Kapitel 220: śrāddhakalparahasyaṃ vistareṇa
Das ausführliche Geheimnis des Totenopferrituals
Das mit Abstand längste und technisch dichteste Kapitel der bisherigen Übersetzung: eine dharmaśāstra-artige Enzyklopädie des śrāddha-Rituals mit Zeitregeln (Tithi-/Nakshatra-Fruchtkatalog), einem Katalog zur Sättigungsdauer durch verschiedene Fleischarten, dem sapiṇḍīkaraṇa-Verfahren, dem Lepabhuj/Sāptapauruṣa-Verwandtschaftssystem, einem Katalog disqualifizierter Brahmanen ('Reihen-Verderber'), sowie umfangreichen Katalogen erlaubter und verbotener Speisen, Früchte, Gewürze, Blumen und Räucherwerke. Zahlreiche botanische und zoologische Fachbegriffe sind nur näherungsweise identifizierbar und mit [?] bzw. [Anm.] gekennzeichnet.
{munaya ūcuḥ:} bhūyaḥ prabrūhi bhagavañ śrāddhakalpaṃ suvistarāt / kathaṃ kva ca kadā keṣu kais tad brūhi tapodhana //
Die Weisen sprachen: Erzähle uns weiter, o Erhabener, das Ritual des Totenopfers ausführlich: wie, wo, wann, bei wem und mit wem – das sag uns, o Asket.
Vyāsa sprach: Höret, ihr Tiger unter den Weisen, das Ritual des Totenopfers ausführlich: wie, wo, wann, bei wem, und mit welchen Dingen – das werde ich verkünden.
Wort für Wort
śṛṇudhvaṃ muniśārdūlāḥ śrāddhakalpaṃ suvistarāt /
Höret (śṛṇudhvam), ihr Tiger unter den Weisen (muniśārdūlāḥ), das Ritual des Totenopfers ausführlich –
yathā yatra yadā yeṣu yair dravyais tad vadāmy aham //
wie (yathā), wo (yatra), wann (yadā), bei wem (yeṣu), mit welchen Dingen (yaiḥ dravyaiḥ) – das werde ich verkünden (tad vadāmi aham).
Von Brahmanen, Kṣatriyas und Vaiśyas soll das Totenopfer, wie es für ihren jeweiligen Stand festgelegt ist, unter Befolgung ihres Familien-Dharma, mit vorangehenden Mantras dargebracht werden.
Von Frauen, den niederen Ständen und Śūdras soll es nach Anweisung der Brahmanen, ohne Mantras, aber nach der übrigen Vorschrift, unter Auslassung des Feueropfers dargebracht werden.
an diesen Orten soll das Totenopfer dargebracht werden. Verboten aber wird es an folgenden Orten genannt: bei den Kirātas, den Kaliṅgas, den Koṅkaṇas, auch bei den Kṛmis,
Wort für Wort
śrāddham eteṣu dātavyaṃ varjyam eteṣu cocyate /
An diesen [Orten] (eteṣu) soll das Totenopfer dargebracht werden (śrāddham dātavyam); verboten aber (varjyam) wird es an [folgenden] Orten genannt (eteṣu ucyate):
kirāteṣu kaliṅgeṣu koṅkaṇeṣu kṛmiṣv api //
bei den Kirātas, Kaliṅgas, Koṅkaṇas, auch bei den Kṛmis (kirāteṣu kaliṅgeṣu koṅkaṇeṣu kṛmiṣu api),
und östlich der Karatoyā – dort, so wird gesagt, soll das Totenopfer nicht dargebracht werden. Man wünscht, dass das Totenopfer hier jeden Monat, beim Schwinden des Mondes, dargebracht wird,
Wort für Wort
pūrveṣu karatoyāyā na deyaṃ śrāddham ucyate /
und östlich der Karatoyā (pūrveṣu karatoyāyāḥ) – dort soll das Totenopfer nicht dargebracht werden (na deyam śrāddham ucyate).
śrāddhaṃ deyam uśantīha māsi māsy uḍupakṣaye //
Man wünscht (uśanti), dass das Totenopfer hier (iha) jeden Monat (māsi māsi), beim Schwinden des Mondes (uḍupakṣaye), gegeben werde (deyam),
paurṇamāseṣu śrāddhaṃ ca kartavyam ṛkṣagocare / nityaśrāddham adaivaṃ ca manuṣyaiḥ saha gīyate //
und ebenso an den Vollmondtagen, nach dem jeweiligen Mondhaus-Stand. Das 'ständige' (nitya) Totenopfer wird, ohne Götteranteil, zusammen mit den für Menschen geltenden Regeln gelehrt,
Wort für Wort
paurṇamāseṣu śrāddhaṃ ca kartavyam ṛkṣagocare /
und ebenso an den Vollmondtagen (paurṇamāseṣu), nach dem [jeweiligen] Mondhaus-Stand (ṛkṣagocare), soll das Totenopfer vollzogen werden (kartavyam).
nityaśrāddham adaivaṃ ca manuṣyaiḥ saha gīyate //
Das 'ständige' Totenopfer (nityaśrāddham), ohne Götteranteil (adaivam), wird zusammen mit [den für] Menschen [geltenden Regeln] (manuṣyaiḥ saha) gelehrt (gīyate),
das 'anlassbezogene' (naimittika) zusammen mit den Göttern; ebenso gibt es das 'ständige' und das 'anlassbezogene' – die übrigen 'wunschbezogenen' Totenopfer sollen von den Zweifachgeborenen jährlich vollzogen werden.
das 'anlassbezogene' (naimittikam) zusammen mit den Göttern (suraiḥ sārdham); ebenso (tathā) [gibt es] das 'ständige' und das 'anlassbezogene' (nityaṃ naimittikam).
vṛddhiśrāddhaṃ ca kartavyaṃ jātakarmādikeṣu ca / tatra yugmān dvijān āhur mantrapūrvaṃ tu vai dvijāḥ //
Das 'Wachstums-Totenopfer' soll bei der Geburtszeremonie und ähnlichen Anlässen vollzogen werden; dabei, so sagt man, sollen eine gerade Zahl von Brahmanen, mit vorangehenden Mantras, o Zweifachgeborene, gespeist werden.
Wort für Wort
vṛddhiśrāddhaṃ ca kartavyaṃ jātakarmādikeṣu ca /
Das 'Wachstums-Totenopfer' (vṛddhiśrāddham) soll bei der Geburtszeremonie u.ä. (jātakarmādikeṣu) vollzogen werden;
tatra yugmān dvijān āhur mantrapūrvaṃ tu vai dvijāḥ //
dabei sollen, so sagt man (āhuḥ), eine gerade Zahl (yugmān) Brahmanen, mit vorangehenden Mantras (mantrapūrvam), o Zweifachgeborene, [gespeist werden].
kanyāṃ gate savitari dināni daśa pañca ca / pūrveṇaiveha vidhinā śrāddhaṃ tatra vidhīyate //
Wenn die Sonne in das Tierkreiszeichen Jungfrau eingetreten ist, während fünfzehn Tagen, nach eben der vorher genannten Vorschrift, wird dort das Totenopfer angeordnet.
Wort für Wort
kanyāṃ gate savitari dināni daśa pañca ca /
Wenn die Sonne (savitari) in das [Tierkreiszeichen] Jungfrau (kanyām) eingetreten ist (gate), während fünfzehn Tagen (dināni daśa pañca ca),
pūrveṇaiveha vidhinā śrāddhaṃ tatra vidhīyate //
nach eben der vorher [genannten] Vorschrift (pūrveṇa eva vidhinā), wird dort (tatra) das Totenopfer angeordnet (vidhīyate).
pratipaddhanalābhāya dvitīyā dvipadapradā / putrārthinī tṛtīyā tu caturthī śatrunāśinī //
Der erste Tag gewährt Reichtumsgewinn, der zweite gewährt Zweifüßer (Gefolge), der dritte ist für den, der sich einen Sohn wünscht, der vierte vernichtet Feinde,
Wort für Wort
pratipaddhanalābhāya dvitīyā dvipadapradā /
Der erste [Tag, pratipad, dient] dem Reichtumsgewinn (dhanalābhāya); der zweite (dvitīyā) gewährt Zweifüßer [d.h. Gefolge] (dvipadapradā);
putrārthinī tṛtīyā tu caturthī śatrunāśinī //
der dritte (tṛtīyā) ist für den, der sich einen Sohn wünscht (putrārthinī); der vierte (caturthī) vernichtet Feinde (śatrunāśinī).
[Anm.] Beginn einer Aufzählung der besonderen Wirkung des Totenopfers an den einzelnen Tagen (tithis) des Monats.
am fünften erlangt man Glanz, am sechsten wird der Mensch verehrungswürdig, am siebten erlangt man Führerschaft über Scharen, am achten höchste Weisheit,
der soll, ihre Sättigung erstrebend, das Totenopfer am vierzehnten Tag vollziehen. Ein reiner Mensch, der eifrig am Neumondtag das Totenopfer vollzieht,
Wort für Wort
tena kāryaṃ caturdaśyāṃ teṣāṃ tṛptim abhīpsatā /
der soll, ihre Sättigung erstrebend (teṣāṃ tṛptim abhīpsatā), [das Totenopfer] am vierzehnten [Tag] (caturdaśyām) vollziehen (kāryam),
pitṝṇāṃ prītaye yatra yad deyaṃ prītikāriṇā / māsaṃ tṛptiḥ pitṝṇāṃ tu haviṣyānnena jāyate //
was zur Freude der Ahnen und von dem, der ihnen Freude bereiten will, gegeben werden soll: durch geweihte Opferspeise entsteht Sättigung der Ahnen für einen Monat,
Wort für Wort
pitṝṇāṃ prītaye yatra yad deyaṃ prītikāriṇā /
Was zur Freude der Ahnen (pitṝṇāṃ prītaye) von dem, der [ihnen] Freude bereiten will (prītikāriṇā), gegeben werden soll (yad deyam),
māsaṃ tṛptiḥ pitṝṇāṃ tu haviṣyānnena jāyate //
durch geweihte Opferspeise (haviṣyānnena) entsteht (jāyate) Sättigung (tṛptiḥ) der Ahnen für einen Monat (māsam).
[Anm.] "vādhrīnam" (eine Ziegenbock-Art) und "lohaṃ" (wohl "rotes Fleisch", evtl. eine bestimmte Fleischsorte) sind botanisch/zoologisch nicht sicher zu identifizieren.
pitṝṇāṃ nātra saṃdeho gayāśrāddhaṃ ca bho dvijāḥ / yo dadāti guḍonmiśrāṃs tilān vā śrāddhakarmaṇi //
Daran ist kein Zweifel bei den Ahnen. Und, o Zweifachgeborene, das Totenopfer bei Gayā wirkt ebenso unerschöpflich. Wer beim Totenopfer mit Melasse vermischten Sesam gibt,
Wort für Wort
pitṝṇāṃ nātra saṃdeho gayāśrāddhaṃ ca bho dvijāḥ /
Daran (atra) ist kein Zweifel (na saṃdehaḥ) bei den Ahnen (pitṝṇām); und, o Zweifachgeborene, [ebenso wirkt] das Totenopfer bei Gayā (gayāśrāddham).
yo dadāti guḍonmiśrāṃs tilān vā śrāddhakarmaṇi //
Wer (yaḥ) beim Totenopferritual (śrāddhakarmaṇi) mit Melasse vermischten (guḍonmiśrān) Sesam (tilān) gibt (dadāti),
madhu vā madhumiśraṃ vā akṣayaṃ sarvam eva tat / api naḥ sa kule bhūyād yo no dadyāj jalāñjalim //
oder Honig oder Honiggemischtes – all dies ist unerschöpflich. 'Auch möge er in unserer Familie sein, der uns eine Handvoll Wasser spendet!' – so wünschen sich die Ahnen.
Wort für Wort
madhu vā madhumiśraṃ vā akṣayaṃ sarvam eva tat /
oder Honig (madhu vā) oder Honiggemischtes (madhumiśram vā) – all dies (sarvam eva tat) ist unerschöpflich (akṣayam).
api naḥ sa kule bhūyād yo no dadyāj jalāñjalim //
'Auch (api) möge er in unserer Familie (naḥ kule) sein (bhūyāt), der (yaḥ) uns (naḥ) eine Handvoll Wasser (jalāñjalim) spendet (dadyāt)!'
pāyasaṃ madhusaṃyuktaṃ varṣāsu ca maghāsu ca / eṣṭavyā bahavaḥ putrā yady eko 'pi gayāṃ vrajet //
Milchreis mit Honig vermengt, während der Regenzeit und unter dem Maghā-Mondhaus gegeben – viele Söhne soll man sich wünschen, wenn auch nur einer von ihnen nach Gayā geht.
Wort für Wort
pāyasaṃ madhusaṃyuktaṃ varṣāsu ca maghāsu ca /
Milchreis mit Honig vermengt (pāyasaṃ madhusaṃyuktam), während der Regenzeit (varṣāsu) und unter dem Maghā-Mondhaus (maghāsu),
Oder er heirate eine kuhfarbene Jungfrau, oder er lasse einen blauschwarzen Stier frei – wer unter dem Kṛttikā-Mondhaus die Ahnen verehrt, erlangt den Himmel.
Wer sich Nachkommen wünscht, opfere unter Rohiṇī; unter Mṛgaśiras erlangt man Glanz; unter Ārdrā erlangt man Tapferkeit, und unter Punarvasu Ländereien;
Wort für Wort
apatyakāmo rohiṇyāṃ saumye tejasvitāṃ labhet /
Wer sich Nachkommen wünscht (apatyakāmaḥ), [opfere] unter Rohiṇī (rohiṇyām); unter Mṛgaśiras (saumye) erlangt man (labhet) Glanz (tejasvitām);
śauryam ārdrāsu cāpnoti kṣetrāṇi ca punarvasau //
Tapferkeit (śauryam) erlangt man unter Ārdrā (ārdrāsu), und Ländereien (kṣetrāṇi) unter Punarvasu (punarvasau).
unter den Pūrva-Phalgunīs wird man von vorzüglichem Charakter, und unter den Uttara-Phalgunīs mit Nachkommenschaft gesegnet; wer unter Hasta das Totenopfer gibt, erlangt Vorrang in der Lehre;
Wort für Wort
pradhānaśīlo bhavati sāpatyaś cottarāsu ca /
[Unter Pūrva-Phalgunī] wird man von vorzüglichem Charakter (pradhānaśīlaḥ bhavati); und mit Nachkommenschaft gesegnet (sāpatyaḥ) unter den Uttara-[Phalgunīs] (uttarāsu),
unter den Pūrva-Āṣāḍhās erlangt man Ruhm, unter den Uttara-Āṣāḍhās Kummerlosigkeit; durch Śravaṇa erlangt man gute Welten, unter Dhaniṣṭhā großen Reichtum;
Wort für Wort
āṣāḍhāsu yaśaḥprāptir uttarāsu viśokatā /
Unter den [Pūrva-]Āṣāḍhās (āṣāḍhāsu) Ruhm-Erlangung (yaśaḥprāptiḥ), unter den Uttara-[Āṣāḍhās] (uttarāsu) Kummerlosigkeit (viśokatā);
unter Abhijit Vedagelehrsamkeit, und unter Śatabhiṣaj ärztliche Vollendung; unter Pūrva-Proṣṭhapadā erlangt man Ziegen und Schafe, und unter der Uttara-Proṣṭhapadā Rinder;
Wort für Wort
vedavittvam abhijiti bhiṣaksiddhiṃ ca vāruṇe /
Vedagelehrsamkeit (vedavittvam) unter Abhijit (abhijiti), und ärztliche Vollendung (bhiṣaksiddhim) unter Śatabhiṣaj (vāruṇe);
Ziegen und Schafe (ajāvikam) erlangt man (vindet) unter [Pūrva-]Proṣṭhapadā (prauṣṭhapadyām), und Rinder (gāvaḥ) ebenso unter der Uttara-[Proṣṭhapadā] (uttare).
So erlangt der Kenner der Wahrheit die Frucht unter diesen Mondhäusern; darum sollen die 'wunschbezogenen' Totenopfer nach Vorschrift dargebracht werden, o Zweifachgeborene.
Wort für Wort
evaṃ phalam avāpnoti ṛkṣeṣv eteṣu tattvavit /
So (evam) erlangt (avāpnoti) der Kenner der Wahrheit (tattvavit) die Frucht (phalam) unter diesen Mondhäusern (ṛkṣeṣu eteṣu).
Wenn die Sonne im Tierkreiszeichen Jungfrau steht, sollen, von dem, der höchste Frucht begehrt, welche Wünsche auch immer er ersehnt, während die Sonne im Zeichen Jungfrau steht,
Wort für Wort
kanyārāśigate sūrye phalam atyantam icchatā /
Wenn die Sonne (sūrye) im Tierkreiszeichen Jungfrau steht (kanyārāśigate), von dem, der höchste Frucht (phalam atyantam) begehrt (icchatā),
yān yān kāmān abhidhyāyan kanyārāśigate ravau //
welche Wünsche auch immer (yān yān kāmān) er ersehnt (abhidhyāyan), während die Sonne im Zeichen Jungfrau steht (kanyārāśigate ravau),
wenn die Menschen das Totenopfer vollziehen, erlangen sie eben diese Wünsche. Das Nāndīmukha-Totenopfer für die entferntesten Ahnen soll vollzogen werden, während die Sonne im Zeichen Jungfrau steht,
Wort für Wort
śrāddhaṃ kurvanti manujās tāṃs tān kāmāṃl labhanti te /
wenn die Menschen (manujāḥ) das Totenopfer vollziehen (śrāddhaṃ kurvanti), erlangen sie (te labhanti) eben diese Wünsche (tān tān kāmān).
nāndīmukhānāṃ kartavyaṃ kanyārāśigate ravau //
Das Nāndīmukha[-Totenopfer] (nāndīmukhānām) soll vollzogen werden (kartavyam), während die Sonne im Zeichen Jungfrau steht (kanyārāśigate ravau).
die Ahnen wünschen sich das Opferbällchen, während die Sonne im Zeichen Jungfrau steht. Wenn die Sonne in die Jungfrau eingetreten ist, dann sind die sechzehn Tage danach
Wort für Wort
piṇḍam icchanti pitaraḥ kanyārāśigate ravau /
das Opferbällchen (piṇḍam) wünschen sich (icchanti) die Ahnen (pitaraḥ), während die Sonne im Zeichen Jungfrau steht (kanyārāśigate ravau).
kanyāṃ gate savitari yāny ahāni tu ṣoḍaśa //
Wenn die Sonne in die Jungfrau eingetreten ist (kanyāṃ gate savitari), [dann sind] die sechzehn Tage (ahāni ṣoḍaśa) [danach]
der verehre die Ahnen selbst mit bloßem Wasser, Gemüse, Wurzeln u.ä., während die Sonne im Zeichen Jungfrau steht. Wenn der scharfstrahlige Sonnengott im Hasta-Mondhaus steht,
Wort für Wort
apy ambuśākamūlādyaiḥ pitṝn kanyāgate 'rcayet /
der verehre (arcayet) die Ahnen (pitṝn) selbst mit [bloßem] Wasser, Gemüse, Wurzeln u.ä. (ambuśākamūlādyaiḥ), während [die Sonne] im Zeichen Jungfrau steht (kanyāgate);
uttarāhastanakṣatra- gate tīkṣṇāṃśumālini //
wenn der scharfstrahlige [Sonnengott] (tīkṣṇāṃśumālini) im Hasta-Mondhaus steht (uttarāhastanakṣatragate) [Anm.],
[Anm.] "uttarāhastanakṣatragate" ist ungewöhnlich gebildet; sinngemäß auf den Stand der Sonne im Hasta-Mondhaus bezogen.
wer mit Hingabe seine eigenen Ahnen verehrt, dessen Wohnstatt ist im dreifachen Himmel; wenn die Sonne im Hasta-Mondhaus steht, nach der Anweisung des Ahnenkönigs Yama –
Wort für Wort
yo 'rcayet svapitṝn bhaktyā tasya vāsas triviṣṭape /
wer (yaḥ) mit Hingabe (bhaktyā) seine eigenen Ahnen (svapitṝn) verehrt (arcayet), dessen (tasya) Wohnstatt (vāsaḥ) ist im dreifachen Himmel (triviṣṭape);
hastarkṣage dinakare pitṛrājānuśāsanāt //
wenn die Sonne (dinakare) im Hasta-Mondhaus steht (hastarkṣage), nach der Anweisung des Ahnenkönigs [Yama] (pitṛrājānuśāsanāt) –
solange bleibt die Ahnenstadt leer, bis die Sonne im Zeichen Skorpion erscheint. Wenn die Sonne den Skorpion durchschritten hat, kehren die Ahnen zusammen mit den Göttern
Wort für Wort
tāvat pitṛpurī śūnyā yāvad vṛścikadarśanam /
solange (tāvat) bleibt die Ahnenstadt (pitṛpurī) leer (śūnyā), bis (yāvat) [die Sonne] im [Zeichen] Skorpion (vṛścika) erscheint (darśanam).
vṛścike samatikrānte pitaro daivataiḥ saha //
wenn [die Sonne] den Skorpion durchschritten hat (vṛścike samatikrānte), [kehren] die Ahnen zusammen mit den Göttern (pitaraḥ daivataiḥ saha)
niḥśvasya pratigacchanti śāpaṃ dattvā suduḥsaham / aṣṭakāsu ca kartavyaṃ śrāddhaṃ manvantarāsu vai //
seufzend zurück, nachdem sie einen sehr schwer zu ertragenden Fluch ausgesprochen haben. Und an den Aṣṭakā-Tagen soll das Totenopfer vollzogen werden, sowie an den Manvantara-Wechseltagen,
seufzend (niḥśvasya) kehren sie zurück (pratigacchanti), nachdem sie einen sehr schwer zu ertragenden (suduḥsaham) Fluch (śāpam) ausgesprochen haben (dattvā) [Anm.].
aṣṭakāsu ca kartavyaṃ śrāddhaṃ manvantarāsu vai //
Und an den Aṣṭakā-Tagen (aṣṭakāsu) soll das Totenopfer vollzogen werden (kartavyam śrāddham), sowie an den Manvantara-[Wechseltagen] (manvantarāsu vai).
[Anm.] Der angedeutete Fluch richtet sich wohl gegen jene, die während der Abwesenheit der Ahnen kein Opfer dargebracht haben.
anvaṣṭakāsu kramaśo mātṛpūrvaṃ tad iṣyate / grahaṇe ca vyatīpāte ravicandrasamāgame //
an den Anvaṣṭakā-Tagen der Reihe nach, wobei die Mutter zuerst geehrt wird – so wird es gewünscht; bei einer Finsternis, bei Vyatīpāta, bei der Konjunktion von Sonne und Mond,
Wort für Wort
anvaṣṭakāsu kramaśo mātṛpūrvaṃ tad iṣyate /
an den Anvaṣṭakā-[Tagen] (anvaṣṭakāsu) der Reihe nach (kramaśaḥ), wobei die Mutter zuerst [geehrt wird] (mātṛpūrvam) – so wird es gewünscht (tad iṣyate);
grahaṇe ca vyatīpāte ravicandrasamāgame //
bei einer [Sonnen- oder Mond-]Finsternis (grahaṇe), bei Vyatīpāta (vyatīpāte), bei der Konjunktion von Sonne und Mond (ravicandrasamāgame),
am Geburtsgestirn, bei Planetenbedrängnis – da wird das 'pārvaṇa'-Totenopfer genannt; bei beiden Sonnenwenden soll das Totenopfer vollzogen werden, ebenso bei beiden Tagundnachtgleichen,
Wort für Wort
janmarkṣe grahapīḍāyāṃ śrāddhaṃ pārvaṇam ucyate /
am Geburtsgestirn (janmarkṣe), bei Planetenbedrängnis (grahapīḍāyām) – [da] wird das Totenopfer 'pārvaṇa' genannt (śrāddhaṃ pārvaṇam ucyate);
ayanadvitaye śrāddhaṃ viṣuvadvitaye tathā //
bei beiden Sonnenwenden (ayanadvitaye) [soll] das Totenopfer [vollzogen werden], ebenso bei beiden Tagundnachtgleichen (viṣuvadvitaye tathā).
und bei den monatlichen Sonnenübergängen soll das höchste, vorschriftsmäßige Totenopfer vollzogen werden; bei diesen Anlässen soll, o Zweifachgeborene, das Totenopfer ohne die volle Opferbällchen-Darbringung vollzogen werden.
Wort für Wort
saṃkrāntiṣu ca kartavyaṃ śrāddhaṃ vidhivad uttamam /
und bei den [monatlichen Sonnen-]Übergängen (saṃkrāntiṣu) soll das höchste (uttamam), vorschriftsmäßige (vidhivat) Totenopfer vollzogen werden (kartavyam),
eṣu kāryaṃ dvijāḥ śrāddhaṃ piṇḍanirvāpaṇād ṛte //
bei diesen [Anlässen] (eṣu) soll, o Zweifachgeborene, das Totenopfer (śrāddham kāryam) ohne (ṛte) die [volle] Opferbällchen-Darbringung (piṇḍanirvāpaṇāt) vollzogen werden.
vaiśākhasya tṛtīyāyāṃ navamyāṃ kārttikasya ca / śrāddhaṃ kāryaṃ tu śuklāyāṃ saṃkrāntividhinā naraiḥ //
Am dritten Tag der hellen Monatshälfte des Vaiśākha, und am neunten des Kārttika, soll von den Menschen das Totenopfer nach der Saṃkrānti-Vorschrift vollzogen werden,
Wort für Wort
vaiśākhasya tṛtīyāyāṃ navamyāṃ kārttikasya ca /
Am dritten [Tag] (tṛtīyāyām) des Vaiśākha (vaiśākhasya), und am neunten (navamyām) des Kārttika (kārttikasya),
śrāddhaṃ kāryaṃ tu śuklāyāṃ saṃkrāntividhinā naraiḥ //
soll, in der hellen Monatshälfte (śuklāyām), von den Menschen (naraiḥ) das Totenopfer (śrāddham) nach der Saṃkrānti-Vorschrift (saṃkrāntividhinā) vollzogen werden (kāryam).
trayodaśyāṃ bhādrapade māghe candrakṣaye 'hani / śrāddhaṃ kāryaṃ pāyasena dakṣiṇāyanavac ca tat //
am dreizehnten des Bhādrapada, und am Neumondtag des Māgha soll das Totenopfer mit Milchreis vollzogen werden, ebenso wie zur Zeit der Südwende der Sonne.
Wort für Wort
trayodaśyāṃ bhādrapade māghe candrakṣaye 'hani /
am dreizehnten [Tag] (trayodaśyām) des Bhādrapada (bhādrapade), und am Neumondtag (candrakṣaye ahani) des Māgha (māghe),
śrāddhaṃ kāryaṃ pāyasena dakṣiṇāyanavac ca tat //
soll das Totenopfer (śrāddham) mit Milchreis (pāyasena) vollzogen werden (kāryam), ebenso wie zur Zeit der Südwende der Sonne (dakṣiṇāyanavat).
yadā ca śrotriyo 'bhyeti gehaṃ vedavid agnimān / tenaikena ca kartavyaṃ śrāddhaṃ vidhivad uttamam //
Und wenn ein vedakundiger, feuerpflegender Śrotriya das Haus besucht, soll mit diesem einen Brahmanen allein das höchste, vorschriftsmäßige Totenopfer vollzogen werden.
Wort für Wort
yadā ca śrotriyo 'bhyeti gehaṃ vedavid agnimān /
Und wenn (yadā) ein Śrotriya (śrotriyaḥ), vedakundig (vedavit) und feuerpflegend (agnimān), das Haus (geham) besucht (abhyeti),
tenaikena ca kartavyaṃ śrāddhaṃ vidhivad uttamam //
soll mit diesem einen [Brahmanen] (tena ekena) das höchste, vorschriftsmäßige Totenopfer (śrāddham vidhivat uttamam) vollzogen werden (kartavyam).
Wenn der Erwerb von zum Totenopfer geeigneten Gütern eintritt, die von Rechtschaffenen gebilligt ist, dann soll von den Zweifachgeborenen ebenso das Totenopfer nach der pārvaṇa-Vorschrift vollzogen werden.
Wenn (yadā) der Erwerb (saṃprāptiḥ) von zum Totenopfer geeigneten Gütern (śrāddhīyadravya) eintritt (syāt), der von Rechtschaffenen gebilligt ist (sādhusaṃmatā),
dann soll von den Zweifachgeborenen (dvijaiḥ) ebenso (tathā) das Totenopfer nach der pārvaṇa-Vorschrift (pārvaṇena vidhānena) vollzogen werden (śrāddhaṃ kāryam).
das pārvaṇa-Totenopfer soll mit den Göttern voran vollzogen werden, das ekoddiṣṭa-Totenopfer ohne die Götter; bei der Götter-Speisung im Rahmen des Ahnenrituals speise man zwei, beim eigentlichen Ahnenteil drei, oder je einen bei beiden Teilen –
Wort für Wort
pārvaṇaṃ devapūrvaṃ syād ekoddiṣṭaṃ surair vinā /
Das pārvaṇa[-Totenopfer] (pārvaṇam) soll mit den Göttern voran (devapūrvam) sein (syāt), das ekoddiṣṭa[-Totenopfer] (ekoddiṣṭam) ohne die Götter (suraiḥ vinā);
dvau daive pitṛkārye trīn ekaikam ubhayatra vā //
bei der Götter-[Speisung] (daive) [speise man] zwei (dvau), beim Ahnenteil (pitṛkārye) drei (trīn), oder je einen (ekaikam) bei beiden (ubhayatra) –
auch für die mütterlichen Großväter gilt all dies sinngemäß, wie gelehrt. Für den, der gerade erst zum Verstorbenen-Geist geworden ist, gebe man beständig auf dem Boden ein Opferbällchen sowie Wasser,
Wort für Wort
mātāmahānām apy evaṃ sarvam ūhena kīrtitam /
auch für die mütterlichen Großväter (mātāmahānām api) gilt all dies (sarvam) sinngemäß (ūhena), wie gelehrt (kīrtitam).
pretībhūtasya satataṃ bhuvi piṇḍaṃ jalaṃ tathā //
Für den, der [gerade erst] zum Preta geworden ist (pretībhūtasya), gebe man beständig (satatam) auf dem Boden (bhuvi) ein Opferbällchen (piṇḍam) sowie Wasser (jalaṃ tathā),
mit Sesam und Kuśagras versehen, außerhalb des Hauses, in der Nähe von Wasser. Und am dritten Tag soll von den Zweifachgeborenen das Einsammeln der Gebeine des Verstorbenen vollzogen werden,
Wort für Wort
satilaṃ sakuśaṃ dadyād bahir jalasamīpataḥ /
mit Sesam (satilam) und Kuśagras (sakuśam) versehen gebe man [es] (dadyāt), außerhalb [des Hauses] (bahiḥ), in der Nähe von Wasser (jalasamīpataḥ).
tṛtīye 'hni ca kartavyaṃ pretāsthicayanaṃ dvijaiḥ //
Und am dritten Tag (tṛtīye ahni) soll von den Zweifachgeborenen (dvijaiḥ) das Einsammeln der Gebeine des Verstorbenen (pretāsthicayanam) vollzogen werden (kartavyam).
sūtakānte gṛhe śrāddham ekoddiṣṭaṃ pracakṣate / dvādaśe 'hani māse ca tripakṣe ca tataḥ param //
Am Ende der rituellen Unreinheitsperiode im Haus nennt man das Totenopfer 'ekoddiṣṭa'; am zwölften Tag, im zweiten Monat, und danach nach drei Halbmonaten,
Wort für Wort
sūtakānte gṛhe śrāddham ekoddiṣṭaṃ pracakṣate /
Am Ende der [rituellen] Unreinheitsperiode (sūtakānte) im Haus (gṛhe) nennt man das Totenopfer (śrāddham) 'ekoddiṣṭa' (pracakṣate),
dvādaśe 'hani māse ca tripakṣe ca tataḥ param //
am zwölften Tag (dvādaśe ahani), im [zweiten] Monat (māse), und danach (tataḥ param) nach drei Halbmonaten (tripakṣe),
und dann jeden Monat, bis zum vollen Jahr, o Zweifachgeborene, soll es vollzogen werden. Danach soll der Reihe nach das sapiṇḍīkaraṇa vollzogen werden,
Wort für Wort
māsi māsi ca kartavyaṃ yāvat saṃvatsaraṃ dvijāḥ /
und dann jeden Monat (māsi māsi), bis zum [vollen] Jahr (yāvat saṃvatsaram), o Zweifachgeborene, soll es vollzogen werden (kartavyam).
tata parataraṃ kāryaṃ sapiṇḍīkaraṇaṃ kramāt //
Danach (tataḥ parataram) soll der Reihe nach (kramāt) das sapiṇḍīkaraṇa vollzogen werden (kāryam).
wenn das sapiṇḍīkaraṇa vollzogen ist, wird das folgende Totenopfer wieder 'pārvaṇa' genannt; von da an sind sie, vom Preta-Zustand befreit, in den Ahnen-Zustand übergegangen.
Wort für Wort
kṛte sapiṇḍīkaraṇe pārvaṇaṃ procyate punaḥ /
Wenn das sapiṇḍīkaraṇa vollzogen ist (kṛte sapiṇḍīkaraṇe), wird [das folgende Totenopfer] wieder (punaḥ) 'pārvaṇa' genannt (procyate),
Gestaltlose und gestalthafte – zweifach werden die Ahnen überliefert: die 'Nāndīmukha'-Ahnen sind die gestaltlosen, die 'Pārvaṇa'-Ahnen die gestalthaften; die ekoddiṣṭa-Opfer genießenden gelten noch als Pretas – dreifach ist so die Bestimmung der Ahnen.
Wort für Wort
amūrtā mūrtimantaś ca pitaro dvividhāḥ smṛtāḥ /
Gestaltlose (amūrtāḥ) und gestalthafte (mūrtimantaḥ) – zweifach (dvividhāḥ) werden die Ahnen überliefert (pitaraḥ smṛtāḥ);
nāndīmukhās tv amūrtāḥ syur mūrtimanto 'tha pārvaṇāḥ /
die 'Nāndīmukha'[-Ahnen] (nāndīmukhāḥ) sind die gestaltlosen (amūrtāḥ syuḥ), die 'Pārvaṇa'[-Ahnen] (pārvaṇāḥ) die gestalthaften (mūrtimantaḥ);
ekoddiṣṭāśinaḥ pretāḥ pitṝṇāṃ nirṇayas tridhā //
die ekoddiṣṭa-[Opfer] Genießenden (ekoddiṣṭāśinaḥ) [gelten noch als] Pretas (pretāḥ) – dreifach (tridhā) ist so die Bestimmung der Ahnen (pitṝṇāṃ nirṇayaḥ).
Vyāsa sprach: Das sapiṇḍīkaraṇa, ihr Brahmanen, höret, was ich sage. Auch dieses Ritual ist ohne Götteranteil, mit nur einer Ehrengabe und einem Reinigungsring,
Wort für Wort
sapiṇḍīkaraṇaṃ viprāḥ śṛṇudhvaṃ vadato mama /
Das sapiṇḍīkaraṇa (sapiṇḍīkaraṇam), ihr Brahmanen (viprāḥ), höret (śṛṇudhvam), was ich sage (vadataḥ mama);
tac cāpi devarahitam ekārghaikapavitrakam //
auch dieses (tat api) [ist] ohne Götter[anteil] (devarahitam), mit nur einer Ehrengabe (ekārgha) und einem Reinigungsring (ekapavitrakam),
naivāgnau karaṇaṃ tatra tac cāvāhanavarjitam / apasavyaṃ ca tatrāpi bhojayed ayujo dvijān //
dabei gibt es keine Handlung im Feuer, und es ist auch ohne die übliche Anrufung; auch hier gilt die umgekehrte Ritualrichtung; man speise eine ungerade Zahl von Brahmanen.
Wort für Wort
naivāgnau karaṇaṃ tatra tac cāvāhanavarjitam /
Dabei (tatra) gibt es keine Handlung im Feuer (na eva agnau karaṇam), und es ist auch ohne [die übliche] Anrufung (āvāhanavarjitam);
apasavyaṃ ca tatrāpi bhojayed ayujo dvijān //
auch hier (tatra api) [gilt] die umgekehrte [Ritualrichtung] (apasavyam); man speise (bhojayet) eine ungerade Zahl (ayujaḥ) von Brahmanen (dvijān).
Es gibt hierbei noch eine andere Besonderheit, die Monat für Monat vorgeschrieben ist; höret sie alle, ihr Weisen, der Reihe nach, wie es sich gebührt.
Wort für Wort
anyac cātra viśeṣeṇa māsi māsi vidhīyate /
Es gibt hierbei noch eine andere (anyat ca) Besonderheit (viśeṣeṇa), die Monat für Monat (māsi māsi) vorgeschrieben ist (vidhīyate);
śṛṇudhvaṃ munayaḥ sarve yathāvad anupūrvaśaḥ //
höret sie (śṛṇudhvam), ihr Weisen alle (munayaḥ sarve), wie es sich gebührt (yathāvat), der Reihe nach (anupūrvaśaḥ).
mṛtatithyāṃ tu kartavyam ekoddiṣṭaṃ tu varṣikam / bhāryāyāḥ preṣṭhabhāryo vā yathā syāt susamāhitaḥ //
Am Todestag [der Ehefrau] aber soll das jährliche Ekoddiṣṭa vollzogen werden, für die Gattin, von dem, dem sie die liebste Gattin war, wohlgesammelten Sinnes.
Wort für Wort
mṛtatithyāṃ tu kartavyam ekoddiṣṭaṃ tu varṣikam /
Am Todestag (mṛtatithyām) aber soll vollzogen werden (tu kartavyam) das jährliche (varṣikam) Ekoddiṣṭa;
putrābhāve tu kartavyaṃ sapiṇḍais tu yathākramam / bhrātṛbhiḥ pautrakair vāpi kāryam ekoddiṣṭādikam //
Bei Fehlen eines Sohnes aber soll es von den Sapiṇḍas der Reihe nach vollzogen werden; auch von Brüdern oder Enkeln soll das Ekoddiṣṭa u.a. verrichtet werden.
Wort für Wort
putrābhāve tu kartavyaṃ sapiṇḍais tu yathākramam /
Bei Fehlen eines Sohnes (putrābhāve) aber soll es vollzogen werden (tu kartavyam) von den Sapiṇḍas (sapiṇḍaiḥ), der Reihe nach (yathākramam);
putrikāputras tu tathā mātāmahapitāmahān / kuryād dvyāmuṣyāyaṇas tu ubhayeṣāṃ tathaiva ca //
Der Sohn einer Adoptivtochter aber soll ebenso für die mütterlichen Großväter [handeln]; der 'Dvyāmuṣyāyaṇa' [Sohn zweier Väter] aber ebenso für beide Linien.
Wort für Wort
putrikāputras tu tathā mātāmahapitāmahān /
Der Sohn einer Adoptivtochter (putrikāputraḥ) aber ebenso (tu tathā) für die mütterlichen Großväter (mātāmahapitāmahān) [handle];
kuryād dvyāmuṣyāyaṇas tu ubhayeṣāṃ tathaiva ca //
der 'Dvyāmuṣyāyaṇa' [Sohn zweier Väter] (dvyāmuṣyāyaṇaḥ tu) handle (kuryāt) ebenso (tathā eva ca) für beide [Linien] (ubhayeṣām).
eteṣām abhāve tu striyaḥ kuryur akalpitāḥ / patīnāṃ ca yathānyāyaṃ mantravarjaṃ dvijottamāḥ //
Bei Fehlen dieser aber sollen die Frauen es ohne besondere Zubereitung vollziehen, für ihre Ehemänner, wie es dem Recht entspricht, ohne Mantra, ihr Besten der Zweifachgeborenen.
Wort für Wort
eteṣām abhāve tu striyaḥ kuryur akalpitāḥ /
Bei Fehlen dieser (eteṣām abhāve) aber sollen die Frauen (striyaḥ) es vollziehen (kuryuḥ), ohne besondere Zubereitung (akalpitāḥ),
patīnāṃ ca yathānyāyaṃ mantravarjaṃ dvijottamāḥ //
für ihre Ehemänner (patīnām ca), wie es dem Recht entspricht (yathānyāyam), ohne Mantra (mantravarjam), ihr Besten der Zweifachgeborenen (dvijottamāḥ).
Bei Fehlen auch dessen soll es vom König veranlasst werden, bei allen Kasten, durch Angehörige der eigenen Kaste, vorschriftsmäßig, samt allen Bestattungsriten u.a.
Wort für Wort
tadabhāve narendreṇa kāryaṃ sarveṣu jātiṣu /
Bei Fehlen auch dessen (tadabhāve) soll es vom König (narendreṇa) veranlasst werden (kāryam), bei allen Kasten (sarveṣu jātiṣu);
svajātibhis tu vidhivat samastāntyeṣṭikādikam //
durch Angehörige der eigenen Kaste (svajātibhiḥ tu), vorschriftsmäßig (vidhivat), samt allen Bestattungsriten u.a. (samastāntyeṣṭikādikam).
Denn der König, der die Untertanen beschützt, ist der Verwandte aller Kasten. Das ständige und das anlassbezogene Śrāddha wurde euch nun von mir dargelegt.
Wort für Wort
sarvajātibāndhavo hi rājā rakṣati yaḥ prajāḥ /
Denn (hi) der König (rājā), der die Untertanen beschützt (rakṣati yaḥ prajāḥ), ist der Verwandte aller Kasten (sarvajātibāndhavaḥ);
athānyan nityanaimittikaṃ tu darśānvitaṃ śṛṇu / śrāddhaṃ pravakṣyate 'nyad dhi yena tṛpyanti vai pitṛḥ //
Höre nun ein anderes, ständig-anlassbezogenes, mit der Neumondzeit verbundenes [Śrāddha]; ein weiteres Śrāddha wird verkündet, durch das die Ahnen wahrlich zufrieden werden.
Wort für Wort
athānyan nityanaimittikaṃ tu darśānvitaṃ śṛṇu /
Höre nun (atha śṛṇu) ein anderes (anyat), ständig-anlassbezogenes (nityanaimittikam tu), mit der Neumondzeit verbundenes [Śrāddha] (darśānvitam);
śrāddhaṃ pravakṣyate 'nyad dhi yena tṛpyanti vai pitṛḥ //
ein weiteres Śrāddha (anyat śrāddham) wird verkündet (pravakṣyate), durch das (yena) die Ahnen wahrlich zufrieden werden (tṛpyanti vai pitṛḥ).
sapiṇḍīkaraṇāt pūrvaṃ pitā yasya tu pauruṣāt / caturthaḥ syāt sa vijñeyo lepabhug iti kīrtitaḥ //
Wessen Vater vor dem sapiṇḍīkaraṇa [steht] – von dessen Manneslinie an gerechnet der Vierte, der soll erkannt werden als 'lepabhuj' [Pasten-Genießer] bezeichnet.
Wort für Wort
sapiṇḍīkaraṇāt pūrvaṃ pitā yasya tu pauruṣāt /
Vor dem sapiṇḍīkaraṇa (sapiṇḍīkaraṇāt pūrvam), wessen Vater (pitā yasya tu) von der Manneslinie an [gerechnet] (pauruṣāt),
caturthaḥ syāt sa vijñeyo lepabhug iti kīrtitaḥ //
der Vierte ist (caturthaḥ syāt), der soll erkannt werden (saḥ vijñeyaḥ), als 'lepabhuj' bezeichnet (lepabhuk iti kīrtitaḥ).
Dies ist die 'siebenmännische' Verwandtschaft, ihr Besten der Weisen, wie sie in den früheren Lehrschriften genannt wurde, und ebenso auch von mir verkündet.
Wort für Wort
eṣa sāptapauruṣo hi sambandho munisattamāḥ /
Dies (eṣaḥ) ist wahrlich (hi) die 'siebenmännische' (sāptapauruṣaḥ) Verwandtschaft (sambandhaḥ), ihr Besten der Weisen (munisattamāḥ),
kīrtitaḥ pūrvaśāstreṣu tathā caiva mayoditaḥ //
genannt (kīrtitaḥ) in den früheren Lehrschriften (pūrvaśāstreṣu), und ebenso auch (tathā ca eva) von mir verkündet (mayā uditaḥ).
yajamānaḥ svayaṃ tatra saptamaḥ parikīrtitaḥ / ata ūrdhvaṃ tu ye pūrve te vai syur anulepabhujaḥ //
Der Opferherr selbst wird dabei als der Siebente bezeichnet; jene aber, die darüber hinaus früher [in der Ahnenreihe] sind, sollen die 'Anulepabhuj' [Nach-Pasten-Genießer] sein.
Wort für Wort
yajamānaḥ svayaṃ tatra saptamaḥ parikīrtitaḥ /
Der Opferherr selbst (yajamānaḥ svayam) wird dabei (tatra) als der Siebente (saptamaḥ) bezeichnet (parikīrtitaḥ);
ata ūrdhvaṃ tu ye pūrve te vai syur anulepabhujaḥ //
jene aber (tu), die darüber hinaus (ataḥ ūrdhvam) früher [in der Ahnenreihe] sind (ye pūrve), die sollen wahrlich sein (te vai syuḥ) die 'Anulepabhuj' (anulepabhujaḥ).
tata ūrdhvaṃ tu ye pūrvaṃ sarve te 'pi tu bāndhavāḥ / narakasthā athotpannāḥ paśuprete[?]ṣu vā punaḥ //
[Anm.: Textstelle unsicher/verderbt in der zweiten Zeile, sinngemäß übersetzt.] Und darüber hinaus, jene, die noch früher [waren], sie alle sind gleichwohl Verwandte, seien sie nun in der Hölle, oder als Tiere oder Pretas wiedergeboren.
Wort für Wort
tata ūrdhvaṃ tu ye pūrvaṃ sarve te 'pi tu bāndhavāḥ /
Darüber hinaus (tataḥ ūrdhvam) aber, jene, die noch früher [waren] (ye pūrvam), sie alle (sarve te api tu) sind gleichwohl Verwandte (bāndhavāḥ),
narakasthā athotpannāḥ paśuprete[?]ṣu vā punaḥ //
seien sie in der Hölle befindlich (narakasthāḥ), oder wiedergeboren (atha utpannāḥ) unter Tieren oder Pretas (paśupreteṣu vā punaḥ) [?].
[Anm.] Zeile 2 im Original textlich unsicher; sinngemäß als Fortsetzung der Aufzählung der Wiedergeburtsformen früherer Ahnen übersetzt.
Für alle diese kann rechtens vollzogenes Śrāddha die Ursache der Sättigung sein; die Speise, die auf die Erde verstreut wird, dadurch werden die Piśāca-Dämonen gesättigt.
Durch das vom Badetuch abtropfende Wasser werden die zu Bäumen [Gewordenen] gesättigt; durch duftbesprengtes Wasser [werden] die im Geschlecht verehrten, zu Göttern Gewordenen [gesättigt].
Durch das vom Badetuch abtropfende Wasser (snānavastrāt cyutam toyam), dadurch (yaiḥ) werden die zu Bäumen [Gewordenen] gesättigt (tṛpyanti nagātmakāḥ);
gandhāsiktena toyena devabhūtāḥ kule 'rcitāḥ //
durch duftbesprengtes Wasser (gandhāsiktena toyena) [werden] die im Geschlecht verehrten (kule arcitāḥ), zu Göttern Gewordenen (devabhūtāḥ) [gesättigt].
Durch das von den Opferbällchen abtropfende Wasser wiederum, und durch andere [Tropfen], erlangen alle in Tiergeburt befindlichen Verwandten Sättigung.
Wort für Wort
piṇḍebhyaś cyavamānena toyena tu tathāparaiḥ /
Durch das von den Opferbällchen abtropfende (piṇḍebhyaḥ cyavamānena) Wasser (toyena) wiederum, und durch andere [Tropfen] (tathā aparaiḥ),
tiryagyonigatāḥ sarve tṛptim āyānti bāndhavāḥ //
erlangen alle in Tiergeburt befindlichen (tiryagyonigatāḥ sarve) Verwandten (bāndhavāḥ) Sättigung (tṛptim āyānti).
bālā ye 'karmiṇo vāpi durmṛtā ye ca bāndhavāḥ / sammārjanodakenaiva teṣāṃ tṛptir vidhīyate //
Kinder, die noch keine Riten [durchlaufen haben], oder Verwandte, die eines schlechten Todes gestorben sind – durch das Kehrichtwasser wird deren Sättigung bewirkt.
Wort für Wort
bālā ye 'karmiṇo vāpi durmṛtā ye ca bāndhavāḥ /
Kinder (bālāḥ), die ohne [vollzogene] Riten sind (ye akarmiṇaḥ vā api), oder Verwandte (bāndhavāḥ), die eines schlechten Todes gestorben sind (durmṛtāḥ ye ca),
sammārjanodakenaiva teṣāṃ tṛptir vidhīyate //
durch das Kehrichtwasser eben (sammārjanodakena eva) wird deren Sättigung bewirkt (teṣām tṛptiḥ vidhīyate).
yac cānyad api vikṣiptam annaṃ toyaṃ tathaiva ca / śuddham uñchiṣṭam evāpi tṛptaye jñātayaḥ smṛtāḥ //
Und was sonst noch verstreut wird, an Speise und ebenso an Wasser, sei es rein oder auch übriggelassen, dient es der Sättigung der Sippenangehörigen, wie überliefert.
Wort für Wort
yac cānyad api vikṣiptam annaṃ toyaṃ tathaiva ca /
Und was sonst noch (yat ca anyat api) verstreut wird (vikṣiptam), an Speise (annam) und ebenso an Wasser (toyam tathā eva ca),
sei es rein (śuddham) oder auch übriggelassen (uñchiṣṭam eva api), dient es der Sättigung (tṛptaye) der Sippenangehörigen (jñātayaḥ), wie überliefert (smṛtāḥ).
anyeṣāṃ tu kule jātā yeṣāṃ nāsti pratigrahaḥ / adharmalabdhavittena kṛtaṃ śrāddhaṃ na tān prati //
Für andere aber, die im Geschlecht geboren, für die es keine [gültige] Annahme [gibt] – ein mit unrechtmäßig erworbenem Vermögen vollzogenes Śrāddha wirkt nicht für jene.
Wort für Wort
anyeṣāṃ tu kule jātā yeṣāṃ nāsti pratigrahaḥ /
Für andere aber (anyeṣām tu), im Geschlecht geboren (kule jātāḥ), für die es keine [gültige] Annahme gibt (yeṣām na asti pratigrahaḥ),
adharmalabdhavittena kṛtaṃ śrāddhaṃ na tān prati //
ein mit unrechtmäßig erworbenem Vermögen (adharmalabdhavittena) vollzogenes Śrāddha (kṛtam śrāddham) wirkt nicht (na) jenen gegenüber (tān prati).
[Nur so] werden die als Caṇḍāla und Pulkasa im Geschlecht durch Zufall Geborenen gesättigt; so soll dies erkannt werden, wie es von den Chandogas verkündet wurde.
Wort für Wort
tṛpyanti caṇḍapulkasāḥ kule jātā yadṛcchayā /
Es werden gesättigt (tṛpyanti) [nur] die als Caṇḍāla und Pulkasa (caṇḍapulkasāḥ) im Geschlecht durch Zufall Geborenen (kule jātāḥ yadṛcchayā);
evam etat tu vijñeyaṃ chandogaiḥ parikīrtitam //
so (evam) soll dies erkannt werden (etat tu vijñeyam), wie es von den Chandogas [Sāmaveda-Kennern] verkündet wurde (chandogaiḥ parikīrtitam).
[Anm.] V.93-94: Der Sinn ist, dass unrechtmäßig erworbenes Śrāddha-Vermögen selbst die niedrigst wiedergeborenen Sippenangehörigen (als Caṇḍāla/Pulkasa) nicht sättigt.
So werden die vielfältigen Sippenangehörigen wahrlich durch Wasser gesättigt; daher soll das Śrāddha mit Sorgfalt vollzogen werden, und sei es auch nur mit Gemüse.
Wort für Wort
evaṃ bahuvidhā jñātās tarpayanty udakena vai /
So (evam) werden die vielfältigen (bahuvidhāḥ) Sippenangehörigen (jñātāḥ) wahrlich durch Wasser (udakena vai) gesättigt (tarpayanti);
Die dem Agnihotra Ergebenen, die Friedvollen, die Śrotriyas, auf rechtem Broterwerb Beruhenden, [besonders solche, die kennen] Triṇāciketa, Trimadhu, und ebenso Trisuparṇa,
Wort für Wort
agnihotraparān śāntān śrotriyān vṛttisaṃśritān /
die dem Agnihotra Ergebenen (agnihotraparān), die Friedvollen (śāntān), die Śrotriyas (śrotriyān), auf rechtem Broterwerb Beruhenden (vṛttisaṃśritān),
triṇāciketaṃ trimadhu trisuparṇaṃ tathaiva ca //
[die kennen] Triṇāciketa (triṇāciketam), Trimadhu (trimadhu), und ebenso Trisuparṇa (trisuparṇam tathā eva ca).
ṣaḍaṅgaviduṣaś caiva mātāpitror hite ratān / bhāgineyaṃ sāmagaṃ ca ṛtvijaṃ ca purohitam //
Und die der sechs Vedāṅgas Kundigen, dem Wohl der Eltern Zugetanen; [feed] den Schwestersohn, den Sāmaveda-Sänger, den Opferpriester und den Hauspriester,
Wort für Wort
ṣaḍaṅgaviduṣaś caiva mātāpitror hite ratān /
Und die der sechs Vedāṅgas Kundigen (ṣaḍaṅgaviduṣaḥ ca eva), dem Wohl der Eltern Zugetanen (mātāpitroḥ hite ratān);
bhāgineyaṃ sāmagaṃ ca ṛtvijaṃ ca purohitam //
den Schwestersohn (bhāgineyam), den Sāmaveda-Sänger (sāmagam ca), den Opferpriester (ṛtvijam ca) und den Hauspriester (purohitam).
Auch den Lehrer und den Unterweiser, den Onkel mütterlicherseits, ebenso den Schwiegervater, ebenso den Schwestersohn, den Verschwägerten, ebenso den Droṇa-Rezitator,
Wort für Wort
ācāryam api copādhyāyaṃ mātulaṃ śvaśuraṃ tathā /
Auch den Lehrer (ācāryam api ca) und den Unterweiser (upādhyāyam), den Onkel mütterlicherseits (mātulam), ebenso den Schwiegervater (śvaśuram tathā),
etān paṅktipavitrāṃs tu vijñāya dvijasattamān / śrāddhakāle niyoktavyāḥ pūrvedyur mantrayet tv atha //
Diese als 'reihenreinigende' Beste der Zweifachgeborenen erkennend, sollen sie zur Śrāddha-Zeit angestellt werden; am Vortag aber soll man [sie] einladen.
Wort für Wort
etān paṅktipavitrāṃs tu vijñāya dvijasattamān /
Diese (etān) als 'reihenreinigende' (paṅktipavitrān tu) Beste der Zweifachgeborenen (dvijasattamān) erkennend (vijñāya),
śrāddhakāle niyoktavyāḥ pūrvedyur mantrayet tv atha //
sollen sie zur Śrāddha-Zeit angestellt werden (śrāddhakāle niyoktavyāḥ); am Vortag (pūrvedyuḥ) aber soll man [sie] einladen (mantrayet tu atha).
yaḥ karoti tu saṃsargaṃ striyā śrāddhe kṛte 'pi vā / dattvā bhuktvā tu māsaṃ vai teṣu retasi vartate //
Wer aber Umgang mit einer Frau pflegt, sei es nach vollzogenem Śrāddha, [gleich ob er] gegeben oder gegessen hat – für einen Monat weilen jene [Ahnen] wahrlich in jenem Samen.
Wort für Wort
yaḥ karoti tu saṃsargaṃ striyā śrāddhe kṛte 'pi vā /
Wer aber (yaḥ tu) Umgang (saṃsargam) mit einer Frau pflegt (karoti striyā), sei es nach vollzogenem Śrāddha (śrāddhe kṛte api vā),
dattvā bhuktvā tu māsaṃ vai teṣu retasi vartate //
gegeben oder gegessen habend (dattvā bhuktvā tu), einen Monat wahrlich (māsam vai) weilen [die Ahnen] (teṣu vartate) in jenem Samen (retasi).
tasmān na paścimāhne tu kāryāṇi nimantraṇāni tu / pūrvedyur eva kartavyāny anyathā doṣabhāg bhavet //
Daher sollen die Einladungen nicht am Nachmittag [zuvor] vollzogen werden, sondern eben am Vortag sollen sie vollzogen werden; andernfalls wird man des Fehlers teilhaftig.
Wort für Wort
tasmān na paścimāhne tu kāryāṇi nimantraṇāni tu /
Daher (tasmāt) sollen die Einladungen (nimantraṇāni tu) nicht am Nachmittag [zuvor] (na paścimāhne tu) vollzogen werden (kāryāṇi),
pūrvedyur eva kartavyāny anyathā doṣabhāg bhavet //
eben am Vortag (pūrvedyuḥ eva) sollen sie vollzogen werden (kartavyāni); andernfalls (anyathā) wird man des Fehlers teilhaftig (doṣabhāk bhavet).
kāmasaktāṃs tu varjyet tu śrāddhadivase dvijān / kālāgatān yatīṃś caiva bhojayet praṇataḥ śuciḥ //
Die dem Geschlechtsverlangen ergebenen Zweifachgeborenen aber soll man am Śrāddha-Tag meiden; die rechtzeitig gekommenen Asketen aber soll man ehrfurchtsvoll und rein speisen.
Wort für Wort
kāmasaktāṃs tu varjyet tu śrāddhadivase dvijān /
Die dem Geschlechtsverlangen ergebenen (kāmasaktān) Zweifachgeborenen aber (tu ... dvijān) soll man meiden (varjyet) am Śrāddha-Tag (śrāddhadivase);
kālāgatān yatīṃś caiva bhojayet praṇataḥ śuciḥ //
die rechtzeitig gekommenen (kālāgatān) Asketen (yatīn ca eva) soll man speisen (bhojayet), ehrfurchtsvoll (praṇataḥ) und rein (śuciḥ).
yathā hi nauḥ salile nimagnān uttārayaty eva narān samagrān / tathā yatiḥ sāṅgatayā tu bhaktyā bhoktā ca kartā ca vitārayanti //
Denn wie ein Boot im Wasser die versinkenden Menschen allesamt hinüberrettet, so führen der Asket, mit dazugehöriger Hingabe, der Speisende und der Handelnde hinüber.
Wort für Wort
yathā hi nauḥ salile nimagnān uttārayaty eva narān samagrān /
Denn wie (yathā hi) ein Boot (nauḥ) im Wasser (salile) die versinkenden Menschen (nimagnān narān) allesamt (samagrān) hinüberrettet (uttārayati eva),
tathā yatiḥ sāṅgatayā tu bhaktyā bhoktā ca kartā ca vitārayanti //
so (tathā) führen der Asket (yatiḥ), mit zugehöriger Hingabe (sāṅgatayā tu bhaktyā), der Speisende (bhoktā) und der Handelnde (kartā ca) hinüber (vitārayanti).
Auch hierbei soll ein Lied gesungen werden, das früher von Weisen gesungen wird; jenes, das von den Vorfahren des Aila, den Ahnen, gesungen wurde, vernehmet.
Wort für Wort
atrāpi gāthā gīyeta yā pūrvaṃ gīyate munaiḥ /
Auch hierbei (atra api) soll ein Lied gesungen werden (gāthā gīyeta), das früher (yā pūrvam) von den Weisen gesungen wird (gīyate munaiḥ);
ailasya pūrvair yā gītā pitṛbhis tāṃ nibodhata //
jenes, das von den Vorfahren des Aila (ailasya pūrvaiḥ pitṛbhiḥ), gesungen wurde (yā gītā), das vernehmet (tām nibodhata).
kadā naḥ sa bhavet sattvaḥ kule janyaḥ suto varaḥ / yo yogibhir viśiṣṭānnaśeṣaṃ piṇḍaṃ pradāsyati //
'Wann wird jenes edle Wesen, der vortreffliche Sohn, in unserem Geschlecht geboren, der uns die von ausgezeichneten Yogins übriggelassene Speise als Opferbällchen darreichen wird,
Wort für Wort
kadā naḥ sa bhavet sattvaḥ kule janyaḥ suto varaḥ /
Wann (kadā) wird für uns (naḥ) jenes edle Wesen (saḥ sattvaḥ), der im Geschlecht zu gebärende vortreffliche Sohn (kule janyaḥ sutaḥ varaḥ),
yo yogibhir viśiṣṭānnaśeṣaṃ piṇḍaṃ pradāsyati //
der uns die von ausgezeichneten Yogins übriggelassene Speise (yogibhiḥ viśiṣṭa-anna-śeṣam) als Opferbällchen darreichen wird (piṇḍam pradāsyati)?
saumikaṃ khaḍgamāṃsaṃ ca sarvabhakṣyaguṇānvitam / sakeśanakhalomāsthi vinā śṛṅgena yad bhavet //
Und das Soma-[Opfer], das Rhinozerosfleisch, versehen mit der Eigenschaft aller [erlaubten] Speisen – mit Haar, Nägeln, Fell und Knochen, ausgenommen das Horn, das es sei –
Wort für Wort
saumikaṃ khaḍgamāṃsaṃ ca sarvabhakṣyaguṇānvitam /
Und das Soma-[Opfer] (saumikam), das Rhinozerosfleisch (khaḍgamāṃsam ca), versehen mit der Eigenschaft aller [erlaubten] Speisen (sarvabhakṣyaguṇānvitam),
sakeśanakhalomāsthi vinā śṛṅgena yad bhavet //
mit Haar, Nägeln, Fell und Knochen (sakeśanakhalomāsthi), ausgenommen das Horn (vinā śṛṅgena), das es sei (yat bhavet).
trayodaśyāṃ tu kartavyaṃ maghāsu ca viśeṣataḥ / dakṣiṇāyanapūrvāhne madhusarpiḥpayodhibhiḥ //
Am dreizehnten [Tag] aber soll es vollzogen werden, und besonders unter dem Maghā-Nakshatra, im Vormittag zur Zeit der Sonnenwende südwärts, mit Honig, Ghee und Milchmeer[-Brei].
Wort für Wort
trayodaśyāṃ tu kartavyaṃ maghāsu ca viśeṣataḥ /
Am dreizehnten [Tag] (trayodaśyām) aber soll es vollzogen werden (tu kartavyam), und besonders (ca viśeṣataḥ) unter dem Maghā-Nakshatra (maghāsu);
dakṣiṇāyanapūrvāhne madhusarpiḥpayodhibhiḥ //
im Vormittag zur Zeit der Sonnenwende südwärts (dakṣiṇāyanapūrvāhne), mit Honig, Ghee und Milchmeer[-Brei] (madhusarpiḥpayodhibhiḥ).
eṣa eva vidhiḥ prokto vidhijño munisattamāḥ / aparāhne pitṝṇāṃ tu pūrvāhnād atirocate //
Eben diese Vorschrift wurde verkündet, ihr Besten der Weisen, dem Ritualkundigen; am Nachmittag aber ist es für die Ahnen [Riten] vorzüglicher als am Vormittag.
Wort für Wort
eṣa eva vidhiḥ prokto vidhijño munisattamāḥ /
Eben diese Vorschrift (eṣaḥ eva vidhiḥ) wurde verkündet (proktaḥ), dem Ritualkundigen (vidhijño), ihr Besten der Weisen (munisattamāḥ);
aparāhne pitṝṇāṃ tu pūrvāhnād atirocate //
am Nachmittag (aparāhne) ist es für die Ahnen (pitṝṇām tu) vorzüglicher (atirocate) als am Vormittag (pūrvāhnāt).
Man verehre den angekommenen Gast mit Fußwasser, Ehrengabe und Sipp-Wasser; mit gereinigter Hand soll dann das Śrāddha vorschriftsmäßig vollzogen werden.
Wort für Wort
atithiṃ pūjayet prāptaṃ pādyārghyācamanīyakaiḥ /
Man verehre den angekommenen Gast (atithim pūjayet prāptam) mit Fußwasser, Ehrengabe und Sipp-Wasser (pādyārghyācamanīyakaiḥ);
pavitrapāṇinā tena śrāddhaṃ kāryaṃ yathāvidhi //
mit gereinigter Hand (pavitrapāṇinā tena) soll das Śrāddha vollzogen werden (śrāddham kāryam) vorschriftsmäßig (yathāvidhi).
bhojayitvā dvijāgryāṃs tu snigdhavākyaiḥ pramārjayet / praṇamya viharel lokye [?] gacchantaṃ tv anugacchati //
Nachdem er die vorzüglichen Zweifachgeborenen gespeist hat, soll er sie mit freundlichen Worten verabschieden; sich verneigend, [wende er sich der Welt zu (?)], dem Fortgehenden folge er nach.
Wort für Wort
bhojayitvā dvijāgryāṃs tu snigdhavākyaiḥ pramārjayet /
Nachdem er die vorzüglichen Zweifachgeborenen gespeist hat (bhojayitvā dvijāgryān tu), soll er sie mit freundlichen Worten verabschieden (snigdhavākyaiḥ pramārjayet);
praṇamya viharel lokye [?] gacchantaṃ tv anugacchati //
sich verneigend (praṇamya), [begebe er sich] [?] (viharet lokye), dem Fortgehenden (gacchantam) aber folge er nach (tu anugacchati).
[Anm.] Zweite Halbzeile textlich unsicher; sinngemäß als Geleitgeste gedeutet.
gate dvāri tu tān dṛṣṭvā nityakarma samārabhet / atithīṃś ca tato 'nyāṃs tu bhojayed vidhipūrvakam //
Nachdem er sie beim Fortgehen bis zur Tür gesehen hat, beginne er mit den täglichen Pflichten; dann soll er auch andere Gäste vorschriftsgemäß speisen.
Wort für Wort
gate dvāri tu tān dṛṣṭvā nityakarma samārabhet /
Nachdem er sie beim Fortgehen bis zur Tür gesehen hat (gate dvāri tu tān dṛṣṭvā), beginne er mit den täglichen Pflichten (nityakarma samārabhet);
atithīṃś ca tato 'nyāṃs tu bhojayed vidhipūrvakam //
dann (tataḥ) soll er auch andere Gäste (anyān atithīn ca tu) vorschriftsgemäß speisen (bhojayet vidhipūrvakam).
kecid āhur dvijāḥ śrāddhaṃ saha nityena kārayet / anye tu bhinnam icchanti pitṛkāryaṃ pṛthak pṛthak //
Manche Brahmanen sagen, das Śrāddha solle zusammen mit dem täglichen Ritual vollzogen werden; andere aber wollen das Ahnenwerk getrennt, jedes für sich.
Wort für Wort
kecid āhur dvijāḥ śrāddhaṃ saha nityena kārayet /
Manche (kecit) Brahmanen sagen (dvijāḥ āhuḥ), das Śrāddha (śrāddham) solle zusammen mit dem täglichen [Ritual] (saha nityena) vollzogen werden (kārayet);
anye tu bhinnam icchanti pitṛkāryaṃ pṛthak pṛthak //
andere aber (anye tu) wollen (icchanti) das Ahnenwerk getrennt (bhinnam pitṛkāryam), jedes für sich (pṛthak pṛthak).
ubhayaṃ tv etad ādāya vartitavyaṃ manīṣibhiḥ / śiṣṭaṃ bhuñjīta tenaiva bhṛtyaiḥ saha yatavrataḥ //
Beides aber soll von den Weisen berücksichtigt und danach gehandelt werden; das Übriggebliebene soll man selbst mit den Dienern zusammen essen, gelübdetreu.
Wort für Wort
ubhayaṃ tv etad ādāya vartitavyaṃ manīṣibhiḥ /
Beides aber (ubhayam tu etat) soll berücksichtigt werden (ādāya vartitavyam) von den Weisen (manīṣibhiḥ);
śiṣṭaṃ bhuñjīta tenaiva bhṛtyaiḥ saha yatavrataḥ //
das Übriggebliebene (śiṣṭam) soll man eben damit essen (bhuñjīta tena eva) mit den Dienern zusammen (bhṛtyaiḥ saha), gelübdetreu (yatavrataḥ).
So die Ahnen-Vorschrift kennend, soll der Dharmakundige das Śrāddha mit den besten Zweifachgeborenen vollziehen, mit erfreutem Sinn, nachdem er die besten Zweifachgeborenen gesättigt hat.
So (evam) die Ahnen-Vorschrift kennend (pitṛvidhim jñātvā), soll man das Śrāddha vollziehen (kuryāt śrāddham) mit den besten Zweifachgeborenen (dvijottamaiḥ);
dharmajño hṛṣṭamanasā tarpayitvā dvijottamān //
der Dharmakundige (dharmajñaḥ), mit erfreutem Sinn (hṛṣṭamanasā), nachdem er die besten Zweifachgeborenen gesättigt hat (tarpayitvā dvijottamān).
sadā varjyā dvijaśreṣṭhāḥ paṅktau ye dūṣakāḥ smṛtāḥ / mitradhrug vikṛtāṅguṣṭhaḥ klībo yakṣmī ca śuklakuṣṭhī //
Stets zu meiden sind, ihr Besten der Zweifachgeborenen, die als 'Reihen-Verderber' überliefert werden: der Freundesverräter, der mit verkrüppeltem Daumen, der Eunuch, der Schwindsüchtige und der mit weißem Aussatz Behaftete,
Wort für Wort
sadā varjyā dvijaśreṣṭhāḥ paṅktau ye dūṣakāḥ smṛtāḥ /
Stets zu meiden sind (sadā varjyāḥ), ihr Besten der Zweifachgeborenen (dvijaśreṣṭhāḥ), die als 'Reihen-Verderber' überliefert werden (paṅktau ye dūṣakāḥ smṛtāḥ):
mitradhrug vikṛtāṅguṣṭhaḥ klībo yakṣmī ca śuklakuṣṭhī //
der Freundesverräter (mitradhruk), der mit verkrüppeltem Daumen (vikṛtāṅguṣṭhaḥ), der Eunuch (klībaḥ), der Schwindsüchtige (yakṣmī) und der mit weißem Aussatz Behaftete (śuklakuṣṭhī).
Und der vom [rechten] Weg des Erwerbs Abgeirrte, der Braunzahnige, der Kahlköpfige, der Einäugige, Blinde, Taube, Dumme, Stumme, Lahme, Krummhändige, Gebrochene, Impotente,
Wort für Wort
pravasitapathaś caiva śyāvadanto 'tha khalvāṭaḥ /
Und der vom [rechten] Weg des Erwerbs Abgeirrte (pravasitapathaḥ ca eva) [?], der Braunzahnige (śyāvadantaḥ), der Kahlköpfige (atha khalvāṭaḥ),
kāṇāndhabadhirajaḍamūkapaṅgukuṇibhagnaḥ klībaḥ //
der Einäugige, Blinde, Taube, Dumme, Stumme, Lahme, Krummhändige, Gebrochene (kāṇāndhabadhirajaḍamūkapaṅgukuṇibhagnaḥ), der Impotente (klībaḥ).
[Anm.] 'pravasitapathaḥ' unsicher; sinngemäß als 'vom rechten Erwerbsweg Abgeirrter' übersetzt.
Der Aussätzige, Rotäugige, Bucklige, Zwerg, Missgestaltete, Träge, der eigene Freunde Hassende, von schlechter Abkunft, Kuhhirte, ebenso der Missgestaltete,
Der 'Parivitti' [übergangener älterer Bruder] und der 'Parivettā' [vorzeitig verheirateter jüngerer Bruder], und ebenso deren beider Söhne, der Ehemann einer Śūdra-Frau, der Sohn einer Śūdra – von Vyāsa wurden sie von der Reihe ausgeschlossen.
Wort für Wort
parivittiḥ parivettā tayoś caiva sutau tathā /
Der 'Parivitti' (parivittiḥ), der 'Parivettā' (parivettā), und ebenso (ca eva) deren beider Söhne (tayoḥ sutau tathā),
śūdrāpatiḥ śūdrasutaḥ paṅktau vyāsena varjitāḥ //
der Ehemann einer Śūdra-Frau (śūdrāpatiḥ), der Sohn einer Śūdra (śūdrasutaḥ) – von der Reihe (paṅktau) wurden sie von Vyāsa ausgeschlossen (vyāsena varjitāḥ).
yaḥ karoti kriyāṃ tasya śūdrāputrasya vai dvijaḥ / anūḍhādhyāpakaś caiva didhiṣūpatir eva ca //
Und der Zweifachgeborene, der wahrlich die [Übergangs-]Riten für den Sohn einer Śūdra vollzieht, sowie der Lehrer einer Unverheirateten, ebenso der Ehemann einer 'Didhiṣū' [einer Frau, die vor ihrer älteren unverheirateten Schwester heiratete],
Wort für Wort
yaḥ karoti kriyāṃ tasya śūdrāputrasya vai dvijaḥ /
Der Zweifachgeborene (dvijaḥ), der die [Übergangs-]Riten (kriyām) für den Sohn einer Śūdra (śūdrāputrasya) wahrlich vollzieht (yaḥ karoti ... vai),
anūḍhādhyāpakaś caiva didhiṣūpatir eva ca //
sowie der Lehrer einer Unverheirateten (anūḍhādhyāpakaḥ ca eva), ebenso der Ehemann einer 'Didhiṣū' (didhiṣūpatiḥ eva ca).
mithyābhiśastaś caurī ca patito vārdhuṣī tathā / kuṭṭako naikṛtikaś ca pratirūpī tathaiva ca //
Der zu Unrecht Angeklagte, der Dieb, der Gefallene, ebenso der Wucherer, der Betrüger, der Falschmünzer, und ebenso auch der Heuchler [nach außen Anders-Erscheinende],
Wort für Wort
mithyābhiśastaś caurī ca patito vārdhuṣī tathā /
Der zu Unrecht Angeklagte (mithyābhiśastaḥ), der Dieb (caurī ca), der Gefallene (patitaḥ), ebenso der Wucherer (vārdhuṣī tathā),
kuṭṭako naikṛtikaś ca pratirūpī tathaiva ca //
der Betrüger (kuṭṭakaḥ), der Falschmünzer/Arglistige (naikṛtikaḥ ca), und ebenso auch der Heuchler (pratirūpī tathā eva ca).
Der Ungebildete, Nicht-Studierende, ebenso der Verleumdung Verübende, der die Älteren Hassende, der Übelbeflissene, der Grausame, der Dumme, der Übermäßig-Stolze,
Wort für Wort
amantrako 'nadhīyānaḥ paiśunyakaraṇas tathā /
Der Ungebildete (amantrakaḥ), der Nicht-Studierende (anadhīyānaḥ), ebenso der Verleumdung Verübende (paiśunyakaraṇaḥ tathā);
guruttidviṭ durācāraḥ krūro mūrkho 'timānyakaḥ //
der die Älteren Hassende (guruttidviṭ) [Anm.: unsicher], der Übelbeflissene (durācāraḥ), der Grausame (krūraḥ), der Dumme (mūrkhaḥ), der Übermäßig-Stolze (atimānyakaḥ).
devalako 'dhyāpanikaḥ parvakāraś ca garhitaḥ / anāhitāgniḥ klībaś ca yaś cānyo garhito naraḥ //
Der [gegen Bezahlung dienende] Tempeldiener, der [gegen Bezahlung] Unterrichtende, und der verachtete 'Parvakāra' [Fest-Verrichter], der ohne rituelles Feuer, der Impotente, und wer sonst noch ein verachteter Mensch ist,
Wort für Wort
devalako 'dhyāpanikaḥ parvakāraś ca garhitaḥ /
Der Tempeldiener (devalakaḥ), der [gegen Bezahlung] Unterrichtende (adhyāpanikaḥ), und der verachtete 'Parvakāra' (parvakāraḥ ca garhitaḥ) [?];
anāhitāgniḥ klībaś ca yaś cānyo garhito naraḥ //
der ohne rituelles Feuer (anāhitāgniḥ), der Impotente (klībaḥ ca), und wer sonst noch (yaḥ ca anyaḥ) ein verachteter Mensch ist (garhitaḥ naraḥ).
[Anm.] 'Parvakāra' unsicher, evtl. ein gegen Bezahlung Feste-Ausrichtender.
yājako hy apātrāṇāṃ na deyaṃ śrāddhabhojanam / etān vipraparīkṣāyāṃ paṅktidūṣakam ucyate //
Der Opferpriester für Unwürdige – dem soll keine Śrāddha-Speise gegeben werden; diese werden bei der Brahmanenprüfung als 'Reihen-Verderber' bezeichnet.
Wort für Wort
yājako hy apātrāṇāṃ na deyaṃ śrāddhabhojanam /
Der Opferpriester (yājakaḥ) für Unwürdige (apātrāṇām) – dem soll wahrlich (hi) keine Śrāddha-Speise gegeben werden (na deyam śrāddhabhojanam);
etān vipraparīkṣāyāṃ paṅktidūṣakam ucyate //
diese (etān) werden bei der Brahmanenprüfung (vipraparīkṣāyām) als 'Reihen-Verderber' bezeichnet (paṅktidūṣakam ucyate).
yaḥ saktaṃ varjayitvānyam āvāhayati vai dvijam / niḥśvāsāgninā dagdho vinaśyati na saṃśayaḥ //
Wer, den bereits Verbundenen verlassend, wahrlich einen anderen Zweifachgeborenen herbeiruft, wird vom Feuer des [dessen] Seufzers verbrannt und geht zugrunde, ohne Zweifel.
Wort für Wort
yaḥ saktaṃ varjayitvānyam āvāhayati vai dvijam /
Wer (yaḥ), den bereits Verbundenen verlassend (saktam varjayitvā), einen anderen Zweifachgeborenen (anyam dvijam) wahrlich herbeiruft (āvāhayati vai),
niḥśvāsāgninā dagdho vinaśyati na saṃśayaḥ //
wird vom Feuer des Seufzers verbrannt (niḥśvāsāgninā dagdhaḥ) und geht zugrunde (vinaśyati), ohne Zweifel (na saṃśayaḥ).
vināpi vastreṇa na siddhikāryaṃ na yajña adhyayanaṃ na tapaḥ / tasmāt tu vastraṃ śraddhāvicāre dātavyam evāgryataraṃ nṛloke //
Ohne Kleidung gibt es keine erfolgreiche Handlung, kein Opfer, kein Studium, keine Askese; daher soll bei der Śrāddha-Betrachtung besonders vorzüglich Kleidung gegeben werden, in der Welt der Menschen.
Wort für Wort
vināpi vastreṇa na siddhikāryaṃ na yajña adhyayanaṃ na tapaḥ /
Ohne Kleidung (vinā api vastreṇa) gibt es keine erfolgreiche Handlung (na siddhikāryam), kein Opfer, kein Studium (na yajño adhyayanam), keine Askese (na tapaḥ);
tasmāt tu vastraṃ śraddhāvicāre dātavyam evāgryataraṃ nṛloke //
daher (tasmāt tu) soll bei der Śrāddha-Betrachtung (śraddhāvicāre) Kleidung (vastram) besonders vorzüglich gegeben werden (dātavyam eva agrataram), in der Welt der Menschen (nṛloke).
Nach dessen Gabe erlangt man die Wünsche, wie sie von den Weisen genannt wurden; wie ein Kalb von selbst seine Kuh findet, auch inmitten von hundert Kühen,
Wort für Wort
dattvaitat prāpnuyāt kāmān yathoktāṃs tu manīṣibhiḥ /
Nach dessen Gabe (dattvā etat) erlangt man die Wünsche (prāpnuyāt kāmān), wie sie von den Weisen genannt wurden (yathoktān tu manīṣibhiḥ);
gavā yathā svayaṃ vatso gośatasyāpi madhyataḥ //
wie (yathā) ein Kalb (vatsaḥ) von selbst (svayam) seine Kuh (gavā) findet, auch inmitten von hundert Kühen (gośatasya api madhyataḥ).
namaḥ svāhāyai svadhāyai ceti vācyaṃ tu vai trayam / śrāddhādyante tathā madhye piṇḍadāne samāhitaiḥ //
Verehrung der Svāhā und der Svadhā' – dies dreifach soll wahrlich gesprochen werden, am Anfang und Ende des Śrāddha, ebenso in der Mitte bei der Opferbällchen-Gabe, mit gesammeltem Sinn.
Wort für Wort
namaḥ svāhāyai svadhāyai ceti vācyaṃ tu vai trayam /
'Verehrung der Svāhā und der Svadhā' (namaḥ svāhāyai svadhāyai ca) – so soll dreifach gesprochen werden (iti vācyam tu vai trayam),
am Anfang und Ende des Śrāddha (śrāddhādyante), ebenso in der Mitte (tathā madhye) bei der Opferbällchen-Gabe (piṇḍadāne), mit gesammeltem Sinn (samāhitaiḥ).
āyānti pitaras tena kṣipraṃ naśyanti rākṣasāḥ / trailokyaṃ prīṇite tena mantras tārayate 'pi ca //
Dadurch kommen die Ahnen herbei, rasch verschwinden die Rākṣasas, die drei Welten werden dadurch erfreut, und der Spruch führt [den Rezitierenden] auch hinüber.
Wort für Wort
āyānti pitaras tena kṣipraṃ naśyanti rākṣasāḥ /
Dadurch (tena) kommen die Ahnen herbei (āyānti pitaraḥ), rasch (kṣipram) verschwinden die Rākṣasas (naśyanti rākṣasāḥ);
trailokyaṃ prīṇite tena mantras tārayate 'pi ca //
die drei Welten (trailokyam) werden dadurch erfreut (prīṇite tena), und der Spruch (mantraḥ) führt auch hinüber (tārayate api ca).
adaśaṃ varjayed vastram akṣataṃ ceti dhīmataḥ / etāny api na tuṣyanti dātur anarthakāny api //
Ungesäumte Kleidung soll der Weise auch meiden, wenn auch unbeschädigt; auch diese erfreuen [die Ahnen] nicht, und sie sind für den Geber auch nutzlos.
Wort für Wort
adaśaṃ varjayed vastram akṣataṃ ceti dhīmataḥ /
Ungesäumte Kleidung (adaśam vastram) soll meiden (varjayet), auch wenn unbeschädigt (akṣatam ca iti), der Weise (dhīmataḥ);
etāny api na tuṣyanti dātur anarthakāny api //
auch diese (etāni api) erfreuen [die Ahnen] nicht (na tuṣyanti), und sind für den Geber auch nutzlos (dātuḥ anarthakāni api).
na jīvate piṇḍadānaṃ kāryaṃ tv annena vai budhaiḥ / bhogārthī tv agnimadhye tu piṇḍadānaṃ prakalpayet //
Für den [noch] Lebenden soll keine Opferbällchen-Gabe [vollzogen werden], sondern von den Klugen wahrlich mit [gewöhnlicher] Speise soll [ihm] gedient werden; wer aber Genuss wünscht, der lasse die Opferbällchen-Gabe ins Feuer hinein vollziehen,
Wort für Wort
na jīvate piṇḍadānaṃ kāryaṃ tv annena vai budhaiḥ /
Für den Lebenden (jīvate) soll keine Opferbällchen-Gabe [vollzogen werden] (na piṇḍadānam kāryam), sondern mit [gewöhnlicher] Speise (tu annena vai) von den Klugen [gedient werden] (budhaiḥ);
bhogārthī tv agnimadhye tu piṇḍadānaṃ prakalpayet //
wer Genuss wünscht (bhogārthī tu), der lasse die Opferbällchen-Gabe ins Feuer hinein vollziehen (agnimadhye tu piṇḍadānam prakalpayet).
Wer Söhne wünscht, gebe den mittleren Anteil der Gattin, mit Mantra; wer Vorzüglichkeit wünscht, gebe [ihn] der Kuh; nachdem er ihn ins Wasser gegeben hat, wird man ruhmvoll,
Wort für Wort
putrārthī madhyamaṃ tv aṃśaṃ dadyāt patnyai savāksakam /
Wer Söhne wünscht (putrārthī), gebe den mittleren Anteil (madhyamam tu aṃśam) der Gattin (patnyai), mit Mantra (savāksakam) [dadyāt];
prakarṣārthī gavā deyaṃ jale dattvā yaśobhavet //
wer Vorzüglichkeit wünscht (prakarṣārthī), soll er der Kuh gegeben werden (gavā deyam); nachdem er ihn ins Wasser gegeben hat (jale dattvā), wird man ruhmvoll (yaśobhavet).
buddhyarthī ca tathā mānyaḥ prajñāṃ prāpnoty asaṃśayam / āyurarthī tu vāyasebhyo dadyāt putragṛhārthinaḥ //
Und wer Weisheit wünscht, so [erfährt er] Achtung und erlangt Erkenntnis ohne Zweifel; wer aber langes Leben wünscht, gebe [ihn] den Krähen; wer sich eine 'Halle voll Söhne' wünscht,
Wort für Wort
buddhyarthī ca tathā mānyaḥ prajñāṃ prāpnoty asaṃśayam /
Wer Weisheit wünscht (buddhyarthī ca), so wird er geehrt (tathā mānyaḥ) und erlangt Erkenntnis (prajñām prāpnoti) ohne Zweifel (asaṃśayam);
āyurarthī tu vāyasebhyo dadyāt putragṛhārthinaḥ //
wer aber langes Leben wünscht (āyurarthī tu), gebe [ihn] den Krähen (vāyasebhyaḥ dadyāt); wer sich eine 'Halle voll Söhne' wünscht (putragṛhārthinaḥ) [siehe nächster Vers].
geben es den Hähnen, so lehren die Kundigen; manche der besten Zweifachgeborenen sagen, es solle vorher [zurück-]entnommen und dann gegeben werden, mit Zustimmung der Opferpriester.
Wort für Wort
kukkuṭebhyo dadus tajjño kecid āhur dvijottamāḥ /
Den Hähnen (kukkuṭebhyaḥ) geben es die Kundigen (dadus tajjñāḥ); manche der besten Zweifachgeborenen sagen [dies] (kecit āhuḥ dvijottamāḥ);
uddhṛtya dātavyaṃ pūrvam ṛtvigbhir anumoditam //
es solle vorher entnommen und gegeben werden (uddhṛtya dātavyam pūrvam), mit Zustimmung der Opferpriester (ṛtvigbhiḥ anumoditam).
Daher soll das Śrāddha eben nach der von den Lehrschriften und den besten Weisen verkündeten Vorschrift mit Sorgfalt vollzogen werden; andernfalls wird man des Fehlers teilhaftig.
Wort für Wort
tasmāc chāstroditenaiva vidhinā munisattamaiḥ /
Daher (tasmāt) soll eben nach der von den Lehrschriften verkündeten Vorschrift (śāstroditena eva vidhinā), von den besten Weisen [gelehrt] (munisattamaiḥ),
Ebenso mit Wildreis, und anderen aus Priyaṅgu-Hirse gewonnenen [Speisen]; mit Prasātikā- und Tulā-Getreide, mit vielfältig zubereiteten Getreidesorten,
āmrair āmrātakair bilvaiḥ dāḍimaiḥ sabijāpurakaiḥ / pūrvāmalakayuktaiś ca nārikelaphalodakaiḥ //
Mit Mangos, Wild-Mangopflaumen, Bilva-Früchten, Granatäpfeln samt Zitrone; verbunden mit östlichen Amalaka-Myrobalanen, mit Kokosnussfrucht und -wasser,
sie sollen beim Śrāddha mit Sorgfalt gegeben werden; mit Jaggery, Zucker, Zuckerstückchen, mit Sirup, gerösteten Körnern, mit Kuhmilch, Milch, Quark und Ghee,
Wort für Wort
śrāddhe deyāni yatnena guḍaśarkarakhaṇḍakaiḥ /
beim Śrāddha (śrāddhe) sollen sie mit Sorgfalt gegeben werden (deyāni yatnena), mit Jaggery, Zucker, Zuckerstückchen (guḍaśarkarakhaṇḍakaiḥ);
phāṇitair lājabhiś caiva gopayodadhisarpiṣā //
mit Sirup (phāṇitaiḥ), gerösteten Körnern (lājabhiḥ ca eva), mit Kuhmilch, Quark und Ghee (gopayodadhisarpiṣā).
Mit Lotusblüten, weißen Wasserlilien, roten Lotusblüten, weißen Lotusblüten, blauen Lotusblüten; mit roten Wasserlilien, Kahlāra-Lotus; mit Kuṣṭha-Wurzel, Jaṭāmāṃsī und Vālaka-Wurzel,
kukkuṭyā jātipattraiś ca nalikoṣīramustakaiḥ / granthiparṇyā ca sundaryā gandhāḍhyaiḥ prīṇayet pitṝn //
Mit Kukkuṭī-Pflanze, mit Muskatblüte, mit Nalika-Pflanze, Vetiver und Cyperus-Gras; mit Granthiparṇī und der 'Schönen' [sundarī] – mit diesen duftreichen [Substanzen] erfreue man die Ahnen.
Wort für Wort
kukkuṭyā jātipattraiś ca nalikoṣīramustakaiḥ /
Mit Kukkuṭī-Pflanze (kukkuṭyā), mit Muskatblüte (jātipattraiḥ ca), mit Nalika-Pflanze, Vetiver und Cyperus-Gras (nalikoṣīramustakaiḥ),
granthiparṇyā ca sundaryā gandhāḍhyaiḥ prīṇayet pitṝn //
mit Granthiparṇī (granthiparṇyā ca) und der 'Schönen' (sundaryā) – mit diesen duftreichen [Substanzen] (gandhāḍhyaiḥ) erfreue man die Ahnen (prīṇayet pitṝn).
Mit Guggul-Harz, Sandelholz, Śrīvāsa-Harz, Adlerholz, ebenso mit Ṛṣi-Guggul – mit diesen Räucherwerken soll der Kluge täglich für die Ahnen [Verehrung] vollziehen.
mahiṣīṃ caiva gavayīṃ mṛgīm ekaśaphāṃ tathā / strīkṣīraṃ krauñcakṣīraṃ ca aurabhraṃ ca vivarjayet //
Und Büffelmilch, Gayal-Kuh-Milch, Hirschkuh-Milch, ebenso die der Einhufer; Frauenmilch, Kamelmilch, und Schafmilch soll man meiden,
Wort für Wort
mahiṣīṃ caiva gavayīṃ mṛgīm ekaśaphāṃ tathā /
Büffelmilch (mahiṣīm ca eva), Gayal-Kuh-Milch (gavayīm), Hirschkuh-Milch (mṛgīm), ebenso die der Einhufer (ekaśaphām tathā),
strīkṣīraṃ krauñcakṣīraṃ ca aurabhraṃ ca vivarjayet //
Frauenmilch (strīkṣīram), Kamelmilch (krauñcakṣīram ca) [Anm.: 'krauñca' hier wohl für Kamel], und Schafmilch (aurabhram ca) soll man meiden (vivarjayet).
matsyāṃs tathaiva vārāhaṃ kūrmaṃ gomāṃsam eva ca / viśeṣād varjayet pūtiṃ kastūrīṃ rocanāṃ tathā //
Fische, ebenso Schweinefleisch, Schildkröte und Rindfleisch soll man meiden; besonders soll man Übelriechendes meiden, Moschus, ebenso Rocanā-Farbstoff,
Wort für Wort
matsyāṃs tathaiva vārāhaṃ kūrmaṃ gomāṃsam eva ca /
Fische (matsyān), ebenso Schweinefleisch (tathā eva vārāham), Schildkröte (kūrmam) und Rindfleisch (gomāṃsam eva ca);
viśeṣād varjayet pūtiṃ kastūrīṃ rocanāṃ tathā //
besonders (viśeṣāt) soll man meiden (varjayet) Übelriechendes (pūtim), Moschus (kastūrīm), ebenso Rocanā-Farbstoff (rocanām tathā).
śuktāni pariṇītāni pūtiparyuṣitāni ca / durgandhīni ca varjyāni kovidāraśigrukaṃ tathā //
Vergorenes, Fermentiertes, Verdorbenes und Altbackenes; Übelriechendes soll man ebenfalls meiden, Kovidāra-Baumblätter und Meerrettichbaum-[Gemüse] ebenso,
Wort für Wort
śuktāni pariṇītāni pūtiparyuṣitāni ca /
Vergorenes (śuktāni), Fermentiertes (pariṇītāni), Verdorbenes und Altbackenes (pūtiparyuṣitāni ca);
durgandhīni ca varjyāni kovidāraśigrukaṃ tathā //
Übelriechendes (durgandhīni ca) soll man meiden (varjyāni), Kovidāra-Baumblätter und Meerrettichbaum-[Gemüse] (kovidāraśigrukam tathā).
atyamlaṃ ślakṣṇam atyarthaṃ tathā ca yātayāmakam / arasaṃ madyagandhi ca hiṅgu phaṇiśabhūnimbam //
Übermäßig Saures, übermäßig Schleimiges, ebenso über die Maßen Altgewordenes; Geschmackloses und nach Alkohol Riechendes, Asafoetida, Phaṇiśa und Bhūnimba-[Bitterkraut],
Wort für Wort
atyamlaṃ ślakṣṇam atyarthaṃ tathā ca yātayāmakam /
Übermäßig Saures (atyamlam), übermäßig Schleimiges (ślakṣṇam atyartham), ebenso über die Maßen Altgewordenes (tathā ca yātayāmakam);
arasaṃ madyagandhi ca hiṅgu phaṇiśabhūnimbam //
Geschmackloses (arasam) und nach Alkohol Riechendes (madyagandhi ca), Asafoetida (hiṅgu), Phaṇiśa und Bhūnimba-[Bitterkraut] (phaṇiśabhūnimbam).
sarṣapaṃ kaliṅgajaṃ caiva amlavetasam eva ca / dāḍimaṃ māgadhīṃ śṛṅgīm ārdrakaṃ ca tathāmlikām //
Senf, Kaliṅga-Gewürz, ebenso saures Bambusspross-[Extrakt] [soll man meiden]; Granatapfel, langen Pfeffer, Ingwer und ebenso Tamarinde [soll man verwenden].
Wort für Wort
sarṣapaṃ kaliṅgajaṃ caiva amlavetasam eva ca /
Senf (sarṣapam), Kaliṅga-Gewürz (kaliṅgajam ca eva), ebenso saures Bambusspross-[Extrakt] (amlavetasam eva ca) [meide man];
dāḍimaṃ māgadhīṃ śṛṅgīm ārdrakaṃ ca tathāmlikām //
Granatapfel (dāḍimam), langen Pfeffer (māgadhīm śṛṅgīm), Ingwer (ārdrakam ca) und ebenso Tamarinde (tathā amlikām) [verwende man].
[Anm.] Vers markiert den Übergang von verbotenen zu erlaubten Substanzen, teils in derselben Aufzählung.
āmrātakaṃ jīvakaṃ ca tumburuṃ dadhyodanaṃ tathā / śālmalīkṣīraṃ [?] mudgāṃś ca modakān pariveṣayet //
Wild-Mangopflaume, Jīvaka-Pflanze und Tumburu-Pfeffer, ebenso Milchreis; Śālmalī-[Bohnen] [?], Mungbohnen und Süßspeisen (Modaka) soll man mit Hingabe reichen,
siṃhāsyaṃ [?] khaḍgamāṃsaṃ ca tathā copadiṣṭaṃ manunāpi ca / rohitaṃ matsyajātaṃ ca tasmāt tenāpi bhakṣayet //
Fleisch des 'Löwenmauls' [?] und Rhinozerosfleisch, wie es auch von Manu gelehrt wurde; rohita-Fisch, deshalb soll man auch mit diesem [Ahnen] speisen.
Wort für Wort
siṃhāsyaṃ [?] khaḍgamāṃsaṃ ca tathā copadiṣṭaṃ manunāpi ca /
Fleisch des 'Löwenmauls' [?] (siṃhāsyam) und Rhinozerosfleisch (khaḍgamāṃsam ca), wie es auch von Manu gelehrt wurde (tathā ca upadiṣṭam manunā api ca);
rohitaṃ matsyajātaṃ ca tasmāt tenāpi bhakṣayet //
rohita-Fisch (rohitam matsyajātam ca), deshalb (tasmāt) soll man auch mit diesem speisen (tena api bhakṣayet).
[Anm.] 'siṃhāsyaṃ' unsicher, evtl. Name eines Fisches oder Wassertiers.
etāny api prayatnena daive kārye tu bhojayet / pitṛkārye tathā caiva mayā proktaṃ dvijottamāḥ //
Auch diese soll man mit Sorgfalt sowohl beim Götterwerk speisen, als auch beim Ahnenwerk – so wurde es von mir verkündet, ihr besten Zweifachgeborenen,
Wort für Wort
etāny api prayatnena daive kārye tu bhojayet /
Auch diese (etāni api) soll man mit Sorgfalt (prayatnena) beim Götterwerk (daive kārye tu) speisen (bhojayet),
pitṛkārye tathā caiva mayā proktaṃ dvijottamāḥ //
ebenso beim Ahnenwerk (pitṛkārye tathā ca eva) – so wurde es von mir verkündet (mayā proktam), ihr besten Zweifachgeborenen (dvijottamāḥ).
vārāheṇa yathā dṛṣṭaṃ paurāṇaṃ tac ca me śrutam / yo bhuṅkte varjitaṃ hy etan mayā raurave pacyate //
wie es von [Viṣṇu in Gestalt des] Ebers gesehen wurde, das Alte, wie ich es hörte; wer das isst, was von mir verboten wurde, der wird in der Raurava-[Hölle] gekocht.
Wort für Wort
vārāheṇa yathā dṛṣṭaṃ paurāṇaṃ tac ca me śrutam /
Wie es vom Eber [Viṣṇu-Varāha] gesehen wurde (vārāheṇa yathā dṛṣṭam), das Alte (paurāṇam), wie ich es hörte (tat ca me śrutam);
yo bhuṅkte varjitaṃ hy etan mayā raurave pacyate //
wer das isst (yaḥ bhuṅkte), was von mir wahrlich verboten wurde (varjitam hi etat mayā), der wird in der Raurava-[Hölle] gekocht (raurave pacyate).
etāny api ca varjyāni vārāheṇa tapasvinaḥ / apathyāni dvijātīnāṃ na deyāni pitṛn prati //
Und auch diese wurden von [Viṣṇu-]Varāha als zu meiden [genannt], ihr Asketen; die für Zweifachgeborene Unbekömmlichen sollen den Ahnen nicht gegeben werden:
Wort für Wort
etāny api ca varjyāni vārāheṇa tapasvinaḥ /
Und auch diese (etāni api ca) wurden von Varāha als zu meiden [genannt] (varjyāni vārāheṇa), ihr Asketen (tapasvinaḥ);
apathyāni dvijātīnāṃ na deyāni pitṛn prati //
die für Zweifachgeborene Unbekömmlichen (apathyāni dvijātīnām) sollen den Ahnen gegenüber nicht gegeben werden (na deyāni pitṛn prati).
rohitaṃ [?] vārāhaṃ kūrmaṃ godhāhaṃsaṃ tathaiva ca / cakravākaṃ madguṃ ca niṣkaśalkaṃ [?] kurarāsthikam //
[Landechse] [?], Schwein, Schildkröte, ebenso Godhā-Waran und Gans; Cakravāka-[Brahminy-Ente] und Madgu-Kormoran, sowie schuppenloses [Fischgetier] [?], und Kurara-Falkenfleisch,
Wort für Wort
rohitaṃ [?] vārāhaṃ kūrmaṃ godhāhaṃsaṃ tathaiva ca /
[Eine Echsenart] (rohitam) [?], Schwein (vārāham), Schildkröte (kūrmam), ebenso Godhā-Waran und Gans (godhāhaṃsam tathā eva ca);
cakravākaṃ madguṃ ca niṣkaśalkaṃ [?] kurarāsthikam //
etāny anyāni caivāsya bhojayed yaḥ pitṛn prati / sa yāti pūyanadyāṃ vai tasmān nānayanaṃ budhaḥ //
Diese und andere ähnliche, wer [sie] den Ahnen zu speisen gibt, der geht wahrlich in den Eiterfluss; deshalb soll der Kluge sie keinesfalls herbeibringen.
Wort für Wort
etāny anyāni caivāsya bhojayed yaḥ pitṛn prati /
Diese und andere ähnliche (etāni anyāni ca eva asya), wer [sie] speisen lässt (bhojayet), den Ahnen gegenüber (yaḥ pitṛn prati),
sa yāti pūyanadyāṃ vai tasmān nānayanaṃ budhaḥ //
der geht wahrlich in den Eiterfluss (saḥ yāti pūyanadyām vai); deshalb (tasmāt) soll der Kluge sie keinesfalls herbeibringen (na ānayanam budhaḥ).
varaṃ svamāṃsam evādyaṃ dvijair uktaṃ manīṣibhiḥ / na tv ajñānāt pramādād vā bhojayed varjitaṃ dvija //
Besser, so wurde von den weisen Zweifachgeborenen gesagt, sei es, das eigene Fleisch zu essen, als, o Zweifachgeborener, aus Unwissenheit oder Nachlässigkeit Verbotenes zu speisen.
atha cet kṛtam ajñānād bhojanaṃ varjitasya tu / prāyaścittaṃ tataḥ kāryaṃ vidhinānena vai dvijaiḥ //
Wenn nun aber aus Unwissenheit die Speisung mit Verbotenem geschehen ist, dann soll die Buße nach dieser Vorschrift wahrlich von den Zweifachgeborenen vollzogen werden:
Wort für Wort
atha cet kṛtam ajñānād bhojanaṃ varjitasya tu /
Wenn nun aber (atha cet) aus Unwissenheit (ajñānāt) die Speisung mit Verbotenem (bhojanam varjitasya tu) geschehen ist (kṛtam),
prāyaścittaṃ tataḥ kāryaṃ vidhinānena vai dvijaiḥ //
dann soll die Buße (prāyaścittam tataḥ) wahrlich von den Zweifachgeborenen (dvijaiḥ vai) nach dieser Vorschrift vollzogen werden (kāryam vidhinā anena).
Mit Früchten, Wurzeln, Milch und Quark, oder wiederum mit Buttermilch und Kuhurin-[Gemisch], je eine Woche lang, ebenso je nach Reinem und Unreinem gemischt,
Wort für Wort
phalamūlaiḥ payodadhnā takrakṣīreṇa vā punaḥ /
Mit Früchten, Wurzeln (phalamūlaiḥ), Milch und Quark (payodadhnā), oder wiederum mit Buttermilch (takrakṣīreṇa vā punaḥ),
ekaikaṃ saptarātraṃ tu suddhāśuddhāntare tathā //
je eine Woche lang (ekaikam saptarātram tu), ebenso je nach Reinem und Unreinem gemischt (śuddhāśuddhāntare tathā).
evaṃ sakṛt pramāde tu śuddhiḥ kāryā tanoḥ punaḥ / viśeṣād viṣṇubhaktais tu varjyaṃ hy etat prayatnataḥ //
So soll, wenn auch nur einmal ein Fehler [geschehen ist], erneut die Reinigung des Körpers vollzogen werden; besonders von den Viṣṇu-Verehrern soll dies mit Sorgfalt gemieden werden,
Wort für Wort
evaṃ sakṛt pramāde tu śuddhiḥ kāryā tanoḥ punaḥ /
So (evam), wenn auch nur einmal ein Fehler [geschehen ist] (sakṛt pramāde tu), soll die Reinigung des Körpers erneut vollzogen werden (śuddhiḥ kāryā tanoḥ punaḥ);
viśeṣād viṣṇubhaktais tu varjyaṃ hy etat prayatnataḥ //
besonders (viśeṣāt) von den Viṣṇu-Verehrern (viṣṇubhaktaiḥ tu) soll dies wahrlich mit Sorgfalt gemieden werden (varjyam hi etat prayatnataḥ).
Daher soll man, o Bester der Zweifachgeborenen, diese unreinen [Speisen] wie es sich gehört meiden; all dies zusammengenommen, soll das Śrāddha nach eigenem Vermögen vollzogen werden.
Wort für Wort
amedhyāny ata evaitān varjayed yathayogyataḥ dvijottama /
Daher (ataḥ eva) soll man diese unreinen [Speisen] (amedhyāni etān) wie es sich gehört meiden (varjayet yathāyogyataḥ), o Bester der Zweifachgeborenen (dvijottama),
So vorschriftsmäßig verfahrend, erfreut der Mensch mit eigenen und fremden [d.h. selbst erworbenen] Gütern die gesamte Welt, von Brahmā bis zum letzten Grashalm.
Wort für Wort
evaṃ kṛtvā ca vidhivat prīṇāti sakalaṃ jagat /
So (evam) vorschriftsmäßig verfahrend (kṛtvā ca vidhivat), erfreut er die gesamte Welt (prīṇāti sakalam jagat),
{munaya ūcuḥ:} pitari jīvati yasya pitāmahamṛtaḥ pitā [?] / kathaṃ syāt tasya kartavyaṃ śrāddhaṃ vai tatra sattama //
Die Weisen sprachen: Wessen Vater lebt, [aber] dessen Vater [Großvater des Fragenden] gestorben ist – wie soll dabei das Śrāddha von diesem vollzogen werden, o Bester?
{vyāsa uvāca:} yasmai pitā prayacchet tu śrāddhaṃ tasmai svayaṃ sutaḥ / dadyāt tathaiva loko 'yaṃ vaidiko na vihīyate //
Vyāsa sprach: Wem der Vater [selbst] das Śrāddha darreichen würde, dem soll der Sohn selbst es geben; so wird weder diese weltliche noch die vedische [Ordnung] verletzt.
Vyāsa sprach: Wem der Vater das Śrāddha darreichen würde (yasmai pitā prayacchet tu śrāddham), dem (tasmai) soll der Sohn selbst [es geben] (svayam sutaḥ);
dadyāt tathaiva loko 'yaṃ vaidiko na vihīyate //
so gebe er es (dadyāt); so (tathā eva) wird weder diese weltliche (lokaḥ ayam) noch die vedische [Ordnung] (vaidikaḥ) verletzt (na vihīyate).
{munaya ūcuḥ:} pitary uparate tasya pitā jīvati yasya tu / kathaṃ tena vidhātavyaṃ śrāddhaṃ tatra vadasva naḥ //
Die Weisen sprachen: Wessen Vater [selbst] gestorben ist, dessen [Groß]vater aber [noch] lebt – wie soll dabei von ihm das Śrāddha vollzogen werden? Sag es uns.
Wort für Wort
{munaya ūcuḥ:} pitary uparate tasya pitā jīvati yasya tu /
Die Weisen sprachen: Wessen Vater gestorben ist (pitari uparate tasya), dessen Vater [Großvater] aber lebt (pitā jīvati yasya tu),
kathaṃ tena vidhātavyaṃ śrāddhaṃ tatra vadasva naḥ //
wie (katham) soll dabei von ihm das Śrāddha vollzogen werden (tena vidhātavyam śrāddham tatra)? Sag es uns (vadasva naḥ).
{vyāsa uvāca:} pitre piṇḍaṃ pradadyāt tu pitāmahaṃ tu bhojayet / prapitāmahāya piṇḍaṃ tu ity eṣā vaidikī sthitiḥ //
Vyāsa sprach: Dem Vater soll er das Opferbällchen darreichen, den Großvater aber [als Lebenden] speisen, und dem Urgroßvater das Opferbällchen [geben] – so lautet die vedische Festsetzung.
Wort für Wort
{vyāsa uvāca:} pitre piṇḍaṃ pradadyāt tu pitāmahaṃ tu bhojayet /
Vyāsa sprach: Dem Vater (pitre) soll er das Opferbällchen darreichen (piṇḍam pradadyāt tu), den Großvater aber speisen (pitāmaham tu bhojayet);
prapitāmahāya piṇḍaṃ tu ity eṣā vaidikī sthitiḥ //
dem Urgroßvater das Opferbällchen (prapitāmahāya piṇḍam tu) – so (iti) lautet die vedische Festsetzung (eṣā vaidikī sthitiḥ).
pretāya dīyate piṇḍo jīvantaṃ bhojayet punaḥ / na sapiṇḍīkriyā tatra na ca pārvaṇam iṣyate //
Dem Verstorbenen wird das Opferbällchen gegeben, den Lebenden aber speise man wiederum; dabei gibt es kein sapiṇḍīkaraṇa und auch kein Pārvaṇa-[Ritual] ist dabei vorgesehen.
Wort für Wort
pretāya dīyate piṇḍo jīvantaṃ bhojayet punaḥ /
Dem Verstorbenen (pretāya) wird das Opferbällchen gegeben (dīyate piṇḍaḥ), den Lebenden (jīvantam) speise man wiederum (bhojayet punaḥ);
na sapiṇḍīkriyā tatra na ca pārvaṇam iṣyate //
dabei (tatra) gibt es kein sapiṇḍīkaraṇa (na sapiṇḍīkriyā) und auch kein Pārvaṇa-[Ritual] ist vorgesehen (na ca pārvaṇam iṣyate).
Wer diesen 'Ahnenopfer' genannten [Abschnitt] gesammelten Sinnes rezitiert, o Bester der Zweifachgeborenen, dessen Ahnen genießen zur Śrāddha-Zeit [diese Speise] durch drei Weltzeitalter hindurch.
Wort für Wort
idaṃ tu pitṛmedhākhyaṃ paṭhate yaḥ samāhitaḥ /
Wer (yaḥ) diesen 'Ahnenopfer' genannten [Abschnitt] (idam tu pitṛmedhākhyam) gesammelten Sinnes (samāhitaḥ) rezitiert (paṭhate),
o Bester der Zweifachgeborenen (dvijaśreṣṭha), zur Śrāddha-Zeit (śrāddhakāle) genießen [dies] seine Ahnen (bhuñjate pitṛḥ) durch drei Weltzeitalter hindurch (triyugam).
[Anm.] Vierzeiliger Schlussvers im Original; hier zusammengefasst wiedergegeben.