnungslos, Kṛṣṇa zu sehen
yamunātīram āgamya
nachdem sie ans Ufer der Yamunā gekommen waren
jagus taccaritaṃ dvijāḥ
sangen sie von seinen Taten, o Zweifachgeborene

tato dadṛśur āyāntaṃ vikāśimukhapaṅkajam / gopyas trailokyagoptāraṃ kṛṣṇam akliṣṭakāriṇam //

Da sahen die Gopīs Kṛṣṇa, den Beschützer der drei Welten, den mühelos Handelnden, herannahen, sein Lotosgesicht erblühend.

Wort für Wort
tato dadṛśur āyāntam
da sahen sie ihn herannahen
vikāśimukhapaṅkajam
sein Lotosgesicht erblühend
gopyas trailokyagoptāram
die Gopīs [sahen] den Beschützer der drei Welten
kṛṣṇam akliṣṭakāriṇam
Kṛṣṇa, den mühelos Handelnden

kācid ālokya govindam āyāntam atiharṣitā / kṛṣṇa kṛṣṇeti kṛṣṇeti prāhotphullavilocanā //

Eine, Govinda herannahen sehend, überaus erfreut, rief mit weit aufgerissenen Augen: 'Kṛṣṇa! Kṛṣṇa! Kṛṣṇa!'

Wort für Wort
kācid ālokya govindam āyāntam
eine, Govinda herannahen sehend
atiharṣitā
überaus erfreut
kṛṣṇa kṛṣṇeti kṛṣṇeti prāha
rief: 'Kṛṣṇa! Kṛṣṇa! Kṛṣṇa!'
utphullavilocanā
mit weit aufgerissenen Augen

kācid bhrūbhaṅguraṃ kṛtvā lalāṭaphalakaṃ harim / vilokya netrabhṛṅgābhyāṃ papau tanmukhapaṅkajam //

Eine, ihre Stirn mit gekrümmten Brauen versehend, betrachtete Hari mit den bienengleichen Blicken ihrer beiden Augen und trank so sein Lotosgesicht.

Wort für Wort
kācid bhrūbhaṅguraṃ kṛtvā lalāṭaphalakam
eine, ihre Stirn mit gekrümmten Brauen versehend
harim vilokya
Hari betrachtend
netrabhṛṅgābhyāṃ
mit den bienengleichen Blicken ihrer beiden Augen
papau tanmukhapaṅkajam
trank sie sein Lotosgesicht

kācid ālokya govindaṃ nimīlitavilocanā / tasyaiva rūpaṃ dhyāyantī yogārūḍheva sā babhau //

Eine, Govinda erblickt habend, mit geschlossenen Augen, über eben seine Gestalt nachsinnend, erschien wie eine im Yoga Gefestigte.

Wort für Wort
kācid ālokya govindaṃ
eine, Govinda erblickt habend
nimīlitavilocanā
mit geschlossenen Augen
tasyaiva rūpaṃ dhyāyantī
über eben seine Gestalt nachsinnend
yogārūḍheva sā babhau
erschien sie wie eine im Yoga Gefestigte

tataḥ kāṃcit priyālāpaiḥ kāṃcid bhrūbhaṅgavīkṣitaiḥ / ninye 'nunayam anyāś ca karasparśena mādhavaḥ //

Da gewann Mādhava die eine durch liebe Worte, die andere durch Blicke mit gekrümmten Brauen, und andere durch die Berührung seiner Hand für sich.

Wort für Wort
tataḥ kāṃcit priyālāpaiḥ
da [gewann er] die eine durch liebe Worte
kāṃcid bhrūbhaṅgavīkṣitaiḥ
die andere durch Blicke mit gekrümmten Brauen
ninye 'nunayam anyāś ca
und gewann andere für sich
karasparśena mādhavaḥ
durch die Berührung seiner Hand, Mādhava

tābhiḥ prasannacittābhir gopībhiḥ saha sādaram / rarāma rāsagoṣṭhībhir udāracarito hariḥ //

Mit jenen Gopīs von erfreutem Gemüt, mit den Rāsa-Kreisen, ergötzte sich Hari von edlem Wandel achtungsvoll.

Wort für Wort
tābhiḥ prasannacittābhir gopībhiḥ saha
mit jenen Gopīs von erfreutem Gemüt
sādaram
achtungsvoll
rarāma rāsagoṣṭhībhiḥ
ergötzte er sich mit den Rāsa-Kreisen
udāracarito hariḥ
Hari von edlem Wandel

rāsamaṇḍalabaddho 'pi kṛṣṇapārśvam anūdgatā / gopījano na caivābhūd ekasthānasthirātmanā //

Obwohl in den Rāsa-Kreis eingebunden, war die Schar der Gopīs, [jede sich] neben Kṛṣṇa erhoben [wähnend], im Geiste nicht auf einen einzigen Ort festgelegt.

Wort für Wort
rāsamaṇḍalabaddho 'pi
obwohl in den Rāsa-Kreis eingebunden
kṛṣṇapārśvam anūdgatā
[jede sich] neben Kṛṣṇa erhoben [wähnend]
gopījano na caivābhūt
war die Schar der Gopīs nicht
ekasthānasthirātmanā
im Geiste auf einen einzigen Ort festgelegt

[?] Vers deutet wohl bereits die spätere Vervielfältigung Kṛṣṇas beim Rāsa-Tanz an (jede Gopī fühlt ihn neben sich), formuliert dies hier jedoch nur indirekt über die Wahrnehmung der Gopīs.

haste pragṛhya caikaikāṃ gopikāṃ rāsamaṇḍalam / cakāra ca karasparśa-nimīlitadṛśaṃ hariḥ //

Und Hari, jede einzelne Gopī bei der Hand fassend, bildete den Rāsa-Kreis, und ihre Augen schlossen sich bei der Berührung seiner Hand.

Wort für Wort
haste pragṛhya caikaikāṃ gopikām
jede einzelne Gopī bei der Hand fassend
rāsamaṇḍalam cakāra
bildete er den Rāsa-Kreis
ca karasparśa-
und durch die Berührung [seiner] Hand
nimīlitadṛśaṃ hariḥ
schlossen sich [ihre] Augen, Hari

tataḥ pravavṛte ramyā caladvalayanisvanaiḥ / anuyātaśaratkāvya-geyagītir anukramām //

Dann begann [der Tanz], reizvoll durch das Klingen der sich bewegenden Armreifen, in gehöriger Abfolge, begleitet von einem herbstlichen, dichterisch zu singenden Lied.

Wort für Wort
tataḥ pravavṛte ramyā
dann begann [der Tanz], reizvoll
caladvalayanisvanaiḥ
durch das Klingen der sich bewegenden Armreifen
anuyātaśaratkāvya-geyagītir
begleitet von einem herbstlichen, dichterisch zu singenden Lied
anukramām
in gehöriger Abfolge

[?] Zusammensetzung 'anuyātaśaratkāvyageyagītiḥ' unsicher zerlegt und sinngemäß wiedergegeben.

kṛṣṇaḥ śaraccandramasaṃ kaumudīkumudākaram / jagau gopījanas tv ekaṃ kṛṣṇanāma punaḥ punaḥ //

Kṛṣṇa besang den Herbstmond, den Ursprung von Mondlicht und Lotosblumen; die Schar der Gopīs aber sang immer wieder nur den einen Namen 'Kṛṣṇa'.

Wort für Wort
kṛṣṇaḥ śaraccandramasaṃ
Kṛṣṇa [besang] den Herbstmond
kaumudīkumudākaram
den Ursprung von Mondlicht und Lotosblumen
jagau gopījanas tv ekaṃ
die Schar der Gopīs aber sang nur den einen
kṛṣṇanāma punaḥ punaḥ
Namen 'Kṛṣṇa' immer wieder

parivṛttā śrameṇaikā caladvalayatāpinī / dadau bāhulatāṃ skandhe gopī madhuvighātinaḥ //

Eine Gopī, sich vor Erschöpfung drehend, erhitzt von ihren klingenden Armreifen, legte ihren rankengleichen Arm auf die Schulter des Bezwingers Madhus.

Wort für Wort
parivṛttā śrameṇaikā
eine, sich vor Erschöpfung drehend
caladvalayatāpinī
erhitzt von ihren klingenden Armreifen
dadau bāhulatāṃ skandhe
legte sie ihren rankengleichen Arm auf die Schulter
gopī madhuvighātinaḥ
die Gopī, auf die Schulter des Bezwingers Madhus

kācit pravilasadbāhuḥ parirabhya cucumba tam / gopī gītastutivyāja-nipuṇā madhusūdanam //

Eine Gopī, mit glänzendem Arm, umarmte und küsste ihn, den Madhusūdana, geschickt darin, den Lobgesang als Vorwand zu nutzen.

Wort für Wort
kācit pravilasadbāhuḥ
eine [Gopī], mit glänzendem Arm
parirabhya cucumba tam
umarmte und küsste ihn
gopī gītastutivyāja-nipuṇā
die Gopī, geschickt darin, den Lobgesang als Vorwand zu nutzen
madhusūdanam
[ihn,] Madhusūdana

gopīkapolasaṃśleṣam abhipadya harer bhujau / pulakodgamaśasyāya svedāmbughanatāṃ gatau //

Haris beide Arme, mit der Wange der Gopī in Berührung gekommen, wurden für die sprießende Saat seiner Hautgänsehaut zu Wolken von Schweißwasser.

Wort für Wort
gopīkapolasaṃśleṣam abhipadya
mit der Wange der Gopī in Berührung gekommen
harer bhujau
Haris beide Arme
pulakodgamaśasyāya
für die sprießende Saat seiner Hautgänsehaut
svedāmbughanatāṃ gatau
wurden zu Wolken von Schweißwasser

[Anm.: kunstvolles kāvya-Bild – die Gänsehaut wird mit sprießendem Getreide verglichen, der Schweiß mit den es nährenden Regenwolken; die genaue bildliche Logik bleibt unsicher, hier möglichst wörtlich wiedergegeben.]

rāsageyaṃ jagau kṛṣṇo yāvat tārataradhvaniḥ / sādhu kṛṣṇeti kṛṣṇeti tāvat tā dviguṇaṃ jaguḥ //

Je lauter Kṛṣṇa das Rāsa-Lied mit höherem Klang sang, desto doppelt so laut sangen sie: 'Wohlan, Kṛṣṇa! Kṛṣṇa!'

Wort für Wort
rāsageyaṃ jagau kṛṣṇo
Kṛṣṇa sang das Rāsa-Lied
yāvat tārataradhvaniḥ
je höher/lauter sein Klang [wurde]
sādhu kṛṣṇeti kṛṣṇeti
'wohlan, Kṛṣṇa! Kṛṣṇa!'
tāvat tā dviguṇaṃ jaguḥ
desto doppelt so laut sangen sie

gate 'nugamanaṃ cakrur valane saṃmukhaṃ yayuḥ / pratilomānulomena bhejur gopāṅganā harim //

Wenn er sich [im Tanz] bewegte, folgten sie; wenn er sich umwandte, traten sie ihm entgegen – die Kuhhirtinnen begleiteten Hari sowohl gegen als auch mit seiner Bewegung.

Wort für Wort
gate 'nugamanaṃ cakruḥ
wenn er sich bewegte, folgten sie
valane saṃmukhaṃ yayuḥ
wenn er sich umwandte, traten sie ihm entgegen
pratilomānulomena
sowohl gegen als auch mit [seiner Bewegung]
bhejur gopāṅganā harim
begleiteten die Kuhhirtinnen Hari

sa tadā saha gopībhī rarāma madhusūdanaḥ / sa varṣakoṭipratimaḥ kṣaṇas tena vinābhavat //

Madhusūdana ergötzte sich damals zusammen mit den Gopīs; [doch] ein Augenblick ohne ihn wurde [ihnen] wie zehn Millionen Jahre.

Wort für Wort
sa tadā saha gopībhī rarāma
er ergötzte sich damals zusammen mit den Gopīs
madhusūdanaḥ
Madhusūdana
sa varṣakoṭipratimaḥ kṣaṇaḥ
ein Augenblick, gleich zehn Millionen Jahren
tena vinābhavat
wurde [ihnen] ohne ihn

tā vāryamāṇāḥ pitṛbhiḥ patibhir bhrātṛbhis tathā / kṛṣṇaṃ gopāṅganā rātrau ramayanti ratipriyāḥ //

Jene Kuhhirtinnen, obwohl von Vätern, Ehemännern und ebenso Brüdern zurückgehalten, erfreuten Kṛṣṇa nachts, dem Liebesspiel zugetan.

Wort für Wort
tā vāryamāṇāḥ pitṛbhiḥ
jene, obwohl von Vätern zurückgehalten
patibhir bhrātṛbhis tathā
von Ehemännern und ebenso Brüdern
kṛṣṇaṃ gopāṅganā rātrau ramayanti
erfreuten die Kuhhirtinnen Kṛṣṇa nachts
ratipriyāḥ
dem Liebesspiel zugetan

so 'pi kaiśorakavayā mānayan madhusūdanaḥ / reme tābhir ameyātmā kṣapāsu kṣapitāhitaḥ //

Auch er, Madhusūdana von unermesslichem Selbst, dessen Feinde bereits vernichtet waren, sein jugendliches Alter ehrend, ergötzte sich mit ihnen durch die Nächte.

Wort für Wort
so 'pi kaiśorakavayā mānayan
auch er, sein jugendliches Alter ehrend
madhusūdanaḥ
Madhusūdana
reme tābhir ameyātmā
ergötzte sich mit ihnen, von unermesslichem Selbst
kṣapāsu kṣapitāhitaḥ
durch die Nächte, dessen Feinde bereits vernichtet waren

tadbhartṛṣu tathā tāsu sarvabhūteṣu ceśvaraḥ / ātmasvarūparūpo 'sau vyāpya sarvam avasthitaḥ //

Denn der Herr, dessen Gestalt eins ist mit dem wahren Wesen des Selbst, verweilt, alles durchdringend, in ihren Gatten, ebenso in ihnen [den Gopīs] und in allen Wesen.

Wort für Wort
tadbhartṛṣu tathā tāsu
in ihren Gatten, ebenso in ihnen
sarvabhūteṣu ca īśvaraḥ
und in allen Wesen [verweilt] der Herr
ātmasvarūparūpo 'sau
dessen Gestalt eins ist mit dem wahren Wesen des Selbst
vyāpya sarvam avasthitaḥ
alles durchdringend, verweilt er

yathā samastabhūteṣu nabho 'gniḥ pṛthivī jalam / vāyuś cātmā tathaivāsau vyāpya sarvam avasthitaḥ //

Wie Äther, Feuer, Erde, Wasser, Luft und das Selbst in allen Wesen [gegenwärtig sind], so verweilt auch er, alles durchdringend.

Wort für Wort
yathā samastabhūteṣu
wie in allen Wesen
nabho 'gniḥ pṛthivī jalam
Äther, Feuer, Erde, Wasser
vāyuś cātmā
Luft und das Selbst
tathaivāsau vyāpya sarvam avasthitaḥ
so verweilt auch er, alles durchdringend

pradoṣārdhe kadācit tu rāsāsakte janārdane / trāsayan samado goṣṭhān ariṣṭaḥ samupāgataḥ //

Vyāsa sprach: Doch einst, um Mitternacht, während Janārdana dem Rāsa-Tanz zugetan war, näherte sich der Dämon Ariṣṭa, brünstig, und versetzte die Kuhweiler in Schrecken.

Wort für Wort
pradoṣārdhe kadācit tu
doch einst, um Mitternacht
rāsāsakte janārdane
während Janārdana dem Rāsa-Tanz zugetan war
trāsayan samado goṣṭhān
und versetzte, brünstig, die Kuhweiler in Schrecken
ariṣṭaḥ samupāgataḥ
näherte sich der Dämon Ariṣṭa

satoyatoyadākāras tīkṣṇaśṛṅgo 'rkalocanaḥ / khurāgrapātair atyarthaṃ dārayan dharaṇītalam //

Von der Gestalt einer wasserschweren Regenwolke, scharfgehörnt, sonnenäugig, riss er mit den Schlägen seiner Hufspitzen die Erdoberfläche gewaltig auf.

Wort für Wort
satoyatoyadākāraḥ
von der Gestalt einer wasserschweren Regenwolke
tīkṣṇaśṛṅgo 'rkalocanaḥ
scharfgehörnt, sonnenäugig
khurāgrapātair atyartham
mit den Schlägen seiner Hufspitzen gewaltig
dārayan dharaṇītalam
die Erdoberfläche aufreißend

lelihānaḥ saniṣpeṣaṃ jihvayauṣṭhau punaḥ punaḥ / saṃrambhākṣiptalāṅgūlaḥ kaṭhinaskandhabandhanaḥ //

Immer wieder mit der Zunge knirschend seine Lippen leckend, den Schwanz vor Wut hin und her schleudernd, mit hartem Muskelknoten an der Schulter,

Wort für Wort
lelihānaḥ saniṣpeṣaṃ
knirschend leckend
jihvayauṣṭhau punaḥ punaḥ
mit der Zunge immer wieder seine Lippen
saṃrambhākṣiptalāṅgūlaḥ
den Schwanz vor Wut hin und her schleudernd
kaṭhinaskandhabandhanaḥ
mit hartem Muskelknoten an der Schulter

udagrakakudābhogaḥ pramāṇād duratikramaḥ / viṇmūtrāliptapṛṣṭhāṅgo gavām udvegakārakaḥ //

mit erhabenem, gewaltigem Höcker, an Größe kaum zu übertreffen, Rücken und Glieder mit Kot und Urin beschmiert, ein Schrecken für die Kühe,

Wort für Wort
udagrakakudābhogaḥ
mit erhabenem, gewaltigem Höcker
pramāṇād duratikramaḥ
an Größe kaum zu übertreffen
viṇmūtrāliptapṛṣṭhāṅgo
Rücken und Glieder mit Kot und Urin beschmiert
gavām udvegakārakaḥ
ein Schrecken für die Kühe

pralambakaṇṭho 'bhimukhas tarughātāṅkitānanaḥ / pātayan sa gavāṃ garbhān daityo vṛṣabharūpadhṛk //

mit hängender Wamme, geradewegs heranstürmend, das Gesicht von Baumstößen vernarbt, ließ der Dämon in Stiergestalt die Kühe ihre Leibesfrucht verlieren.

Wort für Wort
pralambakaṇṭho 'bhimukhaḥ
mit hängender Wamme, geradewegs heranstürmend
tarughātāṅkitānanaḥ
das Gesicht von Baumstößen vernarbt
pātayan sa gavāṃ garbhān
er ließ die Kühe ihre Leibesfrucht verlieren
daityo vṛṣabharūpadhṛk
der Dämon in Stiergestalt

sūdayaṃs tarasā sarvān vanāny aṭati yaḥ sadā / tatas tam atighorākṣam avekṣyātibhayāturāḥ //

der, alles gewaltsam vernichtend, stets durch die Wälder streift – da wurden sie, ihn mit den überaus schrecklichen Augen erblickend, von äußerster Furcht ergriffen,

Wort für Wort
sūdayaṃs tarasā sarvān
alles gewaltsam vernichtend
vanāny aṭati yaḥ sadā
der stets durch die Wälder streift
tatas tam atighorākṣam avekṣya
da, ihn mit den überaus schrecklichen Augen erblickend
atibhayāturāḥ
von äußerster Furcht ergriffen

gopā gopastriyaś caiva kṛṣṇa kṛṣṇeti cukruśuḥ / siṃhanādaṃ tataś cakre talaśabdaṃ ca keśavaḥ //

und die Kuhhirten und Kuhhirtinnen riefen: 'Kṛṣṇa! Kṛṣṇa!' Da stieß Keśava ein Löwengebrüll aus und ein Klatschen [der Hände].

Wort für Wort
gopā gopastriyaś caiva
und die Kuhhirten und Kuhhirtinnen
kṛṣṇa kṛṣṇeti cukruśuḥ
riefen: 'Kṛṣṇa! Kṛṣṇa!'
siṃhanādaṃ tataś cakre
da stieß er ein Löwengebrüll aus
talaśabdaṃ ca keśavaḥ
und ein Klatschen, Keśava

tacchabdaśravaṇāc cāsau dāmodaramukhaṃ yayau / agranyastaviṣāṇāgraḥ kṛṣṇakukṣikṛtekṣaṇaḥ //

Und er [Ariṣṭa], bei dem Hören jenes Lautes, stürmte auf Dāmodara zu, die Hornspitzen vorwärts gerichtet, den Blick auf Kṛṣṇas Flanke geheftet.

Wort für Wort
tacchabdaśravaṇāc cāsau
und er, bei dem Hören jenes Lautes
dāmodaramukhaṃ yayau
stürmte auf Dāmodara zu
agranyastaviṣāṇāgraḥ
die Hornspitzen vorwärts gerichtet
kṛṣṇakukṣikṛtekṣaṇaḥ
den Blick auf Kṛṣṇas Flanke geheftet

abhyadhāvata duṣṭātmā daityo vṛṣabharūpadhṛk / āyāntaṃ daityavṛṣabhaṃ dṛṣṭvā kṛṣṇo mahābalam //

Der bösgesinnte Dämon in Stiergestalt stürmte heran; und Kṛṣṇa, den herannahenden mächtigen Dämonenstier erblickend,

Wort für Wort
abhyadhāvata duṣṭātmā
der bösgesinnte stürmte heran
daityo vṛṣabharūpadhṛk
der Dämon in Stiergestalt
āyāntaṃ daityavṛṣabhaṃ dṛṣṭvā
den herannahenden Dämonenstier erblickend
kṛṣṇo mahābalam
Kṛṣṇa, den mächtigen

na cacāla tataḥ sthānād avajñāsmitalīlayā / āsannaṃ caiva jagrāha grāhavan madhusūdanaḥ //

wich nicht von der Stelle, mit einem verächtlich-spielerischen Lächeln, und als er nahegekommen war, packte Madhusūdana ihn wie ein Krokodil.

Wort für Wort
na cacāla tataḥ sthānāt
wich nicht von der Stelle
avajñāsmitalīlayā
mit einem verächtlich-spielerischen Lächeln
āsannaṃ caiva jagrāha
und als er nahegekommen war, packte er ihn
grāhavan madhusūdanaḥ
wie ein Krokodil, Madhusūdana

jaghāna jānunā kukṣau viṣāṇagrahaṇācalam / tasya darpabalaṃ hatvā gṛhītasya viṣāṇayoḥ //

Er schlug mit dem Knie auf den Bauch [des Stieres], der, an den Hörnern gepackt, unbeweglich war, nachdem er ihm, an beiden Hörnern gefasst, Stolz und Kraft gebrochen hatte.

Wort für Wort
jaghāna jānunā kukṣau
er schlug mit dem Knie auf den Bauch
viṣāṇagrahaṇācalam
[der,] an den Hörnern gepackt, unbeweglich [war]
tasya darpabalaṃ hatvā
nachdem er dessen Stolz und Kraft gebrochen hatte
gṛhītasya viṣāṇayoḥ
der an beiden Hörnern gefasst war

āpīḍayad ariṣṭasya kaṇṭhaṃ klinnam ivāmbaram / utpāṭya śṛṅgam ekaṃ ca tenaivātāḍayat tataḥ //

Er drückte Ariṣṭas Kehle zusammen wie ein nasses Tuch, und riss ihm ein Horn aus, mit dem er ihn dann eben damit schlug.

Wort für Wort
āpīḍayad ariṣṭasya kaṇṭham
er drückte Ariṣṭas Kehle zusammen
klinnam ivāmbaram
wie ein nasses Tuch
utpāṭya śṛṅgam ekaṃ ca
und riss ihm ein Horn aus
tenaivātāḍayat tataḥ
mit dem er ihn dann eben schlug

mamāra sa mahādaityo mukhāc choṇitam udvaman / tuṣṭuvur nihate tasmin gopā daitye janārdanam / jambhe hate sahasrākṣaṃ purā devagaṇā yathā //

Jener große Dämon starb, Blut aus dem Mund erbrechend. Als jener Dämon erschlagen war, priesen die Kuhhirten Janārdana, so wie einst, als Jambha erschlagen war, die Scharen der Götter den Tausendäugigen [priesen].

Wort für Wort
mamāra sa mahādaityo
jener große Dämon starb
mukhāc choṇitam udvaman
Blut aus dem Mund erbrechend
tuṣṭuvur nihate tasmin gopā daitye janārdanam
als jener Dämon erschlagen war, priesen die Kuhhirten Janārdana
jambhe hate sahasrākṣaṃ purā devagaṇā yathā
so wie einst, als Jambha erschlagen war, die Scharen der Götter den Tausendäugigen [priesen]

[Anm.: Dreizeiliger Vers (3 Pādas statt der üblichen 2 Zeilen).]

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