Quellen der Menschheit

Brahma-Purāṇa

Kapitel 74: gautamamāhātmyagavīśāpavarṇanam Gautamas Größe und die List mit der verzauberten Kuh – der Ursprung von Gautamas Gaṅgā-Anteil

Auf Nāradas Frage erklärt Brahmā, dass die Gaṅgā zweifach zur Erde gelangte: einmal durch den Brahmanen Gautama, einmal durch König Bhagīratha. Brahmā erzählt zunächst Gautamas Geschichte: Als Śiva Gaṅgā aus Zuneigung in seinen Locken verbarg, konnte Pārvatī dies nicht ertragen und ersann mit Gaṇeśa, Skanda und ihrer Gefährtin Jayā einen Plan. Der hochberühmte Asket Gautama, dessen Einsiedelei am Brahmagiri während einer 24-jährigen Dürre als einziger Ort der Welt verschont blieb, wird von zahllosen Weisen aufgesucht und wie ein Vater versorgt. Um ihn zu zwingen, durch Askese die Gaṅgā aus Śivas Locken herbeizuholen, lässt Gaṇeśa Jayā in Gestalt einer Kuh Gautamas Reisfelder verwüsten; als Gautama sie vertreibt und sie scheinbar tot niederfällt, verlangen die (von Gaṇeśa aufgehetzten) Gastweisen von Gautama Sühne. Auf Gaṇeśas (verkleideten) Rat hin verspricht Gautama, das Gaṅgā-Wasser aus Śivas Kamaṇḍalu-Locken herbeizuschaffen, um damit die Kuh zu besprengen. Gautama erkennt den göttlichen Sinn hinter der List und bricht, seine Gattin und Brahmanenscharen mit sich führend, zum Kailāsa auf, um dort Askese zu üben (Fortsetzung in Kap.75).

{nārada uvāca:} kamaṇḍalusthitā devī maheśvarajaṭāgatā / śrutā deva yathā martyam āgatā tad bravītu me //

{Nārada sprach:} Die im Wasserkrug befindliche Göttin, die in Maheśvaras Locken gelangte – wie sie, o Gott, zu den Sterblichen gelangte, so habe ich gehört; das erzähle mir!

Wort für Wort
kamaṇḍalu-sthitā devī
die im Wasserkrug befindliche Göttin
maheśvara-jaṭā-gatā
die in Maheśvaras Locken gelangte
śrutā deva
so habe ich gehört, o Gott
yathā martyam āgatā
wie sie zu den Sterblichen gelangte
tat bravītu me
das erzähle mir

{brahmovāca:} maheśvarajaṭāsthā yā āpo devyo mahāmate / tāsāṃ ca dvividho bheda āhartur dvayakāraṇāt /

{Brahmā sprach:} Die in Maheśvaras Locken befindlichen Wasser-Göttinnen, o Hochgesinnter – von ihnen gibt es eine zweifache Unterscheidung, wegen der zwei [verschiedenen] Bringer.

Wort für Wort
maheśvara-jaṭā-sthāḥ yāḥ āpaḥ devyaḥ
die in Maheśvaras Locken befindlichen Wasser-Göttinnen
mahā-mate
o Hochgesinnter
tāsām ca dvividhaḥ bhedaḥ
von ihnen gibt es eine zweifache Unterscheidung
āhartuḥ dvaya-kāraṇāt
wegen der zwei [verschiedenen] Bringer

ekāṃśo brāhmaṇenātra vratadānasamādhinā / gotamena śivaṃ pūjya āhṛto lokaviśrutaḥ /

Ein Anteil wurde hier von einem Brahmanen, durch Gelübde, Gaben und Versenkung, von Gotama [=Gautama], nach Verehrung Śivas, herbeigeholt – weltberühmt;

Wort für Wort
eka-aṃśaḥ brāhmaṇena atra
ein Anteil hier von einem Brahmanen
vrata-dāna-samādhinā
durch Gelübde, Gaben und Versenkung
gotamena śivam pūjya
von Gotama, nach Verehrung Śivas
āhṛtaḥ loka-viśrutaḥ
herbeigeholt, weltberühmt

aparas tu mahāprājña kṣatriyeṇa balīyasā / ārādhya śaṃkaraṃ devaṃ tapobhir niyamais tathā /

der andere aber, o hochweiser [Nārada], wurde von einem mächtigen Kṣatriya, nach Verehrung des Gottes Śaṃkara durch Askese und Gelübde ebenso,

Wort für Wort
aparaḥ tu mahā-prājña
der andere aber, o hochweiser [Nārada]
kṣatriyeṇa balīyasā
von einem mächtigen Kṣatriya
ārādhya śaṃkaram devam
nach Verehrung des Gottes Śaṃkara
tapobhiḥ niyamaiḥ tathā
durch Askese und Gelübde ebenso

bhagīrathena bhūpena āhṛto 'ṃśo 'paras tathā / evaṃ dvairūpyam abhavad gaṅgāyā munisattama //

von König Bhagīratha herbeigeholt – so [entstand] der andere Anteil; so entstand die Zweigestaltigkeit der Gaṅgā, o Bester der Weisen.

Wort für Wort
bhagīrathena bhūpena
von König Bhagīratha
āhṛtaḥ aṃśaḥ aparaḥ tathā
wurde der andere Anteil ebenso herbeigeholt
evam dvairūpyam abhavat
so entstand die Zweigestaltigkeit
gaṅgāyāḥ muni-sattama
der Gaṅgā, o Bester der Weisen

{nārada uvāca:} maheśvarajaṭāsthā yā hetunā kena gautamaḥ / āhartā kṣatriyeṇāpi āhṛtā kena tad vada //

{Nārada sprach:} Die in Maheśvaras Locken befindliche [Gaṅgā] – aus welchem Grund war Gautama ihr Bringer, und wodurch wurde sie auch vom Kṣatriya [Bhagīratha] herbeigeholt? Das sage mir!

Wort für Wort
maheśvara-jaṭā-sthā yā
die in Maheśvaras Locken befindliche
hetunā kena gautamaḥ
aus welchem Grund Gautama
āhartā kṣatriyeṇa api
war Bringer, und auch vom Kṣatriya
āhṛtā kena tat vada
wodurch wurde sie herbeigeholt? Das sage mir

{brahmovāca:} yathānītā purā vatsa brāhmaṇenetareṇa vā / tat sarvaṃ vistareṇāhaṃ vadiṣye prītaye tava //

{Brahmā sprach:} Wie sie einst, o Kind, von dem Brahmanen oder von dem anderen [dem Kṣatriya] herbeigeführt wurde – das alles will ich ausführlich erzählen, dir zur Freude.

Wort für Wort
yathā ānītā purā vatsa
wie sie einst herbeigeführt wurde, o Kind
brāhmaṇena itareṇa vā
von dem Brahmanen oder von dem anderen
tat sarvam vistareṇa aham vadiṣye
das alles will ich ausführlich erzählen
prītaye tava
dir zur Freude

yasmin kāle sureśasya umā patny abhavat priyā / tasminn evābhavad gaṅgā priyā śaṃbhor mahāmate //

Zu der Zeit, als Umā dem Herrn der Götter [Śiva] eine liebe Gattin wurde, eben zu dieser Zeit wurde auch die Gaṅgā Śambhu lieb, o Hochgesinnter.

Wort für Wort
yasmin kāle sura-īśasya
zu der Zeit, als dem Herrn der Götter
umā patnī abhavat priyā
Umā eine liebe Gattin wurde
tasmin eva abhavat gaṅgā
zu eben dieser Zeit wurde die Gaṅgā
priyā śaṃbhoḥ mahā-mate
Śambhu lieb, o Hochgesinnter

mama doṣāpanodāya cintayānaḥ śivas tadā / umayā sahitaḥ śrīmān devīṃ prekṣya viśeṣataḥ /

Um meine Verfehlung zu tilgen, sann Śiva damals nach; der glanzvolle [Gott], zusammen mit Umā, blickte die Göttin [Gaṅgā] besonders [aufmerksam] an,

Wort für Wort
mama doṣa-apanodāya
um meine Verfehlung zu tilgen
cintayānaḥ śivaḥ tadā
sann Śiva damals nach
umayā sahitaḥ śrīmān
der glanzvolle, zusammen mit Umā
devīm prekṣya viśeṣataḥ
blickte die Göttin besonders an

[Anm.: Bezug auf die in Kap.72 erzählte Episode von Brahmās unwillkürlichem Samenerguss.]

rasavṛttau sthito yasmān nirmame rasam uttamam / rasikatvāt priyatvāc ca straiṇatvāt pāvanatvataḥ /

und da er sich in einer Weise des Genusses befand, schuf er die höchste Essenz [Rasa]; wegen [ihres] Geschmackssinnes, [ihrer] Lieblichkeit, [ihrer] weiblichen Wesensart und [ihrer] reinigenden Kraft

Wort für Wort
rasa-vṛttau sthitaḥ yasmāt
da er sich in einer Weise des Genusses befand
nirmame rasam uttamam
schuf er die höchste Essenz
rasikatvāt priyatvāt ca
wegen des Geschmackssinnes und der Lieblichkeit
straiṇatvāt pāvanatvataḥ
wegen der weiblichen Wesensart und der reinigenden Kraft

[Anm.: Dieser Vers spielt mit der Doppelbedeutung von 'rasa' als 'Wasser/Essenz' und 'sinnlicher Genuss' und erklärt so poetisch-etymologisch Gaṅgās Entstehen aus Śivas Zuneigung.]

sarvābhyo hy adhikaprītir gaṅgābhūd dvijasattama / saivodbhūtā jaṭāmārgāt kasmiṃścit kāraṇāntare / sa tu saṃgopayām āsa gaṅgāṃ śaṃbhur jaṭāgatām //

wurde die Gaṅgā allen [anderen] gegenüber die Bevorzugte, o Bester der Zweifachgeborenen; sie selbst entstand aus dem Pfad der Locken, aus einem gewissen anderen Grunde; Śambhu aber verbarg die in seinen Locken befindliche Gaṅgā.

Wort für Wort
sarvābhyaḥ hi adhika-prītiḥ
allen [anderen] gegenüber die Bevorzugte
gaṅgā abhūt dvija-sattama
wurde die Gaṅgā, o Bester der Zweifachgeborenen
sā eva udbhūtā jaṭā-mārgāt
sie selbst entstand aus dem Pfad der Locken
kasmiṃścit kāraṇa-antare
aus einem gewissen anderen Grunde
sa tu saṃgopayām āsa
er aber verbarg
gaṅgām śaṃbhuḥ jaṭā-gatām
die in seinen Locken befindliche Gaṅgā, Śambhu

[Anm.: Im überlieferten Text fehlt eine eigene Verszählung 'BrP_74.11' – die Verszählung springt von V10 direkt zu V12, wobei der hier wiedergegebene Block drei Halbverszeilen (statt der üblichen zwei) umfasst, die alle nur durch die Markierung '// BrP_74.12 //' abgeschlossen werden. Dies deutet auf eine Lücke oder redaktionelle Zusammenziehung in der zugrunde liegenden Textüberlieferung hin.]

śirasā ca dhṛtāṃ jñātvā na śaśāka umā tadā / soḍhuṃ brahmañ jaṭājūṭe sthitāṃ dṛṣṭvā punaḥ punaḥ //

Als sie erkannte, dass sie [Gaṅgā] auf seinem Haupt getragen wurde, konnte Umā es damals nicht ertragen, sie, o Brahmane, immer wieder im Lockenknoten weilend zu sehen.

Wort für Wort
śirasā ca dhṛtām jñātvā
als sie erkannte, dass sie auf dem Haupt getragen wurde
na śaśāka umā tadā
konnte Umā es damals nicht
soḍhum brahman jaṭā-jūṭe
ertragen, o Brahmane, im Lockenknoten
sthitām dṛṣṭvā punaḥ punaḥ
sie immer wieder weilend zu sehen

amarṣeṇa bhavaṃ gorī prerayasvety abhāṣata / naivāsau prairayac chaṃbhū rasiko rasam uttamam //

Voller Ungeduld sprach Gaurī zu Bhava: 'Verstoße sie!' Doch der geschmackverliebte Śambhu verstieß die höchste Essenz keineswegs.

Wort für Wort
amarṣeṇa bhavam gaurī
voller Ungeduld [sprach] Gaurī zu Bhava
prerayasva iti abhāṣata
'Verstoße sie!' so sprach sie
na eva asau prairayat śaṃbhuḥ
doch Śambhu verstieß sie keineswegs
rasikaḥ rasam uttamam
der Geschmackverliebte die höchste Essenz

jaṭāsv eva tadā devīṃ gopāyantaṃ vimṛśya sā / vināyakaṃ jayāṃ skandaṃ raho vacanam abravīt //

Nachdem sie erwogen hatte, dass er die Göttin allein in den Locken verbarg, sprach sie da im Geheimen ein Wort zu Vināyaka, Jayā und Skanda:

Wort für Wort
jaṭāsu eva tadā devīm
dass er die Göttin allein in den Locken
gopāyantam vimṛśya sā
verbarg, nachdem sie das erwogen hatte, sie
vināyakam jayām skandam
zu Vināyaka, Jayā und Skanda
rahaḥ vacanam abravīt
sprach sie im Geheimen ein Wort

[Anm.: 'Jayā' (auch V38, V56ff. als eigenständige Person neben Mutter und Bruder angesprochen; in V59 'Vijayā' genannt) bezeichnet hier offenbar eine Gefährtin/Dienerin Pārvatīs, nicht Skanda selbst.]

naivāyaṃ tridaśeśāno gaṅgāṃ tyajati kāmukaḥ / sāpi priyā śivasyādya kathaṃ tyajati tāṃ priyām //

'Dieser Herr der Götter [Śiva] wird die Gaṅgā, der Verliebte, keineswegs aufgeben; sie ist nun einmal Śivas Geliebte – wie sollte er diese Geliebte aufgeben?'

Wort für Wort
na eva ayam tridaśa-īśānaḥ
dieser Herr der Götter keineswegs
gaṅgām tyajati kāmukaḥ
wird die Gaṅgā aufgeben, der Verliebte
sā api priyā śivasya adya
sie ist nun einmal Śivas Geliebte
katham tyajati tām priyām
wie sollte er diese Geliebte aufgeben

evaṃ vimṛśya bahuśo gaurī cāha vināyakam //*

So nach vielfacher Überlegung sprach Gaurī zu Vināyaka:

Wort für Wort
evam vimṛśya bahuśaḥ
so nach vielfacher Überlegung
gaurī ca āha vināyakam
sprach Gaurī zu Vināyaka

[Anm.: Im Original nur eine Zeile, mit '//*' als unvollständig markiert.]

{pārvaty uvāca:} na devair nāsurair yakṣair na siddhair bhavatāpi ca / na rājabhir athānyair vā na gaṅgāṃ tyajati prabhuḥ //

{Pārvatī sprach:} Weder durch Götter, noch durch Asuras, Yakṣas, noch durch Siddhas, auch nicht durch dich, nicht durch Könige oder andere – der Herr wird die Gaṅgā nicht aufgeben.

Wort für Wort
na devaiḥ na asuraiḥ yakṣaiḥ
weder durch Götter, noch Asuras, Yakṣas
na siddhaiḥ bhavatā api ca
noch durch Siddhas, auch nicht durch dich
na rājabhiḥ atha anyaiḥ vā
nicht durch Könige oder andere
na gaṅgām tyajati prabhuḥ
wird der Herr die Gaṅgā nicht aufgeben

punas tapsyāmi vā gatvā himavantaṃ nagottamam / athavā brāhmaṇaiḥ puṇyais tapobhir hatakalmaṣaiḥ /

Wiederum will ich Askese üben, indem ich zum besten der Berge, dem Himavat, gehe – oder aber durch fromme Brahmanen, deren Sünde durch Askese getilgt ist,

Wort für Wort
punaḥ tapsyāmi vā gatvā
wiederum will ich Askese üben, indem ich gehe
himavantam naga-uttamam
zum besten der Berge, dem Himavat
athavā brāhmaṇaiḥ puṇyaiḥ
oder aber durch fromme Brahmanen
tapobhiḥ hata-kalmaṣaiḥ
deren Sünde durch Askese getilgt ist

tair vā jaṭāsthitā gaṅgā prārthitā bhuvam āpnuyāt //*

durch sie könnte die in den Locken befindliche Gaṅgā, [von ihnen] erbeten, zur Erde gelangen.

Wort für Wort
taiḥ vā jaṭā-sthitā gaṅgā
durch sie könnte die in den Locken befindliche Gaṅgā
prārthitā bhuvam āpnuyāt
erbeten zur Erde gelangen

[Anm.: Im Original nur eine Zeile, mit '//*' als unvollständig markiert.]

{brahmovāca:} etac chrutvā mātṛvākyaṃ mātaraṃ prāha vighnarāṭ / bhrātrā skandena jayayā saṃmantryeha ca yujyate //

{Brahmā sprach:} Nachdem er dieses Wort der Mutter gehört hatte, sprach der Herr der Hindernisse [Gaṇeśa] zur Mutter: 'Nach Beratung mit meinem Bruder Skanda und mit Jayā wird hier [ein Plan] gefunden werden.'

Wort für Wort
etat śrutvā mātṛ-vākyam
nachdem er dieses Wort der Mutter gehört hatte
mātaram prāha vighna-rāṭ
sprach der Herr der Hindernisse zur Mutter
bhrātrā skandena jayayā
mit dem Bruder Skanda, mit Jayā
saṃmantrya iha ca yujyate
nach Beratung wird hier [ein Plan] gefunden werden

tat kurmo mastakād gaṅgāṃ yathā tyajati me pitā / etasminn antare brahmann anāvṛṣṭir ajāyata //

'Das wollen wir bewirken, dass mein Vater die Gaṅgā vom Haupt entlässt.' Unterdessen, o Brahmane, entstand eine Dürre

Wort für Wort
tat kurmaḥ mastakāt gaṅgām
das wollen wir bewirken, [dass er] die Gaṅgā vom Haupt
yathā tyajati me pitā
entlässt, mein Vater
etasmin antare brahman
unterdessen, o Brahmane
anāvṛṣṭiḥ ajāyata
entstand eine Dürre

dvir dvādaśa samā martye sarvaprāṇibhayāvahā / tato vinaṣṭam abhavaj jagat sthāvarajaṅgamam //

von vierundzwanzig Jahren in der Sterblichenwelt, allen Lebewesen Furcht bringend; da wurde die Welt, das Unbewegliche und das Bewegliche, vernichtet,

Wort für Wort
dviḥ dvādaśa samāḥ martye
zweimal zwölf Jahre in der Sterblichenwelt
sarva-prāṇi-bhaya-āvahā
allen Lebewesen Furcht bringend
tataḥ vinaṣṭam abhavat
da wurde vernichtet
jagat sthāvara-jaṅgamam
die Welt, das Unbewegliche und das Bewegliche

vinā tu gautamaṃ puṇyam āśramaṃ sarvakāmadam / sraṣṭukāmaḥ purā putra sthāvaraṃ jaṅgamaṃ tathā //

außer der frommen Einsiedelei Gautamas, die alle Wünsche erfüllt. Einst, o Sohn [Nārada], wollte ich das Unbewegliche und das Bewegliche erschaffen,

Wort für Wort
vinā tu gautamam puṇyam
außer der frommen [Einsiedelei] Gautamas
āśramam sarva-kāma-dam
der Einsiedelei, die alle Wünsche erfüllt
sraṣṭu-kāmaḥ purā putra
einst wollte ich erschaffen, o Sohn
sthāvaram jaṅgamam tathā
das Unbewegliche und das Bewegliche

kṛto yajño mayā pūrvaṃ sa devayajano giriḥ / mannāmā tatra vikhyātas tato brahmagiriḥ sadā //

und vollzog früher ein Opfer; jener Berg, die Opferstätte der Götter, wurde dort nach meinem Namen berühmt und heißt seitdem stets Brahmagiri.

Wort für Wort
kṛtaḥ yajñaḥ mayā pūrvam
vollzogen wurde von mir früher ein Opfer
sa deva-yajanaḥ giriḥ
jener Berg, die Opferstätte der Götter
mat-nāmā tatra vikhyātaḥ
wurde dort nach meinem Namen berühmt
tataḥ brahma-giriḥ sadā
und heißt seitdem stets Brahmagiri

tam āśritya nagaśreṣṭhaṃ sarvadāste sa gautamaḥ / tasyāśrame mahāpuṇye śreṣṭhe brahmagirau śubhe //

Sich auf jenen besten der Berge stützend, weilt Gautama dort für immer; in dessen Einsiedelei, auf dem hochheiligen, besten, verheißungsvollen Brahmagiri,

Wort für Wort
tam āśritya naga-śreṣṭham
sich auf jenen besten der Berge stützend
sarvadā āste sa gautamaḥ
weilt Gautama dort für immer
tasya āśrame mahā-puṇye
in dessen hochheiliger Einsiedelei
śreṣṭhe brahma-girau śubhe
auf dem besten, verheißungsvollen Brahmagiri

ādhayo vyādhayo vāpi durbhikṣaṃ vāpy avarṣaṇam / bhayaśokau ca dāridryaṃ na śrūyante kadācana //

sind seelische Leiden, Krankheiten, Hungersnot oder Dürre, Furcht und Kummer sowie Armut niemals bekannt.

Wort für Wort
ādhayaḥ vyādhayaḥ vā api
seelische Leiden, Krankheiten
durbhikṣam vā api avarṣaṇam
Hungersnot oder Dürre
bhaya-śokau ca dāridryam
Furcht und Kummer sowie Armut
na śrūyante kadācana
sind niemals bekannt

tadāśramaṃ vinānyatra havyaṃ vā kavyam eva ca / nāsti putra tathā dātā hotā yaṣṭā tathaiva ca //

Außer in jener Einsiedelei gibt es nirgends sonst, o Sohn, weder Opferspeise noch Ahnenopfer, noch einen Geber, einen Anrufer, einen Opferer.

Wort für Wort
tat-āśramam vinā anyatra
außer in jener Einsiedelei nirgends sonst
havyam vā kavyam eva ca
weder Opferspeise noch Ahnenopfer
na asti putra tathā dātā
gibt es, o Sohn, weder einen Geber
hotā yaṣṭā tathā eva ca
noch einen Anrufer, einen Opferer

yadaiva gautamo vipro dadāti ca juhoti ca / tadaivāpy ayanaṃ svarge surāṇām api nānyataḥ //

Nur wenn der Brahmane Gautama gibt und Opfer darbringt, dann erst gibt es einen Weg zum Himmel auch für die Götter, sonst nirgendwo.

Wort für Wort
yadā eva gautamaḥ vipraḥ
nur wenn der Brahmane Gautama
dadāti ca juhoti ca
gibt und Opfer darbringt
tadā eva api ayanam svarge
dann erst gibt es einen Weg zum Himmel
surāṇām api na anyataḥ
auch für die Götter, sonst nirgendwo

devaloke 'pi martye vā śrūyate gautamo muniḥ / hotā dātā ca bhoktā ca sa eveti janā viduḥ //

Sowohl in der Götterwelt als auch in der Sterblichenwelt hört man vom Weisen Gautama; er allein ist der Anrufer, der Geber und der Genießer – so wissen es die Leute.

Wort für Wort
deva-loke 'pi martye vā
sowohl in der Götterwelt als auch in der Sterblichenwelt
śrūyate gautamaḥ muniḥ
hört man vom Weisen Gautama
hotā dātā ca bhoktā ca
der Anrufer, der Geber und der Genießer
sa eva iti janāḥ viduḥ
er allein, so wissen es die Leute

tac chrutvā munayaḥ sarve nānāśramanivāsinaḥ / gautamāśramam āpṛcchann āgacchantas tapodhanāḥ //

Als sie dies hörten, kamen alle in verschiedenen Einsiedeleien wohnenden Weisen, reich an Askese, herbei, nach Gautamas Einsiedelei fragend.

Wort für Wort
tat śrutvā munayaḥ sarve
als sie dies hörten, alle Weisen
nānā-āśrama-nivāsinaḥ
die in verschiedenen Einsiedeleien wohnten
gautama-āśramam āpṛcchan
nach Gautamas Einsiedelei fragend
āgacchantaḥ tapaḥ-dhanāḥ
kamen herbei, reich an Askese

teṣāṃ munīnāṃ sarveṣām āgatānāṃ sa gautamaḥ / śiṣyavat putravad bhaktyā pitṛvat poṣako 'bhavat //

Für all diese angekommenen Weisen wurde jener Gautama, mit Hingabe wie für Schüler, wie für Söhne, wie ein Vater, zum Ernährer.

Wort für Wort
teṣām munīnām sarveṣām
für all diese Weisen
āgatānām sa gautamaḥ
der angekommenen wurde jener Gautama
śiṣya-vat putra-vat bhaktyā
wie für Schüler, wie für Söhne, mit Hingabe
pitṛ-vat poṣakaḥ abhavat
wie ein Vater zum Ernährer

yasya yathepsitaṃ kāmaṃ yathāyogyaṃ yathākramam / yathānurūpaṃ sarveṣāṃ śuśrūṣām akaron muniḥ //

Jedem nach seinem gewünschten Verlangen, wie es geziemte, in gehöriger Ordnung, jedem angemessen, erwies der Weise allen seinen Dienst.

Wort für Wort
yasya yathā īpsitam kāmam
jedem nach seinem gewünschten Verlangen
yathā-yogyam yathā-kramam
wie es geziemte, in gehöriger Ordnung
yathā-anurūpam sarveṣām
jedem angemessen, allen
śuśrūṣām akarot muniḥ
erwies der Weise Dienst

ājñayā gautamasyāsann oṣadhyo lokamātaraḥ / ārādhitāḥ punas tena brahmaviṣṇumaheśvarāḥ //

Auf Gautamas Geheiß gab es die Heilkräuter, die Weltenmütter; verehrt wurden von ihm ferner Brahmā, Viṣṇu und Maheśvara.

Wort für Wort
ājñayā gautamasya āsan
auf Gautamas Geheiß gab es
oṣadhyaḥ loka-mātaraḥ
die Heilkräuter, die Weltenmütter
ārādhitāḥ punaḥ tena
verehrt wurden ferner von ihm
brahma-viṣṇu-maheśvarāḥ
Brahmā, Viṣṇu und Maheśvara

jāyante ca tadauṣadhyo lūyante ca tadaiva hi / saṃpatsyante tadopyante gautamasya tapobalāt //

Dann sprossen die Heilkräuter, dann wurden sie geerntet, dann würden sie [wieder] gedeihen, dann würden sie [wieder] wachsen – durch die Kraft von Gautamas Askese.

Wort für Wort
jāyante ca tadā oṣadhyaḥ
dann sprossen die Heilkräuter
lūyante ca tadā eva hi
dann wurden sie geerntet
saṃpatsyante tadā upyante
dann würden sie gedeihen, dann würden sie [wieder] gesät/wachsen
gautamasya tapaḥ-balāt
durch die Kraft von Gautamas Askese

sarvāḥ samṛddhayas tasya saṃsidhyante manogatāḥ / pratyahaṃ vakti vinayād gautamas tv āgatān munīn //

All sein Gedeihen, das er im Sinn hatte, gelang; täglich sprach Gautama aus Demut zu den angekommenen Weisen:

Wort für Wort
sarvāḥ samṛddhayaḥ tasya
all sein Gedeihen
saṃsidhyante manaḥ-gatāḥ
gelang, das er im Sinn hatte
pratyaham vakti vinayāt
täglich sprach er aus Demut
gautamaḥ tu āgatān munīn
Gautama zu den angekommenen Weisen

putravac chiṣyavac caiva preṣyavat karavāṇi kim / pitṛvat poṣayām āsa saṃvatsaragaṇān bahūn //

'Wie für einen Sohn, wie für einen Schüler, wie ein Diener – was soll ich tun?' Wie ein Vater ernährte er sie über viele Jahre hinweg.

Wort für Wort
putra-vat śiṣya-vat ca eva
wie für einen Sohn, wie für einen Schüler
preṣya-vat karavāṇi kim
wie ein Diener, was soll ich tun
pitṛ-vat poṣayām āsa
wie ein Vater ernährte er
saṃvatsara-gaṇān bahūn
über viele Jahre hinweg

evaṃ vasatsu muniṣu trailokye khyātir āśrayāt / tato vināyakaḥ prāha mātaraṃ bhrātaraṃ jayām //

Während die Weisen so dort wohnten, entstand durch diese Zuflucht Ruhm in den drei Welten; da sprach Vināyaka zu Mutter, Bruder und Jayā:

Wort für Wort
evam vasatsu muniṣu
während die Weisen so dort wohnten
trailokye khyātiḥ āśrayāt
entstand in den drei Welten Ruhm durch diese Zuflucht
tataḥ vināyakaḥ prāha
da sprach Vināyaka
mātaram bhrātaram jayām
zu Mutter, Bruder und Jayā

{vināyaka uvāca:} devānāṃ sadane mātar gīyate gautamo dvijaḥ / yan na sādhyaṃ suragaṇair gautamaḥ kṛtavān iti //

{Vināyaka sprach:} 'In der Halle der Götter, Mutter, wird der Brahmane Gautama besungen: was den Götterscharen nicht möglich war, das hat Gautama vollbracht' – so [heißt es].

Wort für Wort
devānām sadane mātaḥ
in der Halle der Götter, Mutter
gīyate gautamaḥ dvijaḥ
wird der Brahmane Gautama besungen
yat na sādhyam sura-gaṇaiḥ
was den Götterscharen nicht möglich war
gautamaḥ kṛtavān iti
das hat Gautama vollbracht, so [heißt es]

evaṃ śrutaṃ mayā devi brāhmaṇasya tapobalam / sa vipraś cālayed enāṃ mātar gaṅgāṃ jaṭāgatām //

So habe ich, o Göttin, von der Askesekraft des Brahmanen gehört; jener Brahmane könnte diese Mutter Gaṅgā, die in den Locken weilt, zum Weichen bringen.

Wort für Wort
evam śrutam mayā devi
so habe ich, o Göttin, gehört
brāhmaṇasya tapaḥ-balam
von der Askesekraft des Brahmanen
sa vipraḥ cālayet enām
jener Brahmane könnte diese zum Weichen bringen
mātaḥ gaṅgām jaṭā-gatām
Mutter Gaṅgā, die in den Locken weilt

tapasā vānyato vāpi pūjayitvā trilocanam / sa eva cyāvayed enāṃ jaṭāsthāṃ me pitṛpriyām //

Durch Askese oder auf andere Weise, nach Verehrung des Dreiäugigen [Śiva] – er allein könnte diese meinem Vater liebe, in den Locken weilende [Gaṅgā] zum Fallen bringen.

Wort für Wort
tapasā vā anyataḥ vā api
durch Askese oder auf andere Weise
pūjayitvā trilocanam
nach Verehrung des Dreiäugigen
sa eva cyāvayet enām
er allein könnte diese zum Fallen bringen
jaṭā-sthām me pitṛ-priyām
die in den Locken weilende, meinem Vater liebe

tatra nītir vidhātavyā tāṃ vipro yācayed yathā / tatprabhāvāt saricchreṣṭhā śiraso 'vataraty api //

Dort muss eine List ersonnen werden, so dass der Brahmane sie [darum] bittet; durch seine Macht könnte die beste der Flüsse sogar vom Haupt herabsteigen.

Wort für Wort
tatra nītiḥ vidhātavyā
dort muss eine List ersonnen werden
tām vipraḥ yācayet yathā
so dass der Brahmane sie [darum] bittet
tat-prabhāvāt sarit-śreṣṭhā
durch seine Macht die beste der Flüsse
śirasaḥ avatarati api
könnte sogar vom Haupt herabsteigen

{brahmovāca:} ity uktvā mātaraṃ bhrātrā jayayā saha vighnarāṭ / jagāma gautamo yatra brahmasūtradharaḥ kṛśaḥ //

{Brahmā sprach:} So zur Mutter gesprochen habend, ging der Herr der Hindernisse zusammen mit dem Bruder und Jayā dorthin, wo der abgemagerte, die heilige Schnur tragende Gautama [weilte].

Wort für Wort
iti uktvā mātaram
so zur Mutter gesprochen habend
bhrātrā jayayā saha vighnarāṭ
zusammen mit dem Bruder und Jayā der Herr der Hindernisse
jagāma gautamaḥ yatra
ging dorthin, wo Gautama
brahma-sūtra-dharaḥ kṛśaḥ
der abgemagerte, die heilige Schnur tragende [weilte]

vasan katipayāhaḥsu gautamāśramamaṇḍale / uvāca brāhmaṇān sarvāṃs tatra tatra ca vighnarāṭ //

Nachdem er einige Tage im Umkreis von Gautamas Einsiedelei geweilt hatte, sprach der Herr der Hindernisse dort und dort zu allen Brahmanen:

Wort für Wort
vasan katipaya-ahaḥsu
nachdem er einige Tage geweilt hatte
gautama-āśrama-maṇḍale
im Umkreis von Gautamas Einsiedelei
uvāca brāhmaṇān sarvān
sprach zu allen Brahmanen
tatra tatra ca vighnarāṭ
dort und dort der Herr der Hindernisse

gacchāmaḥ svam adhiṣṭhānam āśramāṇi śucīni ca / puṣṭāḥ sma gautamānnena pṛcchāmo gautamaṃ munim //

'Lasst uns zu unseren eigenen Wohnstätten gehen, zu den reinen Einsiedeleien; genährt wurden wir von Gautamas Speise – lasst uns den Weisen Gautama [um Erlaubnis] fragen.'

Wort für Wort
gacchāmaḥ svam adhiṣṭhānam
lasst uns zu unseren eigenen Wohnstätten gehen
āśramāṇi śucīni ca
zu den reinen Einsiedeleien
puṣṭāḥ sma gautama-annena
genährt wurden wir von Gautamas Speise
pṛcchāmaḥ gautamam munim
lasst uns den Weisen Gautama fragen

iti saṃmantrya pṛcchanti munayo munisattamāḥ / sa tān nivārayām āsa snehabuddhyā munīn pṛthak //

So beratschlagend fragten die Weisen, die Besten der Weisen; er aber hielt jene Weisen einzeln aus Zuneigung und Bedacht zurück.

Wort für Wort
iti saṃmantrya pṛcchanti
so beratschlagend fragten
munayaḥ muni-sattamāḥ
die Weisen, die Besten der Weisen
sa tān nivārayām āsa
er aber hielt jene zurück
sneha-buddhyā munīn pṛthak
aus Zuneigung und Bedacht die Weisen einzeln

{gautama uvāca:} kṛtāñjaliḥ savinayam āsadhvam iha caiva hi / yuṣmaccaraṇaśuśrūṣāṃ karomi munipuṃgavāḥ //

{Gautama sprach:} Mit gefalteten Händen, voller Demut: 'Bleibt doch hier; euren Füßen will ich dienen, ihr Stiere unter den Weisen.'

Wort für Wort
kṛta-añjaliḥ sa-vinayam
mit gefalteten Händen, voller Demut
āsadhvam iha ca eva hi
bleibt doch hier
yuṣmat-caraṇa-śuśrūṣām karomi
euren Füßen will ich dienen
muni-puṃgavāḥ
ihr Stiere unter den Weisen

śuśrūṣau putravan nityaṃ mayi tiṣṭhati nocitam / bhavatāṃ bhūmidevānām āśramāntarasevanam //

Es ziemt sich nicht, dass ihr, o Erdgötter, stets nur auf mich, wie auf einen dienstwilligen Sohn angewiesen, verweilt, statt andere Einsiedeleien aufzusuchen.

Wort für Wort
śuśrūṣau putra-vat nityam
wie auf einen dienstwilligen Sohn stets
mayi tiṣṭhati na ucitam
auf mich angewiesen zu verweilen, ziemt sich nicht
bhavatām bhūmi-devānām
für euch, o Erdgötter
āśrama-antara-sevanam
das Aufsuchen anderer Einsiedeleien [wäre angemessener]

idam evāśramaṃ puṇyaṃ sarveṣām iti me matiḥ / alam anyena munaya āśrameṇa gatena vā //

'Eben diese Einsiedelei ist für alle die heilige' – das ist meine Meinung; genug mit einer anderen Einsiedelei, o Weise, oder mit dem Weggehen [dorthin].

Wort für Wort
idam eva āśramam puṇyam
eben diese Einsiedelei ist die heilige
sarveṣām iti me matiḥ
für alle, das ist meine Meinung
alam anyena munayaḥ
genug mit einer anderen, o Weise
āśrameṇa gatena vā
mit der Einsiedelei oder dem Weggehen [dorthin]

{brahmovāca:} iti śrutvā muner vākyaṃ vighnakṛtyam anusmaran / uvāca prāñjalir bhūtvā brāhmaṇān sa gaṇādhipaḥ //

{Brahmā sprach:} Als er dieses Wort des Weisen gehört hatte, sich seiner Aufgabe, ein Hindernis zu schaffen, erinnernd, sprach der Herr der Gaṇas, die Hände gefaltet, zu den Brahmanen:

Wort für Wort
iti śrutvā muneḥ vākyam
als er dieses Wort des Weisen gehört hatte
vighna-kṛtyam anusmaran
sich seiner Aufgabe, ein Hindernis zu schaffen, erinnernd
uvāca prāñjaliḥ bhūtvā
sprach, die Hände gefaltet
brāhmaṇān sa gaṇa-adhipaḥ
zu den Brahmanen der Herr der Gaṇas

{gaṇādhipa uvāca:} annakrītā vayaṃ kiṃ no nivārayata gautamaḥ / sāmnā naiva vayaṃ śaktā gantuṃ svaṃ svaṃ niveśanam //

{Der Herr der Gaṇas sprach:} 'Von der Speise erkauft sind wir – warum hält uns Gautama zurück? Mit guten Worten allein sind wir nicht imstande, zu unseren jeweils eigenen Wohnstätten zu gehen.'

Wort für Wort
anna-krītāḥ vayam kim
von der Speise erkauft sind wir, warum
naḥ nivārayata gautamaḥ
hält Gautama uns zurück
sāmnā na eva vayam śaktāḥ
mit guten Worten allein sind wir nicht imstande
gantum svam svam niveśanam
zu unseren jeweils eigenen Wohnstätten zu gehen

nāyam arhati daṇḍaṃ vā upakārī dvijottamaḥ / tasmād buddhyā vyavasyāmi tat sarvair anumanyatām //

'Dieser wohltätige beste Zweifachgeborene verdient keine Strafe; daher werde ich mit Bedacht [einen Plan] fassen – dem sollen alle zustimmen.'

Wort für Wort
na ayam arhati daṇḍam vā
dieser verdient keine Strafe
upakārī dvija-uttamaḥ
der wohltätige beste Zweifachgeborene
tasmāt buddhyā vyavasyāmi
daher werde ich mit Bedacht [einen Plan] fassen
tat sarvaiḥ anumanyatām
dem sollen alle zustimmen

{brahmovāca:} tataḥ sarve dvijaśreṣṭhāḥ kriyatām ity anubruvan / etasya tūpakārāya lokānāṃ hitakāmyayā //

{Brahmā sprach:} Da sprachen alle besten Zweifachgeborenen zustimmend: 'Es werde getan!' – zu dessen Nutzen und aus Wunsch nach dem Wohl der Welten,

Wort für Wort
tataḥ sarve dvija-śreṣṭhāḥ
da alle besten Zweifachgeborenen
kriyatām iti anubruvan
'es werde getan', so sprachen sie zustimmend
etasya tu upakārāya
zu dessen Nutzen
lokānām hita-kāmyayā
aus Wunsch nach dem Wohl der Welten

brāhmaṇānāṃ ca sarveṣāṃ śreyo yat syāt tathā kuru / brāhmaṇānāṃ vacaḥ śrutvā mene vākyaṃ gaṇādhipaḥ //

'und was allen Brahmanen zum Heil gereiche, das tue so.' Nachdem er das Wort der Brahmanen gehört hatte, erwog der Herr der Gaṇas [seinen] Plan.

Wort für Wort
brāhmaṇānām ca sarveṣām
und allen Brahmanen
śreyaḥ yat syāt tathā kuru
was zum Heil gereiche, das tue so
brāhmaṇānām vacaḥ śrutvā
nachdem er das Wort der Brahmanen gehört hatte
mene vākyam gaṇa-adhipaḥ
erwog der Herr der Gaṇas [seinen] Plan

{vināyaka uvāca:} kriyate guṇarūpaṃ yad gautamasya viśeṣataḥ //*

{Vināyaka sprach:} 'Eine List [in Gestalt einer Kuh] soll geschaffen werden, besonders im Wirkungsbereich Gautamas...'

Wort für Wort
kriyate guṇa-rūpam
eine List/täuschende Gestalt soll geschaffen werden
yat gautamasya viśeṣataḥ
besonders im Wirkungsbereich Gautamas

[Anm.: Im Original nur eine Zeile, mit '//*' als unvollständig markiert; 'guṇarūpa' hier im Sinne einer täuschenden Kuhgestalt gedeutet, wie aus dem Folgenden hervorgeht.]

{brahmovāca:} anumānya dvijān sarvān punaḥ punar udāradhīḥ / svayaṃ ca brāhmaṇo bhūtvā praṇamya brāhmaṇān punaḥ / mātur mate sthito vidvāñ jayāṃ prāha gaṇeśvaraḥ //

{Brahmā sprach:} Nachdem der Edelmütige alle Zweifachgeborenen immer wieder um Zustimmung gebeten und, selbst zu einem Brahmanen geworden, die Brahmanen wiederum verehrt hatte, sprach der Herr der Gaṇas, im Einverständnis mit seiner Mutter, weise, zu Jayā:

Wort für Wort
anumānya dvijān sarvān
nachdem er alle Zweifachgeborenen um Zustimmung gebeten hatte
punaḥ punaḥ udāra-dhīḥ
immer wieder, der Edelmütige
svayam ca brāhmaṇaḥ bhūtvā
und selbst zu einem Brahmanen geworden
praṇamya brāhmaṇān punaḥ
nachdem er die Brahmanen wiederum verehrt hatte
mātuḥ mate sthitaḥ vidvān
im Einverständnis mit der Mutter, der Weise
jayām prāha gaṇa-īśvaraḥ
sprach der Herr der Gaṇas zu Jayā

[Anm.: Auch dieser Vers hat im Original drei Zeilen (sechs Pādas), von denen nur die letzte durch // markiert ist.]

{vināyaka uvāca:} yathā nānyo vijānīte tathā kuru śubhānane / gorūpadhāriṇī gaccha gautamo yatra tiṣṭhati //

{Vināyaka sprach:} 'So, dass niemand anderes es erkennt, so handle, o Schönantlitzige; nimm die Gestalt einer Kuh an und geh dorthin, wo Gautama weilt.'

Wort für Wort
yathā na anyaḥ vijānīte
so, dass niemand anderes es erkennt
tathā kuru śubha-ānane
so handle, o Schönantlitzige
go-rūpa-dhāriṇī gaccha
nimm die Gestalt einer Kuh an und geh
gautamaḥ yatra tiṣṭhati
dorthin, wo Gautama weilt

śālīn khāda vināśyātha vikāraṃ kuru bhāmini / kṛte prahāre huṃkāre prekṣite cāpi kiṃcana / pata dīnaṃ svanaṃ kṛtvā na mriyasva na jīva ca //

'Friss den Reis und verdirb ihn, und mache dann, o Leidenschaftliche, einen Aufruhr; wenn geschlagen, wenn angeschrien, ja selbst wenn nur ein wenig angeschaut, falle nieder, einen kläglichen Laut von dir gebend – stirb nicht, doch lebe auch nicht [scheinbar tot].'

Wort für Wort
śālīn khāda vināśya atha
friss den Reis und verdirb ihn, dann
vikāram kuru bhāmini
mache einen Aufruhr, o Leidenschaftliche
kṛte prahāre huṃkāre
wenn geschlagen, wenn angeschrien
prekṣite ca api kiṃcana
selbst wenn nur ein wenig angeschaut
pata dīnam svanam kṛtvā
falle nieder, einen kläglichen Laut gebend
na mriyasva na jīva ca
stirb nicht, doch lebe auch nicht

[Anm.: Auch dieser Vers hat im Original drei Zeilen (sechs Pādas), von denen nur die letzte durch // markiert ist.]

{brahmovāca:} tathā cakāra vijayā vighneśvaramate sthitā / yatrāsīd gautamo vipro jayā gorūpadhāriṇī //

{Brahmā sprach:} So handelte Vijayā, im Einverständnis mit dem Herrn der Hindernisse; dorthin, wo der Brahmane Gautama war, [ging] Jayā, die Gestalt einer Kuh annehmend.

Wort für Wort
tathā cakāra vijayā
so handelte Vijayā
vighna-īśvara-mate sthitā
im Einverständnis mit dem Herrn der Hindernisse
yatra āsīt gautamaḥ vipraḥ
dorthin, wo der Brahmane Gautama war
jayā go-rūpa-dhāriṇī
[ging] Jayā, die Gestalt einer Kuh annehmend

jagāma śālīn khādantī tāṃ dadarśa sa gautamaḥ / gāṃ dṛṣṭvā vikṛtāṃ vipras tāṃ tṛṇena nyavārayat //

Sie ging, den Reis fressend; Gautama erblickte sie; als der Brahmane die [Reisernte] verderbende Kuh sah, trieb er sie mit einem Grashalm fort.

Wort für Wort
jagāma śālīn khādantī
sie ging, den Reis fressend
tām dadarśa sa gautamaḥ
Gautama erblickte sie
gām dṛṣṭvā vikṛtām vipraḥ
als der Brahmane die verderbende Kuh sah
tām tṛṇena nyavārayat
trieb er sie mit einem Grashalm fort

nivāryamāṇā sā tena svanaṃ kṛtvā papāta gauḥ / tasyāṃ tu patitāyāṃ ca hāhākāro mahān abhūt //

Von ihm fortgetrieben, fiel die Kuh, einen [klagenden] Laut von sich gebend, nieder; als sie gefallen war, erhob sich ein großes Wehgeschrei.

Wort für Wort
nivāryamāṇā sā tena
von ihm fortgetrieben, sie
svanam kṛtvā papāta gauḥ
fiel die Kuh, einen Laut von sich gebend, nieder
tasyām tu patitāyām ca
als sie aber gefallen war
hāhākāraḥ mahān abhūt
erhob sich ein großes Wehgeschrei

svanaṃ śrutvā ca dṛṣṭvā ca gautamasya viceṣṭitam / vyathitā brāhmaṇāḥ prāhur vighnarājapuraskṛtāḥ //

Als sie den Laut gehört und Gautamas Handlung gesehen hatten, sprachen die bestürzten Brahmanen, vom Herrn der Hindernisse angetrieben:

Wort für Wort
svanam śrutvā ca dṛṣṭvā ca
als sie den Laut gehört und gesehen hatten
gautamasya viceṣṭitam
Gautamas Handlung
vyathitāḥ brāhmaṇāḥ prāhuḥ
sprachen die bestürzten Brahmanen
vighna-rāja-puraskṛtāḥ
vom Herrn der Hindernisse angetrieben

{brāhmaṇā ūcuḥ:} ito gacchāmahe sarve na sthātavyaṃ tavāśrame / putravat poṣitāḥ sarve pṛṣṭo 'si munipuṃgava //

{Die Brahmanen sprachen:} 'Von hier gehen wir alle fort, wir dürfen nicht in deiner Einsiedelei bleiben; wie Söhne wurden wir alle genährt – doch nun bist du belastet [mit dieser Schuld], o Stier unter den Weisen.'

Wort für Wort
itaḥ gacchāmahe sarve
von hier gehen wir alle fort
na sthātavyam tava āśrame
wir dürfen nicht in deiner Einsiedelei bleiben
putra-vat poṣitāḥ sarve
wie Söhne wurden wir alle genährt
pṛṣṭaḥ asi muni-puṃgava
doch nun bist du belastet, o Stier unter den Weisen

{brahmovāca:} iti śrutvā munir vākyaṃ viprāṇāṃ gacchatāṃ tadā / vajrāhata ivāsīt sa viprāṇāṃ purato 'patat //

{Brahmā sprach:} Als der Weise dieses Wort der weggehenden Brahmanen hörte, war er da wie vom Blitz getroffen; er fiel vor den Brahmanen nieder.

Wort für Wort
iti śrutvā muniḥ vākyam
als der Weise dieses Wort hörte
viprāṇām gacchatām tadā
der weggehenden Brahmanen da
vajra-āhataḥ iva āsīt
war er wie vom Blitz getroffen
sa viprāṇām purataḥ apatat
er fiel vor den Brahmanen nieder

tam ūcur brāhmaṇāḥ sarve paśyemāṃ patitāṃ bhuvi / rudrāṇāṃ mātaraṃ devīṃ jagatāṃ pāvanīṃ priyām //

Zu ihm sprachen alle Brahmanen: 'Sieh diese auf der Erde gefallene, die Mutter der Rudras, die Göttin, die geliebte Reinigerin der Welten,

Wort für Wort
tam ūcuḥ brāhmaṇāḥ sarve
zu ihm sprachen alle Brahmanen
paśya imām patitām bhuvi
sieh diese auf der Erde gefallene
rudrāṇām mātaram devīm
die Mutter der Rudras, die Göttin
jagatām pāvanīm priyām
die geliebte Reinigerin der Welten

tīrthadevasvarūpiṇyām asyāṃ gavi vidher balāt / patitāyāṃ muniśreṣṭha gantavyam avaśiṣyate //

diese Kuh, von der Wesensart einer Pilgerstätten-Gottheit, die durch die Macht des Schicksals gefallen ist – o Bester der Weisen, es bleibt nur, [von hier] zu gehen.

Wort für Wort
tīrtha-deva-svarūpiṇyām asyām gavi
in dieser Kuh von der Wesensart einer Pilgerstätten-Gottheit
vidheḥ balāt patitāyām
die durch die Macht des Schicksals gefallen ist
muni-śreṣṭha
o Bester der Weisen
gantavyam avaśiṣyate
es bleibt nur zu gehen

cīrṇaṃ vrataṃ kṣayaṃ yāti yathā vāsas tvadāśrame / vayaṃ nānyadhanā brahman kevalaṃ tu tapodhanāḥ //

Das geübte Gelübde geht zunichte, ebenso wie unser Aufenthalt in deiner Einsiedelei; wir haben, o Brahmane, keinen anderen Besitz, sondern allein die Askese als Besitz.'

Wort für Wort
cīrṇam vratam kṣayam yāti
das geübte Gelübde geht zunichte
yathā vāsaḥ tvat-āśrame
ebenso wie der Aufenthalt in deiner Einsiedelei
vayam na anya-dhanāḥ brahman
wir haben keinen anderen Besitz, o Brahmane
kevalam tu tapaḥ-dhanāḥ
sondern allein die Askese als Besitz

{brahmovāca:} viprāṇāṃ purataḥ sthitvā vinītaḥ prāha gautamaḥ //*

{Brahmā sprach:} Vor den Brahmanen stehend, sprach der demütige Gautama:

Wort für Wort
viprāṇām purataḥ sthitvā
vor den Brahmanen stehend
vinītaḥ prāha gautamaḥ
sprach der demütige Gautama

[Anm.: Im Original nur eine Zeile, mit '//*' als unvollständig markiert.]

{gautama uvāca:} bhavanta eva śaraṇaṃ pūtaṃ māṃ kartum arhatha //*

{Gautama sprach:} 'Ihr allein seid meine Zuflucht; ihr möget mich rein machen.'

Wort für Wort
bhavantaḥ eva śaraṇam
ihr allein seid Zuflucht
pūtam mām kartum arhatha
ihr möget mich rein machen

[Anm.: Im Original nur eine Zeile, mit '//*' als unvollständig markiert.]

{brahmovāca:} tataḥ provāca bhagavān vighnarāḍ brāhmaṇair vṛtaḥ //*

{Brahmā sprach:} Da sprach der erhabene Herr der Hindernisse, von den Brahmanen umringt:

Wort für Wort
tataḥ provāca bhagavān
da sprach der erhabene
vighnarāṭ brāhmaṇaiḥ vṛtaḥ
Herr der Hindernisse, von den Brahmanen umringt

[Anm.: Im Original nur eine Zeile, mit '//*' als unvollständig markiert.]

{vighnarāja uvāca:} naiveyaṃ mriyate tatra naiva jīvati tatra kim / vadāmo 'smin susaṃdigdhe niṣkṛtiṃ gatim eva vā //

{Der Herr der Hindernisse sprach:} 'Weder stirbt sie dabei, noch lebt sie dabei; was sollen wir in dieser höchst zweifelhaften Angelegenheit verkünden: eine Sühne oder [einen anderen] Weg?'

Wort für Wort
na eva iyam mriyate tatra
weder stirbt sie dabei
na eva jīvati tatra kim
noch lebt sie dabei; was [tun wir]
vadāmaḥ asmin su-saṃdigdhe
sollen wir in dieser höchst zweifelhaften [Sache] verkünden
niṣkṛtim gatim eva vā
eine Sühne oder einen [anderen] Weg

{gautama uvāca:} katham utthāsyatīyaṃ gaur atha cāsmiṃś ca niṣkṛtim / vaktum arhatha tat sarvaṃ kariṣye 'ham asaṃśayam //

{Gautama sprach:} 'Wie wird diese Kuh sich wieder erheben, und welche Sühne gibt es hierfür? Möget ihr all dies verkünden – ich werde es zweifellos tun.'

Wort für Wort
katham utthāsyati iyam gauḥ
wie wird diese Kuh sich wieder erheben
atha ca asmin ca niṣkṛtim
und welche Sühne gibt es hierfür
vaktum arhatha tat sarvam
möget ihr all dies verkünden
kariṣye aham asaṃśayam
ich werde es zweifellos tun

{brāhmaṇā ūcuḥ:} sarveṣāṃ ca matenāyaṃ vadiṣyati ca buddhimān / etad vākyam athāsmākaṃ pramāṇaṃ tava gautama //

{Die Brahmanen sprachen:} 'Nach der Meinung aller wird dieser Weise sprechen; dieses sein Wort sei uns und dir, Gautama, maßgeblich.'

Wort für Wort
sarveṣām ca matena ayam
nach der Meinung aller wird dieser
vadiṣyati ca buddhimān
sprechen, der Weise
etat vākyam atha asmākam
dieses Wort sei uns
pramāṇam tava gautama
maßgeblich, dir, Gautama

{brahmovāca:} brāhmaṇaiḥ preryamāṇo 'sau gautamena balīyasā / vighnakṛd brahmavapuṣā prāha sarvān idaṃ vacaḥ //

{Brahmā sprach:} Von den Brahmanen und vom mächtigen Gautama gedrängt, sprach der Hindernisstifter, in Brahmanengestalt, zu allen dieses Wort:

Wort für Wort
brāhmaṇaiḥ preryamāṇaḥ asau
von den Brahmanen gedrängt, dieser
gautamena balīyasā
und vom mächtigen Gautama
vighna-kṛt brahma-vapuṣā
der Hindernisstifter, in Brahmanengestalt
prāha sarvān idam vacaḥ
sprach zu allen dieses Wort

{vighnarāja uvāca:} sarveṣāṃ ca matenāhaṃ vadiṣyāmi yathārthavat / anumanyantu munayo madvākyaṃ gautamo 'pi ca //

{Der Herr der Hindernisse sprach:} 'Nach der Meinung aller werde ich der Wahrheit gemäß sprechen; die Weisen mögen mein Wort billigen, und auch Gautama.'

Wort für Wort
sarveṣām ca matena aham
nach der Meinung aller werde ich
vadiṣyāmi yathā-arthavat
der Wahrheit gemäß sprechen
anumanyantu munayaḥ
die Weisen mögen billigen
mat-vākyam gautamaḥ api ca
mein Wort, und auch Gautama

maheśvarajaṭājūṭe brahmaṇo 'vyaktajanmanaḥ / kamaṇḍalusthitaṃ vāri tiṣṭhatīti hi śuśruma //

'In Maheśvaras Lockenknoten, [dorthin gebracht] von Brahmā, dem aus dem Unmanifesten Geborenen, weilt, wie wir gehört haben, im Wasserkrug befindliches Wasser.'

Wort für Wort
maheśvara-jaṭā-jūṭe
in Maheśvaras Lockenknoten
brahmaṇaḥ avyakta-janmanaḥ
von Brahmā, dem aus dem Unmanifesten Geborenen
kamaṇḍalu-sthitam vāri
im Wasserkrug befindliches Wasser
tiṣṭhati iti hi śuśruma
weilt, wie wir gehört haben

tad ānayasva tarasā tapasā niyamena ca / tenābhiṣiñca gām etāṃ bhagavan bhuvam āśritām / tato vatsyāmahe sarve pūrvavat tava veśmani //

'Bringe es herbei, rasch, durch Askese und Gelübde, und besprenge mit ihm diese Kuh, die die Erde aufsucht, o Verehrter; danach werden wir alle wie zuvor in deinem Hause wohnen.'

Wort für Wort
tat ānayasva tarasā
bringe es herbei, rasch
tapasā niyamena ca
durch Askese und Gelübde
tena abhiṣiñca gām etām
und besprenge mit ihm diese Kuh
bhagavan bhuvam āśritām
o Verehrter, die die Erde aufsucht
tataḥ vatsyāmahe sarve
danach werden wir alle wohnen
pūrva-vat tava veśmani
wie zuvor in deinem Haus

[Anm.: Auch dieser Vers hat im Original drei Zeilen (sechs Pādas), von denen nur die letzte durch // markiert ist.]

{brahmovāca:} ity uktavati viprendre brāhmaṇānāṃ ca saṃsadi / tatrāpatat puṣpavṛṣṭir jayaśabdo vyavardhata / tataḥ kṛtāñjalir namro gautamo vākyam abravīt //

{Brahmā sprach:} Als der Herr der Brahmanen dies in der Versammlung der Brahmanen gesprochen hatte, fiel dort ein Blumenregen, und ein Ruf des Sieges erscholl; da sprach Gautama, mit gefalteten Händen sich verneigend, folgendes Wort:

Wort für Wort
iti uktavati vipra-indre
als der Herr der Brahmanen dies gesprochen hatte
brāhmaṇānām ca saṃsadi
in der Versammlung der Brahmanen
tatra apatat puṣpa-vṛṣṭiḥ
fiel dort ein Blumenregen
jaya-śabdaḥ vyavardhata
ein Ruf des Sieges erscholl
tataḥ kṛta-añjaliḥ namraḥ
da mit gefalteten Händen sich verneigend
gautamaḥ vākyam abravīt
sprach Gautama folgendes Wort

[Anm.: Auch dieser Vers hat im Original drei Zeilen (sechs Pādas), von denen nur die letzte durch // markiert ist.]

{gautama uvāca:} tapasāgniprasādena devabrahmaprasādataḥ / bhavatāṃ ca prasādena matsaṃkalpo 'nusidhyatām //

{Gautama sprach:} 'Durch die Gnade der Askese und des Feuers, durch die Gnade der Götter und Brahmās und durch eure Gnade möge mein Entschluss gelingen.'

Wort für Wort
tapasā agni-prasādena
durch die Gnade der Askese und des Feuers
deva-brahma-prasādataḥ
durch die Gnade der Götter und Brahmās
bhavatām ca prasādena
und durch eure Gnade
mat-saṃkalpaḥ anusidhyatām
möge mein Entschluss gelingen

{brahmovāca:} evam astv iti taṃ viprā āpṛcchan munipuṃgavam / svāni sthānāni te jagmuḥ samṛddhāny annavāribhiḥ //

{Brahmā sprach:} 'So sei es', [sprachen] die Brahmanen und nahmen Abschied von dem Weisenstier; sie gingen zu ihren eigenen, mit Speise und Wasser gesegneten Orten.

Wort für Wort
evam astu iti tam viprāḥ
'so sei es', so [sprachen] die Brahmanen zu ihm
āpṛcchan muni-puṃgavam
nahmen Abschied vom Weisenstier
svāni sthānāni te jagmuḥ
sie gingen zu ihren eigenen Orten
samṛddhāni anna-vāribhiḥ
mit Speise und Wasser gesegnet

yāteṣu teṣu vipreṣu bhrātrā saha gaṇeśvaraḥ / jayayā saha suprītaḥ kṛtakṛtyo nyavartata //

Als jene Brahmanen gegangen waren, kehrte der Herr der Gaṇas, zusammen mit dem Bruder und mit Jayā, hocherfreut, sein Ziel erreicht habend, zurück.

Wort für Wort
yāteṣu teṣu vipreṣu
als jene Brahmanen gegangen waren
bhrātrā saha gaṇa-īśvaraḥ
zusammen mit dem Bruder der Herr der Gaṇas
jayayā saha su-prītaḥ
zusammen mit Jayā, hocherfreut
kṛta-kṛtyaḥ nyavartata
sein Ziel erreicht habend, kehrte er zurück

gateṣu brahmavṛndeṣu gaṇeśe ca gate tathā / gautamo 'pi muniśreṣṭhas tapasā hatakalmaṣaḥ //

Als die Scharen der Brahmanen und ebenso auch der Herr der Gaṇas gegangen waren, [blieb] auch Gautama, der Beste der Weisen, durch Askese von Sünde befreit,

Wort für Wort
gateṣu brahma-vṛndeṣu
als die Scharen der Brahmanen gegangen waren
gaṇeśe ca gate tathā
und ebenso als der Herr der Gaṇas gegangen war
gautamaḥ api muni-śreṣṭhaḥ
auch Gautama, der Beste der Weisen
tapasā hata-kalmaṣaḥ
durch Askese von Sünde befreit

dhyāyaṃs tadarthaṃ sa muniḥ kim idaṃ mama saṃsthitam / ity evaṃ bahuśo dhyāyañ jñānena jñātavān dvija //

über die Sache nachsinnend: 'Was ist dies, das mir widerfahren ist?' – so vielfach nachsinnend, erkannte der Weise durch Erkenntnis, o Zweifachgeborener [Nārada]:

Wort für Wort
dhyāyan tat-artham sa muniḥ
über die Sache nachsinnend, jener Weise
kim idam mama saṃsthitam
was ist dies, das mir widerfahren ist
iti evam bahuśaḥ dhyāyan
so vielfach nachsinnend
jñānena jñātavān dvija
erkannte er durch Erkenntnis, o Zweifachgeborener

niścitya devakāryārtham ātmanaḥ kilbiṣāṃ gatim / lokānām upakāraṃ ca śaṃbhoḥ prīṇanam eva ca //

nachdem er erkannt hatte, dass es dem Werk der Götter diente, dem Weggang seiner eigenen Sünde, dem Nutzen der Welten und der Erfreuung Śambhus,

Wort für Wort
niścitya deva-kārya-artham
nachdem er erkannt hatte, dass es dem Werk der Götter diente
ātmanaḥ kilbiṣām gatim
dem Weggang seiner eigenen Sünde
lokānām upakāram ca
dem Nutzen der Welten
śaṃbhoḥ prīṇanam eva ca
und der Erfreuung Śambhus

umāyāḥ prīṇanaṃ cāpi gaṅgānayanam eva ca / sarvaṃ śreyaskaraṃ manye mayi naiva ca kilbiṣam //

auch der Erfreuung Umās, sowie dem Herbeiführen der Gaṅgā: 'All dies erachte ich als heilsam, und keinerlei Sünde liegt bei mir.'

Wort für Wort
umāyāḥ prīṇanam ca api
auch der Erfreuung Umās
gaṅgā-ānayanam eva ca
und dem Herbeiführen der Gaṅgā
sarvam śreyaskaram manye
all dies erachte ich als heilsam
mayi na eva ca kilbiṣam
und keinerlei Sünde liegt bei mir

ity evaṃ manasā dhyāyan suprīto 'bhūd dvijottamaḥ / ārādhya jagatām īśaṃ trinetraṃ vṛṣabhadhvajam //

So im Geiste nachsinnend, wurde der beste Zweifachgeborene hocherfreut; nachdem er den Herrn der Welten, den Dreiäugigen, den mit dem Stier im Banner, verehrt hatte,

Wort für Wort
iti evam manasā dhyāyan
so im Geiste nachsinnend
su-prītaḥ abhūt dvija-uttamaḥ
wurde der beste Zweifachgeborene hocherfreut
ārādhya jagatām īśam
nachdem er den Herrn der Welten verehrt hatte
trinetram vṛṣabha-dhvajam
den Dreiäugigen, den mit dem Stier im Banner

ānayiṣye saricchreṣṭhāṃ prītā 'stu girijā mama / sapatnī jagadambāyā maheśvarajaṭāsthitā //

[dachte er]: 'Ich werde die beste der Flüsse herbeiführen; möge die Bergestochter [Pārvatī] mir gewogen sein, [auch wenn ich] der Weltenmutter eine Nebenbuhlerin, die in Maheśvaras Locken weilende, [bringe].'

Wort für Wort
ānayiṣye sarit-śreṣṭhām
ich werde die beste der Flüsse herbeiführen
prītā astu girijā mama
möge die Bergestochter mir gewogen sein
sapatnī jagat-ambāyāḥ
eine Nebenbuhlerin der Weltenmutter
maheśvara-jaṭā-sthitā
die in Maheśvaras Locken weilende

evaṃ hi saṃkalpya munipravīraḥ / sa gautamo brahmagirer jagāma / kailāsam ādhiṣṭhitam ugradhanvanā / surārcitaṃ priyayā brahmavṛndaiḥ //

Nachdem er so entschlossen war, ging jener beste der Weisen, Gautama, von Brahmagiri zum Kailāsa, dem vom Träger des furchtbaren Bogens [Śiva] bewohnten, von den Göttern verehrten Berg, zusammen mit seiner Gattin und Scharen von Brahmanen.

Wort für Wort
evam hi saṃkalpya
nachdem er so entschlossen war
muni-pravīraḥ sa gautamaḥ
jener beste der Weisen, Gautama
brahma-gireḥ jagāma kailāsam
ging von Brahmagiri zum Kailāsa
ādhiṣṭhitam ugra-dhanvanā
dem vom Träger des furchtbaren Bogens bewohnten
sura-arcitam priyayā
von den Göttern verehrten, zusammen mit seiner Gattin
brahma-vṛndaiḥ
und Scharen von Brahmanen

[Anm.: Dieser Schlussvers besteht im Original aus vier Halbzeilen (a/b/c/d) in einem längeren Versmaß, wie bereits in Kap.71 (V9-10) und Kap.72 (V38) belegt.]

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