Kapitel 228: cāṇḍālamātaṅgākhyānaṃ gītikāphalavarṇanaṃ ca
Die Erzählung vom Cāṇḍāla Mātaṅga und die Darlegung der Frucht des Ekādaśī-Nachtwachliedes
Vyāsa legt zunächst die allgemeine Ekādaśī-Vrata-Praxis dar: Fasten, Verehrung Viṣṇus und nächtliche Wache mit Gesang von Viṣṇu-Liedern (V.1-5). Auf Bitten der Weisen (V.6) erzählt er die ausführliche Geschichte eines Viṣṇu-verehrenden Cāṇḍāla (genannt 'Mātaṅga') aus Avantī, der monatlich an der Ekādaśī die Nachtwache mit Gesang hält (V.7-14). Einst von einem hungrigen Rākṣasa ergriffen, erhält er durch einen furchtbaren Wahrheitsschwur (mit einer langen Liste von Sünden, die ihn treffen sollen, falls er nicht zurückkehrt) einen Aufschub, um zuvor die Nachtwache zu vollenden, und kehrt am nächsten Morgen tatsächlich zurück, wobei er unterwegs eine Diskussion über die Ausnahmen vom Wahrheitsgebot führt (V.15-55). Der von seiner Standhaftigkeit beeindruckte Rākṣasa erweist sich als Brahmarākṣasa — ein durch einen fehlerhaft vollzogenen Zwölf-Tage-Opferritus zu Fall gekommener Brahmane namens Somaśarman — und erbittet vom Cāṇḍāla die Verdienstfrucht seiner Nachtwache, worauf ihm dieser gegen das Versprechen, von Gewalt abzulassen, die Frucht eines letzten halben Liedes gewährt, wodurch der Brahmarākṣasa erlöst wird und über Pṛthūdaka und Brahmaloka schließlich als erinnerungsbegabter Brahmane wiedergeboren wird (V.56-91). Der zweite Teil (V.92-152) verfolgt weiter das Schicksal des Cāṇḍāla selbst: von seinem Erlebnis erschüttert, unternimmt er eine Pilgerfahrt um die Erde und erinnert sich am Tīrtha Pāpapramocana an frühere Leben — als tugendhafter Bettelmönch, dann (durch ein unbedachtes Vergehen im Zusammenhang mit einem Kuhraub) als Cāṇḍāla, dann als törichter Brahmane in Vārāṇasī, der einen Siddha verspottet und über ihn versucht, Kontakt zur Apsaras Urvaśī aufzunehmen. Durch ein hartnäckig gehaltenes, wörtlich ausgelegtes Gelübde ('ich werde nicht von einem Karren essen') und eine bestandene Prüfung durch Urvaśī (in Gestalt einer Alten) erweist er sich als der wahre Weise Satyatapas; von Urvaśī zum Rūpa-Tīrtha gesandt, erlangt er dort Vollendung und wird schließlich — nach Zwischenstationen als König und in Śakras Himmel — als Purūravas, Sohn Budhas, wiedergeboren, zur Vereinigung mit Urvaśī (V.152), womit sich die Erzählung mit der in Kap.226 genannten Genealogie schließt.
Vyāsa sprach: An der Ekādaśī beider Monatshälften, ohne Speise, gesammelten Sinnes, nach rechter Vorschrift gebadet, mit gereinigtem Gewand, mit gezügelten Sinnen,
mit vielfältigen Gaben, mit stillem Gebet, Feueropfer und Umwandlung, mit mannigfaltigen göttlichen Lobgesängen, mit bezaubernden Liedern und Instrumenten,
Wort für Wort
upahārair bahuvidhair japyair homapradakṣiṇaiḥ /
mit vielfältigen Gaben, mit stillem Gebet, Feueropfer und Umwandlung,
Die Weisen sprachen: Die Frucht des Viṣṇu-Liedes bei der Nachtwache, o großer Weiser — sage sie uns; wir wünschen dies zu hören, denn groß ist unsere Neugier.
Am Rande jener Stadt (lebte) ein Cāṇḍāla, im Liedgesang bewandert, der durch guten Wandel Reichtum erworben hatte, dem Unterhalt seiner Angehörigen hingegeben.
Wort für Wort
tasyā nagaryāḥ paryante cāṇḍālo gītikovidaḥ /
Am Rande jener Stadt lebte ein Cāṇḍāla, im Liedgesang bewandert,
sadvṛttyotpāditadhano bhṛtyānāṃ bharaṇe rataḥ //
der durch guten Wandel Reichtum erworben hatte, dem Unterhalt seiner Angehörigen hingegeben.
Lieder, mit den Namen Viṣṇus versehen, gestützt auf (die Erzählung von) seinen Erscheinungsformen, mit den Tonstufen Gāndhāra, Ṣaḍja, Naiṣāda, Pañcama und Dhaivata —
Wort für Wort
gītikā viṣṇunāmāṅkāḥ prādurbhāvasamāśritāḥ /
Lieder, mit den Namen Viṣṇus versehen, gestützt auf die Erzählung von seinen Erscheinungsformen,
gāndhāraṣaḍjanaiṣāda- svarapañcamadhaivataiḥ //
mit den Tonstufen Gāndhāra, Ṣaḍja, Naiṣāda, Pañcama und Dhaivata —
dṛṣṭaḥ sa rākṣasenātha gṛhītaś cāpi bhakṣitum /
cāṇḍālas tam athovāca nādya bhakṣyas tvayā hy aham //
Dort wurde er von einem Rākṣasa erblickt und ergriffen, um verzehrt zu werden. Der Cāṇḍāla sprach da zu ihm: 'Heute darf ich nicht von dir verzehrt werden.'
Wort für Wort
dṛṣṭaḥ sa rākṣasenātha gṛhītaś cāpi bhakṣitum /
Dort wurde er von einem Rākṣasa erblickt und ergriffen, um verzehrt zu werden.
cāṇḍālas tam athovāca nādya bhakṣyas tvayā hy aham //
Der Cāṇḍāla sprach da zu ihm: 'Heute darf ich nicht von dir verzehrt werden.'
śvaḥ satyena sameṣyāmi tataḥ khādasi mām iti /
viṣṇuśuśrūṣaṇārthāya rātrijāgaraṇaṃ mayā /
kāryaṃ na vratavighnaṃ me kartum arhasi rākṣasa //
'Morgen werde ich wahrhaftig zurückkehren, dann magst du mich verzehren.' — 'Zum Dienst an Viṣṇu muss ich die Nachtwache halten; du sollst mir keine Behinderung meines Gelübdes bereiten, o Rākṣasa.'
Wort für Wort
śvaḥ satyena sameṣyāmi tataḥ khādasi mām iti /
'Morgen werde ich wahrhaftig zurückkehren, dann magst du mich verzehren.'
viṣṇuśuśrūṣaṇārthāya rātrijāgaraṇaṃ mayā /
'Zum Dienst an Viṣṇu muss ich die Nachtwache halten;
kāryaṃ na vratavighnaṃ me kartum arhasi rākṣasa //
du sollst mir keine Behinderung meines Gelübdes bereiten, o Rākṣasa.'
Vyāsa sprach: Der Rākṣasa erwiderte ihm: 'Zehn Nächte war ich ohne Speise,
mamābhūd adya ca bhavān mayā labdho mataṅgaja //
und heute habe ich dich erlangt, o Sohn des Mataṅga [Anm.].'
[Anm.] 'Mataṅgaja' (wörtlich 'Sohn des Mataṅga') ist hier eine gebräuchliche Bezeichnung für einen Cāṇḍāla, benannt nach dem legendären Weisen Mataṅga.
na mokṣye bhakṣayiṣyāmi kṣudhayā pīḍito bhṛśam /
niśācaravacaḥ śrutvā mātaṅgas tam uvāca ha /
sāntvayañ ślakṣṇayā vācā sa satyavacanair dṛḍhaiḥ //
'Ich werde dich nicht freilassen, ich werde dich verzehren, heftig von Hunger gequält.' Als der Mātaṅga die Worte des Nachtwandlers gehört hatte, sprach er zu ihm, ihn mit sanfter Rede und festen Worten der Wahrheit besänftigend.
Wort für Wort
na mokṣye bhakṣayiṣyāmi kṣudhayā pīḍito bhṛśam /
'Ich werde dich nicht freilassen, ich werde dich verzehren, heftig von Hunger gequält.'
niśācaravacaḥ śrutvā mātaṅgas tam uvāca ha /
Als der Mātaṅga die Worte des Nachtwandlers gehört hatte, sprach er zu ihm,
sāntvayañ ślakṣṇayā vācā sa satyavacanair dṛḍhaiḥ //
ihn mit sanfter Rede und festen Worten der Wahrheit besänftigend.
Welche Sünde bei denen ist, die fremde Ehefrauen begehren, und bei den Räubern fremden Gutes, und welche Sünde bei einem Brahmanenmörder, einem Trinker berauschenden Tranks, einem Schänder des Lehrerbetts —
Wort für Wort
paradāreṣu yat pāpaṃ yat paradravyahāriṣu /
Welche Sünde bei denen ist, die fremde Ehefrauen begehren, und bei den Räubern fremden Gutes,
yac ca brahmahanaḥ pāpaṃ surāpe gurutalpage //
und welche Sünde bei einem Brahmanenmörder, einem Trinker berauschenden Tranks, einem Schänder des Lehrerbetts —
vandhyāpateś ca yat pāpaṃ yat pāpaṃ vṛṣalīpateḥ /
yac ca devalake pāpaṃ matsyamāṃsāśinaś ca yat //
und welche Sünde beim Gatten einer Unfruchtbaren ist, und welche Sünde beim Gatten einer Śūdra-Frau, und welche Sünde beim Tempeldiener-gegen-Bezahlung (Devalaka), und welche bei einem Fischfleisch-Esser,
Wort für Wort
vandhyāpateś ca yat pāpaṃ yat pāpaṃ vṛṣalīpateḥ /
und welche Sünde beim Gatten einer Unfruchtbaren ist, und welche Sünde beim Gatten einer Śūdra-Frau,
yac ca devalake pāpaṃ matsyamāṃsāśinaś ca yat //
und welche Sünde beim Tempeldiener-gegen-Bezahlung, und welche bei einem Fischfleisch-Esser,
kroḍamāṃsāśino yac ca kūrmamāṃsāśinaś ca yat /
vṛthā māṃsāśino yac ca pṛṣṭhamāṃsāśinaś ca yat //
und welche bei einem Eber-Fleisch-Esser, und welche bei einem Schildkröten-Fleisch-Esser, und welche bei einem, der ohne rituellen Zweck Fleisch isst, und welche bei einem Esser von Rückenfleisch —
Wort für Wort
kroḍamāṃsāśino yac ca kūrmamāṃsāśinaś ca yat /
und welche bei einem Eber-Fleisch-Esser, und welche bei einem Schildkröten-Fleisch-Esser,
vṛthā māṃsāśino yac ca pṛṣṭhamāṃsāśinaś ca yat //
und welche bei einem, der ohne rituellen Zweck Fleisch isst, und welche bei einem Esser von Rückenfleisch —
welche Sünde bei einem Undankbaren, einem Freundesmörder, einem, der vor seinem älteren Bruder heiratet, und welche Sünde bei einem aus Geburtsunreinheit Geborenen, und welche bei einem, der grausame Taten begeht —
Wort für Wort
kṛtaghne mitraghātake yat pāpaṃ didhiṣūpatau /
welche Sünde bei einem Undankbaren, einem Freundesmörder, einem, der vor seinem älteren Bruder heiratet,
sūtakasya ca yat pāpaṃ yat pāpaṃ krūrakarmaṇaḥ //
und welche Sünde bei einem aus Geburtsunreinheit Geborenen, und welche bei einem, der grausame Taten begeht —
kṛpaṇasya ca yat pāpaṃ yac ca vandhyātither api /
amāvāsyāṣṭamī ṣaṣṭhī kṛṣṇaśuklacaturdaśī //
und welche Sünde bei einem Geizigen, und welche bei dem, der einen Gast mit leeren Händen fortschickt — am Neumond, am achten, am sechsten, am vierzehnten Tag der dunklen und hellen Monatshälfte —
Wort für Wort
kṛpaṇasya ca yat pāpaṃ yac ca vandhyātither api /
und welche Sünde bei einem Geizigen, und welche bei dem, der einen Gast mit leeren Händen fortschickt —
amāvāsyāṣṭamī ṣaṣṭhī kṛṣṇaśuklacaturdaśī //
am Neumond, am achten, am sechsten, am vierzehnten Tag der dunklen und hellen Monatshälfte —
tāsu yad gamanāt pāpaṃ yad vipro vrajati striyam /
rajasvalāṃ tathā paścāc chrāddhaṃ kṛtvā striyaṃ vrajet //
welche Sünde durch den (ehelichen) Verkehr an diesen (Tagen entsteht), oder wenn ein Brahmane sich einer Frau während ihrer Regel naht, oder danach zu einer Frau geht, nachdem er das Ahnenopfer (Śrāddha) vollzogen hat —
Wort für Wort
tāsu yad gamanāt pāpaṃ yad vipro vrajati striyam /
welche Sünde durch den ehelichen Verkehr an diesen Tagen entsteht, oder wenn ein Brahmane sich einer Frau naht,
sarvasvasnātabhojyānāṃ yat pāpaṃ malabhojane /
mitrabhāryāṃ gacchatāṃ ca yat pāpaṃ piśunasya ca //
welche Sünde beim Essen von Unreinem unter denen ist, die alle zusammen gebadet und (rituell) essensberechtigt sind, und welche Sünde bei denen, die zur Frau eines Freundes gehen, und bei einem Verleumder,
Wort für Wort
sarvasvasnātabhojyānāṃ yat pāpaṃ malabhojane /
welche Sünde beim Essen von Unreinem unter denen ist, die alle zusammen gebadet und essensberechtigt sind,
mitrabhāryāṃ gacchatāṃ ca yat pāpaṃ piśunasya ca //
und welche Sünde bei denen, die zur Frau eines Freundes gehen, und bei einem Verleumder,
und welche Sünde bei einem, der Heuchelei und Trug ergeben ist, und bei einem Bienen-(Honig-)Töter, und welche Sünde bei einem Brahmanen, der, nachdem er es versprochen hat, es (das Versprochene) nicht gibt —
Wort für Wort
dambhamāyānurakte ca yat pāpaṃ madhughātinaḥ /
und welche Sünde bei einem, der Heuchelei und Trug ergeben ist, und bei einem Bienen-(Honig-)Töter,
yac ca kanyānṛte pāpaṃ yac ca gośvatarānṛte /
strībālahantur yat pāpaṃ yac ca mithyābhibhāṣiṇaḥ //
und welche Sünde bei einer Lüge über eine Jungfrau ist, und bei einer Lüge über eine Kuh oder ein Maultier, welche Sünde bei einem Mörder von Frauen und Kindern, und bei einem Lügenredner,
Wort für Wort
yac ca kanyānṛte pāpaṃ yac ca gośvatarānṛte /
und welche Sünde bei einer Lüge über eine Jungfrau ist, und bei einer Lüge über eine Kuh oder ein Maultier,
strībālahantur yat pāpaṃ yac ca mithyābhibhāṣiṇaḥ //
welche Sünde bei einem Mörder von Frauen und Kindern, und bei einem Lügenredner,
devavedadvijanṛpa- putramitrasatīstriyaḥ /
yac ca nindayatāṃ pāpaṃ gurumithyāpacārataḥ //
welche Sünde bei denen ist, die Götter, Veda, Brahmanen, Könige, Söhne, Freunde und tugendhafte Frauen schmähen, und durch falsche Anschuldigung gegen den Lehrer —
Wort für Wort
devavedadvijanṛpa- putramitrasatīstriyaḥ /
welche Sünde bei denen ist, die Götter, Veda, Brahmanen, Könige, Söhne, Freunde und tugendhafte Frauen
yac ca nindayatāṃ pāpaṃ gurumithyāpacārataḥ //
schmähen, und durch falsche Anschuldigung gegen den Lehrer —
agnityāgiṣu yat pāpam agnidāyiṣu yad vane /
gṛheṣṭyā pātake yac ca yad goghne yad dvijādhame //
welche Sünde bei denen ist, die das (heilige) Feuer aufgeben, und bei denen, die im Wald Feuer legen, und welche Sünde bei der Versäumnis des Hausopfers, und bei einem Kuhtöter, und bei dem niedrigsten der Zweifachgeborenen,
Wort für Wort
agnityāgiṣu yat pāpam agnidāyiṣu yad vane /
welche Sünde bei denen ist, die das heilige Feuer aufgeben, und bei denen, die im Wald Feuer legen,
gṛheṣṭyā pātake yac ca yad goghne yad dvijādhame //
und welche Sünde bei der Versäumnis des Hausopfers, und bei einem Kuhtöter, und bei dem niedrigsten der Zweifachgeborenen,
yat pāpaṃ parivitte ca yat pāpaṃ parivedinaḥ /
tayor dātṛgrahītroś ca yat pāpaṃ bhrūṇaghātinaḥ //
welche Sünde beim (unverheiratet gebliebenen) älteren Bruder ist, und welche Sünde beim (vor ihm heiratenden) jüngeren Bruder, und welche Sünde bei Geber und Empfänger (bei einem solchen Vorgang), und welche bei einem Töter eines Ungeborenen —
Wort für Wort
yat pāpaṃ parivitte ca yat pāpaṃ parivedinaḥ /
welche Sünde beim übergangenen älteren Bruder ist [Anm.], und welche Sünde beim vorzeitig heiratenden jüngeren Bruder,
tayor dātṛgrahītroś ca yat pāpaṃ bhrūṇaghātinaḥ //
und welche Sünde bei Geber und Empfänger bei einem solchen Vorgang, und welche bei einem Töter eines Ungeborenen —
[Anm.] 'Parivitta' (der übergangene ältere Bruder) und 'parivindat' (der vorzeitig heiratende jüngere Bruder) sind feste dharmaśāstrische Fachbegriffe für diesen gerügten Vorgang.
was nützen hier viele Schwüre, die dir, o Rākṣasa, gesagt werden? Höre einen furchtbaren Schwur, der, obwohl schwer auszusprechen, dennoch gesprochen wird:
die Sünde eines, der von seiner eigenen Tochter lebt, eines Zeugen, der die Wahrheit verbirgt, welche Sünde beim Opferpriester für Unwürdige, bei einem Eunuchen, bei niedrigster (Art der) Überlieferung/Anhörung —
Wort für Wort
svakanyājīvinaḥ pāpaṃ gūḍhasatyena sākṣiṇaḥ /
die Sünde eines, der von seiner eigenen Tochter lebt, eines Zeugen, der die Wahrheit verbirgt,
ayājyayājake ṣaṇḍhe yat pāpaṃ śravaṇe 'dhame //
welche Sünde beim Opferpriester für Unwürdige, bei einem Eunuchen, bei niedrigster Überlieferung [?] —
pravrajyāvasite yac ca brahmacāriṇi kāmuke /
etais tu pāpair lipye 'haṃ yadi naiṣyāmi te 'ntikam //
und welche Sünde bei einem, der die Wanderaskese aufgegeben hat, und bei einem lüsternen Keuschheitsschüler — mit diesen Sünden möge ich befleckt sein, wenn ich nicht zu dir zurückkehre.
Wort für Wort
pravrajyāvasite yac ca brahmacāriṇi kāmuke /
und welche Sünde bei einem, der die Wanderaskese aufgegeben hat, und bei einem lüsternen Keuschheitsschüler —
etais tu pāpair lipye 'haṃ yadi naiṣyāmi te 'ntikam //
mit diesen Sünden möge ich befleckt sein, wenn ich nicht zu dir zurückkehre.
ity uktaḥ kuṇapāśena śvapākaḥ kusumāni tu /
samādāyāgamac caiva viṣṇoḥ sa nilayaṃ gataḥ //
So angesprochen und von der Schlinge des Leichenfressers (des Rākṣasas) befreit, sammelte der Hundekocher (Ausgestoßene) die Blumen und kam, und ging zur Wohnstätte Viṣṇus.
Wort für Wort
ity uktaḥ kuṇapāśena śvapākaḥ kusumāni tu /
So angesprochen und von der Schlinge des Leichenfressers befreit [?], sammelte der Hundekocher die Blumen
samādāyāgamac caiva viṣṇoḥ sa nilayaṃ gataḥ //
und kam, und ging zur Wohnstätte Viṣṇus.
[Anm.] 'kuṇapāśena' unsicher, sinngemäß als 'von der (tödlichen) Schlinge des Leichenfressers/Rākṣasas' übersetzt.
so 'pi mātaṅgadāyādaḥ sopavāsas tu tāṃ niśām /
gāyan hi bāhyabhūmiṣṭhaḥ prajāgaram upākarot //
Auch er, der Nachkomme des Mataṅga (der Cāṇḍāla), verbrachte, gefastet habend, jene Nacht, auf dem äußeren Grund stehend singend, die Nachtwache haltend.
Wort für Wort
so 'pi mātaṅgadāyādaḥ sopavāsas tu tāṃ niśām /
Auch er, der Nachkomme des Mataṅga, verbrachte, gefastet habend, jene Nacht,
gāyan hi bāhyabhūmiṣṭhaḥ prajāgaram upākarot //
auf dem äußeren Grund stehend singend, die Nachtwache haltend.
prabhātāyāṃ tu śarvaryāṃ snātvā devaṃ namasya ca /
satyaṃ sa samayaṃ kartuṃ pratasthe yatra rākṣasaḥ //
Als die Nacht zum Morgen geworden war, badete er, verneigte sich vor dem Gott, und brach auf, um wahrhaft sein Versprechen zu erfüllen, dorthin, wo der Rākṣasa (war).
Wort für Wort
prabhātāyāṃ tu śarvaryāṃ snātvā devaṃ namasya ca /
Als die Nacht zum Morgen geworden war, badete er, verneigte sich vor dem Gott,
satyaṃ sa samayaṃ kartuṃ pratasthe yatra rākṣasaḥ //
und brach auf, um wahrhaft sein Versprechen zu erfüllen, dorthin, wo der Rākṣasa war.
jīvadharmārthasukhaṃ naras tathāpnoti mokṣagatim agryām /
jīvan kīrtim upaiti ca bhavati mṛtasya kā kathā loke //
'Lebend erlangt der Mensch Dharma, Artha und Glück, und ebenso den vortrefflichsten Weg zur Erlösung; lebend erlangt er Ruhm — was gibt es in der Welt schon von einem Toten zu erzählen?'
'Zum Schutz von Kuh, Frau und Brahmanen, zur Zeit der Heirat, im Zusammenhang mit Liebesvereinigung, in Todesgefahr, beim Raub allen Vermögens — diese fünf (Arten der) Lüge, so sagt man, sind keine Sünde.'
dharmavākyaṃ na ca strīṣu na vivāhe tathā ripau /
vañcane cārthahānau ca svanāśe 'nṛtake tathā /
evaṃ tad vākyam ākarṇya mātaṅgaḥ pratyuvāca ha //
'Das Gebot der Wahrhaftigkeit gilt nicht bei Frauen, nicht bei der Heirat, ebenso nicht gegenüber einem Feind, bei Täuschung (des Feindes) und bei Vermögensverlust, bei drohendem eigenen Untergang, ebenso bei einer (solchen) Lüge.' Nachdem er diese Worte vernommen hatte, erwiderte der Mātaṅga.
Wort für Wort
dharmavākyaṃ na ca strīṣu na vivāhe tathā ripau /
'Das Gebot der Wahrhaftigkeit gilt nicht bei Frauen, nicht bei der Heirat, ebenso nicht gegenüber einem Feind,'
vañcane cārthahānau ca svanāśe 'nṛtake tathā /
'bei Täuschung des Feindes und bei Vermögensverlust, bei drohendem eigenen Untergang, ebenso bei einer solchen Lüge.'
evaṃ tad vākyam ākarṇya mātaṅgaḥ pratyuvāca ha //
Nachdem er diese Worte vernommen hatte, erwiderte der Mātaṅga.
Der Mātaṅga sprach: 'Sprich nicht so, wohl dir! Die Wahrheit wird in den Welten verehrt; durch Wahrheit wird alles Glück erlangt, das es auf Erden gibt.'
Wort für Wort
{mātaṅga uvāca:} maivaṃ vadasva bhadraṃ te satyaṃ lokeṣu pūjyate /
Der Mātaṅga sprach: 'Sprich nicht so, wohl dir! Die Wahrheit wird in den Welten verehrt;'
satyenāvāpyate saukhyaṃ yat kiṃcij jagatīgatam //
'durch Wahrheit wird alles Glück erlangt, das es auf Erden gibt.'
'Durch Wahrheit brennt die Sonne, durch Wahrheit haben die Wasser ihr Wesen (ihren Geschmack), durch Wahrheit flammt das Feuer, durch Wahrheit weht der Wind.'
Wort für Wort
satyenārkaḥ pratapati satyenāpo rasātmikāḥ /
'Durch Wahrheit brennt die Sonne, durch Wahrheit haben die Wasser ihr Wesen,'
jvalaty agniś ca satyena vāti satyena mārutaḥ //
'durch Wahrheit flammt das Feuer, durch Wahrheit weht der Wind.'
dharmārthakāmasaṃprāptir mokṣaprāptiś ca durlabhā /
satyena jāyate puṃsāṃ tasmāt satyaṃ na saṃtyajet //
'Die Erlangung von Dharma, Artha und Kāma, und die schwer erreichbare Erlangung von Mokṣa, entstehen den Menschen durch Wahrheit; darum soll man die Wahrheit nicht aufgeben.'
Wort für Wort
dharmārthakāmasaṃprāptir mokṣaprāptiś ca durlabhā /
'Die Erlangung von Dharma, Artha und Kāma, und die schwer erreichbare Erlangung von Mokṣa,'
satyena jāyate puṃsāṃ tasmāt satyaṃ na saṃtyajet //
'entstehen den Menschen durch Wahrheit; darum soll man die Wahrheit nicht aufgeben.'
'Die Wahrheit ist das höchste Brahman in der Welt, die Wahrheit ist das Beste bei den Opfern; die Wahrheit führt zum Himmel — darum soll man die Wahrheit nicht aufgeben.'
{vyāsa uvāca:} ity uktvā so 'tha mātaṅgas taṃ prakṣipya narottamam /
jagāma tatra yatrāste prāṇihā brahmarākṣasaḥ //
Vyāsa sprach: Nachdem er dies gesagt hatte, verließ der Mātaṅga jenen ausgezeichneten Mann und ging dorthin, wo der lebensraubende Brahmarākṣasa weilte.
Der Brahmarākṣasa sprach: 'Gut, gut, Hochbeglückter, Hüter des Wahrheitswortes! Ich halte dich, der du das Merkmal der Wahrheit trägst, nicht (nur) für einen Cāṇḍāla.'
'Durch diese Tat halte ich dich für einen reinen, unvergänglichen Brahmanen. Etwas will ich dich fragen, du mit dem freundlichen Antlitz, das sich auf den Dharma stützt: Was hast du dort in jener Nacht im Hause Viṣṇus getan? Sage es.'
Wort für Wort
karmaṇānena manye tvāṃ brāhmaṇaṃ śucim avyayam /
'Durch diese Tat halte ich dich für einen reinen, unvergänglichen Brahmanen.'
'Unterhalb des Götterhauses Viṣṇus stehend, mit verneigter Gestalt, wurde von mir in der Nacht die Nachtwache gehalten, indem ich das Viṣṇu-Lied sang.'
Wort für Wort
viṣṇor devakulasyādhaḥ sthitenānamramūrtinā /
'Unterhalb des Götterhauses Viṣṇus stehend, mit verneigter Gestalt,'
prajāgaraḥ kṛto rātrau gāyatā viṣṇugītikām //
'wurde von mir in der Nacht die Nachtwache gehalten, indem ich das Viṣṇu-Lied sang.'
tam abhyuvāca prahasan viṃśaty abdāni rākṣasa /
ekādaśyāṃ māsi māsi kṛtas tatra prajāgaraḥ /
mātaṅgavacanaṃ śrutvā provāca brahmarākṣasaḥ //
Lächelnd erwiderte er ihm: 'Zwanzig Jahre lang, o Rākṣasa, wurde dort Monat für Monat an der Ekādaśī die Nachtwache gehalten.' Als er die Worte des Mātaṅga gehört hatte, sprach der Brahmarākṣasa.
Wort für Wort
tam abhyuvāca prahasan viṃśaty abdāni rākṣasa /
Lächelnd erwiderte er ihm: 'Zwanzig Jahre lang, o Rākṣasa,'
ekādaśyāṃ māsi māsi kṛtas tatra prajāgaraḥ /
'wurde dort Monat für Monat an der Ekādaśī die Nachtwache gehalten.'
mātaṅgavacanaṃ śrutvā provāca brahmarākṣasaḥ //
Als er die Worte des Mātaṅga gehört hatte, sprach der Brahmarākṣasa.
{brahmarākṣasa uvāca:} yad adya tvāṃ pravakṣyāmi tad bhavān vaktum arhati /
ekarātrikṛtaṃ sādho mama dehi prajāgaram //
Der Brahmarākṣasa sprach: 'Was ich dir heute sagen werde, das mögest du (mir) gewähren: gib mir, Guter, (die Verdienstfrucht) der an einer einzigen Nacht vollzogenen Nachtwache.'
Wort für Wort
{brahmarākṣasa uvāca:} yad adya tvāṃ pravakṣyāmi tad bhavān vaktum arhati /
Der Brahmarākṣasa sprach: 'Was ich dir heute sagen werde, das mögest du mir gewähren:'
ekarātrikṛtaṃ sādho mama dehi prajāgaram //
'gib mir, Guter, die Verdienstfrucht der an einer einzigen Nacht vollzogenen Nachtwache.'
'So werde ich dich freilassen, ich werde dich freilassen, nicht anders — dreimal bei der Wahrheit (geschworen), Hochbeglückter.' Dies gesagt, verstummte er.
Wort für Wort
evaṃ tvāṃ mokṣayiṣyāmi mokṣayiṣyāmi nānyathā /
'So werde ich dich freilassen, ich werde dich freilassen, nicht anders —'
triḥ satyena mahābhāga ity uktvā virarāma ha //
'dreimal bei der Wahrheit geschworen, Hochbeglückter.' Dies gesagt, verstummte er.
{vyāsa uvāca:} mātaṅgas tam uvācātha mayātmā te niśācara /
niveditaḥ kim uktena khādasva svecchayāpi mām //
Vyāsa sprach: Der Mātaṅga sprach da zu ihm: 'Von mir ist dir, Nachtwandler, mein eigenes Selbst dargeboten worden; was nützen (weitere) Worte? Verzehre mich, auch nach eigenem Belieben.'
Wort für Wort
{vyāsa uvāca:} mātaṅgas tam uvācātha mayātmā te niśācara /
Vyāsa sprach: Der Mātaṅga sprach da zu ihm: 'Von mir ist dir, Nachtwandler, mein eigenes Selbst dargeboten worden;'
niveditaḥ kim uktena khādasva svecchayāpi mām //
'was nützen weitere Worte? Verzehre mich, auch nach eigenem Belieben.'
Der Mātaṅga sprach zum Rākṣasa: 'Warum sprichst du Unzusammenhängendes? Verzehre mich nach eigenem Belieben; die Nachtwache werde ich dir nicht geben.' Als er die Worte des Mātaṅga gehört hatte, sprach der Brahmarākṣasa zu ihm.
Wort für Wort
mātaṅgo rākṣasaṃ prāha kim asaṃbaddham ucyate /
Der Mātaṅga sprach zum Rākṣasa: 'Warum sprichst du Unzusammenhängendes?'
khādasva svecchayā māṃ tvaṃ na pradāsye prajāgaram /
'Verzehre mich nach eigenem Belieben; die Nachtwache werde ich dir nicht geben.'
mātaṅgavacanaṃ śrutvā prāha taṃ brahmarākṣasaḥ //
Als er die Worte des Mātaṅga gehört hatte, sprach der Brahmarākṣasa zu ihm.
{brahmarākṣasa uvāca:} ko hi duṣṭamatir mando bhavantaṃ draṣṭum utsahet /
dharṣayituṃ pīḍayituṃ rakṣitaṃ dharmakarmaṇā //
Der Brahmarākṣasa sprach: 'Wer wäre wohl von so bösem, dumpfem Sinn, dich anzugreifen, dich, den durch rechtes Tun Beschützten, zu vergewaltigen oder zu quälen, es zu wagen?'
Wort für Wort
{brahmarākṣasa uvāca:} ko hi duṣṭamatir mando bhavantaṃ draṣṭum utsahet /
Der Brahmarākṣasa sprach: 'Wer wäre wohl von so bösem, dumpfem Sinn,'
dharṣayituṃ pīḍayituṃ rakṣitaṃ dharmakarmaṇā //
'dich, den durch rechtes Tun Beschützten, zu vergewaltigen oder zu quälen, es zu wagen?'
'Gegenüber dem Elenden, dem von Sünde Ergriffenen, dem durch Sinnesobjekte Verblendeten, dem von der Hölle Gequälten, dem Törichten — ihnen gegenüber sind die Guten von Mitleid erfüllt.'
Wort für Wort
dīnasya pāpagrastasya viṣayair mohitasya ca /
'Gegenüber dem Elenden, dem von Sünde Ergriffenen, dem durch Sinnesobjekte Verblendeten,'
narakārtasya mūḍhasya sādhavaḥ syur dayānvitāḥ //
'dem von der Hölle Gequälten, dem Törichten — ihnen gegenüber sind die Guten von Mitleid erfüllt.'
Vyāsa sprach: Der Cāṇḍāla sprach wiederum zu ihm: 'Ich werde nicht zu meinem eigenen Haus gehen, noch werde ich dir auf irgendeine Weise die Wache-Nachtwache geben.' Da lachte der Brahmarākṣasa über den Cāṇḍāla und sprach zu ihm.
Der Brahmarākṣasa sprach: 'Das Lied, das am Ende der Nacht gesungen wurde, das Lied, das auf Wunder gegründet ist — gib mir dessen Frucht; rette mich, erlöse mich aus der Sünde.'
Der Mātaṅga sprach: 'Was für eine verkehrte Tat hast du früher wahrhaftig begangen, durch deren entstandene Verfehlung du zu einem Brahmarākṣasa geworden bist?'
Vyāsa sprach: Nachdem er dessen Worte vernommen hatte, sprach der Brahmarākṣasa, von Leid versengt, zum Mātaṅga, sich seiner eigenen begangenen Tat erinnernd.
Wort für Wort
{vyāsa uvāca:} tasya tad vākyam ākarṇya mātaṅgaṃ brahmarākṣasaḥ /
Vyāsa sprach: Nachdem er dessen Worte vernommen hatte,
{brahmarākṣasa uvāca:} śrūyatāṃ yo 'ham āsaṃ vai pūrvaṃ yac ca mayā kṛtam /
yasmin kṛte pāpayoniṃ gatavān asmi rākṣasīm //
Der Brahmarākṣasa sprach: 'Höre, wer ich früher wahrlich war, und was von mir getan wurde, durch dessen Tun ich in einen sündigen, dämonischen Schoß eingegangen bin.'
Wort für Wort
{brahmarākṣasa uvāca:} śrūyatāṃ yo 'ham āsaṃ vai pūrvaṃ yac ca mayā kṛtam /
Der Brahmarākṣasa sprach: 'Höre, wer ich früher wahrlich war, und was von mir getan wurde,'
yasmin kṛte pāpayoniṃ gatavān asmi rākṣasīm //
'durch dessen Tun ich in einen sündigen, dämonischen Schoß eingegangen bin.'
'Für einen gewissen Opferherrn, ausgeschlossen von (rechter) Weihschnur und Mantra, für einen dem (Ritual-)Tun ergebenen König, war ich in der Opferpfosten-Zeremonie tätig,'
Wort für Wort
kasyacid yajamānasya sūtramantrabahiṣkṛtaḥ /
'Für einen gewissen Opferherrn, ausgeschlossen von rechter Weihschnur und Mantra,'
nṛpasya karmasaktena yūpakarmasuniṣṭhitaḥ //
'für einen dem Ritual-Tun ergebenen König, war ich in der Opferpfosten-Zeremonie tätig,'
'und verrichtete im Opfer das Amt des Feueranzünders (Āgnīdhra), von Gier und Verblendung gequält; als jenes vollendet war, aus Torheit die Heuchelei fortsetzend,'
Wort für Wort
āgnīdhraṃ cākarod yajñe lobhamohaprapīḍitaḥ /
'und verrichtete im Opfer das Amt des Feueranzünders, von Gier und Verblendung gequält;'
tasmin parisamāpte tu maurkhyād dambham anuṣṭhitaḥ //
'als jenes vollendet war, aus Torheit die Heuchelei fortsetzend,'
saṃpūrṇe daśarātre tu na samāpte tathā kratau /
virūpākṣasya dīyantyām āhutyāṃ rākṣase kṣaṇe //
'Als zehn Nächte vollendet, das Opfer aber noch nicht abgeschlossen war, in dem Augenblick, als dem Virūpākṣa (Śiva) die Opferspende dargebracht wurde, in jenem unheilvollen (rākṣasischen) Moment,'
Wort für Wort
saṃpūrṇe daśarātre tu na samāpte tathā kratau /
'Als zehn Nächte vollendet, das Opfer aber noch nicht abgeschlossen war,'
virūpākṣasya dīyantyām āhutyāṃ rākṣase kṣaṇe //
'in dem Augenblick, als dem Virūpākṣa die Opferspende dargebracht wurde, in jenem unheilvollen Moment,'
ajānatā yajñavidyāṃ yad iṣṭaṃ yājitaṃ ca yat /
tena karmavipākena saṃbhūto brahmarākṣasaḥ //
'der die Opferwissenschaft nicht kannte, (durch das,) was geopfert und was zu opfern veranlasst wurde — durch die Reifung jener Tat wurde ich zu einem Brahmarākṣasa.'
Wort für Wort
ajānatā yajñavidyāṃ yad iṣṭaṃ yājitaṃ ca yat /
'der die Opferwissenschaft nicht kannte, durch das, was geopfert und was zu opfern veranlasst wurde —'
tena karmavipākena saṃbhūto brahmarākṣasaḥ //
'durch die Reifung jener Tat wurde ich zu einem Brahmarākṣasa.'
Dort fasste er den Entschluss zum Fasten (bis zum Tode) und gab seine Lebensgeister auf, ihr Zweifachgeborenen — befreit von seinem Rākṣasa-Wesen, gestärkt durch die Frucht des Liedes,
Wort für Wort
tatrānaśanasaṃkalpaṃ kṛtvā prāṇāñ jahau dvijāḥ /
Dort fasste er den Entschluss zum Fasten und gab seine Lebensgeister auf, ihr Zweifachgeborenen —
rākṣasatvād vinirmukto gītikāphalabṛṃhitaḥ //
befreit von seinem Rākṣasa-Wesen, gestärkt durch die Frucht des Liedes,
An dessen Ende wurde er als Brahmane geboren, erinnerungsbegabt und selbstbeherrscht; seine Geschichte werde ich euch weiter erzählen, ihr Zweifachgeborenen.
Wort für Wort
tasyānte brāhmaṇo jāto babhūva smṛtimān vaśī /
An dessen Ende wurde er als Brahmane geboren, erinnerungsbegabt und selbstbeherrscht;
mātaṅgasya kathāśeṣaṃ śṛṇudhvaṃ gadato mama /
rākṣase tu gate dhīmān gṛham etya yatātmavān //
Hört den Rest der Geschichte des Mātaṅga, wie ich sie erzähle: Als der Rākṣasa fortgegangen war, ging der weise, selbstbeherrschte (Mātaṅga) nach Hause,
Wort für Wort
mātaṅgasya kathāśeṣaṃ śṛṇudhvaṃ gadato mama /
Hört den Rest der Geschichte des Mātaṅga, wie ich sie erzähle:
rākṣase tu gate dhīmān gṛham etya yatātmavān //
Als der Rākṣasa fortgegangen war, ging der weise, selbstbeherrschte Mātaṅga nach Hause,
und, sich jenes seltsamen Geschehens erinnernd, wurde er, obwohl rein, von Weltentsagung ergriffen; nachdem er seine Ehefrau seinen Söhnen anvertraut hatte, unternahm er eine Umwandlung der Erde (eine Pilgerreise um die ganze Erde).
Wort für Wort
tadvipracaritaṃ smṛtvā nirviṇṇaḥ śucir apy asau /
und, sich jenes seltsamen Geschehens erinnernd, wurde er, obwohl rein, von Weltentsagung ergriffen;
tato 'drivaram āgamya vindhyam uccaśiloccayam /
pāpapramocanaṃ tīrtham āsasāda sa tu dvijāḥ //
Dann, zum vortrefflichen Berg Vindhya gelangt, mit seinen hohen Felsanhäufungen, erreichte er, ihr Zweifachgeborenen, den Tīrtha Pāpapramocana ('Sündenbefreiung').
Wort für Wort
tato 'drivaram āgamya vindhyam uccaśiloccayam /
Dann, zum vortrefflichen Berg Vindhya gelangt, mit seinen hohen Felsanhäufungen,
pāpapramocanaṃ tīrtham āsasāda sa tu dvijāḥ //
erreichte er, ihr Zweifachgeborenen, den Tīrtha Pāpapramocana.
sa pūrvajanmany abhavad bhikṣuḥ saṃyatavāṅmanāḥ /
yatakāyaś ca matimān vedavedāṅgapāragaḥ //
In einem früheren Leben war er ein Bettelmönch (Bhikṣu) gewesen, gezügelt in Rede und Geist, beherrscht im Körper, weise, und mit Veda und Vedāṅgas völlig vertraut.
Wort für Wort
sa pūrvajanmany abhavad bhikṣuḥ saṃyatavāṅmanāḥ /
In einem früheren Leben war er ein Bettelmönch gewesen, gezügelt in Rede und Geist,
yatakāyaś ca matimān vedavedāṅgapāragaḥ //
beherrscht im Körper, weise, und mit Veda und Vedāṅgas völlig vertraut.
Als einst Kühe von Dieben aus der Stadt fortgetrieben wurden, wurden sie von jenem Bettelmönch, der den Almosenstaub abschüttelte, freigelassen.
Wort für Wort
ekadā goṣu nagarād dhriyamāṇāsu taskaraiḥ /
Als einst Kühe von Dieben aus der Stadt fortgetrieben wurden [?],
bhikṣāvadhūtā rajasā muktā tenātha bhikṣuṇā //
wurden sie von jenem Bettelmönch, der den Almosenstaub abschüttelte, freigelassen.
[Anm.] Der genaue Sinn dieses Verses ist im Original unklar; er scheint anzudeuten, dass der Bettelmönch durch eine unbedachte Handlung im Zusammenhang mit dem Kuhraub in Schuld geriet, was den folgenden Vers (V.99) begründet.
mūrkho 'bhūd brāhmaṇavaro vārāṇasyāṃ ca bho dvijāḥ /
tatrāsya vasato 'bdais tu triṃśadbhiḥ siddhapūruṣaḥ //
Er wurde ein törichter, doch vortrefflicher Brahmane in Vārāṇasī, ihr Zweifachgeborenen; während er dort dreißig Jahre lang weilte, (erschien) ein Siddha-Mann,
Wort für Wort
mūrkho 'bhūd brāhmaṇavaro vārāṇasyāṃ ca bho dvijāḥ /
Er wurde ein törichter, doch vortrefflicher Brahmane in Vārāṇasī, ihr Zweifachgeborenen;
tatrāsya vasato 'bdais tu triṃśadbhiḥ siddhapūruṣaḥ //
während er dort dreißig Jahre lang weilte, erschien ein Siddha-Mann,
virūparūpī babhrāma yogamālābalānvitaḥ /
taṃ dṛṣṭvā sopahāsārtham abhivādyābhyuvāca ha //
in wechselnder, seltsamer Gestalt wandernd, mit der Kraft der Yogamāyā ausgestattet; als er ihn sah, grüßte er ihn, um ihn zu verspotten, und sprach zu ihm.
Wort für Wort
virūparūpī babhrāma yogamālābalānvitaḥ /
in wechselnder, seltsamer Gestalt wandernd, mit der Kraft der Yogamāyā ausgestattet;
taṃ dṛṣṭvā sopahāsārtham abhivādyābhyuvāca ha //
als er ihn sah, grüßte er ihn, um ihn zu verspotten, und sprach zu ihm.
{vyāsa uvāca:} evaṃ saṃbhāṣitas tena jñāto 'ham iti cintya tu /
pratyuvācātha vandyas taṃ svargalokād upāgataḥ //
Vyāsa sprach: So von ihm angesprochen, erwiderte der Verehrungswürdige, in dem Gedanken 'ich bin erkannt worden', ihm, dass er von der Himmelswelt gekommen sei.
Wort für Wort
{vyāsa uvāca:} evaṃ saṃbhāṣitas tena jñāto 'ham iti cintya tu /
Vyāsa sprach: So von ihm angesprochen, in dem Gedanken 'ich bin erkannt worden',
pratyuvācātha vandyas taṃ svargalokād upāgataḥ //
erwiderte der Verehrungswürdige ihm, dass er von der Himmelswelt gekommen sei.
babhūva siddho 'pi yayau merupṛṣṭhaṃ surālayam /
sametya corvaśīṃ prāha yad ukto 'sau dvijena tu //
Der Siddha ging zum Gipfel des Meru, der Wohnstatt der Götter, und, zu Urvaśī gelangt, sagte er ihr, was ihm von dem Zweifachgeborenen gesagt worden war.
Wort für Wort
babhūva siddho 'pi yayau merupṛṣṭhaṃ surālayam /
Der Siddha ging zum Gipfel des Meru, der Wohnstatt der Götter,
sametya corvaśīṃ prāha yad ukto 'sau dvijena tu //
und, zu Urvaśī gelangt, sagte er ihr, was ihm von dem Zweifachgeborenen gesagt worden war.
sā prāha taṃ siddhavaraṃ nāhaṃ kāśipatiṃ dvijam /
jānāmi satyam uktaṃ te na cetasi mama sthitam //
Sie sprach zu jenem trefflichen Siddha: 'Ich kenne diesen Herrn von Kāśi, den Zweifachgeborenen, nicht; wahr ist, was du sagst, doch er weilt nicht in meinem Sinn.'
Wort für Wort
sā prāha taṃ siddhavaraṃ nāhaṃ kāśipatiṃ dvijam /
Sie sprach zu jenem trefflichen Siddha: 'Ich kenne diesen Herrn von Kāśi, den Zweifachgeborenen, nicht;'
jānāmi satyam uktaṃ te na cetasi mama sthitam //
'wahr ist, was du sagst, doch er weilt nicht in meinem Sinn.'
dṛṣṭaḥ pṛṣṭaḥ kila bhūyaḥ kim āhorubhavā tava /
siddho 'bravīn na jānāmi mām uvācorvaśī svayam //
Gesehen, wurde er wiederum gefragt: 'Was sagte dir die aus dem Schenkel Entstandene?' Der Siddha sprach: 'Ich kenne (dich) nicht' — so hat Urvaśī selbst zu mir gesagt.
Wort für Wort
dṛṣṭaḥ pṛṣṭaḥ kila bhūyaḥ kim āhorubhavā tava /
Gesehen, wurde er wiederum gefragt: 'Was sagte dir die aus dem Schenkel Entstandene?'
siddho 'bravīn na jānāmi mām uvācorvaśī svayam //
Der Siddha sprach: 'Ich kenne dich nicht' — so hat Urvaśī selbst zu mir gesagt.
Als er die Worte des Siddha gehört hatte, mit vom Lächeln geöffneten Lippen, sprach er wieder: 'Wie meinst du das mit "ich kenne (ihn) nicht"? So soll Urvaśī von dir angesprochen werden!'
na bhokṣye 'dyaprabhṛti vai śakaṭaṃ satyam īritam /
ity uktaḥ prayayau siddhaḥ svarge dṛṣṭvorvaśīm atha //
'Von heute an werde ich wahrlich nicht (mehr) von einem Karren essen' — wahrhaftig ist dies erklärt. So angesprochen, ging der Siddha fort und sah im Himmel Urvaśī,
Wort für Wort
na bhokṣye 'dyaprabhṛti vai śakaṭaṃ satyam īritam /
'Von heute an werde ich wahrlich nicht mehr von einem Karren essen' — wahrhaftig ist dies erklärt.
'schon durch die Annahme des Gelübdes (erkenne ich) den Toren, der mich verspottet.' Dies gesagt, ging Nārāyaṇas Tochter (Urvaśī) schnell zu ihrer Wohnstatt.
Wort für Wort
niyamagrahaṇād eva mūrkho mām upahāsakaḥ /
'schon durch die Annahme des Gelübdes erkenne ich den Toren, der mich verspottet.'
ity uktvā prayayau śīghraṃ vāsaṃ nārāyaṇātmajā //
Dies gesagt, ging Nārāyaṇas Tochter schnell zu ihrer Wohnstatt.
cakāra mūrkhaś ceṣṭāś ca taṃ vivedorvaśī svayam /
taṃ mūrkhaṃ siddhagaditaṃ jñātvā sasmitam āha tam //
Der Tor machte (verliebte) Gebärden; Urvaśī selbst erkannte ihn. Als sie erkannte, dass dies der vom Siddha erwähnte Tor war, sprach sie lächelnd zu ihm.
Wort für Wort
cakāra mūrkhaś ceṣṭāś ca taṃ vivedorvaśī svayam /
Der Tor machte verliebte Gebärden; Urvaśī selbst erkannte ihn.
taṃ mūrkhaṃ siddhagaditaṃ jñātvā sasmitam āha tam //
Als sie erkannte, dass dies der vom Siddha erwähnte Tor war, sprach sie lächelnd zu ihm.
der einen Monat lang ohne Speise am Flussufer verharrt hatte, die Himmelsfrau. Als sie ihn, von Entschlossenheit erfüllt, sah, nahm sie da die Gestalt einer Alten an,
Wort für Wort
sthitaṃ māsaṃ nadītīre nirāhāraṃ surāṅganā /
der einen Monat lang ohne Speise am Flussufer verharrt hatte, die Himmelsfrau.
Nachdem sie gebadet hatte, auf dem Boden verweilend, und mit dem Karren wahrheitsgemäß (dort), rief die Schönäugige jenen Brahmanen herbei und sprach diese Worte.
Wort für Wort
snātvātha bhūmau vasantī śakaṭaṃ ca yathārthataḥ /
Nachdem sie gebadet hatte, auf dem Boden verweilend, mit dem Karren wahrheitsgemäß dort,
taṃ brāhmaṇaṃ samāhūya vākyam āha sulocanā //
rief die Schönäugige jenen Brahmanen herbei und sprach diese Worte.
Urvaśī sprach: 'Von mir wurde, o Brahmane, ein strenges Gelübde vollzogen, um Glück zu erlangen; am Ende des Gelübdes will ich eine Sühnegabe geben — nimm sie an, o Zweifachgeborener.'
{vyāsa uvāca:} sa prāha kim idaṃ loke dīyate śarkarāvṛtam /
kṣutkṣāmakaṇṭhaḥ pṛcchāmi sādhu bhadre samīraya //
Vyāsa sprach: Er sprach: 'Was ist das, das da in der Welt gegeben wird, mit Zucker bedeckt? Mit vor Hunger heiserer Kehle frage ich; erkläre es mir gut, gute Frau.'
Wort für Wort
{vyāsa uvāca:} sa prāha kim idaṃ loke dīyate śarkarāvṛtam /
Vyāsa sprach: Er sprach: 'Was ist das, das da in der Welt gegeben wird, mit Zucker bedeckt?'
sa tac chrutvātha saṃsmṛtya kṣudhayā pīḍito 'pi san /
prāha bhadre na gṛhṇāmi niyamo hi kṛto mayā //
Als er dies gehört und sich (seines Gelübdes) erinnert hatte, obwohl von Hunger gequält, sprach er: 'Gute Frau, ich nehme (es) nicht an, denn ein Gelübde wurde von mir abgelegt —'
Wort für Wort
sa tac chrutvātha saṃsmṛtya kṣudhayā pīḍito 'pi san /
Als er dies gehört und sich seines Gelübdes erinnert hatte, obwohl von Hunger gequält,
prāha bhadre na gṛhṇāmi niyamo hi kṛto mayā //
sprach er: 'Gute Frau, ich nehme es nicht an, denn ein Gelübde wurde von mir abgelegt —'
Sie sprach: 'Guter, das Gelübde wurde von dir bezüglich eines hölzernen (Karrens) abgelegt; dieser hier ist kein hölzerner — iss, da du von Hunger überaus gequält bist.'
Wort für Wort
sābravīn niyamo bhadra kṛtaḥ kāṣṭhamaye tvayā /
Sie sprach: 'Guter, das Gelübde wurde von dir bezüglich eines hölzernen Karrens abgelegt;'
nāsau kāṣṭhamayo bhuṅkṣva kṣudhayā cātipīḍitaḥ //
'dieser hier ist kein hölzerner — iss, da du von Hunger überaus gequält bist.'
sa tām uvāca sudati na tāvad yāmi mandiram /
ihāyātā varārohā trailokye 'py adhikā guṇaiḥ //
Er sprach zu ihr: 'O Schönzahnige, ich gehe noch nicht nach Hause; hierher ist eine Frau von schöner Gestalt gekommen, an Tugenden selbst in den drei Welten überragend —'
Wort für Wort
sa tām uvāca sudati na tāvad yāmi mandiram /
Er sprach zu ihr: 'O Schönzahnige, ich gehe noch nicht nach Hause;'
ihāyātā varārohā trailokye 'py adhikā guṇaiḥ //
'hierher ist eine Frau von schöner Gestalt gekommen, an Tugenden selbst in den drei Welten überragend —'
'von mir, von Liebesqual geplagt, wurde sie gebeten, und von ihr wurde ich getröstet: "Bleibe einen Augenblick", (sagte sie), und ich sagte: "Ich werde bleiben."'
Wort für Wort
sā mayā madanārtena prārthitāśvāsitas tayā /
'von mir, von Liebesqual geplagt, wurde sie gebeten, und von ihr wurde ich getröstet:'
māsamātraṃ gatāyās tu tasyā bhadre sthitasya ca /
mama satyānuraktasya saṃgamāya dhṛtavrate //
'Seit einem Monat, seit sie fortgegangen ist, gute Frau, und ich hier verharre, wahrheitsgetreu, mein Gelübde festhaltend, auf die Vereinigung (mit ihr wartend) —'
Wort für Wort
māsamātraṃ gatāyās tu tasyā bhadre sthitasya ca /
'Seit einem Monat, seit sie fortgegangen ist, gute Frau, und ich hier verharre,'
mama satyānuraktasya saṃgamāya dhṛtavrate //
'wahrheitsgetreu, mein Gelübde festhaltend, auf die Vereinigung wartend —'
Vyāsa sprach: Nachdem sie seine Worte gehört hatte, nahm Urvaśī ihre eigene, vortreffliche Gestalt wieder an und sprach, tief bewegt lächelnd, zu jenem Zweifachgeborenen.
{urvaśy uvāca:} sādhu satyaṃ tvayā vipra vrataṃ niṣṭhitacetasā /
niṣpāditaṃ haṭhād eva mama darśanam icchatā //
Urvaśī sprach: 'Gut, wahrhaftig, o Brahmane, ist von dir mit entschlossenem Sinn das Gelübde erfüllt worden, mit Gewalt (Beharrlichkeit), da du meinen Anblick begehrtest.'
'Geh zum Gebiet des Śūkara (Eber-Ort), das als Rūpa-Tīrtha bekannt ist; du wirst dort Vollendung erlangen, o Bester der Brahmanen, und dann wirst du mich erlangen.'
Wort für Wort
gaccha śūkaravoddeśaṃ rūpatīrtheti viśrutam /
'Geh zum Gebiet des Śūkara, das als Rūpa-Tīrtha bekannt ist;'
Er, ein Opferer durch mannigfaltige, mit vortrefflichen Priestergaben abgeschlossene Opfer, übergab, nachdem er das Königreich seinen Söhnen anvertraut hatte, sich wieder zum Śūkara-Ort (Śaukara/Varāha-Tīrtha).
Wort für Wort
sa yajvā vividhair yajñaiḥ samāptavaradakṣiṇaiḥ /
Er, ein Opferer durch mannigfaltige, mit vortrefflichen Priestergaben abgeschlossene Opfer,
putreṣu rājyaṃ nikṣipya yayau śaukaravaṃ punaḥ //
übergab, nachdem er das Königreich seinen Söhnen anvertraut hatte, sich wieder zum Śūkara-Ort.
Am Rūpa-Tīrtha gestorben, gelangte er wiederum zu Śakras Welt (Indras Himmel); dort genoss er hundert Manvantaras lang Genüsse und fiel dann (von dort) herab,
Wort für Wort
rūpatīrthe mṛto bhūyaḥ śakralokam upāgataḥ /
Am Rūpa-Tīrtha gestorben, gelangte er wiederum zu Śakras Welt;
tatra manvantaraśataṃ bhogān bhuktvā tataś cyutaḥ //
dort genoss er hundert Manvantaras lang Genüsse und fiel dann von dort herab,
evaṃ purā satyatapā dvijātis tīrthe prasiddhe sa hi rūpasaṃjñe /
ārādhya janmany atha cārcya viṣṇum avāpya bhogān atha muktim eti //
So gelangt der einstige, zweifachgeborene Satyatapas, der am berühmten, Rūpa genannten Tīrtha (Viṣṇu) verehrt und in (jener weiteren) Geburt Viṣṇu angebetet hat, nachdem er Genüsse erlangt hat, schließlich zur Erlösung.
Wort für Wort
evaṃ purā satyatapā dvijātis tīrthe prasiddhe sa hi rūpasaṃjñe /
So gelangt der einstige, zweifachgeborene Satyatapas, der am berühmten, Rūpa genannten Tīrtha Viṣṇu verehrt hat,
und der in jener weiteren Geburt Viṣṇu angebetet hat, nachdem er Genüsse erlangt hat, schließlich zur Erlösung.
[Anm.] Vierzeiliger Schlussvers im Original. Damit schließt sich der Kreis zur Genealogie aus Kap.226: der 'törichte Brahmane' der Rahmenerzählung ist in Wahrheit der frühere Cāṇḍāla, der schließlich als Purūravas, Sohn Budhas, wiedergeboren wird und mit Urvaśī vereint wird.