Kapitel 159: vañjarāsaṃgamatīrthamāhātmyavarṇanam
Die Größe des Vañjarā-Saṃgama-Tīrtha (Garuḍas Knechtschaft, die verunglückte Sonnenfahrt der Schlangen und das altersheilende Rasātala-Wasser)
[Anm.: Erzählt, warum Vinatā und ihr Sohn Garuḍa in die Knechtschaft der Schlangen(-mutter) Kadrū gerieten (eine verlorene Wette), wie die Schlangen bei ihrer von Kadrū erzwungenen Fahrt zur Sonne auf Garuḍas Rücken von der Sonnenglut versengt werden und abstürzen, und wie Vinatā auf Kadrūs Bedingung hin mithilfe des von Garuḍa aus Rasātala geholten (und von Indras Regen vermehrten) Wassers die Schlangen von Alter (jarā) heilt. Ursprung des Gaṅgā-Wassers aus Rasātala, des Nāgālaya und des Flusses Vañjarā sowie ihres Zusammenflusses mit der Gaṅgā, des Vañjarā-Saṃgama-Tīrtha.]
{Brahmā sprach:} Es gibt ein Tīrtha namens Vañjarā-Saṃgama, berühmt in den drei Welten, stets aufgesucht von Weisen, von Siddhas und ebenso von königlichen Sehern.
Wort für Wort
vañjarāsaṃgamaṃ nāma tīrthaṃ trailokyaviśrutam
Es gibt ein Tīrtha namens Vañjarā-Saṃgama, berühmt in den drei Welten,
ṛṣibhiḥ sevitaṃ nityaṃ siddhai rājarṣibhis tathā
stets aufgesucht von Weisen, von Siddhas und ebenso von königlichen Sehern.
Einst geriet der Vogel Garuḍa in die Knechtschaft der Schlangen (Nāgas); damals, sein Gemüt gequält vom Leid über die Knechtschaft [seiner] Mutter, verharrte er einmal im Verborgenen und dachte, tief seufzend, nach.
Wort für Wort
dāsatvam agamat pūrvaṃ nāgānāṃ garuḍaḥ khagaḥ
Einst geriet der Vogel Garuḍa in die Knechtschaft der Schlangen (Nāgas);
mātṛdāsyāt tadā duḥkha-parisaṃtaptamānasaḥ
damals, sein Gemüt gequält vom Leid über die Knechtschaft [seiner] Mutter,
kadācic cintayām āsa rahaḥ sthitvā viniśvasan
verharrte er einmal im Verborgenen und dachte, tief seufzend, nach.
[Anm.: Dreizeiliger Vers unter einer Versmarke im Quelltext, hier als eine Einheit mit drei Wort-für-Wort-Zeilen wiedergegeben.]
{garuḍa uvāca:} ta eva dhanyā loke 'smin kṛtapuṇyās ta eva hi /
nānyasevā kṛtā yais tu na yeṣāṃ vyasanāgamaḥ //
{Garuḍa sprach:} „Nur jene sind glücklich in dieser Welt, nur jene haben wahrhaft Verdienst erworben, die keinem anderen dienen mussten und denen kein Unglück widerfährt.“
Wort für Wort
ta eva dhanyā loke 'smin kṛtapuṇyās ta eva hi
„Nur jene sind glücklich in dieser Welt, nur jene haben wahrhaft Verdienst erworben,
nānyasevā kṛtā yais tu na yeṣāṃ vyasanāgamaḥ
die keinem anderen dienen mussten und denen kein Unglück widerfährt.“
sukhaṃ tiṣṭhanti gāyanti svapanti ca hasanti ca /
svadehaprabhavo dhanyā dhig dhig anyavaśe sthitān //
„Glücklich verweilen sie, singen, schlafen und lachen; gesegnet [sind die, die] aus eigener Kraft [leben] – Schande, Schande über jene, die in der Gewalt eines anderen stehen!“
Wort für Wort
sukhaṃ tiṣṭhanti gāyanti svapanti ca hasanti ca
„Glücklich verweilen sie, singen, schlafen und lachen;
svadehaprabhavo dhanyā dhig dhig anyavaśe sthitān
gesegnet [sind die, die] aus eigener Kraft [leben] – Schande, Schande über jene, die in der Gewalt eines anderen stehen!“
{garuḍa uvāca:} kasyāparādhān mātas tvaṃ pitur vā mama vānyataḥ /
dāsītvam āptā vada tat-kāraṇaṃ mama pṛcchataḥ //
{Garuḍa sprach:} „Durch wessen Vergehen, Mutter – meines, das meines Vaters, oder eines anderen – bist du in die Knechtschaft geraten? Sage mir, der ich frage, den Grund dafür.“
Wort für Wort
kasyāparādhān mātas tvaṃ pitur vā mama vānyataḥ
„Durch wessen Vergehen, Mutter – meines, das meines Vaters, oder eines anderen –
dāsītvam āptā vada tat-kāraṇaṃ mama pṛcchataḥ
bist du in die Knechtschaft geraten? Sage mir, der ich frage, den Grund dafür.“
{Vinatā sprach:} „Es ist keineswegs jemandes Vergehen – mein eigenes Vergehen habe ich [selbst] verursacht; ‚wessen Wort sich als falsch erweist, die soll Sklavin sein‘ – das habe ich [selbst] gesagt.“
Wort für Wort
naiva kasyāparādho 'sti svāparādho mayoditaḥ
„Es ist keineswegs jemandes Vergehen – mein eigenes Vergehen habe ich [selbst] verursacht;
yasyā vākyaṃ viparyeti sā dāsī syān mayoditam
‚wessen Wort sich als falsch erweist, die soll Sklavin sein‘ – das habe ich [selbst] gesagt.“
vidhir hi balavāṃs tāta kāṃ kāṃ ceṣṭāṃ na ceṣṭate /
evaṃ dāsītvam agamaṃ kadrvāḥ kaśyapanandana /
yadā dāsī tu jātāhaṃ dāso 'bhūs tvaṃ dvijanmaja //
„Das Schicksal ist mächtig, mein Kind – welches Vorhaben bewirkt es nicht? So geriet ich in die Knechtschaft der Kadrū, o Sohn des Kaśyapa; da ich zur Sklavin wurde, wurdest [auch] du zum Sklaven, o zweifach Geborener.“
Wort für Wort
vidhir hi balavāṃs tāta kāṃ kāṃ ceṣṭāṃ na ceṣṭate
„Das Schicksal ist mächtig, mein Kind – welches Vorhaben bewirkt es nicht?
evaṃ dāsītvam agamaṃ kadrvāḥ kaśyapanandana
So geriet ich in die Knechtschaft der Kadrū, o Sohn des Kaśyapa;
yadā dāsī tu jātāhaṃ dāso 'bhūs tvaṃ dvijanmaja
da ich zur Sklavin wurde, wurdest [auch] du zum Sklaven, o zweifach Geborener.“
[Anm.: Dreizeiliger Vers unter einer Versmarke im Quelltext. Die Anrede „dvijanmaja“ (zweifach geboren) bleibt in ihrem genauen Bezug unsicher [?].]
{kadrūr uvāca:} putraḥ sūryaṃ namaskartuṃ tava yāty anivāritaḥ /
aho lokatraye 'py asmin dhanyāsi bata dāsy api //
{Kadrū sprach:} „Dein Sohn geht unaufgehalten, um sich vor der Sonne zu verneigen; ach, in diesen drei Welten bist du fürwahr glücklich, selbst als Sklavin.“
Wort für Wort
putraḥ sūryaṃ namaskartuṃ tava yāty anivāritaḥ
„Dein Sohn geht unaufgehalten, um sich vor der Sonne zu verneigen;
aho lokatraye 'py asmin dhanyāsi bata dāsy api
ach, in diesen drei Welten bist du fürwahr glücklich, selbst als Sklavin.“
{brahmovāca:} suparṇas tv avahan nāgān kadrūṃ ca vinatā tathā /
tataḥ provāca muditā vainateyasya mātaram //
{Brahmā sprach:} Der schönbeflügelte [Garuḍa] trug die Schlangen und Kadrū, ebenso [trug] Vinatā [sie]; da sprach jene [Kadrū], erfreut, zur Mutter des Vainateya [Garuḍa]:
Wort für Wort
suparṇas tv avahan nāgān kadrūṃ ca vinatā tathā
Der schönbeflügelte [Garuḍa] trug die Schlangen und Kadrū, ebenso [trug] Vinatā [sie];
tataḥ provāca muditā vainateyasya mātaram
da sprach jene, erfreut, zur Mutter des Vainateya:
{sarpamātovāca:} putrā me draṣṭum icchanti haṃsaṃ trijagatāṃ gurum /
namaskṛtvā tataḥ sūryam eṣyanti nilayaṃ mama /
haṇḍe tvaṃ naya putrān me sūryamaṇḍalam anvaham //
{Die Schlangenmutter sprach:} „Meine Söhne wollen den ‚Schwan‘ [Anm.: Beiname der Sonne bzw. eines höchsten Wesens], den Lehrer der drei Welten, sehen; nachdem sie sich vor der Sonne verneigt haben, werden sie zu meinem Wohnsitz zurückkehren. He du, bring meine Söhne täglich zur Sonnenscheibe!“
Wort für Wort
putrā me draṣṭum icchanti haṃsaṃ trijagatāṃ gurum
„Meine Söhne wollen den ‚Schwan‘, den Lehrer der drei Welten, sehen;
namaskṛtvā tataḥ sūryam eṣyanti nilayaṃ mama
nachdem sie sich vor der Sonne verneigt haben, werden sie zu meinem Wohnsitz zurückkehren.
haṇḍe tvaṃ naya putrān me sūryamaṇḍalam anvaham
He du, bring meine Söhne täglich zur Sonnenscheibe!“
[Anm.: Dreizeiliger Vers unter einer Versmarke im Quelltext, hier als eine Einheit mit drei Wort-für-Wort-Zeilen wiedergegeben. „Haṃsa“ (Schwan) ist hier wohl ein Beiname der Sonne bzw. eines höchsten Prinzips [?].]
{vinatovāca:} nāhaṃ kṣamā sarpamātaḥ putro me neṣyate sutān /
dṛṣṭvā dinakaraṃ devaṃ punar eva prayāntu te //
{Vinatā sprach:} „Ich vermag es nicht, o Schlangenmutter; mein Sohn wird [aber] deine Söhne [dorthin] bringen. Nachdem sie den Sonnengott erblickt haben, sollen sie wieder [zurück-]gehen.“
Wort für Wort
nāhaṃ kṣamā sarpamātaḥ putro me neṣyate sutān
„Ich vermag es nicht, o Schlangenmutter; mein Sohn wird [aber] deine Söhne [dorthin] bringen.
dṛṣṭvā dinakaraṃ devaṃ punar eva prayāntu te
Nachdem sie den Sonnengott erblickt haben, sollen sie wieder [zurück-]gehen.“
{Brahmā sprach:} Vinatā sprach zu ihrem eigenen Sohn, dem Herrscher der Vögel: „Die Schlangen, die zur Herrschaft [über dich] gelangt sind, wollen sich [nun vor der Sonne] verneigen.“
Wort für Wort
vinatā svasutaṃ prāha vihagānām adhīśvaram
Vinatā sprach zu ihrem eigenen Sohn, dem Herrscher der Vögel:
namaskartum athecchanti nāgāḥ svāmitvam āgatāḥ
„Die Schlangen, die zur Herrschaft [über dich] gelangt sind, wollen sich [nun vor der Sonne] verneigen.“
„Die Schlangenmutter hat mich mit Nachdruck [zur] leuchtenden [Sonne zu bringen] geheißen.“ – „So sei es“, sagte darauf jener Garuḍa, „die Schlangen sollen mich besteigen.“
Wort für Wort
bhāsvantam ity uvāceyaṃ māṃ sarpajananī haṭhāt
„Die Schlangenmutter hat mich mit Nachdruck [zur] leuchtenden [Sonne zu bringen] geheißen.“
tathety uktvā sa garuḍo mām ārohantu pannagāḥ
„So sei es“, sagte darauf jener Garuḍa, „die Schlangen sollen mich besteigen.“
Da bestieg das Schlangenheer den Garuḍa, den Herrscher der Vögel; langsam näherte er sich dem Ort, wo der Gott, der Tagesmacher [die Sonne], weilt. Jene [Schlangen], von der scharfen Glut der Sonnenstrahlen versengt, gerieten in Qual.
Wort für Wort
tadārūḍhaṃ sarpasainyaṃ garuḍaṃ vihagādhipam
Da bestieg das Schlangenheer den Garuḍa, den Herrscher der Vögel;
śanaiḥ śanair upagamad yatra devo divākaraḥ
langsam näherte er sich dem Ort, wo der Gott, der Tagesmacher, weilt.
te dahyamānās tīkṣṇena bhānutāpena vivyathuḥ
Jene, von der scharfen Glut der Sonnenstrahlen versengt, gerieten in Qual.
[Anm.: Dreizeiliger Vers unter einer Versmarke im Quelltext, hier als eine Einheit mit drei Wort-für-Wort-Zeilen wiedergegeben.]
{Die Schlangen sprachen:} „Kehr um, o Hochweiser – Verehrung, Verehrung dem Sonnenvogel! Genug mit der Wohnstatt der Sonne – wir sind von der Glut der Sonne versengt! Wir werden gehen, o Garuḍa, sei es mit dir oder auch ohne dich.“
Wort für Wort
nivartasva mahāprājña pataṃgāya namo namaḥ
„Kehr um, o Hochweiser – Verehrung, Verehrung dem Sonnenvogel!
alaṃ sūryasya sadanaṃ dagdhāḥ sūryasya tejasā
Genug mit der Wohnstatt der Sonne – wir sind von der Glut der Sonne versengt!
yāmas tvayā vā garuḍa vihāya tvām athāpi vā
Wir werden gehen, o Garuḍa, sei es mit dir oder auch ohne dich.“
[Anm.: Dreizeiliger Vers unter einer Versmarke im Quelltext, hier als eine Einheit mit drei Wort-für-Wort-Zeilen wiedergegeben.]
{Brahmā sprach:} So von den Schlangen angesprochen, [sagte er:] „Ich zeige euch [nun erst recht] die Sonne“ – dies gesagt habend, flog er rasch durch den Himmel, der Sonne entgegen.
Wort für Wort
evaṃ nāgair ucyamāna ādityaṃ darśayāmi vaḥ
So von den Schlangen angesprochen, [sagte er:] „Ich zeige euch [nun erst recht] die Sonne“ –
ity uktvā gaganaṃ śīghraṃ jagāmādityasaṃmukhaḥ
dies gesagt habend, flog er rasch durch den Himmel, der Sonne entgegen.
„Der Herr der Schlangen [Garuḍa] vermag nicht anders zu handeln als [nach] das Wort seiner Herrin [zu tun]; wenn jener Kāśyapa [Garuḍa], von großer Glut, hier heilsam [handeln würde] –“
Wort für Wort
nānyathā kartum āyāti svāmivākyaṃ phaṇīśvaraḥ
„Der Herr der Schlangen vermag nicht anders zu handeln als [nach] das Wort seiner Herrin [zu tun];
sa kāśyapo bṛhattejā yady atra syād anāmayam
wenn jener Kāśyapa, von großer Glut, hier heilsam [handeln würde] –“
[Anm.: Der genaue Bezug dieses Verses (Verhältnis Garuḍa – „Herrin“) bleibt unsicher [?].]
{vinatovāca:} nedaṃ yuktataraṃ putra bhūṣaṇaṃ vinayena hi /
vartituṃ yuktam ity uktaṃ vaiparītyaṃ na yujyate //
{Vinatā sprach:} „Dies ist nicht angemessener, mein Sohn – der Schmuck [der Tugend] besteht ja in Demut; es ziemt sich zu handeln, wie gesagt wurde – das Gegenteil geziemt sich nicht.“
Wort für Wort
nedaṃ yuktataraṃ putra bhūṣaṇaṃ vinayena hi
„Dies ist nicht angemessener, mein Sohn – der Schmuck [der Tugend] besteht ja in Demut;
vartituṃ yuktam ity uktaṃ vaiparītyaṃ na yujyate
es ziemt sich zu handeln, wie gesagt wurde – das Gegenteil geziemt sich nicht.“
{vinatovāca:} kiṃ kṛtvā śāntir abhyeti putrāṇāṃ te karomi tat /
jarayā tu gṛhītās te vada śāntiṃ karomi tat //
{Vinatā sprach:} „Was soll ich tun, damit Linderung für deine Söhne eintritt? Das will ich tun. Sie sind ja vom Alter (jarā) ergriffen – sag es, [und] ich werde jene Linderung bewirken.“
Wort für Wort
kiṃ kṛtvā śāntir abhyeti putrāṇāṃ te karomi tat
„Was soll ich tun, damit Linderung für deine Söhne eintritt? Das will ich tun.
jarayā tu gṛhītās te vada śāntiṃ karomi tat
Sie sind ja vom Alter ergriffen – sag es, [und] ich werde jene Linderung bewirken.“
{Brahmā sprach:} Kadrū sagte darauf zu Vinatā: „Durch das in Rasātala befindliche Wasser – wenn meine Söhne damit besprengt werden, wird ihnen Linderung zuteilwerden.“
Wort für Wort
kadrūr apy āha vinatāṃ rasātalagataṃ payaḥ
Kadrū sagte darauf zu Vinatā: „Durch das in Rasātala befindliche Wasser –
tenābhiṣecitānāṃ me putrāṇāṃ śāntir eṣyati
wenn meine Söhne damit besprengt werden, wird ihnen Linderung zuteilwerden.“
Nachdem sie diese Worte der Kadrū gehört hatte, holte sie binnen eines Augenblicks das in Rasātala befindliche Wasser und besprengte jene Schlangen damit. Darauf sprach Garuḍa zu Maghavan [Indra], dem Herrn der hundert Opfer:
Wort für Wort
kadrvās tad vacanaṃ śrutvā rasātalagataṃ payaḥ
Nachdem sie diese Worte der Kadrū gehört hatte, [holte sie] das in Rasātala befindliche Wasser
kṣaṇenaiva samānīya nāgāṃs tān abhyaṣecayat
binnen eines Augenblicks herbei und besprengte jene Schlangen damit.
tataḥ provāca garuḍo maghavānaṃ śatakratum
Darauf sprach Garuḍa zu Maghavan, dem Herrn der hundert Opfer:
[Anm.: Dreizeiliger Vers unter einer Versmarke im Quelltext, hier als eine Einheit mit drei Wort-für-Wort-Zeilen wiedergegeben.]
{Brahmā sprach:} So regnete der Regengott, [und] Heil widerfuhr den Schlangen; das aus Rasātala stammende Gaṅgā-Wasser [war] Lebenskraft für die Schlangen.
Wort für Wort
tathā vavarṣa parjanyo nāgānām abhavac chivam
So regnete der Regengott, [und] Heil widerfuhr den Schlangen;
rasātalabhavaṃ gāṅgaṃ nāgasaṃjīvanaṃ payaḥ
das aus Rasātala stammende Gaṅgā-Wasser [war] Lebenskraft für die Schlangen.
Was von Garuḍa herbeigebracht wurde, um Alter und Kummer zu vernichten – der Ort, wo die Schlangen damit besprengt wurden, wird „Nāgālaya“ (Schlangenwohnsitz) genannt.
Wort für Wort
jarāśokavināśārtham ānītaṃ garuḍena yat
Was von Garuḍa herbeigebracht wurde, um Alter und Kummer zu vernichten –
yatrābhiṣecitā nāgās tan nāgālayam ucyate
der Ort, wo die Schlangen damit besprengt wurden, wird „Nāgālaya“ genannt.
Weil es die Abwehr des Alters bewirkte [und] den Schlangen Heil widerfuhr, weil das aus Rasātala stammende Gaṅgā-Wasser die Lebenskraft der Schlangen war –
Wort für Wort
jarāyā vāraṇaṃ yasmān nāgānām abhavac chivam
Weil es die Abwehr des Alters bewirkte [und] den Schlangen Heil widerfuhr,
rasātalabhavaṃ gāṅgaṃ nāgasaṃjīvanaṃ yataḥ
weil das aus Rasātala stammende Gaṅgā-Wasser die Lebenskraft der Schlangen war –
jarādāridryasaṃtāpa-hāriṇī kleśavāriṇī /
rasātalabhavā gaṅgā martyalokabhavā tu yā //
Sie ist die Wegnehmerin der Qual von Alter und Armut, die Abwehrerin von Leid – die eine Gaṅgā [Vañjarā], aus Rasātala stammend, [trifft] auf jene, die in der Welt der Sterblichen entsteht.
Wort für Wort
jarādāridryasaṃtāpa-hāriṇī kleśavāriṇī
Sie ist die Wegnehmerin der Qual von Alter und Armut, die Abwehrerin von Leid –
rasātalabhavā gaṅgā martyalokabhavā tu yā
die eine Gaṅgā, aus Rasātala stammend, [trifft] auf jene, die in der Welt der Sterblichen entsteht.
tayoś ca saṃgamo yaḥ syāt kiṃ punas tatra varṇyate /
yasyānusmaraṇād eva nāśaṃ yānty aghasaṃcayāḥ //
Und was für ein [Ort] wäre wohl der Zusammenfluss der beiden – was ließe sich darüber noch weiter sagen –, durch dessen bloßes Gedenken schon Ansammlungen von Sünde vergehen?
Wort für Wort
tayoś ca saṃgamo yaḥ syāt kiṃ punas tatra varṇyate
Und was für ein [Ort] wäre wohl der Zusammenfluss der beiden – was ließe sich darüber noch weiter sagen –,
yasyānusmaraṇād eva nāśaṃ yānty aghasaṃcayāḥ
durch dessen bloßes Gedenken schon Ansammlungen von Sünde vergehen?
Unter allen Reichtum spendenden, alle Sündenfluten hinwegnehmenden [Tīrthas] gibt es nirgends ein dem Vañjarā-Saṃgama gleichwertiges Tīrtha – schon durch dessen bloßes Gedenken lösen sich Unglücksfälle auf.
Wort für Wort
sarvasaṃpattidātṝṇāṃ sarvapāpaughahāriṇām
Unter allen Reichtum spendenden, alle Sündenfluten hinwegnehmenden [Tīrthas]
vañjarāsaṃgamasamaṃ tīrthaṃ kvāpi na vidyate
gibt es nirgends ein dem Vañjarā-Saṃgama gleichwertiges Tīrtha –
yadanusmaraṇenāpi vipadyante vipattayaḥ
schon durch dessen bloßes Gedenken lösen sich Unglücksfälle auf.
[Anm.: Dreizeiliger Vers unter einer Versmarke im Quelltext, hier als eine Einheit mit drei Wort-für-Wort-Zeilen wiedergegeben.]