Kapitel 193: kaṃsavadho vasudevastutiś ca
Die Tötung des Kaṃsa und Vasudevas Lobpreis
Auf dem Weg begegnet Kṛṣṇa der buckligen Trivakrā/Naikavakrā und richtet sie durch seine Berührung auf. In der Bogenhalle zerbricht er den Königsbogen; im Kampfplatz tötet er den Elefanten Kuvalayāpīḍa, besiegt und tötet die Ringer Cāṇūra, Muṣṭika und Tośalaka, und schließlich Kaṃsa selbst samt dessen Bruder Sunāman. Vasudeva und Devakī erkennen Kṛṣṇas wahre Natur, und Vasudeva preist ihn in einem ausführlichen philosophischen Hymnus.
Die Bucklige sprach: Geliebter, warum kennst du mich nicht – mich, die von Kaṃsa selbst für die Aufgabe der Salbenbereitung eingesetzt wurde, bekannt als 'Naikavakrā' [die mehrfach Gekrümmte]?
Wort für Wort
kānta kasmān na jānāsi
Geliebter, warum kennst du mich nicht
kaṃsenāpi niyojitā
mich, die von Kaṃsa selbst eingesetzt wurde
naikavakreti vikhyātām
bekannt als 'Naikavakrā'
anulepanakarmaṇi
für die Aufgabe der Salbenbereitung
[Anm.: 'Naikavakrā' ('nicht einfach gekrümmt') ist der traditionelle Name/Beiname dieser Figur, andernorts auch Trivakrā genannt.]
nānyapiṣṭaṃ hi kaṃsasya prītaye hy anulepanam / bhavaty aham atīvāsya prasādadhanabhājanam //
Denn die Salbe für Kaṃsas Wohlgefallen wird nicht von einer anderen gemahlen; ich bin in besonderem Maße Empfängerin seiner Gunst und seines Reichtums.
śrutvā tam āha sā kṛṣṇaṃ gṛhyatām iti sādaram / anulepaṃ ca pradadau gātrayogyam athobhayoḥ //
Vyāsa sprach: Nachdem sie [dies] gehört hatte, sprach sie ehrerbietig zu Kṛṣṇa: 'Es werde genommen', und gab dann beiden eine ihren Körpern angemessene Salbe.
Wort für Wort
śrutvā tam āha sā kṛṣṇaṃ
nachdem sie [dies] gehört hatte, sprach sie zu Kṛṣṇa
bhakticchedānuliptāṅgau tatas tau puruṣarṣabhau / sendracāpau virājantau sitakṛṣṇāv ivāmbudau //
Ihre Glieder mit den zugeteilten Mengen gesalbt, erstrahlten jene beiden Stiere unter den Männern dann wie zwei Regenwolken, eine weiße und eine dunkle, gleichsam mit Indras Bogen [darüber].
Wort für Wort
bhakticchedānuliptāṅgau
ihre Glieder mit den zugeteilten Mengen gesalbt
tatas tau puruṣarṣabhau
erstrahlten jene beiden Stiere unter den Männern dann
Und er drückte sie mit seinen beiden Füßen nach unten, und Keśava brachte sie so zur Geradheit; da wurde sie, gerade geworden, zur Vorzüglichsten der Frauen.
Wort für Wort
cakarṣa padbhyāṃ ca tadā
und er drückte sie mit seinen beiden Füßen nach unten
bhakticchedānuliptāṅgau nīlapītāmbarāv ubhau / dhanuḥśālāṃ tato yātau citramālyopaśobhitau //
Ihre Glieder mit den zugeteilten Mengen gesalbt, beide in dunkelblaue und gelbe Gewänder [gekleidet], gingen sie darauf, mit buntem Blumenkranz geschmückt, zur Bogenhalle.
Wort für Wort
bhakticchedānuliptāṅgau
ihre Glieder mit den zugeteilten Mengen gesalbt
nīlapītāmbarāv ubhau
beide in dunkelblaue und gelbe Gewänder [gekleidet]
adhyāsya ca dhanūratnaṃ tābhyāṃ pṛṣṭais tu rakṣibhiḥ / ākhyātaṃ sahasā kṛṣṇo gṛhītvāpūrayad dhanuḥ //
Und nachdem sie sich dem Bogenjuwel genähert und die Wächter, von ihnen befragt, [Auskunft] gegeben hatten, ergriff Kṛṣṇa den Bogen sogleich und spannte ihn voll.
Wort für Wort
adhyāsya ca dhanūratnaṃ
und nachdem sie sich dem Bogenjuwel genähert hatten
tābhyāṃ pṛṣṭais tu rakṣibhiḥ
und die Wächter, von ihnen befragt
ākhyātaṃ
[Auskunft] gegeben hatten
sahasā kṛṣṇo gṛhītvāpūrayad dhanuḥ
ergriff Kṛṣṇa den Bogen sogleich und spannte ihn voll
anuyuktau tatas tau ca bhagne dhanuṣi rakṣibhiḥ / rakṣisainyaṃ nikṛtyobhau niṣkrāntau kārmukālayāt //
Als der Bogen zerbrochen war, wurden jene beiden dann von den Wächtern verfolgt; nachdem beide die Wächtertruppe niedergemacht hatten, verließen sie die Bogenhalle.
Wort für Wort
anuyuktau tatas tau ca
jene beiden wurden dann verfolgt
bhagne dhanuṣi rakṣibhiḥ
als der Bogen zerbrochen war, von den Wächtern
rakṣisainyaṃ nikṛtyobhau
nachdem beide die Wächtertruppe niedergemacht hatten
Nachdem er die Nachricht von Akrūras Ankunft erfahren und ebenso gehört hatte, dass der Bogen zerbrochen sei, sprach nun auch Kaṃsa zu Cāṇūra und Muṣṭika.
Wort für Wort
akrūrāgamavṛttāntam upalabhya
nachdem er die Nachricht von Akrūras Ankunft erfahren hatte
tathā dhanuḥ bhagnaṃ śrutvā
und ebenso gehört hatte, dass der Bogen zerbrochen sei
gopāladārakau prāptau bhavadbhyāṃ tau mamāgrataḥ / mallayuddhena hantavyau mama prāṇaharau hi tau //
Kaṃsa sprach: Die beiden Kuhhirtenknaben sind angekommen; sie sollen von euch beiden vor mich [gebracht werden] – sie sind im Ringkampf zu töten, denn jene beiden sind mir die Lebensräuber.
Wort für Wort
gopāladārakau prāptau
die beiden Kuhhirtenknaben sind angekommen
bhavadbhyāṃ tau mamāgrataḥ
sie sollen von euch beiden vor mich [gebracht werden]
Durch ihre Vernichtung im Zweikampf werde ich wahrlich von euch beiden zufriedengestellt sein; ich werde [euch] die gewünschten Wünsche gewähren – dies ist gewiss, ihr Starken.
Wort für Wort
niyuddhe tadvināśena
durch ihre Vernichtung im Zweikampf
bhavadbhyāṃ toṣito hy aham
werde ich wahrlich von euch beiden zufriedengestellt sein
ity ādiśya sa tau mallau tataś cāhūya hastipam / provācoccais tvayā mattaḥ samājadvāri kuñjaraḥ //
Vyāsa sprach: Nachdem er so jene beiden Ringer angewiesen hatte, rief er dann den Mahut herbei und sprach laut: Von dir soll der Elefant am Tor der Versammlung in Raserei versetzt werden.
Wort für Wort
ity ādiśya sa tau mallau
nachdem er so jene beiden Ringer angewiesen hatte
tataś cāhūya hastipam
rief er dann den Mahut herbei
provācoccais
und sprach laut
tvayā mattaḥ samājadvāri kuñjaraḥ
von dir soll der Elefant am Tor der Versammlung in Raserei versetzt werden
Die Gruppe der Ringkampfschiedsrichter wurde von Kaṃsa nahe der Mitte des Kampfplatzes platziert, und Kaṃsa selbst nahm auf einer erhöhten Tribüne Platz.
Wort für Wort
mallaprāśnikavargaś ca
die Gruppe der Ringkampfschiedsrichter
raṅgamadhye samīpagaḥ
nahe der Mitte des Kampfplatzes
kṛtaḥ kaṃsena
wurde von Kaṃsa platziert
kaṃso 'pi tuṅgamañce vyavasthitaḥ
und Kaṃsa selbst nahm auf einer erhöhten Tribüne Platz
Inmitten der Stadtfrauen [befand sich] Devakī, nach ihrem Sohn verlangend, [denkend] 'auch zur Stunde seines Endes werde ich das Gesicht des Sohnes sehen', so verharrte sie.
Wort für Wort
nagarīyoṣitāṃ madhye
inmitten der Stadtfrauen
devakī putragardhinī
Devakī, nach ihrem Sohn verlangend
antakāle 'pi putrasya drakṣyāmīti
'auch zur Stunde seines Endes werde ich das Gesicht des Sohnes sehen'
vādyamāneṣu tūryeṣu cāṇūre cātivalgati / hāhākārapare loka āsphoṭayati muṣṭike //
Während die Instrumente gespielt wurden und Cāṇūra übermäßig umhersprang, [während] Muṣṭika [herausfordernd die Arme] schlug, [rief] das Volk, dem Wehklagen zugeneigt.
Nachdem sie Kuvalayāpīḍa getötet hatten, der von seinem Mahut angetrieben worden war, ihre Glieder mit dessen Brunftsaft und Blut bedeckt, mit den vorzüglichen Elefantenstoßzähnen als Waffen,
Wort für Wort
hatvā kuvalayāpīḍaṃ
nachdem sie Kuvalayāpīḍa getötet hatten
hastyārohapracoditam
der von seinem Mahut angetrieben worden war
madāsṛganuliptāṅgau
ihre Glieder mit dessen Brunftsaft und Blut bedeckt
gajadantavarāyudhau
mit den vorzüglichen Elefantenstoßzähnen als Waffen
das ist er, der, [noch] als Knabe, die Schlange Kāliya bestieg und auf ihr tanzte, von dem der große Berg Govardhana sieben Nächte lang gehalten wurde;
ariṣṭo dhenukaḥ keśī līlayaiva mahātmanā / hato yena ca durvṛtto dṛśyate so 'yam acyutaḥ //
von dem Ariṣṭa, Dhenuka und Keśin, die übel Gearteten, durch bloßes Spiel getötet wurden – dieser Großgesinnte, dieser Acyuta ist es, der [hier] zu sehen ist.
ayaṃ sa kathyate prājñaiḥ purāṇārthāvalokibhiḥ / gopālo yādavaṃ vaṃśaṃ magnam abhyuddhariṣyati //
Das ist er, von dem die Weisen, die den Sinn der alten Überlieferungen erkennen, sagen, dass dieser Hirte das versunkene Geschlecht der Yadus wieder emporheben werde.
Als sie so von den Bürgern über Rāma und Kṛṣṇa beschrieben wurden, glühte in diesem Augenblick Devakīs Brust auf, ihre Brüste feucht von fließender Zuneigung.
Die Frauen sprachen: Freundinnen, seht Kṛṣṇas Antlitz, das lotusäugige, bedeckt mit Tröpfchen von Schweißwasser aus der Anstrengung des Elefantenkampfes,
wie ein aufblühender Lotos im Teich, benetzt mit Tauwasser – lasst unsere Geburt, jeden [gewöhnlichen] Lohn übertreffend, für unsere Augen fruchtbar werden!
Wort für Wort
vikāsīva sarombhojam
wie ein aufblühender Lotos im Teich
avaśyāyajalokṣitam
benetzt mit Tauwasser
paribhūtākṣaraṃ janma
unsere Geburt, jeden [gewöhnlichen] Lohn übertreffend
saphalaṃ kriyatāṃ dṛśaḥ
lasst sie für unsere Augen fruchtbar werden
[?] Bedeutung von 'paribhūtākṣaraṃ janma' unsicher, sinngemäß als Steigerung übersetzt.
Diese beiden Anmutigen, kaum in die Jugend eingetreten, stehen auf dem Kampfplatz, während die Dämonenringer, angeführt von Cāṇūra, überaus furchterregend sind.
Vyāsa sprach: So, während die Welt der Stadtfrauen sprach und dabei die Erde erschütterte, ließ der erhabene Hari übergroße Freude auf das Volk niederregnen.
Wort für Wort
itthaṃ purastrīlokasya vadataś
so, während die Welt der Stadtfrauen sprach
cālayan bhuvam
und dabei die Erde erschütterte
vavarṣa harṣotkarṣaṃ ca janasya
ließ er übergroße Freude auf das Volk niederregnen
balabhadro 'pi cāsphoṭya vavalga lalitaṃ yadā / pade pade tadā bhūmir na śīrṇā yat tad adbhutam //
Und als auch Balabhadra, [herausfordernd die Arme] schlagend, anmutig umhersprang, war es ein Wunder, dass die Erde bei jedem seiner Schritte nicht zerbarst.
Wort für Wort
balabhadro 'pi cāsphoṭya
und als auch Balabhadra, [herausfordernd die Arme] schlagend
vavalga lalitaṃ yadā
anmutig umhersprang
pade pade tadā bhūmir na śīrṇā
dass die Erde bei jedem seiner Schritte nicht zerbarst
Mit Schlägen aus [wuchtigem] Zusammenprall, mit Würfen und Fäusten, mit wie Nägel und Donnerkeile niederfahrenden [Hieben], kämpfte Hari zusammen mit Cāṇūra,
Wort für Wort
saṃnipātāvadhūtaiś ca
mit Schlägen aus [wuchtigem] Zusammenprall
cāṇūreṇa samaṃ hariḥ
kämpfte Hari zusammen mit Cāṇūra
kṣepaṇair muṣṭibhiś caiva
mit Würfen und Fäusten
kīlāvajranipātanaiḥ
mit wie Nägel und Donnerkeile niederfahrenden [Hieben]
mit von den Füßen ausgehenden, reibenden [Tritten] – ein großer Kampf entstand zwischen den beiden; waffenlos, überaus schrecklich war jener Kampf der beiden, äußerst furchtbar.
Wort für Wort
pādodbhūtaiḥ pramṛṣṭābhis
mit von den Füßen ausgehenden, reibenden [Tritten]
prāṇahānim avāpāgryāṃ tāvat tāvan na bāndhavam / kṛṣṇo 'pi yuyudhe tena līlayaiva jaganmayaḥ //
desto größeren Verlust an Lebenskraft erlitt er, ohne jeglichen Beistand; Kṛṣṇa aber, der das ganze Weltall in sich ist, kämpfte mit ihm nur zum Spiel.
Wort für Wort
prāṇahānim avāpāgryāṃ
desto größeren Verlust an Lebenskraft erlitt er
tāvat tāvan na bāndhavam
ohne jeglichen Beistand zu erlangen
kṛṣṇo 'pi yuyudhe tena
Kṛṣṇa aber kämpfte mit ihm
līlayaiva jaganmayaḥ
nur zum Spiel, er, der das ganze Weltall in sich ist
[?] Konstruktion 'na bāndhavam' unsicher; sinngemäß als 'ohne Beistand/Hilfe zu erlangen' gedeutet.
khedāc cālayatā kopān nijaśeṣakare karam / balakṣayaṃ vivṛddhiṃ ca dṛṣṭvā cāṇūrakṛṣṇayoḥ //
Aus Bedrängnis seine Hand auf die andere Hand legend, vor Zorn zitternd, als er die schwindende und die wachsende Kraft Cāṇūras und Kṛṣṇas gesehen hatte,
Wort für Wort
khedāc cālayatā kopān
aus Bedrängnis, vor Zorn zitternd
nijaśeṣakare karam
seine Hand auf die andere Hand legend
balakṣayaṃ vivṛddhiṃ ca dṛṣṭvā
als er die schwindende und die wachsende Kraft gesehen hatte
Kaṃsa sprach: Diese beiden Kuhhirten sollen mit Gewalt aus dieser Versammlung vertrieben werden; auch der verruchte Nanda soll ergriffen und rasch in Fesseln gelegt werden,
[Eine Furche] wurde von Kaṃsas Leib gebildet, durch den Großgesinnten mit Wucht [gezogen]; als Kaṃsa von Kṛṣṇa ergriffen worden war, kam dessen Bruder wütend herbei,
devakyāś ca mahābāhur baladevasahāyavān / utthāpya vasudevas tu devakī ca janārdanam / smṛtajanmoktavacanau tāv eva praṇatau sthitau //
und der Mächtigarmige [ergriff], begleitet von Baladeva, [auch] Devakīs [Füße]; doch Vasudeva richtete [ihn] auf, und Devakī [richtete] Janārdana [auf]; die beiden [Eltern], sich der bei [seiner] Geburt gesprochenen Worte erinnernd, standen ihnen verneigt gegenüber.
Wort für Wort
devakyāś ca mahābāhur
und der Mächtigarmige [ergriff auch] Devakīs [Füße]
baladevasahāyavān
begleitet von Baladeva
utthāpya vasudevas tu devakī ca janārdanam
doch Vasudeva und Devakī richteten Janārdana auf
smṛtajanmoktavacanau tāv eva praṇatau sthitau
die beiden, sich der bei [seiner] Geburt gesprochenen Worte erinnernd, standen ihnen verneigt gegenüber
[Anm.: Dreizeiliger Vers. Bezug auf die Prophezeiung bei Kṛṣṇas Geburt in Kap.182.]
Vasudeva sprach: Sei gnädig, o Herr des Herrn der Götter, vorzüglichster Herr der Götter, und, o Keśava, der du durch [deine] Gnade uns beiden die Errettung bereitet hast,
yajñe tvam ijyase 'cintya sarvadevamayācyuta / tvam eva yajño yajvā ca yajñānāṃ parameśvara //
Im Opfer wirst du verehrt, o Unfassbarer, aus allen Göttern Bestehender, o Acyuta; du allein bist das Opfer und der Opfernde, der höchste Herr der Opfer.
sāpahnavaṃ mama mano yad etat tvayi jāyate / devakyāś cātmaja prītyā tad atyantaviḍambanā //
Mein Geist, [voller] Selbsttäuschung, [denkt] aus [bloßer] Zuneigung 'du bist Devakīs Sohn' – das ist eine gänzlich verblendende Torheit [meinerseits].
Wie könnte er, in dem die ganze Welt, das Bewegliche und Unbewegliche, gegründet ist, wie in einem Mutterschoß ruhend, von einem Menschen geboren werden?
So sei gnädig, o höchster Herr, behüte das Weltall; durch [deine] Teilinkarnationen bist du nicht [wirklich] mein Sohn – die ganze Welt, von Brahmā bis herab zur Pflanze, o Herr, [bist du] – warum verwirrst du [unser] Bewusstsein, o höchstes Herren-Selbst?
Wort für Wort
sa tvaṃ prasīda parameśvara
so sei gnädig, o höchster Herr
pāhi viśvam
behüte das Weltall
aṃśāvatārakaraṇair na mamāsi putraḥ
durch [deine] Teilinkarnationen bist du nicht [wirklich] mein Sohn
Von mir, dessen Blick durch [deine] Māyā getäuscht war, [gedacht als] 'mein Sohn' – von mir aber, der ich äußerste Furcht vor Kaṃsa hatte, von dem Feindesfurcht-Geplagten, wurdest du nach Gokula gebracht; dort, o Herr der Kühe, bist du bei mir wie auch dort aufgewachsen.
Wort für Wort
māyāvimohitadṛśā
von mir, dessen Blick durch [deine] Māyā getäuscht war
tanayo mameti
[gedacht als] 'mein Sohn'
kaṃsād bhayaṃ kṛtavatā tu mayātitīvram
von mir aber, der ich äußerste Furcht vor Kaṃsa hatte
nīto 'si gokulam arātibhayākulasya
wurdest du nach Gokula gebracht, von dem Feindesfurcht-Geplagten
vṛddhiṃ gato 'si mama caiva gavām adhīśa
bist du bei mir wie auch dort aufgewachsen, o Herr der Kühe
Taten, die selbst Rudra, die Maruts, die Aśvins und der [Indra] der hundert Opfer nicht zu vollbringen vermögen, haben wir [von dir] gesehen – du bist Viṣṇu, der Herr der Welten, der um unseretwillen zu uns gekommen ist; [unsere] höchste Verblendung ist [nun] erkannt worden.
Wort für Wort
karmāṇi rudramarudaśviśatakratūnāṃ
Taten, die Rudra, die Maruts, die Aśvins und der [Indra] der hundert Opfer
sādhyāni yāni na bhavanti nirīkṣitāni
nicht zu vollbringen vermögen, haben wir gesehen
tvaṃ viṣṇur īśajagatām upakārahetoḥ
du bist Viṣṇu, der Herr der Welten, um unseretwillen
prāpto 'si naḥ parigataḥ paramo vimohaḥ
zu uns gekommen; [unsere] höchste Verblendung ist [nun] erkannt worden
[?] Deutung von 'parigataḥ paramo vimohaḥ' unsicher (entweder 'die Verblendung wurde [nun] erkannt/durchschaut' oder 'hat uns gänzlich ergriffen'); hier im Sinne der Erkenntnis am Ende des Hymnus gedeutet.