Kapitel 178: kaṇḍumunicaritaṃ viṣṇustotraṃ ca
Die Geschichte des Muni Kaṇḍu und der große Viṣṇu-Lobpreis
Umfangreiches Kapitel (194 Verse): auf Nachfrage der Munis erzählt Vyāsa die Geschichte des Ṛṣi Kaṇḍu, dessen gewaltige Askese die drei Welten erhitzt, sodass Indra die Apsaras Pramlocā entsendet, um sie zu stören. Mit Kāma, Vasanta und Vāyu verführt sie Kaṇḍu; die beiden verbringen, ohne dass er es bemerkt, insgesamt fast tausend Jahre zusammen. Als Kaṇḍu die verstrichene Zeit erfährt, verstößt er sie reuevoll; ihr Schweiß, an Bäumen abgewischt, wird zum Keim der Māriṣā, der späteren Mutter Dakṣas. Kaṇḍu selbst zieht darauf zum Puruṣottama-Kṣetra, übt dort das ,Brahma-Pāra'-Murmelgebet (ein dichtes Wortspiel-Hymnus auf ,para/pāra'), woraufhin ihm Viṣṇu persönlich erscheint. Es folgt ein sehr umfangreicher Lobpreis (Stotra, V.128-177) mit Hunderten von Epitheta, die Viṣṇu mit nahezu allen kosmischen Prinzipien, Zeiteinheiten, Veden, Elementen und Avatāras (Fisch, Schildkröte, Eber u.a.) identifizieren, gefolgt von Kaṇḍus Bitte um Erlösung; Viṣṇu verheißt ihm und allen Verehrern unabhängig von Stand oder Geburt die höchste Vollkommenheit. Kaṇḍu erlangt darauf durch gesammelte Meditation die Erlösung. Das Kapitel schließt mit einer Phalaśruti über die Frucht des Lesens/Hörens dieser Geschichte sowie einer abschließenden Zusammenfassung von ,Karmabhūmi', Mokṣa-Kṣetra und Puruṣottama. [Anm. zur Quelle: mehrfach (V.25, V.46) erscheint im Sanskrit-Text der Sprechertag ,{brahmovāca:}' an Stellen, wo der Inhalt eindeutig Indra/Śakra bzw. die reine Erzählerstimme Vyāsas ausweist — vermutlich eine Eigenheit oder ein Fehler der Quelle, hier jeweils mit [Anm.] vermerkt.]
Vyāsa sprach: An jenem Kṣetra, ihr besten der Munis, das allen Wesen Glück bringt, am Puruṣottama, das die Frucht von Dharma, Artha, Kāma und Mokṣa gewährt,
Wort für Wort
tasmin kṣetre muniśreṣṭhāḥ sarvasattvasukhāvahe
an jenem Kṣetra, ihr besten der Munis, das allen Wesen Glück bringt
dharmārthakāmamokṣāṇāṃ phalade puruṣottame
am Puruṣottama, das die Frucht von Dharma, Artha, Kāma und Mokṣa gewährt
überströmt von mancherlei Bäumen und Schlinggewächsen, geschmückt mit mancherlei Blumen, lieblich vom Ruf mancherlei Vögel, begleitet von mancherlei Wildtierherden,
Wort für Wort
nānādrumalatākīrṇe nānāpuṣpopaśobhite
überströmt von mancherlei Bäumen und Schlinggewächsen, geschmückt mit mancherlei Blumen
nānāpakṣirute ramye nānāmṛgagaṇānvite
lieblich vom Ruf mancherlei Vögel, begleitet von mancherlei Wildtierherden
grīṣme pañcatapā bhūtvā varṣāsu sthaṇḍileśayaḥ /
ārdravāsās tu hemante sa tepe sumahat tapaḥ //
im Sommer die Fünf-Feuer-Askese übend, in der Regenzeit auf bloßem Boden liegend, im Winter in nassem Gewand — so übte er eine überaus gewaltige Askese.
Wort für Wort
grīṣme pañcatapā bhūtvā varṣāsu sthaṇḍileśayaḥ
im Sommer die Fünf-Feuer-Askese übend, in der Regenzeit auf bloßem Boden liegend
ārdravāsās tu hemante sa tepe sumahat tapaḥ
im Winter in nassem Gewand — so übte er eine überaus gewaltige Askese
Nachdem Śakra, der Herr der drei Welten, ihre Absicht erkannt hatte, [rief er] die schönhüftige, mit Schönheit und Jugend stolze Apsaras namens Pramlocā,
Wort für Wort
jñātvā teṣām abhiprāyaṃ śakras tribhuvaneśvaraḥ
nachdem Śakra, der Herr der drei Welten, ihre Absicht erkannt hatte
pramlocākhyāṃ varārohāṃ rūpayauvanagarvitām
[rief er] die schönhüftige, mit Schönheit und Jugend stolze Apsaras namens Pramlocā
die schlankhüftige, mit anmutigen Schenkeln, mit vollen Hüften und Brüsten, mit allen Merkmalen ausgestattet — der Bezwinger von Pāka [Indra] sprach zu ihr:
Wort für Wort
sumadhyāṃ cārujaṅghāṃ tāṃ pīnaśroṇipayodharām
die schlankhüftige, mit anmutigen Schenkeln, mit vollen Hüften und Brüsten
sarvalakṣaṇasaṃpannāṃ provāca phalasūdanaḥ
mit allen Merkmalen ausgestattet — der Bezwinger von Pāka sprach zu ihr
Wenn jener Muni Kaṇḍu, von höchstem Glanz, aus Zorn erkennt, dass ich gekommen bin, um [seine Askese] zu stören, wird er einen unerträglichen Fluch aussprechen.
Wort für Wort
jñātvā māṃ sa muniḥ krodhād vighnārthaṃ samupāgatām
wenn jener Muni aus Zorn erkennt, dass ich gekommen bin, um [seine Askese] zu stören
kaṇḍuḥ paramatejasvī śāpaṃ dāsyati duḥsaham
wird Kaṇḍu, von höchstem Glanz, einen unerträglichen Fluch aussprechen
{brahmovāca:}
tasyās tad vacanaṃ śrutvā punaḥ prāha śacīpatiḥ /
tiṣṭhantu nāma cānyās tās tvaṃ cātra kuśalā śubhe //
Nachdem er ihr Wort gehört hatte, sprach der Gatte der Śacī [Indra] abermals: ,Mögen jene anderen [Apsaras] fürwahr bleiben — du bist ja hierin geschickt, o Holde.'
Wort für Wort
tasyās tad vacanaṃ śrutvā punaḥ prāha śacīpatiḥ
nachdem er ihr Wort gehört hatte, sprach der Gatte der Śacī abermals
tiṣṭhantu nāma cānyās tās tvaṃ cātra kuśalā śubhe
mögen jene anderen fürwahr bleiben — du bist ja hierin geschickt, o Holde
[Anm.: der Sprechertag im Quelltext lautet ,{brahmovāca:}', doch der Inhalt (,śacīpatiḥ' = Gatte der Śacī) weist eindeutig auf Śakra/Indra als Sprecher hin; wohl eine Eigenheit oder ein Fehler der Quelle.]
Sie erblickte, zusammen mit ihnen, den reizvollen Wald, dem Nandana[-Garten] gleich, reich an vortrefflichen Blumen aller Jahreszeiten, erfüllt von Scharen von Affen,
Wort für Wort
apaśyat sā vanaṃ ramyaṃ taiḥ sārdhaṃ nandanopamam
sie erblickte, zusammen mit ihnen, den reizvollen Wald, dem Nandana-Garten gleich
sarvartuvarapuṣpāḍhyaṃ śākhāmṛgagaṇākulam
reich an vortrefflichen Blumen aller Jahreszeiten, erfüllt von Scharen von Affen
heilig, mit der Kraft der Lotusteiche versehen, mit Sprösslingen und großer Kraft — [und sie vernahm] ohrenerfreuende, überaus süße Laute, aus den Schnäbeln der Vögel hervorgebracht,
Wort für Wort
puṇyaṃ padmabalopetaṃ sapallavamahābalam
heilig, mit der Kraft der Lotusteiche versehen, mit Sprösslingen und großer Kraft
śrotraramyān sumadhurāñ śabdān khagamukheritān
[und sie vernahm] ohrenerfreuende, überaus süße Laute, aus den Schnäbeln der Vögel hervorgebracht
[?: Bedeutung von 'padmabala' (wörtl. ,Lotus-Kraft/-Fülle') unsicher; hier als Fülle an Lotusteichen gedeutet.]
sarāṃsi ca manojñāni prasannasalilāni ca /
kumudaiḥ puṇḍarīkaiś ca tathā nīlotpalaiḥ śubhaiḥ //
Und liebliche Teiche, mit klarem Wasser, mit weißen Nachtlotusblumen (Kumuda), weißen Lotusblumen (Puṇḍarīka), ebenso schönen blauen Lotusblumen (Nīlotpala),
Wort für Wort
sarāṃsi ca manojñāni prasannasalilāni ca
und liebliche Teiche, mit klarem Wasser
kumudaiḥ puṇḍarīkaiś ca tathā nīlotpalaiḥ śubhaiḥ
mit weißen Nachtlotusblumen, weißen Lotusblumen, ebenso schönen blauen Lotusblumen
Nachdem sie so gesprochen hatte, und von den Göttern mit ,So sei es' geantwortet, ihr Zweifachgeborenen, erwiderte sie darauf: ,Heute werde ich dorthin gehen, wo jener Muni weilt.'
Wort für Wort
evam uktvā tadā sā tu tathety uktā surair dvijāḥ
nachdem sie so gesprochen hatte, und von den Göttern mit ,so sei es' geantwortet, ihr Zweifachgeborenen
pratyuvācādya yāsyāmi yatrāsau saṃsthito muniḥ
erwiderte sie darauf: heute werde ich dorthin gehen, wo jener Muni weilt
[Anm.: der Sprechertag ,{brahmovāca:}' erscheint auch hier, obgleich der Inhalt reine Erzählung in dritter Person ist (Vyāsas Fortsetzung der Handlung); vermutlich eine Eigenheit oder ein Fehler der Quelle.]
Heute werde ich jenen, der seinen Körper wie einen Wagen lenkt, dessen Sinnesrosse angeschirrt sind, dessen Zügel durch die Waffe des Liebesgottes gelöst werden, zu einem schlechten Wagenlenker machen.
Wort für Wort
adya taṃ dehayantāraṃ prayuktendriyavājinam
heute werde ich jenen, der seinen Körper wie einen Wagen lenkt, dessen Sinnesrosse angeschirrt sind
smaraśastragaladraśmiṃ kariṣyāmi kusārathim
dessen Zügel durch die Waffe des Liebesgottes gelöst werden, zu einem schlechten Wagenlenker machen
[Anm.: Bildrede vom Muni als Wagenlenker seines Körpers, dessen ,Sinnes-Rosse' durch Kāmas Waffe die Zügel verlieren.]
Nachdem sie dies gesagt hatte, ging sie darauf dorthin, wo jener Muni weilte — zu der Einsiedelei, in der durch die Kraft der Askese des Muni die wilden Tiere besänftigt waren.
Wort für Wort
ity uktvā prayayau sātha yatrāsau tiṣṭhate muniḥ
nachdem sie dies gesagt hatte, ging sie darauf dorthin, wo jener Muni weilte
munes tapaḥprabhāveṇa praśāntaśvāpadāśramam
zu der Einsiedelei, in der durch die Kraft der Askese des Muni die wilden Tiere besänftigt waren
Daraufhin, nachdem er den Klang des Gesangs gehört hatte, ging der Muni, mit erstauntem Geist, von den Pfeilen Kāmas gequält, dorthin, wo jene Schönbraue [Pramlocā] war.
Wort für Wort
tato gītadhvaniṃ śrutvā munir vismitamānasaḥ
daraufhin, nachdem er den Klang des Gesangs gehört hatte, [ging] der Muni, mit erstauntem Geist
jagāma yatra sā subhrūḥ kāmabāṇaprapīḍitaḥ
von den Pfeilen Kāmas gequält, dorthin, wo jene Schönbraue war
dṛṣṭvā tām āha saṃdṛṣṭo vismayotphullalocanaḥ /
bhraṣṭottarīyo vikalaḥ pulakāñcitavigrahaḥ //
Als er sie erblickte, und selbst erblickt wurde, sprach er, mit vor Staunen weitgeöffneten Augen, sein Obergewand verrutscht, fassungslos, den Körper von Haarsträuben ergriffen:
Wort für Wort
dṛṣṭvā tām āha saṃdṛṣṭo vismayotphullalocanaḥ
als er sie erblickte, und selbst erblickt wurde, sprach er, mit vor Staunen weitgeöffneten Augen
bhraṣṭottarīyo vikalaḥ pulakāñcitavigrahaḥ
sein Obergewand verrutscht, fassungslos, den Körper von Haarsträuben ergriffen
{ṛṣir uvāca:}
kāsi kasyāsi suśroṇi subhage cāruhāsini /
mano harasi me subhru brūhi satyaṃ sumadhyame //
Der Ṛṣi sprach: Wer bist du, wessen bist du, o Schönhüftige, Holde, mit anmutigem Lächeln? Du raubst mir das Herz, o Schönbrauige — sag die Wahrheit, o Schlankhüftige.
Wort für Wort
kāsi kasyāsi suśroṇi subhage cāruhāsini
wer bist du, wessen bist du, o Schönhüftige, Holde, mit anmutigem Lächeln
mano harasi me subhru brūhi satyaṃ sumadhyame
du raubst mir das Herz, o Schönbrauige — sag die Wahrheit, o Schlankhüftige
Pramlocā sprach: Ich bin deine Dienerin; um Blumen [zu sammeln] bin ich gekommen. Gib mir rasch einen Befehl — was soll ich auf deinen Auftrag hin tun?
Wort für Wort
tava karmakarā cāhaṃ puṣpārtham aham āgatā
ich bin deine Dienerin; um Blumen [zu sammeln] bin ich gekommen
ādeśaṃ dehi me kṣipraṃ kiṃ karomi tavājñayā
gib mir rasch einen Befehl — was soll ich auf deinen Auftrag hin tun
Vyāsa sprach: Nachdem er dieses ihr Wort gehört hatte, gab er, seine Standhaftigkeit aufgebend, ganz verblendet, jenes Mädchen bei der Hand nehmend, und betrat seine eigene Einsiedelei.
śaśaṃsuś ca hariṃ gatvā tasyās tasya ca ceṣṭitam /
śrutvā śakras tadā devāḥ prītāḥ sumanaso 'bhavan //
Und nachdem sie zu Indra gegangen waren, berichteten sie von ihrem und seinem Tun; als Śakra und die Götter dies hörten, wurden sie erfreut und wohlgesinnt.
Wort für Wort
śaśaṃsuś ca hariṃ gatvā tasyās tasya ca ceṣṭitam
und nachdem sie zu Indra gegangen waren, berichteten sie von ihrem und seinem Tun
śrutvā śakras tadā devāḥ prītāḥ sumanaso 'bhavan
als Śakra und die Götter dies hörten, wurden sie erfreut und wohlgesinnt
[Anm.: 'hariṃ' bezeichnet hier im Kontext (śakraḥ, devāḥ) Indra, nicht Viṣṇu — einer der Namen, die beiden Göttern gemeinsam sind.]
saṃdhyārātridivāpakṣa-māsartvayanahāyanam /
na bubodha gataṃ kālaṃ viṣayāsaktamānasaḥ //
Dämmerung, Nacht, Tag, Monatshälfte, Monat, Jahreszeit, Sonnenwende, Jahr — die verstrichene Zeit bemerkte er nicht, seinen Geist an Sinnesobjekte gebunden.
Wort für Wort
saṃdhyārātridivāpakṣa-māsartvayanahāyanam
Dämmerung, Nacht, Tag, Monatshälfte, Monat, Jahreszeit, Sonnenwende, Jahr
na bubodha gataṃ kālaṃ viṣayāsaktamānasaḥ
die verstrichene Zeit bemerkte er nicht, seinen Geist an Sinnesobjekte gebunden
Und sie, von den durch Kāma entstandenen Gefühlen entflammt, im Verborgenen, ihr Zweifachgeborenen, umwarb ihn, die Schönhüftige, damals kundig in verführerischer Rede.
Wort für Wort
sā ca taṃ kāmajair bhāvair vidagdhā rahasi dvijāḥ
und sie, von den durch Kāma entstandenen Gefühlen entflammt, im Verborgenen, ihr Zweifachgeborenen
varayām āsa suśroṇiḥ pralāpakuśalā tadā
umwarb ihn, die Schönhüftige, damals kundig in verführerischer Rede
tasya śāpabhayād bhīrur dākṣiṇyena ca dakṣiṇā /
proktā praṇayabhaṅgārti-vedinī na jahau munim //
Aus Furcht vor seinem Fluch, ängstlich, und aus Höflichkeit gefällig, so angesprochen, um den Schmerz des Bruchs der Zuneigung wissend, verließ sie den Muni nicht.
Wort für Wort
tasya śāpabhayād bhīrur dākṣiṇyena ca dakṣiṇā
aus Furcht vor seinem Fluch ängstlich, und aus Höflichkeit gefällig
proktā praṇayabhaṅgārti-vedinī na jahau munim
so angesprochen, um den Schmerz des Bruchs der Zuneigung wissend, verließ sie den Muni nicht
tayā ca ramatas tasya paramarṣer aharniśam /
navaṃ navam abhūt prema manmathāsaktacetasaḥ //
Und für ihn, den höchsten Ṛṣi, der sich Tag und Nacht mit ihr vergnügte, dessen Geist an den Liebesgott gebunden war, wurde die Liebe immer wieder neu.
Wort für Wort
tayā ca ramatas tasya paramarṣer aharniśam
und für ihn, den höchsten Ṛṣi, der sich Tag und Nacht mit ihr vergnügte
navaṃ navam abhūt prema manmathāsaktacetasaḥ
dessen Geist an den Liebesgott gebunden war, wurde die Liebe immer wieder neu
So von ihr angesprochen, sagte er: ,Der Tag hat sich gewendet, Holde; ich werde die Dämmerungsandacht verrichten, sonst würde ein Versäumnis der [rituellen] Handlung eintreten.'
Wort für Wort
ity uktaḥ sa tayā prāha parivṛttam ahaḥ śubhe
so von ihr angesprochen, sagte er: der Tag hat sich gewendet, Holde
saṃdhyopāstiṃ kariṣyāmi kriyālopo 'nyathā bhavet
ich werde die Dämmerungsandacht verrichten, sonst würde ein Versäumnis der Handlung eintreten
Darauf, lachend und froh, sprach sie zu jenem großen Muni: ,Was — heute hat sich für dich der Tag gewendet, o du Kenner aller Pflichten? Dass er [erst jetzt] vergangen ist — wen sollte das nicht in Staunen versetzen, wem sollte man das überhaupt erzählen?'
Wort für Wort
tataḥ prahasya muditā sā taṃ prāha mahāmunim
darauf, lachend und froh, sprach sie zu jenem großen Muni
kim adya sarvadharmajña parivṛttam ahas tava
was — heute hat sich für dich der Tag gewendet, o du Kenner aller Pflichten
gatam etan na kurute vismayaṃ kasya kathyate
dass er vergangen ist — wen sollte das nicht in Staunen versetzen, wem sollte man das erzählen
Der Muni sprach: Heute Morgen bist du gekommen, Gute, an dieses schöne Flussufer; ich habe dich gesehen, Schönhüftige, wie du meine Einsiedelei betreten hast.
Wort für Wort
prātas tvam āgatā bhadre nadītīram idaṃ śubham
heute Morgen bist du gekommen, Gute, an dieses schöne Flussufer
mayā dṛṣṭāsi suśroṇi praviṣṭā ca mamāśramam
ich habe dich gesehen, Schönhüftige, wie du meine Einsiedelei betreten hast
{pramlocovāca:}
pratyūṣasy āgatā brahman satyam etan na me mṛṣā /
kiṃtv adya tasya kālasya gatāny abdaśatāni te //
Pramlocā sprach: Im Morgengrauen bin ich gekommen, o Brahmane, das ist wahr, keine Lüge von mir; doch von jener Zeit an sind für dich hundert Jahre vergangen.
Wort für Wort
pratyūṣasy āgatā brahman satyam etan na me mṛṣā
im Morgengrauen bin ich gekommen, o Brahmane, das ist wahr, keine Lüge von mir
kiṃtv adya tasya kālasya gatāny abdaśatāni te
doch von jener Zeit an sind für dich hundert Jahre vergangen
Pramlocā sprach: Wie sollte ich hier vor dir Unwahrheit sprechen, o Brahmane, zumal ich heute von dir, der du dem [rechten] Pfad folgst, gefragt werde?
Wort für Wort
vadiṣyāmy anṛtaṃ brahman katham atra tavāntike
wie sollte ich hier vor dir Unwahrheit sprechen, o Brahmane
viśeṣād adya bhavatā pṛṣṭā mārgānugāminā
zumal ich heute von dir, der du dem rechten Pfad folgst, gefragt werde
{vyāsa uvāca:}
niśamya tad vacas tasyāḥ sa munir dvijasattamāḥ /
dhig dhiṅ mām ity anācāraṃ vinindyātmānam ātmanā //
Vyāsa sprach: Als er dieses ihr Wort vernahm, [rief] jener Muni, ihr besten der Zweifachgeborenen: ,Pfui, pfui über mich!' — sich selbst wegen seines Fehlverhaltens tadelnd,
Wort für Wort
niśamya tad vacas tasyāḥ sa munir dvijasattamāḥ
als er dieses ihr Wort vernahm, [rief] jener Muni, ihr besten der Zweifachgeborenen
dhig dhiṅ mām ity anācāraṃ vinindyātmānam ātmanā
pfui, pfui über mich — sich selbst wegen seines Fehlverhaltens tadelnd
Der Muni sprach: Meine Askese ist zunichte, der Reichtum der Brahma-Kenner ist vernichtet; von irgendjemandem wurde mir die Unterscheidungskraft geraubt — die Frau ist zur Verblendung erschaffen.
Wort für Wort
tapāṃsi mama naṣṭāni hataṃ brahmavidāṃ dhanam
meine Askese ist zunichte, der Reichtum der Brahma-Kenner ist vernichtet
hṛto vivekaḥ kenāpi yoṣin mohāya nirmitā
von irgendjemandem wurde mir die Unterscheidungskraft geraubt — die Frau ist zur Verblendung erschaffen
Das Brahman, das über die sechs Wellen [des Daseins] hinausgeht, sollte von mir durch Selbstbezwingung erkannt werden — [doch stattdessen wurde] mir dieser Gang [des Verfalls] bereitet — pfui über jenen gewaltigen Dämon der Begierde!
Wort für Wort
ūrmiṣaṭkātigaṃ brahma jñeyam ātmajayena me
das Brahman, das über die sechs Wellen hinausgeht, sollte von mir durch Selbstbezwingung erkannt werden
gatir eṣā kṛtā yena dhik taṃ kāmamahāgraham
[doch stattdessen wurde] mir dieser Gang bereitet — pfui über jenen gewaltigen Dämon der Begierde
[Anm.: die ,sechs Wellen' (ūrmiṣaṭka) sind eine geläufige Aufzählung der das verkörperte Dasein befallenden Übel (Hunger, Durst, Kummer, Verblendung, Alter, Tod).]
vinindyetthaṃ sa dharmajñaḥ svayam ātmānam ātmanā
tām apsarasam āsīnām idaṃ vacanam abravīt
{ṛṣir uvāca:}
gaccha pāpe yathākāmaṃ yat kāryaṃ tat tvayā kṛtam
devarājasya yat kṣobhaṃ kurvantyā bhāvaceṣṭitaiḥ
So sich selbst tadelnd, der Kenner des Dharma, sprach er zu jener sitzenden Apsaras dieses Wort: Der Ṛṣi sprach: ,Geh, Sünderin, wohin du willst; was zu tun war, ist von dir vollbracht — die Aufwiegelung des Götterkönigs, die du durch deine Gefühlsregungen und Gebärden bewirkt hast.'
Wort für Wort
vinindyetthaṃ sa dharmajñaḥ svayam ātmānam ātmanā
so sich selbst tadelnd, der Kenner des Dharma
tām apsarasam āsīnām idaṃ vacanam abravīt
sprach er zu jener sitzenden Apsaras dieses Wort
gaccha pāpe yathākāmaṃ yat kāryaṃ tat tvayā kṛtam
geh, Sünderin, wohin du willst; was zu tun war, ist von dir vollbracht
devarājasya yat kṣobhaṃ kurvantyā bhāvaceṣṭitaiḥ
die Aufwiegelung des Götterkönigs, die du durch deine Gefühlsregungen und Gebärden bewirkt hast
[Anm.: 4-pada Vers, pādaweise gezählt (BrP_178.94a-d); als eine Einheit mit vier wfw-Segmenten wiedergegeben. Der Sprecherwechsel zu ,{ṛṣir uvāca:}' erfolgt innerhalb des Verses, nach Pāda b.]
na tvāṃ karomy ahaṃ bhasma krodhatīvreṇa vahninā /
satāṃ sāptapadaṃ maitryam uṣito 'haṃ tvayā saha //
Ich werde dich nicht durch das heftige Feuer meines Zorns zu Asche machen; die Freundschaft der Guten [entsteht schon] durch sieben [gemeinsame] Schritte — und ich habe mit dir zusammengelebt.
Wort für Wort
na tvāṃ karomy ahaṃ bhasma krodhatīvreṇa vahninā
ich werde dich nicht durch das heftige Feuer meines Zorns zu Asche machen
satāṃ sāptapadaṃ maitryam uṣito 'haṃ tvayā saha
die Freundschaft der Guten entsteht schon durch sieben gemeinsame Schritte — und ich habe mit dir zusammengelebt
So wie von dir, die du das Wohlgefallen Śakras suchtest, der Verlust meiner Askese bewirkt wurde, so verabscheue ich mich selbst — durch diesen großen Verblendungssinn meines eigenen Blicks.
Wort für Wort
yathā śakrapriyārthinyā kṛto mattapaso vyayaḥ
so wie von dir, die du das Wohlgefallen Śakras suchtest, der Verlust meiner Askese bewirkt wurde
tvayā dṛṣṭimahāmoha-manunāhaṃ jugupsitaḥ
so verabscheue ich mich selbst — durch diesen großen Verblendungssinn meines eigenen Blicks
[?: die genaue syntaktische Konstruktion von 'tvayā ... jugupsitaḥ' (,von dir ... verabscheut' oder ,durch dich ... verabscheue ich [mich]') bleibt unsicher.]
Vyāsa sprach: Während jener Brahmanen-Ṛṣi so zu der Schlankhüftigen sprach, geriet sie ins Schwitzen, mit rinnendem Schweiß, und begann heftig zu zittern.
Wort für Wort
yāvad itthaṃ sa viprarṣis tāṃ bravīti sumadhyamām
während jener Brahmanen-Ṛṣi so zu der Schlankhüftigen sprach
tāvat skhalatsvedajalā sā babhūvātivepathuḥ
geriet sie ins Schwitzen, mit rinnendem Schweiß, und begann heftig zu zittern
Ein Mädchen namens Māriṣā entstand, der Bäume Tochter, schönäugig; sie wurde die Gattin der Prācetasas [Söhne des Pracetas] und die Mutter des Dakṣa, ihr Zweifachgeborenen.
Wort für Wort
māriṣā nāma kanyābhūd vṛkṣāṇāṃ cārulocanā
ein Mädchen namens Māriṣā entstand, der Bäume Tochter, schönäugig
prācetasānāṃ sā bhāryā dakṣasya jananī dvijāḥ
sie wurde die Gattin der Prācetasas und die Mutter des Dakṣa, ihr Zweifachgeborenen
überaus reizvoll, mit Sand bedeckt, geschmückt mit einem Ketakī-Hain, überströmt von mancherlei Bäumen und Schlinggewächsen, lieblich vom Ruf mancherlei Vögel, heilbringend,
Wort für Wort
suramyaṃ vālukākīrṇaṃ ketakīvanaśobhitam
überaus reizvoll, mit Sand bedeckt, geschmückt mit einem Ketakī-Hain
nānādrumalatākīrṇaṃ nānāpakṣirutaṃ śivam
überströmt von mancherlei Bäumen und Schlinggewächsen, lieblich vom Ruf mancherlei Vögel, heilbringend
überall angenehm zu durchwandern, mit Blüten aller Jahreszeiten versehen, den Menschen alles Glück gewährend, gesegnet, eine Fundgrube aller guten Eigenschaften.
Wort für Wort
sarvatra sukhasaṃcāraṃ sarvartukusumānvitam
überall angenehm zu durchwandern, mit Blüten aller Jahreszeiten versehen
sarvasaukhyapradaṃ nṝṇāṃ dhanyaṃ sarvaguṇākaram
den Menschen alles Glück gewährend, gesegnet, eine Fundgrube aller guten Eigenschaften
zuvor von Bhṛgu und anderen verehrt, ebenso von den vortrefflichen Munis und Siddhas, von Gandharvas, Kiṃnaras und Yakṣas, sowie von anderen, die nach Erlösung verlangen,
Wort für Wort
bhṛgvādyaiḥ sevitaṃ pūrvaṃ munisiddhavarais tathā
zuvor von Bhṛgu und anderen verehrt, ebenso von den vortrefflichen Munis und Siddhas
dadarśa ca hariṃ tatra devaiḥ sarvair alaṃkṛtam /
brāhmaṇādyais tathā varṇair āśramasthair niṣevitam //
und er erblickte dort Hari, von allen Göttern geschmückt, ebenso von den Ständen angefangen mit den Brahmanen, und von denen, die in den Lebensstufen stehen, verehrt.
Wort für Wort
dadarśa ca hariṃ tatra devaiḥ sarvair alaṃkṛtam
und er erblickte dort Hari, von allen Göttern geschmückt
Dort, mit gesammeltem Geist, verehrte er Hari, indem er, mit gesammeltem Sinn, ein aus dem ,Brahma-Pāra' [dem ,Jenseits des Brahman'] bestehendes Murmelgebet vollzog, mit erhobenen Armen dastehend als großer Yogi, jener beste der Munis.
Wort für Wort
tatraikāgramanā bhūtvā cakārārādhanaṃ hareḥ
dort, mit gesammeltem Geist, verehrte er Hari
brahmapāramayaṃ kurvañ japam ekāgramānasaḥ
indem er, mit gesammeltem Sinn, ein aus dem ,Brahma-Pāra' bestehendes Murmelgebet vollzog
ūrdhvabāhur mahāyogī sthitvāsau munisattamaḥ
mit erhobenen Armen dastehend als großer Yogi, jener beste der Munis
{vyāsa uvāca:}
pāraṃ paraṃ viṣṇur apārapāraḥ
paraḥ parebhyaḥ paramātmarūpaḥ
sa brahmapāraḥ parapārabhūtaḥ
paraḥ parāṇām api pārapāraḥ
Vyāsa sprach: Viṣṇu ist das Jenseits des Jenseits, das Ufer jenseits des Ufers, der Höchste über die Höchsten, von der Gestalt des höchsten Selbst; er ist das Brahma-Jenseits, der zum jenseitigen Ufer des Jenseits Gewordene, der Höchste selbst über die Höchsten hinaus, das Ufer jenseits des Ufers.
Wort für Wort
pāraṃ paraṃ viṣṇur apārapāraḥ
Viṣṇu ist das Jenseits des Jenseits, das Ufer jenseits des uferlosen Ufers
paraḥ parebhyaḥ paramātmarūpaḥ
der Höchste über die Höchsten, von der Gestalt des höchsten Selbst
sa brahmapāraḥ parapārabhūtaḥ
er ist das Brahma-Jenseits, der zum jenseitigen Ufer des Jenseits Gewordene
paraḥ parāṇām api pārapāraḥ
der Höchste selbst über die Höchsten hinaus, das Ufer jenseits des Ufers
[Anm.: 4-pada Vers mit dichtem Wortspiel auf 'para' (,jenseitig/höchst') und 'pāra' (,[jenseitiges] Ufer, Ende'), das sich einer wörtlichen Wiedergabe weitgehend entzieht; sinngemäß übertragen.]
sa kāraṇaṃ kāraṇasaṃśrito 'pi
tasyāpi hetuḥ parahetuhetuḥ
kāryo 'pi caiṣa saha karmakartṛ
rūpair anekair avatīha sarvam
Er ist die Ursache, obgleich er selbst scheinbar auf einer Ursache beruht; er ist auch von dieser die Ursache, die Ursache der höchsten Ursache; er ist auch Wirkung, zugleich aber Handelnder der Handlung; in vielfältigen Gestalten steigt er herab in dies Alles.
Wort für Wort
sa kāraṇaṃ kāraṇasaṃśrito 'pi
er ist die Ursache, obgleich er selbst scheinbar auf einer Ursache beruht
tasyāpi hetuḥ parahetuhetuḥ
er ist auch von dieser die Ursache, die Ursache der höchsten Ursache
kāryo 'pi caiṣa saha karmakartṛ
er ist auch Wirkung, zugleich aber Handelnder der Handlung
rūpair anekair avatīha sarvam
in vielfältigen Gestalten steigt er herab in dies Alles
[Anm.: 4-pada Vers, Fortsetzung des Brahma-Pāra-Hymnus.]
brahma prabhur brahma sa sarvabhūto
brahma prajānāṃ patir acyuto 'sau
brahmāvyayaṃ nityam ajaṃ sa viṣṇur
apakṣayādyair akhilair asaṅgaḥ
Brahman ist der Herr, Brahman ist er, der alle Wesen durchdringt; Brahman ist er, der Herr der Geschöpfe, der Unfehlbare; unvergängliches, ewiges, ungeborenes Brahman ist jener Viṣṇu, unberührt von Verfall und allem Derartigen.
Wort für Wort
brahma prabhur brahma sa sarvabhūto
Brahman ist der Herr, Brahman ist er, der alle Wesen durchdringt
brahma prajānāṃ patir acyuto 'sau
Brahman ist er, der Herr der Geschöpfe, der Unfehlbare
brahmāvyayaṃ nityam ajaṃ sa viṣṇur
unvergängliches, ewiges, ungeborenes Brahman ist jener Viṣṇu
apakṣayādyair akhilair asaṅgaḥ
unberührt von Verfall und allem Derartigen
[Anm.: 4-pada Vers, Fortsetzung des Brahma-Pāra-Hymnus.]
Vyāsa sprach: Nachdem er das Murmelgebet jenes Muni, das ,Brahma-Pāra', gehört hatte, ihr besten der Zweifachgeborenen, und dessen höchste, überaus feste Hingabe erkannt hatte, [erschien] Puruṣottama,
Wort für Wort
śrutvā tasya muner jāpyaṃ brahmapāraṃ dvijottamāḥ
nachdem er das Murmelgebet jenes Muni, das ,Brahma-Pāra', gehört hatte, ihr besten der Zweifachgeborenen
bhaktiṃ ca paramāṃ jñātvā sudṛḍhāṃ puruṣottamaḥ
und dessen höchste, überaus feste Hingabe erkannt hatte, [erschien] Puruṣottama
Der Erhabene Herr sprach: O Muni, sag mir dein höchstes Anliegen, das in deinem Sinn weilt; als Wunschgewährer bin ich zu dir gekommen — erbitte einen Wunsch, o du von gutem Gelübde.
Wort für Wort
mune brūhi paraṃ kāryaṃ yat te manasi vartate
o Muni, sag mir dein höchstes Anliegen, das in deinem Sinn weilt
varado 'ham anuprāpto varaṃ varaya suvrata
als Wunschgewährer bin ich zu dir gekommen — erbitte einen Wunsch, o du von gutem Gelübde
adya me saphalaṃ janma adya me saphalaṃ tapaḥ /
ity uktvā muniśārdūlās taṃ stotum upacakrame //
[Er sprach:] ,Heute ist meine Geburt fruchtbar geworden, heute ist meine Askese fruchtbar geworden' — so sprechend begann er, ihr Tiger unter den Munis, ihn zu preisen.
Wort für Wort
adya me saphalaṃ janma adya me saphalaṃ tapaḥ
heute ist meine Geburt fruchtbar geworden, heute ist meine Askese fruchtbar geworden
ity uktvā muniśārdūlās taṃ stotum upacakrame
so sprechend begann er, ihr Tiger unter den Munis, ihn zu preisen
{kaṇḍur uvāca:}
nārāyaṇa hare kṛṣṇa śrīvatsāṅka jagatpate /
jagadbīja jagaddhāma jagatsākṣin namo 'stu te //
Kaṇḍu sprach: O Nārāyaṇa, Hari, Kṛṣṇa, du mit dem Śrīvatsa-Zeichen, Herr der Welt, Same der Welt, Wohnstatt der Welt, Zeuge der Welt — Verehrung sei dir!
Wort für Wort
nārāyaṇa hare kṛṣṇa śrīvatsāṅka jagatpate
o Nārāyaṇa, Hari, Kṛṣṇa, du mit dem Śrīvatsa-Zeichen, Herr der Welt
jagadbīja jagaddhāma jagatsākṣin namo 'stu te
Same der Welt, Wohnstatt der Welt, Zeuge der Welt — Verehrung sei dir
anādyantāmṛtājeya jaya tvaṃ jayatāṃ vara /
ajitākhaṇḍa śrīkṛṣṇa śrīnivāsa namo 'stu te //
O ohne Anfang und Ende, Unsterblicher, Unbesiegbarer, Sieg sei dir, Bester der Sieger, Unbezwungener, Ungeteilter, glückhafter Kṛṣṇa, Wohnstatt der Śrī — Verehrung sei dir!
Wort für Wort
anādyantāmṛtājeya jaya tvaṃ jayatāṃ vara
o ohne Anfang und Ende, Unsterblicher, Unbesiegbarer, Sieg sei dir, Bester der Sieger
ajitākhaṇḍa śrīkṛṣṇa śrīnivāsa namo 'stu te
Unbezwungener, Ungeteilter, glückhafter Kṛṣṇa, Wohnstatt der Śrī — Verehrung sei dir
parjanyadharmakartā ca duṣpāra duradhiṣṭhita /
duḥkhārtināśana hare jalaśāyin namo 'stu te //
Und Schöpfer der Regenwolken-Ordnung, schwer zu durchqueren, schwer zu ergründen, Vernichter von Leid und Schmerz, Hari, im Wasser Ruhender — Verehrung sei dir!
Wort für Wort
parjanyadharmakartā ca duṣpāra duradhiṣṭhita
und Schöpfer der Regenwolken-Ordnung, schwer zu durchqueren, schwer zu ergründen
duḥkhārtināśana hare jalaśāyin namo 'stu te
Vernichter von Leid und Schmerz, Hari, im Wasser Ruhender — Verehrung sei dir
bhūtapāvyakta bhūteśa bhūtatattvair anākula /
bhūtādhivāsa bhūtātman bhūtagarbha namo 'stu te //
O Läuterer der Wesen, Unentfalteter, Herr der Wesen, unverwirrt von den Wesens-Prinzipien, Wohnstatt der Wesen, Selbst der Wesen, Schoß der Wesen — Verehrung sei dir!
Wort für Wort
bhūtapāvyakta bhūteśa bhūtatattvair anākula
o Läuterer der Wesen, Unentfalteter, Herr der Wesen, unverwirrt von den Wesens-Prinzipien
bhūtādhivāsa bhūtātman bhūtagarbha namo 'stu te
Wohnstatt der Wesen, Selbst der Wesen, Schoß der Wesen — Verehrung sei dir
yajñayajvan yajñadhara yajñadhātābhayaprada /
yajñagarbha hiraṇyāṅga pṛśnigarbha namo 'stu te //
O Opferer des Opfers, Träger des Opfers, Ordner des Opfers, Furchtlosigkeit-Gewährer, Schoß des Opfers, mit goldenem Leib, Schoß der Pṛśni — Verehrung sei dir!
Wort für Wort
yajñayajvan yajñadhara yajñadhātābhayaprada
o Opferer des Opfers, Träger des Opfers, Ordner des Opfers, Furchtlosigkeit-Gewährer
yajñagarbha hiraṇyāṅga pṛśnigarbha namo 'stu te
Schoß des Opfers, mit goldenem Leib, Schoß der Pṛśni — Verehrung sei dir
kṣetrajñaḥ kṣetrabhṛt kṣetrī kṣetrahā kṣetrakṛd vaśī /
kṣetrātman kṣetrarahita kṣetrasraṣṭre namo 'stu te //
Kenner des Feldes, Träger des Feldes, Feldherr, Zerstörer des Feldes, Schöpfer des Feldes, Beherrscher, Selbst des Feldes, frei vom Feld — dem Schöpfer des Feldes sei Verehrung!
guṇālaya guṇāvāsa guṇāśraya guṇāvaha /
guṇabhoktṛ guṇārāma guṇatyāgin namo 'stu te //
O Wohnstatt der Guṇas, Behausung der Guṇas, Zuflucht der Guṇas, Bringer der Guṇas, Genießer der Guṇas, dessen Wonne die Guṇas sind, Entsager der Guṇas — Verehrung sei dir!
Wort für Wort
guṇālaya guṇāvāsa guṇāśraya guṇāvaha
o Wohnstatt der Guṇas, Behausung der Guṇas, Zuflucht der Guṇas, Bringer der Guṇas
guṇabhoktṛ guṇārāma guṇatyāgin namo 'stu te
Genießer der Guṇas, dessen Wonne die Guṇas sind, Entsager der Guṇas — Verehrung sei dir
Du bist Viṣṇu, du bist Hari, der Diskusträger, du bist der Sieghafte, du bist Janārdana; du bist das Gewesene, du bist der Vaṣaṭ-Ruf, du bist das Zukünftige, du bist der Herr des Werdens.
Du bist der Schöpfer der Wesen, du bist der Unentfaltete, du bist das Werden, der Erhalter der Wesen bist du; du bist der Gott, der die Wesen hervorbringt — dich nennen sie den ungeborenen Gebieter.
Du bist der Endlose, der Dankbare, du bist die Urmaterie, du bist Vṛṣākapi; du bist Rudra, du bist der Unbezwingbare, du bist der Untrügliche, du bist der Gebieter.
Du bist Viśvakarman, der Sieghafte, du bist Śambhu, du bist von Stiergestalt; du bist Śaṃkara, du bist Uśanas, du bist die Wahrheit, du bist Askese und Volk.
Du bist der Welteneroberer, du bist Glück, du bist der Zufluchtswürdige, du bist das Unvergängliche; du bist Śambhu, und du bist der Selbstentstandene, du bist der Älteste, du bist das höchste Ziel.
Du bist Āditya, du bist die Silbe Oṃ, du bist der Lebensatem, du bist der Vernichter der Finsternis; du bist die Regenwolke, du bist der Berühmte, du bist der Ordner, du bist der Herr der Götter.
Du bist der Schöpfer, ebenso der Genießer, du bist der Opferpriester und die Opfergabe und das Opfer; du bist der Herr, du bist der Alldurchdringende, der Vortrefflichste, du bist der unfehlbare Herr der Welt.
Wort für Wort
tvaṃ sraṣṭā tvaṃ tathā bhoktā hotā tvaṃ ca haviḥ kratuḥ
du bist der Schöpfer, ebenso der Genießer, du bist der Opferpriester und die Opfergabe und das Opfer
Du bist der Alles-Sehende, Glanzvolle, du bist der Alles-Bezwinger, der Feindetöter; du bist der Tag, ebenso die Nacht — dich nennen die Weisen das Jahr.
Wort für Wort
tvaṃ sarvadarśanaḥ śrīmāṃs tvaṃ sarvadamano 'rihā
du bist der Alles-Sehende, Glanzvolle, du bist der Alles-Bezwinger, der Feindetöter
Du bist die Zeit, du bist Kalā und Kāṣṭhā, du bist Muhūrta, Augenblick und Lava; du bist das Kind, ebenso der Alte, du bist Mann, Frau und Geschlechtsloser.
Du bist der Schoß des Weltalls, du bist das Auge, du bist der Unbewegliche, du bist von reinem Ruhm; du bist der Ewige, der Unbesiegte, du bist Upendra, du bist der Höchste.
Du bist der allem Weltall Glück-Gebende, du bist das Veda-Glied, du bist der Unvergängliche; du bist der Veda-Kenner, du bist der Schöpfer, der Ordner, du bist der Gesammelte.
Du bist der Ozean bis zur Wurzel, du bist der Schöpfer, du bist wiederum Vasu; du bist der Arzt, und du bist der Selbstbeherrschte, du bist der jenseits der Sinne Erfahrbare.
Du bist der Anführer, der Dorfführer, du bist der Schönbeflügelte, du bist der Uranfängliche; du bist der Zusammenfasser, du bist das überaus Große, du bist der Selbstbeherrschte, du bist der Unfehlbare.
Du bist Yama, und du bist Niyama, du bist der Hochgewachsene, du bist der Vierarmige; du eben bist das innere Selbst der Nahrung, du wirst als das höchste Selbst bezeichnet.
Wort für Wort
tvaṃ yamas tvaṃ ca niyamas tvaṃ prāṃśus tvaṃ caturbhujaḥ
du bist Yama, und du bist Niyama, du bist der Hochgewachsene, du bist der Vierarmige
tvam evānnāntarātmā tvaṃ paramātmā tvam ucyate
du eben bist das innere Selbst der Nahrung, du wirst als das höchste Selbst bezeichnet
Du bist der Lehrer, du bist der höchste Lehrer, du bist der Linke, du bist der von rechts Umschreitende; du bist der Pippala-Baum, du bist der Berg, du bist der Entfaltete, du bist Prajāpati.
hiraṇyanābhas tvaṃ devas tvaṃ śaśī tvaṃ prajāpatiḥ /
anirdeśyavapus tvaṃ vai tvaṃ yamas tvaṃ surārihā //
Du bist der Gott mit goldenem Nabel, du bist der Mond, du bist Prajāpati; von unbeschreiblicher Gestalt bist du fürwahr, du bist Yama, du bist der Töter der Götterfeinde.
Wort für Wort
hiraṇyanābhas tvaṃ devas tvaṃ śaśī tvaṃ prajāpatiḥ
du bist der Gott mit goldenem Nabel, du bist der Mond, du bist Prajāpati
anirdeśyavapus tvaṃ vai tvaṃ yamas tvaṃ surārihā
von unbeschreiblicher Gestalt bist du fürwahr, du bist Yama, du bist der Töter der Götterfeinde
tvaṃ ca saṃkarṣaṇo devas tvaṃ kartā tvaṃ sanātanaḥ /
tvaṃ vāsudevo 'meyātmā tvam eva guṇavarjitaḥ //
Und du bist der Gott Saṃkarṣaṇa, du bist der Handelnde, du bist der Ewige; du bist Vāsudeva, von unermesslichem Selbst, du eben bist frei von den Guṇas.
Wort für Wort
tvaṃ ca saṃkarṣaṇo devas tvaṃ kartā tvaṃ sanātanaḥ
und du bist der Gott Saṃkarṣaṇa, du bist der Handelnde, du bist der Ewige
tvaṃ vāsudevo 'meyātmā tvam eva guṇavarjitaḥ
du bist Vāsudeva, von unermesslichem Selbst, du eben bist frei von den Guṇas
tvaṃ jyeṣṭhas tvaṃ variṣṭhas tvaṃ tvaṃ sahiṣṇuś ca mādhavaḥ /
sahasraśīrṣā tvaṃ devas tvam avyaktaḥ sahasradṛk //
Du bist der Älteste, du bist der Trefflichste, du bist der Geduldige, und Mādhava; der Gott mit tausend Häuptern bist du, du bist der Unentfaltete mit tausend Augen.
Wort für Wort
tvaṃ jyeṣṭhas tvaṃ variṣṭhas tvaṃ tvaṃ sahiṣṇuś ca mādhavaḥ
du bist der Älteste, du bist der Trefflichste, du bist der Geduldige, und Mādhava
sahasraśīrṣā tvaṃ devas tvam avyaktaḥ sahasradṛk
der Gott mit tausend Häuptern bist du, du bist der Unentfaltete mit tausend Augen
sahasrapādas tvaṃ devas tvaṃ virāṭ tvaṃ suraprabhuḥ /
tvam eva tiṣṭhase bhūyo devadeva daśāṅgulaḥ //
Der Gott mit tausend Füßen bist du, du bist Virāṭ, du bist der Herr der Götter; du eben verbleibst darüber hinaus, o Gott der Götter, als der Zehn-Finger-Große.
Wort für Wort
sahasrapādas tvaṃ devas tvaṃ virāṭ tvaṃ suraprabhuḥ
der Gott mit tausend Füßen bist du, du bist Virāṭ, du bist der Herr der Götter
tvam eva tiṣṭhase bhūyo devadeva daśāṅgulaḥ
du eben verbleibst darüber hinaus, o Gott der Götter, als der Zehn-Finger-Große
[Anm.: Anklang an den vedischen Puruṣa-sūkta (Ṛgveda 10.90), der den kosmischen Puruṣa mit tausend Häuptern, Augen und Füßen beschreibt, der die Erde ,zehn Finger breit' überragt.]
yad bhūtaṃ tat tvam evoktaḥ puruṣaḥ śakra uttamaḥ /
yad bhāvyaṃ tat tvam īśānas tvam ṛtas tvaṃ tathāmṛtaḥ //
Was gewesen ist, das bist eben du, genannt der höchste, mächtige Puruṣa; was werden wird, das bist du, der Gebieter, du bist die kosmische Ordnung, du bist ebenso der Unsterbliche.
Wort für Wort
yad bhūtaṃ tat tvam evoktaḥ puruṣaḥ śakra uttamaḥ
was gewesen ist, das bist eben du, genannt der höchste, mächtige Puruṣa
yad bhāvyaṃ tat tvam īśānas tvam ṛtas tvaṃ tathāmṛtaḥ
was werden wird, das bist du, der Gebieter, du bist die kosmische Ordnung, du bist ebenso der Unsterbliche
tvatto rohaty ayaṃ loko mahīyāṃs tvam anuttamaḥ /
tvaṃ jyāyān puruṣas tvaṃ ca tvaṃ deva daśadhā sthitaḥ //
Von dir wächst diese Welt hervor, du bist der Größte, der Unübertreffliche; du bist der überlegene Puruṣa, und du, o Gott, bestehst in zehnfacher Weise.
Wort für Wort
tvatto rohaty ayaṃ loko mahīyāṃs tvam anuttamaḥ
von dir wächst diese Welt hervor, du bist der Größte, der Unübertreffliche
tvaṃ jyāyān puruṣas tvaṃ ca tvaṃ deva daśadhā sthitaḥ
du bist der überlegene Puruṣa, und du, o Gott, bestehst in zehnfacher Weise
Als das Weltall gewordenes Wesen [bist du] zu einem Viertel; zu neun Teilen unsterblich im Himmel, zu neun Teilen im Luftraum weilend, der Puruṣa-hafte, Ewige,
Wort für Wort
viśvabhūtaś caturbhāgo navabhāgo 'mṛto divi
als das Weltall gewordenes Wesen [bist du] zu einem Viertel; zu neun Teilen unsterblich im Himmel
navabhāgo 'ntarikṣasthaḥ pauruṣeyaḥ sanātanaḥ
zu neun Teilen im Luftraum weilend, der Puruṣa-hafte, Ewige
[?: die genannten Bruchteile (ein Viertel / neun Teile / neun Teile / zwei Teile, s. V.160) stimmen nicht offensichtlich mit der klassischen Puruṣa-sūkta-Formel (Ṛgveda 10.90.3f.: drei Viertel unsterblich im Himmel, ein Viertel alle Wesen auf Erden) überein; möglicherweise abweichende oder verderbte Zählung.]
Von dir entstand die Nahrung der Götter, die gesprenkelte Butter (Pṛṣadājya); von dir entstanden die Kräuter der Dörfer und Wälder, Vieh, Wild und dergleichen.
Wort für Wort
tvattaḥ surāṇām āhāraḥ pṛṣadājyam ajāyata
von dir entstand die Nahrung der Götter, die gesprenkelte Butter
grāmyāraṇyāś cauṣadhayas tvattaḥ paśumṛgādayaḥ
von dir entstanden die Kräuter der Dörfer und Wälder, Vieh, Wild und dergleichen
dhyeyadhyānaparas tvaṃ ca kṛtavān asi cauṣadhīḥ /
tvaṃ devadeva saptāsya kālākhyo dīptavigrahaḥ //
Und du, dem Meditationsobjekt der Meditation zugetan, hast auch die Kräuter geschaffen; du bist, o Gott der Götter, der Siebengesichtige, ,Zeit' genannt, von lodernder Gestalt.
Wort für Wort
dhyeyadhyānaparas tvaṃ ca kṛtavān asi cauṣadhīḥ
und du, dem Meditationsobjekt der Meditation zugetan, hast auch die Kräuter geschaffen
tvaṃ devadeva saptāsya kālākhyo dīptavigrahaḥ
du bist, o Gott der Götter, der Siebengesichtige, ,Zeit' genannt, von lodernder Gestalt
Alles Bewegliche und Unbewegliche, diese ganze Welt, das Sich-Bewegende und Unbewegliche — von dir ist all dies entstanden, in dir ist alles gegründet.
Wort für Wort
jaṅgamājaṅgamaṃ sarvaṃ jagad etac carācaram
alles Bewegliche und Unbewegliche, diese ganze Welt, das Sich-Bewegende und Unbewegliche
namas te yogināṃ gamya yogāvāsa namo 'stu te /
gopate śrīpate viṣṇo namas te 'stu marutpate //
Verehrung dir, für die Yogis Erreichbarer, Wohnstatt des Yoga, Verehrung sei dir; Herr der Kühe/Hirten, Herr der Śrī, Viṣṇu, Verehrung sei dir, Herr der Maruts!
Wort für Wort
namas te yogināṃ gamya yogāvāsa namo 'stu te
Verehrung dir, für die Yogis Erreichbarer, Wohnstatt des Yoga, Verehrung sei dir
gopate śrīpate viṣṇo namas te 'stu marutpate
Herr der Kühe, Herr der Śrī, Viṣṇu, Verehrung sei dir, Herr der Maruts
namo 'stu te mahāmīna śrutipṛṣṭhadharācyuta /
samudrasalilakṣobha padmajāhlādakāriṇe //
Verehrung sei dir, großer Fisch, der du auf dem Rücken die [verlorenen] Veden trägst, Unfehlbarer; der du das Ozeanwasser aufwühlst, und dem Lotusgeborenen Freude bereitest,
Wort für Wort
namo 'stu te mahāmīna śrutipṛṣṭhadharācyuta
Verehrung sei dir, großer Fisch, der du auf dem Rücken die Veden trägst, Unfehlbarer
samudrasalilakṣobha padmajāhlādakāriṇe
der du das Ozeanwasser aufwühlst, und dem Lotusgeborenen Freude bereitest
[Anm.: Anspielung auf die Matsya-Avatāra-Erzählung, in der Viṣṇu als Fisch die verlorenen Veden bewahrt und dem lotusgeborenen Brahmā zurückgibt.]
namo 'nantāya sūkṣmāya mukhyāya ca varāya ca /
paramāṇusvarūpāya yogigamyāya te namaḥ //
Verehrung dem Endlosen, dem Feinen, dem Vorzüglichen und dem Vortrefflichen; dem, dessen Gestalt das kleinste Atom ist, dem für Yogis Erreichbaren, sei Verehrung!
Wort für Wort
namo 'nantāya sūkṣmāya mukhyāya ca varāya ca
Verehrung dem Endlosen, dem Feinen, dem Vorzüglichen und dem Vortrefflichen
paramāṇusvarūpāya yogigamyāya te namaḥ
dem, dessen Gestalt das kleinste Atom ist, dem für Yogis Erreichbaren, sei Verehrung
Ihm sei Verehrung, dem Ursprung der Ursache, dem Wohnsitz des Wandels der Herrscher unter den Yogis, dem überaus schwer zu Erkennenden, dem auf dem Lager der großen Schlange im Milchozean Ruhenden — dir sei Verehrung, dem mit goldenen, juwelenreichen Ohrringen Geschmückten!
Wort für Wort
tasmai namaḥ kāraṇakāraṇāya
ihm sei Verehrung, dem Ursprung der Ursache
yogīndravṛttanilayāya sudurvidāya
dem Wohnsitz des Wandels der Herrscher unter den Yogis, dem überaus schwer zu Erkennenden
kṣīrārṇavāśritamahāhisutalpagāya
dem auf dem Lager der großen Schlange im Milchozean Ruhenden
tubhyaṃ namaḥ kanakaratnasukuṇḍalāya
dir sei Verehrung, dem mit goldenen, juwelenreichen Ohrringen Geschmückten
[Anm.: 4-pada Vers, Abschluss des Stotra, pādaweise gezählt (BrP_178.177a-d).]
Kaṇḍu sprach: In diesem Weltkreislauf, o Herr der Welt, schwer zu durchqueren, haarsträubend, vergänglich, voller Leid, den Bananenblättern gleich [d.h. ohne festen Kern],
Wort für Wort
saṃsāre 'smiñ jagannātha dustare lomaharṣaṇe
in diesem Weltkreislauf, o Herr der Welt, schwer zu durchqueren, haarsträubend
anitye duḥkhabahule kadalīdalasaṃnibhe
vergänglich, voller Leid, den Bananenblättern gleich
Zu dir bin ich heute, o Herr der Götter, von der Furcht vor dem Weltkreislauf gequält, als Zuflucht gegangen, Kṛṣṇa — errette mich aus dem Ozean des Daseins.
Wort für Wort
tvām ahaṃ cādya deveśa saṃsārabhayapīḍitaḥ
zu dir bin ich heute, o Herr der Götter, von der Furcht vor dem Weltkreislauf gequält
gato 'smi śaraṇaṃ kṛṣṇa mām uddhara bhavārṇavāt
als Zuflucht gegangen, Kṛṣṇa — errette mich aus dem Ozean des Daseins
Ich möchte zu deinem höchsten, ewigen Zustand gehen, o Herr der Götter, durch deine Gnade — [zu jenem Zustand], von dem eine Wiederkehr schwer erlangbar ist.
Wort für Wort
gantum icchāmi paramaṃ padaṃ yat te sanātanam
ich möchte zu deinem höchsten, ewigen Zustand gehen, o Herr der Götter
prasādāt tava deveśa punarāvṛttidurlabham
durch deine Gnade — zu jenem Zustand, von dem eine Wiederkehr schwer erlangbar ist
Der Erhabene Herr sprach: Du bist mein Verehrer, bester der Munis; verehre mich beständig — durch meine Gnade wirst du gewiss die ersehnte Erlösung erlangen.
Wort für Wort
bhakto 'si me muniśreṣṭha mām ārādhaya nityaśaḥ
du bist mein Verehrer, bester der Munis; verehre mich beständig
Meine Verehrer — seien es Kṣatriyas, Vaiśyas, Frauen, Śūdras oder in niedrigster Geburt Geborene — erlangen die höchste Vollkommenheit; wie viel mehr dann du, bester der Zweifachgeborenen!
śvapāko 'pi ca madbhaktaḥ samyak śraddhāsamanvitaḥ /
prāpnoty abhimatāṃ siddhim anyeṣāṃ tatra kā kathā //
Selbst ein Hundekocher [ein Ausgestoßener], wenn er mein Verehrer ist, mit rechtem Glauben versehen, erlangt die ersehnte Vollkommenheit — was ist da erst von anderen zu sagen?
Wort für Wort
śvapāko 'pi ca madbhaktaḥ samyak śraddhāsamanvitaḥ
selbst ein Hundekocher, wenn er mein Verehrer ist, mit rechtem Glauben versehen
prāpnoty abhimatāṃ siddhim anyeṣāṃ tatra kā kathā
erlangt die ersehnte Vollkommenheit — was ist da erst von anderen zu sagen
{vyāsa uvāca:}
evam uktvā tu taṃ viprāḥ sa devo bhaktavatsalaḥ /
durvijñeyagatir viṣṇus tatraivāntaradhīyata //
Vyāsa sprach: Nachdem er so zu ihm gesprochen hatte, o Brahmanen, verschwand jener Gott, den Ergebenen zugetan, Viṣṇu, dessen Weg schwer zu erkennen ist, eben dort.
Wort für Wort
evam uktvā tu taṃ viprāḥ sa devo bhaktavatsalaḥ
nachdem er so zu ihm gesprochen hatte, o Brahmanen, [verschwand] jener Gott, den Ergebenen zugetan
durvijñeyagatir viṣṇus tatraivāntaradhīyata
Viṣṇu, dessen Weg schwer zu erkennen ist, verschwand eben dort
Nachdem er alle Sinne gebändigt hatte, frei von Mein-Gefühl, frei von Ich-Bezogenheit, mit gesammeltem Geist, jenen Puruṣottama vollständig betrachtend,
Wort für Wort
sarvendriyāṇi saṃyamya nirmamo nirahaṃkṛtiḥ
nachdem er alle Sinne gebändigt hatte, frei von Mein-Gefühl, frei von Ich-Bezogenheit
ekāgramānasaḥ samyag dhyātvā taṃ puruṣottamam
mit gesammeltem Geist, jenen Puruṣottama vollständig betrachtend
[betrachtete er ihn als] unbefleckt, ohne Eigenschaften, friedvoll, im bloßen Sein gegründet — und erlangte die höchste Erlösung, die selbst für die Götter schwer erreichbar ist.
Wort für Wort
nirlepaṃ nirguṇaṃ śāntaṃ sattāmātravyavasthitam
unbefleckt, ohne Eigenschaften, friedvoll, im bloßen Sein gegründet
avāpa paramaṃ mokṣaṃ surāṇām api durlabham
erlangte er die höchste Erlösung, die selbst für die Götter schwer erreichbar ist
Diejenigen, die den Allwaltenden erblicken, den Wunschgewährer preisen, den Erlösung-Gebenden betrachten, mit Hingabe den ,glückhaften Puruṣottama' genannten, Alterlosen, den das Leid des Weltkreislaufs Vertreibenden,
Wort für Wort
ye paśyanti vibhuṃ stuvanti varadaṃ dhyāyanti muktipradaṃ
diejenigen, die den Allwaltenden erblicken, den Wunschgewährer preisen, den Erlösung-Gebenden betrachten
te bhuktvā manujendrabhogam amalāḥ svarge ca divyaṃ sukhaṃ /
paścād yānti samastadoṣarahitāḥ sthānaṃ harer avyayam //
jene genießen, makellos, die Genüsse eines Menschenfürsten und im Himmel göttliches Glück, und gehen danach, frei von allen Fehlern, zum unvergänglichen Ort Haris ein.
Wort für Wort
te bhuktvā manujendrabhogam amalāḥ svarge ca divyaṃ sukhaṃ
jene genießen, makellos, die Genüsse eines Menschenfürsten und im Himmel göttliches Glück