Kapitel 169: bhillatīrthamāhātmyavarṇanam
Die Größe des Bhilla-Tīrtha (Der hingebungsvolle Jäger, der Brahmane Veda und Śivas Prüfung)
Am Śiva-Liṅga Ādikeśa verehrt der Brahmane Veda den Gott täglich mit vorschriftsmäßigem Ritual, während ein einfacher Jäger (Bhilla) denselben Gott aus reiner Hingabe mit Fleisch, Wasser aus dem Mund und wahllos gepflückten Blättern verehrt und dabei sogar die rituell korrekte Verehrung Vedas verunreinigt. Śiva ist mit dem Jäger zufriedener als mit Veda, was diesen mit Eifersucht erfüllt; er beschließt, den Jäger mit einem herabfallenden Stein zu bestrafen, wird aber von Śiva selbst vertröstet. Am nächsten Tag erblickt Veda das Liṅga blutend und verwundet und erkennt, dass der Jäger sich beim Anblick dieser Wunde aus Verzweiflung selbst mit Pfeilen durchbohrt hat. Śiva erklärt, dass ihm Hingabe mehr gilt als äußere Korrektheit, und gewährt dem Jäger zuerst einen Wunsch: das nach ihm benannte Bhilla-Tīrtha, das allein durch Erinnerung die Frucht aller Opfer gewährt. Auch Veda erhält zahlreiche Gaben.
nahm er Wasser in den Mund, um es dem Dreizackträger als Abwaschung zu spenden, legte das Fleisch auf die Spitze seines Bogens und kam, erschöpft, zum Herrn Śiva –
Wort für Wort
mukhe gṛhītvā pānīyam abhiṣekāya śūlinaḥ
nahm er Wasser in den Mund, um es dem Dreizackträger als Abwaschung zu spenden
Zu Ādikeśa herangetreten, dem zuvor von Veda kraftvoll verehrten (Liṅga), stieß er mit dem Fuß jene frühere Verehrung fort und übergoss ihn mit dem im Mund mitgebrachten Wasser,
Wort für Wort
ādikeśaṃ samāgatya vedenārcitam ojasā
zu Ādikeśa herangetreten, dem zuvor von Veda kraftvoll verehrten (Liṅga)
pādenāhatya tāṃ pūjāṃ mukhānītena vāriṇā
stieß er mit dem Fuß jene frühere Verehrung fort und (übergoss ihn) mit dem im Mund mitgebrachten Wasser
naiva kiṃcit sa jānāti śivabhaktiṃ vinā śubhām / tato yāti svakaṃ sthānaṃ māṃsena tu yathāgatam //
Er weiß nichts anderes außer der heilvollen Hingabe an Śiva; danach geht er, mit dem übrigen Fleisch, zu seinem eigenen Ort zurück, so wie er gekommen war.
Wort für Wort
naiva kiṃcit sa jānāti śivabhaktiṃ vinā śubhām
er weiß nichts anderes außer der heilvollen Hingabe an Śiva
tato yāti svakaṃ sthānaṃ māṃsena tu yathāgatam
danach geht er, mit dem übrigen Fleisch, zu seinem eigenen Ort zurück, so wie er gekommen war
yāvan nāyāty asau bhillaḥ śivas tāvan na saukhyabhāk / bhaktānukampitāṃ śaṃbhor mānātītāṃ tu vetti kaḥ //
Solange jener Bhilla nicht kommt, ist Śiva nicht des Wohlbefindens teilhaftig; wer aber kennt das alles Maß übersteigende Mitgefühl Śambhus für seine Verehrer?
Wort für Wort
yāvan nāyāty asau bhillaḥ śivas tāvan na saukhyabhāk
solange jener Bhilla nicht kommt, ist Śiva nicht des Wohlbefindens teilhaftig
bhaktānukampitāṃ śaṃbhor mānātītāṃ tu vetti kaḥ
wer aber kennt das alles Maß übersteigende Mitgefühl Śambhus für seine Verehrer
pūjāṃ mantravatīṃ citrāṃ śivabhaktisamanvitām / ko nu vidhvaṃsate pāpo mattaḥ sa vadham āpnuyāt //
und dachte: ,Wer zerstört denn meine mit Mantras versehene, wunderbare, mit Śiva-Hingabe verbundene Verehrung, dieser Sünder? Von mir soll er den Tod erlangen.'
Wort für Wort
pūjāṃ mantravatīṃ citrāṃ śivabhaktisamanvitām
meine mit Mantras versehene, wunderbare, mit Śiva-Hingabe verbundene Verehrung
ko nu vidhvaṃsate pāpo mattaḥ sa vadham āpnuyāt
wer zerstört sie, dieser Sünder? Von mir soll er den Tod erlangen
Wer dem Lehrer, den Göttern, Brahmanen und seinem Herrn Verrat übt, ist selbst für einen Muni des Todes würdig; erst recht ist der Mensch, der an Śiva Verrat übt, aller Tötung würdig.
Wort für Wort
gurudevadvijasvāmi-drohī vadhyo muner api
wer dem Lehrer, den Göttern, Brahmanen und seinem Herrn Verrat übt, ist selbst für einen Muni des Todes würdig
sarvasyāpi vadhārho 'sau śivasya drohakṛn naraḥ
erst recht ist der Mensch, der an Śiva Verrat übt, aller Tötung würdig
puṣpair vanyabhavair divyaiḥ kandair mūlaphalaiḥ śubhaiḥ / kṛtāṃ pūjāṃ sa vidhvasya hy anyāṃ pūjāṃ karoti yaḥ //
Wer die mit himmlischen, wild gewachsenen Blumen, mit Wurzelknollen und heilvollen Wurzelfrüchten vollzogene Verehrung zerstört und eine andere Verehrung vollzieht –
Ādikeśa sprach: He, he, Jäger, du Kluger, immer wieder (denke ich): ,Bist du erschöpft?' Warum kommst du erst nach so langer Zeit? Ohne dich, mein Kind, war ich betrübt, ich fand keinerlei Glück; beruhige dich, mein Söhnchen.
vyādhaś ca nityavat pūjāṃ kṛtvā svabhavanaṃ yayau / vedaś ca kupito bhūtvā āgatyeśam uvāca ha //
Der Jäger aber, nachdem er wie gewohnt die Verehrung vollzogen hatte, ging zu seiner eigenen Wohnstatt; Veda, zornig geworden, kam herbei und sprach zum Herrn:
Wort für Wort
vyādhaś ca nityavat pūjāṃ kṛtvā svabhavanaṃ yayau
der Jäger aber, nachdem er wie gewohnt die Verehrung vollzogen hatte, ging zu seiner eigenen Wohnstatt
vedaś ca kupito bhūtvā āgatyeśam uvāca ha
Veda, zornig geworden, kam herbei und sprach zum Herrn
Veda sprach: Dieser Jäger ist der Sünde ergeben, ohne rechtes Wissen um die Opferhandlung; er ist dem Töten von Lebewesen zugetan, grausam, mitleidlos gegenüber allen Geschöpfen,
Wort für Wort
ayaṃ vyādhaḥ pāparataḥ kriyājñānavivarjitaḥ
dieser Jäger ist der Sünde ergeben, ohne rechtes Wissen um die Opferhandlung
prāṇihiṃsārataḥ krūro nirdayaḥ sarvajantuṣu
er ist dem Töten von Lebewesen zugetan, grausam, mitleidlos gegenüber allen Geschöpfen
von niedriger Geburt, ohne jegliches Wissen, ohne die rechte Ordnung des Lehrers; er handelt beständig ungehörig und hat [?] all seine Sinne (,Rinderherden') nicht bezwungen.
Wort für Wort
hīnajātir akiṃcijjño gurukramavivarjitaḥ
von niedriger Geburt, ohne jegliches Wissen, ohne die rechte Ordnung des Lehrers
sadānucitakārī cānirjitākhilagogaṇaḥ
er handelt beständig ungehörig und hat all seine (Sinnes-)Rinderherden nicht bezwungen
[?: ,anirjitākhilagogaṇaḥ' (,dessen gesamte Rinderherde unbezwungen ist') ist wörtlich unklar in Bezug auf einen Jäger; möglicherweise bildlich für ungezügelte Sinne/Triebe gemeint.]
Ihm hast du dich selbst gezeigt, mir aber sagst du nichts! Ich vollziehe doch die Verehrung nach der Mantra-Vorschrift, mit gezügeltem Gelübde, o Herr –
Wort für Wort
tasyātmānaṃ darśitavān na māṃ kiṃcana vakṣyasi
ihm hast du dich selbst gezeigt, mir aber sagst du nichts
pūjāṃ mantravidhānena karomīśa yatavrataḥ
ich vollziehe doch die Verehrung nach der Mantra-Vorschrift, mit gezügeltem Gelübde, o Herr
Manch einer mag mit einem Sanftmütigen zufrieden sein, manch einer ebenso mit einem Bösgesinnten; darum werde ich zweifellos einen Stein auf sein Haupt fallen lassen.
Wort für Wort
mṛdoḥ kopi bhavet prītaḥ kopi tadvad durātmanaḥ
manch einer mag mit einem Sanftmütigen zufrieden sein, manch einer ebenso mit einem Bösgesinnten
tasmād ahaṃ mūrdhni śilāṃ pātayeyam asaṃśayam
darum werde ich zweifellos einen Stein auf sein Haupt fallen lassen
– denn wer von edler Gesinnung könnte das Leiden seines Herrn ertragen? – und tadelte sich selbst wieder und wieder: ,Während ich noch lebte, geschah dies!'
Wort für Wort
svāmino vaikṛtaṃ dṛṣṭvā kaḥ kṣametottamāśayaḥ
denn wer von edler Gesinnung könnte das Leiden seines Herrn ertragen
muhur nininda cātmānaṃ mayi jīvaty abhūd idam
und tadelte sich selbst wieder und wieder: während ich noch lebte, geschah dies
O welch grausames Leid ist widerfahren, durch das Unglück des bösen Geschicks!' Dieses sein Tun betrachtend, war Mahādeva überaus erstaunt; darauf sprach der erhabene Gott zu Veda, dem Vortrefflichsten der Vedakundigen:
Wort für Wort
kaṣṭam āpatitaṃ kīdṛg aho durvidhivaiśasāt
o welch grausames Leid ist widerfahren, durch das Unglück des bösen Geschicks
tat karma tasya saṃvīkṣya mahādevo 'tivismitaḥ
dieses sein Tun betrachtend, war Mahādeva überaus erstaunt
tataḥ provāca bhagavān vedaṃ vedavidāṃ varam
darauf sprach der erhabene Gott zu Veda, dem Vortrefflichsten der Vedakundigen
{ādikeśa uvāca:} paśya vyādhaṃ mahābuddhe bhaktaṃ bhāvena saṃyutam / tvaṃ tu mṛdbhiḥ kuśair vārbhir mūrdhānaṃ spṛṣṭavān asi //
Ādikeśa sprach: Sieh den Jäger, du Kluger, einen mit rechter Gesinnung ausgestatteten Verehrer; du aber hast mein Haupt nur mit Lehm, Kuśagras und Wasser berührt.
Wort für Wort
paśya vyādhaṃ mahābuddhe bhaktaṃ bhāvena saṃyutam
sieh den Jäger, du Kluger, einen mit rechter Gesinnung ausgestatteten Verehrer
tvaṃ tu mṛdbhiḥ kuśair vārbhir mūrdhānaṃ spṛṣṭavān asi
du aber hast mein Haupt nur mit Lehm, Kuśagras und Wasser berührt
Diesem hier habe ich sogleich, o Brahmane, sogar mein eigenes Selbst dargeboten; wo Hingabe, Liebe oder innere Kraft vorhanden ist – nicht bloßes äußeres Überlegen – darum werde ich diesem zuerst Wünsche gewähren, danach dir, o vortrefflichster Brahmane.
Wort für Wort
anena sahasā brahman mamātmāpi niveditaḥ
diesem hier habe ich sogleich, o Brahmane, sogar mein eigenes Selbst dargeboten
bhaktiḥ premāthavā śaktir vicāro yatra vidyate
wo Hingabe, Liebe oder innere Kraft vorhanden ist – nicht bloßes äußeres Überlegen
Brahmā sprach: Der Gott Maheśvara ließ den Jäger einen Wunsch wählen; der Jäger sprach zum Götterherrn: ,Was auch immer von dir übrigbleibende Opferreste sein mögen –
Wort für Wort
vareṇa cchandayām āsa vyādhaṃ devo maheśvaraḥ
der Gott Maheśvara ließ den Jäger einen Wunsch wählen
vyādhaḥ provāca deveśaṃ nirmālyaṃ tava yad bhavet
der Jäger sprach zum Götterherrn: was auch immer von dir übrigbleibende Opferreste sein mögen
tad asmākaṃ bhaven nātha mannāmnā tīrtham ucyatām / sarvakratuphalaṃ tīrthaṃ smaraṇād eva jāyatām //
– das möge uns gehören, o Herr; ein Tīrtha möge nach meinem Namen benannt werden; ein Tīrtha, das die Frucht aller Opfer gewährt, möge allein durch Erinnerung entstehen.'
Wort für Wort
tad asmākaṃ bhaven nātha mannāmnā tīrtham ucyatām
das möge uns gehören, o Herr; ein Tīrtha möge nach meinem Namen benannt werden
sarvakratuphalaṃ tīrthaṃ smaraṇād eva jāyatām
ein Tīrtha, das die Frucht aller Opfer gewährt, möge allein durch Erinnerung entstehen
Brahmā sprach: ,So sei es', sprach der Götterherr; darauf entstand jenes vortreffliche Tīrtha, das Bhilla-Tīrtha, das die Ursache der Zerschneidung aller Sündenmassen ist,
Wort für Wort
tathety uvāca deveśas tatas tat tīrtham uttamam
so sei es, sprach der Götterherr; darauf entstand jenes vortreffliche Tīrtha
bhillatīrthaṃ samastāgha-saṃghavicchedakāraṇam
das Bhilla-Tīrtha, das die Ursache der Zerschneidung aller Sündenmassen ist
das große Hingabe zu den Füßen des erhabenen Mahādeva verleiht; es wurde durch Bad, Gabe und dergleichen zu einem Gewährer von Genuss und Erlösung. Auch dem Veda gewährte Śiva viele mannigfache Wünsche.
Wort für Wort
śrīmahādevacaraṇa-mahābhaktividhāyakam
das große Hingabe zu den Füßen des erhabenen Mahādeva verleiht
abhavat snānadānādyair bhuktimuktipradāyakam
es wurde durch Bad, Gabe und dergleichen zu einem Gewährer von Genuss und Erlösung
vedasyāpi varān prādāc chivo nānāvidhān bahūn
auch dem Veda gewährte Śiva viele mannigfache Wünsche