Quellen der Menschheit

Brahma-Purāṇa

Kapitel 193: kaṃsavadho vasudevastutiś ca Die Tötung des Kaṃsa und Vasudevas Lobpreis

Auf dem Weg begegnet Kṛṣṇa der buckligen Trivakrā/Naikavakrā und richtet sie durch seine Berührung auf. In der Bogenhalle zerbricht er den Königsbogen; im Kampfplatz tötet er den Elefanten Kuvalayāpīḍa, besiegt und tötet die Ringer Cāṇūra, Muṣṭika und Tośalaka, und schließlich Kaṃsa selbst samt dessen Bruder Sunāman. Vasudeva und Devakī erkennen Kṛṣṇas wahre Natur, und Vasudeva preist ihn in einem ausführlichen philosophischen Hymnus.

rājamārge tataḥ kṛṣṇaḥ sānulepanabhājanām / dadarśa kubjām āyāntīṃ navayauvanagocarām //

Vyāsa sprach: Dann sah Kṛṣṇa auf der Königsstraße eine bucklige Frau, ein Salbengefäß tragend, kommen, die noch im Bereich frischer Jugend stand.

Wort für Wort
rājamārge tataḥ kṛṣṇaḥ
dann sah Kṛṣṇa auf der Königsstraße
sānulepanabhājanām
eine, ein Salbengefäß tragend
dadarśa kubjām āyāntīṃ
eine bucklige Frau kommen
navayauvanagocarām
die noch im Bereich frischer Jugend stand

tām āha lalitaṃ kṛṣṇaḥ kasyedam anulepanam / bhavatyā nīyate satyaṃ vadendīvaralocane //

Kṛṣṇa sprach reizend zu ihr: Wessen ist diese Salbe, die von dir getragen wird? Sag die Wahrheit, o Lotosäugige.

Wort für Wort
tām āha lalitaṃ kṛṣṇaḥ
Kṛṣṇa sprach reizend zu ihr
kasyedam anulepanam
wessen ist diese Salbe
bhavatyā nīyate satyaṃ
die von dir getragen wird, [sag] die Wahrheit
vadendīvaralocane
sag, o Lotosäugige

sakāmenaiva sā proktā sānurāgā hariṃ prati / prāha sā lalitaṃ kubjā dadarśa ca balāt tataḥ //

So von dem Begehrenden angesprochen, [wurde] sie voller Zuneigung zu Hari; die Bucklige sprach reizend und blickte dann unwillkürlich [hin].

Wort für Wort
sakāmenaiva sā proktā
so von dem Begehrenden angesprochen
sānurāgā hariṃ prati
wurde sie voller Zuneigung zu Hari
prāha sā lalitaṃ kubjā
die Bucklige sprach reizend
dadarśa ca balāt tataḥ
und blickte dann unwillkürlich [hin]

kānta kasmān na jānāsi kaṃsenāpi niyojitā / naikavakreti vikhyātām anulepanakarmaṇi //

Die Bucklige sprach: Geliebter, warum kennst du mich nicht – mich, die von Kaṃsa selbst für die Aufgabe der Salbenbereitung eingesetzt wurde, bekannt als 'Naikavakrā' [die mehrfach Gekrümmte]?

Wort für Wort
kānta kasmān na jānāsi
Geliebter, warum kennst du mich nicht
kaṃsenāpi niyojitā
mich, die von Kaṃsa selbst eingesetzt wurde
naikavakreti vikhyātām
bekannt als 'Naikavakrā'
anulepanakarmaṇi
für die Aufgabe der Salbenbereitung

[Anm.: 'Naikavakrā' ('nicht einfach gekrümmt') ist der traditionelle Name/Beiname dieser Figur, andernorts auch Trivakrā genannt.]

nānyapiṣṭaṃ hi kaṃsasya prītaye hy anulepanam / bhavaty aham atīvāsya prasādadhanabhājanam //

Denn die Salbe für Kaṃsas Wohlgefallen wird nicht von einer anderen gemahlen; ich bin in besonderem Maße Empfängerin seiner Gunst und seines Reichtums.

Wort für Wort
nānyapiṣṭaṃ hi
denn nicht von einer anderen gemahlen
kaṃsasya prītaye hy anulepanam
wird die Salbe für Kaṃsas Wohlgefallen
bhavaty aham atīvāsya
ich bin in besonderem Maße
prasādadhanabhājanam
Empfängerin seiner Gunst und seines Reichtums

sugandham etad rājārhaṃ ruciraṃ rucirānane / āvayor gātrasadṛśaṃ dīyatām anulepanam //

Śrī Kṛṣṇa sprach: Diese wohlriechende, königswürdige, liebliche [Salbe], o Lieblichgesichtige – gib uns beiden eine für unsere Körper passende Salbe.

Wort für Wort
sugandham etad rājārhaṃ
diese wohlriechende, königswürdige
ruciraṃ rucirānane
liebliche, o Lieblichgesichtige
āvayor gātrasadṛśaṃ
eine unseren Körpern entsprechende
dīyatām anulepanam
gib [uns] eine Salbe

śrutvā tam āha sā kṛṣṇaṃ gṛhyatām iti sādaram / anulepaṃ ca pradadau gātrayogyam athobhayoḥ //

Vyāsa sprach: Nachdem sie [dies] gehört hatte, sprach sie ehrerbietig zu Kṛṣṇa: 'Es werde genommen', und gab dann beiden eine ihren Körpern angemessene Salbe.

Wort für Wort
śrutvā tam āha sā kṛṣṇaṃ
nachdem sie [dies] gehört hatte, sprach sie zu Kṛṣṇa
gṛhyatām iti sādaram
'es werde genommen', ehrerbietig
anulepaṃ ca pradadau
und gab dann Salbe
gātrayogyam athobhayoḥ
eine beiden Körpern angemessene

bhakticchedānuliptāṅgau tatas tau puruṣarṣabhau / sendracāpau virājantau sitakṛṣṇāv ivāmbudau //

Ihre Glieder mit den zugeteilten Mengen gesalbt, erstrahlten jene beiden Stiere unter den Männern dann wie zwei Regenwolken, eine weiße und eine dunkle, gleichsam mit Indras Bogen [darüber].

Wort für Wort
bhakticchedānuliptāṅgau
ihre Glieder mit den zugeteilten Mengen gesalbt
tatas tau puruṣarṣabhau
erstrahlten jene beiden Stiere unter den Männern dann
sendracāpau virājantau
gleichsam mit Indras Bogen [darüber] erstrahlend
sitakṛṣṇāv ivāmbudau
wie zwei Regenwolken, eine weiße und eine dunkle

tatas tāṃ cibuke śaurir ullāpanavidhānavit / ullāpya tolayām āsa dvyaṅgulenāgrapāṇinā //

Dann hob Śauri, kundig der Technik des Hochhebens, sie am Kinn und hob sie mit zwei Fingern seiner Handspitze empor.

Wort für Wort
tatas tāṃ cibuke śaurir
dann [hob] Śauri sie am Kinn
ullāpanavidhānavit
kundig der Technik des Hochhebens
ullāpya tolayām āsa
hob er empor und richtete sie auf
dvyaṅgulenāgrapāṇinā
mit zwei Fingern seiner Handspitze

cakarṣa padbhyāṃ ca tadā ṛjutvaṃ keśavo 'nayat / tataḥ sā ṛjutāṃ prāptā yoṣitām abhavad varā //

Und er drückte sie mit seinen beiden Füßen nach unten, und Keśava brachte sie so zur Geradheit; da wurde sie, gerade geworden, zur Vorzüglichsten der Frauen.

Wort für Wort
cakarṣa padbhyāṃ ca tadā
und er drückte sie mit seinen beiden Füßen nach unten
ṛjutvaṃ keśavo 'nayat
Keśava brachte sie zur Geradheit
tataḥ sā ṛjutāṃ prāptā
da wurde sie, gerade geworden
yoṣitām abhavad varā
zur Vorzüglichsten der Frauen

vilāsalalitaṃ prāha premagarbhabharālasam / vastre pragṛhya govindaṃ vraja gehaṃ mameti vai //

Matt von der Last der liebeschwangeren [Gefühle], sprach sie kokett und reizend, Govinda am Gewand fassend: 'Komm zu meinem Haus.'

Wort für Wort
vilāsalalitaṃ prāha
sie sprach kokett und reizend
premagarbhabharālasam
matt von der Last der liebeschwangeren [Gefühle]
vastre pragṛhya govindaṃ
Govinda am Gewand fassend
vraja gehaṃ mameti vai
'komm zu meinem Haus'

āyāsye bhavatīgeham iti tāṃ prāha keśavaḥ / visasarja jahāsoccai rāmasyālokya cānanam //

'Ich werde zu deinem Haus kommen', sprach Keśava zu ihr; er ließ sie los, lachte laut auf und blickte auf Rāmas Gesicht.

Wort für Wort
āyāsye bhavatīgeham iti
'ich werde zu deinem Haus kommen'
tāṃ prāha keśavaḥ
sprach Keśava zu ihr
visasarja jahāsoccai
er ließ sie los, lachte laut auf
rāmasyālokya cānanam
und blickte auf Rāmas Gesicht

bhakticchedānuliptāṅgau nīlapītāmbarāv ubhau / dhanuḥśālāṃ tato yātau citramālyopaśobhitau //

Ihre Glieder mit den zugeteilten Mengen gesalbt, beide in dunkelblaue und gelbe Gewänder [gekleidet], gingen sie darauf, mit buntem Blumenkranz geschmückt, zur Bogenhalle.

Wort für Wort
bhakticchedānuliptāṅgau
ihre Glieder mit den zugeteilten Mengen gesalbt
nīlapītāmbarāv ubhau
beide in dunkelblaue und gelbe Gewänder [gekleidet]
dhanuḥśālāṃ tato yātau
gingen sie darauf zur Bogenhalle
citramālyopaśobhitau
mit buntem Blumenkranz geschmückt

adhyāsya ca dhanūratnaṃ tābhyāṃ pṛṣṭais tu rakṣibhiḥ / ākhyātaṃ sahasā kṛṣṇo gṛhītvāpūrayad dhanuḥ //

Und nachdem sie sich dem Bogenjuwel genähert und die Wächter, von ihnen befragt, [Auskunft] gegeben hatten, ergriff Kṛṣṇa den Bogen sogleich und spannte ihn voll.

Wort für Wort
adhyāsya ca dhanūratnaṃ
und nachdem sie sich dem Bogenjuwel genähert hatten
tābhyāṃ pṛṣṭais tu rakṣibhiḥ
und die Wächter, von ihnen befragt
ākhyātaṃ
[Auskunft] gegeben hatten
sahasā kṛṣṇo gṛhītvāpūrayad dhanuḥ
ergriff Kṛṣṇa den Bogen sogleich und spannte ihn voll

tataḥ pūrayatā tena bhajyamānaṃ balād dhanuḥ / cakārātimahāśabdaṃ mathurā tena pūritā //

Da, während er ihn spannte, brach der Bogen mit Gewalt und machte ein überaus lautes Geräusch; Mathurā wurde davon erfüllt.

Wort für Wort
tataḥ pūrayatā tena
da, während er [ihn] spannte
bhajyamānaṃ balād dhanuḥ
brach der Bogen mit Gewalt
cakārātimahāśabdaṃ
machte ein überaus lautes Geräusch
mathurā tena pūritā
Mathurā wurde davon erfüllt

anuyuktau tatas tau ca bhagne dhanuṣi rakṣibhiḥ / rakṣisainyaṃ nikṛtyobhau niṣkrāntau kārmukālayāt //

Als der Bogen zerbrochen war, wurden jene beiden dann von den Wächtern verfolgt; nachdem beide die Wächtertruppe niedergemacht hatten, verließen sie die Bogenhalle.

Wort für Wort
anuyuktau tatas tau ca
jene beiden wurden dann verfolgt
bhagne dhanuṣi rakṣibhiḥ
als der Bogen zerbrochen war, von den Wächtern
rakṣisainyaṃ nikṛtyobhau
nachdem beide die Wächtertruppe niedergemacht hatten
niṣkrāntau kārmukālayāt
verließen sie die Bogenhalle

akrūrāgamavṛttāntam upalabhya tathā dhanuḥ / bhagnaṃ śrutvātha kaṃso 'pi prāha cāṇūramuṣṭikau //

Nachdem er die Nachricht von Akrūras Ankunft erfahren und ebenso gehört hatte, dass der Bogen zerbrochen sei, sprach nun auch Kaṃsa zu Cāṇūra und Muṣṭika.

Wort für Wort
akrūrāgamavṛttāntam upalabhya
nachdem er die Nachricht von Akrūras Ankunft erfahren hatte
tathā dhanuḥ bhagnaṃ śrutvā
und ebenso gehört hatte, dass der Bogen zerbrochen sei
atha kaṃso 'pi
da nun auch Kaṃsa
prāha cāṇūramuṣṭikau
sprach zu Cāṇūra und Muṣṭika

gopāladārakau prāptau bhavadbhyāṃ tau mamāgrataḥ / mallayuddhena hantavyau mama prāṇaharau hi tau //

Kaṃsa sprach: Die beiden Kuhhirtenknaben sind angekommen; sie sollen von euch beiden vor mich [gebracht werden] – sie sind im Ringkampf zu töten, denn jene beiden sind mir die Lebensräuber.

Wort für Wort
gopāladārakau prāptau
die beiden Kuhhirtenknaben sind angekommen
bhavadbhyāṃ tau mamāgrataḥ
sie sollen von euch beiden vor mich [gebracht werden]
mallayuddhena hantavyau
sie sind im Ringkampf zu töten
mama prāṇaharau hi tau
denn jene beiden sind mir die Lebensräuber

niyuddhe tadvināśena bhavadbhyāṃ toṣito hy aham / dāsyāmy abhimatān kāmān nānyathaitan mahābalau //

Durch ihre Vernichtung im Zweikampf werde ich wahrlich von euch beiden zufriedengestellt sein; ich werde [euch] die gewünschten Wünsche gewähren – dies ist gewiss, ihr Starken.

Wort für Wort
niyuddhe tadvināśena
durch ihre Vernichtung im Zweikampf
bhavadbhyāṃ toṣito hy aham
werde ich wahrlich von euch beiden zufriedengestellt sein
dāsyāmy abhimatān kāmān
ich werde [euch] die gewünschten Wünsche gewähren
nānyathaitan mahābalau
dies ist gewiss, ihr Starken

nyāyato 'nyāyato vāpi bhavadbhyāṃ tau mamāhitau / hantavyau tadvadhād rājyaṃ sāmānyaṃ vo bhaviṣyati //

Auf rechte oder unrechte Weise sind jene beiden mir Feindlichen von euch beiden zu töten; durch ihre Tötung wird euch das Reich gemeinsam gehören.

Wort für Wort
nyāyato 'nyāyato vāpi
auf rechte oder unrechte Weise
bhavadbhyāṃ tau mamāhitau
sind jene beiden mir Feindlichen von euch beiden
hantavyau
zu töten
tadvadhād rājyaṃ sāmānyaṃ vo bhaviṣyati
durch ihre Tötung wird euch das Reich gemeinsam gehören

ity ādiśya sa tau mallau tataś cāhūya hastipam / provācoccais tvayā mattaḥ samājadvāri kuñjaraḥ //

Vyāsa sprach: Nachdem er so jene beiden Ringer angewiesen hatte, rief er dann den Mahut herbei und sprach laut: Von dir soll der Elefant am Tor der Versammlung in Raserei versetzt werden.

Wort für Wort
ity ādiśya sa tau mallau
nachdem er so jene beiden Ringer angewiesen hatte
tataś cāhūya hastipam
rief er dann den Mahut herbei
provācoccais
und sprach laut
tvayā mattaḥ samājadvāri kuñjaraḥ
von dir soll der Elefant am Tor der Versammlung in Raserei versetzt werden

sthāpyaḥ kuvalayāpīḍas tena tau gopadārakau / ghātanīyau niyuddhāya raṅgadvāram upāgatau //

Kuvalayāpīḍa soll aufgestellt werden, damit jene beiden Kuhhirtenknaben getötet werden, wenn sie sich dem Kampfplatztor für den Zweikampf nähern.

Wort für Wort
sthāpyaḥ kuvalayāpīḍas
Kuvalayāpīḍa soll aufgestellt werden
tena tau gopadārakau
damit jene beiden Kuhhirtenknaben
ghātanīyau niyuddhāya
getötet werden für den Zweikampf
raṅgadvāram upāgatau
wenn sie sich dem Kampfplatztor nähern

tam ājñāpyātha dṛṣṭvā ca mañcān sarvān upāhṛtān / āsannamaraṇaḥ kaṃsaḥ sūryodayam udaikṣata //

Nachdem er ihn so angewiesen und alle aufgestellten Tribünen gesehen hatte, wartete Kaṃsa, dessen Tod nahe war, auf den Sonnenaufgang.

Wort für Wort
tam ājñāpyātha dṛṣṭvā ca
nachdem er ihn so angewiesen und gesehen hatte
mañcān sarvān upāhṛtān
alle aufgestellten Tribünen
āsannamaraṇaḥ kaṃsaḥ
Kaṃsa, dessen Tod nahe war
sūryodayam udaikṣata
wartete auf den Sonnenaufgang

tataḥ samastamañceṣu nāgaraḥ sa tadā janaḥ / rājamañceṣu cārūḍhāḥ saha bhṛtyair mahībhṛtaḥ //

Dann versammelte sich jenes städtische Volk auf allen Tribünen, und die Fürsten samt ihren Dienern bestiegen die königlichen Tribünen.

Wort für Wort
tataḥ samastamañceṣu
dann auf allen Tribünen
nāgaraḥ sa tadā janaḥ
versammelte sich jenes städtische Volk
rājamañceṣu cārūḍhāḥ
die königlichen Tribünen bestiegen
saha bhṛtyair mahībhṛtaḥ
die Fürsten samt ihren Dienern

mallaprāśnikavargaś ca raṅgamadhye samīpagaḥ / kṛtaḥ kaṃsena kaṃso 'pi tuṅgamañce vyavasthitaḥ //

Die Gruppe der Ringkampfschiedsrichter wurde von Kaṃsa nahe der Mitte des Kampfplatzes platziert, und Kaṃsa selbst nahm auf einer erhöhten Tribüne Platz.

Wort für Wort
mallaprāśnikavargaś ca
die Gruppe der Ringkampfschiedsrichter
raṅgamadhye samīpagaḥ
nahe der Mitte des Kampfplatzes
kṛtaḥ kaṃsena
wurde von Kaṃsa platziert
kaṃso 'pi tuṅgamañce vyavasthitaḥ
und Kaṃsa selbst nahm auf einer erhöhten Tribüne Platz

antaḥpurāṇāṃ mañcāś ca yathānye parikalpitāḥ / anye ca vāramukhyānām anye nagarayoṣitām //

Und Tribünen wurden für die Frauen des Harems ebenso wie andere eingerichtet, andere für die vornehmsten Kurtisanen, andere für die Stadtfrauen.

Wort für Wort
antaḥpurāṇāṃ mañcāś ca
und Tribünen für die Frauen des Harems
yathānye parikalpitāḥ
wie andere eingerichtet
anye ca vāramukhyānām
andere für die vornehmsten Kurtisanen
anye nagarayoṣitām
andere für die Stadtfrauen

nandagopādayo gopā mañceṣv anyeṣv avasthitāḥ / akrūravasudevau ca mañcaprānte vyavasthitau //

Die Kuhhirten, angeführt von Nanda-gopa, nahmen auf anderen Tribünen Platz, und Akrūra und Vasudeva nahmen am Rand einer Tribüne Platz.

Wort für Wort
nandagopādayo gopā
die Kuhhirten, angeführt von Nanda-gopa
mañceṣv anyeṣv avasthitāḥ
nahmen auf anderen Tribünen Platz
akrūravasudevau ca
und Akrūra und Vasudeva
mañcaprānte vyavasthitau
nahmen am Rand einer Tribüne Platz

nagarīyoṣitāṃ madhye devakī putragardhinī / antakāle 'pi putrasya drakṣyāmīti mukhaṃ sthitā //

Inmitten der Stadtfrauen [befand sich] Devakī, nach ihrem Sohn verlangend, [denkend] 'auch zur Stunde seines Endes werde ich das Gesicht des Sohnes sehen', so verharrte sie.

Wort für Wort
nagarīyoṣitāṃ madhye
inmitten der Stadtfrauen
devakī putragardhinī
Devakī, nach ihrem Sohn verlangend
antakāle 'pi putrasya drakṣyāmīti
'auch zur Stunde seines Endes werde ich das Gesicht des Sohnes sehen'
mukhaṃ sthitā
so verharrte sie

vādyamāneṣu tūryeṣu cāṇūre cātivalgati / hāhākārapare loka āsphoṭayati muṣṭike //

Während die Instrumente gespielt wurden und Cāṇūra übermäßig umhersprang, [während] Muṣṭika [herausfordernd die Arme] schlug, [rief] das Volk, dem Wehklagen zugeneigt.

Wort für Wort
vādyamāneṣu tūryeṣu
während die Instrumente gespielt wurden
cāṇūre cātivalgati
und Cāṇūra übermäßig umhersprang
hāhākārapare loka
dem Wehklagen zugeneigt, das Volk
āsphoṭayati muṣṭike
während Muṣṭika [herausfordernd die Arme] schlug

hatvā kuvalayāpīḍaṃ hastyārohapracoditam / madāsṛganuliptāṅgau gajadantavarāyudhau //

Nachdem sie Kuvalayāpīḍa getötet hatten, der von seinem Mahut angetrieben worden war, ihre Glieder mit dessen Brunftsaft und Blut bedeckt, mit den vorzüglichen Elefantenstoßzähnen als Waffen,

Wort für Wort
hatvā kuvalayāpīḍaṃ
nachdem sie Kuvalayāpīḍa getötet hatten
hastyārohapracoditam
der von seinem Mahut angetrieben worden war
madāsṛganuliptāṅgau
ihre Glieder mit dessen Brunftsaft und Blut bedeckt
gajadantavarāyudhau
mit den vorzüglichen Elefantenstoßzähnen als Waffen

mṛgamadhye yathā siṃhau garvalīlāvalokinau / praviṣṭau sumahāraṅgaṃ baladevajanārdanau //

wie zwei Löwen inmitten von Wild, mit stolzen, spielerischen Blicken, betraten Baladeva und Janārdana den überaus großen Kampfplatz.

Wort für Wort
mṛgamadhye yathā siṃhau
wie zwei Löwen inmitten von Wild
garvalīlāvalokinau
mit stolzen, spielerischen Blicken
praviṣṭau sumahāraṅgaṃ
betraten den überaus großen Kampfplatz
baladevajanārdanau
Baladeva und Janārdana

hāhākāro mahāñ jajñe sarvaraṅgeṣv anantaram / kṛṣṇo 'yaṃ balabhadro 'yam iti lokasya vismayāt //

Ein gewaltiger Aufschrei erhob sich sogleich über den ganzen Kampfplatz: 'Das ist Kṛṣṇa! Das ist Balabhadra!' – aus dem Erstaunen der Menge.

Wort für Wort
hāhākāro mahāñ jajñe
ein gewaltiger Aufschrei erhob sich
sarvaraṅgeṣv anantaram
sogleich über den ganzen Kampfplatz
kṛṣṇo 'yaṃ balabhadro 'yam iti
'das ist Kṛṣṇa! Das ist Balabhadra!'
lokasya vismayāt
aus dem Erstaunen der Menge

so 'yaṃ yena hatā ghorā pūtanā sā niśācarī / prakṣiptaṃ śakaṭaṃ yena bhagnau ca yamalārjunau //

Das ist er, von dem jene furchtbare Nachtwandlerin Pūtanā getötet wurde, von dem der Wagen umgestürzt und die Zwillings-Arjuna-Bäume gebrochen wurden;

Wort für Wort
so 'yaṃ yena hatā ghorā
das ist er, von dem getötet wurde jene furchtbare
pūtanā sā niśācarī
jene Nachtwandlerin Pūtanā
prakṣiptaṃ śakaṭaṃ yena
von dem der Wagen umgestürzt wurde
bhagnau ca yamalārjunau
und die Zwillings-Arjuna-Bäume gebrochen wurden

so 'yaṃ yaḥ kāliyaṃ nāgaṃ nanartāruhya bālakaḥ / dhṛto govardhano yena saptarātraṃ mahāgiriḥ //

das ist er, der, [noch] als Knabe, die Schlange Kāliya bestieg und auf ihr tanzte, von dem der große Berg Govardhana sieben Nächte lang gehalten wurde;

Wort für Wort
so 'yaṃ yaḥ kāliyaṃ nāgaṃ
das ist er, der die Schlange Kāliya
nanartāruhya bālakaḥ
bestieg und auf ihr tanzte, [noch] als Knabe
dhṛto govardhano yena
von dem Govardhana gehalten wurde
saptarātraṃ mahāgiriḥ
der große Berg, sieben Nächte lang

ariṣṭo dhenukaḥ keśī līlayaiva mahātmanā / hato yena ca durvṛtto dṛśyate so 'yam acyutaḥ //

von dem Ariṣṭa, Dhenuka und Keśin, die übel Gearteten, durch bloßes Spiel getötet wurden – dieser Großgesinnte, dieser Acyuta ist es, der [hier] zu sehen ist.

Wort für Wort
ariṣṭo dhenukaḥ keśī
Ariṣṭa, Dhenuka und Keśin
līlayaiva mahātmanā
durch bloßes Spiel, von dem Großgesinnten
hato yena ca durvṛtto
und die übel Gearteten getötet wurden
dṛśyate so 'yam acyutaḥ
dieser Acyuta ist es, der [hier] zu sehen ist

ayaṃ cāsya mahābāhur baladevo 'grajo 'grataḥ / prayāti līlayā yoṣin-manonayananandanaḥ //

Und dies ist dessen mächtig-armiger älterer Bruder Baladeva, der voran spielerisch dahinschreitet, der Sinn und Augen der Frauen erfreut.

Wort für Wort
ayaṃ cāsya mahābāhur
und dies ist dessen mächtig-armiger
baladevo 'grajo 'grataḥ
älterer Bruder Baladeva, voran
prayāti līlayā
der spielerisch dahinschreitet
yoṣin-manonayananandanaḥ
der Sinn und Augen der Frauen erfreut

ayaṃ sa kathyate prājñaiḥ purāṇārthāvalokibhiḥ / gopālo yādavaṃ vaṃśaṃ magnam abhyuddhariṣyati //

Das ist er, von dem die Weisen, die den Sinn der alten Überlieferungen erkennen, sagen, dass dieser Hirte das versunkene Geschlecht der Yadus wieder emporheben werde.

Wort für Wort
ayaṃ sa kathyate prājñaiḥ
das ist er, von dem die Weisen sagen
purāṇārthāvalokibhiḥ
die den Sinn der alten Überlieferungen erkennen
gopālo yādavaṃ vaṃśaṃ
dass dieser Hirte das Geschlecht der Yadus
magnam abhyuddhariṣyati
das versunkene, wieder emporheben werde

ayaṃ sa sarvabhūtasya viṣṇor akhilajanmanaḥ / avatīrṇo mahīm aṃśo nūnaṃ bhāraharo bhuvaḥ //

Das ist gewiss jener Teil Viṣṇus, des Selbst aller Wesen, des Ursprungs aller Geburten, der zur Erde herabgestiegen ist, der Träger der Last der Erde.

Wort für Wort
ayaṃ sa sarvabhūtasya
das ist jener [Teil] des Selbst aller Wesen
viṣṇor akhilajanmanaḥ
Viṣṇus, des Ursprungs aller Geburten
avatīrṇo mahīm aṃśo
der als Teil zur Erde herabgestiegen ist
nūnaṃ bhāraharo bhuvaḥ
gewiss der Träger der Last der Erde

ity evaṃ varṇite paurai rāme kṛṣṇe ca tatkṣaṇāt / uras tatāpa devakyāḥ snehasnutapayodharam //

Als sie so von den Bürgern über Rāma und Kṛṣṇa beschrieben wurden, glühte in diesem Augenblick Devakīs Brust auf, ihre Brüste feucht von fließender Zuneigung.

Wort für Wort
ity evaṃ varṇite paurai
als sie so von den Bürgern beschrieben wurden
rāme kṛṣṇe ca tatkṣaṇāt
über Rāma und Kṛṣṇa, in diesem Augenblick
uras tatāpa devakyāḥ
glühte Devakīs Brust auf
snehasnutapayodharam
ihre Brüste feucht von fließender Zuneigung

mahotsavam ivālokya putrāv eva vilokayan / yuveva vasudevo 'bhūd vihāyābhyāgatāṃ jarām //

Als sähe er ein großes Fest, seine beiden Söhne betrachtend, wurde Vasudeva gleichsam jung, indem er das herangekommene Alter ablegte.

Wort für Wort
mahotsavam ivālokya
als sähe er ein großes Fest
putrāv eva vilokayan
seine beiden Söhne betrachtend
yuveva vasudevo 'bhūd
wurde Vasudeva gleichsam jung
vihāyābhyāgatāṃ jarām
indem er das herangekommene Alter ablegte

vistāritākṣiyugalā rājāntaḥpurayoṣitaḥ / nāgarastrīsamūhaś ca draṣṭuṃ na virarāma tau //

Mit weit geöffneten Augenpaaren hörten die Frauen des königlichen Harems und die Schar der Stadtfrauen nicht auf, jene beiden anzuschauen.

Wort für Wort
vistāritākṣiyugalā
mit weit geöffneten Augenpaaren
rājāntaḥpurayoṣitaḥ
die Frauen des königlichen Harems
nāgarastrīsamūhaś ca
und die Schar der Stadtfrauen
draṣṭuṃ na virarāma tau
hörten nicht auf, jene beiden anzuschauen

sakhyaḥ paśyata kṛṣṇasya mukham apy ambujekṣaṇam / gajayuddhakṛtāyāsa-svedāmbukaṇikāñcitam //

Die Frauen sprachen: Freundinnen, seht Kṛṣṇas Antlitz, das lotusäugige, bedeckt mit Tröpfchen von Schweißwasser aus der Anstrengung des Elefantenkampfes,

Wort für Wort
sakhyaḥ paśyata kṛṣṇasya mukham
Freundinnen, seht Kṛṣṇas Antlitz
apy ambujekṣaṇam
das lotusäugige
gajayuddhakṛtāyāsa-
aus der Anstrengung des Elefantenkampfes
svedāmbukaṇikāñcitam
bedeckt mit Tröpfchen von Schweißwasser

vikāsīva sarombhojam avaśyāyajalokṣitam / paribhūtākṣaraṃ janma saphalaṃ kriyatāṃ dṛśaḥ //

wie ein aufblühender Lotos im Teich, benetzt mit Tauwasser – lasst unsere Geburt, jeden [gewöhnlichen] Lohn übertreffend, für unsere Augen fruchtbar werden!

Wort für Wort
vikāsīva sarombhojam
wie ein aufblühender Lotos im Teich
avaśyāyajalokṣitam
benetzt mit Tauwasser
paribhūtākṣaraṃ janma
unsere Geburt, jeden [gewöhnlichen] Lohn übertreffend
saphalaṃ kriyatāṃ dṛśaḥ
lasst sie für unsere Augen fruchtbar werden

[?] Bedeutung von 'paribhūtākṣaraṃ janma' unsicher, sinngemäß als Steigerung übersetzt.

śrīvatsāṅkaṃ jagaddhāma bālasyaitad vilokyatām / vipakṣakṣapaṇaṃ vakṣo bhujayugmaṃ ca bhāmini //

Betrachtet dies, die mit dem Śrīvatsa gezeichnete Wohnstatt der Welt, des Knaben Brust, die die Gegner vernichtet, und das Armpaar, o Strahlende,

Wort für Wort
śrīvatsāṅkaṃ jagaddhāma
die mit dem Śrīvatsa gezeichnete Wohnstatt der Welt
bālasyaitad vilokyatām
dies des Knaben, betrachtet es
vipakṣakṣapaṇaṃ vakṣo
die Brust, die die Gegner vernichtet
bhujayugmaṃ ca bhāmini
und das Armpaar, o Strahlende

valgatā muṣṭikenaiva cāṇūreṇa tathā paraiḥ / kriyate balabhadrasya hāsyam īṣad vilokyatām //

durch den umherspringenden Muṣṭika und ebenso durch Cāṇūra und die anderen wird über Balabhadra Spott getrieben – seht euch das ein wenig an!

Wort für Wort
valgatā muṣṭikenaiva
durch den umherspringenden Muṣṭika
cāṇūreṇa tathā paraiḥ
und ebenso durch Cāṇūra und die anderen
kriyate balabhadrasya hāsyam
wird über Balabhadra Spott getrieben
īṣad vilokyatām
seht euch das ein wenig an

[Anm.: gemeint ist, dass die Herausforderung Balabhadras durch die Ringer angesichts seiner wahren, göttlichen Kraft geradezu lächerlich erscheint.]

sakhyaḥ paśyata cāṇūraṃ niyuddhārtham ayaṃ hariḥ / samupaiti na santy atra kiṃ vṛddhā yuktakāriṇaḥ //

Freundinnen, seht Cāṇūra – und dieser Hari nähert sich zum Zweikampf; gibt es hier denn keine Älteren, die richtig handeln?

Wort für Wort
sakhyaḥ paśyata cāṇūraṃ
Freundinnen, seht Cāṇūra
niyuddhārtham ayaṃ hariḥ
und zum Zweikampf dieser Hari
samupaiti
nähert sich
na santy atra kiṃ vṛddhā yuktakāriṇaḥ
gibt es hier denn keine Älteren, die richtig handeln

kva yauvanonmukhībhūtaḥ sukumāratanur hariḥ / kva vajrakaṭhinābhoga-śarīro 'yaṃ mahāsuraḥ //

Wo ist Hari, dessen zarter Körper eben erst der Jugend entgegengeht, und wo ist dieser große Dämon, dessen Leib hart wie der Donnerkeil ist?

Wort für Wort
kva yauvanonmukhībhūtaḥ
wo ist der, der eben erst der Jugend entgegengeht
sukumāratanur hariḥ
Hari, dessen zarter Körper
kva vajrakaṭhinābhoga-
wo ist der, dessen Leib hart wie der Donnerkeil
śarīro 'yaṃ mahāsuraḥ
dieser große Dämon

imau sulalitau raṅge vartete navayauvanau / daiteyamallāś cāṇūra-pramukhās tv atidāruṇāḥ //

Diese beiden Anmutigen, kaum in die Jugend eingetreten, stehen auf dem Kampfplatz, während die Dämonenringer, angeführt von Cāṇūra, überaus furchterregend sind.

Wort für Wort
imau sulalitau raṅge
diese beiden Anmutigen auf dem Kampfplatz
vartete navayauvanau
stehen, kaum in die Jugend eingetreten
daiteyamallāś cāṇūra-
die Dämonenringer, angeführt von Cāṇūra
pramukhās tv atidāruṇāḥ
sind überaus furchterregend

niyuddhaprāśnikānāṃ tu mahān eṣa vyatikramaḥ / yad bālabalinor yuddhaṃ madhyasthaiḥ samupekṣyate //

Dies ist ein großes Versagen der Schiedsrichter des Zweikampfs, dass der Kampf zwischen Kindern und Starken von den Unparteiischen zugelassen wird.

Wort für Wort
niyuddhaprāśnikānāṃ tu
dies ist der Schiedsrichter des Zweikampfs
mahān eṣa vyatikramaḥ
ein großes Versagen
yad bālabalinor yuddhaṃ
dass der Kampf zwischen Kindern und Starken
madhyasthaiḥ samupekṣyate
von den Unparteiischen zugelassen wird

itthaṃ purastrīlokasya vadataś cālayan bhuvam / vavarṣa harṣotkarṣaṃ ca janasya bhagavān hariḥ //

Vyāsa sprach: So, während die Welt der Stadtfrauen sprach und dabei die Erde erschütterte, ließ der erhabene Hari übergroße Freude auf das Volk niederregnen.

Wort für Wort
itthaṃ purastrīlokasya vadataś
so, während die Welt der Stadtfrauen sprach
cālayan bhuvam
und dabei die Erde erschütterte
vavarṣa harṣotkarṣaṃ ca janasya
ließ er übergroße Freude auf das Volk niederregnen
bhagavān hariḥ
der erhabene Hari

balabhadro 'pi cāsphoṭya vavalga lalitaṃ yadā / pade pade tadā bhūmir na śīrṇā yat tad adbhutam //

Und als auch Balabhadra, [herausfordernd die Arme] schlagend, anmutig umhersprang, war es ein Wunder, dass die Erde bei jedem seiner Schritte nicht zerbarst.

Wort für Wort
balabhadro 'pi cāsphoṭya
und als auch Balabhadra, [herausfordernd die Arme] schlagend
vavalga lalitaṃ yadā
anmutig umhersprang
pade pade tadā bhūmir na śīrṇā
dass die Erde bei jedem seiner Schritte nicht zerbarst
yat tad adbhutam
das war ein Wunder

cāṇūreṇa tataḥ kṛṣṇo yuyudhe 'mitavikramaḥ / niyuddhakuśalo daityo baladevena muṣṭikaḥ //

Da kämpfte Kṛṣṇa, von unermesslicher Kraft, mit Cāṇūra, und der im Zweikampf geübte Dämon Muṣṭika [kämpfte] mit Baladeva.

Wort für Wort
cāṇūreṇa tataḥ kṛṣṇo
da mit Cāṇūra Kṛṣṇa
yuyudhe 'mitavikramaḥ
kämpfte, von unermesslicher Kraft
niyuddhakuśalo daityo
der im Zweikampf geübte Dämon
baladevena muṣṭikaḥ
Muṣṭika, mit Baladeva

saṃnipātāvadhūtaiś ca cāṇūreṇa samaṃ hariḥ / kṣepaṇair muṣṭibhiś caiva kīlāvajranipātanaiḥ //

Mit Schlägen aus [wuchtigem] Zusammenprall, mit Würfen und Fäusten, mit wie Nägel und Donnerkeile niederfahrenden [Hieben], kämpfte Hari zusammen mit Cāṇūra,

Wort für Wort
saṃnipātāvadhūtaiś ca
mit Schlägen aus [wuchtigem] Zusammenprall
cāṇūreṇa samaṃ hariḥ
kämpfte Hari zusammen mit Cāṇūra
kṣepaṇair muṣṭibhiś caiva
mit Würfen und Fäusten
kīlāvajranipātanaiḥ
mit wie Nägel und Donnerkeile niederfahrenden [Hieben]

pādodbhūtaiḥ pramṛṣṭābhis tayor yuddham abhūn mahat / aśastram atighoraṃ tat tayor yuddhaṃ sudāruṇam //

mit von den Füßen ausgehenden, reibenden [Tritten] – ein großer Kampf entstand zwischen den beiden; waffenlos, überaus schrecklich war jener Kampf der beiden, äußerst furchtbar.

Wort für Wort
pādodbhūtaiḥ pramṛṣṭābhis
mit von den Füßen ausgehenden, reibenden [Tritten]
tayor yuddham abhūn mahat
entstand ein großer Kampf zwischen den beiden
aśastram atighoraṃ tat
waffenlos, überaus schrecklich, jener
tayor yuddhaṃ sudāruṇam
Kampf der beiden, äußerst furchtbar

svabalaprāṇaniṣpādyaṃ samājotsavasaṃnidhau / yāvad yāvac ca cāṇūro yuyudhe hariṇā saha //

durch die eigene Kraft und das eigene Leben zu entscheiden, im Angesicht des Festversammlung – und je mehr Cāṇūra mit Hari kämpfte,

Wort für Wort
svabalaprāṇaniṣpādyaṃ
durch die eigene Kraft und das eigene Leben zu entscheiden
samājotsavasaṃnidhau
im Angesicht der Festversammlung
yāvad yāvac ca cāṇūro
und je mehr Cāṇūra
yuyudhe hariṇā saha
mit Hari kämpfte

prāṇahānim avāpāgryāṃ tāvat tāvan na bāndhavam / kṛṣṇo 'pi yuyudhe tena līlayaiva jaganmayaḥ //

desto größeren Verlust an Lebenskraft erlitt er, ohne jeglichen Beistand; Kṛṣṇa aber, der das ganze Weltall in sich ist, kämpfte mit ihm nur zum Spiel.

Wort für Wort
prāṇahānim avāpāgryāṃ
desto größeren Verlust an Lebenskraft erlitt er
tāvat tāvan na bāndhavam
ohne jeglichen Beistand zu erlangen
kṛṣṇo 'pi yuyudhe tena
Kṛṣṇa aber kämpfte mit ihm
līlayaiva jaganmayaḥ
nur zum Spiel, er, der das ganze Weltall in sich ist

[?] Konstruktion 'na bāndhavam' unsicher; sinngemäß als 'ohne Beistand/Hilfe zu erlangen' gedeutet.

khedāc cālayatā kopān nijaśeṣakare karam / balakṣayaṃ vivṛddhiṃ ca dṛṣṭvā cāṇūrakṛṣṇayoḥ //

Aus Bedrängnis seine Hand auf die andere Hand legend, vor Zorn zitternd, als er die schwindende und die wachsende Kraft Cāṇūras und Kṛṣṇas gesehen hatte,

Wort für Wort
khedāc cālayatā kopān
aus Bedrängnis, vor Zorn zitternd
nijaśeṣakare karam
seine Hand auf die andere Hand legend
balakṣayaṃ vivṛddhiṃ ca dṛṣṭvā
als er die schwindende und die wachsende Kraft gesehen hatte
cāṇūrakṛṣṇayoḥ
Cāṇūras und Kṛṣṇas

[?] Wendung 'nijaśeṣakare karam' unsicher, sinngemäß als unruhige Handbewegung Kaṃsas gedeutet.

vārayām āsa tūryāṇi kaṃsaḥ kopaparāyaṇaḥ / mṛdaṅgādiṣu vādyeṣu pratiṣiddheṣu tatkṣaṇāt //

ließ Kaṃsa, dem Zorn verfallen, die Instrumente anhalten; als sogleich die Trommeln und übrigen Instrumente verboten worden waren,

Wort für Wort
vārayām āsa tūryāṇi
ließ er die Instrumente anhalten
kaṃsaḥ kopaparāyaṇaḥ
Kaṃsa, dem Zorn verfallen
mṛdaṅgādiṣu vādyeṣu
als die Trommeln und übrigen Instrumente
pratiṣiddheṣu tatkṣaṇāt
sogleich verboten worden waren

khasaṃgatāny avādyanta daivatūryāṇy anekaśaḥ / jaya govinda cāṇūraṃ jahi keśava dānavam //

erklangen an vielen Stellen mit dem Himmel verbundene göttliche Instrumente: 'Siege, Govinda! Töte den Dämon Cāṇūra, Keśava!'

Wort für Wort
khasaṃgatāny avādyanta
erklangen mit dem Himmel verbundene
daivatūryāṇy anekaśaḥ
göttliche Instrumente an vielen Stellen
jaya govinda
'siege, Govinda!'
cāṇūraṃ jahi keśava dānavam
'töte den Dämon Cāṇūra, Keśava!'

ity antardhigatā devās tuṣṭuvus te praharṣitāḥ / cāṇūreṇa ciraṃ kālaṃ krīḍitvā madhusūdanaḥ //

So priesen die im Verborgenen weilenden Götter, hoch erfreut; und Madhusūdana, nachdem er lange Zeit mit Cāṇūra gespielt hatte,

Wort für Wort
ity antardhigatā devās tuṣṭuvus
so priesen die im Verborgenen weilenden Götter
te praharṣitāḥ
hoch erfreut
cāṇūreṇa ciraṃ kālaṃ krīḍitvā
nachdem er lange Zeit mit Cāṇūra gespielt hatte
madhusūdanaḥ
Madhusūdana

utpāṭya bhrāmayām āsa tadvadhāya kṛtodyamaḥ / bhrāmayitvā śataguṇaṃ daityamallam amitrajit //

hob ihn empor und schwang ihn herum, zu seiner Vernichtung entschlossen; der Feindebezwinger schwang den Dämonenringer hundertfach,

Wort für Wort
utpāṭya bhrāmayām āsa
hob ihn empor und schwang ihn herum
tadvadhāya kṛtodyamaḥ
zu seiner Vernichtung entschlossen
bhrāmayitvā śataguṇaṃ
nachdem er ihn hundertfach geschwungen hatte
daityamallam amitrajit
den Dämonenringer, der Feindebezwinger

bhūmāv āsphoṭayām āsa gagane gatajīvitam / bhūmāv āsphoṭitas tena cāṇūraḥ śatadhā bhavan //

und schmetterte ihn, dessen Leben schon in der Luft entwichen war, zu Boden; von ihm zu Boden geschmettert, zerbarst Cāṇūra in hundert Stücke,

Wort für Wort
bhūmāv āsphoṭayām āsa
schmetterte er zu Boden
gagane gatajīvitam
ihn, dessen Leben schon in der Luft entwichen war
bhūmāv āsphoṭitas tena
von ihm zu Boden geschmettert
cāṇūraḥ śatadhā bhavan
zerbarst Cāṇūra in hundert Stücke

raktasrāvamahāpaṅkāṃ cakāra sa tadā bhuvam / baladevas tu tatkālaṃ muṣṭikena mahābalaḥ //

und machte da den Boden zu einem großen Sumpf fließenden Blutes. Baladeva aber [kämpfte] zur selben Zeit, der Starke, mit Muṣṭika,

Wort für Wort
raktasrāvamahāpaṅkāṃ
zu einem großen Sumpf fließenden Blutes
cakāra sa tadā bhuvam
machte er da den Boden
baladevas tu tatkālaṃ
Baladeva aber zur selben Zeit
muṣṭikena mahābalaḥ
mit Muṣṭika, der Starke

yuyudhe daityamallena cāṇūreṇa yathā hariḥ / so 'py enaṃ muṣṭinā mūrdhni vakṣasy āhatya jānunā //

kämpfte mit dem Dämonenringer, so wie Hari mit Cāṇūra; auch er schlug ihn mit der Faust auf das Haupt und mit dem Knie auf die Brust,

Wort für Wort
yuyudhe daityamallena
kämpfte mit dem Dämonenringer
cāṇūreṇa yathā hariḥ
so wie Hari mit Cāṇūra
so 'py enaṃ muṣṭinā mūrdhni
auch er ihn mit der Faust auf das Haupt
vakṣasy āhatya jānunā
und mit dem Knie auf die Brust schlug

pātayitvā dharāpṛṣṭhe niṣpipeṣa gatāyuṣam / kṛṣṇas tośalakaṃ bhūyo mallarājaṃ mahābalam //

warf ihn zu Boden und zermalmte den nun Lebenlosen. Kṛṣṇa [wandte sich] darauf gegen Tośalaka, den mächtigen Ringerkönig,

Wort für Wort
pātayitvā dharāpṛṣṭhe
warf ihn zu Boden
niṣpipeṣa gatāyuṣam
und zermalmte den nun Lebenlosen
kṛṣṇas tośalakaṃ bhūyo
Kṛṣṇa [wandte sich] darauf gegen Tośalaka
mallarājaṃ mahābalam
den mächtigen Ringerkönig

vāmamuṣṭiprahāreṇa pātayām āsa bhūtale / cāṇūre nihate malle muṣṭike ca nipātite //

und warf ihn mit einem Schlag der linken Faust zu Boden. Als der Ringer Cāṇūra erschlagen und Muṣṭika niedergestreckt war

Wort für Wort
vāmamuṣṭiprahāreṇa
mit einem Schlag der linken Faust
pātayām āsa bhūtale
warf er ihn zu Boden
cāṇūre nihate malle
als der Ringer Cāṇūra erschlagen war
muṣṭike ca nipātite
und Muṣṭika niedergestreckt war

nīte kṣayaṃ tośalake sarve mallāḥ pradudruvuḥ / vavalgatus tadā raṅge kṛṣṇasaṃkarṣaṇāv ubhau //

und Tośalaka zugrunde gerichtet war, flohen alle Ringer; da sprangen Kṛṣṇa und Saṃkarṣaṇa beide triumphierend auf dem Kampfplatz umher,

Wort für Wort
nīte kṣayaṃ tośalake
und Tośalaka zugrunde gerichtet war
sarve mallāḥ pradudruvuḥ
flohen alle Ringer
vavalgatus tadā raṅge
da sprangen sie auf dem Kampfplatz umher
kṛṣṇasaṃkarṣaṇāv ubhau
Kṛṣṇa und Saṃkarṣaṇa, beide

samānavayaso gopān balād ākṛṣya harṣitau / kaṃso 'pi koparaktākṣaḥ prāhoccair vyāyatān narān //

hoch erfreut, gleichaltrige Kuhhirten mit sich heranziehend; auch Kaṃsa, die Augen rot vor Zorn, sprach laut zu seinen hochgewachsenen Männern.

Wort für Wort
samānavayaso gopān
gleichaltrige Kuhhirten
balād ākṛṣya harṣitau
mit sich heranziehend, hoch erfreut
kaṃso 'pi koparaktākṣaḥ
auch Kaṃsa, die Augen rot vor Zorn
prāhoccair vyāyatān narān
sprach laut zu seinen hochgewachsenen Männern

gopāv etau samājaughān niṣkramyetāṃ balād itaḥ / nando 'pi gṛhyatāṃ pāpo nigaḍair āśu badhyatām //

Kaṃsa sprach: Diese beiden Kuhhirten sollen mit Gewalt aus dieser Versammlung vertrieben werden; auch der verruchte Nanda soll ergriffen und rasch in Fesseln gelegt werden,

Wort für Wort
gopāv etau samājaughān
diese beiden Kuhhirten aus dieser Versammlung
niṣkramyetāṃ balād itaḥ
sollen mit Gewalt vertrieben werden
nando 'pi gṛhyatāṃ pāpo
auch der verruchte Nanda soll ergriffen werden
nigaḍair āśu badhyatām
und rasch in Fesseln gelegt werden

avṛddhārheṇa daṇḍena vasudevo 'pi vadhyatām / valganti gopāḥ kṛṣṇena ye ceme sahitāḥ punaḥ //

auch Vasudeva soll mit einer für einen Alten unangemessenen Strafe getötet werden; auch jene Kuhhirten, die zusammen mit Kṛṣṇa herumspringen,

Wort für Wort
avṛddhārheṇa daṇḍena
mit einer für einen Alten unangemessenen Strafe
vasudevo 'pi vadhyatām
auch Vasudeva soll getötet werden
valganti gopāḥ kṛṣṇena
die Kuhhirten, die mit Kṛṣṇa herumspringen
ye ceme sahitāḥ punaḥ
und die sich [ihm] wieder anschließen

gāvo hriyantām eṣāṃ ca yac cāsti vasu kiṃcana / evam ājñāpayantaṃ taṃ prahasya madhusūdanaḥ //

sollen ihre Rinder weggenommen werden, und was immer sie sonst an Besitz haben. Über ihn, der so befahl, lachte Madhusūdana,

Wort für Wort
gāvo hriyantām eṣāṃ ca
ihre Rinder sollen weggenommen werden
yac cāsti vasu kiṃcana
und was immer sie sonst an Besitz haben
evam ājñāpayantaṃ taṃ
über ihn, der so befahl
prahasya madhusūdanaḥ
lachte Madhusūdana

utpatyāruhya tanmañcaṃ kaṃsaṃ jagrāha vegitaḥ / keśeṣv ākṛṣya vigalat-kirīṭam avanītale //

sprang empor, bestieg jene Tribüne und packte Kaṃsa schnell, zog ihn an den Haaren, [dessen] Krone zu Boden gleitend,

Wort für Wort
utpatyāruhya tanmañcaṃ
sprang empor, bestieg jene Tribüne
kaṃsaṃ jagrāha vegitaḥ
und packte Kaṃsa schnell
keśeṣv ākṛṣya
zog ihn an den Haaren
vigalat-kirīṭam avanītale
[dessen] Krone zu Boden gleitend

sa kaṃsaṃ pātayām āsa tasyopari papāta ca / niḥśeṣajagadādhāra-guruṇā patatopari //

er warf Kaṃsa nieder und fiel auf ihn, mit dem Gewicht dessen, der die gesamte Welt ohne Rest trägt, auf ihn fallend.

Wort für Wort
sa kaṃsaṃ pātayām āsa
er warf Kaṃsa nieder
tasyopari papāta ca
und fiel auf ihn
niḥśeṣajagadādhāra-guruṇā
mit dem Gewicht dessen, der die gesamte Welt ohne Rest trägt
patatopari
auf ihn fallend

kṛṣṇena tyājitaḥ prāṇānn ugrasenātmajo nṛpaḥ / mṛtasya keśeṣu tadā gṛhītvā madhusūdanaḥ //

Von Kṛṣṇa wurde der König, Ugrasenas Sohn, seines Lebens beraubt; da ergriff Madhusūdana den Toten an den Haaren

Wort für Wort
kṛṣṇena tyājitaḥ prāṇān
von Kṛṣṇa wurde er seines Lebens beraubt
ugrasenātmajo nṛpaḥ
der König, Ugrasenas Sohn
mṛtasya keśeṣu tadā
da an den Haaren des Toten
gṛhītvā madhusūdanaḥ
ergriff ihn Madhusūdana

cakarṣa dehaṃ kaṃsasya raṅgamadhye mahābalaḥ / gauraveṇātimahatā paripātena kṛṣyatā //

und der Starke schleifte Kaṃsas Leib mitten über den Kampfplatz, mit übergroßer, niederdrückender Schwere, während er geschleift wurde.

Wort für Wort
cakarṣa dehaṃ kaṃsasya
er schleifte Kaṃsas Leib
raṅgamadhye mahābalaḥ
mitten über den Kampfplatz, der Starke
gauraveṇātimahatā
mit übergroßer, niederdrückender Schwere
paripātena kṛṣyatā
während er geschleift wurde

kṛtā kaṃsasya dehena vegitena mahātmanā / kaṃse gṛhīte kṛṣṇena tadbhrātābhyāgato ruṣā //

[Eine Furche] wurde von Kaṃsas Leib gebildet, durch den Großgesinnten mit Wucht [gezogen]; als Kaṃsa von Kṛṣṇa ergriffen worden war, kam dessen Bruder wütend herbei,

Wort für Wort
kṛtā kaṃsasya dehena
[eine Furche] wurde von Kaṃsas Leib gebildet
vegitena mahātmanā
durch den Großgesinnten mit Wucht [gezogen]
kaṃse gṛhīte kṛṣṇena
als Kaṃsa von Kṛṣṇa ergriffen worden war
tadbhrātābhyāgato ruṣā
kam dessen Bruder wütend herbei

sunāmā balabhadreṇa līlayaiva nipātitaḥ / tato hāhākṛtaṃ sarvam āsīt tad raṅgamaṇḍalam //

Sunāman, [und] wurde von Balabhadra durch bloßes Spiel niedergestreckt; da erhob jener ganze Kampfplatzkreis ein Wehklagen,

Wort für Wort
sunāmā
Sunāman
balabhadreṇa līlayaiva nipātitaḥ
wurde von Balabhadra durch bloßes Spiel niedergestreckt
tato hāhākṛtaṃ sarvam āsīt
da erhob sich ein Wehklagen über alles
tad raṅgamaṇḍalam
jener Kampfplatzkreis

avajñayā hataṃ dṛṣṭvā kṛṣṇena mathureśvaram / kṛṣṇo 'pi vasudevasya pādau jagrāha satvaram //

als man sah, wie der Herr von Mathurā von Kṛṣṇa mit Verachtung erschlagen worden war. Kṛṣṇa aber ergriff eilends Vasudevas Füße,

Wort für Wort
avajñayā hataṃ dṛṣṭvā
als man sah, wie er mit Verachtung erschlagen worden war
kṛṣṇena mathureśvaram
von Kṛṣṇa, den Herrn von Mathurā
kṛṣṇo 'pi vasudevasya pādau
Kṛṣṇa aber Vasudevas Füße
jagrāha satvaram
ergriff er eilends

devakyāś ca mahābāhur baladevasahāyavān / utthāpya vasudevas tu devakī ca janārdanam / smṛtajanmoktavacanau tāv eva praṇatau sthitau //

und der Mächtigarmige [ergriff], begleitet von Baladeva, [auch] Devakīs [Füße]; doch Vasudeva richtete [ihn] auf, und Devakī [richtete] Janārdana [auf]; die beiden [Eltern], sich der bei [seiner] Geburt gesprochenen Worte erinnernd, standen ihnen verneigt gegenüber.

Wort für Wort
devakyāś ca mahābāhur
und der Mächtigarmige [ergriff auch] Devakīs [Füße]
baladevasahāyavān
begleitet von Baladeva
utthāpya vasudevas tu devakī ca janārdanam
doch Vasudeva und Devakī richteten Janārdana auf
smṛtajanmoktavacanau tāv eva praṇatau sthitau
die beiden, sich der bei [seiner] Geburt gesprochenen Worte erinnernd, standen ihnen verneigt gegenüber

[Anm.: Dreizeiliger Vers. Bezug auf die Prophezeiung bei Kṛṣṇas Geburt in Kap.182.]

prasīda devadeveśa devānāṃ pravara prabho / tathāvayoḥ prasādena kṛtābhyuddhāra keśava //

Vasudeva sprach: Sei gnädig, o Herr des Herrn der Götter, vorzüglichster Herr der Götter, und, o Keśava, der du durch [deine] Gnade uns beiden die Errettung bereitet hast,

Wort für Wort
prasīda devadeveśa
sei gnädig, o Herr des Herrn der Götter
devānāṃ pravara prabho
vorzüglichster Herr der Götter
tathāvayoḥ prasādena
und, durch [deine] Gnade uns beiden
kṛtābhyuddhāra keśava
der du die Errettung bereitet hast, o Keśava

ārādhito yad bhagavān avatīrṇo gṛhe mama / durvṛttanidhanārthāya tena naḥ pāvitaṃ kulam //

da der [so] verehrte Herr in mein Haus herabgestiegen ist, um den Übelgearteten zu vernichten, ist dadurch unser Geschlecht geläutert worden.

Wort für Wort
ārādhito yad bhagavān
da der [so] verehrte Herr
avatīrṇo gṛhe mama
in mein Haus herabgestiegen ist
durvṛttanidhanārthāya
um den Übelgearteten zu vernichten
tena naḥ pāvitaṃ kulam
ist dadurch unser Geschlecht geläutert worden

tvam antaḥ sarvabhūtānāṃ sarvabhūteṣv avasthitaḥ / vartate ca samastātmaṃs tvatto bhūtabhaviṣyatī //

Du bist im Innern aller Wesen, in allen Wesen gegenwärtig, und, o Selbst von allem, von dir geht das Vergangene und das Zukünftige aus.

Wort für Wort
tvam antaḥ sarvabhūtānāṃ
du bist im Innern aller Wesen
sarvabhūteṣv avasthitaḥ
in allen Wesen gegenwärtig
vartate ca samastātmaṃs
und, o Selbst von allem
tvatto bhūtabhaviṣyatī
von dir geht das Vergangene und das Zukünftige aus

yajñe tvam ijyase 'cintya sarvadevamayācyuta / tvam eva yajño yajvā ca yajñānāṃ parameśvara //

Im Opfer wirst du verehrt, o Unfassbarer, aus allen Göttern Bestehender, o Acyuta; du allein bist das Opfer und der Opfernde, der höchste Herr der Opfer.

Wort für Wort
yajñe tvam ijyase 'cintya
im Opfer wirst du verehrt, o Unfassbarer
sarvadevamayācyuta
aus allen Göttern Bestehender, o Acyuta
tvam eva yajño yajvā ca
du allein bist das Opfer und der Opfernde
yajñānāṃ parameśvara
der höchste Herr der Opfer

sāpahnavaṃ mama mano yad etat tvayi jāyate / devakyāś cātmaja prītyā tad atyantaviḍambanā //

Mein Geist, [voller] Selbsttäuschung, [denkt] aus [bloßer] Zuneigung 'du bist Devakīs Sohn' – das ist eine gänzlich verblendende Torheit [meinerseits].

Wort für Wort
sāpahnavaṃ mama mano
mein Geist, [voller] Selbsttäuschung
yad etat tvayi jāyate
dass dies über dich entsteht
devakyāś cātmaja prītyā
'[du bist] Devakīs Sohn', aus [bloßer] Zuneigung
tad atyantaviḍambanā
das ist eine gänzlich verblendende Torheit

tvaṃ kartā sarvabhūtānām anādinidhano bhavān / kva ca me mānuṣasyaiṣā jihvā putreti vakṣyati //

Du bist der Schöpfer aller Wesen, du bist ohne Anfang und Ende – und wo dürfte diese meine, eines bloßen Menschen, Zunge 'Sohn' sagen?

Wort für Wort
tvaṃ kartā sarvabhūtānām
du bist der Schöpfer aller Wesen
anādinidhano bhavān
du bist ohne Anfang und Ende
kva ca me mānuṣasyaiṣā jihvā
und wo dürfte diese meine, eines bloßen Menschen, Zunge
putreti vakṣyati
'Sohn' sagen

jagad etaj jagannātha saṃbhūtam akhilaṃ yataḥ / kayā yuktyā vinā māyāṃ so 'smattaḥ saṃbhaviṣyati //

Diese ganze Welt, o Herr der Welt, ist gänzlich aus dir entstanden – mit welcher Logik könntest du, ohne [deine] Māyā, aus uns entstanden sein?

Wort für Wort
jagad etaj jagannātha
diese Welt, o Herr der Welt
saṃbhūtam akhilaṃ yataḥ
ist gänzlich entstanden, aus dem [du bist]
kayā yuktyā vinā māyāṃ
mit welcher Logik, ohne [deine] Māyā
so 'smattaḥ saṃbhaviṣyati
könntest du aus uns entstanden sein

yasmin pratiṣṭhitaṃ sarvaṃ jagat sthāvarajaṅgamam / sa koṣṭhotsaṅgaśayano manuṣyāj jāyate katham //

Wie könnte er, in dem die ganze Welt, das Bewegliche und Unbewegliche, gegründet ist, wie in einem Mutterschoß ruhend, von einem Menschen geboren werden?

Wort für Wort
yasmin pratiṣṭhitaṃ sarvaṃ
der, in dem die ganze [Welt] gegründet ist
jagat sthāvarajaṅgamam
die Welt, das Bewegliche und Unbewegliche
sa koṣṭhotsaṅgaśayano
er, wie in einem Mutterschoß ruhend
manuṣyāj jāyate katham
wie könnte er von einem Menschen geboren werden

sa tvaṃ prasīda parameśvara pāhi viśvam / aṃśāvatārakaraṇair na mamāsi putraḥ / ābrahmapādapamayaṃ jagad īśa sarvaṃ / citte vimohayasi kiṃ parameśvarātman //

So sei gnädig, o höchster Herr, behüte das Weltall; durch [deine] Teilinkarnationen bist du nicht [wirklich] mein Sohn – die ganze Welt, von Brahmā bis herab zur Pflanze, o Herr, [bist du] – warum verwirrst du [unser] Bewusstsein, o höchstes Herren-Selbst?

Wort für Wort
sa tvaṃ prasīda parameśvara
so sei gnädig, o höchster Herr
pāhi viśvam
behüte das Weltall
aṃśāvatārakaraṇair na mamāsi putraḥ
durch [deine] Teilinkarnationen bist du nicht [wirklich] mein Sohn
ābrahmapādapamayaṃ jagad īśa sarvaṃ citte vimohayasi kiṃ parameśvarātman
die ganze Welt, von Brahmā bis zur Pflanze, [bist du]; warum verwirrst du [unser] Bewusstsein, o höchstes Herren-Selbst

māyāvimohitadṛśā tanayo mameti / kaṃsād bhayaṃ kṛtavatā tu mayātitīvram / nīto 'si gokulam arātibhayākulasya / vṛddhiṃ gato 'si mama caiva gavām adhīśa //

Von mir, dessen Blick durch [deine] Māyā getäuscht war, [gedacht als] 'mein Sohn' – von mir aber, der ich äußerste Furcht vor Kaṃsa hatte, von dem Feindesfurcht-Geplagten, wurdest du nach Gokula gebracht; dort, o Herr der Kühe, bist du bei mir wie auch dort aufgewachsen.

Wort für Wort
māyāvimohitadṛśā
von mir, dessen Blick durch [deine] Māyā getäuscht war
tanayo mameti
[gedacht als] 'mein Sohn'
kaṃsād bhayaṃ kṛtavatā tu mayātitīvram
von mir aber, der ich äußerste Furcht vor Kaṃsa hatte
nīto 'si gokulam arātibhayākulasya
wurdest du nach Gokula gebracht, von dem Feindesfurcht-Geplagten
vṛddhiṃ gato 'si mama caiva gavām adhīśa
bist du bei mir wie auch dort aufgewachsen, o Herr der Kühe

karmāṇi rudramarudaśviśatakratūnāṃ / sādhyāni yāni na bhavanti nirīkṣitāni / tvaṃ viṣṇur īśajagatām upakārahetoḥ / prāpto 'si naḥ parigataḥ paramo vimohaḥ //

Taten, die selbst Rudra, die Maruts, die Aśvins und der [Indra] der hundert Opfer nicht zu vollbringen vermögen, haben wir [von dir] gesehen – du bist Viṣṇu, der Herr der Welten, der um unseretwillen zu uns gekommen ist; [unsere] höchste Verblendung ist [nun] erkannt worden.

Wort für Wort
karmāṇi rudramarudaśviśatakratūnāṃ
Taten, die Rudra, die Maruts, die Aśvins und der [Indra] der hundert Opfer
sādhyāni yāni na bhavanti nirīkṣitāni
nicht zu vollbringen vermögen, haben wir gesehen
tvaṃ viṣṇur īśajagatām upakārahetoḥ
du bist Viṣṇu, der Herr der Welten, um unseretwillen
prāpto 'si naḥ parigataḥ paramo vimohaḥ
zu uns gekommen; [unsere] höchste Verblendung ist [nun] erkannt worden

[?] Deutung von 'parigataḥ paramo vimohaḥ' unsicher (entweder 'die Verblendung wurde [nun] erkannt/durchschaut' oder 'hat uns gänzlich ergriffen'); hier im Sinne der Erkenntnis am Ende des Hymnus gedeutet.

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