Kapitel 16: syamantakamaṇyupākhyānam
Die Erzählung vom Syamantaka-Juwel
59 Verse (v.34-35 als eine Einheit gezählt): die berühmte Erzählung vom Syamantaka-Juwel. Nach einer knappen Fortsetzung der Rājādhideva-Linie (Kṛtavarman, Śatadhanvan u.a.) und einem weiteren textlichen Doppelbeleg der Kroṣṭu-Anamitra-Genealogie (vgl. Kap. 14) erhält Prasena von Sūrya das strahlende Juwel Syamantaka; nach seinem Tod durch einen Löwen und dessen Tötung durch den Bärenkönig Jāmbavant gerät Kṛṣṇa unter Verdacht, sucht das Juwel, kämpft 21 Tage mit Jāmbavant in dessen Höhle, gewinnt Jāmbavatī zur Frau und das Juwel zurück, reinigt sich vom falschen Verdacht und gibt es Satrājit zurück, der ihm daraufhin seine Tochter Satyabhāmā zur Frau gibt. Schließt mit einem weiteren, ausgedehnten Doppelbeleg der Śvaphalka-Akrūra-Genealogie (vgl. Kap. 14) und einer Phalaśruti.
Gāndhārī und Mādrī waren die beiden Gattinnen des Kroṣṭu. Gāndhārī gebar den überaus starken Anamitra.
Wort für Wort
gāndhārī ca eva mādrī ca
Gāndhārī und auch Mādrī
kroṣṭubhārye babhūvatuḥ
waren die beiden Gattinnen des Kroṣṭu
gāndhārī janayām āsa
Gāndhārī gebar
anamitram mahābalam
den überaus starken Anamitra
[Anm.: Dieser und der folgende Vers (v.9-10) wiederholen fast wortgleich Kap. 14, v.1-2 – ein weiterer textlicher Doppelbeleg, wie bereits die Kāśī-Genealogie in Kap. 11/13.]
ko viśeṣo 'sti me tvattaḥ sakhyenopagatasya vai / etac chrutvā tu bhagavān maṇiratnaṃ syamantakam // BrP_16.17 //
'Welche Auszeichnung fürwahr habe ich von dir, der ich mich [dir] in Freundschaft genähert habe?' Dies hörend, [nahm] der Erhabene das Juwel Syamantaka
Wort für Wort
kaḥ viśeṣaḥ asti me
welche Auszeichnung habe ich
tvattaḥ sakhyena upagatasya vai
von dir, der ich mich in Freundschaft genähert habe, fürwahr
taṃ janāḥ paryadhāvanta sūryo 'yaṃ gacchatīti ha / svāṃ purīṃ sa visiṣmāya rājā tv antaḥpuraṃ tathā // BrP_16.22 //
Die Leute liefen ihm nach [und riefen]: 'Dies ist die Sonne, die da geht!' Der König versetzte fürwahr seine eigene Stadt und ebenso den Frauenpalast in Staunen.
sa maṇiḥ syandate rukmaṃ vṛṣṇyandhakaniveśane / kālavarṣī ca parjanyo na ca vyādhibhayaṃ hy abhūt // BrP_16.24 //
Jenes Juwel lässt in der Wohnstätte der Vṛṣṇis und Andhakas Gold hervorquellen; und Parjanya regnete zur rechten Zeit, und es gab fürwahr keine Krankheitsfurcht.
Er, der rechtschaffene, verdächtigt, [obwohl] nicht der Täter jener Tat, ging, nachdem er gelobt hatte 'Ich werde das Juwel zurückbringen', in den Wald.
ṛkṣeṇa nihato dṛṣṭaḥ padair ṛkṣas tu sūcitaḥ / padais tair anviyāyātha guhām ṛkṣasya mādhavaḥ // BrP_16.33 //
der von einem Bären erschlagen worden war; und der Bär wurde durch Spuren angezeigt; jenen Spuren folgend, [gelangte] Mādhava dann zur Höhle des Bären.
sa hi ṛkṣabile vāṇīṃ śuśrāva pramaderitām / dhātryā kumāram ādāya sutaṃ jāmbavato dvijāḥ / krīḍayantyā ca maṇinā mā rodīr ity atheritām // BrP_16.34-35 //
Denn er hörte am Höhleneingang des Bären eine Stimme, die aus Vergnügen [gesprochen wurde] – von einer Amme, die, nachdem sie den Knaben, den Sohn des Jāmbavant, o Zweifachgeborene, aufgenommen hatte und mit ihm und dem Juwel spielte, 'Weine nicht' gesprochen hatte.
Wort für Wort
sa hi ṛkṣabile vāṇīm
denn er hörte am Höhleneingang des Bären eine Stimme
śuśrāva pramaderitām
die aus Vergnügen gesprochen wurde
dhātryā kumāram ādāya
von einer Amme, die den Knaben aufgenommen hatte
sutam jāmbavato dvijāḥ
den Sohn des Jāmbavant, o Zweifachgeborene
krīḍayantyā ca maṇinā
und die mit dem Juwel spielte
mā rodīḥ iti atheritām
'weine nicht', so gesprochen
[Anm.: Diese Einheit umfasst zwei Verse (34-35), die im Quelltext durch das Fortsetzungszeichen "//*" als ein zusammengehöriger Satz markiert sind.]
[Die Amme sprach:] 'Der Löwe erschlug Prasena; der Löwe wurde von Jāmbavant erschlagen. Weine nicht, kleiner Liebling – dieser Syamantaka ist ja dein.'
sthāpayitvā biladvāre yadūṃl lāṅgalinā saha / śārṅgadhanvā bilasthaṃ tu jāmbavantaṃ dadarśa saḥ // BrP_16.38 //
indem er die Yadus zusammen mit dem Pflugträger [Balarāma] am Höhleneingang zurückließ; und er, der Śārṅga-Bogenträger, erblickte den in der Höhle befindlichen Jāmbavant.
Wort für Wort
sthāpayitvā biladvāre
am Höhleneingang zurücklassend
yadūn lāṅgalinā saha
die Yadus zusammen mit dem Pflugträger
śārṅgadhanvā bilastham tu
der Śārṅga-Bogenträger aber den in der Höhle befindlichen
das Selbst von der Verfehlung gereinigt, nachdem er den Syamantaka wiedererlangt hatte. Satrājit aber hatte zehn Gattinnen; von diesen [gab es] hundert Söhne;
kumāryaś cāpi tisro vai dikṣu khyātā dvijottamāḥ / satyabhāmottamā tāsāṃ vratinī ca dṛḍhavratā // BrP_16.47 //
Und auch drei Jungfrauen, fürwahr in [allen] Richtungen berühmt, o beste der Zweifachgeborenen: die vorzüglichste von ihnen, Satyabhāmā, fromm und von festen Gelübden,
Wort für Wort
kumāryaḥ ca api tisraḥ vai
und auch drei Jungfrauen, fürwahr
dikṣu khyātā dvijottamāḥ
in [allen] Richtungen berühmt, o beste der Zweifachgeborenen
tathā prasvāpinī caiva bhāryāṃ kṛṣṇāya tāṃ dadau / sabhākṣo bhaṅgakāris tu nāveyaś ca narottamau // BrP_16.48 //
und ebenso Prasvāpinī. [Satrājit] gab jene [Satyabhāmā] dem Kṛṣṇa zur Gattin. Sabhākṣa, und Bhaṅgakāri, und Nāveya, die besten der Männer,
Wort für Wort
tathā prasvāpinī ca eva
und ebenso Prasvāpinī
bhāryām kṛṣṇāya tām dadau
gab er jene dem Kṛṣṇa zur Gattin
sabhākṣaḥ bhaṅgakāriḥ tu
Sabhākṣa, und Bhaṅgakāri aber
nāveyaḥ ca narottamau
und Nāveya, die besten der Männer
[?: Drei Namen genannt (Sabhākṣa, Bhaṅgakāri, Nāveya), aber der Dual "narottamau" verlangt nur zwei – möglicherweise Textverderbnis oder einer der Namen ist ein Beiname eines anderen; wörtlich übernommen.]
wurden geboren, mit Vorzügen begabt, berühmt durch Schönheit, diese beiden. Dann wurde Mādrīs Sohn geboren, dann Vṛṣṇis Sohn Yudhājit.
Wort für Wort
jajñāte guṇasaṃpannau
wurden geboren, mit Vorzügen begabt
viśrutau rūpasaṃpadā
berühmt durch Schönheit, diese beiden
mādryāḥ putraḥ atha jajñe
dann wurde Mādrīs Sohn geboren
atha vṛṣṇiputraḥ yudhājitaḥ
dann Vṛṣṇis Sohn Yudhājit
[Anm.: Der Übergang zu "Mādryāḥ putraḥ" knüpft unvermittelt an die frühere Vṛṣṇi-Genealogie (v.9-10) an; möglicherweise ist der Text an dieser Stelle zusammengeschnitten.]
Zwei Söhne des Vṛṣṇi wurden geboren: Śvaphalka und ebenso Citraka. Śvaphalka gewann die Tochter des Königs von Kāśī zur Gattin,
Wort für Wort
jajñāte tanayau vṛṣṇeḥ
zwei Söhne des Vṛṣṇi wurden geboren
śvaphalkaḥ citrakaḥ tathā
Śvaphalka und ebenso Citraka
śvaphalkaḥ kāśirājasya sutām
Śvaphalka die Tochter des Königs von Kāśī
bhāryām avindata
gewann er zur Gattin
[Anm.: Ab hier (v.50-58) wiederholt der Text weitgehend wortgleich die Śvaphalka/Akrūra/Citraka-Genealogie aus Kap. 14, v.3-13 – ein weiterer ausgedehnter Doppelbeleg.]
vasudevaś copadevaś ca jajñāte devavarcasau / citrakasyābhavan putrāḥ pṛthur vipṛthur eva ca // BrP_16.56 //
Vasudeva und Upadeva wurden geboren, beide von göttlichem Glanz. Citrakas Söhne waren: Pṛthu, und ebenso Vipṛthu,
Wort für Wort
vasudevaḥ ca upadevaḥ ca
Vasudeva und Upadeva
jajñāte devavarcasau
wurden geboren, beide von göttlichem Glanz
citrakasya abhavan putrāḥ
Citrakas Söhne waren
pṛthuḥ vipṛthuḥ eva ca
Pṛthu, und ebenso Vipṛthu
[Anm.: Hier heißt der Sohn Akrūras und der Ugrasenā "Vasudeva" statt wie in Kap. 14, v.11 "Prasena" – eine Namensdiskrepanz innerhalb dieses ausgedehnten Doppelbelegs.]
veda mithyābhiśāpās taṃ na spṛśanti kadācana // BrP_16.59 //
kennt, den berühren falsche Verwünschungen niemals.
Wort für Wort
veda mithyābhiśāpāḥ
kennt, [den] falsche Verwünschungen
tam na spṛśanti kadācana
berühren ihn niemals
[Anm.: Diese Einheit (v.58-59) bildet einen zusammengehörigen Satz über zwei Halbverse und schließt Kapitel 16 mit einer Phalaśruti zur Syamantaka-Erzählung ab; das folgende Kapitel (BrP 17) berichtet, wie Satrājit den Juwel später Babhru gab und ihn Śatadhanvan (im Auftrag der Bhojas) entriss – Vorgeschichte zu Satyabhāmās Racheforderung an Kṛṣṇa.]