Quellen der Menschheit

Brahma-Purāṇa

Kapitel 185: kālīyadamanam Die Bezwingung der Schlange Kālīya

Kṛṣṇa entdeckt in der Yamunā den giftverseuchten Weiher der Schlange Kālīya und stürzt sich, entschlossen, ihn zu bezwingen, hinein. Nach einem heftigen Kampf, in dem er von den Schlangen umschlungen und gebissen wird, ermahnt ihn Balarāma an seine wahre, göttliche Natur; Kṛṣṇa befreit sich und bezwingt Kālīya tanzend auf dessen Häuptern. Die Schlangenfrauen und schließlich Kālīya selbst erkennen Kṛṣṇas Göttlichkeit an und bitten um sein Leben; Kṛṣṇa verbannt Kālīya samt Gefolge in den Ozean, verspricht ihm aber Schutz vor Garuḍa. Unter dem Jubel der Kuhhirten kehrt Kṛṣṇa nach Vraja zurück.

{vyāsa uvāca:} ekadā tu vinā rāmaṃ kṛṣṇo vṛndāvanaṃ yayau / vicacāra vṛto gopair vanyapuṣpasragujjvalaḥ //

Einst aber ging Kṛṣṇa, ohne Rāma, nach Vṛndāvana; er wanderte umher, von Kuhhirten umgeben, strahlend mit Kränzen aus Waldblumen.

Wort für Wort
ekadā tu vinā rāmaṃ kṛṣṇo vṛndāvanaṃ yayau
Einst aber ging Kṛṣṇa, ohne Rāma, nach Vṛndāvana
vicacāra vṛto gopair vanyapuṣpasragujjvalaḥ
er wanderte umher, von Kuhhirten umgeben, strahlend mit Kränzen aus Waldblumen

sa jagāmātha kālindīṃ lolakallolaśālinīm / tīrasaṃlagnaphenaughair hasantīm iva sarvataḥ //

Er ging dann zur Kālindī (Yamunā), die von schwankenden Wellen geziert war, die mit den ans Ufer geworfenen Schaummassen überall gleichsam lachte.

Wort für Wort
sa jagāmātha kālindīṃ lolakallolaśālinīm
Er ging dann zur Kālindī, die von schwankenden Wellen geziert war
tīrasaṃlagnaphenaughair hasantīm iva sarvataḥ
die mit den ans Ufer geworfenen Schaummassen überall gleichsam lachte

tasyāṃ cātimahābhīmaṃ viṣāgnikaṇadūṣitam / hradaṃ kālīyanāgasya dadarśātivibhīṣaṇam //

Und in ihr sah er den überaus furchtbaren, von Giftfeuer-Funken verseuchten, überaus schrecklichen Weiher der Schlange Kālīya.

Wort für Wort
tasyāṃ cātimahābhīmaṃ viṣāgnikaṇadūṣitam
Und in ihr, den überaus furchtbaren, von Giftfeuer-Funken verseuchten
hradaṃ kālīyanāgasya dadarśātivibhīṣaṇam
Weiher der Schlange Kālīya sah er, überaus schrecklich

viṣāgninā visaratā dagdhatīramahātaru / vātāhatāmbuvikṣepa-sparśadagdhavihaṃgamam //

dessen sich ausbreitendes Giftfeuer die großen Bäume am Ufer verbrannt hatte, dessen vom Wind aufgewirbelte Wasserspritzer bei Berührung sogar Vögel versengten,

Wort für Wort
viṣāgninā visaratā dagdhatīramahātaru
dessen sich ausbreitendes Giftfeuer die großen Bäume am Ufer verbrannt hatte
vātāhatāmbuvikṣepa-sparśadagdhavihaṃgamam
dessen vom Wind aufgewirbelte Wasserspritzer bei Berührung sogar Vögel versengten

tam atīva mahāraudraṃ mṛtyuvaktram ivāparam / vilokya cintayām āsa bhagavān madhusūdanaḥ //

als er diesen überaus schrecklichen, wie einen zweiten Todesrachen wirkenden Weiher erblickte, dachte der erhabene Madhusūdana bei sich:

Wort für Wort
tam atīva mahāraudraṃ mṛtyuvaktram ivāparam
diesen überaus schrecklichen, wie einen zweiten Todesrachen [wirkenden Weiher]
vilokya cintayām āsa bhagavān madhusūdanaḥ
erblickend, dachte der erhabene Madhusūdana bei sich

asmin vasati duṣṭātmā kālīyo 'sau viṣāyudhaḥ / yo mayā nirjitas tyaktvā duṣṭo naṣṭaḥ payonidhau //

'In diesem wohnt der bösgesinnte Kālīya, dessen Waffe das Gift ist, der von mir einst besiegt wurde und, der Böse, aus dem Milchozean fliehend, [hierher] verschwand.'

Wort für Wort
asmin vasati duṣṭātmā kālīyo 'sau viṣāyudhaḥ
In diesem wohnt der bösgesinnte Kālīya, dessen Waffe das Gift ist
yo mayā nirjitas tyaktvā duṣṭo naṣṭaḥ payonidhau
der von mir besiegt wurde und, der Böse, aus dem Milchozean fliehend, verschwand

[Anm.: Anspielung auf eine frühere, hier nicht weiter ausgeführte Niederlage Kālīyas gegen Viṣṇu/Garuḍa im Ozean, aufgrund derer die Schlange in die Yamunā geflohen sei.]

teneyaṃ dūṣitā sarvā yamunā sāgaraṃgamā / na narair godhanair vāpi tṛṣārtair upabhujyate //

Durch ihn ist diese ganze, zum Meer fließende Yamunā verseucht; sie wird weder von Menschen noch von durstgeplagtem Rindvieh genutzt.

Wort für Wort
teneyaṃ dūṣitā sarvā yamunā sāgaraṃgamā
Durch ihn ist diese ganze, zum Meer fließende Yamunā verseucht
na narair godhanair vāpi tṛṣārtair upabhujyate
sie wird weder von Menschen noch von durstgeplagtem Rindvieh genutzt

tad asya nāgarājasya kartavyo nigraho mayā / nityatrastāḥ sukhaṃ yena careyur vrajavāsinaḥ //

Deshalb muss von mir die Bezwingung dieses Schlangenkönigs vollzogen werden, damit die ständig geängstigten Bewohner von Vraja in Frieden leben können.

Wort für Wort
tad asya nāgarājasya kartavyo nigraho mayā
Deshalb muss von mir die Bezwingung dieses Schlangenkönigs vollzogen werden
nityatrastāḥ sukhaṃ yena careyur vrajavāsinaḥ
damit die ständig geängstigten Bewohner von Vraja in Frieden leben können

etadarthaṃ nṛloke 'sminn avatāro mayā kṛtaḥ / yad eṣām utpathasthānāṃ kāryā śāstir durātmanām //

Zu diesem Zweck habe ich meine Herabkunft in dieser Menschenwelt vollzogen, damit die Züchtigung dieser vom rechten Pfad abgekommenen Bösgesinnten geschehe.

Wort für Wort
etadarthaṃ nṛloke 'sminn avatāro mayā kṛtaḥ
Zu diesem Zweck habe ich meine Herabkunft in dieser Menschenwelt vollzogen
yad eṣām utpathasthānāṃ kāryā śāstir durātmanām
damit die Züchtigung dieser vom rechten Pfad abgekommenen Bösgesinnten geschehe

tad etan nātidūrasthaṃ kadambam uruśākhinam / adhiruhyotpatiṣyāmi hrade 'smiñ jīvanāśinaḥ //

Deshalb werde ich auf diesen nicht allzu weit entfernten, weitverzweigten Kadamba-Baum steigen und mich in diesen lebenvernichtenden Weiher hinabstürzen.

Wort für Wort
tad etan nātidūrasthaṃ kadambam uruśākhinam
Deshalb werde ich auf diesen nicht allzu weit entfernten, weitverzweigten Kadamba-Baum
adhiruhyotpatiṣyāmi hrade 'smiñ jīvanāśinaḥ
steigen und mich in diesen lebenvernichtenden Weiher hinabstürzen

{vyāsa uvāca:} itthaṃ vicintya baddhvā ca gāḍhaṃ parikaraṃ tataḥ / nipapāta hrade tatra sarparājasya vegataḥ //

So bedenkend, und nachdem er sein Gewand fest gegürtet hatte, stürzte er sich mit Schwung in den Weiher des Schlangenkönigs.

Wort für Wort
itthaṃ vicintya baddhvā ca gāḍhaṃ parikaraṃ tataḥ
So bedenkend, und nachdem er sein Gewand fest gegürtet hatte
nipapāta hrade tatra sarparājasya vegataḥ
stürzte er sich mit Schwung in den Weiher des Schlangenkönigs

tenāpi patatā tatra kṣobhitaḥ sa mahāhradaḥ / atyarthadūrajātāṃś ca tāṃś cāsiñcan mahīruhān //

Durch sein Hineinstürzen wurde jener große Weiher aufgewühlt und bespritzte sogar die in beträchtlicher Entfernung stehenden Bäume.

Wort für Wort
tenāpi patatā tatra kṣobhitaḥ sa mahāhradaḥ
Durch sein Hineinstürzen wurde jener große Weiher aufgewühlt
atyarthadūrajātāṃś ca tāṃś cāsiñcan mahīruhān
und bespritzte sogar die in beträchtlicher Entfernung stehenden Bäume

te 'hiduṣṭaviṣajvālā-taptāmbutapanokṣitāḥ / jajvaluḥ pādapāḥ sadyo jvālāvyāptadigantarāḥ //

Diese Bäume, benetzt vom durch die böse Giftglut der Schlange erhitzten, brennenden Wasser, entflammten sogleich, wobei die Flammen den Horizont ringsum erfüllten.

Wort für Wort
te 'hiduṣṭaviṣajvālā-taptāmbutapanokṣitāḥ
Diese Bäume, benetzt vom durch die böse Giftglut der Schlange erhitzten, brennenden Wasser
jajvaluḥ pādapāḥ sadyo jvālāvyāptadigantarāḥ
entflammten sogleich, wobei die Flammen den Horizont ringsum erfüllten

āsphoṭayām āsa tadā kṛṣṇo nāgahradaṃ bhujaiḥ / tacchabdaśravaṇāc cātha nāgarājo 'bhyupāgamat //

Darauf schlug Kṛṣṇa mit den Armen [klatschend] auf den Schlangenweiher; und beim Hören dieses Geräusches kam der Schlangenkönig herbei.

Wort für Wort
āsphoṭayām āsa tadā kṛṣṇo nāgahradaṃ bhujaiḥ
Darauf schlug Kṛṣṇa mit den Armen auf den Schlangenweiher
tacchabdaśravaṇāc cātha nāgarājo 'bhyupāgamat
und beim Hören dieses Geräusches kam der Schlangenkönig herbei

ātāmranayanaḥ kopād viṣajvālākulaiḥ phaṇaiḥ / vṛto mahāviṣaiś cānyair aruṇair anilāśanaiḥ //

Mit vor Zorn kupferrot gewordenen Augen, umgeben von seinen Hauben, aus denen Giftflammen loderten, sowie von anderen hochgiftigen, rötlichen, sich von Wind nährenden Schlangen,

Wort für Wort
ātāmranayanaḥ kopād viṣajvālākulaiḥ phaṇaiḥ
Mit vor Zorn kupferrot gewordenen Augen, umgeben von seinen Hauben, aus denen Giftflammen loderten
vṛto mahāviṣaiś cānyair aruṇair anilāśanaiḥ
sowie von anderen hochgiftigen, rötlichen, sich von Wind nährenden Schlangen

nāgapatnyaś ca śataśo hārihāropaśobhitāḥ / prakampitatanūtkṣepa-calatkuṇḍalakāntayaḥ //

und von den hunderten Schlangenfrauen, geschmückt mit Perlenketten, deren Ohrringe durch das Erzittern und Werfen ihrer Leiber schön hin und her schwangen —

Wort für Wort
nāgapatnyaś ca śataśo hārihāropaśobhitāḥ
und von den hunderten Schlangenfrauen, geschmückt mit Perlenketten
prakampitatanūtkṣepa-calatkuṇḍalakāntayaḥ
deren Ohrringe durch das Erzittern und Werfen ihrer Leiber schön hin und her schwangen

tataḥ praveṣṭitaḥ sarpaiḥ sa kṛṣṇo bhogabandhanaiḥ / dadaṃśuś cāpi te kṛṣṇaṃ viṣajvālāvilair mukhaiḥ //

— darauf wurde Kṛṣṇa von den Schlangen mit ihren Windungen fest umschlungen, und sie bissen ihn auch mit ihren von Giftflammen getrübten Mäulern.

Wort für Wort
tataḥ praveṣṭitaḥ sarpaiḥ sa kṛṣṇo bhogabandhanaiḥ
darauf wurde Kṛṣṇa von den Schlangen mit ihren Windungen fest umschlungen
dadaṃśuś cāpi te kṛṣṇaṃ viṣajvālāvilair mukhaiḥ
und sie bissen ihn auch mit ihren von Giftflammen getrübten Mäulern

taṃ tatra patitaṃ dṛṣṭvā nāgabhoganipīḍitam / gopā vrajam upāgatya cukruśuḥ śokalālasāḥ //

Als sie ihn dort gefallen sahen, von den Schlangenwindungen bedrängt, kamen die Kuhhirten nach Vraja zurück und schrien, von Kummer erfüllt:

Wort für Wort
taṃ tatra patitaṃ dṛṣṭvā nāgabhoganipīḍitam
Als sie ihn dort gefallen sahen, von den Schlangenwindungen bedrängt
gopā vrajam upāgatya cukruśuḥ śokalālasāḥ
kamen die Kuhhirten nach Vraja zurück und schrien, von Kummer erfüllt

{gopā ūcuḥ:} eṣa kṛṣṇo gato moha-magno vai kāliye hrade / bhakṣyate sarparājena tad āgacchata mā ciram //

[Die Kuhhirten sprachen:] ,Dieser Kṛṣṇa ist gegangen und ist, in Verwirrung versunken, im Kālīya-Weiher; er wird vom Schlangenkönig gefressen — kommt daher unverzüglich!'

Wort für Wort
eṣa kṛṣṇo gato moha-magno vai kāliye hrade
Dieser Kṛṣṇa ist gegangen und ist, in Verwirrung versunken, im Kālīya-Weiher
bhakṣyate sarparājena tad āgacchata mā ciram
er wird vom Schlangenkönig gefressen — kommt daher unverzüglich

{vyāsa uvāca:} etac chrutvā tato gopā vajrapātopamaṃ vacaḥ / gopyaś ca tvaritā jagmur yaśodāpramukhā hradam //

Als sie diese, einem Blitzschlag gleichende Nachricht gehört hatten, eilten darauf die Kuhhirten und die Hirtenfrauen, angeführt von Yaśodā, zum Weiher.

Wort für Wort
etac chrutvā tato gopā vajrapātopamaṃ vacaḥ
Als sie diese, einem Blitzschlag gleichende Nachricht gehört hatten, die Kuhhirten
gopyaś ca tvaritā jagmur yaśodāpramukhā hradam
eilten darauf, und die Hirtenfrauen, angeführt von Yaśodā, zum Weiher

hā hā kvāsāv iti jano gopīnām ativihvalaḥ / yaśodayā samaṃ bhrānto drutaḥ praskhalito yayau //

'Ach, ach, wo ist er?' — so [rief] die überaus erschütterte Schar der Hirtenfrauen; zusammen mit Yaśodā, verwirrt, eilend, stolpernd, liefen sie.

Wort für Wort
hā hā kvāsāv iti jano gopīnām ativihvalaḥ
'Ach, ach, wo ist er?' — so [rief] die überaus erschütterte Schar der Hirtenfrauen
yaśodayā samaṃ bhrānto drutaḥ praskhalito yayau
zusammen mit Yaśodā, verwirrt, eilend, stolpernd, liefen sie

nandagopaś ca gopāś ca rāmaś cādbhutavikramaḥ / tvaritaṃ yamunāṃ jagmuḥ kṛṣṇadarśanalālasāḥ //

Nandagopa, die Kuhhirten und Rāma, von wunderbarer Kraft, eilten zur Yamunā, begierig danach, Kṛṣṇa zu sehen.

Wort für Wort
nandagopaś ca gopāś ca rāmaś cādbhutavikramaḥ
Nandagopa, die Kuhhirten und Rāma, von wunderbarer Kraft
tvaritaṃ yamunāṃ jagmuḥ kṛṣṇadarśanalālasāḥ
eilten zur Yamunā, begierig danach, Kṛṣṇa zu sehen

dadṛśuś cāpi te tatra sarparājavaśaṃgatam / niṣprayatnaṃ kṛtaṃ kṛṣṇaṃ sarpabhogena veṣṭitam //

Und sie sahen dort Kṛṣṇa, der der Macht des Schlangenkönigs unterlegen und regungslos gemacht war, von den Windungen der Schlange umschlungen.

Wort für Wort
dadṛśuś cāpi te tatra sarparājavaśaṃgatam
Und sie sahen dort Kṛṣṇa, der der Macht des Schlangenkönigs unterlegen war
niṣprayatnaṃ kṛtaṃ kṛṣṇaṃ sarpabhogena veṣṭitam
regungslos gemacht, von den Windungen der Schlange umschlungen

nandagopaś ca niśceṣṭaḥ paśyan putramukhaṃ bhṛśam / yaśodā ca mahābhāgā babhūva munisattamāḥ //

Nandagopa wurde regungslos, während er heftig auf das Gesicht seines Sohnes starrte, ebenso die hochgesegnete Yaśodā, ihr besten der Munis.

Wort für Wort
nandagopaś ca niśceṣṭaḥ paśyan putramukhaṃ bhṛśam
Nandagopa wurde regungslos, während er heftig auf das Gesicht seines Sohnes starrte
yaśodā ca mahābhāgā babhūva munisattamāḥ
ebenso die hochgesegnete Yaśodā, ihr besten der Munis

gopyas tv anyā rudatyaś ca dadṛśuḥ śokakātarāḥ / procuś ca keśavaṃ prītyā bhayakātaragadgadam //

Die anderen Hirtenfrauen aber, weinend und von Kummer geängstigt, sahen ihn und sprachen zu Keśava liebevoll, mit vor Furcht stockender, weinerlicher Stimme:

Wort für Wort
gopyas tv anyā rudatyaś ca dadṛśuḥ śokakātarāḥ
Die anderen Hirtenfrauen aber, weinend und von Kummer geängstigt, sahen ihn
procuś ca keśavaṃ prītyā bhayakātaragadgadam
und sprachen zu Keśava liebevoll, mit vor Furcht stockender, weinerlicher Stimme

sarvā yaśodayā sārdhaṃ viśāmo 'tra mahāhrade / nāgarājasya no gantum asmākaṃ yujyate vraje //

'Wir alle wollen zusammen mit Yaśodā in diesen großen Weiher des Schlangenkönigs hinabsteigen; es geziemt uns nicht, [ohne dich] nach Vraja zurückzukehren.'

Wort für Wort
sarvā yaśodayā sārdhaṃ viśāmo 'tra mahāhrade
Wir alle wollen zusammen mit Yaśodā in diesen großen Weiher
nāgarājasya no gantum asmākaṃ yujyate vraje
des Schlangenkönigs hinabsteigen; es geziemt uns nicht, nach Vraja zurückzukehren

divasaḥ ko vinā sūryaṃ vinā candreṇa kā niśā / vinā dugdhena kā gāvo vinā kṛṣṇena ko vrajaḥ / vinākṛtā na yāsyāmaḥ kṛṣṇenānena gokulam //

'Was ist ein Tag ohne Sonne? Was ist eine Nacht ohne Mond? Was sind Kühe ohne Milch? Was ist Vraja ohne Kṛṣṇa? Von diesem Kṛṣṇa getrennt werden wir nicht nach Gokula zurückkehren.'

Wort für Wort
divasaḥ ko vinā sūryaṃ vinā candreṇa kā niśā
Was ist ein Tag ohne Sonne? Was ist eine Nacht ohne Mond?
vinā dugdhena kā gāvo vinā kṛṣṇena ko vrajaḥ
Was sind Kühe ohne Milch? Was ist Vraja ohne Kṛṣṇa?
vinākṛtā na yāsyāmaḥ kṛṣṇenānena gokulam
Von diesem Kṛṣṇa getrennt werden wir nicht nach Gokula zurückkehren

[Anm.: Dreizeiliger Vers.]

{vyāsa uvāca:} iti gopīvacaḥ śrutvā rauhiṇeyo mahābalaḥ / uvāca gopān vidhurān vilokya stimitekṣaṇaḥ //

Als er diese Rede der Hirtenfrauen gehört hatte, sprach der gewaltig starke Sohn der Rohiṇī (Balarāma), die verzweifelten Kuhhirten mit unbewegtem Blick betrachtend,

Wort für Wort
iti gopīvacaḥ śrutvā rauhiṇeyo mahābalaḥ
Als er diese Rede der Hirtenfrauen gehört hatte, der gewaltig starke Sohn der Rohiṇī
uvāca gopān vidhurān vilokya stimitekṣaṇaḥ
sprach, die verzweifelten Kuhhirten mit unbewegtem Blick betrachtend

nandaṃ ca dīnam atyarthaṃ nyastadṛṣṭiṃ sutānane / mūrchākulāṃ yaśodāṃ ca kṛṣṇamāhātmyasaṃjñayā //

und Nanda, überaus elend, den Blick auf das Gesicht des Sohnes geheftet, und die von Ohnmacht befallene Yaśodā — er sprach mit dem Bewusstsein von Kṛṣṇas Erhabenheit:

Wort für Wort
nandaṃ ca dīnam atyarthaṃ nyastadṛṣṭiṃ sutānane
und Nanda, überaus elend, den Blick auf das Gesicht des Sohnes geheftet
mūrchākulāṃ yaśodāṃ ca kṛṣṇamāhātmyasaṃjñayā
und die von Ohnmacht befallene Yaśodā, mit dem Bewusstsein von Kṛṣṇas Erhabenheit

{balarāma uvāca:} kim ayaṃ devadeveśa bhāvo 'yaṃ mānuṣas tvayā / vyajyate svaṃ tam ātmānaṃ kim anyaṃ tvaṃ na vetsi yat //

[Balarāma sprach:] ,Was soll, o Herr der Götter, dieser menschliche Zustand, den du zur Schau stellst? Kennst du etwa dein eigenes Selbst nicht, das ein anderes ist [als dieser Anschein]?

Wort für Wort
kim ayaṃ devadeveśa bhāvo 'yaṃ mānuṣas tvayā
Was soll, o Herr der Götter, dieser menschliche Zustand, den du zur Schau stellst?
vyajyate svaṃ tam ātmānaṃ kim anyaṃ tvaṃ na vetsi yat
Kennst du etwa dein eigenes Selbst nicht, das ein anderes ist?

tvam asya jagato nābhiḥ surāṇām eva cāśrayaḥ / kartāpahartā pātā ca trailokyaṃ tvaṃ trayīmayaḥ //

Du bist der Nabel dieser Welt und die Zuflucht der Götter; du bist Schöpfer, Zerstörer und Erhalter der drei Welten, du, dessen Wesen die drei Veden sind.

Wort für Wort
tvam asya jagato nābhiḥ surāṇām eva cāśrayaḥ
Du bist der Nabel dieser Welt und die Zuflucht der Götter
kartāpahartā pātā ca trailokyaṃ tvaṃ trayīmayaḥ
du bist Schöpfer, Zerstörer und Erhalter der drei Welten, du, dessen Wesen die drei Veden sind

atrāvatīrṇayoḥ kṛṣṇa gopā eva hi bāndhavāḥ / gopyaś ca sīdataḥ kasmāt tvaṃ bandhūn samupekṣase //

Für uns beide, die wir hier herabgestiegen sind, o Kṛṣṇa, sind die Kuhhirten unsere Verwandten; warum lässt du zu, dass die Hirtenfrauen und die Hirten leiden, warum vernachlässigst du deine Verwandten?

Wort für Wort
atrāvatīrṇayoḥ kṛṣṇa gopā eva hi bāndhavāḥ
Für uns beide, die wir hier herabgestiegen sind, o Kṛṣṇa, sind die Kuhhirten unsere Verwandten
gopyaś ca sīdataḥ kasmāt tvaṃ bandhūn samupekṣase
warum lässt du zu, dass die Hirtenfrauen leiden, warum vernachlässigst du deine Verwandten?

darśito mānuṣo bhāvo darśitaṃ bālaceṣṭitam / tad ayaṃ damyatāṃ kṛṣṇa durātmā daśanāyudhaḥ //

Der menschliche Zustand ist nun genug gezeigt worden, das kindliche Verhalten ist gezeigt worden; deshalb, o Kṛṣṇa, soll dieser Bösgesinnte, dessen Waffe die Zähne sind, bezwungen werden.'

Wort für Wort
darśito mānuṣo bhāvo darśitaṃ bālaceṣṭitam
Der menschliche Zustand ist gezeigt worden, das kindliche Verhalten ist gezeigt worden
tad ayaṃ damyatāṃ kṛṣṇa durātmā daśanāyudhaḥ
deshalb, o Kṛṣṇa, soll dieser Bösgesinnte, dessen Waffe die Zähne sind, bezwungen werden

{vyāsa uvāca:} iti saṃsmāritaḥ kṛṣṇaḥ smitabhinnauṣṭhasaṃpuṭaḥ / āsphālya mocayām āsa svaṃ dehaṃ bhogabandhanāt //

So an sich selbst erinnert, öffnete Kṛṣṇa mit einem Lächeln seine Lippen, schlug um sich und befreite seinen Leib aus der Fesselung durch die Windungen.

Wort für Wort
iti saṃsmāritaḥ kṛṣṇaḥ smitabhinnauṣṭhasaṃpuṭaḥ
So an sich selbst erinnert, öffnete Kṛṣṇa mit einem Lächeln seine Lippen
āsphālya mocayām āsa svaṃ dehaṃ bhogabandhanāt
schlug um sich und befreite seinen Leib aus der Fesselung durch die Windungen

ānāmya cāpi hastābhyām ubhābhyāṃ madhyamaṃ phaṇam / āruhya bhugnaśirasaḥ prananartoruvikramaḥ //

Und nachdem er mit beiden Händen die mittlere Haube niedergebogen hatte, bestieg er den Kopf mit gesenktem Haupt und tanzte mit gewaltiger Kraft darauf.

Wort für Wort
ānāmya cāpi hastābhyām ubhābhyāṃ madhyamaṃ phaṇam
Und nachdem er mit beiden Händen die mittlere Haube niedergebogen hatte
āruhya bhugnaśirasaḥ prananartoruvikramaḥ
bestieg er den [Kopf] mit gesenktem Haupt und tanzte mit gewaltiger Kraft darauf

vraṇāḥ phaṇe 'bhavaṃs tasya kṛṣṇasyāṅghrivikuṭṭanaiḥ / yatronnatiṃ ca kurute nanāmāsya tataḥ śiraḥ //

Wunden entstanden auf seiner Haube durch Kṛṣṇas Fußtritte; und wo immer er die Haube zu erheben versuchte, dort drückte er ihm sogleich den Kopf nieder.

Wort für Wort
vraṇāḥ phaṇe 'bhavaṃs tasya kṛṣṇasyāṅghrivikuṭṭanaiḥ
Wunden entstanden auf seiner Haube durch Kṛṣṇas Fußtritte
yatronnatiṃ ca kurute nanāmāsya tataḥ śiraḥ
und wo immer er sie zu erheben versuchte, dort drückte er ihm sogleich den Kopf nieder

mūrchām upāyayau bhrāntyā nāgaḥ kṛṣṇasya kuṭṭanaiḥ / daṇḍapātanipātena vavāma rudhiraṃ bahu //

Die Schlange fiel, taumelnd, durch Kṛṣṇas Fußtritte in Ohnmacht und erbrach, durch das Niederschmettern der Stockschläge seiner Füße, viel Blut.

Wort für Wort
mūrchām upāyayau bhrāntyā nāgaḥ kṛṣṇasya kuṭṭanaiḥ
Die Schlange fiel, taumelnd, durch Kṛṣṇas Fußtritte in Ohnmacht
daṇḍapātanipātena vavāma rudhiraṃ bahu
und erbrach, durch das Niederschmettern der Stockschläge, viel Blut

taṃ nirbhugnaśirogrīvam āsyaprasrutaśoṇitam / vilokya śaraṇaṃ jagmus tatpatnyo madhusūdanam //

Als sie ihn mit gebeugtem Kopf und Hals, mit aus dem Maul strömendem Blut erblickten, nahmen seine Frauen ihre Zuflucht zu Madhusūdana.

Wort für Wort
taṃ nirbhugnaśirogrīvam āsyaprasrutaśoṇitam
Als sie ihn mit gebeugtem Kopf und Hals, mit aus dem Maul strömendem Blut erblickten
vilokya śaraṇaṃ jagmus tatpatnyo madhusūdanam
nahmen seine Frauen ihre Zuflucht zu Madhusūdana

{nāgapatnya ūcuḥ:} jñāto 'si devadeveśa sarveśas tvam anuttama / paraṃ jyotir acintyaṃ yat tadaṃśaḥ parameśvaraḥ //

[Die Schlangenfrauen sprachen:] ,Erkannt bist du, o Herr der Götter, du Herr über alles, Unübertrefflicher; jenes unvorstellbare höchste Licht — dessen Teil du bist, o höchster Herr.'

Wort für Wort
jñāto 'si devadeveśa sarveśas tvam anuttama
Erkannt bist du, o Herr der Götter, du Herr über alles, Unübertrefflicher
paraṃ jyotir acintyaṃ yat tadaṃśaḥ parameśvaraḥ
jenes unvorstellbare höchste Licht — dessen Teil du bist, o höchster Herr

na samarthāḥ sura stotuṃ yam ananyabhavaṃ prabhum / svarūpavarṇanaṃ tasya kathaṃ yoṣit kariṣyati //

Selbst die Götter vermögen nicht, den Herrn zu preisen, dessen Werden von keinem anderen abhängt — wie sollte da eine Frau dessen wahre Gestalt beschreiben?

Wort für Wort
na samarthāḥ sura stotuṃ yam ananyabhavaṃ prabhum
Selbst die Götter vermögen nicht, den Herrn zu preisen, dessen Werden von keinem anderen abhängt
svarūpavarṇanaṃ tasya kathaṃ yoṣit kariṣyati
wie sollte da eine Frau dessen wahre Gestalt beschreiben?

yasyākhilamahīvyoma-jalāgnipavanātmakam / brahmāṇḍam alpakāṃśāṃśaḥ stoṣyāmas taṃ kathaṃ vayam //

Er, dessen winziger Bruchteil eines Teiles das aus Erde, Himmel, Wasser, Feuer und Wind bestehende Weltenei ist — wie sollten wir ihn preisen können?

Wort für Wort
yasyākhilamahīvyoma-jalāgnipavanātmakam
Er, dessen [wahre Gestalt das aus] Erde, Himmel, Wasser, Feuer und Wind bestehende
brahmāṇḍam alpakāṃśāṃśaḥ stoṣyāmas taṃ kathaṃ vayam
Weltenei nur ein winziger Bruchteil eines Teiles ist — wie sollten wir ihn preisen können?

tataḥ kuru jagatsvāmin prasādam avasīdataḥ / prāṇāṃs tyajati nāgo 'yaṃ bhartṛbhikṣā pradīyatām //

Deshalb, o Herr der Welt, erweise Gnade dem Verzweifelnden; diese Schlange gibt ihr Leben auf — gewähre die Gabe [des Lebens] unseres Gemahls!

Wort für Wort
tataḥ kuru jagatsvāmin prasādam avasīdataḥ
Deshalb, o Herr der Welt, erweise Gnade dem Verzweifelnden
prāṇāṃs tyajati nāgo 'yaṃ bhartṛbhikṣā pradīyatām
diese Schlange gibt ihr Leben auf — gewähre die Gabe [des Lebens] unseres Gemahls

{vyāsa uvāca:} ity ukte tābhir āśvāsya klāntadeho 'pi pannagaḥ / prasīda devadeveti prāha vākyaṃ śanaiḥ śanaiḥ //

Nach diesen Worten von ihnen gesprochen, sprach die Schlange, obwohl erschöpften Leibes, ermutigt, ganz langsam die Worte: ,Sei gnädig, o Gott der Götter.'

Wort für Wort
ity ukte tābhir āśvāsya klāntadeho 'pi pannagaḥ
Nach diesen Worten von ihnen gesprochen, ermutigt, die Schlange, obwohl erschöpften Leibes
prasīda devadeveti prāha vākyaṃ śanaiḥ śanaiḥ
sprach ganz langsam die Worte: ,Sei gnädig, o Gott der Götter'

{kālīya uvāca:} tavāṣṭaguṇam aiśvaryaṃ nātha svābhāvikaṃ param / nirastātiśayaṃ yasya tasya stoṣyāmi kiṃ nv aham //

[Kālīya sprach:] ,Deine achtfache Herrschermacht, o Herr, ist von Natur aus höchste, deren Überlegenheit von nichts übertroffen wird — wie sollte ich diesen preisen?

Wort für Wort
tavāṣṭaguṇam aiśvaryaṃ nātha svābhāvikaṃ param
Deine achtfache Herrschermacht, o Herr, ist von Natur aus höchste
nirastātiśayaṃ yasya tasya stoṣyāmi kiṃ nv aham
deren Überlegenheit von nichts übertroffen wird — wie sollte ich diesen preisen?

[Anm.: ,aṣṭaguṇam aiśvaryam' bezieht sich vermutlich auf die acht klassischen Herrschaftsvollkommenheiten (aṣṭa-aiśvarya/aṣṭa-siddhi) Īśvaras.]

tvaṃ paras tvaṃ parasyādyaḥ paraṃ tvaṃ tatparātmakam / parasmāt paramo yas tvaṃ tasya stoṣyāmi kiṃ nv aham //

Du bist der Höchste, du bist der Ursprung des Höchsten, du bist das Höchste, dessen Wesen jenes Höchste ist; du, der du höher bist als das Höchste — wie sollte ich diesen preisen?

Wort für Wort
tvaṃ paras tvaṃ parasyādyaḥ paraṃ tvaṃ tatparātmakam
Du bist der Höchste, du bist der Ursprung des Höchsten, du bist das Höchste, dessen Wesen jenes Höchste ist
parasmāt paramo yas tvaṃ tasya stoṣyāmi kiṃ nv aham
du, der du höher bist als das Höchste — wie sollte ich diesen preisen?

yathāhaṃ bhavatā sṛṣṭo jātyā rūpeṇa ceśvaraḥ / svabhāvena ca saṃyuktas tathedaṃ ceṣṭitaṃ mayā //

So wie ich von dir erschaffen wurde, nach Geburt und Gestalt, o Herr, und mit [meiner eigenen] Natur ausgestattet — so entsprach auch dieses mein Verhalten [meiner Natur].

Wort für Wort
yathāhaṃ bhavatā sṛṣṭo jātyā rūpeṇa ceśvaraḥ
So wie ich von dir erschaffen wurde, nach Geburt und Gestalt, o Herr
svabhāvena ca saṃyuktas tathedaṃ ceṣṭitaṃ mayā
und mit [meiner eigenen] Natur ausgestattet, so entsprach auch dieses mein Verhalten

yady anyathā pravarteya devadeva tato mayi / nyāyyo daṇḍanipātas te tavaiva vacanaṃ yathā //

Wenn ich anders handeln würde, o Gott der Götter, dann wäre die Verhängung der Strafe durch dich an mir gerecht, ganz wie es dein Wort bestimmt.

Wort für Wort
yady anyathā pravarteya devadeva tato mayi
Wenn ich anders handeln würde, o Gott der Götter, dann an mir
nyāyyo daṇḍanipātas te tavaiva vacanaṃ yathā
wäre die Verhängung der Strafe durch dich gerecht, ganz wie es dein Wort bestimmt

tathāpi yaṃ jagatsvāmī daṇḍaṃ pātitavān mayi / sa soḍho 'yaṃ varo daṇḍas tvatto nānyo 'stu me varaḥ //

Dennoch, die Strafe, die der Herr der Welt über mich verhängt hat — diese ertragene Strafe ist für mich schon eine Gunst; kein anderer Gunsterweis von dir soll mir [nötig] sein.

Wort für Wort
tathāpi yaṃ jagatsvāmī daṇḍaṃ pātitavān mayi
Dennoch, die Strafe, die der Herr der Welt über mich verhängt hat
sa soḍho 'yaṃ varo daṇḍas tvatto nānyo 'stu me varaḥ
diese ertragene Strafe ist für mich schon eine Gunst; kein anderer Gunsterweis soll mir nötig sein

hatavīryo hataviṣo damito 'haṃ tvayācyuta / jīvitaṃ dīyatām ekam ājñāpaya karomi kim //

Meiner Kraft beraubt, meines Giftes beraubt, bin ich von dir bezwungen, o Unvergänglicher; gewähre mir allein das Leben — befiehl, was ich tun soll.'

Wort für Wort
hatavīryo hataviṣo damito 'haṃ tvayācyuta
Meiner Kraft beraubt, meines Giftes beraubt, bin ich von dir bezwungen, o Unvergänglicher
jīvitaṃ dīyatām ekam ājñāpaya karomi kim
gewähre mir allein das Leben — befiehl, was ich tun soll

{śrībhagavān uvāca:} nātra stheyaṃ tvayā sarpa kadācid yamunājale / sabhṛtyaparivāras tvaṃ samudrasalilaṃ vraja //

[Der erhabene Herr sprach:] ,Nicht sollst du, o Schlange, jemals wieder im Wasser der Yamunā bleiben; geh, mit deinem Gefolge und deiner Dienerschaft, zum Wasser des Ozeans.'

Wort für Wort
nātra stheyaṃ tvayā sarpa kadācid yamunājale
Nicht sollst du, o Schlange, jemals wieder im Wasser der Yamunā bleiben
sabhṛtyaparivāras tvaṃ samudrasalilaṃ vraja
geh, mit deinem Gefolge und deiner Dienerschaft, zum Wasser des Ozeans

matpadāni ca te sarpa dṛṣṭvā mūrdhani sāgare / garuḍaḥ pannagaripus tvayi na prahariṣyati //

'Und wenn Garuḍa, der Feind der Schlangen, im Ozean meine Fußspuren auf deinem Haupt erblickt, o Schlange, wird er dich nicht angreifen.'

Wort für Wort
matpadāni ca te sarpa dṛṣṭvā mūrdhani sāgare
Und wenn Garuḍa im Ozean meine Fußspuren auf deinem Haupt erblickt, o Schlange
garuḍaḥ pannagaripus tvayi na prahariṣyati
der Feind der Schlangen, wird er dich nicht angreifen

{vyāsa uvāca:} ity uktvā sarparājānaṃ mumoca bhagavān hariḥ / praṇamya so 'pi kṛṣṇāya jagāma payasāṃ nidhim //

Nach diesen Worten ließ der erhabene Hari den Schlangenkönig los; und nachdem auch er sich vor Kṛṣṇa verneigt hatte, begab er sich zum Meer der Wasser.

Wort für Wort
ity uktvā sarparājānaṃ mumoca bhagavān hariḥ
Nach diesen Worten ließ der erhabene Hari den Schlangenkönig los
praṇamya so 'pi kṛṣṇāya jagāma payasāṃ nidhim
und nachdem auch er sich vor Kṛṣṇa verneigt hatte, begab er sich zum Meer der Wasser

paśyatāṃ sarvabhūtānāṃ sabhṛtyāpatyabandhavaḥ / samastabhāryāsahitaḥ parityajya svakaṃ hradam //

Vor den Augen aller Wesen, mit seiner Dienerschaft, seinen Kindern und Verwandten, samt all seinen Gattinnen, verließ er seinen eigenen Weiher.

Wort für Wort
paśyatāṃ sarvabhūtānāṃ sabhṛtyāpatyabandhavaḥ
Vor den Augen aller Wesen, mit seiner Dienerschaft, seinen Kindern und Verwandten
samastabhāryāsahitaḥ parityajya svakaṃ hradam
samt all seinen Gattinnen, verließ er seinen eigenen Weiher

gate sarpe pariṣvajya mṛtaṃ punar ivāgatam / gopā mūrdhani govindaṃ siṣicur netrajair jalaiḥ //

Als die Schlange gegangen war, umarmten die Kuhhirten den wie von den Toten Wiedergekehrten und besprengten Govindas Haupt mit den aus ihren Augen strömenden Tränen.

Wort für Wort
gate sarpe pariṣvajya mṛtaṃ punar ivāgatam
Als die Schlange gegangen war, umarmten sie den wie von den Toten Wiedergekehrten
gopā mūrdhani govindaṃ siṣicur netrajair jalaiḥ
die Kuhhirten besprengten Govindas Haupt mit den aus ihren Augen strömenden Tränen

kṛṣṇam akliṣṭakarmāṇam anye vismitacetasaḥ / tuṣṭuvur muditā gopā dṛṣṭvā śivajalāṃ nadīm //

Andere Kuhhirten, erstaunten Gemüts, priesen freudig Kṛṣṇa, dessen Tun nie ermüdet, als sie den Fluss mit seinem nun wieder heilsamen Wasser sahen.

Wort für Wort
kṛṣṇam akliṣṭakarmāṇam anye vismitacetasaḥ
Andere Kuhhirten, erstaunten Gemüts, Kṛṣṇa, dessen Tun nie ermüdet
tuṣṭuvur muditā gopā dṛṣṭvā śivajalāṃ nadīm
priesen sie freudig, als sie den Fluss mit seinem heilsamen Wasser sahen

gīyamāno 'tha gopībhiś caritaiś cāruceṣṭitaiḥ / saṃstūyamāno gopālaiḥ kṛṣṇo vrajam upāgamat //

Von den Hirtenfrauen mit Liedern über seine Taten und anmutigen Handlungen besungen, von den Kuhhirten gepriesen, kehrte Kṛṣṇa nach Vraja zurück.

Wort für Wort
gīyamāno 'tha gopībhiś caritaiś cāruceṣṭitaiḥ
Von den Hirtenfrauen mit Liedern über seine Taten und anmutigen Handlungen besungen
saṃstūyamāno gopālaiḥ kṛṣṇo vrajam upāgamat
von den Kuhhirten gepriesen, kehrte Kṛṣṇa nach Vraja zurück

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