Quellen der Menschheit

Brahma-Purāṇa

Kapitel 135: vāṇīsaṃgamatīrthamāhātmyavarṇanam Die Größe des Vāṇī-Saṃgama-Tīrtha (Brahmās Lüge, das fünfte Haupt und der Fluch der Vāc)

Brahmā berichtet Nārada die Geschichte seines Streits mit Viṣṇu um die gegenseitige Überlegenheit: Zwischen ihnen erscheint Śiva als endlose Lichtsäule, und die göttliche Stimme (Vāc) verkündet, wer deren Ende erblicke, sei der Größere. Viṣṇu kehrt erfolglos zurück; Brahmā, ebenfalls ohne das Ende erreicht zu haben, beschließt zu lügen und erschafft sich ein fünftes (Esels-)Gesicht, um mit ihm die Unwahrheit auszusprechen - Ursprung von Brahmās fünftem Haupt (vgl. Kap.113 und Kap.129 V.70). Als Brahmā vor Viṣṇu/Hari behauptet, das Ende gesehen zu haben, vereinigen sich Hari und Hara zu einer Gestalt und verfluchen die (mitschuldige) Vāc, zu einem Fluss zu werden. Auf ihre Bitte hin heben Hari und Hara den Fluch auf, sobald sie mit der Gaṅgā zusammenfließt; sie tut dies an der Bhāgīrathī (wo sie Sarasvatī heißt) und an der Gautamī (wo sie Vāṇī heißt) und erlangt ihre Gestalt zurück, während auch Brahmā vom Makel der Lüge befreit wird. Ursprung des Vāṇī-Saṃgama- (bzw. Sarasvatī-Saṃgama-)Tīrtha, mit 1900 weiteren Tīrthas an beiden Ufern.

{brahmovāca:} vāṇīsaṃgamam ākhyātaṃ yatra vāgīśvaro haraḥ / tat tīrthaṃ sarvapāpānāṃ mocanaṃ sarvakāmadam //

Brahmā sprach: Vāṇī-Saṃgama wird jenes Tīrtha genannt, wo Hara als Vāgīśvara (Herr der Rede) verehrt wird; jenes Tīrtha befreit von allen Sünden und gewährt alle Wünsche.

Wort für Wort
{brahmovāca:} vāṇīsaṃgamam ākhyātaṃ yatra vāgīśvaro haraḥ
Brahmā sprach: Vāṇī-Saṃgama wird jenes Tīrtha genannt, wo Hara als Vāgīśvara verehrt wird
tat tīrthaṃ sarvapāpānāṃ mocanaṃ sarvakāmadam
jenes Tīrtha befreit von allen Sünden und gewährt alle Wünsche

tatra snānena dānena brahmahatyādināśanam / brahmaviṣṇvoś ca saṃvāde mahattve ca parasparam //

Dort vernichtet Baden und Spenden selbst die Sünde des Brahmanenmordes u.a.; dies geschah bei einem Streitgespräch zwischen Brahmā und Viṣṇu über die gegenseitige Größe.

Wort für Wort
tatra snānena dānena brahmahatyādināśanam
Dort vernichtet Baden und Spenden selbst die Sünde des Brahmanenmordes u.a.
brahmaviṣṇvoś ca saṃvāde mahattve ca parasparam
dies geschah bei einem Streitgespräch zwischen Brahmā und Viṣṇu über die gegenseitige Größe

tayor madhye mahādevo jyotirmūrtir abhūt kila / tatraiva vāg uvācedaṃ daivī putra tayoḥ śubhā //

Zwischen den beiden erschien, so heißt es, Mahādeva in Gestalt einer Lichtsäule; gerade dort sprach die göttliche, verheißungsvolle Stimme dies zu den beiden, mein Sohn:

Wort für Wort
tayor madhye mahādevo jyotirmūrtir abhūt kila
Zwischen den beiden erschien, so heißt es, Mahādeva in Gestalt einer Lichtsäule
tatraiva vāg uvācedaṃ daivī putra tayoḥ śubhā
gerade dort sprach die göttliche, verheißungsvolle Stimme dies zu den beiden, mein Sohn

aham asmi mahāṃs tatra aham asmīti vai mithaḥ / daivī vāk tāv ubhau prāha yas tv asyāntaṃ tu paśyati //

'Ich bin der Größere' - so sprachen beide wechselseitig zueinander 'Ich bin es'; die göttliche Stimme sprach zu ihnen beiden: Wer immer das Ende dieser [Lichtsäule] erblickt,...

Wort für Wort
aham asmi mahāṃs tatra aham asmīti vai mithaḥ
'Ich bin der Größere' - so sprachen beide wechselseitig zueinander 'Ich bin es'
daivī vāk tāv ubhau prāha yas tv asyāntaṃ tu paśyati
die göttliche Stimme sprach zu ihnen beiden: Wer immer das Ende dieser Lichtsäule erblickt

sa tu jyeṣṭho bhavet tasmān mā vādaṃ kartum arhathaḥ / tadvākyād viṣṇur agamad adho 'haṃ cordhvam eva ca //

...der soll der Ältere [Größere] sein - deshalb sollt ihr keinen Streit führen. Auf dieses Wort hin ging Viṣṇu nach unten, ich [Brahmā] aber nach oben.

Wort für Wort
sa tu jyeṣṭho bhavet tasmān mā vādaṃ kartum arhathaḥ
der soll der Ältere sein - deshalb sollt ihr keinen Streit führen
tadvākyād viṣṇur agamad adho 'haṃ cordhvam eva ca
Auf dieses Wort hin ging Viṣṇu nach unten, ich aber nach oben

tato viṣṇuḥ śīghram etya jyotiḥpārśva upāviśat / aprāpyāntam ahaṃ prāyāṃ dūrād dūrataraṃ mune //

Darauf kehrte Viṣṇu rasch zurück und setzte sich an die Seite der Lichtsäule: 'Ich bin, ohne das Ende zu erreichen, immer weiter und weiter gegangen, o Weiser.'

Wort für Wort
tato viṣṇuḥ śīghram etya jyotiḥpārśva upāviśat
Darauf kehrte Viṣṇu rasch zurück und setzte sich an die Seite der Lichtsäule
aprāpyāntam ahaṃ prāyāṃ dūrād dūrataraṃ mune
'Ich bin, ohne das Ende zu erreichen, immer weiter und weiter gegangen, o Weiser'

tataḥ śrānto nivṛtto 'haṃ draṣṭum īśaṃ tu taṃ prabhum / tadaivaṃ mama dhīr āsīd dṛṣṭaś cānto mayā bhṛśam //

'Darauf, erschöpft, kehrte ich zurück, um jenen Herrn, den Gebieter, zu sehen.' Da entstand bei mir folgender Gedanke, und ich beschloss zu behaupten: Das Ende ist von mir tatsächlich gesehen worden.

Wort für Wort
tataḥ śrānto nivṛtto 'haṃ draṣṭum īśaṃ tu taṃ prabhum
'Darauf, erschöpft, kehrte ich zurück, um jenen Herrn, den Gebieter, zu sehen'
tadaivaṃ mama dhīr āsīd dṛṣṭaś cānto mayā bhṛśam
Da entstand bei mir folgender Gedanke: Das Ende ist von mir tatsächlich gesehen worden

[Anm.: Erzählperspektive wechselt hier zu Brahmās eigener Rede über sein Vorhaben, die Lüge zu erfinden.]

asya devasya tad viṣṇor mama jyaiṣṭhyaṃ sphuṭaṃ bhavet / punaś cāpi mama tv evaṃ matir āsīn mahāmate //

'Von diesem Gott, jenem Viṣṇu, würde damit meine Überlegenheit deutlich werden.' Und wiederum entstand mir, o Hochgesinnter, folgender Gedanke:

Wort für Wort
asya devasya tad viṣṇor mama jyaiṣṭhyaṃ sphuṭaṃ bhavet
'Von diesem Gott, jenem Viṣṇu, würde damit meine Überlegenheit deutlich werden'
punaś cāpi mama tv evaṃ matir āsīn mahāmate
und wiederum entstand mir, o Hochgesinnter, folgender Gedanke

satyair vaktraiḥ kathaṃ vakṣye pīḍito 'py anṛtaṃ vacaḥ / nānāvidheṣu pāpeṣu nānṛtāt pātakaṃ param //

'Wie sollte ich mit meinen wahrhaften Gesichtern, selbst bedrängt, ein unwahres Wort sprechen? Unter den mannigfaltigen Sünden gibt es keine größere Verfehlung als die Lüge.'

Wort für Wort
satyair vaktraiḥ kathaṃ vakṣye pīḍito 'py anṛtaṃ vacaḥ
'Wie sollte ich mit meinen wahrhaften Gesichtern, selbst bedrängt, ein unwahres Wort sprechen?'
nānāvidheṣu pāpeṣu nānṛtāt pātakaṃ param
'Unter den mannigfaltigen Sünden gibt es keine größere Verfehlung als die Lüge'

satyair vaktrair asatyāṃ vā vācaṃ vakṣye kathaṃ tv iti / tato 'haṃ pañcamaṃ vaktraṃ gardabhākṛtibhīṣaṇam //

'Wie sollte ich mit meinen wahrhaften Gesichtern eine unwahre Rede sprechen?' - so dachte ich; darauf erschuf ich mir ein fünftes Gesicht, in schrecklicher Eselsgestalt,

Wort für Wort
satyair vaktrair asatyāṃ vā vācaṃ vakṣye kathaṃ tv iti
'Wie sollte ich mit meinen wahrhaften Gesichtern eine unwahre Rede sprechen?' - so dachte ich
tato 'haṃ pañcamaṃ vaktraṃ gardabhākṛtibhīṣaṇam
darauf erschuf ich mir ein fünftes Gesicht, in schrecklicher Eselsgestalt

[Anm.: Bezug auf die Entstehung von Brahmās fünftem Haupt - vgl. die knappe Anspielung in Kap.113 und Kap.129 (V.70).]

kṛtvā tenānṛtaṃ vakṣya iti dhyātvā ciraṃ tadā / abravaṃ taṃ hariṃ tatra āsīnaṃ jagatāṃ prabhum //

um mit diesem die Unwahrheit zu sprechen; nachdem ich lange darüber nachgedacht hatte, sprach ich darauf zu jenem dort sitzenden Hari, dem Herrn der Welten:

Wort für Wort
kṛtvā tenānṛtaṃ vakṣya iti dhyātvā ciraṃ tadā
um mit diesem die Unwahrheit zu sprechen; nachdem ich lange darüber nachgedacht hatte
abravaṃ taṃ hariṃ tatra āsīnaṃ jagatāṃ prabhum
sprach ich darauf zu jenem dort sitzenden Hari, dem Herrn der Welten

asya cānto mayā dṛṣṭas tena jyaiṣṭhyaṃ janārdana / mameti vadataḥ pārśve ubhau tau hariśaṃkarau //

'Das Ende dieser Lichtsäule ist von mir gesehen worden, deshalb, Janārdana, gebührt mir die Überlegenheit.' Während beide, Hari und Śaṃkara, so an der Seite redeten,...

Wort für Wort
asya cānto mayā dṛṣṭas tena jyaiṣṭhyaṃ janārdana
'Das Ende dieser Lichtsäule ist von mir gesehen worden, deshalb, Janārdana, gebührt mir die Überlegenheit'
mameti vadataḥ pārśve ubhau tau hariśaṃkarau
Während beide, Hari und Śaṃkara, so an der Seite redeten

ekarūpatvam āpannau sūryācandramasāv iva / tau dṛṣṭvā vismito bhītaś cāstavaṃ tāv ubhāv api / tataḥ kruddhau jagannāthau vācaṃ tām idam ūcatuḥ //

...nahmen sie eine einzige Gestalt an, wie Sonne und Mond; als ich die beiden erblickte, erstaunt und erschrocken, pries ich sie beide; darauf sprachen die beiden zornigen Weltenherren zu jener Stimme dies.

Wort für Wort
ekarūpatvam āpannau sūryācandramasāv iva
nahmen sie eine einzige Gestalt an, wie Sonne und Mond
tau dṛṣṭvā vismito bhītaś cāstavaṃ tāv ubhāv api
als ich die beiden erblickte, erstaunt und erschrocken, pries ich sie beide
tataḥ kruddhau jagannāthau vācaṃ tām idam ūcatuḥ
darauf sprachen die beiden zornigen Weltenherren zu jener Stimme dies

[Anm.: Dreizeiliger Vers im Original.]

{hariharāv ūcatuḥ:} duṣṭe tvaṃ nimnagā bhūyā nānṛtād asti pātakam //*

Hari und Hara sprachen: Du Verruchte, werde ein [in die Tiefe] fließendes Gewässer - es gibt keine größere Verfehlung als die Lüge.

Wort für Wort
{hariharāv ūcatuḥ:} duṣṭe tvaṃ nimnagā bhūyā
Hari und Hara sprachen: Du Verruchte, werde ein fließendes Gewässer
nānṛtād asti pātakam
es gibt keine größere Verfehlung als die Lüge

[Anm.: Unvollständiger Halbvers im Original (nur eine Zeile, mit * markiert).]

{brahmovāca:} tataḥ sā vihvalā bhūtvā nadībhāvam upāgatā / tad dṛṣṭvā vismito bhītas tām abravam ahaṃ tadā //

Brahmā sprach: Darauf wurde sie [die göttliche Stimme, Vāc], bestürzt geworden, zu einem Fluss; als ich das sah, erstaunt und erschrocken, sprach ich darauf zu ihr:

Wort für Wort
{brahmovāca:} tataḥ sā vihvalā bhūtvā nadībhāvam upāgatā
Brahmā sprach: Darauf wurde sie, bestürzt geworden, zu einem Fluss
tad dṛṣṭvā vismito bhītas tām abravam ahaṃ tadā
als ich das sah, erstaunt und erschrocken, sprach ich darauf zu ihr

yasmād asatyam uktāsi brahmavāci sthitā satī / tasmād adṛśyā tvaṃ bhūyāḥ pāparūpāsy asaṃśayam //

'Weil du, obwohl du in der Brahmā-Rede verankert warst, die Unwahrheit gesprochen hast, sollst du unsichtbar werden - zweifellos bist du zu einer sündigen Gestalt geworden.'

Wort für Wort
yasmād asatyam uktāsi brahmavāci sthitā satī
'Weil du, obwohl du in der Brahmā-Rede verankert warst, die Unwahrheit gesprochen hast'
tasmād adṛśyā tvaṃ bhūyāḥ pāparūpāsy asaṃśayam
'sollst du unsichtbar werden - zweifellos bist du zu einer sündigen Gestalt geworden'

[Anm.: Brahmā verflucht Vāc (die göttliche Stimme/Sprache) mit, da sie seiner falschen Aussage zum Ausdruck verhalf bzw. sie mitbezeugte - Zusammenhang leicht elliptisch.]

etac chāpaṃ viditvā tu tau devau praṇatā tadā / viśāpatvaṃ prārthayantī tuṣṭāva ca punaḥ punaḥ //

Nachdem sie diesen Fluch erkannt hatte, verneigte sie sich darauf vor den beiden Göttern und, um die Aufhebung des Fluchs bittend, pries sie sie immer wieder.

Wort für Wort
etac chāpaṃ viditvā tu tau devau praṇatā tadā
Nachdem sie diesen Fluch erkannt hatte, verneigte sie sich darauf vor den beiden Göttern
viśāpatvaṃ prārthayantī tuṣṭāva ca punaḥ punaḥ
und, um die Aufhebung des Fluchs bittend, pries sie sie immer wieder

tatas tuṣṭau devadevau prārthitau tridaśārcitau / prītyā hariharāv evaṃ vācaṃ vācam athocatuḥ //

Darauf, zufrieden und angefleht, sprachen die beiden Göttergötter, von den Göttern verehrt, Hari und Hara, mit Freude zu jener Vāc [Rede/Stimme] folgendes:

Wort für Wort
tatas tuṣṭau devadevau prārthitau tridaśārcitau
Darauf, zufrieden und angefleht, die beiden Göttergötter, von den Göttern verehrt
prītyā hariharāv evaṃ vācaṃ vācam athocatuḥ
sprachen Hari und Hara mit Freude zu jener Vāc folgendes

{hariharāv ūcatuḥ:} gaṅgayā saṃgatā bhadre yadā tvaṃ lokapāvanī / tadā punar vapus te syāt pavitraṃ hi suśobhane //

Hari und Hara sprachen: Wenn du, Holde, mit der Gaṅgā, der Welt-Reinigerin, zusammengeflossen bist, dann wird deine Gestalt, o Schönste, wieder rein sein.

Wort für Wort
{hariharāv ūcatuḥ:} gaṅgayā saṃgatā bhadre yadā tvaṃ lokapāvanī
Hari und Hara sprachen: Wenn du, Holde, mit der Gaṅgā, der Welt-Reinigerin, zusammengeflossen bist
tadā punar vapus te syāt pavitraṃ hi suśobhane
dann wird deine Gestalt, o Schönste, wieder rein sein

{brahmovāca:} tathety uktvā sāpi devī gaṅgayā saṃgatābhavat / bhāgīrathī gautamī ca tataś cāpi svakaṃ vapuḥ //

Brahmā sprach: 'So sei es', sprechend, floss auch jene Göttin mit der Gaṅgā zusammen, sowohl mit der Bhāgīrathī als auch mit der Gautamī, und erlangte darauf ihre eigene Gestalt zurück.

Wort für Wort
{brahmovāca:} tathety uktvā sāpi devī gaṅgayā saṃgatābhavat
Brahmā sprach: 'So sei es', sprechend, floss auch jene Göttin mit der Gaṅgā zusammen
bhāgīrathī gautamī ca tataś cāpi svakaṃ vapuḥ
sowohl mit der Bhāgīrathī als auch mit der Gautamī, und erlangte darauf ihre eigene Gestalt zurück

devī sā vyagamad brahman devānām api durlabham / gautamyāṃ saiva vikhyātā nāmnā vāṇīti puṇyadā //

Jene Göttin erlangte, o Brahmane, einen Zustand, der selbst für die Götter schwer erreichbar ist; an der Gautamī ist sie unter dem Namen Vāṇī bekannt, verdienstspendend.

Wort für Wort
devī sā vyagamad brahman devānām api durlabham
Jene Göttin erlangte, o Brahmane, einen Zustand, der selbst für die Götter schwer erreichbar ist
gautamyāṃ saiva vikhyātā nāmnā vāṇīti puṇyadā
an der Gautamī ist sie unter dem Namen Vāṇī bekannt, verdienstspendend

bhāgīrathyāṃ saiva devī sarasvaty abhidhīyate / ubhayatrāpi vikhyātaḥ saṃgamo lokapūjitaḥ //

An der Bhāgīrathī wird dieselbe Göttin Sarasvatī genannt; an beiden Orten ist der Zusammenfluss berühmt und von der Welt verehrt.

Wort für Wort
bhāgīrathyāṃ saiva devī sarasvaty abhidhīyate
An der Bhāgīrathī wird dieselbe Göttin Sarasvatī genannt
ubhayatrāpi vikhyātaḥ saṃgamo lokapūjitaḥ
an beiden Orten ist der Zusammenfluss berühmt und von der Welt verehrt

sarasvatīsaṃgamaś ca vāṇīsaṃgama eva ca / gautamyā saṃgatā devī vāṇī vācā sarasvatī //

So heißen sie Sarasvatī-Saṃgama und Vāṇī-Saṃgama; mit der Gautamī zusammengeflossen ist die Göttin genannt Vāṇī, mit dem Wort [zugeordnet] Sarasvatī.

Wort für Wort
sarasvatīsaṃgamaś ca vāṇīsaṃgama eva ca
So heißen sie Sarasvatī-Saṃgama und Vāṇī-Saṃgama
gautamyā saṃgatā devī vāṇī vācā sarasvatī
mit der Gautamī zusammengeflossen ist die Göttin genannt Vāṇī, mit dem Wort Sarasvatī

sarvatra pūjitaṃ tīrthaṃ tatra vācā śivaṃ prabhum / deveśvaraṃ pūjayitvā viśāpam agamad yataḥ //

Überall wird jenes Tīrtha verehrt; dort erlangte sie, nachdem sie mit Worten den Herrn Śiva, den Gott der Götter, verehrt hatte, die Entfluchung.

Wort für Wort
sarvatra pūjitaṃ tīrthaṃ tatra vācā śivaṃ prabhum
Überall wird jenes Tīrtha verehrt; dort mit Worten den Herrn Śiva
deveśvaraṃ pūjayitvā viśāpam agamad yataḥ
den Gott der Götter verehrend, erlangte sie die Entfluchung

brahmā vidhūya vāgdauṣṭyaṃ svaṃ ca dhāmāgamat punaḥ / tasmāt tatra śucir bhūtvā snātvā tatra ca saṃgame //

Brahmā, nachdem er den Makel der Rede abgeschüttelt hatte, kehrte wieder in seine eigene Wohnstatt zurück; deshalb - wer dort rein geworden ist und an jenem Zusammenfluss gebadet hat,...

Wort für Wort
brahmā vidhūya vāgdauṣṭyaṃ svaṃ ca dhāmāgamat punaḥ
Brahmā, nachdem er den Makel der Rede abgeschüttelt hatte, kehrte wieder in seine eigene Wohnstatt zurück
tasmāt tatra śucir bhūtvā snātvā tatra ca saṃgame
deshalb - wer dort rein geworden ist und an jenem Zusammenfluss gebadet hat

vāgīśvaraṃ tato dṛṣṭvā tāvatā muktim āpnuyāt / dānahomādikaṃ kiṃcid upavāsādikāṃ kriyām //

...und darauf den Vāgīśvara erblickt hat, erlangt allein dadurch die Erlösung; wer etwas an Spende, Feueropfer und dergleichen, an Fasten und ähnlichen Handlungen...

Wort für Wort
vāgīśvaraṃ tato dṛṣṭvā tāvatā muktim āpnuyāt
und darauf den Vāgīśvara erblickt hat, erlangt allein dadurch die Erlösung
dānahomādikaṃ kiṃcid upavāsādikāṃ kriyām
wer etwas an Spende, Feueropfer und dergleichen, an Fasten und ähnlichen Handlungen

yaḥ kuryāt saṃgame puṇye saṃsāre na bhavet punaḥ / ekonaviṃśatiśataṃ tīrthānāṃ tīrayor dvayoḥ / nānājanmārjitāśeṣa-pāpakṣayavidhāyinām //

...an jenem verdienstvollen Zusammenfluss vollzieht, wird nicht wieder in den Weltenkreislauf eingehen; es gibt 1900 Tīrthas an beiden Ufern, die die gesamte, in verschiedenen Geburten angehäufte Sünde vernichten.

Wort für Wort
yaḥ kuryāt saṃgame puṇye saṃsāre na bhavet punaḥ
an jenem verdienstvollen Zusammenfluss vollzieht, wird nicht wieder in den Weltenkreislauf eingehen
ekonaviṃśatiśataṃ tīrthānāṃ tīrayor dvayoḥ
es gibt 1900 Tīrthas an beiden Ufern
nānājanmārjitāśeṣa-pāpakṣayavidhāyinām
die die gesamte, in verschiedenen Geburten angehäufte Sünde vernichten

[Anm.: Dreizeiliger Vers im Original; 'ekonaviṃśatiśatam' = 19x100 = 1900. Schließt die Kapitelerzählung ab.]

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