Kapitel 129: indratīrthavṛṣākapābjakatīrthamāhātmyavarṇanam
Die Größe des Indra-, Vṛṣākapa- und Abjaka-Tīrtha (Mahāśani, Indras Erniedrigung und Errettung)
Ursprung von Indra-, Vṛṣākapa- und Abjaka-Tīrtha: Namuci wird enthauptet, sein Schaum (phena) wird zum Fluss Phenā; der Daitya Hiraṇya erzeugt mit Diti den mächtigen Mahāśani, der Indra im Kampf besiegt und erniedrigt (als Diener an Varuṇa übergibt). Auf Bitten Varuṇas und trotz höhnischer Rede Mahāśanis (V.30-37) lässt dieser Indra frei. Der beschämte Indra wird von seiner Gattin Śacī/Indrāṇī in einer langen Rede über die Kraft der Askese und den Wert der Ehefrau (V.44-64) zur Buße in den Daṇḍaka-Wald an der Gautamī (Godāvarī) geleitet. Dort besingt Indra in einem Hymnus (V.68-80) Śiva und Umā, darunter eine knappe Kosmogonie (V.70, vgl. Kap.113: Brahmās fünftes Haupt) und die Entstehung von Dharma, Lakṣmī, Regen, Getreide, Tanz und Schriften aus dem Schweiß Umās bei der Umarmung mit Śiva. Śiva erscheint, verlangt aber, dass auch Viṣṇu verehrt werde, und verweist auf den Weisen Āpastamba am Zusammenfluss von Gautamī und Phenā. Aus dem dortigen Wasser entsteht, nach gemeinsamer Verehrung Śivas und Viṣṇus, das Wesen Abjaka/Vṛṣākapi (Vereinigung von Śiva- und Viṣṇu-Gestalt), das Mahāśani tötet. Indras fortan enge Freundschaft mit Vṛṣākapi weckt Śacīs Eifersucht, die Indra durch eine Lobrede auf seine Gattin besänftigt (V.100-107, darin ein Hymnenvers V.108 über die Eigenschaften der idealen Ehefrau). Indra weiht die Tīrthas Indreśvara und Abjaka, mit denen 25 Generationen von Vorfahren erlöst werden und Wohltätigkeit vervielfachten Lohn bringt; Brahmā bestätigt die Zustimmung der Götter und Weisen sowie die Gesamtzahl der Nebentīrthas (7000 am Nordufer, 11 am Südufer); Abjaka wird als das 'Herz der Godāvarī' bezeichnet.
{brahmovāca:} indratīrtham iti khyātaṃ tatraiva ca vṛṣākapam / phenāyāḥ saṃgamo yatra hanūmataṃ tathaiva ca // BrP_129.1 //
Brahma sprach: Das als Indra-Tīrtha bekannte [Tīrtha], ebendort auch das Vṛṣākapa[-Tīrtha], wo der Zusammenfluss der Phenā ist, und ebenso das Hanumat[-Tīrtha] -
Wort für Wort
indratīrtham iti khyātaṃ tatraiva ca vṛṣākapam
das als Indra-Tīrtha bekannte, ebendort auch das Vṛṣākapa-Tīrtha
phenāyāḥ saṃgamo yatra hanūmataṃ tathaiva ca
wo der Zusammenfluss der Phenā ist, und ebenso das Hanumat-Tīrtha
abjakaṃ cāpi yat proktaṃ yatra devas trivikramaḥ / tatra snānaṃ ca dānaṃ ca punarāvṛttidurlabham // BrP_129.2 //
und auch das als Abjaka bezeichnete [Tīrtha], wo der Gott Trivikrama [Viṣṇu] weilt - das Baden und Spenden dort macht eine Wiederkehr [in den Daseinskreislauf] schwer erreichbar [d.h. selten].
Wort für Wort
abjakaṃ cāpi yat proktaṃ yatra devas trivikramaḥ
und auch das als Abjaka bezeichnete, wo der Gott Trivikrama weilt
tatra snānaṃ ca dānaṃ ca punarāvṛttidurlabham
das Baden und Spenden dort macht eine Wiederkehr schwer erreichbar
tatra vṛttāny athākhyāsye gaṅgāyā dakṣiṇe taṭe / indreśvaraṃ cottare ca śṛṇu bhaktyā yatavrataḥ // BrP_129.3 //
Die dortigen Geschehnisse will ich nun erzählen, am südlichen Ufer der Gaṅgā, und das Indreśvara[-Tīrtha] am nördlichen; höre mit Hingabe, gelübdetreu.
Wort für Wort
tatra vṛttāny athākhyāsye gaṅgāyā dakṣiṇe taṭe
die dortigen Geschehnisse will ich nun erzählen, am südlichen Ufer der Gaṅgā
indreśvaraṃ cottare ca śṛṇu bhaktyā yatavrataḥ
und das Indreśvara am nördlichen; höre mit Hingabe, gelübdetreu
mārjāraṃ ceti tat tīrthaṃ purā proktaṃ mayā tava / hanūmataṃ ca tat proktaṃ tatrākhyānaṃ puroditam // BrP_129.10 //
das Tīrtha, [das] als Mārjāra [Katze] bekannt [ist], wurde von mir dir schon früher genannt; und auch als Hanumat[-Tīrtha] wird es bezeichnet - die Geschichte dazu wurde bereits früher erzählt.
Wort für Wort
mārjāraṃ ceti tat tīrthaṃ purā proktaṃ mayā tava
das als Mārjāra bekannte Tīrtha wurde von mir dir schon früher genannt
hanūmataṃ ca tat proktaṃ tatrākhyānaṃ puroditam
und auch als Hanumat-Tīrtha bezeichnet - die Geschichte dazu wurde bereits früher erzählt
[Anm.: Verweist auf eine frühere, in dieser Übersetzung nicht gesondert erhaltene Erzählung.]
Nachdem er [Indra] samt dem Elefanten gefesselt und dessen Kraft [?] betrachtet hatte, übergab der Daitya, von seiner Grausamkeit ablassend, [ihn] dem Hiraṇya.
Wort für Wort
baddhvā hastisamāyuktaṃ svasāraṃ vīkṣya tāṃ tadā
nachdem er ihn samt dem Elefanten gefesselt und dessen Kraft betrachtet hatte
vihāya krūratāṃ daityo hiraṇyāya nyavedayat
übergab der Daitya, von seiner Grausamkeit ablassend, ihn dem Hiraṇya
Der Daitya, Mahāśanis Vater, der Älteste noch unter den Alten, stellte den Gatten Śacīs [Indra] in der Unterwelt auf und übernahm dann dessen Bewachung.
Wort für Wort
mahāśanipitā daityaḥ pūrveṣāṃ pūrvavattaraḥ
der Daitya, Mahāśanis Vater, der Älteste noch unter den Alten
śacīkāntaṃ tale sthāpya tasya rakṣām athākarot
stellte den Gatten Śacīs in der Unterwelt auf und übernahm dann dessen Bewachung
{devā ūcuḥ:} viṣṇur evendradātā syād daityahantā sa eva ca / mantradṛg vā sa eva syād indraṃ cānyaṃ kariṣyati // BrP_129.21 //
Die Götter sprachen: Viṣṇu allein könnte der Indra-Geber sein, er allein auch der Daitya-Töter; er allein könnte auch der Ratgeber sein, [oder] er wird einen anderen zum Indra machen.
Wort für Wort
viṣṇur evendradātā syād daityahantā sa eva ca
Viṣṇu allein könnte der Indra-Geber sein, er allein auch der Daitya-Töter
mantradṛg vā sa eva syād indraṃ cānyaṃ kariṣyati
er allein könnte auch der Ratgeber sein, oder er wird einen anderen zum Indra machen
Brahma sprach: So beratschlagend, trugen jene Götter Viṣṇu ihren Rat vor und berichteten: 'Der große Daitya Mahāśani ist [selbst für mich] unantastbar.'
Wort für Wort
evaṃ saṃmantrya te devā viṣṇor mantraṃ nyavedayan
so beratschlagend, trugen jene Götter Viṣṇu ihren Rat vor
mamāvadhyo mahādaityo mahāśanir iti bruvan
und berichteten: der große Daitya Mahāśani ist unantastbar
[Anm.: Die berichtete Aussage 'mamāvadhyaḥ' ('für mich unantastbar') scheint auf einen Viṣṇu selbst betreffenden Bann/Schutz Mahāśanis anzuspielen, der Viṣṇus indirektes Vorgehen über Varuṇa im Folgenden erklärt.]
Er, inmitten der Daityas überaus strahlend, sprach da zu Indra in Gegenwart des Wasserherrn; nachdem er ihn mit großen Ehrenbezeigungen verehrt hatte, sprach Mahāśani zu Maghavan [Indra]:
Wort für Wort
sa daityamadhye 'tivirājamāno
er, inmitten der Daityas überaus strahlend
hariṃ tadovāca jaleśasaṃnidhau
sprach da zu Indra in Gegenwart des Wasserherrn
saṃpūjya caivātha mahopacārair
nachdem er ihn mit großen Ehrenbezeigungen verehrt hatte
mahāśanir maghavantaṃ babhāṣe
sprach Mahāśani zu Maghavan
[Anm.: Ab hier V.30-37 Hymnenmetrum, padaweise gezählt - Mahāśanis Spottrede an Indra.]
Mahāśani sprach: Durch wen bist du heute zu Indra gemacht worden, durch wen? Solche große Kraft, von der du sprichst - du wirst doch im Kampf von Feinden bedrängt, und dennoch bist du Indra - das ist erstaunlich!
Wort für Wort
kena tvam indro 'dya kṛto 'si kena
durch wen bist du heute zu Indra gemacht worden, durch wen?
Wenn nun irgendeine Frau von einem Mann gefesselt wird, ist es angemessen, dass ihr Gatte sie befreit; Frauen sind unselbständig, dem Mann untergeordnet - du aber, Śakra, wirst [erst noch] ein Mann werden müssen, du Braver.
Wort für Wort
athāpi baddhā puruṣeṇa kācit
wenn nun irgendeine Frau von einem Mann gefesselt wird
tasyāḥ patis tāṃ mocayatīti yuktam
ist es angemessen, dass ihr Gatte sie befreit
striyo 'svatantrāḥ puruṣapradhānās
Frauen sind unselbständig, dem Mann untergeordnet
tvaṃ vai pumān bhavitā śakra sādho
du aber, Śakra, wirst erst noch ein Mann werden müssen, du Braver
baddho mayā saṃgare vāhanena BrP_129.33a / kvāpy astraṃ te vajram uddāmaśakti BrP_129.33b / cintāratnaṃ nandanaṃ yoṣitas tā BrP_129.33c / yaśo balaṃ devarājopabhogyam BrP_129.33d / sarvaṃ hi tvā kiṃ tu mukto jaleśād BrP_129.33e / ākāṅkṣase jīvitaṃ dhik tavedam BrP_129.33f
Von mir wurdest du im Kampf samt deinem Reittier gefesselt - wohin ist deine Waffe, der Vajra von ungezügelter Macht? Der Wunschjuwel, der Nandana-Garten, jene Frauen [Apsaras], Ruhm, Kraft, was einem Götterkönig zusteht - all das [hast du verloren]; doch, vom Wasserherrn befreit, begehrst du noch immer nach Leben - pfui über dich!
Wort für Wort
baddho mayā saṃgare vāhanena
von mir wurdest du im Kampf samt deinem Reittier gefesselt
kvāpy astraṃ te vajram uddāmaśakti
wohin ist deine Waffe, der Vajra von ungezügelter Macht?
cintāratnaṃ nandanaṃ yoṣitas tā
der Wunschjuwel, der Nandana-Garten, jene Frauen
yaśo balaṃ devarājopabhogyam
Ruhm, Kraft, was einem Götterkönig zusteht
sarvaṃ hi tvā kiṃ tu mukto jaleśād
all das [hast du verloren]; doch, vom Wasserherrn befreit
ākāṅkṣase jīvitaṃ dhik tavedam
begehrst du noch immer nach Leben - pfui über dich
[Anm.: Mit sechs statt vier Pādas metrisch unregelmäßig.]
taj jīvanaṃ yat tu yaśonidhānaṃ BrP_129.34a / sa eva mṛtyur yaśaso yad virodhi BrP_129.34b / evaṃ jānañ śakra kathaṃ jaleśān BrP_129.34c / muktiṃ prāpto naiva lajjāṃ bhajethāḥ BrP_129.34d
Jenes [allein] ist Leben, das eine Schatzkammer des Ruhmes ist; eben das ist Tod, was dem Ruhm zuwiderläuft; wie kannst du, Śakra, dies wissend, nachdem du vom Wasserherrn die Freilassung erlangt hast, keine Scham empfinden?
Wort für Wort
taj jīvanaṃ yat tu yaśonidhānaṃ
jenes allein ist Leben, das eine Schatzkammer des Ruhmes ist
sa eva mṛtyur yaśaso yad virodhi
eben das ist Tod, was dem Ruhm zuwiderläuft
evaṃ jānañ śakra kathaṃ jaleśān
wie kannst du, Śakra, dies wissend, vom Wasserherrn
muktiṃ prāpto naiva lajjāṃ bhajethāḥ
die Freilassung erlangt habend, keine Scham empfinden?
triviṣṭapasthaḥ pariveṣṭitaḥ san BrP_129.35a / sarvaiḥ suraiḥ kāntayā vījyamānaḥ BrP_129.35b / saṃstūyamānaś ca tathāpsarobhir BrP_129.35c / nūnaṃ lajjā te bibhetīti manye BrP_129.35d
Im Himmel weilend, umgeben von allen Göttern, von der Geliebten gefächelt, und von den Apsaras gepriesen - wahrlich, ich denke, deine Scham fürchtet sich [vor dir].
Wort für Wort
triviṣṭapasthaḥ pariveṣṭitaḥ san
im Himmel weilend, umgeben
sarvaiḥ suraiḥ kāntayā vījyamānaḥ
von allen Göttern, von der Geliebten gefächelt
saṃstūyamānaś ca tathāpsarobhir
und von den Apsaras gepriesen
nūnaṃ lajjā te bibhetīti manye
wahrlich, ich denke, deine Scham fürchtet sich vor dir
Du bist der Vṛtra-Töter und auch der Töter Namucis, der Städtezerstörer, der Bergspalter, der Vajra-Armige - so verehren dich die Götter; darum, Sieghafter, gib dies alles auf.
Wort für Wort
tvaṃ vṛtrahā namuceś cāpi hantā
du bist der Vṛtra-Töter und auch der Töter Namucis
purāṃ bhettā gotrabhid vajrabāhuḥ
der Städtezerstörer, der Bergspalter, der Vajra-Armige
Jene, die, obwohl sie einen von Feinden verursachten Umsturz erlitten haben, [dennoch] weiterleben und [wieder] in die Welten eingehen - bei einem wie dir, dem übel Gestürzten [?] - wie kam es, dass [dein] Herz nicht zerbrach?
Wort für Wort
vikāram āpyāpy ahitodbhavaṃ ye
jene, die, obwohl sie einen von Feinden verursachten Umsturz erlitten haben
jīvanti lokān anusaṃviśanti
dennoch weiterleben und wieder in die Welten eingehen
bhavādṛśāṃ duścyavanābjajanmā
bei einem wie dir, dem übel Gestürzten
kathaṃ na hṛdbhedam avāpa kartā
wie kam es, dass [dein] Herz nicht zerbrach?
[?] [Anm.: V.37c ('duścyavanābjajanmā') bleibt in seinem genauen Bezug unklar; 'abjajanmā' (lotusgeboren) ist sonst ein Epitheton Brahmās, hier auf unklare Weise angewandt.]
Indra sprach: So bin ich vom Feind angesprochen und [gedemütigt] worden, du Schönantlitzige; sage mir, du Holde, womit ich mich selbst besänftigen kann.
Wort für Wort
evam uktaḥ kṛtaś caiva śatruṇāhaṃ varānane
so bin ich vom Feind angesprochen und gedemütigt worden, du Schönantlitzige
nirvāpayāmi yena svam ātmānaṃ subhage vada
sage mir, du Holde, womit ich mich selbst besänftigen kann
hiraṇyasya suto vīraḥ pitṛvyasya suto balī / tasmān mama syāt sa bhrātā varadānāc ca darpitaḥ // BrP_129.46 //
Der Held ist der Sohn Hiraṇyas, der Starke der Sohn [meines] Onkels väterlicherseits; darum wäre er mein Bruder, und durch die Gabe von Gaben ist er hochmütig geworden.
Wort für Wort
hiraṇyasya suto vīraḥ pitṛvyasya suto balī
der Held ist der Sohn Hiraṇyas, der Starke der Sohn meines Onkels väterlicherseits
tasmān mama syāt sa bhrātā varadānāc ca darpitaḥ
darum wäre er mein Bruder, und durch die Gabe von Gaben ist er hochmütig geworden
[Anm.: Śacī (Paulomī) gilt hier als Tochter eines Daitya, daher die Verwandtschaft mit Mahāśani.]
{indrāṇy uvāca:} nāsādhyam asti tapaso nāsādhyaṃ yajñakarmaṇaḥ / nāsādhyaṃ lokanāthasya viṣṇor bhaktyā harasya ca // BrP_129.50 //
Indrāṇī sprach: Es gibt nichts Unerreichbares für Askese, nichts Unerreichbares für das Opferwerk, nichts Unerreichbares durch Hingabe an den Herrn der Welt, Viṣṇu, und an Hara [Śiva].
Wort für Wort
nāsādhyam asti tapaso nāsādhyaṃ yajñakarmaṇaḥ
es gibt nichts Unerreichbares für Askese, nichts Unerreichbares für das Opferwerk
nāsādhyaṃ lokanāthasya viṣṇor bhaktyā harasya ca
nichts Unerreichbares durch Hingabe an den Herrn der Welt, Viṣṇu, und an Hara
oder Viṣṇu, den Herrn der Welten, den mächtigen Beseitiger des Leids der Elenden und Bedrängten, der herrenlosen Menschen hier, die im Ozean des Leids versinken.
Wort für Wort
viṣṇuṃ vā jagatām īśaṃ dīnārtārtiharaṃ vibhum
oder Viṣṇu, den Herrn der Welten, den mächtigen Beseitiger des Leids der Elenden und Bedrängten
anāthānām iha nṛṇāṃ majjatāṃ duḥkhasāgare
der herrenlosen Menschen hier, die im Ozean des Leids versinken
ajñātvaikaguṇaṃ karma phalaṃ dāsyati karmiṇaḥ / jñātvā śataguṇaṃ tat syād bhāryayā ca tad akṣayam // BrP_129.59 //
Unwissend getanes Werk wird dem Handelnden einfache Frucht geben; wissend getan, wird es hundertfach sein, und mit der Gattin [gemeinsam getan] unerschöpflich.
Wort für Wort
ajñātvaikaguṇaṃ karma phalaṃ dāsyati karmiṇaḥ
unwissend getanes Werk wird dem Handelnden einfache Frucht geben
jñātvā śataguṇaṃ tat syād bhāryayā ca tad akṣayam
wissend getan, wird es hundertfach sein, und mit der Gattin unerschöpflich
Was von einem allein getan wird, davon erlangt man nur halbe Frucht; was aber mit der Gattin zusammen getan wird, Herr, davon erlangt der Mann reiche [Frucht].
Wort für Wort
ekena yat kṛtaṃ karma tasmād ardhaphalaṃ bhavet
was von einem allein getan wird, davon erlangt man nur halbe Frucht
jāyayā tu kṛtaṃ nātha puṣkalaṃ puruṣo labhet
was aber mit der Gattin zusammen getan wird, Herr, davon erlangt der Mann reiche Frucht
Darum ist dies wohlbekannt aus der Schrift (Śruti): 'Die Gattin ist die Hälfte [des Mannes]'; man hört, dass im Daṇḍaka-Wald die beste der Flüsse, die Gautamī, ist.
Wort für Wort
tasmād etat suviditam ardho jāyā iti śruteḥ
darum ist dies wohlbekannt aus der Schrift: 'die Gattin ist die Hälfte des Mannes'
śrūyate daṇḍakāraṇye saricchreṣṭhāsti gautamī
man hört, dass im Daṇḍaka-Wald die beste der Flüsse, die Gautamī, ist
{brahmovāca:} tathety uktvā sa guruṇā bhāryayā ca śatakratuḥ / yayau gaṅgāṃ jagaddhātrīṃ gautamīṃ ceti viśrutām // BrP_129.65 //
Brahma sprach: 'So sei es', sprach der Hundert-Opfer-Herr [Indra] und ging mit [seinem] Lehrer und [seiner] Gattin zur Gaṅgā, der Weltenträgerin, die als Gautamī bekannt ist.
Wort für Wort
tathety uktvā sa guruṇā bhāryayā ca śatakratuḥ
'so sei es', sprach der Hundert-Opfer-Herr, mit seinem Lehrer und seiner Gattin
yayau gaṅgāṃ jagaddhātrīṃ gautamīṃ ceti viśrutām
ging er zur Gaṅgā, der Weltenträgerin, die als Gautamī bekannt ist
Er, der Freudvolle, Indra, ging zu jener inmitten des Daṇḍaka-Waldes befindlichen [Gaṅgā]; er richtete seinen Sinn darauf, dem Gott der Götter, Śambhu, Askese zu widmen.
Wort für Wort
daṇḍakāraṇyamadhyasthāṃ yayau sa prītimān hariḥ
er, der Freudvolle, Indra, ging zu jener inmitten des Daṇḍaka-Waldes befindlichen [Gaṅgā]
tapaḥ kartuṃ manaś cakre devadevāya śaṃbhave
er richtete seinen Sinn darauf, dem Gott der Götter, Śambhu, Askese zu widmen
{indra uvāca:} svamāyayā yo hy akhilaṃ carācaraṃ BrP_129.68a / sṛjaty avaty atti na sajjate 'smin BrP_129.68b / ekaḥ svatantro 'dvayacit sukhātmakaḥ BrP_129.68c / sa naḥ prasanno 'stu pinākapāṇiḥ BrP_129.68d
Indra sprach: Der durch seine eigene Māyā das ganze Bewegliche und Unbewegliche erschafft, erhält, verzehrt, [selbst aber] daran nicht haftet, der Eine, Selbständige, nichtduale Bewusstsein, dessen Wesen Glückseligkeit ist - er, der Träger des Pināka[-Bogens], sei uns gnädig.
Wort für Wort
svamāyayā yo hy akhilaṃ carācaraṃ
der durch seine eigene Māyā das ganze Bewegliche und Unbewegliche
sṛjaty avaty atti na sajjate 'smin
erschafft, erhält, verzehrt, selbst aber daran nicht haftet
ekaḥ svatantro 'dvayacit sukhātmakaḥ
der Eine, Selbständige, nichtduale Bewusstsein, dessen Wesen Glückseligkeit ist
sa naḥ prasanno 'stu pinākapāṇiḥ
er, der Träger des Pināka, sei uns gnädig
[Anm.: Ab hier V.68-80 Hymnenmetrum, padaweise gezählt - Indras Hymne an Śiva/Umā.]
Dessen Wahrheit selbst Sanaka und die anderen [Weisen], die das Geheimnis des Vedānta kennen, nicht wissen - er, der Gemahl Pārvatīs, der Geber aller Wünsche, der Feind Andhakas, sei mir gnädig.
Wort für Wort
na yasya tattvaṃ sanakādayo 'pi
dessen Wahrheit selbst Sanaka und die anderen
jānanti vedāntarahasyavijñāḥ
die das Geheimnis des Vedānta kennen, nicht wissen
Nachdem der Selbstentstandene, der Erhabene, Viriñci [Brahmā] erschaffen hatte, erblickte dieser ein furchterregendes [fünftes] Haupt an sich; nachdem er es mit den Nagelspitzen abgeschnitten hatte, an den Nägeln haftend, warf er es fort - daraus entstand die Dreiergruppe [Dharma, Artha, Kāma].
Wort für Wort
sṛṣṭvā svayaṃbhūr bhagavān viriñciṃ
nachdem der Selbstentstandene, der Erhabene, [die Welt] erschaffen hatte
bhayaṃkaraṃ cāsya śiro 'nvapaśyat
erblickte Viriñci ein furchterregendes Haupt an sich
chittvā nakhāgrair nakhasaktam etac
nachdem er es mit den Nagelspitzen abgeschnitten hatte, an den Nägeln haftend
cikṣepa tasmād abhavat trivargaḥ
warf er es fort - daraus entstand die Dreiergruppe
[Anm.: Verweist auf die in Kap.113 erzählte Episode von Brahmās fünftem Haupt.]
pāpaṃ daridraṃ tv atha lobhayācñe BrP_129.71a / moho vipac ceti tato 'py anantam BrP_129.71b / jātaprabhāvaṃ bhavaduḥkharūpaṃ BrP_129.71c / babhūva tair vyāptam idaṃ samastam BrP_129.71d
Sünde, Armut, dann Gier und Bettelei, Verblendung und Unglück - so entstand daraus auch Endloses, von entstandener Macht, die Gestalt weltlichen Leids annehmend; von diesen wurde dies alles [die Welt] durchdrungen.
Wort für Wort
pāpaṃ daridraṃ tv atha lobhayācñe
Sünde, Armut, dann Gier und Bettelei
moho vipac ceti tato 'py anantam
Verblendung und Unglück - so entstand daraus auch Endloses
jātaprabhāvaṃ bhavaduḥkharūpaṃ
von entstandener Macht, die Gestalt weltlichen Leids annehmend
Alles betrachtend, sprach der erschrockene Götterherr [Śiva] zur Göttin: Die Welt geht unter! Beschütze du, Herrin der Welt, Mutter der Welt, Umā, Zufluchtsort, Holde, Heilbringende!
Wort für Wort
avekṣya sarvaṃ cakitaḥ sureśo
alles betrachtend, sprach der erschrockene Götterherr
Du bist die Grundlage der Welt, die Wunschgewährerin - Sieg dir! Du bist Genuss, Versenkung und höchste Erlösung; Svāhā, Svadhā, Segen, anfangslose Vollendung; Rede, Verstand, Segenswunsch - du bist die Alterslos-Unsterbliche.
Wort für Wort
jagatpratiṣṭhe varade jaya tvaṃ
du bist die Grundlage der Welt, die Wunschgewährerin - Sieg dir
bhuktiḥ samādhiḥ paramā ca muktiḥ
du bist Genuss, Versenkung und höchste Erlösung
svāhā svadhā svastir anādisiddhir
Svāhā, Svadhā, Segen, anfangslose Vollendung
gīr buddhir āsīr ajarāmare tvam
Rede, Verstand, Segenswunsch - du bist die Alterslos-Unsterbliche
In Gestalt von Wissen und anderem bewirkst du in den drei Welten stets Schutz, auf mein Geheiß; von dir allein wurden die drei Welten erschaffen - daher [geschieht alles] eben durch [deine] Natur, ebenso wunderbar.
Wort für Wort
vidyādirūpeṇa jagattraye tvaṃ
in Gestalt von Wissen und anderem, in den drei Welten
rakṣāṃ karoṣy eva madājñayā ca
bewirkst du stets Schutz, auf mein Geheiß
tvayaiva sṛṣṭaṃ bhuvanatrayaṃ syād
von dir allein wurden die drei Welten erschaffen
yataḥ prakṛtyaiva tathaiva citram
daher geschieht alles eben durch deine Natur, ebenso wunderbar
So von Hara [Śiva] angesprochen, wurde die Geliebte ganz der Umarmung und dem Gespräch hingegeben; erschöpft, eng an die Körperhälfte Bhavas [Śivas] geschmiegt, warf sie mit den Fingerspitzen Schweißtropfen [von sich].
Wort für Wort
ity evam uktā dayitā hareṇa
so von Hara angesprochen, wurde die Geliebte
saṃśleṣasaṃlāpaparā babhūva
ganz der Umarmung und dem Gespräch hingegeben
śrāntā bhavasyārdhatanau sulagnā
erschöpft, eng an die Körperhälfte Bhavas geschmiegt
cikṣepa ca svedajalaṃ karāgraiḥ
warf sie mit den Fingerspitzen Schweißtropfen von sich
Daraus entstand zuerst der Dharma, dann Lakṣmī, dann die Gabe, dann guter Regen, die Wesensgüte, die guten Besitz trägt, die Seen, die Getreidearten, Blumen und Früchte,
die Dinge des Glücks, die schöne Gestalt, die schöne Kleidung, die Ausstattungen der Anmut, die großen Heilkräuter, Tänze, Gesänge, der Nektar, die alte Überlieferung (Purāṇa), Śruti und Smṛti, die Sittenlehre, sowie Speise und Trank,
Wort für Wort
saubhāgyavastūni vapuḥ suveṣaḥ
die Dinge des Glücks, die schöne Gestalt, die schöne Kleidung
śṛṅgārabhājīni mahauṣadhāni
die Ausstattungen der Anmut, die großen Heilkräuter
nṛtyāni gītāny amṛtaṃ purāṇaṃ
Tänze, Gesänge, der Nektar, die alte Überlieferung
śrutismṛtī nītir athānnapāne
Śruti und Smṛti, die Sittenlehre, sowie Speise und Trank
śastrāṇi śāstrāṇi gṛhopayogyāny BrP_129.78a / astrāṇi tīrthāni ca kānanāni BrP_129.78b / iṣṭāni pūrtāni ca maṅgalāni BrP_129.78c / yānāni śubhrābharaṇāsanāni BrP_129.78d
die Waffen, die Lehrschriften, die dem Haushalt Dienlichen, die Geschosse, die Tīrthas und die Wälder, die Opferwerke und wohltätigen Werke und die Segensrituale, die Fahrzeuge, die reinen Schmuckstücke und Sitze -
Wort für Wort
śastrāṇi śāstrāṇi gṛhopayogyāny
die Waffen, die Lehrschriften, die dem Haushalt Dienlichen
astrāṇi tīrthāni ca kānanāni
die Geschosse, die Tīrthas und die Wälder
iṣṭāni pūrtāni ca maṅgalāni
die Opferwerke und wohltätigen Werke und die Segensrituale
bhavāṅgasaṃsargasusaṃprahāsa BrP_129.79a / susvedasaṃlāparahaḥprakāraiḥ BrP_129.79b / tathaiva jātaṃ sacarācaraṃ ca BrP_129.79c / apāpakaṃ devi tataś ca jātam BrP_129.79d
durch die Berührung mit Bhavas [Śivas] Körper, das schöne Lachen, den schönen Schweiß, das vertraute Gespräch, auf verborgene Weise entstand ebenso das Bewegliche und Unbewegliche, und das Sündlose entstand daraus, o Göttin.
Wort für Wort
bhavāṅgasaṃsargasusaṃprahāsa
durch die Berührung mit Bhavas Körper, das schöne Lachen
susvedasaṃlāparahaḥprakāraiḥ
den schönen Schweiß, das vertraute Gespräch, auf verborgene Weise
sukhaṃ prabhūtaṃ ca śubhaṃ ca nityaṃ BrP_129.80a / virāji caitat tava devi bhāvāt BrP_129.80b / tasmāt tu māṃ rakṣa jagajjanitri BrP_129.80c / bhītaṃ bhayebhyo jagatāṃ pradhāne BrP_129.80d
Glückseligkeit, Fülle, Heil und Beständigkeit - all dies erstrahlt, Göttin, aus deinem Wesen; darum beschütze mich, Mutter der Welt, der ich vor den Gefahren erschrocken bin, o Erste der Welten.
Wort für Wort
sukhaṃ prabhūtaṃ ca śubhaṃ ca nityaṃ
Glückseligkeit, Fülle, Heil und Beständigkeit
virāji caitat tava devi bhāvāt
all dies erstrahlt, Göttin, aus deinem Wesen
tasmāt tu māṃ rakṣa jagajjanitri
darum beschütze mich, Mutter der Welt
bhītaṃ bhayebhyo jagatāṃ pradhāne
der ich vor den Gefahren erschrocken bin, o Erste der Welten
Die einen geraten durch [logisches] Schlussfolgern in Verwirrung, andere aber gehen darin auf; ich preise die schöne, nichtduale Gestalt von Śiva und Śakti.
Wort für Wort
eke tarkair vimuhyanti līyante tatra cāpare
die einen geraten durch Schlussfolgern in Verwirrung, andere aber gehen darin auf
śivaśaktyos tadādvaitaṃ sundaraṃ naumi vigraham
ich preise die schöne, nichtduale Gestalt von Śiva und Śakti
{indra uvāca:} balavān me ripuś cāsīd darśanaiś ca śanir yathā / tena baddhas talaṃ nītaḥ paribhūtas tv anekadhā // BrP_129.84 //
Indra sprach: Ein mächtiger Feind war mir, wie [der Planet] Śani [Saturn] durch seine [bösen] Blicke; von ihm wurde ich gefesselt, in die Unterwelt geführt, auf vielerlei Weise gedemütigt,
Wort für Wort
balavān me ripuś cāsīd darśanaiś ca śanir yathā
ein mächtiger Feind war mir, wie Śani durch seine Blicke
tena baddhas talaṃ nītaḥ paribhūtas tv anekadhā
von ihm wurde ich gefesselt, in die Unterwelt geführt, auf vielerlei Weise gedemütigt
und ebenso von Wortpfeilen durchbohrt; um ihn zu töten, [geschieht] diese Anstrengung; dazu, Herr der Welten, [gib mir das], womit ich den Feind besiegen kann, o Gebieter.
Wort für Wort
vāksāyakais tathā viddhas tadvadhāya tv iyaṃ kṛtiḥ
und ebenso von Wortpfeilen durchbohrt; um ihn zu töten, geschieht diese Anstrengung
tadarthaṃ jagatām īśa yena jeṣye ripuṃ prabho
dazu, Herr der Welten, gib mir das, womit ich den Feind besiegen kann
tad eva dehi vīryaṃ me yac cānyad ripunāśanam / jātaḥ parābhavo yasmāt tadvināśe kṛte sati / punarjātam ahaṃ manye varaṃ kīrtir jayaśriyoḥ // BrP_129.86 //
Gib mir eben jene Kraft, oder was sonst den Feind vernichten kann; wodurch mir Niederlage widerfahren ist - wenn dessen Vernichtung geschehen ist, betrachte ich mich als wiedergeboren; dies sei mein Wunsch: Ruhm und Glanz des Sieges.
Wort für Wort
tad eva dehi vīryaṃ me yac cānyad ripunāśanam
gib mir eben jene Kraft, oder was sonst den Feind vernichten kann
jātaḥ parābhavo yasmāt tadvināśe kṛte sati
wodurch mir Niederlage widerfahren ist - wenn dessen Vernichtung geschehen ist
punarjātam ahaṃ manye varaṃ kīrtir jayaśriyoḥ
betrachte ich mich als wiedergeboren; dies sei mein Wunsch: Ruhm und Glanz des Sieges
{brahmovāca:} sa śivaḥ śakram āhedaṃ na mayaikena te ripuḥ / vadham āpnoti tasmāt tvaṃ viṣṇum apy avyayaṃ harim // BrP_129.87 //
Brahma sprach: Jener Śiva sprach zu Śakra dies: Nicht durch mich allein erlangt dein Feind den Tod; darum sollst du auch den unvergänglichen Viṣṇu, Hari,
Wort für Wort
sa śivaḥ śakram āhedaṃ na mayaikena te ripuḥ
jener Śiva sprach zu Śakra dies: nicht durch mich allein erlangt dein Feind
Ein Brahmane wird [zum wahren Brahmanen] allein durch den auf Mukundas [Viṣṇus] Füße gerichteten Sinn; am südlichen Ufer der Gaṅgā [weilt] der Weisenherr Āpastamba,
Wort für Wort
vipro dhiyaiva bhavati mukundāṅghriniviṣṭayā
ein Brahmane wird zum wahren Brahmanen allein durch den auf Mukundas Füße gerichteten Sinn
gaṅgāyā dakṣiṇe tīra āpastambo munīśvaraḥ
am südlichen Ufer der Gaṅgā weilt der Weisenherr Āpastamba
ambhasā puruṣo jātaḥ śivaviṣṇusvarūpadhṛk / cakrapāṇiḥ śūladharaḥ sa gatvā tu rasātalam // BrP_129.98 //
dass aus dem Wasser ein Wesen entstand, das die Gestalt Śivas und Viṣṇus zugleich trug, mit Diskus in der Hand und Dreizack tragend; er ging nach Rasātala
Wort für Wort
ambhasā puruṣo jātaḥ śivaviṣṇusvarūpadhṛk
aus dem Wasser entstand ein Wesen, das die Gestalt Śivas und Viṣṇus zugleich trug
cakrapāṇiḥ śūladharaḥ sa gatvā tu rasātalam
mit Diskus in der Hand und Dreizack tragend; er ging nach Rasātala
divistho 'pi sadā cendras tam anveti vṛṣākapim / kupitā praṇayenābhūd anyāsaktaṃ vilokya tam / śacīṃ tāṃ sāntvayann āha śatamanyur hasann idam // BrP_129.100 //
Auch im Himmel weilend, folgt Indra stets jenem Vṛṣākapi; erzürnt aus Zuneigung, [Śacī] ihn als an eine andere gebunden ansehend, besänftigte Indra jene Śacī, indem er lachend dies sprach:
Wort für Wort
divistho 'pi sadā cendras tam anveti vṛṣākapim
auch im Himmel weilend, folgt Indra stets jenem Vṛṣākapi
kupitā praṇayenābhūd anyāsaktaṃ vilokya tam
erzürnt aus Zuneigung, ihn als an eine andere gebunden ansehend
śacīṃ tāṃ sāntvayann āha śatamanyur hasann idam
besänftigte Indra jene Śacī, indem er lachend dies sprach
Ich werde nirgendwo anders hingehen, Geliebte, und ich schwöre dir bei [meinem eigenen] Leib; darum ziemt es sich nicht, dass du mich aus Verdacht anders ansprichst, Zornige.
Wort für Wort
nāham anyatra gantāsmi priye cāṅgena te śape
ich werde nirgendwo anders hingehen, Geliebte, und ich schwöre dir bei meinem Leib
tasmān nārhasi māṃ vaktuṃ śaṅkayānyatra bhāmini
darum ziemt es sich nicht, dass du mich aus Verdacht anders ansprichst, Zornige
uttīrṇaduḥkhaḥ subhage ita indro 'ham acyutaḥ / kiṃ na sādhyaṃ yatra bhāryā bhartṛcittānugāminī // BrP_129.106 //
bin ich, aus dem Leid herausgetreten, du Holde, von jetzt an der unvergängliche Indra; was wäre nicht zu erreichen, wo die Gattin dem Sinn des Gatten folgt?
Wort für Wort
uttīrṇaduḥkhaḥ subhage ita indro 'ham acyutaḥ
bin ich, aus dem Leid herausgetreten, du Holde, von jetzt an der unvergängliche Indra
kiṃ na sādhyaṃ yatra bhāryā bhartṛcittānugāminī
was wäre nicht zu erreichen, wo die Gattin dem Sinn des Gatten folgt?
duṣkarā tatra no muktiḥ kiṃtv arthāditrayaṃ śubhe / jāyaiva paramaṃ mitraṃ lokadvayahitaiṣiṇī // BrP_129.107 //
Schwer zu erreichen ist dort nicht die Erlösung, sondern die Dreiheit [Dharma, Artha, Kāma] zuerst, du Heilvolle; die Gattin allein ist der höchste Freund, der das Wohl beider Welten sucht.
Wort für Wort
duṣkarā tatra no muktiḥ kiṃtv arthāditrayaṃ śubhe
schwer zu erreichen ist dort nicht die Erlösung, sondern die Dreiheit zuerst, du Heilvolle
jāyaiva paramaṃ mitraṃ lokadvayahitaiṣiṇī
die Gattin allein ist der höchste Freund, der das Wohl beider Welten sucht
sā cet kulīnā priyabhāṣiṇī ca BrP_129.108a / pativratā rūpavatī guṇāḍhyā BrP_129.108b / saṃpatsu cāpatsu samānarūpā BrP_129.108c / tayā hy asādhyaṃ kim iha trilokyām BrP_129.108d
Wenn sie von guter Familie ist und freundlich spricht, gattentreu, schön und reich an guten Eigenschaften, im Glück wie im Unglück von gleichbleibendem Wesen - was wäre mit ihr in diesen drei Welten nicht zu erreichen?
Wort für Wort
sā cet kulīnā priyabhāṣiṇī ca
wenn sie von guter Familie ist und freundlich spricht
pativratā rūpavatī guṇāḍhyā
gattentreu, schön und reich an guten Eigenschaften
saṃpatsu cāpatsu samānarūpā
im Glück wie im Unglück von gleichbleibendem Wesen
tayā hy asādhyaṃ kim iha trilokyām
was wäre mit ihr in diesen drei Welten nicht zu erreichen?
tasmāt tava dhiyā kānte mamedaṃ śubham āgatam / itas tavoditaṃ caiva kartavyaṃ nānyad asti me // BrP_129.109 //
Darum ist mir, Geliebte, durch deinen Rat dieses Heil zuteilgeworden; und was von dir hier genannt wurde, ist zu tun - ein anderes [Werk] gibt es für mich nicht.
Wort für Wort
tasmāt tava dhiyā kānte mamedaṃ śubham āgatam
darum ist mir, Geliebte, durch deinen Rat dieses Heil zuteilgeworden
itas tavoditaṃ caiva kartavyaṃ nānyad asti me
und was von dir hier genannt wurde, ist zu tun - ein anderes gibt es für mich nicht
paraloke ca dharme ca satputrasadṛśaṃ na ca / ārtasya puruṣasyeha bhāryāvad bheṣajaṃ nahi // BrP_129.110 //
In der jenseitigen Welt und im Dharma gibt es nichts einem guten Sohn Gleichkommendes, und für einen leidenden Menschen hier gibt es kein Heilmittel wie die Gattin.
Wort für Wort
paraloke ca dharme ca satputrasadṛśaṃ na ca
in der jenseitigen Welt und im Dharma gibt es nichts einem guten Sohn Gleichkommendes
ārtasya puruṣasyeha bhāryāvad bheṣajaṃ nahi
und für einen leidenden Menschen hier gibt es kein Heilmittel wie die Gattin
Zum Erlangen des höchsten Heilszustandes und zur Befreiung von Sünde gibt es nichts der Gaṅgā Gleichkommendes; höre auch dies andere, du Schönantlitzige:
Wort für Wort
niḥśreyasapadaprāptyai tathā pāpasya muktaye
zum Erlangen des höchsten Heilszustandes und zur Befreiung von Sünde
gaṅgayā sadṛśaṃ nāsti śṛṇu cānyad varānane
gibt es nichts der Gaṅgā Gleichkommendes; höre auch dies andere, du Schönantlitzige
Zum Erlangen von Dharma, Artha, Kāma und Mokṣa, zur Befreiung von Sünde, gibt es für die Erlösung nichts [Wirksameres] als die Erkenntnis der Nicht-Verschiedenheit von Śiva und Viṣṇu.
Wort für Wort
dharmārthakāmamokṣāṇāṃ prāptaye pāpamuktaye
zum Erlangen von Dharma, Artha, Kāma und Mokṣa, zur Befreiung von Sünde
śivaviṣṇvor ananyatvajñānān nāsty atra muktaye
gibt es für die Erlösung nichts als die Erkenntnis der Nicht-Verschiedenheit von Śiva und Viṣṇu
indratvaṃ me sthiraṃ ceto manye mitrabalāt punaḥ / vṛṣākapir mama sakhā yo jātas tv apsu bhāmini // BrP_129.114 //
Mein Indra-Sein ist [wieder] fest, so denke ich, wiederum durch die Kraft meines Freundes; Vṛṣākapi ist mein Freund, der im Wasser entstanden ist, Zornige.
Wort für Wort
indratvaṃ me sthiraṃ ceto manye mitrabalāt punaḥ
mein Indra-Sein ist wieder fest, so denke ich, wiederum durch die Kraft meines Freundes
vṛṣākapir mama sakhā yo jātas tv apsu bhāmini
Vṛṣākapi ist mein Freund, der im Wasser entstanden ist, Zornige
tvaṃ ca priyasakhī nityaṃ nānyat priyataraṃ mama / tīrthānāṃ gautamī gaṅgā devānāṃ hariśaṃkarau // BrP_129.115 //
Und du bist stets meine liebe Freundin, nichts ist mir lieber; unter den Tīrthas ist die Gautamī-Gaṅgā [die höchste], unter den Göttern Hari und Śaṃkara.
Wort für Wort
tvaṃ ca priyasakhī nityaṃ nānyat priyataraṃ mama
und du bist stets meine liebe Freundin, nichts ist mir lieber
tīrthānāṃ gautamī gaṅgā devānāṃ hariśaṃkarau
unter den Tīrthas ist die Gautamī-Gaṅgā, unter den Göttern Hari und Śaṃkara
atra tu snānamātreṇa sarve te muktim āpnuyuḥ / pāpiṣṭhāḥ pāpato muktim āpnuyur ye ca dharmiṇaḥ // BrP_129.120 //
hier aber sollen durch bloßes Baden alle jene die Erlösung erlangen; die überaus Sündigen sollen von der Sünde die Befreiung erlangen, und ebenso die Rechtschaffenen [ihr Ziel].
Wort für Wort
atra tu snānamātreṇa sarve te muktim āpnuyuḥ
hier aber sollen durch bloßes Baden alle jene die Erlösung erlangen
pāpiṣṭhāḥ pāpato muktim āpnuyur ye ca dharmiṇaḥ
die überaus Sündigen sollen von der Sünde die Befreiung erlangen, und ebenso die Rechtschaffenen
teṣāṃ tu paramā muktiḥ pitṛbhiḥ pañcapañcabhiḥ / atra kiṃcic ca ye dadyur arthibhyas tilamātrakam // BrP_129.121 //
Deren höchste Erlösung [erfolgt] mit fünfundzwanzig [Generationen von] Ahnen; und wer hier auch nur ein wenig, [selbst] eine Sesamkorn-Menge, den Bittstellern gibt,
Wort für Wort
teṣāṃ tu paramā muktiḥ pitṛbhiḥ pañcapañcabhiḥ
deren höchste Erlösung erfolgt mit fünfundzwanzig Ahnen
atra kiṃcic ca ye dadyur arthibhyas tilamātrakam
und wer hier auch nur ein wenig, eine Sesamkorn-Menge, den Bittstellern gibt
dātṛbhyo hy akṣayaṃ tat syāt kāmadaṃ mokṣadaṃ tathā / dhanyaṃ yaśasyam āyuṣyam ārogyaṃ puṇyavardhanam // BrP_129.122 //
dem Geber wird dies unerschöpflich, wunscherfüllend und erlösungsgewährend sein, glückbringend, ruhmreich, lebensverlängernd, gesundheitsfördernd, verdienstmehrend.
Wort für Wort
dātṛbhyo hy akṣayaṃ tat syāt kāmadaṃ mokṣadaṃ tathā
dem Geber wird dies unerschöpflich, wunscherfüllend und erlösungsgewährend sein
sie werden Anteil an Verdienst erlangen; ihnen soll eben hier eine Erinnerung (Smṛti) zuteilwerden, die alle Sündenmassen durch [die Vereinigung von] Śiva und Viṣṇu vollständig zerteilt - die die Weisen mit bezähmten Sinnen und Gedanken erbitten.
Wort für Wort
puṇyabhājo bhaveyus te tebhyo 'traiva smṛtir bhavet
sie werden Anteil an Verdienst erlangen; ihnen soll eben hier eine Erinnerung zuteilwerden
śivaviṣṇvor aśeṣāghasaṃghavicchedakāriṇī
die alle Sündenmassen durch Śiva und Viṣṇu vollständig zerteilt
yāṃ prārthayanti munayo vijitendriyamānasāḥ
die die Weisen mit bezähmten Sinnen und Gedanken erbitten
Brahma sprach: 'So soll es geschehen', sprachen die Götter und Weisen zu ihm; am nördlichen Ufer der Gautamī [gibt es] von den erlösungsspendenden Tīrthas,
Wort für Wort
bhaviṣyaty evam eveti taṃ devā ṛṣayo 'bruvan
'so soll es geschehen', sprachen die Götter und Weisen zu ihm
gautamyā uttare pāre tīrthānāṃ mokṣadāyinām
am nördlichen Ufer der Gautamī gibt es von den erlösungsspendenden Tīrthas