Quellen der Menschheit

Brahma-Purāṇa

Kapitel 87: ahalyāsaṃgamatīrthamāhātmyavarṇanam Die Größe des Ahalyā-Saṃgama-Tīrtha (Indra und Ahalyā)

Brahmā erzählt die berühmte Geschichte der Ahalyā: Als schönste seiner Schöpfungen erzogen, wird sie dem Weisen Gautama zur Aufzucht anvertraut. Als viele Götter und Wesen um sie werben, setzt Brahmā einen Wettstreit aus (wer zuerst die Erde umkreist), den Gautama gewitzt gewinnt, indem er die gebärende Kuh Surabhi (als Sinnbild der Erde) und ein Śiva-Liṅga umkreist. Gautama erhält Ahalyā zur Frau. Aus Eifersucht nimmt Indra später Gautamas Gestalt an, um Ahalyā während ihres Mannes Abwesenheit zu verführen; entdeckt (unter anderem daran, dass Diener den 'echten' Gautama gleichzeitig innen und außen wahrnehmen), verwandelt sich Indra aus Furcht in eine Katze, wird aber von Gautama erkannt und verflucht (zum 'Tausend-Scham-Träger'), während Ahalyā, die den Betrug für ihren Gatten hielt, zum ausgetrockneten Fluss verflucht wird. Auf ihre Bitte hin mildert Gautama den Fluch: Durch Vereinigung mit der Gautamī erlangt Ahalyā ihre wahre Gestalt zurück. Auch der reuige Indra wird von Gautama angewiesen, sich in der Gautamī zu baden, wodurch sein Fluch sich in den Segen verwandelt, zum tausendäugigen 'Sahasrākṣa' zu werden. Seitdem heißt die Stätte 'Ahalyā-Saṃgama' oder 'Indra-Tīrtha'.

{brahmovāca:} ahalyāsaṃgamaṃ ceha tīrthaṃ trailokyapāvanam / śṛṇu samyaṅ muniśreṣṭha tatra vṛttam idaṃ yathā //

{Brahmā sprach:} Und hier gibt es das Tīrtha 'Ahalyā-Saṃgama', die drei Welten läuternd; höre recht, o bester der Weisen, wie sich dort die Geschichte zutrug.

Wort für Wort
ahalyā-saṃgamam ca iha tīrtham trailokya-pāvanam
und hier gibt es das Tīrtha 'Ahalyā-Saṃgama', die drei Welten läuternd
śṛṇu samyak muni-śreṣṭha tatra vṛttam idam yathā
höre recht, o bester der Weisen, wie sich dort die Geschichte zutrug

kautukenātimahatā mayā pūrvaṃ munīśvara / sṛṣṭā kanyā bahuvidhā rūpavatyo guṇānvitāḥ //

Aus überaus großer Neugier erschuf ich einst, o Herr der Weisen, viele Arten von Mädchen, schön von Gestalt und mit Tugenden versehen.

Wort für Wort
kautukena ati-mahatā mayā pūrvam munīśvara
aus überaus großer Neugier erschuf ich einst, o Herr der Weisen
sṛṣṭāḥ kanyāḥ bahuvidhāḥ rūpavatyaḥ guṇa-anvitāḥ
viele Arten von Mädchen, schön von Gestalt und mit Tugenden versehen

tāsām ekāṃ śreṣṭhatamāṃ nirmame śubhalakṣaṇām / tāṃ bālāṃ cārusarvāṅgīṃ dṛṣṭvā rūpaguṇānvitām //

Von ihnen formte ich eine als die allervortrefflichste, von verheißungsvollen Merkmalen; dieses Mädchen, an allen Gliedern schön, von Schönheit und Tugend versehen, erblickend,

Wort für Wort
tāsām ekām śreṣṭhatamām nirmame śubha-lakṣaṇām
von ihnen formte ich eine als die allervortrefflichste, von verheißungsvollen Merkmalen
tām bālām cāru-sarvāṅgīm dṛṣṭvā rūpa-guṇa-anvitām
dieses Mädchen, an allen Gliedern schön, von Schönheit und Tugend versehen, erblickend

ko vāsyāḥ poṣaṇe śakta iti me buddhir āviśat / na daityānāṃ surāṇāṃ ca na munīnāṃ tathaiva ca //

kam ich für fähig hielt, für ihre Aufzucht – dieser Gedanke kam mir; weder unter den Daityas noch den Göttern, noch ebenso unter den Weisen (fand ich einen Geeigneten),

Wort für Wort
kaḥ vā asyāḥ poṣaṇe śaktaḥ iti me buddhiḥ āviśat
wen ich für fähig hielt, für ihre Aufzucht - dieser Gedanke kam mir
na daityānām surāṇām ca na munīnām tathā eva ca
weder unter den Daityas noch den Göttern, noch ebenso unter den Weisen

nāsty asyāḥ poṣaṇe śaktir iti me buddhir anvabhūt / guṇajyeṣṭhāya viprāya tapoyuktāya dhīmate //

'es gibt niemanden, der fähig ist, sie aufzuziehen' – so dachte ich; schließlich (entschied ich mich) für den an Tugend höchsten Brahmanen, der Askese ergeben, weise,

Wort für Wort
na asti asyāḥ poṣaṇe śaktiḥ iti me buddhiḥ anvabhūt
es gibt niemanden, der fähig ist, sie aufzuziehen - so dachte ich
guṇa-jyeṣṭhāya viprāya tapo-yuktāya dhīmate
für den an Tugend höchsten Brahmanen, der Askese ergeben, weise

sarvalakṣaṇayuktāya vedavedāṅgavedine / gautamāya mahāprājñām adadāṃ poṣaṇāya tām //

mit allen günstigen Merkmalen versehen, kundig in Veda und Vedāṅga – dem Gautama gab ich sie, die überaus Weise, zur Aufzucht.

Wort für Wort
sarva-lakṣaṇa-yuktāya veda-vedāṅga-vedine
mit allen günstigen Merkmalen versehen, kundig in Veda und Vedāṅga
gautamāya mahāprājñām adadām poṣaṇāya tām
dem Gautama gab ich sie, die überaus Weise, zur Aufzucht

pālayasva muniśreṣṭha yāvad āpsyati yauvanam / yauvanasthāṃ punaḥ sādhvīm ānayethā mamāntikam //

'Behüte sie, bester der Weisen, bis sie die Jugend erreicht; wenn sie die Jugend erlangt hat, bring die Fromme wieder zu mir zurück.'

Wort für Wort
pālayasva muni-śreṣṭha yāvat āpsyati yauvanam
behüte sie, bester der Weisen, bis sie die Jugend erreicht
yauvana-sthām punaḥ sādhvīm ānayethāḥ mama antikam
bring die Fromme, wenn sie die Jugend erlangt hat, wieder zu mir zurück

evam uktvā gautamāya prādāṃ kanyāṃ sumadhyamām / tām ādāya muniśreṣṭha tapasā hatakalmaṣaḥ //

So gesprochen habend, gab ich dem Gautama das Mädchen von schöner Taille; diese entgegennehmend, o bester der Weisen, er, durch Askese von Fehl gereinigt,

Wort für Wort
evam uktvā gautamāya prādām kanyām sumadhyamām
so gesprochen habend, gab ich dem Gautama das Mädchen von schöner Taille
tām ādāya muni-śreṣṭha tapasā hata-kalmaṣaḥ
diese entgegennehmend, o bester der Weisen, durch Askese von Fehl gereinigt

tāṃ poṣayitvā vidhivad alaṃkṛtya mamāntikam / nirvikāro muniśreṣṭho hy ahalyām ānayat tadā //

zog sie vorschriftsmäßig auf, schmückte sie, und brachte, unbewegten Gemüts, der beste der Weisen, die Ahalyā da zu mir.

Wort für Wort
tām poṣayitvā vidhivat alaṃkṛtya mama antikam
zog sie vorschriftsmäßig auf, schmückte sie, und brachte sie zu mir
nirvikāraḥ muni-śreṣṭhaḥ hi ahalyām ānayat tadā
unbewegten Gemüts brachte der beste der Weisen die Ahalyā da

tāṃ dṛṣṭvā vibudhāḥ sarve śakrāgnivaruṇādayaḥ / mama deyā sureśāna ity ūcus te pṛthak pṛthak //

Sie erblickend, sprachen alle Götter, Śakra, Agni, Varuṇa und andere, jeder für sich: 'Mir sollst du sie geben, o Götterherr!'

Wort für Wort
tām dṛṣṭvā vibudhāḥ sarve śakra-agni-varuṇa-ādayaḥ
sie erblickend, alle Götter, Śakra, Agni, Varuṇa und andere
mama deyā sureśāna iti ūcuḥ te pṛthak pṛthak
sprachen jeder für sich: mir sollst du sie geben, o Götterherr

tathaiva munayaḥ sādhyā dānavā yakṣarākṣasāḥ / tān sarvān āgatān dṛṣṭvā kanyārtham atha saṃgatān //

Ebenso verlangten sie die Weisen, die Sādhyas, die Dānavas, Yakṣas und Rākṣasas; als ich sie alle, gekommen und versammelt um des Mädchens willen, erblickte,

Wort für Wort
tathā eva munayaḥ sādhyāḥ dānavāḥ yakṣa-rākṣasāḥ
ebenso die Weisen, die Sādhyas, die Dānavas, Yakṣas und Rākṣasas
tān sarvān āgatān dṛṣṭvā kanyā-artham atha saṃgatān
als ich sie alle, gekommen und versammelt um des Mädchens willen, erblickte

indrasya tu viśeṣeṇa mahāṃś cābhūt tadā grahaḥ / gautamasya tu māhātmyaṃ gāmbhīryaṃ dhairyam eva ca //

entstand insbesondere bei Indra da ein gewaltiges Verlangen; doch Gautamas Größe, Tiefsinn und ebenso Standhaftigkeit

Wort für Wort
indrasya tu viśeṣeṇa mahān ca abhūt tadā grahaḥ
entstand insbesondere bei Indra da ein gewaltiges Verlangen
gautamasya tu māhātmyam gāmbhīryam dhairyam eva ca
doch Gautamas Größe, Tiefsinn und ebenso Standhaftigkeit

smṛtvā suvismito bhūtvā mamaivam abhavat sudhīḥ / deyeyaṃ gautamāyaiva nānyayogyā śubhānanā //

in Erinnerung rufend, wurde ich, überaus erstaunt, in meinem weisen Sinn zu dieser Überzeugung geführt: 'Diese Schönantlitzige soll allein dem Gautama gegeben werden, für keinen anderen geeignet.'

Wort für Wort
smṛtvā suvismitaḥ bhūtvā mama evam abhavat sudhīḥ
in Erinnerung rufend, wurde ich, überaus erstaunt, zu diesem weisen Gedanken geführt
deyā iyam gautamāya eva na anya-yogyā śubhānanā
diese Schönantlitzige soll allein dem Gautama gegeben werden, für keinen anderen geeignet

tasmāai eva tu tāṃ dāsye tathāpy evam acintayam / sarveṣāṃ ca matir dhairyaṃ mathitaṃ bālayānayā //

'Ihm allein werde ich sie geben' – so dachte ich dennoch weiter nach; und aller übrigen Freier Verstand und Standhaftigkeit war von diesem Mädchen aufgewühlt worden.

Wort für Wort
tasmai eva tu tām dāsye tathā api evam acintayam
ihm allein werde ich sie geben - so dachte ich dennoch weiter nach
sarveṣām ca matiḥ dhairyam mathitam bālayā anayā
und aller Verstand und Standhaftigkeit war von diesem Mädchen aufgewühlt worden

ahalyeti suraiḥ proktaṃ mayā ca ṛṣibhis tadā / devān ṛṣīṃs tadā vīkṣya mayā tatroktam uccakaiḥ //

'Ahalyā' (die Unvergleichliche) wurde sie da von den Göttern und mir sowie von den Weisen genannt; die Götter und Weisen da erblickend, sprach ich dort laut:

Wort für Wort
ahalyā iti suraiḥ proktam mayā ca ṛṣibhiḥ tadā
'Ahalyā' wurde sie da von den Göttern und mir sowie von den Weisen genannt
devān ṛṣīn tadā vīkṣya mayā tatra uktam uccakaiḥ
die Götter und Weisen da erblickend, sprach ich dort laut

[Anm.: 'Ahalyā' wird hier volksetymologisch als 'die Unvergleichliche/Makellose' gedeutet (a- + halya, 'ohne Fehl').]

tasmai sā dīyate subhrūr yaḥ pṛthivyāḥ pradakṣiṇām / kṛtvopatiṣṭhate pūrvaṃ na cānyasmai punaḥ punaḥ //

'Demjenigen wird die Schönbrauige gegeben, der zuerst, nachdem er die Umkreisung der Erde vollzogen hat, wieder hier erscheint – und keinem anderen, wie oft er es auch versuchen mag.'

Wort für Wort
tasmai sā dīyate subhrūḥ yaḥ pṛthivyāḥ pradakṣiṇām
demjenigen wird die Schönbrauige gegeben, der die Umkreisung der Erde
kṛtvā upatiṣṭhate pūrvam na ca anyasmai punaḥ punaḥ
vollzogen hat und zuerst wieder erscheint - und keinem anderen, wie oft auch

tataḥ sarve suragaṇāḥ śrutvā vākyaṃ mayeritam / ahalyārthaṃ surā jagmuḥ pṛthivyāś ca pradakṣiṇe //

Da, dieses von mir gesprochene Wort vernehmend, gingen alle Scharen der Götter um Ahalyās willen zur Umkreisung der Erde.

Wort für Wort
tataḥ sarve sura-gaṇāḥ śrutvā vākyam mayā īritam
da, dieses von mir gesprochene Wort vernehmend, alle Scharen der Götter
ahalyā-artham surāḥ jagmuḥ pṛthivyāḥ ca pradakṣiṇe
gingen die Götter um Ahalyās willen zur Umkreisung der Erde

gateṣu surasaṃgheṣu gautamo 'pi munīśvara / prayatnam akarot kiṃcid ahalyārtham imaṃ tathā //

Als die Scharen der Götter gegangen waren, unternahm auch Gautama, der Herr der Weisen, eine gewisse Anstrengung, ebenso um dieser Ahalyā willen.

Wort für Wort
gateṣu sura-saṃgheṣu gautamaḥ api munīśvara
als die Scharen der Götter gegangen waren, auch Gautama, der Herr der Weisen
prayatnam akarot kiṃcit ahalyā-artham imam tathā
unternahm eine gewisse Anstrengung, ebenso um dieser Ahalyā willen

etasminn antare brahman surabhiḥ sarvakāmadhuk / ardhaprasūtā hy abhavat tāṃ dadarśa sa gautamaḥ //

In dieser Zwischenzeit, o Weiser, war die alle Wünsche gewährende Kuh Surabhi gerade halb am Gebären; diese erblickte Gautama.

Wort für Wort
etasmin antare brahman surabhiḥ sarva-kāma-dhuk
in dieser Zwischenzeit, o Weiser, die alle Wünsche gewährende Kuh Surabhi
ardhaprasūtā hi abhavat tām dadarśa sa gautamaḥ
war gerade halb am Gebären; diese erblickte Gautama

tasyāḥ pradakṣiṇaṃ cakre iyam urvīti saṃsmaran / liṅgasya ca sureśasya pradakṣiṇam athākarot //

Er umkreiste sie, dabei denkend: 'Dies ist die Erde'; und dann umkreiste er auch das Liṅga des Götterherrn (Śiva).

Wort für Wort
tasyāḥ pradakṣiṇam cakre iyam urvī iti saṃsmaran
er umkreiste sie, dabei denkend: dies ist die Erde
liṅgasya ca sureśasya pradakṣiṇam atha akarot
und dann umkreiste er auch das Liṅga des Götterherrn

tayoḥ pradakṣiṇaṃ kṛtvā gautamo munisattamaḥ / sarveṣāṃ caiva devānām ekaṃ cāpi pradakṣiṇam //

Nachdem Gautama, der beste der Weisen, die Umkreisung dieser beiden vollzogen hatte – dies entsprach auch der einen Umkreisung, die alle Götter der Erde zu vollziehen hatten –

Wort für Wort
tayoḥ pradakṣiṇam kṛtvā gautamaḥ muni-sattamaḥ
nachdem Gautama, der beste der Weisen, die Umkreisung dieser beiden vollzogen hatte
sarveṣām ca eva devānām ekam ca api pradakṣiṇam
dies entsprach auch der einen Umkreisung, die alle Götter zu vollziehen hatten

naivābhavad bhuvo gantuḥ saṃjātaṃ dvitayaṃ mama / evaṃ niścitya sa munir mamāntikam athābhyagāt //

denn keinem der zur Erde Gehenden war ein solches Doppel(-Werk) je zuteilgeworden – so entschieden, begab sich jener Weise zu mir.

Wort für Wort
na eva abhavat bhuvaḥ gantuḥ saṃjātam dvitayam mama
denn keinem der zur Erde Gehenden war ein solches Doppel je zuteilgeworden
evam niścitya sa muniḥ mama antikam atha abhyagāt
so entschieden, begab sich jener Weise zu mir

[Anm.: Sinn: Gautamas doppelte Umkreisung (Kuh und Liṅga) gilt als gleichwertig zur einfachen Erdumkreisung der Götter; keinem der (buchstäblich) um die Erde Reisenden war ein derartiges Doppelverdienst zuteilgeworden.]

namaskṛtvābravīd vākyaṃ gautamo māṃ mahāmatiḥ / kamalāsana viśvātman namas te 'stu punaḥ punaḥ //

Sich verneigend, sprach Gautama, der Hochsinnige, zu mir dieses Wort: 'O Lotusthronender, Allgeist, Verehrung sei dir, immer wieder!'

Wort für Wort
namaskṛtvā abravīt vākyam gautamaḥ mām mahāmatiḥ
sich verneigend, sprach Gautama, der Hochsinnige, zu mir dieses Wort
kamalāsana viśvātman namaḥ te astu punaḥ punaḥ
o Lotusthronender, Allgeist, Verehrung sei dir, immer wieder

pradakṣiṇīkṛtā brahman mayeyaṃ vasudhākhilā / yad atra yuktaṃ deveśa jānīte tad bhavān svayam //

'Umkreist wurde von mir, o Brahmā, diese ganze Erde; was hierbei angemessen ist, das weißt du, Götterherr, selbst.'

Wort für Wort
pradakṣiṇīkṛtā brahman mayā iyam vasudhā akhilā
umkreist wurde von mir, o Brahmā, diese ganze Erde
yat atra yuktam deveśa jānīte tat bhavān svayam
was hierbei angemessen ist, das weißt du, Götterherr, selbst

mayā tu dhyānayogena jñātvā gautamam abravam / tavaiva dīyate subhrūḥ pradakṣiṇam idaṃ kṛtam //

Ich aber, durch die Kraft der Meditation die Wahrheit erkennend, sprach zu Gautama: 'Dir allein wird die Schönbrauige gegeben, denn diese Umkreisung ist gültig vollzogen.'

Wort für Wort
mayā tu dhyāna-yogena jñātvā gautamam abravam
ich aber, durch die Kraft der Meditation die Wahrheit erkennend, sprach zu Gautama
tava eva dīyate subhrūḥ pradakṣiṇam idam kṛtam
dir allein wird die Schönbrauige gegeben, denn diese Umkreisung ist vollzogen

dharmaṃ jānīhi viprarṣe durjñeyaṃ nigamair api / ardhaprasūtā surabhiḥ saptadvīpavatī mahī //

'Erkenne den Dharma, o Weisenbrahmane, der selbst mit den heiligen Schriften schwer zu erkennen ist: die halb gebärende Surabhi entspricht der siebeninseligen Erde;'

Wort für Wort
dharmam jānīhi vipra-ṛṣe durjñeyam nigamaiḥ api
erkenne den Dharma, o Weisenbrahmane, der selbst mit den heiligen Schriften schwer zu erkennen ist
ardhaprasūtā surabhiḥ sapta-dvīpavatī mahī
die halb gebärende Surabhi entspricht der siebeninseligen Erde

kṛtā pradakṣiṇā tasyāḥ pṛthivyāḥ sā kṛtā bhavet / liṅgaṃ pradakṣiṇīkṛtya tad eva phalam āpnuyāt //

'die an ihr vollzogene Umkreisung ist gleichbedeutend mit der an der Erde vollzogenen; und durch die Umkreisung des Liṅga erlangt man dieselbe Frucht.'

Wort für Wort
kṛtā pradakṣiṇā tasyāḥ pṛthivyāḥ sā kṛtā bhavet
die an ihr vollzogene Umkreisung ist gleichbedeutend mit der an der Erde vollzogenen
liṅgam pradakṣiṇīkṛtya tat eva phalam āpnuyāt
und durch die Umkreisung des Liṅga erlangt man dieselbe Frucht

tasmāt sarvaprayatnena mune gautama suvrata / tuṣṭo 'haṃ tava dhairyeṇa jñānena tapasā tathā //

'Deshalb, durch deine allseitige Anstrengung, o Weiser Gautama, Tugendreicher, bin ich erfreut über deine Standhaftigkeit, dein Wissen und ebenso deine Askese.'

Wort für Wort
tasmāt sarva-prayatnena mune gautama suvrata
deshalb, durch deine allseitige Anstrengung, o Weiser Gautama, Tugendreicher
tuṣṭaḥ aham tava dhairyeṇa jñānena tapasā tathā
bin ich erfreut über deine Standhaftigkeit, dein Wissen und ebenso deine Askese

datteyam ṛṣiśārdūla kanyā lokavarā mayā / ity uktvāhaṃ gautamāya ahalyām adadāṃ mune //

'Gegeben sei dir, o Tiger der Weisen, dieses Mädchen, das Beste der Welt, von mir.' Dies gesagt habend, gab ich dem Gautama die Ahalyā, o Weiser.

Wort für Wort
dattā iyam ṛṣi-śārdūla kanyā loka-varā mayā
gegeben sei dir, o Tiger der Weisen, dieses Mädchen, das Beste der Welt, von mir
iti uktvā aham gautamāya ahalyām adadām mune
dies gesagt habend, gab ich dem Gautama die Ahalyā, o Weiser

jāte vivāhe te devāḥ kṛtvelāyāḥ pradakṣiṇam / śanaiḥ śanair athāgatya dadṛśuḥ sarva eva te //

Als die Hochzeit stattgefunden hatte, kamen jene Götter, nachdem sie die Umkreisung der Erde (Iḍā) vollzogen hatten, langsam, langsam an, und sie alle sahen

Wort für Wort
jāte vivāhe te devāḥ kṛtvā iḍāyāḥ pradakṣiṇam
als die Hochzeit stattgefunden hatte, jene Götter, nachdem sie die Umkreisung der Erde vollzogen hatten
śanaiḥ śanaiḥ atha āgatya dadṛśuḥ sarve eva te
kamen langsam, langsam an, und sie alle sahen

taṃ gautamam ahalyāṃ ca dāṃpatyaṃ prītivardhanam / te cāgatyātha paśyanto vismitāś cābhavan surāḥ //

jenen Gautama und Ahalyā als Ehepaar, ihre Liebe mehrend; und die Götter, die so ankamen und dies sahen, gerieten in Erstaunen.

Wort für Wort
tam gautamam ahalyām ca dāṃpatyam prīti-vardhanam
jenen Gautama und Ahalyā als Ehepaar, ihre Liebe mehrend
te ca āgatya atha paśyantaḥ vismitāḥ ca abhavan surāḥ
und die Götter, die so ankamen und dies sahen, gerieten in Erstaunen

atikrānte vivāhe tu surāḥ sarve divaṃ yayuḥ / samatsaraḥ śacībhartā tām īkṣya ca divaṃ yayau //

Nach vollzogener Hochzeit gingen alle Götter zum Himmel; auch der Gatte der Śacī (Indra), voller Eifersucht, sie erblickend, ging zum Himmel.

Wort für Wort
atikrānte vivāhe tu surāḥ sarve divam yayuḥ
nach vollzogener Hochzeit gingen alle Götter zum Himmel
samatsaraḥ śacībhartā tām īkṣya ca divam yayau
auch der Gatte der Śacī, voller Eifersucht, sie erblickend, ging zum Himmel

tataḥ prītamanās tasmai gautamāya mahātmane / prādāṃ brahmagiriṃ puṇyaṃ sarvakāmapradaṃ śubham //

Da gab ich, wohlgesinnten Herzens, jenem hochherzigen Gautama den heiligen Brahmagiri, verheißungsvoll und alle Wünsche gewährend.

Wort für Wort
tataḥ prīta-manāḥ tasmai gautamāya mahātmane
da gab ich, wohlgesinnten Herzens, jenem hochherzigen Gautama
prādām brahmagirim puṇyam sarva-kāma-pradam śubham
den heiligen Brahmagiri, verheißungsvoll und alle Wünsche gewährend

ahalyāyāṃ muniśreṣṭho reme tatra sa gautamaḥ / gautamasya kathāṃ puṇyāṃ śrutvā śakras triviṣṭape //

Mit Ahalyā ergötzte sich der beste der Weisen, jener Gautama, dort; Gautamas heilige Geschichte im Himmel vernehmend, fasste Śakra (den Entschluss),

Wort für Wort
ahalyāyām muni-śreṣṭhaḥ reme tatra sa gautamaḥ
mit Ahalyā ergötzte sich der beste der Weisen, jener Gautama, dort
gautamasya kathām puṇyām śrutvā śakraḥ triviṣṭape
Gautamas heilige Geschichte im Himmel vernehmend, Śakra

tam āśramaṃ taṃ ca muniṃ tasya bhāryām aninditām / bhūtvā brāhmaṇaveṣeṇa draṣṭum āgāc chatakratuḥ //

jene Einsiedelei, jenen Weisen und dessen untadelige Gattin zu sehen; in der Gestalt eines Brahmanen kam Śatakratu (Indra), um sie zu sehen.

Wort für Wort
tam āśramam tam ca munim tasya bhāryām aninditām
jene Einsiedelei, jenen Weisen und dessen untadelige Gattin
bhūtvā brāhmaṇa-veṣeṇa draṣṭum āgāt śatakratuḥ
in der Gestalt eines Brahmanen kam Śatakratu, um sie zu sehen

sa dṛṣṭvā bhavanaṃ tasya bhāryāṃ ca vibhavaṃ tathā / pāpīyasīṃ matiṃ kṛtvā ahalyāṃ samudaikṣata //

Er, dessen Wohnstatt, dessen Gattin und ebenso dessen Wohlstand erblickend, fasste einen überaus bösen Gedanken und betrachtete Ahalyā begehrlich.

Wort für Wort
sa dṛṣṭvā bhavanam tasya bhāryām ca vibhavam tathā
er, dessen Wohnstatt, dessen Gattin und ebenso dessen Wohlstand erblickend
pāpīyasīm matim kṛtvā ahalyām samudaikṣata
fasste einen überaus bösen Gedanken und betrachtete Ahalyā begehrlich

nātmānaṃ na paraṃ deśaṃ kālaṃ śāpād ṛṣer bhayam / na bubodha tadā vatsa kāmākṛṣṭaḥ śatakratuḥ //

Weder sich selbst noch den fremden Ort noch die Zeit noch die Furcht vor dem Fluch des Weisen erkannte da, o Sohn, der von Begierde hingerissene Śatakratu.

Wort für Wort
na ātmānam na param deśam kālam śāpāt ṛṣeḥ bhayam
weder sich selbst noch den fremden Ort noch die Zeit noch die Furcht vor dem Fluch des Weisen
na bubodha tadā vatsa kāma-ākṛṣṭaḥ śatakratuḥ
erkannte da, o Sohn, der von Begierde hingerissene Śatakratu

taddhyānaparamo nityaṃ surarājyena garvitaḥ / saṃtaptāṅgaḥ kathaṃ kuryāṃ praveśo me kathaṃ bhavet //

Ständig in Gedanken an sie versunken, stolz auf sein Götterkönigtum, mit brennenden Gliedern (dachte er): 'Wie soll ich es anstellen? Wie soll mir der Zutritt gelingen?'

Wort für Wort
tat-dhyāna-paramaḥ nityam sura-rājyena garvitaḥ
ständig in Gedanken an sie versunken, stolz auf sein Götterkönigtum
saṃtapta-aṅgaḥ katham kuryām praveśaḥ me katham bhavet
mit brennenden Gliedern: wie soll ich es anstellen, wie soll mir der Zutritt gelingen

evaṃ vasan viprarūpo nāntaraṃ tv adhyagacchata / sa kadācin mahāprājñaḥ kṛtvā paurvāhṇikīṃ kriyām //

So in Brahmanengestalt verweilend, fand er dennoch keine Gelegenheit; da einst, nachdem der überaus weise Gautama seine Vormittagsriten verrichtet hatte,

Wort für Wort
evam vasan vipra-rūpaḥ na antaram tu adhyagacchata
so in Brahmanengestalt verweilend, fand er dennoch keine Gelegenheit
sa kadācit mahāprājñaḥ kṛtvā paurvāhṇikīm kriyām
da einst, nachdem der überaus weise Gautama seine Vormittagsriten verrichtet hatte

sahito gautamaḥ śiṣyair nirgataś cāśramād bahiḥ / āśramaṃ gautamīṃ viprān dhānyāni vividhāni ca //

ging Gautama, begleitet von seinen Schülern, aus der Einsiedelei hinaus, um die Einsiedelei, die Gautamī, die Brahmanen und die mancherlei Getreidearten

Wort für Wort
sahitaḥ gautamaḥ śiṣyaiḥ nirgataḥ ca āśramāt bahiḥ
ging Gautama, begleitet von seinen Schülern, aus der Einsiedelei hinaus
āśramam gautamīm viprān dhānyāni vividhāni ca
um die Einsiedelei, die Gautamī, die Brahmanen und die mancherlei Getreidearten

draṣṭuṃ gato munivara indras taṃ samudaikṣata / idam antaram ity uktvā cakre kāryaṃ manaḥpriyam //

zu besichtigen, o bester der Weisen; und Indra erblickte ihn gehen; 'dies ist die Gelegenheit', sprechend, tat er die seinem Herzen liebe Tat.

Wort für Wort
draṣṭum gataḥ munivara indraḥ tam samudaikṣata
zu besichtigen, o bester der Weisen; und Indra erblickte ihn gehen
idam antaram iti uktvā cakre kāryam manaḥpriyam
'dies ist die Gelegenheit', sprechend, tat er die seinem Herzen liebe Tat

rūpaṃ kṛtvā gautamasya priyepsuḥ sa śatakratuḥ / tāṃ dṛṣṭvā cārusarvāṅgīm ahalyāṃ vākyam abravīt //

Die Gestalt Gautamas annehmend, nach Vereinigung mit ihr begehrend, sprach jener Śatakratu, die an allen Gliedern schöne Ahalyā erblickend, dieses Wort:

Wort für Wort
rūpam kṛtvā gautamasya priyepsuḥ sa śatakratuḥ
die Gestalt Gautamas annehmend, nach Vereinigung mit ihr begehrend, jener Śatakratu
tām dṛṣṭvā cāru-sarvāṅgīm ahalyām vākyam abravīt
die an allen Gliedern schöne Ahalyā erblickend, sprach dieses Wort

{indra uvāca:} ākṛṣṭo 'haṃ tava guṇai rūpaṃ smṛtvā skhalatpadaḥ / iti bruvan hasan hastam ādāyāntaḥ samāviśat //

{Indra sprach:} 'Angezogen bin ich von deinen Vorzügen; an deine Schönheit denkend, mit stolperndem Schritt –' so sprechend, lachend, ihre Hand ergreifend, trat er ein.

Wort für Wort
ākṛṣṭaḥ aham tava guṇaiḥ rūpam smṛtvā skhalat-padaḥ
angezogen bin ich von deinen Vorzügen; an deine Schönheit denkend, mit stolperndem Schritt
iti bruvan hasan hastam ādāya antaḥ samāviśat
so sprechend, lachend, ihre Hand ergreifend, trat er ein

na bubodha tv ahalyā taṃ jāraṃ mene tu gautamam / ramamāṇā yathāsaukhyaṃ prāgāc chiṣyaiḥ sa gautamaḥ //

Ahalyā aber erkannte ihn nicht als den Liebhaber/Betrüger, sondern hielt ihn für Gautama; sich nach Belieben vergnügend mit ihm, ging jener wahre Gautama mit seinen Schülern weiter.

Wort für Wort
na bubodha tu ahalyā tam jāram mene tu gautamam
Ahalyā aber erkannte ihn nicht als Liebhaber, sondern hielt ihn für Gautama
ramamāṇā yathāsaukhyam prāgāt śiṣyaiḥ sa gautamaḥ
sich nach Belieben vergnügend, ging jener Gautama mit seinen Schülern weiter

āgacchantaṃ nityam eva ahalyā priyavādinī / pratiyāti priyaṃ vakti toṣayantī ca taṃ guṇaiḥ //

Immer, wenn er (der wahre Gautama) zurückkehrte, ging Ahalyā, freundlich redend, ihm entgegen, sprach ihm Liebes und erfreute ihn mit ihren Vorzügen.

Wort für Wort
āgacchantam nityam eva ahalyā priyavādinī
immer, wenn er zurückkehrte, Ahalyā, freundlich redend
pratiyāti priyam vakti toṣayantī ca tam guṇaiḥ
ging ihm entgegen, sprach ihm Liebes und erfreute ihn mit ihren Vorzügen

tām adṛṣṭvā mahāprājño mene tan mahad adbhutam / dvārasthitaṃ muniśreṣṭhaṃ sarve paśyanti nārada //

Sie diesmal nicht kommen sehend, hielt der überaus Weise dies für ein großes Wunder; den (nun) an der Tür stehenden besten der Weisen sahen alle, o Nārada,

Wort für Wort
tām adṛṣṭvā mahāprājñaḥ mene tat mahat adbhutam
sie nicht kommen sehend, hielt der überaus Weise dies für ein großes Wunder
dvārasthitam muni-śreṣṭham sarve paśyanti nārada
den an der Tür stehenden besten der Weisen sahen alle, o Nārada

[Anm.: Der Vers deutet an, dass Gautama, von seinem Gang zurückkehrend, Ahalyā diesmal nicht wie gewohnt entgegenkommen sieht, während gleichzeitig alle Anwesenden ihn (den echten Gautama) an der Tür stehen sehen – der Widerspruch, der in V47-48 die Wächter verwirrt.]

agnihotrasya śālāyā rakṣiṇo gṛhakarmiṇaḥ / ūcur munivaraṃ bhītā gautamaṃ vismayānvitāḥ //

Die Wächter der Agnihotra-Halle, die Hausdiener, sprachen, erschrocken und von Erstaunen erfüllt, zu dem besten der Weisen, Gautama:

Wort für Wort
agnihotrasya śālāyāḥ rakṣiṇaḥ gṛhakarmiṇaḥ
die Wächter der Agnihotra-Halle, die Hausdiener
ūcuḥ munivaram bhītāḥ gautamam vismaya-anvitāḥ
sprachen, erschrocken und von Erstaunen erfüllt, zu dem besten der Weisen, Gautama

{rakṣiṇa ūcuḥ:} bhagavan kim idaṃ citraṃ bahir antaś ca dṛśyase / priyayāntaḥ praviṣṭo 'si tathaiva ca bahir bhavān / aho tapaḥprabhāvo 'yaṃ nānārūpadharo bhavān //

{Die Wächter sprachen:} 'Erhabener, was ist dies für ein Wunder? Du wirst sowohl draußen als auch drinnen gesehen! Mit der Geliebten bist du drinnen eingetreten, und ebenso bist du auch draußen. Ach, dies ist wohl die Macht deiner Askese, dass du vielgestaltig erscheinst!'

Wort für Wort
bhagavan kim idam citram bahiḥ antaḥ ca dṛśyase
Erhabener, was ist dies für ein Wunder? Du wirst sowohl draußen als auch drinnen gesehen
priyayā antaḥ praviṣṭaḥ asi tathā eva ca bahiḥ bhavān
mit der Geliebten bist du drinnen eingetreten, und ebenso bist du auch draußen
aho tapaḥ-prabhāvaḥ ayam nānā-rūpa-dharaḥ bhavān
ach, dies ist wohl die Macht deiner Askese, dass du vielgestaltig erscheinst

[Anm.: Dreizeiliger Vers unter einer einzigen Nummer im Original.]

{brahmovāca:} tac chrutvā vismitas tv antaḥ praviṣṭaḥ ko nu tiṣṭhati / priye ahalye bhavati kiṃ māṃ na pratibhāṣase / ity ṛṣer vacanaṃ śrutvā ahalyā jāram abravīt //

{Brahmā sprach:} Dies vernehmend, erstaunt, (rief er): 'Wer ist es denn, der drinnen eingetreten ist und dort weilt? Geliebte Ahalyā, warum antwortest du mir nicht?' Diese Worte des Weisen vernehmend, sprach Ahalyā zu ihrem (vermeintlichen) Gatten:

Wort für Wort
tat śrutvā vismitaḥ tu antaḥ praviṣṭaḥ kaḥ nu tiṣṭhati
dies vernehmend, erstaunt: wer ist es denn, der drinnen eingetreten ist und dort weilt
priye ahalye bhavati kim mām na pratibhāṣase
geliebte Ahalyā, warum antwortest du mir nicht
iti ṛṣeḥ vacanam śrutvā ahalyā jāram abravīt
diese Worte des Weisen vernehmend, sprach Ahalyā zu ihrem Liebhaber

[Anm.: Im Original springt die Verszählung von V48 direkt zu V50 – V49 fehlt in der Quelle. Dreizeiliger Vers unter einer einzigen Nummer.]

{ahalyovāca:} ko bhavān munirūpeṇa pāpaṃ tvaṃ kṛtavān asi / iti bruvatī śayanād utthitā satvaraṃ bhayāt //

{Ahalyā sprach:} 'Wer bist du, der du in der Gestalt des Weisen eine Sünde begangen hast?' So sprechend, erhob sie sich eilends vom Lager, aus Furcht.

Wort für Wort
kaḥ bhavān muni-rūpeṇa pāpam tvam kṛtavān asi
wer bist du, der du in der Gestalt des Weisen eine Sünde begangen hast
iti bruvatī śayanāt utthitā satvaram bhayāt
so sprechend, erhob sie sich eilends vom Lager, aus Furcht

sa cāpi pāpakṛc chakro biḍālo 'bhūn muner bhayāt / trastāṃ ca vikṛtāṃ dṛṣṭvā svapriyāṃ dūṣitāṃ tadā //

Und auch er, der sündige Śakra, wurde aus Furcht vor dem Weisen zur Katze; als er (der wahre Gautama) seine erschreckte und entstellte, geschändete Geliebte sah,

Wort für Wort
sa ca api pāpakṛt śakraḥ biḍālaḥ abhūt muneḥ bhayāt
und auch er, der sündige Śakra, wurde aus Furcht vor dem Weisen zur Katze
trastām ca vikṛtām dṛṣṭvā svapriyām dūṣitām tadā
als er seine erschreckte und entstellte, geschändete Geliebte sah

uvāca sa muniḥ kopāt kim idaṃ sāhasaṃ kṛtam / iti bruvantaṃ bhartāraṃ sāpi novāca lajjitā //

sprach jener Weise voller Zorn: 'Was ist das für eine Freveltat, die geschehen ist?' Zu ihrem so sprechenden Gatten erwiderte auch sie, beschämt, nichts.

Wort für Wort
uvāca sa muniḥ kopāt kim idam sāhasam kṛtam
sprach jener Weise voller Zorn: was ist das für eine Freveltat, die geschehen ist
iti bruvantam bhartāram sā api na uvāca lajjitā
zu ihrem so sprechenden Gatten erwiderte auch sie, beschämt, nichts

anveṣayaṃs tu taṃ jāraṃ biḍālaṃ dadṛśe muniḥ / ko bhavān iti taṃ prāha bhasmīkuryāṃ mṛṣāvadan //

Nach jenem Liebhaber suchend, erblickte der Weise die Katze; 'Wer bist du?' fragte er sie: 'Ich werde dich zu Asche verbrennen, wenn du lügst.'

Wort für Wort
anveṣayan tu tam jāram biḍālam dadṛśe muniḥ
nach jenem Liebhaber suchend, erblickte der Weise die Katze
kaḥ bhavān iti tam prāha bhasmīkuryām mṛṣā vadan
'wer bist du?' fragte er sie: 'ich werde dich zu Asche verbrennen, wenn du lügst'

{indra uvāca:} kṛtāñjalipuṭo bhūtvā caivam āha śacīpatiḥ / śacībhartā purāṃ bhettā tapodhana puruṣṭutaḥ //

{Indra sprach:} Mit gefalteten Händen sprach der Gatte der Śacī, der Zerstörer der Dämonenstädte, der vielgepriesene, so: 'O du, dessen Reichtum die Askese ist,'

Wort für Wort
kṛtāñjali-puṭaḥ bhūtvā ca evam āha śacīpatiḥ
mit gefalteten Händen sprach der Gatte der Śacī so
śacībhartā purām bhettā tapodhana puruṣṭutaḥ
der Zerstörer der Dämonenstädte, der vielgepriesene: o du, dessen Reichtum die Askese ist

[Anm.: Die syntaktische Zuordnung der Beiworte ist unsicher; 'tapodhana' scheint Anrede an Gautama zu sein, die übrigen Epitheta beschreiben Indra selbst.]

mamedaṃ pāpam āpannaṃ satyam uktaṃ mayānagha / mahadvigarhitaṃ karma kṛtavān asmy ahaṃ mune //

'Diese Sünde ist mir widerfahren; die Wahrheit habe ich gesprochen, o Sündloser; eine große, tadelnswerte Tat habe ich begangen, o Weiser.'

Wort für Wort
mama idam pāpam āpannam satyam uktam mayā anagha
diese Sünde ist mir widerfahren; die Wahrheit habe ich gesprochen, o Sündloser
mahat-vigarhitam karma kṛtavān asmi aham mune
eine große, tadelnswerte Tat habe ich begangen, o Weiser

smarasāyakanirbhinnahṛdayāḥ kiṃ na kurvate / brahman mayi mahāpāpe kṣamasva karuṇānidhe //

'Was tun nicht alle, deren Herz von den Pfeilen des Liebesgottes durchbohrt ist? O Brahmane, du Schatz des Mitleids, verzeih mir, dem großen Sünder.'

Wort für Wort
smara-sāyaka-nirbhinna-hṛdayāḥ kim na kurvate
was tun nicht alle, deren Herz von den Pfeilen des Liebesgottes durchbohrt ist
brahman mayi mahāpāpe kṣamasva karuṇānidhe
o Brahmane, du Schatz des Mitleids, verzeih mir, dem großen Sünder

santaḥ kṛtāparādhe 'pi na raukṣyaṃ jātu kurvate / niśamya tad vaco vipro harim āha ruṣānvitaḥ //

'Die Guten üben, selbst gegenüber dem, der ein Vergehen begangen hat, niemals Härte.' Dieses Wort vernehmend, sprach der Brahmane zu Hari (Indra) voller Zorn:

Wort für Wort
santaḥ kṛta-aparādhe api na raukṣyam jātu kurvate
die Guten üben, selbst gegenüber dem, der ein Vergehen begangen hat, niemals Härte
niśamya tat vacaḥ vipraḥ harim āha ruṣānvitaḥ
dieses Wort vernehmend, sprach der Brahmane zu Hari voller Zorn

{gautama uvāca:} bhagabhaktyā kṛtaṃ pāpaṃ sahasrabhagavān bhava / tām apy āha muniḥ kopāt tvaṃ ca śuṣkanadī bhava //

{Gautama sprach:} 'Aus Ergebenheit an die Scham (bhaga) hast du die Sünde begangen – so werde ein Tausend-Scham-Träger!' Auch zu ihr sprach der Weise voller Zorn: 'Und du werde ein ausgetrockneter Fluss!'

Wort für Wort
bhaga-bhaktyā kṛtam pāpam sahasra-bhagavān bhava
aus Ergebenheit an die Scham hast du die Sünde begangen - so werde ein Tausend-Scham-Träger
tām api āha muniḥ kopāt tvam ca śuṣka-nadī bhava
auch zu ihr sprach der Weise voller Zorn: und du werde ein ausgetrockneter Fluss

[Anm.: 'sahasrabhagavān' spielt mit 'bhaga' (Scham/Vulva) – der bekannte Fluch, der Indra später (nach der Läuterung) zum 'Sahasrākṣa', dem Tausendäugigen, werden lässt (vgl. V68).]

tataḥ prasādayām āsa kathayantī tadākṛtim //

Da versuchte sie (Ahalyā), ihn milde zu stimmen, indem sie den wahren Sachverhalt schilderte:

Wort für Wort
tataḥ prasādayām āsa kathayantī tat-ākṛtim
da versuchte sie, ihn milde zu stimmen, indem sie den wahren Sachverhalt schilderte

[Anm.: Halbvers, im Original mit "//*" markiert.]

{ahalyovāca:} manasāpy anyapuruṣaṃ pāpiṣṭhāḥ kāmayanti yāḥ / akṣayān yānti narakāṃs tāsāṃ sarve 'pi pūrvajāḥ //

{Ahalyā sprach:} 'Diejenigen sündigen Frauen, die auch nur im Geiste einen anderen Mann begehren, gehen in unvergängliche Höllen, und mit ihnen auch all ihre Vorfahren.'

Wort für Wort
manasā api anya-puruṣam pāpiṣṭhāḥ kāmayanti yāḥ
diejenigen sündigen Frauen, die auch nur im Geiste einen anderen Mann begehren
akṣayān yānti narakān tāsām sarve api pūrvajāḥ
gehen in unvergängliche Höllen, und mit ihnen auch all ihre Vorfahren

bhūtvā prasanno bhagavann avadhāraya madvacaḥ / tava rūpeṇa cāgatya mām agāt sākṣiṇas tv ime //

'Sei gnädig, Erhabener, und höre mein Wort: In deiner Gestalt kam er zu mir und näherte sich mir – diese hier sind Zeugen dafür.'

Wort für Wort
bhūtvā prasannaḥ bhagavan avadhāraya mad-vacaḥ
sei gnädig, Erhabener, und höre mein Wort
tava rūpeṇa ca āgatya mām agāt sākṣiṇaḥ tu ime
in deiner Gestalt kam er zu mir und näherte sich mir - diese hier sind Zeugen dafür

tatheti rakṣiṇaḥ procur ahalyā satyavādinī / dhyānenāpi munir jñātvā śāntaḥ prāha pativratām //

'So ist es', bestätigten die Wächter; Ahalyā sprach die Wahrheit. Auch durch Meditation die Wahrheit erkennend, sprach der nun besänftigte Weise zur treu Ergebenen:

Wort für Wort
tathā iti rakṣiṇaḥ procuḥ ahalyā satyavādinī
'so ist es', bestätigten die Wächter; Ahalyā sprach die Wahrheit
dhyānena api muniḥ jñātvā śāntaḥ prāha pativratām
auch durch Meditation die Wahrheit erkennend, sprach der besänftigte Weise zur treu Ergebenen

{gautama uvāca:} yadā tu saṃgatā bhadre gautamyā saridīśayā / nadī bhūtvā punā rūpaṃ prāpsyase priyakṛn mama //

{Gautama sprach:} 'Wenn du aber, Holde, mit der Gautamī, der Fürstin der Flüsse, vereint bist, wirst du, zum Fluss geworden, deine frühere Gestalt zurückerlangen, mir zuliebe.'

Wort für Wort
yadā tu saṃgatā bhadre gautamyā sarit-īśayā
wenn du aber, Holde, mit der Gautamī, der Fürstin der Flüsse, vereint bist
nadī bhūtvā punaḥ rūpam prāpsyase priyakṛt mama
wirst du, zum Fluss geworden, deine frühere Gestalt zurückerlangen, mir zuliebe

ity ṛṣer vacanaṃ śrutvā tathā cakre pativratā / tayā tu saṃgatā devyā ahalyā gautamapriyā //

Diese Worte des Weisen vernehmend, tat die treu Ergebene ebenso; mit jener Göttin (der Gautamī) vereint, erlangte Ahalyā, Gautamas Geliebte,

Wort für Wort
iti ṛṣeḥ vacanam śrutvā tathā cakre pativratā
diese Worte des Weisen vernehmend, tat die treu Ergebene ebenso
tayā tu saṃgatā devyā ahalyā gautama-priyā
mit jener Göttin vereint, Ahalyā, Gautamas Geliebte

punas tad rūpam abhavad yan mayā nirmitaṃ purā / tataḥ kṛtāñjalipuṭaḥ surarāṭ prāha gautamam //

wieder jene Gestalt, die ich einst geschaffen hatte. Da sprach der Götterkönig, mit gefalteten Händen, zu Gautama:

Wort für Wort
punaḥ tat rūpam abhavat yat mayā nirmitam purā
wieder jene Gestalt, die ich einst geschaffen hatte
tataḥ kṛtāñjali-puṭaḥ surarāṭ prāha gautamam
da sprach der Götterkönig, mit gefalteten Händen, zu Gautama

{indra uvāca:} māṃ pāhi muniśārdūla pāpiṣṭhaṃ gṛham āgatam / pādayoḥ patitaṃ dṛṣṭvā kṛpayā prāha gautamaḥ //

{Indra sprach:} 'Rette mich, Tiger der Weisen, mich Sündigen, der ich in dein Haus gekommen bin.' Als er ihn zu seinen Füßen gefallen sah, sprach Gautama voller Mitleid:

Wort für Wort
mām pāhi muni-śārdūla pāpiṣṭham gṛham āgatam
rette mich, Tiger der Weisen, mich Sündigen, der ich in dein Haus gekommen bin
pādayoḥ patitam dṛṣṭvā kṛpayā prāha gautamaḥ
als er ihn zu seinen Füßen gefallen sah, sprach Gautama voller Mitleid

{gautama uvāca:} gautamīṃ gaccha bhadraṃ te snānaṃ kuru puraṃdara / kṣaṇān nirdhūtapāpas tvaṃ sahasrākṣo bhaviṣyasi //

{Gautama sprach:} 'Geh zur Gautamī, Heil sei dir; bade dort, o Städtezerstörer; im Nu wirst du, von Sünde gereinigt, zum Tausendäugigen werden.'

Wort für Wort
gautamīm gaccha bhadram te snānam kuru puraṃdara
geh zur Gautamī, Heil sei dir; bade dort, o Städtezerstörer
kṣaṇāt nirdhūta-pāpaḥ tvam sahasrākṣaḥ bhaviṣyasi
im Nu wirst du, von Sünde gereinigt, zum Tausendäugigen werden

ubhayaṃ vismayakaraṃ dṛṣṭavān asmi nārada / ahalyāyāḥ punarbhāvaṃ śacībhartā sahasradṛk //

Beides, Erstaunen erregend, habe ich gesehen, o Nārada: Ahalyās Wiederherstellung und wie der Gatte der Śacī zum Tausendäugigen wurde.

Wort für Wort
ubhayam vismayakaram dṛṣṭavān asmi nārada
beides, Erstaunen erregend, habe ich gesehen, o Nārada
ahalyāyāḥ punarbhāvam śacībhartā sahasradṛk
Ahalyās Wiederherstellung, und wie der Gatte der Śacī zum Tausendäugigen wurde

tataḥ prabhṛti tat tīrtham ahalyāsaṃgamaṃ śubham / indratīrtham iti khyātaṃ sarvakāmapradaṃ nṛṇām //

Seitdem heißt jenes verheißungsvolle Tīrtha 'Ahalyā-Saṃgama', auch als 'Indra-Tīrtha' bekannt, den Menschen alle Wünsche gewährend.

Wort für Wort
tataḥ prabhṛti tat tīrtham ahalyā-saṃgamam śubham
seitdem heißt jenes verheißungsvolle Tīrtha 'Ahalyā-Saṃgama'
indratīrtham iti khyātam sarva-kāma-pradam nṛṇām
auch als 'Indra-Tīrtha' bekannt, den Menschen alle Wünsche gewährend

Interaktive Leseansicht des ganzen Werks