Quellen der Menschheit

Brahma-Purāṇa

Kapitel 7: saptamo 'dhyāyaḥ Die Sonnendynastie: Ilā/Sudyumna, die Śaryāta-Linie und Dhundhumāra

Die neun Söhne des Manu Vaivasvata und ihre Nachkommen: die wundersame Geschlechtswandel-Geschichte der Ilā, die zugleich als Tochter (für Mitra-Varuṇa) und als Sohn Sudyumna (Stammvater des Purūravas) existiert; die Nebenlinien Nābhāgas, Dhṛṣṭas, Karūṣas, Prāṃśus und Nariṣyantas; die Śaryāti-Linie mit der Kakudmī/Revatī-Episode (Zeitdehnung in Brahmaloka, Verheiratung Revatīs mit Baladeva) und Pṛṣadhras Śūdra-Fluch; die Hauptlinie Ikṣvākus über Vikukṣi/Śaśāda, Kakutstha bis Bṛhadaśva und Kuvalāśva, der als Dhundhumāra ("Dhundhu-Töter") mit Viṣṇus Kraft den apokalyptischen Sand-Dämon Dhundhu vernichtet; und schließlich, über Māndhātā und Trayyāruṇa, die Vorgeschichte des Satyavrata (des späteren Triśaṅku), der wegen eines Frauenraubs verstoßen unter Caṇḍālas lebt, dort während einer zwölfjährigen Dürre Viśvāmitras Familie rettet und dessen Sohn (den späteren Gālava) aus der Schuldknechtschaft befreit.

manor vaivasvatasyāsan putrā vai nava tatsamāḥ / ikṣvākuś caiva nābhāgo dhṛṣṭaḥ śaryātir eva ca // BrP_7.1 //

Lomaharṣaṇa sprach: Des Manu Vaivasvata gab es neun ihm ebenbürtige Söhne: Ikṣvāku, Nābhāga, Dhṛṣṭa und Śaryāti,

Wort für Wort
manoḥ vaivasvatasya
des Manu Vaivasvata
āsan putrāḥ vai
es gab (ihm) Söhne
nava tatsamāḥ
neun, ihm ebenbürtige
ikṣvākuḥ caiva
Ikṣvāku und
nābhāgaḥ dhṛṣṭaḥ
Nābhāga, Dhṛṣṭa
śaryātiḥ eva ca
und Śaryāti

Beginn des Sūryavaṃśa (Sonnendynastie)-Kapitels: die neun Söhne des Manu Vaivasvata, aus denen die gesamte solare Königslinie hervorgeht.

nariṣyantaś ca ṣaṣṭho vai prāṃśū riṣṭaś ca saptamaḥ / karūṣaś ca pṛṣadhraś ca navaite munisattamāḥ // BrP_7.2 //

Nariṣyanta als sechster, Prāṃśu und Riṣṭa als siebter, Karūṣa und Pṛṣadhra – diese neun, o beste der Weisen.

Wort für Wort
nariṣyantaḥ ca ṣaṣṭhaḥ vai
und Nariṣyanta als sechster
prāṃśū riṣṭaḥ ca saptamaḥ
Prāṃśu (und) Riṣṭa als siebter
karūṣaḥ ca pṛṣadhraḥ ca
Karūṣa und Pṛṣadhra
nava ete munisattamāḥ
diese neun, o beste der Weisen

[Anm.: Nariṣyanta wird als "sechster" gezählt, obwohl er als fünfter genannt Name in der Aufzählung erscheint – eine der puranatypischen Unstimmigkeiten in Ordnungszahlen, wie sie bereits bei den Manu-Söhnen in Kap. 5 auffiel; womöglich fehlt ein namentlich nicht genannter Sohn.]

akarot putrakāmas tu manur iṣṭiṃ prajāpatiḥ / mitrāvaruṇayor viprāḥ pūrvam eva mahāmatiḥ // BrP_7.3 //

Der nach einem (weiteren) Sohn verlangende Manu, der Herr der Geschöpfe, der Hochsinnige, vollzog aber zuvor, o Brahmanen, ein Opfer für Mitra und Varuṇa,

Wort für Wort
akarot
er vollzog
putrakāmaḥ tu manuḥ
Manu aber, der nach einem Sohn verlangte
iṣṭim prajāpatiḥ
ein Opfer, der Herr der Geschöpfe
mitrāvaruṇayoḥ viprāḥ
für Mitra und Varuṇa, o Brahmanen
pūrvam eva mahāmatiḥ
zuvor, der Hochsinnige

Vorgeschichte der Geburt der Ilā/des Sudyumna: Manus Opfer für die Götter Mitra und Varuṇa, noch bevor die neun genannten Söhne geboren waren.

anutpanneṣu bahuṣu putreṣv eteṣu bho dvijāḥ / tasyāṃ ca vartamānāyām iṣṭyāṃ ca dvijasattamāḥ // BrP_7.4 //

als diese vielen Söhne noch nicht geboren waren, o ihr Zweifachgeborenen, und während eben dieses Opfer im Gange war, o beste der Zweifachgeborenen,

Wort für Wort
anutpanneṣu bahuṣu
als (noch) nicht geboren, die vielen
putreṣu eteṣu bho dvijāḥ
diese Söhne, o Zweifachgeborene
tasyām ca vartamānāyām
und während dieses im Gange war
iṣṭyām ca dvijasattamāḥ
Opfer, o beste der Zweifachgeborenen

mitrāvaruṇayor aṃśe manur āhutim āvahat / tatra divyāmbaradharā divyābharaṇabhūṣitā // BrP_7.5 //

brachte Manu die Opfergabe für den Anteil von Mitra und Varuṇa dar; da (entstand eine Gestalt,) himmlische Gewänder tragend, mit himmlischem Schmuck geschmückt,

Wort für Wort
mitrāvaruṇayoḥ aṃśe
für den Anteil von Mitra und Varuṇa
manuḥ āhutim āvahat
brachte Manu die Opfergabe dar
tatra
da
divya-ambara-dharā
himmlische Gewänder tragend
divya-ābharaṇa-bhūṣitā
mit himmlischem Schmuck geschmückt

divyasaṃhananā caiva ilā jajña iti śrutiḥ / tām ilety eva hovāca manur daṇḍadharas tadā // BrP_7.6 //

mit himmlischem Körperbau – Ilā wurde geboren, so die Überlieferung. Sie nannte da Manu, der Stabträger (der Herrscher, der den Rechtsstab führt), eben ‚Ilā‘,

Wort für Wort
divya-saṃhananā caiva
und mit himmlischem Körperbau
ilā jajñe iti śrutiḥ
"Ilā wurde geboren", so die Überlieferung
tām ilā iti eva
sie, eben "Ilā"
ha uvāca manuḥ
nannte Manu
daṇḍadharaḥ tadā
der Stabträger, da

"Daṇḍadhara" ("Stabträger") ist ein Epitheton für den Herrscher/Richter, der die Strafgewalt (daṇḍa) innehat.

anugacchasva māṃ bhadre tam ilā pratyuvāca ha / dharmayuktam idaṃ vākyaṃ putrakāmaṃ prajāpatim // BrP_7.7 //

„Folge mir, Holde!“ – Darauf erwiderte Ilā dem nach einem Sohn verlangenden Herrn der Geschöpfe dieses der Rechtschaffenheit gemäße Wort:

Wort für Wort
anugacchasva mām bhadre
"folge mir, Holde"
tam ilā pratyuvāca ha
ihm erwiderte Ilā
dharmayuktam idam vākyam
dieses der Rechtschaffenheit gemäße Wort
putrakāmam prajāpatim
dem nach einem Sohn verlangenden Herrn der Geschöpfe

{ilā sprach:} mitrāvaruṇayor aṃśe jātāsmi vadatāṃ vara / tayoḥ sakāśaṃ yāsyāmi na māṃ dharmahatāṃ kuru // BrP_7.8 //

„Im Anteil von Mitra und Varuṇa bin ich geboren, o Bester der Redner; zu ihnen beiden werde ich gehen – mache mich nicht um mein Recht gebracht!“

Wort für Wort
mitrāvaruṇayoḥ aṃśe
im Anteil von Mitra und Varuṇa
jātā asmi vadatām vara
bin ich geboren, o Bester der Redner
tayoḥ sakāśam yāsyāmi
zu ihnen beiden werde ich gehen
na mām dharmahatām kuru
mache mich nicht rechtlos

saivam uktvā manuṃ devaṃ mitrāvaruṇayor ilā / gatvāntikaṃ varārohā prāñjalir vākyam abravīt // BrP_7.9 //

Nachdem sie dies zum göttlichen Manu gesagt hatte, ging Ilā, die Schönhüftige, zu Mitra und Varuṇa hin und sprach dort, mit gefalteten Händen, dieses Wort:

Wort für Wort
sā evam uktvā
sie, nachdem sie dies gesagt hatte
manum devam
zum göttlichen Manu
mitrāvaruṇayoḥ ilā
Ilā, zu Mitra und Varuṇa
gatvā antikam varārohā
hingegangen in die Nähe, die Schönhüftige
prāñjaliḥ vākyam abravīt
sprach mit gefalteten Händen das Wort

{ilā sprach:} aṃśe 'smi yuvayor jātā devau kiṃ karavāṇi vām / manunā cāham uktā vā anugacchasva mām iti // BrP_7.10 //

„In eurem beider Anteil bin ich geboren, ihr Götter – was soll ich für euch beide tun? Und von Manu wurde ich aufgefordert: ‚Folge mir!‘“

Wort für Wort
aṃśe asmi yuvayoḥ jātā
in eurem beider Anteil bin ich geboren
devau kim karavāṇi vām
ihr Götter, was soll ich für euch tun
manunā ca aham uktā
und von Manu wurde ich aufgefordert
anugacchasva mām iti
"folge mir"

tau tathāvādinīṃ sādhvīm ilāṃ dharmaparāyaṇām / mitraś ca varuṇaś cobhāv ūcatus tāṃ dvijottamāḥ // BrP_7.11 //

Zu jener so sprechenden, tugendhaften, der Rechtschaffenheit ergebenen Ilā sprachen die beiden, Mitra und Varuṇa, o beste der Zweifachgeborenen:

Wort für Wort
tau tathā-vādinīm
zu jener so sprechenden
sādhvīm ilām dharmaparāyaṇām
tugendhaften, der Rechtschaffenheit ergebenen Ilā
mitraḥ ca varuṇaḥ ca ubhau
Mitra und Varuṇa, beide
ūcatuḥ tām dvijottamāḥ
sprachen zu ihr, o beste der Zweifachgeborenen

{mitra und varuṇa sprachen:} anena tava dharmeṇa praśrayeṇa damena ca / satyena caiva suśroṇi prītau svo varavarṇini // BrP_7.12 //

„Durch diese deine Rechtschaffenheit, Bescheidenheit und Selbstbeherrschung sowie durch Wahrhaftigkeit, o Schönhüftige, o Schönfarbige, sind wir beide erfreut.

Wort für Wort
anena tava dharmeṇa
durch diese deine Rechtschaffenheit
praśrayeṇa damena ca
durch Bescheidenheit und Selbstbeherrschung
satyena caiva suśroṇi
und durch Wahrhaftigkeit, o Schönhüftige
prītau svaḥ varavarṇini
wir beide sind erfreut, o Schönfarbige

āvayos tvaṃ mahābhāge khyātiṃ kanyeti yāsyasi // BrP_7.13 //

Du, o Hochgesegnete, wirst bei uns beiden als ‚Tochter‘ Berühmtheit erlangen.

Wort für Wort
āvayoḥ tvam mahābhāge
bei uns beiden wirst du, o Hochgesegnete
khyātim kanyā iti yāsyasi
als "Tochter" Berühmtheit erlangen

[Anm.: Dieser Halbvers steht im Original mit einer editorischen Markierung (*) versehen, vermutlich ein Hinweis auf eine Textvariante; die zweite Vershälfte fehlt oder ist mit dem folgenden Vers verschmolzen.]

manor vaṃśakaraḥ putras tvam eva ca bhaviṣyasi / sudyumna iti vikhyātas triṣu lokeṣu śobhane // BrP_7.14 //

Und du selbst wirst zugleich als Sohn zum Geschlechtsbegründer des Manu, unter dem Namen Sudyumna in den drei Welten berühmt, o Schöne.

Wort für Wort
manoḥ vaṃśakaraḥ putraḥ
als Geschlechtsbegründer-Sohn des Manu
tvam eva ca bhaviṣyasi
wirst du selbst zugleich sein
sudyumnaḥ iti vikhyātaḥ
unter dem Namen Sudyumna berühmt
triṣu lokeṣu śobhane
in den drei Welten, o Schöne

Hier setzt die Geschlechtswandel-Episode ein: Ilā wird zugleich zur Tochter (für Mitra/Varuṇa) und zum Sohn Sudyumna (für Manus Geschlecht) bestimmt.

jagatpriyo dharmaśīlo manor vaṃśavivardhanaḥ / nivṛttā sā tu tac chrutvā gacchantī pitur antikāt // BrP_7.15 //

der Welt lieb, von rechtschaffenem Wesen, ein Mehrer des Geschlechts des Manu.“ – Nachdem sie dies gehört hatte, aber, kehrte sie um, während sie sich von ihrem Vater entfernte,

Wort für Wort
jagatpriyaḥ dharmaśīlaḥ
der Welt lieb, von rechtschaffenem Wesen
manoḥ vaṃśavivardhanaḥ
ein Mehrer des Geschlechts des Manu
nivṛttā sā tu
sie aber kehrte um
tat śrutvā
nachdem sie dies gehört hatte
gacchantī pituḥ antikāt
während sie sich von der Nähe des Vaters entfernte

budhenāntaram āsādya maithunāyopamantritā / somaputrād budhād viprais tasyāṃ jajñe purūravāḥ // BrP_7.16 //

und traf, eine Gelegenheit findend, auf Budha, der sie zur Vereinigung einlud; von Budha, dem Sohn des Soma, wurde ihr, o Brahmanen, Purūravas geboren.

Wort für Wort
budhena antaram āsādya
auf Budha treffend, eine Gelegenheit findend
maithunāya upamantritā
zur Vereinigung eingeladen
somaputrāt budhāt viprāḥ
von Budha, dem Sohn des Soma, o Brahmanen
tasyām jajñe purūravāḥ
wurde ihr Purūravas geboren

janayitvā tataḥ sā tam ilā sudyumnatāṃ gatā / sudyumnasya tu dāyādās trayaḥ paramadhārmikāḥ // BrP_7.17 //

Nachdem sie ihn geboren hatte, ging Ilā daraufhin in den Zustand des Sudyumna über. Sudyumnas Erben aber waren drei, höchst rechtschaffene (Söhne):

Wort für Wort
janayitvā tataḥ sā tam
nachdem sie ihn geboren hatte
ilā sudyumnatām gatā
ging Ilā in den Sudyumna-Zustand über
sudyumnasya tu dāyādāḥ
Sudyumnas Erben aber
trayaḥ paramadhārmikāḥ
drei, höchst rechtschaffene

utkalaś ca gayaś caiva vinatāśvaś ca bho dvijāḥ / utkalasyotkalā viprā vinatāśvasya paścimāḥ // BrP_7.18 //

Utkala, Gaya und Vinatāśva, o Brahmanen. Von Utkala (stammen) die Utkalas, o Brahmanen, von Vinatāśva die westlichen (Lande),

Wort für Wort
utkalaḥ ca gayaḥ caiva
Utkala und Gaya
vinatāśvaḥ ca bho dvijāḥ
und Vinatāśva, o Brahmanen
utkalasya utkalāḥ viprāḥ
von Utkala (stammen) die Utkalas, o Brahmanen
vinatāśvasya paścimāḥ
von Vinatāśva die westlichen (Lande)

dik pūrvā muniśārdūlā gayasya tu gayā smṛtā / praviṣṭe tu manau viprā divākaram ariṃdamam // BrP_7.19 //

die östliche Richtung, o Tiger unter den Weisen, ist aber als (Land) des Gaya, als Gayā, bekannt. Als aber Manu, o Brahmanen, in die feindebezwingende Sonne einging,

Wort für Wort
dik pūrvā muniśārdūlā
die östliche Richtung, o Tiger unter den Weisen
gayasya tu gayā smṛtā
des Gaya aber ist als Gayā bekannt
praviṣṭe tu manau viprāḥ
als aber Manu einging, o Brahmanen
divākaram ariṃdamam
in die feindebezwingende Sonne

[?] "praviṣṭe manau divākaram" – unklare Wendung; möglicherweise ein Hinweis auf Manus Rückzug/Heimgang zur Sonne (seinem Vater Vivasvant) nach getaner Herrscherpflicht, hier ohne nähere Erläuterung im Text.

daśadhā tat punaḥ kṣatram akarot pṛthivīm imām / ikṣvākur jyeṣṭhadāyādo madhyadeśam avāptavān // BrP_7.20 //

teilte dies (Geschlecht) die Kṣatriya-Macht wiederum zehnfach über diese Erde auf; Ikṣvāku, der älteste Erbe, erlangte das Mittelland,

Wort für Wort
daśadhā tat punaḥ kṣatram
dies teilte die Kṣatriya-Macht wiederum zehnfach
akarot pṛthivīm imām
über diese Erde
ikṣvākuḥ jyeṣṭhadāyādaḥ
Ikṣvāku, der älteste Erbe
madhyadeśam avāptavān
erlangte das Mittelland

kanyābhāvāt tu sudyumno naitad rājyam avāptavān / vasiṣṭhavacanāt tv āsīt pratiṣṭhāne mahātmanaḥ // BrP_7.21 //

Sudyumna aber erlangte, weil er einst ein Mädchen gewesen war, dieses Königreich nicht; auf Vasiṣṭhas Wort hin aber wurde dem Hochgesinnten Pratiṣṭhāna (zuteil),

Wort für Wort
kanyābhāvāt tu sudyumnaḥ
Sudyumna aber, weil er (einst) ein Mädchen gewesen war
na etat rājyam avāptavān
erlangte dieses Königreich nicht
vasiṣṭhavacanāt tu āsīt
auf Vasiṣṭhas Wort hin aber wurde
pratiṣṭhāne mahātmanaḥ
dem Hochgesinnten Pratiṣṭhāna (zuteil)

pratiṣṭhā dharmarājasya sudyumnasya dvijottamāḥ / tat purūravase prādād rājyaṃ prāpya mahāyaśāḥ // BrP_7.22 //

als Wohnsitz des rechtschaffenen Königs Sudyumna, o beste der Zweifachgeborenen; dieses Königreich übergab er, nachdem er es erlangt hatte, dem hochberühmten Purūravas,

Wort für Wort
pratiṣṭhā dharmarājasya
als Wohnsitz des rechtschaffenen Königs
sudyumnasya dvijottamāḥ
Sudyumnas, o beste der Zweifachgeborenen
tat purūravase prādāt
dieses übergab er dem Purūravas
rājyam prāpya mahāyaśāḥ
nachdem er das Königreich erlangt hatte, der Hochberühmte

mānaveyo muniśreṣṭhāḥ strīpuṃsor lakṣaṇair yutaḥ / dhṛtavāṃs tām ilety evaṃ sudyumneti ca viśrutaḥ // BrP_7.23 //

Der Sohn des Manu(-Geschlechts), o beste der Weisen, mit den Merkmalen von Frau und Mann zugleich versehen, trug so sowohl den Namen Ilā als auch Sudyumna, beide wohlbekannt.

Wort für Wort
mānaveyaḥ muniśreṣṭhāḥ
der Sohn des Manu-Geschlechts, o beste der Weisen
strīpuṃsoḥ lakṣaṇaiḥ yutaḥ
mit den Merkmalen von Frau und Mann versehen
dhṛtavān tām ilā iti evam
trug so den Namen Ilā
sudyumna iti ca viśrutaḥ
und (als) Sudyumna wohlbekannt

Abschluss der Ilā/Sudyumna-Episode: Zusammenfassung des doppelten (weiblich-männlichen) Wesens dieser Gestalt.

nāriṣyantāḥ śakāḥ putrā nābhāgasya tu bho dvijāḥ / ambarīṣo 'bhavat putraḥ pārthivarṣabhasattamaḥ // BrP_7.24 //

Die Söhne Nariṣyantas sind die Śakas; von Nābhāga aber, o Brahmanen, war der Sohn Ambarīṣa, der beste der Fürsten-Stiere.

Wort für Wort
nāriṣyantāḥ śakāḥ putrāḥ
die Söhne Nariṣyantas (sind) die Śakas
nābhāgasya tu bho dvijāḥ
von Nābhāga aber, o Brahmanen
ambarīṣaḥ abhavat putraḥ
war der Sohn Ambarīṣa
pārthiva-ṛṣabha-sattamaḥ
der beste der Fürsten-Stiere

[Anm.: Die Gleichsetzung "Nariṣyantas Söhne = die Śakas" ist ein puranatypischer ethnogenetischer Vermerk, der eine spätere fremde Völkerschaft (Skythen) in die eigene Genealogie einordnet.]

dhṛṣṭasya dhārṣṭakaṃ kṣatram raṇadṛptaṃ babhūva ha / karūṣasya ca kārūṣāḥ kṣatriyā yuddhadurmadāḥ // BrP_7.25 //

Von Dhṛṣṭa entstand die im Kampf stolze Kṣatriya-Kaste der Dhārṣṭakas; und von Karūṣa (stammen) die Kārūṣas, im Kampf unbezähmbare Kṣatriyas.

Wort für Wort
dhṛṣṭasya dhārṣṭakam kṣatram
von Dhṛṣṭa die Dhārṣṭaka-Kṣatriya-Kaste
raṇadṛptam babhūva ha
entstand, im Kampf stolz
karūṣasya ca kārūṣāḥ
und von Karūṣa die Kārūṣas
kṣatriyāḥ yuddhadurmadāḥ
Kṣatriyas, im Kampf unbezähmbar

nābhāgadhṛṣṭaputrāś ca kṣatriyā vaiśyatāṃ gatāḥ / prāṃśor eko 'bhavat putraḥ prajāpatir iti smṛtaḥ // BrP_7.26 //

Und die (weiteren) Söhne von Nābhāga und Dhṛṣṭa, obwohl Kṣatriyas, gingen in den Vaiśya-Stand über; von Prāṃśu aber war ein einziger Sohn, bekannt unter dem Namen Prajāpati.

Wort für Wort
nābhāgadhṛṣṭaputrāḥ ca
und die Söhne von Nābhāga (und) Dhṛṣṭa
kṣatriyāḥ vaiśyatām gatāḥ
obwohl Kṣatriyas, in den Vaiśya-Stand übergegangen
prāṃśoḥ ekaḥ abhavat putraḥ
von Prāṃśu war ein einziger Sohn
prajāpatiḥ iti smṛtaḥ
bekannt unter dem Namen Prajāpati

nariṣyantasya dāyādo rājā daṇḍadharo yamaḥ / śaryāter mithunaṃ tv āsīd ānarto nāma viśrutaḥ // BrP_7.27 //

Nariṣyantas Erbe war der König Yama, der Stabträger; von Śaryāti aber gab es ein Zwillingspaar: einen wohlbekannten Sohn namens Ānarta,

Wort für Wort
nariṣyantasya dāyādaḥ
Nariṣyantas Erbe
rājā daṇḍadharaḥ yamaḥ
der König Yama, der Stabträger
śaryāteḥ mithunam tu āsīt
von Śaryāti aber gab es ein Zwillingspaar
ānartaḥ nāma viśrutaḥ
einen wohlbekannten (Sohn) namens Ānarta

[Anm.: Dieser König „Yama, der Stabträger“ ist ein sterblicher Nachkomme Nariṣyantas und nicht identisch mit dem Totengott Yama, Sohn Vivasvants aus Kap. 6 – vermutlich Namensgleichheit, da beide das Epitheton „Daṇḍadhara“ (Stabträger, Richter) tragen.]

putraḥ kanyā sukanyā ca yā patnī cyavanasya ha / ānartasya tu dāyādo raivo nāma mahādyutiḥ // BrP_7.28 //

(einen) Sohn, und eine Tochter, Sukanyā, welche die Gattin des Cyavana wurde. Ānartas Erbe aber war der hochglänzende (Sohn) namens Raiva,

Wort für Wort
putraḥ kanyā sukanyā ca
einen Sohn, (und) eine Tochter, Sukanyā
yā patnī cyavanasya ha
welche die Gattin des Cyavana wurde
ānartasya tu dāyādaḥ
Ānartas Erbe aber
raivaḥ nāma mahādyutiḥ
der hochglänzende (Sohn) namens Raiva

ānartaviṣayaś caiva purī cāsya kuśasthalī / raivasya raivataḥ putraḥ kakudmī nāma dhārmikaḥ // BrP_7.29 //

und (nach ihm benannt ist) das Land Ānarta, und seine Stadt war Kuśasthalī. Raivas Sohn war Raivata, der Rechtschaffene, mit Namen Kakudmī,

Wort für Wort
ānartaviṣayaḥ caiva
und das Land Ānarta
purī ca asya kuśasthalī
und seine Stadt war Kuśasthalī
raivasya raivataḥ putraḥ
Raivas Sohn (war) Raivata
kakudmī nāma dhārmikaḥ
mit Namen Kakudmī, der Rechtschaffene

jyeṣṭhaḥ putraḥ sa tasyāsīd rājyaṃ prāpya kuśasthalīm / sa kanyāsahitaḥ śrutvā gāndharvaṃ brahmaṇo 'ntike // BrP_7.30 //

Er war dessen ältester Sohn und erlangte die Herrschaft über Kuśasthalī. Er hörte, zusammen mit seiner Tochter, in Brahmas Nähe Gandharva-Musik

Wort für Wort
jyeṣṭhaḥ putraḥ sa tasya āsīt
er war dessen ältester Sohn
rājyam prāpya kuśasthalīm
nachdem er die Herrschaft über Kuśasthalī erlangt hatte
sa kanyāsahitaḥ śrutvā
er, zusammen mit seiner Tochter, hörend
gāndharvam brahmaṇaḥ antike
Gandharva-Musik in Brahmas Nähe

Beginn der berühmten Kakudmī/Revatī-Episode mit ihrem Zeitdehnungs-Motiv (Aufenthalt in Brahmaloka, wo keine Zeit vergeht).

muhūrtabhūtaṃ devasya tasthau bahuyugaṃ dvijāḥ / ājagāma sa caivātha svāṃ purīṃ yādavair vṛtām // BrP_7.31 //

und verweilte, was ihm wie ein Augenblick des Gottes (Brahma) erschien, in Wahrheit viele Yugas lang, o Brahmanen. Dann kehrte er zu seiner eigenen Stadt zurück, die (inzwischen) von Yādavas bewohnt war,

Wort für Wort
muhūrtabhūtam devasya
was wie ein Augenblick des Gottes erschien
tasthau bahuyugam dvijāḥ
verweilte er viele Yugas lang, o Brahmanen
ājagāma sa ca atha
dann kehrte er zurück
svām purīm yādavaiḥ vṛtām
zu seiner eigenen, von Yādavas bewohnten Stadt

kṛtāṃ dvāravatīṃ nāma bahudvārāṃ manoramām / bhojavṛṣṇyandhakair guptāṃ vasudevapurogamaiḥ // BrP_7.32 //

die (inzwischen) zur vieltorigen, reizenden Stadt namens Dvāravatī gemacht worden war, bewacht von den Bhojas, Vṛṣṇis und Andhakas, angeführt von Vasudeva.

Wort für Wort
kṛtām dvāravatīm nāma
zur (Stadt) namens Dvāravatī gemacht
bahudvārām manoramām
vieltorig, reizend
bhoja-vṛṣṇi-andhakaiḥ guptām
bewacht von den Bhojas, Vṛṣṇis (und) Andhakas
vasudevapurogamaiḥ
angeführt von Vasudeva

tatraiva raivato jñātvā yathātattvaṃ dvijottamāḥ / kanyāṃ tāṃ baladevāya subhadrāṃ nāma revatīm // BrP_7.33 //

Dort erkannte Raivata, o beste der Zweifachgeborenen, den wahren Sachverhalt, und (übergab) jene Tochter, die schöngesegnete, namens Revatī, dem Baladeva,

Wort für Wort
tatra eva raivataḥ jñātvā
dort erkannte Raivata
yathātattvam dvijottamāḥ
den wahren Sachverhalt, o beste der Zweifachgeborenen
kanyām tām baladevāya
jene Tochter dem Baladeva
subhadrām nāma revatīm
die schöngesegnete, namens Revatī

dattvā jagāma śikharaṃ meros tapasi saṃsthitaḥ / reme rāmo 'pi dharmātmā revatyā sahitaḥ sukhī // BrP_7.34 //

nachdem er sie gegeben hatte, ging er zum Gipfel des Meru, in Askese verweilend. Auch Rāma (Baladeva), der Rechtschaffene, erfreute sich glücklich zusammen mit Revatī.

Wort für Wort
dattvā jagāma śikharam meroḥ
nachdem er sie gegeben hatte, ging er zum Gipfel des Meru
tapasi saṃsthitaḥ
in Askese verweilend
reme rāmaḥ api dharmātmā
auch Rāma, der Rechtschaffene, erfreute sich
revatyā sahitaḥ sukhī
glücklich zusammen mit Revatī

{die weisen sprachen:} kathaṃ bahuyuge kāle samatīte mahāmate / na jarā revatīṃ prāptā raivataṃ ca kakudminam // BrP_7.35 //

„Wie kam es, o Hochweiser, dass, obwohl viele Yugas an Zeit vergangen waren, weder Revatī noch Raivata Kakudmī vom Alter ergriffen wurden,

Wort für Wort
katham bahuyuge kāle
wie, da doch viele Yugas an Zeit
samatīte mahāmate
vergangen waren, o Hochweiser
na jarā revatīm prāptā
erreichte das Alter nicht Revatī
raivatam ca kakudminam
und (nicht) Raivata Kakudmī

meruṃ gatasya vā tasya śaryāteḥ saṃtatiḥ katham / sthitā pṛthivyām adyāpi śrotum icchāma tattvataḥ // BrP_7.36 //

und wie konnte die Nachkommenschaft jenes Śaryāti, der zum Meru gegangen war, bis heute auf der Erde fortbestehen? Wir möchten dies der Wahrheit gemäß hören.“

Wort für Wort
merum gatasya vā tasya
und jenes, der zum Meru gegangen war
śaryāteḥ saṃtatiḥ katham
wie (blieb) die Nachkommenschaft Śaryātis
sthitā pṛthivyām adya api
bis heute auf der Erde bestehend
śrotum icchāma tattvataḥ
wir möchten der Wahrheit gemäß hören

{lomaharṣaṇa sprach:} na jarā kṣutpipāsā vā na mṛtyur munisattamāḥ / ṛtucakraṃ prabhavati brahmaloke sadānaghāḥ / kakudminaḥ svarlokaṃ tu raivatasya gatasya ha // BrP_7.37 //

„Weder Alter, noch Hunger und Durst, noch der Tod, o beste der Weisen, noch der Kreislauf der Jahreszeiten hat Macht in der Brahma-Welt, ihr stets Makellosen. Als aber Kakudmī Raivata zur Himmelswelt gegangen war,

Wort für Wort
na jarā kṣutpipāsā vā
weder Alter noch Hunger und Durst
na mṛtyuḥ munisattamāḥ
noch der Tod, o beste der Weisen
ṛtucakram prabhavati
der Kreislauf der Jahreszeiten hat Macht
brahmaloke sadā-anaghāḥ
in der Brahma-Welt, ihr stets Makellosen
kakudminaḥ svarlokam tu
als aber Kakudmī zur Himmelswelt
raivatasya gatasya ha
(als) Raivata gegangen war

Dreipadiger Vers (Ausnahme von der üblichen Zweipada-Form); erklärt das Zeitdehnungs-Motiv: in Brahmaloka herrscht keine Zeit im irdischen Sinn.

hṛtā puṇyajanair viprā rākṣasaiḥ sā kuśasthalī / tasya bhrātṛśataṃ tv āsīd dhārmikasya mahātmanaḥ // BrP_7.38 //

wurde jene Stadt Kuśasthalī von den Puṇyajanas, den Rākṣasas, geraubt, o Brahmanen. Er, der Rechtschaffene, Hochgesinnte, hatte hundert Brüder,

Wort für Wort
hṛtā puṇyajanaiḥ viprāḥ
geraubt von den Puṇyajanas, o Brahmanen
rākṣasaiḥ sā kuśasthalī
von den Rākṣasas jene (Stadt) Kuśasthalī
tasya bhrātṛśatam tu āsīt
er aber hatte hundert Brüder
dhārmikasya mahātmanaḥ
des Rechtschaffenen, Hochgesinnten

tad vadhyamānaṃ rakṣobhir diśaḥ prākrāmad acyutāḥ / vidrutasya ca viprendrās tasya bhrātṛśatasya vai // BrP_7.39 //

die, von den Rākṣasas bedrängt, in alle Himmelsrichtungen auseinanderliefen, ihr Unfehlbaren. Und von diesem geflohenen Hundert an Brüdern, o Fürsten der Brahmanen,

Wort für Wort
tat vadhyamānam rakṣobhiḥ
dieses (Hundert), von den Rākṣasas bedrängt
diśaḥ prākrāmat acyutāḥ
lief in die Himmelsrichtungen auseinander, ihr Unfehlbaren
vidrutasya ca viprendrāḥ
und des geflohenen, o Fürsten der Brahmanen
tasya bhrātṛśatasya vai
dieses Hundert an Brüdern

anvavāyas tu sumahāṃs tatra tatra dvijottamāḥ / teṣāṃ hy ete muniśreṣṭhāḥ śaryātā iti viśrutāḥ // BrP_7.40 //

entstand hier und dort eine sehr große Nachkommenschaft, o beste der Zweifachgeborenen; diese sind es, die, o beste der Weisen, als ‚Śaryātas‘ bekannt sind,

Wort für Wort
anvavāyaḥ tu sumahān
eine sehr große Nachkommenschaft aber
tatra tatra dvijottamāḥ
hier und dort, o beste der Zweifachgeborenen
teṣām hi ete muniśreṣṭhāḥ
diese sind es, o beste der Weisen
śaryātāḥ iti viśrutāḥ
als "Śaryātas" bekannt

kṣatriyā guṇasaṃpannā dikṣu sarvāsu viśrutāḥ / śarvaśaḥ sarvagahanaṃ praviṣṭās te mahaujasaḥ // BrP_7.41 //

tugendbegabte Kṣatriyas, in allen Himmelsrichtungen berühmt; überall in die undurchdringlichsten Gegenden vorgedrungen, sie von großer Kraft.

Wort für Wort
kṣatriyāḥ guṇasaṃpannāḥ
tugendbegabte Kṣatriyas
dikṣu sarvāsu viśrutāḥ
in allen Himmelsrichtungen berühmt
śarvaśaḥ sarvagahanam
überall in alle undurchdringlichen Gegenden
praviṣṭāḥ te mahaujasaḥ
vorgedrungen, sie von großer Kraft

nābhāgariṣṭaputrau dvau vaiśyau brāhmaṇatāṃ gatau / karūṣasya tu kārūṣāḥ kṣatriyā yuddhadurmadāḥ // BrP_7.42 //

Die beiden Söhne von Nābhāga und Riṣṭa, (obwohl) Vaiśyas, gingen in den Brahmanen-Stand über; von Karūṣa aber (stammen) die Kārūṣas, im Kampf unbezähmbare Kṣatriyas.

Wort für Wort
nābhāgariṣṭaputrau dvau
die beiden Söhne von Nābhāga (und) Riṣṭa
vaiśyau brāhmaṇatām gatau
(obwohl) Vaiśyas, in den Brahmanen-Stand übergegangen
karūṣasya tu kārūṣāḥ
von Karūṣa aber die Kārūṣas
kṣatriyāḥ yuddhadurmadāḥ
Kṣatriyas, im Kampf unbezähmbar

[Anm.: Wiederholt mit leichter Variation den Stände-Wechsel-Vermerk aus v.25f. (dort Nābhāga/Dhṛṣṭa→Vaiśya, Karūṣa-Linie), hier mit Riṣṭa statt Dhṛṣṭa und dem weiteren Schritt Vaiśya→Brahmane – vermutlich eine der puranatypischen Dopplungen/Varianten innerhalb der Kompilation.]

pṛṣadhro hiṃsayitvā tu guror gāṃ dvijasattamāḥ / śāpāc chūdratvam āpanno navaite parikīrtitāḥ // BrP_7.43 //

Pṛṣadhra aber, nachdem er die Kuh seines Lehrers getötet hatte, o beste der Zweifachgeborenen, verfiel durch einen Fluch in den Śūdra-Stand. Diese neun (Söhne des Manu) sind hiermit verkündet.

Wort für Wort
pṛṣadhraḥ hiṃsayitvā tu
Pṛṣadhra aber, nachdem er getötet hatte
guroḥ gām dvijasattamāḥ
die Kuh des Lehrers, o beste der Zweifachgeborenen
śāpāt śūdratvam āpannaḥ
verfiel durch einen Fluch in den Śūdra-Stand
nava ete parikīrtitāḥ
diese neun sind verkündet

Abschluss der Schilderung der Nachkommen der acht Nebenlinien der Manu-Söhne (außer Ikṣvāku); ab dem nächsten Vers wendet sich der Text der Hauptlinie Ikṣvākus zu.

vaivasvatasya tanayā muner vai munisattamāḥ / kṣuvatas tu manor viprā ikṣvākur abhavat sutaḥ // BrP_7.44 //

Dies waren die Söhne des weisen Vaivasvata, o beste der Weisen. Als Manu aber nieste, o Brahmanen, da entstand daraus der Sohn Ikṣvāku.

Wort für Wort
vaivasvatasya tanayāḥ
die Söhne des Vaivasvata
muneḥ vai munisattamāḥ
des Weisen, o beste der Weisen
kṣuvataḥ tu manoḥ viprāḥ
als aber Manu nieste, o Brahmanen
ikṣvākuḥ abhavat sutaḥ
entstand der Sohn Ikṣvāku

Volksetymologische Nebenüberlieferung: Ikṣvāku wird hier von "kṣu-" ("niesen") abgeleitet, nicht von der geläufigeren Ableitung von "īkṣ-" ("sehen/erblicken"). Ab hier wendet sich der Text der Hauptlinie der Sonnendynastie über Ikṣvāku zu.

tasya putraśataṃ tv āsīd ikṣvākor bhūridakṣiṇam / teṣāṃ vikukṣir jyeṣṭhas tu vikukṣitvād ayodhatām // BrP_7.45 //

Dieser, Ikṣvākus, hatte hundert Söhne, reich an Opfergaben; von ihnen war Vikukṣi der älteste, und kraft seines Erstgeburtsrechts als Vikukṣi (gelangte er zur Herrschaft über Ayodhyā).

Wort für Wort
tasya putraśatam tu āsīt
dieser aber hatte hundert Söhne
ikṣvākoḥ bhūridakṣiṇam
Ikṣvākus, reich an Opfergaben
teṣām vikukṣiḥ jyeṣṭhaḥ tu
von ihnen war Vikukṣi der älteste
vikukṣitvāt ayodhatām
kraft seines Vikukṣi-Seins (zur Herrschaft über Ayodhyā, [?])

[?] Die Wendung "vikukṣitvād ayodhatām" ist grammatisch unklar (möglicherweise verderbte Lesart, die auf "ayodhyām" anspielt); die Übersetzung folgt dem durch v.46 nahegelegten Sinn.

prāptaḥ paramadharmajña so 'yodhyādhipatiḥ prabhuḥ / śakunipramukhās tasya putrāḥ pañcaśataṃ smṛtāḥ // BrP_7.46 //

erlangte er, der höchste Kenner des Dharma, die Herrschaft, er, der Gebieter von Ayodhyā; seine Söhne, angeführt von Śakuni, waren als fünfhundert bekannt,

Wort für Wort
prāptaḥ paramadharmajñaḥ
erlangte (die Herrschaft), der höchste Kenner des Dharma
saḥ ayodhyādhipatiḥ prabhuḥ
er, der Gebieter, Herr von Ayodhyā
śakunipramukhāḥ tasya putrāḥ
seine Söhne, angeführt von Śakuni
pañcaśatam smṛtāḥ
als fünfhundert bekannt

uttarāpathadeśasya rakṣitāro mahābalāḥ / catvāriṃśad daśāṣṭau ca dakṣiṇasyāṃ tathā diśi // BrP_7.47 //

Beschützer des nördlichen Landes (Uttarāpatha), von großer Kraft; achtundvierzig aber ebenso in der südlichen Richtung,

Wort für Wort
uttarāpathadeśasya
des nördlichen Landes
rakṣitāraḥ mahābalāḥ
Beschützer, von großer Kraft
catvāriṃśat daśa aṣṭau ca
achtundvierzig
dakṣiṇasyām tathā diśi
ebenso in der südlichen Richtung

vaśātipramukhāś cānye rakṣitāro dvijottamāḥ / ikṣvākus tu vikukṣiṃ vāai aṣṭakāyām athādiśat // BrP_7.48 //

und andere, angeführt von Vaśāti, waren Beschützer, o beste der Zweifachgeborenen. Ikṣvāku aber wies Vikukṣi bei einem Aṣṭakā-Totenopfer an:

Wort für Wort
vaśātipramukhāḥ ca anye
und andere, angeführt von Vaśāti
rakṣitāraḥ dvijottamāḥ
Beschützer, o beste der Zweifachgeborenen
ikṣvākuḥ tu vikukṣim vai
Ikṣvāku aber wies Vikukṣi an
aṣṭakāyām atha ādiśat
bei einem Aṣṭakā-Totenopfer

māṃsam ānaya śrāddhārthaṃ mṛgān hatvā mahābala / śrāddhakarmaṇi coddiṣṭo akṛte śrāddhakarmaṇi // BrP_7.49 //

„Bring Fleisch für das Totenopfer, indem du Wildtiere tötest, du Starkarmiger!“ Und (er ging), zum Totenritus beauftragt, noch bevor das Totenritual vollzogen war,

Wort für Wort
māṃsam ānaya śrāddhārtham
bring Fleisch für das Totenopfer
mṛgān hatvā mahābala
indem du Wildtiere tötest, du Starkarmiger
śrāddhakarmaṇi ca uddiṣṭaḥ
und zum Totenritus beauftragt
akṛte śrāddhakarmaṇi
noch bevor das Totenritual vollzogen war

bhakṣayitvā śaśaṃ viprāḥ śaśādo mṛgayāṃ gataḥ / ikṣvākuṇā parityakto vasiṣṭhavacanāt prabhuḥ // BrP_7.50 //

auf die Jagd, und nachdem er dort, o Brahmanen, (aus Hunger) einen Hasen verzehrt hatte, (wurde er) ‚Śaśāda‘ (Hasenfresser genannt); er, der Gebieter, wurde von Ikṣvāku auf Vasiṣṭhas Wort hin verstoßen,

Wort für Wort
bhakṣayitvā śaśam viprāḥ
nachdem er einen Hasen verzehrt hatte, o Brahmanen
śaśādaḥ mṛgayām gataḥ
"Śaśāda", auf die Jagd gegangen
ikṣvākuṇā parityaktaḥ
von Ikṣvāku verstoßen
vasiṣṭhavacanāt prabhuḥ
auf Vasiṣṭhas Wort hin, der Gebieter

Ätiologie des Beinamens "Śaśāda" ("Hasenfresser", von śaśa "Hase" + ad "essen") für Vikukṣi.

ikṣvākau saṃsthite viprāḥ śaśādas tu nṛpo 'bhavat / śaśādasya tu dāyādaḥ kakutstho nāma vīryavān // BrP_7.51 //

Als Ikṣvāku verschieden war, o Brahmanen, wurde Śaśāda dennoch König. Śaśādas Erbe aber war der kraftvolle (Sohn) namens Kakutstha,

Wort für Wort
ikṣvākau saṃsthite viprāḥ
als Ikṣvāku verschieden war, o Brahmanen
śaśādaḥ tu nṛpaḥ abhavat
wurde Śaśāda dennoch König
śaśādasya tu dāyādaḥ
Śaśādas Erbe aber
kakutsthaḥ nāma vīryavān
der kraftvolle (Sohn) namens Kakutstha

anenās tu kakutsthasya pṛthuś cānenasaḥ smṛtaḥ / viṣṭarāśvaḥ pṛthoḥ putras tasmād ārdras tv ajāyata // BrP_7.52 //

Kakutsthas (Sohn) aber war Anenas, und von Anenas ist Pṛthu bekannt; Viṣṭarāśva war Pṛthus Sohn, von ihm wurde Ārdra geboren,

Wort für Wort
anenāḥ tu kakutsthasya
Kakutsthas (Sohn) aber (war) Anenas
pṛthuḥ ca anenasaḥ smṛtaḥ
und von Anenas ist Pṛthu bekannt
viṣṭarāśvaḥ pṛthoḥ putraḥ
Viṣṭarāśva (war) Pṛthus Sohn
tasmāt ārdraḥ tu ajāyata
von ihm wurde Ārdra geboren

[Anm.: Dieser Pṛthu ist ein später Nachkomme Ikṣvākus und nicht identisch mit dem großen Urkönig Pṛthu Vainya aus Kap. 2/4.]

ārdras tu yuvanāśvas tu śrāvastas tatsuto dvijāḥ / jajñe śrāvastako rājā śrāvastī yena nirmitā // BrP_7.53 //

Ārdras (Sohn) aber war Yuvanāśva, dessen Sohn war Śrāvasta, o Brahmanen; es wurde der König Śrāvastaka geboren, von dem die Stadt Śrāvastī erbaut wurde,

Wort für Wort
ārdraḥ tu yuvanāśvaḥ tu
Ārdras (Sohn) aber (war) Yuvanāśva
śrāvastaḥ tatsutaḥ dvijāḥ
Śrāvasta dessen Sohn, o Brahmanen
jajñe śrāvastakaḥ rājā
es wurde der König Śrāvastaka geboren
śrāvastī yena nirmitā
von dem (die Stadt) Śrāvastī erbaut wurde

śrāvastasya tu dāyādo bṛhadaśvo mahīpatiḥ / kuvalāśvaḥ sutas tasya rājā paramadhārmikaḥ // BrP_7.54 //

Śrāvastas Erbe aber war der Herrscher Bṛhadaśva; Kuvalāśva war dessen Sohn, ein höchst rechtschaffener König,

Wort für Wort
śrāvastasya tu dāyādaḥ
Śrāvastas Erbe aber
bṛhadaśvaḥ mahīpatiḥ
der Herrscher Bṛhadaśva
kuvalāśvaḥ sutaḥ tasya
Kuvalāśva war dessen Sohn
rājā paramadhārmikaḥ
ein höchst rechtschaffener König

yaḥ sa dhundhuvadhād rājā dhundhumāratvam āgataḥ // BrP_7.55 //

welcher, jener König, durch die Tötung des Dhundhu zum Beinamen ‚Dhundhumāra‘ (Dhundhu-Töter) gelangte.

Wort für Wort
yaḥ sa dhundhuvadhāt rājā
welcher König durch die Tötung des Dhundhu
dhundhumāratvam āgataḥ
zum (Beinamen) Dhundhumāra gelangte

Überleitung zur Dhundhumāra-Episode, die im Folgenden auf Nachfrage der Weisen ausführlich erzählt wird.

{die weisen sprachen:} dhundhor vadhaṃ mahāprājña śrotum icchāma tattvataḥ / yadvadhāt kuvalāśvo 'sau dhundhumāratvam āgataḥ // BrP_7.56 //

„Die Tötung des Dhundhu, o Hochweiser, möchten wir der Wahrheit gemäß hören, durch dessen Tötung jener Kuvalāśva zum Namen Dhundhumāra gelangte.“

Wort für Wort
dhundhoḥ vadham mahāprājña
die Tötung des Dhundhu, o Hochweiser
śrotum icchāma tattvataḥ
wir möchten der Wahrheit gemäß hören
yadvadhāt kuvalāśvaḥ asau
durch dessen Tötung jener Kuvalāśva
dhundhumāratvam āgataḥ
zum (Namen) Dhundhumāra gelangte

{lomaharṣaṇa sprach:} kuvalāśvasya putrāṇāṃ śatam uttamadhanvinām / sarve vidyāsu niṣṇātā balavanto durāsadāḥ // BrP_7.57 //

Kuvalāśva hatte hundert Söhne, hervorragende Bogenschützen; alle waren in den Wissenschaften bewandert, kraftvoll, unangreifbar,

Wort für Wort
kuvalāśvasya putrāṇām śatam
Kuvalāśvas hundert Söhne
uttamadhanvinām
hervorragende Bogenschützen
sarve vidyāsu niṣṇātāḥ
alle in den Wissenschaften bewandert
balavantaḥ durāsadāḥ
kraftvoll, unangreifbar

babhūvur dhārmikāḥ sarve yajvāno bhūridakṣiṇāḥ / kuvalāśvaṃ pitā rājye bṛhadaśvo nyayojayat // BrP_7.58 //

sie alle waren rechtschaffen, Opferer mit reichen Opfergaben. Der Vater Bṛhadaśva setzte Kuvalāśva in die Herrschaft ein,

Wort für Wort
babhūvuḥ dhārmikāḥ sarve
sie alle waren rechtschaffen
yajvānaḥ bhūridakṣiṇāḥ
Opferer mit reichen Opfergaben
kuvalāśvam pitā rājye
den Kuvalāśva setzte der Vater in die Herrschaft
bṛhadaśvaḥ nyayojayat
Bṛhadaśva ein

putrasaṃkrāmitaśrīs tu vanaṃ rājā viveśa ha / tam uttaṅko 'tha viprarṣiḥ prayāntaṃ pratyavārayat // BrP_7.59 //

und der König, nachdem er den Glanz (der Herrschaft) auf den Sohn übertragen hatte, ging in den Wald. Ihn aber, als er aufbrach, hielt der Brahmanen-Weise Uttaṅka auf.

Wort für Wort
putrasaṃkrāmitaśrīḥ tu
nachdem er den Glanz auf den Sohn übertragen hatte, aber
vanam rājā viveśa ha
ging der König in den Wald
tam uttaṅkaḥ atha viprarṣiḥ
ihn aber der Brahmanen-Weise Uttaṅka
prayāntam pratyavārayat
hielt ihn, als er aufbrach, auf

{uttaṅka sprach:} bhavatā rakṣaṇaṃ kāryaṃ tac ca kartuṃ tvam arhasi / nirudvignas tapaś cartuṃ nahi śaknomi pārthiva // BrP_7.60 //

„Von dir muss ein Schutz geleistet werden, und diesen zu leisten bist du fähig; unbeunruhigt Askese zu üben vermag ich nicht, o Fürst,

Wort für Wort
bhavatā rakṣaṇam kāryam
von dir muss ein Schutz geleistet werden
tat ca kartum tvam arhasi
und diesen zu leisten bist du fähig
nirudvignaḥ tapaḥ cartum
unbeunruhigt Askese zu üben
nahi śaknomi pārthiva
vermag ich nicht, o Fürst

mamāśramasamīpe vai sameṣu marudhanvasu / samudro vālukāpūrṇa uddālaka iti smṛtaḥ // BrP_7.61 //

denn in der Nähe meines Einsiedelsitzes, in den ebenen Wüstensteppen, liegt ein mit Sand gefülltes Meer, bekannt unter dem Namen Uddālaka,

Wort für Wort
mama āśramasamīpe vai
in der Nähe meines Einsiedelsitzes
sameṣu marudhanvasu
in den ebenen Wüstensteppen
samudraḥ vālukāpūrṇaḥ
ein mit Sand gefülltes Meer
uddālakaḥ iti smṛtaḥ
bekannt unter dem Namen Uddālaka

devatānām avadhyaś ca mahākāyo mahābalaḥ / antarbhūmigatas tatra vālukāntarhito mahān // BrP_7.62 //

unantastbar selbst für die Götter, von riesigem Körper, gewaltiger Kraft, tief unter der Erde befindlich, dort im Sand verborgen, der Gewaltige,

Wort für Wort
devatānām avadhyaḥ ca
und für die Götter unantastbar
mahākāyaḥ mahābalaḥ
von riesigem Körper, gewaltiger Kraft
antarbhūmigataḥ tatra
tief unter der Erde befindlich, dort
vālukāntarhitaḥ mahān
im Sand verborgen, der Gewaltige

rākṣasasya madhoḥ putro dhundhur nāma mahāsuraḥ / śete lokavināśāya tapa āsthāya dāruṇam // BrP_7.63 //

der Sohn des Rākṣasa Madhu, mit Namen Dhundhu, ein großer Asura, liegt dort, sich einer schrecklichen Askese hingebend, zum Verderben der Welten.

Wort für Wort
rākṣasasya madhoḥ putraḥ
der Sohn des Rākṣasa Madhu
dhundhuḥ nāma mahāsuraḥ
mit Namen Dhundhu, ein großer Asura
śete lokavināśāya
liegt, zum Verderben der Welten
tapaḥ āsthāya dāruṇam
eine schreckliche Askese übend

Dhundhu wird hier als Sohn des Rākṣasa Madhu vorgestellt (vgl. das Dämonenpaar Madhu und Kaiṭabha in Kap. 4, deren Fett die Erde "Medinī" nährte).

saṃvatsarasya paryante sa niśvāsaṃ vimuñcati / yadā tadā mahī tatra calati sma narādhipa // BrP_7.64 //

Am Ende eines jeden Jahres stößt er einen Atemhauch aus; wann immer dies geschieht, erzittert dort die Erde, o Herrscher der Menschen,

Wort für Wort
saṃvatsarasya paryante
am Ende eines Jahres
sa niśvāsam vimuñcati
stößt er einen Atemhauch aus
yadā tadā mahī tatra
wann immer (dies geschieht), (erzittert) dort die Erde
calati sma narādhipa
erzittert, o Herrscher der Menschen

tasya niḥśvāsavātena raja uddhūyate mahat / ādityapatham āvṛtya saptāhaṃ bhūmikampanam // BrP_7.65 //

durch den Windhauch seines Atems wird gewaltiger Staub aufgewirbelt, der sieben Tage lang, unter Erdbeben, die Sonnenbahn verhüllt,

Wort für Wort
tasya niḥśvāsavātena
durch den Windhauch seines Atems
rajaḥ uddhūyate mahat
wird gewaltiger Staub aufgewirbelt
ādityapatham āvṛtya
die Sonnenbahn verhüllend
saptāham bhūmikampanam
sieben Tage lang, unter Erdbeben

savisphuliṅgaṃ sāṅgāraṃ sadhūmam atidāruṇam / tena tāta na śaknomi tasmin sthātuṃ sva āśrame // BrP_7.66 //

mit Funken, mit glühenden Kohlen, mit Rauch, überaus schrecklich; deswegen, mein Sohn, vermag ich nicht, in meiner eigenen Einsiedelei zu verweilen.

Wort für Wort
savisphuliṅgam sāṅgāram
mit Funken, mit glühenden Kohlen
sadhūmam atidāruṇam
mit Rauch, überaus schrecklich
tena tāta na śaknomi
deswegen, mein Sohn, vermag ich nicht
tasmin sthātum sva āśrame
in meiner eigenen Einsiedelei zu verweilen

taṃ māraya mahākāyaṃ lokānāṃ hitakāmyayā / lokāḥ svasthā bhavanty adya tasmin vinihate tvayā // BrP_7.67 //

Töte ihn, den Riesenleibigen, um der Welten Wohl willen; die Welten werden heute wohlgeordnet sein, sobald er von dir vernichtet ist.

Wort für Wort
tam māraya mahākāyam
töte ihn, den Riesenleibigen
lokānām hitakāmyayā
um der Welten Wohl willen
lokāḥ svasthāḥ bhavanti adya
die Welten werden heute wohlgeordnet sein
tasmin vinihate tvayā
sobald er von dir vernichtet ist

tvaṃ hi tasya vadhāyaikaḥ samarthaḥ pṛthivīpate / viṣṇunā ca varo datto mahyaṃ pūrvayuge nṛpa // BrP_7.68 //

Denn du allein bist fähig zu seiner Tötung, o Herrscher der Erde; und von Viṣṇu wurde mir in einem früheren Zeitalter ein Gnadengeschenk gewährt, o König:

Wort für Wort
tvam hi tasya vadhāya
denn du zu seiner Tötung
ekaḥ samarthaḥ pṛthivīpate
allein bist fähig, o Herrscher der Erde
viṣṇunā ca varaḥ dattaḥ
und von Viṣṇu wurde ein Gnadengeschenk gewährt
mahyam pūrvayuge nṛpa
mir in einem früheren Zeitalter, o König

yas taṃ mahāsuraṃ raudraṃ haniṣyati mahābalam / tasya tvaṃ varadānena tejaś cākhyāpayiṣyasi // BrP_7.69 //

‚Wer jenen furchtbaren, gewaltmächtigen großen Asura töten wird, dessen Kraft wirst du durch die Gabe eines Segens kundtun.‘

Wort für Wort
yaḥ tam mahāsuram raudram
wer jenen furchtbaren großen Asura
haniṣyati mahābalam
töten wird, den gewaltmächtigen
tasya tvam varadānena
dessen (Kraft) wirst du durch die Gabe eines Segens
tejaḥ ca ākhyāpayiṣyasi
und (seine) Kraft kundtun

nahi dhundhur mahātejāḥ tejasālpena śakyate / nirdagdhuṃ pṛthivīpāla ciraṃ yugaśatair api // BrP_7.70 //

Denn der überaus glutmächtige Dhundhu kann durch geringe Glutkraft nicht verbrannt werden, o Erdenhüter, selbst nicht in langen, hundertfachen Yugas,

Wort für Wort
nahi dhundhuḥ mahātejāḥ
denn der überaus glutmächtige Dhundhu
tejasā alpena śakyate
kann durch geringe Glutkraft
nirdagdhum pṛthivīpāla
verbrannt werden, o Erdenhüter
ciram yugaśataiḥ api
selbst nicht in langen, hundertfachen Yugas

vīryaṃ ca sumahat tasya devair api durāsadam / sa evam ukto rājarṣir uttaṅkena mahātmanā / kuvalāśvaṃ sutaṃ prādāt tasmai dhundhunibarhaṇe // BrP_7.71 //

und seine Kraft ist sehr gewaltig, selbst für die Götter unangreifbar.“ Er, der königliche Weise, so von dem hochgesinnten Uttaṅka angesprochen, übergab diesem seinen Sohn Kuvalāśva zur Vernichtung des Dhundhu.

Wort für Wort
vīryam ca sumahat tasya
und seine Kraft ist sehr gewaltig
devaiḥ api durāsadam
selbst für die Götter unangreifbar
sa evam uktaḥ rājarṣiḥ
er, der königliche Weise, so angesprochen
uttaṅkena mahātmanā
von dem hochgesinnten Uttaṅka
kuvalāśvam sutam prādāt
übergab seinen Sohn Kuvalāśva
tasmai dhundhunibarhaṇe
diesem zur Vernichtung des Dhundhu

Dreipadiger Vers.

{bṛhadaśva sprach:} bhagavan nyastaśastro 'ham ayaṃ tu tanayo mama / bhaviṣyati dvijaśreṣṭha dhundhumāro na saṃśayaḥ // BrP_7.72 //

„Erhabener, ich habe die Waffen niedergelegt; dieser aber, mein Sohn, wird, o bester der Zweifachgeborenen, ohne Zweifel zum Dhundhu-Töter werden.“

Wort für Wort
bhagavan nyastaśastraḥ aham
Erhabener, ich habe die Waffen niedergelegt
ayam tu tanayaḥ mama
dieser aber, mein Sohn
bhaviṣyati dvijaśreṣṭha
wird, o bester der Zweifachgeborenen
dhundhumāraḥ na saṃśayaḥ
zum Dhundhu-Töter, kein Zweifel

sa taṃ vyādiśya tanayaṃ rājarṣir dhundhumāraṇe / jagāma parvatāyaiva nṛpatiḥ saṃśitavrataḥ // BrP_7.73 //

Nachdem er, der königliche Weise, seinen Sohn zur Tötung des Dhundhu beauftragt hatte, zog der Herrscher, von geschärftem Gelübde, eben zum Berge fort.

Wort für Wort
sa tam vyādiśya tanayam
nachdem er diesen Sohn beauftragt hatte
rājarṣiḥ dhundhumāraṇe
der königliche Weise, zur Tötung des Dhundhu
jagāma parvatāya eva
zog eben zum Berge fort
nṛpatiḥ saṃśitavrataḥ
der Herrscher, von geschärftem Gelübde

kuvalāśvas tu putrāṇāṃ śatena saha bho dvijāḥ / prāyād uttaṅkasahito dhundhos tasya nibarhaṇe // BrP_7.74 //

Kuvalāśva aber zog, zusammen mit seinen hundert Söhnen, o Brahmanen, gemeinsam mit Uttaṅka aus, um jenen Dhundhu zu vernichten.

Wort für Wort
kuvalāśvaḥ tu putrāṇām
Kuvalāśva aber, seiner Söhne
śatena saha bho dvijāḥ
zusammen mit den hundert, o Brahmanen
prāyāt uttaṅkasahitaḥ
zog aus, zusammen mit Uttaṅka
dhundhoḥ tasya nibarhaṇe
zur Vernichtung jenes Dhundhu

tam āviśat tadā viṣṇus tejasā bhagavān prabhuḥ / uttaṅkasya niyogād vai lokānāṃ hitakāmyayā // BrP_7.75 //

Da drang der erhabene Gebieter Viṣṇu mit seiner Glutkraft in ihn (Kuvalāśva) ein, auf Uttaṅkas Geheiß hin, um der Welten Wohl willen.

Wort für Wort
tam āviśat tadā viṣṇuḥ
in ihn drang da Viṣṇu ein
tejasā bhagavān prabhuḥ
mit (seiner) Glutkraft, der erhabene Gebieter
uttaṅkasya niyogāt vai
auf Uttaṅkas Geheiß
lokānām hitakāmyayā
um der Welten Wohl willen

Einlösung des in v.68f. genannten Viṣṇu-Segens: Viṣṇus Kraft geht in den Krieger über, der den Dämon töten wird.

tasmin prayāte durdharṣe divi śabdo mahān abhūt / eṣa śrīmān avadhyo 'dya dhundhumāro bhaviṣyati // BrP_7.76 //

Als jener Unbezwingbare auszog, entstand am Himmel ein gewaltiger Ruf: „Dieser Glanzvolle, Unantastbare wird heute zum Dhundhu-Töter werden!“

Wort für Wort
tasmin prayāte durdharṣe
als jener Unbezwingbare auszog
divi śabdaḥ mahān abhūt
entstand am Himmel ein gewaltiger Ruf
eṣa śrīmān avadhyaḥ adya
"dieser Glanzvolle, Unantastbare wird heute"
dhundhumāraḥ bhaviṣyati
zum Dhundhu-Töter werden"

divyair gandhaiś ca mālyaiś ca taṃ devāḥ samavākiran / devadundubhayaś caiva praṇedur dvijasattamāḥ // BrP_7.77 //

Mit himmlischen Düften und Blumenkränzen bestreuten ihn die Götter, und auch die Götter-Kesselpauken erdröhnten, o beste der Zweifachgeborenen.

Wort für Wort
divyaiḥ gandhaiḥ ca mālyaiḥ ca
mit himmlischen Düften und Blumenkränzen
tam devāḥ samavākiran
bestreuten ihn die Götter
devadundubhayaḥ caiva
und auch die Götter-Kesselpauken
praṇeduḥ dvijasattamāḥ
erdröhnten, o beste der Zweifachgeborenen

sa gatvā jayatāṃ śreṣṭhas tanayaiḥ saha vīryavān / samudraṃ khānayām āsa vālukāntaram avyayam // BrP_7.78 //

Er, der beste der Siegreichen, der Kraftvolle, ging zusammen mit seinen Söhnen hin und ließ das unerschöpfliche, sandverborgene Meer ausgraben.

Wort für Wort
sa gatvā jayatām śreṣṭhaḥ
er, hingegangen, der beste der Siegreichen
tanayaiḥ saha vīryavān
zusammen mit seinen Söhnen, der Kraftvolle
samudram khānayām āsa
ließ das Meer ausgraben
vālukāntaram avyayam
das sandverborgene, unerschöpfliche

tasya putraiḥ khanadbhiś ca vālukāntarhitas tadā / dhundhur āsādito viprā diśam āvṛtya paścimām // BrP_7.79 //

Von dessen grabenden Söhnen wurde da der im Sand verborgene Dhundhu erreicht, o Brahmanen, nachdem sie die westliche Richtung umschlossen hatten.

Wort für Wort
tasya putraiḥ khanadbhiḥ ca
und von dessen grabenden Söhnen
vālukāntarhitaḥ tadā
der im Sand verborgene, da
dhundhuḥ āsāditaḥ viprāḥ
Dhundhu wurde erreicht, o Brahmanen
diśam āvṛtya paścimām
nachdem sie die westliche Richtung umschlossen hatten

mukhajenāgninā krodhāl lokān udvartayann iva / vāri susrāva vegena mahodadhir ivodaye // BrP_7.80 //

Mit dem aus seinem Maul entstehenden Feuer, wie im Zorn die Welten aufwühlend, ergoss er mit heftiger Kraft Wasser, wie das große Weltmeer bei seinem Aufsteigen.

Wort für Wort
mukhajena agninā krodhāt
mit dem aus dem Maul entstehenden Feuer, im Zorn
lokān udvartayan iva
wie die Welten aufwühlend
vāri susrāva vegena
ergoss Wasser mit heftiger Kraft
mahodadhiḥ iva udaye
wie das große Weltmeer bei seinem Aufsteigen

saumasya muniśārdūlā varormikalilo mahān / tasya putraśataṃ dagdhaṃ tribhir ūnaṃ tu rakṣasā // BrP_7.81 //

gewaltig, mit trefflichen Wogen bewegt, gleich dem Meer des Soma, o Tiger unter den Weisen. Von diesem Rākṣasa wurden die hundert Söhne (Kuvalāśvas), bis auf drei, verbrannt,

Wort für Wort
saumasya muniśārdūlāḥ
des Soma(-Meeres), o Tiger unter den Weisen
varormikalilaḥ mahān
gewaltig, mit trefflichen Wogen bewegt
tasya putraśatam dagdham
von diesem wurden die hundert Söhne verbrannt
tribhiḥ ūnam tu rakṣasā
bis auf drei, von dem Rākṣasa

[?] "saumasya" ("des Soma") bleibt unklar – möglicherweise ein Vergleich mit dem mythischen Milchmeer (Kṣīrasāgara), an dem Viṣṇu ruht; hier als Fortführung des Fluss-/Meeres-Gleichnisses aus v.80 gedeutet.

tataḥ sa rājā dyutimān rākṣasaṃ taṃ mahābalam / āsasāda mahātejā dhundhuṃ dhundhuvināśanaḥ // BrP_7.82 //

Darauf näherte sich jener glanzvolle König, der Dhundhu-Vernichter von großer Glutkraft, jenem gewaltmächtigen Rākṣasa Dhundhu,

Wort für Wort
tataḥ sa rājā dyutimān
darauf jener glanzvolle König
rākṣasam tam mahābalam
jenem gewaltmächtigen Rākṣasa
āsasāda mahātejāḥ
näherte sich, von großer Glutkraft
dhundhum dhundhuvināśanaḥ
dem Dhundhu, der Dhundhu-Vernichter

tasya vārimayaṃ vegam āpīya sa narādhipaḥ / yogī yogena vahniṃ ca śamayām āsa vāriṇā // BrP_7.83 //

und dieser Herrscher der Menschen, nachdem er dessen wasserhaften Ansturm ausgetrunken hatte, ein Yogin, löschte durch Yoga auch das Feuer mit Wasser,

Wort für Wort
tasya vārimayam vegam
dessen wasserhaften Ansturm
āpīya sa narādhipaḥ
austrinkend, dieser Herrscher der Menschen
yogī yogena vahnim ca
ein Yogin, durch Yoga, auch das Feuer
śamayām āsa vāriṇā
löschte mit Wasser

nihatya taṃ mahākāyaṃ balenodakarākṣasam / uttaṅkaṃ darśayām āsa kṛtakarmā narādhipaḥ // BrP_7.84 //

und nachdem er jenen riesenleibigen Wasser-Rākṣasa mit Kraft erschlagen hatte, zeigte sich der Herrscher der Menschen, die Tat vollbracht, dem Uttaṅka.

Wort für Wort
nihatya tam mahākāyam
nachdem er jenen riesenleibigen erschlagen hatte
balena udakarākṣasam
mit Kraft, den Wasser-Rākṣasa
uttaṅkam darśayām āsa
zeigte sich dem Uttaṅka
kṛtakarmā narādhipaḥ
die Tat vollbracht habend, der Herrscher der Menschen

uttaṅkas tu varaṃ prādāt tasmai rājñe mahātmane / dadau tasyākṣayaṃ vittaṃ śatrubhiś cāparājitam // BrP_7.85 //

Uttaṅka aber gewährte jenem hochgesinnten König einen Segen: er gab ihm unerschöpflichen Reichtum und Unbesiegbarkeit durch Feinde,

Wort für Wort
uttaṅkaḥ tu varam prādāt
Uttaṅka aber gewährte einen Segen
tasmai rājñe mahātmane
jenem hochgesinnten König
dadau tasya akṣayam vittam
er gab ihm unerschöpflichen Reichtum
śatrubhiḥ ca aparājitam
und Unbesiegbarkeit durch Feinde

dharme ratiṃ ca satataṃ svarge vāsaṃ tathākṣayam / putrāṇāṃ cākṣayāṃl lokān svarge ye rakṣasā hatāḥ // BrP_7.86 //

beständige Freude an der Rechtschaffenheit, ebenso einen unerschöpflichen Aufenthalt im Himmel, und für die Söhne, die vom Rākṣasa getötet worden waren, unerschöpfliche Welten im Himmel.

Wort für Wort
dharme ratim ca satatam
und beständige Freude an der Rechtschaffenheit
svarge vāsam tathā akṣayam
ebenso einen unerschöpflichen Aufenthalt im Himmel
putrāṇām ca akṣayān lokān
und für die Söhne unerschöpfliche Welten
svarge ye rakṣasā hatāḥ
im Himmel, die vom Rākṣasa getötet worden waren

tasya putrās trayaḥ śiṣṭā dṛḍhāśvo jyeṣṭha ucyate / candrāśvakapilāśvau tu kanīyāṃsau kumārakau // BrP_7.87 //

Von ihm blieben drei Söhne übrig: Dṛḍhāśva wird als der älteste bezeichnet, Candrāśva und Kapilāśva aber waren die beiden jüngeren Prinzen.

Wort für Wort
tasya putrāḥ trayaḥ śiṣṭāḥ
von ihm blieben drei Söhne übrig
dṛḍhāśvaḥ jyeṣṭhaḥ ucyate
Dṛḍhāśva wird als der älteste bezeichnet
candrāśvakapilāśvau tu
Candrāśva und Kapilāśva aber
kanīyāṃsau kumārakau
die beiden jüngeren Prinzen

dhaundhumārer dṛḍhāśvasya haryaśvaś cātmajaḥ smṛtaḥ / haryaśvasya nikumbho 'bhūt kṣatradharmarataḥ sadā // BrP_7.88 //

Des Sohnes des Dhundhumāra, Dṛḍhāśvas, Sohn ist als Haryaśva bekannt; Haryaśvas Sohn war Nikumbha, stets der Kṣatriya-Pflicht ergeben,

Wort für Wort
dhaundhumāreḥ dṛḍhāśvasya
des Sohnes des Dhundhumāra, Dṛḍhāśvas
haryaśvaḥ ca ātmajaḥ smṛtaḥ
Sohn ist als Haryaśva bekannt
haryaśvasya nikumbhaḥ abhūt
Haryaśvas (Sohn) war Nikumbha
kṣatradharmarataḥ sadā
stets der Kṣatriya-Pflicht ergeben

saṃhatāśvo nikumbhasya suto raṇaviśāradaḥ / akṛśāśvakṛśāśvau tu saṃhatāśvasutau dvijāḥ // BrP_7.89 //

Saṃhatāśva war Nikumbhas kampferfahrener Sohn; Akṛśāśva und Kṛśāśva aber waren Saṃhatāśvas Söhne, o Brahmanen,

Wort für Wort
saṃhatāśvaḥ nikumbhasya
Saṃhatāśva war Nikumbhas
sutaḥ raṇaviśāradaḥ
kampferfahrener Sohn
akṛśāśvakṛśāśvau tu
Akṛśāśva und Kṛśāśva aber
saṃhatāśvasutau dvijāḥ
Saṃhatāśvas Söhne, o Brahmanen

tasya haimavatī kanyā satāṃ matā dṛṣadvatī / vikhyātā triṣu lokeṣu putraś cāsyāḥ prasenajit // BrP_7.90 //

dessen (Akṛśāśvas) Gattin war die Himavat-Tochter, von den Guten geachtet, Dṛṣadvatī, berühmt in den drei Welten; und ihr Sohn war Prasenajit.

Wort für Wort
tasya haimavatī kanyā
dessen Gattin war die Himavat-Tochter
satām matā dṛṣadvatī
von den Guten geachtet, Dṛṣadvatī
vikhyātā triṣu lokeṣu
berühmt in den drei Welten
putraḥ ca asyāḥ prasenajit
und ihr Sohn war Prasenajit

lebhe prasenajid bhāryāṃ gaurīṃ nāma pativratām / abhiśastā tu sā bhartrā nadī vai bāhudābhavat // BrP_7.91 //

Prasenajit erhielt eine Gattin namens Gaurī, gattentreu; sie aber, von ihrem Gatten verflucht, wurde zum Fluss Bāhudā.

Wort für Wort
lebhe prasenajit bhāryām
Prasenajit erhielt eine Gattin
gaurīm nāma pativratām
namens Gaurī, gattentreu
abhiśastā tu sā bhartrā
von ihrem Gatten verflucht aber sie
nadī vai bāhudā abhavat
wurde zum Fluss Bāhudā

tasya putro mahān āsīd yuvanāśvo narādhipaḥ / māndhātā yuvanāśvasya trilokavijayī sutaḥ // BrP_7.92 //

Sein großer Sohn war der Herrscher Yuvanāśva; Māndhātā war Yuvanāśvas Sohn, ein Dreiwelten-Bezwinger.

Wort für Wort
tasya putraḥ mahān āsīt
sein großer Sohn war
yuvanāśvaḥ narādhipaḥ
der Herrscher Yuvanāśva
māndhātā yuvanāśvasya
Māndhātā war Yuvanāśvas
trilokavijayī sutaḥ
Dreiwelten-Bezwinger, Sohn

tasya caitrarathī bhāryā śaśabindoḥ sutābhavat / sādhvī bindumatī nāma rūpeṇāsadṛśī bhuvi // BrP_7.93 //

Dessen Gattin war eine Tochter des Śaśabindu aus dem Geschlecht des Citraratha, die tugendhafte Bindumatī, an Schönheit unvergleichlich auf Erden,

Wort für Wort
tasya caitrarathī bhāryā
dessen Gattin, aus dem Geschlecht des Citraratha
śaśabindoḥ sutā abhavat
war eine Tochter des Śaśabindu
sādhvī bindumatī nāma
die tugendhafte, namens Bindumatī
rūpeṇa asadṛśī bhuvi
an Schönheit unvergleichlich auf Erden

pativratā ca jyeṣṭhā ca bhrātṝṇām ayutasya vai / tasyām utpādayām āsa māndhātā dvau sutau dvijāḥ // BrP_7.94 //

gattentreu und die älteste unter zehntausend Brüdern. Mit ihr zeugte Māndhātā zwei Söhne, o Brahmanen:

Wort für Wort
pativratā ca jyeṣṭhā ca
gattentreu und die älteste
bhrātṝṇām ayutasya vai
unter zehntausend Brüdern
tasyām utpādayām āsa
mit ihr zeugte
māndhātā dvau sutau dvijāḥ
Māndhātā zwei Söhne, o Brahmanen

purukutsaṃ ca dharmajñaṃ mucukundaṃ ca pārthivam / purukutsasutas tv āsīt trasadasyur mahīpatiḥ // BrP_7.95 //

Purukutsa, den Dharma-Kenner, und Mucukunda, den Fürsten. Purukutsas Sohn aber war der Herrscher Trasadasyu,

Wort für Wort
purukutsam ca dharmajñam
Purukutsa, den Dharma-Kenner
mucukundam ca pārthivam
und Mucukunda, den Fürsten
purukutsasutaḥ tu āsīt
Purukutsas Sohn aber war
trasadasyuḥ mahīpatiḥ
der Herrscher Trasadasyu

narmadāyām athotpannaḥ saṃbhūtas tasya cātmajaḥ / saṃbhūtasya tu dāyādas tridhanvā ripumardanaḥ // BrP_7.96 //

von der Narmadā geboren; und sein Sohn war Saṃbhūta. Saṃbhūtas Erbe aber war der feindezermalmende Tridhanvā,

Wort für Wort
narmadāyām atha utpannaḥ
von der Narmadā geboren
saṃbhūtaḥ tasya ca ātmajaḥ
und sein Sohn war Saṃbhūta
saṃbhūtasya tu dāyādaḥ
Saṃbhūtas Erbe aber
tridhanvā ripumardanaḥ
der feindezermalmende Tridhanvā

rājñas tridhanvanas tv āsīd vidvāṃs trayyāruṇaḥ prabhuḥ / tasya satyavrato nāma kumāro 'bhūn mahābalaḥ // BrP_7.97 //

des Königs Tridhanvā (Sohn) aber war der gelehrte Gebieter Trayyāruṇa; dessen Sohn, mit Namen Satyavrata, war ein sehr kraftvoller Jüngling,

Wort für Wort
rājñaḥ tridhanvanaḥ tu āsīt
des Königs Tridhanvā (Sohn) aber war
vidvān trayyāruṇaḥ prabhuḥ
der gelehrte Gebieter Trayyāruṇa
tasya satyavrataḥ nāma
dessen (Sohn), mit Namen Satyavrata
kumāraḥ abhūt mahābalaḥ
war ein sehr kraftvoller Jüngling

Satyavrata ist der spätere Triśaṅku der Ikṣvāku-Sage (bekannt u.a. aus dem Rāmāyaṇa und dem Mahābhārata), hier ohne diesen Namen eingeführt.

parigrahaṇamantrāṇāṃ vighnaṃ cakre sudurmatiḥ / yena bhāryā kṛtodvāhā hṛtā caiva parasya ha // BrP_7.98 //

der von böser Gesinnung ein Hindernis für die Ehe-Sprüche (der Trauungszeremonie) schuf, indem er die bereits verheiratete Gattin eines anderen raubte,

Wort für Wort
parigrahaṇamantrāṇām
der Ehe-(Trauungs-)Sprüche
vighnam cakre sudurmatiḥ
schuf ein Hindernis, von böser Gesinnung
yena bhāryā kṛtodvāhā
indem er die bereits verheiratete Gattin
hṛtā caiva parasya ha
eines anderen raubte

bālyāt kāmāc ca mohāc ca sāhasāc cāpalena ca / jahāra kanyāṃ kāmārtaḥ kasyacit puravāsinaḥ // BrP_7.99 //

aus Kindischkeit, aus Begierde, aus Verblendung, aus Vermessenheit und aus Unbeständigkeit; von Begierde gequält, raubte er die Braut eines gewissen Stadtbewohners.

Wort für Wort
bālyāt kāmāt ca mohāt ca
aus Kindischkeit, aus Begierde und aus Verblendung
sāhasāt ca āpalena ca
aus Vermessenheit und aus Unbeständigkeit
jahāra kanyām kāmārtaḥ
raubte die Braut, von Begierde gequält
kasyacit puravāsinaḥ
eines gewissen Stadtbewohners

adharmaśaṅkunā tena taṃ sa trayyāruṇo 'tyajat / apadhvaṃseti bahuśo vadan krodhasamanvitaḥ // BrP_7.100 //

Wegen dieses Vorzeichens des Unrechts verstieß ihn jener Trayyāruṇa, wobei er zornerfüllt wiederholt sprach: „Verderbe!“

Wort für Wort
adharmaśaṅkunā tena
wegen dieses Vorzeichens des Unrechts
tam sa trayyāruṇaḥ atyajat
verstieß ihn jener Trayyāruṇa
apadhvaṃsa iti bahuśaḥ vadan
"Verderbe!" wiederholt sprechend
krodhasamanvitaḥ
zornerfüllt

so 'bravīt pitaraṃ tyaktaḥ kva gacchāmīti vai muhuḥ / pitā ca tam athovāca śvapākaiḥ saha vartaya // BrP_7.101 //

Er, verstoßen, fragte den Vater wiederholt: „Wohin soll ich gehen?“ Der Vater aber sprach zu ihm darauf: „Lebe zusammen mit den Hundekochern (Caṇḍālas)!“

Wort für Wort
saḥ abravīt pitaram tyaktaḥ
er, verstoßen, sprach zum Vater
kva gacchāmi iti vai muhuḥ
"wohin soll ich gehen", wiederholt
pitā ca tam atha uvāca
der Vater aber sprach darauf zu ihm
śvapākaiḥ saha vartaya
"lebe zusammen mit den Hundekochern"

"Śvapāka" ("Hundekocher") bezeichnet die Caṇḍālas, eine der niedrigsten sozialen Gruppen der altindischen Gesellschaft.

nāhaṃ putreṇa putrārthī tvayādya kulapāṃsana / ity uktaḥ sa nirākrāman nagarād vacanāt pituḥ // BrP_7.102 //

„Ich begehre keinen Sohn mehr durch dich, du Geschlechts-Schänder!“ – So angesprochen, entfernte er sich auf das Wort des Vaters hin aus der Stadt.

Wort für Wort
na aham putreṇa putrārthī
ich begehre keinen Sohn mehr
tvayā adya kulapāṃsana
durch dich heute, du Geschlechts-Schänder
iti uktaḥ sa nirākrāman
so angesprochen, entfernte er sich
nagarāt vacanāt pituḥ
aus der Stadt, auf das Wort des Vaters

na ca taṃ vārayām āsa vasiṣṭho bhagavān ṛṣiḥ / sa tu satyavrato viprāḥ śvapākāvasathāntike // BrP_7.103 //

Und der erhabene Weise Vasiṣṭha hielt ihn nicht davon ab; jener Satyavrata aber, o Brahmanen, wohnte in der Nähe der Wohnstätten der Hundekocher,

Wort für Wort
na ca tam vārayām āsa
und ihn hielt nicht davon ab
vasiṣṭhaḥ bhagavān ṛṣiḥ
der erhabene Weise Vasiṣṭha
sa tu satyavrataḥ viprāḥ
jener Satyavrata aber, o Brahmanen
śvapākāvasathāntike
in der Nähe der Wohnstätten der Hundekocher

pitrā tyakto 'vasad vīraḥ pitāpy asya vanaṃ yayau / tatas tasmiṃs tu viṣaye nāvarṣat pākaśāsanaḥ // BrP_7.104 //

vom Vater verstoßen, wohnte der Held dort; auch sein Vater ging in den Wald. Darauf regnete in jenem Gebiet der Bezwinger des Pāka (Indra) nicht,

Wort für Wort
pitrā tyaktaḥ avasat vīraḥ
vom Vater verstoßen wohnte der Held (dort)
pitā api asya vanam yayau
auch sein Vater ging in den Wald
tataḥ tasmin tu viṣaye
darauf aber in jenem Gebiet
na avarṣat pākaśāsanaḥ
regnete Indra nicht

"Pākaśāsana" ("Bezwinger des [Dämons] Pāka") ist ein Beiname Indras.

samā dvādaśa bho viprāḥ tenādharmeṇa vai tadā / dārāṃs tu tasya viṣaye viśvāmitro mahātapāḥ // BrP_7.105 //

zwölf Jahre lang, o Brahmanen, wegen jenes Unrechts, damals; die Gattin aber jenes (Viśvāmitra), in dessen Gebiet der von großer Askese Erfüllte, Viśvāmitra,

Wort für Wort
samāḥ dvādaśa bho viprāḥ
zwölf Jahre lang, o Brahmanen
tena adharmeṇa vai tadā
wegen jenes Unrechts, damals
dārān tu tasya viṣaye
die Gattin aber jenes, in dessen Gebiet
viśvāmitraḥ mahātapāḥ
Viśvāmitra, der von großer Askese Erfüllte

Beginn der berühmten Gālava-Episode: Während der zwölfjährigen Dürre, verursacht durch Satyavratas Untat, gerät Viśvāmitras zurückgelassene Familie in Not.

saṃnyasya sāgarānte tu cakāra vipulaṃ tapaḥ / tasya patnī gale baddhvā madhyamaṃ putram aurasam // BrP_7.106 //

nachdem er sie zurückgelassen hatte, übte am Rande des Meeres große Askese; dessen Gattin aber, nachdem sie ihrem mittleren, leiblichen Sohn (einen Strick) um den Hals gebunden hatte,

Wort für Wort
saṃnyasya sāgarānte tu
nachdem er (sie) zurückgelassen hatte, am Rande des Meeres
cakāra vipulam tapaḥ
übte er große Askese
tasya patnī gale baddhvā
dessen Gattin, nachdem sie um den Hals gebunden hatte
madhyamam putram aurasam
ihrem mittleren, leiblichen Sohn

śeṣasya bharaṇārthāya vyakrīṇād gośatena vai / taṃ ca baddhaṃ gale dṛṣṭvā vikrayārthaṃ nṛpātmajaḥ // BrP_7.107 //

verkaufte ihn für hundert Kühe, um den Unterhalt der übrigen (Kinder) zu bestreiten; und als der Königssohn (Satyavrata) ihn, am Hals gebunden, zum Verkauf (bestimmt) sah,

Wort für Wort
śeṣasya bharaṇārthāya
um den Unterhalt der übrigen zu bestreiten
vyakrīṇāt gośatena vai
verkaufte sie ihn für hundert Kühe
tam ca baddham gale dṛṣṭvā
und als er ihn, am Hals gebunden, sah
vikrayārtham nṛpātmajaḥ
zum Verkauf (bestimmt), der Königssohn

maharṣiputraṃ dharmātmā mokṣayām āsa bho dvijāḥ / satyavrato mahābāhur bharaṇaṃ tasya cākarot // BrP_7.108 //

befreite er, der Rechtschaffene, den Sohn des großen Weisen, o Brahmanen; Satyavrata, der Starkarmige, übernahm auch dessen Unterhalt,

Wort für Wort
maharṣiputram dharmātmā
den Sohn des großen Weisen, der Rechtschaffene
mokṣayām āsa bho dvijāḥ
befreite er, o Brahmanen
satyavrataḥ mahābāhuḥ
Satyavrata, der Starkarmige
bharaṇam tasya ca akarot
und übernahm auch dessen Unterhalt

viśvāmitrasya tuṣṭyartham anukampārtham eva ca / so 'bhavad gālavo nāma gale bandhān mahātapāḥ / maharṣiḥ kauśiko dhīmāṃs tena vīreṇa mokṣitaḥ // BrP_7.109 //

um Viśvāmitras Zufriedenheit und aus Mitleid; und jener (Sohn), der große Asket, wurde wegen der Fessel am Hals unter dem Namen ‚Gālava‘ bekannt. Der hochweise große Weise Kauśika (Viśvāmitra) wurde durch jenen Helden (von seiner Sorge um die Familie) befreit.

Wort für Wort
viśvāmitrasya tuṣṭyartham
um Viśvāmitras Zufriedenheit
anukampārtham eva ca
und eben aus Mitleid
saḥ abhavat gālavaḥ nāma
er wurde unter dem Namen "Gālava" bekannt
gale bandhāt mahātapāḥ
wegen der Fessel am Hals, der große Asket
maharṣiḥ kauśikaḥ dhīmān
der hochweise große Weise Kauśika
tena vīreṇa mokṣitaḥ
wurde durch jenen Helden befreit

Ätiologie des Namens Gālava ("der am Halse Gebundene", vom Strick gale, "am Hals"), des später berühmten Schülers Viśvāmitras. Dreipadiger Schlussvers des Kapitels; das folgende Kapitel (8) wird mit derselben Erzählung (Satyavratas Dienst an Viśvāmitras Familie) fortgesetzt.

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