Kapitel 177: puruṣottamakṣetramāhātmyaphalaśrutiḥ
Phalaśruti: Die Frucht der Verehrung am Puruṣottama-Kṣetra
Fortsetzung von Brahmās Rede: ausführliche Phalaśruti über die Größe des Puruṣottama-Kṣetra, wo Kṛṣṇa mit Balarāma (Saṃkarṣaṇa) und Subhadrā weilt. Wer den Gott dort mit Hingabe erblickt oder betrachtet, erlangt Erlösung; ein Monat Askese dort entspricht zehntausend Jahren an anderen Tīrthas; besonders verdienstvoll ist der Tod am Kṣetra, insbesondere zwischen dem heiligen Banyan-Baum (Kalpavṛkṣa/Vaṭa) und dem Ozean — selbst unwillentlicher Tod, ja sogar der Tod von Tieren dort, führt zur Erlösung. Es folgt eine etymologisierende Erklärung des Namens ,Puruṣottama' (,der über Prakṛti und Puruṣa erhabene Höchste', der im Vedānta als Paramātman gilt) sowie die Mahnung, an jenem Kṣetra bewusst den Körper abzulegen. Der Rahmenerzähler Vyāsa berichtet abschließend, dass die angesprochenen Munis Brahmās Rat folgten und dort den höchsten Zustand erlangten, und wendet sich in einem Rahmenwechsel direkt an sein eigenes Zuhörerkollegium.
{brahmovāca:}
evaṃ vo 'nantamāhātmyaṃ kṣetraṃ ca puruṣottamam /
bhuktimuktipradaṃ nṝṇāṃ mayā proktaṃ sudurlabham //
Brahmā sprach: So wurde euch die Größe des Ananta verkündet, sowie das Puruṣottama-Kṣetra, das den Menschen Genuss und Erlösung gewährt, von mir als überaus schwer erlangbar dargelegt.
Wort für Wort
evaṃ vo 'nantamāhātmyaṃ kṣetraṃ ca puruṣottamam
so wurde euch die Größe des Ananta verkündet, sowie das Puruṣottama-Kṣetra
bhuktimuktipradaṃ nṝṇāṃ mayā proktaṃ sudurlabham
das den Menschen Genuss und Erlösung gewährt, von mir als überaus schwer erlangbar dargelegt
trailokyādhipatiṃ devaṃ sarvakāmaphalapradam /
ye dhyāyanti sadā kṛṣṇaṃ muktās te nātra saṃśayaḥ //
Diejenigen, die den Gott, den Herrn der drei Welten, der die Frucht aller Wünsche gewährt, stets meditierend betrachten — Kṛṣṇa —, sind erlöst, daran ist kein Zweifel.
Wort für Wort
trailokyādhipatiṃ devaṃ sarvakāmaphalapradam
den Gott, den Herrn der drei Welten, der die Frucht aller Wünsche gewährt
ye dhyāyanti sadā kṛṣṇaṃ muktās te nātra saṃśayaḥ
diejenigen, die stets Kṛṣṇa meditierend betrachten, sind erlöst — daran ist kein Zweifel
kṛṣṇe ratāḥ kṛṣṇam anusmaranti
rātrau ca kṛṣṇaṃ punar utthitā ye
te bhinnadehāḥ praviśanti kṛṣṇaṃ
havir yathā mantrahutaṃ hutāśam
Die an Kṛṣṇa Hingegebenen gedenken Kṛṣṇas; und die, welche des Nachts und wiederum beim Erwachen [an ihn denken] — sie gehen, wenn ihr Körper zerfällt, in Kṛṣṇa ein, wie die durch Mantra geopferte Opfergabe in das Feuer eingeht.
Wort für Wort
kṛṣṇe ratāḥ kṛṣṇam anusmaranti
die an Kṛṣṇa Hingegebenen gedenken Kṛṣṇas
rātrau ca kṛṣṇaṃ punar utthitā ye
und die, welche des Nachts und wiederum beim Erwachen [an ihn denken]
te bhinnadehāḥ praviśanti kṛṣṇaṃ
sie gehen, wenn ihr Körper zerfällt, in Kṛṣṇa ein
havir yathā mantrahutaṃ hutāśam
wie die durch Mantra geopferte Opfergabe in das Feuer eingeht
[Anm.: 4-pada Hymnenvers (Triṣṭubh-artiges Metrum), pādaweise gezählt (BrP_177.5a-d); als eine Einheit mit vier wfw-Segmenten wiedergegeben.]
samyak tīrthena yat proktaṃ vratena niyamena ca /
tat phalaṃ labhate tatra pratyahaṃ prayataḥ śuciḥ //
Was durch Tīrtha[-Pilgerfahrt], durch Gelübde und durch Regel[-Beobachtung] vollständig verkündet ist — diese Frucht erlangt dort, wer täglich geläutert und rein ist.
Wort für Wort
samyak tīrthena yat proktaṃ vratena niyamena ca
was durch Tīrtha, durch Gelübde und durch Regel-Beobachtung vollständig verkündet ist
tat phalaṃ labhate tatra pratyahaṃ prayataḥ śuciḥ
diese Frucht erlangt dort, wer täglich geläutert und rein ist
Betrachtet, ihr Zweifachgeborenen, den Irrtum der Welt gegenüber anderen Tīrthas: was durch das ,Puruṣa'-genannte [Kṣetra] erlangt wird, [übertrifft bereits] die Frucht anderer Tīrthas und dergleichen.
Wort für Wort
bhrāntiṃ lokasya paśyadhvam anyatīrthaṃ prati dvijāḥ
betrachtet, ihr Zweifachgeborenen, den Irrtum der Welt gegenüber anderen Tīrthas
puruṣākhyena yat prāptam anyatīrthaphalādikam
was durch das ,Puruṣa'-genannte Kṣetra erlangt wird, [übertrifft] die Frucht anderer Tīrthas und dergleichen
[Anm.: elliptische Vergleichskonstruktion; Sinn erschlossen als Aussage über die Überlegenheit des Puruṣottama-Kṣetra gegenüber anderen Tīrthas.]
prakṛteḥ sa paro yasmāt puruṣād api cottamaḥ /
tasmād vede purāṇe ca loke 'smin puruṣottamaḥ //
Weil er jenseits der Prakṛti [Urmaterie] und noch über dem Puruṣa [Urgeist] erhaben ist, deshalb heißt er im Veda, im Purāṇa und in dieser Welt ,Puruṣottama'.
Wort für Wort
prakṛteḥ sa paro yasmāt puruṣād api cottamaḥ
weil er jenseits der Prakṛti und noch über dem Puruṣa erhaben ist
tasmād vede purāṇe ca loke 'smin puruṣottamaḥ
deshalb heißt er im Veda, im Purāṇa und in dieser Welt ,Puruṣottama'
Der, welcher im Purāṇa und im Vedānta als der höchste Selbst (Paramātman) bezeichnet wird, weilt zum Nutzen des Weltalls — deshalb ist er der Puruṣottama.
Wort für Wort
yo 'sau purāṇe vedānte paramātmety udāhṛtaḥ
der, welcher im Purāṇa und im Vedānta als der höchste Selbst bezeichnet wird
āste viśvopakārāya tenāsau puruṣottamaḥ
weilt zum Nutzen des Weltalls — deshalb ist er der Puruṣottama
pāthe śmaśāne gṛhamaṇḍape vā
rathyāpradeśeṣv api yatra kutra
icchann anicchann api tatra dehaṃ
saṃtyajya mokṣaṃ labhate manuṣyaḥ
Auf dem Weg, auf dem Leichenverbrennungsplatz, in der Haus-Vorhalle, oder an Straßenorten, wo auch immer — dort erlangt der Mensch, ob willentlich oder unwillentlich den Körper aufgebend, die Erlösung.
Wort für Wort
pāthe śmaśāne gṛhamaṇḍape vā
auf dem Weg, auf dem Leichenverbrennungsplatz, in der Haus-Vorhalle
rathyāpradeśeṣv api yatra kutra
oder an Straßenorten, wo auch immer
icchann anicchann api tatra dehaṃ
dort, ob willentlich oder unwillentlich, den Körper
saṃtyajya mokṣaṃ labhate manuṣyaḥ
aufgebend, erlangt der Mensch die Erlösung
[Anm.: 4-pada Hymnenvers, pādaweise gezählt (BrP_177.24a-d); als eine Einheit mit vier wfw-Segmenten wiedergegeben.]
Deshalb soll, ihr besten der Zweifachgeborenen, an jenem Kṣetra mit allem Eifer von den Menschen, die vollständig nach Erlösung verlangen, der Körper aufgegeben werden.
Wort für Wort
tasmāt sarvaprayatnena tasmin kṣetre dvijottamāḥ
deshalb soll, ihr besten der Zweifachgeborenen, an jenem Kṣetra mit allem Eifer
dehatyāgo naraiḥ kāryaḥ samyaṅ mokṣābhikāṅkṣibhiḥ
von den Menschen, die vollständig nach Erlösung verlangen, der Körper aufgegeben werden
puruṣākhyasya māhātmyaṃ na bhūtaṃ na bhaviṣyati /
tyaktvā yatra naro dehaṃ muktiṃ prāpnoti durlabhām //
Die Größe des ,Puruṣa'-genannten [Kṣetra] gab es nicht [zuvor] und wird es nicht [wieder geben] — wo ein Mensch, nachdem er den Körper aufgegeben hat, die schwer erreichbare Erlösung erlangt.
Wort für Wort
puruṣākhyasya māhātmyaṃ na bhūtaṃ na bhaviṣyati
die Größe des ,Puruṣa'-genannten Kṣetra gab es nicht zuvor und wird es nicht wieder geben
Dies ist [nur] ein Teilbereich der Eigenschaften des Kṣetra, der von mir verkündet wurde — wer wäre imstande, alle Eigenschaften auch mit hundert Jahren [Zeit] zu verkünden?
Wort für Wort
guṇānām ekadeśo 'yaṃ mayā kṣetrasya kīrtitaḥ
dies ist ein Teilbereich der Eigenschaften des Kṣetra, der von mir verkündet wurde
kaḥ samastān guṇān vaktuṃ śakto varṣaśatair api
wer wäre imstande, alle Eigenschaften auch mit hundert Jahren zu verkünden
{vyāsa uvāca:}
te tasya vacanaṃ śrutvā brahmaṇo 'vyaktajanmanaḥ /
nivāsaṃ cakrire tatra avāpuḥ paramaṃ padam //
Vyāsa sprach: Nachdem sie jenes Wort Brahmās, dessen Geburt unentfaltet ist, gehört hatten, nahmen sie dort Wohnung und erlangten den höchsten Zustand.
Wort für Wort
te tasya vacanaṃ śrutvā brahmaṇo 'vyaktajanmanaḥ
nachdem sie jenes Wort Brahmās, dessen Geburt unentfaltet ist, gehört hatten
nivāsaṃ cakrire tatra avāpuḥ paramaṃ padam
nahmen sie dort Wohnung und erlangten den höchsten Zustand