Quellen der Menschheit

Brahma-Purāṇa

Kapitel 182: kṛṣṇajanma yogamāyāpalāyanaṃ ca Die Geburt Kṛṣṇas und die Entrückung der Yogamāyā

Kṛṣṇa geht in Devakīs Leib ein, Yoganidrā gleichzeitig in Yaśodās; die Götter preisen die strahlende, unnahbare Devakī als Erscheinungsform der Großen Göttin. Um Mitternacht wird der vierarmige Kṛṣṇa geboren; Vasudeva und Devakī bitten ihn, die göttliche Gestalt (und damit die Erkennbarkeit für Kaṃsa) zurückzuziehen, was er gewährt. Vasudeva trägt das Kind, von Śeṣa vor dem Regen geschützt, über die sich teilende Yamunā nach Gokula und tauscht es gegen Yaśodās neugeborene Tochter. Kaṃsa ergreift das vermeintliche achte Kind der Devakī, das sich jedoch als die Göttin Yogamāyā entpuppt: Sie entkommt in den Luftraum, verkündet ihm, dass sein Töter bereits geboren sei, und entschwindet.

{vyāsa uvāca:} yathoktaṃ sā jagaddhātrī devadevena vai purā / ṣaḍgarbhagarbhavinyāsaṃ cakre cānyasya karṣaṇam //

Wie zuvor vom Gott der Götter angeordnet, bewirkte sie, die Trägerin der Welt [Yoganidrā], die Einpflanzung der sechs Embryonen und das Herausziehen des anderen [siebten].

Wort für Wort
yathoktaṃ sā jagaddhātrī devadevena vai purā
Wie zuvor vom Gott der Götter angeordnet, sie, die Trägerin der Welt
ṣaḍgarbhagarbhavinyāsaṃ cakre cānyasya karṣaṇam
bewirkte die Einpflanzung der sechs Embryonen und das Herausziehen des anderen

saptame rohiṇīṃ prāpte garbhe garbhe tato hariḥ / lokatrayopakārāya devakyāḥ praviveśa vai //

Als der siebte Embryo zu Rohiṇī gelangt war, ging Hari darauf, zum Nutzen der drei Welten, in den Leib der Devakī ein.

Wort für Wort
saptame rohiṇīṃ prāpte garbhe garbhe tato hariḥ
Als der siebte Embryo zu Rohiṇī gelangt war, darauf Hari
lokatrayopakārāya devakyāḥ praviveśa vai
ging, zum Nutzen der drei Welten, in den Leib der Devakī ein

yoganidrā yaśodāyās tasminn eva tato dine / saṃbhūtā jaṭhare tadvad yathoktaṃ parameṣṭhinā //

Yoganidrā entstand ebenso, an eben jenem Tag, im Leib der Yaśodā, wie es vom Höchsten angeordnet worden war.

Wort für Wort
yoganidrā yaśodāyās tasminn eva tato dine
Yoganidrā im Leib der Yaśodā, an eben jenem Tag
saṃbhūtā jaṭhare tadvad yathoktaṃ parameṣṭhinā
entstand ebenso, wie es vom Höchsten angeordnet worden war

tato grahagaṇaḥ samyak pracacāra divi dvijāḥ / viṣṇor aṃśe mahīṃ yāta ṛtavo 'py abhavañ śubhāḥ //

Danach standen, o Brahmanen, die Planeten am Himmel in guter Konstellation, als Viṣṇus Teil zur Erde ging, und auch die Jahreszeiten wurden günstig.

Wort für Wort
tato grahagaṇaḥ samyak pracacāra divi dvijāḥ
Danach standen die Planeten am Himmel in guter Ordnung, o Brahmanen
viṣṇor aṃśe mahīṃ yāta ṛtavo 'py abhavañ śubhāḥ
als Viṣṇus Teil zur Erde ging, wurden auch die Jahreszeiten günstig

notsehe devakīṃ draṣṭuṃ kaścid apy atitejasā / jājvalyamānāṃ tāṃ dṛṣṭvā manāṃsi kṣobham āyayuḥ //

Niemand vermochte es, Devakī wegen ihrer übergroßen Glut anzusehen; als man sie strahlend sah, gerieten die Gemüter in Erregung.

Wort für Wort
notsehe devakīṃ draṣṭuṃ kaścid apy atitejasā
Niemand vermochte es, Devakī anzusehen wegen [ihrer] übergroßen Glut
jājvalyamānāṃ tāṃ dṛṣṭvā manāṃsi kṣobham āyayuḥ
als man sie strahlend sah, gerieten die Gemüter in Erregung

adṛṣṭāṃ puruṣaiḥ strībhir devakīṃ devatāgaṇāḥ / bibhrāṇāṃ vapuṣā viṣṇuṃ tuṣṭuvus tām aharniśam //

Die von Männern und Frauen ungesehene Devakī, die Viṣṇu in ihrem Leib trug, priesen die Scharen der Götter Tag und Nacht.

Wort für Wort
adṛṣṭāṃ puruṣaiḥ strībhir devakīṃ devatāgaṇāḥ
Die von Männern und Frauen ungesehene Devakī priesen die Scharen der Götter
bibhrāṇāṃ vapuṣā viṣṇuṃ tuṣṭuvus tām aharniśam
die Viṣṇu in ihrem Leib trug, Tag und Nacht

{devā ūcuḥ:} tvaṃ svāhā tvaṃ svadhā vidyā sudhā tvaṃ jyotir eva ca / tvaṃ sarvalokarakṣārtham avatīrṇā mahītale //

[Die Götter sprachen:] ,Du bist Svāhā, du bist Svadhā, Wissen, Nektar, und du bist das Licht; du bist zum Schutz aller Welten auf die Erde herabgestiegen.'

Wort für Wort
tvaṃ svāhā tvaṃ svadhā vidyā sudhā tvaṃ jyotir eva ca
Du bist Svāhā, du bist Svadhā, Wissen, Nektar, und du bist das Licht
tvaṃ sarvalokarakṣārtham avatīrṇā mahītale
du bist zum Schutz aller Welten auf die Erde herabgestiegen

prasīda devi sarvasya jagatas tvaṃ śubhaṃ kuru / prītyarthaṃ dhārayeśānaṃ dhṛtaṃ yenākhilaṃ jagat //

Sei gnädig, o Göttin, bewirke Heil für die ganze Welt; trage aus Liebe den Herrn, von dem die gesamte Welt getragen wird.

Wort für Wort
prasīda devi sarvasya jagatas tvaṃ śubhaṃ kuru
Sei gnädig, o Göttin, bewirke Heil für die ganze Welt
prītyarthaṃ dhārayeśānaṃ dhṛtaṃ yenākhilaṃ jagat
trage aus Liebe den Herrn, von dem die gesamte Welt getragen wird

{vyāsa uvāca:} evaṃ saṃstūyamānā sā devair devam adhārayat / garbheṇa puṇḍarīkākṣaṃ jagatāṃ trāṇakāraṇam //

So von den Göttern gepriesen, trug sie den Lotusäugigen, die Ursache der Rettung der Welten, im Leib.

Wort für Wort
evaṃ saṃstūyamānā sā devair devam adhārayat
So von den Göttern gepriesen, trug sie den Gott
garbheṇa puṇḍarīkākṣaṃ jagatāṃ trāṇakāraṇam
im Leib, den Lotusäugigen, die Ursache der Rettung der Welten

tato 'khilajagatpadma-bodhāyācyutabhānunā / devakyāḥ pūrvasaṃdhyāyām āvirbhūtaṃ mahātmanā //

Danach erschien er, der Hochseelige, durch den unvergänglichen [sonnengleichen] Glanz, um den Lotus der gesamten Welt zu erwecken, in der [ersten] Dämmerung im Leib der Devakī.

Wort für Wort
tato 'khilajagatpadma-bodhāyācyutabhānunā
Danach, um den Lotus der gesamten Welt zu erwecken, durch den unvergänglichen Glanz
devakyāḥ pūrvasaṃdhyāyām āvirbhūtaṃ mahātmanā
erschien der Hochseelige in der [ersten] Dämmerung im Leib der Devakī

[Anm.: Der genaue zeitliche Bezug von ,pūrvasaṃdhyāyām' (,in der früheren Dämmerung') zur in V.11 geschilderten Geburt um Mitternacht (madhyarātre) bleibt unklar [?] — möglicherweise wird hier ein erstes, noch verborgenes Erscheinen von der eigentlichen Geburt unterschieden.]

madhyarātre 'khilādhāre jāyamāne janārdane / mandaṃ jagarjur jaladāḥ puṣpavṛṣṭimucaḥ surāḥ //

Als um Mitternacht Janārdana, die Stütze von allem, geboren wurde, donnerten die Wolken sanft, und die Götter ließen einen Blütenregen fallen.

Wort für Wort
madhyarātre 'khilādhāre jāyamāne janārdane
Als um Mitternacht Janārdana, die Stütze von allem, geboren wurde
mandaṃ jagarjur jaladāḥ puṣpavṛṣṭimucaḥ surāḥ
donnerten die Wolken sanft, und die Götter ließen einen Blütenregen fallen

phullendīvarapattrābhaṃ caturbāhum udīkṣya tam / śrīvatsavakṣasaṃ jātaṃ tuṣṭāvānakadundubhiḥ //

Als er ihn erblickte, von der Farbe eines aufgeblühten blauen Lotusblattes, vierarmig, mit dem Śrīvatsa-Zeichen auf der Brust geboren, pries ihn Ānakadundubhi (Vasudeva).

Wort für Wort
phullendīvarapattrābhaṃ caturbāhum udīkṣya tam
Als er ihn erblickte, von der Farbe eines aufgeblühten blauen Lotusblattes, vierarmig
śrīvatsavakṣasaṃ jātaṃ tuṣṭāvānakadundubhiḥ
mit dem Śrīvatsa-Zeichen auf der Brust geboren, pries ihn Ānakadundubhi

abhiṣṭūya ca taṃ vāgbhiḥ prasannābhir mahāmatiḥ / vijñāpayām āsa tadā kaṃsād bhīto dvijottamāḥ //

Und nachdem der Hochgesinnte ihn mit gnädigen Worten gepriesen hatte, sprach er, aus Furcht vor Kaṃsa, zu ihm, ihr besten der Zweifachgeborenen.

Wort für Wort
abhiṣṭūya ca taṃ vāgbhiḥ prasannābhir mahāmatiḥ
Und nachdem der Hochgesinnte ihn mit gnädigen Worten gepriesen hatte
vijñāpayām āsa tadā kaṃsād bhīto dvijottamāḥ
sprach er, aus Furcht vor Kaṃsa, zu ihm, ihr besten der Zweifachgeborenen

{vasudeva uvāca:} jñāto 'si devadeveśa śaṅkhacakragadādhara / divyaṃ rūpam idaṃ deva prasādenopasaṃhara //

[Vasudeva sprach:] ,Erkannt bist du, o Herr der Götter, Träger von Muschelhorn, Diskus und Keule! Diese göttliche Gestalt, o Gott, ziehe gnädig zurück.'

Wort für Wort
jñāto 'si devadeveśa śaṅkhacakragadādhara
Erkannt bist du, o Herr der Götter, Träger von Muschelhorn, Diskus und Keule
divyaṃ rūpam idaṃ deva prasādenopasaṃhara
diese göttliche Gestalt, o Gott, ziehe gnädig zurück

adyaiva deva kaṃso 'yaṃ kurute mama yātanām / avatīrṇam iti jñātvā tvām asmin mandire mama //

Noch heute, o Gott, wird mir dieser Kaṃsa Qualen bereiten, wenn er erfährt, dass du in diesem meinem Haus herabgestiegen bist.

Wort für Wort
adyaiva deva kaṃso 'yaṃ kurute mama yātanām
Noch heute, o Gott, wird mir dieser Kaṃsa Qualen bereiten
avatīrṇam iti jñātvā tvām asmin mandire mama
wenn er erfährt, dass du in diesem meinem Haus herabgestiegen bist

{devaky uvāca:} yo 'nantarūpo 'khilaviśvarūpo garbhe 'pi lokān vapuṣā bibharti prasīdatām eṣa sa devadevaḥ svamāyayāviṣkṛtabālarūpaḥ // (4 pādas)

Er, der unendliche Gestalt hat, dessen Gestalt das gesamte Universum ist, der selbst im Mutterleib die Welten mit seinem Leib trägt — er, der Gott der Götter, der durch seine eigene Māyā die Kindesgestalt angenommen hat, möge gnädig sein!

Wort für Wort
yo 'nantarūpo 'khilaviśvarūpo
Er, der unendliche Gestalt hat, dessen Gestalt das gesamte Universum ist
garbhe 'pi lokān vapuṣā bibharti
der selbst im Mutterleib die Welten mit seinem Leib trägt
prasīdatām eṣa sa devadevaḥ
er, der Gott der Götter, möge gnädig sein
svamāyayāviṣkṛtabālarūpaḥ
der durch seine eigene Māyā die Kindesgestalt angenommen hat

[Anm.: Vierpadiges Metrum, von Devakī gesprochen.]

upasaṃhara sarvātman rūpam etac caturbhujam / jānātu māvatāraṃ te kaṃso 'yaṃ ditijāntaka //

Ziehe, o Allseele, diese vierarmige Gestalt zurück; nicht soll dieser Kaṃsa deine Herabkunft erkennen, o Vernichter der Diti-Söhne.

Wort für Wort
upasaṃhara sarvātman rūpam etac caturbhujam
Ziehe, o Allseele, diese vierarmige Gestalt zurück
jānātu māvatāraṃ te kaṃso 'yaṃ ditijāntaka
nicht soll dieser Kaṃsa deine Herabkunft erkennen, o Vernichter der Diti-Söhne

{śrībhagavān uvāca:} stuto 'haṃ yat tvayā pūrvaṃ putrārthinyā tad adya te / saphalaṃ devi saṃjātaṃ jāto 'haṃ yat tavodarāt //

[Der erhabene Herr sprach:] ,Dass ich zuvor von dir, als du dir einen Sohn wünschtest, gepriesen wurde — das ist dir heute zur Frucht geworden, o Göttin, da ich aus deinem Leib geboren wurde.'

Wort für Wort
stuto 'haṃ yat tvayā pūrvaṃ putrārthinyā tad adya te
Dass ich zuvor von dir, als du dir einen Sohn wünschtest, gepriesen wurde, das ist dir heute
saphalaṃ devi saṃjātaṃ jāto 'haṃ yat tavodarāt
zur Frucht geworden, o Göttin, da ich aus deinem Leib geboren wurde

{vyāsa uvāca:} ity uktvā bhagavāṃs tūṣṇīṃ babhūva munisattamāḥ / vasudevo 'pi taṃ rātrāv ādāya prayayau bahiḥ //

Nach diesen Worten wurde der Erhabene still, ihr besten der Munis; Vasudeva aber nahm ihn in der Nacht und ging nach draußen.

Wort für Wort
ity uktvā bhagavāṃs tūṣṇīṃ babhūva munisattamāḥ
Nach diesen Worten wurde der Erhabene still, ihr besten der Munis
vasudevo 'pi taṃ rātrāv ādāya prayayau bahiḥ
Vasudeva aber nahm ihn in der Nacht und ging nach draußen

mohitāś cābhavaṃs tatra rakṣiṇo yoganidrayā / mathurādvārapālāś ca vrajaty ānakadundubhau //

Und die Wächter dort wurden von Yoganidrā betört, ebenso die Torhüter Mathurās, als Ānakadundubhi (Vasudeva) fortging.

Wort für Wort
mohitāś cābhavaṃs tatra rakṣiṇo yoganidrayā
Und die Wächter dort wurden von Yoganidrā betört
mathurādvārapālāś ca vrajaty ānakadundubhau
ebenso die Torhüter Mathurās, als Ānakadundubhi fortging

varṣatāṃ jaladānāṃ ca tat toyam ulbaṇaṃ niśi / saṃchādya taṃ yayau śeṣaḥ phaṇair ānakadundubhim //

Und während die Wolken regneten, ging Śeṣa, indem er mit seinen Hauben jenes heftige Wasser in der Nacht von ihm abhielt, mit Ānakadundubhi.

Wort für Wort
varṣatāṃ jaladānāṃ ca tat toyam ulbaṇaṃ niśi
Und während die Wolken regneten, jenes heftige Wasser in der Nacht
saṃchādya taṃ yayau śeṣaḥ phaṇair ānakadundubhim
abhaltend mit seinen Hauben, ging Śeṣa mit Ānakadundubhi

yamunāṃ cātigambhīrāṃ nānāvartaśatākulām / vasudevo vahan viṣṇuṃ jānumātravahāṃ yayau //

Und die überaus tiefe Yamunā, von hunderten mancherlei Strudeln erfüllt, durchquerte Vasudeva, Viṣṇu tragend, während der Fluss nur kniehoch wurde.

Wort für Wort
yamunāṃ cātigambhīrāṃ nānāvartaśatākulām
Und die überaus tiefe Yamunā, von hunderten mancherlei Strudeln erfüllt
vasudevo vahan viṣṇuṃ jānumātravahāṃ yayau
durchquerte Vasudeva, Viṣṇu tragend, [den Fluss, der] nur kniehoch [wurde]

kaṃsasya karam ādāya tatraivābhyāgatāṃs taṭe / nandādīn gopavṛddhāṃś ca yamunāyāṃ dadarśa saḥ //

Nachdem er den Tribut für Kaṃsa entgegengenommen hatte, sah er dort am Ufer der Yamunā Nanda und die anderen alten Kuhhirten, die dorthin gekommen waren.

Wort für Wort
kaṃsasya karam ādāya tatraivābhyāgatāṃs taṭe
Nachdem er den Tribut für Kaṃsa entgegengenommen hatte, [die] dorthin ans Ufer Gekommenen
nandādīn gopavṛddhāṃś ca yamunāyāṃ dadarśa saḥ
sah er, Nanda und die anderen alten Kuhhirten, an der Yamunā

[Anm.: ,kaṃsasya karam' (,die Abgabe/Steuer für Kaṃsa') bezieht sich auf die traditionelle Nebenhandlung, dass Vasudeva zur Zeit von Kṛṣṇas Geburt unterwegs war, um Kaṃsas Tribut zu entrichten.]

tasmin kāle yaśodāpi mohitā yoganidrayā / tām eva kanyāṃ munayaḥ prāsūta mohite jane //

Zu jener Zeit gebar auch Yaśodā, von Yoganidrā betört, während die Menschen betört waren, ihr Munis, eben jenes Mädchen.

Wort für Wort
tasmin kāle yaśodāpi mohitā yoganidrayā
Zu jener Zeit auch Yaśodā, von Yoganidrā betört
tām eva kanyāṃ munayaḥ prāsūta mohite jane
gebar eben jenes Mädchen, ihr Munis, während die Menschen betört waren

vasudevo 'pi vinyasya bālam ādāya dārikām / yaśodāśayane tūrṇam ājagāmāmitadyutiḥ //

Vasudeva aber kam eilends, von unermesslichem Glanz, zum Lager der Yaśodā, legte den Knaben nieder und nahm das Mädchen auf.

Wort für Wort
vasudevo 'pi vinyasya bālam ādāya dārikām
Vasudeva aber, den Knaben niederlegend, das Mädchen aufnehmend
yaśodāśayane tūrṇam ājagāmāmitadyutiḥ
kam eilends, von unermesslichem Glanz, zum Lager der Yaśodā

dadarśa ca vibuddhvā sā yaśodā jātam ātmajam / nīlotpaladalaśyāmaṃ tato 'tyarthaṃ mudaṃ yayau //

Und als Yaśodā erwachte, sah sie den geborenen Sohn, dunkel wie das Blatt einer blauen Lotusblüte, und wurde darüber überaus froh.

Wort für Wort
dadarśa ca vibuddhvā sā yaśodā jātam ātmajam
Und als Yaśodā erwachte, sah sie den geborenen Sohn
nīlotpaladalaśyāmaṃ tato 'tyarthaṃ mudaṃ yayau
dunkel wie das Blatt einer blauen Lotusblüte, und wurde darüber überaus froh

ādāya vasudevo 'pi dārikāṃ nijamandiram / devakīśayane nyasya yathāpūrvam atiṣṭhata //

Vasudeva aber nahm das Mädchen, [ging] zu seinem eigenen Haus, legte es auf das Lager der Devakī und verblieb dort wie zuvor.

Wort für Wort
ādāya vasudevo 'pi dārikāṃ nijamandiram
Vasudeva aber nahm das Mädchen, zu seinem eigenen Haus
devakīśayane nyasya yathāpūrvam atiṣṭhata
legte es auf das Lager der Devakī und verblieb dort wie zuvor

tato bāladhvaniṃ śrutvā rakṣiṇaḥ sahasotthitāḥ / kaṃsam āvedayām āsur devakīprasavaṃ dvijāḥ //

Danach, als die Wächter das Geschrei des Kindes hörten, standen sie sogleich auf und meldeten Kaṃsa die Geburt bei Devakī, ihr Zweifachgeborenen.

Wort für Wort
tato bāladhvaniṃ śrutvā rakṣiṇaḥ sahasotthitāḥ
Danach, als die Wächter das Geschrei des Kindes hörten, standen sie sogleich auf
kaṃsam āvedayām āsur devakīprasavaṃ dvijāḥ
und meldeten Kaṃsa die Geburt bei Devakī, ihr Zweifachgeborenen

kaṃsas tūrṇam upetyaināṃ tato jagrāha bālikām / muñca muñceti devakyā-sannakaṇṭhaṃ nivāritaḥ //

Kaṃsa, eilends herbeigekommen, ergriff darauf das Mädchen, obwohl er von Devakī, die mit erstickter Kehle rief 'Lass los, lass los!', daran gehindert wurde.

Wort für Wort
kaṃsas tūrṇam upetyaināṃ tato jagrāha bālikām
Kaṃsa, eilends herbeigekommen, ergriff darauf das Mädchen
muñca muñceti devakyā-sannakaṇṭhaṃ nivāritaḥ
obwohl von Devakī, die mit erstickter Kehle rief 'Lass los, lass los!', daran gehindert

cikṣepa ca śilāpṛṣṭhe sā kṣiptā viyati sthitim / avāpa rūpaṃ ca mahat sāyudhāṣṭamahābhujam / prajahāsa tathaivoccaiḥ kaṃsaṃ ca ruṣitābravīt //

Er schleuderte sie gegen die Felsplatte; sie aber, geschleudert, erlangte einen Platz im Luftraum, nahm eine gewaltige Gestalt mit acht großen, waffentragenden Armen an, lachte ebenso laut auf und sprach zornig zu Kaṃsa:

Wort für Wort
cikṣepa ca śilāpṛṣṭhe sā kṣiptā viyati sthitim
Er schleuderte sie gegen die Felsplatte; sie aber, geschleudert, erlangte einen Platz im Luftraum
avāpa rūpaṃ ca mahat sāyudhāṣṭamahābhujam
nahm eine gewaltige Gestalt mit acht großen, waffentragenden Armen an
prajahāsa tathaivoccaiḥ kaṃsaṃ ca ruṣitābravīt
lachte ebenso laut auf und sprach zornig zu Kaṃsa

[Anm.: Dreizeiliger Vers.]

{yogamāyovāca:} kiṃ mayākṣiptayā kaṃsa jāto yas tvāṃ haniṣyati / sarvasvabhūto devānām āsīn mṛtyuḥ purā sa te / tad etat saṃpradhāryāśu kriyatāṃ hitam ātmanaḥ //

[Yogamāyā sprach:] ,Was [nützt es], mich zu schleudern, Kaṃsa? Geboren ist bereits, wer dich töten wird — er, der das Ein-und-Alles der Götter ist, war schon zuvor dein Tod. Bedenke dies wohl und tue eilends, was dir selbst zuträglich ist.'

Wort für Wort
kiṃ mayākṣiptayā kaṃsa jāto yas tvāṃ haniṣyati
Was [nützt es], mich zu schleudern, Kaṃsa? Geboren ist, wer dich töten wird
sarvasvabhūto devānām āsīn mṛtyuḥ purā sa te
er, der das Ein-und-Alles der Götter ist, war schon zuvor dein Tod
tad etat saṃpradhāryāśu kriyatāṃ hitam ātmanaḥ
bedenke dies wohl und tue eilends, was dir selbst zuträglich ist

[Anm.: Dreizeiliger Vers.]

{vyāsa uvāca:} ity uktvā prayayau devī divyasraggandhabhūṣaṇā / paśyato bhojarājasya stutā siddhair vihāyasā //

Nach diesen Worten entschwand die Göttin, geschmückt mit himmlischen Blumenkränzen, Duftstoffen und Schmuck, durch den Luftraum, von den Siddhas gepriesen, während der Bhoja-König (Kaṃsa) zusah.

Wort für Wort
ity uktvā prayayau devī divyasraggandhabhūṣaṇā
Nach diesen Worten entschwand die Göttin, geschmückt mit himmlischen Blumenkränzen, Duftstoffen und Schmuck
paśyato bhojarājasya stutā siddhair vihāyasā
durch den Luftraum, von den Siddhas gepriesen, während der Bhoja-König zusah

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