Quellen der Menschheit

Brahma-Purāṇa

Kapitel 122: pūrṇatīrthamāhātmyavarṇanam Die Größe des Pūrṇa-Tīrtha (Dhanvantari, Indras dreifacher Sturz und die Hari-Hara-Verehrung)

Brahmā erzählt ein umfangreiches, mehrteiliges Kapitel (mit Abstand das längste seit Kap.110): Zunächst die Geschichte des königlichen Asketen Dhanvantari (Sohn des Āyus), der vom Dämon Tamas in Gestalt einer verführerischen Frau von seiner Askese abgebracht wird, dann aber durch eine ausführliche Jaya-Hymne (V.29-43) an Viṣṇu die Herrschaft über die Götter erlangt. Die Rahmenerzählung springt dann zu Indra, der wiederholt sein Königreich verliert (u.a. wegen Nahuṣa, Vṛtra-Tötung, Ahalyā); Brahmā erklärt ihm und Bṛhaspati die Ursache (Verletzung des eigenen Dharma bei Ritualfehlern) am Beispiel der Dhanvantari-Geschichte und verweist sie zur Gautamī, wo sie Hari und Hara mit ausführlichen Hymnen preisen (Indras Avatāra-Litanei V.68-73, Bṛhaspatis philosophische Someśvara-Hymne V.74-82). Beide Götter gewähren Indra dauerhafte Herrschaft; Bṛhaspatis Weihungsritual lässt den Fluss Maṅgalā entstehen. Ursprung des Govinda-, Maṅgalā-Saṃgama-, Indra-, Bārhaspatya- und (zusammenfassend) Pūrṇa-Tīrtha. V.95-97 enthalten eine durch die Doppelverwendung des Beinamens 'Hari' für sowohl Indra als auch Viṣṇu verursachte Unklarheit in der Govinda-Namensätiologie, mit [?] markiert.

{brahmovāca: } pūrṇatīrtham iti khyātaṃ gaṅgāyā uttare taṭe / tatra snātvā naro 'jñānāt tathāpi śubham āpnuyāt // BrP_122.1 //

Brahmā sprach: 'Es wird Pūrṇa-Tīrtha genannt, am Nordufer der Gaṅgā; dort erlangt ein Mensch, selbst wenn er unwissend badet, dennoch Segen.'

Wort für Wort
pūrṇatīrtham iti khyātaṃ gaṅgāyā uttare taṭe
es wird Pūrṇa-Tīrtha genannt, am Nordufer der Gaṅgā
tatra snātvā naro 'jñānāt tathāpi śubham āpnuyāt
dort erlangt ein Mensch, selbst wenn er unwissend badet, dennoch Segen

pūrṇatīrthasya māhātmyaṃ varṇyate kena jantunā / svayaṃ saṃsthīyate yatra cakriṇā ca pinākinā // BrP_122.2 //

Von welchem Geschöpf könnte die Größe des Pūrṇa-Tīrtha beschrieben werden, wo sich der Diskusträger (Viṣṇu) und der Dreizackträger (Śiva) selbst niedergelassen haben?

Wort für Wort
pūrṇatīrthasya māhātmyaṃ varṇyate kena jantunā
von welchem Geschöpf könnte die Größe des Pūrṇa-Tīrtha beschrieben werden
svayaṃ saṃsthīyate yatra cakriṇā ca pinākinā
wo sich der Diskusträger und der Dreizackträger selbst niedergelassen haben

purā dhanvantarir nāma kalpādāv āyuṣaḥ sutaḥ / iṣṭvā bahuvidhair yajñair aśvamedhapuraḥsaraiḥ // BrP_122.3 //

Einst, zu Beginn des Kalpa, gab es einen namens Dhanvantari, den Sohn des Āyus; nachdem er mit mannigfaltigen Opfern, angeführt vom Roßopfer (Aśvamedha), geopfert hatte,

Wort für Wort
purā dhanvantarir nāma kalpādāv āyuṣaḥ sutaḥ
einst, zu Beginn des Kalpa, gab es einen namens Dhanvantari, den Sohn des Āyus
iṣṭvā bahuvidhair yajñair aśvamedhapuraḥsaraiḥ
nachdem er mit mannigfaltigen Opfern, angeführt vom Roßopfer, geopfert hatte

[Anm.: Dieser Dhanvantari ist als König/Weiser konzipiert, nicht identisch mit dem Götterarzt Dhanvantari des Milchozean-Mythos.]

dattvā dānāny anekāni bhuktvā bhogāṃś ca puṣkalān / vijñāya bhogavaiṣamyaṃ paraṃ vairāgyam āśritaḥ // BrP_122.4 //

und viele Spenden gegeben und reichliche Genüsse erfahren hatte, erkannte er die Unbeständigkeit des Genusses und wandte sich der höchsten Entsagung zu.

Wort für Wort
dattvā dānāny anekāni bhuktvā bhogāṃś ca puṣkalān
nachdem er viele Spenden gegeben und reichliche Genüsse erfahren hatte
vijñāya bhogavaiṣamyaṃ paraṃ vairāgyam āśritaḥ
erkannte er die Unbeständigkeit des Genusses und wandte sich der höchsten Entsagung zu

giriśṛṅge 'mbudheḥ pāre tathā gaṅgānadītaṭe / śivaviṣṇvor gṛhe vāpi viśeṣāt puṇyasaṃgame // BrP_122.5 //

Auf dem Berggipfel, jenseits des Ozeans, ebenso am Ufer des Gaṅgā-Flusses, im Hause Śivas oder Viṣṇus, besonders aber an einem heiligen Zusammenfluss –

Wort für Wort
giriśṛṅge 'mbudheḥ pāre tathā gaṅgānadītaṭe
auf dem Berggipfel, jenseits des Ozeans, ebenso am Ufer des Gaṅgā-Flusses
śivaviṣṇvor gṛhe vāpi viśeṣāt puṇyasaṃgame
im Hause Śivas oder Viṣṇus, besonders aber an einem heiligen Zusammenfluss

taptaṃ hutaṃ ca japtaṃ ca sarvam akṣayatāṃ vrajet / dhanvantarir iti jñātvā tatra tepe tapo mahat // BrP_122.6 //

dort werde Askese, Feueropfer und Rezitation allesamt unvergänglich – dies wissend, übte Dhanvantari dort große Askese.

Wort für Wort
taptaṃ hutaṃ ca japtaṃ ca sarvam akṣayatāṃ vrajet
Askese, Feueropfer und Rezitation werden dort allesamt unvergänglich
dhanvantarir iti jñātvā tatra tepe tapo mahat
dies wissend, übte Dhanvantari dort große Askese

jñānavairāgyasaṃpanno bhīmeśacaraṇāśrayaḥ / tapaś cakāra vipulaṃ gaṅgāsāgarasaṃgame // BrP_122.7 //

Mit Wissen und Entsagung ausgestattet, Zuflucht suchend zu Bhīmeśas Füßen, übte er ausgedehnte Askese am Zusammenfluss von Gaṅgā und Ozean.

Wort für Wort
jñānavairāgyasaṃpanno bhīmeśacaraṇāśrayaḥ
mit Wissen und Entsagung ausgestattet, Zuflucht suchend zu Bhīmeśas Füßen
tapaś cakāra vipulaṃ gaṅgāsāgarasaṃgame
übte er ausgedehnte Askese am Zusammenfluss von Gaṅgā und Ozean

purā ca nikṛto rājñā raṇaṃ hitvā mahāsuraḥ / sahasram ekaṃ varṣāṇāṃ samudraṃ prāviśad bhayāt // BrP_122.8 //

Einst, vom König besiegt, floh ein großer Asura vor der Schlacht und tauchte aus Furcht für tausend Jahre in den Ozean ein.

Wort für Wort
purā ca nikṛto rājñā raṇaṃ hitvā mahāsuraḥ
einst, vom König besiegt, floh ein großer Asura vor der Schlacht
sahasram ekaṃ varṣāṇāṃ samudraṃ prāviśad bhayāt
und tauchte aus Furcht für tausend Jahre in den Ozean ein

dhanvantarau vanaṃ prāpte rājyaṃ prāpte tu tatsute / virāgaṃ ca gate rājñi tataḥ prāyād athārṇavāt // BrP_122.9 //

Als Dhanvantari in den Wald ging, sein Sohn das Königreich erlangte, und der König zur Entsagung ging, da kam jener Asura aus dem Ozean heraus.

Wort für Wort
dhanvantarau vanaṃ prāpte rājyaṃ prāpte tu tatsute
als Dhanvantari in den Wald ging, sein Sohn das Königreich erlangte
virāgaṃ ca gate rājñi tataḥ prāyād athārṇavāt
und der König zur Entsagung ging, da kam jener (Asura) aus dem Ozean heraus

tapasyantaṃ tamo nāma balavān asuro mune / gaṅgātīraṃ samāśritya rājā dhanvantarir yataḥ // BrP_122.10 //

Der mächtige Asura namens Tamas (Finsternis), o Weiser, (kam zu dem Ort), wo König Dhanvantari, am Ufer der Gaṅgā weilend, Askese übte.

Wort für Wort
tapasyantaṃ tamo nāma balavān asuro mune
der mächtige Asura namens Tamas, o Weiser, (kam zum Ort des) Askese Übenden
gaṅgātīraṃ samāśritya rājā dhanvantarir yataḥ
wo König Dhanvantari, am Ufer der Gaṅgā weilend, (Askese übte)

japahomarato nityaṃ brahmajñānaparāyaṇaḥ / taṃ ripuṃ nāśayāmīti tamaḥ prāyād athārṇavāt // BrP_122.11 //

Dhanvantari war stets der Rezitation und dem Feueropfer zugetan, dem Brahman-Wissen ergeben; 'Diesen Feind werde ich vernichten', dachte Tamas, und kam aus dem Ozean heraus.

Wort für Wort
japahomarato nityaṃ brahmajñānaparāyaṇaḥ
stets der Rezitation und dem Feueropfer zugetan, dem Brahman-Wissen ergeben
taṃ ripuṃ nāśayāmīti tamaḥ prāyād athārṇavāt
'diesen Feind werde ich vernichten', (dachte) Tamas, und kam aus dem Ozean heraus

nāśito bahuśo 'nena rājñā balavatā tv aham / taṃ ripuṃ nāśayāmīti tamaḥ prāyād athārṇavāt // BrP_122.12 //

'Von diesem mächtigen König wurde ich oftmals vernichtet; diesen Feind werde ich vernichten' – so dachte Tamas und kam aus dem Ozean heraus.

Wort für Wort
nāśito bahuśo 'nena rājñā balavatā tv aham
von diesem mächtigen König wurde ich oftmals vernichtet
taṃ ripuṃ nāśayāmīti tamaḥ prāyād athārṇavāt
diesen Feind werde ich vernichten, (dachte) Tamas, und kam aus dem Ozean heraus

[Anm.: Die Schlusszeile wiederholt sich wörtlich aus V.11 – stilistische Wiederholung im Quelltext.]

māyayā pramadārūpaṃ kṛtvā rājānam abhyagāt / nṛtyagītavatī subhrūr hasantī cārudarśanā // BrP_122.13 //

Durch Illusionsmacht (Māyā) eine Frauengestalt annehmend, näherte er sich dem König – tanzend und singend, mit schönen Augenbrauen, lachend, von anmutigem Aussehen.

Wort für Wort
māyayā pramadārūpaṃ kṛtvā rājānam abhyagāt
durch Illusionsmacht eine Frauengestalt annehmend, näherte er sich dem König
nṛtyagītavatī subhrūr hasantī cārudarśanā
tanzend und singend, mit schönen Augenbrauen, lachend, von anmutigem Aussehen

tāṃ dṛṣṭvā cārusarvāṅgīṃ bahukālaṃ nayānvitām / śāntām anuvratāṃ bhaktāṃ kṛpayā cābravīn nṛpaḥ // BrP_122.14 //

Als er sie sah, mit anmutigen Gliedern, lange Zeit dort verweilend, sittsam, ruhig, ergeben und hingebungsvoll, sprach der König mitleidsvoll:

Wort für Wort
tāṃ dṛṣṭvā cārusarvāṅgīṃ bahukālaṃ nayānvitām
als er sie sah, mit anmutigen Gliedern, lange Zeit (dort verweilend), sittsam
śāntām anuvratāṃ bhaktāṃ kṛpayā cābravīn nṛpaḥ
ruhig, ergeben, hingebungsvoll, sprach der König mitleidsvoll

{nṛpa uvāca: } kāsi tvaṃ kasya hetor vā vartase gahane vane / kaṃ dṛṣṭvā harṣasīva tvaṃ vada kalyāṇi pṛcchate // BrP_122.15 //

Der König sprach: 'Wer bist du, und aus welchem Grund weilst du in diesem dichten Wald? Wen hast du gesehen, dass du dich zu freuen scheinst? Sage es, o Holde, dem Fragenden.'

Wort für Wort
kāsi tvaṃ kasya hetor vā vartase gahane vane
wer bist du, und aus welchem Grund weilst du in diesem dichten Wald
kaṃ dṛṣṭvā harṣasīva tvaṃ vada kalyāṇi pṛcchate
wen hast du gesehen, dass du dich zu freuen scheinst, sage es, o Holde, dem Fragenden

{brahmovāca: } pramadā cāpi tadvākyaṃ śrutvā rājānam abravīt //* BrP_122.16 //

Brahmā sprach: Auch die Frau, als sie diese Worte gehört hatte, sprach zum König:

Wort für Wort
pramadā cāpi tadvākyaṃ śrutvā
auch die Frau, als sie diese Worte gehört hatte
rājānam abravīt
sprach zum König

[Anm.: einzeiliger, asterisk-markierter Halbvers.]

{pramadovāca: } tvayi tiṣṭhati ko loke hetur harṣasya me bhavet / aham indrasya yā lakṣmīs tvāṃ dṛṣṭvā kāmasaṃbhṛtam // BrP_122.17 //

Die Frau sprach: 'Solange du hier weilst, welchen anderen Grund zur Freude bräuchte ich in der Welt? Ich, die Lakṣmī Indras, sah dich, von Begierde erfüllt,'

Wort für Wort
tvayi tiṣṭhati ko loke hetur harṣasya me bhavet
solange du hier weilst, welchen anderen Grund zur Freude bräuchte ich in der Welt
aham indrasya yā lakṣmīs tvāṃ dṛṣṭvā kāmasaṃbhṛtam
ich, die Lakṣmī Indras, sah dich, von Begierde erfüllt

harṣāc carāmi purato rājaṃs tava punaḥ punaḥ / agaṇyapuṇyavirahād ahaṃ sarvasya durlabhā // BrP_122.18 //

'und wandere aus Freude immer wieder vor dir her, o König; ohne unzählige Verdienste bin ich für jeden unerreichbar.'

Wort für Wort
harṣāc carāmi purato rājaṃs tava punaḥ punaḥ
aus Freude wandere ich immer wieder vor dir her, o König
agaṇyapuṇyavirahād ahaṃ sarvasya durlabhā
ohne unzählige Verdienste bin ich für jeden unerreichbar

{brahmovāca: } etad vaco niśamyāśu tapas tyaktvā suduṣkaram / tām eva manasā dhyāyaṃs tanniṣṭhas tatparāyaṇaḥ // BrP_122.19 //

Brahmā sprach: Als er diese Worte gehört hatte, gab er sogleich seine überaus schwierige Askese auf, an sie allein in Gedanken denkend, ihr ergeben, ihr gänzlich zugetan.

Wort für Wort
etad vaco niśamyāśu tapas tyaktvā suduṣkaram
als er diese Worte gehört hatte, gab er sogleich die überaus schwierige Askese auf
tām eva manasā dhyāyaṃs tanniṣṭhas tatparāyaṇaḥ
an sie allein in Gedanken denkend, ihr ergeben, ihr gänzlich zugetan

tadekaśaraṇo rājā babhūva sa yadā tamaḥ / antardhānaṃ gato brahman nāśayitvā tapo bṛhat // BrP_122.20 //

Der König wurde allein zu ihrer Zuflucht ergeben; als aber jener Tamas, o Brahmane, verschwunden war, nachdem er die große Askese zunichtegemacht hatte,

Wort für Wort
tadekaśaraṇo rājā babhūva
der König wurde allein zu ihrer Zuflucht ergeben
sa yadā tamaḥ antardhānaṃ gato brahman nāśayitvā tapo bṛhat
als aber jener Tamas, o Brahmane, verschwunden war, nachdem er die große Askese zunichtegemacht hatte

etasminn antare 'haṃ vai varān dātuṃ samabhyagām / taṃ dṛṣṭvā vihvalībhūtaṃ tapobhraṣṭaṃ yathā mṛtam // BrP_122.21 //

in diesem Augenblick kam ich (Brahmā) herbei, um Gaben zu gewähren; als ich ihn sah, verwirrt, von der Askese abgefallen, wie tot,

Wort für Wort
etasminn antare 'haṃ vai varān dātuṃ samabhyagām
in diesem Augenblick kam ich herbei, um Gaben zu gewähren
taṃ dṛṣṭvā vihvalībhūtaṃ tapobhraṣṭaṃ yathā mṛtam
als ich ihn sah, verwirrt, von der Askese abgefallen, wie tot

tam āśvāsyātha vividhair hetubhir nṛpasattamam / tava śatrus tamo nāma kṛtvā tāṃ tapasaś cyutim // BrP_122.22 //

tröstete ich jenen besten der Könige mit mannigfachen Gründen: 'Dein Feind namens Tamas hat diesen Fall von der Askese bewirkt;'

Wort für Wort
tam āśvāsyātha vividhair hetubhir nṛpasattamam
ich tröstete jenen besten der Könige mit mannigfachen Gründen
tava śatrus tamo nāma kṛtvā tāṃ tapasaś cyutim
dein Feind namens Tamas hat diesen Fall von der Askese bewirkt

caritārtho gato rājan na tvaṃ śocitum arhasi / ānandayanti pramadās tāpayanti ca mānavam // BrP_122.23 //

'er ist, sein Ziel erreicht habend, fortgegangen, o König; du sollst nicht trauern. Frauen erfreuen den Menschen und quälen ihn auch.'

Wort für Wort
caritārtho gato rājan na tvaṃ śocitum arhasi
er ist, sein Ziel erreicht habend, fortgegangen, o König, du sollst nicht trauern
ānandayanti pramadās tāpayanti ca mānavam
Frauen erfreuen den Menschen und quälen ihn auch

sarvā eva viśeṣeṇa kim u māyāmayī tu sā / tataḥ kṛtāñjalī rājā mām āha vigatabhramaḥ // BrP_122.24 //

'Alle (Frauen tun dies), umso mehr erst jene illusionsgemachte!' Da sprach der König, mit gefalteten Händen, seiner Verwirrung ledig, zu mir:

Wort für Wort
sarvā eva viśeṣeṇa kim u māyāmayī tu sā
alle (Frauen tun dies), umso mehr erst jene illusionsgemachte
tataḥ kṛtāñjalī rājā mām āha vigatabhramaḥ
da sprach der König, mit gefalteten Händen, seiner Verwirrung ledig, zu mir

{rājovāca: } kiṃ karomi kathaṃ brahmaṃs tapasaḥ pāram āpnuyām //* BrP_122.25 //

Der König sprach: 'Was soll ich tun, wie, o Brahmā, kann ich das Ziel der Askese erlangen?'

Wort für Wort
kiṃ karomi kathaṃ brahmaṃs
was soll ich tun, wie, o Brahmā
tapasaḥ pāram āpnuyām
kann ich das Ziel der Askese erlangen

[Anm.: einzeiliger, asterisk-markierter Halbvers.]

{brahmovāca: } tatas tasyottaraṃ prādāṃ devadevaṃ janārdanam / stuhi sarvaprayatnena tataḥ siddhim avāpsyasi // BrP_122.26 //

Brahmā sprach: Da gab ich ihm zur Antwort: 'Preise mit allem Bemühen den Gott der Götter, Janārdana (Viṣṇu); dann wirst du Vollendung erlangen.'

Wort für Wort
tatas tasyottaraṃ prādāṃ devadevaṃ janārdanam
da gab ich ihm zur Antwort: den Gott der Götter, Janārdana
stuhi sarvaprayatnena tataḥ siddhim avāpsyasi
preise mit allem Bemühen, dann wirst du Vollendung erlangen

sa hy aśeṣajagatsraṣṭā vedavedyaḥ purātanaḥ / sarvārthasiddhidaḥ puṃsāṃ nānyo 'sti bhuvanatraye // BrP_122.27 //

'Denn er ist der Schöpfer der gesamten Welt, durch die Vedas erkennbar, uralt; er gewährt den Menschen die Vollendung aller Ziele – keinen anderen gibt es in den drei Welten.'

Wort für Wort
sa hy aśeṣajagatsraṣṭā vedavedyaḥ purātanaḥ
denn er ist der Schöpfer der gesamten Welt, durch die Vedas erkennbar, uralt
sarvārthasiddhidaḥ puṃsāṃ nānyo 'sti bhuvanatraye
er gewährt den Menschen die Vollendung aller Ziele, keinen anderen gibt es in den drei Welten

sa jagāma nagaśreṣṭhaṃ himavantaṃ nṛpottamaḥ / kṛtāñjalipuṭo bhūtvā viṣṇuṃ tuṣṭāva bhaktitaḥ // BrP_122.28 //

Jener beste der Könige ging zum besten der Berge, dem Himavant; mit gefalteten Händen pries er Viṣṇu mit Hingabe.

Wort für Wort
sa jagāma nagaśreṣṭhaṃ himavantaṃ nṛpottamaḥ
jener beste der Könige ging zum besten der Berge, dem Himavant
kṛtāñjalipuṭo bhūtvā viṣṇuṃ tuṣṭāva bhaktitaḥ
mit gefalteten Händen pries er Viṣṇu mit Hingabe

{dhanvantarir uvāca: } jaya viṣṇo jayācintya jaya jiṣṇo jayācyuta / jaya gopāla lakṣmīśa jaya kṛṣṇa jaganmaya // BrP_122.29 //

Dhanvantari sprach: 'Sieg dir, Viṣṇu! Sieg, Unvorstellbarer! Sieg, Siegreicher! Sieg, Unvergänglicher! Sieg, Hirtengott, Gemahl der Lakṣmī! Sieg, Kṛṣṇa, aus dem die Welt besteht!'

Wort für Wort
jaya viṣṇo jayācintya
Sieg, Viṣṇu, Sieg, Unvorstellbarer
jaya jiṣṇo jayācyuta
Sieg, Siegreicher, Sieg, Unvergänglicher
jaya gopāla lakṣmīśa
Sieg, Hirtengott, Gemahl der Lakṣmī
jaya kṛṣṇa jaganmaya
Sieg, Kṛṣṇa, aus dem die Welt besteht

[Anm.: Ab hier V.29-42 eine lange Jaya-Lobhymne (Sieg-Anrufungen) auf Viṣṇu.]

jaya bhūtapate nātha jaya pannagaśāyine / jaya sarvaga govinda jaya viśvakṛte namaḥ // BrP_122.30 //

'Sieg, Herr der Wesen, o Gebieter! Sieg, auf der Schlange Ruhender! Sieg, Allgegenwärtiger Govinda! Sieg, Verehrung dem Weltenschöpfer!'

Wort für Wort
jaya bhūtapate nātha
Sieg, Herr der Wesen, o Gebieter
jaya pannagaśāyine
Sieg, auf der Schlange Ruhender
jaya sarvaga govinda
Sieg, Allgegenwärtiger Govinda
jaya viśvakṛte namaḥ
Sieg, Verehrung dem Weltenschöpfer

jaya viśvabhuje deva jaya viśvadhṛte namaḥ / jayeśa sadasat tvaṃ vai jaya mādhava dharmiṇe // BrP_122.31 //

'Sieg dem Weltenverzehrer, o Gott! Sieg, Verehrung dem Weltenerhalter! Sieg, Herr, du bist Sein und Nichtsein! Sieg, Mādhava, dem Dharma-Gemäßen!'

Wort für Wort
jaya viśvabhuje deva
Sieg, dem Weltenverzehrer, o Gott
jaya viśvadhṛte namaḥ
Sieg, Verehrung dem Weltenerhalter
jayeśa sadasat tvaṃ vai
Sieg, Herr, du bist Sein und Nichtsein
jaya mādhava dharmiṇe
Sieg, Mādhava, dem Dharma-Gemäßen

jaya kāmada kāma tvaṃ jaya rāma guṇārṇava / jaya puṣṭida puṣṭīśa jaya kalyāṇadāyine // BrP_122.32 //

'Sieg, Wunschgewährer, du bist die Begierde selbst! Sieg, Rāma, Ozean der Tugenden! Sieg, Nahrungsgewährer, Herr der Fülle! Sieg, Gewährer des Wohlergehens!'

Wort für Wort
jaya kāmada kāma tvaṃ
Sieg, Wunschgewährer, du bist die Begierde selbst
jaya rāma guṇārṇava
Sieg, Rāma, Ozean der Tugenden
jaya puṣṭida puṣṭīśa
Sieg, Nahrungsgewährer, Herr der Fülle
jaya kalyāṇadāyine
Sieg, Gewährer des Wohlergehens

jaya bhūtapa bhūteśa jaya mānavidhāyine / jaya karmada karma tvaṃ jaya pītāmbaracchada // BrP_122.33 //

'Sieg, Beschützer der Wesen, Herr der Wesen! Sieg, Ehregeber! Sieg, Handlungsgewährer, du bist die Handlung selbst! Sieg, Gelbgewandeter!'

Wort für Wort
jaya bhūtapa bhūteśa
Sieg, Beschützer der Wesen, Herr der Wesen
jaya mānavidhāyine
Sieg, Ehregeber
jaya karmada karma tvaṃ
Sieg, Handlungsgewährer, du bist die Handlung selbst
jaya pītāmbaracchada
Sieg, Gelbgewandeter

jaya sarveśa sarvas tvaṃ jaya maṅgalarūpiṇe / jaya sattvādhināthāya jaya vedavide namaḥ // BrP_122.34 //

'Sieg, Herr von allem, du bist alles! Sieg, Glückverheißender! Sieg, Herr des Sattva! Sieg, Verehrung dem Vedakenner!'

Wort für Wort
jaya sarveśa sarvas tvaṃ
Sieg, Herr von allem, du bist alles
jaya maṅgalarūpiṇe
Sieg, Glückverheißender
jaya sattvādhināthāya
Sieg, Herr des Sattva
jaya vedavide namaḥ
Sieg, Verehrung dem Vedakenner

jaya janmada janmistha paramātman namo 'stu te / jaya muktida muktis tvaṃ jaya bhuktida keśava // BrP_122.35 //

'Sieg, Geburtgewährer, in der Geburt Verweilender, höchste Seele, Verehrung sei dir! Sieg, Erlösungsgewährer, du bist die Erlösung selbst! Sieg, Genussgewährer, Keśava!'

Wort für Wort
jaya janmada janmistha
Sieg, Geburtgewährer, in der Geburt Verweilender
paramātman namo 'stu te
höchste Seele, Verehrung sei dir
jaya muktida muktis tvaṃ
Sieg, Erlösungsgewährer, du bist die Erlösung selbst
jaya bhuktida keśava
Sieg, Genussgewährer, Keśava

jaya lokada lokeśa jaya pāpavināśana / jaya vatsala bhaktānāṃ jaya cakradhṛte namaḥ // BrP_122.36 //

'Sieg, Weltengewährer, Herr der Welten! Sieg, Sündenvernichter! Sieg, den Gläubigen Zugetaner! Sieg, Verehrung dem Diskusträger!'

Wort für Wort
jaya lokada lokeśa
Sieg, Weltengewährer, Herr der Welten
jaya pāpavināśana
Sieg, Sündenvernichter
jaya vatsala bhaktānāṃ
Sieg, den Gläubigen Zugetaner
jaya cakradhṛte namaḥ
Sieg, Verehrung dem Diskusträger

jaya mānada mānas tvaṃ jaya lokanamaskṛta / jaya dharmada dharmas tvaṃ jaya saṃsārapāraga // BrP_122.37 //

'Sieg, Ehregewährer, du bist die Ehre selbst! Sieg, von der Welt Verehrter! Sieg, Dharmagewährer, du bist der Dharma selbst! Sieg, jenseits des Weltenkreislaufs Befindlicher!'

Wort für Wort
jaya mānada mānas tvaṃ
Sieg, Ehregewährer, du bist die Ehre selbst
jaya lokanamaskṛta
Sieg, von der Welt Verehrter
jaya dharmada dharmas tvaṃ
Sieg, Dharmagewährer, du bist der Dharma selbst
jaya saṃsārapāraga
Sieg, jenseits des Weltenkreislaufs Befindlicher

jaya annada annaṃ tvaṃ jaya vācaspate namaḥ / jaya śaktida śaktis tvaṃ jaya jaitravaraprada // BrP_122.38 //

'Sieg, Nahrungsgewährer, du bist die Nahrung selbst! Sieg, Verehrung dem Herrn der Rede! Sieg, Kraftgewährer, du bist die Kraft selbst! Sieg, Gewährer siegreicher Gaben!'

Wort für Wort
jaya annada annaṃ tvaṃ
Sieg, Nahrungsgewährer, du bist die Nahrung selbst
jaya vācaspate namaḥ
Sieg, Verehrung dem Herrn der Rede
jaya śaktida śaktis tvaṃ
Sieg, Kraftgewährer, du bist die Kraft selbst
jaya jaitravaraprada
Sieg, Gewährer siegreicher Gaben

jaya yajñada yajñas tvaṃ jaya padmadalekṣaṇa / jaya dānada dānaṃ tvaṃ jaya kaiṭabhasūdana // BrP_122.39 //

'Sieg, Opfergewährer, du bist das Opfer selbst! Sieg, Lotosblättrigäugiger! Sieg, Spendengewährer, du bist die Spende selbst! Sieg, Vernichter des Kaiṭabha!'

Wort für Wort
jaya yajñada yajñas tvaṃ
Sieg, Opfergewährer, du bist das Opfer selbst
jaya padmadalekṣaṇa
Sieg, Lotosblättrigäugiger
jaya dānada dānaṃ tvaṃ
Sieg, Spendengewährer, du bist die Spende selbst
jaya kaiṭabhasūdana
Sieg, Vernichter des Kaiṭabha

jaya kīrtida kīrtis tvaṃ jaya mūrtida mūrtidhṛk / jaya saukhyada saukhyātmañ jaya pāvanapāvana // BrP_122.40 //

'Sieg, Ruhmgewährer, du bist der Ruhm selbst! Sieg, Gestaltgewährer, Gestalttragender! Sieg, Glücksgewährer, Glücksseele! Sieg, Reinster der Reinen!'

Wort für Wort
jaya kīrtida kīrtis tvaṃ
Sieg, Ruhmgewährer, du bist der Ruhm selbst
jaya mūrtida mūrtidhṛk
Sieg, Gestaltgewährer, Gestalttragender
jaya saukhyada saukhyātmañ
Sieg, Glücksgewährer, Glücksseele
jaya pāvanapāvana
Sieg, Reinster der Reinen

jaya śāntida śāntis tvaṃ jaya śaṃkarasaṃbhava / jaya pānada pānas tvaṃ jaya jyotiḥsvarūpiṇe // BrP_122.41 //

'Sieg, Friedengewährer, du bist der Friede selbst! Sieg, aus Śaṃkara Entstandener! Sieg, Trankgewährer, du bist der Trank selbst! Sieg, Lichtgestaltiger!'

Wort für Wort
jaya śāntida śāntis tvaṃ
Sieg, Friedengewährer, du bist der Friede selbst
jaya śaṃkarasaṃbhava
Sieg, aus Śaṃkara Entstandener
jaya pānada pānas tvaṃ
Sieg, Trankgewährer, du bist der Trank selbst
jaya jyotiḥsvarūpiṇe
Sieg, Lichtgestaltiger

jaya vāmana vitteśa jaya dhūmapatākine / jaya sarvasya jagato dātṛmūrte namo 'stu te // BrP_122.42 //

'Sieg, Vāmana, Herr des Reichtums! Sieg, mit der Rauchfahne! Sieg, Gestalt des Gebers für die ganze Welt, Verehrung sei dir!'

Wort für Wort
jaya vāmana vitteśa
Sieg, Vāmana, Herr des Reichtums
jaya dhūmapatākine
Sieg, mit der Rauchfahne
jaya sarvasya jagato dātṛmūrte namo 'stu te
Sieg, Gestalt des Gebers für die ganze Welt, Verehrung sei dir

tvam eva lokatrayavartijīva- BrP_122.43a nikāyasaṃkleśavināśadakṣa BrP_122.43b śrīpuṇḍarīkākṣa kṛpānidhe tvaṃ BrP_122.43c nidhehi pāṇiṃ mama mūrdhni viṣṇo BrP_122.43d

'Du allein bist geschickt darin, das Leid der Lebewesenscharen in den drei Welten zu vernichten; o Lotosäugiger, Schatz des Mitgefühls – lege deine Hand auf mein Haupt, o Viṣṇu.'

Wort für Wort
tvam eva lokatrayavartijīvanikāyasaṃkleśavināśadakṣa
du allein bist geschickt darin, das Leid der Lebewesenscharen in den drei Welten zu vernichten
śrīpuṇḍarīkākṣa kṛpānidhe tvaṃ
o Lotosäugiger, Schatz des Mitgefühls
nidhehi pāṇiṃ mama mūrdhni viṣṇo
lege deine Hand auf mein Haupt, o Viṣṇu

[Anm.: Schlussvers der Hymne in besonderem, padaweise gezähltem Hymnenmetrum.]

{brahmovāca: } evaṃ stuvantaṃ bhagavāñ śaṅkhacakragadādharaḥ / vareṇa cchandayām āsa sarvakāmasamṛddhidaḥ // BrP_122.44 //

Brahmā sprach: Den so Preisenden erfreute der erhabene Träger von Muschelhorn, Diskus und Keule mit einer Gabe, der Gewährer der Erfüllung aller Wünsche.

Wort für Wort
evaṃ stuvantaṃ bhagavāñ śaṅkhacakragadādharaḥ
den so Preisenden (erfreute) der erhabene Träger von Muschelhorn, Diskus und Keule
vareṇa cchandayām āsa sarvakāmasamṛddhidaḥ
mit einer Gabe, der Gewährer der Erfüllung aller Wünsche

dhanvantariḥ prītamanā varadānena cakriṇaḥ / varadānāya deveśaṃ govindaṃ saṃsthitaṃ puraḥ // BrP_122.45 //

Dhanvantari, erfreuten Sinnes durch die Gabe des Diskusträgers, sah den Göttergebieter Govinda, bereit zur Gabengewährung, vor ihm stehend.

Wort für Wort
dhanvantariḥ prītamanā varadānena cakriṇaḥ
Dhanvantari, erfreuten Sinnes durch die Gabe des Diskusträgers
varadānāya deveśaṃ govindaṃ saṃsthitaṃ puraḥ
sah den Göttergebieter Govinda, bereit zur Gabengewährung, vor ihm stehend

tam āha nṛpatiḥ prahvaḥ surarājyaṃ mamepsitam / tac ca dattaṃ tvayā viṣṇo prāpto 'smi kṛtakṛtyatām // BrP_122.46 //

Der König, sich verneigend, sprach zu ihm: 'Die Götterherrschaft ist mein Wunsch. Diese wurde mir von dir, o Viṣṇu, gegeben; ich habe mein Ziel erreicht.'

Wort für Wort
tam āha nṛpatiḥ prahvaḥ surarājyaṃ mamepsitam
der König, sich verneigend, sprach zu ihm: die Götterherrschaft ist mein Wunsch
tac ca dattaṃ tvayā viṣṇo prāpto 'smi kṛtakṛtyatām
diese wurde mir von dir, o Viṣṇu, gegeben, ich habe mein Ziel erreicht

stutaḥ saṃpūjito viṣṇus tatraivāntaradhīyata / tathaiva tridaśeśatvam avāpa nṛpatiḥ kramāt // BrP_122.47 //

Viṣṇu, gepriesen und verehrt, verschwand eben dort; ebenso erlangte der König der Reihe nach die Herrschaft über die Götter.

Wort für Wort
stutaḥ saṃpūjito viṣṇus tatraivāntaradhīyata
Viṣṇu, gepriesen und verehrt, verschwand eben dort
tathaiva tridaśeśatvam avāpa nṛpatiḥ kramāt
ebenso erlangte der König der Reihe nach die Herrschaft über die Götter

prāgarjitānekakarma-paripākavaśāt tataḥ / triḥkṛtvo nāśam agamat sahasrākṣaḥ svakāt padāt // BrP_122.48 //

Aufgrund der Reifung vieler zuvor erworbener Taten verlor der Tausendäugige (Indra) dreimal seine eigene Stellung.

Wort für Wort
prāgarjitānekakarma-paripākavaśāt tataḥ
aufgrund der Reifung vieler zuvor erworbener Taten
triḥkṛtvo nāśam agamat sahasrākṣaḥ svakāt padāt
verlor der Tausendäugige dreimal seine eigene Stellung

[Anm.: 'Sahasrākṣa' (Tausendäugiger) ist ein Beiname Indras.]

nahuṣād vṛtrahatyāyāḥ sindhusenavadhāt tataḥ / ahalyāyāṃ ca gamanād yena kena ca hetunā // BrP_122.49 //

Wegen Nahuṣa, wegen der Tötung Vṛtras, wegen der Tötung Sindhusenas, und wegen des Gehens zu Ahalyā – aus diesem oder jenem Grund,

Wort für Wort
nahuṣād vṛtrahatyāyāḥ sindhusenavadhāt tataḥ
wegen Nahuṣa, wegen der Tötung Vṛtras, wegen der Tötung Sindhusenas
ahalyāyāṃ ca gamanād yena kena ca hetunā
und wegen des Gehens zu Ahalyā, aus diesem oder jenem Grund

[Anm.: Anspielungen auf bekannte Indra-Episoden (Nahuṣas zeitweilige Usurpation von Indras Thron, Brahmanenmord an Vṛtra, Ehebruch mit Ahalyā).]

smāraṃ smāraṃ tat tad indraś cintāsaṃtāpadurmanāḥ / tataḥ surapatiḥ prāha vācaspatim idaṃ vacaḥ // BrP_122.50 //

sich immer wieder daran erinnernd, von Sorge und Qual übler Laune, sprach da der Götterherr (Indra) zum Herrn der Rede (Bṛhaspati) dieses Wort:

Wort für Wort
smāraṃ smāraṃ tat tad indraś cintāsaṃtāpadurmanāḥ
sich immer wieder daran erinnernd, Indra, von Sorge und Qual übler Laune
tataḥ surapatiḥ prāha vācaspatim idaṃ vacaḥ
sprach da der Götterherr zum Herrn der Rede dieses Wort

{indra uvāca: } hetunā kena vāgīśa bhraṣṭarājyo bhavāmy aham / madhye madhye padabhraṃśād varaṃ niḥśrīkatā nṛṇām // BrP_122.51 //

Indra sprach: 'Aus welchem Grund, o Herr der Rede, verliere ich immer wieder mein Königreich? Besser wäre für Menschen dauerhafte Armut als dieser wiederholte Fall von der Stellung.'

Wort für Wort
hetunā kena vāgīśa bhraṣṭarājyo bhavāmy aham
aus welchem Grund, o Herr der Rede, verliere ich mein Königreich
madhye madhye padabhraṃśād varaṃ niḥśrīkatā nṛṇām
besser wäre für Menschen dauerhafte Armut als dieser wiederholte Fall von der Stellung

gahanāṃ karmaṇāṃ jīva-gatiṃ ko vetti tattvataḥ / rahasyaṃ sarvabhāvānāṃ jñātuṃ nānyaḥ pragalbhate // BrP_122.52 //

'Wer kennt wahrhaftig den undurchdringlichen Weg der Taten der Lebewesen? Das Geheimnis aller Seinszustände zu erkennen, dazu ist niemand anderes fähig.'

Wort für Wort
gahanāṃ karmaṇāṃ jīvagatiṃ ko vetti tattvataḥ
wer kennt wahrhaftig den undurchdringlichen Weg der Taten der Lebewesen
rahasyaṃ sarvabhāvānāṃ jñātuṃ nānyaḥ pragalbhate
das Geheimnis aller Seinszustände zu erkennen, dazu ist niemand anderes fähig

{brahmovāca: } bṛhaspatir hariṃ prāha brahmāṇaṃ pṛccha gaccha tam / sa tu jānāti yad bhūtaṃ bhaviṣyac cāpi vartanam // BrP_122.53 //

Brahmā sprach: Bṛhaspati sprach zu Hari (Indra): 'Frage Brahmā, geh zu ihm; er weiß, was geschehen ist, was geschehen wird und was gegenwärtig geschieht.'

Wort für Wort
bṛhaspatir hariṃ prāha
Bṛhaspati sprach zu Hari
brahmāṇaṃ pṛccha gaccha tam
frage Brahmā, geh zu ihm
sa tu jānāti yad bhūtaṃ bhaviṣyac cāpi vartanam
er weiß, was geschehen ist, was geschehen wird und was gegenwärtig geschieht

[Anm.: 'Hari' hier als Beiname Indras, nicht Viṣṇus.]

sa tu vakṣyati yenedaṃ jātaṃ tac ca mahāmate / tāv āgatya mahāprājñau namaskṛtya mamāntikam / kṛtāñjalipuṭo bhūtvā mām ūcatur idaṃ vacaḥ // BrP_122.54 //

'Er wird sagen, wodurch dies entstanden ist, o Hochgesinnter.' Die beiden Hochweisen, zu mir gekommen, sich verneigend, mit gefalteten Händen, sprachen zu mir dieses Wort:

Wort für Wort
sa tu vakṣyati yenedaṃ jātaṃ tac ca mahāmate
er wird sagen, wodurch dies entstanden ist, o Hochgesinnter
tāv āgatya mahāprājñau namaskṛtya mamāntikam
die beiden Hochweisen, zu mir gekommen, sich verneigend
kṛtāñjalipuṭo bhūtvā mām ūcatur idaṃ vacaḥ
mit gefalteten Händen sprachen sie zu mir dieses Wort

[Anm.: Vers mit drei Zeilen im Original.]

{indrabṛhaspatī ūcatuḥ: } bhagavan kena doṣeṇa śacībhartā udāradhīḥ / rājyāt prabhraśyate nātha saṃśayaṃ chettum arhasi // BrP_122.55 //

Indra und Bṛhaspati sprachen: 'O Erhabener, durch welchen Fehler verliert der Gemahl der Śacī, von edlem Sinn, sein Königreich, o Herr? Du sollst diesen Zweifel zerstreuen.'

Wort für Wort
bhagavan kena doṣeṇa śacībhartā udāradhīḥ
o Erhabener, durch welchen Fehler verliert der Gemahl der Śacī, von edlem Sinn
rājyāt prabhraśyate nātha saṃśayaṃ chettum arhasi
sein Königreich, o Herr, du sollst diesen Zweifel zerstreuen

{brahmovāca: } tadāham abravaṃ brahmaṃś ciraṃ dhyātvā bṛhaspatim / khaṇḍadharmākhyadoṣeṇa tena rājyapadāc cyutaḥ // BrP_122.56 //

Brahmā sprach: Da sprach ich, nachdem ich lange nachgedacht hatte, zu Bṛhaspati: 'Durch den als "Bruch des Dharma" bezeichneten Fehler ist er von der Königsstellung gefallen.'

Wort für Wort
tadāham abravaṃ brahmaṃś ciraṃ dhyātvā bṛhaspatim
da sprach ich, nachdem ich lange nachgedacht hatte, zu Bṛhaspati
khaṇḍadharmākhyadoṣeṇa tena rājyapadāc cyutaḥ
durch den als 'Bruch des Dharma' bezeichneten Fehler ist er von der Königsstellung gefallen

deśakālādidoṣeṇa śraddhāmantraviparyayāt / yathāvaddakṣiṇādānād asaddravyapradānataḥ // BrP_122.57 //

'Durch einen Fehler bezüglich Ort, Zeit und dergleichen, durch Vertauschung von Glauben und Mantra, durch unvollständige Gabe der Dakṣiṇā, durch Verschenken ungeeigneter Gegenstände,'

Wort für Wort
deśakālādidoṣeṇa śraddhāmantraviparyayāt
durch einen Fehler bezüglich Ort, Zeit und dergleichen, durch Vertauschung von Glauben und Mantra
yathāvaddakṣiṇādānād asaddravyapradānataḥ
durch unvollständige Gabe der Dakṣiṇā, durch Verschenken ungeeigneter Gegenstände

devabhūdevatāvajñā-pātakāc ca viśeṣataḥ / yat khaṇḍatvaṃ svadharmasya dehinām upajāyate // BrP_122.58 //

'und besonders durch die Sünde der Missachtung von Göttern und Erdgöttern (Brahmanen) – dadurch entsteht bei verkörperten Wesen ein Bruch ihres eigenen Dharma.'

Wort für Wort
devabhūdevatāvajñāpātakāc ca viśeṣataḥ
und besonders durch die Sünde der Missachtung von Göttern und Erdgöttern
yat khaṇḍatvaṃ svadharmasya dehinām upajāyate
dadurch entsteht bei verkörperten Wesen ein Bruch ihres eigenen Dharma

tenātimānasas tāpaḥ padahāniś ca dustyajā / kṛto 'pi dharmo 'niṣṭāya jāyate kṣubdhacetasā // BrP_122.59 //

'Dadurch entsteht übermäßige geistige Qual und ein unabwendbarer Verlust der Stellung; selbst ausgeführter Dharma wird, wenn er von verwirrtem Sinn ausgeführt wird, zum Unheil.'

Wort für Wort
tenātimānasas tāpaḥ padahāniś ca dustyajā
dadurch entsteht übermäßige geistige Qual und ein unabwendbarer Verlust der Stellung
kṛto 'pi dharmo 'niṣṭāya jāyate kṣubdhacetasā
selbst ausgeführter Dharma wird, wenn er von verwirrtem Sinn ausgeführt wird, zum Unheil

kāryasya na bhavet siddhyai tasmād avyākulāya ca / asaṃpūrṇe svadharme hi kim aniṣṭaṃ na jāyate // BrP_122.60 //

'Deshalb führt ein solches Handeln nicht zum Gelingen der Aufgabe, sondern nur, wenn es ungetrübt geschieht; denn wenn der eigene Dharma unvollständig ist, was für Unheil entstünde da nicht?'

Wort für Wort
kāryasya na bhavet siddhyai tasmād avyākulāya ca
deshalb führt (ein solches Handeln) nicht zum Gelingen der Aufgabe, nur wenn es ungetrübt geschieht
asaṃpūrṇe svadharme hi kim aniṣṭaṃ na jāyate
denn wenn der eigene Dharma unvollständig ist, was für Unheil entstünde da nicht

tābhyāṃ yat pūrvavṛttāntaṃ tad apy uktaṃ mayānagha / āyuṣas tu sutaḥ śrīmān dhanvantarir udāradhīḥ // BrP_122.61 //

'Diesen beiden erzählte ich auch, o Sündloser, die frühere Geschichte: Der glückreiche, edelsinnige Dhanvantari, Sohn des Āyus,'

Wort für Wort
tābhyāṃ yat pūrvavṛttāntaṃ tad apy uktaṃ mayānagha
diesen beiden erzählte ich auch, o Sündloser, die frühere Geschichte
āyuṣas tu sutaḥ śrīmān dhanvantarir udāradhīḥ
der glückreiche, edelsinnige Dhanvantari, Sohn des Āyus

tamasā ca kṛtaṃ vighnaṃ viṣṇunā tac ca nāśitam / pūrvajanmasu vṛttāntam ityādi parikīrtitam // BrP_122.62 //

'und das von Tamas verursachte Hindernis, sowie dessen Vernichtung durch Viṣṇu – so wurde die Geschichte aus früheren Existenzen umfassend erzählt.'

Wort für Wort
tamasā ca kṛtaṃ vighnaṃ viṣṇunā tac ca nāśitam
und das von Tamas verursachte Hindernis, sowie dessen Vernichtung durch Viṣṇu
pūrvajanmasu vṛttāntam ityādi parikīrtitam
so wurde die Geschichte aus früheren Existenzen umfassend erzählt

tac chrutvā vismitau cobhau mām eva punar ūcatuḥ //* BrP_122.63 //

Als sie dies gehört hatten, beide erstaunt, sprachen sie wiederum zu mir:

Wort für Wort
tac chrutvā vismitau cobhau
als sie dies gehört hatten, beide erstaunt
mām eva punar ūcatuḥ
sprachen sie wiederum zu mir

[Anm.: einzeiliger, asterisk-markierter Halbvers.]

{indrabṛhaspatī ūcatuḥ: } taddoṣapratibandhas tu kena syāt surasattama //* BrP_122.64 //

Indra und Bṛhaspati sprachen: 'Wodurch aber könnte jener Fehler behoben werden, o Bester der Götter?'

Wort für Wort
taddoṣapratibandhas tu kena syāt
wodurch aber könnte jener Fehler behoben werden
surasattama
o Bester der Götter

[Anm.: einzeiliger, asterisk-markierter Halbvers.]

{brahmovāca: } punar dhyātvā tāv avadaṃ śrūyatāṃ doṣakārakam / kāraṇaṃ sarvasiddhīnāṃ duḥkhasaṃsāratāraṇam // BrP_122.65 //

Brahmā sprach: Wiederum nachdenkend, sprach ich zu ihnen: 'Höret, was den Fehler behebt – die Ursache aller Vollkommenheiten, die Überfahrt über den leidvollen Weltenkreislauf,'

Wort für Wort
punar dhyātvā tāv avadaṃ śrūyatāṃ doṣakārakam
wiederum nachdenkend, sprach ich zu ihnen: höret, was den Fehler behebt
kāraṇaṃ sarvasiddhīnāṃ duḥkhasaṃsāratāraṇam
die Ursache aller Vollkommenheiten, die Überfahrt über den leidvollen Weltenkreislauf

śaraṇaṃ taptacittānāṃ nirvāṇaṃ jīvatām api / gatvā tu gautamīṃ devīṃ stūyetāṃ hariśaṃkarau // BrP_122.66 //

'die Zuflucht der gequälten Herzen, das Erlöschen selbst der Lebenden: Geht zur Göttin Gautamī und preiset dort Hari und Śaṃkara.'

Wort für Wort
śaraṇaṃ taptacittānāṃ nirvāṇaṃ jīvatām api
die Zuflucht der gequälten Herzen, das Erlöschen selbst der Lebenden
gatvā tu gautamīṃ devīṃ stūyetāṃ hariśaṃkarau
geht zur Göttin Gautamī und preiset dort Hari und Śaṃkara

nopāyo 'nyo 'sti saṃśuddhyai tau tāṃ hitvā jagattraye / tadaiva jagmatur ubhau gautamīṃ munisattama / snātau kṛtakṣaṇau cobhau devau tuṣṭuvatur mudā // BrP_122.67 //

'Es gibt kein anderes Mittel zur Reinigung, wenn man diese beiden in den drei Welten außer Acht lässt.' Da gingen beide sogleich zur Gautamī, o bester der Weisen; nachdem sie gebadet und die rituelle Zeit eingehalten hatten, priesen beide freudig die Götter.

Wort für Wort
nopāyo 'nyo 'sti saṃśuddhyai tau tāṃ hitvā jagattraye
es gibt kein anderes Mittel zur Reinigung, wenn man diese beiden in den drei Welten außer Acht lässt
tadaiva jagmatur ubhau gautamīṃ munisattama
da gingen beide sogleich zur Gautamī, o bester der Weisen
snātau kṛtakṣaṇau cobhau devau tuṣṭuvatur mudā
nachdem sie gebadet und die rituelle Zeit eingehalten hatten, priesen beide freudig die Götter

[Anm.: Vers mit drei Zeilen im Original.]

{indra uvāca: } namo matsyāya kūrmāya varāhāya namo namaḥ / narasiṃhāya devāya vāmanāya namo namaḥ // BrP_122.68 //

Indra sprach: 'Verehrung dem Fisch, der Schildkröte, dem Eber, Verehrung wiederholt; dem Mann-Löwen, dem Gott, dem Zwerg, Verehrung wiederholt.'

Wort für Wort
namo matsyāya kūrmāya varāhāya namo namaḥ
Verehrung dem Fisch, der Schildkröte, dem Eber, Verehrung wiederholt
narasiṃhāya devāya vāmanāya namo namaḥ
dem Mann-Löwen, dem Gott, dem Zwerg, Verehrung wiederholt

[Anm.: Ab hier V.68-73 Indras Hymne mit Anrufung der Viṣṇu-Avatāras.]

namo 'stu hayarūpāya trivikrama namo 'stu te / namo 'stu buddharūpāya rāmarūpāya kalkine // BrP_122.69 //

'Verehrung sei dem Pferdegestaltigen; o Dreischreiter, Verehrung sei dir; Verehrung sei der Buddha-Gestalt, der Rāma-Gestalt, dem Kalkin.'

Wort für Wort
namo 'stu hayarūpāya
Verehrung sei dem Pferdegestaltigen
trivikrama namo 'stu te
o Dreischreiter, Verehrung sei dir
namo 'stu buddharūpāya rāmarūpāya kalkine
Verehrung sei der Buddha-Gestalt, der Rāma-Gestalt, dem Kalkin

anantāyācyutāyeśa jāmadagnyāya te namaḥ / varuṇendrasvarūpāya yamarūpāya te namaḥ // BrP_122.70 //

'Dem Endlosen, dem Unvergänglichen, o Herr, dem Sohn des Jamadagni (Paraśurāma) sei Verehrung; dir, der die Gestalt Varuṇas und Indras hat, der Gestalt Yamas, sei Verehrung.'

Wort für Wort
anantāyācyutāyeśa jāmadagnyāya te namaḥ
dem Endlosen, dem Unvergänglichen, o Herr, dem Sohn des Jamadagni sei Verehrung
varuṇendrasvarūpāya yamarūpāya te namaḥ
dir, der die Gestalt Varuṇas und Indras hat, der Gestalt Yamas, sei Verehrung

parameśāya devāya namas trailokyarūpiṇe / bibhratsarasvatīṃ vaktre sarvajño 'si namo 'stu te // BrP_122.71 //

'Dem höchsten Herrn, dem Gott, Verehrung dem, der die Gestalt der drei Welten hat; der Sarasvatī im Munde tragend, bist du allwissend – Verehrung sei dir.'

Wort für Wort
parameśāya devāya namas trailokyarūpiṇe
dem höchsten Herrn, dem Gott, Verehrung dem, der die Gestalt der drei Welten hat
bibhratsarasvatīṃ vaktre sarvajño 'si namo 'stu te
der Sarasvatī im Munde tragend, bist du allwissend, Verehrung sei dir

lakṣmīvān asy ato lakṣmīṃ bibhrad vakṣasi cānagha / bahubāhūrupādas tvaṃ bahukarṇākṣiśīrṣakaḥ / tvām eva sukhinaṃ prāpya bahavaḥ sukhino 'bhavan // BrP_122.72 //

'Du besitzt Lakṣmī, da du, o Sündloser, Lakṣmī an deiner Brust trägst; du hast viele Arme, Schenkel und Füße, viele Ohren, Augen und Häupter; nur weil sie dich, den Glücklichen, erlangt haben, wurden viele glücklich.'

Wort für Wort
lakṣmīvān asy ato lakṣmīṃ bibhrad vakṣasi cānagha
du besitzt Lakṣmī, da du, o Sündloser, Lakṣmī an deiner Brust trägst
bahubāhūrupādas tvaṃ bahukarṇākṣiśīrṣakaḥ
du hast viele Arme, Schenkel und Füße, viele Ohren, Augen und Häupter
tvām eva sukhinaṃ prāpya bahavaḥ sukhino 'bhavan
nur weil sie dich, den Glücklichen, erlangt haben, wurden viele glücklich

[Anm.: Vers mit drei Zeilen im Original.]

tāvan niḥśrīkatā puṃsāṃ mālinyaṃ dainyam eva vā / yāvan na yānti śaraṇaṃ hare tvāṃ karuṇārṇavam // BrP_122.73 //

'So lange dauert die Glücklosigkeit, Befleckung oder Elend der Menschen, wie lange sie nicht zu dir, o Hari, Ozean des Mitgefühls, Zuflucht nehmen.'

Wort für Wort
tāvan niḥśrīkatā puṃsāṃ mālinyaṃ dainyam eva vā
so lange dauert die Glücklosigkeit, Befleckung oder Elend der Menschen
yāvan na yānti śaraṇaṃ hare tvāṃ karuṇārṇavam
wie lange sie nicht zu dir, o Hari, Ozean des Mitgefühls, Zuflucht nehmen

{bṛhaspatir uvāca: } sūkṣmaṃ paraṃ jotir anantarūpam BrP_122.74a oṃkāramātraṃ prakṛteḥ paraṃ yat BrP_122.74b cidrūpam ānandamayaṃ samastam BrP_122.74c evaṃ vadantīśa mumukṣavas tvām BrP_122.74d

Bṛhaspati sprach: 'Das subtile höchste Licht von unendlicher Gestalt, das bloße Oṃkāra, das jenseits der Urnatur ist, von der Gestalt des Bewusstseins, ganz aus Wonne bestehend – so nennen dich, o Herr, die nach Erlösung Strebenden.'

Wort für Wort
sūkṣmaṃ paraṃ jotir anantarūpam
das subtile höchste Licht von unendlicher Gestalt
oṃkāramātraṃ prakṛteḥ paraṃ yat
das bloße Oṃkāra, das jenseits der Urnatur ist
cidrūpam ānandamayaṃ samastam
von der Gestalt des Bewusstseins, ganz aus Wonne bestehend
evaṃ vadantīśa mumukṣavas tvām
so nennen dich, o Herr, die nach Erlösung Strebenden

[Anm.: Ab hier V.74-82 Bṛhaspatis philosophisch geprägte Hymne (an Śiva/Someśvara gerichtet) in besonderem, padaweise gezähltem Hymnenmetrum.]

ārādhayanty atra bhavantam īśaṃ BrP_122.75a mahāmakhaiḥ pañcabhir apy akāmāḥ BrP_122.75b saṃsārasindhoḥ param āptakāmā BrP_122.75c viśanti divyaṃ bhuvanaṃ vapus te BrP_122.75d

'Sie verehren dich hier, den Herrn, mit den fünf großen Opfern, wunschlos; jenseits des Ozeans des Weltenkreislaufs, ihre Wünsche erfüllt, gehen sie ein in deine göttliche Welt-Gestalt.'

Wort für Wort
ārādhayanty atra bhavantam īśaṃ
sie verehren dich hier, den Herrn
mahāmakhaiḥ pañcabhir apy akāmāḥ
mit den fünf großen Opfern, wunschlos
saṃsārasindhoḥ param āptakāmā
jenseits des Ozeans des Weltenkreislaufs, ihre Wünsche erfüllt
viśanti divyaṃ bhuvanaṃ vapus te
gehen sie ein in deine göttliche Welt-Gestalt

sarveṣu sattveṣu samatvabuddhyā BrP_122.76a saṃvīkṣya ṣaṭsūrmiṣu śāntabhāvāḥ BrP_122.76b jñānena te karmaphalāni hitvā BrP_122.76c dhyānena te tvāṃ praviśanti śaṃbho BrP_122.76d

'Mit gleichmütiger Erkenntnis gegenüber allen Wesen, die sechs Wellen des Daseins durchschauend, friedvollen Sinnes, durch Wissen die Früchte der Taten aufgebend, gehen sie durch Meditation in dich ein, o Śambhu.'

Wort für Wort
sarveṣu sattveṣu samatvabuddhyā
mit gleichmütiger Erkenntnis gegenüber allen Wesen
saṃvīkṣya ṣaṭsūrmiṣu śāntabhāvāḥ
die sechs Wellen des Daseins durchschauend, friedvollen Sinnes
jñānena te karmaphalāni hitvā
durch Wissen die Früchte der Taten aufgebend
dhyānena te tvāṃ praviśanti śaṃbho
gehen sie durch Meditation in dich ein, o Śambhu

[Anm.: 'Ṣaṭ ūrmi' ('sechs Wellen') bezeichnet die sechs Daseins-Wandlungen (Geburt, Bestehen, Wachstum, Reifung, Abnahme, Vergehen).]

na jātidharmāṇi na vedaśāstraṃ BrP_122.77a na dhyānayogo na samādhidharmaḥ BrP_122.77b rudraṃ śivaṃ śaṃkaraṃ śānticittaṃ BrP_122.77c bhaktyā devaṃ somam ahaṃ namasye BrP_122.77d

'Nicht die Kasten-Pflichten, nicht die Vedaschrift, nicht Meditations-Yoga, nicht die Samādhi-Regel allein genügen – Rudra, Śiva, Śaṃkara, den Friedensgesinnten, den Gott Soma, verehre ich mit Hingabe.'

Wort für Wort
na jātidharmāṇi na vedaśāstraṃ
nicht die Kasten-Pflichten, nicht die Vedaschrift
na dhyānayogo na samādhidharmaḥ
nicht Meditations-Yoga, nicht die Samādhi-Regel
rudraṃ śivaṃ śaṃkaraṃ śānticittaṃ
Rudra, Śiva, Śaṃkara, den Friedensgesinnten
bhaktyā devaṃ somam ahaṃ namasye
verehre ich mit Hingabe, den Gott Soma

mūrkho 'pi śaṃbho tava pādabhaktyā BrP_122.78a samāpnuyān muktimayīṃ tanuṃ te BrP_122.78b jñāneṣu yajñeṣu tapaḥsu caiva BrP_122.78c dhyāneṣu homeṣu mahāphaleṣu BrP_122.78d

'Selbst ein Törichter kann, o Śambhu, durch Hingabe an deine Füße deine aus Erlösung bestehende Gestalt erlangen – mehr als durch Wissen, Opfer, Askese, Meditation und großfruchtige Feueropfer.'

Wort für Wort
mūrkho 'pi śaṃbho tava pādabhaktyā
selbst ein Törichter kann, o Śambhu, durch Hingabe an deine Füße
samāpnuyān muktimayīṃ tanuṃ te
deine aus Erlösung bestehende Gestalt erlangen
jñāneṣu yajñeṣu tapaḥsu caiva
(mehr) als durch Wissen, Opfer, Askese
dhyāneṣu homeṣu mahāphaleṣu
Meditation und großfruchtige Feueropfer

saṃpannam etat phalam uttamaṃ yat BrP_122.79a someśvare bhaktir aharniśaṃ yat BrP_122.79b sarvasya jīvasya sadā priyasya BrP_122.79c phalasya dṛṣṭasya tathā śrutasya BrP_122.79d

'Diese höchste Frucht ist erlangt, nämlich Tag und Nacht währende Hingabe an Someśvara – sie übertrifft jede sichtbare und gehörte Frucht, die jedem Lebewesen stets lieb ist.'

Wort für Wort
saṃpannam etat phalam uttamaṃ yat
diese höchste Frucht ist erlangt
someśvare bhaktir aharniśaṃ yat
nämlich Tag und Nacht währende Hingabe an Someśvara
sarvasya jīvasya sadā priyasya
die jedem Lebewesen stets lieb ist
phalasya dṛṣṭasya tathā śrutasya
übertrifft jede sichtbare und gehörte Frucht

svargasya mokṣasya jagannivāsa BrP_122.80a sopānapaṅktis tava bhaktir eṣā BrP_122.80b tvatpādasaṃprāptiphalāptaye tu BrP_122.80c sopānapaṅktiṃ na vadanti dhīrāḥ BrP_122.80d

'O Weltenwohnort, diese Hingabe zu dir ist die Stufenleiter zu Himmel und Erlösung; um jedoch die Frucht des Erlangens deiner Füße selbst zu erreichen, sprechen die Weisen von keiner weiteren Stufenleiter.'

Wort für Wort
svargasya mokṣasya jagannivāsa
o Weltenwohnort, zu Himmel und Erlösung
sopānapaṅktis tava bhaktir eṣā
ist diese Hingabe zu dir die Stufenleiter
tvatpādasaṃprāptiphalāptaye tu
um jedoch die Frucht des Erlangens deiner Füße zu erreichen
sopānapaṅktiṃ na vadanti dhīrāḥ
sprechen die Weisen von keiner weiteren Stufenleiter

tasmād dayālo mama bhaktir astu BrP_122.81a naivāsty upāyas tava rūpasevā BrP_122.81b ātmīyam ālokya mahattvam īśa BrP_122.81c pāpeṣu cāsmāsu kuru prasādam BrP_122.81d

'Deshalb, o Mitleidsvoller, sei meine Hingabe dir gewidmet; es gibt kein anderes Mittel als den Dienst an deiner Gestalt. Betrachte deine eigene Größe, o Herr, und erweise uns Sündern deine Gnade.'

Wort für Wort
tasmād dayālo mama bhaktir astu
deshalb, o Mitleidsvoller, sei meine Hingabe (dir gewidmet)
naivāsty upāyas tava rūpasevā
es gibt kein anderes Mittel als den Dienst an deiner Gestalt
ātmīyam ālokya mahattvam īśa
betrachte deine eigene Größe, o Herr
pāpeṣu cāsmāsu kuru prasādam
und erweise uns Sündern deine Gnade

sthūlaṃ ca sūkṣmaṃ tvam anādi nityaṃ BrP_122.82a pitā ca mātā yad asac ca sac ca BrP_122.82b evaṃ stuto yaḥ śrutibhiḥ purāṇair BrP_122.82c namāmi someśvaram īśitāram BrP_122.82d

'Du bist das Grobe und das Feine, anfanglos, ewig, Vater und Mutter, das Nichtseiende und das Seiende; so von den Śrutis und Purāṇas gepriesen – ich verehre Someśvara, den Gebieter.'

Wort für Wort
sthūlaṃ ca sūkṣmaṃ tvam anādi nityaṃ
du bist das Grobe und das Feine, anfanglos, ewig
pitā ca mātā yad asac ca sac ca
Vater und Mutter, das Nichtseiende und das Seiende
evaṃ stuto yaḥ śrutibhiḥ purāṇair
so von den Śrutis und Purāṇas gepriesen
namāmi someśvaram īśitāram
ich verehre Someśvara, den Gebieter

{brahmovāca: } tataḥ prītau hariharāv ūcatus tridaśeśvarau //* BrP_122.83 //

Brahmā sprach: Da sprachen die beiden erfreuten Herren der Götter, Hari und Hara:

Wort für Wort
tataḥ prītau hariharāv
da (sprachen) die beiden erfreuten Hari und Hara
ūcatus tridaśeśvarau
die Herren der Götter sprachen

[Anm.: einzeiliger, asterisk-markierter Halbvers.]

{hariharāv ūcatuḥ: } vriyatāṃ yan manobhīṣṭaṃ yad varaṃ cātidurlabham //* BrP_122.84 //

Hari und Hara sprachen: 'Man wähle, was dem Herzen lieb ist, sei es auch eine überaus schwer erlangbare Gabe.'

Wort für Wort
vriyatāṃ yan manobhīṣṭaṃ
man wähle, was dem Herzen lieb ist
yad varaṃ cātidurlabham
sei es auch eine überaus schwer erlangbare Gabe

[Anm.: einzeiliger, asterisk-markierter Halbvers.]

{brahmovāca: } indraḥ prāha sureśānaṃ madrājyaṃ tu punaḥ punaḥ / jāyate bhraśyate caiva tat pāpam upaśāmyatām // BrP_122.85 //

Brahmā sprach: Indra sprach zum Götterherrn: 'Mein Königreich entsteht und geht immer wieder verloren – diese Sünde möge zur Ruhe kommen.'

Wort für Wort
indraḥ prāha sureśānaṃ
Indra sprach zum Götterherrn
madrājyaṃ tu punaḥ punaḥ jāyate bhraśyate caiva
mein Königreich entsteht und geht immer wieder verloren
tat pāpam upaśāmyatām
diese Sünde möge zur Ruhe kommen

yathā sthiro 'haṃ rājye syāṃ sarvaṃ syān niścalaṃ mama / suprītau yadi deveśau sarvaṃ syān niścalaṃ sadā // BrP_122.86 //

'Auf dass ich fest in meiner Königsherrschaft bleibe, alles bei mir unerschütterlich sei; wenn die beiden Göttergebieter wohlgesonnen sind, wird alles stets unerschütterlich sein.'

Wort für Wort
yathā sthiro 'haṃ rājye syāṃ sarvaṃ syān niścalaṃ mama
auf dass ich fest in meiner Königsherrschaft bleibe, alles bei mir unerschütterlich sei
suprītau yadi deveśau sarvaṃ syān niścalaṃ sadā
wenn die beiden Göttergebieter wohlgesonnen sind, wird alles stets unerschütterlich sein

tatheti harivākyaṃ tāv abhinandyedam ūcatuḥ / paraṃ prasādam āpannau tāv ālokya smitānanau // BrP_122.87 //

'So sei es', sprachen jene beiden, Haris Wort begrüßend, dies; höchste Gnade erlangt habend, sprachen sie weiter, mit lächelnden Gesichtern ihn anblickend.

Wort für Wort
tatheti harivākyaṃ tāv abhinandyedam ūcatuḥ
'so sei es', sprachen jene beiden, Haris Wort begrüßend, dies
paraṃ prasādam āpannau tāv ālokya smitānanau
höchste Gnade erlangt habend, mit lächelnden Gesichtern ihn anblickend

nirapāyanirādhāra-nirvikārasvarūpiṇau / śaraṇyau sarvalokānāṃ bhuktimuktipradāv ubhau // BrP_122.88 //

die beiden, von unwandelbarer, grundloser, veränderungsloser Wesensart, Zuflucht aller Welten, beide Genuss und Erlösung gewährend,

Wort für Wort
nirapāyanirādhāranirvikārasvarūpiṇau
die beiden, von unwandelbarer, grundloser, veränderungsloser Wesensart
śaraṇyau sarvalokānāṃ bhuktimuktipradāv ubhau
Zuflucht aller Welten, beide Genuss und Erlösung gewährend

{hariharāv ūcatuḥ: } tridaivatyaṃ mahātīrthaṃ gautamī vāñchitapradā / tasyām anena mantreṇa kurutāṃ snānam ādarāt // BrP_122.89 //

Hari und Hara sprachen: 'Die Gautamī, das den drei Göttern heilige große Tīrtha, gewährt Wünsche; in ihr sollen sie mit diesem Mantra ehrfurchtsvoll das Bad vollziehen.'

Wort für Wort
tridaivatyaṃ mahātīrthaṃ gautamī vāñchitapradā
die Gautamī, das den drei Göttern heilige große Tīrtha, gewährt Wünsche
tasyām anena mantreṇa kurutāṃ snānam ādarāt
in ihr sollen sie mit diesem Mantra ehrfurchtsvoll das Bad vollziehen

abhiṣekaṃ mahendrasya maṅgalāya bṛhaspatiḥ / karotu saṃsmarann āvāṃ saṃpadāṃ sthairyasiddhaye // BrP_122.90 //

'Die Weihung des großen Indra möge Bṛhaspati zum Segen vollziehen, sich an uns beide erinnernd, zur Erlangung dauerhaften Wohlstands.'

Wort für Wort
abhiṣekaṃ mahendrasya maṅgalāya bṛhaspatiḥ
die Weihung des großen Indra möge Bṛhaspati zum Segen
karotu saṃsmarann āvāṃ saṃpadāṃ sthairyasiddhaye
vollziehen, sich an uns beide erinnernd, zur Erlangung dauerhaften Wohlstands

iha janmani pūrvasmin yat kiṃcit sukṛtaṃ kṛtam / tat sarvaṃ pūrṇatām etu godāvari namo 'stu te // BrP_122.91 //

'Was auch immer an gutem Tun in diesem oder einem früheren Leben getan wurde, all das möge Vollständigkeit erlangen – Verehrung sei dir, Godāvarī!'

Wort für Wort
iha janmani pūrvasmin yat kiṃcit sukṛtaṃ kṛtam
was auch immer an gutem Tun in diesem oder einem früheren Leben getan wurde
tat sarvaṃ pūrṇatām etu godāvari namo 'stu te
all das möge Vollständigkeit erlangen, Verehrung sei dir, Godāvarī

evaṃ smṛtvā tu yaḥ kaścid gautamyāṃ snānam ācaret / āvābhyāṃ tu prasādena dharmaḥ saṃpūrṇatām iyāt / pūrvajanmakṛtād doṣāt sa muktaḥ puṇyavān bhavet // BrP_122.92 //

Wer sich so erinnernd in der Gautamī badet, dessen Dharma möge durch unsere beider Gnade Vollständigkeit erlangen; von den in früheren Existenzen begangenen Fehlern befreit, werde er verdienstvoll.

Wort für Wort
evaṃ smṛtvā tu yaḥ kaścid gautamyāṃ snānam ācaret
wer sich so erinnernd in der Gautamī badet
āvābhyāṃ tu prasādena dharmaḥ saṃpūrṇatām iyāt
dessen Dharma möge durch unsere beider Gnade Vollständigkeit erlangen
pūrvajanmakṛtād doṣāt sa muktaḥ puṇyavān bhavet
von den in früheren Existenzen begangenen Fehlern befreit, werde er verdienstvoll

[Anm.: Vers mit drei Zeilen im Original.]

{brahmovāca: } tatheti cakratuḥ prītau surendradhiṣaṇau tataḥ / mahābhiṣekam indrasya cakāra dyusadāṃ guruḥ // BrP_122.93 //

Brahmā sprach: 'So sei es', taten die beiden erfreuten (Hari und Hara); da vollzog der Lehrer der Himmlischen (Bṛhaspati) die große Weihung Indras.

Wort für Wort
tatheti cakratuḥ prītau surendradhiṣaṇau tataḥ
'so sei es', taten die beiden erfreuten (Götterherren)
mahābhiṣekam indrasya cakāra dyusadāṃ guruḥ
da vollzog der Lehrer der Himmlischen die große Weihung Indras

tenābhūd yā nadī puṇyā maṅgalety uditā tu sā / tayā ca saṃgamaḥ puṇyo gaṅgāyāḥ śubhadas tv asau // BrP_122.94 //

Dadurch entstand der heilige Fluss, der als Maṅgalā (die Glückverheißende) bezeichnet wird; und der Zusammenfluss mit ihm und der Gaṅgā ist heilig und segensreich.

Wort für Wort
tenābhūd yā nadī puṇyā maṅgalety uditā tu sā
dadurch entstand der heilige Fluss, der als Maṅgalā bezeichnet wird
tayā ca saṃgamaḥ puṇyo gaṅgāyāḥ śubhadas tv asau
und der Zusammenfluss mit ihm und der Gaṅgā ist heilig und segensreich

indreṇa saṃstuto viṣṇuḥ pratyakṣo 'bhūj jaganmayaḥ / trilokasaṃmitāṃ śakro bhūmiṃ lebhe jagatpateḥ // BrP_122.95 //

[?] Von Indra gepriesen, erschien Viṣṇu, der aus der Welt Bestehende, sichtbar; Śakra (Indra) erlangte vom Weltenherrn einen den drei Welten gleichwertigen Besitz.

Wort für Wort
indreṇa saṃstuto viṣṇuḥ pratyakṣo 'bhūj jaganmayaḥ
von Indra gepriesen, erschien Viṣṇu, der aus der Welt Bestehende, sichtbar
trilokasaṃmitāṃ śakro bhūmiṃ lebhe jagatpateḥ
Śakra erlangte vom Weltenherrn einen den drei Welten gleichwertigen Besitz

[Anm.: Der genaue Sinn von 'bhūmiṃ' ('Erde/Besitz') bleibt hier unsicher, da V.96 dieselbe Gabe als Kuh (gauḥ) präzisiert.]

tannāmnā cāpi vikhyāto govinda iti tatra ca / trilokasaṃmitā labdhā tena gaur vajradhāriṇā // BrP_122.96 //

[?] Und durch diesen Anlass wurde er (Viṣṇu) dort auch unter dem Namen Govinda bekannt; von ihm, dem Vajra-Träger (Indra), wurde eine den drei Welten gleichwertige Kuh erlangt.

Wort für Wort
tannāmnā cāpi vikhyāto govinda iti tatra ca
und durch diesen (Anlass) wurde er dort auch unter dem Namen Govinda bekannt
trilokasaṃmitā labdhā tena gaur vajradhāriṇā
von ihm, dem Vajra-Träger, wurde eine den drei Welten gleichwertige Kuh erlangt

[Anm.: Ätiologie des Namens 'Govinda' ('Kuhfinder/-empfänger'); die genaue Rollenverteilung zwischen Indra und Viṣṇu bei Geben/Empfangen der Kuh bleibt in V.95-97 wegen der Doppelverwendung des Beinamens 'Hari' für beide Götter unsicher.]

dattā ca hariṇā tatra govindas tad abhūt hariḥ / trailokyarājyaṃ yat prāptaṃ hariṇā ca harer mune // BrP_122.97 //

[?] Und sie wurde dort von Hari gegeben; dadurch wurde er 'Govinda'; das Königreich der drei Welten, das durch Hari von Hari erlangt wurde, o Weiser,

Wort für Wort
dattā ca hariṇā tatra govindas tad abhūt hariḥ
und sie wurde dort von Hari gegeben, dadurch wurde er 'Govinda'
trailokyarājyaṃ yat prāptaṃ hariṇā ca harer mune
das Königreich der drei Welten, das durch Hari von Hari erlangt wurde, o Weiser

[Anm.: Fortsetzung der unsicheren Hari/Hari-Doppeldeutung aus V.95-96.]

niścalaṃ yena saṃjātaṃ devadevān maheśvarāt / bṛhaspatir devaguru yatrāstauṣīn maheśvaram // BrP_122.98 //

wodurch die Königsherrschaft durch den Gott der Götter, Maheśvara, unerschütterlich wurde – wo Bṛhaspati, der Lehrer der Götter, Maheśvara pries,

Wort für Wort
niścalaṃ yena saṃjātaṃ devadevān maheśvarāt
wodurch die Königsherrschaft durch den Gott der Götter, Maheśvara, unerschütterlich wurde
bṛhaspatir devaguru yatrāstauṣīn maheśvaram
wo Bṛhaspati, der Lehrer der Götter, Maheśvara pries

rājyasya sthirabhāvāya devendrasya mahātmanaḥ / siddheśvaras tatra devo liṅgaṃ tu tridaśārcitam // BrP_122.99 //

zur Festigung der Königsherrschaft des hochherzigen Götterkönigs – dort befindet sich der Gott Siddheśvara, ein von den Göttern verehrtes Liṅga.

Wort für Wort
rājyasya sthirabhāvāya devendrasya mahātmanaḥ
zur Festigung der Königsherrschaft des hochherzigen Götterkönigs
siddheśvaras tatra devo liṅgaṃ tu tridaśārcitam
dort befindet sich der Gott Siddheśvara, ein von den Göttern verehrtes Liṅga

tataḥ prabhṛti tat tīrthaṃ govindam iti viśrutam / maṅgalāsaṃgamaṃ caiva pūrṇatīrthaṃ tataḥ param // BrP_122.100 //

Von da an ist jene Pilgerstätte als Govinda-Tīrtha bekannt, ebenso als Maṅgalā-Saṃgama, und weiterhin als Pūrṇa-Tīrtha.

Wort für Wort
tataḥ prabhṛti tat tīrthaṃ govindam iti viśrutam
von da an ist jene Pilgerstätte als Govinda-Tīrtha bekannt
maṅgalāsaṃgamaṃ caiva pūrṇatīrthaṃ tataḥ param
ebenso als Maṅgalā-Saṃgama, und weiterhin als Pūrṇa-Tīrtha

indratīrtham iti khyātaṃ bārhaspatyaṃ ca viśrutam / yatra siddheśvaro devo viṣṇur govinda eva ca // BrP_122.101 //

Es ist als Indra-Tīrtha bekannt und auch als Bārhaspatya (Bṛhaspati-Tīrtha) berühmt, wo der Gott Siddheśvara, Viṣṇu und Govinda zugleich verehrt werden.

Wort für Wort
indratīrtham iti khyātaṃ bārhaspatyaṃ ca viśrutam
es ist als Indra-Tīrtha bekannt und auch als Bārhaspatya berühmt
yatra siddheśvaro devo viṣṇur govinda eva ca
wo der Gott Siddheśvara, Viṣṇu und Govinda (zugleich verehrt werden)

teṣu snānaṃ ca dānaṃ ca yat kiṃcit sukṛtārjanam / sarvaṃ tad akṣayaṃ vidyāt pitṝṇām ativallabham // BrP_122.102 //

Bad und Spende an diesen Stätten, sowie jeglicher Erwerb von Verdienst – all dies gilt als unvergänglich und ist den Ahnen überaus lieb.

Wort für Wort
teṣu snānaṃ ca dānaṃ ca yat kiṃcit sukṛtārjanam
Bad und Spende an diesen Stätten, sowie jeglicher Erwerb von Verdienst
sarvaṃ tad akṣayaṃ vidyāt pitṝṇām ativallabham
all dies gilt als unvergänglich und ist den Ahnen überaus lieb

śṛṇoti yaś cāpi paṭhed yaś ca smarati nityaśaḥ / tasya tīrthasya māhātmyaṃ bhraṣṭarājyapradāyakam // BrP_122.103 //

Wer dies hört, rezitiert oder sich stets daran erinnert – die Größe dieser Pilgerstätte heilt den Verlust der Königsherrschaft.

Wort für Wort
śṛṇoti yaś cāpi paṭhed yaś ca smarati nityaśaḥ
wer dies hört, rezitiert oder sich stets daran erinnert
tasya tīrthasya māhātmyaṃ bhraṣṭarājyapradāyakam
die Größe dieser Pilgerstätte heilt den Verlust der Königsherrschaft

saptatriṃśat sahasrāṇi tīrthānāṃ tīrayor dvayoḥ / ubhayor muniśārdūla sarvasiddhipradāyinām // BrP_122.104 //

Siebenunddreißigtausend Tīrthas gibt es an beiden Ufern, o Tiger unter den Weisen, die alle Vollkommenheiten gewähren.

Wort für Wort
saptatriṃśat sahasrāṇi tīrthānāṃ tīrayor dvayoḥ
siebenunddreißigtausend Tīrthas gibt es an beiden Ufern
ubhayor muniśārdūla sarvasiddhipradāyinām
o Tiger unter den Weisen, die alle Vollkommenheiten gewähren

na pūrṇatīrthasadṛśaṃ tīrtham asti mahāphalam / niṣphalaṃ tasya janmādi yo na seveta tan naraḥ // BrP_122.105 //

Es gibt kein Tīrtha von so großer Frucht wie das Pūrṇa-Tīrtha; fruchtlos ist die Geburt usw. jenes Menschen, der es nicht aufsucht.

Wort für Wort
na pūrṇatīrthasadṛśaṃ tīrtham asti mahāphalam
es gibt kein Tīrtha von so großer Frucht wie das Pūrṇa-Tīrtha
niṣphalaṃ tasya janmādi yo na seveta tan naraḥ
fruchtlos ist die Geburt usw. jenes Menschen, der es nicht aufsucht

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