Kapitel 148: koṭitīrthamāhātmyavarṇanam
Die Größe des Koṭi-Tīrtha (Der Weise Kāṇva, das erloschene Opferfeuer und die göttliche Stimme)
Der Weise Kāṇva (Bāhlīka) vollzieht mit seiner Gattin regelmäßig Feueropfer an der Gautamī. Als das Feuer zwischen zwei Opferspenden erlischt, gerät er in Verzweiflung, bis eine göttliche Stimme ihn anweist, in den halbverbrannten Scheiten zu opfern, und ihm mittels einer Vater-Sohn-Gleichnis-Logik (was dem Sohn/der Glut gegeben wird, erfreut ebenso den Vater/das ursprüngliche Feuer) erklärt, dass jede dort vollzogene Handlung zehnmillionenfachen (koṭi) Lohn bringt. Daraus entsteht das Koṭi-Tīrtha (auch Vāṇī-Tīrtha), dessen Größe selbst von den Göttern nicht auszusprechen ist, mit 49 weiteren Tīrthas.
Von den Leuten wurde er auch Kāṇva genannt, kundig der Veden und Vedāṅgas. Die periodisch wiederkehrenden Opfer, die es gibt, vollzog er zusammen mit seiner Gattin, kundig der Veden.
Wort für Wort
kāṇvaś ceti janaiḥ khyāto vedavedāṅgapāragaḥ
von den Leuten wurde er auch Kāṇva genannt, kundig der Veden und Vedāṅgas
iṣṭīḥ pārvāyaṇānīr yāḥ sabhāryo vedapāragaḥ
die periodischen Opfer, die es gibt, (vollzog er) zusammen mit der Gattin, kundig der Veden
Diese vollziehend, weilte er, von der Welt verehrt, am Ufer der Gautamī. Am Morgen, zusammen mit seiner Gattin, opferte er, gesammelten Geistes, ins Feuer.
Wort für Wort
kurvann āste sa gautamyās tīrastho lokapūjitaḥ
diese vollziehend, weilte er, von der Welt verehrt, am Ufer der Gautamī
prātaḥkāle sabhāryo 'sau juhvad agnau samāhitaḥ
am Morgen, zusammen mit der Gattin, opferte er, gesammelten Geistes, ins Feuer
agneḥ putro hiraṇyas tu pitā putraḥ sa eva tu /
putre dattaṃ priyāyaiva pituḥ prītyai bhaviṣyati //
'Agnis Sohn ist Hiraṇya; doch der Vater ist ebenso der Sohn. Was dem lieben Sohn gegeben wird, dient eben zur Freude des Vaters.'
Wort für Wort
agneḥ putro hiraṇyas tu pitā putraḥ sa eva tu
Agnis Sohn ist Hiraṇya; doch der Vater ist ebenso der Sohn
putre dattaṃ priyāyaiva pituḥ prītyai bhaviṣyati
was dem lieben Sohn gegeben wird, dient zur Freude des Vaters
[Anm.: sinngemäß - Anspielung auf die Identität von Feuer und dessen 'Nachkommen' (Glut/Funken), wodurch eine Gabe an den 'Sohn' (das halbverbrannte Holz) dem 'Vater' (dem ursprünglichen Feuer) gleichkommt.]
- nachdem sie dies als die ganze Essenz des Dharma erkannt hatten, taten sie so, wie gesagt worden war. Dies erkennend, gilt in dieser Welt: Was dem Sohn gegeben wird, gehört dem Vater.
Wort für Wort
niścitya dharmasarvasvaṃ tathā cakrur yathoditam
nachdem sie dies als die ganze Essenz des Dharma erkannt hatten, taten sie so, wie gesagt
etaj jñātvā jagaty atra putre dattaṃ pitur bhavet
dies erkennend: was dem Sohn gegeben wird, gehört in dieser Welt dem Vater
'Diese Tīrtha wurde, o Kāṇva, durch die Kraft der Heiligkeit groß; sie gewährt größere Frucht als alle Tīrthas, die den drei Welten als Zuflucht dienen.'
Wort für Wort
abhavat tan mahat tīrthaṃ kāṇva puṇyaprabhāvataḥ
diese Tīrtha wurde, o Kāṇva, durch die Kraft der Heiligkeit groß
lokatrayāśrayāśeṣatīrthebhyo 'pi mahāphalam
sie gewährt größere Frucht als alle Tīrthas, die den drei Welten als Zuflucht dienen
'Wer immer, gesammelten Geistes, mit Hingabe irgendein Baden, Spenden oder Ähnliches vollzieht, wird die vollständige Frucht erlangen, alles zehnmillionenfach, o Weiser.'
Wort für Wort
snānadānādikaṃ kiṃcid bhaktyā kurvan samāhitaḥ
wer, gesammelten Geistes, mit Hingabe irgendein Baden, Spenden oder Ähnliches vollzieht
phalaṃ prāpsyasy aśeṣeṇa sarvaṃ koṭiguṇaṃ mune
wird die vollständige Frucht erlangen, alles zehnmillionenfach, o Weiser
'Was auch immer hier von den Menschen an Baden, Spenden und Ähnlichem vollzogen wird - man wisse, dass alles zehnmillionenfach ist; daher kennt man sie als Koṭi-Tīrtha.'
Wort für Wort
yat kiṃcit kriyate cātra snānadānādikaṃ naraiḥ
was auch immer hier von den Menschen an Baden, Spenden und Ähnlichem vollzogen wird
sarvaṃ koṭiguṇaṃ vidyāt koṭitīrthaṃ tato viduḥ
man wisse, dass alles zehnmillionenfach ist; daher kennt man sie als Koṭi-Tīrtha
Wo sich dieses auf Agni bezogene Geschehen mit Kāṇva und dem 'Enkel' Hiraṇyaka ereignete, heißt sie auch Vāṇī-benannt, das Koṭi-Tīrtha, da sie die Frucht des Koṭi-Tīrtha gewährt.
wo sich dieses auf Agni bezogene Geschehen mit Kāṇva und dem Enkel Hiraṇyaka ereignete
vāṇīsaṃjñaṃ koṭitīrthaṃ koṭitīrthaphalaṃ yataḥ
heißt sie auch Vāṇī-benannt, das Koṭi-Tīrtha, da sie die Frucht des Koṭi-Tīrtha gewährt
[Anm.: 'pautraṃ hiraṇyakam' unklar - vermutlich Bezug auf Hiraṇya als 'Enkel' des Feuers im übertragenen Sinne der vorangehenden Genealogie-Metapher (V.13); sinngemäß wiedergegeben.]
Überall am Ufer der Gautamī ist die Spende für die Ahnen vortrefflich, besonders aber am Koṭi-Tīrtha gewährt sie unendliche Frucht. Hier, so wissen die Weisen, gibt es neunundvierzig Tīrthas.
Wort für Wort
sarvatra gautamītīre pitṝṇāṃ dānam uttamam
überall am Ufer der Gautamī ist die Spende für die Ahnen vortrefflich
viśeṣataḥ koṭitīrthe tad anantaphalapradam
besonders aber am Koṭi-Tīrtha gewährt sie unendliche Frucht
atraikanyūnapañcāśat tīrthāni munayo viduḥ
hier, so wissen die Weisen, gibt es neunundvierzig (wörtl. 'eins-weniger-als-fünfzig') Tīrthas
[Anm.: Dreizeiliger Vers im Original; 'ekanyūnapañcāśat' wörtlich 'um eins vermindert fünfzig' = neunundvierzig.]