Quellen der Menschheit

Brahma-Purāṇa

Kapitel 154: sahasrakuṇḍatīrthamāhātmyavarṇanam Die Größe des Sahasrakuṇḍa-Tīrtha (Rāma, die zweite Verstoßung Sītās und die Buße an der Gautamī)

Nach dem Sieg über Rāvaṇa und der Rückkehr nach Ayodhyā verstößt Rāma Sītā erneut aufgrund niederer Verleumdungen; sie wird schwanger in der Nähe von Vālmīkis Einsiedelei zurückgelassen. Bei Rāmas Roßopfer erscheinen seine ihm noch unbekannten Söhne Lava und Kuśa als Sänger des Rāmāyaṇa und werden als seine Kinder erkannt. Vom Schmerz über Sītās Verlust überwältigt, zieht sich Rāma mit seinem Bruder an die Gautamī zurück, übt dort Buße, badet und lässt ein großes, in tausend Feuergruben vollzogenes Opfer darbringen, wodurch er von seiner Reue befreit wird. Ursprung des Sahasrakuṇḍa-Tīrtha ('Tausend-Feuergruben') mit zehn weiteren Tīrthas. [Anm.: Diese Fassung weicht von der geläufigen Rāmāyaṇa-Erzählung ab bzw. verdichtet sie eigenständig, u.a. durch eine zusätzliche, in Ayodhyā verlangte zweite Reinheitsprobe und Rāmas anschließende Buße; hier wortgetreu wie im Quelltext wiedergegeben.]

{brahmovāca:} sahasrakuṇḍam ākhyātaṃ tīrthaṃ vedavido viduḥ / yasya smaraṇamātreṇa sukhī saṃpadyate naraḥ //

Brahmā sprach: Es gibt eine als Sahasrakuṇḍa bekannte Tīrtha, wie die Vedakundigen wissen; durch deren bloßes Gedenken wird der Mensch glücklich.

Wort für Wort
sahasrakuṇḍam ākhyātaṃ tīrthaṃ vedavido viduḥ
Sahasrakuṇḍa genannt (ist) die Tīrtha, wie die Vedakundigen wissen
yasya smaraṇamātreṇa sukhī saṃpadyate naraḥ
durch deren bloßes Gedenken wird der Mensch glücklich

purā dāśarathī rāmaḥ setuṃ baddhvā mahārṇave / laṅkāṃ dagdhvā ripūn hatvā rāvaṇādīn raṇe śaraiḥ //

Einst, nachdem der Sohn des Daśaratha, Rāma, eine Brücke über den großen Ozean gebaut, Laṅkā in Brand gesteckt und die Feinde, Rāvaṇa und andere, im Kampf mit Pfeilen erschlagen hatte,

Wort für Wort
purā dāśarathī rāmaḥ setuṃ baddhvā mahārṇave
einst, nachdem der Sohn des Daśaratha, Rāma, eine Brücke über den großen Ozean gebaut hatte
laṅkāṃ dagdhvā ripūn hatvā rāvaṇādīn raṇe śaraiḥ
Laṅkā in Brand gesteckt und die Feinde, Rāvaṇa und andere, im Kampf mit Pfeilen erschlagen hatte

vaidehīṃ ca samāsādya rāmo vacanam abravīt / paśyatsu lokapāleṣu tasyācārye puraḥ sthite //

und zu Vaidehī gelangt war, sprach Rāma ein Wort, während die Weltenhüter zusahen und ihr Lehrer vor ihr stand -

Wort für Wort
vaidehīṃ ca samāsādya rāmo vacanam abravīt
und zu Vaidehī gelangt, sprach Rāma ein Wort
paśyatsu lokapāleṣu tasyācārye puraḥ sthite
während die Weltenhüter zusahen und ihr Lehrer vor ihr stand

[Anm.: 'tasyācārye' unklar; evtl. Bezug auf einen anwesenden geistlichen Zeugen; sinngemäß übersetzt.]

agnau śuddhigatāṃ sītāṃ rāmo lakṣmaṇasaṃnidhau / ehi vaidehi śuddhāsi aṅkam āroḍhum arhasi //

zu Sītā, die im Feuer die Reinheit erlangt hatte, sprach Rāma, in Lakṣmaṇas Gegenwart: 'Komm, Vaidehī, du bist rein, du darfst meinen Schoß besteigen.'

Wort für Wort
agnau śuddhigatāṃ sītāṃ rāmo lakṣmaṇasaṃnidhau
zu Sītā, die im Feuer die Reinheit erlangt hatte, sprach Rāma, in Lakṣmaṇas Gegenwart
ehi vaidehi śuddhāsi aṅkam āroḍhum arhasi
'komm, Vaidehī, du bist rein, du darfst (meinen) Schoß besteigen'

nety uvāca tadā śrīmān aṅgado hanumāṃs tathā / ayodhyāyāṃ tu vaidehi sārdhaṃ yāmaḥ suhṛjjanaiḥ //

'Nein', sprachen da der glanzvolle Aṅgada und auch Hanumān: 'In Ayodhyā, o Vaidehī, wollen wir zusammen mit den Freunden gehen.'

Wort für Wort
nety uvāca tadā śrīmān aṅgado hanumāṃs tathā
'nein', sprachen da der glanzvolle Aṅgada und auch Hanumān
ayodhyāyāṃ tu vaidehi sārdhaṃ yāmaḥ suhṛjjanaiḥ
'in Ayodhyā, o Vaidehī, wollen wir zusammen mit den Freunden gehen'

tatra śuddhim avāpyātha punar bhrātṛṣu mātṛṣu / laukikeṣv api paśyatsu tataḥ śuddhā nṛpātmajā //

'Dort sollst du, nachdem du wiederum in Gegenwart der Brüder, Mütter und auch der gewöhnlichen Leute die Reinheit erlangt hast - dann bist du rein, o Königstochter -'

Wort für Wort
tatra śuddhim avāpyātha punar bhrātṛṣu mātṛṣu
dort, nachdem du wiederum in Gegenwart der Brüder und Mütter die Reinheit erlangt hast
laukikeṣv api paśyatsu tataḥ śuddhā nṛpātmajā
auch während die gewöhnlichen Leute zusehen, dann bist du rein, o Königstochter

[Anm.: sinngemäß - offenbar wird hier eine erneute, zweite öffentliche Reinigungsprobe in Ayodhyā vorausgesetzt, zusätzlich zur bereits erfolgten Feuerprobe.]

ayodhyāyāṃ supuṇye 'hni aṅkam āroḍhum arhasi / asyāś caritraviṣaye saṃdehaḥ kasya jāyate //

'...in Ayodhyā, an einem hochheiligen Tag, darfst du den Schoß besteigen. Wem käme dann noch ein Zweifel an ihrem Lebenswandel?'

Wort für Wort
ayodhyāyāṃ supuṇye 'hni aṅkam āroḍhum arhasi
in Ayodhyā, an einem hochheiligen Tag, darfst du den Schoß besteigen
asyāś caritraviṣaye saṃdehaḥ kasya jāyate
wem käme ein Zweifel an ihrem Lebenswandel?

lokāpavādas tad api nirasyaḥ svajaneṣu hi / tayor vākyam anādṛtya lakṣmaṇaḥ savibhīṣaṇaḥ //

'Auch die Verleumdung durch die Leute muss ja unter den eigenen Angehörigen ausgeräumt werden.' Ohne deren Worte zu achten, Lakṣmaṇa zusammen mit Vibhīṣaṇa,

Wort für Wort
lokāpavādas tad api nirasyaḥ svajaneṣu hi
auch die Verleumdung durch die Leute muss unter den eigenen Angehörigen ausgeräumt werden
tayor vākyam anādṛtya lakṣmaṇaḥ savibhīṣaṇaḥ
ohne deren (Aṅgadas und Hanumāns) Worte zu achten, Lakṣmaṇa zusammen mit Vibhīṣaṇa

rāmaś ca jāmbavāṃś caiva tām āhvayan nṛpātmajām / svastīty uktā devatābhī rājño 'ṅkaṃ cāruroha sā //

Rāma und auch Jāmbavān, die die Königstochter herbeiriefen. Von den Gottheiten mit 'Heil dir' begrüßt, bestieg sie den Schoß des Königs.

Wort für Wort
rāmaś ca jāmbavāṃś caiva tām āhvayan nṛpātmajām
und Rāma und Jāmbavān riefen die Königstochter herbei
svastīty uktā devatābhī rājño 'ṅkaṃ cāruroha sā
von den Gottheiten mit 'Heil dir' begrüßt, bestieg sie den Schoß des Königs

muditās te yayuḥ śīghraṃ puṣpakeṇa virājatā / ayodhyāṃ nagarīṃ prāpya tathā rājyaṃ svakaṃ tu yat //

Erfreut zogen sie rasch mit dem herrlich strahlenden Puṣpaka-Wagen dahin; sie gelangten zur Stadt Ayodhyā und übernahmen ihr eigenes Königreich.

Wort für Wort
muditās te yayuḥ śīghraṃ puṣpakeṇa virājatā
erfreut zogen sie rasch mit dem herrlich strahlenden Puṣpaka dahin
ayodhyāṃ nagarīṃ prāpya tathā rājyaṃ svakaṃ tu yat
sie gelangten zur Stadt Ayodhyā und (übernahmen) ihr eigenes Königreich

muditās te 'bhavan sarve sadā rāmānuvartinaḥ / tataḥ katipayāheṣu anāryebhyo virūpikām //

Alle, die stets Rāma folgten, waren erfreut. Darauf, nach einigen Tagen, hörte er von niedrigen Leuten eine entstellende...

Wort für Wort
muditās te 'bhavan sarve sadā rāmānuvartinaḥ
erfreut waren alle, die stets Rāma folgten
tataḥ katipayāheṣu anāryebhyo virūpikām
darauf, nach einigen Tagen, (hörte er) von niedrigen Leuten eine entstellende (Rede)

vācaṃ śrutvā sa tatyāja gurviṇīṃ tām ayonijām / mithyāpavādam api hi na sahante kulonnatāḥ //

...Rede, und er verließ sie, die Schwangere, die nicht aus einem Mutterleib Geborene. Selbst eine falsche Verleumdung ertragen die von edlem Geschlecht ja nicht.

Wort für Wort
vācaṃ śrutvā sa tatyāja gurviṇīṃ tām ayonijām
diese Rede hörend, verließ er die Schwangere, die nicht aus einem Mutterleib Geborene
mithyāpavādam api hi na sahante kulonnatāḥ
selbst eine falsche Verleumdung ertragen die von edlem Geschlecht ja nicht

[Anm.: 'ayonijām' - Anspielung auf Sītās mythische, nicht-menschliche Geburt (aus der Erde).]

vālmīker munimukhyasya āśramasya samīpataḥ / tatyāja lakṣmaṇaḥ sītām aduṣṭāṃ rudatīṃ rudan //

In der Nähe der Einsiedelei des höchsten Weisen Vālmīki verließ Lakṣmaṇa Sītā, die Schuldlose, selbst weinend, während sie weinte.

Wort für Wort
vālmīker munimukhyasya āśramasya samīpataḥ
in der Nähe der Einsiedelei des höchsten Weisen Vālmīki
tatyāja lakṣmaṇaḥ sītām aduṣṭāṃ rudatīṃ rudan
verließ Lakṣmaṇa Sītā, die Schuldlose, selbst weinend, während sie weinte

nollaṅghyājñā gurūṇām ity asau tad akarod bhiyā / tataḥ katipayāheṣu vyatīteṣu nṛpātmajaḥ //

'Der Befehl der Höhergestellten darf nicht übertreten werden' - so tat er dies aus Furcht. Darauf, nachdem einige Tage vergangen waren, der Königssohn

Wort für Wort
nollaṅghyājñā gurūṇām ity asau tad akarod bhiyā
'der Befehl der Höhergestellten darf nicht übertreten werden' - so tat er dies aus Furcht
tataḥ katipayāheṣu vyatīteṣu nṛpātmajaḥ
darauf, nachdem einige Tage vergangen waren, der Königssohn

rāmaḥ saumitriṇā sārdhaṃ hayamedhāya dīkṣitaḥ / tatraivājagmatur ubhau rāmaputrau yaśasvinau //

weihte sich, Rāma, zusammen mit dem Sohn der Sumitrā für das Roßopfer. Eben dorthin kamen die beiden ruhmreichen Söhne Rāmas,

Wort für Wort
rāmaḥ saumitriṇā sārdhaṃ hayamedhāya dīkṣitaḥ
Rāma weihte sich zusammen mit dem Sohn der Sumitrā (Lakṣmaṇa) für das Roßopfer
tatraivājagmatur ubhau rāmaputrau yaśasvinau
eben dorthin kamen die beiden ruhmreichen Söhne Rāmas

lavaḥ kuśaś ca vikhyātau nāradāv iva gāyakau / rāmāyaṇaṃ samagraṃ tad gandharvāv iva susvarau //

Lava und Kuśa, berühmt, wie zwei Nārada-gleiche Sänger; das ganze Rāmāyaṇa, wie zwei wohlklingende Gandharvas,

Wort für Wort
lavaḥ kuśaś ca vikhyātau nāradāv iva gāyakau
Lava und Kuśa, berühmt, wie zwei Nārada-gleiche Sänger
rāmāyaṇaṃ samagraṃ tad gandharvāv iva susvarau
das ganze Rāmāyaṇa, wie zwei wohlklingende Gandharvas

rāmasya caritaṃ sarvaṃ gāyamānau samīyatuḥ / yajñavāṭaṃ rājasutau hetubhir lakṣitau tadā //

das gesamte Lebenswerk Rāmas singend, kamen die beiden Königssöhne zum Opferplatz, da durch bestimmte Merkmale erkannt.

Wort für Wort
rāmasya caritaṃ sarvaṃ gāyamānau samīyatuḥ
das gesamte Lebenswerk Rāmas singend, kamen sie
yajñavāṭaṃ rājasutau hetubhir lakṣitau tadā
zum Opferplatz, die beiden Königssöhne, da durch (bestimmte) Merkmale erkannt

rāmaputrāv ubhau śūrau vaidehyās tanayāv iti / tāv ānīya tataḥ putrāv abhiṣicya yathākramam //

'Beide sind Rāmas tapfere Söhne, Vaidehīs Kinder' - so wurden sie erkannt; man führte die beiden Söhne herbei und weihte sie der Reihe nach,

Wort für Wort
rāmaputrāv ubhau śūrau vaidehyās tanayāv iti
'beide sind Rāmas tapfere Söhne, Vaidehīs Kinder'
tāv ānīya tataḥ putrāv abhiṣicya yathākramam
man führte die beiden Söhne herbei und weihte sie der Reihe nach

aṅkārūḍhau tataḥ kṛtvā sasvaje tau punaḥ punaḥ / saṃsāraduḥkhakhinnānām agatīnāṃ śarīriṇām //

ließ sie darauf seinen Schoß besteigen und umarmte sie immer wieder. Für vom Leid des Weltenkreislaufs erschöpfte, hilflose verkörperte Wesen...

Wort für Wort
aṅkārūḍhau tataḥ kṛtvā sasvaje tau punaḥ punaḥ
ließ sie darauf den Schoß besteigen und umarmte sie immer wieder
saṃsāraduḥkhakhinnānām agatīnāṃ śarīriṇām
für vom Leid des Weltenkreislaufs erschöpfte, hilflose verkörperte Wesen

putrāliṅganam evātra paraṃ viśrāntikāraṇam / muhur āliṅgya tau putrau muhuḥ svajati cumbati //

ist die Umarmung des Sohnes hier die höchste Ursache der Ruhe. Immer wieder umarmte er die beiden Söhne, immer wieder umfing und küsste er sie.

Wort für Wort
putrāliṅganam evātra paraṃ viśrāntikāraṇam
die Umarmung des Sohnes ist hier die höchste Ursache der Ruhe
muhur āliṅgya tau putrau muhuḥ svajati cumbati
immer wieder umarmend die beiden Söhne, immer wieder umfängt und küsst er sie

kim apy antar dhyāyati ca niḥśvasaty api vai muhuḥ / etasminn antare prāptā rākṣasā laṅkavāsinaḥ //

Er sann still über etwas nach und seufzte auch immer wieder. Unterdessen kamen die in Laṅkā ansässigen Rākṣasas an,

Wort für Wort
kim apy antar dhyāyati ca niḥśvasaty api vai muhuḥ
er sann still über etwas nach und seufzte auch immer wieder
etasminn antare prāptā rākṣasā laṅkavāsinaḥ
unterdessen kamen die in Laṅkā ansässigen Rākṣasas an

sugrīvo hanumāṃś caiva aṅgado jāmbavāṃs tathā / anye ca vānarāḥ sarve vibhīṣaṇapuraḥsarāḥ //

Sugrīva und auch Hanumān, Aṅgada und ebenso Jāmbavān, und alle anderen Affen, mit Vibhīṣaṇa an der Spitze.

Wort für Wort
sugrīvo hanumāṃś caiva aṅgado jāmbavāṃs tathā
Sugrīva und Hanumān, Aṅgada und ebenso Jāmbavān
anye ca vānarāḥ sarve vibhīṣaṇapuraḥsarāḥ
und alle anderen Affen, mit Vibhīṣaṇa an der Spitze

te cāgatya nṛpaṃ prāptāḥ siṃhāsanam upasthitam / sītām adṛṣṭvā hanumān aṅgadaḥ kanakāṅgadaḥ //

Sie kamen zum König, der auf dem Löwenthron saß. Ohne Sītā zu sehen, fragten Hanumān, Aṅgada, der Goldarmreif-Geschmückte,

Wort für Wort
te cāgatya nṛpaṃ prāptāḥ siṃhāsanam upasthitam
sie kamen zum König, der auf dem Löwenthron saß
sītām adṛṣṭvā hanumān aṅgadaḥ kanakāṅgadaḥ
ohne Sītā zu sehen, Hanumān, Aṅgada, der Goldarmreif-Geschmückte

kva gatāyonijā mātā eko rāmo 'tra dṛśyate / rāmeṇa sā parityaktā ity ūcur dvārapālakāḥ //

'Wohin ist die nicht-aus-dem-Mutterleib-geborene Mutter gegangen? Nur Rāma allein ist hier zu sehen.' 'Sie wurde von Rāma verlassen' - so sprachen die Torwächter.

Wort für Wort
kva gatāyonijā mātā eko rāmo 'tra dṛśyate
wohin ist die nicht-aus-dem-Mutterleib-geborene Mutter gegangen? nur Rāma allein ist hier zu sehen
rāmeṇa sā parityaktā ity ūcur dvārapālakāḥ
'sie wurde von Rāma verlassen' - so sprachen die Torwächter

paśyatsu lokapāleṣu ārye tatra pravādini / agnau śuddhigatāṃ sītāṃ kiṃ tu rājā niraṅkuśaḥ //

Während die Weltenhüter zusahen, während der Edle dort ihre Unschuld verkündete, während Sītā im Feuer die Reinheit erlangt hatte - dennoch verließ sie der ungezügelte König,

Wort für Wort
paśyatsu lokapāleṣu ārye tatra pravādini
während die Weltenhüter zusahen, während der Edle dort (ihre Unschuld) verkündete
agnau śuddhigatāṃ sītāṃ kiṃ tu rājā niraṅkuśaḥ
während Sītā im Feuer die Reinheit erlangt hatte - dennoch der ungezügelte König

[Anm.: Der Satz setzt sich in V.26 fort.]

utpannair laukikair vākyai rāmas tyajati tāṃ priyām / mariṣyāva iti hy uktvā gautamīṃ punar īyatuḥ //

...wegen der von den Leuten aufgekommenen Reden verließ Rāma seine Geliebte. 'Wir werden sterben', so sprechend, gingen die beiden wieder zur Gautamī.

Wort für Wort
utpannair laukikair vākyai rāmas tyajati tāṃ priyām
wegen der von den Leuten aufgekommenen Reden verließ Rāma seine Geliebte
mariṣyāva iti hy uktvā gautamīṃ punar īyatuḥ
'wir werden sterben', so sprechend, gingen die beiden wieder zur Gautamī

[Anm.: Das Subjekt des Duals 'īyatuḥ' ist nicht ganz eindeutig - vermutlich Rāma und Lakṣmaṇa, angesichts des folgenden Verses.]

rāmas tau pṛṣṭhato 'bhyetya ayodhyāvāsibhiḥ saha / āgatya gautamīṃ tatra 'kurvaṃs te paramaṃ tapaḥ //

Rāma, ihnen nachfolgend, kam zusammen mit den Bewohnern Ayodhyās; dort an der Gautamī angekommen, übten sie höchste Askese.

Wort für Wort
rāmas tau pṛṣṭhato 'bhyetya ayodhyāvāsibhiḥ saha
Rāma, ihnen nachfolgend, kam zusammen mit den Bewohnern Ayodhyās
āgatya gautamīṃ tatra 'kurvaṃs te paramaṃ tapaḥ
dort an der Gautamī angekommen, übten sie höchste Askese

smāraṃ smāraṃ niśvasantas tāṃ sītāṃ lokamātaram / saṃsārāsthāvirahitā gautamīsevanotsukāḥ //

Immer wieder an Sītā, die Mutter der Welt, denkend und dabei seufzend, dem Verlangen nach weltlichem Dasein entledigt, eifrig um den Dienst an der Gautamī bemüht,

Wort für Wort
smāraṃ smāraṃ niśvasantas tāṃ sītāṃ lokamātaram
immer wieder an Sītā, die Mutter der Welt, denkend und seufzend
saṃsārāsthāvirahitā gautamīsevanotsukāḥ
dem Verlangen nach weltlichem Dasein entledigt, eifrig um den Dienst an der Gautamī bemüht

lokatrayapatiḥ sākṣād rāmo 'nujasamanvitaḥ / prāptaḥ snātvā ca gautamyāṃ śivārādhanatatparaḥ //

gelangte Rāma, der leibhaftige Herr der drei Welten, zusammen mit seinem jüngeren Bruder dorthin; nachdem er an der Gautamī gebadet hatte, der Verehrung Śivas hingegeben,

Wort für Wort
lokatrayapatiḥ sākṣād rāmo 'nujasamanvitaḥ
der leibhaftige Herr der drei Welten, Rāma, zusammen mit seinem jüngeren Bruder
prāptaḥ snātvā ca gautamyāṃ śivārādhanatatparaḥ
gelangte dorthin; nachdem er an der Gautamī gebadet hatte, der Śiva-Verehrung hingegeben

paritāpaṃ jahau sarvaṃ sahasraparivāritaḥ / yatra cāsīt sa vṛttāntaḥ sahasrakuṇḍam ucyate //

legte er alle Reue ab, von Tausenden umgeben. Wo sich dieses Geschehen ereignete, wird die Tīrtha Sahasrakuṇḍa genannt.

Wort für Wort
paritāpaṃ jahau sarvaṃ sahasraparivāritaḥ
legte er alle Reue ab, von Tausenden umgeben
yatra cāsīt sa vṛttāntaḥ sahasrakuṇḍam ucyate
wo sich dieses Geschehen ereignete, wird sie Sahasrakuṇḍa genannt

daśāparāṇi tīrthāni tatra sarvārthadāni ca / tatra snānaṃ ca dānaṃ ca sahasraphaladāyakam //

Dort gibt es zehn weitere Tīrthas, die alle Ziele gewähren; Baden und Spenden dort verleiht tausendfache Frucht.

Wort für Wort
daśāparāṇi tīrthāni tatra sarvārthadāni ca
dort gibt es zehn weitere Tīrthas, die alle Ziele gewähren
tatra snānaṃ ca dānaṃ ca sahasraphaladāyakam
Baden und Spenden dort verleiht tausendfache Frucht

yatra śrīgautamītīre vasiṣṭhādimunīśvaraiḥ / sarvāpattārakaṃ homam akārayad aghāntakam //

Wo am Ufer der herrlichen Gautamī, mit Vasiṣṭha und anderen Fürsten der Weisen, er ein alle Nöte rettendes, Sünde vernichtendes Feueropfer vollziehen ließ,

Wort für Wort
yatra śrīgautamītīre vasiṣṭhādimunīśvaraiḥ
wo am Ufer der herrlichen Gautamī, mit Vasiṣṭha und anderen Fürsten der Weisen
sarvāpattārakaṃ homam akārayad aghāntakam
er ein alle Nöte rettendes, Sünde vernichtendes Feueropfer vollziehen ließ

sahasrasaṃkhyāyukteṣu kuṇḍeṣu vasudhārayā / sarvān apekṣitān kāmān avāpāsau mahātapāḥ //

in tausendzahligen Feuergruben, mit einem Strom von Opfergaben, erlangte er, von großer Askesekraft, alle erwünschten Wünsche.

Wort für Wort
sahasrasaṃkhyāyukteṣu kuṇḍeṣu vasudhārayā
in tausendzahligen Feuergruben, mit einem Strom (von Opfergaben)
sarvān apekṣitān kāmān avāpāsau mahātapāḥ
erlangte er, von großer Askesekraft, alle erwünschten Wünsche

gautamyāḥ saridambāyāḥ prasādād rākṣasāntakaḥ / sahasrakuṇḍābhidhaṃ tad abhūt tīrthaṃ mahāphalam //

Durch die Gnade der Gautamī, der Fluss-Mutter, erlangte der Vernichter der Rākṣasas dies; so entstand die Tīrtha mit Namen Sahasrakuṇḍa, von großer Frucht.

Wort für Wort
gautamyāḥ saridambāyāḥ prasādād rākṣasāntakaḥ
durch die Gnade der Gautamī, der Fluss-Mutter, der Vernichter der Rākṣasas
sahasrakuṇḍābhidhaṃ tad abhūt tīrthaṃ mahāphalam
so entstand die Tīrtha mit Namen Sahasrakuṇḍa, von großer Frucht

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