Quellen der Menschheit

Brahma-Purāṇa

Kapitel 136: viṣṇutīrthamāhātmyavarṇanam Die Größe des Viṣṇu- (Maudgalya-)Tīrtha (Der Weise Maudgalya, seine Frau Jābālā und die Lehre von Karma, Spende und Hingabe)

Der Weise Maudgalya ruft täglich Viṣṇu durch Meditation an die Gautamī, worauf dieser leibhaftig auf Garuḍa erscheint, mit ihm verweilt und Geschichten erzählt. Seine Gattin Jābālā fragt sich, warum trotz dieser täglichen göttlichen Gegenwart ihre Armut fortbesteht, und drängt Maudgalya, Viṣṇu danach zu fragen. Viṣṇu erklärt die unausweichliche Wirkung des eigenen Karmas (wie die Saat, so die Frucht) und weist darauf hin, dass Maudgalya nie etwas gespendet habe; nur mit Gedenken an Viṣṇu gegebene Spenden seien unvergänglich, während gewöhnliche Werke nur begrenzten Lohn brächten. In einem kurzen Streitgespräch über das Verhältnis von Genuss (bhukti) und Erlösung (mukti) durch Hingabe bittet Viṣṇu selbst um eine kleine Gabe; da Maudgalya nichts mehr zu geben hat, lässt Viṣṇu durch Garuḍa eine einzige Getreideähre holen, die Maudgalya darbringt. Daraufhin gewährt Viṣṇu durch Viśvakarman sieben Generationen von Maudgalyas Nachkommen alle Wünsche (Kühe, Gold, Getreide, Gewänder, Schmuck); Maudgalya und seine Familie erlangen sowohl Genuss als auch Erlösung. Ursprung des Viṣṇu- bzw. Maudgalya-(Vaiṣṇava-)Tīrtha mit 11000 weiteren Tīrthas.

{brahmovāca:} viṣṇutīrtham iti khyātaṃ tatra vṛttam idaṃ śṛṇu / maudgalya iti vikhyāto mudgalasya suto ṛṣiḥ //

Brahmā sprach: Bekannt als Viṣṇu-Tīrtha - höre, was sich dort zutrug: Es gab einen als Maudgalya bekannten Weisen, den Sohn Mudgalas.

Wort für Wort
{brahmovāca:} viṣṇutīrtham iti khyātaṃ tatra vṛttam idaṃ śṛṇu
Brahmā sprach: Bekannt als Viṣṇu-Tīrtha - höre, was sich dort zutrug
maudgalya iti vikhyāto mudgalasya suto ṛṣiḥ
Es gab einen als Maudgalya bekannten Weisen, den Sohn Mudgalas

tasya bhāryā tu jābālā nāmnā khyātā suputriṇī / pitā ṛṣis tathā vṛddho mudgalo lokaviśrutaḥ //

Seine Gattin, mit Namen Jābālā bekannt, war mit guten Kindern gesegnet; sein Vater war der greise, in der Welt berühmte Weise Mudgala.

Wort für Wort
tasya bhāryā tu jābālā nāmnā khyātā suputriṇī
Seine Gattin, mit Namen Jābālā bekannt, war mit guten Kindern gesegnet
pitā ṛṣis tathā vṛddho mudgalo lokaviśrutaḥ
sein Vater war der greise, in der Welt berühmte Weise Mudgala

tasya bhāryā tathā khyātā nāmnā bhāgīrathī śubhā / sa maudgalyaḥ prātar eva gaṅgāṃ snāti yatavrataḥ //

Dessen [Mudgalas] Gattin war ebenso unter dem Namen Bhāgīrathī bekannt, eine verheißungsvolle. Jener Maudgalya badete stets frühmorgens in der Gaṅgā, mit gezügeltem Gelübde.

Wort für Wort
tasya bhāryā tathā khyātā nāmnā bhāgīrathī śubhā
Dessen Gattin war ebenso unter dem Namen Bhāgīrathī bekannt, eine verheißungsvolle
sa maudgalyaḥ prātar eva gaṅgāṃ snāti yatavrataḥ
Jener Maudgalya badete stets frühmorgens in der Gaṅgā, mit gezügeltem Gelübde

nityam eva tv idaṃ karma tasyāsīn munisattama / gaṅgātīre kuśair mṛdbhiḥ śamīpuṣpair aharniśam //

Dies war stets seine tägliche Handlung, o bester der Weisen: am Ufer der Gaṅgā, mit Kuśa-Gras, mit Lehm, mit Śamī-Blüten, Tag und Nacht.

Wort für Wort
nityam eva tv idaṃ karma tasyāsīn munisattama
Dies war stets seine tägliche Handlung, o bester der Weisen
gaṅgātīre kuśair mṛdbhiḥ śamīpuṣpair aharniśam
am Ufer der Gaṅgā, mit Kuśa-Gras, mit Lehm, mit Śamī-Blüten, Tag und Nacht

gurūditena mārgeṇa svamānasasaroruhe / āvāhanaṃ nityam eva viṣṇoś cakre sa maudgaliḥ //

Nach der vom Guru gelehrten Weise, im Lotos seines eigenen Geistes, vollzog jener Maudgalya stets die rituelle Anrufung Viṣṇus.

Wort für Wort
gurūditena mārgeṇa svamānasasaroruhe
Nach der vom Guru gelehrten Weise, im Lotos seines eigenen Geistes
āvāhanaṃ nityam eva viṣṇoś cakre sa maudgaliḥ
vollzog jener Maudgalya stets die rituelle Anrufung Viṣṇus

tenāhūtas tvarann eti lakṣmībhartā jagatpatiḥ / vainateyam athāruhya śaṅkhacakragadādharaḥ //

Von ihm gerufen, kommt eilends der Gemahl Lakṣmīs, der Weltenherr, nachdem er den Vainateya [Garuḍa] bestiegen hat, den Muschelhorn, Diskus und Keule Tragenden.

Wort für Wort
tenāhūtas tvarann eti lakṣmībhartā jagatpatiḥ
Von ihm gerufen, kommt eilends der Gemahl Lakṣmīs, der Weltenherr
vainateyam athāruhya śaṅkhacakragadādharaḥ
nachdem er den Vainateya bestiegen hat, den Muschelhorn, Diskus und Keule Tragenden

pūjitas tena ṛṣiṇā sa maudgalyena yatnataḥ / prabrūte ca kathāś citrā maudgalyāya jagatprabhuḥ //

Von jenem Weisen Maudgalya eifrig verehrt, erzählt der Weltenherr dem Maudgalya wunderbare Geschichten.

Wort für Wort
pūjitas tena ṛṣiṇā sa maudgalyena yatnataḥ
Von jenem Weisen Maudgalya eifrig verehrt
prabrūte ca kathāś citrā maudgalyāya jagatprabhuḥ
erzählt der Weltenherr dem Maudgalya wunderbare Geschichten

tato 'parāhṇasamaye viṣṇuḥ prāha sa maudgalim / yāhi vatsa svabhavanaṃ śrānto 'sīti punaḥ punaḥ //

Darauf, zur Nachmittagszeit, sprach Viṣṇu zu jenem Maudgalya immer wieder: Geh, mein Sohn, in dein Haus, du bist müde.

Wort für Wort
tato 'parāhṇasamaye viṣṇuḥ prāha sa maudgalim
Darauf, zur Nachmittagszeit, sprach Viṣṇu zu jenem Maudgalya
yāhi vatsa svabhavanaṃ śrānto 'sīti punaḥ punaḥ
immer wieder: Geh, mein Sohn, in dein Haus, du bist müde

evam uktaḥ sa devena viṣṇunā yāti sa dvijaḥ / jagatprabhus tato yāti devair yuktaḥ svamandiram //

So von dem Gott Viṣṇu angesprochen, geht jener Zweifachgeborene nach Hause; der Weltenherr geht darauf, von den Göttern begleitet, in seine eigene Wohnstatt.

Wort für Wort
evam uktaḥ sa devena viṣṇunā yāti sa dvijaḥ
So von dem Gott Viṣṇu angesprochen, geht jener Zweifachgeborene nach Hause
jagatprabhus tato yāti devair yuktaḥ svamandiram
der Weltenherr geht darauf, von den Göttern begleitet, in seine eigene Wohnstatt

maudgalyo 'pi tathābhyetya kiṃcid ādāya nityaśaḥ / svam eva bhavanaṃ vidvān bhāryāyai svārjitaṃ dhanam //

Auch Maudgalya, ebenso heimgekehrt, gibt stets etwas, der Wissende, in sein eigenes Haus mitnehmend, seiner Gattin: das von ihm selbst erworbene Gut.

Wort für Wort
maudgalyo 'pi tathābhyetya kiṃcid ādāya nityaśaḥ
Auch Maudgalya, ebenso heimgekehrt, nimmt stets etwas mit
svam eva bhavanaṃ vidvān bhāryāyai svārjitaṃ dhanam
in sein eigenes Haus, der Wissende, für seine Gattin: das von ihm selbst erworbene Gut

dadāti sa mahāviṣṇucaraṇābjaparāyaṇaḥ / maudgalyasya priyā sāpi pativrataparāyaṇā //

...gibt er, ganz den Lotosfüßen des großen Viṣṇu hingegeben; Maudgalyas Geliebte war ebenso ganz der Gattenpflicht hingegeben.

Wort für Wort
dadāti sa mahāviṣṇucaraṇābjaparāyaṇaḥ
gibt er, ganz den Lotosfüßen des großen Viṣṇu hingegeben
maudgalyasya priyā sāpi pativrataparāyaṇā
Maudgalyas Geliebte war ebenso ganz der Gattenpflicht hingegeben

śākaṃ mūlaṃ phalaṃ vāpi bhartrānītaṃ tu yatnataḥ / susaṃskṛtyāpy atithīnāṃ bālānāṃ bhartur eva ca //

Gemüse, Wurzeln oder Früchte, die vom Gatten eifrig herbeigebracht wurden, gut zubereitend, für die Gäste, die Kinder und für den Gatten selbst...

Wort für Wort
śākaṃ mūlaṃ phalaṃ vāpi bhartrānītaṃ tu yatnataḥ
Gemüse, Wurzeln oder Früchte, die vom Gatten eifrig herbeigebracht wurden
susaṃskṛtyāpy atithīnāṃ bālānāṃ bhartur eva ca
gut zubereitend, für die Gäste, die Kinder und für den Gatten selbst

dattvā tu bhojanaṃ tebhyaḥ paścād bhuṅkte yatavratā / bhuktavatsv atha sarveṣu rātrau nityaṃ sa maudgaliḥ //

...nachdem sie ihnen die Speise gegeben hatte, aß sie, mit gezügeltem Gelübde, danach selbst. Nachdem alle gegessen hatten, erzählte darauf jener Maudgalya, nachts, stets...

Wort für Wort
dattvā tu bhojanaṃ tebhyaḥ paścād bhuṅkte yatavratā
nachdem sie ihnen die Speise gegeben hatte, aß sie, mit gezügeltem Gelübde, danach selbst
bhuktavatsv atha sarveṣu rātrau nityaṃ sa maudgaliḥ
Nachdem alle gegessen hatten, erzählte darauf jener Maudgalya, nachts, stets

viṣṇoḥ śrutāḥ kathāś citrās tebhyo vakty atha harṣitaḥ / evaṃ bahutithe kāle vyatīte cātivismitā / maudgalyasya raho bhāryā bhartāraṃ vākyam abravīt //

...die wunderbaren, von Viṣṇu gehörten Geschichten, freudig. Als so eine lange Zeit vergangen war, sprach, überaus erstaunt, Maudgalyas Gattin im Geheimen zu ihrem Gatten dieses Wort:

Wort für Wort
viṣṇoḥ śrutāḥ kathāś citrās tebhyo vakty atha harṣitaḥ
die wunderbaren, von Viṣṇu gehörten Geschichten, freudig
evaṃ bahutithe kāle vyatīte cātivismitā
Als so eine lange Zeit vergangen war, überaus erstaunt
maudgalyasya raho bhāryā bhartāraṃ vākyam abravīt
sprach Maudgalyas Gattin im Geheimen zu ihrem Gatten dieses Wort

[Anm.: Dreizeiliger Vers im Original.]

{jābālovāca:} yadi te viṣṇur abhyeti samīpaṃ tridaśārcitaḥ / tathāpi kaṣṭam asmākaṃ kasmād iti jagatprabhum //

Jābālā sprach: Wenn zu dir Viṣṇu, von den Göttern verehrt, in die Nähe kommt, warum ist dennoch unsere Not so groß? Warum, so frage den Weltenherrn.

Wort für Wort
{jābālovāca:} yadi te viṣṇur abhyeti samīpaṃ tridaśārcitaḥ
Jābālā sprach: Wenn zu dir Viṣṇu, von den Göttern verehrt, in die Nähe kommt
tathāpi kaṣṭam asmākaṃ kasmād iti jagatprabhum
warum ist dennoch unsere Not so groß? Warum, so frage den Weltenherrn

tat pṛccha tvaṃ mahāprājña yadāsau viṣṇur eti ca / yasmiṃś ca smṛtamātre tu jarājanmarujo mṛtiḥ / nāśaṃ yānti kuto dṛṣṭe tasmāt pṛccha jagatpatim //

Frage danach, du Hochweiser, wenn jener Viṣṇu kommt; und wenn schon durch das bloße Erinnern an ihn Alter, Geburt, Krankheit und Tod vergehen, wie kommt es dann, dass unsere Not nicht vergeht, obwohl wir ihn sogar sehen? Frage deshalb den Weltenherrn.

Wort für Wort
tat pṛccha tvaṃ mahāprājña yadāsau viṣṇur eti ca
Frage danach, du Hochweiser, wenn jener Viṣṇu kommt
yasmiṃś ca smṛtamātre tu jarājanmarujo mṛtiḥ
und wenn schon durch das bloße Erinnern an ihn Alter, Geburt, Krankheit und Tod
nāśaṃ yānti kuto dṛṣṭe tasmāt pṛccha jagatpatim
vergehen, wie kommt es dann, dass unsere Not nicht vergeht, obwohl wir ihn sehen? Frage deshalb den Weltenherrn

[Anm.: Dreizeiliger Vers im Original.]

{brahmovāca:} tathety uktvā priyāvākyān maudgalyo nityavad dharim / pūjayitvā vinītaś ca papraccha sa kṛtāñjaliḥ //

Brahmā sprach: 'So sei es', sprechend auf die Worte der Geliebten, verehrte Maudgalya, wie gewohnt, Hari; und demütig, mit gefalteten Händen, fragte er.

Wort für Wort
{brahmovāca:} tathety uktvā priyāvākyān maudgalyo nityavad dharim
Brahmā sprach: 'So sei es', sprechend auf die Worte der Geliebten, verehrte Maudgalya, wie gewohnt, Hari
pūjayitvā vinītaś ca papraccha sa kṛtāñjaliḥ
und demütig, mit gefalteten Händen, fragte er

{maudgalya uvāca:} tvayi smṛte jagannātha śokadāridryaduṣkṛtam / nāśaṃ yāti vipattir me tvayi dṛṣṭe kathaṃ sthitā //

Maudgalya sprach: Wenn man sich deiner erinnert, o Herr der Welt, vergehen Kummer, Armut und üble Tat - warum aber besteht mein Unglück fort, obwohl ich dich sehe?

Wort für Wort
{maudgalya uvāca:} tvayi smṛte jagannātha śokadāridryaduṣkṛtam
Maudgalya sprach: Wenn man sich deiner erinnert, o Herr der Welt, vergehen Kummer, Armut und üble Tat
nāśaṃ yāti vipattir me tvayi dṛṣṭe kathaṃ sthitā
warum aber besteht mein Unglück fort, obwohl ich dich sehe?

{śrīviṣṇur uvāca:} svakṛtaṃ bhujyate bhūtaiḥ sarvaiḥ sarvatra sarvadā / na kopi kasyacit kiṃcit karoty atra hitāhite //

Der erhabene Viṣṇu sprach: Das selbst Getane wird von allen Wesen überall und immer erfahren; niemand bewirkt hierbei für einen anderen irgendetwas, sei es zum Vor- oder Nachteil.

Wort für Wort
{śrīviṣṇur uvāca:} svakṛtaṃ bhujyate bhūtaiḥ sarvaiḥ sarvatra sarvadā
Der erhabene Viṣṇu sprach: Das selbst Getane wird von allen Wesen überall und immer erfahren
na kopi kasyacit kiṃcit karoty atra hitāhite
niemand bewirkt hierbei für einen anderen irgendetwas, sei es zum Vor- oder Nachteil

yādṛśaṃ copyate bījaṃ phalaṃ bhavati tādṛśam / rasālaḥ syān na nimbasya bījāj jātv api kutracit //

Wie beschaffen der gesäte Same ist, so beschaffen wird die Frucht; ein Mangobaum entsteht niemals, unter keinen Umständen, aus dem Samen des Nimbaums.

Wort für Wort
yādṛśaṃ copyate bījaṃ phalaṃ bhavati tādṛśam
Wie beschaffen der gesäte Same ist, so beschaffen wird die Frucht
rasālaḥ syān na nimbasya bījāj jātv api kutracit
ein Mangobaum entsteht niemals, unter keinen Umständen, aus dem Samen des Nimbaums

na kṛtā gautamīsevā nārcitau hariśaṃkarau / na dattaṃ yaiś ca viprebhyas te kathaṃ bhājanaṃ śriyaḥ //

Von wem der Dienst an der Gautamī nicht geleistet, Hari und Śaṃkara nicht verehrt und den Brahmanen nichts gegeben wurde, wie sollte der ein Gefäß des Glücks sein?

Wort für Wort
na kṛtā gautamīsevā nārcitau hariśaṃkarau
Von wem der Dienst an der Gautamī nicht geleistet, Hari und Śaṃkara nicht verehrt wurde
na dattaṃ yaiś ca viprebhyas te kathaṃ bhājanaṃ śriyaḥ
und den Brahmanen nichts gegeben wurde, wie sollte der ein Gefäß des Glücks sein?

tvayā na dattaṃ kiṃcic ca brāhmaṇebhyo mamāpi ca / yad dīyate tad eveha parasmiṃś copatiṣṭhati //

Von dir wurde nichts gegeben, weder den Brahmanen noch mir; was hier gegeben wird, gerade das kommt im Jenseits [wieder] zugute.

Wort für Wort
tvayā na dattaṃ kiṃcic ca brāhmaṇebhyo mamāpi ca
Von dir wurde nichts gegeben, weder den Brahmanen noch mir
yad dīyate tad eveha parasmiṃś copatiṣṭhati
was hier gegeben wird, gerade das kommt im Jenseits wieder zugute

mṛdbhir vārbhiḥ kuśair mantraiḥ śucikarma sadaiva yat / karoti tasmāt pūtātmā śarīrasya ca śoṣaṇāt //

Wer stets mit Lehm, Wasser, Kuśa-Gras und Mantras die reinigende Handlung vollzieht, wird dadurch von reiner Seele - allein durch das Auszehren des Körpers.

Wort für Wort
mṛdbhir vārbhiḥ kuśair mantraiḥ śucikarma sadaiva yat
Wer stets mit Lehm, Wasser, Kuśa-Gras und Mantras die reinigende Handlung vollzieht
karoti tasmāt pūtātmā śarīrasya ca śoṣaṇāt
wird dadurch von reiner Seele - allein durch das Auszehren des Körpers

vinā dānena na kvāpi bhogāvāptir nṛṇāṃ bhavet / satkarmācaraṇāc chuddho viraktaḥ syāt tato naraḥ //

Ohne Spende gibt es für die Menschen nirgends das Erlangen von Genuss; durch das Ausüben guter Handlungen wird der Mensch rein, und dadurch wird er leidenschaftslos.

Wort für Wort
vinā dānena na kvāpi bhogāvāptir nṛṇāṃ bhavet
Ohne Spende gibt es für die Menschen nirgends das Erlangen von Genuss
satkarmācaraṇāc chuddho viraktaḥ syāt tato naraḥ
durch das Ausüben guter Handlungen wird der Mensch rein, und dadurch wird er leidenschaftslos

tato 'pratihatajñāno jīvanmuktas tato bhavet / sarveṣāṃ sulabhā muktir madbhaktyā ceha pūrtataḥ //

Darauf, von ungehindertem Wissen, wird er darauf zu Lebzeiten befreit; für alle ist die Erlösung leicht erreichbar, nämlich durch Hingabe an mich und durch Werke der Wohltätigkeit.

Wort für Wort
tato 'pratihatajñāno jīvanmuktas tato bhavet
Darauf, von ungehindertem Wissen, wird er darauf zu Lebzeiten befreit
sarveṣāṃ sulabhā muktir madbhaktyā ceha pūrtataḥ
für alle ist die Erlösung leicht erreichbar, nämlich durch Hingabe an mich und durch Werke der Wohltätigkeit

bhuktir dānādinā sarvabhūtaduḥkhanibarhaṇāt / athavā lapsyase muktiṃ bhaktyā bhuktiṃ na lapsyase //

Genuss (Bhukti) erlangt man durch Spenden und dergleichen, durch das Beseitigen des Leids aller Wesen; oder aber du wirst durch Hingabe die Erlösung erlangen - den Genuss aber wirst du dann nicht erlangen.

Wort für Wort
bhuktir dānādinā sarvabhūtaduḥkhanibarhaṇāt
Genuss erlangt man durch Spenden und dergleichen, durch das Beseitigen des Leids aller Wesen
athavā lapsyase muktiṃ bhaktyā bhuktiṃ na lapsyase
oder aber du wirst durch Hingabe die Erlösung erlangen - den Genuss aber wirst du dann nicht erlangen

{maudgalya uvāca:} bhaktyā muktiḥ kathaṃ bhūyād bhukter muktiḥ sudurlabhā / jātā ced dehināṃ muktiḥ kim anyena prayojanam //

Maudgalya sprach: Wie sollte durch Hingabe Erlösung entstehen, wenn doch Erlösung durch Genuss überaus schwer erreichbar ist? Wenn den Verkörperten einmal Erlösung zuteilwird, wozu bräuchte es dann noch anderes?

Wort für Wort
{maudgalya uvāca:} bhaktyā muktiḥ kathaṃ bhūyād bhukter muktiḥ sudurlabhā
Maudgalya sprach: Wie sollte durch Hingabe Erlösung entstehen, wenn doch Erlösung durch Genuss überaus schwer erreichbar ist?
jātā ced dehināṃ muktiḥ kim anyena prayojanam
Wenn den Verkörperten einmal Erlösung zuteilwird, wozu bräuchte es dann noch anderes?

[Anm.: Sinngemäß wiedergegeben - Maudgalyas genaue Logik bleibt unklar; evtl. Einwand, dass Genuss (bhukti) und Erlösung (mukti) sich gegenseitig ausschließen sollten.]

bhaktyā muktiḥ sarvapūjyā tām iccheyaṃ jaganmaya //*

Die durch Hingabe erlangte Erlösung ist von allen verehrungswürdig; diese möchte ich erlangen, o Alldurchdringender.

Wort für Wort
bhaktyā muktiḥ sarvapūjyā
Die durch Hingabe erlangte Erlösung ist von allen verehrungswürdig
tām iccheyaṃ jaganmaya
diese möchte ich erlangen, o Alldurchdringender

[Anm.: Unvollständiger Halbvers im Original (nur eine Zeile, mit * markiert).]

{viṣṇur uvāca:} etad evāntaraṃ brahman dīyate mām anusmaran / brāhmaṇāyāthavārthibhyas tad evākṣayatāṃ vrajet //

Viṣṇu sprach: Gerade dies ist der entscheidende Unterschied, o Brahmane: Was, meiner gedenkend, einem Brahmanen oder Bittstellern gegeben wird, das allein wird unvergänglich.

Wort für Wort
{viṣṇur uvāca:} etad evāntaraṃ brahman dīyate mām anusmaran
Viṣṇu sprach: Gerade dies ist der entscheidende Unterschied, o Brahmane: Was, meiner gedenkend, gegeben wird
brāhmaṇāyāthavārthibhyas tad evākṣayatāṃ vrajet
einem Brahmanen oder Bittstellern, das allein wird unvergänglich

mām adhyātvātha yad dadyāt tat tanmātraphalapradam / tat punar dattam eveha na bhogāyātra kalpate //

Was aber, ohne an mich zu denken, gegeben wird, das gewährt nur genau diese begrenzte Frucht; das hier Gegebene taugt dann wiederum nicht zum höheren Genuss.

Wort für Wort
mām adhyātvātha yad dadyāt tat tanmātraphalapradam
Was aber, ohne an mich zu denken, gegeben wird, das gewährt nur genau diese begrenzte Frucht
tat punar dattam eveha na bhogāyātra kalpate
das hier Gegebene taugt dann wiederum nicht zum höheren Genuss

tasmād dehi mahābuddhe bhojyaṃ kiṃcin mama dhruvam / athavā vipramukhyāya gautamītīram āśritaḥ //

Deshalb gib mir, o Hochweiser, gewiss etwas an Speise; oder aber gib es dem besten der Brahmanen, der sich am Ufer der Gautamī aufhält.

Wort für Wort
tasmād dehi mahābuddhe bhojyaṃ kiṃcin mama dhruvam
Deshalb gib mir, o Hochweiser, gewiss etwas an Speise
athavā vipramukhyāya gautamītīram āśritaḥ
oder aber gib es dem besten der Brahmanen, der sich am Ufer der Gautamī aufhält

{brahmovāca:} maudgalyaḥ prāha taṃ viṣṇuṃ deyaṃ mama na vidyate / nānyat kiṃcana dehādi yat tat tvayi samarpitam //

Brahmā sprach: Maudgalya sprach zu jenem Viṣṇu: Es gibt bei mir nichts zu Gebendes; nichts anderes, sei es der Körper oder dergleichen, das dir nicht schon dargebracht wäre.

Wort für Wort
{brahmovāca:} maudgalyaḥ prāha taṃ viṣṇuṃ deyaṃ mama na vidyate
Brahmā sprach: Maudgalya sprach zu jenem Viṣṇu: Es gibt bei mir nichts zu Gebendes
nānyat kiṃcana dehādi yat tat tvayi samarpitam
nichts anderes, sei es der Körper oder dergleichen, das dir nicht schon dargebracht wäre

tato viṣṇur garutmantaṃ prāha śīghraṃ jagatpatiḥ / ihānayasva kaṇiśaṃ mamāyaṃ cārpayiṣyati //

Darauf sprach Viṣṇu, der Weltenherr, rasch zu Garuḍa: Bring hierher eine Getreideähre; dieser wird sie mir darbringen.

Wort für Wort
tato viṣṇur garutmantaṃ prāha śīghraṃ jagatpatiḥ
Darauf sprach Viṣṇu, der Weltenherr, rasch zu Garuḍa
ihānayasva kaṇiśaṃ mamāyaṃ cārpayiṣyati
Bring hierher eine Getreideähre; dieser wird sie mir darbringen

tato yogyān ayaṃ bhogān prāpsyate manasaḥ priyān / ākarṇya svāminādiṣṭaṃ tathā cakre sa pakṣirāṭ //

Darauf wird dieser die geziemenden, dem Herzen lieben Genüsse erlangen. Nachdem er den Befehl seines Herrn vernommen hatte, tat der Vogelkönig ebenso.

Wort für Wort
tato yogyān ayaṃ bhogān prāpsyate manasaḥ priyān
Darauf wird dieser die geziemenden, dem Herzen lieben Genüsse erlangen
ākarṇya svāminādiṣṭaṃ tathā cakre sa pakṣirāṭ
Nachdem er den Befehl seines Herrn vernommen hatte, tat der Vogelkönig ebenso

viṣṇuhaste kaṇān prādāt sa maudgalyo yatavrataḥ / etasminn antare viṣṇur viśvakarmāṇam abravīt //

In Viṣṇus Hand gab jener Maudgalya, mit gezügeltem Gelübde, die Körner; in diesem Augenblick sprach Viṣṇu zu Viśvakarman:

Wort für Wort
viṣṇuhaste kaṇān prādāt sa maudgalyo yatavrataḥ
In Viṣṇus Hand gab jener Maudgalya, mit gezügeltem Gelübde, die Körner
etasminn antare viṣṇur viśvakarmāṇam abravīt
in diesem Augenblick sprach Viṣṇu zu Viśvakarman

{viṣṇur uvāca:} yāvac cāsya kule sapta puruṣās tāvad eva tu / bhavitāro mahābuddhe tāvat kāmā manīṣitāḥ / gāvo hiraṇyaṃ dhānyāni vastrāṇy ābharaṇāni ca //

Viṣṇu sprach: Solange in dessen Geschlecht sieben Generationen von Menschen sein werden, o Hochweiser, so lange sollen die gewünschten Wünsche erfüllt sein: Kühe, Gold, Getreide, Gewänder und Schmuckstücke.

Wort für Wort
{viṣṇur uvāca:} yāvac cāsya kule sapta puruṣās tāvad eva tu
Viṣṇu sprach: Solange in dessen Geschlecht sieben Generationen von Menschen sein werden
bhavitāro mahābuddhe tāvat kāmā manīṣitāḥ
o Hochweiser, so lange sollen die gewünschten Wünsche erfüllt sein
gāvo hiraṇyaṃ dhānyāni vastrāṇy ābharaṇāni ca
Kühe, Gold, Getreide, Gewänder und Schmuckstücke

[Anm.: Dreizeiliger Vers im Original.]

{brahmovāca:} yac ca kiṃcin manaḥprītyai loke bhavati bhūṣaṇam / tat sarvam āpa maudgalyo viṣṇugaṅgāprabhāvataḥ //

Brahmā sprach: Und was immer in der Welt zur Freude des Herzens als Schmuck existiert, das alles erlangte Maudgalya durch die Macht Viṣṇus und der Gaṅgā.

Wort für Wort
{brahmovāca:} yac ca kiṃcin manaḥprītyai loke bhavati bhūṣaṇam
Brahmā sprach: Und was immer in der Welt zur Freude des Herzens als Schmuck existiert
tat sarvam āpa maudgalyo viṣṇugaṅgāprabhāvataḥ
das alles erlangte Maudgalya durch die Macht Viṣṇus und der Gaṅgā

gṛhaṃ gaccheti maudgalyo viṣṇunoktas tato yayau / āśrame svasya sarvarddhiṃ dṛṣṭvā ṛṣir abhāṣata //

'Geh nach Hause', so von Viṣṇu angesprochen, ging Maudgalya darauf heim; als er in seiner Einsiedelei all den Reichtum sah, sprach der Weise [Mudgala]:

Wort für Wort
gṛhaṃ gaccheti maudgalyo viṣṇunoktas tato yayau
'Geh nach Hause', so von Viṣṇu angesprochen, ging Maudgalya darauf heim
āśrame svasya sarvarddhiṃ dṛṣṭvā ṛṣir abhāṣata
als er in seiner Einsiedelei all den Reichtum sah, sprach der Weise

{ṛṣir uvāca:} aho dānaprabhāvo 'yam aho viṣṇor anusmṛtiḥ / aho gaṅgāprabhāvaś ca kair vicāryo mahān ayam //

Der Weise sprach: Ah, dies ist die Macht des Spendens! Ah, das Sich-Erinnern an Viṣṇu! Ah, die Macht der Gaṅgā! Von wem sollte diese Größe je vollständig erfasst werden?

Wort für Wort
{ṛṣir uvāca:} aho dānaprabhāvo 'yam aho viṣṇor anusmṛtiḥ
Der Weise sprach: Ah, dies ist die Macht des Spendens! Ah, das Sich-Erinnern an Viṣṇu!
aho gaṅgāprabhāvaś ca kair vicāryo mahān ayam
Ah, die Macht der Gaṅgā! Von wem sollte diese Größe je vollständig erfasst werden?

{brahmovāca:} maudgalyo bhāryayā sārdhaṃ putraiḥ pautraiś ca bandhubhiḥ / pitṛbhyāṃ bubhuje bhogān bhuktiṃ muktim avāpa ca //

Brahmā sprach: Maudgalya genoss zusammen mit seiner Gattin, seinen Söhnen und Enkeln, seinen Verwandten und seinen beiden Eltern die Genüsse, und er erlangte sowohl Genuss als auch Erlösung.

Wort für Wort
{brahmovāca:} maudgalyo bhāryayā sārdhaṃ putraiḥ pautraiś ca bandhubhiḥ
Brahmā sprach: Maudgalya genoss zusammen mit seiner Gattin, seinen Söhnen und Enkeln, seinen Verwandten
pitṛbhyāṃ bubhuje bhogān bhuktiṃ muktim avāpa ca
und seinen beiden Eltern die Genüsse, und er erlangte sowohl Genuss als auch Erlösung

tataḥ prabhṛti tat tīrthaṃ maudgalyaṃ vaiṣṇavaṃ tathā / tatra snānaṃ ca dānaṃ ca bhuktimuktiphalapradam //

Von da an [heißt] jenes Tīrtha Maudgalya, ebenso Vaiṣṇava; Baden und Spenden dort gewährt als Frucht sowohl Genuss als auch Erlösung.

Wort für Wort
tataḥ prabhṛti tat tīrthaṃ maudgalyaṃ vaiṣṇavaṃ tathā
Von da an heißt jenes Tīrtha Maudgalya, ebenso Vaiṣṇava
tatra snānaṃ ca dānaṃ ca bhuktimuktiphalapradam
Baden und Spenden dort gewährt als Frucht sowohl Genuss als auch Erlösung

tatra śrutiḥ smṛtir vāpi tīrthasya syāt kathaṃcana / tasya viṣṇur bhavet prītaḥ pāpair muktaḥ sukhī bhavet //

Wer auch immer irgendwie nur vom Hören oder Erinnern dieses Tīrtha Kunde erlangt - dem wird Viṣṇu wohlgesinnt sein, er wird von Sünden befreit und glücklich werden.

Wort für Wort
tatra śrutiḥ smṛtir vāpi tīrthasya syāt kathaṃcana
Wer auch immer irgendwie nur vom Hören oder Erinnern dieses Tīrtha Kunde erlangt
tasya viṣṇur bhavet prītaḥ pāpair muktaḥ sukhī bhavet
dem wird Viṣṇu wohlgesinnt sein, er wird von Sünden befreit und glücklich werden

ekādaśa sahasrāṇi tīrthānāṃ tīrayor dvayoḥ / sarvārthadāyināṃ tatra snānadānajapādibhiḥ //

Elftausend Tīrthas gibt es an beiden Ufern, die dort durch Baden, Spenden, Murmelgebet und dergleichen alle Ziele gewähren.

Wort für Wort
ekādaśa sahasrāṇi tīrthānāṃ tīrayor dvayoḥ
Elftausend Tīrthas gibt es an beiden Ufern
sarvārthadāyināṃ tatra snānadānajapādibhiḥ
die dort durch Baden, Spenden, Murmelgebet und dergleichen alle Ziele gewähren

[Anm.: Schließt die Kapitelerzählung ab.]

Interaktive Leseansicht des ganzen Werks