Kapitel 87: ahalyāsaṃgamatīrthamāhātmyavarṇanam
Die Größe des Ahalyā-Saṃgama-Tīrtha (Indra und Ahalyā)
Brahmā erzählt die berühmte Geschichte der Ahalyā: Als schönste seiner Schöpfungen erzogen, wird sie dem Weisen Gautama zur Aufzucht anvertraut. Als viele Götter und Wesen um sie werben, setzt Brahmā einen Wettstreit aus (wer zuerst die Erde umkreist), den Gautama gewitzt gewinnt, indem er die gebärende Kuh Surabhi (als Sinnbild der Erde) und ein Śiva-Liṅga umkreist. Gautama erhält Ahalyā zur Frau. Aus Eifersucht nimmt Indra später Gautamas Gestalt an, um Ahalyā während ihres Mannes Abwesenheit zu verführen; entdeckt (unter anderem daran, dass Diener den 'echten' Gautama gleichzeitig innen und außen wahrnehmen), verwandelt sich Indra aus Furcht in eine Katze, wird aber von Gautama erkannt und verflucht (zum 'Tausend-Scham-Träger'), während Ahalyā, die den Betrug für ihren Gatten hielt, zum ausgetrockneten Fluss verflucht wird. Auf ihre Bitte hin mildert Gautama den Fluch: Durch Vereinigung mit der Gautamī erlangt Ahalyā ihre wahre Gestalt zurück. Auch der reuige Indra wird von Gautama angewiesen, sich in der Gautamī zu baden, wodurch sein Fluch sich in den Segen verwandelt, zum tausendäugigen 'Sahasrākṣa' zu werden. Seitdem heißt die Stätte 'Ahalyā-Saṃgama' oder 'Indra-Tīrtha'.
{Brahmā sprach:} Und hier gibt es das Tīrtha 'Ahalyā-Saṃgama', die drei Welten läuternd; höre recht, o bester der Weisen, wie sich dort die Geschichte zutrug.
Wort für Wort
ahalyā-saṃgamam ca iha tīrtham trailokya-pāvanam
und hier gibt es das Tīrtha 'Ahalyā-Saṃgama', die drei Welten läuternd
śṛṇu samyak muni-śreṣṭha tatra vṛttam idam yathā
höre recht, o bester der Weisen, wie sich dort die Geschichte zutrug
Von ihnen formte ich eine als die allervortrefflichste, von verheißungsvollen Merkmalen; dieses Mädchen, an allen Gliedern schön, von Schönheit und Tugend versehen, erblickend,
Wort für Wort
tāsām ekām śreṣṭhatamām nirmame śubha-lakṣaṇām
von ihnen formte ich eine als die allervortrefflichste, von verheißungsvollen Merkmalen
tām bālām cāru-sarvāṅgīm dṛṣṭvā rūpa-guṇa-anvitām
dieses Mädchen, an allen Gliedern schön, von Schönheit und Tugend versehen, erblickend
ko vāsyāḥ poṣaṇe śakta iti me buddhir āviśat / na daityānāṃ surāṇāṃ ca na munīnāṃ tathaiva ca //
kam ich für fähig hielt, für ihre Aufzucht – dieser Gedanke kam mir; weder unter den Daityas noch den Göttern, noch ebenso unter den Weisen (fand ich einen Geeigneten),
Wort für Wort
kaḥ vā asyāḥ poṣaṇe śaktaḥ iti me buddhiḥ āviśat
wen ich für fähig hielt, für ihre Aufzucht - dieser Gedanke kam mir
na daityānām surāṇām ca na munīnām tathā eva ca
weder unter den Daityas noch den Göttern, noch ebenso unter den Weisen
'es gibt niemanden, der fähig ist, sie aufzuziehen' – so dachte ich; schließlich (entschied ich mich) für den an Tugend höchsten Brahmanen, der Askese ergeben, weise,
Wort für Wort
na asti asyāḥ poṣaṇe śaktiḥ iti me buddhiḥ anvabhūt
es gibt niemanden, der fähig ist, sie aufzuziehen - so dachte ich
guṇa-jyeṣṭhāya viprāya tapo-yuktāya dhīmate
für den an Tugend höchsten Brahmanen, der Askese ergeben, weise
So gesprochen habend, gab ich dem Gautama das Mädchen von schöner Taille; diese entgegennehmend, o bester der Weisen, er, durch Askese von Fehl gereinigt,
Wort für Wort
evam uktvā gautamāya prādām kanyām sumadhyamām
so gesprochen habend, gab ich dem Gautama das Mädchen von schöner Taille
tām ādāya muni-śreṣṭha tapasā hata-kalmaṣaḥ
diese entgegennehmend, o bester der Weisen, durch Askese von Fehl gereinigt
Ebenso verlangten sie die Weisen, die Sādhyas, die Dānavas, Yakṣas und Rākṣasas; als ich sie alle, gekommen und versammelt um des Mädchens willen, erblickte,
Wort für Wort
tathā eva munayaḥ sādhyāḥ dānavāḥ yakṣa-rākṣasāḥ
ebenso die Weisen, die Sādhyas, die Dānavas, Yakṣas und Rākṣasas
in Erinnerung rufend, wurde ich, überaus erstaunt, in meinem weisen Sinn zu dieser Überzeugung geführt: 'Diese Schönantlitzige soll allein dem Gautama gegeben werden, für keinen anderen geeignet.'
Wort für Wort
smṛtvā suvismitaḥ bhūtvā mama evam abhavat sudhīḥ
in Erinnerung rufend, wurde ich, überaus erstaunt, zu diesem weisen Gedanken geführt
deyā iyam gautamāya eva na anya-yogyā śubhānanā
diese Schönantlitzige soll allein dem Gautama gegeben werden, für keinen anderen geeignet
tasmāai eva tu tāṃ dāsye tathāpy evam acintayam / sarveṣāṃ ca matir dhairyaṃ mathitaṃ bālayānayā //
'Ihm allein werde ich sie geben' – so dachte ich dennoch weiter nach; und aller übrigen Freier Verstand und Standhaftigkeit war von diesem Mädchen aufgewühlt worden.
Wort für Wort
tasmai eva tu tām dāsye tathā api evam acintayam
ihm allein werde ich sie geben - so dachte ich dennoch weiter nach
sarveṣām ca matiḥ dhairyam mathitam bālayā anayā
und aller Verstand und Standhaftigkeit war von diesem Mädchen aufgewühlt worden
'Ahalyā' (die Unvergleichliche) wurde sie da von den Göttern und mir sowie von den Weisen genannt; die Götter und Weisen da erblickend, sprach ich dort laut:
Wort für Wort
ahalyā iti suraiḥ proktam mayā ca ṛṣibhiḥ tadā
'Ahalyā' wurde sie da von den Göttern und mir sowie von den Weisen genannt
devān ṛṣīn tadā vīkṣya mayā tatra uktam uccakaiḥ
die Götter und Weisen da erblickend, sprach ich dort laut
[Anm.: 'Ahalyā' wird hier volksetymologisch als 'die Unvergleichliche/Makellose' gedeutet (a- + halya, 'ohne Fehl').]
'Demjenigen wird die Schönbrauige gegeben, der zuerst, nachdem er die Umkreisung der Erde vollzogen hat, wieder hier erscheint – und keinem anderen, wie oft er es auch versuchen mag.'
Nachdem Gautama, der beste der Weisen, die Umkreisung dieser beiden vollzogen hatte – dies entsprach auch der einen Umkreisung, die alle Götter der Erde zu vollziehen hatten –
Wort für Wort
tayoḥ pradakṣiṇam kṛtvā gautamaḥ muni-sattamaḥ
nachdem Gautama, der beste der Weisen, die Umkreisung dieser beiden vollzogen hatte
sarveṣām ca eva devānām ekam ca api pradakṣiṇam
dies entsprach auch der einen Umkreisung, die alle Götter zu vollziehen hatten
naivābhavad bhuvo gantuḥ saṃjātaṃ dvitayaṃ mama / evaṃ niścitya sa munir mamāntikam athābhyagāt //
denn keinem der zur Erde Gehenden war ein solches Doppel(-Werk) je zuteilgeworden – so entschieden, begab sich jener Weise zu mir.
Wort für Wort
na eva abhavat bhuvaḥ gantuḥ saṃjātam dvitayam mama
denn keinem der zur Erde Gehenden war ein solches Doppel je zuteilgeworden
evam niścitya sa muniḥ mama antikam atha abhyagāt
so entschieden, begab sich jener Weise zu mir
[Anm.: Sinn: Gautamas doppelte Umkreisung (Kuh und Liṅga) gilt als gleichwertig zur einfachen Erdumkreisung der Götter; keinem der (buchstäblich) um die Erde Reisenden war ein derartiges Doppelverdienst zuteilgeworden.]
Ich aber, durch die Kraft der Meditation die Wahrheit erkennend, sprach zu Gautama: 'Dir allein wird die Schönbrauige gegeben, denn diese Umkreisung ist gültig vollzogen.'
Wort für Wort
mayā tu dhyāna-yogena jñātvā gautamam abravam
ich aber, durch die Kraft der Meditation die Wahrheit erkennend, sprach zu Gautama
tava eva dīyate subhrūḥ pradakṣiṇam idam kṛtam
dir allein wird die Schönbrauige gegeben, denn diese Umkreisung ist vollzogen
'Erkenne den Dharma, o Weisenbrahmane, der selbst mit den heiligen Schriften schwer zu erkennen ist: die halb gebärende Surabhi entspricht der siebeninseligen Erde;'
Wort für Wort
dharmam jānīhi vipra-ṛṣe durjñeyam nigamaiḥ api
erkenne den Dharma, o Weisenbrahmane, der selbst mit den heiligen Schriften schwer zu erkennen ist
ardhaprasūtā surabhiḥ sapta-dvīpavatī mahī
die halb gebärende Surabhi entspricht der siebeninseligen Erde
kṛtā pradakṣiṇā tasyāḥ pṛthivyāḥ sā kṛtā bhavet / liṅgaṃ pradakṣiṇīkṛtya tad eva phalam āpnuyāt //
'die an ihr vollzogene Umkreisung ist gleichbedeutend mit der an der Erde vollzogenen; und durch die Umkreisung des Liṅga erlangt man dieselbe Frucht.'
Wort für Wort
kṛtā pradakṣiṇā tasyāḥ pṛthivyāḥ sā kṛtā bhavet
die an ihr vollzogene Umkreisung ist gleichbedeutend mit der an der Erde vollzogenen
liṅgam pradakṣiṇīkṛtya tat eva phalam āpnuyāt
und durch die Umkreisung des Liṅga erlangt man dieselbe Frucht
'Deshalb, durch deine allseitige Anstrengung, o Weiser Gautama, Tugendreicher, bin ich erfreut über deine Standhaftigkeit, dein Wissen und ebenso deine Askese.'
Wort für Wort
tasmāt sarva-prayatnena mune gautama suvrata
deshalb, durch deine allseitige Anstrengung, o Weiser Gautama, Tugendreicher
tuṣṭaḥ aham tava dhairyeṇa jñānena tapasā tathā
bin ich erfreut über deine Standhaftigkeit, dein Wissen und ebenso deine Askese
jāte vivāhe te devāḥ kṛtvelāyāḥ pradakṣiṇam / śanaiḥ śanair athāgatya dadṛśuḥ sarva eva te //
Als die Hochzeit stattgefunden hatte, kamen jene Götter, nachdem sie die Umkreisung der Erde (Iḍā) vollzogen hatten, langsam, langsam an, und sie alle sahen
Wort für Wort
jāte vivāhe te devāḥ kṛtvā iḍāyāḥ pradakṣiṇam
als die Hochzeit stattgefunden hatte, jene Götter, nachdem sie die Umkreisung der Erde vollzogen hatten
nātmānaṃ na paraṃ deśaṃ kālaṃ śāpād ṛṣer bhayam / na bubodha tadā vatsa kāmākṛṣṭaḥ śatakratuḥ //
Weder sich selbst noch den fremden Ort noch die Zeit noch die Furcht vor dem Fluch des Weisen erkannte da, o Sohn, der von Begierde hingerissene Śatakratu.
Wort für Wort
na ātmānam na param deśam kālam śāpāt ṛṣeḥ bhayam
weder sich selbst noch den fremden Ort noch die Zeit noch die Furcht vor dem Fluch des Weisen
na bubodha tadā vatsa kāma-ākṛṣṭaḥ śatakratuḥ
erkannte da, o Sohn, der von Begierde hingerissene Śatakratu
Ständig in Gedanken an sie versunken, stolz auf sein Götterkönigtum, mit brennenden Gliedern (dachte er): 'Wie soll ich es anstellen? Wie soll mir der Zutritt gelingen?'
Wort für Wort
tat-dhyāna-paramaḥ nityam sura-rājyena garvitaḥ
ständig in Gedanken an sie versunken, stolz auf sein Götterkönigtum
saṃtapta-aṅgaḥ katham kuryām praveśaḥ me katham bhavet
mit brennenden Gliedern: wie soll ich es anstellen, wie soll mir der Zutritt gelingen
evaṃ vasan viprarūpo nāntaraṃ tv adhyagacchata / sa kadācin mahāprājñaḥ kṛtvā paurvāhṇikīṃ kriyām //
So in Brahmanengestalt verweilend, fand er dennoch keine Gelegenheit; da einst, nachdem der überaus weise Gautama seine Vormittagsriten verrichtet hatte,
Wort für Wort
evam vasan vipra-rūpaḥ na antaram tu adhyagacchata
so in Brahmanengestalt verweilend, fand er dennoch keine Gelegenheit
sa kadācit mahāprājñaḥ kṛtvā paurvāhṇikīm kriyām
da einst, nachdem der überaus weise Gautama seine Vormittagsriten verrichtet hatte
ging Gautama, begleitet von seinen Schülern, aus der Einsiedelei hinaus, um die Einsiedelei, die Gautamī, die Brahmanen und die mancherlei Getreidearten
Wort für Wort
sahitaḥ gautamaḥ śiṣyaiḥ nirgataḥ ca āśramāt bahiḥ
ging Gautama, begleitet von seinen Schülern, aus der Einsiedelei hinaus
āśramam gautamīm viprān dhānyāni vividhāni ca
um die Einsiedelei, die Gautamī, die Brahmanen und die mancherlei Getreidearten
Die Gestalt Gautamas annehmend, nach Vereinigung mit ihr begehrend, sprach jener Śatakratu, die an allen Gliedern schöne Ahalyā erblickend, dieses Wort:
Wort für Wort
rūpam kṛtvā gautamasya priyepsuḥ sa śatakratuḥ
die Gestalt Gautamas annehmend, nach Vereinigung mit ihr begehrend, jener Śatakratu
tām dṛṣṭvā cāru-sarvāṅgīm ahalyām vākyam abravīt
die an allen Gliedern schöne Ahalyā erblickend, sprach dieses Wort
{Indra sprach:} 'Angezogen bin ich von deinen Vorzügen; an deine Schönheit denkend, mit stolperndem Schritt –' so sprechend, lachend, ihre Hand ergreifend, trat er ein.
na bubodha tv ahalyā taṃ jāraṃ mene tu gautamam / ramamāṇā yathāsaukhyaṃ prāgāc chiṣyaiḥ sa gautamaḥ //
Ahalyā aber erkannte ihn nicht als den Liebhaber/Betrüger, sondern hielt ihn für Gautama; sich nach Belieben vergnügend mit ihm, ging jener wahre Gautama mit seinen Schülern weiter.
Wort für Wort
na bubodha tu ahalyā tam jāram mene tu gautamam
Ahalyā aber erkannte ihn nicht als Liebhaber, sondern hielt ihn für Gautama
ramamāṇā yathāsaukhyam prāgāt śiṣyaiḥ sa gautamaḥ
sich nach Belieben vergnügend, ging jener Gautama mit seinen Schülern weiter
tām adṛṣṭvā mahāprājño mene tan mahad adbhutam / dvārasthitaṃ muniśreṣṭhaṃ sarve paśyanti nārada //
Sie diesmal nicht kommen sehend, hielt der überaus Weise dies für ein großes Wunder; den (nun) an der Tür stehenden besten der Weisen sahen alle, o Nārada,
Wort für Wort
tām adṛṣṭvā mahāprājñaḥ mene tat mahat adbhutam
sie nicht kommen sehend, hielt der überaus Weise dies für ein großes Wunder
dvārasthitam muni-śreṣṭham sarve paśyanti nārada
den an der Tür stehenden besten der Weisen sahen alle, o Nārada
[Anm.: Der Vers deutet an, dass Gautama, von seinem Gang zurückkehrend, Ahalyā diesmal nicht wie gewohnt entgegenkommen sieht, während gleichzeitig alle Anwesenden ihn (den echten Gautama) an der Tür stehen sehen – der Widerspruch, der in V47-48 die Wächter verwirrt.]
{rakṣiṇa ūcuḥ:} bhagavan kim idaṃ citraṃ bahir antaś ca dṛśyase / priyayāntaḥ praviṣṭo 'si tathaiva ca bahir bhavān / aho tapaḥprabhāvo 'yaṃ nānārūpadharo bhavān //
{Die Wächter sprachen:} 'Erhabener, was ist dies für ein Wunder? Du wirst sowohl draußen als auch drinnen gesehen! Mit der Geliebten bist du drinnen eingetreten, und ebenso bist du auch draußen. Ach, dies ist wohl die Macht deiner Askese, dass du vielgestaltig erscheinst!'
Wort für Wort
bhagavan kim idam citram bahiḥ antaḥ ca dṛśyase
Erhabener, was ist dies für ein Wunder? Du wirst sowohl draußen als auch drinnen gesehen
priyayā antaḥ praviṣṭaḥ asi tathā eva ca bahiḥ bhavān
mit der Geliebten bist du drinnen eingetreten, und ebenso bist du auch draußen
aho tapaḥ-prabhāvaḥ ayam nānā-rūpa-dharaḥ bhavān
ach, dies ist wohl die Macht deiner Askese, dass du vielgestaltig erscheinst
[Anm.: Dreizeiliger Vers unter einer einzigen Nummer im Original.]
{brahmovāca:} tac chrutvā vismitas tv antaḥ praviṣṭaḥ ko nu tiṣṭhati / priye ahalye bhavati kiṃ māṃ na pratibhāṣase / ity ṛṣer vacanaṃ śrutvā ahalyā jāram abravīt //
{Brahmā sprach:} Dies vernehmend, erstaunt, (rief er): 'Wer ist es denn, der drinnen eingetreten ist und dort weilt? Geliebte Ahalyā, warum antwortest du mir nicht?' Diese Worte des Weisen vernehmend, sprach Ahalyā zu ihrem (vermeintlichen) Gatten:
Wort für Wort
tat śrutvā vismitaḥ tu antaḥ praviṣṭaḥ kaḥ nu tiṣṭhati
dies vernehmend, erstaunt: wer ist es denn, der drinnen eingetreten ist und dort weilt
priye ahalye bhavati kim mām na pratibhāṣase
geliebte Ahalyā, warum antwortest du mir nicht
iti ṛṣeḥ vacanam śrutvā ahalyā jāram abravīt
diese Worte des Weisen vernehmend, sprach Ahalyā zu ihrem Liebhaber
[Anm.: Im Original springt die Verszählung von V48 direkt zu V50 – V49 fehlt in der Quelle. Dreizeiliger Vers unter einer einzigen Nummer.]
sa cāpi pāpakṛc chakro biḍālo 'bhūn muner bhayāt / trastāṃ ca vikṛtāṃ dṛṣṭvā svapriyāṃ dūṣitāṃ tadā //
Und auch er, der sündige Śakra, wurde aus Furcht vor dem Weisen zur Katze; als er (der wahre Gautama) seine erschreckte und entstellte, geschändete Geliebte sah,
Wort für Wort
sa ca api pāpakṛt śakraḥ biḍālaḥ abhūt muneḥ bhayāt
und auch er, der sündige Śakra, wurde aus Furcht vor dem Weisen zur Katze
trastām ca vikṛtām dṛṣṭvā svapriyām dūṣitām tadā
als er seine erschreckte und entstellte, geschändete Geliebte sah
uvāca sa muniḥ kopāt kim idaṃ sāhasaṃ kṛtam / iti bruvantaṃ bhartāraṃ sāpi novāca lajjitā //
sprach jener Weise voller Zorn: 'Was ist das für eine Freveltat, die geschehen ist?' Zu ihrem so sprechenden Gatten erwiderte auch sie, beschämt, nichts.
Wort für Wort
uvāca sa muniḥ kopāt kim idam sāhasam kṛtam
sprach jener Weise voller Zorn: was ist das für eine Freveltat, die geschehen ist
iti bruvantam bhartāram sā api na uvāca lajjitā
zu ihrem so sprechenden Gatten erwiderte auch sie, beschämt, nichts
{Indra sprach:} Mit gefalteten Händen sprach der Gatte der Śacī, der Zerstörer der Dämonenstädte, der vielgepriesene, so: 'O du, dessen Reichtum die Askese ist,'
Wort für Wort
kṛtāñjali-puṭaḥ bhūtvā ca evam āha śacīpatiḥ
mit gefalteten Händen sprach der Gatte der Śacī so
śacībhartā purām bhettā tapodhana puruṣṭutaḥ
der Zerstörer der Dämonenstädte, der vielgepriesene: o du, dessen Reichtum die Askese ist
[Anm.: Die syntaktische Zuordnung der Beiworte ist unsicher; 'tapodhana' scheint Anrede an Gautama zu sein, die übrigen Epitheta beschreiben Indra selbst.]
santaḥ kṛtāparādhe 'pi na raukṣyaṃ jātu kurvate / niśamya tad vaco vipro harim āha ruṣānvitaḥ //
'Die Guten üben, selbst gegenüber dem, der ein Vergehen begangen hat, niemals Härte.' Dieses Wort vernehmend, sprach der Brahmane zu Hari (Indra) voller Zorn:
Wort für Wort
santaḥ kṛta-aparādhe api na raukṣyam jātu kurvate
die Guten üben, selbst gegenüber dem, der ein Vergehen begangen hat, niemals Härte
niśamya tat vacaḥ vipraḥ harim āha ruṣānvitaḥ
dieses Wort vernehmend, sprach der Brahmane zu Hari voller Zorn
{gautama uvāca:} bhagabhaktyā kṛtaṃ pāpaṃ sahasrabhagavān bhava / tām apy āha muniḥ kopāt tvaṃ ca śuṣkanadī bhava //
{Gautama sprach:} 'Aus Ergebenheit an die Scham (bhaga) hast du die Sünde begangen – so werde ein Tausend-Scham-Träger!' Auch zu ihr sprach der Weise voller Zorn: 'Und du werde ein ausgetrockneter Fluss!'
Wort für Wort
bhaga-bhaktyā kṛtam pāpam sahasra-bhagavān bhava
aus Ergebenheit an die Scham hast du die Sünde begangen - so werde ein Tausend-Scham-Träger
tām api āha muniḥ kopāt tvam ca śuṣka-nadī bhava
auch zu ihr sprach der Weise voller Zorn: und du werde ein ausgetrockneter Fluss
[Anm.: 'sahasrabhagavān' spielt mit 'bhaga' (Scham/Vulva) – der bekannte Fluch, der Indra später (nach der Läuterung) zum 'Sahasrākṣa', dem Tausendäugigen, werden lässt (vgl. V68).]
{Ahalyā sprach:} 'Diejenigen sündigen Frauen, die auch nur im Geiste einen anderen Mann begehren, gehen in unvergängliche Höllen, und mit ihnen auch all ihre Vorfahren.'
Wort für Wort
manasā api anya-puruṣam pāpiṣṭhāḥ kāmayanti yāḥ
diejenigen sündigen Frauen, die auch nur im Geiste einen anderen Mann begehren
akṣayān yānti narakān tāsām sarve api pūrvajāḥ
gehen in unvergängliche Höllen, und mit ihnen auch all ihre Vorfahren
'So ist es', bestätigten die Wächter; Ahalyā sprach die Wahrheit. Auch durch Meditation die Wahrheit erkennend, sprach der nun besänftigte Weise zur treu Ergebenen:
Wort für Wort
tathā iti rakṣiṇaḥ procuḥ ahalyā satyavādinī
'so ist es', bestätigten die Wächter; Ahalyā sprach die Wahrheit
dhyānena api muniḥ jñātvā śāntaḥ prāha pativratām
auch durch Meditation die Wahrheit erkennend, sprach der besänftigte Weise zur treu Ergebenen
{gautama uvāca:} yadā tu saṃgatā bhadre gautamyā saridīśayā / nadī bhūtvā punā rūpaṃ prāpsyase priyakṛn mama //
{Gautama sprach:} 'Wenn du aber, Holde, mit der Gautamī, der Fürstin der Flüsse, vereint bist, wirst du, zum Fluss geworden, deine frühere Gestalt zurückerlangen, mir zuliebe.'
Wort für Wort
yadā tu saṃgatā bhadre gautamyā sarit-īśayā
wenn du aber, Holde, mit der Gautamī, der Fürstin der Flüsse, vereint bist
nadī bhūtvā punaḥ rūpam prāpsyase priyakṛt mama
wirst du, zum Fluss geworden, deine frühere Gestalt zurückerlangen, mir zuliebe
{Indra sprach:} 'Rette mich, Tiger der Weisen, mich Sündigen, der ich in dein Haus gekommen bin.' Als er ihn zu seinen Füßen gefallen sah, sprach Gautama voller Mitleid:
Wort für Wort
mām pāhi muni-śārdūla pāpiṣṭham gṛham āgatam
rette mich, Tiger der Weisen, mich Sündigen, der ich in dein Haus gekommen bin
pādayoḥ patitam dṛṣṭvā kṛpayā prāha gautamaḥ
als er ihn zu seinen Füßen gefallen sah, sprach Gautama voller Mitleid