Kapitel 182: kṛṣṇajanma yogamāyāpalāyanaṃ ca
Die Geburt Kṛṣṇas und die Entrückung der Yogamāyā
Kṛṣṇa geht in Devakīs Leib ein, Yoganidrā gleichzeitig in Yaśodās; die Götter preisen die strahlende, unnahbare Devakī als Erscheinungsform der Großen Göttin. Um Mitternacht wird der vierarmige Kṛṣṇa geboren; Vasudeva und Devakī bitten ihn, die göttliche Gestalt (und damit die Erkennbarkeit für Kaṃsa) zurückzuziehen, was er gewährt. Vasudeva trägt das Kind, von Śeṣa vor dem Regen geschützt, über die sich teilende Yamunā nach Gokula und tauscht es gegen Yaśodās neugeborene Tochter. Kaṃsa ergreift das vermeintliche achte Kind der Devakī, das sich jedoch als die Göttin Yogamāyā entpuppt: Sie entkommt in den Luftraum, verkündet ihm, dass sein Töter bereits geboren sei, und entschwindet.
Wie zuvor vom Gott der Götter angeordnet, bewirkte sie, die Trägerin der Welt [Yoganidrā], die Einpflanzung der sechs Embryonen und das Herausziehen des anderen [siebten].
Wort für Wort
yathoktaṃ sā jagaddhātrī devadevena vai purā
Wie zuvor vom Gott der Götter angeordnet, sie, die Trägerin der Welt
ṣaḍgarbhagarbhavinyāsaṃ cakre cānyasya karṣaṇam
bewirkte die Einpflanzung der sechs Embryonen und das Herausziehen des anderen
{devā ūcuḥ:} tvaṃ svāhā tvaṃ svadhā vidyā sudhā tvaṃ jyotir eva ca /
tvaṃ sarvalokarakṣārtham avatīrṇā mahītale //
[Die Götter sprachen:] ,Du bist Svāhā, du bist Svadhā, Wissen, Nektar, und du bist das Licht; du bist zum Schutz aller Welten auf die Erde herabgestiegen.'
Wort für Wort
tvaṃ svāhā tvaṃ svadhā vidyā sudhā tvaṃ jyotir eva ca
Du bist Svāhā, du bist Svadhā, Wissen, Nektar, und du bist das Licht
tvaṃ sarvalokarakṣārtham avatīrṇā mahītale
du bist zum Schutz aller Welten auf die Erde herabgestiegen
tato 'khilajagatpadma-bodhāyācyutabhānunā /
devakyāḥ pūrvasaṃdhyāyām āvirbhūtaṃ mahātmanā //
Danach erschien er, der Hochseelige, durch den unvergänglichen [sonnengleichen] Glanz, um den Lotus der gesamten Welt zu erwecken, in der [ersten] Dämmerung im Leib der Devakī.
Wort für Wort
tato 'khilajagatpadma-bodhāyācyutabhānunā
Danach, um den Lotus der gesamten Welt zu erwecken, durch den unvergänglichen Glanz
devakyāḥ pūrvasaṃdhyāyām āvirbhūtaṃ mahātmanā
erschien der Hochseelige in der [ersten] Dämmerung im Leib der Devakī
[Anm.: Der genaue zeitliche Bezug von ,pūrvasaṃdhyāyām' (,in der früheren Dämmerung') zur in V.11 geschilderten Geburt um Mitternacht (madhyarātre) bleibt unklar [?] — möglicherweise wird hier ein erstes, noch verborgenes Erscheinen von der eigentlichen Geburt unterschieden.]
phullendīvarapattrābhaṃ caturbāhum udīkṣya tam /
śrīvatsavakṣasaṃ jātaṃ tuṣṭāvānakadundubhiḥ //
Als er ihn erblickte, von der Farbe eines aufgeblühten blauen Lotusblattes, vierarmig, mit dem Śrīvatsa-Zeichen auf der Brust geboren, pries ihn Ānakadundubhi (Vasudeva).
Wort für Wort
phullendīvarapattrābhaṃ caturbāhum udīkṣya tam
Als er ihn erblickte, von der Farbe eines aufgeblühten blauen Lotusblattes, vierarmig
śrīvatsavakṣasaṃ jātaṃ tuṣṭāvānakadundubhiḥ
mit dem Śrīvatsa-Zeichen auf der Brust geboren, pries ihn Ānakadundubhi
[Vasudeva sprach:] ,Erkannt bist du, o Herr der Götter, Träger von Muschelhorn, Diskus und Keule! Diese göttliche Gestalt, o Gott, ziehe gnädig zurück.'
Wort für Wort
jñāto 'si devadeveśa śaṅkhacakragadādhara
Erkannt bist du, o Herr der Götter, Träger von Muschelhorn, Diskus und Keule
divyaṃ rūpam idaṃ deva prasādenopasaṃhara
diese göttliche Gestalt, o Gott, ziehe gnädig zurück
{devaky uvāca:} yo 'nantarūpo 'khilaviśvarūpo
garbhe 'pi lokān vapuṣā bibharti
prasīdatām eṣa sa devadevaḥ
svamāyayāviṣkṛtabālarūpaḥ // (4 pādas)
Er, der unendliche Gestalt hat, dessen Gestalt das gesamte Universum ist, der selbst im Mutterleib die Welten mit seinem Leib trägt — er, der Gott der Götter, der durch seine eigene Māyā die Kindesgestalt angenommen hat, möge gnädig sein!
Wort für Wort
yo 'nantarūpo 'khilaviśvarūpo
Er, der unendliche Gestalt hat, dessen Gestalt das gesamte Universum ist
garbhe 'pi lokān vapuṣā bibharti
der selbst im Mutterleib die Welten mit seinem Leib trägt
prasīdatām eṣa sa devadevaḥ
er, der Gott der Götter, möge gnädig sein
svamāyayāviṣkṛtabālarūpaḥ
der durch seine eigene Māyā die Kindesgestalt angenommen hat
[Anm.: Vierpadiges Metrum, von Devakī gesprochen.]
{śrībhagavān uvāca:} stuto 'haṃ yat tvayā pūrvaṃ putrārthinyā tad adya te /
saphalaṃ devi saṃjātaṃ jāto 'haṃ yat tavodarāt //
[Der erhabene Herr sprach:] ,Dass ich zuvor von dir, als du dir einen Sohn wünschtest, gepriesen wurde — das ist dir heute zur Frucht geworden, o Göttin, da ich aus deinem Leib geboren wurde.'
Wort für Wort
stuto 'haṃ yat tvayā pūrvaṃ putrārthinyā tad adya te
Dass ich zuvor von dir, als du dir einen Sohn wünschtest, gepriesen wurde, das ist dir heute
saphalaṃ devi saṃjātaṃ jāto 'haṃ yat tavodarāt
zur Frucht geworden, o Göttin, da ich aus deinem Leib geboren wurde
kaṃsasya karam ādāya tatraivābhyāgatāṃs taṭe /
nandādīn gopavṛddhāṃś ca yamunāyāṃ dadarśa saḥ //
Nachdem er den Tribut für Kaṃsa entgegengenommen hatte, sah er dort am Ufer der Yamunā Nanda und die anderen alten Kuhhirten, die dorthin gekommen waren.
Wort für Wort
kaṃsasya karam ādāya tatraivābhyāgatāṃs taṭe
Nachdem er den Tribut für Kaṃsa entgegengenommen hatte, [die] dorthin ans Ufer Gekommenen
nandādīn gopavṛddhāṃś ca yamunāyāṃ dadarśa saḥ
sah er, Nanda und die anderen alten Kuhhirten, an der Yamunā
[Anm.: ,kaṃsasya karam' (,die Abgabe/Steuer für Kaṃsa') bezieht sich auf die traditionelle Nebenhandlung, dass Vasudeva zur Zeit von Kṛṣṇas Geburt unterwegs war, um Kaṃsas Tribut zu entrichten.]
Kaṃsa, eilends herbeigekommen, ergriff darauf das Mädchen, obwohl er von Devakī, die mit erstickter Kehle rief 'Lass los, lass los!', daran gehindert wurde.
Wort für Wort
kaṃsas tūrṇam upetyaināṃ tato jagrāha bālikām
Kaṃsa, eilends herbeigekommen, ergriff darauf das Mädchen
muñca muñceti devakyā-sannakaṇṭhaṃ nivāritaḥ
obwohl von Devakī, die mit erstickter Kehle rief 'Lass los, lass los!', daran gehindert
cikṣepa ca śilāpṛṣṭhe sā kṣiptā viyati sthitim /
avāpa rūpaṃ ca mahat sāyudhāṣṭamahābhujam /
prajahāsa tathaivoccaiḥ kaṃsaṃ ca ruṣitābravīt //
Er schleuderte sie gegen die Felsplatte; sie aber, geschleudert, erlangte einen Platz im Luftraum, nahm eine gewaltige Gestalt mit acht großen, waffentragenden Armen an, lachte ebenso laut auf und sprach zornig zu Kaṃsa:
Wort für Wort
cikṣepa ca śilāpṛṣṭhe sā kṣiptā viyati sthitim
Er schleuderte sie gegen die Felsplatte; sie aber, geschleudert, erlangte einen Platz im Luftraum
avāpa rūpaṃ ca mahat sāyudhāṣṭamahābhujam
nahm eine gewaltige Gestalt mit acht großen, waffentragenden Armen an
{yogamāyovāca:} kiṃ mayākṣiptayā kaṃsa jāto yas tvāṃ haniṣyati /
sarvasvabhūto devānām āsīn mṛtyuḥ purā sa te /
tad etat saṃpradhāryāśu kriyatāṃ hitam ātmanaḥ //
[Yogamāyā sprach:] ,Was [nützt es], mich zu schleudern, Kaṃsa? Geboren ist bereits, wer dich töten wird — er, der das Ein-und-Alles der Götter ist, war schon zuvor dein Tod. Bedenke dies wohl und tue eilends, was dir selbst zuträglich ist.'
Wort für Wort
kiṃ mayākṣiptayā kaṃsa jāto yas tvāṃ haniṣyati
Was [nützt es], mich zu schleudern, Kaṃsa? Geboren ist, wer dich töten wird
sarvasvabhūto devānām āsīn mṛtyuḥ purā sa te
er, der das Ein-und-Alles der Götter ist, war schon zuvor dein Tod
tad etat saṃpradhāryāśu kriyatāṃ hitam ātmanaḥ
bedenke dies wohl und tue eilends, was dir selbst zuträglich ist
Nach diesen Worten entschwand die Göttin, geschmückt mit himmlischen Blumenkränzen, Duftstoffen und Schmuck, durch den Luftraum, von den Siddhas gepriesen, während der Bhoja-König (Kaṃsa) zusah.
Wort für Wort
ity uktvā prayayau devī divyasraggandhabhūṣaṇā
Nach diesen Worten entschwand die Göttin, geschmückt mit himmlischen Blumenkränzen, Duftstoffen und Schmuck
paśyato bhojarājasya stutā siddhair vihāyasā
durch den Luftraum, von den Siddhas gepriesen, während der Bhoja-König zusah