Quellen der Menschheit

Brahma-Purāṇa

Kapitel 118: aśvatthapippalamandatīrthamāhātmyavarṇanam Die Größe des Aśvattha-, Pippala- und Manda-Tīrtha (Agastya, der Vindhya-Berg und Śanis Sieg über zwei Rākṣasas)

Brahmā erzählt zwei zusammengefügte Erzählungen: zunächst die bekannte Agastya-Vindhya-Sage (der Vindhya-Berg verharrt seither in seiner Höhe, da Agastya, der ihn darum bat, nie aus dem Süden zurückkehrte), dann Agastyas Opfersitzung an der Gautamī. Zwei Rākṣasa-Söhne des Kaiṭabha, Aśvattha (in Baumgestalt) und Pippala (in Brahmanen-/Sāmaveda-Sänger-Gestalt), verschlingen dort heimlich Brahmanen. Śanaiścara (Saturn, Sohn der Sonne), von den Weisen mit zusätzlicher Askese-Kraft ausgestattet, lässt sich von beiden Rākṣasas verschlingen, erblickt sie von innen mit seinem berühmten zerstörerischen Blick (Śani-dṛṣṭi) und verbrennt sie zu Asche. Ursprung der Aśvattha-, Pippala-, Śanaiścara- und Agastya-Tīrthas sowie einer ätiologischen Erklärung für den negativen Volksglauben über Sāmaveda-Sänger.

{brahmovāca: } aśvatthatīrtham ākhyātaṃ pippalaṃ ca tataḥ param / uttare mandatīrthaṃ tu tatra vyuṣṭim itaḥ śṛṇu // BrP_118.1 //

Brahmā sprach: 'Das Aśvattha-Tīrtha wurde genannt, und danach das Pippala-Tīrtha; im Norden davon liegt das Manda-Tīrtha – höre nun von dessen Entstehung.'

Wort für Wort
aśvatthatīrtham ākhyātaṃ pippalaṃ ca tataḥ param
das Aśvattha-Tīrtha wurde genannt, und danach das Pippala-Tīrtha
uttare mandatīrthaṃ tu tatra vyuṣṭim itaḥ śṛṇu
im Norden davon das Manda-Tīrtha, höre nun von dessen Entstehung

purā tv agastyo bhagavān dakṣiṇāśāpatiḥ prabhuḥ / devais tu preritaḥ pūrvaṃ vindhyasya prārthanaṃ prati // BrP_118.2 //

Einst wurde der erhabene Agastya, der Herr der Südrichtung, von den Göttern zuvor angetrieben, bezüglich einer Bitte an den Vindhya-Berg.

Wort für Wort
purā tv agastyo bhagavān dakṣiṇāśāpatiḥ prabhuḥ
einst der erhabene Agastya, der Herr der Südrichtung
devais tu preritaḥ pūrvaṃ vindhyasya prārthanaṃ prati
wurde von den Göttern zuvor angetrieben, bezüglich einer Bitte an den Vindhya

sa śanair vindhyam abhyāgāt sahasramunibhir vṛtaḥ / tam āgatya nagaśreṣṭhaṃ bahuvṛkṣasamākulam // BrP_118.3 //

Er näherte sich langsam dem Vindhya, umgeben von tausend Weisen; zu jenem besten der Berge gekommen, der von vielen Bäumen dicht bewachsen war,

Wort für Wort
sa śanair vindhyam abhyāgāt sahasramunibhir vṛtaḥ
er näherte sich langsam dem Vindhya, umgeben von tausend Weisen
tam āgatya nagaśreṣṭhaṃ bahuvṛkṣasamākulam
zu jenem besten der Berge gekommen, der von vielen Bäumen dicht bewachsen war

spardhinaṃ merubhānubhyāṃ vindhyaṃ śṛṅgaśatair vṛtam / atyunnataṃ nagaṃ dhīro lopāmudrāpatir muniḥ // BrP_118.4 //

zum Vindhya, der mit Meru und der Sonne wetteiferte, von hundert Gipfeln umgeben, dem überaus hohen Berg – der besonnene Weise, der Gemahl der Lopāmudrā (Agastya),

Wort für Wort
spardhinaṃ merubhānubhyāṃ vindhyaṃ śṛṅgaśatair vṛtam
zum Vindhya, der mit Meru und der Sonne wetteiferte, von hundert Gipfeln umgeben
atyunnataṃ nagaṃ dhīro lopāmudrāpatir muniḥ
dem überaus hohen Berg, der besonnene Weise, der Gemahl der Lopāmudrā

[Anm.: Agastya, Gemahl der Lopāmudrā, hier ohne Bezug zur gleichnamigen Figur in Kap.110.]

kṛtātithyo dvijaiḥ sārdhaṃ praśasya ca nagaṃ punaḥ / idam āha muniśreṣṭho devakāryārthasiddhaye // BrP_118.5 //

nachdem ihm zusammen mit den Brahmanen Gastfreundschaft erwiesen worden war, und nachdem er den Berg wiederum gepriesen hatte, sprach der beste der Weisen dies, um das Anliegen der Götter zu erfüllen:

Wort für Wort
kṛtātithyo dvijaiḥ sārdhaṃ praśasya ca nagaṃ punaḥ
nachdem ihm mit den Brahmanen Gastfreundschaft erwiesen und der Berg gepriesen worden war
idam āha muniśreṣṭho devakāryārthasiddhaye
sprach der beste der Weisen dies, um das Anliegen der Götter zu erfüllen

{agastya uvāca: } ahaṃ yāmi nagaśreṣṭha munibhis tattvadarśibhiḥ / tīrthayātrāṃ karomīti dakṣiṇāśāṃ vrajāmy aham // BrP_118.6 //

Agastya sprach: 'Ich gehe, bester der Berge, mit den die Wahrheit schauenden Weisen; ich unternehme eine Pilgerfahrt und ziehe in die Südrichtung.'

Wort für Wort
ahaṃ yāmi nagaśreṣṭha munibhis tattvadarśibhiḥ
ich gehe, bester der Berge, mit den die Wahrheit schauenden Weisen
tīrthayātrāṃ karomīti dakṣiṇāśāṃ vrajāmy aham
ich unternehme eine Pilgerfahrt und ziehe in die Südrichtung

dehi mārgaṃ nagapate ātithyaṃ dehi yācate / yāvad āgamanaṃ me syāt sthātavyaṃ tāvad eva hi // BrP_118.7 //

'Gewähre den Weg, o Herr der Berge, gewähre Gastfreundschaft dem Bittenden; solange, bis ich zurückkehre, sollst du in deiner jetzigen Höhe verharren.'

Wort für Wort
dehi mārgaṃ nagapate ātithyaṃ dehi yācate
gewähre den Weg, o Herr der Berge, gewähre Gastfreundschaft dem Bittenden
yāvad āgamanaṃ me syāt sthātavyaṃ tāvad eva hi
solange, bis ich zurückkehre, sollst du verharren

nānyathā bhavitavyaṃ te tathety āha nagottamaḥ / ākrāman dakṣiṇām āśāṃ tair vṛto munibhir muniḥ // BrP_118.8 //

'Du sollst nicht anders werden.' 'So sei es', sprach der beste der Berge. Die Südrichtung durchschreitend, zog der Weise, umgeben von jenen Weisen, fort.

Wort für Wort
nānyathā bhavitavyaṃ te
du sollst nicht anders werden
tathety āha nagottamaḥ
'so sei es' sprach der beste der Berge
ākrāman dakṣiṇām āśāṃ tair vṛto munibhir muniḥ
die Südrichtung durchschreitend, zog der Weise, umgeben von jenen Weisen, fort

[Anm.: Bekannte Agastya-Vindhya-Erzählung – der Vindhya wuchs seither nicht mehr weiter, da Agastya, der ihn zum Verharren aufforderte, nie in den Norden zurückkehrte.]

śanaiḥ sa gautamīm āgāt sattrayāgāya dīkṣitaḥ / yāvat saṃvatsaraṃ sattram akarod ṛṣibhir vṛtaḥ // BrP_118.9 //

Langsam kam er zur Gautamī, für ein Opfer (Sattra) geweiht; ein ganzes Jahr lang vollzog er, von den Weisen umgeben, das Opfer.

Wort für Wort
śanaiḥ sa gautamīm āgāt sattrayāgāya dīkṣitaḥ
langsam kam er zur Gautamī, für ein Opfer geweiht
yāvat saṃvatsaraṃ sattram akarod ṛṣibhir vṛtaḥ
ein ganzes Jahr lang vollzog er, von den Weisen umgeben, das Opfer

kaiṭabhasya sutau pāpau rākṣasau dharmakaṇṭakau / aśvatthaḥ pippalaś ceti vikhyātau tridaśālaye // BrP_118.10 //

Die beiden sündigen Söhne des Kaiṭabha, Rākṣasas, Dornen im Fleisch des Dharma, bekannt als Aśvattha und Pippala in der Götterwelt,

Wort für Wort
kaiṭabhasya sutau pāpau rākṣasau dharmakaṇṭakau
die beiden sündigen Söhne des Kaiṭabha, Rākṣasas, Dornen des Dharma
aśvatthaḥ pippalaś ceti vikhyātau tridaśālaye
bekannt als Aśvattha und Pippala in der Götterwelt

aśvattho 'śvattharūpeṇa pippalo brahmarūpadhṛk / tāv ubhāv antaraṃ prepsū yajñavidhvaṃsanāya tu // BrP_118.11 //

Aśvattha in Gestalt eines Aśvattha-Baumes (heiliger Feigenbaum), Pippala in Brahmanengestalt – beide, eine Gelegenheit suchend, um das Opfer zu zerstören,

Wort für Wort
aśvattho 'śvattharūpeṇa pippalo brahmarūpadhṛk
Aśvattha in Aśvattha-Baumgestalt, Pippala in Brahmanengestalt
tāv ubhāv antaraṃ prepsū yajñavidhvaṃsanāya tu
beide, eine Gelegenheit suchend, um das Opfer zu zerstören

kurutāṃ kāṅkṣitaṃ rūpaṃ dānavau pāpacetasau / aśvattho vṛkṣarūpeṇa pippalo brāhmaṇākṛtiḥ // BrP_118.12 //

nahmen die beiden bösgesinnten Dānavas die erwünschte Gestalt an: Aśvattha in Baumgestalt, Pippala in Brahmanengestalt.

Wort für Wort
kurutāṃ kāṅkṣitaṃ rūpaṃ dānavau pāpacetasau
die beiden bösgesinnten Dānavas nahmen die erwünschte Gestalt an
aśvattho vṛkṣarūpeṇa pippalo brāhmaṇākṛtiḥ
Aśvattha in Baumgestalt, Pippala in Brahmanengestalt

ubhau tau brāhmaṇān nityaṃ pīḍayetāṃ tapodhana / ālabhante ca ye 'śvatthaṃ tāṃs tān aśnāty asau taruḥ // BrP_118.13 //

Beide quälten ständig die Brahmanen, o Asketenreicher; diejenigen, die den Aśvattha-Baum berühren, die verschlingt jener Baum.

Wort für Wort
ubhau tau brāhmaṇān nityaṃ pīḍayetāṃ tapodhana
beide quälten ständig die Brahmanen, o Asketenreicher
ālabhante ca ye 'śvatthaṃ tāṃs tān aśnāty asau taruḥ
diejenigen, die den Aśvattha-Baum berühren, die verschlingt jener Baum

pippalaḥ sāmago bhūtvā śiṣyān aśnāti rākṣasaḥ / tasmād adyāpi vipreṣu sāmago 'tīva niṣkṛpaḥ // BrP_118.14 //

Pippala, zum Sāmaveda-Sänger (Sāmaga) geworden, der Rākṣasa, verschlingt seine Schüler; deshalb gilt noch heute unter den Brahmanen der Sāmaga als überaus mitleidlos.

Wort für Wort
pippalaḥ sāmago bhūtvā śiṣyān aśnāti rākṣasaḥ
Pippala, zum Sāmaga geworden, der Rākṣasa, verschlingt seine Schüler
tasmād adyāpi vipreṣu sāmago 'tīva niṣkṛpaḥ
deshalb gilt noch heute unter den Brahmanen der Sāmaga als überaus mitleidlos

[Anm.: Ätiologische Erklärung für einen negativen Volksglauben über Sāmaveda-Sänger (Sāmaga).]

kṣīyamāṇān dvijān dṛṣṭvā munayo rākṣasāv imau / iti buddhvā mahāprājñā dakṣiṇaṃ tīram āśritam // BrP_118.15 //

Als sie sahen, wie die Brahmanen dahinschwanden, erkannten die hochweisen Weisen, dass dies die beiden Rākṣasas waren; sie (gingen) zum Südufer,

Wort für Wort
kṣīyamāṇān dvijān dṛṣṭvā
als sie sahen, wie die Brahmanen dahinschwanden
munayo rākṣasāv imau iti buddhvā mahāprājñā
erkannten die hochweisen Weisen, dass dies die beiden Rākṣasas waren
dakṣiṇaṃ tīram āśritam
(sie gingen) zum Südufer

sauriṃ śanaiścaraṃ mandaṃ tapasyantaṃ dhṛtavratam / gatvā munigaṇāḥ sarve rakṣaḥkarma nyavedayan // BrP_118.16 //

wo der Sohn der Sonne (Saurī), Śanaiścara (Saturn), der Langsame, gelübdetreu Askese übte; dorthin gingen alle Scharen der Weisen und berichteten von der Untat der Rākṣasas.

Wort für Wort
sauriṃ śanaiścaraṃ mandaṃ tapasyantaṃ dhṛtavratam
der Sohn der Sonne, Śanaiścara, der Langsame, gelübdetreu Askese übend
gatvā munigaṇāḥ sarve rakṣaḥkarma nyavedayan
dorthin gingen alle Weisenscharen und berichteten von der Untat der Rākṣasas

saurir munigaṇān āha pūrṇe tapasi me dvijāḥ / rākṣasau hanmy apūrṇe tu tapasy akṣama eva hi // BrP_118.17 //

Der Sohn der Sonne sprach zu den Weisenscharen: 'Wenn meine Askese vollendet ist, o Brahmanen, werde ich die beiden Rākṣasas töten; solange meine Askese aber unvollendet ist, bin ich dazu nicht imstande.'

Wort für Wort
saurir munigaṇān āha
der Sohn der Sonne sprach zu den Weisenscharen
pūrṇe tapasi me dvijāḥ rākṣasau hanmy
wenn meine Askese vollendet ist, o Brahmanen, werde ich die beiden Rākṣasas töten
apūrṇe tu tapasy akṣama eva hi
solange meine Askese aber unvollendet ist, bin ich dazu nicht imstande

punaḥ procur munigaṇā dāsyāmas te tapo mahat / ity ukto brāhmaṇaiḥ sauriḥ kṛtam ity āha tān api // BrP_118.18 //

Wiederum sprachen die Weisenscharen: 'Wir werden dir große Askese-Kraft übertragen.' So von den Brahmanen angesprochen, sagte der Sohn der Sonne zu ihnen ebenfalls: 'Es sei getan.'

Wort für Wort
punaḥ procur munigaṇā dāsyāmas te tapo mahat
wiederum sprachen die Weisenscharen: wir werden dir große Askese-Kraft übertragen
ity ukto brāhmaṇaiḥ sauriḥ kṛtam ity āha tān api
so von den Brahmanen angesprochen, sagte der Sohn der Sonne: es sei getan

saurir brāhmaṇaveṣeṇa prāyād aśvattharūpiṇam / rākṣasaṃ brāhmaṇo bhūtvā pradakṣiṇam athākarot // BrP_118.19 //

Der Sohn der Sonne ging in Brahmanengestalt zu dem in Aśvattha-Gestalt befindlichen Rākṣasa; zum Brahmanen geworden, umschritt er ihn rechtsherum (Pradakṣiṇa).

Wort für Wort
saurir brāhmaṇaveṣeṇa prāyād aśvattharūpiṇam
der Sohn der Sonne ging in Brahmanengestalt zu dem in Aśvattha-Gestalt befindlichen (Rākṣasa)
rākṣasaṃ brāhmaṇo bhūtvā pradakṣiṇam athākarot
zum Brahmanen geworden, umschritt er den Rākṣasa rechtsherum

pradakṣiṇaṃ tu kurvāṇaṃ mene brāhmaṇam eva tam / nityavad rākṣasaḥ pāpo bhakṣayām āsa māyayā // BrP_118.20 //

Als er die Umschreitung vollzog, hielt ihn der Rākṣasa für einen wirklichen Brahmanen; wie gewöhnlich verschlang ihn der sündige Rākṣasa durch Illusionsmacht (Māyā).

Wort für Wort
pradakṣiṇaṃ tu kurvāṇaṃ mene brāhmaṇam eva tam
als er die Umschreitung vollzog, hielt ihn (der Rākṣasa) für einen wirklichen Brahmanen
nityavad rākṣasaḥ pāpo bhakṣayām āsa māyayā
wie gewöhnlich verschlang ihn der sündige Rākṣasa durch Illusionsmacht

tasya kāyaṃ samāviśya cakṣuṣāntrāṇy apaśyata / dṛṣṭaḥ sa rākṣasaḥ pāpo mandena ravisūnunā // BrP_118.21 //

In dessen Körper eingedrungen, sah er (Śanaiścara) mit seinen Augen die Eingeweide von innen; jener sündige Rākṣasa wurde vom langsamen Sohn der Sonne mit seinem Blick erblickt.

Wort für Wort
tasya kāyaṃ samāviśya cakṣuṣāntrāṇy apaśyata
in dessen Körper eingedrungen, sah er mit seinen Augen die Eingeweide
dṛṣṭaḥ sa rākṣasaḥ pāpo mandena ravisūnunā
jener sündige Rākṣasa wurde vom langsamen Sohn der Sonne erblickt

[Anm.: Anspielung auf den in der Astrologie gefürchteten 'Śani-dṛṣṭi', den zerstörerischen Blick Saturns.]

bhasmībhūtaḥ kṣaṇenaiva girir vajrahato yathā / aśvatthaṃ bhasmasāt kṛtvā anyaṃ brāhmaṇarūpiṇam // BrP_118.22 //

Augenblicklich wurde er zu Asche, wie ein vom Blitz (Vajra) getroffener Berg; nachdem er den Aśvattha zu Asche gemacht hatte, ging er zum anderen, in Brahmanengestalt befindlichen Rākṣasa,

Wort für Wort
bhasmībhūtaḥ kṣaṇenaiva girir vajrahato yathā
augenblicklich wurde er zu Asche, wie ein vom Blitz getroffener Berg
aśvatthaṃ bhasmasāt kṛtvā anyaṃ brāhmaṇarūpiṇam
nachdem er den Aśvattha zu Asche gemacht hatte, (ging er) zum anderen, in Brahmanengestalt (befindlichen Rākṣasa)

rākṣasaṃ pāpanilayam eka eva tam abhyagāt / adhīyāno vipra iva śiṣyarūpo vinītavat // BrP_118.23 //

zu jenem Rākṣasa, der Wohnstatt der Sünde, ging er allein hin, wie ein studierender Brahmane, in Schülergestalt, demütig.

Wort für Wort
rākṣasaṃ pāpanilayam eka eva tam abhyagāt
zu jenem Rākṣasa, der Wohnstatt der Sünde, ging er allein hin
adhīyāno vipra iva śiṣyarūpo vinītavat
wie ein studierender Brahmane, in Schülergestalt, demütig

pippalaḥ pūrvavac cāpi bhakṣayām āsa bhānujam / sa bhakṣitaḥ pūrvavac ca kukṣāv antrāṇy avaikṣata // BrP_118.24 //

Pippala verschlang, wie zuvor, ebenfalls den Sohn der Sonne; verschlungen, sah er wie zuvor im Bauch die Eingeweide.

Wort für Wort
pippalaḥ pūrvavac cāpi bhakṣayām āsa bhānujam
Pippala verschlang, wie zuvor, ebenfalls den Sohn der Sonne
sa bhakṣitaḥ pūrvavac ca kukṣāv antrāṇy avaikṣata
verschlungen, sah er wie zuvor im Bauch die Eingeweide

tenālokitamātro 'sau rākṣaso bhasmasād abhūt / ubhau hatvā bhānusutaḥ kiṃ kṛtyaṃ me vadantv atha // BrP_118.25 //

Von ihm nur erblickt, wurde jener Rākṣasa zu Asche; nachdem er beide getötet hatte, sprach der Sohn der Sonne: 'Was ist nun meine weitere Aufgabe? Möget ihr mir sagen.'

Wort für Wort
tenālokitamātro 'sau rākṣaso bhasmasād abhūt
von ihm nur erblickt, wurde jener Rākṣasa zu Asche
ubhau hatvā bhānusutaḥ kiṃ kṛtyaṃ me vadantv atha
nachdem er beide getötet hatte, sprach der Sohn der Sonne: was ist nun meine Aufgabe, möget ihr sagen

munayo jātasaṃharṣāḥ sarva eva tapasvinaḥ / tataḥ prasannā hy abhavann ṛṣayo 'gastyapūrvakāḥ // BrP_118.26 //

Die Weisen, alle voller Freude, die Asketen; da wurden die Weisen, mit Agastya an der Spitze, zufrieden.

Wort für Wort
munayo jātasaṃharṣāḥ sarva eva tapasvinaḥ
die Weisen, alle Asketen, voller Freude
tataḥ prasannā hy abhavann ṛṣayo 'gastyapūrvakāḥ
da wurden die Weisen, mit Agastya an der Spitze, zufrieden

varān dadur yathākāmaṃ sauraye mandagāmine / sa prīto brāhmaṇān āha śaniḥ sūryasuto balī // BrP_118.27 //

Sie gaben dem Sohn der Sonne, dem Langsamgehenden, Gaben nach Wunsch; erfreut sprach er, Śani, der Sohn der Sonne, der Mächtige, zu den Brahmanen:

Wort für Wort
varān dadur yathākāmaṃ sauraye mandagāmine
sie gaben dem Sohn der Sonne, dem Langsamgehenden, Gaben nach Wunsch
sa prīto brāhmaṇān āha śaniḥ sūryasuto balī
erfreut sprach er, Śani, der Sohn der Sonne, der Mächtige, zu den Brahmanen

{saurir uvāca: } maddvāre niyatā ye ca kurvanty aśvatthalambhanam / teṣāṃ sarvāṇi kāryāṇi syuḥ pīḍā madbhavā na ca // BrP_118.28 //

Der Sohn der Sonne sprach: 'Diejenigen, die an meinem Tor gelübdetreu den Aśvattha-Baum berühren, deren Unternehmungen sollen alle gelingen, und keine von mir verursachte Pein soll sie treffen.'

Wort für Wort
maddvāre niyatā ye ca kurvanty aśvatthalambhanam
diejenigen, die an meinem Tor gelübdetreu den Aśvattha-Baum berühren
teṣāṃ sarvāṇi kāryāṇi syuḥ pīḍā madbhavā na ca
deren Unternehmungen sollen alle gelingen, und keine von mir verursachte Pein soll sie treffen

tīrthe cāśvatthasaṃjñe vai snānaṃ kurvanti ye narāḥ / teṣāṃ sarvāṇi kāryāṇi bhaveyur aparo varaḥ // BrP_118.29 //

'Und diejenigen Menschen, die an der Aśvattha genannten Pilgerstätte baden, deren Unternehmungen sollen alle gelingen – dies sei eine weitere Gabe.'

Wort für Wort
tīrthe cāśvatthasaṃjñe vai snānaṃ kurvanti ye narāḥ
diejenigen Menschen, die an der Aśvattha genannten Pilgerstätte baden
teṣāṃ sarvāṇi kāryāṇi bhaveyur aparo varaḥ
deren Unternehmungen sollen alle gelingen, dies sei eine weitere Gabe

mandavāre tu ye 'śvatthaṃ prātar utthāya mānavāḥ / ālabhante ca teṣāṃ vai grahapīḍā vyapohatu // BrP_118.30 //

'Diejenigen Menschen aber, die am Manda-Tag (Samstag) frühmorgens aufstehend den Aśvattha berühren, deren Planeten-Qual soll vertrieben werden.'

Wort für Wort
mandavāre tu ye 'śvatthaṃ prātar utthāya mānavāḥ
diejenigen Menschen, die am Manda-Tag frühmorgens aufstehend den Aśvattha (berühren)
ālabhante ca teṣāṃ vai grahapīḍā vyapohatu
berühren, deren Planeten-Qual soll vertrieben werden

[Anm.: 'Mandavāra' = Samstag, der Wochentag Saturns (Śanaiścara/Manda).]

{brahmovāca: } tataḥ prabhṛti tat tīrtham aśvatthaṃ pippalaṃ viduḥ / tīrthaṃ śanaiścaraṃ tatra tatrāgastyaṃ ca sāttrikam // BrP_118.31 //

Brahmā sprach: Von da an kennt man jene Pilgerstätte als Aśvattha- und Pippala-Tīrtha; dort gibt es auch das Śanaiścara-Tīrtha und das dortige, dem Opfer geweihte (sāttrika) Agastya-Tīrtha.

Wort für Wort
tataḥ prabhṛti tat tīrtham aśvatthaṃ pippalaṃ viduḥ
von da an kennt man jene Pilgerstätte als Aśvattha- und Pippala-Tīrtha
tīrthaṃ śanaiścaraṃ tatra tatrāgastyaṃ ca sāttrikam
dort gibt es das Śanaiścara-Tīrtha und das dem Opfer geweihte Agastya-Tīrtha

yājñikaṃ cāpi tat tīrthaṃ sāmagaṃ tīrtham eva ca / ityādyaṣṭottarāṇy āsan sahasrāṇy atha ṣoḍaśa / teṣu snānaṃ ca dānaṃ ca sattrayāgaphalapradam // BrP_118.32 //

[?] Und jene Pilgerstätte heißt auch Yājñika- und Sāmaga-Tīrtha; es gab von dieser Art eintausendundacht sowie weitere sechzehn (Tīrthas); an ihnen gewähren Bad und Spende die Frucht eines Opfer-Sattra.

Wort für Wort
yājñikaṃ cāpi tat tīrthaṃ sāmagaṃ tīrtham eva ca
und jene Pilgerstätte heißt auch Yājñika- und Sāmaga-Tīrtha
ityādyaṣṭottarāṇy āsan sahasrāṇy atha ṣoḍaśa
es gab von dieser Art eintausendundacht sowie weitere sechzehn (Tīrthas)
teṣu snānaṃ ca dānaṃ ca sattrayāgaphalapradam
an ihnen gewähren Bad und Spende die Frucht eines Opfer-Sattra

[Anm.: Vers mit drei Zeilen im Original; genaue Zählung 'aṣṭottarāṇi sahasrāṇi atha ṣoḍaśa' (,1008 und 16') unsicher.]

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