Quellen der Menschheit

Brahma-Purāṇa

Kapitel 31: sūryanāmastavavarṇanam Die Sonne als Wurzel von Zeit und Welt, ihre vierundzwanzig Namen und der 'König der Lobpreisungen'

Brahmā legt dar, dass die Sonne Wurzel und höchste Gottheit der dreifachen Welt ist, aus der alles entsteht und in die alles vergeht, und von der Zeitrechnung, Jahreszeiten, Ackerbau und alle Weltordnung abhängen; ihre je nach Jahreszeit wechselnde Farbe wird beschrieben. Es folgen ihre vierundzwanzig gebräuchlichen Namen (zwölf allgemeine und die zwölf Monats-Ādityas) samt einer detaillierten, teils zahlenmystischen Aufstellung ihrer wechselnden Strahlenzahl im Jahreslauf. Auf die Frage der Weisen nach der Frucht der 'tausend Namen' antwortet Brahmā mit einem kompakten, einundzwanzig Namen umfassenden Lobpreis (dem 'Stavarāja', 'König der Lobpreisungen'), der ebenso wirksam sei und bei täglicher Rezitation an den beiden Dämmerungen von aller Sünde befreie.

ādityamūlam akhilaṃ trailokyaṃ munisattamāḥ / bhavaty asmāj jagat sarvaṃ sadevāsuramānuṣam //

{Brahmā sprach:} Die ganze dreifache Welt hat die Sonne zur Wurzel, o ihr Besten der Weisen; aus ihr entsteht die ganze Welt samt Göttern, Asuras und Menschen.

Wort für Wort
āditya-mūlam akhilam trailokyam
die Sonne zur Wurzel habend, die ganze dreifache Welt
munisattamāḥ
o Beste der Weisen
bhavati asmāt jagat sarvam
entsteht aus ihr die ganze Welt
sa-deva-asura-mānuṣam
samt Göttern, Asuras und Menschen

rudropendramahendrāṇāṃ viprendratridivaukasām / mahādyutimatāṃ caiva tejo 'yaṃ sārvalaukikam //

Von Rudra, Upendra und Mahendra, von den Brahmanenfürsten und den Himmelsbewohnern, und auch von den hochglänzenden Wesen — er ist der allen Welten gemeinsame Glanz.

Wort für Wort
rudra-upendra-mahendrāṇām
von Rudra, Upendra und Mahendra
vipra-indra-tridiva-okasām
von den Brahmanenfürsten und Himmelsbewohnern
mahā-dyutimatām ca eva
und auch von den hochglänzenden Wesen
tejaḥ ayam sārva-laukikam
er ist der allen Welten gemeinsame Glanz

sarvātmā sarvalokeśo devadevaḥ prajāpatiḥ / sūrya eva trilokasya mūlaṃ paramadaivatam //

Die Allseele, der Herr aller Welten, der Gott der Götter, der Prajāpati — die Sonne allein ist Wurzel und höchste Gottheit der dreifachen Welt.

Wort für Wort
sarva-ātmā sarva-loka-īśaḥ
die Allseele, der Herr aller Welten
deva-devaḥ prajāpatiḥ
der Gott der Götter, der Prajāpati
sūryaḥ eva trilokasya
die Sonne allein ist der dreifachen Welt
mūlam parama-daivatam
Wurzel und höchste Gottheit

agnau prāstāhutiḥ samyag ādityam upatiṣṭhate / ādityāj jāyate vṛṣṭir vṛṣṭer annaṃ tataḥ prajāḥ //

Die recht ins Feuer geworfene Opfergabe gelangt zur Sonne; aus der Sonne entsteht der Regen, aus dem Regen die Speise, daraus die Geschöpfe.

Wort für Wort
agnau prāstā āhutiḥ samyak
die ins Feuer geworfene Opfergabe recht
ādityam upatiṣṭhate
gelangt zur Sonne
ādityāt jāyate vṛṣṭiḥ
aus der Sonne entsteht der Regen
vṛṣṭeḥ annam tataḥ prajāḥ
aus dem Regen die Speise, daraus die Geschöpfe

sūryāt prasūyate sarvaṃ tatra caiva pralīyate / bhāvābhāvau hi lokānām ādityān niḥsṛtau purā //

Aus der Sonne wird alles hervorgebracht, und dorthin löst es sich auch wieder auf; Entstehen und Vergehen der Welten sind einst aus der Sonne hervorgegangen.

Wort für Wort
sūryāt prasūyate sarvam
aus der Sonne wird alles hervorgebracht
tatra ca eva pralīyate
und dorthin löst es sich auch auf
bhāva-abhāvau hi lokānām
Entstehen und Vergehen der Welten
ādityāt niḥsṛtau purā
sind einst aus der Sonne hervorgegangen

etat tu dhyānināṃ dhyānaṃ mokṣaś cāpy eṣa mokṣiṇām / tatra gacchanti nirvāṇaṃ jāyante 'smāt punaḥ punaḥ //

Dies aber ist die Meditation der Meditierenden, und dies ist auch die Erlösung der nach Erlösung Strebenden; dorthin gehen sie zum Verlöschen, aus ihr werden sie wieder und wieder geboren.

Wort für Wort
etat tu dhyāninām dhyānam
dies aber ist die Meditation der Meditierenden
mokṣaḥ ca api eṣa mokṣiṇām
und dies ist auch die Erlösung der nach Erlösung Strebenden
tatra gacchanti nirvāṇam
dorthin gehen sie zum Verlöschen
jāyante asmāt punaḥ punaḥ
aus ihr werden sie wieder und wieder geboren

kṣaṇā muhūrtā divasā niśā pakṣāś ca nityaśaḥ / māsāḥ saṃvatsarāś caiva ṛtavaś ca yugāni ca //

Augenblicke, Muhūrtas, Tage, Nächte und Monatshälften, beständig, Monate und Jahre, Jahreszeiten und Weltzeitalter —

Wort für Wort
kṣaṇāḥ muhūrtāḥ divasāḥ
Augenblicke, Muhūrtas, Tage
niśāḥ pakṣāḥ ca nityaśaḥ
Nächte und Monatshälften, beständig
māsāḥ saṃvatsarāḥ ca eva
Monate und Jahre
ṛtavaḥ ca yugāni ca
Jahreszeiten und Weltzeitalter

athādityād ṛte hy eṣāṃ kālasaṃkhyā na vidyate / kālād ṛte na niyamo nāgnau viharaṇakriyā //

...ohne die Sonne aber gibt es wahrlich für diese keine Zeitberechnung; ohne Zeit keine feste Ordnung und keine Feueropfer-Handlung.

Wort für Wort
atha ādityāt ṛte hi eṣām
ohne die Sonne aber gibt es für diese
kāla-saṃkhyā na vidyate
keine Zeitberechnung
kālāt ṛte na niyamaḥ
ohne Zeit keine feste Ordnung
na agnau viharaṇa-kriyā
und keine Handlung des Feueropfers

ṛtūnām avibhāgaś ca tataḥ puṣpaphalaṃ kutaḥ / kuto vai sasyaniṣpattis tṛṇauṣadhigaṇaḥ kutaḥ //

...und keine Unterscheidung der Jahreszeiten; woher käme dann Blüte und Frucht, woher wahrlich das Reifen der Feldfrucht, woher die Fülle der Gräser und Pflanzen?

Wort für Wort
ṛtūnām avibhāgaḥ ca
und keine Unterscheidung der Jahreszeiten
tataḥ puṣpaphalam kutaḥ
woher dann Blüte und Frucht
kutaḥ vai sasya-niṣpattiḥ
woher wahrlich das Reifen der Feldfrucht
tṛṇa-oṣadhi-gaṇaḥ kutaḥ
woher die Menge der Gräser und Pflanzen

abhāvo vyavahārāṇāṃ jantūnāṃ divi ceha ca / jagatprabhāvād viśate bhāskarād vāritaskarāt //

[Ohne die Sonne wäre] das Fehlen rechter Ordnung der Geschöpfe, im Himmel und hier auf Erden; durch die Weltmacht der Sonne, die dem Meer sein Wasser 'raubt' [um es als Regen zu spenden], tritt Ordnung ein.

Wort für Wort
abhāvaḥ vyavahārāṇām
Nichtvorhandensein der [rechten] Ordnung
jantūnām divi ca iha ca
der Geschöpfe, im Himmel und hier
jagat-prabhāvāt viśate
durch die Macht der Welt tritt ein
bhāskarāt vāri-taskarāt
von der Sonne, dem Wasser-Räuber

[Anm.: Die Satzkonstruktion von V.10 ist elliptisch und die genaue Logik unsicher; der Sinn scheint zu sein, dass ohne die Sonne (die als 'Wasserdieb' das Meerwasser durch Verdunstung 'raubt', um es als Regen zurückzugeben) alle Ordnung der Wesen zusammenbräche.]

nāvṛṣṭyā tapate sūryo nāvṛṣṭyā pariśuṣyati / nāvṛṣṭyā paridhiṃ dhatte vāriṇā dīpyate raviḥ //

Nicht durch Regenlosigkeit erhitzt sich die Sonne, nicht durch Regenlosigkeit vertrocknet sie, nicht durch Regenlosigkeit trägt sie einen Sonnenhof — durch Wasser leuchtet die Sonne.

Wort für Wort
na avṛṣṭyā tapate sūryaḥ
nicht durch Regenlosigkeit erhitzt sich die Sonne
na avṛṣṭyā pariśuṣyati
nicht durch Regenlosigkeit vertrocknet sie
na avṛṣṭyā paridhim dhatte
nicht durch Regenlosigkeit trägt sie einen Hof
vāriṇā dīpyate raviḥ
durch Wasser leuchtet die Sonne

vasante kapilaḥ sūryo grīṣme kāñcanasaṃnibhaḥ / śveto varṣāsu varṇena pāṇḍuḥ śaradi bhāskaraḥ //

Im Frühling ist die Sonne rotbraun, im Sommer goldfarben, in der Regenzeit von weißer Farbe, im Herbst blassgelb...

Wort für Wort
vasante kapilaḥ sūryaḥ
im Frühling ist die Sonne rotbraun
grīṣme kāñcana-saṃnibhaḥ
im Sommer goldähnlich
śvetaḥ varṣāsu varṇena
weiß in der Farbe während der Regenzeit
pāṇḍuḥ śaradi bhāskaraḥ
blassgelb im Herbst die Sonne

hemante tāmravarṇābhaḥ śiśire lohito raviḥ / iti varṇāḥ samākhyātāḥ sūryasya ṛtusaṃbhavāḥ //

...im Winter kupferfarben, im Spätwinter rot ist die Sonne. So wurden die aus den Jahreszeiten entstehenden Farben der Sonne genannt.

Wort für Wort
hemante tāmra-varṇa-ābhaḥ
im Winter kupferfarben scheinend
śiśire lohitaḥ raviḥ
im Spätwinter rot die Sonne
iti varṇāḥ samākhyātāḥ
so wurden die Farben genannt
sūryasya ṛtu-saṃbhavāḥ
die aus den Jahreszeiten entstehenden der Sonne

ṛtusvabhāvavarṇaiś ca sūryaḥ kṣemasubhikṣakṛt / athādityasya nāmāni sāmānyāni dvijottamāḥ //

Und mit den den Jahreszeiten eigenen Farben bewirkt die Sonne Sicherheit und gute Ernte. Nun die allgemeinen Namen der Sonne, o ihr Besten der Zweifachgeborenen —

Wort für Wort
ṛtu-svabhāva-varṇaiḥ ca
und mit den den Jahreszeiten eigenen Farben
sūryaḥ kṣema-subhikṣa-kṛt
bewirkt die Sonne Sicherheit und gute Ernte
atha ādityasya nāmāni
nun die Namen der Sonne
sāmānyāni dvija-uttamāḥ
die allgemeinen, o Beste der Zweifachgeborenen

dvādaśaiva pṛthaktvena tāni vakṣyāmy aśeṣataḥ / ādityaḥ savitā sūryo mihiro 'rkaḥ prabhākaraḥ //

...eben zwölf, einzeln, werde ich diese vollständig nennen: Āditya, Savitṛ, Sūrya, Mihira, Arka, Prabhākara,

Wort für Wort
dvādaśa eva pṛthaktvena
eben zwölf, einzeln
tāni vakṣyāmi aśeṣataḥ
diese werde ich vollständig nennen
ādityaḥ savitā sūryaḥ
Āditya, Savitṛ, Sūrya
mihiraḥ arkaḥ prabhākaraḥ
Mihira, Arka, Prabhākara

mārtaṇḍo bhāskaro bhānuś citrabhānur divākaraḥ / ravir dvādaśabhis teṣāṃ jñeyaḥ sāmānyanāmabhiḥ //

...Mārtaṇḍa, Bhāskara, Bhānu, Citrabhānu, Divākara, Ravi — mit diesen zwölf allgemeinen Namen ist er zu erkennen.

Wort für Wort
mārtaṇḍaḥ bhāskaraḥ bhānuḥ
Mārtaṇḍa, Bhāskara, Bhānu
citrabhānuḥ divākaraḥ
Citrabhānu, Divākara
raviḥ dvādaśabhiḥ teṣām
Ravi — mit diesen zwölf
jñeyaḥ sāmānya-nāmabhiḥ
ist er mit seinen allgemeinen Namen zu erkennen

viṣṇur dhātā bhagaḥ pūṣā mitrendrau varuṇo 'ryamā / vivasvān aṃśumāṃs tvaṣṭā parjanyo dvādaśaḥ smṛtaḥ //

Viṣṇu, Dhātā, Bhaga, Pūṣan, Mitra und Indra, Varuṇa, Aryaman, Vivasvat, Aṃśumān, Tvaṣṭṛ — Parjanya gilt als der zwölfte.

Wort für Wort
viṣṇuḥ dhātā bhagaḥ pūṣā
Viṣṇu, Dhātā, Bhaga, Pūṣan
mitra-indrau varuṇaḥ aryamā
Mitra und Indra, Varuṇa, Aryaman
vivasvān aṃśumān tvaṣṭā
Vivasvat, Aṃśumān, Tvaṣṭṛ
parjanyaḥ dvādaśaḥ smṛtaḥ
Parjanya gilt als der zwölfte

ity ete dvādaśādityāḥ pṛthaktvena vyavasthitāḥ / uttiṣṭhanti sadā hy ete māsair dvādaśabhiḥ kramāt //

So sind diese zwölf Ādityas einzeln bestehend; sie erheben sich stets, der Reihe nach mit den zwölf Monaten.

Wort für Wort
iti ete dvādaśa ādityāḥ
so sind diese zwölf Ādityas
pṛthaktvena vyavasthitāḥ
einzeln bestehend
uttiṣṭhanti sadā hi ete
sie erheben sich stets wahrlich
māsaiḥ dvādaśabhiḥ kramāt
mit den zwölf Monaten der Reihe nach

viṣṇus tapati caitre tu vaiśākhe cāryamā tathā / vivasvāñ jyeṣṭhamāse tu āṣāḍhe cāṃśumān smṛtaḥ //

Viṣṇu erhitzt im Monat Caitra, und in Vaiśākha ebenso Aryaman; Vivasvat aber im Monat Jyeṣṭha, und in Āṣāḍha gilt Aṃśumān.

Wort für Wort
viṣṇuḥ tapati caitre tu
Viṣṇu erhitzt aber im Monat Caitra
vaiśākhe ca aryamā tathā
und in Vaiśākha ebenso Aryaman
vivasvān jyeṣṭha-māse tu
Vivasvat aber im Monat Jyeṣṭha
āṣāḍhe ca aṃśumān smṛtaḥ
und in Āṣāḍha gilt Aṃśumān

parjanyaḥ śrāvaṇe māsi varuṇaḥ prauṣṭhasaṃjñake / indra āśvayuje māsi dhātā tapati kārttike //

Parjanya im Monat Śrāvaṇa, Varuṇa im mit 'Prauṣṭha' bezeichneten Monat [Bhādrapada]; Indra im Monat Āśvayuja, Dhātā erhitzt in Kārttika.

Wort für Wort
parjanyaḥ śrāvaṇe māsi
Parjanya im Monat Śrāvaṇa
varuṇaḥ prauṣṭha-saṃjñake
Varuṇa im mit Namen Prauṣṭha bezeichneten
indraḥ āśvayuje māsi
Indra im Monat Āśvayuja
dhātā tapati kārttike
Dhātā erhitzt in Kārttika

mārgaśīrṣe tathā mitraḥ pauṣe pūṣā divākaraḥ / māghe bhagas tu vijñeyas tvaṣṭā tapati phālgune //

In Mārgaśīrṣa ebenso Mitra, in Pauṣa Pūṣan, der Tagmacher; in Māgha ist Bhaga zu erkennen, Tvaṣṭṛ erhitzt in Phālguna.

Wort für Wort
mārgaśīrṣe tathā mitraḥ
in Mārgaśīrṣa ebenso Mitra
pauṣe pūṣā divākaraḥ
in Pauṣa Pūṣan, der Tagmacher
māghe bhagaḥ tu vijñeyaḥ
in Māgha ist Bhaga zu erkennen
tvaṣṭā tapati phālgune
Tvaṣṭṛ erhitzt in Phālguna

śatair dvādaśabhir viṣṇū raśmibhir dīpyate sadā / dīpyate gosahasreṇa śataiś ca tribhir aryamā //

Mit zwölfhundert Strahlen leuchtet Viṣṇu stets, er leuchtet mit tausend Strahlen, und Aryaman mit dreihundert.

Wort für Wort
śataiḥ dvādaśabhiḥ viṣṇuḥ
mit zwölf Hundertschaften Viṣṇu
raśmibhiḥ dīpyate sadā
an Strahlen leuchtet er stets
dīpyate go-sahasreṇa
er leuchtet mit tausend Strahlen
śataiḥ ca tribhiḥ aryamā
und mit drei Hundertschaften Aryaman

[Anm.: Die Zahlenangaben in V.22-25 zu den Strahlenzahlen der einzelnen Ādityas sind teils widersprüchlich formuliert (V.22 scheint für Viṣṇu sowohl '1200' als auch '1000' zu nennen) und folgen offenbar einer komplexen, nicht mehr vollständig rekonstruierbaren Zahlensymbolik; wörtlich ohne Glättung wiedergegeben.]

dviḥsaptakair vivasvāṃs tu aṃśumān pañcabhis tribhiḥ / vivasvān iva parjanyo varuṇaś cāryamā tathā //

Mit zweimal sieben Hundertschaften aber leuchtet Vivasvat, Aṃśumān mit fünf und drei; wie Vivasvat leuchtet Parjanya, und Varuṇa, ebenso Aryaman.

Wort für Wort
dviḥ-saptakaiḥ vivasvān tu
mit zweimal sieben aber Vivasvat
aṃśumān pañcabhiḥ tribhiḥ
Aṃśumān mit fünf und drei
vivasvān iva parjanyaḥ
wie Vivasvat Parjanya
varuṇaḥ ca aryamā tathā
und Varuṇa, ebenso Aryaman

mitravad bhagavāṃs tvaṣṭā sahasreṇa śatena ca / indras tu dviguṇaiḥ ṣaḍbhir dhātaikādaśabhiḥ śataiḥ //

Wie Mitra leuchtet der erhabene Tvaṣṭṛ mit tausendundhundert, Indra aber mit doppelt sechs Hundertschaften, Dhātā mit elf Hundertschaften.

Wort für Wort
mitravat bhagavān tvaṣṭā
wie Mitra der erhabene Tvaṣṭṛ
sahasreṇa śatena ca
mit tausend und hundert
indraḥ tu dviguṇaiḥ ṣaḍbhiḥ
Indra aber mit doppelt sechs
dhātā ekādaśabhiḥ śataiḥ
Dhātā mit elf Hundertschaften

sahasreṇa tu mitro vai pūṣā tu navabhiḥ śataiḥ / uttaropakrame 'rkasya vardhante raśmayas tathā //

Mit tausend Strahlen leuchtet aber wahrlich Mitra, Pūṣan aber mit neunhundert; beim Beginn der nördlichen Sonnenwende nehmen die Strahlen ebenso zu.

Wort für Wort
sahasreṇa tu mitraḥ vai
mit tausend aber wahrlich Mitra
pūṣā tu navabhiḥ śataiḥ
Pūṣan aber mit neun Hundertschaften
uttara-upakrame arkasya
beim nördlichen Anfang der Sonne
vardhante raśmayaḥ tathā
nehmen die Strahlen ebenso zu

dakṣiṇopakrame bhūyo hrasante sūryaraśmayaḥ / evaṃ raśmisahasraṃ tu sūryalokād anugraham //

Beim Beginn der südlichen Sonnenwende nehmen die Sonnenstrahlen wiederum ab; so ist die Tausendzahl der Strahlen eine Gnade, die von der Sonnenwelt ausgeht.

Wort für Wort
dakṣiṇa-upakrame bhūyaḥ
beim südlichen Anfang wiederum
hrasante sūrya-raśmayaḥ
nehmen die Sonnenstrahlen ab
evam raśmi-sahasram tu
so die Tausendzahl der Strahlen aber
sūrya-lokāt anugraham
eine Gnade von der Sonnenwelt her

evaṃ nāmnāṃ caturviṃśad eka eṣāṃ prakīrtitaḥ / vistareṇa sahasraṃ tu punar anyat prakīrtitam //

So sind vierundzwanzig Namen [zwölf allgemeine und zwölf der Monatsgottheiten], jeder einzeln genannt; ausführlich aber gibt es tausend Namen, die anderswo verkündet werden.

Wort für Wort
evam nāmnām caturviṃśat
so der Namen vierundzwanzig
ekaḥ eṣām prakīrtitaḥ
jeder einzelne von ihnen genannt
vistareṇa sahasram tu
ausführlich aber tausend
punaḥ anyat prakīrtitam
wiederum ein anderes, das verkündet wird

ye tannāmasahasreṇa stuvanty arkaṃ prajāpate / teṣāṃ bhavati kiṃ puṇyaṃ gatiś ca parameśvara //

{Die Weisen sprachen:} Welche mit jenen tausend Namen die Sonne preisen, o Prajāpati, welches Verdienst entsteht ihnen, und welches Ziel, o höchster Herr?

Wort für Wort
ye tat-nāma-sahasreṇa
welche mit jenen tausend Namen
stuvanti arkam prajāpate
die Sonne preisen, o Prajāpati
teṣām bhavati kim puṇyam
welches Verdienst entsteht ihnen
gatiḥ ca parama-īśvara
und welches Ziel, o höchster Herr

śṛṇudhvaṃ muniśārdūlāḥ sārabhūtaṃ sanātanam / alaṃ nāmasahasreṇa paṭhann evaṃ stavaṃ śubham //

{Brahmā sprach:} Hört, o ihr Tiger unter den Weisen, das Wesenhafte, Ewige — genug mit den tausend Namen, [ausreichend ist es,] so diesen heilvollen Lobpreis zu rezitieren.

Wort für Wort
śṛṇudhvam muni-śārdūlāḥ
hört, o Tiger unter den Weisen
sāra-bhūtam sanātanam
das wesenhafte, ewige
alam nāma-sahasreṇa
genug mit den tausend Namen
paṭhan evam stavam śubham
so diesen heilvollen Lobpreis rezitierend

yāni nāmāni guhyāni pavitrāṇi śubhāni ca / tāni vaḥ kīrtayiṣyāmi śṛṇudhvaṃ bhāskarasya vai //

Welche Namen geheim, rein und heilvoll sind, diese werde ich euch verkünden — hört wahrlich die Namen der Sonne.

Wort für Wort
yāni nāmāni guhyāni
welche Namen geheim
pavitrāṇi śubhāni ca
rein und heilvoll
tāni vaḥ kīrtayiṣyāmi
diese werde ich euch verkünden
śṛṇudhvam bhāskarasya vai
hört wahrlich die der Sonne

vikartano vivasvāṃś ca mārtaṇḍo bhāskaro raviḥ / lokaprakāśakaḥ śrīmāṃl lokacakṣur maheśvaraḥ //

Vikartana und Vivasvat, Mārtaṇḍa, Bhāskara, Ravi, der Welterleuchter, der Glanzvolle, das Weltenauge, der große Herr,

Wort für Wort
vikartanaḥ vivasvān ca
Vikartana, und Vivasvat
mārtaṇḍaḥ bhāskaraḥ raviḥ
Mārtaṇḍa, Bhāskara, Ravi
loka-prakāśakaḥ śrīmān
der Welterleuchter, der Glanzvolle
loka-cakṣuḥ maheśvaraḥ
das Weltenauge, der große Herr

Beginn des von Brahmā verkündeten 21-Namen-Lobpreises ('Stavarāja', V.31-33), der laut V.29 die tausend Namen ersetzt.

lokasākṣī trilokeśaḥ kartā hartā tamisrahā / tapanas tāpanaś caiva śuciḥ saptāśvavāhanaḥ //

...der Weltzeuge, der Herr der drei Welten, der Schöpfer, der Zerstörer, der Finsternis-Vernichter, der Erhitzende, der Brennende, der Reine, der auf sieben Rossen Fahrende,

Wort für Wort
loka-sākṣī trilokeśaḥ
der Weltzeuge, der Herr der drei Welten
kartā hartā tamisrahā
der Schöpfer, der Zerstörer, der Finsternis-Vernichter
tapanaḥ tāpanaḥ ca eva
der Erhitzende, der Brennende
śuciḥ sapta-aśva-vāhanaḥ
der Reine, der auf sieben Rossen Fahrende

gabhastihasto brahmā ca sarvadevanamaskṛtaḥ / ekaviṃśati ity eṣa stava iṣṭaḥ sadā raveḥ //

...der Strahlenhändige, und Brahmā, der von allen Göttern Verehrte — mit diesen einundzwanzig Namen ist dieser Lobpreis der Sonne stets lieb.

Wort für Wort
gabhasti-hastaḥ brahmā ca
der Strahlenhändige, und Brahmā
sarva-deva-namaskṛtaḥ
der von allen Göttern Verehrte
ekaviṃśatiḥ iti eṣa
einundzwanzig, so [zählend], dieser
stavaḥ iṣṭaḥ sadā raveḥ
Lobpreis ist stets der Sonne lieb

śarīrārogyadaś caiva dhanavṛddhiyaśaskaraḥ / stavarāja iti khyātas triṣu lokeṣu viśrutaḥ //

Auch Körpergesundheit verleihend, Reichtumsmehrung und Ruhm bewirkend, als 'König der Lobpreisungen' bekannt, ist er in den drei Welten berühmt.

Wort für Wort
śarīra-ārogya-daḥ ca eva
und auch Körpergesundheit verleihend
dhana-vṛddhi-yaśaskaraḥ
Reichtumsmehrung und Ruhm bewirkend
stavarājaḥ iti khyātaḥ
als 'König der Lobpreisungen' bekannt
triṣu lokeṣu viśrutaḥ
in den drei Welten berühmt

ya etena dvijaśreṣṭhā dvisaṃdhye 'stamanodaye / stauti sūryaṃ śucir bhūtvā sarvapāpaiḥ pramucyate //

Wer, o ihr Besten der Zweifachgeborenen, mit diesem Lobpreis an den zwei Dämmerungen, bei Untergang und Aufgang, rein geworden, die Sonne preist, wird von aller Sünde befreit.

Wort für Wort
yaḥ etena dvija-śreṣṭhāḥ
wer mit diesem, o Beste der Zweifachgeborenen
dvi-saṃdhye astamana-udaye
an den zwei Dämmerungen, bei Untergang und Aufgang
stauti sūryam śuciḥ bhūtvā
die Sonne preist, rein geworden
sarva-pāpaiḥ pramucyate
wird von aller Sünde befreit

mānasaṃ vācikaṃ vāpi dehajaṃ karmajaṃ tathā / ekajapyena tat sarvaṃ naśyaty arkasya saṃnidhau //

Geistig, sprachlich oder auch körperlich entstandene, ebenso aus früherer Tat entstandene Sünde — das alles vergeht durch ein einziges Murmelgebet in der Gegenwart der Sonne.

Wort für Wort
mānasam vācikam vā api
geistig, sprachlich oder auch
deha-jam karma-jam tathā
körperlich entstanden und aus Tat entstanden
eka-japyena tat sarvam
durch ein einziges Murmelgebet, das alles
naśyati arkasya saṃnidhau
vergeht in der Gegenwart der Sonne

ekajapyaś ca homaś ca saṃdhyopāsanam eva ca / dhūpamantrārghyamantraś ca balimantras tathaiva ca //

Das einmalige Murmelgebet und das Feueropfer und auch die Dämmerungsverehrung, das Räucherwerk-Mantra und das Ehrengaben-Mantra, und ebenso das Opfergaben-Mantra...

Wort für Wort
eka-japyaḥ ca homaḥ ca
das einmalige Murmelgebet und das Feueropfer
saṃdhyā-upāsanam eva ca
und auch die Dämmerungsverehrung
dhūpa-mantra-arghya-mantraḥ ca
und das Räucherwerk-Mantra, das Ehrengaben-Mantra
bali-mantraḥ tathā eva ca
und ebenso das Opfergaben-Mantra

annapradāne dāne ca praṇipāte pradakṣiṇe / pūjito 'yaṃ mahāmantraḥ sarvapāpaharaḥ śubhaḥ //

...bei der Speisegabe und der Gabe, bei der Niederwerfung, bei der Umwandlung angewandt — dieser große, verehrte Mantra ist heilvoll und vernichtet alle Sünde.

Wort für Wort
anna-pradāne dāne ca
bei der Speisegabe und bei der Gabe
praṇipāte pradakṣiṇe
bei der Niederwerfung, bei der Umwandlung
pūjitaḥ ayam mahā-mantraḥ
verehrt, dieser große Mantra
sarva-pāpa-haraḥ śubhaḥ
ist aller-Sünde-vernichtend, heilvoll

tasmād yūyaṃ prayatnena stavenānena vai dvijāḥ / stuvīdhvaṃ varadaṃ devaṃ sarvakāmaphalapradam //

Deshalb, o Zweifachgeborene, preiset mit Anstrengung, mit diesem Lobpreis, wahrlich den gabenspendenden Gott, der alle Wünsche als Frucht verleiht.

Wort für Wort
tasmāt yūyam prayatnena
deshalb ihr mit Anstrengung
stavena anena vai dvijāḥ
mit diesem Lobpreis wahrlich, o Zweifachgeborene
stuvīdhvam varadam devam
preiset den gabenspendenden Gott
sarva-kāma-phala-pradam
der alle Wünsche als Frucht verleiht

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