Quellen der Menschheit

Brahma-Purāṇa

Kapitel 192: vrajaviyogo 'krūradarśanaṃ mathurāpraveśaś ca Der Abschied von Vraja, Akrūras Vision und der Einzug in Mathurā

Beim Abschied klagen die Gopīs über die Trennung von Kṛṣṇa. Unterwegs schaut Akrūra bei seiner rituellen Waschung in der Yamunā Kṛṣṇa und Balarāma in ihrer kosmischen Gestalt (Viṣṇu auf Śeṣa) und preist sie in einem ausführlichen Hymnus. In Mathurā angekommen, tötet Kṛṣṇa den unverschämten Wäscher des Kaṃsa und nimmt dessen Gewänder, und der Girlandenmacher, der die beiden ehrfürchtig bewirtet, wird von Kṛṣṇa reich gesegnet.

cintayann iti govindam upagamya sa yādavaḥ / akrūro 'smīti caraṇau nanāma śirasā hareḥ //

Vyāsa sprach: So nachsinnend, näherte sich jener Yādava Govinda und verneigte, [sagend] 'ich bin Akrūra', mit dem Haupt vor Haris Füßen.

Wort für Wort
cintayann iti govindam upagamya
so nachsinnend, näherte er sich Govinda
sa yādavaḥ
jener Yādava
akrūro 'smīti
[sagend] 'ich bin Akrūra'
caraṇau nanāma śirasā hareḥ
verneigte er mit dem Haupt vor Haris Füßen

so 'py enaṃ dhvajavajrābja-kṛtacihnena pāṇinā / saṃspṛśyākṛṣya ca prītyā sugāḍhaṃ pariṣasvaje //

Auch er berührte ihn mit der von den Zeichen Banner, Donnerkeil und Lotos gezeichneten Hand, zog ihn liebevoll heran und umarmte ihn fest.

Wort für Wort
so 'py enaṃ
auch er ihn
dhvajavajrābja-kṛtacihnena pāṇinā
mit der von den Zeichen Banner, Donnerkeil und Lotos gezeichneten Hand
saṃspṛśyākṛṣya ca prītyā
berührte und zog ihn liebevoll heran
sugāḍhaṃ pariṣasvaje
und umarmte ihn fest

kṛtasaṃvadanau tena yathāvad balakeśavau / tataḥ praviṣṭau sahasā tam ādāyātmamandiram //

Nachdem Bala und Keśava mit ihm gebührend Grüße gewechselt hatten, betraten sie darauf eilig, ihn mitnehmend, ihre eigene Wohnstatt.

Wort für Wort
kṛtasaṃvadanau tena yathāvad
nachdem sie mit ihm gebührend Grüße gewechselt hatten
balakeśavau
Bala und Keśava
tataḥ praviṣṭau sahasā
betraten sie darauf eilig
tam ādāyātmamandiram
ihre eigene Wohnstatt, ihn mitnehmend

saha tābhyāṃ tadākrūraḥ kṛtasaṃvandanādikaḥ / bhuktabhojyo yathānyāyam ācacakṣe tatas tayoḥ //

Zusammen mit jenen beiden berichtete Akrūra dann, nachdem weitere Begrüßungen vollzogen und ihm gebührend Speise gereicht worden war, den beiden alles.

Wort für Wort
saha tābhyāṃ tadākrūraḥ
zusammen mit jenen beiden Akrūra
kṛtasaṃvandanādikaḥ
nachdem weitere Begrüßungen vollzogen worden waren
bhuktabhojyo yathānyāyam
und ihm gebührend Speise gereicht worden war
ācacakṣe tatas tayoḥ
berichtete er dann den beiden alles

yathā nirbhartsitas tena kaṃsenānakadundubhiḥ / yathā ca devakī devī dānavena durātmanā //

wie Ānakadundubhi [Vasudeva] von jenem Kaṃsa geschmäht worden war, und wie die Göttin Devakī von dem übelgesinnten Dämon [behandelt worden war],

Wort für Wort
yathā nirbhartsitas tena kaṃsena
wie er von jenem Kaṃsa geschmäht worden war
ānakadundubhiḥ
Ānakadundubhi [Vasudeva]
yathā ca devakī devī
und wie die Göttin Devakī
dānavena durātmanā
von dem übelgesinnten Dämon [behandelt worden war]

ugrasene yathā kaṃsaḥ sa durātmā ca vartate / yaṃ caivārthaṃ samuddiśya kaṃsena sa visarjitaḥ //

wie sich jener übelgesinnte Kaṃsa gegenüber Ugrasena verhält, und zu welchem Zweck genau er von Kaṃsa entsandt worden war.

Wort für Wort
ugrasene yathā kaṃsaḥ
wie sich Kaṃsa gegenüber Ugrasena
sa durātmā ca vartate
jener Übelgesinnte verhält
yaṃ caivārthaṃ samuddiśya
und zu welchem Zweck genau
kaṃsena sa visarjitaḥ
er von Kaṃsa entsandt worden war

tat sarvaṃ vistarāc chrutvā bhagavān keśisūdanaḥ / uvācākhilam etat tu jñātaṃ dānapate mayā //

Nachdem er dies alles ausführlich gehört hatte, sprach der erhabene Bezwinger Keśins: Dies alles ist mir bereits bekannt, o Herr der Freigebigkeit.

Wort für Wort
tat sarvaṃ vistarāc chrutvā
nachdem er dies alles ausführlich gehört hatte
bhagavān keśisūdanaḥ
sprach der erhabene Bezwinger Keśins
uvācākhilam etat tu jñātaṃ
dies alles ist bereits bekannt
dānapate mayā
mir, o Herr der Freigebigkeit

kariṣye ca mahābhāga yad atraupāyikaṃ matam / vicintyaṃ nānyathaitat te viddhi kaṃsaṃ hataṃ mayā //

Und ich werde tun, o Glückreicher, was hierbei als geeignetes Mittel gilt; es gibt hierüber nichts anderes zu bedenken – wisse: Kaṃsa ist [schon jetzt] von mir getötet.

Wort für Wort
kariṣye ca mahābhāga
und ich werde tun, o Glückreicher
yad atraupāyikaṃ matam
was hierbei als geeignetes Mittel gilt
vicintyaṃ nānyathaitat te
es gibt hierüber nichts anderes zu bedenken
viddhi kaṃsaṃ hataṃ mayā
wisse: Kaṃsa ist von mir getötet

ahaṃ rāmaś ca mathurāṃ śvo yāsyāvaḥ samaṃ tvayā / gopavṛddhāś ca yāsyanti ādāyopāyanaṃ bahu //

Rāma und ich werden morgen zusammen mit dir nach Mathurā gehen, und die Ältesten der Kuhhirten werden gehen, viele Gaben mitbringend.

Wort für Wort
ahaṃ rāmaś ca mathurāṃ śvo
Rāma und ich werden morgen nach Mathurā
yāsyāvaḥ samaṃ tvayā
zusammen mit dir gehen
gopavṛddhāś ca yāsyanti
und die Ältesten der Kuhhirten werden gehen
ādāyopāyanaṃ bahu
viele Gaben mitbringend

niśeyaṃ nīyatāṃ vīra na cintāṃ kartum arhasi / trirātrābhyantare kaṃsaṃ haniṣyāmi sahānugam //

Lass diese Nacht vergehen, o Held, du brauchst dir keine Sorgen zu machen: innerhalb von drei Nächten werde ich Kaṃsa samt seinem Gefolge töten.

Wort für Wort
niśeyaṃ nīyatāṃ vīra
lass diese Nacht vergehen, o Held
na cintāṃ kartum arhasi
du brauchst dir keine Sorgen zu machen
trirātrābhyantare
innerhalb von drei Nächten
kaṃsaṃ haniṣyāmi sahānugam
werde ich Kaṃsa samt seinem Gefolge töten

samādiśya tato gopān akrūro 'pi sakeśavaḥ / suṣvāpa balabhadraś ca nandagopagṛhe gataḥ //

Vyāsa sprach: Nachdem er dann die Kuhhirten unterwiesen hatte, schliefen Akrūra zusammen mit Keśava und Balabhadra, nachdem sie zum Haus des Kuhhirten Nanda gegangen waren.

Wort für Wort
samādiśya tato gopān
nachdem er dann die Kuhhirten unterwiesen hatte
akrūro 'pi sakeśavaḥ
Akrūra zusammen mit Keśava
suṣvāpa balabhadraś ca
und Balabhadra schliefen
nandagopagṛhe gataḥ
nachdem sie zum Haus des Kuhhirten Nanda gegangen waren

tataḥ prabhāte vimale rāmakṛṣṇau mahābalau / akrūreṇa samaṃ gantum udyatau mathurāṃ purīm //

Dann, bei klarer Morgendämmerung, machten sich die beiden mächtigen Rāma und Kṛṣṇa zusammen mit Akrūra bereit, zur Stadt Mathurā zu gehen.

Wort für Wort
tataḥ prabhāte vimale
dann, bei klarer Morgendämmerung
rāmakṛṣṇau mahābalau
die beiden mächtigen Rāma und Kṛṣṇa
akrūreṇa samaṃ gantum udyatau
machten sich zusammen mit Akrūra bereit zu gehen
mathurāṃ purīm
zur Stadt Mathurā

dṛṣṭvā gopījanaḥ sāsraḥ ślathadvalayabāhukaḥ / niśvasaṃś cātiduḥkhārtaḥ prāha cedaṃ parasparam //

Als sie dies sahen, sprach die Schar der Gopīs, unter Tränen, die Armreifen an ihren [abgemagerten] Armen lose, seufzend und von übergroßem Leid erfüllt, folgendes zueinander:

Wort für Wort
dṛṣṭvā gopījanaḥ sāsraḥ
als sie dies sahen, die Schar der Gopīs, unter Tränen
ślathadvalayabāhukaḥ
die Armreifen an ihren Armen lose
niśvasaṃś cātiduḥkhārtaḥ
seufzend und von übergroßem Leid erfüllt
prāha cedaṃ parasparam
sprach sie folgendes zueinander

mathurāṃ prāpya govindaḥ kathaṃ gokulam eṣyati / nāgarastrīkalālāpa-madhu śrotreṇa pāsyati //

Wie wird Govinda, nachdem er Mathurā erreicht hat, [je wieder] nach Gokula kommen? Er wird mit dem Ohr den Honig der reizvollen Reden der Stadtfrauen trinken.

Wort für Wort
mathurāṃ prāpya govindaḥ
Govinda, nachdem er Mathurā erreicht hat
kathaṃ gokulam eṣyati
wie wird er [je wieder] nach Gokula kommen
nāgarastrīkalālāpa-madhu
den Honig der reizvollen Reden der Stadtfrauen
śrotreṇa pāsyati
wird er mit dem Ohr trinken

vilāsivākyajāteṣu nāgarīṇāṃ kṛtāspadam / cittam asya kathaṃ grāmya-gopagopīṣu yāsyati //

Sein Sinn, der sich in den mannigfachen kokettierenden Reden der Stadtfrauen niedergelassen hat, wie wird er zu uns ländlichen Kuhhirten und Kuhhirtinnen zurückkehren?

Wort für Wort
vilāsivākyajāteṣu nāgarīṇāṃ
in den mannigfachen kokettierenden Reden der Stadtfrauen
kṛtāspadam
der sich niedergelassen hat
cittam asya kathaṃ
sein Sinn, wie wird er
grāmya-gopagopīṣu yāsyati
zu uns ländlichen Kuhhirten und Kuhhirtinnen zurückkehren

sāraṃ samastagoṣṭhasya vidhinā haratā harim / prahṛtaṃ gopayoṣitsu nighṛṇena durātmanā //

Indem das Schicksal, mitleidlos und übelgesinnt, Hari – die eigentliche Essenz der ganzen Kuhsiedlung – hinwegnimmt, hat es einen Schlag gegen die Kuhhirtinnen geführt.

Wort für Wort
sāraṃ samastagoṣṭhasya
die eigentliche Essenz der ganzen Kuhsiedlung
vidhinā haratā harim
indem das Schicksal Hari hinwegnimmt
prahṛtaṃ gopayoṣitsu
hat es einen Schlag gegen die Kuhhirtinnen geführt
nighṛṇena durātmanā
mitleidlos und übelgesinnt

bhāvagarbhasmitaṃ vākyaṃ vilāsalalitā gatiḥ / nāgarīṇām atīvaitat kaṭākṣekṣitam eva tu //

Von Empfindung und Lächeln getragene Rede, ein anmutig-kokettes Gehen und erst recht ihre Seitenblicke – all das gehört übermäßig den Stadtfrauen.

Wort für Wort
bhāvagarbhasmitaṃ vākyaṃ
von Empfindung und Lächeln getragene Rede
vilāsalalitā gatiḥ
ein anmutig-kokettes Gehen
nāgarīṇām atīvaitat
all das gehört übermäßig den Stadtfrauen
kaṭākṣekṣitam eva tu
und erst recht ihre Seitenblicke

grāmyo harir ayaṃ tāsāṃ vilāsanigaḍair yataḥ / bhavatīnāṃ punaḥ pārśvaṃ kayā yuktyā sameṣyati //

Da dieser ländliche Hari von ihren Fesseln des Liebreizes [gebunden sein wird], mit welchem Mittel wird er wieder an eure Seite kommen?

Wort für Wort
grāmyo harir ayaṃ
dieser ländliche Hari
tāsāṃ vilāsanigaḍair yataḥ
da er von ihren Fesseln des Liebreizes [gebunden sein wird]
bhavatīnāṃ punaḥ pārśvaṃ
wieder an eure Seite
kayā yuktyā sameṣyati
mit welchem Mittel wird er kommen

eṣo hi ratham āruhya mathurāṃ yāti keśavaḥ / akrūrakrūrakeṇāpi hatāśena pratāritaḥ //

Denn dieser Keśava, den Wagen besteigend, zieht nach Mathurā – getäuscht von diesem 'Nicht-Grausamen', der doch grausam ist, diesem elenden Nichtsnutz.

Wort für Wort
eṣo hi ratham āruhya
denn dieser, den Wagen besteigend
mathurāṃ yāti keśavaḥ
zieht Keśava nach Mathurā
akrūrakrūrakeṇāpi
getäuscht von diesem 'Nicht-Grausamen', der doch grausam ist
hatāśena pratāritaḥ
von diesem elenden Nichtsnutz

[Anm.: Wortspiel mit dem Namen Akrūra ('der Nicht-Grausame'), dem die Gopīs hier grausames Verhalten vorwerfen.]

kiṃ na vetti nṛśaṃso 'yam anurāgaparaṃ janam / yenemam akṣarāhlādaṃ nayaty anyatra no harim //

Weiß dieser Grausame nicht um [uns], ein Volk voller Zuneigung – er, durch den unser Hari, diese unvergängliche Freude, anderswohin geführt wird?

Wort für Wort
kiṃ na vetti nṛśaṃso 'yam
weiß dieser Grausame nicht
anurāgaparaṃ janam
um [uns], ein Volk voller Zuneigung
yenemam akṣarāhlādaṃ
durch den diese unvergängliche Freude
nayaty anyatra no harim
unser Hari anderswohin geführt wird

eṣa rāmeṇa sahitaḥ prayāty atyantanirghṛṇaḥ / ratham āruhya govindas tvaryatām asya vāraṇe //

Dieser, zusammen mit Rāma, gänzlich mitleidlos, zieht fort – Govinda hat den Wagen bestiegen; eilt, ihn aufzuhalten!

Wort für Wort
eṣa rāmeṇa sahitaḥ prayāty
dieser, zusammen mit Rāma, zieht fort
atyantanirghṛṇaḥ
gänzlich mitleidlos
ratham āruhya govindas
Govinda hat den Wagen bestiegen
tvaryatām asya vāraṇe
eilt, ihn aufzuhalten

gurūṇām agrato vaktuṃ kiṃ bravīṣi na naḥ kṣamam / guravaḥ kiṃ kariṣyanti dagdhānāṃ virahāgninā //

Warum sagst du, es gezieme uns nicht, vor den Älteren zu sprechen? Was werden die Älteren für uns tun, die wir vom Feuer der Trennung verbrannt werden?

Wort für Wort
gurūṇām agrato vaktuṃ
vor den Älteren zu sprechen
kiṃ bravīṣi na naḥ kṣamam
warum sagst du, es gezieme uns nicht
guravaḥ kiṃ kariṣyanti
was werden die Älteren tun
dagdhānāṃ virahāgninā
für uns, die wir vom Feuer der Trennung verbrannt werden

nandagopamukhā gopā gantum ete samudyatāḥ / nodyamaṃ kurute kaścid govindavinivartane //

Diese Kuhhirten, angeführt von Nanda-gopa, sind bereit mitzugehen; niemand unternimmt eine Anstrengung, Govinda zur Umkehr zu bewegen.

Wort für Wort
nandagopamukhā gopā
diese Kuhhirten, angeführt von Nanda-gopa
gantum ete samudyatāḥ
sind bereit mitzugehen
nodyamaṃ kurute kaścid
niemand unternimmt eine Anstrengung
govindavinivartane
Govinda zur Umkehr zu bewegen

suprabhātādya rajanī mathurāvāsiyoṣitām / yāsām acyutavaktrābje yāti netrālibhogyatām //

Für die in Mathurā wohnenden Frauen ist diese Nacht heute gut angebrochen, für die Acyutas Lotosgesicht zum Genussobjekt der Bienen ihrer Augen wird.

Wort für Wort
suprabhātādya rajanī
gut angebrochen ist diese Nacht heute
mathurāvāsiyoṣitām
für die in Mathurā wohnenden Frauen
yāsām acyutavaktrābje
für die Acyutas Lotosgesicht
yāti netrālibhogyatām
zum Genussobjekt der Bienen ihrer Augen wird

dhanyās te pathi ye kṛṣṇam ito yāntam avāritāḥ / udvahiṣyanti paśyantaḥ svadehaṃ pulakāñcitam //

Glücklich sind jene, die auf dem Weg, ungehindert Kṛṣṇa von hier fortziehen sehend, ihren eigenen, von Gänsehaut bedeckten Leib tragen werden.

Wort für Wort
dhanyās te pathi
glücklich sind jene auf dem Weg
ye kṛṣṇam ito yāntam avāritāḥ
die, ungehindert, Kṛṣṇa von hier fortziehen
udvahiṣyanti paśyantaḥ
sehend, tragen werden
svadehaṃ pulakāñcitam
ihren eigenen, von Gänsehaut bedeckten Leib

mathurānagarīpaura-nayanānāṃ mahotsavaḥ / govindavadanālokād atīvādya bhaviṣyati //

Ein großes Fest für die Augen der Bürger der Stadt Mathurā wird heute allein durch den Anblick von Govindas Antlitz entstehen.

Wort für Wort
mathurānagarīpaura-nayanānāṃ
für die Augen der Bürger der Stadt Mathurā
mahotsavaḥ
ein großes Fest
govindavadanālokād
allein durch den Anblick von Govindas Antlitz
atīvādya bhaviṣyati
wird heute übermäßig entstehen

ko nu svapnaḥ sabhāgyābhir dṛṣṭas tābhir adhokṣajam / vistārikāntanayanā yā drakṣyanty anivāritam //

Was für ein Traum [wird es sein] für jene Glückhaften, die, mit geweiteten, lieblichen Augen, den Transzendenten ungehindert erblicken werden!

Wort für Wort
ko nu svapnaḥ sabhāgyābhir dṛṣṭas
was für ein Traum, gesehen von jenen Glückhaften
tābhir adhokṣajam
durch sie, den Transzendenten
vistārikāntanayanā
mit geweiteten, lieblichen Augen
yā drakṣyanty anivāritam
die [ihn] ungehindert erblicken werden

aho gopījanasyāsya darśayitvā mahānidhim / uddhṛtāny adya netrāṇi vidhātrākaruṇātmanā //

Ach! Nachdem es dieser unserer Schar von Gopīs den großen Schatz gezeigt hat, sind uns heute von dem mitleidlosen Schicksal die Augen ausgerissen worden!

Wort für Wort
aho gopījanasyāsya
ach! dieser unserer Schar von Gopīs
darśayitvā mahānidhim
nachdem es den großen Schatz gezeigt hat
uddhṛtāny adya netrāṇi
sind uns heute die Augen ausgerissen worden
vidhātrākaruṇātmanā
von dem mitleidlosen Schicksal

anurāgeṇa śaithilyam asmāsu vrajato hareḥ / śaithilyam upayānty āśu kareṣu valayāny api //

Während Hari, [der uns solche] Liebe [erwies], fortzieht, kommt Schlaffheit über uns; rasch werden auch die Reifen an unseren Händen locker.

Wort für Wort
anurāgeṇa śaithilyam asmāsu
Schlaffheit kommt über uns
vrajato hareḥ
während Hari, [der uns solche Liebe erwies], fortzieht
śaithilyam upayānty āśu
rasch werden locker
kareṣu valayāny api
auch die Reifen an unseren Händen

akrūraḥ krūrahṛdayaḥ śīghraṃ prerayate hayān / evam ārtāsu yoṣitsu ghṛṇā kasya na jāyate //

Akrūra, hartherzig, treibt rasch die Pferde an – wenn wir Frauen so leiden, in wem entstände da nicht Mitleid?

Wort für Wort
akrūraḥ krūrahṛdayaḥ
Akrūra, hartherzig
śīghraṃ prerayate hayān
treibt rasch die Pferde an
evam ārtāsu yoṣitsu
wenn wir Frauen so leiden
ghṛṇā kasya na jāyate
in wem entstände da nicht Mitleid

he he kṛṣṇa rathasyoccaiś cakrareṇur nirīkṣyatām / dūrīkṛto harir yena so 'pi reṇur na lakṣyate //

O, o Kṛṣṇa! Seht den hoch aufsteigenden Staub des Wagenrades, durch den Hari fortgeführt wurde – schon ist auch dieser Staub nicht mehr zu sehen!

Wort für Wort
he he kṛṣṇa
o, o Kṛṣṇa
rathasyoccaiś cakrareṇur nirīkṣyatām
seht den hoch aufsteigenden Staub des Wagenrades
dūrīkṛto harir yena
durch den Hari fortgeführt wurde
so 'pi reṇur na lakṣyate
schon ist auch dieser Staub nicht mehr zu sehen

ity evam atihārdena gopījananirīkṣitaḥ / tatyāja vrajabhūbhāgaṃ saha rāmeṇa keśavaḥ //

Vyāsa sprach: So, mit solch großer Zuneigung von der Schar der Gopīs betrachtet, verließ Keśava, zusammen mit Rāma, das Gebiet von Vraja.

Wort für Wort
ity evam atihārdena
so, mit solch großer Zuneigung
gopījananirīkṣitaḥ
von der Schar der Gopīs betrachtet
tatyāja vrajabhūbhāgaṃ
verließ er das Gebiet von Vraja
saha rāmeṇa keśavaḥ
Keśava, zusammen mit Rāma

gacchanto javanāśvena rathena yamunātaṭam / prāptā madhyāhnasamaye rāmākrūrajanārdanāḥ //

Mit dem von schnellen Pferden gezogenen Wagen fahrend, erreichten Rāma, Akrūra und Janārdana zur Mittagszeit das Ufer der Yamunā.

Wort für Wort
gacchanto javanāśvena rathena
mit dem von schnellen Pferden gezogenen Wagen fahrend
yamunātaṭam
zum Ufer der Yamunā
prāptā madhyāhnasamaye
erreichten sie zur Mittagszeit
rāmākrūrajanārdanāḥ
Rāma, Akrūra und Janārdana

athāha kṛṣṇam akrūro bhavadbhyāṃ tāvad āsyatām / yāvat karomi kālindyām āhnikārhaṇam ambhasi //

Da sprach Akrūra zu Kṛṣṇa: Möget ihr beide hier verweilen, während ich in der Kālindī die tägliche Wasserverehrung vollziehe.

Wort für Wort
athāha kṛṣṇam akrūro
da sprach Akrūra zu Kṛṣṇa
bhavadbhyāṃ tāvad āsyatām
möget ihr beide hier verweilen
yāvat karomi kālindyām
während ich in der Kālindī vollziehe
āhnikārhaṇam ambhasi
die tägliche Wasserverehrung

tathety ukte tataḥ snātaḥ svācāntaḥ sa mahāmatiḥ / dadhyau brahma paraṃ viprāḥ praviśya yamunājale //

Nachdem [Kṛṣṇa] 'so sei es' gesagt hatte, sann jener Großgesinnte, nachdem er gebadet und sich rituell gereinigt hatte, o Weise, im Wasser der Yamunā über das höchste Brahman nach.

Wort für Wort
tathety ukte
nachdem [Kṛṣṇa] 'so sei es' gesagt hatte
tataḥ snātaḥ svācāntaḥ sa mahāmatiḥ
nachdem jener Großgesinnte gebadet und sich gereinigt hatte
dadhyau brahma paraṃ viprāḥ
sann er über das höchste Brahman nach, o Weise
praviśya yamunājale
nachdem er in das Wasser der Yamunā eingetaucht war

phaṇāsahasramālāḍhyaṃ balabhadraṃ dadarśa saḥ / kundāmalāṅgam unnidra-padmapattrāyatekṣaṇam //

Er sah Balabhadra, geschmückt mit einem Kranz aus tausend Schlangenhäuptern, seine Glieder makellos weiß wie Jasmin, mit langen Augen wie die Blätter eines aufblühenden Lotos,

Wort für Wort
phaṇāsahasramālāḍhyaṃ
geschmückt mit einem Kranz aus tausend Schlangenhäuptern
balabhadraṃ dadarśa saḥ
sah er Balabhadra
kundāmalāṅgam
seine Glieder makellos weiß wie Jasmin
unnidra-padmapattrāyatekṣaṇam
mit langen Augen wie die Blätter eines aufblühenden Lotos

vṛtaṃ vāsukiḍimbhaughair mahadbhiḥ pavanāśibhiḥ / saṃstūyamānam udgandhi-vanamālāvibhūṣitam //

umgeben von Scharen großer, nur von Luft lebender Nachkommen Vāsukis, gepriesen, geschmückt mit einem duftenden Waldblumenkranz,

Wort für Wort
vṛtaṃ vāsukiḍimbhaughair
umgeben von Scharen von Nachkommen Vāsukis
mahadbhiḥ pavanāśibhiḥ
großen, nur von Luft lebenden
saṃstūyamānam
gepriesen
udgandhi-vanamālāvibhūṣitam
geschmückt mit einem duftenden Waldblumenkranz

dadhānam asite vastre cārurūpāvataṃsakam / cārukuṇḍalinaṃ mattam antarjalatale sthitam //

zwei dunkle Gewänder tragend, mit schönem Ohrschmuck und schönen Ohrringen, berauscht, im Innern der Wasserfläche befindlich.

Wort für Wort
dadhānam asite vastre
zwei dunkle Gewänder tragend
cārurūpāvataṃsakam
mit schönem Ohrschmuck
cārukuṇḍalinaṃ mattam
mit schönen Ohrringen, berauscht
antarjalatale sthitam
im Innern der Wasserfläche befindlich

tasyotsaṅge ghanaśyāmam ātāmrāyatalocanam / caturbāhum udārāṅgaṃ cakrādyāyudhabhūṣaṇam //

In dessen Schoß [sah er einen,] dunkel wie eine Regenwolke, mit langen, rötlichen Augen, vierarmig, von edler Gestalt, mit dem Diskus und anderen Waffen geschmückt,

Wort für Wort
tasyotsaṅge ghanaśyāmam
in dessen Schoß, dunkel wie eine Regenwolke
ātāmrāyatalocanam
mit langen, rötlichen Augen
caturbāhum udārāṅgaṃ
vierarmig, von edler Gestalt
cakrādyāyudhabhūṣaṇam
mit dem Diskus und anderen Waffen geschmückt

pīte vasānaṃ vasane citramālyavibhūṣitam / śakracāpataḍinmālā-vicitram iva toyadam //

zwei gelbe Gewänder tragend, mit buntem Blumenkranz geschmückt, wie eine Regenwolke, geschmückt mit Indras Bogen [dem Regenbogen] und einem Blitzkranz,

Wort für Wort
pīte vasānaṃ vasane
zwei gelbe Gewänder tragend
citramālyavibhūṣitam
mit buntem Blumenkranz geschmückt
śakracāpataḍinmālā-vicitram
geschmückt mit Indras Bogen und einem Blitzkranz
iva toyadam
wie eine Regenwolke

śrīvatsavakṣasaṃ cāru-keyūramukuṭojjvalam / dadarśa kṛṣṇam akliṣṭaṃ puṇḍarīkāvataṃsakam //

mit dem Śrīvatsa-Zeichen auf der Brust, strahlend durch schöne Armreifen und Krone – er sah [diese Gestalt] des mühelosen Kṛṣṇa, mit einer Lotosblüte als Ohrschmuck,

Wort für Wort
śrīvatsavakṣasaṃ
mit dem Śrīvatsa-Zeichen auf der Brust
cāru-keyūramukuṭojjvalam
strahlend durch schöne Armreifen und Krone
dadarśa kṛṣṇam akliṣṭaṃ
er sah [diese Gestalt] des mühelosen Kṛṣṇa
puṇḍarīkāvataṃsakam
mit einer Lotosblüte als Ohrschmuck

sanandanādyair munibhiḥ siddhayogair akalmaṣaiḥ / saṃcintyamānaṃ manasā nāsāgranyastalocanaiḥ //

von Weisen wie Sanandana und anderen, im Yoga vollendet und makellos, im Geiste betrachtet, deren Augen auf die Nasenspitze gerichtet waren.

Wort für Wort
sanandanādyair munibhiḥ
von Weisen wie Sanandana und anderen
siddhayogair akalmaṣaiḥ
im Yoga vollendet und makellos
saṃcintyamānaṃ manasā
im Geiste betrachtet
nāsāgranyastalocanaiḥ
deren Augen auf die Nasenspitze gerichtet waren

balakṛṣṇau tadākrūraḥ pratyabhijñāya vismitaḥ / acintayad atho śīghraṃ katham atrāgatāv iti //

Akrūra, Bala und Kṛṣṇa da wiedererkennend, erstaunt, dachte dann rasch: 'Wie sind [diese beiden] hierher gekommen?'

Wort für Wort
balakṛṣṇau tadākrūraḥ pratyabhijñāya
Akrūra, Bala und Kṛṣṇa wiedererkennend
vismitaḥ
erstaunt
acintayad atho śīghraṃ
dachte er dann rasch
katham atrāgatāv iti
'wie sind [diese beiden] hierher gekommen?'

vivakṣoḥ stambhayām āsa vācaṃ tasya janārdanaḥ / tato niṣkramya salilād ratham abhyāgataḥ punaḥ //

Janārdana hemmte die Sprache dessen, der [gerade] sprechen wollte; darauf tauchte er aus dem Wasser auf und kehrte wieder zum Wagen zurück,

Wort für Wort
vivakṣoḥ stambhayām āsa vācaṃ tasya
er hemmte die Sprache dessen, der sprechen wollte
janārdanaḥ
Janārdana
tato niṣkramya salilād
darauf, aus dem Wasser auftauchend
ratham abhyāgataḥ punaḥ
kehrte er wieder zum Wagen zurück

dadarśa tatra caivobhau rathasyopari saṃsthitau / rāmakṛṣṇau yathā pūrvaṃ manuṣyavapuṣānvitau //

und sah dort beide, Rāma und Kṛṣṇa, oben auf dem Wagen sitzend, wie zuvor, mit Menschengestalt versehen.

Wort für Wort
dadarśa tatra caivobhau
und sah dort beide
rathasyopari saṃsthitau
oben auf dem Wagen sitzend
rāmakṛṣṇau yathā pūrvaṃ
Rāma und Kṛṣṇa, wie zuvor
manuṣyavapuṣānvitau
mit Menschengestalt versehen

nimagnaś ca punas toye dadṛśe sa tathaiva tau / saṃstūyamānau gandharvair munisiddhamahoragaiḥ //

Und wieder ins Wasser eingetaucht, sah er jene beiden ebenso [in Göttergestalt wieder], gepriesen von Gandharven, Weisen, Siddhas und großen Schlangen.

Wort für Wort
nimagnaś ca punas toye
und wieder ins Wasser eingetaucht
dadṛśe sa tathaiva tau
sah er jene beiden ebenso
saṃstūyamānau
gepriesen
gandharvair munisiddhamahoragaiḥ
von Gandharven, Weisen, Siddhas und großen Schlangen

tato vijñātasadbhāvaḥ sa tu dānapatis tadā / tuṣṭāva sarvavijñāna-mayam acyutam īśvaram //

Da nun, ihr wahres Wesen erkannt habend, pries jener Herr der Freigebigkeit den unvergänglichen Herrn, der aus allem Wissen besteht.

Wort für Wort
tato vijñātasadbhāvaḥ
da, ihr wahres Wesen erkannt habend
sa tu dānapatis tadā
jener Herr der Freigebigkeit da
tuṣṭāva
pries er
sarvavijñāna-mayam acyutam īśvaram
den unvergänglichen Herrn, der aus allem Wissen besteht

tanmātrarūpiṇe 'cintya-mahimne paramātmane / vyāpine naikarūpaika-svarūpāya namo namaḥ //

Akrūra sprach: Dem, dessen Gestalt aus den subtilen Elementen besteht, von unfassbarer Größe, dem höchsten Selbst, dem Alldurchdringenden, dessen eines wahres Wesen in vielfachen Gestalten [erscheint] – Verehrung, Verehrung!

Wort für Wort
tanmātrarūpiṇe
dem, dessen Gestalt aus den subtilen Elementen besteht
'cintya-mahimne paramātmane
von unfassbarer Größe, dem höchsten Selbst
vyāpine
dem Alldurchdringenden
naikarūpaika-svarūpāya namo namaḥ
dessen eines wahres Wesen in vielfachen Gestalten [erscheint], Verehrung, Verehrung

śabdarūpāya te 'cintya-havirbhūtāya te namaḥ / namo vijñānarūpāya parāya prakṛteḥ prabho //

Dir, dessen Gestalt der Klang ist, Verehrung; dir, der du zur unfassbaren Opfergabe geworden bist, Verehrung; Verehrung dir, dessen Gestalt die Erkenntnis ist, o Herr, der du jenseits der Urmaterie bist.

Wort für Wort
śabdarūpāya te
dir, dessen Gestalt der Klang ist
'cintya-havirbhūtāya te namaḥ
dir, der du zur unfassbaren Opfergabe geworden bist, Verehrung
namo vijñānarūpāya
Verehrung dir, dessen Gestalt die Erkenntnis ist
parāya prakṛteḥ prabho
o Herr, der du jenseits der Urmaterie bist

bhūtātmā cendriyātmā ca pradhānātmā tathā bhavān / ātmā ca paramātmā ca tvam ekaḥ pañcadhā sthitaḥ //

Du bist das Selbst der Elemente, das Selbst der Sinne, und ebenso das Selbst der Urmaterie, das [individuelle] Selbst und das höchste Selbst – du, obwohl einer, stehst in fünffacher Gestalt.

Wort für Wort
bhūtātmā cendriyātmā ca
das Selbst der Elemente und das Selbst der Sinne
pradhānātmā tathā bhavān
und ebenso bist du das Selbst der Urmaterie
ātmā ca paramātmā ca
das [individuelle] Selbst und das höchste Selbst
tvam ekaḥ pañcadhā sthitaḥ
du, obwohl einer, stehst in fünffacher Gestalt

prasīda sarvadharmātman kṣarākṣara maheśvara / brahmaviṣṇuśivādyābhiḥ kalpanābhir udīritaḥ //

Sei gnädig, o Selbst allen Dharma, o Vergänglicher und Unvergänglicher, großer Herr, der du durch Vorstellungen wie Brahmā, Viṣṇu, Śiva und andere bezeichnet wirst.

Wort für Wort
prasīda sarvadharmātman
sei gnädig, o Selbst allen Dharma
kṣarākṣara maheśvara
o Vergänglicher und Unvergänglicher, großer Herr
brahmaviṣṇuśivādyābhiḥ
durch [Vorstellungen wie] Brahmā, Viṣṇu, Śiva und andere
kalpanābhir udīritaḥ
durch [solche] Vorstellungen wirst du bezeichnet

anākhyeyasvarūpātmann anākhyeyaprayojana / anākhyeyābhidhāna tvāṃ nato 'smi parameśvaram //

O du, dessen wahres Wesen unbeschreiblich ist, dessen Zweck unbeschreiblich ist, dessen Name unbeschreiblich ist – dir, dem höchsten Herrn, bin ich zugeneigt.

Wort für Wort
anākhyeyasvarūpātmann
o du, dessen wahres Wesen unbeschreiblich ist
anākhyeyaprayojana
dessen Zweck unbeschreiblich ist
anākhyeyābhidhāna
dessen Name unbeschreiblich ist
tvāṃ nato 'smi parameśvaram
dir, dem höchsten Herrn, bin ich zugeneigt

na yatra nātha vidyante nāmajātyādikalpanāḥ / tad brahma paramaṃ nityam avikāri bhavān ajaḥ //

Wo, o Herr, Vorstellungen wie Name, Gattung und dergleichen nicht existieren, jenes höchste, ewige, unveränderliche Brahman bist du, der Ungeborene.

Wort für Wort
na yatra nātha vidyante
wo, o Herr, nicht existieren
nāmajātyādikalpanāḥ
Vorstellungen wie Name, Gattung und dergleichen
tad brahma paramaṃ nityam
jenes höchste, ewige Brahman
avikāri bhavān ajaḥ
bist du, der unveränderliche, Ungeborene

na kalpanām ṛte 'rthasya sarvasyādhigamo yataḥ / tataḥ kṛṣṇācyutānanta viṣṇusaṃjñābhir īḍyase //

Da es ohne begriffliche Bestimmung keine Erfassung irgendeiner Sache gibt, wirst du deshalb mit den Namen 'Kṛṣṇa', 'Acyuta', 'Ananta' und 'Viṣṇu' gepriesen.

Wort für Wort
na kalpanām ṛte
ohne begriffliche Bestimmung
'rthasya sarvasyādhigamo yataḥ
da es keine Erfassung irgendeiner Sache gibt
tataḥ kṛṣṇācyutānanta
deshalb, o Kṛṣṇa, Acyuta, Ananta
viṣṇusaṃjñābhir īḍyase
wirst du mit den Namen 'Viṣṇu' [u.a.] gepriesen

sarvātmaṃs tvam aja vikalpanābhir etair / devās tvaṃ jagad akhilaṃ tvam eva viśvam / viśvātmaṃs tvam ativikārabhedahīnaḥ / sarvasmin nahi bhavato 'sti kiṃcid anyat //

O Selbst von allem, o Ungeborener, durch diese Unterscheidungen [benannt] bist du die Götter, du allein bist die ganze Welt, das Weltall; o Selbst des Weltalls, gänzlich frei von Wandel und Unterschied – in allem gibt es außer dir überhaupt nichts anderes.

Wort für Wort
sarvātmaṃs tvam aja
o Selbst von allem, o Ungeborener
vikalpanābhir etair
durch diese Unterscheidungen [benannt]
devās tvaṃ jagad akhilaṃ tvam eva viśvam
bist du die Götter, du allein bist die ganze Welt, das Weltall
viśvātmaṃs tvam ativikārabhedahīnaḥ
o Selbst des Weltalls, gänzlich frei von Wandel und Unterschied
sarvasmin nahi bhavato 'sti kiṃcid anyat
in allem gibt es außer dir überhaupt nichts anderes

tvaṃ brahmā paśupatir aryamā vidhātā / tvaṃ dhātā tridaśapatiḥ samīraṇo 'gniḥ / toyeśo dhanapatir antakas tvam eko / bhinnātmā jagad api pāsi śaktibhedaiḥ //

Du bist Brahmā, Paśupati, Aryaman, Vidhātṛ; du bist Dhātṛ, der Herr der dreißig [Götter], Wind, Feuer, der Herr der Gewässer, der Herr des Reichtums, der Tod – du, der Eine, magst [scheinbar] geteilten Wesens sein, doch behütest du die Welt auch durch deine unterschiedlichen Kräfte.

Wort für Wort
tvaṃ brahmā paśupatir aryamā vidhātā
du bist Brahmā, Paśupati, Aryaman, Vidhātṛ
tvaṃ dhātā tridaśapatiḥ samīraṇo 'gniḥ
du bist Dhātṛ, der Herr der dreißig, Wind, Feuer
toyeśo dhanapatir antakas tvam eko
der Herr der Gewässer, der Herr des Reichtums, der Tod – du, der Eine
bhinnātmā jagad api pāsi śaktibhedaiḥ
magst geteilten Wesens sein, doch behütest du die Welt auch durch deine unterschiedlichen Kräfte

viśvaṃ bhavān sṛjati hanti gabhastirūpo / viśvaṃ ca te guṇamayo 'yam aja prapañcaḥ / rūpaṃ paraṃ saditivācakam akṣaraṃ yaj / jñānātmane sadasate praṇato 'smi tasmai //

In strahlender Gestalt erschaffst und vernichtest du das Weltall; und diese ganze entfaltete Welt, o Ungeborener, ist aus deinen Eigenschaften gemacht und gehört dir; und [es gibt] die höchste, unvergängliche Gestalt, die 'Sat' [das Sein] ausdrückt – ihm, dessen Wesen Erkenntnis ist, [der zugleich] Sein und Nichtsein ist, ihm bin ich zugeneigt.

Wort für Wort
viśvaṃ bhavān sṛjati hanti gabhastirūpo
in strahlender Gestalt erschaffst und vernichtest du das Weltall
viśvaṃ ca te guṇamayo 'yam aja prapañcaḥ
und diese ganze entfaltete Welt, o Ungeborener, ist aus deinen Eigenschaften gemacht
rūpaṃ paraṃ saditivācakam akṣaraṃ yaj
und [es gibt] die höchste, unvergängliche Gestalt, die 'Sat' ausdrückt
jñānātmane sadasate praṇato 'smi tasmai
ihm, dessen Wesen Erkenntnis ist, [der] Sein und Nichtsein ist, bin ich zugeneigt

oṃ namo vāsudevāya namaḥ saṃkarṣaṇāya ca / pradyumnāya namas tubhyam aniruddhāya te namaḥ //

Oṃ, Verehrung Vāsudeva, Verehrung Saṃkarṣaṇa, Verehrung dir, Pradyumna, Verehrung dir, Aniruddha!

Wort für Wort
oṃ namo vāsudevāya
Oṃ, Verehrung Vāsudeva
namaḥ saṃkarṣaṇāya ca
Verehrung Saṃkarṣaṇa
pradyumnāya namas tubhyam
Verehrung dir, Pradyumna
aniruddhāya te namaḥ
Verehrung dir, Aniruddha

[Anm.: die Vyūha-Formel der Pāñcarātra-Theologie (Vāsudeva-Saṃkarṣaṇa-Pradyumna-Aniruddha), vgl. Kap.180.]

evam antar jale kṛṣṇam abhiṣṭūya sa yādavaḥ / arghayām āsa sarveśaṃ dhūpapuṣpair manomayaiḥ //

Vyāsa sprach: So Kṛṣṇa im Innern des Wassers preisend, brachte jener Yādava dem Herrn von allem mit im Geiste [dargebrachtem] Räucherwerk und Blumen Ehrengaben dar.

Wort für Wort
evam antar jale kṛṣṇam abhiṣṭūya
so Kṛṣṇa im Innern des Wassers preisend
sa yādavaḥ
jener Yādava
arghayām āsa sarveśaṃ
brachte dem Herrn von allem Ehrengaben dar
dhūpapuṣpair manomayaiḥ
mit im Geiste [dargebrachtem] Räucherwerk und Blumen

parityajyānyaviṣayaṃ manas tatra niveśya saḥ / brahmabhūte ciraṃ sthitvā virarāma samādhitaḥ //

Nachdem er jeden anderen Gegenstand aufgegeben und seinen Sinn dorthin gerichtet hatte, verharrte er lange im Zustand, mit Brahman eins geworden zu sein, und kam dann, versunken, zur Ruhe.

Wort für Wort
parityajyānyaviṣayaṃ
nachdem er jeden anderen Gegenstand aufgegeben hatte
manas tatra niveśya saḥ
und seinen Sinn dorthin gerichtet hatte
brahmabhūte ciraṃ sthitvā
verharrte er lange im Zustand, mit Brahman eins geworden zu sein
virarāma samādhitaḥ
und kam dann, versunken, zur Ruhe

kṛtakṛtyam ivātmānaṃ manyamāno dvijottamāḥ / ājagāma rathaṃ bhūyo nirgamya yamunāmbhasaḥ //

Sich selbst gleichsam als einen, dessen Aufgabe erfüllt war, betrachtend, o Beste der Zweifachgeborenen, kam er, aus dem Wasser der Yamunā auftauchend, wieder zum Wagen.

Wort für Wort
kṛtakṛtyam ivātmānaṃ manyamāno
sich selbst gleichsam als einen, dessen Aufgabe erfüllt war, betrachtend
dvijottamāḥ
o Beste der Zweifachgeborenen
ājagāma rathaṃ bhūyo
kam er wieder zum Wagen
nirgamya yamunāmbhasaḥ
aus dem Wasser der Yamunā auftauchend

rāmakṛṣṇau dadarśātha yathāpūrvam avasthitau / vismitākṣaṃ tadākrūraṃ taṃ ca kṛṣṇo 'bhyabhāṣata //

Er sah dann Rāma und Kṛṣṇa, wie zuvor sitzend, und Kṛṣṇa sprach jenen erstaunten Akrūra an.

Wort für Wort
rāmakṛṣṇau dadarśātha
er sah dann Rāma und Kṛṣṇa
yathāpūrvam avasthitau
wie zuvor sitzend
vismitākṣaṃ tadākrūraṃ
jenen erstaunten Akrūra
taṃ ca kṛṣṇo 'bhyabhāṣata
und Kṛṣṇa sprach ihn an

kiṃ tvayā dṛṣṭam āścaryam akrūra yamunājale / vismayotphullanayano bhavān saṃlakṣyate yataḥ //

Śrī Kṛṣṇa sprach: Was hast du für ein Wunder gesehen, Akrūra, im Wasser der Yamunā, da du mit vor Staunen weit geöffneten Augen erscheinst?

Wort für Wort
kiṃ tvayā dṛṣṭam āścaryam
was hast du für ein Wunder gesehen
akrūra yamunājale
Akrūra, im Wasser der Yamunā
vismayotphullanayano
mit vor Staunen weit geöffneten Augen
bhavān saṃlakṣyate yataḥ
da du erscheinst

antar jale yad āścaryaṃ dṛṣṭaṃ tatra mayācyuta / tad atraiva hi paśyāmi mūrtimat purataḥ sthitam //

Akrūra sprach: Was ich im Innern des Wassers dort für ein Wunder gesehen habe, o Acyuta, das sehe ich eben hier ebenfalls, verkörpert, vor mir stehend.

Wort für Wort
antar jale yad āścaryaṃ
was für ein Wunder im Innern des Wassers
dṛṣṭaṃ tatra mayācyuta
dort von mir gesehen wurde, o Acyuta
tad atraiva hi paśyāmi
das sehe ich eben hier ebenfalls
mūrtimat purataḥ sthitam
verkörpert, vor mir stehend

jagad etan mahāścarya-rūpaṃ yasya mahātmanaḥ / tenāścaryapareṇāhaṃ bhavatā kṛṣṇa saṃgataḥ //

Von dem Großgesinnten, dessen Gestalt diese Welt des großen Wunders ist – von ihm, dem Wunder gewidmeten, von dir, o Kṛṣṇa, bin ich erreicht worden.

Wort für Wort
jagad etan mahāścarya-rūpaṃ
diese Welt des großen Wunders ist [seine] Gestalt
yasya mahātmanaḥ
von dem Großgesinnten
tenāścaryapareṇāhaṃ
von ihm, dem Wunder gewidmeten, bin ich
bhavatā kṛṣṇa saṃgataḥ
von dir, o Kṛṣṇa, erreicht worden

tat kim etena mathurāṃ prayāmo madhusūdana / bibhemi kaṃsād dhig janma parapiṇḍopajīvinaḥ //

Was soll [diese Verzögerung] also noch – lass uns nach Mathurā gehen, o Madhusūdana; ich fürchte Kaṃsa – Schande über das Leben dessen, der von fremdem Brot lebt!

Wort für Wort
tat kim etena
was soll [diese Verzögerung] noch
mathurāṃ prayāmo madhusūdana
lass uns nach Mathurā gehen, o Madhusūdana
bibhemi kaṃsād
ich fürchte Kaṃsa
dhig janma parapiṇḍopajīvinaḥ
Schande über das Leben dessen, der von fremdem Brot lebt

ity uktvā codayām āsa tān hayān vātaraṃhasaḥ / saṃprāptaś cāpi sāyāhne so 'krūro mathurāṃ purīm / vilokya mathurāṃ kṛṣṇaṃ rāmaṃ cāha sa yādavaḥ //

Vyāsa sprach: Nach diesen Worten trieb er jene windschnellen Pferde an; und als jener Akrūra am Abend die Stadt Mathurā erreicht hatte, sprach jener Yādava, Mathurā erblickend, zu Kṛṣṇa und Rāma.

Wort für Wort
ity uktvā codayām āsa
nach diesen Worten trieb er an
tān hayān vātaraṃhasaḥ
jene windschnellen Pferde
saṃprāptaś cāpi sāyāhne so 'krūro mathurāṃ purīm
und als Akrūra am Abend die Stadt Mathurā erreicht hatte
vilokya mathurāṃ kṛṣṇaṃ rāmaṃ cāha sa yādavaḥ
sprach jener Yādava, Mathurā erblickend, zu Kṛṣṇa und Rāma

[Anm.: Dreizeiliger Vers.]

padbhyāṃ yātaṃ mahāvīryau rathenaiko viśāmy aham / gantavyaṃ vasudevasya no bhavadbhyāṃ tathā gṛhe / yuvayor hi kṛte vṛddhaḥ kaṃsena sa nirasyate //

Akrūra sprach: Geht zu Fuß, ihr beiden von großer Heldenkraft, ich allein werde mit dem Wagen einfahren; und ihr beide dürft auch nicht zu Vasudevas Haus gehen, denn um euretwillen wurde jener Alte von Kaṃsa verstoßen.

Wort für Wort
padbhyāṃ yātaṃ mahāvīryau
geht zu Fuß, ihr beiden von großer Heldenkraft
rathenaiko viśāmy aham
ich allein werde mit dem Wagen einfahren
gantavyaṃ vasudevasya no bhavadbhyāṃ tathā gṛhe
und ihr beide dürft auch nicht zu Vasudevas Haus gehen
yuvayor hi kṛte vṛddhaḥ kaṃsena sa nirasyate
denn um euretwillen wurde jener Alte von Kaṃsa verstoßen

[Anm.: Dreizeiliger Vers.]

ity uktvā praviveśāsāv akrūro mathurāṃ purīm / praviṣṭau rāmakṛṣṇau ca rājamārgam upāgatau //

Vyāsa sprach: Nach diesen Worten betrat jener Akrūra die Stadt Mathurā; und Rāma und Kṛṣṇa betraten sie ebenfalls und gelangten auf die königliche Straße.

Wort für Wort
ity uktvā praviveśāsāv akrūro mathurāṃ purīm
nach diesen Worten betrat Akrūra die Stadt Mathurā
praviṣṭau rāmakṛṣṇau ca
und Rāma und Kṛṣṇa betraten sie ebenfalls
rājamārgam upāgatau
und gelangten auf die königliche Straße

strībhir naraiś ca sānanda-locanair abhivikṣitau / jagmatur līlayā vīrau prāptau bālagajāv iva //

Von Frauen und Männern mit freudigen Augen betrachtet, gingen die beiden Helden spielerisch dahin, wie zwei angekommene junge Elefanten.

Wort für Wort
strībhir naraiś ca sānanda-locanair abhivikṣitau
von Frauen und Männern mit freudigen Augen betrachtet
jagmatur līlayā vīrau
gingen die beiden Helden spielerisch dahin
prāptau bālagajāv iva
wie zwei angekommene junge Elefanten

bhramamāṇau tu tau dṛṣṭvā rajakaṃ raṅgakārakam / ayācetāṃ svarūpāṇi vāsāṃsi rucirāṇi tau //

Als jene beiden, umherwandelnd, einen Wäscher, einen Färber, erblickten, baten die beiden ihn um schöne, ihrem [wahren] Wesen entsprechende Gewänder.

Wort für Wort
bhramamāṇau tu tau dṛṣṭvā
als jene beiden, umherwandelnd, erblickten
rajakaṃ raṅgakārakam
einen Wäscher, einen Färber
ayācetāṃ svarūpāṇi
baten die beiden um [Gewänder], ihrem [wahren] Wesen entsprechend
vāsāṃsi rucirāṇi tau
um schöne Gewänder, jene beiden

kaṃsasya rajakaḥ so 'tha prasādārūḍhavismayaḥ / bahūny ākṣepavākyāni prāhoccai rāmakeśavau //

Jener Wäscher des Kaṃsa aber, [durch seinen Dienst] in Hochmut versetzt, sprach viele beleidigende Worte laut zu Rāma und Keśava.

Wort für Wort
kaṃsasya rajakaḥ so 'tha
jener Wäscher des Kaṃsa aber
prasādārūḍhavismayaḥ
[durch seinen Dienst] in Hochmut versetzt
bahūny ākṣepavākyāni
viele beleidigende Worte
prāhoccai rāmakeśavau
sprach er laut zu Rāma und Keśava

[?] Genaue Bedeutung von 'prasādārūḍhavismayaḥ' unsicher, sinngemäß als durch den königlichen Dienst genährter Hochmut gedeutet.

tatas talaprahāreṇa kṛṣṇas tasya durātmanaḥ / pātayām āsa kopena rajakasya śiro bhuvi //

Da schlug Kṛṣṇa im Zorn mit einem Handflächenhieb jenem übelgesinnten Wäscher das Haupt zu Boden.

Wort für Wort
tatas talaprahāreṇa
da mit einem Handflächenhieb
kṛṣṇas tasya durātmanaḥ
Kṛṣṇa jenem Übelgesinnten
pātayām āsa kopena
warf im Zorn nieder
rajakasya śiro bhuvi
des Wäschers Haupt zu Boden

hatvādāya ca vastrāṇi pītanīlāmbarau tataḥ / kṛṣṇarāmau mudāyuktau mālākāragṛhaṃ gatau //

Nachdem sie ihn getötet und die Gewänder genommen hatten, gingen Kṛṣṇa und Rāma, nun in gelbe und dunkelblaue Kleider gehüllt, voller Freude zum Haus des Girlandenmachers.

Wort für Wort
hatvādāya ca vastrāṇi
nachdem sie ihn getötet und die Gewänder genommen hatten
pītanīlāmbarau tataḥ
nun in gelbe und dunkelblaue Kleider gehüllt
kṛṣṇarāmau mudāyuktau
gingen Kṛṣṇa und Rāma voller Freude
mālākāragṛhaṃ gatau
zum Haus des Girlandenmachers

vikāsinetrayugalo mālākāro 'tivismitaḥ / etau kasya kuto yātau manasācintayat tataḥ //

Der Girlandenmacher, seine beiden Augen weit geöffnet, überaus erstaunt, dachte dann bei sich: Wessen [Söhne] sind diese beiden, und woher sind sie gekommen?

Wort für Wort
vikāsinetrayugalo mālākāro 'tivismitaḥ
der Girlandenmacher, seine beiden Augen weit geöffnet, überaus erstaunt
etau kasya kuto yātau
wessen [Söhne] sind diese beiden, und woher sind sie gekommen
manasācintayat tataḥ
dachte er dann bei sich

pītanīlāmbaradharau dṛṣṭvātisumanoharau / sa tarkayām āsa tadā bhuvaṃ devāv upāgatau //

Als er sie, in gelbe und dunkelblaue Gewänder gekleidet und überaus bezaubernd, gesehen hatte, vermutete er, zwei Götter seien zur Erde herabgekommen.

Wort für Wort
pītanīlāmbaradharau
in gelbe und dunkelblaue Gewänder gekleidet
dṛṣṭvātisumanoharau
als er sie, überaus bezaubernd, gesehen hatte
sa tarkayām āsa tadā
vermutete er da
bhuvaṃ devāv upāgatau
zwei zur Erde herabgekommene Götter

vikāśimukhapadmābhyāṃ tābhyāṃ puṣpāṇi yācitaḥ / bhuvaṃ viṣṭabhya hastābhyāṃ pasparśa śirasā mahīm //

Von jenen beiden, deren Lotosgesichter erstrahlten, um Blumen gebeten, stützte er sich mit den Händen auf den Boden und berührte mit dem Haupt die Erde.

Wort für Wort
vikāśimukhapadmābhyāṃ tābhyāṃ
von jenen beiden, deren Lotosgesichter erstrahlten
puṣpāṇi yācitaḥ
um Blumen gebeten
bhuvaṃ viṣṭabhya hastābhyāṃ
stützte er sich mit den Händen auf den Boden
pasparśa śirasā mahīm
und berührte mit dem Haupt die Erde

prasādasumukhau nāthau mama geham upāgatau / dhanyo 'ham arcayiṣyāmīty āha tau mālyajīvikaḥ //

Die beiden Herren, ihre Gesichter von Wohlwollen erstrahlend, sind zu meinem Haus gekommen; glücklich bin ich, ich werde [sie] verehren! – so sprach der Girlandenverkäufer zu jenen beiden.

Wort für Wort
prasādasumukhau nāthau
die beiden Herren, ihre Gesichter von Wohlwollen erstrahlend
mama geham upāgatau
sind zu meinem Haus gekommen
dhanyo 'ham arcayiṣyāmīty
glücklich bin ich, ich werde [sie] verehren
āha tau mālyajīvikaḥ
so sprach der Girlandenverkäufer zu jenen beiden

tataḥ prahṛṣṭavadanas tayoḥ puṣpāṇi kāmataḥ / cārūṇy etāni caitāni pradadau sa vilobhayan //

Da gab er, sein Gesicht hoch erfreut, den beiden nach Belieben Blumen, [sagend] diese schönen und auch diese, sie geradezu verlockend anbietend.

Wort für Wort
tataḥ prahṛṣṭavadanas
da, sein Gesicht hoch erfreut
tayoḥ puṣpāṇi kāmataḥ
gab er den beiden nach Belieben Blumen
cārūṇy etāni caitāni
diese schönen und auch diese
pradadau sa vilobhayan
gab er, sie verlockend anbietend

punaḥ punaḥ praṇamyāsau mālākārottamo dadau / puṣpāṇi tābhyāṃ cārūṇi gandhavanty amalāni ca //

Immer wieder sich verneigend, gab jener vortreffliche Girlandenmacher den beiden schöne, duftende und makellose Blumen.

Wort für Wort
punaḥ punaḥ praṇamyāsau
immer wieder sich verneigend
mālākārottamo dadau
gab jener vortreffliche Girlandenmacher
puṣpāṇi tābhyāṃ cārūṇi
den beiden schöne Blumen
gandhavanty amalāni ca
duftende und makellose

mālākārāya kṛṣṇo 'pi prasannaḥ pradadau varam / śrīs tvāṃ matsaṃśrayā bhadra na kadācit tyajiṣyati //

Und Kṛṣṇa, erfreut, gewährte dem Girlandenmacher einen Segen: Śrī, sich auf mich stützend, o Guter, wird dich niemals verlassen.

Wort für Wort
mālākārāya kṛṣṇo 'pi prasannaḥ
und Kṛṣṇa, erfreut, dem Girlandenmacher
pradadau varam
gewährte er einen Segen
śrīs tvāṃ matsaṃśrayā bhadra
Śrī, sich auf mich stützend, o Guter
na kadācit tyajiṣyati
wird dich niemals verlassen

balahānir na te saumya dhanahānir athāpi vā / yāvad dharaṇisūryau ca saṃtatiḥ putrapautrikī //

Weder Verlust an Kraft noch Verlust an Reichtum wird dir widerfahren, o Sanfter, solange Erde und Sonne bestehen, und deine Nachkommenschaft an Söhnen und Enkeln [wird fortbestehen].

Wort für Wort
balahānir na te saumya
weder Verlust an Kraft wird dir widerfahren, o Sanfter
dhanahānir athāpi vā
noch Verlust an Reichtum
yāvad dharaṇisūryau ca
solange Erde und Sonne bestehen
saṃtatiḥ putrapautrikī
wird deine Nachkommenschaft an Söhnen und Enkeln [fortbestehen]

bhuktvā ca vipulān bhogāṃs tvam ante matprasādataḥ / mamānusmaraṇaṃ prāpya divyalokam avāpsyasi //

Und nachdem du reichliche Genüsse genossen hast, wirst du am Ende durch meine Gnade, das Erinnern an mich erlangend, die göttliche Welt erreichen.

Wort für Wort
bhuktvā ca vipulān bhogāṃs
und nachdem du reichliche Genüsse genossen hast
tvam ante matprasādataḥ
wirst du am Ende durch meine Gnade
mamānusmaraṇaṃ prāpya
das Erinnern an mich erlangend
divyalokam avāpsyasi
die göttliche Welt erreichen

dharme manaś ca te bhadra sarvakālaṃ bhaviṣyati / yuṣmatsaṃtatijātānāṃ dīrgham āyur bhaviṣyati //

Und dein Sinn, o Guter, wird zu jeder Zeit auf den Dharma [gerichtet] sein; ein langes Leben wird denen zuteilwerden, die aus deiner Nachkommenschaft geboren werden.

Wort für Wort
dharme manaś ca te bhadra
und dein Sinn, o Guter, wird auf den Dharma [gerichtet sein]
sarvakālaṃ bhaviṣyati
zu jeder Zeit
yuṣmatsaṃtatijātānāṃ
denen, die aus deiner Nachkommenschaft geboren werden
dīrgham āyur bhaviṣyati
wird ein langes Leben zuteilwerden

nopasargādikaṃ doṣaṃ yuṣmatsaṃtatisaṃbhavaḥ / avāpsyati mahābhāga yāvat sūryo bhaviṣyati //

Kein Übel wie Seuche und dergleichen wird deine Nachkommenschaft treffen, o Glückreicher, solange die Sonne bestehen wird.

Wort für Wort
nopasargādikaṃ doṣaṃ
kein Übel wie Seuche und dergleichen
yuṣmatsaṃtatisaṃbhavaḥ
wird deine Nachkommenschaft
avāpsyati mahābhāga
treffen, o Glückreicher
yāvat sūryo bhaviṣyati
solange die Sonne bestehen wird

ity uktvā tadgṛhāt kṛṣṇo baladevasahāyavān / nirjagāma muniśreṣṭhā mālākāreṇa pūjitaḥ //

Vyāsa sprach: Nach diesen Worten verließ Kṛṣṇa, begleitet von Baladeva, jenes Haus, o Bester der Weisen, von dem Girlandenmacher verehrt.

Wort für Wort
ity uktvā tadgṛhāt kṛṣṇo
nach diesen Worten verließ Kṛṣṇa jenes Haus
baladevasahāyavān
begleitet von Baladeva
nirjagāma muniśreṣṭhā
verließ er, o Bester der Weisen
mālākāreṇa pūjitaḥ
von dem Girlandenmacher verehrt

Interaktive Leseansicht des ganzen Werks