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Brahma-Purāṇa

Kapitel 199: rukmiṇīharaṇaṃ pradyumnajanma ca Der Raub der Rukmiṇī und die Geburt des Pradyumna

König Bhīṣmakas Tochter Rukmiṇī und Kṛṣṇa begehren einander, doch ihr Bruder Rukmī verweigert aus Hass die Ehe und verheiratet sie stattdessen, von Jarāsaṃdha gedrängt, an Śiśupāla. Am Vorabend der Hochzeit raubt Kṛṣṇa die Braut, besiegt mit Balarāma und den Yadus die herbeigeeilten Könige (Pauṇḍraka, Dantavaktra, Vidūratha, Śiśupāla, Jarāsaṃdha, Śālva u.a.) sowie den nachsetzenden, einen Racheeid schwörenden Rukmī, und heiratet Rukmiṇī nach der Rākṣasa-Art. Aus dieser Ehe wird Pradyumna geboren, ein Teil des Liebesgottes Kāma — der später vom Dämon Śambara geraubt wird und diesen seinerseits tötet, eine Geschichte, die im folgenden Kapitel erzählt wird.

bhīṣmakaḥ kuṇḍine rājā vidarbhaviṣaye 'bhavat / rukmiṇī tasya duhitā rukmī caiva suto dvijāḥ //

König Bhīṣmaka war in Kuṇḍina im Lande Vidarbha; Rukmiṇī war seine Tochter und Rukmī [sein] Sohn, o Brahmanen.

Wort für Wort
bhīṣmakaḥ kuṇḍine rājā
König Bhīṣmaka in Kuṇḍina
vidarbhaviṣaye 'bhavat
war im Lande Vidarbha
rukmiṇī tasya duhitā
Rukmiṇī [war] seine Tochter
rukmī caiva suto dvijāḥ
und Rukmī [sein] Sohn, o Brahmanen

rukmiṇīṃ cakame kṛṣṇaḥ sā ca taṃ cāruhāsinī / na dadau yācate caināṃ rukmī dveṣeṇa cakriṇe //

Kṛṣṇa begehrte Rukmiṇī, und sie, die schön Lächelnde, [begehrte] ihn; doch Rukmī gab sie, obwohl er [darum] bat, aus Hass gegen den Diskusträger nicht.

Wort für Wort
rukmiṇīṃ cakame kṛṣṇaḥ
Kṛṣṇa begehrte Rukmiṇī
sā ca taṃ cāruhāsinī
und sie, die schön Lächelnde, [begehrte] ihn
na dadau yācate caināṃ
[aber] gab sie nicht, obwohl er [um sie] bat
rukmī dveṣeṇa cakriṇe
Rukmī, aus Hass gegen den Diskusträger

dadau sa śiśupālāya jarāsaṃdhapracoditaḥ / bhīṣmako rukmiṇā sārdhaṃ rukmiṇīm uruvikramaḥ //

Er gab sie, von Jarāsaṃdha angetrieben, dem Śiśupāla — Bhīṣmaka, der von großer Macht, zusammen mit Rukmī, [gab] Rukmiṇī [ihm].

Wort für Wort
dadau sa śiśupālāya
er gab [sie] dem Śiśupāla
jarāsaṃdhapracoditaḥ
von Jarāsaṃdha angetrieben
bhīṣmako rukmiṇā sārdhaṃ
Bhīṣmaka, zusammen mit Rukmī
rukmiṇīm uruvikramaḥ
[gab] Rukmiṇī, [er,] der von großer Macht

vivāhārthaṃ tataḥ sarve jarāsaṃdhamukhā nṛpāḥ / bhīṣmakasya puraṃ jagmuḥ śiśupālaś ca kuṇḍinam //

Dann gingen zum Zweck der Hochzeit alle Könige, angeführt von Jarāsaṃdha, und [auch] Śiśupāla, zur Stadt des Bhīṣmaka, [nach] Kuṇḍina.

Wort für Wort
vivāhārthaṃ tataḥ sarve
dann, zum Zweck der Hochzeit, alle
jarāsaṃdhamukhā nṛpāḥ
die Könige, angeführt von Jarāsaṃdha
bhīṣmakasya puraṃ jagmuḥ
gingen zur Stadt des Bhīṣmaka
śiśupālaś ca kuṇḍinam
und Śiśupāla, nach Kuṇḍina

kṛṣṇo 'pi balabhadrādyair yadubhiḥ parivāritaḥ / prayayau kuṇḍinaṃ draṣṭuṃ vivāhaṃ caidyabhūpateḥ //

Auch Kṛṣṇa, von Balabhadra und den anderen Yadus umgeben, zog nach Kuṇḍina, um die Hochzeit des Fürsten von Cedi [Śiśupāla] zu sehen.

Wort für Wort
kṛṣṇo 'pi balabhadrādyair yadubhiḥ
auch Kṛṣṇa, von Balabhadra und den anderen Yadus
parivāritaḥ
umgeben
prayayau kuṇḍinaṃ draṣṭuṃ
zog nach Kuṇḍina, um zu sehen
vivāhaṃ caidyabhūpateḥ
die Hochzeit des Fürsten von Cedi

śvobhāvini vivāhe tu tāṃ kanyāṃ hṛtavān hariḥ / vipakṣabhāvam āsādya rāmādyeṣv eva bandhuṣu //

Als aber die Hochzeit für den nächsten Tag bevorstand, raubte Hari jene Jungfrau, wobei sogar Rāma und die anderen Verwandten eine gegnerische Haltung [gegenüber den versammelten Königen] einnahmen.

Wort für Wort
śvobhāvini vivāhe tu
als aber die Hochzeit für den nächsten Tag bevorstand
tāṃ kanyāṃ hṛtavān hariḥ
raubte Hari jene Jungfrau
vipakṣabhāvam āsādya
eine gegnerische Haltung einnehmend
rāmādyeṣv eva bandhuṣu
gegenüber Rāma und den anderen Verwandten selbst

tataś ca pauṇḍrakaḥ śrīmān dantavaktro vidūrathaḥ / śiśupālo jarāsaṃdhaḥ śālvādyāś ca mahībhṛtaḥ //

Und dann [wurden] der glanzvolle Pauṇḍraka, Dantavaktra, Vidūratha, Śiśupāla, Jarāsaṃdha, und Śālva und die anderen Könige —

Wort für Wort
tataś ca pauṇḍrakaḥ śrīmān
und dann der glanzvolle Pauṇḍraka
dantavaktro vidūrathaḥ
Dantavaktra, Vidūratha
śiśupālo jarāsaṃdhaḥ
Śiśupāla, Jarāsaṃdha
śālvādyāś ca mahībhṛtaḥ
und Śālva und die anderen Könige

kupitās te hariṃ hantuṃ cakrur udyogam uttamam / nirjitāś ca samāgamya rāmādyair yadupuṃgavaiḥ //

— erzürnt, unternahmen sie eine gewaltige Anstrengung, um Hari zu töten, wurden aber im Zusammentreffen von Rāma und den anderen Stieren der Yadus besiegt.

Wort für Wort
kupitās te hariṃ hantuṃ
jene, erzürnt, um Hari zu töten
cakrur udyogam uttamam
unternahmen eine gewaltige Anstrengung
nirjitāś ca samāgamya
und wurden, zusammentreffend, besiegt
rāmādyair yadupuṃgavaiḥ
von Rāma und den anderen Stieren der Yadus

kuṇḍinaṃ na pravekṣyāmi ahatvā yudhi keśavam / kṛtvā pratijñāṃ rukmī ca hantuṃ kṛṣṇam abhidrutaḥ //

'Ich werde Kuṇḍina nicht [wieder] betreten, ohne Keśava im Kampf getötet zu haben' — dieses Gelübde ablegend, stürmte Rukmī los, um Kṛṣṇa zu töten.

Wort für Wort
kuṇḍinaṃ na pravekṣyāmi
ich werde Kuṇḍina nicht betreten
ahatvā yudhi keśavam
ohne Keśava im Kampf getötet zu haben
kṛtvā pratijñāṃ rukmī ca
dieses Gelübde ablegend, Rukmī
hantuṃ kṛṣṇam abhidrutaḥ
stürmte los, um Kṛṣṇa zu töten

hatvā balaṃ sa nāgāśva-pattisyandanasaṃkulam / nirjitaḥ pātitaś corvyāṃ līlayaiva sa cakriṇā //

Nachdem er [Kṛṣṇa] dessen Heer, das mit Elefanten, Pferden, Fußsoldaten und Wagen vollgestopft war, [erst] vernichtet hatte, wurde er [Rukmī] von jenem Diskusträger mühelos, wie im Spiel, besiegt und zu Boden geworfen.

Wort für Wort
hatvā balaṃ sa
nachdem er [dessen] Heer vernichtet hatte
nāgāśva-pattisyandanasaṃkulam
das mit Elefanten, Pferden, Fußsoldaten und Wagen vollgestopft war
nirjitaḥ pātitaś corvyāṃ
wurde er besiegt und zu Boden geworfen
līlayaiva sa cakriṇā
mühelos, wie im Spiel, von jenem Diskusträger

nirjitya rukmiṇaṃ samyag upayeme sa rukmiṇīm / rākṣasena vidhānena saṃprāpto madhusūdanaḥ //

Nachdem er Rukmī vollständig besiegt hatte, heiratete Madhusūdana, [sie] nach der Rākṣasa-Art [des Ehebrauchs, durch Brautraub] erlangt habend, die Rukmiṇī.

Wort für Wort
nirjitya rukmiṇaṃ samyag
nachdem er Rukmī vollständig besiegt hatte
upayeme sa rukmiṇīm
heiratete er die Rukmiṇī
rākṣasena vidhānena
nach der Rākṣasa-Art [des Ehebrauchs]
saṃprāpto madhusūdanaḥ
[sie] erlangt habend, Madhusūdana

[Anm.: 'rākṣasa vidhāna' bezeichnet eine der acht klassischen Eheformen des Dharmaśāstra — die Ehe durch gewaltsamen Brautraub.]

tasyāṃ jajñe ca pradyumno madanāṃśaḥ sa vīryavān / jahāra śambaro yaṃ vai yo jaghāna ca śambaram //

Und in ihr wurde Pradyumna geboren, ein Teil des Liebesgottes [Kāma], der Kraftvolle — den Śambara fürwahr raubte, und der [seinerseits später] den Śambara tötete.

Wort für Wort
tasyāṃ jajñe ca pradyumno
und in ihr wurde Pradyumna geboren
madanāṃśaḥ sa vīryavān
ein Teil des Liebesgottes, der Kraftvolle
jahāra śambaro yaṃ vai
den Śambara fürwahr raubte
yo jaghāna ca śambaram
und der [seinerseits] den Śambara tötete

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