Quellen der Menschheit

Brahma-Purāṇa

Kapitel 73: vāmanatrivikramabalicaritavarṇanam Die Geschichte von Vāmana, Trivikrama und König Bali – wie das Gaṅgā-Wasser in Śivas Locken gelangte

Auf Nāradas Frage, wie die im Kamaṇḍalu ruhende Göttin zu den Sterblichen gelangte, erzählt Brahmā die berühmte Geschichte des Dāitya-Königs Bali, der durch Tugend und Macht die drei Welten beherrscht und selbst die Götter in Bedrängnis bringt. Viṣṇu verspricht, Bali ohne Kampf mittels einer List zu bezwingen, und wird als Zwerg Vāmana in Aditis Schoß geboren. Bei Balis Pferdeopfer erbittet Vāmana drei Schritte Land; trotz der Warnung seines Priesters Śukra gewährt Bali sie. Vāmana wächst zur kosmischen Trivikrama-Gestalt, durchschreitet mit dem ersten Schritt die Erde, mit dem zweiten Brahmaloka, und Bali bietet für den dritten Schritt demütig seinen eigenen Rücken an. Viṣṇu, erfreut über Balis Wahrhaftigkeit, gewährt ihm die Herrschaft über Rasātala und unvergänglichen Ruhm. Als Viṣṇus zweiter Schritt Brahmās eigene Wohnstatt erreicht, opfert Brahmā ihm als Arghya-Gabe das Wasser aus seinem von Śiva erhaltenen Kamaṇḍalu; dieses Wasser fällt am Berg Meru in vier Richtungen, wobei der nach Süden fallende Teil von Śiva in seinen Locken aufgefangen wird – die Erklärung, wie die Gaṅgā in Śivas Jaṭā gelangte.

{nārada uvāca:} kamaṇḍalusthitā devī tava puṇyavivardhinī / yathā martyaṃ gatā nātha tan me vistarato vada //

{Nārada sprach:} Die im Wasserkrug befindliche Göttin, die dein Verdienst mehrt – wie sie zu den Sterblichen gelangte, o Herr, das erzähle mir ausführlich.

Wort für Wort
kamaṇḍalu-sthitā devī
die im Wasserkrug befindliche Göttin
tava puṇya-vivardhinī
die dein Verdienst mehrende
yathā martyam gatā
wie sie zu den Sterblichen gelangte
nātha
o Herr
tat me vistarataḥ vada
das erzähle mir ausführlich

{brahmovāca:} balir nāma mahādaityo devārir aparājitaḥ / dharmeṇa yaśasā caiva prajāsaṃrakṣaṇena ca /

{Brahmā sprach:} Es gab einen großen Dāitya namens Bali, einen unbesiegten Feind der Götter, durch Rechtschaffenheit, Ruhm und den Schutz seiner Untertanen,

Wort für Wort
baliḥ nāma mahā-daityaḥ
ein großer Dāitya namens Bali
deva-ariḥ aparājitaḥ
ein unbesiegter Feind der Götter
dharmeṇa yaśasā ca eva
durch Rechtschaffenheit und Ruhm
prajā-saṃrakṣaṇena ca
und durch den Schutz seiner Untertanen

gurubhaktyā ca satyena vīryeṇa ca balena ca / tyāgena kṣamayā caiva trailokye nopamīyate //

durch Hingabe an seinen Lehrer, Wahrhaftigkeit, Tatkraft, Stärke, Freigebigkeit und Geduld – dem in den drei Welten niemand gleichkam.

Wort für Wort
guru-bhaktyā ca satyena
durch Hingabe an den Lehrer und Wahrhaftigkeit
vīryeṇa ca balena ca
durch Tatkraft und Stärke
tyāgena kṣamayā ca eva
durch Freigebigkeit und Geduld
trailokye na upamīyate
dem in den drei Welten niemand gleichkam

tasyarddhim unnatāṃ dṛṣṭvā devāś cintāparāyaṇāḥ / mithaḥ samūcur amarā jeṣyāmo vai kathaṃ balim //

Als sie seinen erhabenen Wohlstand sahen, verfielen die Götter in Sorge; die Unsterblichen sprachen untereinander: 'Wie nur werden wir Bali besiegen?'

Wort für Wort
tasya ṛddhim unnatām dṛṣṭvā
als sie seinen erhabenen Wohlstand sahen
devāḥ cintā-parāyaṇāḥ
verfielen die Götter der Sorge
mithaḥ samūcuḥ amarāḥ
die Unsterblichen sprachen untereinander
jeṣyāmaḥ vai katham balim
wie nur werden wir Bali besiegen

tasmiñ śāsati rājyaṃ tu trailokyaṃ hatakaṇṭakam / nārayo vyādhayo vāpi nādhayo vā kathaṃcana /

Solange er das Reich beherrschte, waren die drei Welten frei von Übel: weder Feinde noch Krankheiten noch irgendwelche seelischen Leiden [gab es],

Wort für Wort
tasmin śāsati rājyam tu
solange er das Reich beherrschte
trailokyam hata-kaṇṭakam
die drei Welten waren frei von Übel (Dornen)
na arayaḥ vyādhayaḥ vā api
weder Feinde noch Krankheiten
na ādhayaḥ vā kathaṃcana
noch irgendwelche seelischen Leiden

anāvṛṣṭir adharmo vā nāstiśabdo na durjanaḥ / svapne 'pi naiva dṛśyeta balau rājyaṃ praśāsati //

weder Dürre noch Unrecht, kein 'Es-gibt-nicht'-Wort und kein Übeltäter – nicht einmal im Traum waren sie zu sehen, solange Bali das Reich lenkte.

Wort für Wort
anāvṛṣṭiḥ adharmaḥ vā
weder Dürre noch Unrecht
na-asti-śabdaḥ na durjanaḥ
kein 'Es-gibt-nicht'-Wort, kein Übeltäter
svapne 'pi na eva dṛśyeta
nicht einmal im Traum waren sie zu sehen
balau rājyam praśāsati
solange Bali das Reich lenkte

tasyonnatiśarair bhagnāḥ kīrtikhaḍgadvidhākṛtāḥ / tasyājñāśaktibhinnāṅgā devāḥ śarma na lebhire //

Von den Pfeilen seines Aufstiegs gebrochen, vom Schwert seines Ruhmes zerteilt, die Glieder von der Macht seines Befehls zerschmettert, fanden die Götter kein Glück.

Wort für Wort
tasya unnati-śaraiḥ bhagnāḥ
von den Pfeilen seines Aufstiegs gebrochen
kīrti-khaḍga-dvidhā-kṛtāḥ
vom Schwert seines Ruhmes entzweit
tasya ājñā-śakti-bhinna-aṅgāḥ
die Glieder von der Macht seines Befehls zerschmettert
devāḥ śarma na lebhire
die Götter fanden kein Glück

tataḥ saṃmantrayām āsuḥ kṛtvā mātsaryam agrataḥ / tadyaśognipradīptāṅgā viṣṇuṃ jagmuḥ suvihvalāḥ //

Da berieten sie sich, den Neid vorangestellt; mit Gliedern, entflammt vom Feuer seines Ruhmes, gingen sie, zutiefst bestürzt, zu Viṣṇu.

Wort für Wort
tataḥ saṃmantrayām āsuḥ
da berieten sie sich
kṛtvā mātsaryam agrataḥ
den Neid vorangestellt
tad-yaśaḥ-agni-pradīpta-aṅgāḥ
mit Gliedern, entflammt vom Feuer seines Ruhmes
viṣṇum jagmuḥ su-vihvalāḥ
gingen zu Viṣṇu, zutiefst bestürzt

{devā ūcuḥ:} ārtāḥ sma gatasattvāḥ sma śaṅkhacakragadādhara / asmadarthe bhavān nityam āyudhāni bibharti ca /

{Die Götter sprachen:} Wir sind gequält, wir sind ohne Kraft, o Träger von Muschelhorn, Diskus und Keule; für uns trägst du doch stets deine Waffen –

Wort für Wort
ārtāḥ sma gata-sattvāḥ sma
wir sind gequält, wir sind ohne Kraft
śaṅkha-cakra-gadā-dhara
o Träger von Muschelhorn, Diskus und Keule
asmat-arthe bhavān nityam
für uns trägst du doch stets
āyudhāni bibharti ca
deine Waffen

tvayi nāthe jagannātha asmākaṃ duḥkham īdṛśam / tvāṃ tu praṇamatī vāṇī kathaṃ daityaṃ namasyati //

während du unser Herr bist, o Herr der Welt, ist unser Leid doch so groß; wie kann die Rede, die sich vor dir verneigt, sich vor dem Dāitya verneigen?

Wort für Wort
tvayi nāthe jagat-nātha
während du unser Herr bist, o Herr der Welt
asmākam duḥkham īdṛśam
ist unser Leid so groß
tvām tu praṇamatī vāṇī
die Rede, die sich vor dir verneigt
katham daityam namasyati
wie kann sie sich vor dem Dāitya verneigen

manasā karmaṇā vācā tvām eva śaraṇaṃ gatāḥ / tvadaṅghriśaraṇāḥ santaḥ kathaṃ daityaṃ namemahi //

Mit Gedanken, Tat und Wort haben wir bei dir allein Zuflucht gesucht; wie sollten wir, die wir Zuflucht zu deinen Füßen genommen haben, uns vor dem Dāitya verneigen?

Wort für Wort
manasā karmaṇā vācā
mit Gedanken, Tat und Wort
tvām eva śaraṇam gatāḥ
haben wir bei dir allein Zuflucht gesucht
tvat-aṅghri-śaraṇāḥ santaḥ
wir, die Zuflucht zu deinen Füßen genommen haben
katham daityam namemahi
wie sollten wir uns vor dem Dāitya verneigen

yajāmas tvāṃ mahāyajñair vadāmo vāgbhir acyuta / tvadekaśaraṇāḥ santaḥ kathaṃ daityaṃ namemahi //

Dich verehren wir mit großen Opfern, dich besingen wir mit Worten, o Unfehlbarer; wie sollten wir, die wir allein in dir Zuflucht haben, uns vor dem Dāitya verneigen?

Wort für Wort
yajāmaḥ tvām mahā-yajñaiḥ
dich verehren wir mit großen Opfern
vadāmaḥ vāgbhiḥ acyuta
dich besingen wir mit Worten, o Unfehlbarer
tvat-eka-śaraṇāḥ santaḥ
wir, die allein in dir Zuflucht haben
katham daityam namemahi
wie sollten wir uns vor dem Dāitya verneigen

tvadvīryam āśritā nityaṃ devāḥ sendrapurogamāḥ / tvayā dattaṃ padaṃ prāpya kathaṃ daityaṃ namemahi //

Auf deine Tatkraft gestützt sind die Götter stets, mit Indra an ihrer Spitze; nachdem wir den von dir verliehenen Rang erlangt haben, wie sollten wir uns vor dem Dāitya verneigen?

Wort für Wort
tvat-vīryam āśritāḥ nityam
auf deine Tatkraft gestützt stets
devāḥ sa-indra-purogamāḥ
die Götter mit Indra an der Spitze
tvayā dattam padam prāpya
nachdem wir den von dir verliehenen Rang erlangt haben
katham daityam namemahi
wie sollten wir uns vor dem Dāitya verneigen

sraṣṭā tvaṃ brahmamūrtyā tu viṣṇur bhūtvā tu rakṣasi / saṃhartā rudraśaktyā tvaṃ kathaṃ daityaṃ namemahi //

Du bist der Schöpfer in der Gestalt Brahmās, als Viṣṇu beschützt du, als Rudras Kraft bist du der Vernichter – wie sollten wir uns vor dem Dāitya verneigen?

Wort für Wort
sraṣṭā tvam brahma-mūrtyā tu
du bist der Schöpfer in der Gestalt Brahmās
viṣṇuḥ bhūtvā tu rakṣasi
als Viṣṇu geworden beschützt du
saṃhartā rudra-śaktyā tvam
als Rudras Kraft bist du der Vernichter
katham daityam namemahi
wie sollten wir uns vor dem Dāitya verneigen

aiśvaryaṃ kāraṇaṃ loke vinaiśvaryaṃ tu kiṃ phalam / hataiśvaryāḥ sureśāna kathaṃ daityaṃ namemahi //

Herrschermacht ist die Ursache [alles Ansehens] in der Welt; was aber ist ohne Herrschermacht ihr Nutzen? Ihrer Herrschermacht beraubt, o Herr der Götter, wie sollten wir uns vor dem Dāitya verneigen?

Wort für Wort
aiśvaryam kāraṇam loke
Herrschermacht ist die Ursache in der Welt
vinā aiśvaryam tu kim phalam
ohne Herrschermacht aber was ist der Nutzen
hata-aiśvaryāḥ sura-īśāna
ihrer Herrschermacht beraubt, o Herr der Götter
katham daityam namemahi
wie sollten wir uns vor dem Dāitya verneigen

anādis tvaṃ jagaddhātar anantas tvaṃ jagadguruḥ / antavantam amuṃ śatruṃ kathaṃ daityaṃ namemahi //

Du bist ohne Anfang, o Erhalter der Welt, du bist ohne Ende, der Lehrer der Welt; wie sollten wir uns vor diesem endlichen Feind, dem Dāitya, verneigen?

Wort für Wort
anādiḥ tvam jagat-dhātaḥ
du bist ohne Anfang, o Erhalter der Welt
anantaḥ tvam jagat-guruḥ
du bist ohne Ende, der Lehrer der Welt
antavantam amum śatrum
vor diesem endlichen Feind
katham daityam namemahi
wie sollten wir uns vor dem Dāitya verneigen

tavaiśvaryeṇa puṣṭāṅgā jitvā trailokyam ojasā / sthirāḥ syāmaḥ sureśāna kathaṃ daityaṃ namemahi //

Durch deine Herrschermacht mit kräftigen Gliedern, nachdem wir die drei Welten durch [deine] Kraft besiegt haben, mögen wir gefestigt sein, o Herr der Götter; wie sollten wir uns vor dem Dāitya verneigen?

Wort für Wort
tava aiśvaryeṇa puṣṭa-aṅgāḥ
durch deine Herrschermacht mit kräftigen Gliedern
jitvā trailokyam ojasā
nachdem wir die drei Welten durch Kraft besiegt haben
sthirāḥ syāma sura-īśāna
mögen wir gefestigt sein, o Herr der Götter
katham daityam namemahi
wie sollten wir uns vor dem Dāitya verneigen

{brahmovāca:} ity etad eva vacanaṃ śrutvā daiteyasūdanaḥ / uvāca sarvān amarān devānāṃ kāryasiddhaye //

{Brahmā sprach:} Nachdem er eben diese Worte gehört hatte, sprach der Vernichter der Daiteyas [Viṣṇu] zu allen Unsterblichen, um das Anliegen der Götter zu erfüllen:

Wort für Wort
iti etat eva vacanam śrutvā
nachdem er eben diese Worte gehört hatte
daiteya-sūdanaḥ
der Vernichter der Daiteyas [Viṣṇu]
uvāca sarvān amarān
sprach zu allen Unsterblichen
devānām kārya-siddhaye
um das Anliegen der Götter zu erfüllen

{śrībhagavān uvāca:} madbhakto 'sau balir daityo hy avadhyo 'sau surāsuraiḥ / yathā bhavanto matpoṣyās tathā poṣyo balir mama //

{Der erhabene Herr sprach:} Jener Dāitya Bali ist mein Verehrer, und er ist unantastbar für Götter und Dämonen; so wie ihr von mir zu nähren seid, so ist auch Bali von mir zu nähren.

Wort für Wort
mat-bhaktaḥ asau baliḥ daityaḥ
jener Dāitya Bali ist mein Verehrer
hi avadhyaḥ asau sura-asuraiḥ
und er ist unantastbar für Götter und Dämonen
yathā bhavantaḥ mat-poṣyāḥ
so wie ihr von mir zu nähren seid
tathā poṣyaḥ baliḥ mama
so ist Bali auch von mir zu nähren

vinā tu saṃgaraṃ devā hatvā rājyaṃ triviṣṭape / baliṃ nibadhya mantroktyā rājyaṃ vaḥ pradadāmy aham //

Doch ohne Kampf, o Götter, werde ich [ihm] die Herrschaft über den Himmel nehmen; nachdem ich Bali durch eine List (mantra-Ausspruch) gebunden habe, werde ich euch die Herrschaft zurückgeben.

Wort für Wort
vinā tu saṃgaram devāḥ
doch ohne Kampf, o Götter
hatvā rājyam triviṣṭape
nachdem ich die Herrschaft im Himmel genommen habe
balim nibadhya mantra-uktyā
nachdem ich Bali durch einen listigen Ausspruch gebunden habe
rājyam vaḥ pradadāmi aham
werde ich euch die Herrschaft zurückgeben

{brahmovāca:} tathety uktvā suragaṇāḥ saṃjagmur divam eva hi / bhagavān api deveśo hy adityā garbham āviśat //

{Brahmā sprach:} 'So sei es' sprechend, kehrten die Götterscharen sogleich in den Himmel zurück; der erhabene Herr der Götter selbst aber ging in Aditis Schoß ein.

Wort für Wort
tathā iti uktvā sura-gaṇāḥ
'so sei es' sprechend, die Götterscharen
saṃjagmuḥ divam eva hi
kehrten sogleich in den Himmel zurück
bhagavān api deva-īśaḥ
der erhabene Herr der Götter selbst
hi adityāḥ garbham āviśat
ging in Aditis Schoß ein

tasminn utpadyamāne tu utsavāś ca babhūvire / jāto 'sau vāmano brahman yajñeśo yajñapūruṣaḥ //

Als er geboren wurde, gab es Festlichkeiten; geboren wurde er, o Brahmane, als Vāmana, der Herr des Opfers, der Opferpuruṣa.

Wort für Wort
tasmin utpadyamāne tu
als er geboren wurde
utsavāḥ ca babhūvire
gab es Festlichkeiten
jātaḥ asau vāmanaḥ brahman
geboren wurde er, o Brahmane, als Vāmana
yajña-īśaḥ yajña-pūruṣaḥ
der Herr des Opfers, der Opfer-Puruṣa

etasminn antare brahman hayamedhāya dīkṣitaḥ / balir balavatāṃ śreṣṭha ṛṣimukhyaiḥ samāhitaḥ //

Unterdessen, o Brahmane, hatte sich Bali, der Vortrefflichste der Starken, für das Pferdeopfer geweiht, betreut von den führenden Ṛṣis,

Wort für Wort
etasmin antare brahman
unterdessen, o Brahmane
haya-medhāya dīkṣitaḥ
für das Pferdeopfer geweiht
baliḥ balavatām śreṣṭha
Bali, der Vortrefflichste der Starken
ṛṣi-mukhyaiḥ samāhitaḥ
betreut von den führenden Ṛṣis

purodhasā ca śukreṇa vedavedāṅgavedinā / makhe tasmin vartamāne yajamāne balau tathā /

und vom Hauspriester Śukra, der Kenner der Veden und Vedāṅgas; während jenes Opfer im Gange war und Bali der Opferherr war,

Wort für Wort
purodhasā ca śukreṇa
und vom Hauspriester Śukra
veda-vedāṅga-vedinā
dem Kenner der Veden und Vedāṅgas
makhe tasmin vartamāne
während jenes Opfer im Gange war
yajamāne balau tathā
und Bali der Opferherr war

ārtvijya ṛṣimukhye tu śukre tatra purodhasi / havirbhāgārtham āsannadevagandharvapannage /

während Śukra, der führende Ṛṣi, dort das Priesteramt innehatte, und für die Opferanteile Götter, Gandharvas und Schlangenwesen [Pannagas] herbeigekommen waren,

Wort für Wort
ārtvijye ṛṣi-mukhye tu
während im Priesteramt der führende Ṛṣi
śukre tatra purodhasi
Śukra dort als Hauspriester
havir-bhāga-artham
für die Opferanteile
āsanna-deva-gandharva-pannage
als Götter, Gandharvas und Schlangenwesen herbeigekommen waren

dīyatāṃ bhujyatāṃ pūjā kriyatāṃ ca pṛthak pṛthak / paripūrṇaṃ punaḥ pūrṇam evaṃ vākye pravartati //

'Es werde gegeben, es werde genossen, Verehrung werde jedem einzeln erwiesen, vollständig und immer wieder vollständig' – so erklang der Ruf [des Opfers].

Wort für Wort
dīyatām bhujyatām pūjā
es werde gegeben, es werde genossen, Verehrung
kriyatām ca pṛthak pṛthak
werde jedem einzeln erwiesen
paripūrṇam punaḥ pūrṇam
vollständig und immer wieder vollständig
evam vākye pravartati
so erklang der Ruf

śanais taddeśam abhyāgād vāmanaḥ sāmagāyanaḥ / yajñavāṭam anuprāpto vāmanaś citrakuṇḍalaḥ //

Langsam kam Vāmana zu jenem Ort, Sāmaveda-Weisen singend; Vāmana, geschmückt mit prächtigen Ohrringen, erreichte den Opferplatz.

Wort für Wort
śanaiḥ tad-deśam abhyāgāt
langsam kam er zu jenem Ort
vāmanaḥ sāma-gāyanaḥ
Vāmana, Sāmaveda-Weisen singend
yajña-vāṭam anuprāptaḥ
erreichte den Opferplatz
vāmanaḥ citra-kuṇḍalaḥ
Vāmana, geschmückt mit prächtigen Ohrringen

praśaṃsamānas taṃ yajñaṃ vāmanaṃ prekṣya bhārgavaḥ / brahmarūpadharaṃ devaṃ vāmanaṃ daityasūdanam /

Als der Bhārgava [Śukra], jenes Opfer preisend, den Vāmana erblickte – den Gott in Brahmanengestalt, den Vāmana, den Vernichter der Dāityas,

Wort für Wort
praśaṃsamānaḥ tam yajñam
während er jenes Opfer preisend war
vāmanam prekṣya bhārgavaḥ
als der Bhārgava [Śukra] den Vāmana erblickte
brahma-rūpa-dharam devam
den Gott in Brahmanengestalt
vāmanam daitya-sūdanam
den Vāmana, den Vernichter der Dāityas

dātāraṃ yajñatapasāṃ phalaṃ hantāraṃ rakṣasām / jñātvā tvarann athovāca rājānaṃ bhūritejasam //

den Geber der Frucht von Opfer und Askese, den Vernichter der Rākṣasas – als er ihn erkannt hatte, sprach er eilends zum König von großer Macht:

Wort für Wort
dātāram yajña-tapasām phalam
den Geber der Frucht von Opfer und Askese
hantāram rakṣasām
den Vernichter der Rākṣasas
jñātvā tvaran atha uvāca
als er ihn erkannt hatte, sprach er eilends
rājānam bhūri-tejasam
zum König von großer Macht

jetāraṃ kṣatradharmeṇa dātāraṃ bhaktito dhanam / baliṃ balavatāṃ śreṣṭhaṃ sabhāryaṃ dīkṣitaṃ makhe /

zu Bali, dem Sieger durch Kṣatriya-Pflicht, dem Geber von Reichtum aus Hingabe, dem Vortrefflichsten der Starken, geweiht zum Opfer samt seiner Gattin,

Wort für Wort
jetāram kṣatra-dharmeṇa
zum Sieger durch Kṣatriya-Pflicht
dātāram bhaktitaḥ dhanam
zum Geber von Reichtum aus Hingabe
balim balavatām śreṣṭham
zu Bali, dem Vortrefflichsten der Starken
sa-bhāryam dīkṣitam makhe
samt seiner Gattin zum Opfer geweiht

dhyāyantaṃ yajñapuruṣam utsṛjantaṃ haviḥ pṛthak / tam āha bhṛguśārdūlaḥ śukraḥ paramabuddhimān //

der über den Opferpuruṣa meditierte und gesondert Opfergaben darbrachte – zu ihm sprach der Tiger der Bhṛgus, Śukra, von höchster Weisheit:

Wort für Wort
dhyāyantam yajña-puruṣam
der über den Opferpuruṣa meditierte
utsṛjantam haviḥ pṛthak
und gesondert Opfergaben darbrachte
tam āha bhṛgu-śārdūlaḥ
zu ihm sprach der Tiger der Bhṛgus
śukraḥ parama-buddhimān
Śukra, von höchster Weisheit

{śukra uvāca:} yo 'sau tava makhaṃ prāpto brāhmaṇo vāmanākṛtiḥ / nāsau vipro bale satyaṃ yajñeśo yajñavāhanaḥ //

{Śukra sprach:} Jener Brahmane in Zwerggestalt, der zu deinem Opfer gekommen ist – das ist kein Brahmane, Bali, wahrlich, es ist der Herr des Opfers, der das Opfer trägt.

Wort für Wort
yaḥ asau tava makham prāptaḥ
jener, der zu deinem Opfer gekommen ist
brāhmaṇaḥ vāmana-ākṛtiḥ
ein Brahmane in Zwerggestalt
na asau vipraḥ bale satyam
das ist kein Brahmane, Bali, wahrlich
yajña-īśaḥ yajña-vāhanaḥ
der Herr des Opfers, der das Opfer trägt

śiśus tvāṃ yācituṃ prāpto nūnaṃ devahitāya hi / mayā ca saha saṃmantrya paścād deyaṃ tvayā prabho //

Als Kind ist er gekommen, um dich zu bitten – gewiss zum Wohl der Götter; berate dich zunächst mit mir, danach magst du geben, o Herr.

Wort für Wort
śiśuḥ tvām yācitum prāptaḥ
als Kind ist er gekommen, um dich zu bitten
nūnam deva-hitāya hi
gewiss zum Wohl der Götter
mayā ca saha saṃmantrya
nachdem du dich mit mir beraten hast
paścāt deyam tvayā prabho
danach magst du geben, o Herr

{brahmovāca:} balis tu bhārgavaṃ prāha purodhasam ariṃdamaḥ //*

{Brahmā sprach:} Bali aber, der Feindebezwinger, sprach zum Bhārgava, seinem Hauspriester:

Wort für Wort
baliḥ tu bhārgavam prāha
Bali aber sprach zum Bhārgava
purodhasam ariṃdamaḥ
zu seinem Hauspriester, der Feindebezwinger

[Anm.: Im Original nur eine Zeile (Halbvers), im Text mit dem Asteriskus '//*' als unvollständig markiert – die zugehörige zweite Zeile fehlt in der überlieferten Textgrundlage, wie bereits bei ähnlichen Fällen in Kap.71 (V20, V33, V40) beobachtet.]

{balir uvāca:} dhanyo 'haṃ mama yajñeśo gṛham āyāti mūrtimān / āgatya yācate kiṃcit kiṃ mantryam avaśiṣyate //

{Bali sprach:} Gesegnet bin ich – der Herr meines Opfers kommt selbst leibhaftig in mein Haus; gekommen bittet er um etwas Geringes – was bliebe da noch zu beraten?

Wort für Wort
dhanyaḥ aham
gesegnet bin ich
mama yajña-īśaḥ gṛham āyāti mūrtimān
der Herr meines Opfers kommt leibhaftig in mein Haus
āgatya yācate kiṃcit
gekommen bittet er um etwas Geringes
kim mantryam avaśiṣyate
was bliebe da noch zu beraten

{brahmovāca:} evam uktvā sabhāryo 'sau śukreṇa ca purodhasā / jagāma yatra viprendro vāmano 'ditinandanaḥ //

{Brahmā sprach:} So sprechend, ging er samt seiner Gattin, zusammen mit dem Hauspriester Śukra, dorthin, wo der Herr der Brahmanen, Vāmana, der Sohn Aditis, [weilte].

Wort für Wort
evam uktvā sa-bhāryaḥ asau
so sprechend, er samt seiner Gattin
śukreṇa ca purodhasā
zusammen mit dem Hauspriester Śukra
jagāma yatra vipra-indraḥ
ging dorthin, wo der Herr der Brahmanen
vāmanaḥ aditi-nandanaḥ
Vāmana, der Sohn Aditis, [weilte]

kṛtāñjalipuṭo bhūtvā kenārthitvaṃ tad ucyatām / vāmano 'pi tadā prāha padatrayamitāṃ bhuvam //

Mit gefalteten Händen [sprach er]: 'Womit bist du zu mir gekommen, sag es mir!' Vāmana aber sprach da: [er bat um] ein Land, gemessen mit drei Schritten.

Wort für Wort
kṛta-añjali-puṭaḥ bhūtvā
mit gefalteten Händen
kena arthitvam tat ucyatām
womit bist du gekommen, sag es
vāmanaḥ api tadā prāha
Vāmana aber sprach da
pada-traya-mitām bhuvam
um ein mit drei Schritten gemessenes Land

dehi rājendra nānyena kāryam asti dhanena kim / tathety uktvā tu kalaśān nānāratnavibhūṣitāt /

'Gib [mir dies], o König der Könige, mit anderem Reichtum habe ich nichts zu schaffen.' 'So sei es' sprechend, [ergriff Bali] den mit vielerlei Juwelen geschmückten Krug,

Wort für Wort
dehi rāja-indra
gib [mir dies], o König der Könige
na anyena kāryam asti dhanena
mit anderem Reichtum habe ich nichts zu schaffen
kim tathā iti uktvā tu
'so sei es' sprechend
kalaśān nānā-ratna-vibhūṣitāt
den mit vielerlei Juwelen geschmückten Krug

vāridhārāṃ puraskṛtya vāmanāya bhuvaṃ dadau / paśyatsu ṛṣimukhyeṣu śukre caiva purodhasi /

und indem er den Wasserstrahl voranstellte, gab er dem Vāmana das Land, während die führenden Ṛṣis zusahen und auch der Hauspriester Śukra,

Wort für Wort
vāri-dhārām puraskṛtya
indem er den Wasserstrahl voranstellte
vāmanāya bhuvam dadau
gab er dem Vāmana das Land
paśyatsu ṛṣi-mukhyeṣu
während die führenden Ṛṣis zusahen
śukre ca eva purodhasi
und auch der Hauspriester Śukra

paśyatsu lokanātheṣu vāmanāya bhuvaṃ dadau / paśyatsu daityasaṃgheṣu jayaśabde pravartati //

während die Weltenherren zusahen, gab er dem Vāmana das Land; während die Scharen der Dāityas zusahen, erscholl ein Ruf des Sieges.

Wort für Wort
paśyatsu loka-nātheṣu
während die Weltenherren zusahen
vāmanāya bhuvam dadau
gab er dem Vāmana das Land
paśyatsu daitya-saṃgheṣu
während die Scharen der Dāityas zusahen
jaya-śabde pravartati
erscholl ein Ruf des Sieges

śanais tu vāmanaḥ prāha svasti rājan sukhī bhava / dehi me saṃmitāṃ bhūmiṃ tripadām āśu gamyate //

Langsam sprach Vāmana: 'Heil dir, o König, sei glücklich; gib mir das zugemessene Land, drei Schritte, rasch will ich es durchschreiten.'

Wort für Wort
śanaiḥ tu vāmanaḥ prāha
langsam sprach Vāmana
svasti rājan sukhī bhava
Heil dir, o König, sei glücklich
dehi me saṃmitām bhūmim
gib mir das zugemessene Land
tripadām āśu gamyate
drei Schritte, rasch wird es durchschritten

tathety uvāca daityeśo yāvat paśyati vāmanam / yajñeśo yajñapuruṣaś candrādityau stanāntare /

'So sei es', sprach der Herr der Dāityas – und während er noch hinsah, [wuchs] Vāmana, der Herr des Opfers, der Opferpuruṣa, mit Mond und Sonne zwischen seinen Brüsten,

Wort für Wort
tathā iti uvāca daitya-īśaḥ
'so sei es', sprach der Herr der Dāityas
yāvat paśyati vāmanam
während er noch Vāmana ansah
yajña-īśaḥ yajña-puruṣaḥ
der Herr des Opfers, der Opferpuruṣa
candra-ādityau stana-antare
mit Mond und Sonne zwischen seinen Brüsten

yathā syātāṃ surā mūrdhni vavṛdhe vikramākṛtiḥ / anantaś cācyuto devo vikrānto vikramākṛtiḥ / taṃ dṛṣṭvā daityarāṭ prāha sabhāryo vinayānvitaḥ //

so dass die Götter auf seinem Haupt [Platz fanden] – so wuchs die Trivikrama-Gestalt; der endlose, unfehlbare Gott, der Schreitende, die Trivikrama-Gestalt – als der König der Dāityas ihn sah, sprach er samt seiner Gattin voller Demut:

Wort für Wort
yathā syātām surāḥ mūrdhni
so dass die Götter auf seinem Haupt [Platz fanden]
vavṛdhe vikrama-ākṛtiḥ
so wuchs die Trivikrama-Gestalt
anantaḥ ca acyutaḥ devaḥ
der endlose, unfehlbare Gott
vikrāntaḥ vikrama-ākṛtiḥ
der Schreitende, die Trivikrama-Gestalt
tam dṛṣṭvā daitya-rāṭ prāha
als der König der Dāityas ihn sah, sprach er
sa-bhāryaḥ vinaya-anvitaḥ
samt seiner Gattin voller Demut

[Anm.: Auch dieser Vers hat im Original drei Zeilen (sechs Pādas), von denen nur die letzte durch // markiert ist.]

{balir uvāca:} kramasva viṣṇo lokeśa yāvacchaktyā jaganmaya / jitaṃ mayā sureśāna sarvabhāvena viśvakṛt //

{Bali sprach:} Schreite, Viṣṇu, Herr der Welt, soweit du vermagst, o All-Durchdringender; besiegt bin ich, o Herr der Götter, gänzlich, o Weltenschöpfer.

Wort für Wort
kramasva viṣṇo loka-īśa
schreite, Viṣṇu, Herr der Welt
yāvat-śaktyā jagat-maya
soweit du vermagst, o All-Durchdringender
jitam mayā sura-īśāna
besiegt bin ich, o Herr der Götter
sarva-bhāvena viśva-kṛt
gänzlich, o Weltenschöpfer

{brahmovāca:} tadvākyasamakālaṃ tu viṣṇuḥ prāha mahākratuḥ //*

{Brahmā sprach:} Zur selben Zeit wie diese Worte sprach Viṣṇu, das große Opfer selbst:

Wort für Wort
tad-vākya-sama-kālam tu
zur selben Zeit wie diese Worte
viṣṇuḥ prāha mahā-kratuḥ
sprach Viṣṇu, das große Opfer selbst

[Anm.: Im Original nur eine Zeile, mit '//*' als unvollständig markiert.]

{viṣṇur uvāca:} daityeśvara mahābāho kramiṣye paśya daityarāṭ //*

{Viṣṇu sprach:} O Herr der Dāityas, Starkarmiger, ich werde schreiten – sieh her, König der Dāityas!

Wort für Wort
daitya-īśvara mahā-bāho
o Herr der Dāityas, Starkarmiger
kramiṣye paśya daitya-rāṭ
ich werde schreiten, sieh her, König der Dāityas

[Anm.: Im Original nur eine Zeile, mit '//*' als unvollständig markiert.]

{brahmovāca:} evaṃ vadantaṃ sa prāha krama viṣṇo punaḥ punaḥ //*

{Brahmā sprach:} Zu ihm, der so sprach, sagte jener [Bali]: 'Schreite, Viṣṇu, immer wieder!'

Wort für Wort
evam vadantam sa prāha
zu ihm, der so sprach, sagte jener
krama viṣṇo punaḥ punaḥ
schreite, Viṣṇu, immer wieder

[Anm.: Im Original nur eine Zeile, mit '//*' als unvollständig markiert.]

kūrmapṛṣṭhe padaṃ nyasya baliyajñe padaṃ nyasat / dvitīyaṃ tu padaṃ prāpa brahmalokaṃ sanātanam /

Er setzte seinen Fuß auf den Rücken der Schildkröte [die Erde], setzte den Fuß bei Balis Opfer nieder; den zweiten Schritt aber erreichte er im ewigen Brahmaloka.

Wort für Wort
kūrma-pṛṣṭhe padam nyasya
auf den Rücken der Schildkröte den Fuß setzend
bali-yajñe padam nyasat
setzte er den Fuß bei Balis Opfer nieder
dvitīyam tu padam prāpa
den zweiten Schritt aber erreichte er
brahma-lokam sanātanam
im ewigen Brahmaloka

tṛtīyasya padasyātra sthānaṃ nāsty asureśvara / kva kramiṣye bhuvaṃ dehi baliṃ taṃ harir abravīt / vihasya balir apy āha sabhāryaḥ sa kṛtāñjaliḥ //

'Für den dritten Schritt gibt es hier keinen Platz, o Herr der Asuras; wohin soll ich schreiten – gib mir Land!' So sprach Hari zu Bali; lachend aber sprach Bali, samt seiner Gattin, mit gefalteten Händen:

Wort für Wort
tṛtīyasya padasya atra
für den dritten Schritt hier
sthānam na asti asura-īśvara
gibt es keinen Platz, o Herr der Asuras
kva kramiṣye bhuvam dehi
wohin soll ich schreiten, gib mir Land
balim tam hariḥ abravīt
so sprach Hari zu Bali
vihasya baliḥ api āha
lachend aber sprach Bali
sa-bhāryaḥ sa kṛta-añjaliḥ
samt seiner Gattin, mit gefalteten Händen

[Anm.: Auch dieser Vers hat im Original drei Zeilen (sechs Pādas), von denen nur die letzte durch // markiert ist.]

{balir uvāca:} tvayā sṛṣṭaṃ jagat sarvaṃ na sraṣṭāhaṃ sureśvara / tvaddoṣād alpam abhavat kiṃ karomi jaganmaya //

{Bali sprach:} Von dir wurde die gesamte Welt erschaffen, nicht bin ich der Schöpfer, o Herr der Götter; durch eine dir zukommende Fügung wurde [mein Besitz] gering – was soll ich tun, o All-Durchdringender?

Wort für Wort
tvayā sṛṣṭam jagat sarvam
von dir wurde die gesamte Welt erschaffen
na sraṣṭā aham sura-īśvara
nicht bin ich der Schöpfer, o Herr der Götter
tvat-doṣāt alpam abhavat
durch eine dir zukommende Fügung wurde es gering
kim karomi jagat-maya
was soll ich tun, o All-Durchdringender

[Anm.: 'tvad-doṣāt' wörtl. 'durch einen Fehler/eine Ursache, die dir zukommt' – gemeint ist offenbar das von Viṣṇu selbst gelenkte Schicksal, das Balis Besitz auf das durchschrittene Maß beschränkte; nicht als Vorwurf, sondern als demütige Feststellung zu verstehen, wie der folgende Vers zeigt.]

tathāpi nānṛtapūrvaṃ kadācid vacmi keśava / satyavākyaṃ ca māṃ kurvan matpṛṣṭhe hi padaṃ nyasa //

Dennoch habe ich niemals zuvor Unwahres gesprochen, o Keśava; mache mich zu einem, der die Wahrheit spricht, und setze deinen Fuß auf meinen Rücken!

Wort für Wort
tathā api na anṛta-pūrvam
dennoch nicht zuvor Unwahres
kadācit vacmi keśava
habe ich jemals gesprochen, o Keśava
satya-vākyam ca mām kurvan
mache mich zu einem, der die Wahrheit spricht
mat-pṛṣṭhe hi padam nyasa
und setze deinen Fuß auf meinen Rücken

{brahmovāca:} tataḥ prasanno bhagavāṃs trayīmūrtiḥ surārcitaḥ //*

{Brahmā sprach:} Da wurde der erhabene Herr, die Verkörperung der drei Veden, von den Göttern verehrt, wohlgesonnen –

Wort für Wort
tataḥ prasannaḥ bhagavān
da wurde der erhabene Herr wohlgesonnen
trayī-mūrtiḥ sura-arcitaḥ
die Verkörperung der drei Veden, von den Göttern verehrt

[Anm.: Im Original nur eine Zeile, mit '//*' als unvollständig markiert.]

{bhagavān uvāca:} varaṃ vṛṇīṣva bhadraṃ te bhaktyā prīto 'smi daityarāṭ //

{Der erhabene Herr sprach:} 'Erbitte dir eine Gunst, Heil dir; durch [deine] Hingabe bin ich erfreut, o König der Dāityas.'

Wort für Wort
varam vṛṇīṣva bhadram te
erbitte dir eine Gunst, Heil dir
bhaktyā prītaḥ asmi daitya-rāṭ
durch Hingabe bin ich erfreut, o König der Dāityas

[Anm.: Auch dieser Vers besteht im Original nur aus einer Zeile (zwei Pādas statt der üblichen vier), hier jedoch ohne den Asteriskus des Originals – möglicherweise bildet er zusammen mit V52 metrisch einen einzigen, redaktionell auf zwei Versnummern aufgeteilten Vers.]

{brahmovāca:} sa tu prāha jagannāthaṃ na yāce tvāṃ trivikramam / sa tu prādāt svayaṃ viṣṇuḥ prītaḥ san manasepsitam //

{Brahmā sprach:} Jener aber sprach zum Herrn der Welt, dem Trivikrama: 'Ich bitte dich um nichts.' Doch Viṣṇu selbst, erfreut, gab ihm, was er sich im Herzen wünschte.

Wort für Wort
sa tu prāha jagat-nātham
jener aber sprach zum Herrn der Welt
na yāce tvām trivikramam
ich bitte dich um nichts, o Trivikrama
sa tu prādāt svayam viṣṇuḥ
doch Viṣṇu selbst gab
prītaḥ san manasā-īpsitam
erfreut, was er sich im Herzen wünschte

rasātalapatitvaṃ ca bhāvi cendrapadaṃ punaḥ / ātmādhipatyaṃ ca harir avināśi yaśo vibhuḥ //

die Herrschaft über Rasātala, und dass [ihm] künftig wiederum Indras Rang [zufallen werde], Selbstherrschaft, und Hari [gab ihm] unvergänglichen Ruhm, der Mächtige.

Wort für Wort
rasātala-patitvam ca
und die Herrschaft über Rasātala
bhāvi ca indra-padam punaḥ
und dass künftig wiederum Indras Rang [zufallen werde]
ātma-ādhipatyam ca
und Selbstherrschaft
hariḥ avināśi yaśaḥ vibhuḥ
Hari [gab] unvergänglichen Ruhm, der Mächtige

evaṃ dattvā baleḥ sarvaṃ sasutaṃ bhāryayānvitam / rasātale hariḥ sthāpya baliṃ tv amaravairiṇam /

Nachdem er so Bali alles gegeben hatte, [ihn] samt Sohn und Gattin, setzte Hari den Bali, den Feind der Unsterblichen, in Rasātala ein

Wort für Wort
evam dattvā baleḥ sarvam
nachdem er Bali so alles gegeben hatte
sa-sutam bhāryayā anvitam
samt Sohn und begleitet von seiner Gattin
rasātale hariḥ sthāpya
setzte Hari in Rasātala ein
balim tu amara-vairiṇam
den Bali, den Feind der Unsterblichen

śatakratos tathā prādāt surarājyaṃ yathābhavam / etasminn antare tatra padaṃ prāgāt surārcitam //

und gab ebenso Indra [Śatakratu] die Götterherrschaft zurück, so wie sie zuvor war. Unterdessen gelangte dort [Viṣṇus] von den Göttern verehrter Fuß [zum dritten Schritt].

Wort für Wort
śatakratoḥ tathā prādāt
und gab ebenso dem Śatakratu [Indra]
sura-rājyam yathā abhavam
die Götterherrschaft zurück, wie sie zuvor war
etasmin antare tatra
unterdessen dort
padam prāgāt sura-arcitam
gelangte der von den Göttern verehrte Fuß

dvitīyaṃ tat padaṃ viṣṇoḥ pitur mama mahāmate / yat padaṃ samanuprāptaṃ gṛhaṃ dṛṣṭvāpy acintayam //

Jener zweite Schritt Viṣṇus, meines Vaters, o Hochgesinnter – als ich sah, dass jener Schritt [mein] Haus erreicht hatte, dachte ich bei mir:

Wort für Wort
dvitīyam tat padam viṣṇoḥ
jener zweite Schritt Viṣṇus
pituḥ mama mahā-mate
meines Vaters, o Hochgesinnter
yat padam samanuprāptam gṛham
als jener Schritt [mein] Haus erreichte
dṛṣṭvā api acintayam
sah ich es und dachte bei mir

[Anm.: Brahmā, der Erzähler, bezeichnet Viṣṇu hier als 'meinen Vater' ('pituḥ mama') – ein in vaiṣṇavisch geprägten Purāṇa-Passagen bekanntes Motiv, wonach Brahmā aus dem Lotus in Viṣṇus Nabel entsprang.]

kiṃ kṛtyaṃ yac chubhaṃ me syāt pade viṣṇoḥ samāgate / sarvasvaṃ ca samālokya śreṣṭho me syāt kamaṇḍaluḥ //

'Was ist zu tun, das mir zum Heil gereiche, nun da Viṣṇus Schritt angekommen ist?' Und nachdem ich meinen gesamten Besitz überblickt hatte, [erkannte ich:] mein Wasserkrug wäre das Beste.

Wort für Wort
kim kṛtyam yat śubham me syāt
was ist zu tun, das mir zum Heil gereiche
pade viṣṇoḥ samāgate
nun da Viṣṇus Schritt angekommen ist
sarvasvam ca samālokya
und nachdem ich meinen gesamten Besitz überblickt hatte
śreṣṭhaḥ me syāt kamaṇḍaluḥ
wäre mein Wasserkrug das Beste

tad vāri yat puṇyatamaṃ dattaṃ ca tripurāriṇā / varaṃ vareṇyaṃ varadaṃ varaṃ śāntikaraṃ param /

jenes Wasser, das höchst heilvolle, gegeben vom Feind der drei Burgen [Śiva] – die Gunst, die erwählenswerte, gunstgewährende, die höchste, Frieden schaffende Gabe,

Wort für Wort
tat vāri yat puṇya-tamam
jenes Wasser, das höchst heilvolle
dattam ca tripura-ariṇā
und gegeben vom Feind der drei Burgen [Śiva]
varam vareṇyam varadam
die erwählenswerte, gunstgewährende Gabe
varam śānti-karam param
die höchste, Frieden schaffende Gabe

śubhaṃ ca śubhadaṃ nityaṃ bhuktimuktipradāyakam / mātṛsvarūpaṃ lokānām amṛtaṃ bheṣajaṃ śuci /

verheißungsvoll, stets Heil bringend, Genuss und Erlösung schenkend, die Muttergestalt der Welten, Nektar der Unsterblichkeit, Heilmittel, rein,

Wort für Wort
śubham ca śubha-dam nityam
verheißungsvoll und stets Heil bringend
bhukti-mukti-pradāyakam
Genuss und Erlösung schenkend
mātṛ-svarūpam lokānām
die Muttergestalt der Welten
amṛtam bheṣajam śuci
Nektar der Unsterblichkeit, Heilmittel, rein

pavitraṃ pāvanaṃ pūjyaṃ jyeṣṭhaṃ śreṣṭhaṃ guṇānvitam / smaraṇād eva lokānāṃ pāvanaṃ kiṃ nu darśanāt //

heilig, reinigend, verehrungswürdig, das Erste, das Beste, tugendbegabt – schon durch bloße Erinnerung reinigt es die Welten, wie viel mehr erst durch den Anblick!

Wort für Wort
pavitram pāvanam pūjyam
heilig, reinigend, verehrungswürdig
jyeṣṭham śreṣṭham guṇa-anvitam
das Erste, das Beste, tugendbegabt
smaraṇāt eva lokānām pāvanam
schon durch bloße Erinnerung reinigt es die Welten
kim nu darśanāt
wie viel mehr erst durch den Anblick

tādṛg vāri śucir bhūtvā kalpaye 'rghāya me pituḥ / iti saṃcintya tad vāri gṛhītvārghāya kalpitam /

Solches Wasser will ich, rein geworden, für die Ehrenwasser-Gabe an meinen Vater bereiten. So bedachte ich es, ergriff jenes Wasser und bereitete es zur Arghya-Gabe,

Wort für Wort
tādṛk vāri śuciḥ bhūtvā
solches Wasser, rein geworden
kalpaye arghāya me pituḥ
will ich für die Ehrenwasser-Gabe an meinen Vater bereiten
iti saṃcintya tat vāri
so bedachte ich, jenes Wasser
gṛhītvā arghāya kalpitam
ergriff und bereitete es zur Arghya-Gabe

viṣṇoḥ pāde tu patitam arghavāri sumantritam / tad vāri patitaṃ merau caturdhā vyagamad bhuvam //

das wohlgeweihte Arghya-Wasser fiel auf Viṣṇus Fuß; jenes gefallene Wasser ging am Meru vierfach über die Erde hin,

Wort für Wort
viṣṇoḥ pāde tu patitam
auf Viṣṇus Fuß fiel
argha-vāri su-mantritam
das wohlgeweihte Arghya-Wasser
tat vāri patitam merau
jenes gefallene Wasser am Meru
caturdhā vyagamat bhuvam
ging vierfach über die Erde hin

pūrve tu dakṣiṇe caiva paścime cottare tathā / dakṣiṇe yat tu patitaṃ jaṭābhiḥ śaṃkaro mune /

im Osten, im Süden, im Westen und ebenso im Norden; was aber im Süden fiel, das ergriff Śaṃkara [Śiva] mit seinen Locken, o Weiser,

Wort für Wort
pūrve tu dakṣiṇe ca eva
im Osten und ebenso im Süden
paścime ca uttare tathā
im Westen und ebenso im Norden
dakṣiṇe yat tu patitam
was aber im Süden fiel
jaṭābhiḥ śaṃkaraḥ mune
das ergriff Śaṃkara mit seinen Locken, o Weiser

jagrāha paścime yat tu punaḥ prāyāt kamaṇḍalum / uttare patitaṃ yat tu viṣṇur jagrāha taj jalam //

ergriff er; was im Westen [fiel], das kehrte wieder in den Wasserkrug zurück; was im Norden fiel, jenes Wasser ergriff Viṣṇu.

Wort für Wort
jagrāha paścime yat tu
ergriff, was im Westen [fiel]
punaḥ prāyāt kamaṇḍalum
kehrte wieder in den Wasserkrug zurück
uttare patitam yat tu
was im Norden fiel
viṣṇuḥ jagrāha tat jalam
jenes Wasser ergriff Viṣṇu

pūrvasminn ṛṣayo devā pitaro lokapālakāḥ / jagṛhuḥ śubhadaṃ vāri tasmāc chreṣṭhaṃ tad ucyate //

Im Osten ergriffen die Ṛṣis, Götter, Ahnen und Weltenhüter das heilbringende Wasser; deshalb wird jenes [Wasser des Ostens] als das beste bezeichnet.

Wort für Wort
pūrvasmin ṛṣayaḥ devāḥ
im Osten die Ṛṣis, die Götter
pitaraḥ loka-pālakāḥ
die Ahnen, die Weltenhüter
jagṛhuḥ śubha-dam vāri
ergriffen das heilbringende Wasser
tasmāt śreṣṭham tat ucyate
deshalb wird jenes als das beste bezeichnet

yā dakṣiṇāṃ diśaṃ prāptā āpo vai lokamātaraḥ / viṣṇupādaprasūtās tā brahmaṇyā lokamātaraḥ /

Die Wasser, die in die südliche Richtung gelangten, die Weltenmütter – sie, aus Viṣṇus Fuß entsprungen, brahmanentreue Weltenmütter,

Wort für Wort
yāḥ dakṣiṇām diśam prāptāḥ
die in die südliche Richtung gelangten
āpaḥ vai loka-mātaraḥ
die Wasser, die Weltenmütter
viṣṇu-pāda-prasūtāḥ tāḥ
sie, aus Viṣṇus Fuß entsprungen
brahmaṇyāḥ loka-mātaraḥ
brahmanentreue Weltenmütter

maheśvarajaṭāsaṃsthāḥ parvajātaśubhodayāḥ / tāsāṃ prabhāvasmaraṇāt sarvakāmān avāpnuyāt //

in Maheśvaras Locken weilend, von verheißungsvollem Ursprung an [heiligen] Festtagen – durch bloße Erinnerung an ihre Macht erlangt man alle Wünsche.

Wort für Wort
maheśvara-jaṭā-saṃsthāḥ
in Maheśvaras Locken weilend
parva-jāta-śubha-udayāḥ
von verheißungsvollem Ursprung an [heiligen] Festtagen
tāsām prabhāva-smaraṇāt
durch bloße Erinnerung an ihre Macht
sarva-kāmān avāpnuyāt
erlangt man alle Wünsche

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