Quellen der Menschheit

Brahma-Purāṇa

Kapitel 181: bhūbhāravatāraṇaṃ hariguṇastavo yoganidrāsaṃvādaś ca Die Bitte der Erde um Lastabnahme, der Lobpreis Haris und die Anweisung an Yoganidrā

Die Erde klagt Brahmā und den Göttern über die von Kālanemi/Kaṃsa und den anderen Dämonen verursachte Last (mit einer Formel, die Bhagavadgītā 4.7f. nahezu wörtlich vorwegnimmt); Brahmā und die Götter ziehen zum Milchozean und preisen Viṣṇu in einem vierpadigen Hymnus (V.21-25); Viṣṇu zupft sich zwei Haare aus (weiß = Balarāma/Saṃkarṣaṇa, schwarz = Kṛṣṇa) und kündigt deren Geburt sowie den bevorstehenden Kampf der herabsteigenden Götter gegen die Dämonen an; die Episode der ,sechs Embryonen' (Söhne Hiraṇyakaśipus) wird erklärt; schließlich weist Viṣṇu die Yoganidrā (identifiziert mit der Göttin Durgā/Ambikā u.a. Namen) an, wie ihre eigene Geburt, ihr Vertauschtwerden mit Kṛṣṇa und ihre künftige Verehrung ablaufen werden.

śṛṇudhvaṃ muniśārdūlāḥ pravakṣyāmi samāsataḥ / avatāraṃ hareś cātra bhārāvataraṇecchayā //

Hört, ihr Tiger unter den Munis! Ich werde nun kurz von der Herabkunft (avatāra) Haris berichten, die aus dem Wunsch geschah, die Last [der Erde] abzunehmen.

Wort für Wort
śṛṇudhvaṃ muniśārdūlāḥ pravakṣyāmi samāsataḥ
Hört, ihr Tiger unter den Munis, ich werde kurz berichten
avatāraṃ hareś cātra bhārāvataraṇecchayā
von Haris Herabkunft hier, aus dem Wunsch, die Erdenlast abzunehmen

yadā yadā tv adharmasya vṛddhir bhavati bho dvijāḥ / dharmaś ca hrāsam abhyeti tadā devo janārdanaḥ //

Wann immer, ihr Brahmanen, das Unrecht zunimmt und das Recht abnimmt, dann [erscheint] der Gott Janārdana.

Wort für Wort
yadā yadā tv adharmasya vṛddhir bhavati bho dvijāḥ
Wann immer das Unrecht zunimmt, o Zweifachgeborene
dharmaś ca hrāsam abhyeti tadā devo janārdanaḥ
und das Recht abnimmt, dann [erscheint] der Gott Janārdana

[Anm.: Diese Formel echot fast wörtlich Bhagavadgītā 4.7 (,yadā yadā hi dharmasya glānir bhavati bhārata'); vgl. bereits Kap.180 V.26f.]

avatāraṃ karoty atra dvidhā kṛtvātmanas tanum / sādhūnāṃ rakṣaṇārthāya dharmasaṃsthāpanāya ca //

Er nimmt hier Herabkunft, indem er seinen Leib zweifach macht — zum Schutz der Guten und zur Aufrichtung des Dharma,

Wort für Wort
avatāraṃ karoty atra dvidhā kṛtvātmanas tanum
Er nimmt Herabkunft, seinen Leib zweifach machend
sādhūnāṃ rakṣaṇārthāya dharmasaṃsthāpanāya ca
zum Schutz der Guten und zur Aufrichtung des Dharma

[Anm.: ,dvidhā kṛtvātmanas tanum' (,seinen Leib zweifach machend') dürfte auf die im Folgenden geschilderte doppelte Verkörperung als Balarāma (weißes Haar) und Kṛṣṇa (schwarzes Haar) vorausweisen.]

duṣṭānāṃ nigrahārthāya anyeṣāṃ ca suradviṣām / prajānāṃ rakṣaṇārthāya jāyate 'sau yuge yuge //

zur Bezwingung der Bösen und anderer Götterfeinde, zum Schutz der Geschöpfe wird er geboren, Zeitalter für Zeitalter.

Wort für Wort
duṣṭānāṃ nigrahārthāya anyeṣāṃ ca suradviṣām
zur Bezwingung der Bösen und anderer Götterfeinde
prajānāṃ rakṣaṇārthāya jāyate 'sau yuge yuge
zum Schutz der Geschöpfe wird er geboren, Zeitalter für Zeitalter

purā kila mahī viprā bhūribhārāvapīḍitā / jagāma dharaṇī merau samāje tridivaukasām //

Einst, o Brahmanen, ging die von gewaltiger Last bedrängte Erde zur Versammlung der Himmelsbewohner auf dem Meru.

Wort für Wort
purā kila mahī viprā bhūribhārāvapīḍitā
Einst, o Brahmanen, [ging] die von gewaltiger Last bedrängte Erde
jagāma dharaṇī merau samāje tridivaukasām
die Erde zur Versammlung der Himmelsbewohner auf dem Meru

sabrahmakān surān sarvān praṇipatyātha medinī / kathayām āsa tat sarvaṃ khedāt karuṇabhāṣiṇī //

Sie verneigte sich vor allen Göttern samt Brahmā und erzählte, aus Erschöpfung kläglich sprechend, alles das.

Wort für Wort
sabrahmakān surān sarvān praṇipatyātha medinī
Nachdem sie sich vor allen Göttern samt Brahmā verneigt hatte, die Erde
kathayām āsa tat sarvaṃ khedāt karuṇabhāṣiṇī
erzählte sie alles das, aus Erschöpfung kläglich sprechend

{dharaṇy uvāca:} agniḥ suvarṇasya gurur gavāṃ sūryo 'paro guruḥ / mamāpy akhilalokānāṃ vandyo nārāyaṇo guruḥ //

[Dharaṇī, die Erde, sprach:] ,Agni ist der Meister des Goldes, ein anderer Meister — die Sonne — ist der der Kühe; auch für mich ist der verehrungswürdige Nārāyaṇa der Meister aller Welten.'

Wort für Wort
agniḥ suvarṇasya gurur gavāṃ sūryo 'paro guruḥ
Agni ist der Meister des Goldes, ein anderer Meister der Kühe [ist] Sūrya
mamāpy akhilalokānāṃ vandyo nārāyaṇo guruḥ
auch für mich [ist] der verehrungswürdige Nārāyaṇa der Meister aller Welten

[Anm.: Ab hier spricht Dharaṇī (die Erde) selbst; die genaue Logik der Analogie Agni-Gold / Sūrya-Kühe / Nārāyaṇa-alle Welten bleibt etwas unklar [?].]

tatsāṃpratam ime daityāḥ kālanemipurogamāḥ / martyalokaṃ samāgamya bādhante 'harniśaṃ prajāḥ //

Jetzt aber bedrängen diese Daityas, angeführt von Kālanemi, Tag und Nacht die Geschöpfe, nachdem sie in die Welt der Sterblichen gekommen sind.

Wort für Wort
tatsāṃpratam ime daityāḥ kālanemipurogamāḥ
Jetzt aber diese Daityas, angeführt von Kālanemi
martyalokaṃ samāgamya bādhante 'harniśaṃ prajāḥ
bedrängen, in die Sterblichenwelt gekommen, Tag und Nacht die Geschöpfe

kālanemir hato yo 'sau viṣṇunā prabhaviṣṇunā / ugrasenasutaḥ kaṃsaḥ saṃbhūtaḥ sumahāsuraḥ //

Jener Kālanemi, der von dem mächtigen Viṣṇu getötet wurde, ist als Kaṃsa wiedergeboren, der Sohn des Ugrasena, ein gewaltiger Asura.

Wort für Wort
kālanemir hato yo 'sau viṣṇunā prabhaviṣṇunā
Jener Kālanemi, der von dem mächtigen Viṣṇu getötet wurde
ugrasenasutaḥ kaṃsaḥ saṃbhūtaḥ sumahāsuraḥ
ist als Kaṃsa entstanden, der Sohn des Ugrasena, ein gewaltiger Asura

ariṣṭo dhenukaḥ keśī pralambo narakas tathā / sundo 'suras tathātyugro bāṇaś cāpi baleḥ sutaḥ //

Ariṣṭa, Dhenuka, Keśin, Pralamba, ebenso Naraka, der Asura Sunda, ebenso der überaus Furchtbare, und Bāṇa, der Sohn Balis —

Wort für Wort
ariṣṭo dhenukaḥ keśī pralambo narakas tathā
Ariṣṭa, Dhenuka, Keśin, Pralamba, ebenso Naraka
sundo 'suras tathātyugro bāṇaś cāpi baleḥ sutaḥ
der Asura Sunda, ebenso der überaus Furchtbare, und Bāṇa, der Sohn Balis

tathānye ca mahāvīryā nṛpāṇāṃ bhavaneṣu ye / samutpannā durātmānas tān na saṃkhyātum utsahe //

ebenso andere von großer Kraft, die in den Häusern der Könige als Bösgesinnte entstanden sind — sie vermag ich nicht aufzuzählen.

Wort für Wort
tathānye ca mahāvīryā nṛpāṇāṃ bhavaneṣu ye
ebenso andere von großer Kraft, die in den Häusern der Könige
samutpannā durātmānas tān na saṃkhyātum utsahe
als Bösgesinnte entstanden sind — sie vermag ich nicht aufzuzählen

akṣauhiṇyo hi bahulā divyamūrtidhṛtāḥ surāḥ / mahābalānāṃ dṛptānāṃ daityendrāṇāṃ mamopari //

Denn zahlreiche Heerscharen gottgestaltiger Wesen der gewaltigen, hochmütigen Daitya-Fürsten [lasten] auf mir,

Wort für Wort
akṣauhiṇyo hi bahulā divyamūrtidhṛtāḥ surāḥ
Denn zahlreiche Akṣauhiṇī-Heere gottgestaltiger Wesen
mahābalānāṃ dṛptānāṃ daityendrāṇāṃ mamopari
der gewaltigen, hochmütigen Daitya-Fürsten [lasten] auf mir

[Anm.: ,divyamūrtidhṛtāḥ surāḥ' (,göttliche Gestalt tragende Wesen') bleibt in seiner genauen Bezugnahme innerhalb dieses Satzes über die Daitya-Heere unklar [?].]

tadbhūribhārapīḍārtā na śaknomy amareśvarāḥ / vibhartum ātmānam aham iti vijñāpayāmi vaḥ //

deshalb, von der gewaltigen Last bedrängt und gequält, vermag ich, o Herren der Unsterblichen, mich selbst nicht mehr zu tragen — das teile ich euch mit.

Wort für Wort
tadbhūribhārapīḍārtā na śaknomy amareśvarāḥ
deshalb, von gewaltiger Last gequält, vermag ich nicht, o Herren der Unsterblichen
vibhartum ātmānam aham iti vijñāpayāmi vaḥ
mich selbst zu tragen — das teile ich euch mit

kriyatāṃ tan mahābhāgā mama bhārāvatāraṇam / yathā rasātalaṃ nāhaṃ gaccheyam ativihvalā //

Bewirkt dies, ihr Hochgesegneten: die Abnahme meiner Last, auf dass ich nicht, gänzlich erschüttert, in die Unterwelt versinke.

Wort für Wort
kriyatāṃ tan mahābhāgā mama bhārāvatāraṇam
Bewirkt dies, ihr Hochgesegneten: die Abnahme meiner Last
yathā rasātalaṃ nāhaṃ gaccheyam ativihvalā
auf dass ich nicht, gänzlich erschüttert, in die Unterwelt gehe

{vyāsa uvāca:} ity ākarṇya dharāvākyam aśeṣais tridaśais tataḥ / bhuvo bhārāvatārārthaṃ brahmā prāha ca coditaḥ //

Nachdem er die Rede der Erde vernommen hatte, sprach Brahmā, von allen Göttern gedrängt, zum Zweck der Abnahme der Erdenlast.

Wort für Wort
ity ākarṇya dharāvākyam aśeṣais tridaśais tataḥ
Nachdem er diese Rede der Erde vernommen hatte, [gedrängt] von allen Göttern
bhuvo bhārāvatārārthaṃ brahmā prāha ca coditaḥ
sprach Brahmā, angetrieben, zum Zweck der Abnahme der Erdenlast

{brahmovāca:} yad āha vasudhā sarvaṃ satyam etad divaukasaḥ / ahaṃ bhavo bhavantaś ca sarvaṃ nārāyaṇātmakam //

[Brahmā sprach:] ,Alles, was die Erde gesagt hat, ist wahr, ihr Himmelsbewohner. Ich, Bhava (Śiva) und ihr alle — alles ist von der Wesenheit Nārāyaṇas durchdrungen.'

Wort für Wort
yad āha vasudhā sarvaṃ satyam etad divaukasaḥ
Alles, was die Erde gesagt hat, ist wahr, ihr Himmelsbewohner
ahaṃ bhavo bhavantaś ca sarvaṃ nārāyaṇātmakam
ich, Bhava (Śiva) und ihr alle — alles ist von der Wesenheit Nārāyaṇas

vibhūtayas tu yās tasya tāsām eva parasparam / ādhikyaṃ nyūnatā bādhya-bādhakatvena vartate //

Doch unter seinen Erscheinungsformen besteht untereinander ein Mehr und Weniger, das sich als wechselseitiges Behindern und Behindertwerden zeigt.

Wort für Wort
vibhūtayas tu yās tasya tāsām eva parasparam
Doch seine Erscheinungsformen (vibhūti) — unter diesen selbst, wechselseitig
ādhikyaṃ nyūnatā bādhyabādhakatvena vartate
besteht ein Mehr und Weniger im Verhältnis von Behinderndem und Behindertem

[Anm.: Philosophisch dichte Aussage über eine hierarchische Abstufung unter Viṣṇus vibhūtis (Erscheinungsformen/Mächten), deren genauer Sinn unsicher bleibt [?].]

tad āgacchata gacchāmaḥ kṣīrābdhes taṭam uttamam / tatrārādhya hariṃ tasmai sarvaṃ vijñāpayāma vai //

Deshalb kommt, lasst uns zum erhabenen Ufer des Milchozeans gehen; dort wollen wir Hari verehren und ihm alles mitteilen.

Wort für Wort
tad āgacchata gacchāmaḥ kṣīrābdhes taṭam uttamam
Deshalb kommt, lasst uns zum erhabenen Ufer des Milchozeans gehen
tatrārādhya hariṃ tasmai sarvaṃ vijñāpayāma vai
dort, nachdem wir Hari verehrt haben, wollen wir ihm alles mitteilen

sarvadaiva jagatyarthe sa sarvātmā jaganmayaḥ / svalpāṃśenāvatīryorvyāṃ dharmasya kurute sthitim //

Immerdar, um der Welt willen, steigt er, die Allseele, aus der die Welt besteht, mit einem winzigen Teil seiner selbst auf der Erde herab und begründet den Bestand des Dharma.

Wort für Wort
sarvadaiva jagatyarthe sa sarvātmā jaganmayaḥ
Immerdar, um der Welt willen, er, die Allseele, aus der die Welt besteht
svalpāṃśenāvatīryorvyāṃ dharmasya kurute sthitim
steigt mit einem winzigen Teil auf der Erde herab und begründet den Bestand des Dharma

ity uktvā prayayau tatra saha devaiḥ pitāmahaḥ / samāhitamanā bhūtvā tuṣṭāva garuḍadhvajam //

Nach diesen Worten begab sich der Großvater (Brahmā) mit den Göttern dorthin, und mit gesammeltem Geist pries er den, dessen Banner Garuḍa ist.

Wort für Wort
ity uktvā prayayau tatra saha devaiḥ pitāmahaḥ
Nach diesen Worten begab sich der Großvater mit den Göttern dorthin
samāhitamanā bhūtvā tuṣṭāva garuḍadhvajam
und pries, mit gesammeltem Geist, den Garuḍa-Bannerträger

{brahmovāca:} namo namas te 'stu sahasramūrte sahasrabāho bahuvaktrapāda namo namas te jagataḥ pravṛtti- vināśasaṃsthānaparāprameya // (4 pādas)

Verehrung, Verehrung sei dir, du Tausendgestaltiger, Tausendarmiger, Vielmündiger-und-Vielfüßiger! Verehrung, Verehrung sei dir, der du jenseits von Entstehen, Vergehen und Bestehen der Welt bist, unermesslich!

Wort für Wort
namo namas te 'stu sahasramūrte
Verehrung, Verehrung sei dir, du Tausendgestaltiger
sahasrabāho bahuvaktrapāda
du Tausendarmiger, Vielmündiger-und-Vielfüßiger
namo namas te jagataḥ pravṛtti-
Verehrung, Verehrung sei dir, [der jenseits ist von] Entstehen der Welt
vināśasaṃsthānaparāprameya
Vergehen und Bestehen, Höchster, Unermesslicher

[Anm.: Beginn eines vierpadigen Hymnenmetrums (V.21-25), von Brahmā gesprochen; ein wfw-Eintrag pro Pāda.]

sūkṣmātisūkṣmaṃ ca bṛhatpramāṇaṃ garīyasām apy atigauravātman pradhānabuddhīndriyavākpradhāna mūlāparātman bhagavan prasīda // (4 pādas)

Du bist das Feinste des Feinen und von gewaltigem Ausmaß, dessen Wesen noch gewichtiger ist als das Gewichtigste; du, dessen Wesen Urmaterie, Verstand, Sinnesorgane und Rede zum Vorrang haben; du, dessen Selbst Wurzel und Höchstes ist — sei gnädig, Erhabener!

Wort für Wort
sūkṣmātisūkṣmaṃ ca bṛhatpramāṇaṃ
Das Feinste des Feinen und von gewaltigem Ausmaß
garīyasām apy atigauravātman
dessen Wesen noch gewichtiger ist als das Gewichtigste
pradhānabuddhīndriyavākpradhāna
dessen Wesen Urmaterie, Verstand, Sinnesorgane und Rede zum Vorrang haben
mūlāparātman bhagavan prasīda
dessen Selbst Wurzel und Höchstes ist — sei gnädig, Erhabener

[Anm.: ,mūlāparātman' (,dessen Selbst Wurzel-und-Höchstes ist') bleibt in der genauen Bedeutung des Kompositums unsicher [?].]

eṣā mahī deva mahīprasūtair mahāsuraiḥ pīḍitaśailabandhā parāyaṇaṃ tvāṃ jagatām upaiti bhārāvatārārtham apārapāram // (4 pādas)

Diese Erde, o Gott, deren Gebirgsgürtel von den aus ihr selbst entstandenen großen Asuras bedrängt wird, nimmt zu dir, dem letzten Zufluchtsort der Welten, ihre Zuflucht — um der Abnahme ihrer uferlosen Last willen.

Wort für Wort
eṣā mahī deva mahīprasūtair
Diese Erde, o Gott, von den aus ihr selbst entstandenen
mahāsuraiḥ pīḍitaśailabandhā
großen Asuras, deren Gebirgsgürtel bedrängt wird
parāyaṇaṃ tvāṃ jagatām upaiti
nimmt zu dir, dem letzten Zufluchtsort der Welten, ihre Zuflucht
bhārāvatārārtham apārapāram
um der Abnahme ihrer uferlosen Last willen

ete vayaṃ vṛtraripus tathāyaṃ nāsatyadasrau varuṇas tathaiṣaḥ ime ca rudrā vasavaḥ sasūryāḥ samīraṇāgnipramukhās tathānye // (4 pādas)

Wir hier — der Vṛtra-Feind (Indra), ebenso er, die Nāsatya-Zwillinge (Aśvins), ebenso Varuṇa, diese Rudras, die Vasus samt Sūrya, ebenso andere, angeführt von Wind und Feuer —

Wort für Wort
ete vayaṃ vṛtraripus tathāyaṃ
Wir hier — der Vṛtra-Feind (Indra), ebenso er
nāsatyadasrau varuṇas tathaiṣaḥ
die Nāsatya-Zwillinge, ebenso Varuṇa
ime ca rudrā vasavaḥ sasūryāḥ
diese Rudras, die Vasus samt Sūrya
samīraṇāgnipramukhās tathānye
ebenso andere, angeführt von Wind und Feuer

surāḥ samastāḥ suranātha kāryam ebhir mayā yac ca tad īśa sarvam ājñāpayājñāṃ pratipālayantas tavaiva tiṣṭhāma sadāstadoṣāḥ // (4 pādas)

alle Götter, o Herr der Götter, [stehen bereit für] die Aufgabe. Was auch immer von uns und von mir [zu tun ist], o Gebieter — das alles: befiehl es! Deinen Befehl befolgend, stehen wir stets fehlerlos zu deiner Verfügung.

Wort für Wort
surāḥ samastāḥ suranātha kāryam
alle Götter, o Herr der Götter, [stehen bereit für] die Aufgabe
ebhir mayā yac ca tad īśa sarvam
was auch immer von diesen und von mir [zu tun ist], o Gebieter — das alles
ājñāpayājñāṃ pratipālayantas
befiehl es! Deinen Befehl befolgend
tavaiva tiṣṭhāma sadāstadoṣāḥ
stehen wir stets fehlerlos zu deiner Verfügung

[Anm.: Die genaue Lesung des Kompositums ,sadāstadoṣāḥ' (etwa ,stets fehlerlos') bleibt unsicher [?]. Ende des Hymnus V.21-25.]

{vyāsa uvāca:} evaṃ saṃstūyamānas tu bhagavān parameśvaraḥ / ujjahārātmanaḥ keśau sitakṛṣṇau dvijottamāḥ //

So gepriesen, zupfte der erhabene höchste Herr sich selbst zwei Haare aus, ein weißes und ein schwarzes, ihr besten der Zweifachgeborenen.

Wort für Wort
evaṃ saṃstūyamānas tu bhagavān parameśvaraḥ
So gepriesen, der erhabene höchste Herr
ujjahārātmanaḥ keśau sitakṛṣṇau dvijottamāḥ
zupfte sich selbst zwei Haare aus, ein weißes und ein schwarzes, ihr besten der Zweifachgeborenen

uvāca ca surān etau matkeśau vasudhātale / avatīrya bhuvo bhāra-kleśahāniṃ kariṣyataḥ //

Und er sprach zu den Göttern: ,Diese beiden meine Haare werden, auf die Erde herabgestiegen, Last und Leid der Erde zum Schwinden bringen.'

Wort für Wort
uvāca ca surān etau matkeśau vasudhātale
Und er sprach zu den Göttern: ,Diese beiden meine Haare, auf die Erde'
avatīrya bhuvo bhārakleśahāniṃ kariṣyataḥ
werden, herabgestiegen, Last und Leid der Erde zum Schwinden bringen

surāś ca sakalāḥ svāṃśair avatīrya mahītale / kurvantu yuddham unmattaiḥ pūrvotpannair mahāsuraiḥ //

Und alle Götter sollen mit ihren Teilen auf die Erde herabsteigen und Krieg führen gegen die zuvor entstandenen, rasenden großen Asuras.

Wort für Wort
surāś ca sakalāḥ svāṃśair avatīrya mahītale
Und alle Götter sollen mit ihren Teilen auf die Erde herabsteigen
kurvantu yuddham unmattaiḥ pūrvotpannair mahāsuraiḥ
und Krieg führen mit den zuvor entstandenen, rasenden großen Asuras

tataḥ kṣayam aśeṣās te daiteyā dharaṇītale / prayāsyanti na saṃdeho nānāyudhavicūrṇitāḥ //

Dann werden all diese Daityas auf der Erde, von mancherlei Waffen zermalmt, zugrunde gehen — daran ist kein Zweifel.

Wort für Wort
tataḥ kṣayam aśeṣās te daiteyā dharaṇītale
Dann werden all diese Daityas auf der Erde zugrunde gehen
prayāsyanti na saṃdeho nānāyudhavicūrṇitāḥ
von mancherlei Waffen zermalmt — daran ist kein Zweifel

vasudevasya yā patnī devakī devatopamā / tasyā garbho 'ṣṭamo 'yaṃ tu matkeśo bhavitā surāḥ //

Die Gattin des Vasudeva, Devakī, die einer Göttin gleicht — deren achter Embryo, ihr Götter, wird dieses mein [dunkles] Haar sein.

Wort für Wort
vasudevasya yā patnī devakī devatopamā
Die Gattin des Vasudeva, Devakī, die einer Göttin gleicht
tasyā garbho 'ṣṭamo 'yaṃ tu matkeśo bhavitā surāḥ
deren achter Embryo wird dieses mein Haar sein, ihr Götter

avatīrya ca tatrāyaṃ kaṃsaṃ ghātayitā bhuvi / kālanemisamudbhūtam ity uktvāntardadhe hariḥ //

Und herabgestiegen, wird dieser dort auf der Erde den Kaṃsa töten, der aus Kālanemi entstanden ist' — so sprechend verschwand Hari.

Wort für Wort
avatīrya ca tatrāyaṃ kaṃsaṃ ghātayitā bhuvi
Und herabgestiegen, wird dieser dort auf der Erde den Kaṃsa töten
kālanemisamudbhūtam ity uktvāntardadhe hariḥ
der aus Kālanemi entstanden ist' — so sprechend verschwand Hari

adṛśyāya tatas te 'pi praṇipatya mahātmane / merupṛṣṭhaṃ surā jagmur avateruś ca bhūtale //

Danach verneigten sich die Götter vor dem unsichtbar gewordenen, hochseeligen [Gott], gingen zum Gipfel des Meru und stiegen dann zur Erde herab.

Wort für Wort
adṛśyāya tatas te 'pi praṇipatya mahātmane
Danach verneigten sich diese auch vor dem unsichtbar gewordenen Hochseeligen
merupṛṣṭhaṃ surā jagmur avateruś ca bhūtale
die Götter gingen zum Gipfel des Meru und stiegen dann zur Erde herab

kaṃsāya cāṣṭamo garbho devakyā dharaṇītale / bhaviṣyatīty ācacakṣe bhagavān nārado muniḥ //

Und dass der achte Embryo der Devakī auf der Erde für Kaṃsa [gefährlich] sein werde — das verkündete der erhabene Muni Nārada.

Wort für Wort
kaṃsāya cāṣṭamo garbho devakyā dharaṇītale
Und dass der achte Embryo der Devakī auf der Erde für Kaṃsa
bhaviṣyatīty ācacakṣe bhagavān nārado muniḥ
[gefährlich] sein werde — das verkündete der erhabene Muni Nārada

kaṃso 'pi tad upaśrutya nāradāt kupitas tataḥ / devakīṃ vasudevaṃ ca gṛhe guptāv adhārayat //

Kaṃsa aber, nachdem er dies von Nārada gehört hatte, wurde zornig und hielt Devakī und Vasudeva bewacht im Haus fest.

Wort für Wort
kaṃso 'pi tad upaśrutya nāradāt kupitas tataḥ
Kaṃsa aber, nachdem er dies von Nārada gehört hatte, wurde zornig
devakīṃ vasudevaṃ ca gṛhe guptāv adhārayat
und hielt Devakī und Vasudeva bewacht im Haus fest

jātaṃ jātaṃ ca kaṃsāya tenaivoktaṃ yathā purā / tathaiva vasudevo 'pi putram arpitavān dvijāḥ //

Und jedes geborene [Kind] übergab Vasudeva dem Kaṃsa, wie es zuvor von diesem gesagt worden war, ihr Zweifachgeborenen.

Wort für Wort
jātaṃ jātaṃ ca kaṃsāya tenaivoktaṃ yathā purā
Und jedes geborene [Kind] dem Kaṃsa, wie es zuvor von diesem gesagt war
tathaiva vasudevo 'pi putram arpitavān dvijāḥ
ebenso übergab auch Vasudeva den Sohn, ihr Zweifachgeborenen

hiraṇyakaśipoḥ putrāḥ ṣaḍgarbhā iti viśrutāḥ / viṣṇuprayuktā tān nidrā kramād garbhe nyayojayat //

Die Söhne des Hiraṇyakaśipu, bekannt als die sechs Embryonen — von Viṣṇu beauftragt, versetzte Nidrā (der Schlaf) diese nacheinander in den Mutterleib.

Wort für Wort
hiraṇyakaśipoḥ putrāḥ ṣaḍgarbhā iti viśrutāḥ
Die Söhne des Hiraṇyakaśipu, bekannt als die sechs Embryonen
viṣṇuprayuktā tān nidrā kramād garbhe nyayojayat
von Viṣṇu beauftragt, versetzte Nidrā diese nacheinander in den Mutterleib

[Anm.: Bezug auf den bekannten Purāṇa-Mythos der ,sechs Embryonen' (ṣaḍgarbha) — Söhne Hiraṇyakaśipus, die als Devakīs erste sechs, von Kaṃsa getötete Kinder wiedergeboren werden.]

yoganidrā mahāmāyā vaiṣṇavī mohitaṃ yayā / avidyayā jagat sarvaṃ tām āha bhagavān hariḥ //

Zur Yoganidrā, der großen Māyā Viṣṇus, durch die durch Unwissenheit die ganze Welt verblendet wird, sprach der erhabene Hari:

Wort für Wort
yoganidrā mahāmāyā vaiṣṇavī mohitaṃ yayā
Zur Yoganidrā, der großen Māyā Viṣṇus, durch die verblendet wird
avidyayā jagat sarvaṃ tām āha bhagavān hariḥ
durch Unwissenheit die ganze Welt — zu ihr sprach der erhabene Hari

{viṣṇur uvāca:} gaccha nidre mamādeśāt pātālatalasaṃśrayān / ekaikaśyena ṣaḍgarbhān devakījaṭhare naya //

[Viṣṇu sprach:] ,Geh, o Nidrā, auf meinen Befehl: Die sechs Embryonen, die in der Tiefe der Unterwelt weilen, bringe einzeln nacheinander in den Schoß der Devakī.'

Wort für Wort
gaccha nidre mamādeśāt pātālatalasaṃśrayān
Geh, o Nidrā, auf meinen Befehl, die in der Tiefe der Unterwelt weilenden
ekaikaśyena ṣaḍgarbhān devakījaṭhare naya
sechs Embryonen bringe einzeln nacheinander in den Schoß der Devakī

hateṣu teṣu kaṃsena śeṣākhyo 'ṃśas tato 'naghaḥ / aṃśāṃśenodare tasyāḥ saptamaḥ saṃbhaviṣyati //

Wenn diese von Kaṃsa getötet worden sind, wird danach der als Śeṣa bekannte, makellose Teil [meiner selbst] als siebter, mit einem Teil-eines-Teiles, in ihrem Leib entstehen.

Wort für Wort
hateṣu teṣu kaṃsena śeṣākhyo 'ṃśas tato 'naghaḥ
Wenn diese von Kaṃsa getötet worden sind, [wird] danach der als Śeṣa bekannte, makellose Teil
aṃśāṃśenodare tasyāḥ saptamaḥ saṃbhaviṣyati
mit einem Teil-eines-Teiles als siebter in ihrem Leib entstehen

gokule vasudevasya bhāryā vai rohiṇī sthitā / tasyāḥ prasūtisamaye garbho neyas tvayodaram //

In Gokula weilt Rohiṇī, die [andere] Gattin des Vasudeva; zur Zeit ihrer Niederkunft ist der Embryo von dir in ihren Leib zu bringen.

Wort für Wort
gokule vasudevasya bhāryā vai rohiṇī sthitā
In Gokula weilt Rohiṇī, die Gattin des Vasudeva
tasyāḥ prasūtisamaye garbho neyas tvayodaram
zur Zeit ihrer Niederkunft ist der Embryo von dir in [ihren] Leib zu bringen

saptamo bhojarājasya bhayād rodhoparodhataḥ / devakyāḥ patito garbha iti loko vadiṣyati //

'Der siebte Embryo der Devakī ist aus Furcht vor dem Bhoja-König, durch [magisches] Zurückhalten, abgegangen' — so wird man in der Welt sagen.

Wort für Wort
saptamo bhojarājasya bhayād rodhoparodhataḥ
Der siebte, aus Furcht vor dem Bhoja-König, durch Zurückhalten
devakyāḥ patito garbha iti loko vadiṣyati
der Embryo der Devakī ist abgegangen' — so wird man in der Welt sagen

garbhasaṃkarṣaṇāt so 'tha loke saṃkarṣaṇeti vai / saṃjñām avāpsyate vīraḥ śvetādriśikharopamaḥ //

Wegen des Herausziehens (saṃkarṣaṇa) des Embryos wird dieser Held, der einem weißen Berggipfel gleicht, in der Welt den Namen Saṃkarṣaṇa erhalten.

Wort für Wort
garbhasaṃkarṣaṇāt so 'tha loke saṃkarṣaṇeti vai
Wegen des Herausziehens des Embryos wird dieser in der Welt als Saṃkarṣaṇa
saṃjñām avāpsyate vīraḥ śvetādriśikharopamaḥ
den Namen erhalten, der Held, der einem weißen Berggipfel gleicht

[Anm.: Volksetymologische Erklärung des Namens ,Saṃkarṣaṇa' (Balarāma) von ,saṃkarṣaṇa' = ,Herausziehen'.]

tato 'haṃ saṃbhaviṣyāmi devakījaṭhare śubhe / garbhe tvayā yaśodāyā gantavyam avilambitam //

Danach werde ich selbst im gesegneten Leib der Devakī entstehen; du aber sollst unverzüglich in den Leib der Yaśodā gehen.

Wort für Wort
tato 'haṃ saṃbhaviṣyāmi devakījaṭhare śubhe
Danach werde ich selbst im gesegneten Leib der Devakī entstehen
garbhe tvayā yaśodāyā gantavyam avilambitam
du aber sollst unverzüglich in den Leib der Yaśodā gehen

prāvṛṭkāle ca nabhasi kṛṣṇāṣṭamyām ahaṃ niśi / utpatsyāmi navamyāṃ ca prasūtiṃ tvam avāpsyasi //

In der Regenzeit, im Monat Nabhas, an der dunklen achten Tithi Kṛṣṇāṣṭamī, werde ich nachts geboren werden; und du wirst am neunten [Tag] deine Niederkunft haben.

Wort für Wort
prāvṛṭkāle ca nabhasi kṛṣṇāṣṭamyām ahaṃ niśi
In der Regenzeit, im Monat Nabhas, an der [Nacht] Kṛṣṇāṣṭamī
utpatsyāmi navamyāṃ ca prasūtiṃ tvam avāpsyasi
werde ich geboren werden; und am neunten [Tag] wirst du deine Niederkunft haben

yaśodāśayane māṃ tu devakyās tvām anindite / macchaktipreritamatir vasudevo nayiṣyati //

Mich aber wird ins Lager der Yaśodā, dich, o Makellose, aber ins [Lager] der Devakī — von meiner Kraft mit bewegtem Sinn getrieben — Vasudeva bringen.

Wort für Wort
yaśodāśayane māṃ tu devakyās tvām anindite
Mich aber ins Lager der Yaśodā, dich aber, o Makellose, in das der Devakī
macchaktipreritamatir vasudevo nayiṣyati
wird, von meiner Kraft mit bewegtem Sinn getrieben, Vasudeva bringen

kaṃsaś ca tvām upādāya devi śailaśilātale / prakṣepsyaty antarikṣe ca tvaṃ sthānaṃ samavāpsyasi //

Und Kaṃsa wird dich ergreifen, o Göttin, und auf einen Felsblock schmettern; du aber wirst deinen Platz im Luftraum erlangen.

Wort für Wort
kaṃsaś ca tvām upādāya devi śailaśilātale
Und Kaṃsa wird dich ergreifen, o Göttin, auf einen Felsblock
prakṣepsyaty antarikṣe ca tvaṃ sthānaṃ samavāpsyasi
schmettern; du aber wirst deinen Platz im Luftraum erlangen

tatas tvāṃ śatadhā śakraḥ praṇamya mama gauravāt / praṇipātānataśirā bhaginītve grahīṣyati //

Dann wird dich Śakra, hundertfach sich verneigend, aus Ehrfurcht vor mir, mit gesenktem, ehrerbietig geneigtem Haupt als Schwester annehmen.

Wort für Wort
tatas tvāṃ śatadhā śakraḥ praṇamya mama gauravāt
Dann wird dich Śakra, hundertfach sich verneigend, aus Ehrfurcht vor mir
praṇipātānataśirā bhaginītve grahīṣyati
mit ehrerbietig geneigtem Haupt als Schwester annehmen

tataḥ śumbhaniśumbhādīn hatvā daityān sahasraśaḥ / sthānair anekaiḥ pṛthivīm aśeṣāṃ maṇḍayiṣyasi //

Danach wirst du, nachdem du Śumbha, Niśumbha und andere Daityas zu Tausenden getötet hast, die gesamte Erde mit vielfachen Kultstätten schmücken.

Wort für Wort
tataḥ śumbhaniśumbhādīn hatvā daityān sahasraśaḥ
Danach, nachdem du Śumbha, Niśumbha und andere Daityas zu Tausenden getötet hast
sthānair anekaiḥ pṛthivīm aśeṣāṃ maṇḍayiṣyasi
wirst du die gesamte Erde mit vielfachen Kultstätten schmücken

tvaṃ bhūtiḥ saṃnatiḥ kīrtiḥ kāntir vai pṛthivī dhṛtiḥ / lajjā puṣṭir uṣā yā ca kācid anyā tvam eva sā //

Du bist Wohlstand, Demut, Ruhm, Schönheit, die Erde, Standhaftigkeit, Scham, Gedeihen, Morgenröte — und welche andere [Göttin] es auch geben mag, die bist du selbst.

Wort für Wort
tvaṃ bhūtiḥ saṃnatiḥ kīrtiḥ kāntir vai pṛthivī dhṛtiḥ
Du bist Wohlstand, Demut, Ruhm, Schönheit, die Erde, Standhaftigkeit
lajjā puṣṭir uṣā yā ca kācid anyā tvam eva sā
Scham, Gedeihen, Morgenröte — und welche andere [Göttin] es auch geben mag, die bist du selbst

ye tvām āryeti durgeti vedagarbhe 'mbiketi ca / bhadreti bhadrakālīti kṣemyā kṣemaṃkarīti ca //

Diejenigen, die dich als Āryā, als Durgā, als Vedagarbhā, als Ambikā, als Bhadrā, als Bhadrakālī, als Kṣemyā, als Kṣemaṃkarī [anrufen] —

Wort für Wort
ye tvām āryeti durgeti vedagarbhe 'mbiketi ca
Diejenigen, die dich als Āryā, als Durgā, als Vedagarbhā, als Ambikā
bhadreti bhadrakālīti kṣemyā kṣemaṃkarīti ca
als Bhadrā, als Bhadrakālī, als Kṣemyā, als Kṣemaṃkarī [anrufen]

[Anm.: Aufzählung von Namen der Göttin (Devī), die hier explizit mit Yoganidrā identifiziert wird — Vorstufe der klassischen Durgā/Devī-Mythologie.]

prātaś caivāparāhṇe ca stoṣyanty ānamramūrtayaḥ / teṣāṃ hi vāñchitaṃ sarvaṃ matprasādād bhaviṣyati //

— die dich morgens und nachmittags mit geneigten Leibern preisen werden — deren gesamter Wunsch wird sich durch meine Gnade erfüllen.

Wort für Wort
prātaś caivāparāhṇe ca stoṣyanty ānamramūrtayaḥ
die dich morgens und nachmittags mit geneigten Leibern preisen werden
teṣāṃ hi vāñchitaṃ sarvaṃ matprasādād bhaviṣyati
deren gesamter Wunsch wird sich durch meine Gnade erfüllen

surāmāṃsopahārais tu bhakṣyabhojyaiś ca pūjitā / nṛṇām aśeṣakāmāṃs tvaṃ prasannāyāṃ pradāsyasi //

Mit Opfergaben von Wein und Fleisch sowie mit Ess- und Trinkbarem verehrt, wirst du, dadurch gnädig gestimmt, den Menschen alle ihre Wünsche gewähren.

Wort für Wort
surāmāṃsopahārais tu bhakṣyabhojyaiś ca pūjitā
Mit Opfergaben von Wein und Fleisch sowie mit Ess- und Trinkbarem verehrt
nṛṇām aśeṣakāmāṃs tvaṃ prasannāyāṃ pradāsyasi
wirst du, gnädig gestimmt, den Menschen alle ihre Wünsche gewähren

te sarve sarvadā bhadrā matprasādād asaṃśayam / asaṃdigdhaṃ bhaviṣyanti gaccha devi yathoditam //

Sie alle werden allezeit, ohne Zweifel, durch meine Gnade Glück erlangen, unzweifelhaft. Geh, o Göttin, wie gesagt.'

Wort für Wort
te sarve sarvadā bhadrā matprasādād asaṃśayam
Sie alle werden allezeit Glück erlangen durch meine Gnade, ohne Zweifel
asaṃdigdhaṃ bhaviṣyanti gaccha devi yathoditam
unzweifelhaft. Geh, o Göttin, wie gesagt

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