Quellen der Menschheit

Brahma-Purāṇa

Kapitel 29: sūryabhaktimāhātmyavarṇanam Die Herrlichkeit der Hingabe an die Sonne: Bhakti, Ehrengabe, Lampenspende und ihre Früchte

Die Weisen, unersättlich in ihrem Verlangen zu hören, bitten Brahmā um genauere Auskunft über Frucht und Vollzug der Sonnenverehrung. Brahmā antwortet mit einer Stufenlehre der Bhakti (vom bloßen Zuhören über das Gutheißen fremder Verehrung bis zum ständigen, unwillkürlichen Gedenken der Sonne als höchste Form), gefolgt von einer sehr detaillierten Sammlung praktischer Vorschriften: Niederwerfung, Umwandlung (auch nur im Geist vollzogen, mit kosmischer Wirkung), Fasten- und Saptamī-Tage (insbesondere die 'Vijayā-Siebte'), Lampenspende mit strengen Reinheitsregeln (kein tierisches Fett, keine gestohlene brennende Lampe), Salbung, die tägliche Arghya-Darbringung mit genauer Richtungs- und Materialvorschrift, sowie verschiedene Opfergaben und Wasserspenden – mit der abschließenden Verheißung, dass schon ein einziger Tag der Sonnenverehrung mehr Frucht bringt als hundert vedische Opfer.

śruto 'smābhiḥ suraśreṣṭha bhavatā yad udāhṛtam / bhāskarasya paraṃ kṣetraṃ bhuktimuktiphalapradam //

{Die Weisen sprachen:} Gehört haben wir, o Bester der Götter, was von dir dargelegt wurde: die höchste, Genuss und Erlösung als Frucht verleihende Kultstätte der Sonne.

Wort für Wort
śrutaḥ asmābhiḥ sura-śreṣṭha
gehört von uns, o Bester der Götter
bhavatā yat udāhṛtam
was von dir dargelegt wurde
bhāskarasya param kṣetram
die höchste Kultstätte der Sonne
bhukti-mukti-phala-pradam
Genuss und Erlösung als Frucht verleihend

na tṛptim adhigacchāmaḥ śṛṇvantaḥ sukhadāṃ kathām / tava vaktrodbhavāṃ puṇyām ādityasyāghanāśinīm //

Wir gelangen nicht zur Sättigung, [wenn wir] die glückspendende, aus deinem Mund entstandene heilige Erzählung von der Sonne hören, die alle Sünde vernichtet.

Wort für Wort
na tṛptim adhigacchāmaḥ
wir gelangen nicht zur Sättigung
śṛṇvantaḥ sukha-dām kathām
hörend die glückspendende Erzählung
tava vaktra-udbhavām puṇyām
die aus deinem Mund entstandene, heilige
ādityasya agha-nāśinīm
die die Sünde [bezüglich] der Sonne vernichtende

ataḥ paraṃ suraśreṣṭha brūhi no vadatāṃ vara / devapūjāphalaṃ yac ca yac ca dānaphalaṃ prabho //

Darüber hinaus, o Bester der Götter, sag uns, o Bester der Redner: was die Frucht der Gottesverehrung und was die Frucht der Gabe ist, o Herr...

Wort für Wort
ataḥ param sura-śreṣṭha
darüber hinaus, o Bester der Götter
brūhi naḥ vadatām vara
sag uns, o Bester der Redner
deva-pūjā-phalam yat ca
welches die Frucht der Gottesverehrung
yat ca dāna-phalam prabho
und welches die Frucht der Gabe, o Herr

praṇipāte namaskāre tathā caiva pradakṣiṇe / dīpadhūpapradāne ca saṃmārjanavidhau ca yat //

...bei der Niederwerfung, bei der Verehrungsgeste, ebenso bei der Umwandlung, bei der Darbringung von Lampe und Räucherwerk und bei der Reinigungsvorschrift...

Wort für Wort
praṇipāte namaskāre
bei der Niederwerfung, bei der Verehrungsgeste
tathā ca eva pradakṣiṇe
und ebenso bei der Umwandlung
dīpa-dhūpa-pradāne ca
und bei der Darbringung von Lampe und Räucherwerk
saṃmārjana-vidhau ca yat
und was bei der Reinigungsvorschrift

upavāse ca yat puṇyaṃ yat puṇyaṃ naktabhojane / arghaś ca kīdṛśaḥ proktaḥ kutra vā saṃpradīyate //

...was das Verdienst beim Fasten, was das Verdienst bei der Nachtspeisung [ist], wie die Ehrengabe beschaffen genannt wird und wo sie dargebracht wird.

Wort für Wort
upavāse ca yat puṇyam
und was das Verdienst beim Fasten
yat puṇyam nakta-bhojane
was das Verdienst bei der Nachtspeisung
arghaḥ ca kīdṛśaḥ proktaḥ
und wie die Ehrengabe beschaffen genannt wird
kutra vā saṃpradīyate
und wo sie dargebracht wird

kathaṃ ca kriyate bhaktiḥ kathaṃ devaḥ prasīdati / etat sarvaṃ suraśreṣṭha śrotum icchāmahe vayam //

...und wie Hingabe geübt wird, wie der Gott gnädig wird — all dies, o Bester der Götter, wünschen wir zu hören.

Wort für Wort
kathaṃ ca kriyate bhaktiḥ
und wie wird Hingabe geübt
kathaṃ devaḥ prasīdati
wie wird der Gott gnädig
etat sarvam sura-śreṣṭha
all dies, o Bester der Götter
śrotum icchāmahe vayam
wünschen wir zu hören

arghyaṃ pūjādikaṃ sarvaṃ bhāskarasya dvijottamāḥ / bhaktiṃ śraddhāṃ samādhiṃ ca kathyamānaṃ nibodhata //

{Brahmā sprach:} Die Ehrengabe, die Verehrung usw., alles betreffend die Sonne, o ihr Besten der Zweifachgeborenen — Hingabe, Glauben und Sammlung — vernehmt, was erzählt wird.

Wort für Wort
arghyam pūjā-ādikam sarvam
die Ehrengabe, Verehrung usw., alles
bhāskarasya dvija-uttamāḥ
der Sonne, o Beste der Zweifachgeborenen
bhaktim śraddhām samādhim ca
Hingabe, Glauben und Sammlung
kathyamānam nibodhata
vernehmt, was erzählt wird

manasā bhāvanā bhaktir iṣṭā śraddhā ca kīrtyate / dhyānaṃ samādhir ity uktaṃ śṛṇudhvaṃ susamāhitāḥ //

Die mit dem Geist [vollzogene] Vorstellung wird als Hingabe bezeichnet, und ebendies wird als Glaube gepriesen; 'Meditation' wird 'Sammlung' genannt — hört, wohlgesammelten Sinnes.

Wort für Wort
manasā bhāvanā
die mit dem Geist [vollzogene] Vorstellung
bhaktiḥ iṣṭā
wird als Hingabe bezeichnet
śraddhā ca kīrtyate
und wird als Glaube gepriesen
dhyānam samādhiḥ iti uktam
'Meditation' wird als 'Sammlung' bezeichnet
śṛṇudhvam su-samāhitāḥ
hört, wohlgesammelt

tatkathāṃ śrāvayed yas tu tadbhaktān pūjayīta vā / agniśuśrūṣakaś caiva sa vai bhaktaḥ sanātanaḥ //

Wer aber dessen Erzählung vortragen lässt oder dessen Anhänger verehrt, und auch wer dem [Opfer-]Feuer dient, er ist wahrlich ein beständiger Anhänger.

Wort für Wort
tat-kathām śrāvayet yaḥ tu
wer aber dessen Erzählung anhören lässt
tad-bhaktān pūjayīta vā
oder dessen Anhänger verehrt
agni-śuśrūṣakaḥ ca eva
und auch wer dem Feuer dient
sa vai bhaktaḥ sanātanaḥ
er ist wahrlich ein beständiger Anhänger

taccittas tanmanāś caiva devapūjārataḥ sadā / tatkarmakṛd bhaved yas tu sa vai bhaktaḥ sanātanaḥ //

Dessen Sinn und Geist [zugewandt], stets der Gottesverehrung hingegeben — wer dessen Werk vollzieht, er ist wahrlich ein beständiger Anhänger.

Wort für Wort
tat-cittaḥ tat-manāḥ ca eva
dessen Sinn und Geist [zugewandt]
deva-pūjā-rataḥ sadā
stets der Gottesverehrung hingegeben
tat-karma-kṛt bhavet yaḥ tu
wer dessen Werk vollzieht
sa vai bhaktaḥ sanātanaḥ
er ist wahrlich ein beständiger Anhänger

devārthe kriyamāṇāni yaḥ karmāṇy anumanyate / kīrtanād vā paro viprāḥ sa vai bhaktataro naraḥ //

Wer die für den Gott vollzogenen Handlungen gutheißt, oder wer, o Brahmanen, über das bloße Preisen hinausgeht, er ist ein noch größerer Anhänger.

Wort für Wort
deva-arthe kriyamāṇāni
die für den Gott vollzogenen
yaḥ karmāṇi anumanyate
wer die Handlungen gutheißt
kīrtanāt vā paraḥ viprāḥ
oder wer über das Preisen hinausgeht, o Brahmanen
sa vai bhaktataraḥ naraḥ
er ist wahrlich ein noch größerer Anhänger

nābhyasūyeta tadbhaktān na nindyāc cānyadevatām / ādityavratacārī ca sa vai bhaktataro naraḥ //

Er tadle nicht dessen Anhänger und schmähe nicht eine andere Gottheit; wer das Sonnen-Gelübde übt, er ist ein noch größerer Anhänger.

Wort für Wort
na abhyasūyeta tad-bhaktān
er beneide/tadle nicht dessen Anhänger
na nindyāt ca anya-devatām
und schmähe nicht eine andere Gottheit
āditya-vrata-cārī ca
und der das Sonnen-Gelübde übt
sa vai bhaktataraḥ naraḥ
er ist wahrlich ein noch größerer Anhänger

gacchaṃs tiṣṭhan svapañ jighrann unmiṣan nimiṣann api / yaḥ smared bhāskaraṃ nityaṃ sa vai bhaktataro naraḥ //

Gehend, stehend, schlafend, riechend, die Augen öffnend oder schließend — wer stets an die Sonne denkt, er ist ein noch größerer Anhänger.

Wort für Wort
gacchan tiṣṭhan svapan jighran
gehend, stehend, schlafend, riechend
unmiṣan nimiṣan api
die Augen öffnend, sie schließend auch
yaḥ smaret bhāskaram nityam
wer stets an die Sonne denkt
sa vai bhaktataraḥ naraḥ
er ist wahrlich ein noch größerer Anhänger

evaṃvidhā tv iyaṃ bhaktiḥ sadā kāryā vijānatā / bhaktyā samādhinā caiva stavena manasā tathā //

Solcherart aber ist diese Hingabe, die vom Erkennenden stets zu üben ist — mit Hingabe, Sammlung, Lobpreis und ebenso mit dem Geist.

Wort für Wort
evaṃvidhā tu iyam bhaktiḥ
solcherart aber ist diese Hingabe
sadā kāryā vijānatā
stets zu üben von dem Erkennenden
bhaktyā samādhinā ca eva
mit Hingabe und Sammlung
stavena manasā tathā
mit Lobpreis und ebenso mit dem Geist

kriyate niyamo yas tu dānaṃ viprāya dīyate / pratigṛhṇanti taṃ devā manuṣyāḥ pitaras tathā //

Welche Verpflichtung geübt wird, welche Gabe einem Brahmanen gegeben wird — sie empfangen die Götter, die Menschen und ebenso die Ahnen.

Wort für Wort
kriyate niyamaḥ yaḥ tu
welche Verpflichtung geübt wird
dānam viprāya dīyate
die einem Brahmanen gegebene Gabe
pratigṛhṇanti tam devāḥ
die Götter empfangen sie
manuṣyāḥ pitaraḥ tathā
die Menschen und ebenso die Ahnen

pattraṃ puṣpaṃ phalaṃ toyaṃ yad bhaktyā samupāhṛtam / pratigṛhṇanti tad devā nāstikān varjayanti ca //

Blatt, Blume, Frucht, Wasser — was mit Hingabe dargebracht wird, das empfangen die Götter, und die Gottesleugner meiden sie.

Wort für Wort
pattram puṣpam phalam toyam
Blatt, Blume, Frucht, Wasser
yat bhaktyā samupāhṛtam
was mit Hingabe dargebracht wird
pratigṛhṇanti tat devāḥ
das empfangen die Götter
nāstikān varjayanti ca
und die Gottesleugner meiden sie

bhāvaśuddhiḥ prayoktavyā niyamācārasaṃyutā / bhāvaśuddhyā kriyate yat tat sarvaṃ saphalaṃ bhavet //

Die Reinheit der Gesinnung ist anzuwenden, verbunden mit rechter Verpflichtung und Verhalten; was mit Reinheit der Gesinnung getan wird, das alles wird fruchtbar.

Wort für Wort
bhāva-śuddhiḥ prayoktavyā
die Reinheit der Gesinnung ist anzuwenden
niyama-ācāra-saṃyutā
mit rechter Verpflichtung und Verhalten verbunden
bhāva-śuddhyā kriyate yat
was mit Reinheit der Gesinnung getan wird
tat sarvam saphalam bhavet
das alles wird fruchtbar

stutijapyopahāreṇa pūjayāpi vivasvataḥ / upavāsena bhaktyā vai sarvapāpaiḥ pramucyate //

Durch Lobpreis, Murmelgebet und Gabendarbringung, und auch durch Verehrung der Sonne, durch Fasten, mit Hingabe, wird man wahrlich von aller Sünde befreit.

Wort für Wort
stuti-japya-upahāreṇa
durch Lobpreis, Murmelgebet und Gabendarbringung
pūjayā api vivasvataḥ
und auch durch Verehrung der Sonne
upavāsena bhaktyā vai
durch Fasten, wahrlich mit Hingabe
sarva-pāpaiḥ pramucyate
wird man von aller Sünde befreit

praṇidhāya śiro bhūmyāṃ namaskāraṃ karoti yaḥ / tatkṣaṇāt sarvapāpebhyo mucyate nātra saṃśayaḥ //

Wer, das Haupt auf die Erde gelegt, die Verehrungsgeste vollzieht, wird augenblicklich von allen Sünden befreit — daran ist kein Zweifel.

Wort für Wort
praṇidhāya śiraḥ bhūmyām
das Haupt auf die Erde gelegt habend
namaskāram karoti yaḥ
wer die Verehrungsgeste vollzieht
tat-kṣaṇāt sarva-pāpebhyaḥ
augenblicklich von allen Sünden
mucyate na atra saṃśayaḥ
wird er befreit, daran ist kein Zweifel

bhaktiyukto naro yo 'sau raveḥ kuryāt pradakṣiṇām / pradakṣiṇīkṛtā tena saptadvīpā vasuṃdharā //

Welcher mit Hingabe verbundene Mensch der Sonne die Umwandlung vollzieht, von ihm ist gleichsam die siebeninselige Erde umwandelt.

Wort für Wort
bhakti-yuktaḥ naraḥ yaḥ asau
welcher mit Hingabe verbundene Mensch
raveḥ kuryāt pradakṣiṇām
der Sonne die Umwandlung vollzieht
pradakṣiṇī-kṛtā tena
von ihm umwandelt
sapta-dvīpā vasuṃdharā
die siebeninselige Erde

sūryaṃ manasi yaḥ kṛtvā kuryād vyomapradakṣiṇām / pradakṣiṇīkṛtās tena sarve devā bhavanti hi //

Wer, die Sonne im Geist vergegenwärtigt habend, die Umwandlung des Himmels vollzieht, von ihm werden wahrlich alle Götter umwandelt.

Wort für Wort
sūryam manasi yaḥ kṛtvā
wer die Sonne im Geist gebildet habend
kuryāt vyoma-pradakṣiṇām
die Himmels-Umwandlung vollzieht
pradakṣiṇī-kṛtāḥ tena
von ihm umwandelt
sarve devāḥ bhavanti hi
werden wahrlich alle Götter

ekāhāro naro bhūtvā ṣaṣṭhyāṃ yo 'rcayate ravim / niyamavratacārī ca bhaved bhaktisamanvitaḥ //

Ein Mensch, der einmal [am Tag] isst, wer am sechsten [Tag] die Sonne verehrt und dabei rechte Verpflichtung und Gelübde übt, werde mit Hingabe versehen.

Wort für Wort
eka-āhāraḥ naraḥ bhūtvā
ein Mensch, der einmal am Tag isst, geworden
ṣaṣṭhyām yaḥ arcayate ravim
wer am sechsten Tag die Sonne verehrt
niyama-vrata-cārī ca
und der rechte Verpflichtung und Gelübde übt
bhavet bhakti-samanvitaḥ
werde er mit Hingabe versehen

saptamyāṃ vā mahābhāgāḥ so 'śvamedhaphalaṃ labhet / ahorātropavāsena pūjayed yas tu bhāskaram //

Oder am siebten [Tag], o ihr Hochbeglückten, erlangt er die Frucht des Pferdeopfers; wer aber die Sonne mit einem Tag-und-Nacht-Fasten verehrt...

Wort für Wort
saptamyām vā mahā-bhāgāḥ
oder am siebten Tag, o Hochbeglückte
saḥ aśvamedha-phalam labhet
er erlangt die Frucht des Pferdeopfers
ahorātra-upavāsena
durch ein Tag-und-Nacht-Fasten
pūjayet yaḥ tu bhāskaram
wer aber die Sonne verehrt

saptamyām athavā ṣaṣṭhyāṃ sa yāti paramāṃ gatim / kṛṣṇapakṣasya saptamyāṃ sopavāso jitendriyaḥ //

...am siebten oder sechsten Tag geht er zum höchsten Ziel. Am siebten Tag der dunklen Monatshälfte, fastend, mit bezwungenen Sinnen...

Wort für Wort
saptamyām athavā ṣaṣṭhyām
am siebten oder am sechsten Tag
sa yāti paramām gatim
er geht zum höchsten Ziel
kṛṣṇapakṣasya saptamyām
am siebten Tag der dunklen Monatshälfte
sa-upavāsaḥ jita-indriyaḥ
fastend, mit bezwungenen Sinnen

sarvaratnopahāreṇa pūjayed yas tu bhāskaram / padmaprabheṇa yānena sūryalokaṃ sa gacchati //

...wer aber die Sonne mit der Darbringung aller Juwelen verehrt, geht er mit einem lotusglänzenden Fahrzeug zur Sonnenwelt.

Wort für Wort
sarva-ratna-upahāreṇa
durch die Darbringung aller Juwelen
pūjayet yaḥ tu bhāskaram
wer aber die Sonne verehrt
padma-prabheṇa yānena
mit einem lotusglänzenden Fahrzeug
sūrya-lokam sa gacchati
geht er zur Sonnenwelt

śuklapakṣasya saptamyām upavāsaparo naraḥ / sarvaśuklopahāreṇa pūjayed yas tu bhāskaram //

Am siebten Tag der hellen Monatshälfte, ein dem Fasten hingegebener Mensch — wer aber die Sonne mit der Darbringung von lauter weißen Gaben verehrt...

Wort für Wort
śukla-pakṣasya saptamyām
am siebten Tag der hellen Monatshälfte
upavāsa-paraḥ naraḥ
der dem Fasten hingegebene Mensch
sarva-śukla-upahāreṇa
mit der Darbringung von lauter weißen Gaben
pūjayet yaḥ tu bhāskaram
wer aber die Sonne verehrt

sarvapāpavinirmuktaḥ sūryalokaṃ sa gacchati / arkasaṃpuṭasaṃyuktam udakaṃ prasṛtaṃ pibet //

...von aller Sünde befreit geht er zur Sonnenwelt. Eine Handvoll Wasser, das mit der Arka-Hülle versehen ist, möge er trinken...

Wort für Wort
sarva-pāpa-vinirmuktaḥ
von aller Sünde befreit
sūrya-lokam sa gacchati
geht er zur Sonnenwelt
arka-saṃpuṭa-saṃyuktam
mit der Arka-Hülle versehenes
udakam prasṛtam pibet
eine Handvoll Wasser möge er trinken

[?] 'arkasaṃpuṭa' (Arka-Hülle/Kapsel) ist technisch unklar; vermutlich ein Gefäß/Behältnis aus Arka-(Calotropis-)Blättern, wie in Kap.28 V.25 als Ersatz für Kupfer erwähnt.

kramavṛddhyā caturviṃśam ekaikaṃ kṣapayet punaḥ / dvābhyāṃ saṃvatsarābhyāṃ tu samāptaniyamo bhavet //

Durch stufenweise Steigerung bis auf vierundzwanzig [Handvoll], dann wieder einzeln vermindernd — in zwei Jahren werde die Verpflichtung vollendet.

Wort für Wort
krama-vṛddhyā caturviṃśam
durch stufenweise Steigerung bis vierundzwanzig
eka-ekam kṣapayet punaḥ
dann wieder einzeln vermindere er
dvābhyām saṃvatsarābhyām tu
aber in zwei Jahren
samāpta-niyamaḥ bhavet
werde die Verpflichtung vollendet

[Anm.: beschreibt offenbar ein zweijähriges Gelübde mit täglich zu- und dann wieder abnehmender Trinkwassermenge, analog dem Schema des Candrāyaṇa-Fastens; Einzelheiten unsicher.]

sarvakāmapradā hy eṣā praśastā hy arkasaptamī / śuklapakṣasya saptamyāṃ yadādityadinaṃ bhavet //

Wahrlich alle Wünsche gewährend ist diese gepriesene 'Sonnen-Siebte' — wenn der siebte Tag der hellen Monatshälfte auf einen Sonnentag fällt...

Wort für Wort
sarva-kāma-pradā hi eṣā
wahrlich alle Wünsche gewährend, diese
praśastā hi arka-saptamī
wahrlich gepriesen, die 'Sonnen-Siebte'
śukla-pakṣasya saptamyām
am siebten Tag der hellen Monatshälfte
yadā āditya-dinam bhavet
wenn er auf einen Sonnentag fällt

saptamī vijayā nāma tatra dattaṃ mahat phalam / snānaṃ dānaṃ tapo homa upavāsas tathaiva ca //

...dann heißt die Siebte 'Vijayā' (die Siegreiche); dort ist große Frucht gegeben für Bad, Gabe, Askese, Feueropfer und ebenso Fasten.

Wort für Wort
saptamī vijayā nāma
die Siebte, 'Vijayā' genannt
tatra dattam mahat phalam
dort ist große Frucht gegeben
snānam dānam tapaḥ homaḥ
Bad, Gabe, Askese, Feueropfer
upavāsaḥ tathā eva ca
und ebenso das Fasten

sarvaṃ vijayasaptamyāṃ mahāpātakanāśanam / ye cādityadine prāpte śrāddhaṃ kurvanti mānavāḥ //

Alles [an guten Werken] tilgt an der Vijaya-Siebten die großen Sünden. Und welche Menschen, wenn der Sonnentag eingetreten ist, das Ahnenritual vollziehen...

Wort für Wort
sarvam vijaya-saptamyām
alles an der Vijaya-Siebten
mahā-pātaka-nāśanam
vernichtet die großen Sünden
ye ca āditya-dine prāpte
und welche, wenn der Sonnentag eingetreten ist
śrāddham kurvanti mānavāḥ
Menschen das Ahnenritual vollziehen

yajanti ca mahāśvetaṃ te labhante yathepsitam / yeṣāṃ dharmyāḥ kriyāḥ sarvāḥ sadaivoddiśya bhāskaram //

...und dem 'Großen Weißen' [Sonne] opfern, sie erlangen [alles] nach Wunsch. Deren rechtmäßige Handlungen alle stets eben auf die Sonne gerichtet sind...

Wort für Wort
yajanti ca mahāśvetam
und dem 'Großen Weißen' opfern
te labhante yathā īpsitam
sie erlangen nach Wunsch
yeṣām dharmyāḥ kriyāḥ sarvāḥ
deren rechtmäßige Handlungen alle
sadā eva uddiśya bhāskaram
stets eben auf die Sonne gerichtet

na kule jāyate teṣāṃ daridro vyādhito 'pi vā / śvetayā raktayā vāpi pītamṛttikayāpi vā //

In deren Geschlecht wird kein Armer oder Kranker geboren. Mit weißer, roter oder auch gelber Erde...

Wort für Wort
na kule jāyate teṣām
in deren Geschlecht wird nicht geboren
daridraḥ vyādhitaḥ api vā
ein Armer oder auch ein Kranker
śvetayā raktayā vā api
mit weißer, roter oder auch
pīta-mṛttikayā api vā
mit gelber Erde auch

upalepanakartā tu cintitaṃ labhate phalam / citrabhānuṃ vicitrais tu kusumaiś ca sugandhibhiḥ //

...wer aber die rituelle Bodenbestreichung vollzieht, erlangt die erwünschte Frucht. Den 'Buntstrahlenden' [Sonne] aber mit mannigfaltigen, wohlriechenden Blumen...

Wort für Wort
upalepana-kartā tu
wer aber die Bestreichung vollzieht
cintitam labhate phalam
erlangt die erdachte Frucht
citrabhānum vicitraiḥ tu
den 'Buntstrahlenden' aber mit mannigfaltigen
kusumaiḥ ca sugandhibhiḥ
und wohlriechenden Blumen

pūjayet sopavāso yaḥ sa kāmān īpsitāṃl labhet / ghṛtena dīpaṃ prajvālya tilatailena vā punaḥ //

...wer, fastend, [ihn] verehrt, erlangt die erwünschten Wünsche. Mit Ghee eine Lampe entzündet, oder wiederum mit Sesamöl...

Wort für Wort
pūjayet sa-upavāsaḥ yaḥ
wer, fastend, verehrt
sa kāmān īpsitān labhet
er erlangt die erwünschten Wünsche
ghṛtena dīpam prajvālya
mit Ghee eine Lampe entzündet habend
tila-tailena vā punaḥ
oder wiederum mit Sesamöl

ādityaṃ pūjayed yas tu cakṣuṣā na sa hīyate / dīpadātā naro nityaṃ jñānadīpena dīpyate //

...wer aber [so] die Sonne verehrt, dessen Augenlicht mindert sich nicht; der Lampenspender wird stets durch die Lampe des Wissens erleuchtet.

Wort für Wort
ādityam pūjayet yaḥ tu
wer aber die Sonne verehrt
cakṣuṣā na sa hīyate
er wird nicht am Augenlicht mangelhaft
dīpa-dātā naraḥ nityam
der Lampenspender stets
jñāna-dīpena dīpyate
wird durch die Lampe des Wissens erleuchtet

tilāḥ pavitraṃ tailaṃ vā tilagodānam uttamam / agnikārye ca dīpe ca mahāpātakanāśanam //

Sesamkörner sind rein, ebenso Öl; die Gabe von Sesam und Kuh ist die vortrefflichste; beim Feueropfer und bei der Lampe vernichten sie die großen Sünden.

Wort für Wort
tilāḥ pavitram tailam vā
Sesamkörner sind rein, oder Öl
tila-go-dānam uttamam
die Gabe von Sesam und Kuh ist die vortrefflichste
agni-kārye ca dīpe ca
beim Feueropfer und bei der Lampe
mahā-pātaka-nāśanam
Vernichtung der großen Sünden

dīpaṃ dadāti yo nityaṃ devatāyataneṣu ca / catuṣpatheṣu rathyāsu rūpavān subhago bhavet //

Wer stets eine Lampe gibt, in Göttertempeln, an Kreuzwegen, auf Straßen, werde schöngestaltig und glückhaft.

Wort für Wort
dīpam dadāti yaḥ nityam
wer stets eine Lampe gibt
devatā-āyataneṣu ca
und in den Göttertempeln
catuṣpatheṣu rathyāsu
an Kreuzwegen, auf Straßen
rūpavān subhagaḥ bhavet
werde er schöngestaltig und glückhaft

havirbhiḥ prathamaḥ kalpo dvitīyaś cauṣadhīrasaiḥ / vasāmedosthiniryāsair na tu deyaḥ kathaṃcana //

Mit Opferbutter ist die erste, mit Pflanzensäften die zweite Art [der Lampenspeisung]; mit Fett, Mark, Knochenmark oder tierischem Harz aber sei sie keinesfalls gespeist.

Wort für Wort
haviḥbhiḥ prathamaḥ kalpaḥ
mit Opferbutter die erste Art
dvitīyaḥ ca oṣadhī-rasaiḥ
und die zweite mit Pflanzensäften
vasā-medaḥ-asthi-niryāsaiḥ
mit Fett, Mark, Knochen[-öl] oder Harz
na tu deyaḥ kathaṃcana
aber keinesfalls sei sie zu geben

bhaved ūrdhvagatir dīpo na kadācid adhogatiḥ / dātā dīpyati cāpy evaṃ na tiryaggatim āpnuyāt //

Die Lampe führe zum Aufwärtsgang, niemals zum Abwärtsgang; so leuchtet auch der Geber und erlangt nicht die Tiergeburt.

Wort für Wort
bhavet ūrdhva-gatiḥ dīpaḥ
die Lampe führe zum Aufwärtsgang
na kadācit adhogatiḥ
niemals zum Abwärtsgang
dātā dīpyati ca api
und der Geber leuchtet auch
evam na tiryak-gatim āpnuyāt
so erlangt er nicht den Tier-(Quer-)Gang

jvalamānaṃ sadā dīpaṃ na haren nāpi nāśayet / dīpahartā naro bandhaṃ nāśaṃ krodhaṃ tamo vrajet //

Eine brennende Lampe raube man nicht und vernichte sie nicht; der Lampenräuber gerät in Gefangenschaft, Vernichtung, Zorn und Finsternis.

Wort für Wort
jvalamānam sadā dīpam
eine stets brennende Lampe
na haret na api nāśayet
raube man nicht, noch vernichte man sie
dīpa-hartā naraḥ bandham
der Lampenräuber [gerät] in Fessel
nāśam krodham tamaḥ vrajet
er gehe zu Vernichtung, Zorn, Finsternis

dīpadātā svargaloke dīpamāleva rājate / yaḥ samālabhate nityaṃ kuṅkumāgurucandanaiḥ //

Der Lampenspender erstrahlt in der Himmelswelt wie eine Lampengirlande. Wer den Gott stets mit Safran, Aloeholz und Sandel salbt...

Wort für Wort
dīpa-dātā svarga-loke
der Lampenspender in der Himmelswelt
dīpa-mālā iva rājate
erstrahlt wie eine Lampengirlande
yaḥ samālabhate nityam
wer stets bestreicht/salbt
kuṅkuma-aguru-candanaiḥ
mit Safran, Aloeholz und Sandel

saṃpadyate naraḥ pretya dhanena yaśasā śriyā / raktacandanasaṃmiśrai raktapuṣpaiḥ śucir naraḥ //

...wird der Mensch nach dem Tode mit Reichtum, Ruhm und Glanz ausgestattet. Mit rotem, mit Sandel vermischtem [Pulver] und roten Blumen, der reine Mensch...

Wort für Wort
saṃpadyate naraḥ pretya
der Mensch wird nach dem Tode ausgestattet
dhanena yaśasā śriyā
mit Reichtum, Ruhm und Glanz
rakta-candana-saṃmiśraiḥ
mit rotem, mit Sandel vermischtem
rakta-puṣpaiḥ śuciḥ naraḥ
mit roten Blumen, der reine Mensch

udaye 'rghyaṃ sadā dattvā siddhiṃ saṃvatsarāl labhet / udayāt parivarteta yāvad astamane sthitaḥ //

...beim Aufgang stets die Ehrengabe gegeben habend, erlangt er in einem Jahr die Vollendung. Vom Aufgang an möge er sich [der Sonne zugewandt] drehen, bis er beim Untergang steht...

Wort für Wort
udaye arghyam sadā dattvā
beim Aufgang stets die Ehrengabe gegeben habend
siddhim saṃvatsarāt labhet
erlangt er in einem Jahr die Vollendung
udayāt parivarteta
vom Aufgang an möge er sich wenden
yāvat astamane sthitaḥ
bis er beim Untergang steht

japann abhimukhaḥ kiṃcin mantraṃ stotram athāpi vā / ādityavratam etat tu mahāpātakanāśanam //

...ihr zugewandt, irgendein Mantra oder auch einen Lobpreis murmelnd — dieses Sonnen-Gelübde aber vernichtet die großen Sünden.

Wort für Wort
japan abhimukhaḥ kiṃcit
zugewandt, irgendetwas murmelnd
mantram stotram atha api vā
Mantra oder auch Lobpreis
āditya-vratam etat tu
dieses Sonnen-Gelübde aber
mahā-pātaka-nāśanam
Vernichtung der großen Sünden

arghyeṇa sahitaṃ caiva sarve sāṅgaṃ pradāpayet / udaye śraddhayā yuktaḥ sarvapāpaiḥ pramucyate //

Und zusammen mit der Ehrengabe möge er das ganze Ritual mitsamt seinen Teilen darbringen; beim Aufgang, mit Glauben verbunden, wird er von aller Sünde befreit.

Wort für Wort
arghyeṇa sahitam ca eva
und zusammen mit der Ehrengabe
sarve sa-aṅgam pradāpayet
möge er alles samt seinen Gliedern darbringen lassen
udaye śraddhayā yuktaḥ
beim Aufgang, mit Glauben verbunden
sarva-pāpaiḥ pramucyate
wird er von aller Sünde befreit

suvarṇadhenuanaḍvāhavasudhāvastrasaṃyutam / arghyapradātā labhate saptajanmānugaṃ phalam //

Wer die Ehrengabe zusammen mit Gold, Kuh, Zugstier, Land und Gewand darbringt, erlangt eine Frucht, die ihm über sieben Geburten hin folgt.

Wort für Wort
suvarṇa-dhenu-anaḍvāha-vasudhā-vastra-saṃyutam
mit Gold, Kuh, Zugstier, Land und Gewand verbunden
arghya-pradātā labhate
der Ehrengaben-Spender erlangt
sapta-janma-anugam phalam
eine über sieben Geburten hin folgende Frucht

agnau toye 'ntarikṣe ca śucau bhūmyāṃ tathaiva ca / pratimāyāṃ tathā piṇḍyāṃ deyam arghyaṃ prayatnataḥ //

Im Feuer, im Wasser, im Luftraum, an reiner Erde und ebenso im Kultbild und in der [Sonnen-]Scheibe ist mit Sorgfalt die Ehrengabe zu geben.

Wort für Wort
agnau toye antarikṣe ca
im Feuer, im Wasser und im Luftraum
śucau bhūmyām tathā eva ca
an reiner Erde und ebenso
pratimāyām tathā piṇḍyām
im Kultbild und ebenso in der Sonnenscheibe
deyam arghyam prayatnataḥ
ist mit Sorgfalt die Ehrengabe zu geben

nāpasavyaṃ na savyaṃ ca dadyād abhimukhaḥ sadā / saghṛtaṃ guggulaṃ vāpi raver bhaktisamanvitaḥ //

Weder gegen noch im Uhrzeigersinn möge er die Gabe darbringen, sondern stets der Sonne zugewandt — ebenso Guggulharz mit Ghee, mit Hingabe zur Sonne versehen.

Wort für Wort
na apasavyam na savyam ca
weder gegen noch im Uhrzeigersinn
dadyāt abhimukhaḥ sadā
möge er geben, stets zugewandt
sa-ghṛtam guggulam vā api
mit Ghee vermischtes Guggulharz auch
raveḥ bhakti-samanvitaḥ
der Sonne, mit Hingabe versehen

tatkṣaṇāt sarvapāpebhyo mucyate nātra saṃśayaḥ / śrīvāsaṃ caturasraṃ ca devadāruṃ tathaiva ca //

Augenblicklich wird er von allen Sünden befreit, daran ist kein Zweifel. Śrīvāsa-Harz, Caturasra[-Räucherwerk] und ebenso Deodarharz...

Wort für Wort
tat-kṣaṇāt sarva-pāpebhyaḥ
augenblicklich von allen Sünden
mucyate na atra saṃśayaḥ
wird er befreit, daran ist kein Zweifel
śrīvāsam catur-asram ca
Śrīvāsa-Harz und Caturasra[-Räucherwerk]
devadārum tathā eva ca
und ebenso Deodarharz

karpūrāgarudhūpāni dattvā vai svargagāminaḥ / ayane tūttare sūryam athavā dakṣiṇāyane //

Kampfer- und Aloeholz-Räucherwerke dargebracht habend, gehen sie wahrlich zum Himmel. In der nördlichen Sonnenwende oder in der südlichen...

Wort für Wort
karpūra-agaru-dhūpāni
Kampfer-Aloeholz-Räucherwerke
dattvā vai svarga-gāminaḥ
dargebracht habend, wahrlich zum Himmel gehend
ayane tu uttare sūryam
in der nördlichen Sonnenwende die Sonne
athavā dakṣiṇa-ayane
oder in der südlichen Wende

pūjayitvā viśeṣeṇa sarvapāpaiḥ pramucyate / viṣuveṣūparāgeṣu ṣaḍaśītimukheṣu ca //

...besonders verehrt habend, wird er von aller Sünde befreit. Bei den Tagundnachtgleichen, bei den Verfinsterungen und bei den Tierkreis-Eintritten...

Wort für Wort
pūjayitvā viśeṣeṇa
besonders verehrt habend
sarva-pāpaiḥ pramucyate
wird er von aller Sünde befreit
viṣuveṣu uparāgeṣu
bei den Tagundnachtgleichen, bei den Verfinsterungen
ṣaḍaśīti-mukheṣu ca
und bei den Tierkreis-Eintritten

[Anm.: 'ṣaḍaśītimukha' ('Sechsundachtzig-Eintritte') bezeichnet vermutlich die zwölf saṃkrāntis, die Übergänge der Sonne in die Tierkreiszeichen; als fester Kalenderbegriff transliteriert.]

pūjayitvā viśeṣeṇa sarvapāpaiḥ pramucyate / evaṃ velāsu sarvāsu sarvakālaṃ ca mānavaḥ //

...besonders verehrt habend, wird er von aller Sünde befreit — so zu allen [festgesetzten] Zeiten und, o Mensch, zu jeder Zeit...

Wort für Wort
pūjayitvā viśeṣeṇa
besonders verehrt habend
sarva-pāpaiḥ pramucyate
wird er von aller Sünde befreit
evam velāsu sarvāsu
so zu allen [festgesetzten] Zeiten
sarva-kālam ca mānavaḥ
und zu jeder Zeit, o Mensch

[Anm.: Pāda a-b wiederholt wörtlich V.52 a-b — im Original offenbar eine bewusste, verstärkende Wiederholung, hier unverändert übersetzt.]

bhaktyā pūjayate yo 'rkaṃ so 'rkaloke mahīyate / kṛsaraiḥ pāyasaiḥ pūpaiḥ phalamūlaghṛtaudanaiḥ //

Wer mit Hingabe die Sonne verehrt, wird in der Sonnenwelt geehrt. Mit Sesam-Reisbrei, Milchreis, Kuchen, Früchten, Wurzeln und Ghee-Reis...

Wort für Wort
bhaktyā pūjayate yaḥ arkam
wer mit Hingabe die Sonne verehrt
saḥ arka-loke mahīyate
er wird in der Sonnenwelt geehrt
kṛsaraiḥ pāyasaiḥ pūpaiḥ
mit Sesam-Reisbrei, Milchreis, Kuchen
phala-mūla-ghṛta-odanaiḥ
mit Früchten, Wurzeln, Ghee-Reis

baliṃ kṛtvā tu sūryāya sarvān kāmān avāpnuyāt / ghṛtena tarpaṇaṃ kṛtvā sarvasiddho bhaven naraḥ //

Die Opfergabe der Sonne dargebracht, möge er alle Wünsche erlangen. Mit Ghee die Wasserspende vollzogen, werde der Mensch in allem vollendet.

Wort für Wort
balim kṛtvā tu sūryāya
die Opfergabe dargebracht der Sonne
sarvān kāmān avāpnuyāt
möge er alle Wünsche erlangen
ghṛtena tarpaṇam kṛtvā
mit Ghee die Wasserspende vollzogen habend
sarva-siddhaḥ bhavet naraḥ
werde der Mensch in allem vollendet

kṣīreṇa tarpaṇaṃ kṛtvā manas tāpair na yujyate / dadhnā tu tarpaṇaṃ kṛtvā kāryasiddhiṃ labhen naraḥ //

Mit Milch die Wasserspende vollzogen, wird der Geist nicht von Qualen heimgesucht. Mit Dickmilch aber die Wasserspende vollzogen, erlangt der Mensch die Vollendung seines Vorhabens.

Wort für Wort
kṣīreṇa tarpaṇam kṛtvā
mit Milch die Wasserspende vollzogen habend
manaḥ tāpaiḥ na yujyate
wird der Geist nicht mit Qualen verbunden
dadhnā tu tarpaṇam kṛtvā
mit Dickmilch aber die Wasserspende vollzogen habend
kārya-siddhim labhet naraḥ
erlangt der Mensch die Vollendung des Vorhabens

snānārtham āhared yas tu jalaṃ bhānoḥ samāhitaḥ / tīrtheṣu śucitāpannaḥ sa yāti paramāṃ gatim //

Wer aber, gesammelten Sinnes, zum Zweck des Bades Wasser für die Sonne herbeibringt, und an den Tīrthas Reinheit erlangt hat, er geht zum höchsten Ziel.

Wort für Wort
snāna-artham āharet yaḥ tu
wer aber zum Zweck des Bades herbeibringt
jalam bhānoḥ samāhitaḥ
Wasser für die Sonne, gesammelten Sinnes
tīrtheṣu śucitā-āpannaḥ
an den Tīrthas Reinheit erlangt habend
sa yāti paramām gatim
er geht zum höchsten Ziel

chattraṃ dhvajaṃ vitānaṃ vā patākāṃ cāmarāṇi ca / śraddhayā bhānave dattvā gatim iṣṭām avāpnuyāt //

Schirm, Fahnenstange, Baldachin oder Flagge und Yak-Schweif-Wedel — mit Glauben der Sonne gegeben, möge er das erwünschte Ziel erlangen.

Wort für Wort
chattram dhvajam vitānam vā
Schirm, Fahnenstange, Baldachin oder
patākām cāmarāṇi ca
Flagge und Yak-Wedel
śraddhayā bhānave dattvā
mit Glauben der Sonne gegeben habend
gatim iṣṭām avāpnuyāt
möge er das erwünschte Ziel erlangen

yad yad dravyaṃ naro bhaktyā ādityāya prayacchati / tat tasya śatasāhasram utpādayati bhāskaraḥ //

Welches Gut auch immer der Mensch mit Hingabe der Sonne darbringt, das lässt die Sonne für ihn hunderttausendfach entstehen.

Wort für Wort
yat yat dravyam naraḥ bhaktyā
welches Gut auch immer der Mensch mit Hingabe
ādityāya prayacchati
der Sonne darbringt
tat tasya śata-sāhasram
das für ihn hunderttausendfach
utpādayati bhāskaraḥ
lässt die Sonne entstehen

mānasaṃ vācikaṃ vāpi kāyajaṃ yac ca duṣkṛtam / sarvaṃ sūryaprasādena tad aśeṣaṃ vyapohati //

Geistig, sprachlich oder körperlich begangene Übeltat, welche auch immer — durch die Gnade der Sonne vertreibt er alles restlos.

Wort für Wort
mānasam vācikam vā api
geistig, sprachlich oder auch
kāya-jam yat ca duṣkṛtam
körperlich entstandenes, welche Übeltat
sarvam sūrya-prasādena
alles durch die Gnade der Sonne
tat aśeṣam vyapohati
das vertreibt er restlos

ekāhenāpi yad bhānoḥ pūjāyāḥ prāpyate phalam / yathoktadakṣiṇair viprair na tat kratuśatair api //

Die Frucht, die man mit auch nur einem einzigen Tag der Sonnenverehrung erlangt — die erlangt man nicht einmal mit hundert Opfern, selbst mit vorschriftsgemäß entlohnten Brahmanen.

Wort für Wort
eka-āhena api yat bhānoḥ
mit auch nur einem Tag der Sonnen[-verehrung]
pūjāyāḥ prāpyate phalam
die erlangte Frucht der Verehrung
yathā-ukta-dakṣiṇaiḥ vipraiḥ
mit den vorschriftsgemäß entlohnten Brahmanen
na tat kratu-śataiḥ api
die erlangt man nicht [einmal] mit hundert Opfern

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