Quellen der Menschheit

Brahma-Purāṇa

Kapitel 97: paulastyatīrthavaiśravasatīrthamāhātmyavarṇanam Die Größe des Paulastya-/Dhanada-/Vaiśravasa-Tīrtha (Kuberas Wiedereinsetzung)

Kubera (Dhanada/Vaiśravaṇa), ältester Sohn des Viśravas und Herr von Laṅkā, wird von seinem Halbbruder Rāvaṇa – von der eigenen, auf Rang und Ebenbürtigkeit bedachten Mutter aufgehetzt – in einer Schlacht besiegt und samt Laṅkā und dem Puṣpaka-Wagen seines Reiches beraubt. Von überall verstoßen, sucht Kubera Rat bei seinem Großvater Pulastya, der ihn an die Gautamī verweist: dort, so sagt Pulastya, könne selbst Rāvaṇa ihm nichts anhaben. An der Gautamī preist Kubera Śiva in kunstvollen Hymnen; eine körperlose göttliche Stimme verkündet noch vor Śivas Wunschgewährung, dass Kubera die Rolle des Reichtumshüters (Herrschaft über eine Himmelsrichtung, über den Reichtum, Freigebigkeit, Gattin und Söhne) erlangen werde. Ursprung der Tīrtha-Namen Paulastya, Dhanada und Vaiśravasa.

{brahmovāca: } paulastyaṃ tīrtham ākhyātaṃ sarvasiddhipradaṃ nṛṇām / prabhāvaṃ tasya vakṣyāmi bhraṣṭarājyapradāyakam //

Brahmā sprach: Das Tīrtha, Paulastya genannt, gewährt den Menschen alle Vollkommenheiten; seine Macht will ich verkünden, die dem vom Königreich Vertriebenen dieses wiedergewährt.

Wort für Wort
paulastyaṃ tīrtham ākhyātaṃ
das Tīrtha, Paulastya genannt,
sarvasiddhipradaṃ nṛṇām
gewährt den Menschen alle Vollkommenheiten,
prabhāvaṃ tasya vakṣyāmi
seine Macht will ich verkünden,
bhraṣṭarājyapradāyakam
die dem vom Königreich Vertriebenen (dieses) wiedergewährt

uttarāśāpatiḥ pūrvam ṛddhisiddhisamanvitaḥ / purā laṅkāpatiś cāsīj jyeṣṭho viśravasaḥ sutaḥ //

Der Herr der Nordrichtung, zuvor mit Wohlstand und Vollkommenheiten versehen, war einst Herr von Laṅkā, der älteste Sohn des Viśravas.

Wort für Wort
uttarāśāpatiḥ pūrvam
der Herr der Nordrichtung, zuvor,
ṛddhisiddhisamanvitaḥ
mit Wohlstand und Vollkommenheiten versehen,
purā laṅkāpatiś cāsīj
war einst Herr von Laṅkā,
jyeṣṭho viśravasaḥ sutaḥ
der älteste Sohn des Viśravas

tasyaite bhrātaraś cāsan balavanto 'mitaprabhāḥ / sāpatnā rāvaṇaś caiva kumbhakarṇo vibhīṣaṇaḥ //

Diese waren seine Halbbrüder, mächtig, von unermesslichem Glanz: Rāvaṇa, Kumbhakarṇa und Vibhīṣaṇa.

Wort für Wort
tasyaite bhrātaraś cāsan
dies waren seine Brüder,
balavanto 'mitaprabhāḥ
mächtig, von unermesslichem Glanz,
sāpatnā rāvaṇaś caiva
Halbbrüder: Rāvaṇa,
kumbhakarṇo vibhīṣaṇaḥ
Kumbhakarṇa und Vibhīṣaṇa

te 'pi viśravasaḥ putrā rākṣasyāṃ rākṣasās tu te / maddattena vimānena dhanado bhrātṛbhiḥ saha //

Auch sie waren Söhne des Viśravas, von einer Rākṣasī geboren, sie, die Rākṣasas; mit dem von mir gegebenen Himmelswagen kam Dhanada zusammen mit seinen Brüdern –

Wort für Wort
te 'pi viśravasaḥ putrā
auch sie waren Söhne des Viśravas,
rākṣasyāṃ rākṣasās tu te
von einer Rākṣasī, sie, die Rākṣasas,
maddattena vimānena
mit dem von mir gegebenen Himmelswagen,
dhanado bhrātṛbhiḥ saha
Dhanada, mit seinen Brüdern

mamāntikaṃ bhaktiyukto nityam eti tu yāti ca / rāvaṇasya tu yā mātā kupitā sābravīt sutān //

– stets voller Hingabe zu mir, kam und ging er; Rāvaṇas Mutter aber, zornig, sprach zu ihren Söhnen.

Wort für Wort
mamāntikaṃ bhaktiyukto
voller Hingabe zu mir,
nityam eti tu yāti ca
kam und ging er stets,
rāvaṇasya tu yā mātā
Rāvaṇas Mutter aber,
kupitā sābravīt sutān
zornig, sprach zu ihren Söhnen

{rāvaṇamātovāca: } mariṣye na ca jīviṣye putrā vairūpyakāraṇāt / devāś ca dānavāś cāsan sāpatnā bhrātaro mithaḥ //

Rāvaṇas Mutter sprach: 'Ich werde weder sterben noch leben, Söhne, aus Grund der Ungleichheit im Rang. Götter und Dānavas waren einst Halbbrüder untereinander –'

Wort für Wort
mariṣye na ca jīviṣye
ich werde weder sterben noch leben,
putrā vairūpyakāraṇāt
Söhne, aus Grund der Ungleichheit,
devāś ca dānavāś cāsan
Götter und Dānavas waren,
sāpatnā bhrātaro mithaḥ
Halbbrüder untereinander

anyonyavadham īpsante jayaiśvaryavaśānugāḥ / tadbhavanto na puruṣā na śaktā na jayaiṣiṇaḥ / sāpatnyaṃ yo 'numanyate tasya jīvo nirarthakaḥ //

'– sie trachteten nacheinander nach Sieg und Herrschaft ergeben; ihr aber seid keine rechten Männer, nicht fähig, nicht siegesbegierig; wer die Nebenbuhlerschaft duldet, dessen Leben ist zwecklos.'

Wort für Wort
anyonyavadham īpsante
sie trachteten nach gegenseitiger Tötung,
jayaiśvaryavaśānugāḥ
Sieg und Herrschaft ergeben,
tadbhavanto na puruṣā
ihr aber seid keine (rechten) Männer,
na śaktā na jayaiṣiṇaḥ
nicht fähig, nicht siegesbegierig,
sāpatnyaṃ yo 'numanyate
wer die Nebenbuhlerschaft duldet,
tasya jīvo nirarthakaḥ
dessen Leben ist zwecklos

[Anm.: dreizeiliger Vers unter einer Nummer.]

{brahmovāca: } tan mātṛvacanaṃ śrutvā bhrātaras te trayo mune / jagmus te tapase 'raṇyaṃ kṛtavantas tapo mahat //

Brahmā sprach: Nachdem sie dieses Wort der Mutter gehört hatten, gingen jene drei Brüder, o Weiser, zur Askese in den Wald und vollzogen große Askese.

Wort für Wort
tan mātṛvacanaṃ śrutvā
dieses Wort der Mutter gehört habend,
bhrātaras te trayo mune
jene drei Brüder, o Weiser,
jagmus te tapase 'raṇyaṃ
gingen zur Askese in den Wald,
kṛtavantas tapo mahat
vollzogen große Askese

matto varān avāpuś ca traya ete ca rākṣasāḥ / mātulena marīcena tathā mātāmahena tu //

Von mir erlangten diese drei Rākṣasas Segnungen, sowie vom Onkel mütterlicherseits Marīca und ebenso vom Großvater mütterlicherseits.

Wort für Wort
matto varān avāpuś ca
von mir Segnungen erlangten,
traya ete ca rākṣasāḥ
diese drei Rākṣasas,
mātulena marīcena
vom Onkel mütterlicherseits, Marīca,
tathā mātāmahena tu
und ebenso vom Großvater mütterlicherseits

tanmātṛvacanāc cāpi tato laṅkām ayācata / rakṣobhāvān mātṛdoṣād bhrātror vairam abhūn mahat //

Auf dieses Wort der Mutter hin erbat er sich darauf Laṅkā; wegen der Rākṣasa-Natur, durch den Fehler der Mutter, entstand zwischen den Brüdern große Feindschaft.

Wort für Wort
tanmātṛvacanāc cāpi
auf dieses Wort der Mutter hin,
tato laṅkām ayācata
erbat er sich darauf Laṅkā,
rakṣobhāvān mātṛdoṣād
wegen der Rākṣasa-Natur, durch den Fehler der Mutter,
bhrātror vairam abhūn mahat
entstand zwischen den Brüdern große Feindschaft

tatas tad abhavad yuddhaṃ devadānavayor iva / yuddhe jitvāgrajaṃ śāntaṃ dhanadaṃ bhrātaraṃ tathā //

Da entstand jene Schlacht, wie zwischen Göttern und Dānavas; im Kampf besiegte er den älteren, friedvollen Bruder Dhanada –

Wort für Wort
tatas tad abhavad yuddhaṃ
da entstand jene Schlacht,
devadānavayor iva
wie zwischen Göttern und Dānavas,
yuddhe jitvāgrajaṃ śāntaṃ
im Kampf den älteren, friedvollen besiegend,
dhanadaṃ bhrātaraṃ tathā
den Bruder Dhanada

puṣpakaṃ ca purīṃ laṅkāṃ sarvaṃ caiva vyapāharat / rāvaṇo ghoṣayām āsa trailokye sacarācare //

– und den Puṣpaka(-Wagen) und die Stadt Laṅkā, alles raubte er; Rāvaṇa ließ in den drei Welten, dem Beweglichen und Unbeweglichen, verkünden.

Wort für Wort
puṣpakaṃ ca purīṃ laṅkāṃ
den Puṣpaka(-Wagen) und die Stadt Laṅkā,
sarvaṃ caiva vyapāharat
alles raubte er,
rāvaṇo ghoṣayām āsa
Rāvaṇa ließ verkünden,
trailokye sacarācare
in den drei Welten, dem Beweglichen und Unbeweglichen

yo dadyād āśrayaṃ bhrātuḥ sa ca vadhyo bhaven mama / bhrātrā nirasto vaiśravaṇo naiva prāpāśrayaṃ kvacit / pitāmahaṃ pulastyaṃ taṃ gatvā natvābravīd vacaḥ //

'Wer meinem Bruder Zuflucht gewährt, der soll von mir getötet werden.' Von seinem Bruder verstoßen, fand Vaiśravaṇa nirgends Zuflucht; er ging zu seinem Großvater Pulastya, verneigte sich und sprach dieses Wort.

Wort für Wort
yo dadyād āśrayaṃ bhrātuḥ
'wer meinem Bruder Zuflucht gewährt,
sa ca vadhyo bhaven mama
der soll von mir getötet werden'
bhrātrā nirasto vaiśravaṇo
von seinem Bruder verstoßen, Vaiśravaṇa,
naiva prāpāśrayaṃ kvacit
fand nirgends Zuflucht,
pitāmahaṃ pulastyaṃ taṃ gatvā
zu seinem Großvater Pulastya gegangen,
natvābravīd vacaḥ
sich verneigend, sprach er dieses Wort

[Anm.: dreizeiliger Vers unter einer Nummer.]

{dhanada uvāca: } bhrātrā nirasto duṣṭena kiṃ karomi vadasva me / āśrayaḥ śaraṇaṃ yat syād daivaṃ vā tīrtham eva ca //

Dhanada sprach: 'Von meinem bösen Bruder verstoßen, was soll ich tun? Sag mir, welche Zuflucht, welcher Schutz es gäbe – sei es göttlicher Art oder eben ein Tīrtha.'

Wort für Wort
bhrātrā nirasto duṣṭena
von dem bösen Bruder verstoßen,
kiṃ karomi vadasva me
was soll ich tun? Sag mir,
āśrayaḥ śaraṇaṃ yat syād
welche Zuflucht, welcher Schutz es gäbe,
daivaṃ vā tīrtham eva ca
sei es göttlicher Art oder eben ein Tīrtha

{brahmovāca: } tat pautravacanaṃ śrutvā pulastyo vākyam abravīt //*

Brahmā sprach: Nachdem er dieses Wort des Enkels gehört hatte, sprach Pulastya das folgende Wort –

Wort für Wort
tat pautravacanaṃ śrutvā
dieses Wort des Enkels gehört habend,
pulastyo vākyam abravīt
sprach Pulastya das Wort

[Anm.: Im Quelltext nur als Halbvers überliefert (mit '//*' markiert); die zweite Vershälfte fehlt.]

{pulastya uvāca: } gautamīṃ gaccha putra tvaṃ stuhi devaṃ maheśvaram / tatra nāsya praveśaḥ syād gaṅgāyā jalamadhyataḥ //

Pulastya sprach: 'Geh zur Gautamī, mein Sohn, und preise den Gott Maheśvara; dort wird ihm kein Zutritt möglich sein, aus der Mitte des Gaṅgā-Wassers heraus.'

Wort für Wort
gautamīṃ gaccha putra tvaṃ
geh zur Gautamī, mein Sohn,
stuhi devaṃ maheśvaram
preise den Gott Maheśvara,
tatra nāsya praveśaḥ syād
dort wird ihm kein Zutritt möglich sein,
gaṅgāyā jalamadhyataḥ
aus der Mitte des Gaṅgā-Wassers heraus

siddhiṃ prāpsyasi kalyāṇīṃ tathā kuru mayā saha //*

'Du wirst heilvolle Vollkommenheit erlangen; so handle, zusammen mit mir.'

Wort für Wort
siddhiṃ prāpsyasi kalyāṇīṃ
du wirst heilvolle Vollkommenheit erlangen,
tathā kuru mayā saha
so handle, zusammen mit mir

[Anm.: Im Quelltext nur als Halbvers überliefert (mit '//*' markiert); die zweite Vershälfte fehlt.]

{brahmovāca: } tathety uktvā jagāmāsau sabhāryo dhanadas tathā / pitrā mātrā ca vṛddhena pulastyena dhaneśvaraḥ //

Brahmā sprach: 'So sei es', sprach jener und ging fort, Dhanada, samt seiner Gattin; mit dem Vater, der Mutter und dem betagten Pulastya ging der Herr des Reichtums.

Wort für Wort
tathety uktvā jagāmāsau
'so sei es', sprach jener und ging fort,
sabhāryo dhanadas tathā
Dhanada, samt seiner Gattin,
pitrā mātrā ca vṛddhena
mit Vater, Mutter und dem betagten,
pulastyena dhaneśvaraḥ
Pulastya, der Herr des Reichtums

gatvā tu gautamīṃ gaṅgāṃ śuciḥ snātvā yatavrataḥ / tuṣṭāva devadeveśaṃ bhuktimuktipradaṃ śivam //

Nachdem er zur Gautamī-Gaṅgā gegangen war, gereinigt, gebadet, mit Gelübde bezähmt, pries er den Gott der Götter, Śiva, der Genuss und Erlösung gewährt.

Wort für Wort
gatvā tu gautamīṃ gaṅgāṃ
zur Gautamī-Gaṅgā gegangen,
śuciḥ snātvā yatavrataḥ
gereinigt, gebadet, mit Gelübde bezähmt,
tuṣṭāva devadeveśaṃ
pries er den Gott der Götter,
bhuktimuktipradaṃ śivam
Śiva, der Genuss und Erlösung gewährt

{dhanada uvāca: } svāmī tvam evāsya carācarasya / viśvasya śaṃbho na paro 'sti kaścit / tvām apy avajñāya yadīha mohāt / pragalbhate kopi sa śocya eva //

Dhanada sprach: 'Du allein bist der Herr dieses beweglichen und unbeweglichen Universums, Śaṃbhu; es gibt keinen anderen. Wenn hier jemand, dich verachtend, aus Verblendung, vermessen handelt, der ist wahrlich zu bedauern.'

Wort für Wort
svāmī tvam evāsya carācarasya
du allein bist der Herr dieses beweglichen und unbeweglichen,
viśvasya śaṃbho na paro 'sti kaścit
Universums, Śaṃbhu, es gibt keinen anderen,
tvām apy avajñāya yadīha mohāt
wenn hier jemand, dich verachtend, aus Verblendung,
pragalbhate kopi sa śocya eva
vermessen handelt, der ist wahrlich zu bedauern

[Anm.: vierzeiliger Vers in eigenem Versmaß (Pādas a-d einzeln im Quelltext markiert).]

tvam aṣṭamūrtyā sakalaṃ bibharṣi / tvadājñayā vartata eva sarvam / tathāpi vedeti budho bhavantaṃ / na jātv avidvān mahimā purātanam //

'Du trägst mit deiner achtfachen Gestalt das Ganze; durch dein Geheiß allein besteht alles; dennoch kennt dich, so meint der Weise; der Unwissende erkennt niemals deine uralte Größe.'

Wort für Wort
tvam aṣṭamūrtyā sakalaṃ bibharṣi
du trägst mit deiner achtfachen Gestalt das Ganze,
tvadājñayā vartata eva sarvam
durch dein Geheiß allein besteht alles,
tathāpi vedeti budho bhavantaṃ
dennoch, so meint der Weise, kennt dich,
na jātv avidvān mahimā purātanam
der Unwissende erkennt niemals deine uralte Größe

[Anm.: vierzeiliger Vers in eigenem Versmaß (Pādas a-d einzeln im Quelltext markiert).]

malaprasūtaṃ yad avocad ambā / hāsyāt suto 'yaṃ tava deva śūraḥ / tvatprekṣitād yaḥ sa ca vighnarājo / jajñe tv aho ceṣṭitam īśadṛṣṭeḥ //

'Was die Mutter sagte, aus dem Schmutz ihres Körpers geboren – „aus Lachen entstand dieser dein Sohn, der Held (Gaṇeśa)“; der aus deinem Blick entstand, jener Herr der Hindernisse – ach, welch wunderbares Wirken deines Blickes, o Herr!'

Wort für Wort
malaprasūtaṃ yad avocad ambā
was die Mutter sagte, aus dem Schmutz geboren:
hāsyāt suto 'yaṃ tava deva śūraḥ
'aus Lachen entstand dieser dein Sohn, der Held, Gott'
tvatprekṣitād yaḥ sa ca vighnarājo
der aus deinem Blick entstand, jener Herr der Hindernisse,
jajñe tv aho ceṣṭitam īśadṛṣṭeḥ
entstand – ach, welch Wirken deines Blickes, Herr!

[Anm.: kryptische Anspielung auf die unterschiedlichen purāṇischen Geburtstraditionen Gaṇeśas (aus Pārvatīs Körperschmutz bzw. aus Śivas bloßem Blick).]

aśruplutāṅgī girijā samīkṣya / viyuktadāṃpatyam itīśam ūce / manobhavo 'bhūn madano ratiś ca / saubhāgyapūrvatvam avāpa somāt //

'Die Tochter des Berges, mit tränenüberströmten Gliedern, sah dies und sprach zu Īśa von der Trennung des Ehepaars; Manobhava wurde zu Madana, und Rati erlangte durch den Mond den Vorrang an Liebreiz.'

Wort für Wort
aśruplutāṅgī girijā samīkṣya
die Tochter des Berges, mit tränenüberströmten Gliedern, sah dies,
viyuktadāṃpatyam itīśam ūce
und sprach zu Īśa von der Trennung des Ehepaars,
manobhavo 'bhūn madano ratiś ca
Manobhava wurde zu Madana, und Rati,
saubhāgyapūrvatvam avāpa somāt
erlangte durch den Mond den Vorrang an Liebreiz

[Anm.: allusiv-verdichteter Hymnenvers mit knappen Anspielungen auf den Kāma-dahana-Mythos (Kāma/Manobhava wird zu 'Madana', seine Gattin Rati mit dem Mond/Soma verbunden); genaue Bezüge im Quelltext nicht weiter ausgeführt.]

{brahmovāca: } ityādi stuvatas tasya purato 'bhūt trilocanaḥ / vareṇa cchandayām āsa harṣān novāca kiṃcana //

Brahmā sprach: Während er so und in ähnlicher Weise pries, erschien der Dreiäugige vor ihm; er bot ihm freudig einen Wunsch an, doch Dhanada sagte nichts.

Wort für Wort
ityādi stuvatas tasya
während er so und ähnlich pries,
purato 'bhūt trilocanaḥ
erschien der Dreiäugige vor ihm,
vareṇa cchandayām āsa
bot einen Wunsch an,
harṣān novāca kiṃcana
freudig, doch (jener) sagte nichts

tūṣṇīṃbhūte tu dhanade pulastye ca maheśvare / punaḥ punar varasveti śive vādini harṣite //

Während Dhanada schwieg, sprach Pulastya, während der erfreute Śiva immer wieder sagte: 'Wähle einen Wunsch.'

Wort für Wort
tūṣṇīṃbhūte tu dhanade
während Dhanada schwieg,
pulastye ca maheśvare
und Pulastya und Maheśvara,
punaḥ punar varasveti
immer wieder 'wähle einen Wunsch',
śive vādini harṣite
sprach der erfreute Śiva

etasminn antare tatra vāg uvācāśarīriṇī / prāptavyaṃ dhanapālatvaṃ vadantīdaṃ maheśvaram //

In dieser Zwischenzeit sprach dort eine körperlose Stimme, die zu Maheśvara dies sagte: 'Er soll die Rolle des Reichtumshüters erlangen.'

Wort für Wort
etasminn antare tatra
in dieser Zwischenzeit dort,
vāg uvācāśarīriṇī
sprach eine körperlose Stimme,
prāptavyaṃ dhanapālatvaṃ
'er soll die Rolle des Reichtumshüters erlangen',
vadantīdaṃ maheśvaram
dies zu Maheśvara sagend

pulastyasya tu yac cittaṃ pitur vaiśravaṇasya tu / viditveva tadā vāṇī śubham artham udīrayat //

Was im Sinn des Pulastya und des Vaters von Vaiśravaṇa war, dies erkennend, verkündete die Stimme damals den heilvollen Sinn.

Wort für Wort
pulastyasya tu yac cittaṃ
was im Sinn des Pulastya,
pitur vaiśravaṇasya tu
und des Vaters von Vaiśravaṇa war,
viditveva tadā vāṇī
dies erkennend, damals die Stimme,
śubham artham udīrayat
verkündete den heilvollen Sinn

bhūtavad bhavitavyaṃ syād dāsyamānaṃ tu dattavat / prāptavyaṃ prāptavat tatra daivī vāg abhavac chubhā //

'Was werden soll, soll wie schon geschehen sein; was gegeben werden soll, wie schon gegeben; was zu erlangen ist, wie schon erlangt' – so war dort die heilvolle göttliche Stimme.

Wort für Wort
bhūtavad bhavitavyaṃ syād
was werden soll, soll wie schon geschehen sein,
dāsyamānaṃ tu dattavat
was gegeben werden soll, wie schon gegeben,
prāptavyaṃ prāptavat tatra
was zu erlangen ist, wie schon erlangt, dort,
daivī vāg abhavac chubhā
war die heilvolle göttliche Stimme

prabhūtaśatruḥ paribhūtaduḥkhaḥ / saṃpūjya someśvaram āpa liṅgam / digīśvaratvaṃ draviṇaprabhutvam / apāradātṛtvakalatraputrān //

Er, mit zahlreichen Feinden, von Leid gedemütigt, erlangte, nachdem er das Someśvara-Liṅga verehrt hatte: die Herrschaft über eine Himmelsrichtung, die Herrschaft über den Reichtum, grenzenlose Freigebigkeit sowie Gattin und Söhne.

Wort für Wort
prabhūtaśatruḥ paribhūtaduḥkhaḥ
mit zahlreichen Feinden, von Leid gedemütigt,
saṃpūjya someśvaram āpa liṅgam
das Someśvara-Liṅga verehrt habend, erlangte er,
digīśvaratvaṃ draviṇaprabhutvam
die Herrschaft über eine Himmelsrichtung, die Herrschaft über den Reichtum,
apāradātṛtvakalatraputrān
grenzenlose Freigebigkeit sowie Gattin und Söhne

[Anm.: vierzeiliger Vers in eigenem Versmaß (Pādas a-d einzeln im Quelltext markiert).]

tāṃ vācaṃ dhanadaḥ śrutvā devadevaṃ triśūlinam / evaṃ bhavatu nāmeti dhanado vākyam abravīt //

Nachdem Dhanada diese Stimme gehört hatte, sprach er zum Gott der Götter, dem Dreizackträger: 'So sei es', dieses Wort sprach Dhanada.

Wort für Wort
tāṃ vācaṃ dhanadaḥ śrutvā
diese Stimme gehört habend, Dhanada,
devadevaṃ triśūlinam
zum Gott der Götter, dem Dreizackträger,
evaṃ bhavatu nāmeti
'so sei es'
dhanado vākyam abravīt
dieses Wort sprach Dhanada

tathaivāstv iti deveśo daivīṃ vācam amanyata / pulastyaṃ ca varaiḥ puṇyais tathā viśravasaṃ munim //

'So sei es eben', damit bestätigte der Göttergebieter die göttliche Stimme; und Pulastya sowie den Weisen Viśravas segnete er mit heiligen Gaben.

Wort für Wort
tathaivāstv iti deveśo
'so sei es eben', der Göttergebieter,
daivīṃ vācam amanyata
bestätigte die göttliche Stimme,
pulastyaṃ ca varaiḥ puṇyais
und Pulastya mit heiligen Segnungen,
tathā viśravasaṃ munim
sowie den Weisen Viśravas

dhanapālaṃ ca deveśo hy abhinandya yayau śivaḥ / tataḥ prabhṛti tat tīrthaṃ paulastyaṃ dhanadaṃ viduḥ //

Und den Reichtumshüter beglückwünschend, ging der Göttergebieter, Śiva, fort; seitdem kennt man jenes Tīrtha als 'Paulastya' und 'Dhanada'.

Wort für Wort
dhanapālaṃ ca deveśo
und den Reichtumshüter, der Göttergebieter,
hy abhinandya yayau śivaḥ
beglückwünschend, ging Śiva fort,
tataḥ prabhṛti tat tīrthaṃ
seitdem kennt man jenes Tīrtha,
paulastyaṃ dhanadaṃ viduḥ
als 'Paulastya' und 'Dhanada'

tathā vaiśravasaṃ puṇyaṃ sarvakāmapradaṃ śubham / teṣu snānādi yat kiṃcit tat sarvaṃ bahupuṇyadam //

Ebenso als 'Vaiśravasa', heilig, alle Wünsche gewährend, heilvoll; was auch immer man dort an Baden und dergleichen vollzieht, all dies gewährt großen Verdienst.

Wort für Wort
tathā vaiśravasaṃ puṇyaṃ
ebenso als 'Vaiśravasa', heilig,
sarvakāmapradaṃ śubham
alle Wünsche gewährend, heilvoll,
teṣu snānādi yat kiṃcit
was auch immer man dort an Baden und dergleichen,
tat sarvaṃ bahupuṇyadam
vollzieht, all dies gewährt großen Verdienst

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