Quellen der Menschheit

Brahma-Purāṇa

Kapitel 40: dakṣakṛtaśivasahasranāmastavavarṇanam Dakṣas Lobpreis der 1008 Namen Śivas und die Aufteilung des Fieber-Wesens

Dakṣa preist den siegreichen Śiva mit einer umfangreichen Litanei von Namen und Epitheta (V.2-100) - kosmische Identifikationen (Elemente, Zeitmaße, Veden, Himmelsrichtungen), ikonographische Beinamen und eine abschließende captatio benevolentiae, in der er seine Auslassung Śivas mit dessen Allgegenwart bzw. der eigenen Verblendung erklärt. Śiva zeigt sich versöhnt, verheißt Dakṣa reichen Opferlohn und kündigt das Pāśupata-Gelübde an (V.101-110). Anschließend teilt er das aus Vīrabhadras Zorn entstandene Fieber-Wesen (Jvara, vgl. Kap.39) unter den verschiedenen Klassen von Lebewesen auf - bei Elefanten, Schlangen, Rindern, Pferden, Pfauen, Kuckucken, Papageien, Tigern und Menschen erscheint es je in eigener Gestalt (V.111-119). Es folgen mehrere Phalaśruti-Verse zum Nutzen des Rezitierens sowohl der Jvara-Entstehungserzählung als auch von Dakṣas Lobpreis selbst (V.120-137), mit einem kurzen Hervortreten der Rahmenerzähler-Ebene (Vyāsa) in V.135.

evaṃ dṛṣṭvā tadā dakṣaḥ śaṃbhor vīryaṃ dvijottamāḥ / prāñjaliḥ praṇato bhūtvā saṃstotum upacakrame //

Als Dakṣa da, oh beste der Brahmanen, Śambhus Macht gesehen hatte, begann er, mit gefalteten Händen sich verneigend, ihn zu preisen.

Wort für Wort
evam dṛṣṭvā tadā dakṣaḥ
als Dakṣa da so gesehen hatte
śaṃbhoḥ vīryam
Śambhus Macht
dvijottamāḥ
oh beste der Brahmanen
prāñjaliḥ praṇataḥ bhūtvā
mit gefalteten Händen sich verneigend
saṃstotum upacakrame
begann er zu preisen

[Anm.: Es folgt Dakṣas Lobpreis mit den 1008 Namen Śivas, wie in Kap.39, V.97 verheißen.]

{dakṣa uvāca:} namas te devadeveśa namas te 'ndhakasūdana / devendra tvaṃ balaśreṣṭha devadānavapūjita //

{Dakṣa sprach:} Verehrung dir, o Herr der Götterherren, Verehrung dir, o Vernichter Andhakas! Du bist der Götterfürst, der Beste an Kraft, von Göttern und Dānavas verehrt.

Wort für Wort
namaḥ te devadeveśa
Verehrung dir, o Herr der Götterherren
namaḥ te andhakasūdana
Verehrung dir, o Vernichter Andhakas
devendra
o Götterfürst
tvam balaśreṣṭha
du, der Beste an Kraft
devadānavapūjita
von Göttern und Dānavas verehrt

sahasrākṣa virūpākṣa tryakṣa yakṣādhipapriya / sarvataḥpāṇipādas tvaṃ sarvatokṣiśiromukhaḥ //

O Tausendäugiger, Entstelltäugiger, Dreiäugiger, dem Herrn der Yakṣas Lieber! Du hast überall Hände und Füße, überall Augen, Häupter und Münder.

Wort für Wort
sahasrākṣa
o Tausendäugiger
virūpākṣa
o Entstelltäugiger
tryakṣa
o Dreiäugiger
yakṣādhipapriya
dem Herrn der Yakṣas Lieber
sarvataḥpāṇipādaḥ tvam
du hast überall Hände und Füße
sarvatokṣiśiromukhaḥ
überall Augen, Häupter und Münder

sarvataḥśrutimāṃl loke sarvam āvṛtya tiṣṭhasi / śaṅkukarṇo mahākarṇaḥ kumbhakarṇo 'rṇavālayaḥ //

Überall Ohren habend in der Welt, verweilst du, alles umhüllend; du bist Spitzohr, Großohr, Krugohr, dessen Wohnstatt der Ozean ist.

Wort für Wort
sarvataḥśrutimān loke
überall Ohren habend in der Welt
sarvam āvṛtya tiṣṭhasi
verweilst du, alles umhüllend
śaṅkukarṇaḥ
Spitzohr
mahākarṇaḥ
Großohr
kumbhakarṇaḥ
Krugohr
arṇavālayaḥ
dessen Wohnstatt der Ozean ist

gajendrakarṇo gokarṇaḥ śatakarṇo namo 'stu te / śatodaraḥ śatāvartaḥ śatajihvaḥ sanātanaḥ //

Elefantenohr, Kuhohr, Hundertohr - Verehrung sei dir! Hundertbäuchig, hundertwendig, hundertzüngig, der Ewige.

Wort für Wort
gajendrakarṇaḥ
Elefantenohr
gokarṇaḥ
Kuhohr
śatakarṇaḥ
Hundertohr
namaḥ astu te
Verehrung sei dir
śatodaraḥ
Hundertbäuchig
śatāvartaḥ
hundertwendig
śatajihvaḥ
hundertzüngig
sanātanaḥ
der Ewige

gāyanti tvāṃ gāyatriṇo arcayanty arkam arkiṇaḥ / devadānavagoptā ca brahmā ca tvaṃ śatakratuḥ //

Dich besingen die Gāyatrī-Sänger, dich als die Sonne verehren die Sonnenverehrer; du bist Beschützer von Göttern und Dānavas, und du bist Brahmā und Śatakratu (Indra).

Wort für Wort
gāyanti tvām gāyatriṇaḥ
dich besingen die Gāyatrī-Sänger
arcayanti arkam arkiṇaḥ
dich als Sonne verehren die Sonnenverehrer
devadānavagoptā ca
und der Beschützer von Göttern und Dānavas
brahmā ca tvam śatakratuḥ
und du bist Brahmā und Śatakratu (Indra)

mūrtimāṃs tvaṃ mahāmūrtiḥ samudraḥ sarasāṃ nidhiḥ / tvayi sarvā devatā hi gāvo goṣṭha ivāsate //

Du bist verkörpert, von großer Gestalt, der Ozean, die Schatzkammer der Seen; in dir weilen alle Gottheiten wie Kühe im Kuhstall.

Wort für Wort
mūrtimān tvam
du bist verkörpert
mahāmūrtiḥ
von großer Gestalt
samudraḥ
der Ozean
sarasām nidhiḥ
die Schatzkammer der Seen
tvayi sarvāḥ devatāḥ hi
in dir fürwahr alle Gottheiten
gāvaḥ goṣṭhe iva āsate
weilen wie Kühe im Kuhstall

tvattaḥ śarīre paśyāmi somam agnijaleśvaram / ādityam atha viṣṇuṃ ca brahmāṇaṃ sabṛhaspatim //

In deinem Leib erblicke ich Soma, den Herrn von Feuer und Wasser, ferner Āditya, Viṣṇu, Brahmā und Bṛhaspati mit ihm.

Wort für Wort
tvattaḥ śarīre paśyāmi
in deinem Leib erblicke ich
somam agnijaleśvaram
Soma, den Herrn von Feuer und Wasser
ādityam atha viṣṇum ca
ferner Āditya und Viṣṇu
brahmāṇam sabṛhaspatim
Brahmā mit Bṛhaspati

kriyā karaṇakārye ca kartā kāraṇam eva ca / asac ca sadasac caiva tathaiva prabhavāvyayau //

Du bist die Handlung, das Werkzeug und die Wirkung, der Handelnde und die Ursache; das Nicht-Seiende und das Seiend-Nichtseiende, ebenso Entstehen und Vergehen.

Wort für Wort
kriyā karaṇakārye ca
die Handlung, das Werkzeug und die Wirkung
kartā kāraṇam eva ca
der Handelnde und die Ursache
asat ca sadasat ca eva
das Nicht-Seiende und das Seiend-Nichtseiende
tathā eva prabhavāvyayau
ebenso Entstehen und Vergehen

namo bhavāya śarvāya rudrāya varadāya ca / paśūnāṃ pataye caiva namo 'stv andhakaghātine //

Verehrung dem Bhava, dem Śarva, dem Rudra, dem Segenspender! Verehrung sei dem Herrn der Geschöpfe und dem Töter Andhakas!

Wort für Wort
namaḥ bhavāya śarvāya rudrāya varadāya
Verehrung dem Bhava, Śarva, Rudra, Segenspender
paśūnām pataye ca eva
und auch dem Herrn der Geschöpfe
namaḥ astu andhakaghātine
Verehrung sei dem Töter Andhakas

trijaṭāya triśīrṣāya triśūlavaradhāriṇe / tryambakāya trinetrāya tripuraghnāya vai namaḥ //

Dem mit dreifachem Haarschopf, dem Dreiköpfigen, dem Träger des vortrefflichen Dreizacks; dem Tryambaka, dem Dreiäugigen, dem Vernichter der drei Städte sei fürwahr Verehrung!

Wort für Wort
trijaṭāya
dem mit dreifachem Haarschopf
triśīrṣāya
dem Dreiköpfigen
triśūlavaradhāriṇe
dem Träger des vortrefflichen Dreizacks
tryambakāya
dem Tryambaka
trinetrāya
dem Dreiäugigen
tripuraghnāya vai namaḥ
dem Vernichter der drei Städte fürwahr Verehrung

namaś caṇḍāya muṇḍāya viśvacaṇḍadharāya ca / daṇḍine śaṅkukarṇāya daṇḍidaṇḍāya vai namaḥ //

Verehrung dem Wilden, dem Kahlen, dem Träger allumfassender Wildheit; dem Stabträger, dem Spitzohr, dem Stab des Todesstabhalters sei fürwahr Verehrung!

Wort für Wort
namaḥ caṇḍāya
Verehrung dem Wilden
muṇḍāya
dem Kahlen
viśvacaṇḍadharāya
dem Träger allumfassender Wildheit
daṇḍine
dem Stabträger
śaṅkukarṇāya
dem Spitzohr
daṇḍidaṇḍāya vai namaḥ
dem Stab des Stabträgers fürwahr Verehrung

namo 'rdhadaṇḍikeśāya śuṣkāya vikṛtāya ca / vilohitāya dhūmrāya nīlagrīvāya vai namaḥ //

Verehrung dem Herrn des halben Stabes, dem Ausgedörrten, dem Entstellten; dem Rötlichen, dem Rauchfarbenen, dem Blauhalsigen sei fürwahr Verehrung!

Wort für Wort
namaḥ ardhadaṇḍikeśāya
Verehrung dem Herrn des halben Stabes
śuṣkāya
dem Ausgedörrten
vikṛtāya
dem Entstellten
vilohitāya
dem Rötlichen
dhūmrāya
dem Rauchfarbenen
nīlagrīvāya vai namaḥ
dem Blauhalsigen fürwahr Verehrung

namo 'stv apratirūpāya virūpāya śivāya ca / sūryāya sūryapataye sūryadhvajapatākine //

Verehrung sei dem Unvergleichlichen, dem Ungestalten und dem Śiva; der Sonne, dem Herrn der Sonne, dem Träger des Sonnenbanners!

Wort für Wort
namaḥ astu apratirūpāya
Verehrung sei dem Unvergleichlichen
virūpāya śivāya ca
und dem Ungestalten, dem Śiva
sūryāya sūryapataye
der Sonne, dem Herrn der Sonne
sūryadhvajapatākine
dem Träger des Sonnenbanners

namaḥ pramathanāśāya vṛṣaskandhāya vai namaḥ / namo hiraṇyagarbhāya hiraṇyakavacāya ca //

Verehrung dem Vernichter durch die Pramathas [?], dem Stier-Schulterigen sei fürwahr Verehrung! Verehrung dem Goldkeim und dem golden Gepanzerten!

Wort für Wort
namaḥ pramathanāśāya
Verehrung dem Vernichter durch die Pramathas [?]
vṛṣaskandhāya vai namaḥ
dem Stier-Schulterigen fürwahr Verehrung
namaḥ hiraṇyagarbhāya
Verehrung dem Goldkeim
hiraṇyakavacāya ca
und dem golden Gepanzerten

[?: 'pramathanāśāya' unklar - evtl. 'der Vernichtung durch die Pramathas' oder 'dem die Pramathas Vernichtenden'.]

hiraṇyakṛtacūḍāya hiraṇyapataye namaḥ / śatrughātāya caṇḍāya parṇasaṃghaśayāya ca //

Dem mit goldenem Haarschopf, dem Herrn des Goldes sei Verehrung; dem Feindetöter, dem Wilden, dem auf Blätterhaufen Ruhenden!

Wort für Wort
hiraṇyakṛtacūḍāya
dem mit goldenem Haarschopf
hiraṇyapataye namaḥ
dem Herrn des Goldes Verehrung
śatrughātāya
dem Feindetöter
caṇḍāya
dem Wilden
parṇasaṃghaśayāya ca
und dem auf Blätterhaufen Ruhenden

namaḥ stutāya stutaye stūyamānāya vai namaḥ / sarvāya sarvabhakṣāya sarvabhūtāntarātmane //

Verehrung dem Gepriesenen, dem Lobpreis, dem, der gepriesen wird, sei fürwahr Verehrung! Dem Allumfassenden, dem Allesverzehrenden, der inneren Seele aller Wesen!

Wort für Wort
namaḥ stutāya stutaye
Verehrung dem Gepriesenen, dem Lobpreis
stūyamānāya vai namaḥ
dem Gepriesen-Werdenden fürwahr Verehrung
sarvāya sarvabhakṣāya
dem Allumfassenden, dem Allesverzehrenden
sarvabhūtāntarātmane
der inneren Seele aller Wesen

namo homāya mantrāya śukladhvajapatākine / namo 'namyāya namyāya namaḥ kilakilāya ca //

Verehrung dem Feueropfer, dem Mantra, dem Träger des weißen Banners! Verehrung dem Unbeugsamen und dem Beugsamen, Verehrung dem Kilakilā(-Ruf)!

Wort für Wort
namaḥ homāya mantrāya
Verehrung dem Feueropfer, dem Mantra
śukladhvajapatākine
dem Träger des weißen Banners
namaḥ anamyāya namyāya
Verehrung dem Unbeugsamen und dem Beugsamen
namaḥ kilakilāya ca
und Verehrung dem Kilakilā-Ruf

namas tvāṃ śayamānāya śayitāyotthitāya ca / sthitāya dhāvamānāya kubjāya kuṭilāya ca //

Verehrung dir, dem sich Niederlegenden, dem Liegenden und dem Aufgestandenen; dem Stehenden, dem Laufenden, dem Bucklig-Gekrümmten und dem Verschlagenen!

Wort für Wort
namaḥ tvām śayamānāya
Verehrung dir, dem sich Niederlegenden
śayitāya utthitāya ca
dem Liegenden und dem Aufgestandenen
sthitāya dhāvamānāya
dem Stehenden, dem Laufenden
kubjāya kuṭilāya ca
dem Bucklig-Gekrümmten und dem Verschlagenen

namo nartanaśīlāya mukhavāditrakāriṇe / bādhāpahāya lubdhāya gītavāditrakāriṇe //

Verehrung dem, dessen Wesen das Tanzen ist, dem Munds-Instrument-Spieler; dem Beseitiger von Bedrängnis, dem Begehrlichen, dem Gesang-und-Instrument-Spieler!

Wort für Wort
namaḥ nartanaśīlāya
Verehrung dem, dessen Wesen das Tanzen ist
mukhavāditrakāriṇe
dem Munds-Instrument-Spieler
bādhāpahāya lubdhāya
dem Beseitiger von Bedrängnis, dem Begehrlichen
gītavāditrakāriṇe
dem Gesang-und-Instrument-Spieler

namo jyeṣṭhāya śreṣṭhāya balapramathanāya ca / ugrāya ca namo nityaṃ namaś ca daśabāhave //

Verehrung dem Ältesten, dem Besten, dem Zerstörer der (Dämonen-)Kraft; und stets Verehrung dem Schrecklichen, und Verehrung dem Zehnarmigen!

Wort für Wort
namaḥ jyeṣṭhāya śreṣṭhāya
Verehrung dem Ältesten, dem Besten
balapramathanāya ca
und dem Zerstörer der Kraft
ugrāya ca namaḥ nityam
und stets Verehrung dem Schrecklichen
namaḥ ca daśabāhave
und Verehrung dem Zehnarmigen

namaḥ kapālahastāya sitabhasmapriyāya ca / vibhīṣaṇāya bhīmāya bhīṣmavratadharāya ca //

Verehrung dem mit Schädel in der Hand, dem die weiße Asche Liebenden; dem Furchterregenden, dem Schrecklichen, dem Träger des Bhīṣma-Gelübdes!

Wort für Wort
namaḥ kapālahastāya
Verehrung dem mit Schädel in der Hand
sitabhasmapriyāya ca
und dem die weiße Asche Liebenden
vibhīṣaṇāya bhīmāya
dem Furchterregenden, dem Schrecklichen
bhīṣmavratadharāya ca
und dem Träger des Bhīṣma-Gelübdes

nānāvikṛtavaktrāya khaḍgajihvogradaṃṣṭriṇe / pakṣamāsalavārdhāya tumbīvīṇāpriyāya ca //

Dem mit mancherlei entstelltem Antlitz, dem Schwertzüngigen, Furchtzahnigen; dem, dessen Flügel-Monats-Zeitmaß halbiert ist [?], dem die Kürbislaute Liebenden!

Wort für Wort
nānāvikṛtavaktrāya
dem mit mancherlei entstelltem Antlitz
khaḍgajihvogradaṃṣṭriṇe
dem Schwertzüngigen, Furchtzahnigen
pakṣamāsalavārdhāya
dem die Hälfte des Flügel-Monats-Zeitmaßes Betreffenden [?]
tumbīvīṇāpriyāya ca
und dem die Kürbislaute Liebenden

[?: 'pakṣamāsalavārdhāya' unsicheres Kompositum, wörtlich etwa 'dem die Hälfte des Flügel-Monats-Zeitmaßes Betreffenden'; Bedeutung unklar, evtl. kalendarische Anspielung.]

aghoraghorarūpāya ghorāghoratarāya ca / namaḥ śivāya śāntāya namaḥ śāntatamāya ca //

Dem in nicht-schrecklicher und schrecklicher Gestalt, dem Schrecklichen und noch Schrecklicheren; Verehrung dem Śiva, dem Friedvollen, Verehrung dem Allerfriedvollsten!

Wort für Wort
aghoraghorarūpāya
dem in nicht-schrecklicher und schrecklicher Gestalt
ghorāghoratarāya ca
und dem Schrecklichen und noch Schrecklicheren
namaḥ śivāya śāntāya
Verehrung dem Śiva, dem Friedvollen
namaḥ śāntatamāya ca
und Verehrung dem Allerfriedvollsten

namo buddhāya śuddhāya saṃvibhāgapriyāya ca / pavanāya pataṃgāya namaḥ sāṃkhyaparāya ca //

Verehrung dem Erwachten, dem Reinen, dem die gerechte Verteilung Liebenden; dem Wind, dem Vogel, Verehrung dem im Sāṃkhya Erfahrenen!

Wort für Wort
namaḥ buddhāya śuddhāya
Verehrung dem Erwachten, dem Reinen
saṃvibhāgapriyāya ca
und dem die Verteilung Liebenden
pavanāya pataṃgāya
dem Wind, dem Vogel
namaḥ sāṃkhyaparāya ca
und Verehrung dem im Sāṃkhya Erfahrenen

namaś caṇḍaikaghaṇṭāya ghaṇṭājalpāya ghaṇṭine / sahasraśataghaṇṭāya ghaṇṭāmālāpriyāya ca //

Verehrung dem mit der einen wilden Glocke, dem Glockengeklapper, dem Glockenträger; dem mit hunderttausend Glocken, dem die Glockengirlande Liebenden!

Wort für Wort
namaḥ caṇḍaikaghaṇṭāya
Verehrung dem mit der einen wilden Glocke
ghaṇṭājalpāya ghaṇṭine
dem Glockengeklapper, dem Glockenträger
sahasraśataghaṇṭāya
dem mit hunderttausend Glocken
ghaṇṭāmālāpriyāya ca
und dem die Glockengirlande Liebenden

prāṇadaṇḍāya nityāya namas te lohitāya ca / hūṃhūṃkārāya rudrāya bhagākārapriyāya ca //

Dem Lebensatem-Stab, dem Ewigen, Verehrung dir und dem Rötlichen; dem 'Hūṃ-Hūṃ'-Rufer, dem Rudra, dem die Bhaga-Gestalt Liebenden [?]!

Wort für Wort
prāṇadaṇḍāya nityāya
dem Lebensatem-Stab, dem Ewigen
namaḥ te lohitāya ca
Verehrung dir und dem Rötlichen
hūṃhūṃkārāya rudrāya
dem 'Hūṃ-Hūṃ'-Rufer, dem Rudra
bhagākārapriyāya ca
und dem die Bhaga-Gestalt Liebenden [?]

[?: 'bhagākārapriyāya' unklar, evtl. Anspielung auf das Yoni-Symbol oder eine sonst nicht belegte Bezeichnung.]

namo 'pāravate nityaṃ girivṛkṣapriyāya ca / namo yajñādhipataye bhūtāya prasutāya ca //

Verehrung stets dem Grenzenlosen, dem Berg-und-Baum-Liebenden; Verehrung dem Herrn des Opfers, dem Gewordenen und dem Hervorgebrachten!

Wort für Wort
namaḥ apāravate nityam
Verehrung stets dem Grenzenlosen
girivṛkṣapriyāya ca
und dem Berg-und-Baum-Liebenden
namaḥ yajñādhipataye
Verehrung dem Herrn des Opfers
bhūtāya prasutāya ca
und dem Gewordenen, dem Hervorgebrachten

yajñavāhāya dāntāya tapyāya ca bhagāya ca / namas taṭāya taṭyāya taṭinīpataye namaḥ //

Dem Opfer-Träger, dem Gezähmten, dem zu Erhitzenden und dem Bhaga; Verehrung dem Ufer, dem Ufer-Zugehörigen, Verehrung dem Herrn der Flüsse!

Wort für Wort
yajñavāhāya dāntāya
dem Opfer-Träger, dem Gezähmten
tapyāya ca bhagāya ca
und dem zu Erhitzenden, dem Bhaga
namaḥ taṭāya taṭyāya
Verehrung dem Ufer, dem Ufer-Zugehörigen
taṭinīpataye namaḥ
Verehrung dem Herrn der Flüsse

annadāyānnapataye namas tv annabhujāya ca / namaḥ sahasraśīrṣāya sahasracaraṇāya ca //

Dem Speise-Geber, dem Herrn der Speise, Verehrung dir und dem Speise-Genießenden; Verehrung dem Tausendhäuptigen und dem Tausendfüßigen!

Wort für Wort
annadāya annapataye
dem Speise-Geber, dem Herrn der Speise
namaḥ tu annabhujāya ca
und Verehrung dem Speise-Genießenden
namaḥ sahasraśīrṣāya
Verehrung dem Tausendhäuptigen
sahasracaraṇāya ca
und dem Tausendfüßigen

sahasroddhataśūlāya sahasranayanāya ca / namo bālārkavarṇāya bālarūpadharāya ca //

Dem mit tausend erhobenen Speeren, und dem Tausendäugigen; Verehrung dem von der Farbe der jungen Sonne, dem Kindesgestalt-Träger!

Wort für Wort
sahasroddhataśūlāya
dem mit tausend erhobenen Speeren
sahasranayanāya ca
und dem Tausendäugigen
namaḥ bālārkavarṇāya
Verehrung dem von der Farbe der jungen Sonne
bālarūpadharāya ca
und dem Kindesgestalt-Träger

namo bālārkarūpāya bālakrīḍanakāya ca / namaḥ śuddhāya buddhāya kṣobhaṇāya kṣayāya ca //

Verehrung dem in Gestalt der jungen Sonne, dem im Kinderspiel Befindlichen; Verehrung dem Reinen, dem Erwachten, dem Erregenden und dem Vernichter!

Wort für Wort
namaḥ bālārkarūpāya
Verehrung dem in Gestalt der jungen Sonne
bālakrīḍanakāya ca
und dem im Kinderspiel Befindlichen
namaḥ śuddhāya buddhāya
Verehrung dem Reinen, dem Erwachten
kṣobhaṇāya kṣayāya ca
und dem Erregenden, dem Vernichter

taraṃgāṅkitakeśāya muktakeśāya vai namaḥ / namaḥ ṣaṭkarmaniṣṭhāya trikarmaniyatāya ca //

Dem mit wellengezeichnetem Haar, dem mit offenem Haar sei fürwahr Verehrung! Verehrung dem in den sechs rituellen Handlungen Feststehenden und dem an die drei Handlungen Gebundenen!

Wort für Wort
taraṃgāṅkitakeśāya
dem mit wellengezeichnetem Haar
muktakeśāya vai namaḥ
dem mit offenem Haar fürwahr Verehrung
namaḥ ṣaṭkarmaniṣṭhāya
Verehrung dem in den sechs Handlungen Feststehenden
trikarmaniyatāya ca
und dem an die drei Handlungen Gebundenen

varṇāśramāṇāṃ vidhivat pṛthagdharmapravartine / namaḥ śreṣṭhāya jyeṣṭhāya namaḥ kalakalāya ca //

Dem, der den Kasten und Lebensstufen vorschriftsmäßig je eigene Pflichten verordnet; Verehrung dem Besten, dem Ältesten, Verehrung dem Kalakalā(-Ruf)!

Wort für Wort
varṇāśramāṇām vidhivat
den Kasten und Lebensstufen vorschriftsmäßig
pṛthagdharmapravartine
dem, der je eigene Pflichten verordnet
namaḥ śreṣṭhāya jyeṣṭhāya
Verehrung dem Besten, dem Ältesten
namaḥ kalakalāya ca
und Verehrung dem Kalakalā-Ruf

śvetapiṅgalanetrāya kṛṣṇaraktekṣaṇāya ca / dharmakāmārthamokṣāya krathāya krathanāya ca //

Dem mit weißen und rötlich-braunen Augen, und mit schwarzen und roten Blicken; dem Verkörperer von Recht, Begehren, Besitz und Erlösung, dem Vernichter und Vernichten selbst!

Wort für Wort
śvetapiṅgalanetrāya
dem mit weißen und rötlich-braunen Augen
kṛṣṇaraktekṣaṇāya ca
und mit schwarzen und roten Blicken
dharmakāmārthamokṣāya
dem (Verkörperer von) Recht, Begehren, Besitz, Erlösung
krathāya krathanāya ca
dem Vernichter und dem Vernichten

sāṃkhyāya sāṃkhyamukhyāya yogādhipataye namaḥ / namo rathyādhirathyāya catuṣpathapathāya ca //

Dem Sāṃkhya, dem Ersten der Sāṃkhya-Lehre, Verehrung dem Herrn des Yoga! Verehrung dem Weg-über-Weg-Gehenden [?] und dem auf dem Vierwege-Weg Befindlichen!

Wort für Wort
sāṃkhyāya sāṃkhyamukhyāya
dem Sāṃkhya, dem Ersten der Sāṃkhya-Lehre
yogādhipataye namaḥ
Verehrung dem Herrn des Yoga
namaḥ rathyādhirathyāya
Verehrung dem Weg-über-Weg-Gehenden [?]
catuṣpathapathāya ca
und dem auf dem Vierwege-Weg Befindlichen

[?: 'rathyādhirathyāya' unklares Kompositum, wörtlich etwa 'dem auf der Fahrstraße über der Fahrstraße Befindlichen'.]

kṛṣṇājinottarīyāya vyālayajñopavītine / īśāna rudrasaṃghāta harikeśa namo 'stu te //

Dem mit schwarzem Fell als Obergewand, dem die Schlange als heilige Schnur Tragenden; o Īśāna, o Zusammenballung der Rudras, o Grünhaariger, Verehrung sei dir!

Wort für Wort
kṛṣṇājinottarīyāya
dem mit schwarzem Fell als Obergewand
vyālayajñopavītine
dem die Schlange als heilige Schnur Tragenden
īśāna
o Īśāna
rudrasaṃghāta
o Zusammenballung der Rudras
harikeśa
o Grünhaariger
namaḥ astu te
Verehrung sei dir

tryambakāyāmbikānātha vyaktāvyakta namo 'stu te / kālakāmadakāmaghna duṣṭodvṛttaniṣūdana //

Dem Tryambaka, o Herr Ambikās, dem Offenbaren-und-Unoffenbaren, Verehrung sei dir; o Vernichter von Zeit, Kāma und Begierde [?], o Bezwinger der Bösen und Aufrührerischen!

Wort für Wort
tryambakāya
dem Tryambaka
ambikānātha
o Herr Ambikās
vyaktāvyakta namaḥ astu te
dem Offenbaren-Unoffenbaren Verehrung sei dir
kālakāmadakāmaghna
o Vernichter von Zeit, Kāma und Begierde [?]
duṣṭodvṛttaniṣūdana
o Bezwinger der Bösen und Aufrührerischen

[?: 'kālakāmadakāmaghna' unsicher segmentiert; hier als 'Vernichter von Zeit, Kāma (Gott der Begierde) und Kāma (Begierde)' gedeutet.]

sarvagarhita sarvaghna sadyojāta namo 'stu te / unmādana śatāvarta- gaṅgātoyārdramūrdhaja //

O von allen Getadelter, Vernichter von allem, Sadyojāta, Verehrung sei dir; o Berauschender, mit hundertfachem Wirbel, mit vom Gaṅgā-Wasser feuchtem Haupthaar!

Wort für Wort
sarvagarhita
o von allen Getadelter
sarvaghna
o Vernichter von allem
sadyojāta namaḥ astu te
o Sadyojāta, Verehrung sei dir
unmādana
o Berauschender
śatāvarta
o mit hundertfachem Wirbel
gaṅgātoyārdramūrdhaja
o mit vom Gaṅgā-Wasser feuchtem Haupthaar

candrārdhasaṃyugāvarta meghāvarta namo 'stu te / namo 'nnadānakartre ca annadaprabhave namaḥ //

O mit dem Wirbel der Vereinigung mit dem Halbmond, o Wolkenwirbel, Verehrung sei dir; Verehrung dem Bewirker der Speise-Gabe und dem, aus dem die Speise-Gabe entsteht!

Wort für Wort
candrārdhasaṃyugāvarta
o mit dem Wirbel der Vereinigung mit dem Halbmond
meghāvarta namaḥ astu te
o Wolkenwirbel, Verehrung sei dir
namaḥ annadānakartre ca
und Verehrung dem Bewirker der Speise-Gabe
annadaprabhave namaḥ
Verehrung dem, aus dem die Speise-Gabe entsteht

annabhoktre ca goptre ca tvam eva pralayānala / jarāyujāṇḍajāś caiva svedajodbhijja eva ca //

Dem Speise-Genießer und dem Beschützer; du selbst bist das Weltuntergangsfeuer, und die aus Mutterleib, Ei, Schweiß und Keim Geborenen;

Wort für Wort
annabhoktre ca goptre ca
dem Speise-Genießer und dem Beschützer
tvam eva pralayānala
du selbst bist das Weltuntergangsfeuer
jarāyujāṇḍajāḥ ca eva
und die aus Mutterleib und Ei Geborenen
svedajodbhijjaḥ eva ca
und die aus Schweiß und Keim Geborenen

tvam eva devadeveśa bhūtagrāmaś caturvidhaḥ / carācarasya sraṣṭā tvaṃ pratihartā tvam eva ca //

du selbst, o Herr der Götterherren, bist die viergeteilte Schar der Wesen; du bist der Schöpfer des Beweglichen und Unbeweglichen, und du selbst bist auch der Zerstörer;

Wort für Wort
tvam eva devadeveśa
du selbst, o Herr der Götterherren
bhūtagrāmaḥ caturvidhaḥ
die viergeteilte Schar der Wesen
carācarasya sraṣṭā tvam
du bist der Schöpfer des Beweglichen und Unbeweglichen
pratihartā tvam eva ca
und du selbst bist auch der Zerstörer

tvam eva brahmā viśveśa apsu brahma vadanti te / sarvasya paramā yoniḥ sudhāṃśo jyotiṣāṃ nidhiḥ //

du selbst bist Brahmā, o Herr des Alls - im Wasser nennen sie dich das Brahman; die höchste Quelle von allem, o Nektarstrahliger, Schatzkammer der Lichter;

Wort für Wort
tvam eva brahmā viśveśa
du selbst bist Brahmā, o Herr des Alls
apsu brahma vadanti te
im Wasser nennen sie dich das Brahman
sarvasya paramā yoniḥ
die höchste Quelle von allem
sudhāṃśo jyotiṣām nidhiḥ
o Nektarstrahliger, Schatzkammer der Lichter

ṛksāmāni tathauṃkāram āhus tvāṃ brahmavādinaḥ / hāyi hāyi hare hāyi huvāhāveti vāsakṛt //

die Ṛk- und Sāma-(Verse) und ebenso das Oṃkāra nennen dich die Brahman-Kundigen; du bist der, der die Rufe 'hāyi hāyi hare hāyi huvāhāve' erschallen lässt;

Wort für Wort
ṛksāmāni tathā oṃkāram
die Ṛk- und Sāma-Verse und ebenso das Oṃkāra
āhuḥ tvām brahmavādinaḥ
nennen dich die Brahman-Kundigen
hāyi hāyi hare hāyi huvāhāve iti vāsakṛt
der die Rufe 'hāyi hāyi hare hāyi huvāhāve' erschallen lässt

gāyanti tvāṃ suraśreṣṭhāḥ sāmagā brahmavādinaḥ / yajurmaya ṛṅmayaś ca sāmātharvayutas tathā //

dich besingen die besten der Götter, die Sāman-Sänger und Brahman-Kundigen; du bestehst aus dem Yajus, dem Ṛc, und ebenso bist du mit dem Sāman und Atharvan verbunden;

Wort für Wort
gāyanti tvām suraśreṣṭhāḥ
dich besingen die besten der Götter
sāmagā brahmavādinaḥ
die Sāman-Sänger und Brahman-Kundigen
yajurmayaḥ ṛṅmayaḥ ca
du bestehst aus dem Yajus und dem Ṛc
sāmātharvayutaḥ tathā
und bist mit dem Sāman und Atharvan verbunden

paṭhyase brahmavidbhis tvaṃ kalpopaniṣadāṃ gaṇaiḥ / brāhmaṇāḥ kṣatriyā vaiśyāḥ śūdrā varṇāśramāś ca ye //

du wirst von den Brahman-Kennern rezitiert, mit den Scharen der Kalpas und Upaniṣaden; die Brahmanen, Kṣatriyas, Vaiśyas, Śūdras und die Kasten-und-Lebensstufen, welche es gibt -

Wort für Wort
paṭhyase brahmavidbhiḥ tvam
du wirst von den Brahman-Kennern rezitiert
kalpopaniṣadām gaṇaiḥ
mit den Scharen der Kalpas und Upaniṣaden
brāhmaṇāḥ kṣatriyāḥ vaiśyāḥ śūdrāḥ
die Brahmanen, Kṣatriyas, Vaiśyas, Śūdras
varṇāśramāḥ ca ye
und die Kasten-und-Lebensstufen, welche es gibt

tvam evāśramasaṃghāś ca vidyut stanitam eva ca / saṃvatsaras tvam ṛtavo māsā māsārdham eva ca //

du selbst bist die Gesamtheit der Lebensstufen und der Blitz und ebenso der Donner; du bist das Jahr, die Jahreszeiten, die Monate und ebenso der Halbmonat;

Wort für Wort
tvam eva āśramasaṃghāḥ ca
du selbst bist die Gesamtheit der Lebensstufen
vidyut stanitam eva ca
und der Blitz und ebenso der Donner
saṃvatsaraḥ tvam ṛtavaḥ māsāḥ
du bist das Jahr, die Jahreszeiten, die Monate
māsārdham eva ca
und ebenso der Halbmonat

kalā kāṣṭhā nimeṣāś ca nakṣatrāṇi yugāni ca / vṛṣāṇāṃ kakudaṃ tvaṃ hi girīṇāṃ śikharāṇi ca //

die Zeitmaße Kalā, Kāṣṭhā, die Augenblicke, die Mondhäuser und die Weltzeitalter; du bist fürwahr der Buckel der Stiere und die Gipfel der Berge;

Wort für Wort
kalā kāṣṭhā nimeṣāḥ ca
die Kalā, Kāṣṭhā, die Augenblicke
nakṣatrāṇi yugāni ca
die Mondhäuser und die Weltzeitalter
vṛṣāṇām kakudam tvam hi
du bist fürwahr der Buckel der Stiere
girīṇām śikharāṇi ca
und die Gipfel der Berge

siṃho mṛgāṇāṃ patayas takṣakānantabhoginām / kṣīrodo hy udadhīnāṃ ca mantrāṇāṃ praṇavas tathā //

der Löwe unter den Tieren, die Herren Takṣaka und Ananta unter den Schlangenwesen; fürwahr der Milchozean unter den Ozeanen und ebenso das Praṇava (Oṃ) unter den Mantras;

Wort für Wort
siṃhaḥ mṛgāṇām
der Löwe unter den Tieren
patayaḥ takṣakānantabhoginām
die Herren Takṣaka und Ananta unter den Schlangenwesen
kṣīrodaḥ hi udadhīnām ca
fürwahr der Milchozean unter den Ozeanen
mantrāṇām praṇavaḥ tathā
und das Praṇava unter den Mantras

vajraṃ praharaṇānāṃ ca vratānāṃ satyam eva ca / tvam evecchā ca dveṣaś ca rāgo mohaḥ śamaḥ kṣamā //

der Vajra unter den Waffen und ebenso die Wahrheit unter den Gelübden; du selbst bist Begierde und Abneigung, Leidenschaft, Verblendung, Gelassenheit und Geduld.

Wort für Wort
vajram praharaṇānām ca
der Vajra unter den Waffen
vratānām satyam eva ca
und die Wahrheit unter den Gelübden
tvam eva icchā ca dveṣaḥ ca
du selbst bist Begierde und Abneigung
rāgaḥ mohaḥ śamaḥ kṣamā
Leidenschaft, Verblendung, Gelassenheit, Geduld

vyavasāyo dhṛtir lobhaḥ kāmakrodhau jayājayau / tvaṃ gadī tvaṃ śarī cāpī khaṭvāṅgī mudgarī tathā //

Entschlossenheit, Standhaftigkeit, Gier, Begierde und Zorn, Sieg und Niederlage (bist du); du bist der Keulenträger, der Pfeilträger, der Bogenschütze, der Totenbett-Keulen-Träger und ebenso der Hammerträger.

Wort für Wort
vyavasāyaḥ dhṛtiḥ lobhaḥ
Entschlossenheit, Standhaftigkeit, Gier
kāmakrodhau jayājayau
Begierde-Zorn, Sieg-Niederlage
tvam gadī tvam śarī cāpī
du bist Keulenträger, Pfeilträger, Bogenschütze
khaṭvāṅgī mudgarī tathā
Totenbett-Keulen-Träger und Hammerträger

chettā bhettā prahartā ca netā mantāsi no mataḥ / daśalakṣaṇasaṃyukto dharmo 'rthaḥ kāma eva ca //

Der Zerschneider, der Durchbohrer, der Angreifer und der Führer, der Denkende bist du, wie wir meinen; verbunden mit den zehn Merkmalen bist du das Recht, der Besitz und ebenso das Begehren.

Wort für Wort
chettā bhettā prahartā ca
der Zerschneider, Durchbohrer, Angreifer
netā mantā asi naḥ mataḥ
der Führer, Denkende bist du, wie wir meinen
daśalakṣaṇasaṃyuktaḥ
verbunden mit den zehn Merkmalen
dharmaḥ arthaḥ kāmaḥ eva ca
das Recht, der Besitz und das Begehren

induḥ samudraḥ saritaḥ palvalāni sarāṃsi ca / latāvallyas tṛṇauṣadhyaḥ paśavo mṛgapakṣiṇaḥ //

Der Mond, der Ozean, die Flüsse, Teiche und Seen; die Ranken und Schlingpflanzen, Gräser und Kräuter, das Vieh, die Wildtiere und Vögel (bist du).

Wort für Wort
induḥ samudraḥ saritaḥ
der Mond, der Ozean, die Flüsse
palvalāni sarāṃsi ca
Teiche und Seen
latāvallyaḥ tṛṇauṣadhyaḥ
die Ranken und Schlingpflanzen, Gräser und Kräuter
paśavaḥ mṛgapakṣiṇaḥ
das Vieh, die Wildtiere und Vögel

dravyakarmaguṇārambhaḥ kālapuṣpaphalapradaḥ / ādiś cāntaś ca madhyaś ca gāyatry oṃkāra eva ca //

Der Beginn von Substanz, Handlung und Eigenschaft, der Geber von Zeit, Blüte und Frucht; der Anfang, das Ende und die Mitte, die Gāyatrī und ebenso das Oṃkāra (bist du).

Wort für Wort
dravyakarmaguṇārambhaḥ
der Beginn von Substanz, Handlung und Eigenschaft
kālapuṣpaphalapradaḥ
der Geber von Zeit, Blüte und Frucht
ādiḥ ca antaḥ ca madhyaḥ ca
der Anfang, das Ende und die Mitte
gāyatrī oṃkāraḥ eva ca
die Gāyatrī und das Oṃkāra

harito lohitaḥ kṛṣṇo nīlaḥ pītas tathā kṣaṇaḥ / kadruś ca kapilo babhruḥ kapoto macchakas tathā //

Grünlich, rötlich, schwarz, blau und gelb, und ebenso der Augenblick (bist du); rötlichbraun, hellbraun, rotbraun, taubenfarben und ebenso fischfarben.

Wort für Wort
haritaḥ lohitaḥ kṛṣṇaḥ
grünlich, rötlich, schwarz
nīlaḥ pītaḥ tathā kṣaṇaḥ
blau, gelb und ebenso der Augenblick
kadruḥ ca kapilaḥ babhruḥ
rötlichbraun, hellbraun, rotbraun
kapotaḥ macchakaḥ tathā
taubenfarben und fischfarben

suvarṇaretā vikhyātaḥ suvarṇaś cāpy atho mataḥ / suvarṇanāmā ca tathā suvarṇapriya eva ca //

Berühmt als der mit goldenem Samen, und auch als golden geltend; mit dem Namen 'Gold' und ebenso das Gold liebend.

Wort für Wort
suvarṇaretāḥ vikhyātaḥ
berühmt als der mit goldenem Samen
suvarṇaḥ ca api atho mataḥ
und auch als golden geltend
suvarṇanāmā ca tathā
und mit dem Namen 'Gold'
suvarṇapriyaḥ eva ca
und das Gold liebend

tvam indraś ca yamaś caiva varuṇo dhanado 'nalaḥ / utphullaś citrabhānuś ca svarbhānur bhānur eva ca //

Du bist Indra und ebenso Yama, Varuṇa, der Reichtumsgeber und Agni; der Aufblühende, der mit wunderbarem Glanz, Svarbhānu und ebenso die Sonne selbst.

Wort für Wort
tvam indraḥ ca yamaḥ ca eva
du bist Indra und ebenso Yama
varuṇaḥ dhanadaḥ analaḥ
Varuṇa, der Reichtumsgeber, Agni
utphullaḥ citrabhānuḥ ca
der Aufblühende, der mit wunderbarem Glanz
svarbhānuḥ bhānuḥ eva ca
Svarbhānu und die Sonne selbst

hotraṃ hotā ca homyaṃ ca hutaṃ caiva tathā prabhuḥ / trisauparṇas tathā brahman yajuṣāṃ śatarudriyam //

Das Opfer, der Opferpriester, das zu Opfernde und das Geopferte, und ebenso der Herr; das Trisauparṇa, und, oh Brahman, das Śatarudriya unter den Yajus-Sprüchen.

Wort für Wort
hotram hotā ca
das Opfer, der Opferpriester
homyam ca hutam ca eva tathā prabhuḥ
das zu Opfernde, das Geopferte und ebenso der Herr
trisauparṇaḥ tathā brahman
das Trisauparṇa, und, oh Brahman
yajuṣām śatarudriyam
das Śatarudriya unter den Yajus-Sprüchen

pavitraṃ ca pavitrāṇāṃ maṅgalānāṃ ca maṅgalam / prāṇaś ca tvaṃ rajaś ca tvaṃ tamaḥ sattvayutas tathā //

Das Reine unter den Reinen und das Heilbringende unter den heilbringenden Dingen; du bist der Lebensatem, du bist Rajas, und ebenso Tamas mit Sattva verbunden.

Wort für Wort
pavitram ca pavitrāṇām
das Reine unter den Reinen
maṅgalānām ca maṅgalam
und das Heilbringende unter den heilbringenden Dingen
prāṇaḥ ca tvam rajaḥ ca tvam
du bist der Lebensatem, du bist Rajas
tamaḥ sattvayutaḥ tathā
und ebenso Tamas mit Sattva verbunden

prāṇo 'pānaḥ samānaś ca udāno vyāna eva ca / unmeṣaś ca nimeṣaś ca kṣuttṛṅjṛmbhā tathaiva ca //

Prāṇa, Apāna und Samāna, Udāna und ebenso Vyāna (die fünf Lebensatem-Ströme); das Augenöffnen und Augenschließen, Hunger, Durst und ebenso das Gähnen.

Wort für Wort
prāṇaḥ apānaḥ samānaḥ ca
Prāṇa, Apāna und Samāna
udānaḥ vyānaḥ eva ca
Udāna und ebenso Vyāna
unmeṣaḥ ca nimeṣaḥ ca
das Augenöffnen und Augenschließen
kṣuttṛṅjṛmbhā tathā eva ca
Hunger, Durst und ebenso das Gähnen

lohitāṅgaś ca daṃṣṭrī ca mahāvaktro mahodaraḥ / śuciromā haricchmaśrur ūrdhvakeśaś calācalaḥ //

Rotgliedrig und mit großen Fangzähnen, großmäulig, großbäuchig; mit reinem Haar, gelblichem Bart, aufrechtem Haar, beweglich und unbeweglich.

Wort für Wort
lohitāṅgaḥ ca daṃṣṭrī ca
rotgliedrig und mit Fangzähnen
mahāvaktraḥ mahodaraḥ
großmäulig, großbäuchig
śuciromā haricchmaśruḥ
mit reinem Haar, gelblichem Bart
ūrdhvakeśaḥ calācalaḥ
mit aufrechtem Haar, beweglich und unbeweglich

gītavāditranṛtyāṅgo gītavādanakapriyaḥ / matsyo jālo jalo 'jayyo jalavyālaḥ kuṭīcaraḥ //

Dessen Glieder Gesang, Instrumentalspiel und Tanz sind, dem Gesang und Instrumentalspiel Liebender; der Fisch, das Netz, das Wasser, der Unbesiegbare, die Wasserschlange, der in der Hütte Wandelnde.

Wort für Wort
gītavāditranṛtyāṅgaḥ
dessen Glieder Gesang, Instrumentalspiel, Tanz sind
gītavādanakapriyaḥ
dem Gesang und Instrumentalspiel Liebender
matsyaḥ jālaḥ jalaḥ ajayyaḥ
der Fisch, das Netz, das Wasser, der Unbesiegbare
jalavyālaḥ kuṭīcaraḥ
die Wasserschlange, der in der Hütte Wandelnde

vikālaś ca sukālaś ca duṣkālaḥ kālanāśanaḥ / mṛtyuś caivākṣayo 'ntaś ca kṣamāmāyākarotkaraḥ //

Die Unzeit und die gute Zeit, die schlimme Zeit, der Vernichter der Zeit; der Tod und ebenso der Unvergängliche, das Ende, der Geduld, Trugkraft und Tätigkeit Hervorbringende [?].

Wort für Wort
vikālaḥ ca sukālaḥ ca
die Unzeit und die gute Zeit
duṣkālaḥ kālanāśanaḥ
die schlimme Zeit, der Vernichter der Zeit
mṛtyuḥ ca eva akṣayaḥ antaḥ ca
der Tod und ebenso der Unvergängliche, das Ende
kṣamāmāyākarotkaraḥ
der Geduld, Māyā und Tätigkeit Hervorbringende [?]

[?: 'kṣamāmāyākarotkaraḥ' unsicher segmentiert - hier als 'der Geduld, Māyā und Tätigkeit Hervorbringende' gedeutet.]

saṃvarto vartakaś caiva saṃvartakabalāhakau / ghaṇṭākī ghaṇṭakī ghaṇṭī cūḍālo lavaṇodadhiḥ //

Der Weltbrand und ebenso der Fortbestehende, die Weltbrand-Wolke; der Glöckchenträger, der Glockenträger, der mit der Glocke, der Schopfträger, der Salzozean.

Wort für Wort
saṃvartaḥ vartakaḥ ca eva
der Weltbrand und der Fortbestehende
saṃvartakabalāhakau
die Weltbrand-Wolke
ghaṇṭākī ghaṇṭakī ghaṇṭī
der Glöckchenträger, der Glockenträger, der mit der Glocke
cūḍālaḥ lavaṇodadhiḥ
der Schopfträger, der Salzozean

brahmā kālāgnivaktraś ca daṇḍī muṇḍas tridaṇḍadhṛk / caturyugaś caturvedaś caturhotraś catuṣpathaḥ //

Brahmā, und der mit dem Antlitz des Weltuntergangsfeuers, der Stabträger, der Kahle, der Dreistab-Träger; die vier Weltzeitalter, die vier Veden, die vier Hotṛ-Priester, die vier Wege.

Wort für Wort
brahmā kālāgnivaktraḥ ca
Brahmā, und der mit dem Antlitz des Weltuntergangsfeuers
daṇḍī muṇḍaḥ tridaṇḍadhṛk
der Stabträger, der Kahle, der Dreistab-Träger
caturyugaḥ caturvedaḥ
die vier Weltzeitalter, die vier Veden
caturhotraḥ catuṣpathaḥ
die vier Hotṛ-Priester, die vier Wege

cāturāśramyanetā ca cāturvarṇyakaraś ca ha / kṣarākṣaraḥ priyo dhūrto gaṇair gaṇyo gaṇādhipaḥ //

Der Führer der vier Lebensstufen und fürwahr der Bewirker der vier Kasten; der Vergängliche und Unvergängliche, der Liebe, der Listige, der von den Gaṇas Gezählte, der Herr der Gaṇas.

Wort für Wort
cāturāśramyanetā ca
der Führer der vier Lebensstufen
cāturvarṇyakaraḥ ca ha
und fürwahr der Bewirker der vier Kasten
kṣarākṣaraḥ priyaḥ dhūrtaḥ
der Vergängliche-Unvergängliche, der Liebe, der Listige
gaṇaiḥ gaṇyaḥ gaṇādhipaḥ
der von den Gaṇas Gezählte, der Herr der Gaṇas

raktamālyāmbaradharo girīśo girijāpriyaḥ / śilpīśaḥ śilpinaḥ śreṣṭhaḥ sarvaśilpipravartakaḥ //

Der Träger roter Girlanden und Gewänder, der Bergherr, dem die Bergtochter lieb ist; der Herr der Handwerker, der Beste der Handwerker, der Urheber allen Handwerks.

Wort für Wort
raktamālyāmbaradharaḥ
der Träger roter Girlanden und Gewänder
girīśaḥ girijāpriyaḥ
der Bergherr, dem die Bergtochter lieb ist
śilpīśaḥ śilpinaḥ śreṣṭhaḥ
der Herr der Handwerker, der Beste der Handwerker
sarvaśilpipravartakaḥ
der Urheber allen Handwerks

bhaganetrāntakaś caṇḍaḥ pūṣṇo dantavināśanaḥ / svāhā svadhā vaṣaṭkāro namaskāra namo 'stu te //

Der Beender von Bhagas Auge, der Wilde, der Vernichter von Pūṣans Zähnen; Svāhā, Svadhā, der Vaṣaṭ-Ruf, die Verehrungsgeste - Verehrung sei dir!

Wort für Wort
bhaganetrāntakaḥ caṇḍaḥ
der Beender von Bhagas Auge, der Wilde
pūṣṇaḥ dantavināśanaḥ
der Vernichter von Pūṣans Zähnen
svāhā svadhā vaṣaṭkāraḥ
Svāhā, Svadhā, der Vaṣaṭ-Ruf
namaskāraḥ namaḥ astu te
die Verehrungsgeste, Verehrung sei dir

gūḍhavrataś ca gūḍhaś ca gūḍhavrataniṣevitaḥ / taraṇas tāraṇaś caiva sarvabhūteṣu tāraṇaḥ //

Der mit verborgenem Gelübde, der Verborgene, der von denen mit verborgenem Gelübde Verehrte; der Überquerende, der Überführende, und der Überführer in allen Wesen.

Wort für Wort
gūḍhavrataḥ ca gūḍhaḥ ca
der mit verborgenem Gelübde, der Verborgene
gūḍhavrataniṣevitaḥ
der von denen mit verborgenem Gelübde Verehrte
taraṇaḥ tāraṇaḥ ca eva
der Überquerende, der Überführende
sarvabhūteṣu tāraṇaḥ
der Überführer in allen Wesen

dhātā vidhātā saṃdhātā nidhātā dhāraṇo dharaḥ / tapo brahma ca satyaṃ ca brahmacaryaṃ tathārjavam //

Der Ordner, der Bestimmer, der Verbinder, der Bewahrer, der Halter, der Träger; die Askese, das Brahman, die Wahrheit und ebenso die Keuschheit und die Aufrichtigkeit.

Wort für Wort
dhātā vidhātā saṃdhātā
der Ordner, der Bestimmer, der Verbinder
nidhātā dhāraṇaḥ dharaḥ
der Bewahrer, der Halter, der Träger
tapaḥ brahma ca satyam ca
die Askese, das Brahman, die Wahrheit
brahmacaryam tathā ārjavam
die Keuschheit und die Aufrichtigkeit

bhūtātmā bhūtakṛd bhūto bhūtabhavyabhavodbhavaḥ / bhūr bhuvaḥ svaritaś caiva bhūto hy agnir maheśvaraḥ //

Die Seele der Wesen, der Schöpfer der Wesen, das Gewordene, der Ursprung von Vergangenem, Zukünftigem und Gegenwärtigem; Bhūr, Bhuvaḥ und Svar, und fürwahr das Gewordene, Agni, Maheśvara.

Wort für Wort
bhūtātmā bhūtakṛt bhūtaḥ
die Seele der Wesen, der Schöpfer der Wesen, das Gewordene
bhūtabhavyabhavodbhavaḥ
der Ursprung von Vergangenem, Zukünftigem, Gegenwärtigem
bhūḥ bhuvaḥ svaritaḥ ca eva
Bhūr, Bhuvaḥ und Svar
bhūtaḥ hi agniḥ maheśvaraḥ
fürwahr das Gewordene, Agni, Maheśvara

brahmāvartaḥ surāvartaḥ kāmāvarta namo 'stu te / kāmabimbavinirhantā karṇikārasrajapriyaḥ //

O Brahman-Wirbel, Götter-Wirbel, Begierde-Wirbel, Verehrung sei dir; der Zerstörer des Kāma-Bildnisses, dem die Karṇikāra-Blütengirlande lieb ist.

Wort für Wort
brahmāvartaḥ surāvartaḥ
o Brahman-Wirbel, Götter-Wirbel
kāmāvarta namaḥ astu te
o Begierde-Wirbel, Verehrung sei dir
kāmabimbavinirhantā
der Zerstörer des Kāma-Bildnisses
karṇikārasrajapriyaḥ
dem die Karṇikāra-Blütengirlande lieb ist

gonetā gopracāraś ca govṛṣeśvaravāhanaḥ / trailokyagoptā govindo goptā gogarga eva ca //

Der Rinderführer und der Rinder-Weidegänger, der auf dem Herrn der Rinder Reitende; der Beschützer der drei Welten, Govinda, der Beschützer und ebenso Gogarga.

Wort für Wort
gonetā gopracāraḥ ca
der Rinderführer und der Rinder-Weidegänger
govṛṣeśvaravāhanaḥ
der auf dem Herrn der Rinder Reitende
trailokyagoptā govindaḥ
der Beschützer der drei Welten, Govinda
goptā gogargaḥ eva ca
der Beschützer und ebenso Gogarga

akhaṇḍacandrābhimukhaḥ sumukho durmukho 'mukhaḥ / caturmukho bahumukho raṇeṣv abhimukhaḥ sadā //

Dem ungeteilten Mond zugewandt, schönmündig, hässlichmündig, gesichtslos; viermündig, vielmündig, stets in Kämpfen dem Feind zugewandt.

Wort für Wort
akhaṇḍacandrābhimukhaḥ
dem ungeteilten Mond zugewandt
sumukhaḥ durmukhaḥ amukhaḥ
schönmündig, hässlichmündig, gesichtslos
caturmukhaḥ bahumukhaḥ
viermündig, vielmündig
raṇeṣu abhimukhaḥ sadā
stets in Kämpfen zugewandt

hiraṇyagarbhaḥ śakunir dhanado 'rthapatir virāṭ / adharmahā mahādakṣo daṇḍadhāro raṇapriyaḥ //

Der Goldkeim, der Vogel, der Reichtumsgeber, der Herr des Besitzes, der Herrschende; der Vernichter des Unrechts, der überaus Geschickte, der Stabträger, dem der Kampf lieb ist.

Wort für Wort
hiraṇyagarbhaḥ śakuniḥ
der Goldkeim, der Vogel
dhanadaḥ arthapatiḥ virāṭ
der Reichtumsgeber, der Herr des Besitzes, der Herrschende
adharmahā mahādakṣaḥ
der Vernichter des Unrechts, der überaus Geschickte
daṇḍadhāraḥ raṇapriyaḥ
der Stabträger, dem der Kampf lieb ist

tiṣṭhan sthiraś ca sthāṇuś ca niṣkampaś ca suniścalaḥ / durvāraṇo durviṣaho duḥsaho duratikramaḥ //

Verharrend, fest, unbeweglich, unerschütterlich und überaus unbewegt; unabwehrbar, unerträglich, schwer zu ertragen, schwer zu überschreiten.

Wort für Wort
tiṣṭhan sthiraḥ ca sthāṇuḥ ca
verharrend, fest, unbeweglich
niṣkampaḥ ca suniścalaḥ
unerschütterlich und überaus unbewegt
durvāraṇaḥ durviṣahaḥ
unabwehrbar, unerträglich
duḥsahaḥ duratikramaḥ
schwer zu ertragen, schwer zu überschreiten

durdharo durvaśo nityo durdarpo vijayo jayaḥ / śaśaḥ śaśāṅkanayana- śītoṣṇaḥ kṣut tṛṣā jarā //

Schwer zu halten, schwer zu bezwingen, ewig, von unbezwingbarem Stolz, Triumph und Sieg; der Hase, der mit dem Mond als Auge, Kälte und Hitze, Hunger, Durst und Alter.

Wort für Wort
durdharaḥ durvaśaḥ nityaḥ
schwer zu halten, schwer zu bezwingen, ewig
durdarpaḥ vijayaḥ jayaḥ
von unbezwingbarem Stolz, Triumph, Sieg
śaśaḥ śaśāṅkanayanaḥ
der Hase, der mit dem Mond als Auge
śītoṣṇaḥ kṣut tṛṣā jarā
Kälte, Hitze, Hunger, Durst, Alter

ādhayo vyādhayaś caiva vyādhihā vyādhipaś ca yaḥ / sahyo yajñamṛgavyādho vyādhīnām ākaro 'karaḥ //

Seelische Leiden und körperliche Krankheiten, und der Vernichter der Krankheit und der, welcher der Krankheiten Herr ist; der erträgliche Jäger des Opfer-Wildes, die Quelle der Krankheiten und der Nicht-Verursacher.

Wort für Wort
ādhayaḥ vyādhayaḥ ca eva
seelische Leiden und körperliche Krankheiten
vyādhihā vyādhipaḥ ca yaḥ
der Vernichter der Krankheit, und der Herr der Krankheiten
sahyaḥ yajñamṛgavyādhaḥ
der erträgliche Jäger des Opfer-Wildes
vyādhīnām ākaraḥ akaraḥ
die Quelle der Krankheiten, der Nicht-Verursacher

śikhaṇḍī puṇḍarīkaś ca puṇḍarīkāvalokanaḥ / daṇḍadhṛk cakradaṇḍaś ca raudrabhāgavināśanaḥ //

Der Haarschopfträger und die weiße Lotusblume, mit dem Blick der weißen Lotusblume; der Stabträger und der Diskus-Stab, der Vernichter von Rudras eigenem Anteil [?].

Wort für Wort
śikhaṇḍī puṇḍarīkaḥ ca
der Haarschopfträger und die weiße Lotusblume
puṇḍarīkāvalokanaḥ
mit dem Blick der weißen Lotusblume
daṇḍadhṛk cakradaṇḍaḥ ca
der Stabträger und der Diskus-Stab
raudrabhāgavināśanaḥ
der Vernichter von Rudras Anteil [?]

[?: 'raudrabhāgavināśanaḥ' unklar - evtl. 'Vernichter des schrecklichen Anteils' oder Selbstbezug auf Rudras eigene Zerstörungsrolle beim Dakṣa-Opfer.]

viṣapo 'mṛtapaś caiva surāpaḥ kṣīrasomapaḥ / madhupaś cāpapaś caiva sarvapaś ca balābalaḥ //

Der Gift-Trinker und ebenso der Nektar-Trinker, der Branntwein-Trinker, der Milch-und-Soma-Trinker; der Honig-Trinker und ebenso der Wasser-Trinker, der Alles-Trinker, der Starke-und-Schwache.

Wort für Wort
viṣapaḥ amṛtapaḥ ca eva
der Gift-Trinker und der Nektar-Trinker
surāpaḥ kṣīrasomapaḥ
der Branntwein-Trinker, der Milch-und-Soma-Trinker
madhupaḥ ca āpapaḥ ca eva
der Honig-Trinker und der Wasser-Trinker
sarvapaḥ ca balābalaḥ
der Alles-Trinker, der Starke-und-Schwache

vṛṣāṅgarāmbho vṛṣabhas tathā vṛṣabhalocanaḥ / vṛṣabhaś caiva vikhyāto lokānāṃ lokasaṃskṛtaḥ //

Dessen Leibesglut-Wasser der Stier ist [?], der Stier, und ebenso der Stieräugige; und der als Stier berühmte, der Gestalter der Welten für die Welten.

Wort für Wort
vṛṣāṅgarāmbhaḥ
dessen Wasser die Glut des Stier-Gliedes ist [?]
vṛṣabhaḥ tathā vṛṣabhalocanaḥ
der Stier, und der Stieräugige
vṛṣabhaḥ ca eva vikhyātaḥ
und der als Stier berühmte
lokānām lokasaṃskṛtaḥ
der Gestalter der Welten für die Welten

[?: 'vṛṣāṅgarāmbhaḥ' unklares Kompositum - wörtlich etwa 'dessen Wasser die Glut des Stier-Gliedes ist'; Bedeutung unsicher.]

candrādityau cakṣuṣī te hṛdayaṃ ca pitāmahaḥ / agniṣṭomas tathā deho dharmakarmaprasādhitaḥ //

Mond und Sonne sind deine beiden Augen, und dein Herz ist der Großvater; das Agniṣṭoma-Opfer ist ebenso dein Leib, durch rechtes Handeln vollendet.

Wort für Wort
candrādityau cakṣuṣī te
Mond und Sonne sind deine beiden Augen
hṛdayam ca pitāmahaḥ
und dein Herz ist der Großvater
agniṣṭomaḥ tathā dehaḥ
das Agniṣṭoma-Opfer ist ebenso dein Leib
dharmakarmaprasādhitaḥ
durch rechtes Handeln vollendet

na brahmā na ca govindaḥ purāṇa-ṛṣayo na ca / māhātmyaṃ vedituṃ śaktā yāthātathyena te śiva //

Weder Brahmā noch Govinda, noch die alten Ṛṣis sind fähig, deine Größe der Wahrheit gemäß zu erkennen, o Śiva.

Wort für Wort
na brahmā na ca govindaḥ
weder Brahmā noch Govinda
purāṇa-ṛṣayaḥ na ca
noch die alten Ṛṣis
māhātmyam veditum śaktāḥ
fähig, die Größe zu erkennen
yāthātathyena te śiva
der Wahrheit gemäß, o Śiva

śivā yā mūrtayaḥ sūkṣmās te mahyaṃ yāntu darśanam / tābhir māṃ sarvato rakṣa pitā putram ivaurasam //

Welche gütigen, feinstofflichen Gestalten die deinen sind, mögen sie mir zu Gesicht kommen; mit ihnen beschütze mich von allen Seiten, wie ein Vater seinen leiblichen Sohn.

Wort für Wort
śivāḥ yāḥ mūrtayaḥ sūkṣmāḥ te
welche gütigen, feinstofflichen Gestalten die deinen sind
mahyam yāntu darśanam
mögen sie mir zu Gesicht kommen
tābhiḥ mām sarvataḥ rakṣa
mit ihnen beschütze mich von allen Seiten
pitā putram iva aurasam
wie ein Vater seinen leiblichen Sohn

rakṣa māṃ rakṣaṇīyo 'haṃ tavānagha namo 'stu te / bhaktānukampī bhagavān bhaktaś cāhaṃ sadā tvayi //

Beschütze mich, ich bin schutzwürdig für dich, o Sündloser, Verehrung sei dir; der Erhabene ist mitfühlend mit seinen Verehrern, und ich bin stets dein Verehrer.

Wort für Wort
rakṣa mām
beschütze mich
rakṣaṇīyaḥ aham tava anagha
ich bin schutzwürdig für dich, o Sündloser
namaḥ astu te
Verehrung sei dir
bhaktānukampī bhagavān
der Erhabene ist mitfühlend mit seinen Verehrern
bhaktaḥ ca aham sadā tvayi
und ich bin stets dein Verehrer

yaḥ sahasrāṇy anekāni puṃsām āvṛtya durdṛśām / tiṣṭhaty ekaḥ samudrānte sa me goptāstu nityaśaḥ //

Wer, viele Tausende von schwer sichtbaren Männern umhüllend, allein am Rand des Ozeans weilt, der möge stets mein Beschützer sein.

Wort für Wort
yaḥ sahasrāṇi anekāni
wer viele Tausende
puṃsām āvṛtya durdṛśām
von schwer sichtbaren Männern umhüllend
tiṣṭhati ekaḥ samudrānte
allein am Rand des Ozeans weilt
saḥ me goptā astu nityaśaḥ
der möge stets mein Beschützer sein

yaṃ vinidrā jitaśvāsāḥ sattvasthāḥ samadarśinaḥ / jyotiḥ paśyanti yuñjānās tasmai yogātmane namaḥ //

Wen die Schlaflosen, die den Atem Bezwungenen, die im Sattva Verharrenden, die Gleichsehenden, in Yoga vertieft als Licht erblicken, ihm, dem Yoga-Wesen, Verehrung!

Wort für Wort
yam vinidrāḥ jitaśvāsāḥ
wen die Schlaflosen, die den Atem Bezwungenen
sattvasthāḥ samadarśinaḥ
die im Sattva Verharrenden, die Gleichsehenden
jyotiḥ paśyanti yuñjānāḥ
in Yoga vertieft als Licht erblicken
tasmai yogātmane namaḥ
ihm, dem Yoga-Wesen, Verehrung

saṃbhakṣya sarvabhūtāni yugānte samupasthite / yaḥ śete jalamadhyasthas taṃ prapadye 'mbuśāyinam //

Wer, alle Wesen verzehrt habend, wenn das Ende des Weltzeitalters herangekommen ist, inmitten des Wassers ruht, jenem im Wasser Ruhenden nehme ich Zuflucht.

Wort für Wort
saṃbhakṣya sarvabhūtāni
alle Wesen verzehrt habend
yugānte samupasthite
wenn das Ende des Weltzeitalters herangekommen ist
yaḥ śete jalamadhyasthaḥ
wer inmitten des Wassers ruht
tam prapadye ambuśāyinam
jenem im Wasser Ruhenden nehme ich Zuflucht

praviśya vadanaṃ rāhor yaḥ somaṃ pibate niśi / grasaty arkaṃ ca svarbhānur bhūtvā somāgnir eva ca //

Wer, in Rāhus Mund eingegangen, nachts den Mond trinkt, und wer, zu Svarbhānu geworden, die Sonne verschlingt, und ebenso das Mond-Feuer ist.

Wort für Wort
praviśya vadanam rāhoḥ
in Rāhus Mund eingegangen
yaḥ somam pibate niśi
wer nachts den Mond trinkt
grasati arkam ca svarbhānuḥ bhūtvā
und, zu Svarbhānu geworden, die Sonne verschlingt
somāgniḥ eva ca
und ebenso das Mond-Feuer ist

aṅguṣṭhamātrāḥ puruṣā dehasthāḥ sarvadehinām / rakṣantu te ca māṃ nityaṃ nityaṃ cāpyāyayantu mām //

Die daumengroßen Männer, die in den Leibern aller Verkörperten wohnen, mögen mich stets beschützen und mich stets stärken.

Wort für Wort
aṅguṣṭhamātrāḥ puruṣāḥ
die daumengroßen Männer (Puruṣas)
dehasthāḥ sarvadehinām
die in den Leibern aller Verkörperten wohnen
rakṣantu te ca mām nityam
mögen sie mich stets beschützen
nityam ca āpyāyayantu mām
und mich stets stärken

yenāpy utpāditā garbhā apo bhāgagatāś ca ye / teṣāṃ svāhā svadhā caiva āpnuvanti svadanti ca //

Durch wen auch die Leibesfrüchte und die den Ahnen-Anteil erlangenden Wasser hervorgebracht werden - ihnen gelangen Svāhā und Svadhā, und sie genießen davon.

Wort für Wort
yena api utpāditāḥ garbhāḥ
durch wen die Leibesfrüchte hervorgebracht werden
āpaḥ bhāgagatāḥ ca ye
und die den Anteil erlangenden Wasser
teṣām svāhā svadhā ca eva āpnuvanti
ihnen gelangen Svāhā und Svadhā
svadanti ca
und sie genießen davon

yena rohanti dehasthāḥ prāṇino rodayanti ca / harṣayanti na kṛṣyanti namas tebhyas tu nityaśaḥ //

Durch wen die verkörperten Lebewesen wachsen, und sie weinen machen, erfreuen und nicht quälen - ihnen sei stets Verehrung.

Wort für Wort
yena rohanti dehasthāḥ prāṇinaḥ
durch wen die verkörperten Lebewesen wachsen
rodayanti ca
und sie weinen machen
harṣayanti na kṛṣyanti
sie erfreuen, nicht quälen
namaḥ tebhyaḥ tu nityaśaḥ
ihnen sei stets Verehrung

ye samudre nadīdurge parvateṣu guhāsu ca / vṛkṣamūleṣu goṣṭheṣu kāntāragahaneṣu ca //

Die, welche im Ozean, in Flussschluchten, auf Bergen und in Höhlen, an Baumwurzeln, in Kuhställen und in dichten Wäldern weilen,

Wort für Wort
ye samudre nadīdurge
die, welche im Ozean, in Flussschluchten
parvateṣu guhāsu ca
auf Bergen und in Höhlen
vṛkṣamūleṣu goṣṭheṣu
an Baumwurzeln, in Kuhställen
kāntāragahaneṣu ca
und in dichten Wäldern (weilen)

catuṣpatheṣu rathyāsu catvareṣu sabhāsu ca / hastyaśvarathaśālāsu jīrṇodyānālayeṣu ca //

an Kreuzwegen, auf Straßen, an Plätzen und in Versammlungshäusern, in Elefanten-, Pferde- und Wagenställen, und in verfallenen Garten-Wohnstätten,

Wort für Wort
catuṣpatheṣu rathyāsu
an Kreuzwegen, auf Straßen
catvareṣu sabhāsu ca
an Plätzen und in Versammlungshäusern
hastyaśvarathaśālāsu
in Elefanten-, Pferde- und Wagenställen
jīrṇodyānālayeṣu ca
und in verfallenen Garten-Wohnstätten

yeṣu pañcasu bhūteṣu diśāsu vidiśāsu ca / indrārkayor madhyagatā ye ca candrārkaraśmiṣu //

die in den fünf Elementen, in den Himmelsrichtungen und Zwischenrichtungen, die zwischen Indra und der Sonne befindlich sind, und die in den Strahlen von Mond und Sonne weilen,

Wort für Wort
yeṣu pañcasu bhūteṣu
die in den fünf Elementen
diśāsu vidiśāsu ca
in den Himmelsrichtungen und Zwischenrichtungen
indrārkayoḥ madhyagatāḥ
die zwischen Indra und der Sonne befindlich sind
ye ca candrārkaraśmiṣu
und die in den Strahlen von Mond und Sonne weilen

rasātalagatā ye ca ye ca tasmāt paraṃ gatāḥ / namas tebhyo namas tebhyo namas tebhyas tu sarvaśaḥ //

und die, welche in Rasātala weilen, und die, welche darüber hinaus gegangen sind - ihnen Verehrung, ihnen Verehrung, ihnen sei fürwahr auf jede Weise Verehrung.

Wort für Wort
rasātalagatāḥ ye ca
und die, welche in Rasātala weilen
ye ca tasmāt param gatāḥ
und die, welche darüber hinaus gegangen sind
namaḥ tebhyaḥ namaḥ tebhyaḥ
ihnen Verehrung, ihnen Verehrung
namaḥ tebhyaḥ tu sarvaśaḥ
ihnen sei fürwahr auf jede Weise Verehrung

sarvas tvaṃ sarvago devaḥ sarvabhūtapatir bhavaḥ / sarvabhūtāntarātmā ca tena tvaṃ na nimantritaḥ //

Du bist alles, der allesdurchdringende Gott, Bhava, der Herr aller Wesen, und die innere Seele aller Wesen - deshalb bist du bei meinem Opfer nicht eingeladen worden.

Wort für Wort
sarvaḥ tvam sarvagaḥ devaḥ
du bist alles, der allesdurchdringende Gott
sarvabhūtapatiḥ bhavaḥ
Bhava, der Herr aller Wesen
sarvabhūtāntarātmā ca
und die innere Seele aller Wesen
tena tvam na nimantritaḥ
deshalb bist du nicht eingeladen worden

tvam eva cejyase deva yajñair vividhadakṣiṇaiḥ / tvam eva kartā sarvasya tena tvaṃ na nimantritaḥ //

Du selbst wirst, o Gott, mit Opfern von mancherlei Priestergaben verehrt; du selbst bist der Handelnde von allem - deshalb bist du nicht eingeladen worden.

Wort für Wort
tvam eva ca ijyase deva
du selbst wirst, o Gott, verehrt
yajñaiḥ vividhadakṣiṇaiḥ
mit Opfern von mancherlei Priestergaben
tvam eva kartā sarvasya
du selbst bist der Handelnde von allem
tena tvam na nimantritaḥ
deshalb bist du nicht eingeladen worden

athavā māyayā deva mohitaḥ sūkṣmayā tava / tasmāt tu kāraṇād vāpi tvaṃ mayā na nimantritaḥ //

Oder aber, o Gott, von deiner feinstofflichen Māyā verblendet - aus diesem Grund auch wurdest du von mir nicht eingeladen.

Wort für Wort
athavā māyayā deva
oder aber, o Gott, durch die Māyā
mohitaḥ sūkṣmayā tava
verblendet durch deine feinstoffliche
tasmāt tu kāraṇāt vā api
aus diesem Grund auch
tvam mayā na nimantritaḥ
wurdest du von mir nicht eingeladen

prasīda mama deveśa tvam eva śaraṇaṃ mama / tvaṃ gatis tvaṃ pratiṣṭhā ca na cānyo 'stīti me matiḥ //

Sei mir gnädig, o Herr der Götter, du selbst bist meine Zuflucht; du bist mein Ziel und mein Grund, und es gibt keinen anderen - das ist meine Überzeugung.

Wort für Wort
prasīda mama deveśa
sei mir gnädig, o Herr der Götter
tvam eva śaraṇam mama
du selbst bist meine Zuflucht
tvam gatiḥ tvam pratiṣṭhā ca
du bist mein Ziel und mein Grund
na ca anyaḥ asti iti me matiḥ
und es gibt keinen anderen - das ist meine Überzeugung

[Anm.: Ende des 1008-Namen-Lobpreises Dakṣas (V.2-100).]

{brahmovāca:} stutvaivaṃ sa mahādevaṃ virarāma mahāmatiḥ / bhagavān api suprītaḥ punar dakṣam abhāṣata //

{Brahmā sprach:} Nachdem er Mahādeva so gepriesen hatte, verstummte er, der Großgesinnte; und der erhabene Gott, hocherfreut, sprach wiederum zu Dakṣa:

Wort für Wort
stutvā evam sa mahādevam
nachdem er so Mahādeva gepriesen hatte
virarāma mahāmatiḥ
verstummte er, der Großgesinnte
bhagavān api suprītaḥ
und der erhabene Gott, hocherfreut
punaḥ dakṣam abhāṣata
sprach wiederum zu Dakṣa

{śrībhagavān uvāca:} parituṣṭo 'smi te dakṣa stavenānena suvrata / bahunā tu kim uktena matsamīpaṃ gamiṣyasi //

{Der erhabene Herr sprach:} Zufrieden bin ich, oh Dakṣa, mit diesem deinem Lobpreis, oh du von gutem Gelübde; doch wozu viel reden - du wirst in meine Nähe gelangen.

Wort für Wort
parituṣṭaḥ asmi te dakṣa
zufrieden bin ich mit dir, oh Dakṣa
stavena anena suvrata
mit diesem Lobpreis, oh du von gutem Gelübde
bahunā tu kim uktena
doch wozu viel reden
matsamīpam gamiṣyasi
du wirst in meine Nähe gelangen

{brahmovāca:} tathaivam abravīd vākyaṃ trailokyādhipatir bhavaḥ / kṛtvāśvāsakaraṃ vākyaṃ sarvajño vākyasaṃhitam //

{Brahmā sprach:} So sprach der Herr der drei Welten, Bhava, dieses Wort, nachdem der Allwissende ein tröstliches, wohlgeordnetes Wort gesprochen hatte.

Wort für Wort
tathā evam abravīt vākyam
so sprach er dieses Wort
trailokyādhipatiḥ bhavaḥ
der Herr der drei Welten, Bhava
kṛtvā āśvāsakaram vākyam
ein tröstliches Wort gesprochen habend
sarvajñaḥ vākyasaṃhitam
der Allwissende, wohlgeordnet

{śrīśiva uvāca:} dakṣa duḥkhaṃ na kartavyaṃ yajñavidhvaṃsanaṃ prati / ahaṃ yajñahanas tubhyaṃ dṛṣṭam etat purānagha //

{Der glückverheißende Śiva sprach:} Dakṣa, du sollst keinen Schmerz empfinden hinsichtlich der Zerstörung des Opfers; dass ich der Opfer-Zerstörer bin, dies wurde dir schon früher gezeigt, oh Sündloser.

Wort für Wort
dakṣa duḥkham na kartavyam
Dakṣa, du sollst keinen Schmerz empfinden
yajñavidhvaṃsanam prati
hinsichtlich der Zerstörung des Opfers
aham yajñahanaḥ tubhyam
dass ich der Opfer-Zerstörer bin, dir
dṛṣṭam etat purā anagha
dies wurde schon früher gezeigt, oh Sündloser

bhūyaś ca tvaṃ varam imaṃ matto gṛhṇīṣva suvrata / prasannasumukho bhūtvā mamaikāgramanāḥ śṛṇu //

Und empfange von mir wiederum diese Gabe, oh du von gutem Gelübde; werde freundlichen, heiteren Antlitzes und höre mit auf mich gerichtetem Geist.

Wort für Wort
bhūyaḥ ca tvam varam imam
und wiederum diese Gabe
mattaḥ gṛhṇīṣva suvrata
empfange von mir, oh du von gutem Gelübde
prasannasumukhaḥ bhūtvā
freundlichen, heiteren Antlitzes geworden
mama ekāgramanāḥ śṛṇu
höre mit auf mich gerichtetem Geist

aśvamedhasahasrasya vājapeyaśatasya vai / prajāpate matprasādāt phalabhāgī bhaviṣyasi //

Von tausend Aśvamedha-Opfern und hundert Vājapeya-Opfern, oh Herr der Geschöpfe, wirst du durch meine Gnade fürwahr den Fruchtanteil erlangen.

Wort für Wort
aśvamedhasahasrasya
von tausend Aśvamedha-Opfern
vājapeyaśatasya vai
und fürwahr von hundert Vājapeya-Opfern
prajāpate matprasādāt
oh Herr der Geschöpfe, durch meine Gnade
phalabhāgī bhaviṣyasi
wirst du den Fruchtanteil erlangen

vedān ṣaḍaṅgān budhyasva sāṃkhyayogāṃś ca kṛtsnaśaḥ / tapaś ca vipulaṃ taptvā duścaraṃ devadānavaiḥ //

Erkenne die Veden mit ihren sechs Hilfswissenschaften und die Lehren von Sāṃkhya und Yoga vollständig, und wisse, dass ich eine ausgedehnte, für Götter und Dānavas schwer zu vollziehende Askese geübt habe,

Wort für Wort
vedān ṣaḍaṅgān budhyasva
erkenne die Veden mit ihren sechs Hilfswissenschaften
sāṃkhyayogān ca kṛtsnaśaḥ
und die Lehren von Sāṃkhya und Yoga vollständig
tapaḥ ca vipulam taptvā
und eine ausgedehnte Askese geübt habend
duścaram devadānavaiḥ
schwer zu vollziehen für Götter und Dānavas

abdair dvādaśabhir yuktaṃ gūḍham aprajñaninditam / varṇāśramakṛtair dharmair vinītaṃ na kvacit kvacit //

verbunden mit zwölf Jahren, verborgen, von den Unwissenden getadelt, durch die von Kasten und Lebensstufen geschaffenen Pflichten nirgends je gebändigt,

Wort für Wort
abdaiḥ dvādaśabhiḥ yuktam
verbunden mit zwölf Jahren
gūḍham aprajñaninditam
verborgen, von den Unwissenden getadelt
varṇāśramakṛtaiḥ dharmaiḥ
durch die von Kasten und Lebensstufen geschaffenen Pflichten
vinītam na kvacit kvacit
nirgends je gebändigt

samāgataṃ vyavasitaṃ paśupāśavimokṣaṇam / sarveṣām āśramāṇāṃ ca mayā pāśupataṃ vratam //

vereinigt, entschlossen, die Befreiung von der Fessel der Wesen bewirkend - für alle Lebensstufen habe ich das Pāśupata-Gelübde,

Wort für Wort
samāgatam vyavasitam
vereinigt, entschlossen
paśupāśavimokṣaṇam
die Befreiung von der Fessel der Wesen bewirkend
sarveṣām āśramāṇām ca
für alle Lebensstufen
mayā pāśupatam vratam
habe ich das Pāśupata-Gelübde

utpāditaṃ dakṣa śubhaṃ sarvapāpavimocanam / asya cīrṇasya yat samyak phalaṃ bhavati puṣkalam / tac cāstu sumahābhāga mānasas tyajyatāṃ jvaraḥ //

hervorgebracht, oh Dakṣa, heilbringend, von aller Sünde befreiend; welche vollständige, überreiche Frucht aus dessen rechter Ausübung entsteht, die möge dir zuteilwerden, oh Hochgesegneter - möge das Fieber deines Geistes von dir weichen.

Wort für Wort
utpāditam dakṣa śubham
hervorgebracht, oh Dakṣa, heilbringend
sarvapāpavimocanam
von aller Sünde befreiend
asya cīrṇasya yat samyak phalam bhavati puṣkalam
welche vollständige, überreiche Frucht aus dessen rechter Ausübung entsteht
tat ca astu sumahābhāga
die möge dir zuteilwerden, oh Hochgesegneter
mānasaḥ tyajyatām jvaraḥ
möge das Fieber deines Geistes weichen

[Anm.: Dreizeiliger Vers (6 Pādas) unter einer Versnummer.]

{brahmovāca:} evam uktvā tu deveśaḥ sapatnīkaḥ sahānugaḥ / adarśanam anuprāpto dakṣasyāmitatejasaḥ //

{Brahmā sprach:} So gesprochen habend, entschwand der Herr der Götter, samt seiner Gattin und seinem Gefolge, dem Blick des an unermesslicher Glut reichen Dakṣa.

Wort für Wort
evam uktvā tu deveśaḥ
so gesprochen habend, der Herr der Götter
sapatnīkaḥ sahānugaḥ
samt seiner Gattin und seinem Gefolge
adarśanam anuprāptaḥ
entschwand dem Blick
dakṣasya amitatejasaḥ
des an unermesslicher Glut reichen Dakṣa

avāpya ca tathā bhāgaṃ yathoktaṃ comayā bhavaḥ / jvaraṃ ca sarvadharmajño bahudhā vyabhajat tadā //

Und nachdem Bhava so den Anteil erhalten hatte, wie es von mir gesagt worden war, teilte der alles Recht Kennende das Fieberwesen da vielfach auf.

Wort für Wort
avāpya ca tathā bhāgam
und den Anteil so erhalten habend
yathoktam ca mayā bhavaḥ
wie von mir gesagt, Bhava
jvaram ca sarvadharmajñaḥ
und der alles Recht Kennende das Fieberwesen
bahudhā vyabhajat tadā
teilte da vielfach auf

śāntyarthaṃ sarvabhūtānāṃ śṛṇudhvam atha vai dvijāḥ / śikhābhitāpo nāgānāṃ parvatānāṃ śilājatu //

Zum Frieden aller Wesen hört nun, oh Brahmanen: bei den Elefanten [?] wurde er zum Fieber im Rüsselschopf, bei den Bergen zum Śilājatu (Bergpech),

Wort für Wort
śāntyartham sarvabhūtānām
zum Frieden aller Wesen
śṛṇudhvam atha vai dvijāḥ
hört nun, oh Brahmanen
śikhābhitāpaḥ nāgānām
der Fieber-Schmerz im Rüsselschopf bei den Elefanten [?]
parvatānām śilājatu
bei den Bergen das Śilājatu

[?: 'nāgānām' hier vermutlich 'Elefanten' (nicht 'Schlangen'), da V.114 die Häutung der Schlangen gesondert nennt.]

apāṃ tu nīlikāṃ vidyān nirmoko bhujageṣu ca / khorakaḥ saurabheyāṇām ūkharaḥ pṛthivītale //

beim Wasser als die 'Nīlikā' zu erkennen, bei den Schlangen als die Häutung; bei den Rindern als 'Khoraka', auf der Erdoberfläche als salzhaltiger Boden,

Wort für Wort
apām tu nīlikām vidyāt
beim Wasser als 'Nīlikā' zu erkennen
nirmokaḥ bhujageṣu ca
und bei den Schlangen als Häutung
khorakaḥ saurabheyāṇām
bei den Rindern als 'Khoraka'
ūkharaḥ pṛthivītale
auf der Erdoberfläche als salzhaltiger Boden

śunām api ca dharmajñā dṛṣṭipratyavarodhanam / randhrāgatam athāśvānāṃ śikhodbhedaś ca barhiṇām //

auch bei den Hunden, oh Rechtskundige, als Sehbehinderung; bei den Pferden als in die Körperöffnungen Eingedrungenes, und bei den Pfauen als Kammausbruch,

Wort für Wort
śunām api ca dharmajñāḥ
auch bei den Hunden, oh Rechtskundige
dṛṣṭipratyavarodhanam
als Sehbehinderung
randhrāgatam atha aśvānām
bei den Pferden als in die Körperöffnungen Eingedrungenes
śikhodbhedaḥ ca barhiṇām
und bei den Pfauen als Kammausbruch

netrarāgaḥ kokilānāṃ dveṣaḥ prokto mahātmanām / janānām api bhedaś ca sarveṣām iti naḥ śrutam //

bei den Kuckucken als Augenentzündung, bei den Großherzigen wird er als Hass bezeichnet; auch bei den Menschen als Zwietracht unter allen - so haben wir es gehört,

Wort für Wort
netrarāgaḥ kokilānām
bei den Kuckucken als Augenentzündung
dveṣaḥ proktaḥ mahātmanām
bei den Großherzigen wird er als Hass bezeichnet
janānām api bhedaḥ ca
auch bei den Menschen als Zwietracht
sarveṣām iti naḥ śrutam
unter allen - so haben wir es gehört

śukānām api sarveṣāṃ hikkikā procyate jvaraḥ / śārdūleṣv atha vai viprāḥ śramo jvara ihocyate //

auch bei allen Papageien wird das Fieber als Schluckauf bezeichnet; bei den Tigern aber, oh Brahmanen, wird das Fieber hier als Erschöpfung bezeichnet,

Wort für Wort
śukānām api sarveṣām
auch bei allen Papageien
hikkikā procyate jvaraḥ
wird das Fieber als Schluckauf bezeichnet
śārdūleṣu atha vai viprāḥ
bei den Tigern aber, oh Brahmanen
śramaḥ jvaraḥ iha ucyate
wird das Fieber hier als Erschöpfung bezeichnet

mānuṣeṣu ca sarvajñā jvaro nāmaiṣa kīrtitaḥ / maraṇe janmani tathā madhye cāpi niveśitaḥ //

und bei den Menschen, oh Allwissende, wird eben dies als 'Fieber' bezeichnet, das sowohl bei Tod als auch bei Geburt und auch dazwischen seinen Platz hat.

Wort für Wort
mānuṣeṣu ca sarvajñāḥ
und bei den Menschen, oh Allwissende
jvaraḥ nāma eṣaḥ kīrtitaḥ
wird eben dies als 'Fieber' bezeichnet
maraṇe janmani tathā
bei Tod, bei Geburt, ebenso
madhye ca api niveśitaḥ
und auch dazwischen seinen Platz habend

etan māheśvaraṃ tejo jvaro nāma sudāruṇaḥ / namasyaś caiva mānyaś ca sarvaprāṇibhir īśvaraḥ //

Diese von Maheśvara stammende Glut, mit Namen Fieber, überaus schrecklich, ist ein Herr, der von allen Lebewesen zu verehren und zu achten ist.

Wort für Wort
etat māheśvaram tejaḥ
diese von Maheśvara stammende Glut
jvaraḥ nāma sudāruṇaḥ
mit Namen Fieber, überaus schrecklich
namasyaḥ ca eva mānyaḥ ca
zu verehren und zu achten
sarvaprāṇibhiḥ īśvaraḥ
von allen Lebewesen, ein Herr

imāṃ jvarotpattim adīnamānasaḥ / paṭhet sadā yaḥ susamāhito naraḥ / vimuktarogaḥ sa naro mudāyuto / labheta kāmāṃś ca yathāmanīṣitān //

Wer, unverzagten Sinnes und wohl gesammelt, stets diese Entstehung des Fiebers rezitiert, jener Mann, von Krankheit befreit und von Freude erfüllt, erlangt seine Wünsche nach Belieben.

Wort für Wort
imām jvarotpattim adīnamānasaḥ
diese Entstehung des Fiebers, unverzagten Sinnes
paṭhet sadā yaḥ susamāhitaḥ naraḥ
wer stets wohl gesammelt rezitiert
vimuktarogaḥ sa naraḥ mudāyutaḥ
jener Mann, von Krankheit befreit und von Freude erfüllt
labheta kāmān ca yathāmanīṣitān
erlangt seine Wünsche nach Belieben

[Anm.: Vierzeiliger Vers mit gesonderter Pāda-Zählung (a-d), Phalaśruti zur Jvarotpatti-Episode.]

dakṣaproktaṃ stavaṃ cāpi kīrtayed yaḥ śṛṇoti vā / nāśubhaṃ prāpnuyāt kiṃcid dīrgham āyur avāpnuyāt //

Und wer den von Dakṣa gesprochenen Lobpreis rezitiert oder hört, der erlangt nichts Unheilvolles und erlangt langes Leben.

Wort für Wort
dakṣaproktam stavam ca api
und den von Dakṣa gesprochenen Lobpreis
kīrtayet yaḥ śṛṇoti vā
wer rezitiert oder hört
na aśubham prāpnuyāt kiṃcit
erlangt nichts Unheilvolles
dīrgham āyuḥ avāpnuyāt
erlangt langes Leben

yathā sarveṣu deveṣu variṣṭho bhagavān bhavaḥ / tathā stavo variṣṭho 'yaṃ stavānāṃ dakṣanirmitaḥ //

So wie unter allen Göttern der erhabene Bhava der Höchste ist, so ist dieser von Dakṣa verfasste Lobpreis der höchste unter den Lobpreisungen.

Wort für Wort
yathā sarveṣu deveṣu
so wie unter allen Göttern
variṣṭhaḥ bhagavān bhavaḥ
der erhabene Bhava der Höchste ist
tathā stavaḥ variṣṭhaḥ ayam
so ist dieser Lobpreis der höchste
stavānām dakṣanirmitaḥ
unter den von Dakṣa verfassten Lobpreisungen

yaśaḥsvargasuraiśvarya- vittādijayakāṅkṣibhiḥ / stotavyo bhaktim āsthāya vidyākāmaiś ca yatnataḥ //

Von denen, die nach Ruhm, Himmel, göttlicher Herrschaft, Reichtum und dergleichen Sieg verlangen, ist er, in Hingabe verharrend, zu preisen, und ebenso eifrig von den nach Wissen Begehrenden.

Wort für Wort
yaśaḥsvargasuraiśvaryavittādijayakāṅkṣibhiḥ
von denen, die nach Ruhm, Himmel, Herrschaft, Reichtum u.a. Sieg verlangen
stotavyaḥ bhaktim āsthāya
zu preisen, in Hingabe verharrend
vidyākāmaiḥ ca yatnataḥ
und eifrig von den nach Wissen Begehrenden

vyādhito duḥkhito dīno naro grasto bhayādibhiḥ / rājakāryaniyukto vā mucyate mahato bhayāt //

Ein kranker, leidender, elender Mann, von Furcht und dergleichen ergriffen, oder mit einem Königsauftrag betraut, wird von großer Furcht befreit.

Wort für Wort
vyādhitaḥ duḥkhitaḥ dīnaḥ naraḥ
ein kranker, leidender, elender Mann
grastaḥ bhayādibhiḥ
von Furcht und dergleichen ergriffen
rājakāryaniyuktaḥ vā
oder mit einem Königsauftrag betraut
mucyate mahataḥ bhayāt
wird von großer Furcht befreit

anenaiva ca dehena gaṇānāṃ ca maheśvarāt / iha loke sukhaṃ prāpya gaṇarāḍ upajāyate //

Eben mit diesem Leib, und von Maheśvara den Rang der Gaṇas erlangend, gewinnt er in dieser Welt Glück und wird als Fürst der Gaṇas wiedergeboren.

Wort für Wort
anena eva ca dehena
eben mit diesem Leib
gaṇānām ca maheśvarāt
und von Maheśvara den Rang der Gaṇas
iha loke sukham prāpya
in dieser Welt Glück erlangend
gaṇarāṭ upajāyate
wird er als Fürst der Gaṇas wiedergeboren

na yakṣā na piśācā vā na nāgā na vināyakāḥ / kuryur vighnaṃ gṛhe tasya yatra saṃstūyate bhavaḥ //

Weder Yakṣas noch Piśācas, weder Nāgas noch Vināyakas bereiten ein Hindernis in dem Haus dessen, in dem Bhava gepriesen wird.

Wort für Wort
na yakṣāḥ na piśācāḥ vā
weder Yakṣas noch Piśācas
na nāgāḥ na vināyakāḥ
weder Nāgas noch Vināyakas
kuryuḥ vighnam gṛhe tasya
bereiten ein Hindernis in dessen Haus
yatra saṃstūyate bhavaḥ
in dem Bhava gepriesen wird

śṛṇuyād vā idaṃ nārī bhaktyātha bhavabhāvitā / pitṛpakṣe bhartṛpakṣe pūjyā bhavati caiva ha //

Und wenn eine Frau, von Hingabe zu Bhava erfüllt, dies mit Ergebenheit hört, wird sie sowohl in der Familie ihres Vaters als auch in der ihres Gatten geehrt.

Wort für Wort
śṛṇuyāt vā idam nārī
und wenn eine Frau dies hört
bhaktyā atha bhavabhāvitā
mit Ergebenheit, von Hingabe zu Bhava erfüllt
pitṛpakṣe bhartṛpakṣe
in der Familie des Vaters, in der des Gatten
pūjyā bhavati ca eva ha
wird sie fürwahr geehrt

śṛṇuyād vā idaṃ sarvaṃ kīrtayed vāpy abhīkṣṇaśaḥ / tasya sarvāṇi kāryāṇi siddhiṃ gacchanty avighnataḥ //

Wer dies alles hört oder es wiederholt rezitiert, dessen sämtliche Vorhaben gelangen ohne Hindernis zum Gelingen.

Wort für Wort
śṛṇuyāt vā idam sarvam
wer dies alles hört
kīrtayet vā api abhīkṣṇaśaḥ
oder es wiederholt rezitiert
tasya sarvāṇi kāryāṇi
dessen sämtliche Vorhaben
siddhim gacchanti avighnataḥ
gelangen ohne Hindernis zum Gelingen

manasā cintitaṃ yac ca yac ca vācāpy udāhṛtam / sarvaṃ saṃpadyate tasya stavasyāsyānukīrtanāt //

Was auch immer im Geist erdacht und was auch mit der Stimme ausgesprochen wird, alles erfüllt sich ihm durch das wiederholte Rezitieren dieses Lobpreises.

Wort für Wort
manasā cintitam yat ca
was auch immer im Geist erdacht wird
yat ca vācā api udāhṛtam
und was auch mit der Stimme ausgesprochen wird
sarvam saṃpadyate tasya
alles erfüllt sich ihm
stavasya asya anukīrtanāt
durch das wiederholte Rezitieren dieses Lobpreises

devasya saguhasyātha devyā nandīśvarasya ca / baliṃ vibhajataḥ kṛtvā damena niyamena ca //

Nachdem er dem Gott samt Guha, der Göttin und Nandīśvara eine aufgeteilte Opfergabe dargebracht hat, mit Selbstbeherrschung und Regel,

Wort für Wort
devasya saguhasya atha
dem Gott samt Guha
devyāḥ nandīśvarasya ca
der Göttin und Nandīśvara
balim vibhajataḥ kṛtvā
eine aufgeteilte Opfergabe dargebracht habend
damena niyamena ca
mit Selbstbeherrschung und Regel

tataḥ prayukto gṛhṇīyān nāmāny āśu yathākramam / īpsitāṃl labhate 'py arthān kāmān bhogāṃś ca mānavaḥ //

möge er dann, angewandt, rasch die Namen der Reihe nach erfassen; der Mensch erlangt so die erwünschten Ziele, Wünsche und Genüsse.

Wort für Wort
tataḥ prayuktaḥ gṛhṇīyāt
dann möge er, angewandt, erfassen
nāmāni āśu yathākramam
die Namen rasch der Reihe nach
īpsitān labhate api arthān
er erlangt die erwünschten Ziele
kāmān bhogān ca mānavaḥ
der Mensch (erlangt) Wünsche und Genüsse

mṛtaś ca svargam āpnoti strīsahasrasamāvṛtaḥ / sarvakāmasuyukto vā yukto vā sarvapātakaiḥ //

Und gestorben erlangt er den Himmel, umgeben von tausend Frauen - sei er nun mit allen Wünschen wohlausgestattet oder mit allen Sünden behaftet.

Wort für Wort
mṛtaḥ ca svargam āpnoti
und gestorben erlangt er den Himmel
strīsahasrasamāvṛtaḥ
umgeben von tausend Frauen
sarvakāmasuyuktaḥ vā
sei er mit allen Wünschen wohlausgestattet
yuktaḥ vā sarvapātakaiḥ
oder mit allen Sünden behaftet

paṭhan dakṣakṛtaṃ stotraṃ sarvapāpaiḥ pramucyate / mṛtaś ca gaṇasāyujyaṃ pūjyamānaḥ surāsuraiḥ //

Der das von Dakṣa verfasste Loblied rezitiert, wird von allen Sünden befreit, und gestorben erlangt er die Vereinigung mit den Gaṇas, verehrt von Göttern und Dämonen,

Wort für Wort
paṭhan dakṣakṛtam stotram
das von Dakṣa verfasste Loblied rezitierend
sarvapāpaiḥ pramucyate
wird er von allen Sünden befreit
mṛtaḥ ca gaṇasāyujyam
und gestorben die Vereinigung mit den Gaṇas
pūjyamānaḥ surāsuraiḥ
verehrt von Göttern und Dämonen

vṛṣeṇa viniyuktena vimānena virājate / ābhūtasaṃplavasthāyī rudrasyānucaro bhavet //

auf einem eigens dafür bestimmten Himmelswagen mit Stier-Gespann erstrahlt er; bis zur Weltauflösung verweilend, wird er ein Gefolgsmann Rudras.

Wort für Wort
vṛṣeṇa viniyuktena vimānena
auf einem mit Stier-Gespann eigens bestimmten Himmelswagen
virājate
er erstrahlt
ābhūtasaṃplavasthāyī
bis zur Weltauflösung verweilend
rudrasya anucaraḥ bhavet
wird er ein Gefolgsmann Rudras

ity āha bhagavān vyāsaḥ parāśarasutaḥ prabhuḥ / naitad vedayate kaścin naitac chrāvyaṃ ca kasyacit //

So sprach der erhabene, mächtige Vyāsa, der Sohn des Parāśara: 'Dies weiß niemand, und dies ist für niemanden zum Anhören bestimmt,

Wort für Wort
iti āha bhagavān vyāsaḥ
so sprach der erhabene Vyāsa
parāśarasutaḥ prabhuḥ
der mächtige Sohn des Parāśara
na etat vedayate kaścit
dies weiß niemand
na etat śrāvyam ca kasyacit
und dies ist für niemanden zum Anhören bestimmt

[Anm.: Hier tritt kurz eine weitere Erzählebene hervor - Vyāsa als Sprecher innerhalb von Brahmās Bericht, vgl. den folgenden Kapitelanfang, wo Lomaharṣaṇa von Vyāsas Erzählung berichtet.]

śrutvemaṃ paramaṃ guhyaṃ ye 'pi syuḥ pāpayonayaḥ / vaiśyāḥ striyaś ca śūdrāś ca rudralokam avāpnuyuḥ //

wer auch immer, dieses höchste Geheimnis gehört habend, aus sündiger Geburt sei - Vaiśyas, Frauen und Śūdras erlangen dennoch die Welt Rudras;

Wort für Wort
śrutvā imam paramam guhyam
dieses höchste Geheimnis gehört habend
ye api syuḥ pāpayonayaḥ
wer auch immer aus sündiger Geburt sei
vaiśyāḥ striyaḥ ca śūdrāḥ ca
Vaiśyas, Frauen und Śūdras
rudralokam avāpnuyuḥ
erlangen die Welt Rudras

śrāvayed yaś ca viprebhyaḥ sadā parvasu parvasu / rudralokam avāpnoti dvijo vai nātra saṃśayaḥ //

und wer es den Brahmanen stets an jedem Feiertag zu Gehör bringt, jener Zweifachgeborene erlangt fürwahr die Welt Rudras - daran besteht kein Zweifel.

Wort für Wort
śrāvayet yaḥ ca viprebhyaḥ
und wer es den Brahmanen zu Gehör bringt
sadā parvasu parvasu
stets an jedem Feiertag
rudralokam avāpnoti dvijaḥ
jener Zweifachgeborene erlangt die Welt Rudras
vai na atra saṃśayaḥ
fürwahr, daran besteht kein Zweifel

[Anm.: Kapitelschluss.]

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