Quellen der Menschheit

Brahma-Purāṇa

Kapitel 111: nāgatīrthamāhātmyavarṇanam Die Größe des Nāga-Tīrtha (Schlangenprinz Nāgeśvara und Bhogavatī)

König Śūrasena von Pratiṣṭhānapura erhält nach großer Mühe einen Sohn in Schlangengestalt, den er verborgen hält; dieser fordert Initiation, Vedastudium und schließlich eine Heirat, sonst werde er sich in der Gaṅgā töten. Ein alter Minister vermittelt (unter Verschleierung der wahren Gestalt) eine Ehe mit Bhogavatī, der Tochter des Königs Vijaya, wobei die Hochzeit stellvertretend mit Waffen vollzogen wird. Die Amme verrät Bhogavatī das Geheimnis; diese nimmt es gelassen hin und erweist ihrem Schlangengatten Hingabe. Durch ihre Gnade erlangt die Schlange die Erinnerung an eine frühere Existenz: er war Śeṣas Sohn, in Śivas Hand, wurde aber wegen ungebührlichen Lachens (als Śiva selbst über einen Scherz Umās lachte) von Śiva zur Geburt als Schlange verflucht, mit dem Versprechen der Fluchauflösung durch Verehrung an der Gautamī. Das Paar badet und verehrt Śiva dort, der Sohn erhält göttliche Gestalt zurück; auf Anraten des Vaters bleibt er zunächst König, bis der Vater gestorben ist, dann geht er mit Gattin zu Śivas Welt. Ursprung des Nāga-Tīrtha.

nāgatīrtham iti khyātaṃ sarvakāmapradaṃ śubham / yatra nāgeśvaro devaḥ śṛṇu tasyāpi vistaram //

{Brahmā sprach:} 'Nāga-Tīrtha' wird jene heilvolle, alle Wünsche gewährende Stätte genannt, wo der Gott Nāgeśvara weilt – höre auch davon die ausführliche Erzählung.

Wort für Wort
nāgatīrtham iti khyātaṃ sarvakāmapradaṃ śubham
'Nāga-Tīrtha' genannt, heilvoll, alle Wünsche gewährend
yatra nāgeśvaro devaḥ śṛṇu tasyāpi vistaram
wo der Gott Nāgeśvara weilt, höre die ausführliche Erzählung

pratiṣṭhānapure rājā śūrasena iti śrutaḥ / somavaṃśabhavaḥ śrīmān matimān guṇasāgaraḥ //

In der Stadt Pratiṣṭhāna gab es einen als Śūrasena bekannten König, aus der Mondlinie entstammend, glanzvoll, klug, ein Ozean der Tugenden.

Wort für Wort
pratiṣṭhānapure rājā śūrasena iti śrutaḥ
in Pratiṣṭhāna ein König namens Śūrasena, bekannt
somavaṃśabhavaḥ śrīmān matimān guṇasāgaraḥ
aus der Mondlinie, glanzvoll, klug, ein Ozean der Tugenden

putrārthaṃ sa mahāyatnam akarot priyayā saha / tasya putraś cirād āsīt sarpo vai bhīṣaṇākṛtiḥ //

Er unternahm zusammen mit seiner Gattin große Anstrengung um eines Sohnes willen; nach langer Zeit war sein Sohn eine Schlange von furchterregender Gestalt.

Wort für Wort
putrārthaṃ sa mahāyatnam akarot priyayā saha
um eines Sohnes willen unternahm er mit der Gattin große Anstrengung
tasya putraś cirād āsīt sarpo vai bhīṣaṇākṛtiḥ
nach langer Zeit war sein Sohn eine Schlange von furchterregender Gestalt

putraṃ taṃ gopayām āsa śūraseno mahīpatiḥ / rājñaḥ putraḥ sarpa iti na kaścid vindate janaḥ //

König Śūrasena hielt diesen Sohn verborgen; niemand von den Leuten erfuhr, dass der Sohn des Königs eine Schlange sei.

Wort für Wort
putraṃ taṃ gopayām āsa śūraseno mahīpatiḥ
König Śūrasena hielt diesen Sohn verborgen
rājñaḥ putraḥ sarpa iti na kaścid vindate janaḥ
niemand erfuhr, dass der Sohn des Königs eine Schlange sei

antarvartī paro vāpi mātaraṃ pitaraṃ vinā / dhātreyy api na jānāti nāmātyo na purohitaḥ //

Außer Mutter und Vater wusste es kein anderer – nicht einmal die Amme wusste es, weder Minister noch Hauspriester.

Wort für Wort
antarvartī paro vāpi mātaraṃ pitaraṃ vinā
kein anderer außer Mutter und Vater
dhātreyy api na jānāti nāmātyo na purohitaḥ
nicht einmal die Amme, weder Minister noch Hauspriester wussten es

taṃ dṛṣṭvā bhīṣaṇaṃ sarpaṃ sabhāryo nṛpasattamaḥ / saṃtāpaṃ nityam āpnoti sarpād varam aputratā //

Als sie die furchterregende Schlange sahen, litt der beste der Könige zusammen mit seiner Gattin beständig Kummer: 'Besser Kinderlosigkeit als eine Schlange als Sohn.'

Wort für Wort
taṃ dṛṣṭvā bhīṣaṇaṃ sarpaṃ sabhāryo nṛpasattamaḥ
die furchterregende Schlange sehend, der beste König mit Gattin
saṃtāpaṃ nityam āpnoti sarpād varam aputratā
litt beständig Kummer: besser Kinderlosigkeit als eine Schlange

etad asti mahāsarpo vakti nityaṃ manuṣyavat / sa sarpaḥ pitaraṃ prāha kuru cūḍām api kriyām //

Dies aber war der Fall: die große Schlange sprach beständig wie ein Mensch. Jene Schlange sprach zu ihrem Vater: 'Vollziehe an mir auch die Cūḍā-Zeremonie (Haarschur).'

Wort für Wort
etad asti mahāsarpo vakti nityaṃ manuṣyavat
dies war der Fall: die große Schlange sprach stets wie ein Mensch
sa sarpaḥ pitaraṃ prāha kuru cūḍām api kriyām
jene Schlange sprach zum Vater: vollziehe die Cūḍā-Zeremonie

tathopanayanaṃ cāpi vedādhyayanam eva ca / yāvad vedaṃ na cādhīte tāvac chūdrasamo dvijaḥ //

'– und ebenso die Initiation (Upanayana) sowie das Vedastudium; solange ein Zweifachgeborener den Veda nicht studiert hat, ist er einem Śūdra gleich.'

Wort für Wort
tathopanayanaṃ cāpi vedādhyayanam eva ca
ebenso die Initiation und das Vedastudium
yāvad vedaṃ na cādhīte tāvac chūdrasamo dvijaḥ
solange ein Zweifachgeborener den Veda nicht studiert hat, ist er einem Śūdra gleich

etac chrutvā putravacaḥ śūraseno 'tiduḥkhitaḥ / brāhmaṇaṃ kaṃcanānīya saṃskārādi tadākarot / adhītavedaḥ sarpo 'pi pitaraṃ cābravīd idam //

Als Śūrasena diese Worte des Sohnes gehört hatte, sehr betrübt, ließ er einen Brahmanen kommen und vollzog die Riten; nachdem die Schlange den Veda studiert hatte, sprach sie darauf zu ihrem Vater:

Wort für Wort
etac chrutvā putravacaḥ śūraseno 'tiduḥkhitaḥ
diese Worte des Sohnes gehört, Śūrasena, sehr betrübt
brāhmaṇaṃ kaṃcanānīya saṃskārādi tadākarot
ließ einen Brahmanen kommen, vollzog die Riten
adhītavedaḥ sarpo 'pi pitaraṃ cābravīd idam
die Schlange, den Veda studiert habend, sprach zum Vater dies

vivāhaṃ kuru me rājan strīkāmo 'haṃ nṛpottama / anyathāpi ca kṛtyaṃ te na sidhyed iti me matiḥ //

{Die Schlange sprach:} 'Vollziehe meine Hochzeit, o König; ich begehre eine Frau, bester der Könige. Sonst, so meine ich, wird deine Aufgabe nicht erfüllt sein.'

Wort für Wort
vivāhaṃ kuru me rājan strīkāmo 'haṃ nṛpottama
vollziehe meine Hochzeit, König; ich begehre eine Frau, bester König
anyathāpi ca kṛtyaṃ te na sidhyed iti me matiḥ
sonst, so meine ich, wird deine Aufgabe nicht erfüllt sein

janayitvātmajān veda-vidhinākhilasaṃskṛtīḥ / na kuryād yaḥ pitā tasya narakān nāsti niṣkṛtiḥ //

'Für einen Vater, der, nachdem er Söhne gezeugt hat, nicht alle vedisch vorgeschriebenen Riten an ihnen vollzieht, gibt es keine Erlösung von der Hölle.'

Wort für Wort
janayitvātmajān veda-vidhinākhilasaṃskṛtīḥ
nachdem er Söhne gezeugt hat, alle vedisch vorgeschriebenen Riten
na kuryād yaḥ pitā tasya narakān nāsti niṣkṛtiḥ
der Vater, der sie nicht vollzieht, für den gibt es keine Erlösung von der Hölle

vismitaḥ sa pitā prāha sutaṃ tam uragākṛtim //* BrP_111.12 //

Verwundert sprach der Vater zu jenem schlangengestaltigen Sohn:

Wort für Wort
vismitaḥ sa pitā prāha sutaṃ tam uragākṛtim
verwundert sprach der Vater zu jenem schlangengestaltigen Sohn

[Anm.: einzeiliger, asterisk-markierter Halbvers.]

yasya śabdād api trāsaṃ yānti śūrāś ca pūruṣāḥ / tasmai kanyāṃ tu ko dadyād vada putra karomi kim //

{Śūrasena sprach:} 'Wer sollte dem, vor dessen bloßer Stimme selbst tapfere Männer erschrecken, seine Tochter geben? Sag, mein Sohn, was soll ich tun?'

Wort für Wort
yasya śabdād api trāsaṃ yānti śūrāś ca pūruṣāḥ
vor dessen bloßer Stimme selbst tapfere Männer erschrecken
tasmai kanyāṃ tu ko dadyād vada putra karomi kim
wer sollte dem seine Tochter geben? sag, mein Sohn, was soll ich tun

tat pitur vacanaṃ śrutvā sarpaḥ prāha vicakṣaṇaḥ //* BrP_111.14 //

Als er diese Worte des Vaters gehört hatte, sprach die kluge Schlange:

Wort für Wort
tat pitur vacanaṃ śrutvā sarpaḥ prāha vicakṣaṇaḥ
diese Worte des Vaters gehört, sprach die kluge Schlange

[Anm.: einzeiliger, asterisk-markierter Halbvers.]

vivāhā bahavo rājan rājñāṃ santi janeśvara / prasahyāharaṇaṃ cāpi śastrair vaivāha eva ca //

{Die Schlange sprach:} 'Es gibt viele Arten der Hochzeit für Könige, o Herr der Menschen: gewaltsamer Raub, und auch die Hochzeit mit Waffen.'

Wort für Wort
vivāhā bahavo rājan rājñāṃ santi janeśvara
es gibt viele Hochzeitsarten für Könige, Herr der Menschen
prasahyāharaṇaṃ cāpi śastrair vaivāha eva ca
gewaltsamer Raub und auch die Hochzeit mit Waffen

jāte vivāhe putrasya pitāsau kṛtakṛd bhavet / no ced atraiva gaṅgāyāṃ mariṣye nātra saṃśayaḥ //

'Wenn die Hochzeit des Sohnes zustande kommt, hat der Vater sein Werk vollbracht; wenn nicht, werde ich eben hier in der Gaṅgā sterben – daran ist kein Zweifel.'

Wort für Wort
jāte vivāhe putrasya pitāsau kṛtakṛd bhavet
wenn die Hochzeit des Sohnes zustande kommt, hat der Vater sein Werk vollbracht
no ced atraiva gaṅgāyāṃ mariṣye nātra saṃśayaḥ
wenn nicht, werde ich eben hier in der Gaṅgā sterben, kein Zweifel

tat putraniścayaṃ jñātvā aputro nṛpasattamaḥ / vivāhārtham amātyāṃs tān āhūyedaṃ vaco 'bravīt //

Als der beste der Könige den Entschluss seines Sohnes erkannt hatte, fürchtend kinderlos zu werden, rief er die Minister zusammen und sprach dieses Wort wegen der Hochzeit:

Wort für Wort
tat putraniścayaṃ jñātvā aputro nṛpasattamaḥ
diesen Entschluss des Sohnes erkennend, der beste König, kinderlos (fürchtend)
vivāhārtham amātyāṃs tān āhūyedaṃ vaco 'bravīt
wegen der Hochzeit rief er die Minister und sprach dieses Wort

nāgeśvaro mama suto yuvarājo guṇākaraḥ / guṇavān matimāñ śūro durjayaḥ śatrutāpanaḥ //

{Śūrasena sprach:} 'Nāgeśvara, mein Sohn, der Kronprinz, ist eine Mine von Tugenden: tugendhaft, klug, tapfer, unbesiegbar, ein Peiniger der Feinde.'

Wort für Wort
nāgeśvaro mama suto yuvarājo guṇākaraḥ
Nāgeśvara, mein Sohn, der Kronprinz, eine Mine der Tugenden
guṇavān matimāñ śūro durjayaḥ śatrutāpanaḥ
tugendhaft, klug, tapfer, unbesiegbar, ein Peiniger der Feinde

rathe nāge sa dhanuṣi pṛthivyāṃ nopamīyate / vivāhas tasya kartavyo hy ahaṃ vṛddhas tathaiva ca //

'Im Wagenkampf, auf dem Elefanten, im Bogenschießen gibt es auf Erden niemanden, der ihm gleicht; seine Hochzeit muss vollzogen werden, denn ich bin schon alt.'

Wort für Wort
rathe nāge sa dhanuṣi pṛthivyāṃ nopamīyate
im Wagenkampf, auf dem Elefanten, im Bogenschießen ist ihm niemand gleich
vivāhas tasya kartavyo hy ahaṃ vṛddhas tathaiva ca
seine Hochzeit muss vollzogen werden, denn ich bin schon alt

rājyabhāraṃ sute nyasya niścinto 'haṃ bhavāmy ataḥ / na dārasaṃgraho yāvat tāvat putro mama priyaḥ //

'Wenn ich die Last des Königreichs auf den Sohn übertragen habe, werde ich sorgenfrei sein. Solange er keine Gattin genommen hat, ist mein Sohn mir noch nicht ganz versorgt.'

Wort für Wort
rājyabhāraṃ sute nyasya niścinto 'haṃ bhavāmy ataḥ
die Last des Königreichs auf den Sohn übertragen, werde ich sorgenfrei
na dārasaṃgraho yāvat tāvat putro mama priyaḥ
solange er keine Gattin nimmt, ist mein lieber Sohn (unversorgt)

bālabhāvaṃ no jahāti tasmāt sarve 'numanya ca / vivāhāyātha kurvantu yatnaṃ mama hite ratāḥ //

'Er legt den Kindeszustand nicht ab; darum sollt ihr alle zustimmen und euch, meinem Wohl zugetan, um seine Hochzeit bemühen.'

Wort für Wort
bālabhāvaṃ no jahāti tasmāt sarve 'numanya ca
er legt den Kindeszustand nicht ab; darum sollt ihr alle zustimmen
vivāhāyātha kurvantu yatnaṃ mama hite ratāḥ
und euch um seine Hochzeit bemühen, meinem Wohl zugetan

na me kācit tadā cintā kṛtodvāho yadātmajaḥ / sute nyastabharā yānti kṛtinas tapase vanam //

'Dann werde ich keinerlei Sorge mehr haben, sobald mein Sohn verheiratet ist; die Erfolgreichen, ihre Last dem Sohn übertragen habend, ziehen zur Askese in den Wald.'

Wort für Wort
na me kācit tadā cintā kṛtodvāho yadātmajaḥ
dann werde ich keine Sorge haben, sobald der Sohn verheiratet ist
sute nyastabharā yānti kṛtinas tapase vanam
die Erfolgreichen, die Last dem Sohn übertragen, ziehen zur Askese in den Wald

amātyā rājavacanaṃ śrutvā sarve vinītavat / ūcuḥ prāñjalayo harṣād rājānaṃ bhūritejasam //

Als die Minister das Königswort gehört hatten, sprachen sie alle demütig, mit gefalteten Händen, voller Freude, zu dem glanzvollen König:

Wort für Wort
amātyā rājavacanaṃ śrutvā sarve vinītavat
die Minister, das Königswort gehört, alle demütig
ūcuḥ prāñjalayo harṣād rājānaṃ bhūritejasam
sprachen mit gefalteten Händen, voller Freude, zum glanzvollen König

tava putro guṇajyeṣṭhas tvaṃ ca sarvatra viśrutaḥ / vivāhe tava putrasya kiṃ mantryaṃ kiṃ tu cintyate //

{Die Minister sprachen:} 'Dein Sohn ist der Erste an Tugenden, und du bist überall berühmt; was ist bei der Hochzeit deines Sohnes zu beraten, was zu bedenken?'

Wort für Wort
tava putro guṇajyeṣṭhas tvaṃ ca sarvatra viśrutaḥ
dein Sohn ist der Erste an Tugenden, du überall berühmt
vivāhe tava putrasya kiṃ mantryaṃ kiṃ tu cintyate
was ist bei der Hochzeit deines Sohnes zu beraten, zu bedenken

amātyeṣu tathokteṣu gambhīro nṛpasattamaḥ / putraṃ sarpaṃ tv amātyānāṃ na cākhyāti na te viduḥ //

Als die Minister so gesprochen hatten, verriet der besonnene beste der Könige den Ministern nicht, dass sein Sohn eine Schlange sei, und sie wussten es nicht.

Wort für Wort
amātyeṣu tathokteṣu gambhīro nṛpasattamaḥ
als die Minister so gesprochen hatten, der besonnene beste König
putraṃ sarpaṃ tv amātyānāṃ na cākhyāti na te viduḥ
verriet den Ministern nicht, dass sein Sohn eine Schlange sei, sie wussten es nicht

rājā punas tān uvāca kā syāt kanyā guṇādhikā / mahāvaṃśabhavaḥ śrīmān ko rājā syād guṇāśrayaḥ //

Der König sprach wiederum zu ihnen: 'Welche Jungfrau wäre besonders tugendreich? Welcher glanzvolle König aus großer Dynastie wäre eine Zuflucht der Tugenden?'

Wort für Wort
rājā punas tān uvāca kā syāt kanyā guṇādhikā
der König sprach wiederum: welche Jungfrau wäre besonders tugendreich
mahāvaṃśabhavaḥ śrīmān ko rājā syād guṇāśrayaḥ
welcher glanzvolle König aus großer Dynastie wäre eine Zuflucht der Tugenden

saṃbandhayogyaḥ śūraś ca yatsaṃbandhaḥ praśasyate / tad rājavacanaṃ śrutvā amātyānāṃ mahāmatiḥ //

'– geeignet für eine Verbindung, tapfer, dessen Verbindung gepriesen wird?' Als er dieses Königswort gehört hatte, sprach der weiseste unter den Ministern,

Wort für Wort
saṃbandhayogyaḥ śūraś ca yatsaṃbandhaḥ praśasyate
geeignet für eine Verbindung, tapfer, dessen Verbindung gepriesen wird
tad rājavacanaṃ śrutvā amātyānāṃ mahāmatiḥ
dieses Königswort gehört, der weiseste unter den Ministern

kulīnaḥ sādhur atyantaṃ rājakāryahite rataḥ / rājño matiṃ viditvā tu iṅgitajño 'bravīd idam //

– von guter Herkunft, überaus rechtschaffen, den Angelegenheiten des Königs zugetan –, nachdem er die Absicht des Königs erkannt hatte, kundig der Gebärden, sprach er dies:

Wort für Wort
kulīnaḥ sādhur atyantaṃ rājakāryahite rataḥ
von guter Herkunft, überaus rechtschaffen, den Königsangelegenheiten zugetan
rājño matiṃ viditvā tu iṅgitajño 'bravīd idam
die Absicht des Königs erkennend, kundig der Gebärden, sprach er dies

pūrvadeśe mahārāja vijayo nāma bhūpatiḥ / vājivāraṇaratnānāṃ yasya saṃkhyā na vidyate //

{Ein Minister sprach:} 'Im östlichen Land, o großer König, gibt es einen Herrscher namens Vijaya, dessen Pferde, Elefanten und Juwelen unzählig sind.'

Wort für Wort
pūrvadeśe mahārāja vijayo nāma bhūpatiḥ
im östlichen Land, großer König, ein Herrscher namens Vijaya
vājivāraṇaratnānāṃ yasya saṃkhyā na vidyate
dessen Pferde, Elefanten und Juwelen unzählig sind

aṣṭau putrā maheṣvāsā mahārājasya dhīmataḥ / teṣāṃ svasā bhogavatī sākṣāl lakṣmīr ivāparā / tava putrasya yogyā sā bhāryā rājan mayoditā //

'Der weise Großkönig hat acht Söhne, große Bogenschützen; ihre Schwester, Bhogavatī, ist wie eine zweite leibhaftige Lakṣmī; sie, o König, ist, wie von mir gesagt, eine geeignete Gattin für deinen Sohn.'

Wort für Wort
aṣṭau putrā maheṣvāsā mahārājasya dhīmataḥ
acht Söhne, große Bogenschützen, hat der weise Großkönig
teṣāṃ svasā bhogavatī sākṣāl lakṣmīr ivāparā
ihre Schwester Bhogavatī, wie eine zweite leibhaftige Lakṣmī
tava putrasya yogyā sā bhāryā rājan mayoditā
sie ist, wie von mir gesagt, eine geeignete Gattin für deinen Sohn

vṛddhāmātyavacaḥ śrutvā rājā taṃ pratyabhāṣata //* BrP_111.31 //

Als er die Worte des alten Ministers gehört hatte, antwortete ihm der König:

Wort für Wort
vṛddhāmātyavacaḥ śrutvā rājā taṃ pratyabhāṣata
die Worte des alten Ministers gehört, antwortete ihm der König

[Anm.: einzeiliger, asterisk-markierter Halbvers.]

sutā tasya kathaṃ me 'sya sutasya syād vadasva tat //* BrP_111.32 //

{Der König sprach:} 'Wie könnte seine Tochter die Gattin für meinen Sohn werden? Sage mir das.'

Wort für Wort
sutā tasya kathaṃ me 'sya sutasya syād vadasva tat
wie könnte seine Tochter die Gattin meines Sohnes werden? sage mir das

[Anm.: einzeiliger, asterisk-markierter Halbvers.]

lakṣito 'si mahārāja yat te manasi vartate / yac chūrasena kṛtyaṃ syād anujānīhi māṃ tataḥ //

{Der alte Minister sprach:} 'Ich habe erkannt, großer König, was in deinem Sinn ist; was zu tun ist, o Śūrasena – gib mir dazu die Erlaubnis.'

Wort für Wort
lakṣito 'si mahārāja yat te manasi vartate
ich habe erkannt, großer König, was in deinem Sinn ist
yac chūrasena kṛtyaṃ syād anujānīhi māṃ tataḥ
was zu tun ist, Śūrasena, gib mir dazu die Erlaubnis

vṛddhāmātyavacaḥ śrutvā bhūṣaṇācchādanoktibhiḥ / saṃpūjya preṣayām āsa mahatyā senayā saha //

Als er die Worte des alten Ministers gehört hatte, ehrte er ihn mit Schmuck, Gewändern und Worten und sandte ihn mit einem großen Heer aus.

Wort für Wort
vṛddhāmātyavacaḥ śrutvā bhūṣaṇācchādanoktibhiḥ
die Worte des alten Ministers gehört, mit Schmuck, Gewändern und Worten
saṃpūjya preṣayām āsa mahatyā senayā saha
ehrte er ihn und sandte ihn mit einem großen Heer aus

sa pūrvadeśam āgatya mahārājaṃ sametya ca / saṃpūjya vividhair vākyair upāyair nītisaṃbhavaiḥ //

Er kam ins östliche Land, traf den Großkönig und ehrte ihn mit verschiedenen Worten und aus der Staatskunst stammenden Mitteln,

Wort für Wort
sa pūrvadeśam āgatya mahārājaṃ sametya ca
er kam ins östliche Land, traf den Großkönig
saṃpūjya vividhair vākyair upāyair nītisaṃbhavaiḥ
ehrte ihn mit verschiedenen Worten und aus der Staatskunst stammenden Mitteln

mahārājasutāyāś ca bhogavatyā mahāmatiḥ / śūrasenasya nṛpateḥ sūnor nāgasya dhīmataḥ //

und der weise Minister traf für die Tochter des Großkönigs, Bhogavatī, mit dem klugen Sohn des Königs Śūrasena, Nāga,

Wort für Wort
mahārājasutāyāś ca bhogavatyā mahāmatiḥ
für die Tochter des Großkönigs, Bhogavatī, der weise Minister
śūrasenasya nṛpateḥ sūnor nāgasya dhīmataḥ
mit dem klugen Sohn des Königs Śūrasena, Nāga

vivāhāyākarot saṃdhiṃ mithyāmithyāvacouktibhiḥ / pūjayām āsa nṛpatiṃ bhūṣaṇācchādanādibhiḥ //

ein Abkommen zur Hochzeit, mit teils wahren, teils unwahren Worten, und ehrte den König mit Schmuck, Gewändern und dergleichen.

Wort für Wort
vivāhāyākarot saṃdhiṃ mithyāmithyāvacouktibhiḥ
schloss ein Abkommen zur Hochzeit, mit teils wahren, teils unwahren Worten
pūjayām āsa nṛpatiṃ bhūṣaṇācchādanādibhiḥ
ehrte den König mit Schmuck, Gewändern und dergleichen

[Anm.: 'mithyāmithyāvacouktibhiḥ' – der Minister verschleiert offenbar die Schlangengestalt des Bräutigams.]

avāpya pūjāṃ nṛpatir dadāmīty avadat tadā / tata āgatya rājñe 'sau vṛddhāmātyo mahāmatiḥ //

Nachdem der König die Ehrung erhalten hatte, sprach er da: 'Ich gebe meine Tochter.' Da kam der weise alte Minister zurück zum König

Wort für Wort
avāpya pūjāṃ nṛpatir dadāmīty avadat tadā
die Ehrung erhalten, sprach der König: ich gebe (sie)
tata āgatya rājñe 'sau vṛddhāmātyo mahāmatiḥ
da kam der weise alte Minister zurück zum König

śūrasenāya tad vṛttaṃ vaivāhikam avedayat / tato bahutithe kāle vṛddhāmātyo mahāmatiḥ //

und berichtete Śūrasena den Verlauf der Hochzeitsangelegenheit. Danach, nach geraumer Zeit, der weise alte Minister,

Wort für Wort
śūrasenāya tad vṛttaṃ vaivāhikam avedayat
berichtete Śūrasena den Verlauf der Hochzeitsangelegenheit
tato bahutithe kāle vṛddhāmātyo mahāmatiḥ
danach, nach geraumer Zeit, der weise alte Minister

punar balena mahatā vastrālaṃkārabhūṣitaḥ / jagāma tarasā sarvair anyaiś ca sacivair vṛtaḥ //

wiederum mit einem großen Heer, mit Gewändern und Schmuck geschmückt, zog eilig, von allen anderen Ministern begleitet,

Wort für Wort
punar balena mahatā vastrālaṃkārabhūṣitaḥ
wiederum mit großem Heer, mit Gewändern und Schmuck geschmückt
jagāma tarasā sarvair anyaiś ca sacivair vṛtaḥ
zog eilig, von allen anderen Ministern begleitet

vivāhāya mahāmātyo mahārājāya buddhimān / sarvaṃ provāca vṛddho 'sāv amātyaḥ sacivair vṛtaḥ //

der kluge Großminister für die Hochzeit zum Großkönig; jener alte Minister, von den Ministern begleitet, teilte dem Großkönig alles mit.

Wort für Wort
vivāhāya mahāmātyo mahārājāya buddhimān
für die Hochzeit der kluge Großminister zum Großkönig
sarvaṃ provāca vṛddho 'sāv amātyaḥ sacivair vṛtaḥ
der alte, von Ministern begleitete Minister teilte alles mit

atrāgantuṃ na cāyāti śūrasenasya bhūpateḥ / putro nāga iti khyāto buddhimān guṇasāgaraḥ //

{Der alte Minister sprach:} 'Der als Nāga bekannte, kluge, tugendreiche Sohn des Königs Śūrasena kommt nicht hierher.'

Wort für Wort
atrāgantuṃ na cāyāti śūrasenasya bhūpateḥ
kommt nicht hierher, des Königs Śūrasena
putro nāga iti khyāto buddhimān guṇasāgaraḥ
der als Nāga bekannte, kluge, tugendreiche Sohn

kṣatriyāṇāṃ vivāhāś ca bhaveyur bahudhā nṛpa / tasmāc chastrair alaṃkārair vivāhaḥ syān mahāmate //

'Die Hochzeiten der Kṣatriyas können auf vielerlei Weise geschehen, o König; darum soll die Hochzeit mit Waffen als Stellvertreter und Schmuck vollzogen werden, o Weiser.'

Wort für Wort
kṣatriyāṇāṃ vivāhāś ca bhaveyur bahudhā nṛpa
die Hochzeiten der Kṣatriyas können auf vielerlei Weise geschehen, König
tasmāc chastrair alaṃkārair vivāhaḥ syān mahāmate
darum soll die Hochzeit mit Waffen und Schmuck vollzogen werden, Weiser

kṣatriyā brāhmaṇāś caiva satyāṃ vācaṃ vadanti hi / tasmāc chastrair alaṃkārair vivāhas tv anumanyatām //

'Kṣatriyas und Brahmanen sprechen stets wahre Worte; darum möge die Hochzeit mit Waffen und Schmuck als Stellvertreter gebilligt werden.'

Wort für Wort
kṣatriyā brāhmaṇāś caiva satyāṃ vācaṃ vadanti hi
Kṣatriyas und Brahmanen sprechen stets wahre Worte
tasmāc chastrair alaṃkārair vivāhas tv anumanyatām
darum möge die Hochzeit mit Waffen und Schmuck gebilligt werden

vṛddhāmātyavacaḥ śrutvā vijayo rājasattamaḥ / mene vākyaṃ tathā satyam amātyaṃ bhūpatiṃ tadā //

Als der beste der Könige, Vijaya, die Worte des alten Ministers gehört hatte, hielt er dessen Wort für wahr, den Minister-König damals,

Wort für Wort
vṛddhāmātyavacaḥ śrutvā vijayo rājasattamaḥ
die Worte des alten Ministers gehört, der beste König Vijaya
mene vākyaṃ tathā satyam amātyaṃ bhūpatiṃ tadā
hielt das Wort des Minister-Herrschers da für wahr

vivāham akarod rājā bhogavatyāḥ savistaram / śastreṇa ca yathāśāstraṃ preṣayām āsa tāṃ punaḥ //

und der König vollzog ausführlich die Hochzeit Bhogavatīs mit der Waffe, vorschriftsgemäß, und sandte sie darauf mit dem Gefolge wieder fort.

Wort für Wort
vivāham akarod rājā bhogavatyāḥ savistaram
der König vollzog ausführlich die Hochzeit Bhogavatīs
śastreṇa ca yathāśāstraṃ preṣayām āsa tāṃ punaḥ
mit der Waffe, vorschriftsgemäß, sandte sie wieder fort

svān amātyāṃs tathā gāś ca hiraṇyaturagādikam / bahu dattvātha vijayo harṣeṇa mahatā yutaḥ //

Nachdem Vijaya, von großer Freude erfüllt, seine eigenen Minister, Kühe, Gold, Pferde und dergleichen reichlich mitgegeben hatte,

Wort für Wort
svān amātyāṃs tathā gāś ca hiraṇyaturagādikam
seine eigenen Minister, Kühe, Gold, Pferde und dergleichen
bahu dattvātha vijayo harṣeṇa mahatā yutaḥ
reichlich gegeben habend, Vijaya, von großer Freude erfüllt

tām ādāyātha sacivā vṛddhāmātyapurogamāḥ / pratiṣṭhānam athābhyetya śūrasenāya tāṃ snuṣām //

nahmen die Minister, angeführt vom alten Minister, sie mit; nach Pratiṣṭhāna gekommen, übergaben sie sie Śūrasena, jene Schwiegertochter,

Wort für Wort
tām ādāyātha sacivā vṛddhāmātyapurogamāḥ
sie mitnehmend, die Minister, angeführt vom alten Minister
pratiṣṭhānam athābhyetya śūrasenāya tāṃ snuṣām
nach Pratiṣṭhāna gekommen, übergaben sie Śūrasena jene Schwiegertochter

nyavedayaṃs tathocus te vijayasya vaco bahu / bhūṣaṇāni vicitrāṇi dāsyo vastrādikaṃ ca yat //

überreichten sie und sprachen viele Worte Vijayas, übergaben die kunstvollen Schmuckstücke, Dienerinnen, Gewänder und dergleichen,

Wort für Wort
nyavedayaṃs tathocus te vijayasya vaco bahu
sie übergaben und sprachen viele Worte Vijayas
bhūṣaṇāni vicitrāṇi dāsyo vastrādikaṃ ca yat
die kunstvollen Schmuckstücke, Dienerinnen, Gewänder und dergleichen

nivedya śūrasenāya kṛtakṛtyā babhūvire / vijayasya tu ye 'mātyā bhogavatyā sahāgatāḥ //

und nachdem sie es Śūrasena übergeben hatten, waren sie ihres Werkes ledig; jene Minister Vijayas aber, die mit Bhogavatī gekommen waren,

Wort für Wort
nivedya śūrasenāya kṛtakṛtyā babhūvire
Śūrasena übergeben, waren sie ihres Werkes ledig
vijayasya tu ye 'mātyā bhogavatyā sahāgatāḥ
jene Minister Vijayas, die mit Bhogavatī gekommen waren

tān pūjayitvā rājāsau bahumānapuraḥsaram / vijayāya yathā prītis tathā kṛtvā vyasarjayat //

ehrte jener König mit großer Achtung; nachdem er sie so behandelt hatte, dass Vijaya Freude daran hätte, entließ er sie.

Wort für Wort
tān pūjayitvā rājāsau bahumānapuraḥsaram
ehrte jener König sie mit großer Achtung
vijayāya yathā prītis tathā kṛtvā vyasarjayat
so behandelt, dass Vijaya Freude hätte, entließ er sie

vijayasya sutā bālā rūpayauvanaśālinī / śvaśrūśvaśurayor nityaṃ śuśrūṣantī sumadhyamā //

Vijayas junge Tochter, an Schönheit und Jugend reich, mit schöner Taille, diente beständig ihren Schwiegereltern,

Wort für Wort
vijayasya sutā bālā rūpayauvanaśālinī
Vijayas junge Tochter, an Schönheit und Jugend reich
śvaśrūśvaśurayor nityaṃ śuśrūṣantī sumadhyamā
diente beständig den Schwiegereltern, mit schöner Taille

bhogavatyāś ca yo bhartā mahāsarpo 'tibhīṣaṇaḥ / ekāntadeśe vijane gṛhe ratnasuśobhite //

während Bhogavatīs Gatte, die überaus furchterregende große Schlange, an einem abgelegenen, einsamen Ort, in einem mit Juwelen geschmückten Haus,

Wort für Wort
bhogavatyāś ca yo bhartā mahāsarpo 'tibhīṣaṇaḥ
Bhogavatīs Gatte, die überaus furchterregende große Schlange
ekāntadeśe vijane gṛhe ratnasuśobhite
an einem abgelegenen, einsamen Ort, in einem mit Juwelen geschmückten Haus

sugandhakusumākīrṇe tatrāste sukhaśītale / sa sarpo mātaraṃ prāha pitaraṃ ca punaḥ punaḥ //

das mit wohlriechenden Blumen bestreut und angenehm kühl war, dort weilte; jene Schlange sprach immer wieder zu Mutter und Vater:

Wort für Wort
sugandhakusumākīrṇe tatrāste sukhaśītale
das mit wohlriechenden Blumen bestreut und angenehm kühl war, dort weilte
sa sarpo mātaraṃ prāha pitaraṃ ca punaḥ punaḥ
jene Schlange sprach immer wieder zu Mutter und Vater

mama bhāryā rājaputrī kiṃ māṃ naivopasarpati / tat putravacanaṃ śrutvā sarpamātedam abravīt //

'Warum nähert sich mir meine Gattin, die Königstochter, gar nicht?' Als sie diese Worte des Sohnes gehört hatte, sprach die Schlangenmutter dies:

Wort für Wort
mama bhāryā rājaputrī kiṃ māṃ naivopasarpati
warum nähert sich mir meine Gattin, die Königstochter, gar nicht
tat putravacanaṃ śrutvā sarpamātedam abravīt
diese Worte des Sohnes gehört, sprach die Schlangenmutter dies

dhātrike gaccha subhage śīghraṃ bhogavatīṃ vada / tava bhartā sarpa iti tataḥ sā kiṃ vadiṣyati //

{Die Königsgattin sprach:} 'Geh, liebe Amme, schnell zu Bhogavatī und sage ihr: "Dein Gatte ist eine Schlange" – was wird sie darauf sagen?'

Wort für Wort
dhātrike gaccha subhage śīghraṃ bhogavatīṃ vada
geh, liebe Amme, schnell zu Bhogavatī und sage ihr
tava bhartā sarpa iti tataḥ sā kiṃ vadiṣyati
'dein Gatte ist eine Schlange' – was wird sie darauf sagen

dhātrikā ca tathety uktvā gatvā bhogavatīṃ tadā / rahogatā uvācedaṃ vinītavad apūrvavat //

Die Amme sprach 'So sei es' und ging zu Bhogavatī; in der Abgeschiedenheit sprach sie demütig, ganz wie üblich, dies:

Wort für Wort
dhātrikā ca tathety uktvā gatvā bhogavatīṃ tadā
die Amme sprach 'so sei es' und ging zu Bhogavatī
rahogatā uvācedaṃ vinītavad apūrvavat
in der Abgeschiedenheit sprach sie demütig dies, wie üblich

jāne 'haṃ subhage bhadre bhartāraṃ tava daivatam / na cākhyeyaṃ tvayā kvāpi sarpo na puruṣo dhruvam //

{Die Amme sprach:} 'Ich weiß, liebe Gute, dass dein Gatte dein Schicksal ist – doch du darfst nirgends verraten, dass er gewiss eine Schlange und kein Mensch ist.'

Wort für Wort
jāne 'haṃ subhage bhadre bhartāraṃ tava daivatam
ich weiß, liebe Gute, dass dein Gatte dein Schicksal ist
na cākhyeyaṃ tvayā kvāpi sarpo na puruṣo dhruvam
doch du darfst nirgends verraten, dass er gewiss Schlange, kein Mensch ist

[?: Konstruktion und genauer Zweck dieser Rede angesichts der vorangehenden Ankündigung in V.56 nicht ganz sicher.]

tasyās tad vacanaṃ śrutvā bhogavaty abravīd idam //* BrP_111.59 //

Als sie diese Worte gehört hatte, sprach Bhogavatī dies:

Wort für Wort
tasyās tad vacanaṃ śrutvā bhogavaty abravīd idam
diese Worte gehört, sprach Bhogavatī dies

[Anm.: einzeiliger, asterisk-markierter Halbvers.]

mānuṣīṇāṃ manuṣyo hi bhartā sāmānyato bhavet / kiṃ punar devajātis tu bhartā puṇyena labhyate //

{Bhogavatī sprach:} 'Für gewöhnliche Frauen ist ein Mensch der übliche Gatte; wieviel mehr wird da ein Gatte göttlicher Herkunft durch Verdienst erlangt!'

Wort für Wort
mānuṣīṇāṃ manuṣyo hi bhartā sāmānyato bhavet
für Menschenfrauen ist ein Mensch gewöhnlich der Gatte
kiṃ punar devajātis tu bhartā puṇyena labhyate
wieviel mehr wird ein Gatte göttlicher Herkunft durch Verdienst erlangt

bhogavatyās tu tad vākyaṃ sā ca sarvaṃ nyavedayat / sarpāya sarpamātre ca rājñe caiva yathākramam //

Jenes Wort Bhogavatīs berichtete sie darauf ganz der Reihe nach der Schlange, der Schlangenmutter und dem König.

Wort für Wort
bhogavatyās tu tad vākyaṃ sā ca sarvaṃ nyavedayat
jenes Wort Bhogavatīs berichtete sie ganz
sarpāya sarpamātre ca rājñe caiva yathākramam
der Schlange, der Schlangenmutter und dem König, der Reihe nach

ruroda rājā tadvākyāt smṛtvā tāṃ karmaṇo gatim / bhogavaty api tāṃ prāha uktapūrvāṃ punaḥ sakhīm //

Bei diesem Wort weinte der König, sich des Karma-Verlaufs seines Sohnes erinnernd; Bhogavatī aber sprach wiederum zu jener zuvor erwähnten Freundin (Amme):

Wort für Wort
ruroda rājā tadvākyāt smṛtvā tāṃ karmaṇo gatim
bei diesem Wort weinte der König, sich des Karma-Verlaufs erinnernd
bhogavaty api tāṃ prāha uktapūrvāṃ punaḥ sakhīm
Bhogavatī sprach wiederum zu jener zuvor erwähnten Freundin

kāntaṃ darśaya bhadraṃ te vṛthā yāti vayo mama //* BrP_111.63 //

{Bhogavatī sprach:} 'Zeige mir meinen Gatten, Glück sei mit dir – meine Jugend vergeht vergeblich.'

Wort für Wort
kāntaṃ darśaya bhadraṃ te vṛthā yāti vayo mama
zeige mir den Gatten, Glück sei mit dir – meine Jugend vergeht vergeblich

[Anm.: einzeiliger, asterisk-markierter Halbvers.]

tataḥ sā darśayām āsa sarpaṃ tam atibhīṣaṇam / sugandhakusumākīrṇe śayane sā rahogatā //

Da zeigte sie ihr jene überaus furchterregende Schlange; in Abgeschiedenheit, auf dem mit wohlriechenden Blumen bestreuten Lager,

Wort für Wort
tataḥ sā darśayām āsa sarpaṃ tam atibhīṣaṇam
da zeigte sie ihr jene überaus furchterregende Schlange
sugandhakusumākīrṇe śayane sā rahogatā
auf dem mit wohlriechenden Blumen bestreuten Lager, in Abgeschiedenheit

taṃ dṛṣṭvā bhīṣaṇaṃ sarpaṃ bhartāraṃ ratnabhūṣitam / kṛtāñjalipuṭā vākyam avadat kāntam añjasā //

als sie die furchterregende Schlange, ihren mit Juwelen geschmückten Gatten, erblickte, sprach sie mit gefalteten Händen sogleich zu ihrem Geliebten das Wort:

Wort für Wort
taṃ dṛṣṭvā bhīṣaṇaṃ sarpaṃ bhartāraṃ ratnabhūṣitam
die furchterregende Schlange, ihren mit Juwelen geschmückten Gatten, erblickend
kṛtāñjalipuṭā vākyam avadat kāntam añjasā
sprach sie mit gefalteten Händen sogleich zum Geliebten das Wort

dhanyāsmy anugṛhītāsmi yasyā me daivataṃ patiḥ //* BrP_111.66 //

{Bhogavatī sprach:} 'Glücklich bin ich, begnadet bin ich, deren Gatte meine Gottheit ist.'

Wort für Wort
dhanyāsmy anugṛhītāsmi yasyā me daivataṃ patiḥ
glücklich bin ich, begnadet bin ich, deren Gatte meine Gottheit ist

[Anm.: einzeiliger, asterisk-markierter Halbvers.]

ity uktvā śayane sthitvā taṃ sarpaṃ sarpabhāvanaiḥ / khelayām āsa tanvaṅgī gītaiś caivāṅgasaṃgamaiḥ //

Nach diesen Worten, auf dem Lager verweilend, erfreute die Schlankgliedrige jene Schlange mit schlangengemäßen Zärtlichkeiten, mit Liedern und Körpernähe,

Wort für Wort
ity uktvā śayane sthitvā taṃ sarpaṃ sarpabhāvanaiḥ
nach diesen Worten, auf dem Lager, jene Schlange mit schlangengemäßen Zärtlichkeiten
khelayām āsa tanvaṅgī gītaiś caivāṅgasaṃgamaiḥ
erfreute die Schlankgliedrige mit Liedern und Körpernähe

sugandhakusumaiḥ pānais toṣayām āsa taṃ patim / tasyāś caiva prasādena sarpasyābhūt smṛtir mune / smṛtvā sarvaṃ daivakṛtaṃ rātrau sarpo 'bravīt priyām //

mit duftenden Blumen und Getränken erfreute sie ihren Gatten; und durch ihre Gnade kam der Schlange die Erinnerung an ihre frühere Existenz, o Muni; nachdem sie sich an alles vom Schicksal Bewirkte erinnert hatte, sprach die Schlange in der Nacht zu ihrer Geliebten:

Wort für Wort
sugandhakusumaiḥ pānais toṣayām āsa taṃ patim
mit duftenden Blumen und Getränken erfreute sie ihren Gatten
tasyāś caiva prasādena sarpasyābhūt smṛtir mune
durch ihre Gnade kam der Schlange die Erinnerung, o Muni
smṛtvā sarvaṃ daivakṛtaṃ rātrau sarpo 'bravīt priyām
an alles vom Schicksal Bewirkte erinnert, sprach die Schlange nachts zur Geliebten

rājakanyāpi māṃ dṛṣṭvā na bhītāsi kathaṃ priye / sovāca daivavihitaṃ ko 'tikramitum īśvaraḥ / patir eva gatiḥ strīṇāṃ sarvadaiva viśeṣataḥ //

{Die Schlange sprach:} 'Wie kommt es, Geliebte, dass du, obwohl eine Königstochter, mich siehst und dich nicht fürchtest?' Sie sprach: 'Wer wäre imstande, das vom Schicksal Bestimmte zu überschreiten? Der Gatte allein ist stets die Zuflucht der Frauen, besonders in solchen Dingen.'

Wort für Wort
rājakanyāpi māṃ dṛṣṭvā na bhītāsi kathaṃ priye
wie kommt es, Geliebte, dass du mich siehst und dich nicht fürchtest, obwohl Königstochter
sovāca daivavihitaṃ ko 'tikramitum īśvaraḥ
sie sprach: wer wäre imstande, das Schicksal zu überschreiten
patir eva gatiḥ strīṇāṃ sarvadaiva viśeṣataḥ
der Gatte allein ist stets die Zuflucht der Frauen, besonders

śrutveti hṛṣṭas tām āha nāgaḥ prahasitānanaḥ //* BrP_111.70 //

Als er dies gehört hatte, sprach die Schlange erfreut, mit lächelndem Antlitz, zu ihr:

Wort für Wort
śrutveti hṛṣṭas tām āha nāgaḥ prahasitānanaḥ
dies gehört, sprach die Schlange erfreut, mit lächelndem Antlitz, zu ihr

[Anm.: einzeiliger, asterisk-markierter Halbvers.]

tuṣṭo 'smi tava bhaktyāhaṃ kiṃ dadāmi tavepsitam / tava prasādāc cārvaṅgi sarvasmṛtir abhūd iyam //

{Die Schlange sprach:} 'Ich bin zufrieden mit deiner Hingabe – was soll ich dir geben, was du begehrst? Durch deine Gnade, Schönhüftige, ist mir diese vollständige Erinnerung zuteil geworden.'

Wort für Wort
tuṣṭo 'smi tava bhaktyāhaṃ kiṃ dadāmi tavepsitam
ich bin zufrieden mit deiner Hingabe – was soll ich dir geben
tava prasādāc cārvaṅgi sarvasmṛtir abhūd iyam
durch deine Gnade, Schönhüftige, ist mir diese Erinnerung zuteil geworden

śapto 'haṃ devadevena kupitena pinākinā / maheśvarakare nāgaḥ śeṣaputro mahābalaḥ //

'Verflucht wurde ich von dem zornigen Gott der Götter, dem Träger des Pināka (Śiva) – ich, eine mächtige Schlange, ein Sohn Śeṣas, in Maheśvaras Hand.'

Wort für Wort
śapto 'haṃ devadevena kupitena pinākinā
verflucht wurde ich vom zornigen Gott der Götter, dem Pināka-Träger
maheśvarakare nāgaḥ śeṣaputro mahābalaḥ
in Maheśvaras Hand, eine mächtige Schlange, ein Sohn Śeṣas

[Anm.: 'maheśvarakare' – unklare Anspielung, evtl. auf Nāgas als Śivas Schmuck/Attribute in seiner Hand.]

so 'haṃ patis tvaṃ ca bhāryā nāmnā bhogavatī purā / umāvākyāj jahāsoccaiḥ śaṃbhuḥ prīto rahogataḥ //

'Ich war der Gatte, und du warst die Gattin, dem Namen nach einst Bhogavatī; auf Umās Wort hin lachte Śaṃbhu laut auf, erfreut, in der Abgeschiedenheit.'

Wort für Wort
so 'haṃ patis tvaṃ ca bhāryā nāmnā bhogavatī purā
ich war der Gatte, du die Gattin, dem Namen nach einst Bhogavatī
umāvākyāj jahāsoccaiḥ śaṃbhuḥ prīto rahogataḥ
auf Umās Wort hin lachte Śaṃbhu laut auf, erfreut, in Abgeschiedenheit

mamāpi cāgataṃ bhadre hāsyaṃ taddevasaṃnidhau / tatas tu kupitaḥ śaṃbhuḥ prādāc chāpaṃ mamedṛśam //

'Auch mir, Gute, kam in Gegenwart jenes Gottes ein Lachen; da wurde Śaṃbhu zornig und sprach über mich diesen Fluch:'

Wort für Wort
mamāpi cāgataṃ bhadre hāsyaṃ taddevasaṃnidhau
auch mir, Gute, kam in Gegenwart jenes Gottes ein Lachen
tatas tu kupitaḥ śaṃbhuḥ prādāc chāpaṃ mamedṛśam
da wurde Śaṃbhu zornig und sprach diesen Fluch über mich

manuṣyayonau tvaṃ sarpo bhavitā jñānavān iti //* BrP_111.75 //

{Śiva sprach:} 'Als Schlange in einem Menschenschoß wirst du geboren werden, mit Wissen versehen.'

Wort für Wort
manuṣyayonau tvaṃ sarpo bhavitā jñānavān iti
als Schlange in einem Menschenschoß wirst du geboren, mit Wissen versehen

[Anm.: einzeiliger, asterisk-markierter Halbvers.]

tataḥ prasāditaḥ śaṃbhus tvayā bhadre mayā saha / tataś coktaṃ tena bhadre gautamyāṃ mama pūjanam //

'Da wurde Śaṃbhu von dir, Gute, zusammen mit mir besänftigt; und da sprach er, Gute: "Meine Verehrung an der Gautamī –"'

Wort für Wort
tataḥ prasāditaḥ śaṃbhus tvayā bhadre mayā saha
da wurde Śaṃbhu von dir, Gute, zusammen mit mir besänftigt
tataś coktaṃ tena bhadre gautamyāṃ mama pūjanam
und da sprach er: meine Verehrung an der Gautamī

kurvato jñānam ādhāsye yadā sarpākṛtes tava / tadā viśāpo bhavitā bhogavatyāḥ prasādataḥ //

'"– wenn du sie vollziehst, werde ich dir, obwohl in Schlangengestalt, Wissen verleihen; dann wird durch Bhogavatīs Gnade die Fluchauflösung eintreten."'

Wort für Wort
kurvato jñānam ādhāsye yadā sarpākṛtes tava
wenn du sie vollziehst, verleihe ich dir, in Schlangengestalt, Wissen
tadā viśāpo bhavitā bhogavatyāḥ prasādataḥ
dann wird durch Bhogavatīs Gnade die Fluchauflösung eintreten

tasmād idaṃ mamāpannaṃ tava cāpi śubhānane / tasmān nītvā gautamīṃ māṃ pūjāṃ kuru mayā saha //

'Darum ist mir dies zuteil geworden, und auch dir, Schönantlitzige; darum bringe mich zur Gautamī und vollziehe die Verehrung zusammen mit mir.'

Wort für Wort
tasmād idaṃ mamāpannaṃ tava cāpi śubhānane
darum ist mir dies zuteil geworden, und auch dir, Schönantlitzige
tasmān nītvā gautamīṃ māṃ pūjāṃ kuru mayā saha
darum bringe mich zur Gautamī, vollziehe die Verehrung mit mir

tato viśāpo bhavitā āvāṃ yāvaḥ śivaṃ punaḥ / sarveṣāṃ sarvadārtānāṃ śiva eva parā gatiḥ //

'Dann wird die Fluchauflösung eintreten; lass uns wieder zu Śiva gehen – für alle stets Bedrängten ist Śiva allein die höchste Zuflucht.'

Wort für Wort
tato viśāpo bhavitā āvāṃ yāvaḥ śivaṃ punaḥ
dann wird die Fluchauflösung eintreten; lass uns wieder zu Śiva gehen
sarveṣāṃ sarvadārtānāṃ śiva eva parā gatiḥ
für alle stets Bedrängten ist Śiva allein die höchste Zuflucht

tac chrutvā bhartṛvacanaṃ sā bhartrā gautamīṃ yayau / tataḥ snātvā tu gautamyāṃ pūjāṃ cakre śivasya tu //

Als sie diese Worte ihres Gatten gehört hatte, ging sie mit ihrem Gatten zur Gautamī; dort, nachdem sie in der Gautamī gebadet hatte, vollzog sie die Verehrung Śivas.

Wort für Wort
tac chrutvā bhartṛvacanaṃ sā bhartrā gautamīṃ yayau
diese Worte des Gatten gehört, ging sie mit dem Gatten zur Gautamī
tataḥ snātvā tu gautamyāṃ pūjāṃ cakre śivasya tu
dort, in der Gautamī gebadet, vollzog sie die Verehrung Śivas

tataḥ prasanno bhagavān divyarūpaṃ dadau mune / āpṛcchya pitarau sarpo bhāryayā gantum udyataḥ / śivalokaṃ tato jñātvā pitā prāha mahāmatiḥ //

Da, gnädig gestimmt, verlieh der erhabene Gott ihm eine göttliche Gestalt, o Muni; nachdem die Schlange von ihren Eltern Abschied genommen hatte, war sie bereit, mit ihrer Gattin zu Śivas Welt zu gehen; als der weise Vater dies erfuhr, sprach er:

Wort für Wort
tataḥ prasanno bhagavān divyarūpaṃ dadau mune
gnädig gestimmt, verlieh der erhabene Gott eine göttliche Gestalt, o Muni
āpṛcchya pitarau sarpo bhāryayā gantum udyataḥ
von den Eltern Abschied genommen, war die Schlange mit der Gattin bereit zu gehen
śivalokaṃ tato jñātvā pitā prāha mahāmatiḥ
als der weise Vater dies (das Gehen zu Śivas Welt) erfuhr, sprach er

yuvarājyadharo jyeṣṭhaḥ putra eko bhavān iti / tasmād rājyam aśeṣeṇa kṛtvotpādya sutān bahūn / yāte mayi paraṃ dhāma tato yāhi śivaṃ puram //

{Der Vater sprach:} 'Du bist mein einziger Sohn, der Träger der Thronfolge; darum, nachdem du das Königreich vollständig regiert und viele Söhne gezeugt hast, gehe erst, nachdem ich zum höchsten Wohnsitz gegangen bin, zur Stadt Śivas.'

Wort für Wort
yuvarājyadharo jyeṣṭhaḥ putra eko bhavān iti
du bist mein einziger Sohn, der Träger der Thronfolge
tasmād rājyam aśeṣeṇa kṛtvotpādya sutān bahūn
darum, das Königreich vollständig regiert, viele Söhne gezeugt
yāte mayi paraṃ dhāma tato yāhi śivaṃ puram
gehe erst, nachdem ich zum höchsten Wohnsitz gegangen bin, zur Stadt Śivas

etac chrutvā pitṛvacas tathety āha sa nāgarāṭ / kāmarūpam avāpyātha bhāryayā saha suvrataḥ //

Als er diese Worte des Vaters gehört hatte, sprach der Schlangenkönig 'So sei es'; nachdem er die Gestaltwandlungsfähigkeit erlangt hatte, lebte er mit seiner Gattin, den Gelübden treu,

Wort für Wort
etac chrutvā pitṛvacas tathety āha sa nāgarāṭ
diese Worte des Vaters gehört, sprach der Schlangenkönig 'so sei es'
kāmarūpam avāpyātha bhāryayā saha suvrataḥ
die Gestaltwandlungsfähigkeit erlangt, mit der Gattin, den Gelübden treu

pitrā mātrā tathā putrai rājyaṃ kṛtvā suvistaram / yāte pitari svarlokaṃ putrān sthāpya svake pade //

regierte, mit Vater und Mutter sowie Söhnen, ausgedehnt das Königreich; als der Vater zur Himmelswelt gegangen war, setzte er seine Söhne in seine eigene Stellung ein

Wort für Wort
pitrā mātrā tathā putrai rājyaṃ kṛtvā suvistaram
mit Vater, Mutter und Söhnen regierte er ausgedehnt das Königreich
yāte pitari svarlokaṃ putrān sthāpya svake pade
als der Vater zur Himmelswelt gegangen war, setzte er die Söhne in seine Stellung ein

bhāryāmātyādisahitas tataḥ śivapuraṃ yayau / tataḥ prabhṛti tat tīrthaṃ nāgatīrtham iti śrutam //

und ging darauf, mit Gattin, Ministern und den anderen, zur Stadt Śivas. Von da an ist jene Pilgerstätte als 'Nāga-Tīrtha' bekannt,

Wort für Wort
bhāryāmātyādisahitas tataḥ śivapuraṃ yayau
mit Gattin, Ministern und anderen ging er zur Stadt Śivas
tataḥ prabhṛti tat tīrthaṃ nāgatīrtham iti śrutam
von da an ist jene Pilgerstätte als 'Nāga-Tīrtha' bekannt

yatra nāgeśvaro devo bhogavatyā pratiṣṭhitaḥ / tatra snānaṃ ca dānaṃ ca sarvakratuphalapradam //

wo der Gott Nāgeśvara zusammen mit Bhogavatī eingesetzt ist; das Baden und Spenden dort gewährt die Frucht aller Opfer.

Wort für Wort
yatra nāgeśvaro devo bhogavatyā pratiṣṭhitaḥ
wo der Gott Nāgeśvara zusammen mit Bhogavatī eingesetzt ist
tatra snānaṃ ca dānaṃ ca sarvakratuphalapradam
das Baden und Spenden dort gewährt die Frucht aller Opfer

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