Quellen der Menschheit

Brahma-Purāṇa

Kapitel 106: pravarāsaṃgamamāhātmyavarṇanam Die Größe des Pravarā-Saṃgama (Siddheśvara-Tīrtha, Ursprung des Rāhu)

Die Erzählung vom Milchozean-Quirlen (Samudra-Manthana): Götter und Dānavas quirlen gemeinsam den Ozean und erlangen das Amṛta, beschließen dann aber, es den Dānavas vorzuenthalten. Auf Bṛhaspatis und Brahmās Rat verteilen Viṣṇu und Śiva heimlich das Amṛta unter den Göttern; der Daitya Rāhu erschleicht sich als vermeintlicher Marut einen Schluck, wird von der Sonne entlarvt und von Viṣṇus Diskus enthauptet – doch da er das Amṛta bereits getrunken hat, werden sowohl sein Kopf (Ursprung des Planeten Rāhu) als auch sein zur Erde gefallener Körper unsterblich. Die von Śiva entsandte Göttin (Śakti/Ambikā/Kālarātri) vernichtet den unsterblichen Körper und zieht die darin verborgene Amṛta-Essenz heraus; der ausströmende Rest wird zum Fluss Pravarā. Die Göttin nimmt an diesem Ort ('Nivāsapura') dauerhaft Wohnung neben Śiva (Siddheśvara); Ursprung des Pravarā-Saṃgama-Tīrtha mit 5000 Neben-Tīrthas, das Genuss und Erlösung gewährt.

pravarāsaṃgamo nāma śreṣṭhā caiva mahānadī / yatra siddheśvaro devaḥ sarvalokopakārakṛt //

Das 'Pravarā-Saṃgama' genannte Tīrtha – die vortrefflichste große Flussströmung, wo der Gott Siddheśvara weilt, der Wohltäter aller Welten.

Wort für Wort
pravarāsaṃgamo nāma
das 'Pravarā-Saṃgama' genannte (Tīrtha)
śreṣṭhā caiva mahānadī
die vortrefflichste große Flussströmung
yatra siddheśvaro devaḥ
wo der Gott Siddheśvara (weilt)
sarvalokopakārakṛt
der Wohltäter aller Welten

devānāṃ dānavānāṃ ca saṃgamo 'bhūt sudāruṇaḥ / teṣāṃ parasparaṃ vāpi prītiś cābhūn mahāmune //

Zwischen den Göttern und den Dānavas entstand eine sehr furchtbare Auseinandersetzung; doch später entstand auch gegenseitige Zuneigung zwischen ihnen, großer Weiser.

Wort für Wort
devānāṃ dānavānāṃ ca
zwischen den Göttern und den Dānavas
saṃgamo 'bhūt sudāruṇaḥ
entstand eine sehr furchtbare Auseinandersetzung
teṣāṃ parasparaṃ vāpi
zwischen ihnen aber auch
prītiś cābhūn mahāmune
entstand Zuneigung, großer Weiser

te 'py evaṃ mantrayām āsur devā vai dānavā mithaḥ / meruparvatam āsādya parasparahitaiṣiṇaḥ //

Sie, die Götter und die Dānavas, berieten sich so miteinander, nachdem sie den Berg Meru erreicht hatten, einander Gutes wünschend.

Wort für Wort
te 'py evaṃ mantrayām āsur devā vai dānavā mithaḥ
die Götter und die Dānavas berieten sich so miteinander
meruparvatam āsādya
nachdem sie den Berg Meru erreicht hatten
parasparahitaiṣiṇaḥ
einander Gutes wünschend

{devadaityā ūcuḥ: } amṛtenāmaratvaṃ syād utpādyāmṛtam uttamam / pibāmaḥ sarva evaite bhavāmaś cāmarā vayam //

Die Götter und Daityas sprachen: 'Durch Amṛta entsteht Unsterblichkeit; lasst uns das vortreffliche Amṛta erzeugen. Wir alle wollen es trinken und unsterblich werden.'

Wort für Wort
devadaityā ūcuḥ
die Götter und Daityas sprachen
amṛtenāmaratvaṃ syāt
durch Amṛta entsteht Unsterblichkeit
utpādyāmṛtam uttamam
lasst uns das vortreffliche Amṛta erzeugen
pibāmaḥ sarva evaite
wir alle wollen es trinken
bhavāmaś cāmarā vayam
und unsterblich werden

ekībhūtvā vayaṃ lokān pālayāmaḥ sukhāni ca / prāpsyāmaḥ saṃgaraṃ hitvā saṃgaro duḥkhakāraṇam //

'Vereint wollen wir die Welten beschützen und Glück erlangen, den Streit aufgebend – Streit ist Ursache des Leids.'

Wort für Wort
ekībhūtvā vayaṃ lokān pālayāmaḥ
vereint wollen wir die Welten beschützen
sukhāni ca prāpsyāmaḥ
und Glück erlangen
saṃgaraṃ hitvā
den Streit aufgebend
saṃgaro duḥkhakāraṇam
Streit ist Ursache des Leids

prītyā caivārjitān arthān bhokṣyāmo gatamatsarāḥ / yataḥ snehena vṛttir yā sāsmākaṃ sukhadā sadā //

'In Freundschaft wollen wir die erworbenen Güter genießen, frei von Missgunst; denn das Verhalten, das aus Zuneigung kommt, bringt uns stets Glück.'

Wort für Wort
prītyā caivārjitān arthān bhokṣyāmo gatamatsarāḥ
in Freundschaft wollen wir die erworbenen Güter genießen, frei von Missgunst
yataḥ snehena vṛttir yā
denn das Verhalten, das aus Zuneigung kommt
sāsmākaṃ sukhadā sadā
bringt uns stets Glück

vaiparītyaṃ tu yad vṛttaṃ na smartavyaṃ kadācana / na ca trailokyarājye 'pi kaivalye vā sukhaṃ manāk / tad ūrdhvam api vā yat tu nirvairatvād avāpyate //

'Das gegenteilige Verhalten soll niemals mehr in Erinnerung gerufen werden; denn selbst in der Königsherrschaft über die drei Welten oder in der Alleinheit gibt es nicht so viel Glück, wie es – oder sogar mehr noch – durch Feindlosigkeit erlangt wird.'

Wort für Wort
vaiparītyaṃ tu yad vṛttaṃ na smartavyaṃ kadācana
das gegenteilige Verhalten (Feindschaft) soll niemals mehr in Erinnerung gerufen werden
na ca trailokyarājye 'pi kaivalye vā sukhaṃ manāk
selbst in der Königsherrschaft über die drei Welten oder in der Alleinheit gibt es nicht so viel Glück
tad ūrdhvam api vā yat tu nirvairatvād avāpyate
wie es – oder sogar mehr noch – durch Feindlosigkeit erlangt wird

[Anm.: Dreizeiliger Vers im Quelltext.]

{brahmovāca: } evaṃ parasparaṃ prītāḥ santo devāś ca dānavāḥ / ekībhūtāś ca suprītā vimathya varuṇālayam //

Brahmā sprach: So einander zugetan, vereinten sich die Götter und die Dānavas, hoch erfreut, um die Wohnstatt Varuṇas zu quirlen.

Wort für Wort
brahmovāca
Brahmā sprach
evaṃ parasparaṃ prītāḥ santo devāś ca dānavāḥ
so einander zugetan, die Götter und die Dānavas
ekībhūtāś ca suprītā
vereinten sich, hoch erfreut
vimathya varuṇālayam
um die Wohnstatt Varuṇas zu quirlen

manthānaṃ mandaraṃ kṛtvā rajjuṃ kṛtvā tu vāsukim / devāś ca dānavāḥ sarve mamanthur varuṇālayam //

Nachdem sie den Berg Mandara zum Quirlstab und die Schlange Vāsuki zum Seil gemacht hatten, quirlten alle Götter und Dānavas die Wohnstatt Varuṇas.

Wort für Wort
manthānaṃ mandaraṃ kṛtvā
nachdem sie den Mandara zum Quirlstab gemacht hatten
rajjuṃ kṛtvā tu vāsukim
und Vāsuki zum Seil gemacht hatten
devāś ca dānavāḥ sarve
alle Götter und Dānavas
mamanthur varuṇālayam
quirlten die Wohnstatt Varuṇas

utpannaṃ ca tataḥ puṇyam amṛtaṃ suravallabham / niṣpanne cāmṛte puṇye te ca procuḥ parasparam //

Da entstand das heilvolle, den Göttern liebe Amṛta; und als das heilvolle Amṛta entstanden war, sprachen sie zueinander:

Wort für Wort
utpannaṃ ca tataḥ puṇyam
da entstand das heilvolle
amṛtaṃ suravallabham
Amṛta, den Göttern lieb
niṣpanne cāmṛte puṇye
als das heilvolle Amṛta entstanden war
te ca procuḥ parasparam
sprachen sie zueinander

yāmaḥ svaṃ svam adhiṣṭhānaṃ kṛtakāryāḥ śramaṃ gatāḥ / sarve samaṃ ca sarvebhyo yathāyogyaṃ vibhajyatām //

'Lasst uns, nachdem wir die Aufgabe vollendet und Mühsal erfahren haben, zu unseren jeweiligen Wohnstätten zurückkehren; allen soll es gleichmäßig, jedem nach Gebühr, zugeteilt werden.'

Wort für Wort
yāmaḥ svaṃ svam adhiṣṭhānaṃ
lasst uns zu unseren jeweiligen Wohnstätten zurückkehren
kṛtakāryāḥ śramaṃ gatāḥ
nachdem wir die Aufgabe vollendet und Mühsal erfahren haben
sarve samaṃ ca sarvebhyo yathāyogyaṃ vibhajyatām
allen soll es gleichmäßig, jedem nach Gebühr, zugeteilt werden

yadā sarvāgamo yatra yasmiṃl lagne śubhāvahe / vibhajyatām idaṃ puṇyam amṛtaṃ surasattamāḥ //

'Wenn eine Zusammenkunft aller stattfindet, wo und in welcher glückverheißenden Stunde auch immer, dann soll dieses heilvolle Amṛta verteilt werden, ihr Besten der Götter.'

Wort für Wort
yadā sarvāgamo yatra
wenn eine Zusammenkunft aller (stattfindet), wo (auch immer)
yasmiṃl lagne śubhāvahe
in welcher glückverheißenden Stunde auch immer
vibhajyatām idaṃ puṇyam amṛtaṃ surasattamāḥ
soll dieses heilvolle Amṛta verteilt werden, ihr Besten der Götter

ity uktvā te yayuḥ sarve daityadānavarākṣasāḥ / gateṣu daityasaṃgheṣu devāḥ sarve 'nvamantrayan //

Nachdem sie dies gesagt hatten, gingen alle Daityas, Dānavas und Rākṣasas fort; als die Daitya-Scharen fort waren, berieten sich alle Götter untereinander.

Wort für Wort
ity uktvā te yayuḥ sarve daityadānavarākṣasāḥ
nachdem sie dies gesagt hatten, gingen alle Daityas, Dānavas und Rākṣasas fort
gateṣu daityasaṃgheṣu
als die Daitya-Scharen fort waren
devāḥ sarve 'nvamantrayan
berieten sich alle Götter untereinander

{devā ūcuḥ: } gatās te ripavo 'smākaṃ daivayogād ariṃdamāḥ / ripūṇām amṛtaṃ naiva deyaṃ bhavati sarvathā //

Die Götter sprachen: 'Fortgegangen sind unsere Feinde, durch Fügung des Schicksals, ihr Feindebezwinger; den Feinden darf das Amṛta keinesfalls gegeben werden.'

Wort für Wort
devā ūcuḥ
die Götter sprachen
gatās te ripavo 'smākaṃ daivayogād ariṃdamāḥ
fortgegangen sind unsere Feinde, durch Fügung des Schicksals, ihr Feindebezwinger
ripūṇām amṛtaṃ naiva deyaṃ bhavati sarvathā
den Feinden darf das Amṛta keinesfalls gegeben werden

{brahmovāca: } bṛhaspatis tathety āha punar āha surān idam //*

Brahmā sprach: Bṛhaspati sprach 'so sei es', und sprach weiter dies zu den Göttern:

Wort für Wort
brahmovāca
Brahmā sprach
bṛhaspatis tathety āha
Bṛhaspati sprach 'so sei es'
punar āha surān idam
und sprach weiter dies zu den Göttern

[Anm.: Halbvers, im Quelltext mit '//*' als unvollständig markiert.]

{bṛhaspatir uvāca: } na jānanti yathā pāpā pibadhvaṃ ca tathāmṛtam / ayam evocito mantro yac chatrūṇāṃ parābhavaḥ //

Bṛhaspati sprach: 'Auf dass jene Bösen es nicht bemerken, trinkt so das Amṛta; eben dies ist der angemessene Rat, dass es die Niederlage der Feinde bewirkt.'

Wort für Wort
bṛhaspatir uvāca
Bṛhaspati sprach
na jānanti yathā pāpāḥ
auf dass jene Bösen es nicht bemerken
pibadhvaṃ ca tathāmṛtam
trinkt so das Amṛta
ayam evocito mantro
eben dies ist der angemessene Rat
yac chatrūṇāṃ parābhavaḥ
dass es die Niederlage der Feinde bewirkt

dveṣyāḥ sarvātmanā dveṣyā iti nītivido viduḥ / na viśvāsyā na cākhyeyā naiva mantryāś ca śatravaḥ //

'Die zu Verabscheuenden sind mit ganzem Herzen zu verabscheuen – so wissen die Kenner der Staatskunst; Feinden darf man nicht vertrauen, ihnen nichts mitteilen und sie nicht ins Vertrauen ziehen.'

Wort für Wort
dveṣyāḥ sarvātmanā dveṣyā
die zu Verabscheuenden sind mit ganzem Herzen zu verabscheuen
iti nītivido viduḥ
so wissen die Kenner der Staatskunst
na viśvāsyā na cākhyeyā
man darf ihnen nicht vertrauen, ihnen nichts mitteilen
naiva mantryāś ca śatravaḥ
und Feinde nicht ins Vertrauen ziehen

tebhyo na deyam amṛtaṃ bhaveyur amarās tataḥ / amareṣu ca jāteṣu teṣu daityeṣu śatruṣu / tāñ jetuṃ naiva śakṣyāmo na deyam amṛtaṃ tataḥ //

'Ihnen darf das Amṛta nicht gegeben werden, damit nur wir unsterblich werden; würden nämlich auch jene Daitya-Feinde unsterblich, könnten wir sie niemals besiegen – deshalb darf ihnen das Amṛta nicht gegeben werden.'

Wort für Wort
tebhyo na deyam amṛtaṃ bhaveyur amarās tataḥ
ihnen darf das Amṛta nicht gegeben werden, damit (nur wir) unsterblich werden
amareṣu ca jāteṣu teṣu daityeṣu śatruṣu
würden nämlich auch jene Daitya-Feinde unsterblich
tāñ jetuṃ naiva śakṣyāmo na deyam amṛtaṃ tataḥ
könnten wir sie niemals besiegen – deshalb darf ihnen das Amṛta nicht gegeben werden

[Anm.: Dreizeiliger Vers im Quelltext.]

{brahmovāca: } iti saṃmantrya te devā vācaspatim athābruvan //*

Brahmā sprach: Nachdem sie so beraten hatten, sprachen jene Götter zu Vācaspati:

Wort für Wort
brahmovāca
Brahmā sprach
iti saṃmantrya te devāḥ
nachdem sie so beraten hatten, jene Götter
vācaspatim athābruvan
sprachen zu Vācaspati (Bṛhaspati)

[Anm.: Halbvers, im Quelltext mit '//*' als unvollständig markiert.]

{devā ūcuḥ: } kva yāmaḥ kutra mantraḥ syāt kva pibāmaḥ kva saṃsthitiḥ / kurmas tad eva prathamaṃ vada vācaspate tathā //

Die Götter sprachen: 'Wohin sollen wir gehen, wo soll die Beratung stattfinden, wo trinken wir, wo ist der Aufenthaltsort? Das wollen wir zuerst tun – sag es uns, Vācaspati.'

Wort für Wort
devā ūcuḥ
die Götter sprachen
kva yāmaḥ kutra mantraḥ syāt
wohin sollen wir gehen, wo soll die Beratung stattfinden
kva pibāmaḥ kva saṃsthitiḥ
wo trinken wir, wo ist der Aufenthaltsort
kurmas tad eva prathamaṃ vada vācaspate tathā
das wollen wir zuerst tun – sag es uns, Vācaspati

{bṛhaspatir uvāca: } yāntu brahmāṇam amarāḥ pṛcchantv atra gatiṃ parām / sa tu jñātā ca vaktā ca dātā caiva pitāmahaḥ //

Bṛhaspati sprach: 'Die Unsterblichen sollen zu Brahmā gehen und ihn hierbei nach dem höchsten Vorgehen fragen; er, der Großvater, ist ja der Wissende, der Sprecher und auch der Gebende.'

Wort für Wort
bṛhaspatir uvāca
Bṛhaspati sprach
yāntu brahmāṇam amarāḥ
die Unsterblichen sollen zu Brahmā gehen
pṛcchantv atra gatiṃ parām
und ihn hierbei nach dem höchsten Vorgehen fragen
sa tu jñātā ca vaktā ca dātā caiva pitāmahaḥ
er, der Großvater, ist der Wissende, der Sprecher und auch der Gebende

{brahmovāca: } bṛhaspater vacaḥ śrutvā madantikam athāgaman / namasya māṃ surāḥ sarve yad vṛttaṃ tan nyavedayan //

Brahmā sprach: Nachdem sie Bṛhaspatis Wort gehört hatten, kamen sie zu mir; nachdem sich alle Götter vor mir verneigt hatten, teilten sie mit, was sich zugetragen hatte.

Wort für Wort
brahmovāca
Brahmā sprach
bṛhaspater vacaḥ śrutvā madantikam athāgaman
nachdem sie Bṛhaspatis Wort gehört hatten, kamen sie zu mir
namasya māṃ surāḥ sarve
nachdem sich alle Götter vor mir verneigt hatten
yad vṛttaṃ tan nyavedayan
teilten sie mit, was sich zugetragen hatte

tad devavacanāt putra taiḥ surair agamaṃ harim / viṣṇave kathitaṃ sarvaṃ śaṃbhave viṣahāriṇe //

Auf jenes Wort der Götter hin, mein Sohn, ging ich mit jenen Göttern zu Hari; alles wurde Viṣṇu und Śambhu, dem Gift-Entferner, mitgeteilt.

Wort für Wort
tad devavacanāt putra
auf jenes Wort der Götter hin, mein Sohn
taiḥ surair agamaṃ harim
ging ich mit jenen Göttern zu Hari
viṣṇave kathitaṃ sarvam
alles wurde Viṣṇu mitgeteilt
śaṃbhave viṣahāriṇe
(und) Śambhu, dem Gift-Entferner

ahaṃ viṣṇuś ca śaṃbhuś ca devagandharvakiṃnaraiḥ / merukandaram āgatya na jānanti yathāsurāḥ //

Ich, Viṣṇu und Śambhu kamen, zusammen mit Göttern, Gandharvas und Kiṃnaras, zur Berghöhle des Meru, so dass die Asuras es nicht bemerkten.

Wort für Wort
ahaṃ viṣṇuś ca śaṃbhuś ca
ich, Viṣṇu und Śambhu
devagandharvakiṃnaraiḥ
zusammen mit Göttern, Gandharvas und Kiṃnaras
merukandaram āgatya
zur Berghöhle des Meru kommend
na jānanti yathāsurāḥ
so dass die Asuras es nicht bemerkten

rakṣakaṃ ca hariṃ kṛtvā somapānāya tasthire / ādityas tatra vijñātā somabhojyān athetarān //

Nachdem sie Hari zum Beschützer gemacht hatten, hielten sie sich zum Soma-Trinken bereit; die Ādityas wurden dort als die zum Soma-Genuss Berechtigten erkannt, im Unterschied zu den anderen.

Wort für Wort
rakṣakaṃ ca hariṃ kṛtvā
nachdem sie Hari zum Beschützer gemacht hatten
somapānāya tasthire
hielten sie sich zum Soma-Trinken bereit
ādityas tatra vijñātā
die Ādityas wurden dort erkannt
somabhojyān athetarān
als die zum Soma-Genuss Berechtigten, im Unterschied zu den anderen

somo dātāmṛtaṃ bhāgaṃ cakradhṛg rakṣakas tathā / naiva jānanti tad daityā danujā rākṣasās tathā //

Soma war der Geber des Amṛta-Anteils, der Diskusträger der Beschützer; die Daityas, Danus-Söhne und Rākṣasas bemerkten dies alles nicht.

Wort für Wort
somo dātāmṛtaṃ bhāgaṃ
Soma war der Geber des Amṛta-Anteils
cakradhṛg rakṣakas tathā
der Diskusträger (Viṣṇu) ebenso der Beschützer
naiva jānanti tad daityā danujā rākṣasās tathā
die Daityas, Danus-Söhne und Rākṣasas bemerkten dies nicht

vinā rāhuṃ mahāprājñaṃ saiṃhikeyaṃ ca somapam / kāmarūpadharo rāhur marutāṃ madhyam āviśat //

außer dem hochweisen Rāhu, dem Sohn der Siṃhikā, dem Soma-Trinker; Rāhu, gestaltwandlungsfähig, mischte sich unter die Maruts,

Wort für Wort
vinā rāhuṃ mahāprājñaṃ saiṃhikeyaṃ ca somapam
außer dem hochweisen Rāhu, dem Sohn der Siṃhikā, dem Soma-Trinker
kāmarūpadharo rāhur
Rāhu, gestaltwandlungsfähig
marutāṃ madhyam āviśat
mischte sich unter die Maruts

marudrūpaṃ samāsthāya pānapātradharas tathā / jñātvā divākaro daityaṃ taṃ somāya nyavedayat //

nahm die Gestalt eines Marut an und trug ebenso ein Trinkgefäß; die Sonne aber erkannte ihn als Daitya und teilte dies dem Soma mit.

Wort für Wort
marudrūpaṃ samāsthāya
nahm die Gestalt eines Marut an
pānapātradharas tathā
und trug ebenso ein Trinkgefäß
jñātvā divākaro daityaṃ taṃ somāya nyavedayat
die Sonne erkannte ihn als Daitya und teilte dies dem Soma mit

tadā tad amṛtaṃ tasmai daityāyādaityarūpiṇe / dattvā somaṃ tadā somo viṣṇave tan nyavedayat //

Da hatte Soma diesem Daitya, der sich nicht als Daitya zu erkennen gab, bereits jenes Amṛta gegeben; Soma teilte dies dann Viṣṇu mit.

Wort für Wort
tadā tad amṛtaṃ tasmai daityāyādaityarūpiṇe
da (hatte er) jenem Daitya, der sich nicht als Daitya zu erkennen gab, jenes Amṛta
dattvā somaṃ
gegeben, Soma
tadā somo viṣṇave tan nyavedayat
teilte dies dann Viṣṇu mit

viṣṇuḥ pītāmṛtaṃ daityaṃ cakreṇodyamya tacchiraḥ / ciccheda tarasā vatsa tacchiras tv amaraṃ tv abhūt //

Viṣṇu, den Daitya, der das Amṛta getrunken hatte, hob mit dem Diskus dessen Kopf empor und trennte ihn mit Wucht ab, mein Kind; jener Kopf aber wurde unsterblich,

Wort für Wort
viṣṇuḥ pītāmṛtaṃ daityaṃ
Viṣṇu, den Daitya, der das Amṛta getrunken hatte
cakreṇodyamya tacchiraḥ
hob mit dem Diskus dessen Kopf empor
ciccheda tarasā vatsa
und trennte ihn mit Wucht ab, mein Kind
tacchiras tv amaraṃ tv abhūt
jener Kopf aber wurde unsterblich

śiromātravihīnaṃ yad dehaṃ tad apatad bhuvi / dehaṃ tad amṛtaspṛṣṭaṃ patitaṃ dakṣiṇe taṭe //

während der nur des Kopfes beraubte Körper zu Boden fiel; jener Körper, vom Amṛta berührt, fiel auf das Südufer

Wort für Wort
śiromātravihīnaṃ yad deham
der nur des Kopfes beraubte Körper
tad apatad bhuvi
der fiel zu Boden
dehaṃ tad amṛtaspṛṣṭam
jener Körper, vom Amṛta berührt
patitaṃ dakṣiṇe taṭe
fiel auf das Südufer

gautamyā muniśārdūla kampayad vasudhātalam / dehaṃ cāpy amaraṃ putra tad adbhutam ivābhavat //

der Gautamī, Tiger unter den Weisen, und ließ die Erde erbeben; auch dieser Körper wurde unsterblich, mein Sohn – das war gleichsam ein Wunder.

Wort für Wort
gautamyā muniśārdūla
der Gautamī, Tiger unter den Weisen
kampayad vasudhātalam
und ließ die Erde erbeben
dehaṃ cāpy amaraṃ putra
auch dieser Körper wurde unsterblich, mein Sohn
tad adbhutam ivābhavat
das war gleichsam ein Wunder

dehaṃ ca śiraso 'pekṣi śiro deham apekṣate / ubhayaṃ cāmaraṃ jātaṃ daityaś cāyaṃ mahābalaḥ //

Der Körper sehnte sich nach dem Kopf, der Kopf sehnte sich nach dem Körper; beide waren unsterblich geworden, und dieser Daitya war nun von großer Kraft.

Wort für Wort
dehaṃ ca śiraso 'pekṣi
der Körper sehnte sich nach dem Kopf
śiro deham apekṣate
der Kopf sehnte sich nach dem Körper
ubhayaṃ cāmaraṃ jātam
beide waren unsterblich geworden
daityaś cāyaṃ mahābalaḥ
und dieser Daitya (war) von großer Kraft

śiraḥ kāye samāviṣṭaṃ sarvān bhakṣayate surān / tasmād deham idaṃ pūrvaṃ nāśayāmo mahīgatam / tatas te śaṃkaraṃ prāhur devāḥ sarve sasaṃbhramāḥ //

'Wenn der Kopf in den Körper einginge, würde er alle Götter verschlingen; deshalb wollen wir zuerst diesen zur Erde gefallenen Körper vernichten.' Darauf sprachen alle Götter, in Bestürzung, zu Śaṃkara:

Wort für Wort
śiraḥ kāye samāviṣṭaṃ sarvān bhakṣayate surān
wenn der Kopf in den Körper einginge, würde er alle Götter verschlingen
tasmād deham idaṃ pūrvaṃ nāśayāmo mahīgatam
deshalb wollen wir zuerst diesen zur Erde gefallenen Körper vernichten
tatas te śaṃkaraṃ prāhur devāḥ sarve sasaṃbhramāḥ
darauf sprachen alle Götter, in Bestürzung, zu Śaṃkara

[Anm.: Dreizeiliger Vers im Quelltext.]

{devā ūcuḥ: } mahīgataṃ daityadehaṃ nāśayasva surottama / tvaṃ deva karuṇāsindhuḥ śaraṇāgatarakṣakaḥ //

Die Götter sprachen: 'Vernichte den zur Erde gefallenen Daitya-Körper, o Bester der Götter; du, Gott, bist ein Ozean des Mitleids, der Beschützer derer, die Zuflucht suchen.'

Wort für Wort
devā ūcuḥ
die Götter sprachen
mahīgataṃ daityadehaṃ nāśayasva surottama
vernichte den zur Erde gefallenen Daitya-Körper, o Bester der Götter
tvaṃ deva karuṇāsindhuḥ
du, Gott, bist ein Ozean des Mitleids
śaraṇāgatarakṣakaḥ
der Beschützer derer, die Zuflucht suchen

śirasā naiva yujyeta daityadehaṃ tathā kuru //*

'Mach es so, dass der Daitya-Körper sich niemals mit dem Kopf vereinigen kann.'

Wort für Wort
śirasā naiva yujyeta
sich niemals mit dem Kopf vereinigen kann
daityadehaṃ tathā kuru
mach es so mit dem Daitya-Körper

[Anm.: Halbvers, im Quelltext mit '//*' als unvollständig markiert.]

{brahmovāca: } preṣayām āsa ceśo 'pi śreṣṭhāṃ śaktiṃ tadātmanaḥ / mātṛbhiḥ sahitāṃ devīṃ mātaraṃ lokapālinīm //

Brahmā sprach: Da entsandte der Herr seine eigene vortrefflichste Kraft, die Göttin, zusammen mit den Mütter-Göttinnen, die Mutter, die Beschützerin der Welten.

Wort für Wort
brahmovāca
Brahmā sprach
preṣayām āsa ceśo 'pi śreṣṭhāṃ śaktiṃ tadātmanaḥ
da entsandte der Herr seine eigene vortrefflichste Kraft
mātṛbhiḥ sahitāṃ devīṃ mātaraṃ lokapālinīm
die Göttin, zusammen mit den Mütter-Göttinnen, die Mutter, die Beschützerin der Welten

īśāyudhadharā devī īśaśaktisamanvitā / mahīgataṃ yatra dehaṃ tatrāgād bhakṣyakāṅkṣiṇī //

Die Göttin, die Waffe des Herrn tragend, mit der Kraft des Herrn ausgestattet, ging dorthin, wo der zur Erde gefallene Körper war, begierig, ihn zu verzehren.

Wort für Wort
īśāyudhadharā devī
die Göttin, die Waffe des Herrn tragend
īśaśaktisamanvitā
mit der Kraft des Herrn ausgestattet
mahīgataṃ yatra dehaṃ tatrāgād
ging dorthin, wo der zur Erde gefallene Körper war
bhakṣyakāṅkṣiṇī
begierig, ihn zu verzehren

śiromātraṃ surāḥ sarve merau tatraiva sāntvayan / deho devyā punas tatra yuyudhe bahavaḥ samāḥ //

Den bloßen Kopf besänftigten alle Götter dort eben am Meru; mit dem Körper aber kämpfte die Göttin dort wiederum, viele Jahre lang.

Wort für Wort
śiromātraṃ surāḥ sarve merau tatraiva sāntvayan
den bloßen Kopf besänftigten alle Götter dort eben am Meru
deho devyā punas tatra yuyudhe bahavaḥ samāḥ
mit dem Körper aber kämpfte die Göttin dort wiederum, viele Jahre lang

rāhus tatra surān āha bhittvā dehaṃ purā mama / atrāste rasam utkṛṣṭaṃ tad ākṛṣya śarīrataḥ //

Rāhu sprach dort zu den Göttern: 'Durchbohrt zuerst meinen Körper; darin befindet sich der vortrefflichste Saft – zieht ihn aus dem Körper heraus,'

Wort für Wort
rāhus tatra surān āha
Rāhu sprach dort zu den Göttern
bhittvā dehaṃ purā mama
durchbohrt zuerst meinen Körper
atrāste rasam utkṛṣṭam
darin befindet sich der vortrefflichste Saft
tad ākṛṣya śarīrataḥ
zieht ihn aus dem Körper heraus

pṛthakbhūte rase dehaṃ pravare 'mṛtam uttamam / bhasmībhūyāt kṣaṇenaiva tasmāt kurvantu tat purā //

'wenn der Saft, das vortreffliche, höchste Amṛta, vom Körper getrennt worden ist, wird er sogleich zu Asche werden – deshalb sollt ihr dies zuerst tun.'

Wort für Wort
pṛthakbhūte rase dehaṃ pravare 'mṛtam uttamam
wenn der Saft, das vortreffliche, höchste Amṛta, vom Körper getrennt worden ist
bhasmībhūyāt kṣaṇenaiva
wird er sogleich zu Asche werden
tasmāt kurvantu tat purā
deshalb sollt ihr dies zuerst tun

{brahmovāca: } etad rāhuvacaḥ śrutvā prītāḥ sarve 'surārayaḥ / abhyaṣiñcan grahāṇāṃ tvaṃ graho bhūyā mudānvitaḥ //

Brahmā sprach: Als sie dieses Wort Rāhus gehört hatten, erfreut, weihten alle Feinde der Asuras ihn: 'Werde du, voller Freude, ein eigener Planet unter den Planeten.'

Wort für Wort
brahmovāca
Brahmā sprach
etad rāhuvacaḥ śrutvā prītāḥ sarve 'surārayaḥ
als sie dieses Wort Rāhus gehört hatten, erfreut, alle Feinde der Asuras
abhyaṣiñcan grahāṇāṃ
weihten (ihn) unter den Planeten
tvaṃ graho bhūyā mudānvitaḥ
'werde du, voller Freude, ein (eigener) Planet'

taddevavacanāc chaktir īśvarī yā nigadyate / dehaṃ bhittvā daityapateḥ suraśaktisamanvitā //

Auf jenes Wort der Götter hin durchbohrte die Śakti, die als 'Īśvarī' bezeichnet wird, mit der Kraft der Götter ausgestattet, den Körper des Daitya-Herrn

Wort für Wort
taddevavacanāc chaktir īśvarī yā nigadyate
auf jenes Wort der Götter hin, jene Śakti, die als 'Īśvarī' bezeichnet wird
dehaṃ bhittvā daityapateḥ
durchbohrte den Körper des Daitya-Herrn
suraśaktisamanvitā
mit der Kraft der Götter ausgestattet

ākṛṣya śīghram utkṛṣṭaṃ pravaraṃ cāmṛtaṃ bahiḥ / sthāpayitvā tu tad dehaṃ bhakṣayām āsa cāmbikā //

und zog schnell das vortreffliche, höchste Amṛta heraus; nachdem sie es niedergelegt hatte, verzehrte Ambikā jenen Körper.

Wort für Wort
ākṛṣya śīghram utkṛṣṭaṃ pravaraṃ cāmṛtaṃ bahiḥ
und zog schnell das vortreffliche, höchste Amṛta heraus
sthāpayitvā tu tad deham
nachdem sie es niedergelegt hatte
bhakṣayām āsa cāmbikā
verzehrte Ambikā jenen Körper

kālarātrir bhadrakālī procyate yā mahābalā / sthāpitaṃ rasam utkṛṣṭaṃ rasānāṃ pravaraṃ rasam //

Sie, die als Kālarātri, Bhadrakālī bezeichnet wird, die überaus mächtige – nachdem der niedergelegte, vortrefflichste Saft, der beste der Säfte,

Wort für Wort
kālarātrir bhadrakālī procyate yā mahābalā
sie, die als Kālarātri, Bhadrakālī bezeichnet wird, die überaus mächtige
sthāpitaṃ rasam utkṛṣṭaṃ rasānāṃ pravaraṃ rasam
der niedergelegte, vortrefflichste Saft, der beste der Säfte

vyasravat sthāpitaṃ tat tu pravarā sābhavan nadī / ākṛṣṭam amṛtaṃ caiva sthāpitaṃ sāpy abhakṣayat //

jener niedergelegte Saft auszuströmen begann, wurde er zum Fluss Pravarā; auch das herausgezogene und niedergelegte Amṛta verzehrte sie.

Wort für Wort
vyasravat sthāpitaṃ tat tu
jener niedergelegte (Saft) auszuströmen begann
pravarā sābhavan nadī
(so) wurde er zum Fluss Pravarā
ākṛṣṭam amṛtaṃ caiva sthāpitaṃ sāpy abhakṣayat
auch das herausgezogene und niedergelegte Amṛta verzehrte sie

tataḥ śreṣṭhā nadī jātā pravarā cāmṛtā śubhā / rāhudehasamudbhūtā rudraśaktisamanvitā //

Daraufhin entstand der vortrefflichste Fluss, Pravarā, unsterblich und heilvoll, aus Rāhus Körper entstanden, mit Rudras Kraft ausgestattet.

Wort für Wort
tataḥ śreṣṭhā nadī jātā
daraufhin entstand der vortrefflichste Fluss
pravarā cāmṛtā śubhā
Pravarā, unsterblich und heilvoll
rāhudehasamudbhūtā
aus Rāhus Körper entstanden
rudraśaktisamanvitā
mit Rudras Kraft ausgestattet

nadīnāṃ pravarā ramyā cāmṛtā preritā tahā / tatra pañca sahasrāṇi tīrthāni guṇavanti ca //

Die Pravarā, die anmutigste und unsterbliche unter den Flüssen, so entsandt; dort gibt es fünftausend vortreffliche Tīrthas.

Wort für Wort
nadīnāṃ pravarā ramyā cāmṛtā preritā tahā
die Pravarā, die anmutigste und unsterbliche unter den Flüssen, so entsandt
tatra pañca sahasrāṇi tīrthāni guṇavanti ca
dort gibt es fünftausend vortreffliche Tīrthas

tatra śaṃbhuḥ svayaṃ tasthau sarvadā surapūjitaḥ / tasyai tuṣṭāḥ surāḥ sarve devyai nadyai pṛthak pṛthak //

Dort weilte Śambhu selbst, stets von den Göttern verehrt; jener Göttin, dem Fluss, gewährten alle Götter, erfreut, einzeln

Wort für Wort
tatra śaṃbhuḥ svayaṃ tasthau
dort weilte Śambhu selbst
sarvadā surapūjitaḥ
stets von den Göttern verehrt
tasyai tuṣṭāḥ surāḥ sarve
jener (Göttin) gewährten alle Götter, erfreut
devyai nadyai pṛthak pṛthak
der Göttin, dem Fluss, einzeln

varān dadur mudā yuktā yathā pūjām avāpsyati / śaṃbhuḥ surapatir loke tathā pūjām avāpsyasi //

Segensgaben, voller Freude: 'Wie Śambhu, der Herr der Götter, in der Welt Verehrung erlangt, so wirst auch du Verehrung erlangen.'

Wort für Wort
varān dadur mudā yuktā
sie gewährten Segensgaben, voller Freude
yathā pūjām avāpsyati
wie er Verehrung erlangt
śaṃbhuḥ surapatir loke
Śambhu, der Herr der Götter, in der Welt
tathā pūjām avāpsyasi
so wirst auch du Verehrung erlangen

nivāsaṃ kuru devi tvaṃ lokānāṃ hitakāmyayā / sadā tiṣṭha raseśāni sarveṣāṃ sarvasiddhidā //

'Nimm Wohnstatt, Göttin, zum Wohle der Welten; bleibe stets, Herrin des Amṛta-Saftes, die allen alle Erfüllung gewährt.'

Wort für Wort
nivāsaṃ kuru devi tvam
nimm Wohnstatt, Göttin
lokānāṃ hitakāmyayā
zum Wohle der Welten
sadā tiṣṭha raseśāni
bleibe stets, Herrin des Saftes
sarveṣāṃ sarvasiddhidā
die allen alle Erfüllung gewährt

stavanāt kīrtanād dhyānāt sarvakāmapradāyinī / tvāṃ namasyanti ye bhaktyā kiṃcid āpekṣya sarvadā //

'Durch Lobpreisung, Rezitation, Meditation gewährst du alle Wünsche; diejenigen, die sich dir stets mit Hingabe verneigen, irgendetwas erwartend,'

Wort für Wort
stavanāt kīrtanād dhyānāt sarvakāmapradāyinī
durch Lobpreisung, Rezitation, Meditation gewährst du alle Wünsche
tvāṃ namasyanti ye bhaktyā
diejenigen, die sich dir mit Hingabe verneigen
kiṃcid āpekṣya sarvadā
stets irgendetwas erwartend

teṣāṃ sarvāṇi kāryāṇi bhaveyur devatājñayā / śivaśaktyor yatas tasmin nivāso 'bhūt sanātanaḥ //

'deren Anliegen mögen alle durch die Anordnung der Gottheit erfüllt werden – da an diesem Ort der ewige Wohnsitz von Śiva und Śakti zusammen entstand.'

Wort für Wort
teṣāṃ sarvāṇi kāryāṇi bhaveyur devatājñayā
deren Anliegen mögen alle durch die Anordnung der Gottheit erfüllt werden
śivaśaktyor yatas tasmin nivāso 'bhūt sanātanaḥ
da an diesem Ort der ewige Wohnsitz von Śiva und Śakti entstand

ato vadanti munayo nivāsapuram ity adaḥ / pravarāyāḥ purā devāḥ suprītās te varān daduḥ //

Deshalb nennen die Weisen jenen Ort 'Nivāsapura'; zuvor, hoch erfreut, gewährten jene Götter der Pravarā Segensgaben.

Wort für Wort
ato vadanti munayo nivāsapuram ity adaḥ
deshalb nennen die Weisen jenen (Ort) 'Nivāsapura'
pravarāyāḥ purā devāḥ suprītās te varān daduḥ
zuvor, hoch erfreut, gewährten jene Götter der Pravarā Segensgaben

gaṅgāyāḥ saṃgamo yas te vikhyātaḥ suravallabhaḥ / tatrāplutānāṃ sarveṣāṃ bhuktir vā muktir eva ca //

'Dein Zusammenfluss mit der Gaṅgā wird berühmt sein, den Göttern lieb; für alle, die dort baden, gibt es sowohl Genuss als auch Erlösung.'

Wort für Wort
gaṅgāyāḥ saṃgamo yas te vikhyātaḥ suravallabhaḥ
dein Zusammenfluss mit der Gaṅgā wird berühmt sein, den Göttern lieb
tatrāplutānāṃ sarveṣāṃ bhuktir vā muktir eva ca
für alle, die dort baden, gibt es sowohl Genuss als auch Erlösung

yad vāpi manasaḥ kāmyaṃ devānām api durlabham / syāt teṣāṃ sarvam eveha evaṃ dattvā surā yayuḥ //

'Und was auch immer im Geiste erwünscht ist, selbst was für die Götter schwer erreichbar ist, all das soll ihnen hier zuteilwerden.' Nachdem sie dies gewährt hatten, gingen die Götter fort.

Wort für Wort
yad vāpi manasaḥ kāmyaṃ devānām api durlabham
was auch immer im Geiste erwünscht ist, selbst was für die Götter schwer erreichbar ist
syāt teṣāṃ sarvam eveha
all das soll ihnen hier zuteilwerden
evaṃ dattvā surā yayuḥ
nachdem sie dies gewährt hatten, gingen die Götter fort

tataḥ prabhṛti tat tīrthaṃ pravarāsaṃgamaṃ viduḥ / preritā devadevena śaktir yā preritā tu sā //

Seitdem kennt man jenes Tīrtha als 'Pravarā-Saṃgama'; jene Kraft, die vom Gott der Götter entsandt wurde, die entsandte eben,

Wort für Wort
tataḥ prabhṛti tat tīrthaṃ pravarāsaṃgamaṃ viduḥ
seitdem kennt man jenes Tīrtha als 'Pravarā-Saṃgama'
preritā devadevena śaktir yā preritā tu sā
jene Kraft, die vom Gott der Götter entsandt wurde

amṛtā saiva vikhyātā pravaraivaṃ mahānadī //*

sie selbst, unsterblich, ist so als die große Flussströmung Pravarā berühmt.

Wort für Wort
amṛtā saiva vikhyātā
sie selbst, unsterblich, ist berühmt
pravaraivaṃ mahānadī
als die große Flussströmung Pravarā, so

[Anm.: Halbvers, im Quelltext mit '//*' als unvollständig markiert; Schlussvers des Kapitels.]

Interaktive Leseansicht des ganzen Werks