Quellen der Menschheit

Brahma-Purāṇa

Kapitel 232: trividhapratisaṃcaravarṇanaṃ naimittikapralayavarṇanaṃ ca Die Darlegung der dreifachen Weltauflösung und der Naimittika-Pralaya (durch Feuer und Flut)

{vyāsa uvāca:} sarveṣām eva bhūtānāṃ trividhaḥ pratisaṃcaraḥ / naimittikaḥ prākṛtikas tathaivātyantiko mataḥ //

Vyāsa sprach: 'Für alle Wesen gibt es eine dreifache Auflösung (Pratisaṃcara): die durch einen Anlass bedingte (Naimittika), die elementare (Prākṛtika), und ebenso die endgültige (Ātyantika), so gilt es.'

Wort für Wort
{vyāsa uvāca:} sarveṣām eva bhūtānāṃ trividhaḥ pratisaṃcaraḥ /
Vyāsa sprach: 'Für alle Wesen gibt es eine dreifache Auflösung:'
naimittikaḥ prākṛtikas tathaivātyantiko mataḥ //
'die durch einen Anlass bedingte, die elementare, und ebenso die endgültige, so gilt es.'

brāhmo naimittikas teṣāṃ kalpānte pratisaṃcaraḥ / ātyantiko vai mokṣaś ca prākṛto dviparārdhikaḥ //

'Die Brahmā-(Auflösung) ist unter ihnen die Naimittika, die Auflösung am Ende eines Kalpa; die Ātyantika ist die Erlösung (Mokṣa); und die Prākṛtika (geschieht) nach zwei Parārdhas.'

Wort für Wort
brāhmo naimittikas teṣāṃ kalpānte pratisaṃcaraḥ /
'Die Brahmā-Auflösung ist unter ihnen die Naimittika, die Auflösung am Ende eines Kalpa;'
ātyantiko vai mokṣaś ca prākṛto dviparārdhikaḥ //
'die Ātyantika ist die Erlösung; und die Prākṛtika geschieht nach zwei Parārdhas.'

{munaya ūcuḥ:} parārdhasaṃkhyāṃ bhagavaṃs tvam ācakṣva yathoditām / dviguṇīkṛtayajjñeyaḥ prākṛtaḥ pratisaṃcaraḥ //

Die Munis sprachen: 'Verkünde uns, o Herr, die Zahl eines Parārdha, so wie sie überliefert ist, wodurch verdoppelt die Prākṛtika-Auflösung zu erkennen ist.'

Wort für Wort
{munaya ūcuḥ:} parārdhasaṃkhyāṃ bhagavaṃs tvam ācakṣva yathoditām /
Die Munis sprachen: 'Verkünde uns, o Herr, die Zahl eines Parārdha, so wie sie überliefert ist,'
dviguṇīkṛtayajjñeyaḥ prākṛtaḥ pratisaṃcaraḥ //
'wodurch verdoppelt die Prākṛtika-Auflösung zu erkennen ist.'

{vyāsa uvāca:} sthānāt sthānaṃ daśaguṇam ekaikaṃ gaṇyate dvijāḥ / tato 'ṣṭādaśame bhāge parārdham abhidhīyate //

Vyāsa sprach: 'Von Stelle zu Stelle wird jede einzelne (Zehnerstelle) zehnfach gezählt, o Zweifachgeborene; an der achtzehnten Stelle dann wird es 'Parārdha' genannt.'

Wort für Wort
{vyāsa uvāca:} sthānāt sthānaṃ daśaguṇam ekaikaṃ gaṇyate dvijāḥ /
Vyāsa sprach: 'Von Stelle zu Stelle wird jede einzelne Zehnerstelle zehnfach gezählt, o Zweifachgeborene;'
tato 'ṣṭādaśame bhāge parārdham abhidhīyate //
'an der achtzehnten Stelle dann wird es Parārdha genannt.'

parārdhaṃ dviguṇaṃ yat tu prākṛtaḥ sa layo dvijāḥ / tadāvyakte 'khilaṃ vyaktaṃ sahetau layam eti vai //

'Ein Parārdha verdoppelt — das ist die Prākṛtika-Auflösung, o Zweifachgeborene; dann geht alles Manifeste, mit seiner Ursache zusammen, in das Unmanifeste ein.'

Wort für Wort
parārdhaṃ dviguṇaṃ yat tu prākṛtaḥ sa layo dvijāḥ /
'Ein Parārdha verdoppelt — das ist die Prākṛtika-Auflösung, o Zweifachgeborene;'
tadāvyakte 'khilaṃ vyaktaṃ sahetau layam eti vai //
'dann geht alles Manifeste, mit seiner Ursache zusammen, in das Unmanifeste ein.'

nimeṣo mānuṣo yo 'yaṃ mātrāmātrapramāṇataḥ / taiḥ pañcadaśabhiḥ kāṣṭhā triṃśat kāṣṭhās tathā kalā //

'Dieser menschliche Augenblick (Nimeṣa), gemessen nach der Dauer einer kurzen Silbe (Mātrā) — aus fünfzehn davon (besteht) eine Kāṣṭhā, und dreißig Kāṣṭhās ergeben ebenso eine Kalā.'

Wort für Wort
nimeṣo mānuṣo yo 'yaṃ mātrāmātrapramāṇataḥ /
'Dieser menschliche Augenblick, gemessen nach der Dauer einer kurzen Silbe —'
taiḥ pañcadaśabhiḥ kāṣṭhā triṃśat kāṣṭhās tathā kalā //
'aus fünfzehn davon besteht eine Kāṣṭhā, und dreißig Kāṣṭhās ergeben ebenso eine Kalā.'

nāḍikā tu pramāṇena kalā ca daśa pañca ca / unmānenāmbhasaḥ sā tu palāny ardhatrayodaśa //

'Eine Nāḍikā aber ist, dem Maße nach, fünfzehn Kalās; nach dem Gewichtsmaß des Wassers aber (entspricht) sie zwölfeinhalb Palas.'

Wort für Wort
nāḍikā tu pramāṇena kalā ca daśa pañca ca /
'Eine Nāḍikā aber ist, dem Maße nach, fünfzehn Kalās;'
unmānenāmbhasaḥ sā tu palāny ardhatrayodaśa //
'nach dem Gewichtsmaß des Wassers aber entspricht sie zwölfeinhalb Palas.'

hemamāṣaiḥ kṛtacchidrā caturbhiś caturaṅgulaiḥ / māgadhena pramāṇena jalaprasthas tu sa smṛtaḥ //

'(Ein Gefäß,) durchbohrt mit vier fingerbreiten Löchern von je vier Goldmāṣa (Gewicht) — nach māgadhischem Maß wird jenes als 'Wasser-Prastha' überliefert.'

Wort für Wort
hemamāṣaiḥ kṛtacchidrā caturbhiś caturaṅgulaiḥ /
'Ein Gefäß, durchbohrt mit vier fingerbreiten Löchern von je vier Goldmāṣa Gewicht —'
māgadhena pramāṇena jalaprasthas tu sa smṛtaḥ //
'nach māgadhischem Maß wird jenes als Wasser-Prastha überliefert.'

[Anm.] Beschreibung des Wasseruhr-Mechanismus (Ghaṭikā) zur Zeitmessung.

nāḍikābhyām atha dvābhyāṃ muhūrto dvijasattamāḥ / ahorātraṃ muhūrtās tu triṃśan māso dinais tathā //

'Aus zwei Nāḍikās besteht dann ein Muhūrta, o Beste der Zweifachgeborenen; dreißig Muhūrtas aber ergeben einen Tag und eine Nacht, und (dreißig) Tage ebenso einen Monat.'

Wort für Wort
nāḍikābhyām atha dvābhyāṃ muhūrto dvijasattamāḥ /
'Aus zwei Nāḍikās besteht dann ein Muhūrta, o Beste der Zweifachgeborenen;'
ahorātraṃ muhūrtās tu triṃśan māso dinais tathā //
'dreißig Muhūrtas ergeben einen Tag und eine Nacht, und dreißig Tage ebenso einen Monat.'

māsair dvādaśabhir varṣam ahorātraṃ tu tad divi / tribhir varṣaśatair varṣaṃ ṣaṣṭyā caivāsuradviṣām //

'Aus zwölf Monaten besteht ein (Menschen-)Jahr; dieses aber ist ein Tag und eine Nacht im Himmel; dreihundertundsechzig (solcher Jahre) ergeben ein Jahr der Asura-Feinde (der Götter).'

Wort für Wort
māsair dvādaśabhir varṣam ahorātraṃ tu tad divi /
'Aus zwölf Monaten besteht ein Menschenjahr; dieses aber ist ein Tag und eine Nacht im Himmel;'
tribhir varṣaśatair varṣaṃ ṣaṣṭyā caivāsuradviṣām //
'dreihundertundsechzig solcher Jahre ergeben ein Jahr der Asura-Feinde, der Götter.'

tais tu dvādaśasāhasraiś caturyugam udāhṛtam / caturyugasahasraṃ tu kathyate brahmaṇo dinam //

'Durch zwölftausend von diesen (Götterjahren) wird ein Caturyuga (Vierzeitalter) bezeichnet; tausend Caturyugas aber werden als ein Tag Brahmās bezeichnet.'

Wort für Wort
tais tu dvādaśasāhasraiś caturyugam udāhṛtam /
'Durch zwölftausend von diesen Götterjahren wird ein Caturyuga bezeichnet;'
caturyugasahasraṃ tu kathyate brahmaṇo dinam //
'tausend Caturyugas aber werden als ein Tag Brahmās bezeichnet.'

sa kalpas tatra manavaś caturdaśa dvijottamāḥ / tadante caiva bho viprā brahmanaimittiko layaḥ //

'Das ist ein Kalpa; darin (gibt es) vierzehn Manus, o Beste der Zweifachgeborenen; und an dessen Ende, o Brahmanen, (geschieht) die Brahmā-Naimittika-Auflösung.'

Wort für Wort
sa kalpas tatra manavaś caturdaśa dvijottamāḥ /
'Das ist ein Kalpa; darin gibt es vierzehn Manus, o Beste der Zweifachgeborenen;'
tadante caiva bho viprā brahmanaimittiko layaḥ //
'und an dessen Ende, o Brahmanen, geschieht die Brahmā-Naimittika-Auflösung.'

tasya svarūpam atyugraṃ dvijendrā gadato mama / śṛṇudhvaṃ prākṛtaṃ bhūyas tato vakṣyāmy ahaṃ layam //

'Hört das überaus schreckliche Wesen jener (Auflösung), wie ich es erzähle, o Fürsten der Zweifachgeborenen; danach werde ich abermals die Prākṛtika-Auflösung darlegen.'

Wort für Wort
tasya svarūpam atyugraṃ dvijendrā gadato mama /
'Hört das überaus schreckliche Wesen jener Auflösung, wie ich es erzähle, o Fürsten der Zweifachgeborenen;'
śṛṇudhvaṃ prākṛtaṃ bhūyas tato vakṣyāmy ahaṃ layam //
'danach werde ich abermals die Prākṛtika-Auflösung darlegen.'

caturyugasahasrānte kṣīṇaprāye mahītale / anāvṛṣṭir atīvogrā jāyate śatavārṣikī //

'Am Ende von tausend Caturyugas, wenn die Erde fast erschöpft ist, entsteht eine überaus schreckliche, hundertjährige Dürre.'

Wort für Wort
caturyugasahasrānte kṣīṇaprāye mahītale /
'Am Ende von tausend Caturyugas, wenn die Erde fast erschöpft ist,'
anāvṛṣṭir atīvogrā jāyate śatavārṣikī //
'entsteht eine überaus schreckliche, hundertjährige Dürre.'

tato yāny alpasārāṇi tāni sattvāny anekaśaḥ / kṣayaṃ yānti muniśreṣṭhāḥ pārthivāny atipīḍanāt //

'Da gehen jene Lebewesen von geringer Substanz, die irdischen, in großer Zahl durch übermäßige Bedrängnis zugrunde, o Beste der Munis.'

Wort für Wort
tato yāny alpasārāṇi tāni sattvāny anekaśaḥ /
'Da gehen jene Lebewesen von geringer Substanz in großer Zahl'
kṣayaṃ yānti muniśreṣṭhāḥ pārthivāny atipīḍanāt //
'die irdischen, durch übermäßige Bedrängnis zugrunde, o Beste der Munis.'

tataḥ sa bhagavān kṛṣṇo rudrarūpī tathāvyayaḥ / kṣayāya yatate kartum ātmasthāḥ sakalāḥ prajāḥ //

'Dann bemüht sich der ehrwürdige Kṛṣṇa, in Rudra-Gestalt, ebenso der Unvergängliche, alle in ihm ruhenden Geschöpfe zum Untergang zu bringen.'

Wort für Wort
tataḥ sa bhagavān kṛṣṇo rudrarūpī tathāvyayaḥ /
'Dann bemüht sich der ehrwürdige Kṛṣṇa, in Rudra-Gestalt, ebenso der Unvergängliche,'
kṣayāya yatate kartum ātmasthāḥ sakalāḥ prajāḥ //
'alle in ihm ruhenden Geschöpfe zum Untergang zu bringen.'

tataḥ sa bhagavān viṣṇur bhānoḥ saptasu raśmiṣu / sthitaḥ pibaty aśeṣāṇi jalāni munisattamāḥ //

'Dann trinkt der ehrwürdige Viṣṇu, in den sieben Strahlen der Sonne weilend, alle Gewässer restlos auf, o Beste der Munis.'

Wort für Wort
tataḥ sa bhagavān viṣṇur bhānoḥ saptasu raśmiṣu /
'Dann trinkt der ehrwürdige Viṣṇu, in den sieben Strahlen der Sonne weilend,'
sthitaḥ pibaty aśeṣāṇi jalāni munisattamāḥ //
'alle Gewässer restlos auf, o Beste der Munis.'

pītvāmbhāṃsi samastāni prāṇibhūtagatāni vai / śoṣaṃ nayati bho viprāḥ samastaṃ pṛthivītalam //

'Nachdem er alle Gewässer getrunken hat, einschließlich der in den Lebewesen befindlichen, bringt er, o Brahmanen, die gesamte Erdoberfläche zur völligen Austrocknung.'

Wort für Wort
pītvāmbhāṃsi samastāni prāṇibhūtagatāni vai /
'Nachdem er alle Gewässer getrunken hat, einschließlich der in den Lebewesen befindlichen,'
śoṣaṃ nayati bho viprāḥ samastaṃ pṛthivītalam //
'bringt er, o Brahmanen, die gesamte Erdoberfläche zur völligen Austrocknung.'

samudrān saritaḥ śailāñ śailaprasravaṇāni ca / pātāleṣu ca yat toyaṃ tat sarvaṃ nayati kṣayam //

'Ozeane, Flüsse, Berge und Bergquellen, und was an Wasser in den Pātālas (Unterwelten) ist — all das bringt er zur Vernichtung.'

Wort für Wort
samudrān saritaḥ śailāñ śailaprasravaṇāni ca /
'Ozeane, Flüsse, Berge und Bergquellen,'
pātāleṣu ca yat toyaṃ tat sarvaṃ nayati kṣayam //
'und was an Wasser in den Pātālas ist — all das bringt er zur Vernichtung.'

tatas tasyāpy abhāvena toyāhāropabṛṃhitāḥ / sahasraraśmayaḥ sapta jāyante tatra bhāskarāḥ //

'Dann, durch das Fehlen selbst dieses (Wassers), entstehen dort, durch die Aufnahme jenes Wassers gestärkt, sieben tausendstrahlige Sonnen.'

Wort für Wort
tatas tasyāpy abhāvena toyāhāropabṛṃhitāḥ /
'Dann, durch das Fehlen selbst dieses Wassers, entstehen dort, durch die Aufnahme jenes Wassers gestärkt,'
sahasraraśmayaḥ sapta jāyante tatra bhāskarāḥ //
'sieben tausendstrahlige Sonnen.'

adhaś cordhvaṃ ca te dīptās tataḥ sapta divākarāḥ / dahanty aśeṣaṃ trailokyaṃ sapātālatalaṃ dvijāḥ //

'Unten und oben lodernd, verbrennen jene sieben Sonnen dann die drei Welten vollständig, samt der Ebene der Pātālas, o Zweifachgeborene.'

Wort für Wort
adhaś cordhvaṃ ca te dīptās tataḥ sapta divākarāḥ /
'Unten und oben lodernd, verbrennen jene sieben Sonnen dann'
dahanty aśeṣaṃ trailokyaṃ sapātālatalaṃ dvijāḥ //
'die drei Welten vollständig, samt der Ebene der Pātālas, o Zweifachgeborene.'

dahyamānaṃ tu tair dīptais trailokyaṃ dīptabhāskaraiḥ / sādrinagārṇavābhogaṃ niḥsneham abhijāyate //

'Die drei Welten, von jenen lodernden, strahlenden Sonnen verbrannt, werden, samt ihren Bergen, Städten/Wäldern und Ozeanen, völlig feuchtigkeitslos.'

Wort für Wort
dahyamānaṃ tu tair dīptais trailokyaṃ dīptabhāskaraiḥ /
'Die drei Welten, von jenen lodernden, strahlenden Sonnen verbrannt,'
sādrinagārṇavābhogaṃ niḥsneham abhijāyate //
'werden, samt ihren Bergen, Städten und Ozeanen, völlig feuchtigkeitslos.'

tato nirdagdhavṛkṣāmbu trailokyam akhilaṃ dvijāḥ / bhavaty eṣā ca vasudhā kūrmapṛṣṭhopamākṛtiḥ //

'Dann, wenn Bäume und Gewässer der drei Welten vollständig verbrannt sind, o Zweifachgeborene, nimmt diese Erde eine Gestalt an, die einem Schildkrötenrücken gleicht.'

Wort für Wort
tato nirdagdhavṛkṣāmbu trailokyam akhilaṃ dvijāḥ /
'Dann, wenn Bäume und Gewässer der drei Welten vollständig verbrannt sind, o Zweifachgeborene,'
bhavaty eṣā ca vasudhā kūrmapṛṣṭhopamākṛtiḥ //
'nimmt diese Erde eine Gestalt an, die einem Schildkrötenrücken gleicht.'

tataḥ kālāgnirudro 'sau bhūtasargaharo haraḥ / śeṣāhiśvāsasaṃtāpāt pātālāni dahaty adhaḥ //

'Dann verbrennt jener Hara, als Kālāgnirudra ('Zeit-Feuer-Rudra'), der Hinwegnehmer der Geschöpfe-Schöpfung, durch die Sengglut des Atems der Schlange Śeṣa die Pātālas von unten.'

Wort für Wort
tataḥ kālāgnirudro 'sau bhūtasargaharo haraḥ /
'Dann verbrennt jener Hara, als Kālāgnirudra, der Hinwegnehmer der Geschöpfe-Schöpfung,'
śeṣāhiśvāsasaṃtāpāt pātālāni dahaty adhaḥ //
'durch die Sengglut des Atems der Schlange Śeṣa die Pātālas von unten.'

pātālāni samastāni sa dagdhvā jvalano mahān / bhūmim abhyetya sakalaṃ dagdhvā tu vasudhātalam //

'Nachdem jenes große Feuer alle Pātālas verbrannt hat, zur Erde gelangt und die gesamte Erdoberfläche verbrannt hat,'

Wort für Wort
pātālāni samastāni sa dagdhvā jvalano mahān /
'Nachdem jenes große Feuer alle Pātālas verbrannt hat,'
bhūmim abhyetya sakalaṃ dagdhvā tu vasudhātalam //
'zur Erde gelangt und die gesamte Erdoberfläche verbrannt hat,'

bhuvo lokaṃ tataḥ sarvaṃ svargalokaṃ ca dāruṇaḥ / jvālāmālāmahāvartas tatraiva parivartate //

'wendet sich das Furchtbare, mit seinem großen Wirbel von Flammengirlanden, dann eben dort auch der ganzen Welt des Bhūrloka und der Welt des Svarga zu.'

Wort für Wort
bhuvo lokaṃ tataḥ sarvaṃ svargalokaṃ ca dāruṇaḥ /
'wendet sich das Furchtbare dann der ganzen Welt des Bhūrloka und der Welt des Svarga zu,'
jvālāmālāmahāvartas tatraiva parivartate //
'mit seinem großen Wirbel von Flammengirlanden, eben dort.'

ambarīṣam ivābhāti trailokyam akhilaṃ tadā / jvālāvartaparīvāram upakṣīṇabalās tataḥ //

'Die gesamten drei Welten erscheinen dann wie eine Bratpfanne, umgeben von Flammenwirbeln; ihre Kraft dann erschöpft,'

Wort für Wort
ambarīṣam ivābhāti trailokyam akhilaṃ tadā /
'Die gesamten drei Welten erscheinen dann wie eine Bratpfanne,'
jvālāvartaparīvāram upakṣīṇabalās tataḥ //
'umgeben von Flammenwirbeln; ihre Kraft dann erschöpft,'

tatas tāpaparītās tu lokadvayanivāsinaḥ / hṛtāvakāśā gacchanti maharlokaṃ dvijās tadā //

'gehen dann die von der Glut überwältigten Bewohner der zwei Welten (Bhūr- und Bhuvarloka), ihres Raumes beraubt, dann zur Welt des Maharloka, o Zweifachgeborene.'

Wort für Wort
tatas tāpaparītās tu lokadvayanivāsinaḥ /
'gehen dann die von der Glut überwältigten Bewohner der zwei Welten,'
hṛtāvakāśā gacchanti maharlokaṃ dvijās tadā //
'ihres Raumes beraubt, dann zur Welt des Maharloka, o Zweifachgeborene.'

tasmād api mahātāpa- taptā lokās tataḥ param / gacchanti janalokaṃ te daśāvṛtyā paraiṣiṇaḥ //

'Von dort, ebenfalls von der großen Glut versengt, gehen jene Welten (Wesen) darauf weiter, nach dem Höheren strebend, zur Welt des Janaloka.'

Wort für Wort
tasmād api mahātāpa-taptā lokās tataḥ param /
'Von dort, ebenfalls von der großen Glut versengt, gehen jene Welten darauf weiter,'
gacchanti janalokaṃ te daśāvṛtyā paraiṣiṇaḥ //
'nach dem Höheren strebend, zur Welt des Janaloka.'

[Anm.] 'daśāvṛtyā' ('durch zehnfache Wiederholung') textlich unklar; sinngemäß ausgelassen.

tato dagdhvā jagat sarvaṃ rudrarūpī janārdanaḥ / mukhaniḥśvāsajān meghān karoti munisattamāḥ //

'Dann, nachdem er die ganze Welt verbrannt hat, erschafft Janārdana, in Rudra-Gestalt, aus dem Ausatem seines Mundes entstandene Wolken, o Beste der Munis.'

Wort für Wort
tato dagdhvā jagat sarvaṃ rudrarūpī janārdanaḥ /
'Dann, nachdem er die ganze Welt verbrannt hat, erschafft Janārdana, in Rudra-Gestalt,'
mukhaniḥśvāsajān meghān karoti munisattamāḥ //
'aus dem Ausatem seines Mundes entstandene Wolken, o Beste der Munis.'

tato gajakulaprakhyās taḍidvanto ninādinaḥ / uttiṣṭhanti tadā vyomni ghorāḥ saṃvartakā ghanāḥ //

'Dann erheben sich am Himmel, Elefantenherden gleichend, blitzdurchzuckt, donnernd, die furchtbaren Auflösungswolken (Saṃvartaka).'

Wort für Wort
tato gajakulaprakhyās taḍidvanto ninādinaḥ /
'Dann erheben sich, Elefantenherden gleichend, blitzdurchzuckt, donnernd,'
uttiṣṭhanti tadā vyomni ghorāḥ saṃvartakā ghanāḥ //
'am Himmel die furchtbaren Auflösungswolken.'

kecid añjanasaṃkāśāḥ kecit kumudasaṃnibhāḥ / dhūmavarṇā ghanāḥ kecit kecit pītāḥ payodharāḥ //

'Manche gleichen Augenschminke (schwarz), manche weißen Seerosen; manche Wolken sind rauchfarben, manche gelb.'

Wort für Wort
kecid añjanasaṃkāśāḥ kecit kumudasaṃnibhāḥ /
'Manche gleichen Augenschminke, manche weißen Seerosen;'
dhūmavarṇā ghanāḥ kecit kecit pītāḥ payodharāḥ //
'manche Wolken sind rauchfarben, manche gelb.'

kecid dharidrāvarṇābhā lākṣārasanibhās tathā / kecid vaidūryasaṃkāśā indranīlanibhās tathā //

'Manche haben die Farbe von Kurkuma, ebenso manche gleichen Lack-Saft (rot); manche gleichen dem Katzenauge-Edelstein, ebenso manche dem Saphir.'

Wort für Wort
kecid dharidrāvarṇābhā lākṣārasanibhās tathā /
'Manche haben die Farbe von Kurkuma, ebenso manche gleichen Lack-Saft;'
kecid vaidūryasaṃkāśā indranīlanibhās tathā //
'manche gleichen dem Katzenauge-Edelstein, ebenso manche dem Saphir.'

śaṅkhakundanibhāś cānye jātīkundanibhās tathā / indragopanibhāḥ kecin manaḥśilānibhās tathā //

'Und andere gleichen Muschel und Jasmin, ebenso Jātī-Jasmin; manche gleichen dem Indragopa-Käfer (rot), ebenso manche dem Realgar.'

Wort für Wort
śaṅkhakundanibhāś cānye jātīkundanibhās tathā /
'Und andere gleichen Muschel und Jasmin, ebenso Jātī-Jasmin;'
indragopanibhāḥ kecin manaḥśilānibhās tathā //
'manche gleichen dem Indragopa-Käfer, ebenso manche dem Realgar.'

padmapattranibhāḥ kecid uttiṣṭhanti ghanāghanāḥ / kecit puravarākārāḥ kecit parvatasaṃnibhāḥ //

'Manche, Lotusblättern gleichend, erheben sich als dichteste Wolken; manche in Gestalt prächtiger Städte, manche Bergen gleichend.'

Wort für Wort
padmapattranibhāḥ kecid uttiṣṭhanti ghanāghanāḥ /
'Manche, Lotusblättern gleichend, erheben sich als dichteste Wolken;'
kecit puravarākārāḥ kecit parvatasaṃnibhāḥ //
'manche in Gestalt prächtiger Städte, manche Bergen gleichend.'

kūṭāgāranibhāś cānye kecit sthalanibhā ghanāḥ / mahākāyā mahārāvā pūrayanti nabhastalam //

'Und andere gleichen Giebelhallen, manche Wolken gleichen festem Land; von gewaltigem Umfang, gewaltigem Gebrüll, erfüllen sie die Himmelsfläche.'

Wort für Wort
kūṭāgāranibhāś cānye kecit sthalanibhā ghanāḥ /
'Und andere gleichen Giebelhallen, manche Wolken gleichen festem Land;'
mahākāyā mahārāvā pūrayanti nabhastalam //
'von gewaltigem Umfang, gewaltigem Gebrüll, erfüllen sie die Himmelsfläche.'

varṣantas te mahāsārās tam agnim atibhairavam / śamayanty akhilaṃ viprās trailokyāntaravistṛtam //

'Regnend löschen jene gewaltig strömenden (Wolken) jenes überaus furchtbare, sich im Inneren der drei Welten vollständig ausgebreitete Feuer, o Brahmanen.'

Wort für Wort
varṣantas te mahāsārās tam agnim atibhairavam /
'Regnend löschen jene gewaltig strömenden Wolken jenes überaus furchtbare Feuer,'
śamayanty akhilaṃ viprās trailokyāntaravistṛtam //
'das sich im Inneren der drei Welten vollständig ausgebreitet hatte, o Brahmanen.'

naṣṭe cāgnau śataṃ te 'pi varṣāṇām adhikaṃ ghanāḥ / plāvayanto jagat sarvaṃ varṣanti munisattamāḥ //

'Und wenn das Feuer erloschen ist, regnen jene Wolken auch noch über hundert Jahre hinaus, indem sie die ganze Welt überfluten, o Beste der Munis.'

Wort für Wort
naṣṭe cāgnau śataṃ te 'pi varṣāṇām adhikaṃ ghanāḥ /
'Und wenn das Feuer erloschen ist, regnen jene Wolken auch noch über hundert Jahre hinaus,'
plāvayanto jagat sarvaṃ varṣanti munisattamāḥ //
'indem sie die ganze Welt überfluten, o Beste der Munis.'

dhārābhir akṣamātrābhiḥ plāvayitvākhilāṃ bhuvam / bhuvo lokaṃ tathaivordhvaṃ plāvayanti divaṃ dvijāḥ //

'Mit Regenströmen, dick wie Wagenachsen, überfluten sie die gesamte Erde, und ebenso überfluten sie, nach oben hin, die Welt des Bhūrloka und den Himmel, o Zweifachgeborene.'

Wort für Wort
dhārābhir akṣamātrābhiḥ plāvayitvākhilāṃ bhuvam /
'Mit Regenströmen, dick wie Wagenachsen, überfluten sie die gesamte Erde,'
bhuvo lokaṃ tathaivordhvaṃ plāvayanti divaṃ dvijāḥ //
'und ebenso überfluten sie, nach oben hin, die Welt des Bhūrloka und den Himmel, o Zweifachgeborene.'

andhakārīkṛte loke naṣṭe sthāvarajaṅgame / varṣanti te mahāmeghā varṣāṇām adhikaṃ śatam //

'Wenn die Welt in Dunkelheit gehüllt ist, wenn alles Unbewegliche und Bewegliche zugrunde gegangen ist, regnen jene großen Wolken noch über hundert Jahre hinaus.'

Wort für Wort
andhakārīkṛte loke naṣṭe sthāvarajaṅgame /
'Wenn die Welt in Dunkelheit gehüllt ist, wenn alles Unbewegliche und Bewegliche zugrunde gegangen ist,'
varṣanti te mahāmeghā varṣāṇām adhikaṃ śatam //
'regnen jene großen Wolken noch über hundert Jahre hinaus.'

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