Quellen der Menschheit

Brahma-Purāṇa

Kapitel 184: pūtanāvadhaḥ śakaṭabhaṅgo yamalārjunabhaṅgaś ca Die Tötung der Pūtanā, das Umstürzen des Wagens und das Fällen der Yamalārjuna-Bäume

Nach der Heimkehr nach Gokula tötet der Säugling Kṛṣṇa die Dämonin Pūtanā, die ihn mit Gift stillen wollte; Nandagopa spricht einen ausführlichen Schutzsegen (,Rakṣā') über ihn. Es folgen die Episode des durch einen Fußtritt umgestürzten Wagens und die berühmte Dāmodara-Episode: Yaśodā bindet den unbändigen Kṛṣṇa mit einem Strick an einen Mörser, den er zwischen den Zwillings-Arjunabäumen hindurchzieht und dabei fällt. Aus Furcht vor den Unglückszeichen zieht die gesamte Vraja-Gemeinschaft nach Vṛndāvana um, wo Kṛṣṇa wunderbares frisches Gras entstehen lässt. Rāma und Kṛṣṇa (,Dāmodara') wachsen als Kälberhüter heran und erreichen mit sieben Jahren das Alter, in dem sie im einsetzenden Monsun mit den anderen Hirtenkindern spielen.

{vyāsa uvāca:} vimukto vasudevo 'pi nandasya śakaṭaṃ gataḥ / prahṛṣṭaṃ dṛṣṭavān nandaṃ putro jāto mameti vai //

Der freigelassene Vasudeva aber ging zu Nandas Wagen und sah den erfreuten Nanda, [der rief]: ,Mir ist ein Sohn geboren!'

Wort für Wort
vimukto vasudevo 'pi nandasya śakaṭaṃ gataḥ
Der freigelassene Vasudeva aber ging zu Nandas Wagen
prahṛṣṭaṃ dṛṣṭavān nandaṃ putro jāto mameti vai
und sah den erfreuten Nanda: ,Mir ist ein Sohn geboren!'

vasudevo 'pi taṃ prāha diṣṭyā diṣṭyeti sādaram / vārdhake 'pi samutpannas tanayo 'yaṃ tavādhunā //

Vasudeva aber sprach ehrerbietig zu ihm: ,Welch Glück, welch Glück! Auch im Alter noch ist dir jetzt dieser Sohn geboren.'

Wort für Wort
vasudevo 'pi taṃ prāha diṣṭyā diṣṭyeti sādaram
Vasudeva aber sprach ehrerbietig zu ihm: ,Welch Glück, welch Glück!'
vārdhake 'pi samutpannas tanayo 'yaṃ tavādhunā
Auch im Alter noch ist dir jetzt dieser Sohn geboren

datto hi vārṣikaḥ sarvo bhavadbhir nṛpateḥ karaḥ / yadartham āgatas tasmān nātra stheyaṃ mahātmanā //

Der gesamte jährliche Tribut für den König ist von euch entrichtet worden; weswegen ihr gekommen seid, deshalb sollt ihr, o Hochseeliger, nicht länger hierbleiben.

Wort für Wort
datto hi vārṣikaḥ sarvo bhavadbhir nṛpateḥ karaḥ
Der gesamte jährliche Tribut für den König ist von euch entrichtet worden
yadartham āgatas tasmān nātra stheyaṃ mahātmanā
weswegen ihr gekommen seid, deshalb sollt ihr, o Hochseeliger, nicht länger hierbleiben

yadartham āgataḥ kāryaṃ tan niṣpannaṃ kim āsyate / bhavadbhir gamyatāṃ nanda tac chīghraṃ nijagokulam //

Die Aufgabe, weswegen ihr gekommen seid, ist erfüllt — warum verweilt ihr noch? Geht, o Nanda, schnell in euer eigenes Gokula.

Wort für Wort
yadartham āgataḥ kāryaṃ tan niṣpannaṃ kim āsyate
Die Aufgabe, weswegen ihr gekommen seid, ist erfüllt — warum verweilt ihr noch?
bhavadbhir gamyatāṃ nanda tac chīghraṃ nijagokulam
Geht, o Nanda, schnell in euer eigenes Gokula

mamāpi bālakas tatra rohiṇīprasavo hi yaḥ / sa rakṣaṇīyo bhavatā yathāyaṃ tanayo nijaḥ //

Auch mein Knabe, der von Rohiṇī geboren wurde, dort — der soll von dir beschützt werden, so wie dieser dein eigener Sohn.

Wort für Wort
mamāpi bālakas tatra rohiṇīprasavo hi yaḥ
Auch mein Knabe, der von Rohiṇī geboren wurde, dort
sa rakṣaṇīyo bhavatā yathāyaṃ tanayo nijaḥ
der soll von dir beschützt werden, so wie dieser dein eigener Sohn

{vyāsa uvāca:} ity uktāḥ prayayur gopā nandagopapurogamāḥ / śakaṭāropitair bhāṇḍaiḥ karaṃ dattvā mahābalāḥ //

So angesprochen, zogen die Kuhhirten, angeführt von Nandagopa, mit den auf die Wagen geladenen Gefäßen fort, die kraftvollen, nachdem sie den Tribut entrichtet hatten.

Wort für Wort
ity uktāḥ prayayur gopā nandagopapurogamāḥ
So angesprochen, zogen die Kuhhirten, angeführt von Nandagopa, fort
śakaṭāropitair bhāṇḍaiḥ karaṃ dattvā mahābalāḥ
mit den auf die Wagen geladenen Gefäßen, die kraftvollen, nachdem sie den Tribut entrichtet hatten

vasatāṃ gokule teṣāṃ pūtanā bālaghātinī / suptaṃ kṛṣṇam upādāya rātrau ca pradadau stanam //

Während sie in Gokula weilten, nahm die Kindermörderin Pūtanā den schlafenden Kṛṣṇa in der Nacht und bot ihm die Brust dar.

Wort für Wort
vasatāṃ gokule teṣāṃ pūtanā bālaghātinī
Während sie in Gokula weilten, die Kindermörderin Pūtanā
suptaṃ kṛṣṇam upādāya rātrau ca pradadau stanam
nahm den schlafenden Kṛṣṇa in der Nacht und bot ihm die Brust dar

yasmai yasmai stanaṃ rātrai pūtanā saṃprayacchati / tasya tasya kṣaṇenāṅgaṃ bālakasyopahanyate //

Wem auch immer Pūtanā nachts die Brust darreicht, dessen Leib wird augenblicklich, jenes Kindes, vernichtet.

Wort für Wort
yasmai yasmai stanaṃ rātrai pūtanā saṃprayacchati
Wem auch immer Pūtanā nachts die Brust darreicht
tasya tasya kṣaṇenāṅgaṃ bālakasyopahanyate
dessen Leib wird augenblicklich, jenes Kindes, vernichtet

kṛṣṇas tasyāḥ stanaṃ gāḍhaṃ karābhyām atipīḍitam / gṛhītvā prāṇasahitaṃ papau krodhasamanvitaḥ //

Kṛṣṇa aber ergriff mit beiden Händen fest ihre Brust, drückte sie überaus stark und trank sie zornerfüllt, samt ihrem Lebensatem.

Wort für Wort
kṛṣṇas tasyāḥ stanaṃ gāḍhaṃ karābhyām atipīḍitam
Kṛṣṇa aber ergriff mit beiden Händen fest ihre Brust, überaus stark gedrückt
gṛhītvā prāṇasahitaṃ papau krodhasamanvitaḥ
und trank sie, samt ihrem Lebensatem, zornerfüllt

sā vimuktamahārāvā vicchinnasnāyubandhanā / papāta pūtanā bhūmau mriyamāṇātibhīṣaṇā //

Sie, ein gewaltiges Geschrei ausstoßend, mit zerrissenen Sehnenbändern, stürzte, die sterbende Pūtanā, überaus furchterregend, zu Boden.

Wort für Wort
sā vimuktamahārāvā vicchinnasnāyubandhanā
Sie, ein gewaltiges Geschrei ausstoßend, mit zerrissenen Sehnenbändern
papāta pūtanā bhūmau mriyamāṇātibhīṣaṇā
stürzte, die sterbende Pūtanā, überaus furchterregend, zu Boden

tannādaśrutisaṃtrāsād vibuddhās te vrajaukasaḥ / dadṛśuḥ pūtanotsaṅge kṛṣṇaṃ tāṃ ca nipātitām //

Durch den Schrecken beim Hören jenes Schreis erwachten die Bewohner von Vraja und sahen Kṛṣṇa im Schoß der Pūtanā sowie sie selbst gestürzt daliegen.

Wort für Wort
tannādaśrutisaṃtrāsād vibuddhās te vrajaukasaḥ
Durch den Schrecken beim Hören jenes Schreis erwachten die Bewohner von Vraja
dadṛśuḥ pūtanotsaṅge kṛṣṇaṃ tāṃ ca nipātitām
und sahen Kṛṣṇa im Schoß der Pūtanā sowie sie selbst gestürzt daliegen

ādāya kṛṣṇaṃ saṃtrastā yaśodā ca tato dvijāḥ / gopucchabhrāmaṇādyaiś ca bāladoṣam apākarot //

Die erschrockene Yaśodā nahm darauf, ihr Zweifachgeborenen, Kṛṣṇa auf und vertrieb den bösen Einfluss vom Kind, indem sie unter anderem einen Kuhschwanz über ihn schwenkte.

Wort für Wort
ādāya kṛṣṇaṃ saṃtrastā yaśodā ca tato dvijāḥ
Die erschrockene Yaśodā nahm darauf, ihr Zweifachgeborenen, Kṛṣṇa auf
gopucchabhrāmaṇādyaiś ca bāladoṣam apākarot
und vertrieb den bösen Einfluss vom Kind, indem sie u.a. einen Kuhschwanz über ihn schwenkte

gopurīṣam upādāya nandagopo 'pi mastake / kṛṣṇasya pradadau rakṣāṃ kurvann idam udairayat //

Nandagopa aber nahm Kuhdung und legte ihn auf Kṛṣṇas Scheitel, während er zum Schutz folgende Worte aussprach:

Wort für Wort
gopurīṣam upādāya nandagopo 'pi mastake
Nandagopa aber nahm Kuhdung und legte ihn auf Kṛṣṇas Scheitel
kṛṣṇasya pradadau rakṣāṃ kurvann idam udairayat
zum Schutz, während er folgende Worte aussprach

{nandagopa uvāca:} rakṣatu tvām aśeṣāṇāṃ bhūtānāṃ prabhavo hariḥ / yasya nābhisamudbhūtāt paṅkajād abhavaj jagat //

[Nandagopa sprach:] ,Es schütze dich Hari, der Ursprung aller Wesen, aus dessen nabelentsprossenem Lotus die Welt entstand.'

Wort für Wort
rakṣatu tvām aśeṣāṇāṃ bhūtānāṃ prabhavo hariḥ
Es schütze dich Hari, der Ursprung aller Wesen
yasya nābhisamudbhūtāt paṅkajād abhavaj jagat
aus dessen nabelentsprossenem Lotus die Welt entstand

yena daṃṣṭrāgravidhṛtā dhārayaty avanī jagat / varāharūpadhṛg devaḥ sa tvāṃ rakṣatu keśavaḥ //

Der die Erde an der Spitze seines Stoßzahns trug und dadurch die Welt trägt — der Gott, der die Eber-Gestalt angenommen hat, Keśava, der schütze dich.

Wort für Wort
yena daṃṣṭrāgravidhṛtā dhārayaty avanī jagat
Der die Erde an der Spitze seines Stoßzahns trug und dadurch die Welt trägt
varāharūpadhṛg devaḥ sa tvāṃ rakṣatu keśavaḥ
der Gott, der die Eber-Gestalt trägt, Keśava, der schütze dich

guhyaṃ sa jaṭharaṃ viṣṇur jaṅghāpādau janārdanaḥ / vāmano rakṣatu sadā bhavantaṃ yaḥ kṣaṇād abhūt //

Viṣṇu schütze die verborgenen Teile und den Bauch, Janārdana die Waden und Füße; Vāmana, der aus einem Zwerg in einem Augenblick zum Riesen wurde, schütze dich allezeit.

Wort für Wort
guhyaṃ sa jaṭharaṃ viṣṇur jaṅghāpādau janārdanaḥ
Viṣṇu [schütze] die verborgenen Teile und den Bauch, Janārdana die Waden und Füße
vāmano rakṣatu sadā bhavantaṃ yaḥ kṣaṇād abhūt
Vāmana, der in einem Augenblick [zum Riesen] wurde, schütze dich allezeit

trivikramakramākrānta-trailokyasphuradāyudhaḥ / śiras te pātu govindaḥ kaṇṭhaṃ rakṣatu keśavaḥ //

Er, dessen Waffen durch den Dreischritt, der die drei Welten durchmaß, erglänzen — Govinda beschütze dein Haupt, Keśava beschütze deinen Hals.

Wort für Wort
trivikramakramākrānta-trailokyasphuradāyudhaḥ
Er, dessen Waffen durch den Dreischritt, der die drei Welten durchmaß, erglänzen
śiras te pātu govindaḥ kaṇṭhaṃ rakṣatu keśavaḥ
Govinda beschütze dein Haupt, Keśava beschütze deinen Hals

mukhabāhū prabāhū ca manaḥ sarvendriyāṇi ca / rakṣatv avyāhataiśvaryas tava nārāyaṇo 'vyayaḥ //

Mund und Arme, Unterarme, den Geist und alle Sinnesorgane schütze der unvergängliche Nārāyaṇa, dessen Herrschaft ungehindert ist.

Wort für Wort
mukhabāhū prabāhū ca manaḥ sarvendriyāṇi ca
Mund und Arme, Unterarme, den Geist und alle Sinnesorgane
rakṣatv avyāhataiśvaryas tava nārāyaṇo 'vyayaḥ
schütze der unvergängliche Nārāyaṇa, dessen Herrschaft ungehindert ist

tvāṃ dikṣu pātu vaikuṇṭho vidikṣu madhusūdanaḥ / hṛṣīkeśo 'mbare bhūmau rakṣatu tvāṃ mahīdharaḥ //

In den Haupthimmelsrichtungen beschütze dich Vaikuṇṭha, in den Zwischenrichtungen Madhusūdana; im Luftraum Hṛṣīkeśa, auf der Erde beschütze dich der Erdenträger.

Wort für Wort
tvāṃ dikṣu pātu vaikuṇṭho vidikṣu madhusūdanaḥ
In den Haupthimmelsrichtungen beschütze dich Vaikuṇṭha, in den Zwischenrichtungen Madhusūdana
hṛṣīkeśo 'mbare bhūmau rakṣatu tvāṃ mahīdharaḥ
im Luftraum Hṛṣīkeśa, auf der Erde beschütze dich der Erdenträger

{vyāsa uvāca:} evaṃ kṛtasvastyayano nandagopena bālakaḥ / śāyitaḥ śakaṭasyādho bālaparyaṅkikātale //

So, nachdem der Segensspruch von Nandagopa vollzogen worden war, wurde das Kind unter dem Wagen auf dem Grund der Kinderwiege niedergelegt.

Wort für Wort
evaṃ kṛtasvastyayano nandagopena bālakaḥ
So, nachdem der Segensspruch von Nandagopa vollzogen worden war, das Kind
śāyitaḥ śakaṭasyādho bālaparyaṅkikātale
wurde unter dem Wagen auf dem Grund der Kinderwiege niedergelegt

te ca gopā mahad dṛṣṭvā pūtanāyāḥ kalevaram / mṛtāyāḥ paramaṃ trāsaṃ vismayaṃ ca tadā yayuḥ //

Und als die Kuhhirten den gewaltigen Leichnam der toten Pūtanā sahen, gerieten sie in höchsten Schrecken und Erstaunen.

Wort für Wort
te ca gopā mahad dṛṣṭvā pūtanāyāḥ kalevaram
Und als die Kuhhirten den gewaltigen Leichnam der Pūtanā sahen
mṛtāyāḥ paramaṃ trāsaṃ vismayaṃ ca tadā yayuḥ
der toten, gerieten sie in höchsten Schrecken und Erstaunen

kadācic chakaṭasyādhaḥ śayāno madhusūdanaḥ / cikṣepa caraṇāv ūrdhvaṃ stanārthī praruroda ca //

Einst, unter dem Wagen liegend, streckte Madhusūdana seine Füße nach oben und weinte, nach der Brust verlangend.

Wort für Wort
kadācic chakaṭasyādhaḥ śayāno madhusūdanaḥ
Einst, unter dem Wagen liegend, Madhusūdana
cikṣepa caraṇāv ūrdhvaṃ stanārthī praruroda ca
streckte seine Füße nach oben und weinte, nach der Brust verlangend

tasya pādaprahāreṇa śakaṭaṃ parivartitam / vidhvastabhāṇḍakumbhaṃ tad viparītaṃ papāta vai //

Durch den Fußtritt von ihm wurde der Wagen umgestürzt; mit zerbrochenen Töpfen und Gefäßen fiel er verkehrt herum um.

Wort für Wort
tasya pādaprahāreṇa śakaṭaṃ parivartitam
Durch den Fußtritt von ihm wurde der Wagen umgestürzt
vidhvastabhāṇḍakumbhaṃ tad viparītaṃ papāta vai
mit zerbrochenen Töpfen und Gefäßen fiel er verkehrt herum

tato hāhākṛtaḥ sarvo gopagopījano dvijāḥ / ājagāma tadā jñātvā bālam uttānaśāyinam //

Darauf, ein Wehgeschrei erhebend, kamen alle Kuhhirten und Hirtenfrauen, ihr Zweifachgeborenen, herbei, als sie erfuhren, [was geschehen], und sahen das Kind auf dem Rücken liegend.

Wort für Wort
tato hāhākṛtaḥ sarvo gopagopījano dvijāḥ
Darauf, ein Wehgeschrei erhebend, alle Kuhhirten und Hirtenfrauen, ihr Zweifachgeborenen
ājagāma tadā jñātvā bālam uttānaśāyinam
kamen herbei, als sie erfuhren, und sahen das Kind auf dem Rücken liegend

gopāḥ keneti jagaduḥ śakaṭaṃ parivartitam / tatraiva bālakāḥ procur bālenānena pātitam //

Die Kuhhirten fragten: 'Durch wen wurde der Wagen umgestürzt?' Da sagten die anderen Kinder ebendort: 'Von diesem Kind wurde er umgeworfen.'

Wort für Wort
gopāḥ keneti jagaduḥ śakaṭaṃ parivartitam
Die Kuhhirten fragten: 'Durch wen wurde der Wagen umgestürzt?'
tatraiva bālakāḥ procur bālenānena pātitam
Da sagten die Kinder ebendort: 'Von diesem Kind wurde er umgeworfen'

rudatā dṛṣṭam asmābhiḥ pādavikṣepatāḍitam / śakaṭaṃ parivṛttaṃ vai naitad anyasya ceṣṭitam //

'Wir haben gesehen, wie er weinend mit dem Fußschlag den Wagen traf und er umstürzte — dies ist nicht das Werk eines anderen.'

Wort für Wort
rudatā dṛṣṭam asmābhiḥ pādavikṣepatāḍitam
Wir haben gesehen, wie er weinend mit dem Fußschlag traf
śakaṭaṃ parivṛttaṃ vai naitad anyasya ceṣṭitam
den Wagen, der umstürzte — dies ist nicht das Werk eines anderen

tataḥ punar atīvāsan gopā vismitacetasaḥ / nandagopo 'pi jagrāha bālam atyantavismitaḥ //

Darauf waren die Kuhhirten wiederum überaus erstaunten Gemüts; auch Nandagopa nahm, überaus erstaunt, das Kind auf.

Wort für Wort
tataḥ punar atīvāsan gopā vismitacetasaḥ
Darauf waren die Kuhhirten wiederum überaus erstaunten Gemüts
nandagopo 'pi jagrāha bālam atyantavismitaḥ
auch Nandagopa nahm, überaus erstaunt, das Kind auf

yaśodā vismayārūḍhā bhagnabhāṇḍakapālakam / śakaṭaṃ cārcayām āsa dadhipuṣpaphalākṣataiḥ //

Yaśodā, von Erstaunen ergriffen, verehrte den Wagen mit den zerbrochenen Töpfen und Krügen mit Quark, Blumen, Früchten und ungeschältem Reis.

Wort für Wort
yaśodā vismayārūḍhā bhagnabhāṇḍakapālakam
Yaśodā, von Erstaunen ergriffen, den Wagen mit den zerbrochenen Töpfen und Krügen
śakaṭaṃ cārcayām āsa dadhipuṣpaphalākṣataiḥ
verehrte sie mit Quark, Blumen, Früchten und ungeschältem Reis

gargaś ca gokule tatra vasudevapracoditaḥ / pracchanna eva gopānāṃ saṃskāram akarot tayoḥ //

Und Garga vollzog dort in Gokula, von Vasudeva veranlasst, im Verborgenen vor den Kuhhirten die Namensgebungs-Zeremonie für die beiden.

Wort für Wort
gargaś ca gokule tatra vasudevapracoditaḥ
Und Garga, dort in Gokula, von Vasudeva veranlasst
pracchanna eva gopānāṃ saṃskāram akarot tayoḥ
vollzog im Verborgenen vor den Kuhhirten die Zeremonie für die beiden

jyeṣṭhaṃ ca rāmam ity āha kṛṣṇaṃ caiva tathāparam / gargo matimatāṃ śreṣṭho nāma kurvan mahāmatiḥ //

Garga, der Beste der Weisen, der Hochgesinnte, nannte, die Namen gebend, den Älteren 'Rāma' und den anderen ebenso 'Kṛṣṇa'.

Wort für Wort
jyeṣṭhaṃ ca rāmam ity āha kṛṣṇaṃ caiva tathāparam
Den Älteren nannte er 'Rāma' und ebenso den anderen 'Kṛṣṇa'
gargo matimatāṃ śreṣṭho nāma kurvan mahāmatiḥ
Garga, der Beste der Weisen, der Hochgesinnte, die Namen gebend

alpenaiva hi kālena vijñātau tau mahābalau / ghṛṣṭajānukarau viprā babhūvatur ubhāv api //

In nur kurzer Zeit wurden die beiden gewaltig Starken bekannt, ihr Brahmanen; auf Knien und Händen krabbelnd wurden sie beide größer.

Wort für Wort
alpenaiva hi kālena vijñātau tau mahābalau
In nur kurzer Zeit wurden die beiden gewaltig Starken bekannt, ihr Brahmanen
ghṛṣṭajānukarau viprā babhūvatur ubhāv api
auf Knien und Händen krabbelnd wurden sie beide [größer]

karīṣabhasmadigdhāṅgau bhramamāṇāv itas tataḥ / na nivārayituṃ śaktā yaśodā tau na rohiṇī //

Mit Kuhdung-Asche beschmierten Gliedern, hierhin und dorthin umherstreifend, vermochten weder Yaśodā noch Rohiṇī die beiden zurückzuhalten.

Wort für Wort
karīṣabhasmadigdhāṅgau bhramamāṇāv itas tataḥ
Mit Kuhdung-Asche beschmierten Gliedern, hierhin und dorthin umherstreifend
na nivārayituṃ śaktā yaśodā tau na rohiṇī
vermochten weder Yaśodā noch Rohiṇī die beiden zurückzuhalten

govāṭamadhye krīḍantau vatsavāṭagatau punaḥ / tadaharjātagovatsa-pucchākarṣaṇatatparau //

In der Mitte des Kuhpferchs spielend, wieder zum Kälberpferch gehend, waren sie eifrig damit beschäftigt, den Schwanz der an jenem Tag geborenen Kälber zu ziehen.

Wort für Wort
govāṭamadhye krīḍantau vatsavāṭagatau punaḥ
In der Mitte des Kuhpferchs spielend, wieder zum Kälberpferch gehend
tadaharjātagovatsa-pucchākarṣaṇatatparau
eifrig damit beschäftigt, den Schwanz der an jenem Tag geborenen Kälber zu ziehen

yadā yaśodā tau bālāv ekasthānacarāv ubhau / śaśāka no vārayituṃ krīḍantāv aticañcalau //

Als Yaśodā die beiden Kinder, die zusammen an einem Ort umherliefen und überaus unruhig spielten, nicht zurückhalten konnte,

Wort für Wort
yadā yaśodā tau bālāv ekasthānacarāv ubhau
Als Yaśodā die beiden Kinder, die zusammen an einem Ort umherliefen
śaśāka no vārayituṃ krīḍantāv aticañcalau
nicht zurückhalten konnte, die überaus unruhig spielten

dāmnā baddhvā tadā madhye nibabandha ulūkhale / kṛṣṇam akliṣṭakarmāṇam āha cedam amarṣitā //

band sie darauf Kṛṣṇa, dessen Tun nie ermüdet, mit einem Strick in der Mitte an einen Mörser und sprach, ungeduldig, Folgendes:

Wort für Wort
dāmnā baddhvā tadā madhye nibabandha ulūkhale
Mit einem Strick band sie darauf in der Mitte an einen Mörser
kṛṣṇam akliṣṭakarmāṇam āha cedam amarṣitā
Kṛṣṇa, dessen Tun nie ermüdet, und sprach, ungeduldig, Folgendes

{yaśodovāca:} yadi śakto 'si gaccha tvam aticañcalaceṣṭita //*

[Yaśodā sprach:] ,Wenn du imstande bist, dann geh, du überaus unruhig Handelnder!'

Wort für Wort
yadi śakto 'si gaccha tvam aticañcalaceṣṭita
Wenn du imstande bist, dann geh, du überaus unruhig Handelnder

[Anm.: Unvollständiger, im Quelltext mit * markierter Halbvers.]

{vyāsa uvāca:} ity uktvā ca nijaṃ karma sā cakāra kuṭumbinī / vyagrāyām atha tasyāṃ sa karṣamāṇa ulūkhalam //

Nach diesen Worten ging die Hausfrau ihrer eigenen Arbeit nach; während sie damit beschäftigt war, zog er, den Mörser hinter sich her schleifend,

Wort für Wort
ity uktvā ca nijaṃ karma sā cakāra kuṭumbinī
Nach diesen Worten ging die Hausfrau ihrer eigenen Arbeit nach
vyagrāyām atha tasyāṃ sa karṣamāṇa ulūkhalam
während sie damit beschäftigt war, zog er, den Mörser hinter sich her schleifend

yamalārjunayor madhye jagāma kamalekṣaṇaḥ / karṣatā vṛkṣayor madhye tiryag evam ulūkhalam //

der Lotusäugige zwischen die beiden Arjuna-Zwillingsbäume, indem er so den Mörser quer zwischen den beiden Bäumen zog.

Wort für Wort
yamalārjunayor madhye jagāma kamalekṣaṇaḥ
zwischen die beiden Arjuna-Zwillingsbäume ging der Lotusäugige
karṣatā vṛkṣayor madhye tiryag evam ulūkhalam
indem er den Mörser quer zwischen den beiden Bäumen zog

bhagnāv uttuṅgaśākhāgrau tena tau yamalārjunau / tataḥ kaṭakaṭāśabda-samākarṇanakātaraḥ //

Durch ihn wurden die beiden hochragenden Yamalārjuna-Bäume mit ihren Astspitzen gebrochen; darauf, durch das Hören des krachenden Geräusches erschreckt,

Wort für Wort
bhagnāv uttuṅgaśākhāgrau tena tau yamalārjunau
Durch ihn wurden die beiden hochragenden Yamalārjuna-Bäume mit ihren Astspitzen gebrochen
tataḥ kaṭakaṭāśabda-samākarṇanakātaraḥ
darauf, durch das Hören des krachenden Geräusches erschreckt

ājagāma vrajajano dadṛśe ca mahādrumau / bhagnaskandhau nipātitau bhagnaśākhau mahītale //

kamen die Bewohner von Vraja herbei und sahen die beiden großen Bäume mit gebrochenem Stamm gefällt und mit zerbrochenen Ästen auf der Erde liegen.

Wort für Wort
ājagāma vrajajano dadṛśe ca mahādrumau
kamen die Bewohner von Vraja herbei und sahen die beiden großen Bäume
bhagnaskandhau nipātitau bhagnaśākhau mahītale
mit gebrochenem Stamm gefällt und mit zerbrochenen Ästen auf der Erde liegen

dadarśa cālpadantāsyaṃ smitahāsaṃ ca bālakam / tayor madhyagataṃ baddhaṃ dāmnā gāḍhaṃ tathodare //

Und sie sahen das Kind mit wenigen Zähnen im Mund, lächelnd, zwischen den beiden Bäumen, fest mit dem Strick um den Bauch gebunden.

Wort für Wort
dadarśa cālpadantāsyaṃ smitahāsaṃ ca bālakam
Und sie sahen das Kind mit wenigen Zähnen im Mund, lächelnd
tayor madhyagataṃ baddhaṃ dāmnā gāḍhaṃ tathodare
zwischen den beiden, fest mit dem Strick um den Bauch gebunden

tataś ca dāmodaratāṃ sa yayau dāmabandhanāt / gopavṛddhās tataḥ sarve nandagopapurogamāḥ //

Und dadurch erlangte er, durch die Fesselung mit dem Strick, den Namen 'Dāmodara' (der um den Leib mit dem Strick Gebundene). Darauf berieten alle Ältesten der Kuhhirten, angeführt von Nandagopa,

Wort für Wort
tataś ca dāmodaratāṃ sa yayau dāmabandhanāt
Und dadurch erlangte er, durch die Fesselung mit dem Strick, den Namen 'Dāmodara'
gopavṛddhās tataḥ sarve nandagopapurogamāḥ
darauf [berieten] alle Ältesten der Kuhhirten, angeführt von Nandagopa

[Anm.: Volksetymologische Erklärung des Namens ,Dāmodara' von ,dāman' (Strick) + ,udara' (Bauch).]

mantrayām āsur udvignā mahotpātātibhīravaḥ / sthāneneha na naḥ kāryaṃ vrajāmo 'nyan mahāvanam //

aufgeregt und von den gewaltigen Unglückszeichen sehr erschreckt: 'Mit diesem Ort haben wir hier nichts mehr zu tun — lasst uns zu einem anderen großen Wald ziehen.'

Wort für Wort
mantrayām āsur udvignā mahotpātātibhīravaḥ
berieten sie, aufgeregt und von den gewaltigen Unglückszeichen sehr erschreckt
sthāneneha na naḥ kāryaṃ vrajāmo 'nyan mahāvanam
'Mit diesem Ort haben wir hier nichts mehr zu tun — lasst uns zu einem anderen großen Wald ziehen'

utpātā bahavo hy atra dṛśyante nāśahetavaḥ / pūtanāyā vināśaś ca śakaṭasya viparyayaḥ //

'Denn zahlreiche Unglückszeichen, Ursachen des Untergangs, zeigen sich hier: der Tod der Pūtanā, das Umstürzen des Wagens,

Wort für Wort
utpātā bahavo hy atra dṛśyante nāśahetavaḥ
Denn zahlreiche Unglückszeichen, Ursachen des Untergangs, zeigen sich hier
pūtanāyā vināśaś ca śakaṭasya viparyayaḥ
der Tod der Pūtanā, das Umstürzen des Wagens

vinā vātādidoṣeṇa drumayoḥ patanaṃ tathā / vṛndāvanam itaḥ sthānāt tasmād gacchāma mā ciram //

und das Fallen der beiden Bäume ohne den Fehler von Wind und dergleichen. Deshalb lasst uns von diesem Ort unverzüglich nach Vṛndāvana ziehen,

Wort für Wort
vinā vātādidoṣeṇa drumayoḥ patanaṃ tathā
und das Fallen der beiden Bäume ohne den Fehler von Wind und dergleichen
vṛndāvanam itaḥ sthānāt tasmād gacchāma mā ciram
deshalb lasst uns von diesem Ort unverzüglich nach Vṛndāvana ziehen

yāvad bhaumamahotpāta-doṣo nābhibhaved vrajam / iti kṛtvā matiṃ sarve gamane te vrajaukasaḥ //

bevor das Übel der großen irdischen Unglückszeichen Vraja ganz überwältigt.' So gefasst hatten alle Bewohner von Vraja den Entschluss zum Aufbruch.

Wort für Wort
yāvad bhaumamahotpāta-doṣo nābhibhaved vrajam
bevor das Übel der großen irdischen Unglückszeichen Vraja ganz überwältigt
iti kṛtvā matiṃ sarve gamane te vrajaukasaḥ
so gefasst hatten alle Bewohner von Vraja den Entschluss zum Aufbruch

ūcuḥ svaṃ svaṃ kulaṃ śīghraṃ gamyatāṃ mā vilambyatām / tataḥ kṣaṇena prayayuḥ śakaṭair godhanais tathā //

Sie sagten zu ihrer jeweils eigenen Sippe: 'Geht schnell, säumt nicht!' Darauf zogen sie sogleich mit Wagen und ihrem Rinderbesitz fort,

Wort für Wort
ūcuḥ svaṃ svaṃ kulaṃ śīghraṃ gamyatāṃ mā vilambyatām
Sie sagten zu ihrer jeweils eigenen Sippe: 'Geht schnell, säumt nicht!'
tataḥ kṣaṇena prayayuḥ śakaṭair godhanais tathā
darauf zogen sie sogleich mit Wagen und ihrem Rinderbesitz fort

yūthaśo vatsapālīś ca kālayanto vrajaukasaḥ / sarvāvayavanirdhūtaṃ kṣaṇamātreṇa tat tadā //

die Bewohner von Vraja, die herdenweise die Kälberscharen vorantrieben; in nur einem Augenblick war jener Ort damals in allen seinen Teilen verlassen,

Wort für Wort
yūthaśo vatsapālīś ca kālayanto vrajaukasaḥ
die Bewohner von Vraja, die herdenweise die Kälberscharen vorantrieben
sarvāvayavanirdhūtaṃ kṣaṇamātreṇa tat tadā
in nur einem Augenblick war jener Ort damals in allen seinen Teilen verlassen

kākakākīsamākīrṇaṃ vrajasthānam abhūd dvijāḥ / vṛndāvanaṃ bhagavatā kṛṣṇenākliṣṭakarmaṇā //

und die Stätte von Vraja wurde von Krähen und Krähenweibchen erfüllt, ihr Zweifachgeborenen. Vṛndāvana aber wurde von dem erhabenen Kṛṣṇa, dessen Tun nie ermüdet,

Wort für Wort
kākakākīsamākīrṇaṃ vrajasthānam abhūd dvijāḥ
und die Stätte von Vraja wurde von Krähen und Krähenweibchen erfüllt, ihr Zweifachgeborenen
vṛndāvanaṃ bhagavatā kṛṣṇenākliṣṭakarmaṇā
Vṛndāvana aber [wurde] von dem erhabenen Kṛṣṇa, dessen Tun nie ermüdet

śubhena manasā dhyātaṃ gavāṃ vṛddhim abhīpsatā / tatas tatrātirukṣe 'pi dharmakāle dvijottamāḥ //

mit gutem Sinn bedacht, er, der das Gedeihen der Kühe wünschte; darauf wurde dort, ihr besten der Zweifachgeborenen, obwohl es eine überaus trockene Jahreszeit war,

Wort für Wort
śubhena manasā dhyātaṃ gavāṃ vṛddhim abhīpsatā
mit gutem Sinn bedacht, er, der das Gedeihen der Kühe wünschte
tatas tatrātirukṣe 'pi dharmakāle dvijottamāḥ
darauf wurde dort, ihr besten der Zweifachgeborenen, obwohl es eine überaus trockene Jahreszeit war

prāvṛṭkāla ivābhūc ca navaśaṣpaṃ samantataḥ / sa samāvāsitaḥ sarvo vrajo vṛndāvane tataḥ //

wie zur Regenzeit, alles ringsum mit frischem jungem Gras bedeckt; darauf ließ sich die gesamte Vraja-Gemeinschaft in Vṛndāvana nieder,

Wort für Wort
prāvṛṭkāla ivābhūc ca navaśaṣpaṃ samantataḥ
wie zur Regenzeit, alles ringsum mit frischem jungem Gras [bedeckt]
sa samāvāsitaḥ sarvo vrajo vṛndāvane tataḥ
darauf ließ sich die gesamte Vraja-Gemeinschaft in Vṛndāvana nieder

śakaṭīvāṭaparyanta-candrārdhākārasaṃsthitiḥ / vatsabālau ca saṃvṛttau rāmadāmodarau tataḥ //

in einer Anordnung, die sich vom Wagenkreis bis zum Gehege in Form eines Halbmondes erstreckte. Rāma und Dāmodara wurden darauf zu Hütern der Kälber,

Wort für Wort
śakaṭīvāṭaparyanta-candrārdhākārasaṃsthitiḥ
in einer Anordnung, die sich vom Wagenkreis bis zum Gehege in Form eines Halbmondes erstreckte
vatsabālau ca saṃvṛttau rāmadāmodarau tataḥ
Rāma und Dāmodara wurden darauf zu Hütern der Kälber

tatra sthitau tau ca goṣṭhe ceratur bālalīlayā / barhipattrakṛtāpīḍau vanyapuṣpāvataṃsakau //

und die beiden, dort im Kuhpferch weilend, bewegten sich mit kindlichem Spiel, mit Pfauenfederkränzen als Kopfschmuck, mit Waldblumen als Ohrschmuck,

Wort für Wort
tatra sthitau tau ca goṣṭhe ceratur bālalīlayā
und die beiden, dort im Kuhpferch weilend, bewegten sich mit kindlichem Spiel
barhipattrakṛtāpīḍau vanyapuṣpāvataṃsakau
mit Pfauenfederkränzen als Kopfschmuck, mit Waldblumen als Ohrschmuck

gopaveṇukṛtātodya-pattravādyakṛtasvanau / kākapakṣadharau bālau kumārāv iva pāvakau //

mit dem Klang, den sie mit Hirtenflöten und Blattinstrumenten erzeugten, mit Haarschöpfen wie Krähenflügel — die beiden Knaben, wie zwei Feuer-Kumāras.

Wort für Wort
gopaveṇukṛtātodya-pattravādyakṛtasvanau
mit dem Klang, den sie mit Hirtenflöten und Blattinstrumenten erzeugten
kākapakṣadharau bālau kumārāv iva pāvakau
mit Haarschöpfen wie Krähenflügel, die beiden Knaben, wie zwei Feuer-Kumāras

[Anm.: ,kumārāv iva pāvakau' vergleicht die beiden Knaben mit den feurigen Kumāras (Skanda-Söhnen des Feuergottes).]

hasantau ca ramantau ca ceratus tan mahad vanam / kvacid dhasantāv anyonyaṃ krīḍamānau tathā paraiḥ //

Lachend und sich vergnügend durchstreiften sie jenen großen Wald; manchmal miteinander lachend, spielend, ebenso mit anderen,

Wort für Wort
hasantau ca ramantau ca ceratus tan mahad vanam
Lachend und sich vergnügend durchstreiften sie jenen großen Wald
kvacid dhasantāv anyonyaṃ krīḍamānau tathā paraiḥ
manchmal miteinander lachend, spielend, ebenso mit anderen

gopaputraiḥ samaṃ vatsāṃś cārayantau viceratuḥ / kālena gacchatā tau tu saptavarṣau babhūvatuḥ //

zusammen mit den Söhnen der Kuhhirten die Kälber weidend, streiften sie umher; im Laufe der Zeit aber wurden die beiden sieben Jahre alt,

Wort für Wort
gopaputraiḥ samaṃ vatsāṃś cārayantau viceratuḥ
zusammen mit den Söhnen der Kuhhirten die Kälber weidend, streiften sie umher
kālena gacchatā tau tu saptavarṣau babhūvatuḥ
im Laufe der Zeit aber wurden die beiden sieben Jahre alt

sarvasya jagataḥ pālau vatsapālau mahāvraje / prāvṛṭkālas tato 'tīva meghaughasthagitāmbaraḥ //

die Hüter der ganzen Welt, nun Kälberhüter im großen Vraja. Darauf kam die Regenzeit, mit einem von Wolkenmassen überaus verhüllten Himmel,

Wort für Wort
sarvasya jagataḥ pālau vatsapālau mahāvraje
die Hüter der ganzen Welt, [nun] Kälberhüter im großen Vraja
prāvṛṭkālas tato 'tīva meghaughasthagitāmbaraḥ
darauf kam die Regenzeit, mit einem von Wolkenmassen überaus verhüllten Himmel

babhūva vāridhārābhir aikyaṃ kurvan diśām iva / prarūḍhanavapuṣpāḍhyā śakragopavṛtā mahī //

die durch die Wasserströme gleichsam die Himmelsrichtungen zu einem einzigen Ganzen vereinigte; die Erde, reich an frisch aufgesprossenen Blüten, war von den roten Regenkäfern (Indragopa) bedeckt,

Wort für Wort
babhūva vāridhārābhir aikyaṃ kurvan diśām iva
die durch die Wasserströme gleichsam die Himmelsrichtungen zu einem einzigen Ganzen vereinigte
prarūḍhanavapuṣpāḍhyā śakragopavṛtā mahī
die Erde, reich an frisch aufgesprossenen Blüten, war von den roten Regenkäfern bedeckt

[Anm.: ,śakragopa' (,Indragopa') bezeichnet die leuchtend roten Sammetmilben/Regenkäfer, die während der Regenzeit erscheinen — ein klassisches Naturmotiv der Kāvya-Dichtung.]

yathā mārakate vāsīt padmarāgavibhūṣitā / ūhur unmārgagāmīni nimnagāmbhāṃsi sarvataḥ //

so dass sie wie eine Smaragdfläche war, geschmückt mit Rubinen; die Flüsse führten überall ihr Wasser abseits der gewohnten Bahnen,

Wort für Wort
yathā mārakate vāsīt padmarāgavibhūṣitā
so dass sie wie eine Smaragdfläche war, geschmückt mit Rubinen
ūhur unmārgagāmīni nimnagāmbhāṃsi sarvataḥ
die Flüsse führten überall ihr Wasser abseits der gewohnten Bahnen

manāṃsi durvinītānāṃ prāpya lakṣmīṃ navām iva / vikāle ca yathākāmaṃ vrajam etya mahābalau / gopaiḥ samānaiḥ sahitau cikrīḍāte 'marāv iva //

wie die Gemüter der Unbeherrschten, die neuen Reichtum erlangt haben. Und zur rechten Zeit, nach Belieben, zu Vraja zurückgekehrt, spielten die beiden gewaltig Starken zusammen mit ihresgleichen, den Kuhhirten, wie zwei Unsterbliche.

Wort für Wort
manāṃsi durvinītānāṃ prāpya lakṣmīṃ navām iva
wie die Gemüter der Unbeherrschten, die neuen Reichtum erlangt haben
vikāle ca yathākāmaṃ vrajam etya mahābalau
und zur rechten Zeit, nach Belieben, zu Vraja zurückgekehrt, die beiden gewaltig Starken
gopaiḥ samānaiḥ sahitau cikrīḍāte 'marāv iva
spielten zusammen mit ihresgleichen, den Kuhhirten, wie zwei Unsterbliche

[Anm.: Dreizeiliger Vers.]

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