Kapitel 151: nimnabhedatīrthamāhātmyavarṇanam
Die Größe des Nimnabheda-Tīrtha (König Purūravas, Urvaśī und Vasiṣṭhas tröstender Rat)
König Aila (Purūravas) verliebt sich in die Apsaras Urvaśī und verliert sie, als sie ihn wider die vereinbarte Bedingung unbekleidet erblickt. Von Schmerz überwältigt, wird er von seinem Hauspriester Vasiṣṭha mit einer Rede über die Wankelmütigkeit der Frauen und die einzige Zuflucht bei Śiva, Viṣṇu und der Gautamī getröstet. Er begibt sich an die Gautamī, verehrt die Götter und vollzieht zahlreiche Opfer, wodurch die Veda- (Yajña-)Insel entsteht, wo Urvaśī fortan an jedem Vollmond erscheint. Ursprung des Nimnabheda-Tīrtha (auch Aila-, Purūravas- oder Vāsiṣṭha-Tīrtha) - benannt nach der 'Durchbrechung des Makels' der Verhaftung an Urvaśī durch Vasiṣṭha und die Gaṅgā - mit 700 weiteren Tīrthas.
Sie ging mit ihm, wo jener König etwas Ghee zu sich nimmt. Der König hatte mit ihr die Bedingung vereinbart, dass sie bis zum Anblick seiner Nacktheit bei ihm bleiben würde.
Wort für Wort
sā prāyād yatra rājāsau ghṛtaṃ stokaṃ samaśnute
sie ging (mit ihm), wo jener König etwas Ghee zu sich nimmt
ānagnadarśanāt kṛtvā tasyāḥ kālāvadhiṃ nṛpaḥ
der König hatte mit ihr die Bedingung bis zum Anblick der Nacktheit vereinbart
[Anm.: Anspielung auf den bekannten Mythos von Purūravas' Bedingung mit Urvaśī (u.a. dass er sich ihr nie unbekleidet zeigen dürfe); hier knapp und eigen formuliert.]
Er machte sie, die anmutige, unter den Jungen entzückende, sich stets erneuernde Frau, zu seiner Gattin. Als sie im Bett schlief, erhob sich Purūravas...
Wort für Wort
tāṃ svīcakāra lalanāṃ yūnāṃ ramyāṃ navāṃ navām
er machte sie zu seiner Gattin, die anmutige, unter den Jungen entzückende, stets neue Frau
tāñ jitvā punar apy āgād devalokaṃ supūjitam /
sa cāgatya mahārājo vasiṣṭhāc ca purodhasaḥ //
Nachdem er sie besiegt hatte, gelangte er wieder zur hochverehrten Götterwelt. Und der große König, dorthin zurückgekehrt, hörte von seinem Hauspriester Vasiṣṭha...
Wort für Wort
tāñ jitvā punar apy āgād devalokaṃ supūjitam
nachdem er sie besiegt hatte, gelangte er wieder zur hochverehrten Götterwelt
sa cāgatya mahārājo vasiṣṭhāc ca purodhasaḥ
und der große König, zurückgekehrt, von seinem Hauspriester Vasiṣṭha
{vasiṣṭha uvāca:} sā mṛtādya mahārāja mā vyathasva mahāmate /
evaṃ sthitaṃ tu mā tvāṃ vai aśivāḥ spṛśyur āśugāḥ //
Vasiṣṭha sprach: Sie ist heute für dich wie gestorben, großer König; betrübe dich nicht, Hochgesinnter. Wenn du so verharrst, mögen dich die unheilvollen, raschen Mächte nicht berühren.
Wort für Wort
sā mṛtādya mahārāja mā vyathasva mahāmate
sie ist heute (für dich) wie gestorben, großer König; betrübe dich nicht, Hochgesinnter
evaṃ sthitaṃ tu mā tvāṃ vai aśivāḥ spṛśyur āśugāḥ
wenn du so verharrst, mögen dich die unheilvollen, raschen (Mächte) nicht berühren
ko nāma loke rājendra kāminībhir na vañcitaḥ /
vañcakatvaṃ nṛśaṃsatvaṃ cañcalatvaṃ kuśīlatā //
Wer, o Herrscher der Könige, wird in der Welt nicht von Frauen der Begierde betrogen? Betrügerisches Wesen, Grausamkeit, Wankelmut, schlechter Charakter...
Wort für Wort
ko nāma loke rājendra kāminībhir na vañcitaḥ
wer wird in der Welt, o Herrscher der Könige, nicht von Frauen der Begierde betrogen?
vañcakatvaṃ nṛśaṃsatvaṃ cañcalatvaṃ kuśīlatā
betrügerisches Wesen, Grausamkeit, Wankelmut, schlechter Charakter
śriyā na bhrāmitaḥ ko vā yoṣidbhiḥ ko na khaṇḍitaḥ /
svapnamāyopamā rājan madaviplutacetasaḥ //
Wer wurde nicht vom Glücksgut verwirrt, wer nicht von Frauen zerteilt? Sie gleichen, o König, einem Traum oder einer Illusion für die, deren Verstand vom Rausch überflutet ist.
Wort für Wort
śriyā na bhrāmitaḥ ko vā yoṣidbhiḥ ko na khaṇḍitaḥ
wer wurde nicht vom Glücksgut verwirrt, wer nicht von Frauen zerteilt?
svapnamāyopamā rājan madaviplutacetasaḥ
sie gleichen, o König, einem Traum oder einer Illusion für die, deren Sinn vom Rausch überflutet ist
Wessen Glück bewirken Frauen wirklich? Erkenne dies und werde frei von Leid. Außer Śaṃkara, Viṣṇu oder der Gautamī, o Hochgesinnter, gibt es für die Leidenden keine andere Zuflucht in den drei Welten.
Wort für Wort
sukhāya yoṣitaḥ kasya jñātvaitad vijvaro bhava
wessen Glück bewirken Frauen wirklich? erkenne dies und werde frei von Leid
vihāya śaṃkaraṃ viṣṇuṃ gautamīṃ vā mahāmate
außer Śaṃkara, Viṣṇu oder der Gautamī, o Hochgesinnter
duḥkhināṃ śaraṇaṃ nānyad vidyate bhuvanatraye
gibt es für die Leidenden keine andere Zuflucht in den drei Welten
Brahmā sprach: Als der König dies gehört hatte, unterdrückte er mühevoll seinen Schmerz, und jener höchst rechtschaffene Aila begab sich mitten an die Gautamī.
Wort für Wort
etac chrutvā tato rājā duḥkhaṃ saṃhṛtya yatnataḥ
als der König dies gehört hatte, unterdrückte er mühevoll seinen Schmerz
gautamyā madhyasaṃstho 'sāv ailaḥ paramadhārmikaḥ
jener höchst rechtschaffene Aila begab sich mitten an die Gautamī
Allein auf jenen Herrn als Zuflucht bauend, eifrig um den Dienst an der Gautamī bemüht, zu höchstem Glauben gelangt, dem Verlangen nach weltlichem Dasein abgewandt,
Wort für Wort
tadīśvaraikaśaraṇo gautamīsevanotsukaḥ
allein auf jenen Herrn als Zuflucht bauend, eifrig um den Dienst an der Gautamī bemüht
parāṃ śraddhām upagataḥ saṃsārāsthāparāṅmukhaḥ
zu höchstem Glauben gelangt, dem Verlangen nach weltlichem Dasein abgewandt
pradakṣiṇīkṛtā tena pṛthivī sāgarāmbarā /
vedānāṃ smaraṇaṃ tatra yajñānāṃ smaraṇaṃ tathā //
...von ihm wird die Erde mit ihrem Meeresgewand gleichsam umschritten. Dort ist das Gedenken an die Veden ebenso wirksam wie das Gedenken an die Opfer.
Wort für Wort
pradakṣiṇīkṛtā tena pṛthivī sāgarāmbarā
von ihm wird die Erde mit ihrem Meeresgewand gleichsam umschritten
vedānāṃ smaraṇaṃ tatra yajñānāṃ smaraṇaṃ tathā
dort ist das Gedenken an die Veden ebenso (wirksam) wie das Gedenken an die Opfer
vāsiṣṭhaṃ cāpi tat tu syān nimnabhedaṃ tad ucyate /
aile rājñi na kiṃcit syān nimnaṃ sarveṣu karmasu //
Auch als Vāsiṣṭha-Tīrtha wird sie bezeichnet, ebenso als Nimnabheda. Beim König Aila gab es in keiner seiner Handlungen mehr einen Makel.
Wort für Wort
vāsiṣṭhaṃ cāpi tat tu syān nimnabhedaṃ tad ucyate
auch als Vāsiṣṭha-Tīrtha wird sie bezeichnet, ebenso als Nimnabheda
aile rājñi na kiṃcit syān nimnaṃ sarveṣu karmasu
beim König Aila gab es in keiner seiner Handlungen mehr einen Makel
[Anm.: 'nimna' wörtlich 'Vertiefung/Niedrigkeit', hier im übertragenen Sinn von 'Makel/Schwäche' verstanden, im Zusammenhang mit der folgenden Erklärung des Namens Nimnabheda ('Durchbrechung des Makels').]
nimnabhedam abhūt tena dṛṣṭādṛṣṭeṣṭasiddhidam /
tatra sapta śatāny āhus tīrthāni guṇavanti ca //
Dadurch entstand der Name Nimnabheda, der sichtbare und unsichtbare erwünschte Erfüllung gewährt. Dort, so sagt man, gibt es siebenhundert vortreffliche Tīrthas.
Wort für Wort
nimnabhedam abhūt tena dṛṣṭādṛṣṭeṣṭasiddhidam
dadurch entstand (der Name) Nimnabheda, sichtbare und unsichtbare erwünschte Erfüllung gewährend
tatra sapta śatāny āhus tīrthāni guṇavanti ca
dort, so sagt man, gibt es siebenhundert vortreffliche Tīrthas