Kapitel 184: pūtanāvadhaḥ śakaṭabhaṅgo yamalārjunabhaṅgaś ca
Die Tötung der Pūtanā, das Umstürzen des Wagens und das Fällen der Yamalārjuna-Bäume
Nach der Heimkehr nach Gokula tötet der Säugling Kṛṣṇa die Dämonin Pūtanā, die ihn mit Gift stillen wollte; Nandagopa spricht einen ausführlichen Schutzsegen (,Rakṣā') über ihn. Es folgen die Episode des durch einen Fußtritt umgestürzten Wagens und die berühmte Dāmodara-Episode: Yaśodā bindet den unbändigen Kṛṣṇa mit einem Strick an einen Mörser, den er zwischen den Zwillings-Arjunabäumen hindurchzieht und dabei fällt. Aus Furcht vor den Unglückszeichen zieht die gesamte Vraja-Gemeinschaft nach Vṛndāvana um, wo Kṛṣṇa wunderbares frisches Gras entstehen lässt. Rāma und Kṛṣṇa (,Dāmodara') wachsen als Kälberhüter heran und erreichen mit sieben Jahren das Alter, in dem sie im einsetzenden Monsun mit den anderen Hirtenkindern spielen.
Der gesamte jährliche Tribut für den König ist von euch entrichtet worden; weswegen ihr gekommen seid, deshalb sollt ihr, o Hochseeliger, nicht länger hierbleiben.
Wort für Wort
datto hi vārṣikaḥ sarvo bhavadbhir nṛpateḥ karaḥ
Der gesamte jährliche Tribut für den König ist von euch entrichtet worden
yadartham āgatas tasmān nātra stheyaṃ mahātmanā
weswegen ihr gekommen seid, deshalb sollt ihr, o Hochseeliger, nicht länger hierbleiben
So angesprochen, zogen die Kuhhirten, angeführt von Nandagopa, mit den auf die Wagen geladenen Gefäßen fort, die kraftvollen, nachdem sie den Tribut entrichtet hatten.
Wort für Wort
ity uktāḥ prayayur gopā nandagopapurogamāḥ
So angesprochen, zogen die Kuhhirten, angeführt von Nandagopa, fort
śakaṭāropitair bhāṇḍaiḥ karaṃ dattvā mahābalāḥ
mit den auf die Wagen geladenen Gefäßen, die kraftvollen, nachdem sie den Tribut entrichtet hatten
ādāya kṛṣṇaṃ saṃtrastā yaśodā ca tato dvijāḥ /
gopucchabhrāmaṇādyaiś ca bāladoṣam apākarot //
Die erschrockene Yaśodā nahm darauf, ihr Zweifachgeborenen, Kṛṣṇa auf und vertrieb den bösen Einfluss vom Kind, indem sie unter anderem einen Kuhschwanz über ihn schwenkte.
Wort für Wort
ādāya kṛṣṇaṃ saṃtrastā yaśodā ca tato dvijāḥ
Die erschrockene Yaśodā nahm darauf, ihr Zweifachgeborenen, Kṛṣṇa auf
gopucchabhrāmaṇādyaiś ca bāladoṣam apākarot
und vertrieb den bösen Einfluss vom Kind, indem sie u.a. einen Kuhschwanz über ihn schwenkte
Viṣṇu schütze die verborgenen Teile und den Bauch, Janārdana die Waden und Füße; Vāmana, der aus einem Zwerg in einem Augenblick zum Riesen wurde, schütze dich allezeit.
Wort für Wort
guhyaṃ sa jaṭharaṃ viṣṇur jaṅghāpādau janārdanaḥ
Viṣṇu [schütze] die verborgenen Teile und den Bauch, Janārdana die Waden und Füße
vāmano rakṣatu sadā bhavantaṃ yaḥ kṣaṇād abhūt
Vāmana, der in einem Augenblick [zum Riesen] wurde, schütze dich allezeit
In den Haupthimmelsrichtungen beschütze dich Vaikuṇṭha, in den Zwischenrichtungen Madhusūdana; im Luftraum Hṛṣīkeśa, auf der Erde beschütze dich der Erdenträger.
Wort für Wort
tvāṃ dikṣu pātu vaikuṇṭho vidikṣu madhusūdanaḥ
In den Haupthimmelsrichtungen beschütze dich Vaikuṇṭha, in den Zwischenrichtungen Madhusūdana
hṛṣīkeśo 'mbare bhūmau rakṣatu tvāṃ mahīdharaḥ
im Luftraum Hṛṣīkeśa, auf der Erde beschütze dich der Erdenträger
Darauf, ein Wehgeschrei erhebend, kamen alle Kuhhirten und Hirtenfrauen, ihr Zweifachgeborenen, herbei, als sie erfuhren, [was geschehen], und sahen das Kind auf dem Rücken liegend.
Wort für Wort
tato hāhākṛtaḥ sarvo gopagopījano dvijāḥ
Darauf, ein Wehgeschrei erhebend, alle Kuhhirten und Hirtenfrauen, ihr Zweifachgeborenen
ājagāma tadā jñātvā bālam uttānaśāyinam
kamen herbei, als sie erfuhren, und sahen das Kind auf dem Rücken liegend
In der Mitte des Kuhpferchs spielend, wieder zum Kälberpferch gehend, waren sie eifrig damit beschäftigt, den Schwanz der an jenem Tag geborenen Kälber zu ziehen.
Wort für Wort
govāṭamadhye krīḍantau vatsavāṭagatau punaḥ
In der Mitte des Kuhpferchs spielend, wieder zum Kälberpferch gehend
tadaharjātagovatsa-pucchākarṣaṇatatparau
eifrig damit beschäftigt, den Schwanz der an jenem Tag geborenen Kälber zu ziehen
bhagnāv uttuṅgaśākhāgrau tena tau yamalārjunau /
tataḥ kaṭakaṭāśabda-samākarṇanakātaraḥ //
Durch ihn wurden die beiden hochragenden Yamalārjuna-Bäume mit ihren Astspitzen gebrochen; darauf, durch das Hören des krachenden Geräusches erschreckt,
Wort für Wort
bhagnāv uttuṅgaśākhāgrau tena tau yamalārjunau
Durch ihn wurden die beiden hochragenden Yamalārjuna-Bäume mit ihren Astspitzen gebrochen
tataḥ kaṭakaṭāśabda-samākarṇanakātaraḥ
darauf, durch das Hören des krachenden Geräusches erschreckt
tataś ca dāmodaratāṃ sa yayau dāmabandhanāt /
gopavṛddhās tataḥ sarve nandagopapurogamāḥ //
Und dadurch erlangte er, durch die Fesselung mit dem Strick, den Namen 'Dāmodara' (der um den Leib mit dem Strick Gebundene). Darauf berieten alle Ältesten der Kuhhirten, angeführt von Nandagopa,
Wort für Wort
tataś ca dāmodaratāṃ sa yayau dāmabandhanāt
Und dadurch erlangte er, durch die Fesselung mit dem Strick, den Namen 'Dāmodara'
gopavṛddhās tataḥ sarve nandagopapurogamāḥ
darauf [berieten] alle Ältesten der Kuhhirten, angeführt von Nandagopa
[Anm.: Volksetymologische Erklärung des Namens ,Dāmodara' von ,dāman' (Strick) + ,udara' (Bauch).]
aufgeregt und von den gewaltigen Unglückszeichen sehr erschreckt: 'Mit diesem Ort haben wir hier nichts mehr zu tun — lasst uns zu einem anderen großen Wald ziehen.'
Wort für Wort
mantrayām āsur udvignā mahotpātātibhīravaḥ
berieten sie, aufgeregt und von den gewaltigen Unglückszeichen sehr erschreckt
sthāneneha na naḥ kāryaṃ vrajāmo 'nyan mahāvanam
'Mit diesem Ort haben wir hier nichts mehr zu tun — lasst uns zu einem anderen großen Wald ziehen'
und die Stätte von Vraja wurde von Krähen und Krähenweibchen erfüllt, ihr Zweifachgeborenen. Vṛndāvana aber wurde von dem erhabenen Kṛṣṇa, dessen Tun nie ermüdet,
Wort für Wort
kākakākīsamākīrṇaṃ vrajasthānam abhūd dvijāḥ
und die Stätte von Vraja wurde von Krähen und Krähenweibchen erfüllt, ihr Zweifachgeborenen
vṛndāvanaṃ bhagavatā kṛṣṇenākliṣṭakarmaṇā
Vṛndāvana aber [wurde] von dem erhabenen Kṛṣṇa, dessen Tun nie ermüdet
mit gutem Sinn bedacht, er, der das Gedeihen der Kühe wünschte; darauf wurde dort, ihr besten der Zweifachgeborenen, obwohl es eine überaus trockene Jahreszeit war,
Wort für Wort
śubhena manasā dhyātaṃ gavāṃ vṛddhim abhīpsatā
mit gutem Sinn bedacht, er, der das Gedeihen der Kühe wünschte
tatas tatrātirukṣe 'pi dharmakāle dvijottamāḥ
darauf wurde dort, ihr besten der Zweifachgeborenen, obwohl es eine überaus trockene Jahreszeit war
mit dem Klang, den sie mit Hirtenflöten und Blattinstrumenten erzeugten, mit Haarschöpfen wie Krähenflügel — die beiden Knaben, wie zwei Feuer-Kumāras.
Wort für Wort
gopaveṇukṛtātodya-pattravādyakṛtasvanau
mit dem Klang, den sie mit Hirtenflöten und Blattinstrumenten erzeugten
kākapakṣadharau bālau kumārāv iva pāvakau
mit Haarschöpfen wie Krähenflügel, die beiden Knaben, wie zwei Feuer-Kumāras
[Anm.: ,kumārāv iva pāvakau' vergleicht die beiden Knaben mit den feurigen Kumāras (Skanda-Söhnen des Feuergottes).]
die durch die Wasserströme gleichsam die Himmelsrichtungen zu einem einzigen Ganzen vereinigte; die Erde, reich an frisch aufgesprossenen Blüten, war von den roten Regenkäfern (Indragopa) bedeckt,
Wort für Wort
babhūva vāridhārābhir aikyaṃ kurvan diśām iva
die durch die Wasserströme gleichsam die Himmelsrichtungen zu einem einzigen Ganzen vereinigte
prarūḍhanavapuṣpāḍhyā śakragopavṛtā mahī
die Erde, reich an frisch aufgesprossenen Blüten, war von den roten Regenkäfern bedeckt
[Anm.: ,śakragopa' (,Indragopa') bezeichnet die leuchtend roten Sammetmilben/Regenkäfer, die während der Regenzeit erscheinen — ein klassisches Naturmotiv der Kāvya-Dichtung.]
wie die Gemüter der Unbeherrschten, die neuen Reichtum erlangt haben. Und zur rechten Zeit, nach Belieben, zu Vraja zurückgekehrt, spielten die beiden gewaltig Starken zusammen mit ihresgleichen, den Kuhhirten, wie zwei Unsterbliche.
Wort für Wort
manāṃsi durvinītānāṃ prāpya lakṣmīṃ navām iva
wie die Gemüter der Unbeherrschten, die neuen Reichtum erlangt haben
vikāle ca yathākāmaṃ vrajam etya mahābalau
und zur rechten Zeit, nach Belieben, zu Vraja zurückgekehrt, die beiden gewaltig Starken
gopaiḥ samānaiḥ sahitau cikrīḍāte 'marāv iva
spielten zusammen mit ihresgleichen, den Kuhhirten, wie zwei Unsterbliche