Kapitel 13: Pauravaṃ Vaṃśānucaritam (Prathamo Bhāgaḥ)
Das Geschlecht des Puru: von Bharata und der Kāśī-Linie bis zu Kārtavīrya Arjuna
Das mit Abstand umfangreichste Kapitel bisher (213 Verse): die vollständige Puru-Linie von Suvīra über Raudrāśva, Kakṣeyu und König Bali (Stammvater von Aṅga, Vaṅga, Suhma, Puṇḍra, Kaliṅga) bis zu Duṣyanta und Bharata (Sohn der Śakuntalā); die Adoption des Vitatha durch Bharadvāja und eine zweite, fast wortgleiche Fassung der Kāśī-Genealogie (vgl. bereits Kap. 11); die zweite Ajamīḍha-Linie und die Namensgebung der Pañcālas; die Ṛkṣa-Saṃvaraṇa-Kuru-Linie bis Śāṃtanu, Bhīṣma und die Pāṇḍavas, mit einer ungewöhnlichen Fortsetzung über Janamejaya hinaus in eine erfundene, zukünftige Nachkommenschaft (Candrāpīḍa, Sūryāpīḍa u.a.) samt einer Rettungslegende um den ausgesetzten Säugling Ajapārśva; die kurzen Turvasu- und Druhyu-Linien (mit der Ableitung von Pāṇḍya, Kerala, Cola und Gāndhāra); die Anu-Linie; und schließlich die ausführliche Yadu-Linie, die in der Sahasrārjuna-Episode gipfelt: Kārtavīrya Arjunas tausend Arme durch Dattātreyas Gnade, seine Gefangennahme Rāvaṇas, der durch Agnis Zerstörung von Vasiṣṭhas Einsiedelei ausgelöste Fluch, der seinen Tod durch Paraśurāma bewirkt, sowie die daraus hervorgehenden Haihaya-, Tālajaṅgha- und Yādava-Zweige. Das Kapitel schließt mit einer Phalaśruti (Hörfrucht-Verheißung) und leitet zu Kapitel 14 (Kroṣṭus Geschlecht, aus dem Kṛṣṇa/Viṣṇu hervorgeht) über.
Die Brahmanen sprachen: Das Geschlecht des Puru, o Sūta, wollen wir der Wahrheit gemäß hören, und das des Druhyu, des Anu, und des Yadu, und des Turvasu, je gesondert.
ṛceyuś ca jaleyuś ca sthaleyuś ca mahābalaḥ / dhaneyuś ca vaneyuś ca putrakāś ca daśa striyaḥ // BrP_13.6 //
und Ṛceyu, und Jaleyu, und der sehr starke Sthaleyu, und Dhaneyu, und Vaneyu – zehn Söhne, und zehn waren die Frauen [dieser Söhne bzw. Raudrāśvas].
Wort für Wort
ṛceyuḥ ca jaleyuḥ ca
und Ṛceyu, und Jaleyu,
sthaleyuḥ ca mahābalaḥ
und der sehr starke Sthaleyu,
dhaneyuḥ ca vaneyuḥ ca
und Dhaneyu, und Vaneyu
putrakāḥ ca daśa striyaḥ
[dies die] Söhne, und zehn die Frauen
[Anm.: Zehn Söhne (v.5-6) und zehn Gattinnen (v.7-8, mit Namen wie Bhadrā, Śūdrā, Madrā u.a., die zugleich als Flussnamen bekannt sind) werden aufgezählt; nur eine dieser Verbindungen (Bhadrā, v.9) wird im Folgenden ausgeführt.]
In Bhadrā zeugte er den ruhmreichen Sohn Soma, als die Sonne, von Svarbhānu geschlagen, vom Himmel zur Erde zu fallen begann,
Wort für Wort
bhadrāyām janayām āsa
in Bhadrā zeugte er
sutam somam yaśasvinam
den ruhmreichen Sohn Soma
svarbhānunā hate sūrye
als die Sonne, von Svarbhānu geschlagen,
patamāne divaḥ mahīm
vom Himmel zur Erde zu fallen begann
[Anm.: Hier ist offenbar eine Sonnenfinsternis-Ätiologie eingeflochten: der Weise Prabhākara bewahrt durch sein Wort die vom Dämon Svarbhānu (Rāhu) geschlagene Sonne vor dem Absturz.]
tamobhibhūte loke ca prabhā yena pravartitā / svasti te 'stv iti coktvā vai patamāno divākaraḥ // BrP_13.10 //
und als die Welt von Finsternis überwältigt war, und durch den (Prabhākara?) das Licht wiederhergestellt wurde; „Heil sei dir“ sagend, die fallende Sonne,
und dessen Kraft, von Atri [herrührend], bei den Opfern von den Göttern verankert wurde; er zeugte in jenen „Putrikās“ (erbberechtigten Töchtern) Söhne aus eigenem Verlangen,
Wort für Wort
yajñeṣu atreḥ balam ca eva
und die Kraft des Atri bei den Opfern
devaiḥ yasya pratiṣṭhitam
wurde von den Göttern verankert, dessen [Kraft]
sa tāsu janayām āsa
er zeugte in jenen
putrikāsu ātmakāmajān
Putrikās Söhne aus eigenem Verlangen
[Anm.: „putrikā“ bezeichnet eine Tochter, die – mangels Sohnes – rechtlich als Sohn ihres Vaters gilt und deren Kinder dessen Linie fortsetzen; hier auf die zehn zuvor genannten Gattinnen angewandt.]
svastyātreyā iti khyātāḥ kiṃca tridhanavarjitāḥ / kakṣeyos tanayās tv āsaṃs traya eva mahārathāḥ // BrP_13.14 //
wurden als die glückverheißenden Ātreyas bekannt, und zudem entbehrten sie des dreifachen Reichtums. Kakṣeyus Söhne aber waren genau drei, große Wagenkämpfer:
Wort für Wort
svasti ātreyāḥ iti khyātāḥ
als die glückverheißenden Ātreyas bekannt
kiṃca tridhanavarjitāḥ
und zudem des dreifachen Reichtums entbehrend
kakṣeyoḥ tanayāḥ tu āsan
Kakṣeyus Söhne aber waren
trayaḥ eva mahārathāḥ
genau drei, große Wagenkämpfer
[?: „tridhanavarjitāḥ“ (des dreifachen Reichtums entbehrend) bleibt unklar – möglicherweise eine Anspielung auf den asketischen Verzicht dieser Brahmanenlinie auf weltlichen, göttlichen und ahnenbezogenen Besitz.]
jāto mānuṣayonau tu sa rājā kāñcaneṣudhiḥ / mahāyogī sa tu balir babhūva nṛpatiḥ purā // BrP_13.29 //
geboren in einem menschlichen Mutterleib, jener König mit dem goldenen Köcher; jener Bali war ein großer Yogin, ein König der Vorzeit.
Wort für Wort
jātaḥ mānuṣayonau tu
geboren aber in einem menschlichen Mutterleib,
sa rājā kāñcaneṣudhiḥ
jener König mit dem goldenen Köcher
mahāyogī sa tu baliḥ
ein großer Yogin, jener Bali,
babhūva nṛpatiḥ purā
war ein König der Vorzeit
[Anm.: Dieser Bali ist von dem gleichnamigen Daitya-König (Enkel Hiraṇyakaśipus, s. Glossar Kap. 3) zu unterscheiden – hier ein menschlicher König der Puru-Linie, dem Brahmā besondere Gaben verleiht (v.32-35) und der die Stammväter Aṅga, Vaṅga, Suhma, Puṇḍra und Kaliṅga zeugt; die Erzählung entspricht der aus dem Mahābhārata (Ādiparva) bekannten Bali-Dīrghatamas-Geschichte, hier jedoch ohne Erwähnung des Dīrghatamas.]
und Puṇḍra, und ebenso Kaliṅga; „Bāleya“ wird der [aus ihnen entstandene] Kṣatriya-Stand genannt; und auch die Bāleya-Brahmanen sind seine Geschlechtserhalter auf Erden.
baleś ca brahmaṇā datto varaḥ prītena bho dvijāḥ / mahāyogitvam āyuś ca kalpasya parimāṇataḥ // BrP_13.32 //
Und dem Bali wurde von dem erfreuten Brahmā, o Zweifachgeborene, ein Segen gegeben: der Stand großer Yoga-Macht, und Lebensdauer nach dem Maß eines Kalpa,
Wort für Wort
baleḥ ca brahmaṇā dattaḥ
und dem Bali wurde von Brahmā gegeben
varaḥ prītena bho dvijāḥ
ein Segen, vom erfreuten [Brahmā], o Zweifachgeborene
und dem Bali fürwahr Unvergleichlichkeit, und die Schau der Wahrheit des Dharma-Wesens; und auch Unbesiegbarkeit im Kampf, und Vorrangstellung im Dharma,
So von dem Herrn (Brahmā) angesprochen, gelangte König Bali zu höchstem Frieden; und nach langer Zeit, o Brahmanen, gelangte er zu seinem eigenen [himmlischen] Ort.
Dann war auch Citrarathas Sohn Daśaratha, bekannt als Lomapāda, dessen Tochter Śāntā war.
Wort für Wort
atha citrarathasya api
dann war auch Citrarathas
putraḥ daśarathaḥ abhavat
Sohn Daśaratha
lomapādaḥ iti khyātaḥ
bekannt als Lomapāda
yasya śāntā sutā abhavat
dessen Tochter Śāntā war
[Anm.: Dieser Lomapāda, König von Aṅga, und seine Tochter Śāntā (Pflegetochter, später Gattin des Ṛṣyaśṛṅga) sind aus der Rāmāyaṇa-Tradition bekannt; er ist nicht mit Daśaratha von Ayodhyā, Rāmas Vater, zu verwechseln, obwohl derselbe Name verwendet wird.]
Dann brachte der Sohn des Vibhāṇḍaka (Ṛṣyaśṛṅga) für ihn durch Zaubersprüche den Elefanten Śakravāraṇa, das vortreffliche Reittier, auf die Erde herab.
Wort für Wort
tataḥ vaibhāṇḍakiḥ tasya
dann [brachte] der Sohn des Vibhāṇḍaka für ihn
vāraṇam śakravāraṇam
den Elefanten Śakravāraṇa
avatārayām āsa mahīm
auf die Erde herab
mantraiḥ vāhanam uttamam
durch Zaubersprüche, das vortreffliche Reittier
[?: Der Bezug von „tasya“ (für ihn) bleibt unklar – möglicherweise auf Haryaṅga oder einen zuvor genannten König bezogen.]
Diese alle, im Aṅga-Geschlecht Geborenen, die Könige, sind von mir dargelegt worden – treu ihren Gelübden, großgesinnt, mit Nachkommenschaft gesegnet, große Wagenkämpfer.
ṛceyos tu muniśreṣṭhā raudrāśvatanayasya vai / śṛṇudhvaṃ saṃpravakṣyāmi vaṃśaṃ rājñas tu bho dvijāḥ // BrP_13.50 //
Nun aber, o beste der Weisen, von Ṛceyu, dem Sohn des Raudrāśva – hört, ich werde nun das Geschlecht jenes Königs verkünden, o Zweifachgeborene:
Wort für Wort
ṛceyoḥ tu muniśreṣṭhāḥ
von Ṛceyu aber, o beste der Weisen,
raudrāśvatanayasya vai
dem Sohn des Raudrāśva fürwahr
śṛṇudhvam saṃpravakṣyāmi
hört, ich werde verkünden
vaṃśam rājñaḥ tu bho dvijāḥ
das Geschlecht jenes Königs, o Zweifachgeborene
Überleitung von der Aṅga-Linie (über Kakṣeyu) zur Linie des zweiten Raudrāśva-Sohnes Ṛceyu (vgl. v.6), aus der später Bharata und die Kuru-Linie hervorgehen.
bharatasya vinaṣṭeṣu tanayeṣu mahīpateḥ / mātṝṇāṃ tu prakopeṇa mayā tat kathitaṃ purā // BrP_13.58 //
Als die Söhne des Bharata, des Herrn der Erde, durch den Zorn ihrer Mütter zugrunde gingen – dies ist von mir schon früher erzählt worden.
Wort für Wort
bharatasya vinaṣṭeṣu
als [die Söhne] des Bharata zugrunde gingen
tanayeṣu mahīpateḥ
die Söhne, des Herrn der Erde,
mātṝṇām tu prakopeṇa
durch den Zorn ihrer Mütter
mayā tat kathitam purā
ist dies von mir schon früher erzählt worden
[Anm.: Der Erzähler verweist hier auf eine an dieser Stelle nicht ausgeführte, offenbar vorausgesetzte Episode vom Untergang der leiblichen Söhne Bharatas (worauf gemäß anderer Puranen die Adoption des Bharadvāja-Sohnes Vitatha folgt, s. die nächsten Verse).]
pūrvaṃ tu vitathe tasya kṛte vai putrajanmani / tato 'tha vitatho nāma bharadvājāt suto 'bhavat // BrP_13.60 //
Zuvor aber, als für ihn (Bharata) die Geburt eines Sohnes vereitelt (vitatha) worden war, wurde daraufhin ein Sohn mit Namen Vitatha von Bharadvāja geboren.
Wort für Wort
pūrvam tu vitathe tasya
zuvor aber, als für ihn vereitelt worden war
kṛte vai putrajanmani
die Geburt eines Sohnes fürwahr
tataḥ atha vitathaḥ nāma
daraufhin [ein Sohn] mit Namen Vitatha
bharadvājāt sutaḥ abhavat
wurde von Bharadvāja geboren
[Anm.: Anspielung auf den in v.58 erwähnten, hier nicht ausgeführten Untergang von Bharatas leiblichen Söhnen; Bharadvāja gibt ihm daraufhin seinen eigenen Sohn Vitatha („vereitelt“, „vergeblich“ – Namensätiologie) zum Erben.]
Und Gṛtsamatis Söhne [wurden zu] Brahmanen, Kṣatriyas, Vaiśyas; Kāśikas Sohn aber war Kāśeya, und ebenso [dessen Sohn] Dīrghatapas,
Wort für Wort
tathā gṛtsamateḥ putrāḥ
und Gṛtsamatis Söhne
brāhmaṇāḥ kṣatriyāḥ viśaḥ
[wurden zu] Brahmanen, Kṣatriyas, Vaiśyas
kāśikasya tu kāśeyaḥ
Kāśikas Sohn aber war Kāśeya
putraḥ dīrghatapāḥ tathā
[dessen] Sohn ebenso Dīrghatapas
[Anm.: Es folgt (v.64-79) eine zweite, mit Kap. 11 (v.34-61) nahezu wortgleiche Kāśī-Genealogie – dort über Kāśyapa/Kāśa aus der Anenas-Linie des Āyus hergeleitet, hier über Kāśika aus der Puru-Bharata-Vitatha-Linie. Ein offenbar im Quelltext selbst angelegter Dubletten-/Variantenbefund (zwei konkurrierende Herleitungen desselben Kāśī-Königsgeschlechts), der hier unaufgelöst, aber mit Verweis auf die Abweichungen, wiedergegeben wird.]
aṣṭāratho nāma nṛpaḥ suto bhīmarathasya vai / tena putreṇa bālasya prahṛtaṃ tasya bho dvijāḥ // BrP_13.71 //
Ein König namens Aṣṭāratha war fürwahr Bhīmarathas Sohn; durch diesen, [noch als] Kind [geltenden] Sohn wurde jenem (dem Feind) ein Schlag versetzt, o Zweifachgeborene.
Wort für Wort
aṣṭārathaḥ nāma nṛpaḥ
ein König namens Aṣṭāratha
sutaḥ bhīmarathasya vai
war fürwahr Bhīmarathas Sohn
tena putreṇa bālasya
durch diesen, [noch] Kind [geltenden] Sohn
prahṛtam tasya bho dvijāḥ
wurde jenem ein Schlag versetzt, o Zweifachgeborene
[Anm.: Hier erscheint „Aṣṭāratha“ als der kindliche Rächer anstelle des in Kap. 11 (v.49) an dieser Stelle genannten Pratardana – eine Abweichung zwischen den beiden Parallelversionen derselben Kāśī-Erzählung innerhalb desselben Werks.]
das Ende der Feindschaft, o beste der Weisen, wurde durch jenen willigen Kṣatriya herbeigeführt; und Alarka, König von Kāśī, den Brahmanen zugetan, wahrhaft im Versprechen,
Wort für Wort
vairasya antam muniśreṣṭhāḥ
das Ende der Feindschaft, o beste der Weisen,
kṣatriyeṇa vidhitsatā
wurde durch jenen willigen Kṣatriya [herbeigeführt]
Durch Lopāmudrās Gnade erlangte er höchste Lebensdauer; am Ende seines Lebensalters, o beste der Weisen, nachdem er den Rākṣasa Kṣemaka erschlagen hatte,
ājahre yo mahāsattraṃ sarvamedhamakhaṃ vibhum / patilobhena yaṃ gaṅgā vinīteva sasāra ha // BrP_13.83 //
der die große Opfersitzung, das mächtige Sarvamedha-Opfer, ausführte, dem die Gaṅgā aus Verlangen nach einem Gatten fürwahr wie eine Gezähmte nachfolgte,
sprach da Jahnu, o Brahmanen, der König, erzürnt, zur Gaṅgā: „Siehe, ich trinke dein Wasser, in den drei Welten zusammengezogen; erlange sogleich die Frucht dieser deiner Vermessenheit, Gaṅgā!“
Wort für Wort
jahnuḥ api abravīt gaṅgām
auch Jahnu sprach zur Gaṅgā
kruddhaḥ viprāḥ tadā nṛpaḥ
erzürnt, o Brahmanen, da der König
eṣaḥ te triṣu lokeṣu
siehe, dein [Wasser], in den drei Welten
saṃkṣipya āpaḥ pibāmi aham
zusammengezogen, trinke ich, das Wasser
asya gaṅge avalepasya
dieser deiner Vermessenheit, Gaṅgā,
sadyaḥ phalam avāpnuhi
erlange sogleich die Frucht
Dieser Vers besteht aus drei statt zwei Halbversen (Padas), wie mehrfach zuvor.
kuśikas tu tapas tepe putram indrasamaṃ vibhum / labheyam iti taṃ śakras trāsād abhyetya jajñivān // BrP_13.90 //
Kuśika aber übte Askese [in der Absicht]: „Möge ich einen mächtigen, Indra-gleichen Sohn erlangen“; aus Furcht davor näherte sich ihm Śakra und wurde selbst [sein Sohn].
Wort für Wort
kuśikaḥ tu tapaḥ tepe
Kuśika aber übte Askese
putram indrasamam vibhum
[um] einen mächtigen, Indra-gleichen Sohn
labheya iti tam śakraḥ
„möge ich erlangen“ – davor Śakra
trāsāt abhyetya jajñivān
näherte sich aus Furcht und wurde [selbst sein Sohn]
Aṣṭakas Sohn ist Lauhi genannt. So wurde von mir die Jahnu-Gruppe dargelegt. Ein anderes Geschlecht des Ajamīḍha möge gehört werden, o beste der Weisen:
Wort für Wort
aṣṭakasya sutaḥ lauhiḥ
Aṣṭakas Sohn ist Lauhi
proktaḥ jahnugaṇaḥ mayā
genannt; die Jahnu-Gruppe wurde von mir dargelegt
ājamīḍhaḥ aparaḥ vaṃśaḥ
ein anderes Geschlecht des Ajamīḍha
śrūyatām munisattamāḥ
möge gehört werden, o beste der Weisen
Ende der (mit Kap. 10, v.61-68 nahezu wortgleichen) Jahnu-Kuśika-Gādhi-Viśvāmitra-Passage; Übergang zur zweiten Ajamīḍha-Linie über Nīlī.
pañcānāṃ te tu pañcālāḥ sphītā janapadāvṛtāḥ / alaṃ saṃrakṣaṇe teṣāṃ pañcālā iti viśrutāḥ // BrP_13.96 //
die der fünf [Länder], die blühenden, umgeben von Ländern, [heißen daher] „Pañcālas“; da sie fähig zu deren Schutz waren, wurden sie als „Pañcālas“ bekannt.
Wort für Wort
pañcānām te tu pañcālāḥ
die der fünf [Länder] aber, die „Pañcālas“,
sphītā janapadāvṛtāḥ
die blühenden, umgeben von Ländern
alam saṃrakṣaṇe teṣām
fähig zu deren Schutz
pañcālāḥ iti viśrutāḥ
wurden als „Pañcālas“ bekannt
Namensätiologie: „Pañcāla“ von „pañca“ (fünf) und der Fähigkeit (alam) dieser fünf Bāhyāśva-Söhne, ihre Länder zu schützen.
Ajamīḍhas Hauptgemahlin aber war Dhūminī, nach einem Sohn verlangend, ihrem Gatten treu ergeben, hochgesegnet, aus gutem Geschlecht, o beste der Weisen.
sā ca putrārthinī devī vratacaryāsamanvitā / tato varṣāyutaṃ taptvā tapaḥ paramaduścaram // BrP_13.103 //
Und sie, die Königin, nach einem Sohn verlangend, dem Gelübdewandel hingegeben, übte darauf zehntausend Jahre lang eine höchst schwer zu vollziehende Askese,
hutvāgniṃ vidhivat sā tu pavitrā mitabhojanā / agnihotrakuśeṣv eva suṣvāpa munisattamāḥ // BrP_13.104 //
Nachdem sie vorschriftsgemäß das Feuer geopfert hatte, schlief sie, rein, mäßig in der Speise, geradewegs auf dem Kuśa-Gras des Agnihotra, o beste der Weisen.
Wort für Wort
hutvā agnim vidhivat sā tu
nachdem sie vorschriftsgemäß das Feuer geopfert hatte,
parīkṣitas tu dāyādo dhārmiko janamejayaḥ / śrutaseno 'grasenaś ca bhīmasenaś ca nāmataḥ // BrP_13.109 //
Parīkṣits Erbe aber war der rechtschaffene Janamejaya; Śrutasena, und Agrasena, und der mit Namen Bhīmasena,
Wort für Wort
parīkṣitaḥ tu dāyādaḥ
Parīkṣits Erbe aber war
dhārmikaḥ janamejayaḥ
der rechtschaffene Janamejaya
śrutasenaḥ agrasenaḥ ca
Śrutasena, und Agrasena,
bhīmasenaḥ ca nāmataḥ
und der mit Namen Bhīmasena
[Anm.: Dieser Parīkṣit/Janamejaya ist ein früherer, gleichnamiger Vorfahre – zu unterscheiden von dem viel späteren Parīkṣit (Enkel Arjunas) und Janamejaya der Mahābhārata-Rahmenerzählung, s. v.111-113 zur ausdrücklichen Zählung zweier Ṛkṣas, Parīkṣits und Janamejayas in dieser Linie.]
dvitīyas tu bharadvājān nāmnā tenaiva viśrutaḥ / dvāv ṛkṣau somavaṃśe 'smin dvāv eva ca parīkṣitau // BrP_13.112 //
ein zweiter [Ṛkṣa], von Bharadvāja [herrührend], eben unter jenem Namen bekannt. Zwei Ṛkṣas [gibt es] in diesem Mondgeschlecht, und ebenso zwei Parīkṣits,
śāṃtanos tv abhavad bhīṣmas tasmin vaṃśe dvijottamāḥ / bāhlikasya tu rājarṣer vaṃśaṃ śṛṇuta bho dvijāḥ // BrP_13.115 //
Śāṃtanus Sohn aber war Bhīṣma in jenem Geschlecht, o beste der Zweifachgeborenen; hört nun das Geschlecht des königlichen Weisen Bāhlika, o Zweifachgeborene:
Wort für Wort
śāṃtanoḥ tu abhavat bhīṣmaḥ
Śāṃtanus [Sohn] aber war Bhīṣma
tasmin vaṃśe dvijottamāḥ
in jenem Geschlecht, o beste der Zweifachgeborenen
Devāpi aber wurde der Lehrmeister der Götter, ein Weiser; Kṛtaka, der Sohn des Cyavana, war dem Großgesinnten lieb/vertraut.
Wort für Wort
upādhyāyaḥ tu devānām
der Lehrmeister aber der Götter
devāpiḥ abhavan muniḥ
Devāpi wurde, ein Weiser
cyavanaputraḥ kṛtakaḥ
Kṛtaka, der Sohn des Cyavana,
iṣṭaḥ āsīt mahātmanaḥ
war lieb dem Großgesinnten
[?: Dieser knapp angedeutete Vers spielt vermutlich auf die andernorts (Mahābhārata) ausgeführte Erzählung von Devāpi an, der wegen einer Hautkrankheit auf den Thron verzichtet, sich in den Wald zurückzieht und später bei einer Dürre während Śāṃtanus Herrschaft eine rituelle Rolle spielt; die genaue Funktion des Kṛtaka Cyāvana-Sohnes bleibt hier unklar.]
pāṇḍor dhanaṃjayaḥ putraḥ saubhadras tasya cātmajaḥ / abhimanyoḥ parīkṣit tu pitā pārīkṣitasya ha // BrP_13.123 //
Pāṇḍus Sohn war Dhanaṃjaya (Arjuna); dessen Sohn war der Sohn der Subhadrā (Abhimanyu); Abhimanyus Sohn aber war Parīkṣit, der Vater dessen, der nach Parīkṣit [benannt ist] (Janamejaya).
pārīkṣitasya kāśyāyāṃ dvau putrau saṃbabhūvatuḥ / candrāpīḍas tu nṛpatiḥ sūryāpīḍaś ca mokṣavit // BrP_13.124 //
Dem Sohn des Parīkṣit (Janamejaya) wurden in der Kāśī-Prinzessin zwei Söhne geboren: der Herrscher Candrāpīḍa, und Sūryāpīḍa, Kenner der Erlösung.
Wort für Wort
pārīkṣitasya kāśyāyām
dem Sohn des Parīkṣit, in der Kāśī-Prinzessin,
dvau putrau saṃbabhūvatuḥ
wurden zwei Söhne geboren
candrāpīḍaḥ tu nṛpatiḥ
der Herrscher Candrāpīḍa,
sūryāpīḍaḥ ca mokṣavit
und Sūryāpīḍa, Kenner der Erlösung
[Anm.: Ab hier (v.124-140) führt der Text die Genealogie über den aus dem Mahābhārata bekannten Janamejaya (Sohn des Parīkṣit, Enkel Abhimanyus) hinaus in eine sonst kaum belegte „Zukunfts“-Nachkommenschaft fort (Candrāpīḍa, Sūryāpīḍa u.a.), die in einer ungewöhnlichen, an ein Rettungsmärchen erinnernden Episode (v.126-138) mündet.]
saṃbhūte sa ca garbhe ca śvetakarṇaḥ prajeśvaraḥ / anvagacchat kṛtaṃ pūrvaṃ mahāprasthānam acyutam // BrP_13.129 //
Und als jene Schwangerschaft eingetreten war, vollzog Śvetakarṇa, der Herr der Untertanen, den zuvor beschlossenen, unbeirrbaren letzten großen Aufbruch (Mahāprasthāna).
Wort für Wort
saṃbhūte sa ca garbhe ca
und als jene Schwangerschaft eingetreten war,
śvetakarṇaḥ prajeśvaraḥ
Śvetakarṇa, der Herr der Untertanen,
anvagacchat kṛtam pūrvam
vollzog den zuvor beschlossenen
mahāprasthānam acyutam
unbeirrbaren großen Aufbruch
[Anm.: „mahāprasthāna“, der „große Aufbruch“ in den Tod, ist aus dem Ende des Mahābhārata bekannt (der letzte Weg der Pāṇḍavas).]
dayārthaṃ tasya meghās tu prādurāsan mahātmanaḥ / śraviṣṭhāyās tu putrau dvau paippalādiś ca kauśikaḥ // BrP_13.133 //
Aus Mitleid mit ihm erschienen die Wolken, jene großgesinnten – die zwei Söhne der Śraviṣṭhā, Paippalādi und Kauśika,
Wort für Wort
dayārtham tasya meghāḥ tu
aus Mitleid mit ihm die Wolken aber
prādurāsan mahātmanaḥ
erschienen, jene großgesinnten
śraviṣṭhāyāḥ tu putrau dvau
die zwei Söhne der Śraviṣṭhā aber
paippalādiḥ ca kauśikaḥ
Paippalādi und Kauśika
[?: Diese Episode um zwei wolkenhafte, göttliche Retter (Söhne der Śraviṣṭhā) bleibt in ihrem mythologischen Hintergrund unklar; sie wird hier ohne Auflösung wiedergegeben.]
dṛṣṭvā kṛpānvitau gṛhya tau prākṣālayatāṃ jale / nighṛṣṭau tasya pārśvau tu śilāyāṃ rudhiraplutau // BrP_13.134 //
Als sie ihn sahen, von Mitleid erfüllt, nahmen die beiden ihn und wuschen ihn im Wasser; seine beiden, an einem Fels wundgescheuerten Seiten waren blutüberströmt.
Wort für Wort
dṛṣṭvā kṛpānvitau gṛhya
als sie ihn sahen, von Mitleid erfüllt, ihn nehmend,
ajaśyāmaḥ sa pārśvābhyāṃ ghṛṣṭābhyāṃ susamāhitaḥ / ajaśyāmau tu tatpārśvau devena saṃbabhūvatuḥ // BrP_13.135 //
Er, „Ajaśyāma“ [genannt], war trotz der beiden wundgescheuerten Seiten wohlgefasst; und jene seine beiden Seiten wurden durch göttliche Kraft „ajaśyāma“ (dunkel wie eine Ziege).
athājapārśva iti vai cakrāte nāma tasya tau / sa tu remakaśālāyāṃ dvijābhyām abhivardhitaḥ // BrP_13.136 //
Dann gaben ihm die beiden fürwahr den Namen „Ajapārśva“ („Ziegenseite“); und er wurde in der Schule des Remaka von den beiden Zweifachgeborenen großgezogen,
und hier wurde auch dieser Vers gesungen von Yayāti, dem Sohn des Nahuṣa, einst bei der Übertragung des Alters, damals von dem erfreuten, weisen [König]:
Wort für Wort
ślokaḥ api ca atra gītaḥ
und hier wurde auch dieser Vers gesungen
ayam nāhuṣeṇa yayātinā
von Yayāti, dem Sohn des Nahuṣa,
jarāsaṃkramaṇe pūrvam
einst bei der Übertragung des Alters
tadā prītena dhīmatā
damals von dem erfreuten, weisen [König]
Rückbezug auf die Yayāti-Erzählung aus Kap. 12 zum Abschluss der Puru-Genealogie.
„Diese Erde mag ohne Mond, Sonne und Planeten werden, ohne Zweifel; doch ohne Pauravas wird die Erde niemals, zu keiner Zeit sein.“
Wort für Wort
acandrārkagrahā bhūmiḥ
die Erde ohne Mond, Sonne, Planeten
bhavet iyam asaṃśayam
mag diese werden, ohne Zweifel
apauravā mahī na eva
aber ohne Pauravas wird die Erde nicht
bhaviṣyati kadācana
sein zu irgendeiner Zeit
Schlussverse der ausführlichen Puru/Paurava-Genealogie (v.2-140); es folgt (ab v.141) die kürzere Behandlung der Linien Turvasus, Druhyus, Anus und schließlich Yadus.
Dies ist euch das berühmte Paurava-Geschlecht, von mir dargelegt; nun werde ich das des Turvasu verkünden, und des Druhyu, und des Anu, und ebenso des Yadu.
karaṃdhamas tu aiśānor maruttas tasya cātmajaḥ / anyas tv āvikṣito rājā maruttaḥ kathito mayā // BrP_13.143 //
Aiśānus Sohn aber war Karaṃdhama; dessen Sohn war Marutta – ein anderer als der König Marutta, Sohn des Avikṣit, [den] ich [schon zuvor] dargelegt habe.
Wort für Wort
karaṃdhamaḥ tu aiśānoḥ
Aiśānus Sohn aber war Karaṃdhama
maruttaḥ tasya ca ātmajaḥ
und dessen Sohn war Marutta
anyaḥ tu āvikṣitaḥ rājā
ein anderer aber [als] der König, Sohn des Avikṣit,
maruttaḥ kathitaḥ mayā
Marutta, [den] ich dargelegt habe
[Anm.: Klärende Anmerkung im Text selbst, die diesen Marutta ausdrücklich von einem gleichnamigen, an anderer Stelle behandelten König Marutta (Sohn des Avikṣit) unterscheidet.]
So trat, durch Yayātis Fluch, damals bei der Übertragung des Alters, das Paurava-[Geschlecht] in das Geschlecht des Turvasu ein, o beste der Zweifachgeborenen.
Wort für Wort
evam yayātiśāpena
so, durch Yayātis Fluch,
jarāsaṃkramaṇe tadā
bei der Übertragung des Alters damals
pauravam turvasoḥ vaṃśam
das Paurava-[Geschlecht] in das Geschlecht des Turvasu
praviveśa dvijottamāḥ
trat ein, o beste der Zweifachgeborenen
Erklärung, wie das Turvasu-Geschlecht (infolge von Yayātis Fluch gegen Turvasu in Kap. 12) durch einen Paurava-Nachkommen (Duṣyanta) fortgeführt wird – derselbe Duṣyanta, Vater Bharatas (vgl. v.56-58), erscheint hier als in die Turvasu-Linie eingeheiratet.
pāṇḍyaś ca keralaś caiva kālaś colaś ca pārthivaḥ / druhyoś ca tanayo rājan babhrusetuś ca pārthivaḥ // BrP_13.148 //
Pāṇḍya, und Kerala, und Kāla, und der Fürst Cola. Und Druhyus Sohn, o König, war der Fürst Babhrusetu.
Wort für Wort
pāṇḍyaḥ ca keralaḥ ca eva
Pāṇḍya, und Kerala,
kālaḥ colaḥ ca pārthivaḥ
und Kāla, und der Fürst Cola
druhyoḥ ca tanayaḥ rājan
und Druhyus Sohn, o König,
babhrusetuḥ ca pārthivaḥ
war der Fürst Babhrusetu
[Anm.: Hier werden Pāṇḍya, Kerala und Cola – die späteren großen südindischen Königreiche – als Nachkommen dieser Turvasu-Paurava-Linie benannt, eine bemerkenswerte ethnogeographische Zuordnung.]
pracetasaḥ sucetās tu kīrtitās tv anavo mayā / babhūvus tu yadoḥ putrāḥ pañca devasutopamāḥ // BrP_13.153 //
Pracetas' Sohn aber war Sucetas – damit sind die Ānavas (Nachkommen des Anu) von mir dargelegt. Yadus Söhne aber waren fünf, Göttersöhnen vergleichbar:
Wort für Wort
pracetasaḥ sucetāḥ tu
Pracetas' Sohn aber war Sucetas
kīrtitāḥ tu anavaḥ mayā
damit sind die Ānavas von mir dargelegt
babhūvuḥ tu yadoḥ putrāḥ
Yadus Söhne aber waren
pañca devasutopamāḥ
fünf, Göttersöhnen vergleichbar
Ende der (kurzen) Anu-Genealogie; Beginn der ausführlichen Yadu-Genealogie (bis Vers 213), die im Zentrum die Erzählung von Kārtavīrya Arjuna (Sahasrārjuna) enthält.
Mahiṣmats Sohn war der machtvolle Bhadraśreṇya; Bhadraśreṇyas Erbe war der als Durdama bekannte.
Wort für Wort
āsīt mahiṣmataḥ putraḥ
Mahiṣmats Sohn war
bhadraśreṇyaḥ pratāpavān
der machtvolle Bhadraśreṇya
bhadraśreṇyasya dāyādaḥ
Bhadraśreṇyas Erbe
durdamaḥ nāma viśrutaḥ
war der als Durdama bekannte
[Anm.: Dieselben Namen Bhadraśreṇya und Durdama sind bereits aus der Kāśī-Genealogie (Kap. 11, v.44-48; Kap. 13, v.69-70) bekannt; hier handelt es sich, dem Kontext nach (Nachkommen des Sāhañja/Mahiṣmat in der Haihaya-Linie), offenbar um andere, gleichnamige Personen.]
sa hi varṣāyutaṃ taptvā tapaḥ paramaduścaram / dattam ārādhayām āsa kārtavīryo 'trisaṃbhavam // BrP_13.161 //
Denn er, Kārtavīrya, übte, nachdem er zehntausend Jahre eine höchst schwer zu vollziehende Askese vollzogen hatte, den von Atri entsprungenen Datta (Dattātreya) gnädig.
Wort für Wort
sa hi varṣāyutam taptvā
denn er, nachdem er zehntausend Jahre geübt hatte,
[zweitens] Zurückhaltung durch die Guten, wann immer er in Unrecht verstrickt sein sollte; [drittens] nachdem er die Erde mit Härte erobert hat, deren Zuneigung nur durch Rechtschaffenheit zu gewinnen,
[viertens,] nachdem er sehr viele Schlachten gewonnen und Feinde zu Tausenden erschlagen hat, [dass] sein Tod, wenn er im Kampf steht, nur durch einen im Kampf Überlegenen [erfolge].
tasya bāhusahasraṃ tu yudhyataḥ kila bho dvijāḥ / yogād yogīśvarasyeva prādurbhavati māyayā // BrP_13.165 //
Seine tausend Arme aber erscheinen fürwahr, wenn er kämpft, o Zweifachgeborene, durch die yogische Kraft, wie durch die Zaubermacht eines Herrn der Yogins.
Bei dessen Opfer der Gandharve Nārada ebenso einen Preisgesang sang, der gelehrte Sohn des Varīdāsa, erstaunt über dessen Größe.
Wort für Wort
yasya yajñe jagau gāthām
bei dessen Opfer sang er einen Preisgesang
gandharvaḥ nāradaḥ tathā
der Gandharve Nārada ebenso
varīdāsātmajaḥ vidvān
der gelehrte Sohn des Varīdāsa
mahimnā tasya vismitaḥ
erstaunt über dessen Größe
[?: Die Bezeichnung „Sohn des Varīdāsa“ für Nārada ist ungewöhnlich, da Nārada gewöhnlich als Sohn Brahmās gilt; möglicherweise ein Beiname oder eine abweichende lokale Überlieferung.]
{nārada uvāca: } na nūnaṃ kārtavīryasya gatiṃ yāsyanti pārthivāḥ / yajñair dānais tapobhiś ca vikrameṇa śrutena ca // BrP_13.171 //
Nārada sprach: Gewiss werden [andere] Fürsten nicht den Rang des Kārtavīrya erreichen – nicht durch Opfer, nicht durch Gaben, nicht durch Askese, nicht durch Tapferkeit, und nicht durch heilige Gelehrsamkeit.
sa hi saptasu dvīpeṣu carmī khaḍgī śarāsanī / rathī dvīpān anucaran yogī saṃdṛśyate nṛbhiḥ // BrP_13.172 //
Denn er, in den sieben Erdteilen, schilderbewehrt, schwertbewehrt, bogenbewehrt, wagenfahrend, die Erdteile durchziehend, wird von den Menschen als ein Yogin erblickt.
anaṣṭadravyatā caiva na śoko na ca vibhramaḥ / prabhāveṇa mahārājñaḥ prajā dharmeṇa rakṣataḥ // BrP_13.173 //
Und kein Verlust von Gütern, kein Kummer und keine Verwirrung [herrscht] durch die Macht des großen Königs, der die Untertanen rechtschaffen beschützt.
sa sarvaratnabhāk samrāṭ cakravartī babhūva ha / sa eva paśupālo 'bhūt kṣetrapālaḥ sa eva ca // BrP_13.174 //
Er, Anteilhaber an allen Juwelen, wurde fürwahr ein Allherrscher, ein Weltbeherrscher; er selbst war Hüter des Viehs, und er selbst auch Hüter der Felder,
Wort für Wort
sa sarvaratnabhāk samrāṭ
er, Anteilhaber an allen Juwelen, ein Allherrscher,
sa eva vṛṣṭyā parjanyo yogitvād arjuno 'bhavat / sa vai bāhusahasreṇa jyāghātakaṭhinatvacā // BrP_13.175 //
er selbst war, durch [seinen] Regen, [wie] Parjanya; durch seine Yoga-Kraft wurde er „Arjuna“ (der Strahlende); er, fürwahr, mit tausend Armen, deren Haut vom Schlag der Bogensehne verhärtet war,
Wort für Wort
sa eva vṛṣṭyā parjanyaḥ
er selbst war durch [seinen] Regen [wie] Parjanya
yogitvāt arjunaḥ abhavat
durch seine Yoga-Kraft wurde er „Arjuna“
sa vai bāhusahasreṇa
er, fürwahr, mit tausend Armen,
jyāghātakaṭhinatvacā
deren Haut vom Schlag der Bogensehne verhärtet war
karkoṭakasutāñ jitvā puryāṃ tasyāṃ nyaveśayat / sa vai vegaṃ samudrasya prāvṛṭkāle 'mbujekṣaṇaḥ // BrP_13.177 //
nachdem er die Söhne des Karkoṭaka besiegt hatte, siedelte er [sie] in jener Stadt an; er, lotusäugig, [bezwang] fürwahr die Wucht des Ozeans zur Zeit des Monsuns,
krīḍann iva bhujodbhinnaṃ pratisrotaś cakāra ha / luṇṭhitā krīḍatā tena nadī tadgrāmamālinī // BrP_13.178 //
wie spielend, mit dem Arm gespalten, ließ er ihn fürwahr rückwärts fließen; der von ihm im Spiel aufgewühlte Fluss [wand sich] wie eine Girlande um jenes Dorf,
verbargen sich aus Furcht regungslos die im Pātāla weilenden Erd-Götter (Schlangenwesen); [den Ozean,] dessen große Wellen zermalmt waren, dessen Fische und Wale sich regten,
wie der Ozean der Milch von Göttern und Asuras aufgewühlt durch den Mandara. Erschreckt durch die dem Mandara-Quirlen [gleichende] Erschütterung, die Entstehung des Amṛta vermutend,
Wort für Wort
devāsurasamākṣiptaḥ
von Göttern und Asuras aufgewühlt
kṣīrodam iva mandaraḥ
wie der Milchozean durch den Mandara
mandarakṣobhacakitāḥ
erschreckt durch die dem Mandara-Quirlen [gleichende] Erschütterung
plötzlich aufgesprungen, erschreckt, als sie den furchterregenden besten der Könige erblickten, neigten jene großen Schlangenwesen ihre regungslosen Häupter.
Wort für Wort
sahasā utpatitāḥ bhītāḥ
plötzlich aufgesprungen, erschreckt,
bhīmam dṛṣṭvā nṛpottamam
als sie den furchterregenden besten der Könige erblickten,
sāyāhne kadalīkhaṇḍāḥ kampitā iva vāyunā / sa vai baddhvā dhanur jyābhir utsiktaṃ pañcabhiḥ śaraiḥ // BrP_13.184 //
wie Bananenstauden, die am Abend vom Wind erzittert werden. Er, fürwahr, nachdem er den Bogen mit den Sehnen gespannt hatte, [traf] den Übermütigen mit fünf Pfeilen,
Wort für Wort
sāyāhne kadalīkhaṇḍāḥ
wie Bananenstauden am Abend
kampitāḥ iva vāyunā
vom Wind erzittert
sa vai baddhvā dhanuḥ jyābhiḥ
er, nachdem er den Bogen mit den Sehnen gespannt hatte,
laṅkeśaṃ mohayitvā tu sabalaṃ rāvaṇaṃ balāt / nirjitya vaśam ānīya māhiṣmatyāṃ babandha tam // BrP_13.185 //
nachdem er den Herrn von Laṅkā, Rāvaṇa, mit seinem Heer, gewaltsam betäubt hatte, bezwang er ihn völlig, brachte ihn unter seine Gewalt und fesselte ihn in Māhiṣmatī.
Wort für Wort
laṅkeśam mohayitvā tu
nachdem er den Herrn von Laṅkā betäubt hatte,
sabalam rāvaṇam balāt
[samt] Heer, Rāvaṇa, gewaltsam
nirjitya vaśam ānīya
bezwang er ihn völlig, brachte unter seine Gewalt,
māhiṣmatyām babandha tam
und fesselte ihn in Māhiṣmatī
Die berühmte Episode von Kārtavīrya Arjunas (Sahasrārjunas) Gefangennahme des Rāvaṇa, auch aus dem Rāmāyaṇa (Uttarakāṇḍa) bekannt.
śrutvā tu baddhaṃ paulastyaṃ rāvaṇaṃ tv arjunena ca / tato gatvā pulastyas tam arjunaṃ dadṛśe svayam // BrP_13.186 //
Als er aber hörte, dass der Nachkomme des Pulastya, Rāvaṇa, von Arjuna gefesselt worden war, ging Pulastya darauf selbst hin und erblickte jenen Arjuna.
Wort für Wort
śrutvā tu baddham paulastyam
als er aber hörte, dass der Nachkomme des Pulastya gefesselt war,
Von Pulastya inständig gebeten, ließ er den Rākṣasa, den Nachkommen des Pulastya, frei. Von dessen tausend Armen ertönte der Klang von Bogensehne und Handfläche
Wort für Wort
mumoca rakṣaḥ paulastyam
er ließ den Rākṣasa, den Nachkommen des Pulastya, frei
yugānte toyadasyeva sphuṭato hy aśaner iva / aho bata mṛdhe vīryaṃ bhārgavasya yad acchinat // BrP_13.188 //
wie [das Donnern] einer Wolke am Ende eines Zeitalters, oder wie ein berstender Blitzstrahl – ach, wehe, die Tapferkeit des Bhārgava (Paraśurāma) im Kampf, die [dieses Armepaar] durchtrennte,
Wort für Wort
yugānte toyadasya iva
wie [das Donnern] einer Wolke am Ende eines Zeitalters
verbrannte Citrabhānu, unerschrocken durch den mächtigen Haihaya [ermutigt] – [die Einsiedelei] des Sohnes, den Varuṇa einst erlangte, den vortrefflichen, strahlenden,
Wort für Wort
dadāha balavadbhītaḥ
verbrannte [es], unerschrocken durch den Mächtigen,
citrabhānuḥ sa haihayaḥ
Citrabhānu, [ermutigt] von jenem Haihaya
yam lebhe varuṇaḥ putram
den Sohn, den Varuṇa erlangte,
purā bhāsvantam uttamam
einst, den vortrefflichen, strahlenden
[?: Der genaue Bezug von „balavadbhītaḥ“ (unerschrocken/furchtlos durch den Mächtigen) bleibt grammatisch etwas unklar; die Übersetzung folgt der wahrscheinlichsten Lesart, dass das Feuer durch Kārtavīryas Ermächtigung ungehindert brennt.]
Der starkarmige, machtvolle, mit Namen Rāma, der Sohn des Jamadagni, wird, nachdem er deine tausend Arme abgeschlagen und dich mit Wucht zermalmt hat, der Starke,
pratāpena narendrasya prajā dharmeṇa rakṣataḥ / prāptas tato 'sya mṛtyur vai tasya śāpān mahāmuneḥ // BrP_13.198 //
durch dessen Macht der Herrscher der Menschen die Untertanen rechtschaffen beschützte – dessen Tod ereilte ihn dann fürwahr durch den Fluch jenes großen Weisen,
yādavā yadunāmnā te nirucyante ca haihayāḥ / na tasya vittanāśaḥ syān naṣṭaṃ prati labhec ca saḥ // BrP_13.207 //
Nach Yadus Namen werden sie „Yādavas“ genannt, und auch „Haihayas“. Für den, [der diese Genealogie hört, wird] kein Vermögensverlust eintreten, und er wird Verlorenes zurückerhalten,
Nachdem er die fünf Hervorbringungen gehört hat, wird ein in Dharma und Artha kundiger König zum Herrn, und ebenso zum Gebieter seiner fünf [Arten von] Söhnen,
durch das Bewahren und das Hören dieser fünffachen Gruppe, o Zweifachgeborene. Das Geschlecht des Kroṣṭu, o beste der Weisen, hört, wie ich es verkünde:
des Geschlechtserhalters von Yadu, des Opferers, von verdienstvollen Taten. Denn allein durch das Hören des Geschlechts des Kroṣṭu wird man von allen Sünden befreit – [Kroṣṭu,] in dessen Nachkommenschaft Viṣṇu, Hari, der Träger des Vṛṣṇi-Geschlechts, geboren wurde.
Wort für Wort
yadoḥ vaṃśadharasya atha
des Geschlechtserhalters von Yadu dann,
yajvinaḥ puṇyakarmiṇaḥ
des Opferers, von verdienstvollen Taten
kroṣṭoḥ vaṃśam hi śrutvā eva
denn allein durch das Hören des Geschlechts des Kroṣṭu
sarvapāpaiḥ pramucyate
wird man von allen Sünden befreit
yasya anvavāyajaḥ viṣṇuḥ
in dessen Nachkommenschaft Viṣṇu geboren wurde,
hariḥ vṛṣṇikulodvahaḥ
Hari, der Träger des Vṛṣṇi-Geschlechts
Abschlussvers (Phalaśruti) des Kapitels, bestehend aus drei statt zwei Halbversen; Überleitung zu Kapitel 14, das mit der Genealogie des Kroṣṭu (über Anamitra bis zu den Vorfahren Kṛṣṇas) fortfährt. Damit ist das mit 213 Versen umfangreichste bisher übersetzte Kapitel des Werkes abgeschlossen.