Kapitel 17: syamantakamaṇyupākhyānasamāptiḥ
Der Syamantaka-Juwel (Fortsetzung): Śatadhanvans Tat und die endgültige Beilegung des Streits
40 Verse: die Fortsetzung und der Abschluss der Syamantaka-Erzählung. Akrūra (im Verlauf des Kapitels auch "Babhru" genannt, wie v.24-25 und v.40 bestätigen) lässt durch den Bhoja Śatadhanvan den schlafenden Satrājit töten und das Juwel rauben, da er selbst Satyabhāmā und das Juwel begehrte; Satyabhāmā berichtet Kṛṣṇa (der gerade die Wasserzeremonie für die im Lackhaus verbrannten Pāṇḍavas vollzogen hat) von der Tat; Kṛṣṇa verfolgt und tötet Śatadhanvan, findet aber das Juwel nicht, was zum Zerwürfnis mit Balarāma und dessen vorübergehendem Auszug nach Mithilā führt (dort unterrichtet Balarāma später Duryodhana in der Keulenkunst); währenddessen vollzieht Akrūra/Babhru sechzig Jahre lang prunkvolle Opfer ("Akrūra-Opfer") und flieht schließlich aus Furcht vor Entdeckung aus Dvārakā, was eine Dürre auslöst, bis die Kukuras und Andhakas ihn zur Rückkehr bewegen; Kṛṣṇa erkennt durch Yoga, dass das Juwel bei Akrūra/Babhru ist, fordert es zurück, erhält es in voller Versammlung und gibt es ihm, versöhnlich, sogleich wieder zurück.
Jenes Juwel Syamantaka aber, das Kṛṣṇa dem Satrājit gegeben hatte, ließ Babhru durch den Bhoja Śatadhanvan rauben.
Wort für Wort
yat tu satrājite kṛṣṇaḥ
jenes aber, das Kṛṣṇa dem Satrājit
maṇiratnam syamantakam dadau
das Juwel Syamantaka gegeben hatte
ahārayat babhruḥ
ließ Babhru rauben
bhojena śatadhanvanā
durch den Bhoja Śatadhanvan
[Anm.: "Babhru" erweist sich im Verlauf des Kapitels (bestätigt durch v.24-25, 38-40) als weiterer Name des Akrūra; hier wird zunächst zusammengefasst, dass Akrūra (Babhru) die Ermordung Satrājits und den Raub des Juwels durch Śatadhanvan veranlasste, wie die folgenden Verse (2-3) erklären.]
Und Hari, nachdem er die Wasserzeremonie für die verbrannten Pāṇḍavas vollzogen hatte, beauftragte auch, um der Pāṇḍu-Sippe willen, den Sātyaki.
Wort für Wort
pāṇḍavānām ca dagdhānām
und für die verbrannten Pāṇḍavas
hariḥ kṛtvā udakakriyām
nachdem Hari die Wasserzeremonie vollzogen hatte
kulyārthe ca api pāṇḍūnām
und auch um der Pāṇḍu-Sippe willen
nyayojayata sātyakim
beauftragte er den Sātyaki
[Anm.: Beiläufiger Verweis auf die Lakṣāgṛha-Episode des Mahābhārata (Brandanschlag auf die Pāṇḍavas im Lackhaus), hier ohne weitere Erklärung vorausgesetzt.]
Dann, eilig nach Dvārakā gekommen, sprach der glorreiche Vernichter des Madhu [Kṛṣṇa] zu seinem älteren Bruder, dem Pflugträger [Balarāma], dieses Wort:
Wort für Wort
tataḥ tvaritam āgamya
dann, eilig gekommen
dvārakām madhusūdanaḥ
nach Dvārakā, der Vernichter des Madhu
pūrvajam halinam śrīmān
zu seinem älteren Bruder, dem Pflugträger, der glorreiche
[Śrī Kṛṣṇa sprach:] 'Prasena wurde von einem Löwen erschlagen, Satrājit von Śatadhanvan. Der Syamantaka aber gehört zu Recht mir – ich bin sein Herr, o Mächtiger.'
Wort für Wort
hataḥ prasenaḥ siṃhena
Prasena wurde von einem Löwen erschlagen
satrājit śatadhanvanā
Satrājit von Śatadhanvan
syamantakaḥ tu madnāmī
der Syamantaka aber gehört zu Recht mir
tasya prabhuḥ aham vibho
ich bin sein Herr, o Mächtiger
[?: "madnāmī" (etwa "meines Namens", d.h. mir zugehörig) morphologisch unklar; wörtlich mit Unsicherheit übernommen.]
tad āroha rathaṃ śīghraṃ bhojaṃ hatvā mahāratham / syamantako mahābāho asmākaṃ sa bhaviṣyati // BrP_17.11 //
'Darum besteige rasch den Wagen; nachdem wir den Bhoja, den großen Wagenkämpfer, erschlagen haben, wird jener Syamantaka, o Starkarmiger, uns gehören.'
Die als hundert Yojanas laufend berühmte Stute mit Namen Hṛdayā, o Brahmanen, [war] die Stute des Bhoja, mit der er gegen Kṛṣṇa kämpfte [zu bestehen suchte].
Als er sah, dass Hṛdayā nach hundert Yojanas des Weges an Schnelligkeit erschöpft war, bedrängte er, [im Bewusstsein] der eigenen Überlegenheit seines Wagens, den Śatadhanvan.
tatas tasyā hatāyās tu śramāt khedāc ca bho dvijāḥ / kham utpetur atha prāṇāḥ kṛṣṇo rāmam athābravīt // BrP_17.17 //
Dann, o Zweifachgeborene, stiegen ihr, obwohl nicht [direkt] getötet, aus Erschöpfung und Ermattung die Lebensgeister zum Himmel auf; da sprach Kṛṣṇa zu Rāma:
[Śrī Kṛṣṇa sprach:] 'Bleib du hier, o Starkarmiger; das Verhängnis der Pferde wurde von mir gesehen. Zu Fuß gehend, werde ich das Juwel Syamantaka zurückholen.'
Und nachdem er den mächtigen Bhoja erschlagen hatte, sah er den Syamantaka nicht; und als [Kṛṣṇa] zurückkehrte, sprach der Pflugträger zu Kṛṣṇa: 'Gib [mir] das Juwel.'
{balarāma uvāca: } bhrātṛtvān marṣayāmy eṣa svasti te 'stu vrajāmy aham / kṛtyaṃ na me dvārakayā na tvayā na ca vṛṣṇibhiḥ // BrP_17.22 //
[Balarāma sprach:] 'Wegen unserer Bruderschaft verzeihe ich dies; wohl ergehe es dir – ich gehe fort. Ich habe nichts zu schaffen mit Dvārakā, nicht mit dir, und nicht mit den Vṛṣṇis.'
etasminn eva kāle tu babhrur matimatāṃ varaḥ / nānārūpān kratūn sarvān ājahāra nirargalān // BrP_17.24 //
Zu eben dieser Zeit aber vollzog Babhru, der beste der Weisen, alle möglichen Opferriten mannigfacher Art, ungehindert.
Wort für Wort
etasmin eva kāle tu
zu eben dieser Zeit aber
babhruḥ matimatām varaḥ
vollzog Babhru, der beste der Weisen
nānārūpān kratūn sarvān
alle möglichen Opferriten mannigfacher Art
ājahāra nirargalān
ungehindert
[Anm.: "Babhru" ist hier, wie durch den nächsten Vers ("gāndīputraḥ", Sohn der Gāndinī) bestätigt, ein weiterer Name des Akrūra – derselben Person, die in v.1-4 den Juwel von Śatadhanvan erhielt.]
Und Akrūra, der Stier unter den Männern, der mächtige, der zusammen mit seinem Verbündeten den schlafenden Satrājit erschlagen hatte, kam zusammen mit den Andhakas.
Wort für Wort
akrūraḥ ca andhakaiḥ sārdham
und Akrūra zusammen mit den Andhakas
āyātaḥ puruṣarṣabhaḥ
kam, der Stier unter den Männern
hatvā satrājitam suptam
nachdem er den schlafenden Satrājit erschlagen hatte
sahabandhum mahābalaḥ
zusammen mit dem Verbündeten, der mächtige
[?: "sahabandhum" (zusammen mit dem Verbündeten) bezieht sich vermutlich auf Śatadhanvan; genaue Beziehung im Text nicht expliziert.]
Und der weise Akrūra gab dem Vāsudeva, o beste der Weisen, um der [erneuerten] Zuneigung willen, das Mädchen, seine für ihren Charakter geachtete Nichte, [zur Frau].
Wort für Wort
kanyām ca vāsudevāya
und dem Vāsudeva das Mädchen
svasāram śīlasaṃmatām
seine für ihren Charakter geachtete Nichte
akrūraḥ pradadau dhīmān
gab der weise Akrūra
prītyartham munisattamāḥ
um der Zuneigung willen, o beste der Weisen
[?: "svasāram" hier wohl im Sinne von "Schwestertochter/Nichte" gemeint, da zuvor "kanyā" (Mädchen) steht; wörtlich mit Anmerkung übernommen.]
{śrīkṛṣṇa uvāca: } yat tad ratnaṃ maṇivaraṃ tava hastagataṃ vibho / tat prayaccha ca mānārha mayi mānāryakaṃ kṛthāḥ // BrP_17.36 //
[Śrī Kṛṣṇa sprach:] 'Jenes vortreffliche Juwel, das in deine Hand gelangt ist, o Mächtiger – dieses gib her, o Ehrwürdiger, und übe mir gegenüber keine Unwürdigkeit.'
Er, der Sohn der Gāndinī [Akrūra], erstrahlte, nachdem er das aus Kṛṣṇas Hand empfangene Juwel Syamantaka angelegt hatte, wie die strahlende Sonne.
Wort für Wort
sa kṛṣṇahastāt saṃprāptam
er, das aus Kṛṣṇas Hand empfangene
maṇiratnam syamantakam
Juwel Syamantaka
ābadhya gāndinīputraḥ
anlegend, der Sohn der Gāndinī
virarāja aṃśumān iva
erstrahlte er wie die strahlende Sonne
[Anm.: Dieser letzte Vers bestätigt endgültig, dass "Babhru" (v.24, 38-39) durchgehend ein Beiname des Akrūra ("Gāndinīputra", Sohn der Gāndinī) ist; das Juwel verbleibt somit dauerhaft bei Akrūra, nicht bei Satrājits Familie – ein für die Erzählung ungewöhnlicher, versöhnlicher Abschluss. Mit diesem Vers endet Kapitel 17; die Weisen im Naimiṣa-Wald preisen anschließend (BrP 18.1) die soeben gehörte Erzählung der Bhārata- und Königsgeschlechter.]