Kapitel 111: nāgatīrthamāhātmyavarṇanam
Die Größe des Nāga-Tīrtha (Schlangenprinz Nāgeśvara und Bhogavatī)
König Śūrasena von Pratiṣṭhānapura erhält nach großer Mühe einen Sohn in Schlangengestalt, den er verborgen hält; dieser fordert Initiation, Vedastudium und schließlich eine Heirat, sonst werde er sich in der Gaṅgā töten. Ein alter Minister vermittelt (unter Verschleierung der wahren Gestalt) eine Ehe mit Bhogavatī, der Tochter des Königs Vijaya, wobei die Hochzeit stellvertretend mit Waffen vollzogen wird. Die Amme verrät Bhogavatī das Geheimnis; diese nimmt es gelassen hin und erweist ihrem Schlangengatten Hingabe. Durch ihre Gnade erlangt die Schlange die Erinnerung an eine frühere Existenz: er war Śeṣas Sohn, in Śivas Hand, wurde aber wegen ungebührlichen Lachens (als Śiva selbst über einen Scherz Umās lachte) von Śiva zur Geburt als Schlange verflucht, mit dem Versprechen der Fluchauflösung durch Verehrung an der Gautamī. Das Paar badet und verehrt Śiva dort, der Sohn erhält göttliche Gestalt zurück; auf Anraten des Vaters bleibt er zunächst König, bis der Vater gestorben ist, dann geht er mit Gattin zu Śivas Welt. Ursprung des Nāga-Tīrtha.
{Brahmā sprach:} 'Nāga-Tīrtha' wird jene heilvolle, alle Wünsche gewährende Stätte genannt, wo der Gott Nāgeśvara weilt – höre auch davon die ausführliche Erzählung.
Wort für Wort
nāgatīrtham iti khyātaṃ sarvakāmapradaṃ śubham
'Nāga-Tīrtha' genannt, heilvoll, alle Wünsche gewährend
yatra nāgeśvaro devaḥ śṛṇu tasyāpi vistaram
wo der Gott Nāgeśvara weilt, höre die ausführliche Erzählung
putrārthaṃ sa mahāyatnam akarot priyayā saha /
tasya putraś cirād āsīt sarpo vai bhīṣaṇākṛtiḥ //
Er unternahm zusammen mit seiner Gattin große Anstrengung um eines Sohnes willen; nach langer Zeit war sein Sohn eine Schlange von furchterregender Gestalt.
Wort für Wort
putrārthaṃ sa mahāyatnam akarot priyayā saha
um eines Sohnes willen unternahm er mit der Gattin große Anstrengung
tasya putraś cirād āsīt sarpo vai bhīṣaṇākṛtiḥ
nach langer Zeit war sein Sohn eine Schlange von furchterregender Gestalt
Als sie die furchterregende Schlange sahen, litt der beste der Könige zusammen mit seiner Gattin beständig Kummer: 'Besser Kinderlosigkeit als eine Schlange als Sohn.'
Wort für Wort
taṃ dṛṣṭvā bhīṣaṇaṃ sarpaṃ sabhāryo nṛpasattamaḥ
die furchterregende Schlange sehend, der beste König mit Gattin
saṃtāpaṃ nityam āpnoti sarpād varam aputratā
litt beständig Kummer: besser Kinderlosigkeit als eine Schlange
etad asti mahāsarpo vakti nityaṃ manuṣyavat /
sa sarpaḥ pitaraṃ prāha kuru cūḍām api kriyām //
Dies aber war der Fall: die große Schlange sprach beständig wie ein Mensch. Jene Schlange sprach zu ihrem Vater: 'Vollziehe an mir auch die Cūḍā-Zeremonie (Haarschur).'
Wort für Wort
etad asti mahāsarpo vakti nityaṃ manuṣyavat
dies war der Fall: die große Schlange sprach stets wie ein Mensch
sa sarpaḥ pitaraṃ prāha kuru cūḍām api kriyām
jene Schlange sprach zum Vater: vollziehe die Cūḍā-Zeremonie
Als Śūrasena diese Worte des Sohnes gehört hatte, sehr betrübt, ließ er einen Brahmanen kommen und vollzog die Riten; nachdem die Schlange den Veda studiert hatte, sprach sie darauf zu ihrem Vater:
Wort für Wort
etac chrutvā putravacaḥ śūraseno 'tiduḥkhitaḥ
diese Worte des Sohnes gehört, Śūrasena, sehr betrübt
brāhmaṇaṃ kaṃcanānīya saṃskārādi tadākarot
ließ einen Brahmanen kommen, vollzog die Riten
adhītavedaḥ sarpo 'pi pitaraṃ cābravīd idam
die Schlange, den Veda studiert habend, sprach zum Vater dies
vivāhaṃ kuru me rājan strīkāmo 'haṃ nṛpottama /
anyathāpi ca kṛtyaṃ te na sidhyed iti me matiḥ //
{Die Schlange sprach:} 'Vollziehe meine Hochzeit, o König; ich begehre eine Frau, bester der Könige. Sonst, so meine ich, wird deine Aufgabe nicht erfüllt sein.'
Wort für Wort
vivāhaṃ kuru me rājan strīkāmo 'haṃ nṛpottama
vollziehe meine Hochzeit, König; ich begehre eine Frau, bester König
anyathāpi ca kṛtyaṃ te na sidhyed iti me matiḥ
sonst, so meine ich, wird deine Aufgabe nicht erfüllt sein
'Für einen Vater, der, nachdem er Söhne gezeugt hat, nicht alle vedisch vorgeschriebenen Riten an ihnen vollzieht, gibt es keine Erlösung von der Hölle.'
Wort für Wort
janayitvātmajān veda-vidhinākhilasaṃskṛtīḥ
nachdem er Söhne gezeugt hat, alle vedisch vorgeschriebenen Riten
na kuryād yaḥ pitā tasya narakān nāsti niṣkṛtiḥ
der Vater, der sie nicht vollzieht, für den gibt es keine Erlösung von der Hölle
yasya śabdād api trāsaṃ yānti śūrāś ca pūruṣāḥ /
tasmai kanyāṃ tu ko dadyād vada putra karomi kim //
{Śūrasena sprach:} 'Wer sollte dem, vor dessen bloßer Stimme selbst tapfere Männer erschrecken, seine Tochter geben? Sag, mein Sohn, was soll ich tun?'
Wort für Wort
yasya śabdād api trāsaṃ yānti śūrāś ca pūruṣāḥ
vor dessen bloßer Stimme selbst tapfere Männer erschrecken
tasmai kanyāṃ tu ko dadyād vada putra karomi kim
wer sollte dem seine Tochter geben? sag, mein Sohn, was soll ich tun
'Wenn die Hochzeit des Sohnes zustande kommt, hat der Vater sein Werk vollbracht; wenn nicht, werde ich eben hier in der Gaṅgā sterben – daran ist kein Zweifel.'
Wort für Wort
jāte vivāhe putrasya pitāsau kṛtakṛd bhavet
wenn die Hochzeit des Sohnes zustande kommt, hat der Vater sein Werk vollbracht
no ced atraiva gaṅgāyāṃ mariṣye nātra saṃśayaḥ
wenn nicht, werde ich eben hier in der Gaṅgā sterben, kein Zweifel
Als der beste der Könige den Entschluss seines Sohnes erkannt hatte, fürchtend kinderlos zu werden, rief er die Minister zusammen und sprach dieses Wort wegen der Hochzeit:
Wort für Wort
tat putraniścayaṃ jñātvā aputro nṛpasattamaḥ
diesen Entschluss des Sohnes erkennend, der beste König, kinderlos (fürchtend)
vivāhārtham amātyāṃs tān āhūyedaṃ vaco 'bravīt
wegen der Hochzeit rief er die Minister und sprach dieses Wort
rathe nāge sa dhanuṣi pṛthivyāṃ nopamīyate /
vivāhas tasya kartavyo hy ahaṃ vṛddhas tathaiva ca //
'Im Wagenkampf, auf dem Elefanten, im Bogenschießen gibt es auf Erden niemanden, der ihm gleicht; seine Hochzeit muss vollzogen werden, denn ich bin schon alt.'
Wort für Wort
rathe nāge sa dhanuṣi pṛthivyāṃ nopamīyate
im Wagenkampf, auf dem Elefanten, im Bogenschießen ist ihm niemand gleich
vivāhas tasya kartavyo hy ahaṃ vṛddhas tathaiva ca
seine Hochzeit muss vollzogen werden, denn ich bin schon alt
rājyabhāraṃ sute nyasya niścinto 'haṃ bhavāmy ataḥ /
na dārasaṃgraho yāvat tāvat putro mama priyaḥ //
'Wenn ich die Last des Königreichs auf den Sohn übertragen habe, werde ich sorgenfrei sein. Solange er keine Gattin genommen hat, ist mein Sohn mir noch nicht ganz versorgt.'
na me kācit tadā cintā kṛtodvāho yadātmajaḥ /
sute nyastabharā yānti kṛtinas tapase vanam //
'Dann werde ich keinerlei Sorge mehr haben, sobald mein Sohn verheiratet ist; die Erfolgreichen, ihre Last dem Sohn übertragen habend, ziehen zur Askese in den Wald.'
Wort für Wort
na me kācit tadā cintā kṛtodvāho yadātmajaḥ
dann werde ich keine Sorge haben, sobald der Sohn verheiratet ist
sute nyastabharā yānti kṛtinas tapase vanam
die Erfolgreichen, die Last dem Sohn übertragen, ziehen zur Askese in den Wald
tava putro guṇajyeṣṭhas tvaṃ ca sarvatra viśrutaḥ /
vivāhe tava putrasya kiṃ mantryaṃ kiṃ tu cintyate //
{Die Minister sprachen:} 'Dein Sohn ist der Erste an Tugenden, und du bist überall berühmt; was ist bei der Hochzeit deines Sohnes zu beraten, was zu bedenken?'
Wort für Wort
tava putro guṇajyeṣṭhas tvaṃ ca sarvatra viśrutaḥ
dein Sohn ist der Erste an Tugenden, du überall berühmt
vivāhe tava putrasya kiṃ mantryaṃ kiṃ tu cintyate
was ist bei der Hochzeit deines Sohnes zu beraten, zu bedenken
amātyeṣu tathokteṣu gambhīro nṛpasattamaḥ /
putraṃ sarpaṃ tv amātyānāṃ na cākhyāti na te viduḥ //
Als die Minister so gesprochen hatten, verriet der besonnene beste der Könige den Ministern nicht, dass sein Sohn eine Schlange sei, und sie wussten es nicht.
Wort für Wort
amātyeṣu tathokteṣu gambhīro nṛpasattamaḥ
als die Minister so gesprochen hatten, der besonnene beste König
putraṃ sarpaṃ tv amātyānāṃ na cākhyāti na te viduḥ
verriet den Ministern nicht, dass sein Sohn eine Schlange sei, sie wussten es nicht
rājā punas tān uvāca kā syāt kanyā guṇādhikā /
mahāvaṃśabhavaḥ śrīmān ko rājā syād guṇāśrayaḥ //
Der König sprach wiederum zu ihnen: 'Welche Jungfrau wäre besonders tugendreich? Welcher glanzvolle König aus großer Dynastie wäre eine Zuflucht der Tugenden?'
Wort für Wort
rājā punas tān uvāca kā syāt kanyā guṇādhikā
der König sprach wiederum: welche Jungfrau wäre besonders tugendreich
mahāvaṃśabhavaḥ śrīmān ko rājā syād guṇāśrayaḥ
welcher glanzvolle König aus großer Dynastie wäre eine Zuflucht der Tugenden
saṃbandhayogyaḥ śūraś ca yatsaṃbandhaḥ praśasyate /
tad rājavacanaṃ śrutvā amātyānāṃ mahāmatiḥ //
'– geeignet für eine Verbindung, tapfer, dessen Verbindung gepriesen wird?' Als er dieses Königswort gehört hatte, sprach der weiseste unter den Ministern,
Wort für Wort
saṃbandhayogyaḥ śūraś ca yatsaṃbandhaḥ praśasyate
geeignet für eine Verbindung, tapfer, dessen Verbindung gepriesen wird
tad rājavacanaṃ śrutvā amātyānāṃ mahāmatiḥ
dieses Königswort gehört, der weiseste unter den Ministern
kulīnaḥ sādhur atyantaṃ rājakāryahite rataḥ /
rājño matiṃ viditvā tu iṅgitajño 'bravīd idam //
– von guter Herkunft, überaus rechtschaffen, den Angelegenheiten des Königs zugetan –, nachdem er die Absicht des Königs erkannt hatte, kundig der Gebärden, sprach er dies:
Wort für Wort
kulīnaḥ sādhur atyantaṃ rājakāryahite rataḥ
von guter Herkunft, überaus rechtschaffen, den Königsangelegenheiten zugetan
rājño matiṃ viditvā tu iṅgitajño 'bravīd idam
die Absicht des Königs erkennend, kundig der Gebärden, sprach er dies
'Der weise Großkönig hat acht Söhne, große Bogenschützen; ihre Schwester, Bhogavatī, ist wie eine zweite leibhaftige Lakṣmī; sie, o König, ist, wie von mir gesagt, eine geeignete Gattin für deinen Sohn.'
Wort für Wort
aṣṭau putrā maheṣvāsā mahārājasya dhīmataḥ
acht Söhne, große Bogenschützen, hat der weise Großkönig
teṣāṃ svasā bhogavatī sākṣāl lakṣmīr ivāparā
ihre Schwester Bhogavatī, wie eine zweite leibhaftige Lakṣmī
tava putrasya yogyā sā bhāryā rājan mayoditā
sie ist, wie von mir gesagt, eine geeignete Gattin für deinen Sohn
'Die Hochzeiten der Kṣatriyas können auf vielerlei Weise geschehen, o König; darum soll die Hochzeit mit Waffen als Stellvertreter und Schmuck vollzogen werden, o Weiser.'
Wort für Wort
kṣatriyāṇāṃ vivāhāś ca bhaveyur bahudhā nṛpa
die Hochzeiten der Kṣatriyas können auf vielerlei Weise geschehen, König
tasmāc chastrair alaṃkārair vivāhaḥ syān mahāmate
darum soll die Hochzeit mit Waffen und Schmuck vollzogen werden, Weiser
jāne 'haṃ subhage bhadre bhartāraṃ tava daivatam /
na cākhyeyaṃ tvayā kvāpi sarpo na puruṣo dhruvam //
{Die Amme sprach:} 'Ich weiß, liebe Gute, dass dein Gatte dein Schicksal ist – doch du darfst nirgends verraten, dass er gewiss eine Schlange und kein Mensch ist.'
Wort für Wort
jāne 'haṃ subhage bhadre bhartāraṃ tava daivatam
ich weiß, liebe Gute, dass dein Gatte dein Schicksal ist
na cākhyeyaṃ tvayā kvāpi sarpo na puruṣo dhruvam
doch du darfst nirgends verraten, dass er gewiss Schlange, kein Mensch ist
[?: Konstruktion und genauer Zweck dieser Rede angesichts der vorangehenden Ankündigung in V.56 nicht ganz sicher.]
mānuṣīṇāṃ manuṣyo hi bhartā sāmānyato bhavet /
kiṃ punar devajātis tu bhartā puṇyena labhyate //
{Bhogavatī sprach:} 'Für gewöhnliche Frauen ist ein Mensch der übliche Gatte; wieviel mehr wird da ein Gatte göttlicher Herkunft durch Verdienst erlangt!'
Wort für Wort
mānuṣīṇāṃ manuṣyo hi bhartā sāmānyato bhavet
für Menschenfrauen ist ein Mensch gewöhnlich der Gatte
kiṃ punar devajātis tu bhartā puṇyena labhyate
wieviel mehr wird ein Gatte göttlicher Herkunft durch Verdienst erlangt
Bei diesem Wort weinte der König, sich des Karma-Verlaufs seines Sohnes erinnernd; Bhogavatī aber sprach wiederum zu jener zuvor erwähnten Freundin (Amme):
Wort für Wort
ruroda rājā tadvākyāt smṛtvā tāṃ karmaṇo gatim
bei diesem Wort weinte der König, sich des Karma-Verlaufs erinnernd
bhogavaty api tāṃ prāha uktapūrvāṃ punaḥ sakhīm
Bhogavatī sprach wiederum zu jener zuvor erwähnten Freundin
als sie die furchterregende Schlange, ihren mit Juwelen geschmückten Gatten, erblickte, sprach sie mit gefalteten Händen sogleich zu ihrem Geliebten das Wort:
Nach diesen Worten, auf dem Lager verweilend, erfreute die Schlankgliedrige jene Schlange mit schlangengemäßen Zärtlichkeiten, mit Liedern und Körpernähe,
mit duftenden Blumen und Getränken erfreute sie ihren Gatten; und durch ihre Gnade kam der Schlange die Erinnerung an ihre frühere Existenz, o Muni; nachdem sie sich an alles vom Schicksal Bewirkte erinnert hatte, sprach die Schlange in der Nacht zu ihrer Geliebten:
Wort für Wort
sugandhakusumaiḥ pānais toṣayām āsa taṃ patim
mit duftenden Blumen und Getränken erfreute sie ihren Gatten
tasyāś caiva prasādena sarpasyābhūt smṛtir mune
durch ihre Gnade kam der Schlange die Erinnerung, o Muni
rājakanyāpi māṃ dṛṣṭvā na bhītāsi kathaṃ priye /
sovāca daivavihitaṃ ko 'tikramitum īśvaraḥ /
patir eva gatiḥ strīṇāṃ sarvadaiva viśeṣataḥ //
{Die Schlange sprach:} 'Wie kommt es, Geliebte, dass du, obwohl eine Königstochter, mich siehst und dich nicht fürchtest?' Sie sprach: 'Wer wäre imstande, das vom Schicksal Bestimmte zu überschreiten? Der Gatte allein ist stets die Zuflucht der Frauen, besonders in solchen Dingen.'
Wort für Wort
rājakanyāpi māṃ dṛṣṭvā na bhītāsi kathaṃ priye
wie kommt es, Geliebte, dass du mich siehst und dich nicht fürchtest, obwohl Königstochter
sovāca daivavihitaṃ ko 'tikramitum īśvaraḥ
sie sprach: wer wäre imstande, das Schicksal zu überschreiten
patir eva gatiḥ strīṇāṃ sarvadaiva viśeṣataḥ
der Gatte allein ist stets die Zuflucht der Frauen, besonders
{Die Schlange sprach:} 'Ich bin zufrieden mit deiner Hingabe – was soll ich dir geben, was du begehrst? Durch deine Gnade, Schönhüftige, ist mir diese vollständige Erinnerung zuteil geworden.'
Wort für Wort
tuṣṭo 'smi tava bhaktyāhaṃ kiṃ dadāmi tavepsitam
ich bin zufrieden mit deiner Hingabe – was soll ich dir geben
tava prasādāc cārvaṅgi sarvasmṛtir abhūd iyam
durch deine Gnade, Schönhüftige, ist mir diese Erinnerung zuteil geworden
'Verflucht wurde ich von dem zornigen Gott der Götter, dem Träger des Pināka (Śiva) – ich, eine mächtige Schlange, ein Sohn Śeṣas, in Maheśvaras Hand.'
Wort für Wort
śapto 'haṃ devadevena kupitena pinākinā
verflucht wurde ich vom zornigen Gott der Götter, dem Pināka-Träger
maheśvarakare nāgaḥ śeṣaputro mahābalaḥ
in Maheśvaras Hand, eine mächtige Schlange, ein Sohn Śeṣas
[Anm.: 'maheśvarakare' – unklare Anspielung, evtl. auf Nāgas als Śivas Schmuck/Attribute in seiner Hand.]
so 'haṃ patis tvaṃ ca bhāryā nāmnā bhogavatī purā /
umāvākyāj jahāsoccaiḥ śaṃbhuḥ prīto rahogataḥ //
'Ich war der Gatte, und du warst die Gattin, dem Namen nach einst Bhogavatī; auf Umās Wort hin lachte Śaṃbhu laut auf, erfreut, in der Abgeschiedenheit.'
Wort für Wort
so 'haṃ patis tvaṃ ca bhāryā nāmnā bhogavatī purā
ich war der Gatte, du die Gattin, dem Namen nach einst Bhogavatī
umāvākyāj jahāsoccaiḥ śaṃbhuḥ prīto rahogataḥ
auf Umās Wort hin lachte Śaṃbhu laut auf, erfreut, in Abgeschiedenheit
'"– wenn du sie vollziehst, werde ich dir, obwohl in Schlangengestalt, Wissen verleihen; dann wird durch Bhogavatīs Gnade die Fluchauflösung eintreten."'
Wort für Wort
kurvato jñānam ādhāsye yadā sarpākṛtes tava
wenn du sie vollziehst, verleihe ich dir, in Schlangengestalt, Wissen
tadā viśāpo bhavitā bhogavatyāḥ prasādataḥ
dann wird durch Bhogavatīs Gnade die Fluchauflösung eintreten
tac chrutvā bhartṛvacanaṃ sā bhartrā gautamīṃ yayau /
tataḥ snātvā tu gautamyāṃ pūjāṃ cakre śivasya tu //
Als sie diese Worte ihres Gatten gehört hatte, ging sie mit ihrem Gatten zur Gautamī; dort, nachdem sie in der Gautamī gebadet hatte, vollzog sie die Verehrung Śivas.
Da, gnädig gestimmt, verlieh der erhabene Gott ihm eine göttliche Gestalt, o Muni; nachdem die Schlange von ihren Eltern Abschied genommen hatte, war sie bereit, mit ihrer Gattin zu Śivas Welt zu gehen; als der weise Vater dies erfuhr, sprach er:
Wort für Wort
tataḥ prasanno bhagavān divyarūpaṃ dadau mune
gnädig gestimmt, verlieh der erhabene Gott eine göttliche Gestalt, o Muni
āpṛcchya pitarau sarpo bhāryayā gantum udyataḥ
von den Eltern Abschied genommen, war die Schlange mit der Gattin bereit zu gehen
śivalokaṃ tato jñātvā pitā prāha mahāmatiḥ
als der weise Vater dies (das Gehen zu Śivas Welt) erfuhr, sprach er
{Der Vater sprach:} 'Du bist mein einziger Sohn, der Träger der Thronfolge; darum, nachdem du das Königreich vollständig regiert und viele Söhne gezeugt hast, gehe erst, nachdem ich zum höchsten Wohnsitz gegangen bin, zur Stadt Śivas.'
Wort für Wort
yuvarājyadharo jyeṣṭhaḥ putra eko bhavān iti
du bist mein einziger Sohn, der Träger der Thronfolge
tasmād rājyam aśeṣeṇa kṛtvotpādya sutān bahūn
darum, das Königreich vollständig regiert, viele Söhne gezeugt
yāte mayi paraṃ dhāma tato yāhi śivaṃ puram
gehe erst, nachdem ich zum höchsten Wohnsitz gegangen bin, zur Stadt Śivas
etac chrutvā pitṛvacas tathety āha sa nāgarāṭ /
kāmarūpam avāpyātha bhāryayā saha suvrataḥ //
Als er diese Worte des Vaters gehört hatte, sprach der Schlangenkönig 'So sei es'; nachdem er die Gestaltwandlungsfähigkeit erlangt hatte, lebte er mit seiner Gattin, den Gelübden treu,
Wort für Wort
etac chrutvā pitṛvacas tathety āha sa nāgarāṭ
diese Worte des Vaters gehört, sprach der Schlangenkönig 'so sei es'
kāmarūpam avāpyātha bhāryayā saha suvrataḥ
die Gestaltwandlungsfähigkeit erlangt, mit der Gattin, den Gelübden treu
regierte, mit Vater und Mutter sowie Söhnen, ausgedehnt das Königreich; als der Vater zur Himmelswelt gegangen war, setzte er seine Söhne in seine eigene Stellung ein
Wort für Wort
pitrā mātrā tathā putrai rājyaṃ kṛtvā suvistaram
mit Vater, Mutter und Söhnen regierte er ausgedehnt das Königreich
yāte pitari svarlokaṃ putrān sthāpya svake pade
als der Vater zur Himmelswelt gegangen war, setzte er die Söhne in seine Stellung ein