Quellen der Menschheit

Brahma-Purāṇa

Kapitel 188: govardhanoddharaṇam indrābhiṣekaś ca Die Erhebung des Govardhana-Berges und die Weihung durch Indra

Aus Zorn über das vereitelte Fest lässt Indra sintflutartige Wolken über Gokula regnen. Kṛṣṇa reißt den Berg Govardhana mit einer Hand aus und hält ihn sieben Tage lang wie einen Schirm über die Bewohner Vrajas, bis Indra seinen Sturm zurückzieht. Indra erscheint darauf reumütig, weiht Kṛṣṇa im Auftrag der Kühe zum ,Govinda' (Herrn der Kühe) und prophezeit ihm zugleich die Geburt seines eigenen Sohnes Arjuna, den Kṛṣṇa beschützen soll — mit einem bemerkenswerten Vorverweis auf den künftigen Mahābhārata-Krieg.

{vyāsa uvāca:} mahe pratihate śakro bhṛśaṃ kopasamanvitaḥ / saṃvartakaṃ nāma gaṇaṃ toyadānām athābravīt //

Als sein Fest vereitelt worden war, sprach Śakra, von heftigem Zorn erfüllt, darauf zu der Wolkenschar namens Saṃvartaka:

Wort für Wort
mahe pratihate śakro bhṛśaṃ kopasamanvitaḥ
Als sein Fest vereitelt worden war, Śakra, von heftigem Zorn erfüllt
saṃvartakaṃ nāma gaṇaṃ toyadānām athābravīt
sprach darauf zu der Wolkenschar namens Saṃvartaka

{indra uvāca:} bho bho meghā niśamyaitad vadato vacanaṃ mama / ājñānantaram evāśu kriyatām avicāritam //

[Indra sprach:] ,He, ihr Wolken! Hört dies, was ich sage, und tut sogleich, ohne zu zögern, was ich befehle.

Wort für Wort
bho bho meghā niśamyaitad vadato vacanaṃ mama
He, ihr Wolken! Hört dies, was ich sage
ājñānantaram evāśu kriyatām avicāritam
und tut sogleich, ohne zu zögern, was ich befehle

nandagopaḥ sudurbuddhir gopair anyaiḥ sahāyavān / kṛṣṇāśrayabalādhmāto mahabhaṅgam acīkarat //

Nandagopa, von schlechtem Verstand, mit den anderen Kuhhirten als Helfer, aufgeblasen durch die Zuflucht und Macht Kṛṣṇas, hat mein Fest zunichtegemacht.

Wort für Wort
nandagopaḥ sudurbuddhir gopair anyaiḥ sahāyavān
Nandagopa, von schlechtem Verstand, mit den anderen Kuhhirten als Helfer
kṛṣṇāśrayabalādhmāto mahabhaṅgam acīkarat
aufgeblasen durch die Zuflucht und Macht Kṛṣṇas, hat mein Fest zunichtegemacht

ājīvo yaḥ paraṃ teṣāṃ gopatvasya ca kāraṇam / tā gāvo vṛṣṭipātena pīḍyantāṃ vacanān mama //

Diese Kühe, die ihr höchster Lebensunterhalt und die Grundlage ihres Hirtentums sind — sie sollen auf mein Wort hin durch Regenfall gequält werden.

Wort für Wort
ājīvo yaḥ paraṃ teṣāṃ gopatvasya ca kāraṇam
Was ihr höchster Lebensunterhalt und die Grundlage ihres Hirtentums ist
tā gāvo vṛṣṭipātena pīḍyantāṃ vacanān mama
diese Kühe sollen auf mein Wort hin durch Regenfall gequält werden

aham apy adriśṛṅgābhaṃ tuṅgam āruhya vāraṇam / sāhāyyaṃ vaḥ kariṣyāmi vāyūnāṃ saṃgamena ca //

Auch ich werde, den hohen, einem Berggipfel gleichenden Elefanten besteigend, euch Hilfe leisten, zusammen mit dem Herbeikommen der Winde.'

Wort für Wort
aham apy adriśṛṅgābhaṃ tuṅgam āruhya vāraṇam
Auch ich werde, den hohen, einem Berggipfel gleichenden Elefanten besteigend
sāhāyyaṃ vaḥ kariṣyāmi vāyūnāṃ saṃgamena ca
euch Hilfe leisten, zusammen mit dem Herbeikommen der Winde

{vyāsa uvāca:} ity ājñaptāḥ surendreṇa mumucus te balāhakāḥ / vātavarṣaṃ mahābhīmam abhāvāya gavāṃ dvijāḥ //

So vom Götterfürsten befohlen, ließen die Wolken einen überaus furchtbaren Sturm-Regen los, zum Verderben der Kühe, ihr Zweifachgeborenen.

Wort für Wort
ity ājñaptāḥ surendreṇa mumucus te balāhakāḥ
So vom Götterfürsten befohlen, ließen die Wolken los
vātavarṣaṃ mahābhīmam abhāvāya gavāṃ dvijāḥ
einen überaus furchtbaren Sturm-Regen, zum Verderben der Kühe, ihr Zweifachgeborenen

tataḥ kṣaṇena dharaṇī kakubho 'mbaram eva ca / ekaṃ dhārāmahāsāra-pūraṇenābhavad dvijāḥ //

Darauf wurden in einem Augenblick die Erde, die Himmelsrichtungen und der Luftraum durch die Füllung mit gewaltigen Regenschauer-Strömen zu einem einzigen Ganzen, ihr Zweifachgeborenen.

Wort für Wort
tataḥ kṣaṇena dharaṇī kakubho 'mbaram eva ca
Darauf in einem Augenblick die Erde, die Himmelsrichtungen und der Luftraum
ekaṃ dhārāmahāsāra-pūraṇenābhavad dvijāḥ
wurden durch die Füllung mit gewaltigen Regenschauer-Strömen zu einem einzigen Ganzen, ihr Zweifachgeborenen

gāvas tu tena patatā varṣavātena veginā / dhutāḥ prāṇāñ jahuḥ sarvās tiryaṅmukhaśirodharāḥ //

Die Kühe aber, geschüttelt von diesem herabstürzenden, heftigen Regensturm, gaben alle mit seitwärts gewandtem Gesicht und Nacken ihr Leben auf.

Wort für Wort
gāvas tu tena patatā varṣavātena veginā
Die Kühe aber, geschüttelt von diesem herabstürzenden, heftigen Regensturm
dhutāḥ prāṇāñ jahuḥ sarvās tiryaṅmukhaśirodharāḥ
gaben alle mit seitwärts gewandtem Gesicht und Nacken ihr Leben auf

kroḍena vatsān ākramya tasthur anyā dvijottamāḥ / gāvo vivatsāś ca kṛtā vāripūreṇa cāparāḥ //

Andere, ihr besten der Zweifachgeborenen, hielten mit ihrer Brust die Kälber umfangen und blieben stehen; wieder andere Kühe wurden durch die Wasserflut von ihren Kälbern getrennt.

Wort für Wort
kroḍena vatsān ākramya tasthur anyā dvijottamāḥ
Andere, ihr besten der Zweifachgeborenen, hielten mit ihrer Brust die Kälber umfangen und blieben stehen
gāvo vivatsāś ca kṛtā vāripūreṇa cāparāḥ
wieder andere Kühe wurden durch die Wasserflut von ihren Kälbern getrennt

vatsāś ca dīnavadanāḥ pavanākampikaṃdharāḥ / trāhi trāhīty alpaśabdāḥ kṛṣṇam ūcur ivārtakāḥ //

Und die Kälber, mit elendem Gesicht, deren Nacken vom Wind erzitterten, riefen mit schwachen Lauten gleichsam zu Kṛṣṇa: ,Rette, rette!' wie Leidende.

Wort für Wort
vatsāś ca dīnavadanāḥ pavanākampikaṃdharāḥ
Und die Kälber, mit elendem Gesicht, deren Nacken vom Wind erzitterten
trāhi trāhīty alpaśabdāḥ kṛṣṇam ūcur ivārtakāḥ
riefen mit schwachen Lauten gleichsam zu Kṛṣṇa: 'Rette, rette!' wie Leidende

tatas tad gokulaṃ sarvaṃ gogopīgopasaṃkulam / atīvārtaṃ harir dṛṣṭvā trāṇāyācintayat tadā //

Als Hari darauf jenes gesamte, mit Kühen, Hirtenfrauen und Hirten erfüllte Gokula in höchster Bedrängnis sah, dachte er zu ihrer Rettung:

Wort für Wort
tatas tad gokulaṃ sarvaṃ gogopīgopasaṃkulam
Als Hari darauf jenes gesamte, mit Kühen, Hirtenfrauen und Hirten erfüllte Gokula
atīvārtaṃ harir dṛṣṭvā trāṇāyācintayat tadā
in höchster Bedrängnis sah, dachte er zu ihrer Rettung

etat kṛtaṃ mahendreṇa mahabhaṅgavirodhinā / tad etad akhilaṃ goṣṭhaṃ trātavyam adhunā mayā //

'Dies ist von dem großen Indra getan worden, der sich gegen die Vereitelung seines Festes wendet; deshalb muss von mir jetzt dieser ganze Kuhpferch gerettet werden.

Wort für Wort
etat kṛtaṃ mahendreṇa mahabhaṅgavirodhinā
Dies ist von dem großen Indra getan worden, der sich gegen die Vereitelung seines Festes wendet
tad etad akhilaṃ goṣṭhaṃ trātavyam adhunā mayā
deshalb muss von mir jetzt dieser ganze Kuhpferch gerettet werden

imam adrim ahaṃ vīryād utpāṭyoruśilātalam / dhārayiṣyāmi goṣṭhasya pṛthucchattram ivopari //

Ich werde diesen Berg mit seinem gewaltigen Felsgrund durch meine Kraft ausreißen und über dem Kuhpferch wie einen großen Schirm halten.'

Wort für Wort
imam adrim ahaṃ vīryād utpāṭyoruśilātalam
Ich werde diesen Berg mit seinem gewaltigen Felsgrund durch meine Kraft ausreißen
dhārayiṣyāmi goṣṭhasya pṛthucchattram ivopari
und über dem Kuhpferch wie einen großen Schirm halten

{vyāsa uvāca:} iti kṛtvā matiṃ kṛṣṇo govardhanamahīdharam / utpāṭyaikakareṇaiva dhārayām āsa līlayā //

So entschlossen, riss Kṛṣṇa den Berg Govardhana aus und hielt ihn spielend mit nur einer Hand empor.

Wort für Wort
iti kṛtvā matiṃ kṛṣṇo govardhanamahīdharam
So entschlossen, den Berg Govardhana, Kṛṣṇa
utpāṭyaikakareṇaiva dhārayām āsa līlayā
riss ihn aus und hielt ihn spielend mit nur einer Hand empor

gopāṃś cāha jagannāthaḥ samutpāṭitabhūdharaḥ / viśadhvam atra sahitāḥ kṛtaṃ varṣanivāraṇam //

Und der Herr der Welt, der den Berg ausgerissen hatte, sprach zu den Kuhhirten: 'Geht alle zusammen hier hinein; die Abwehr des Regens ist vollzogen.'

Wort für Wort
gopāṃś cāha jagannāthaḥ samutpāṭitabhūdharaḥ
Und der Herr der Welt, der den Berg ausgerissen hatte, sprach zu den Kuhhirten
viśadhvam atra sahitāḥ kṛtaṃ varṣanivāraṇam
'Geht alle zusammen hier hinein; die Abwehr des Regens ist vollzogen'

sunirvāteṣu deśeṣu yathāyogyam ihāsyatām / praviśya nātra bhetavyaṃ giripātasya nirbhayaiḥ //

'An windgeschützten Orten sollt ihr euch hier passend niederlassen; nachdem ihr eingetreten seid, braucht ihr keine Angst vor dem Herabfallen des Berges zu haben, seid unbesorgt.'

Wort für Wort
sunirvāteṣu deśeṣu yathāyogyam ihāsyatām
An windgeschützten Orten sollt ihr euch hier passend niederlassen
praviśya nātra bhetavyaṃ giripātasya nirbhayaiḥ
nachdem ihr eingetreten seid, braucht ihr keine Angst vor dem Herabfallen des Berges zu haben

{vyāsa uvāca:} ity uktās tena te gopā viviśur godhanaiḥ saha / śakaṭāropitair bhāṇḍair gopyaś cāsārapīḍitāḥ //

So von ihm angesprochen, traten die Kuhhirten mit ihrem Rinderbesitz ein, mit den auf Wagen geladenen Gefäßen, und die von dem Wolkenbruch bedrängten Hirtenfrauen.

Wort für Wort
ity uktās tena te gopā viviśur godhanaiḥ saha
So von ihm angesprochen, traten die Kuhhirten mit ihrem Rinderbesitz ein
śakaṭāropitair bhāṇḍair gopyaś cāsārapīḍitāḥ
mit den auf Wagen geladenen Gefäßen, und die von dem Wolkenbruch bedrängten Hirtenfrauen

kṛṣṇo 'pi taṃ dadhāraivaṃ śailam atyantaniścalam / vrajaukovāsibhir harṣa-vismitākṣair nirīkṣitaḥ //

Kṛṣṇa aber hielt so den Berg vollkommen unbeweglich, betrachtet von den Bewohnern Vrajas mit vor Freude und Erstaunen geweiteten Augen.

Wort für Wort
kṛṣṇo 'pi taṃ dadhāraivaṃ śailam atyantaniścalam
Kṛṣṇa aber hielt so den Berg vollkommen unbeweglich
vrajaukovāsibhir harṣa-vismitākṣair nirīkṣitaḥ
betrachtet von den Bewohnern Vrajas mit vor Freude und Erstaunen geweiteten Augen

gopagopījanair hṛṣṭaiḥ prītivistāritekṣaṇaiḥ / saṃstūyamānacaritaḥ kṛṣṇaḥ śailam adhārayat //

Von den erfreuten Kuhhirten und Hirtenfrauen, deren Augen sich vor Liebe weiteten, dessen Taten gepriesen wurden, hielt Kṛṣṇa den Berg empor.

Wort für Wort
gopagopījanair hṛṣṭaiḥ prītivistāritekṣaṇaiḥ
Von den erfreuten Kuhhirten und Hirtenfrauen, deren Augen sich vor Liebe weiteten
saṃstūyamānacaritaḥ kṛṣṇaḥ śailam adhārayat
dessen Taten gepriesen wurden, hielt Kṛṣṇa den Berg empor

saptarātraṃ mahāmeghā vavarṣur nandagokule / indreṇa coditā meghā gopānāṃ nāśakāriṇā //

Sieben Nächte lang regneten die großen Wolken über Nandas Gokula, von Indra angetrieben, die Wolken, die den Untergang der Kuhhirten bewirken sollten.

Wort für Wort
saptarātraṃ mahāmeghā vavarṣur nandagokule
Sieben Nächte lang regneten die großen Wolken über Nandas Gokula
indreṇa coditā meghā gopānāṃ nāśakāriṇā
von Indra angetrieben, die Wolken, die den Untergang der Kuhhirten bewirken sollten

tato dhṛte mahāśaile paritrāte ca gokule / mithyāpratijño balabhid vārayām āsa tān ghanān //

Als darauf der große Berg immer noch gehalten wurde und Gokula gerettet war, hielt Balabhid (Indra), dessen Vorhaben zunichtegemacht war, jene Wolken zurück.

Wort für Wort
tato dhṛte mahāśaile paritrāte ca gokule
Als darauf der große Berg gehalten wurde und Gokula gerettet war
mithyāpratijño balabhid vārayām āsa tān ghanān
hielt Balabhid, dessen Vorhaben zunichtegemacht war, jene Wolken zurück

vyabhre nabhasi devendre vitathe śakramantrite / niṣkramya gokulaṃ hṛṣṭaḥ svasthānaṃ punar āgamat //

Als der Himmel wolkenlos geworden war und der Götterfürst, dessen von Śakra angeordnetes Vorhaben gescheitert war, sich von Gokula zurückgezogen hatte, kehrte er, erfreut, wieder an seinen eigenen Ort zurück.

Wort für Wort
vyabhre nabhasi devendre vitathe śakramantrite
Als der Himmel wolkenlos geworden war, der Götterfürst, dessen von Śakra angeordnetes [Vorhaben] gescheitert war
niṣkramya gokulaṃ hṛṣṭaḥ svasthānaṃ punar āgamat
zog er sich von Gokula zurück und kehrte, erfreut, wieder an seinen eigenen Ort zurück

[Anm.: Die genaue Konstruktion dieses Verses (Subjekt und Bezug von ,hṛṣṭaḥ') bleibt etwas unsicher [?]; hier als Rückzug Indras nach dem gescheiterten Sturm verstanden.]

mumoca kṛṣṇo 'pi tadā govardhanamahāgirim / svasthāne vismitamukhair dṛṣṭas tair vrajavāsibhiḥ //

Kṛṣṇa aber setzte darauf den großen Berg Govardhana an seinem eigenen Ort wieder ab, betrachtet von jenen erstaunten Bewohnern Vrajas.

Wort für Wort
mumoca kṛṣṇo 'pi tadā govardhanamahāgirim
Kṛṣṇa aber setzte darauf den großen Berg Govardhana
svasthāne vismitamukhair dṛṣṭas tair vrajavāsibhiḥ
an seinem eigenen Ort wieder ab, betrachtet von jenen erstaunten Bewohnern Vrajas

{vyāsa uvāca:} dhṛte govardhane śaile paritrāte ca gokule / rocayām āsa kṛṣṇasya darśanaṃ pākaśāsanaḥ //

Nachdem der Berg Govardhana gehalten und Gokula gerettet worden war, wünschte Pākaśāsana (Indra) den Anblick Kṛṣṇas.

Wort für Wort
dhṛte govardhane śaile paritrāte ca gokule
Nachdem der Berg Govardhana gehalten und Gokula gerettet worden war
rocayām āsa kṛṣṇasya darśanaṃ pākaśāsanaḥ
wünschte Pākaśāsana den Anblick Kṛṣṇas

so 'dhiruhya mahānāgam airāvatam amitrajit / govardhanagirau kṛṣṇaṃ dadarśa tridaśādhipaḥ //

Er, der Bezwinger der Feinde, der Herr der Götter, bestieg den großen Elefanten Airāvata und erblickte Kṛṣṇa auf dem Berg Govardhana,

Wort für Wort
so 'dhiruhya mahānāgam airāvatam amitrajit
Er, der Bezwinger der Feinde, bestieg den großen Elefanten Airāvata
govardhanagirau kṛṣṇaṃ dadarśa tridaśādhipaḥ
und erblickte, der Herr der Götter, Kṛṣṇa auf dem Berg Govardhana

cārayantaṃ mahāvīryaṃ gāś ca gopavapurdharam / kṛtsnasya jagato gopaṃ vṛtaṃ gopakumārakaiḥ //

den von gewaltiger Kraft, wie er die Kühe weidete, in Gestalt eines Hirten, den Hirten der gesamten Welt, umgeben von den Hirtenknaben.

Wort für Wort
cārayantaṃ mahāvīryaṃ gāś ca gopavapurdharam
den von gewaltiger Kraft, wie er die Kühe weidete, in Gestalt eines Hirten
kṛtsnasya jagato gopaṃ vṛtaṃ gopakumārakaiḥ
den Hirten der gesamten Welt, umgeben von den Hirtenknaben

garuḍaṃ ca dadarśoccair antardhānagataṃ dvijāḥ / kṛtacchāyaṃ harer mūrdhni pakṣābhyāṃ pakṣipuṃgavam //

Und er sah hoch über ihm Garuḍa, den Fürsten der Vögel, der selbst unsichtbar geworden war und mit seinen Flügeln über Haris Haupt Schatten spendete, ihr Zweifachgeborenen.

Wort für Wort
garuḍaṃ ca dadarśoccair antardhānagataṃ dvijāḥ
Und er sah hoch über ihm Garuḍa, der selbst unsichtbar geworden war, ihr Zweifachgeborenen
kṛtacchāyaṃ harer mūrdhni pakṣābhyāṃ pakṣipuṃgavam
den Fürsten der Vögel, der mit seinen Flügeln über Haris Haupt Schatten spendete

avaruhya sa nāgendrād ekānte madhusūdanam / śakraḥ sasmitam āhedaṃ prītivisphāritekṣaṇaḥ //

Nachdem er vom Elefantenfürsten herabgestiegen war, sprach Śakra, mit vor Freude geweiteten Augen, lächelnd zu Madhusūdana, ihn beiseite nehmend, folgendes:

Wort für Wort
avaruhya sa nāgendrād ekānte madhusūdanam
Nachdem er vom Elefantenfürsten herabgestiegen war, zu Madhusūdana, beiseite
śakraḥ sasmitam āhedaṃ prītivisphāritekṣaṇaḥ
sprach Śakra, mit vor Freude geweiteten Augen, lächelnd folgendes

{indra uvāca:} kṛṣṇa kṛṣṇa śṛṇuṣvedaṃ yadartham aham āgataḥ / tvatsamīpaṃ mahābāho naitac cintyaṃ tvayānyathā //

[Indra sprach:] ,Kṛṣṇa, Kṛṣṇa! Höre dies, weswegen ich zu dir gekommen bin, du Starkarmiger; dies soll von dir nicht anders gedacht werden.

Wort für Wort
kṛṣṇa kṛṣṇa śṛṇuṣvedaṃ yadartham aham āgataḥ
Kṛṣṇa, Kṛṣṇa! Höre dies, weswegen ich gekommen bin
tvatsamīpaṃ mahābāho naitac cintyaṃ tvayānyathā
zu dir, du Starkarmiger; dies soll von dir nicht anders gedacht werden

bhārāvataraṇārdhāya pṛthivyāḥ pṛthivītalam / avatīrṇo 'khilādhāras tvam eva parameśvara //

Zum Zweck der Abnahme der Last der Erde bist du, die Stütze von allem, o höchster Herr, auf der Erdoberfläche selbst herabgestiegen.

Wort für Wort
bhārāvataraṇārdhāya pṛthivyāḥ pṛthivītalam
Zum Zweck der Abnahme der Last der Erde, auf die Erdoberfläche
avatīrṇo 'khilādhāras tvam eva parameśvara
bist du, die Stütze von allem, o höchster Herr, herabgestiegen

mahabhaṅgaviruddhena mayā gokulanāśakāḥ / samādiṣṭā mahāmeghās taiś caitat kadanaṃ kṛtam //

Von mir, empört über die Vereitelung meines Festes, wurden die großen, Gokula vernichtenden Wolken beauftragt, und von diesen wurde dieses Unheil angerichtet.

Wort für Wort
mahabhaṅgaviruddhena mayā gokulanāśakāḥ
Von mir, empört über die Vereitelung meines Festes, die Gokula vernichtenden
samādiṣṭā mahāmeghās taiś caitat kadanaṃ kṛtam
großen Wolken wurden beauftragt, und von diesen wurde dieses Unheil angerichtet

trātās tāpāt tvayā gāvaḥ samutpāṭya mahāgirim / tenāhaṃ toṣito vīra karmaṇātyadbhutena te //

Gerettet vor der Qual wurden von dir die Kühe, indem du den großen Berg ausrissest; dadurch, o Held, bin ich zufrieden gestellt worden durch diese überaus wunderbare Tat von dir.

Wort für Wort
trātās tāpāt tvayā gāvaḥ samutpāṭya mahāgirim
Gerettet vor der Qual wurden von dir die Kühe, indem du den großen Berg ausrissest
tenāhaṃ toṣito vīra karmaṇātyadbhutena te
dadurch, o Held, bin ich zufrieden gestellt worden durch diese überaus wunderbare Tat von dir

sādhitaṃ kṛṣṇa devānām adya manye prayojanam / tvayāyam adripravaraḥ kareṇaikena coddhṛtaḥ //

Ich glaube, o Kṛṣṇa, heute ist das Anliegen der Götter erfüllt worden, da von dir dieser vorzügliche Berg mit nur einer Hand emporgehoben wurde.

Wort für Wort
sādhitaṃ kṛṣṇa devānām adya manye prayojanam
Ich glaube, o Kṛṣṇa, heute ist das Anliegen der Götter erfüllt worden
tvayāyam adripravaraḥ kareṇaikena coddhṛtaḥ
da von dir dieser vorzügliche Berg mit nur einer Hand emporgehoben wurde

gobhiś ca noditaḥ kṛṣṇa tvatsamīpam ihāgataḥ / tvayā trātābhir atyarthaṃ yuṣmatkāraṇakāraṇāt //

Und von den Kühen angetrieben, o Kṛṣṇa, bin ich hierher zu dir gekommen — von jenen, die von dir überaus gnädig gerettet wurden, um euretwillen.

Wort für Wort
gobhiś ca noditaḥ kṛṣṇa tvatsamīpam ihāgataḥ
Und von den Kühen angetrieben, o Kṛṣṇa, bin ich hierher zu dir gekommen
tvayā trātābhir atyarthaṃ yuṣmatkāraṇakāraṇāt
von jenen, die von dir überaus gnädig gerettet wurden, um euretwillen

sa tvāṃ kṛṣṇābhiṣekṣyāmi gavāṃ vākyapracoditaḥ / upendratve gavām indro govindas tvaṃ bhaviṣyasi //

Deshalb werde ich dich, o Kṛṣṇa, auf das Wort der Kühe hin, weihen; im Rang des Upendra wirst du der Indra (Herr) der Kühe sein, 'Govinda'.

Wort für Wort
sa tvāṃ kṛṣṇābhiṣekṣyāmi gavāṃ vākyapracoditaḥ
Deshalb werde ich dich, o Kṛṣṇa, auf das Wort der Kühe hin weihen
upendratve gavām indro govindas tvaṃ bhaviṣyasi
im Rang des Upendra wirst du der Indra der Kühe sein, 'Govinda'

[Anm.: Volksetymologische Erklärung des Namens ,Govinda' als ,Indra/Herr der Kühe' im Kontext von Kṛṣṇas Weihung durch Indra.]

athopavāhyād ādāya ghaṇṭām airāvatād gajāt / abhiṣekaṃ tayā cakre pavitrajalapūrṇayā //

Darauf nahm er von seinem Reittier, dem Elefanten Airāvata, dessen Glocke, gefüllt mit reinem Wasser, und vollzog damit die Weihe.

Wort für Wort
athopavāhyād ādāya ghaṇṭām airāvatād gajāt
Darauf nahm er von seinem Reittier, dem Elefanten Airāvata, dessen Glocke
abhiṣekaṃ tayā cakre pavitrajalapūrṇayā
gefüllt mit reinem Wasser, und vollzog damit die Weihe

kriyamāṇe 'bhiṣeke tu gāvaḥ kṛṣṇasya tatkṣaṇāt / prasravodbhūtadugdhārdrāṃ sadyaś cakrur vasuṃdharām //

Während die Weihe Kṛṣṇas vollzogen wurde, machten die Kühe im selben Augenblick die Erde sogleich feucht von der aus ihren Eutern fließenden Milch.

Wort für Wort
kriyamāṇe 'bhiṣeke tu gāvaḥ kṛṣṇasya tatkṣaṇāt
Während die Weihe Kṛṣṇas vollzogen wurde, die Kühe im selben Augenblick
prasravodbhūtadugdhārdrāṃ sadyaś cakrur vasuṃdharām
machten die Erde sogleich feucht von der aus ihren Eutern fließenden Milch

abhiṣicya gavāṃ vākyād devendro vai janārdanam / prītyā sapraśrayaṃ kṛṣṇaṃ punar āha śacīpatiḥ //

Nachdem der Götterfürst auf das Wort der Kühe hin Janārdana geweiht hatte, sprach der Gatte der Śacī (Indra) mit Liebe und Ehrerbietung wiederum zu Kṛṣṇa:

Wort für Wort
abhiṣicya gavāṃ vākyād devendro vai janārdanam
Nachdem der Götterfürst auf das Wort der Kühe hin Janārdana geweiht hatte
prītyā sapraśrayaṃ kṛṣṇaṃ punar āha śacīpatiḥ
sprach der Gatte der Śacī mit Liebe und Ehrerbietung wiederum zu Kṛṣṇa

{indra uvāca:} gavām etat kṛtaṃ vākyāt tathānyad api me śṛṇu / yad bravīmi mahābhāga bhārāvataraṇecchayā //

[Indra sprach:] ,Dies wurde auf das Wort der Kühe hin getan; höre nun auch anderes von mir, was ich, o Hochgesegneter, aus dem Wunsch nach der Abnahme der Erdenlast sage.

Wort für Wort
gavām etat kṛtaṃ vākyāt tathānyad api me śṛṇu
Dies wurde auf das Wort der Kühe hin getan; höre nun auch anderes von mir
yad bravīmi mahābhāga bhārāvataraṇecchayā
was ich, o Hochgesegneter, aus dem Wunsch nach der Abnahme der Erdenlast sage

mamāṃśaḥ puruṣavyāghraḥ pṛthivyāṃ pṛthivīdhara / avatīrṇo 'rjuno nāma sa rakṣyo bhavatā sadā //

Mein Teil, ein Tiger unter den Männern, ist auf der Erde herabgestiegen, o Träger der Erde, mit Namen Arjuna — er soll von dir allezeit beschützt werden.

Wort für Wort
mamāṃśaḥ puruṣavyāghraḥ pṛthivyāṃ pṛthivīdhara
Mein Teil, ein Tiger unter den Männern, ist auf der Erde herabgestiegen, o Träger der Erde
avatīrṇo 'rjuno nāma sa rakṣyo bhavatā sadā
mit Namen Arjuna — er soll von dir allezeit beschützt werden

bhārāvataraṇe sakhyaṃ sa te vīraḥ kariṣyati / sa rakṣaṇīyo bhavatā yathātmā madhusūdana //

Bei der Abnahme der Last wird dieser Held dir Freundschaft erweisen; er soll von dir beschützt werden wie dein eigenes Selbst, o Madhusūdana.'

Wort für Wort
bhārāvataraṇe sakhyaṃ sa te vīraḥ kariṣyati
Bei der Abnahme der Last wird dieser Held dir Freundschaft erweisen
sa rakṣaṇīyo bhavatā yathātmā madhusūdana
er soll von dir beschützt werden wie dein eigenes Selbst, o Madhusūdana

{śrībhagavān uvāca:} jānāmi bhārate vaṃśe jātaṃ pārthaṃ tavāṃśataḥ / tam ahaṃ pālayiṣyāmi yāvad asmi mahītale //

[Der erhabene Herr sprach:] ,Ich kenne den in der Bharata-Dynastie geborenen Pārtha (Arjuna), entstanden aus deinem Teil; ich werde ihn beschützen, solange ich auf der Erde bin.

Wort für Wort
jānāmi bhārate vaṃśe jātaṃ pārthaṃ tavāṃśataḥ
Ich kenne den in der Bharata-Dynastie geborenen Pārtha, entstanden aus deinem Teil
tam ahaṃ pālayiṣyāmi yāvad asmi mahītale
ich werde ihn beschützen, solange ich auf der Erde bin

yāvan mahītale śakra sthāsyāmy aham ariṃdama / na tāvad arjunaṃ kaścid devendra yudhi jeṣyati //

Solange ich auf der Erde weilen werde, o Śakra, Bezwinger der Feinde, solange wird niemand, o Götterfürst, Arjuna im Kampf besiegen.

Wort für Wort
yāvan mahītale śakra sthāsyāmy aham ariṃdama
Solange ich auf der Erde weilen werde, o Śakra, Bezwinger der Feinde
na tāvad arjunaṃ kaścid devendra yudhi jeṣyati
solange wird niemand, o Götterfürst, Arjuna im Kampf besiegen

kaṃso nāma mahābāhur daityo 'riṣṭas tathā paraḥ / keśī kuvalayāpīḍo narakādyās tathāpare //

Der starkarmige Daitya namens Kaṃsa, ebenso der andere, Ariṣṭa, Keśin, Kuvalayāpīḍa, Naraka und andere mehr —

Wort für Wort
kaṃso nāma mahābāhur daityo 'riṣṭas tathā paraḥ
Der starkarmige Daitya namens Kaṃsa, ebenso der andere, Ariṣṭa
keśī kuvalayāpīḍo narakādyās tathāpare
Keśin, Kuvalayāpīḍa, Naraka und andere mehr

hateṣu teṣu devendra bhaviṣyati mahāhavaḥ / tatra viddhi sahasrākṣa bhārāvataraṇaṃ kṛtam //

wenn diese getötet sind, o Götterfürst, wird eine große Schlacht stattfinden; dort, wisse, o Tausendäugiger, wird die Abnahme der Erdenlast vollbracht sein.

Wort für Wort
hateṣu teṣu devendra bhaviṣyati mahāhavaḥ
Wenn diese getötet sind, o Götterfürst, wird eine große Schlacht stattfinden
tatra viddhi sahasrākṣa bhārāvataraṇaṃ kṛtam
dort, wisse, o Tausendäugiger, wird die Abnahme der Erdenlast vollbracht sein

sa tvaṃ gaccha na saṃtāpaṃ putrārthe kartum arhasi / nārjunasya ripuḥ kaścin mamāgre prabhaviṣyati //

Geh du nun; du sollst dich um deinen Sohn nicht ängstigen; kein Feind Arjunas wird vor mir Macht haben.

Wort für Wort
sa tvaṃ gaccha na saṃtāpaṃ putrārthe kartum arhasi
Geh du nun; du sollst dich um deinen Sohn nicht ängstigen
nārjunasya ripuḥ kaścin mamāgre prabhaviṣyati
kein Feind Arjunas wird vor mir Macht haben

arjunārthe tv ahaṃ sarvān yudhiṣṭhirapurogamān / nivṛtte bhārate yuddhe kuntyai dāsyāmi vikṣatān //

Um Arjunas willen werde ich alle, angeführt von Yudhiṣṭhira, wenn der Bharata-Krieg beendet ist, unversehrt der Kuntī zurückgeben.'

Wort für Wort
arjunārthe tv ahaṃ sarvān yudhiṣṭhirapurogamān
Um Arjunas willen werde ich alle, angeführt von Yudhiṣṭhira
nivṛtte bhārate yuddhe kuntyai dāsyāmi vikṣatān
wenn der Bharata-Krieg beendet ist, unversehrt der Kuntī zurückgeben

[Anm.: Bemerkenswerter Vorverweis auf den Mahābhārata-Krieg und die Pāṇḍavas innerhalb der Kṛṣṇa-Kindheitserzählung des Brahma-Purāṇa.]

{vyāsa uvāca:} ity uktaḥ saṃpariṣvajya devarājo janārdanam / āruhyairāvataṃ nāgaṃ punar eva divaṃ yayau //

Nach diesen Worten umarmte der Götterkönig Janārdana, bestieg den Elefanten Airāvata und begab sich wieder zum Himmel.

Wort für Wort
ity uktaḥ saṃpariṣvajya devarājo janārdanam
Nach diesen Worten umarmte der Götterkönig Janārdana
āruhyairāvataṃ nāgaṃ punar eva divaṃ yayau
bestieg den Elefanten Airāvata und begab sich wieder zum Himmel

kṛṣṇo 'pi sahito gobhir gopālaiś ca punar vrajam / ājagāmātha gopīnāṃ dṛṣṭapūtena vartmanā //

Kṛṣṇa aber kehrte, begleitet von den Kühen und den Kuhhirten, wieder nach Vraja zurück, auf dem von den Blicken der Hirtenfrauen geheiligten Weg.

Wort für Wort
kṛṣṇo 'pi sahito gobhir gopālaiś ca punar vrajam
Kṛṣṇa aber kehrte, begleitet von den Kühen und den Kuhhirten, wieder nach Vraja
ājagāmātha gopīnāṃ dṛṣṭapūtena vartmanā
zurück, auf dem von den Blicken der Hirtenfrauen geheiligten Weg

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