Quellen der Menschheit

Brahma-Purāṇa

Kapitel 49: indradyumnakṛtapuruṣottamastotravarṇanam Indradyumnas Lobpreis-Hymne an Puruṣottama

König Indradyumna preist den in ihm verborgenen Puruṣottama in einer langen Hymne (Stotra): Anrufung zahlreicher Namen und Formen Viṣṇus (Saṃkarṣaṇa, Aniruddha, Nārāyaṇa, Narasiṃha, Varāha u.a.), eine philosophische Passage über die letztendliche Nicht-Zweiheit (Advaita) Viṣṇus trotz seiner vielfältigen manifesten Gestalt, eine eindringliche Klage über die endlosen Leiden der Wiedergeburten im Saṃsāra, und ein Bekenntnis zur Notwendigkeit der Bhakti (Hingabe) für die Erlösung. Der Gott wird zufrieden und erfüllt seinen Wunsch. Die Hymne schließt mit einem Phala-śruti-Abschnitt über die Verdienste des Rezitierens (V.60-66) und einem abschließenden Set von fünf kunstvoller metrisierten Versen (V.67-71).

vāsudeva namas te 'stu namas te mokṣakāraṇa / trāhi māṃ sarvalokeśa janmasaṃsārasāgarāt //

O Vāsudeva, Verehrung sei dir, Verehrung dir, o Ursache der Erlösung! Errette mich, o Herr aller Welten, aus dem Ozean der Geburten-Existenz (Saṃsāra).

Wort für Wort
vāsudeva
o Vāsudeva
namaḥ te astu
Verehrung sei dir
namaḥ te
Verehrung dir
mokṣakāraṇa
o Ursache der Erlösung
trāhi
errette
mām
mich
sarvalokeśa
o Herr aller Welten
janmasaṃsārasāgarāt
aus dem Ozean der Geburten-Existenz

[Anm.: Kein expliziter Sprecher-Tag; der Vers setzt unmittelbar Indradyumnas in Kap.48 V.12 begonnenen Lobpreis ("saṃstotum upacakrame") fort - die gesamte folgende Hymne (bis V.59) ist somit vom König gesprochen.]

nirmalāmbarasaṃkāśa namas te puruṣottama / saṃkarṣaṇa namas te 'stu trāhi māṃ dharaṇīdhara //

O du, der gleich reinem Himmel strahlt, Verehrung dir, o Puruṣottama! O Saṃkarṣaṇa, Verehrung sei dir! Errette mich, o Träger der Erde.

Wort für Wort
nirmalāmbarasaṃkāśa
o du, gleich reinem Himmel (strahlend)
namaḥ te
Verehrung dir
puruṣottama
o Puruṣottama
saṃkarṣaṇa
o Saṃkarṣaṇa
namaḥ te astu
Verehrung sei dir
trāhi mām
errette mich
dharaṇīdhara
o Träger der Erde

namas te hemagarbhābha namas te makaradhvaja / ratikānta namas te 'stu trāhi māṃ saṃvarāntaka //

Verehrung dir, o du mit dem Glanz des goldenen Schoßes, Verehrung dir, o du mit dem Makara-Banner! O Geliebter der Rati, Verehrung sei dir! Errette mich, o Beender Saṃvaras.

Wort für Wort
namaḥ te
Verehrung dir
hemagarbhābha
o du mit dem Glanz des goldenen Schoßes
namaḥ te
Verehrung dir
makaradhvaja
o du mit dem Makara-Banner
ratikānta
o Geliebter der Rati
namaḥ te astu
Verehrung sei dir
trāhi mām
errette mich
saṃvarāntaka
o Beender Saṃvaras (Śambaras)

[Anm.: "makaradhvaja" (Makara-Banner) und "ratikānta" (Geliebter der Rati) sind eigentlich Beinamen Kāmas/Pradyumnas; "saṃvarāntaka" spielt auf den von Pradyumna getöteten Dämon Śambara an - hier offenbar auf eine Vyūha-Form Viṣṇus bezogen.]

namas te 'ñjanasaṃkāśa namas te bhaktavatsala / aniruddha namas te 'stu trāhi māṃ varado bhava //

Verehrung dir, o du gleich dunklem Augensalben-Glanz, Verehrung dir, o Liebevoller zu den Hingebungsvollen! O Aniruddha, Verehrung sei dir! Errette mich, sei der Gewährer von Gaben.

Wort für Wort
namaḥ te
Verehrung dir
añjanasaṃkāśa
o du gleich dunklem Augensalben-Glanz
namaḥ te
Verehrung dir
bhaktavatsala
o Liebevoller zu den Hingebungsvollen
aniruddha
o Aniruddha
namaḥ te astu
Verehrung sei dir
trāhi mām
errette mich
varadaḥ bhava
sei der Gewährer von Gaben

namas te vibudhāvāsa namas te vibudhapriya / nārāyaṇa namas te 'stu trāhi māṃ śaraṇāgatam //

Verehrung dir, o Wohnstatt der Weisen, Verehrung dir, o Liebling der Weisen! O Nārāyaṇa, Verehrung sei dir! Errette mich, den zu dir Zuflucht Genommenen.

Wort für Wort
namaḥ te
Verehrung dir
vibudhāvāsa
o Wohnstatt der Weisen
namaḥ te
Verehrung dir
vibudhapriya
o Liebling der Weisen
nārāyaṇa
o Nārāyaṇa
namaḥ te astu
Verehrung sei dir
trāhi mām
errette mich
śaraṇāgatam
den Zuflucht-Genommenen

namas te balināṃ śreṣṭha namas te lāṅgalāyudha / caturmukha jagaddhāma trāhi māṃ prapitāmaha //

Verehrung dir, o Bester der Starken, Verehrung dir, o du mit dem Pflug als Waffe! O Vierköpfiger, Stätte der Welt, errette mich, o Urgroßvater.

Wort für Wort
namaḥ te
Verehrung dir
balinām śreṣṭha
o Bester der Starken
namaḥ te
Verehrung dir
lāṅgalāyudha
o du mit dem Pflug als Waffe
caturmukha
o Vierköpfiger
jagaddhāma
o Stätte der Welt
trāhi mām
errette mich
prapitāmaha
o Urgroßvater

[Anm.: "lāṅgalāyudha" ist ein Beiname Balarāmas/Saṃkarṣaṇas; "caturmukha"/"prapitāmaha" (der Vierköpfige/Urgroßvater) sind eigentlich Beinamen Brahmās - hier innerhalb der an Viṣṇu gerichteten Litanei offenbar mitangerufen als eine seiner Emanationen.]

namas te nīlameghābha namas te tridaśārcita / trāhi viṣṇo jagannātha magnaṃ māṃ bhavasāgare //

Verehrung dir, o du gleich einer dunklen Wolke, Verehrung dir, o von den Dreißig (Göttern) Verehrter! Errette, o Viṣṇu, Herr der Welt, mich, der im Ozean des Werdens Versunkenen.

Wort für Wort
namaḥ te
Verehrung dir
nīlameghābha
o du gleich einer dunklen Wolke
namaḥ te
Verehrung dir
tridaśārcita
o von den Dreißig (Göttern) Verehrter
trāhi
errette
viṣṇo
o Viṣṇu
jagannātha
o Herr der Welt
magnam mām
mich, den Versunkenen
bhavasāgare
im Ozean des Werdens

pralayānalasaṃkāśa namas te ditijāntaka / narasiṃha mahāvīrya trāhi māṃ dīptalocana //

O du gleich dem Feuer der Weltzerstörung, Verehrung dir, o Beender der Diti-Söhne! O Narasiṃha von großer Kraft, errette mich, o du mit flammenden Augen.

Wort für Wort
pralayānalasaṃkāśa
o du gleich dem Feuer der Weltzerstörung
namaḥ te
Verehrung dir
ditijāntaka
o Beender der Diti-Söhne
narasiṃha
o Narasiṃha
mahāvīrya
von großer Kraft
trāhi mām
errette mich
dīptalocana
o du mit flammenden Augen

yathā rasātalād urvī tvayā daṃṣṭroddhṛtā purā / tathā mahāvarāhas tvaṃ trāhi māṃ duḥkhasāgarāt //

Wie einst die Erde von dir mit dem Stoßzahn aus der Unterwelt emporgehoben wurde, so errette du, der große Eber, mich aus dem Ozean des Leids.

Wort für Wort
yathā
wie
rasātalāt
aus der Unterwelt
urvī
die Erde
tvayā
von dir
daṃṣṭroddhṛtā
mit dem Stoßzahn emporgehoben
purā
einst
tathā
so
mahāvarāhaḥ tvam
du, der große Eber
trāhi mām
errette mich
duḥkhasāgarāt
aus dem Ozean des Leids

tavaitā mūrtayaḥ kṛṣṇa varadāḥ saṃstutā mayā / taveme baladevādyāḥ pṛthagrūpeṇa saṃsthitāḥ //

Dies sind deine gabengewährenden Gestalten, o Kṛṣṇa, von mir gepriesen; dies sind die deinigen, angeführt von Baladeva, die in gesonderter Form bestehen,

Wort für Wort
tava
deine
etāḥ
diese
mūrtayaḥ
Gestalten
kṛṣṇa
o Kṛṣṇa
varadāḥ
gabengewährende
saṃstutāḥ
gepriesen
mayā
von mir
tava
deine
ime
diese
baladevādyāḥ
angeführt von Baladeva
pṛthagrūpeṇa
in gesonderter Form
saṃsthitāḥ
bestehend

aṅgāni tava deveśa garutmādyās tathā prabho / dikpālāḥ sāyudhāś caiva keśavādyās tathācyuta //

deine Glieder, o Herr der Götter, ebenso die von Garuḍa angeführten, o Herr, die Weltenhüter samt ihren Waffen, und ebenso die von Keśava angeführten Formen, o Unfehlbarer,

Wort für Wort
aṅgāni
Glieder
tava
deine
deveśa
o Herr der Götter
garutmādyāḥ
die von Garuḍa Angeführten
tathā
ebenso
prabho
o Herr
dikpālāḥ
die Weltenhüter
sa-āyudhāḥ
samt Waffen
ca eva
und auch
keśavādyāḥ
die von Keśava Angeführten
tathā
ebenso
acyuta
o Unfehlbarer

ye cānye tava deveśa bhedāḥ proktā manīṣibhiḥ / te 'pi sarve jagannātha prasannāyatalocana //

und welche anderen Unterscheidungen (Formen) von dir, o Herr der Götter, von den Weisen genannt werden, auch diese alle, o Herr der Welt, o du mit heiteren, weiten Augen,

Wort für Wort
ye ca anye
und welche anderen
tava
deine
deveśa
o Herr der Götter
bhedāḥ
Unterscheidungen/Formen
proktāḥ
genannt
manīṣibhiḥ
von den Weisen
te api sarve
auch diese alle
jagannātha
o Herr der Welt
prasannāyatalocana
o du mit heiteren, weiten Augen

mayārcitāḥ stutāḥ sarve tathā yūyaṃ namaskṛtāḥ / prayacchata varaṃ mahyaṃ dharmakāmārthamokṣadam //

von mir alle verehrt, gepriesen, und so seid ihr alle verneigt - gewährt mir die Gabe, die Recht, Genuss, Gewinn und Erlösung gibt.

Wort für Wort
mayā
von mir
arcitāḥ
verehrt
stutāḥ
gepriesen
sarve
alle
tathā
so
yūyam
ihr
namaskṛtāḥ
verneigt
prayacchata
gewährt
varam
die Gabe
mahyam
mir
dharmakāmārthamokṣadam
die Recht, Genuss, Gewinn und Erlösung gibt

bhedās te kīrtitā ye tu hare saṃkarṣaṇādayaḥ / tava pūjārthasaṃbhūtās tatas tvayi samāśritāḥ //

Die Unterscheidungen von dir, die genannt wurden, o Hari - Saṃkarṣaṇa und die anderen - sie sind zum Zweck deiner Verehrung entstanden und daher in dir gegründet.

Wort für Wort
bhedāḥ
die Unterscheidungen
te
von dir
kīrtitāḥ
genannt
ye tu
welche aber
hare
o Hari
saṃkarṣaṇādayaḥ
Saṃkarṣaṇa und die anderen
tava pūjārthasaṃbhūtāḥ
zum Zweck deiner Verehrung entstanden
tataḥ
daher
tvayi
in dir
samāśritāḥ
aufgehend/gegründet

na bhedas tava deveśa vidyate paramārthataḥ / vividhaṃ tava yad rūpam uktaṃ tad upacārataḥ //

Es gibt keine Unterscheidung in dir, o Herr der Götter, im höchsten Sinne; dass deine Gestalt vielfältig genannt wird, das geschieht nur übertragen (bildlich).

Wort für Wort
na bhedaḥ
keine Unterscheidung
tava
in dir
deveśa
o Herr der Götter
vidyate
es gibt
paramārthataḥ
im höchsten Sinne
vividham
vielfältig
tava
deine
yat rūpam
welche Gestalt
uktam
genannt
tat
das
upacārataḥ
übertragen/bildlich

advaitaṃ tvāṃ kathaṃ dvaitaṃ vaktuṃ śaknoti mānavaḥ / ekas tvaṃ hi hare vyāpī citsvabhāvo nirañjanaḥ //

Wie kann ein Mensch dich, den Nicht-Zweiten, als zweifach bezeichnen? Denn du bist der Eine, o Hari, alldurchdringend, von der Wesensnatur des Bewusstseins, makellos.

Wort für Wort
advaitam
den Nicht-Zweiten
tvām
dich
katham
wie
dvaitam
als zweifach
vaktum
zu bezeichnen
śaknoti
er kann
mānavaḥ
ein Mensch
ekaḥ tvam
du bist der Eine
hi
denn
hare
o Hari
vyāpī
alldurchdringend
citsvabhāvaḥ
von der Wesensnatur des Bewusstseins
nirañjanaḥ
makellos

paramaṃ tava yad rūpaṃ bhāvābhāvavivarjitam / nirlepaṃ nirguṇaṃ śreṣṭhaṃ kūṭastham acalaṃ dhruvam //

Deine höchste Gestalt, die frei ist von Sein und Nicht-Sein, unbefleckt, eigenschaftslos, die vortrefflichste, unveränderlich, unbeweglich, feststehend,

Wort für Wort
paramam
höchste
tava
deine
yat rūpam
welche Gestalt
bhāvābhāvavivarjitam
frei von Sein und Nicht-Sein
nirlepam
unbefleckt
nirguṇam
eigenschaftslos
śreṣṭham
die vortrefflichste
kūṭastham
unveränderlich
acalam
unbeweglich
dhruvam
feststehend

sarvopādhivinirmuktaṃ sattāmātravyavasthitam / tad devāś ca na jānanti kathaṃ jānāmy ahaṃ prabho //

frei von allen Begrenzungsadjunkten, nur in reinem Sein bestehend - diese kennen nicht einmal die Götter; wie sollte ich sie kennen, o Herr?

Wort für Wort
sarvopādhivinirmuktam
frei von allen Begrenzungsadjunkten
sattāmātravyavasthitam
nur in reinem Sein bestehend
tat
dies
devāḥ ca na jānanti
selbst die Götter kennen nicht
katham
wie
jānāmi aham
kenne ich
prabho
o Herr

aparaṃ tava yad rūpaṃ pītavastraṃ caturbhujam / śaṅkhacakragadāpāṇi- mukuṭāṅgadadhāriṇam //

deine niedere (manifeste) Gestalt aber, gelbgewandet, vierarmig, mit Muschelhorn, Diskus und Keule in der Hand, Krone und Armreifen tragend,

Wort für Wort
aparam
die niedere/andere
tava
deine
yat rūpam
welche Gestalt
pītavastram
gelbgewandet
caturbhujam
vierarmig
śaṅkhacakragadāpāṇim
mit Muschelhorn, Diskus (und) Keule in der Hand
mukuṭāṅgadadhāriṇam
Krone und Armreifen tragend

śrīvatsoraskasaṃyuktaṃ vanamālāvibhūṣitam / tad arcayanti vibudhā ye cānye tava saṃśrayāḥ //

versehen mit dem Śrīvatsa-Zeichen auf der Brust, mit der Waldblumengirlande geschmückt - diese verehren die Weisen (Götter) und die anderen, die bei dir Zuflucht suchen.

Wort für Wort
śrīvatsoraskasaṃyuktam
versehen mit dem Śrīvatsa-Zeichen auf der Brust
vanamālāvibhūṣitam
mit der Waldblumengirlande geschmückt
tat
diese
arcayanti
sie verehren
vibudhāḥ
die Weisen (Götter)
ye ca anye
und die anderen
tava saṃśrayāḥ
die bei dir Zuflucht Suchenden

devadeva suraśreṣṭha bhaktānām abhayaprada / trāhi māṃ padmapattrākṣa magnaṃ viṣayasāgare //

O Gott der Götter, Bester der Götter, Gewährer der Furchtlosigkeit für die Hingebungsvollen, errette mich, o du mit Augen wie Lotosblätter, den im Ozean der Sinnesobjekte Versunkenen.

Wort für Wort
devadeva
o Gott der Götter
suraśreṣṭha
o Bester der Götter
bhaktānām abhayaprada
o Gewährer der Furchtlosigkeit für die Hingebungsvollen
trāhi mām
errette mich
padmapattrākṣa
o du mit Augen wie Lotosblätter
magnam
den Versunkenen
viṣayasāgare
im Ozean der Sinnesobjekte

nānyaṃ paśyāmi lokeśa yasyāhaṃ śaraṇaṃ vraje / tvām ṛte kamalākānta prasīda madhusūdana //

Ich sehe keinen anderen, o Herr der Welt, zu dessen Zuflucht ich gehen könnte, außer dir, o Geliebter der Lotos(göttin); sei gnädig, o Töter Madhus.

Wort für Wort
na anyam paśyāmi
ich sehe keinen anderen
lokeśa
o Herr der Welt
yasya
zu dessen
aham
ich
śaraṇam vraje
Zuflucht gehen könnte
tvām ṛte
außer dir
kamalākānta
o Geliebter der Lotos(göttin)
prasīda
sei gnädig
madhusūdana
o Töter Madhus

jarāvyādhiśatair yukto nānāduḥkhair nipīḍitaḥ / harṣaśokānvito mūḍhaḥ karmapāśaiḥ suyantritaḥ //

Verbunden mit Hunderten von Altersgebrechen und Krankheiten, gequält von mancherlei Leiden, von Freude und Kummer begleitet, verblendet, fest gebunden durch die Fesseln der Taten,

Wort für Wort
jarāvyādhiśataiḥ
mit Hunderten von Altersgebrechen und Krankheiten
yuktaḥ
verbunden
nānāduḥkhaiḥ
von mancherlei Leiden
nipīḍitaḥ
gequält
harṣaśokānvitaḥ
von Freude und Kummer begleitet
mūḍhaḥ
verblendet
karmapāśaiḥ
durch die Fesseln der Taten
suyantritaḥ
fest gebunden

patito 'haṃ mahāraudre ghore saṃsārasāgare / viṣamodakaduṣpāre rāgadveṣajhaṣākule //

bin ich gefallen in den höchst schrecklichen, furchtbaren Ozean des Saṃsāra, dessen Wasser widrig ist und der schwer zu überqueren ist, voll von den Fischen der Leidenschaft und des Hasses,

Wort für Wort
patitaḥ aham
gefallen bin ich
mahāraudre
in den höchst schrecklichen
ghore
furchtbaren
saṃsārasāgare
Ozean des Saṃsāra
viṣamodakaduṣpāre
dessen Wasser widrig und der schwer zu überqueren ist
rāgadveṣajhaṣākule
voll von den Fischen der Leidenschaft und des Hasses

indriyāvartagambhīre tṛṣṇāśokormisaṃkule / nirāśraye nirālambe niḥsāre 'tyantacañcale //

tief von den Strudeln der Sinne, voll von den Wellen des Verlangens und Kummers, ohne Zuflucht, ohne Halt, ohne Substanz, äußerst unbeständig,

Wort für Wort
indriyāvartagambhīre
tief von den Strudeln der Sinne
tṛṣṇāśokormisaṃkule
voll von den Wellen des Verlangens und Kummers
nirāśraye
ohne Zuflucht
nirālambe
ohne Halt
niḥsāre
ohne Substanz
atyantacañcale
äußerst unbeständig

māyayā mohitas tatra bhramāmi suciraṃ prabho / nānājātisahasreṣu jāyamānaḥ punaḥ punaḥ //

in diesem Ozean irre ich, durch die Māyā verblendet, seit sehr langer Zeit umher, o Herr, immer wieder geboren in Tausenden von verschiedenen Geburtsarten,

Wort für Wort
māyayā
durch die Māyā
mohitaḥ
verblendet
tatra
dort
bhramāmi
ich irre umher
suciram
seit sehr langer Zeit
prabho
o Herr
nānājātisahasreṣu
in Tausenden von verschiedenen Geburtsarten
jāyamānaḥ
geboren werdend
punaḥ punaḥ
immer wieder

mayā janmāny anekāni sahasrāṇy ayutāni ca / vividhāny anubhūtāni saṃsāre 'smiñ janārdana //

Von mir wurden viele Geburten, Tausende und Zehntausende, mancherlei, erfahren in diesem Saṃsāra, o Janārdana.

Wort für Wort
mayā
von mir
janmāni
Geburten
anekāni
viele
sahasrāṇi
Tausende
ayutāni
Zehntausende
ca
und
vividhāni
mancherlei
anubhūtāni
erfahren
saṃsāre asmin
in diesem Saṃsāra
janārdana
o Janārdana

vedāḥ sāṅgā mayādhītāḥ śāstrāṇi vividhāni ca / itihāsapurāṇāni tathā śilpāny anekaśaḥ //

Die Veden mit ihren Zusatzwissenschaften wurden von mir studiert, und mancherlei Lehrbücher, Itihāsas und Purāṇas, und ebenso vielfach die Künste,

Wort für Wort
vedāḥ sāṅgāḥ
die Veden mit ihren Zusatzwissenschaften
mayā adhītāḥ
von mir studiert
śāstrāṇi
Lehrbücher
vividhāni
mancherlei
ca
und
itihāsapurāṇāni
Itihāsas und Purāṇas
tathā
ebenso
śilpāni
Künste/Handwerke
anekaśaḥ
vielfach

asaṃtoṣāś ca saṃtoṣāḥ saṃcayāpacayā vyayāḥ / mayā prāptā jagannātha kṣayavṛddhyakṣayetarāḥ //

Unzufriedenheit und Zufriedenheit, Anhäufung, Verminderung und Ausgaben, Verlust, Zunahme und deren Gegenteil - all das wurde von mir erlangt, o Herr der Welt,

Wort für Wort
asaṃtoṣāḥ
Unzufriedenheiten
ca
und
saṃtoṣāḥ
Zufriedenheiten
saṃcayāpacayāḥ
Anhäufungen (und) Verminderungen
vyayāḥ
Ausgaben
mayā
von mir
prāptāḥ
erlangt
jagannātha
o Herr der Welt
kṣayavṛddhyakṣayetarāḥ
Verlust, Zunahme und deren Gegenteil

bhāryārimitrabandhūnāṃ viyogāḥ saṃgamās tathā / pitaro vividhā dṛṣṭā mātaraś ca tathā mayā //

Trennungen und ebenso Vereinigungen mit Ehefrauen, Feinden, Freunden und Verwandten; mancherlei Väter wurden von mir gesehen und ebenso Mütter,

Wort für Wort
bhāryārimitrabandhūnām
von Ehefrauen, Feinden, Freunden und Verwandten
viyogāḥ
Trennungen
saṃgamāḥ
Vereinigungen
tathā
ebenso
pitaraḥ
Väter
vividhāḥ
mancherlei
dṛṣṭāḥ
gesehen
mātaraḥ
Mütter
ca
und
tathā
ebenso
mayā
von mir

duḥkhāni cānubhūtāni yāni saukhyāny anekaśaḥ / prāptāś ca bāndhavāḥ putrā bhrātaro jñātayas tathā //

und Leiden wurden erfahren, und vielfache Freuden; und Verwandte, Söhne, Brüder und ebenso Angehörige wurden erlangt,

Wort für Wort
duḥkhāni
Leiden
ca
und
anubhūtāni
erfahren
yāni saukhyāni
welche Freuden
anekaśaḥ
vielfach
prāptāḥ
erlangt
ca
und
bāndhavāḥ
Verwandte
putrāḥ
Söhne
bhrātaraḥ
Brüder
jñātayaḥ
Angehörige
tathā
ebenso

mayoṣitaṃ tathā strīṇāṃ koṣṭhe viṇmūtrapicchale / garbhavāse mahāduḥkham anubhūtaṃ tathā prabho //

von mir wurde ebenso im Schoß von Frauen gewohnt, in dem von Kot und Urin schlüpfrigen Ort, großes Leid wurde ebenso im Mutterleib-Aufenthalt erfahren, o Herr,

Wort für Wort
mayā
von mir
uṣitam
gewohnt
tathā
ebenso
strīṇām
von Frauen
koṣṭhe
im Schoß
viṇmūtrapicchale
dem von Kot und Urin schlüpfrigen (Ort)
garbhavāse
im Mutterleib-Aufenthalt
mahāduḥkham
großes Leid
anubhūtam
erfahren
tathā
ebenso
prabho
o Herr

duḥkhāni yāny anekāni bālyayauvanagocare / vārdhake ca hṛṣīkeśa tāni prāptāni vai mayā //

welche vielen Leiden im Bereich von Kindheit und Jugend und im Greisenalter, o Hṛṣīkeśa, diese wurden wahrlich von mir erlangt,

Wort für Wort
duḥkhāni
Leiden
yāni anekāni
welche vielen
bālyayauvanagocare
im Bereich von Kindheit und Jugend
vārdhake
im Greisenalter
ca
und
hṛṣīkeśa
o Hṛṣīkeśa
tāni
diese
prāptāni
erlangt
vai
wahrlich
mayā
von mir

maraṇe yāni duḥkhāni yamamārge yamālaye / mayā tāny anubhūtāni narake yātanās tathā //

welche Leiden im Tod, auf dem Weg Yamas, in Yamas Wohnstatt - diese wurden von mir erfahren, und ebenso die Qualen in der Hölle,

Wort für Wort
maraṇe
im Tod
yāni duḥkhāni
welche Leiden
yamamārge
auf dem Weg Yamas
yamālaye
in Yamas Wohnstatt
mayā
von mir
tāni
diese
anubhūtāni
erfahren
narake
in der Hölle
yātanāḥ
Qualen
tathā
ebenso

kṛmikīṭadrumāṇāṃ ca hastyaśvamṛgapakṣiṇām / mahiṣoṣṭragavāṃ caiva tathānyeṣāṃ vanaukasām //

unter Würmern, Insekten und Bäumen, unter Elefanten, Pferden, Wildtieren und Vögeln, unter Büffeln, Kamelen und Rindern, und ebenso unter anderen Waldbewohnern,

Wort für Wort
kṛmikīṭadrumāṇām
von Würmern, Insekten und Bäumen
ca
und
hastyaśvamṛgapakṣiṇām
von Elefanten, Pferden, Wildtieren und Vögeln
mahiṣoṣṭragavām
von Büffeln, Kamelen und Rindern
ca eva
und auch
tathā
ebenso
anyeṣām
von anderen
vanaukasām
Waldbewohnern

dvijātīnāṃ ca sarveṣāṃ śūdrāṇāṃ caiva yoniṣu / dhanināṃ kṣatriyāṇāṃ ca daridrāṇāṃ tapasvinām //

und unter allen Zweifachgeborenen und ebenso den Śūdras, in den Mutterschößen der Reichen und Kṣatriyas, der Armen, der Asketen,

Wort für Wort
dvijātīnām
der Zweifachgeborenen
ca sarveṣām
und aller
śūdrāṇām
der Śūdras
ca eva
und auch
yoniṣu
in den Mutterschößen
dhaninām
der Reichen
kṣatriyāṇām
der Kṣatriyas
ca
und
daridrāṇām
der Armen
tapasvinām
der Asketen

nṛpāṇāṃ nṛpabhṛtyānāṃ tathānyeṣāṃ ca dehinām / gṛheṣu teṣām utpanno deva cāhaṃ punaḥ punaḥ //

der Könige, der Königsdiener, und ebenso anderer verkörperter Wesen - in deren Häusern wurde ich, o Gott, immer wieder geboren,

Wort für Wort
nṛpāṇām
der Könige
nṛpabhṛtyānām
der Königsdiener
tathā
ebenso
anyeṣām
anderer
ca
und
dehinām
verkörperter Wesen
gṛheṣu
in den Häusern
teṣām
von diesen
utpannaḥ
geboren
deva
o Gott
ca aham
und ich
punaḥ punaḥ
immer wieder

gato 'smi dāsatāṃ nātha bhṛtyānāṃ bahuśo nṛṇām / daridratvaṃ ceśvaratvaṃ svāmitvaṃ ca tathā gataḥ //

ich bin vielfach in die Dienerschaft von Dienern der Menschen geraten, o Herr, und ebenso bin ich in Armut, in Herrschaft und in Herrenstellung geraten,

Wort für Wort
gataḥ asmi
ich bin geraten
dāsatām
in die Dienerschaft
nātha
o Herr
bhṛtyānām
von Dienern
bahuśaḥ
vielfach
nṛṇām
der Menschen
daridratvam
Armut
ca
und
īśvaratvam
Herrschaft
svāmitvam
Herrenstellung
ca
und
tathā
ebenso
gataḥ
geraten

hato mayā hatāś cānye ghātito ghātitās tathā / dattaṃ mamānyair anyebhyo mayā dattam anekaśaḥ //

getötet wurde von mir, und andere wurden getötet, veranlasst zu töten, und ebenso wurde ich veranlasst zu töten; mir wurde von anderen gegeben, und anderen wurde von mir vielfach gegeben,

Wort für Wort
hataḥ
getötet
mayā
von mir
hatāḥ
getötet
ca anye
und andere
ghātitaḥ
veranlasst zu töten
ghātitāḥ
veranlasst zu töten
tathā
ebenso
dattam
gegeben
mama
mir
anyaiḥ
von anderen
anyebhyaḥ
anderen
mayā
von mir
dattam
gegeben
anekaśaḥ
vielfach

pitṛmātṛsuhṛdbhrātṛ- kalatrāṇāṃ kṛtena ca / dhanināṃ śrotriyāṇāṃ ca daridrāṇāṃ tapasvinām //

und durch das Tun von Vätern, Müttern, Freunden, Brüdern und Ehefrauen, von Reichen und Vedakundigen, von Armen und Asketen,

Wort für Wort
pitṛmātṛsuhṛdbhrātṛkalatrāṇām
von Vätern, Müttern, Freunden, Brüdern und Ehefrauen
kṛtena
durch das Tun
ca
und
dhaninām
der Reichen
śrotriyāṇām
der Vedakundigen
ca
und
daridrāṇām
der Armen
tapasvinām
der Asketen

uktaṃ dainyaṃ ca vividhaṃ tyaktvā lajjāṃ janārdana / devatiryaṅmanuṣyeṣu sthāvareṣu careṣu ca //

wurde mancherlei Elend geäußert, nachdem die Scham abgelegt war, o Janārdana, unter Göttern, Tieren und Menschen, unter unbeweglichen und beweglichen Wesen,

Wort für Wort
uktam
geäußert
dainyam
Elend
ca
und
vividham
mancherlei
tyaktvā
nachdem abgelegt war
lajjām
die Scham
janārdana
o Janārdana
devatiryaṅmanuṣyeṣu
unter Göttern, Tieren und Menschen
sthāvareṣu
unter unbeweglichen
careṣu
unter beweglichen
ca
und

na vidyate tathā sthānaṃ yatrāhaṃ na gataḥ prabho / kadā me narake vāsaḥ kadā svarge jagatpate //

Es gibt keinen Ort, o Herr, wohin ich nicht gegangen wäre; einmal war mein Aufenthalt in der Hölle, einmal im Himmel, o Herr der Welt,

Wort für Wort
na vidyate
es gibt nicht
tathā
so
sthānam
einen Ort
yatra aham
wohin ich
na gataḥ
nicht gegangen
prabho
o Herr
kadā
einmal
me
mein
narake
in der Hölle
vāsaḥ
Aufenthalt
kadā
einmal
svarge
im Himmel
jagatpate
o Herr der Welt

kadā manuṣyalokeṣu kadā tiryaggateṣu ca / jalayantre yathā cakre ghaṭī rajjunibandhanā //

einmal in den Menschenwelten, einmal unter Tierwesen; wie an einem Wasserschöpfrad der mit einem Seil befestigte Wasserkrug

Wort für Wort
kadā
einmal
manuṣyalokeṣu
in den Menschenwelten
kadā
einmal
tiryaggateṣu
unter Tierwesen
ca
und
jalayantre
am Wasserschöpfgerät
yathā
wie
cakre
am Rad
ghaṭī
der Wasserkrug
rajjunibandhanā
mit einem Seil befestigt

yāti cordhvam adhaś caiva kadā madhye ca tiṣṭhati / tathā cāhaṃ suraśreṣṭha karmarajjusamāvṛtaḥ //

bald nach oben, bald nach unten geht, und manchmal in der Mitte steht - so bin auch ich, o Bester der Götter, umschlungen vom Seil der Taten,

Wort für Wort
yāti
er geht
ca ūrdhvam
und nach oben
adhaḥ
nach unten
ca eva
und auch
kadā
manchmal
madhye
in der Mitte
ca tiṣṭhati
und er steht
tathā
so
ca aham
und ich
suraśreṣṭha
o Bester der Götter
karmarajjusamāvṛtaḥ
umschlungen vom Seil der Taten

adhaś cordhvaṃ tathā madhye bhraman gacchāmi yogataḥ / evaṃ saṃsāracakre 'smin bhairave romaharṣaṇe //

bald nach unten, bald nach oben, ebenso in der Mitte umherirrend, gehe ich, entsprechend meiner Verbindung mit den Taten; so in diesem furchtbaren, haarsträubenden Rad des Saṃsāra

Wort für Wort
adhaḥ
nach unten
ca ūrdhvam
und nach oben
tathā madhye
ebenso in der Mitte
bhraman
umherirrend
gacchāmi
ich gehe
yogataḥ
entsprechend der Verbindung
evam
so
saṃsāracakre asmin
in diesem Rad des Saṃsāra
bhairave
furchtbaren
romaharṣaṇe
haarsträubenden

bhramāmi suciraṃ kālaṃ nāntaṃ paśyāmi karhicit / na jāne kiṃ karomy adya hare vyākulitendriyaḥ //

irre ich seit sehr langer Zeit umher, ich sehe niemals ein Ende; ich weiß nicht, was ich jetzt tun soll, o Hari, mit verwirrten Sinnen,

Wort für Wort
bhramāmi
ich irre umher
suciram kālam
seit sehr langer Zeit
na antam
kein Ende
paśyāmi
ich sehe
karhicit
jemals
na jāne
ich weiß nicht
kim
was
karomi
ich tue
adya
jetzt
hare
o Hari
vyākulitendriyaḥ
mit verwirrten Sinnen

śokatṛṣṇābhibhūto 'haṃ kāṃdiśīko vicetanaḥ / idānīṃ tvām ahaṃ deva vihvalaḥ śaraṇaṃ gataḥ //

von Kummer und Verlangen überwältigt, richtungslos, besinnungslos - jetzt bin ich, o Gott, verzweifelt zu dir Zuflucht genommen.

Wort für Wort
śokatṛṣṇābhibhūtaḥ
von Kummer und Verlangen überwältigt
aham
ich
kāṃdiśīkaḥ
richtungslos
vicetanaḥ
besinnungslos
idānīm
jetzt
tvām
zu dir
aham
ich
deva
o Gott
vihvalaḥ
verzweifelt
śaraṇam gataḥ
Zuflucht genommen

trāhi māṃ duḥkhitaṃ kṛṣṇa magnaṃ saṃsārasāgare / kṛpāṃ kuru jagannātha bhaktaṃ māṃ yadi manyase //

Errette mich, den Leidenden, o Kṛṣṇa, den im Ozean des Saṃsāra Versunkenen; erweise Mitleid, o Herr der Welt, wenn du mich als hingebungsvoll ansiehst.

Wort für Wort
trāhi mām
errette mich
duḥkhitam
den Leidenden
kṛṣṇa
o Kṛṣṇa
magnam
den Versunkenen
saṃsārasāgare
im Ozean des Saṃsāra
kṛpām kuru
erweise Mitleid
jagannātha
o Herr der Welt
bhaktam mām
mich als hingebungsvoll
yadi manyase
wenn du ansiehst

tvadṛte nāsti me bandhur yo 'sau cintāṃ kariṣyati / deva tvāṃ nātham āsādya na bhayaṃ me 'sti kutracit //

Außer dir habe ich keinen Verwandten, der sich um mich sorgen würde; nachdem ich dich, o Gott, als Herrn erlangt habe, habe ich nirgendwo Furcht,

Wort für Wort
tvat ṛte
außer dir
na asti
es gibt nicht
me
mein
bandhuḥ
Verwandter
yaḥ asau
der
cintām kariṣyati
sich sorgen würde
deva
o Gott
tvām
dich
nātham
als Herrn
āsādya
nachdem erlangt
na bhayam
keine Furcht
me
mir
asti
es gibt
kutracit
irgendwo

jīvite maraṇe caiva yogakṣeme 'thavā prabho / ye tu tvāṃ vidhivad deva nārcayanti narādhamāḥ //

weder im Leben noch im Tod, noch im Erwerb und Erhalt, o Herr. Diejenigen niedrigsten Menschen aber, o Gott, die dich nicht vorschriftsmäßig verehren,

Wort für Wort
jīvite
im Leben
maraṇe
im Tod
ca eva
und auch
yogakṣeme
im Erwerb und Erhalt
athavā
oder
prabho
o Herr
ye tu
welche aber
tvām
dich
vidhivat
vorschriftsmäßig
deva
o Gott
na arcayanti
sie verehren nicht
narādhamāḥ
die niedrigsten Menschen

sugatis tu kathaṃ teṣāṃ bhavet saṃsārabandhanāt / kiṃ teṣāṃ kulaśīlena vidyayā jīvitena ca //

wie sollte für diese ein guter Weg aus der Fessel des Saṃsāra möglich sein? Was nützt ihnen edle Herkunft und Charakter, Wissen und Leben,

Wort für Wort
sugatiḥ
guter Weg/Erlösung
tu
aber
katham
wie
teṣām
für diese
bhavet
sollte sein
saṃsārabandhanāt
aus der Fessel des Saṃsāra
kim
was
teṣām
ihnen
kulaśīlena
durch edle Herkunft und Charakter
vidyayā
durch Wissen
jīvitena
durch Leben
ca
und

yeṣāṃ na jāyate bhaktir jagaddhātari keśave / prakṛtiṃ tv āsurīṃ prāpya ye tvāṃ nindanti mohitāḥ //

denen keine Hingabe zu Keśava, dem Träger der Welt, entsteht? Diejenigen, die, nachdem sie die dämonische Natur erlangt haben, dich verblendet schmähen,

Wort für Wort
yeṣām
denen
na jāyate
es entsteht nicht
bhaktiḥ
Hingabe
jagaddhātari
zum Träger der Welt
keśave
zu Keśava
prakṛtim
Natur
tu āsurīm
aber die dämonische
prāpya
nachdem erlangt
ye
die
tvām
dich
nindanti
sie schmähen
mohitāḥ
verblendet

patanti narake ghore jāyamānāḥ punaḥ punaḥ / na teṣāṃ niṣkṛtis tasmād vidyate narakārṇavāt //

fallen in die schreckliche Hölle, immer wieder geboren werdend; für sie gibt es keine Befreiung aus diesem Höllenmeer,

Wort für Wort
patanti
sie fallen
narake ghore
in die schreckliche Hölle
jāyamānāḥ
geboren werdend
punaḥ punaḥ
immer wieder
na teṣām
für sie nicht
niṣkṛtiḥ
Befreiung
tasmāt
deshalb/daher
vidyate
es gibt
narakārṇavāt
aus dem Höllenmeer

ye dūṣayanti durvṛttās tvāṃ deva puruṣādhamāḥ / yatra yatra bhavej janma mama karmanibandhanāt //

die üblen niedrigsten Menschen, die dich, o Gott, verunglimpfen. Wo immer für mich eine Geburt entstehen mag, infolge der Fessel meiner Taten,

Wort für Wort
ye
die
dūṣayanti
sie verunglimpfen
durvṛttāḥ
üblen
tvām
dich
deva
o Gott
puruṣādhamāḥ
die niedrigsten Menschen
yatra yatra
wo immer
bhavet
mag entstehen
janma
Geburt
mama
für mich
karmanibandhanāt
infolge der Fessel der Taten

tatra tatra hare bhaktis tvayi cāstu dṛḍhā sadā / ārādhya tvāṃ surā daityā narāś cānye 'pi saṃyatāḥ //

dort und dort möge stets feste Hingabe zu dir, o Hari, sein. Nachdem sie dich verehrt haben, haben Götter, Daityas und andere Menschen, die sich beherrschten,

Wort für Wort
tatra tatra
dort und dort
hare
o Hari
bhaktiḥ
Hingabe
tvayi
zu dir
ca astu
und sie möge sein
dṛḍhā
fest
sadā
stets
ārādhya
nachdem verehrt
tvām
dich
surāḥ
die Götter
daityāḥ
die Daityas
narāḥ
die Menschen
ca anye api
und auch andere
saṃyatāḥ
die sich beherrschten

avāpuḥ paramāṃ siddhiṃ kas tvāṃ deva na pūjayet / na śaknuvanti brahmādyāḥ stotuṃ tvāṃ tridaśā hare //

höchste Vollendung erlangt. Wer sollte dich, o Gott, nicht verehren? Nicht einmal Brahmā und die anderen Götter vermögen dich zu preisen, o Hari,

Wort für Wort
avāpuḥ
sie erlangten
paramām siddhim
höchste Vollendung
kaḥ
wer
tvām
dich
deva
o Gott
na pūjayet
sollte nicht verehren
na śaknuvanti
sie vermögen nicht
brahmādyāḥ
Brahmā und die anderen
stotum
zu preisen
tvām
dich
tridaśāḥ
die Götter
hare
o Hari

kathaṃ mānuṣabuddhyāhaṃ staumi tvāṃ prakṛteḥ param / tathā cājñānabhāvena saṃstuto 'si mayā prabho //

wie könnte ich mit menschlichem Verstand dich preisen, der du jenseits der Materie bist? Und so bist du von mir aus Unwissenheit gepriesen worden, o Herr;

Wort für Wort
katham
wie
mānuṣabuddhyā
mit menschlichem Verstand
aham
ich
staumi
ich preise
tvām
dich
prakṛteḥ param
jenseits der Materie
tathā
so
ca
und
ajñānabhāvena
aus dem Zustand der Unwissenheit
saṃstutaḥ asi
du bist gepriesen worden
mayā
von mir
prabho
o Herr

tat kṣamasvāparādhaṃ me yadi te 'sti dayā mayi / kṛtāparādhe 'pi hare kṣamāṃ kurvanti sādhavaḥ //

vergib deshalb mein Vergehen, wenn du Mitleid mit mir hast; auch gegenüber dem, der ein Vergehen begangen hat, üben die Guten Vergebung, o Hari.

Wort für Wort
tat
deshalb
kṣamasva
vergib
aparādham
Vergehen
me
mein
yadi
wenn
te
dein
asti
es gibt
dayā
Mitleid
mayi
für mich
kṛtāparādhe api
auch gegenüber dem, der ein Vergehen begangen hat
hare
o Hari
kṣamām
Vergebung
kurvanti
sie üben
sādhavaḥ
die Guten

tasmāt prasīda deveśa bhaktasnehaṃ samāśritaḥ / stuto 'si yan mayā deva bhaktibhāvena cetasā / sāṅgaṃ bhavatu tat sarvaṃ vāsudeva namo 'stu te //

Deshalb sei gnädig, o Herr der Götter, der du Zuneigung zu den Hingebungsvollen hegst; was ich dich, o Gott, mit hingebungsvollem Sinn gepriesen habe - all das möge vollständig sein. Verehrung sei dir, o Vāsudeva.

Wort für Wort
tasmāt
deshalb
prasīda
sei gnädig
deveśa
o Herr der Götter
bhaktasneham
Zuneigung zu den Hingebungsvollen
samāśritaḥ
hegend
stutaḥ asi
du bist gepriesen worden
yat
was
mayā
von mir
deva
o Gott
bhaktibhāvena cetasā
mit hingebungsvollem Sinn
sāṅgam
vollständig/mit allen Teilen
bhavatu
es möge sein
tat sarvam
all das
vāsudeva
o Vāsudeva
namaḥ astu te
Verehrung sei dir

[Anm.: dreizeiliger Vers, Abschluss von Indradyumnas Hymne.]

{brahmovāca:} itthaṃ stutas tadā tena prasanno garuḍadhvajaḥ / dadau tasmai muniśreṣṭhāḥ sakalaṃ manasepsitam //

Brahmā sprach: So gepriesen, wurde der mit dem Garuḍa-Banner (Viṣṇu) dann zufrieden und gab ihm, o beste der Munis, alles, was sein Herz begehrte.

Wort für Wort
ittham
so
stutaḥ
gepriesen
tadā
dann
tena
von diesem
prasannaḥ
zufrieden geworden
garuḍadhvajaḥ
der mit dem Garuḍa-Banner (Viṣṇu)
dadau
er gab
tasmai
ihm
muniśreṣṭhāḥ
o beste der Munis
sakalam
alles
manasepsitam
was das Herz begehrte

yaḥ saṃpūjya jagannāthaṃ pratyahaṃ stauti mānavaḥ / stotreṇānena matimān sa mokṣaṃ labhate dhruvam //

Welcher kluge Mensch den Herrn der Welt verehrt und ihn täglich mit dieser Hymne preist, der erlangt gewiss die Erlösung.

Wort für Wort
yaḥ
welcher
saṃpūjya
nachdem er verehrt hat
jagannātham
den Herrn der Welt
pratyaham
täglich
stauti
er preist
mānavaḥ
ein Mensch
stotreṇa anena
mit dieser Hymne
matimān
der kluge
saḥ
er
mokṣam
die Erlösung
labhate
er erlangt
dhruvam
gewiss

trisaṃdhyaṃ yo japed vidvān idaṃ stotravaraṃ śuciḥ / dharmaṃ cārthaṃ ca kāmaṃ ca mokṣaṃ ca labhate naraḥ //

Wer diese vortreffliche Hymne zu den drei Tageswenden rezitiert, gelehrt und rein, dieser Mensch erlangt Recht, Gewinn, Genuss und Erlösung.

Wort für Wort
trisaṃdhyam
zu den drei Tageswenden
yaḥ japet
wer rezitiert
vidvān
der Gelehrte
idam stotravaram
diese vortreffliche Hymne
śuciḥ
rein
dharmam
Recht
ca artham
und Gewinn
ca kāmam
und Genuss
ca mokṣam
und Erlösung
ca labhate
und er erlangt
naraḥ
der Mensch

yaḥ paṭhec chṛṇuyād vāpi śrāvayed vā samāhitaḥ / sa lokaṃ śāśvataṃ viṣṇor yāti nirdhūtakalmaṣaḥ //

Wer sie liest, oder hört, oder andere hören lässt, gesammelt, der geht, frei von Verunreinigung, zur ewigen Welt Viṣṇus.

Wort für Wort
yaḥ
wer
paṭhet
er liest
śṛṇuyāt vā api
oder auch hört
śrāvayet vā
oder hören lässt
samāhitaḥ
gesammelt
saḥ
er
lokam śāśvatam
zur ewigen Welt
viṣṇoḥ
Viṣṇus
yāti
er geht
nirdhūtakalmaṣaḥ
frei von Verunreinigung

dhanyaṃ pāpaharaṃ cedaṃ bhuktimuktipradaṃ śivam / guhyaṃ sudurlabhaṃ puṇyaṃ na deyaṃ yasya kasyacit //

Segensreich und sündentilgend ist dies, Genuss und Erlösung gewährend, heilbringend, geheim, sehr schwer zu erlangen, verdienstvoll - es soll nicht irgendjemandem gegeben werden,

Wort für Wort
dhanyam
segensreich
pāpaharam
sündentilgend
ca idam
und dies
bhuktimuktipradam
Genuss und Erlösung gewährend
śivam
heilbringend
guhyam
geheim
sudurlabham
sehr schwer zu erlangen
puṇyam
verdienstvoll
na deyam
es soll nicht gegeben werden
yasya kasyacit
irgendjemandem

na nāstikāya mūrkhāya na kṛtaghnāya mānine / na duṣṭamataye dadyān nābhaktāya kadācana //

nicht dem Ungläubigen, nicht dem Toren, nicht dem Undankbaren, dem Stolzen, nicht dem von böser Gesinnung, man sollte es niemals dem ohne Hingabe geben,

Wort für Wort
na nāstikāya
nicht dem Ungläubigen
mūrkhāya
dem Toren
na kṛtaghnāya
nicht dem Undankbaren
mānine
dem Stolzen
na duṣṭamataye
nicht dem von böser Gesinnung
dadyāt
man sollte geben
na abhaktāya
nicht dem ohne Hingabe
kadācana
jemals

dātavyaṃ bhaktiyuktāya guṇaśīlānvitāya ca / viṣṇubhaktāya śāntāya śraddhānuṣṭhānaśāline //

gegeben werden soll es dem mit Hingabe Versehenen, und dem mit Tugend und Charakter Ausgestatteten, dem Viṣṇu-Hingebungsvollen, dem Friedvollen, dem in Glauben und Praxis Ausgezeichneten.

Wort für Wort
dātavyam
gegeben werden soll
bhaktiyuktāya
dem mit Hingabe Versehenen
guṇaśīlānvitāya
dem mit Tugend und Charakter Ausgestatteten
ca
und
viṣṇubhaktāya
dem Viṣṇu-Hingebungsvollen
śāntāya
dem Friedvollen
śraddhānuṣṭhānaśāline
dem in Glauben und Praxis Ausgezeichneten

idaṃ samastāghavināśahetuḥ / kāruṇyasaṃjñaṃ sukhamokṣadaṃ ca / aśeṣavāñchāphaladaṃ variṣṭhaṃ / stotraṃ mayoktaṃ puruṣottamasya //

Dies ist die Ursache der Vernichtung allen Übels, genannt Mitleid(-Hymne), Glück und Erlösung gewährend, alle Wünsche erfüllend, die vortrefflichste Hymne des Puruṣottama, von mir verkündet.

Wort für Wort
idam
dies
samastāghavināśahetuḥ
die Ursache der Vernichtung allen Übels
kāruṇyasaṃjñam
genannt Mitleid
sukhamokṣadam
Glück und Erlösung gewährend
ca
und
aśeṣavāñchāphaladam
alle Wünsche erfüllend
variṣṭham
die vortrefflichste
stotram
Hymne
mayā uktam
von mir verkündet
puruṣottamasya
des Puruṣottama

[Anm.: Ab hier (V.67-71) wechselt das Metrum zu einer kunstvolleren Versform mit vier Pādas; im Original mit Buchstaben a-d durchgezählt, hier jeweils als eine Verseinheit zusammengefasst.]

ye taṃ susūkṣmaṃ vimalā murāriṃ / dhyāyanti nityaṃ puruṣaṃ purāṇam / te muktibhājaḥ praviśanti viṣṇuṃ / mantrair yathājyaṃ hutam adhvarāgnau //

Die, welche jenen sehr feinen, den Feind Muras, den uralten Puruṣa, stets meditieren, rein, diese, der Erlösung teilhaftig, gehen ein in Viṣṇu, wie mit Mantras dargebrachtes Ghee in das Opferfeuer eingeht.

Wort für Wort
ye
die welche
tam
jenen
susūkṣmam
sehr feinen
vimalāḥ
rein
murārim
den Feind Muras
dhyāyanti
sie meditieren
nityam
stets
puruṣam purāṇam
den uralten Puruṣa
te
diese
muktibhājaḥ
der Erlösung teilhaftig
praviśanti
sie gehen ein
viṣṇum
in Viṣṇu
mantraiḥ
mit Mantras
yathā ājyam
wie Ghee
hutam
dargebracht
adhvarāgnau
in das Opferfeuer

ekaḥ sa devo bhavaduḥkhahantā / paraḥ pareṣāṃ na tato 'sti cānyat / draṣṭā sa pātā sa tu nāśakartā / viṣṇuḥ samastākhilasārabhūtaḥ //

Er ist der eine Gott, der Vernichter des Leids des Werdens, der Höchste der Höchsten; über ihn hinaus gibt es nichts anderes. Er ist der Seher, er der Erhalter, er auch der Vernichter - Viṣṇu, das Wesen aller Essenz von allem.

Wort für Wort
ekaḥ
der eine
saḥ devaḥ
jener Gott
bhavaduḥkhahantā
der Vernichter des Leids des Werdens
paraḥ pareṣām
der Höchste der Höchsten
na tataḥ asti ca anyat
über ihn hinaus gibt es nichts anderes
draṣṭā
der Seher
saḥ pātā
er der Erhalter
saḥ tu nāśakartā
er auch der Vernichter
viṣṇuḥ
Viṣṇu
samastākhilasārabhūtaḥ
das Wesen aller Essenz von allem

kiṃ vidyayā kiṃ svaguṇaiś ca teṣāṃ / yajñaiś ca dānaiś ca tapobhir ugraiḥ / yeṣāṃ na bhaktir bhavatīha kṛṣṇe / jagadgurau mokṣasukhaprade ca //

Was nützt jenen das Wissen, was ihre eigenen Tugenden, die Opfer, die Gaben, die strengen Askesen, denen keine Hingabe zu Kṛṣṇa entsteht, dem Lehrer der Welt, der Glück und Erlösung gewährt?

Wort für Wort
kim vidyayā
was nützt Wissen
kim svaguṇaiḥ
was eigene Tugenden
ca
und
teṣām
jenen
yajñaiḥ
Opfer
ca dānaiḥ
und Gaben
ca tapobhiḥ ugraiḥ
und strenge Askesen
yeṣām
denen
na bhaktiḥ
keine Hingabe
bhavati iha
entsteht hier
kṛṣṇe
zu Kṛṣṇa
jagadgurau
dem Lehrer der Welt
mokṣasukhaprade
der Glück und Erlösung gewährt
ca
und

loke sa dhanyaḥ sa śuciḥ sa vidvān / makhais tapobhiḥ sa guṇair variṣṭhaḥ / jñātā sa dātā sa tu satyavaktā / yasyāsti bhaktiḥ puruṣottamākhye //

In der Welt ist der glückselig, der rein, der gelehrt, durch Opfer, Askesen und Tugenden der Vortrefflichste, der Wissende, der Gebende, der wahrhaft Sprechende, in wem Hingabe zu dem, der Puruṣottama genannt wird, besteht.

Wort für Wort
loke
in der Welt
saḥ dhanyaḥ
der ist glückselig
saḥ śuciḥ
der ist rein
saḥ vidvān
der ist gelehrt
makhaiḥ
durch Opfer
tapobhiḥ
durch Askesen
saḥ guṇaiḥ variṣṭhaḥ
der durch Tugenden Vortrefflichste
jñātā
der Wissende
saḥ dātā
der Gebende
saḥ tu satyavaktā
der wahrhaft Sprechende
yasya asti
in wem besteht
bhaktiḥ
Hingabe
puruṣottamākhye
zu dem, der Puruṣottama genannt wird

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