Quellen der Menschheit

Brahma-Purāṇa

Kapitel 159: vañjarāsaṃgamatīrthamāhātmyavarṇanam Die Größe des Vañjarā-Saṃgama-Tīrtha (Garuḍas Knechtschaft, die verunglückte Sonnenfahrt der Schlangen und das alters­heilende Rasātala-Wasser)

[Anm.: Erzählt, warum Vinatā und ihr Sohn Garuḍa in die Knechtschaft der Schlangen(-mutter) Kadrū gerieten (eine verlorene Wette), wie die Schlangen bei ihrer von Kadrū erzwungenen Fahrt zur Sonne auf Garuḍas Rücken von der Sonnenglut versengt werden und abstürzen, und wie Vinatā auf Kadrūs Bedingung hin mithilfe des von Garuḍa aus Rasātala geholten (und von Indras Regen vermehrten) Wassers die Schlangen von Alter (jarā) heilt. Ursprung des Gaṅgā-Wassers aus Rasātala, des Nāgālaya und des Flusses Vañjarā sowie ihres Zusammenflusses mit der Gaṅgā, des Vañjarā-Saṃgama-Tīrtha.]

{brahmovāca:} vañjarāsaṃgamaṃ nāma tīrthaṃ trailokyaviśrutam / ṛṣibhiḥ sevitaṃ nityaṃ siddhai rājarṣibhis tathā //

{Brahmā sprach:} Es gibt ein Tīrtha namens Vañjarā-Saṃgama, berühmt in den drei Welten, stets aufgesucht von Weisen, von Siddhas und ebenso von königlichen Sehern.

Wort für Wort
vañjarāsaṃgamaṃ nāma tīrthaṃ trailokyaviśrutam
Es gibt ein Tīrtha namens Vañjarā-Saṃgama, berühmt in den drei Welten,
ṛṣibhiḥ sevitaṃ nityaṃ siddhai rājarṣibhis tathā
stets aufgesucht von Weisen, von Siddhas und ebenso von königlichen Sehern.

dāsatvam agamat pūrvaṃ nāgānāṃ garuḍaḥ khagaḥ / mātṛdāsyāt tadā duḥkha-parisaṃtaptamānasaḥ / kadācic cintayām āsa rahaḥ sthitvā viniśvasan //

Einst geriet der Vogel Garuḍa in die Knechtschaft der Schlangen (Nāgas); damals, sein Gemüt gequält vom Leid über die Knechtschaft [seiner] Mutter, verharrte er einmal im Verborgenen und dachte, tief seufzend, nach.

Wort für Wort
dāsatvam agamat pūrvaṃ nāgānāṃ garuḍaḥ khagaḥ
Einst geriet der Vogel Garuḍa in die Knechtschaft der Schlangen (Nāgas);
mātṛdāsyāt tadā duḥkha-parisaṃtaptamānasaḥ
damals, sein Gemüt gequält vom Leid über die Knechtschaft [seiner] Mutter,
kadācic cintayām āsa rahaḥ sthitvā viniśvasan
verharrte er einmal im Verborgenen und dachte, tief seufzend, nach.

[Anm.: Dreizeiliger Vers unter einer Versmarke im Quelltext, hier als eine Einheit mit drei Wort-für-Wort-Zeilen wiedergegeben.]

{garuḍa uvāca:} ta eva dhanyā loke 'smin kṛtapuṇyās ta eva hi / nānyasevā kṛtā yais tu na yeṣāṃ vyasanāgamaḥ //

{Garuḍa sprach:} „Nur jene sind glücklich in dieser Welt, nur jene haben wahrhaft Verdienst erworben, die keinem anderen dienen mussten und denen kein Unglück widerfährt.“

Wort für Wort
ta eva dhanyā loke 'smin kṛtapuṇyās ta eva hi
„Nur jene sind glücklich in dieser Welt, nur jene haben wahrhaft Verdienst erworben,
nānyasevā kṛtā yais tu na yeṣāṃ vyasanāgamaḥ
die keinem anderen dienen mussten und denen kein Unglück widerfährt.“

sukhaṃ tiṣṭhanti gāyanti svapanti ca hasanti ca / svadehaprabhavo dhanyā dhig dhig anyavaśe sthitān //

„Glücklich verweilen sie, singen, schlafen und lachen; gesegnet [sind die, die] aus eigener Kraft [leben] – Schande, Schande über jene, die in der Gewalt eines anderen stehen!“

Wort für Wort
sukhaṃ tiṣṭhanti gāyanti svapanti ca hasanti ca
„Glücklich verweilen sie, singen, schlafen und lachen;
svadehaprabhavo dhanyā dhig dhig anyavaśe sthitān
gesegnet [sind die, die] aus eigener Kraft [leben] – Schande, Schande über jene, die in der Gewalt eines anderen stehen!“

{brahmovāca:} iti cintāsamāviṣṭo jananīm etya duḥkhitaḥ / paryapṛcchad ameyātmā vainateyo 'tha mātaram //

{Brahmā sprach:} So von Sorge erfüllt, ging der von unermesslichem Wesen [Garuḍa], der Sohn der Vinatā, betrübt zu [seiner] Mutter und befragte sie.

Wort für Wort
iti cintāsamāviṣṭo jananīm etya duḥkhitaḥ
So von Sorge erfüllt, ging der von unermesslichem Wesen, betrübt, zu [seiner] Mutter
paryapṛcchad ameyātmā vainateyo 'tha mātaram
[und] befragte sie, der Sohn der Vinatā.

{garuḍa uvāca:} kasyāparādhān mātas tvaṃ pitur vā mama vānyataḥ / dāsītvam āptā vada tat-kāraṇaṃ mama pṛcchataḥ //

{Garuḍa sprach:} „Durch wessen Vergehen, Mutter – meines, das meines Vaters, oder eines anderen – bist du in die Knechtschaft geraten? Sage mir, der ich frage, den Grund dafür.“

Wort für Wort
kasyāparādhān mātas tvaṃ pitur vā mama vānyataḥ
„Durch wessen Vergehen, Mutter – meines, das meines Vaters, oder eines anderen –
dāsītvam āptā vada tat-kāraṇaṃ mama pṛcchataḥ
bist du in die Knechtschaft geraten? Sage mir, der ich frage, den Grund dafür.“

{brahmovāca:} sābravīt putram ātmīyam aruṇasyānujaṃ priyam //*

{Brahmā sprach:} Sie sprach zu ihrem eigenen Sohn, dem lieben jüngeren Bruder des Aruṇa.

Wort für Wort
sābravīt putram ātmīyam
Sie sprach zu ihrem eigenen Sohn,
aruṇasyānujaṃ priyam
dem lieben jüngeren Bruder des Aruṇa.

[Anm.: Unvollständiger Halbvers im Quelltext (mit * markiert), hier wie überliefert wiedergegeben.]

{vinatovāca:} naiva kasyāparādho 'sti svāparādho mayoditaḥ / yasyā vākyaṃ viparyeti sā dāsī syān mayoditam //

{Vinatā sprach:} „Es ist keineswegs jemandes Vergehen – mein eigenes Vergehen habe ich [selbst] verursacht; ‚wessen Wort sich als falsch erweist, die soll Sklavin sein‘ – das habe ich [selbst] gesagt.“

Wort für Wort
naiva kasyāparādho 'sti svāparādho mayoditaḥ
„Es ist keineswegs jemandes Vergehen – mein eigenes Vergehen habe ich [selbst] verursacht;
yasyā vākyaṃ viparyeti sā dāsī syān mayoditam
‚wessen Wort sich als falsch erweist, die soll Sklavin sein‘ – das habe ich [selbst] gesagt.“

kadrūś cāpi tathaivāhaṃ sā mayā saṃyutā yayau / kadrvā mamābhavad vādaś chadmanāhaṃ tayā jitā //

„Und ebenso ging Kadrū mit mir [eine Wette ein]; ich hatte mit Kadrū einen Streit/eine Wette, [und] durch List wurde ich von ihr besiegt.“

Wort für Wort
kadrūś cāpi tathaivāhaṃ sā mayā saṃyutā yayau
„Und ebenso ging Kadrū mit mir [eine Wette ein];
kadrvā mamābhavad vādaś chadmanāhaṃ tayā jitā
ich hatte mit Kadrū einen Streit, [und] durch List wurde ich von ihr besiegt.“

vidhir hi balavāṃs tāta kāṃ kāṃ ceṣṭāṃ na ceṣṭate / evaṃ dāsītvam agamaṃ kadrvāḥ kaśyapanandana / yadā dāsī tu jātāhaṃ dāso 'bhūs tvaṃ dvijanmaja //

„Das Schicksal ist mächtig, mein Kind – welches Vorhaben bewirkt es nicht? So geriet ich in die Knechtschaft der Kadrū, o Sohn des Kaśyapa; da ich zur Sklavin wurde, wurdest [auch] du zum Sklaven, o zweifach Geborener.“

Wort für Wort
vidhir hi balavāṃs tāta kāṃ kāṃ ceṣṭāṃ na ceṣṭate
„Das Schicksal ist mächtig, mein Kind – welches Vorhaben bewirkt es nicht?
evaṃ dāsītvam agamaṃ kadrvāḥ kaśyapanandana
So geriet ich in die Knechtschaft der Kadrū, o Sohn des Kaśyapa;
yadā dāsī tu jātāhaṃ dāso 'bhūs tvaṃ dvijanmaja
da ich zur Sklavin wurde, wurdest [auch] du zum Sklaven, o zweifach Geborener.“

[Anm.: Dreizeiliger Vers unter einer Versmarke im Quelltext. Die Anrede „dvijanmaja“ (zweifach geboren) bleibt in ihrem genauen Bezug unsicher [?].]

{brahmovāca:} tūṣṇīṃ tadā babhūvāsau garuḍo 'tīva duḥkhitaḥ / na kiṃcid ūce jananīṃ cintayan bhavitavyatām //

{Brahmā sprach:} Da wurde jener Garuḍa still, überaus betrübt; er sagte seiner Mutter nichts, [nur] über das Unvermeidliche nachdenkend.

Wort für Wort
tūṣṇīṃ tadā babhūvāsau garuḍo 'tīva duḥkhitaḥ
Da wurde jener Garuḍa still, überaus betrübt;
na kiṃcid ūce jananīṃ cintayan bhavitavyatām
er sagte seiner Mutter nichts, [nur] über das Unvermeidliche nachdenkend.

kadrūḥ kadācit sā prāha putrāṇāṃ hitam icchatī / ātmano bhūtim icchantī vinatāṃ khagamātaram //

Einmal sprach jene Kadrū, das Wohl [ihrer] Söhne begehrend [und] ihren eigenen Vorteil suchend, zu Vinatā, der Vogel-Mutter:

Wort für Wort
kadrūḥ kadācit sā prāha putrāṇāṃ hitam icchatī
Einmal sprach jene Kadrū, das Wohl [ihrer] Söhne begehrend
ātmano bhūtim icchantī vinatāṃ khagamātaram
[und] ihren eigenen Vorteil suchend, zu Vinatā, der Vogel-Mutter:

{kadrūr uvāca:} putraḥ sūryaṃ namaskartuṃ tava yāty anivāritaḥ / aho lokatraye 'py asmin dhanyāsi bata dāsy api //

{Kadrū sprach:} „Dein Sohn geht unaufgehalten, um sich vor der Sonne zu verneigen; ach, in diesen drei Welten bist du fürwahr glücklich, selbst als Sklavin.“

Wort für Wort
putraḥ sūryaṃ namaskartuṃ tava yāty anivāritaḥ
„Dein Sohn geht unaufgehalten, um sich vor der Sonne zu verneigen;
aho lokatraye 'py asmin dhanyāsi bata dāsy api
ach, in diesen drei Welten bist du fürwahr glücklich, selbst als Sklavin.“

{brahmovāca:} svaduḥkhaṃ gūhamānā sā kadrūṃ prāha suvismitā //*

{Brahmā sprach:} Ihr eigenes Leid verbergend, sprach sie, sehr erstaunt, zu Kadrū.

Wort für Wort
svaduḥkhaṃ gūhamānā sā
Ihr eigenes Leid verbergend,
kadrūṃ prāha suvismitā
sprach sie, sehr erstaunt, zu Kadrū.

[Anm.: Unvollständiger Halbvers im Quelltext (mit * markiert), hier wie überliefert wiedergegeben.]

{vinatovāca:} tava putrās tu kim iti raviṃ draṣṭuṃ na yānti ca //*

{Vinatā sprach:} „Warum aber gehen deine Söhne nicht, um die Sonne zu sehen?“

Wort für Wort
tava putrās tu kim iti
„Warum aber
raviṃ draṣṭuṃ na yānti ca
gehen deine Söhne nicht, um die Sonne zu sehen?“

[Anm.: Unvollständiger Halbvers im Quelltext (mit * markiert), hier wie überliefert wiedergegeben.]

{kadrūr uvāca:} putrān madīyān subhage naya nāgālayaṃ prati / samudrasya samīpe tu tad āste śītalaṃ saraḥ //

{Kadrū sprach:} „Bring meine Söhne, o Holde, zum Schlangenwohnsitz (Nāgālaya); nahe dem Meer nämlich liegt jener kühle See.“

Wort für Wort
putrān madīyān subhage naya nāgālayaṃ prati
„Bring meine Söhne, o Holde, zum Schlangenwohnsitz;
samudrasya samīpe tu tad āste śītalaṃ saraḥ
nahe dem Meer nämlich liegt jener kühle See.“

{brahmovāca:} suparṇas tv avahan nāgān kadrūṃ ca vinatā tathā / tataḥ provāca muditā vainateyasya mātaram //

{Brahmā sprach:} Der schönbeflügelte [Garuḍa] trug die Schlangen und Kadrū, ebenso [trug] Vinatā [sie]; da sprach jene [Kadrū], erfreut, zur Mutter des Vainateya [Garuḍa]:

Wort für Wort
suparṇas tv avahan nāgān kadrūṃ ca vinatā tathā
Der schönbeflügelte [Garuḍa] trug die Schlangen und Kadrū, ebenso [trug] Vinatā [sie];
tataḥ provāca muditā vainateyasya mātaram
da sprach jene, erfreut, zur Mutter des Vainateya:

surāṇāṃ netu nilayaṃ garuḍo matsutān iti / punaḥ prāha sarpamātā garuḍaṃ vinayānvitam //

„Garuḍa soll meine Söhne zum Wohnsitz der Götter führen“ – so sprach die Schlangenmutter wiederum zu dem demutsvollen Garuḍa.

Wort für Wort
surāṇāṃ netu nilayaṃ garuḍo matsutān iti
„Garuḍa soll meine Söhne zum Wohnsitz der Götter führen“ –
punaḥ prāha sarpamātā garuḍaṃ vinayānvitam
so sprach die Schlangenmutter wiederum zu dem demutsvollen Garuḍa.

{sarpamātovāca:} putrā me draṣṭum icchanti haṃsaṃ trijagatāṃ gurum / namaskṛtvā tataḥ sūryam eṣyanti nilayaṃ mama / haṇḍe tvaṃ naya putrān me sūryamaṇḍalam anvaham //

{Die Schlangenmutter sprach:} „Meine Söhne wollen den ‚Schwan‘ [Anm.: Beiname der Sonne bzw. eines höchsten Wesens], den Lehrer der drei Welten, sehen; nachdem sie sich vor der Sonne verneigt haben, werden sie zu meinem Wohnsitz zurückkehren. He du, bring meine Söhne täglich zur Sonnenscheibe!“

Wort für Wort
putrā me draṣṭum icchanti haṃsaṃ trijagatāṃ gurum
„Meine Söhne wollen den ‚Schwan‘, den Lehrer der drei Welten, sehen;
namaskṛtvā tataḥ sūryam eṣyanti nilayaṃ mama
nachdem sie sich vor der Sonne verneigt haben, werden sie zu meinem Wohnsitz zurückkehren.
haṇḍe tvaṃ naya putrān me sūryamaṇḍalam anvaham
He du, bring meine Söhne täglich zur Sonnenscheibe!“

[Anm.: Dreizeiliger Vers unter einer Versmarke im Quelltext, hier als eine Einheit mit drei Wort-für-Wort-Zeilen wiedergegeben. „Haṃsa“ (Schwan) ist hier wohl ein Beiname der Sonne bzw. eines höchsten Prinzips [?].]

{brahmovāca:} sā vepamānā vinatā dīnā kadrūm abhāṣata //*

{Brahmā sprach:} Zitternd und elend sprach jene Vinatā zu Kadrū.

Wort für Wort
sā vepamānā vinatā dīnā
Zitternd und elend, jene Vinatā,
kadrūm abhāṣata
sprach sie zu Kadrū.

[Anm.: Unvollständiger Halbvers im Quelltext (mit * markiert), hier wie überliefert wiedergegeben.]

{vinatovāca:} nāhaṃ kṣamā sarpamātaḥ putro me neṣyate sutān / dṛṣṭvā dinakaraṃ devaṃ punar eva prayāntu te //

{Vinatā sprach:} „Ich vermag es nicht, o Schlangenmutter; mein Sohn wird [aber] deine Söhne [dorthin] bringen. Nachdem sie den Sonnengott erblickt haben, sollen sie wieder [zurück-]gehen.“

Wort für Wort
nāhaṃ kṣamā sarpamātaḥ putro me neṣyate sutān
„Ich vermag es nicht, o Schlangenmutter; mein Sohn wird [aber] deine Söhne [dorthin] bringen.
dṛṣṭvā dinakaraṃ devaṃ punar eva prayāntu te
Nachdem sie den Sonnengott erblickt haben, sollen sie wieder [zurück-]gehen.“

{brahmovāca:} vinatā svasutaṃ prāha vihagānām adhīśvaram / namaskartum athecchanti nāgāḥ svāmitvam āgatāḥ //

{Brahmā sprach:} Vinatā sprach zu ihrem eigenen Sohn, dem Herrscher der Vögel: „Die Schlangen, die zur Herrschaft [über dich] gelangt sind, wollen sich [nun vor der Sonne] verneigen.“

Wort für Wort
vinatā svasutaṃ prāha vihagānām adhīśvaram
Vinatā sprach zu ihrem eigenen Sohn, dem Herrscher der Vögel:
namaskartum athecchanti nāgāḥ svāmitvam āgatāḥ
„Die Schlangen, die zur Herrschaft [über dich] gelangt sind, wollen sich [nun vor der Sonne] verneigen.“

bhāsvantam ity uvāceyaṃ māṃ sarpajananī haṭhāt / tathety uktvā sa garuḍo mām ārohantu pannagāḥ //

„Die Schlangenmutter hat mich mit Nachdruck [zur] leuchtenden [Sonne zu bringen] geheißen.“ – „So sei es“, sagte darauf jener Garuḍa, „die Schlangen sollen mich besteigen.“

Wort für Wort
bhāsvantam ity uvāceyaṃ māṃ sarpajananī haṭhāt
„Die Schlangenmutter hat mich mit Nachdruck [zur] leuchtenden [Sonne zu bringen] geheißen.“
tathety uktvā sa garuḍo mām ārohantu pannagāḥ
„So sei es“, sagte darauf jener Garuḍa, „die Schlangen sollen mich besteigen.“

tadārūḍhaṃ sarpasainyaṃ garuḍaṃ vihagādhipam / śanaiḥ śanair upagamad yatra devo divākaraḥ / te dahyamānās tīkṣṇena bhānutāpena vivyathuḥ //

Da bestieg das Schlangenheer den Garuḍa, den Herrscher der Vögel; langsam näherte er sich dem Ort, wo der Gott, der Tagesmacher [die Sonne], weilt. Jene [Schlangen], von der scharfen Glut der Sonnenstrahlen versengt, gerieten in Qual.

Wort für Wort
tadārūḍhaṃ sarpasainyaṃ garuḍaṃ vihagādhipam
Da bestieg das Schlangenheer den Garuḍa, den Herrscher der Vögel;
śanaiḥ śanair upagamad yatra devo divākaraḥ
langsam näherte er sich dem Ort, wo der Gott, der Tagesmacher, weilt.
te dahyamānās tīkṣṇena bhānutāpena vivyathuḥ
Jene, von der scharfen Glut der Sonnenstrahlen versengt, gerieten in Qual.

[Anm.: Dreizeiliger Vers unter einer Versmarke im Quelltext, hier als eine Einheit mit drei Wort-für-Wort-Zeilen wiedergegeben.]

{sarpā ūcuḥ:} nivartasva mahāprājña pataṃgāya namo namaḥ / alaṃ sūryasya sadanaṃ dagdhāḥ sūryasya tejasā / yāmas tvayā vā garuḍa vihāya tvām athāpi vā //

{Die Schlangen sprachen:} „Kehr um, o Hochweiser – Verehrung, Verehrung dem Sonnenvogel! Genug mit der Wohnstatt der Sonne – wir sind von der Glut der Sonne versengt! Wir werden gehen, o Garuḍa, sei es mit dir oder auch ohne dich.“

Wort für Wort
nivartasva mahāprājña pataṃgāya namo namaḥ
„Kehr um, o Hochweiser – Verehrung, Verehrung dem Sonnenvogel!
alaṃ sūryasya sadanaṃ dagdhāḥ sūryasya tejasā
Genug mit der Wohnstatt der Sonne – wir sind von der Glut der Sonne versengt!
yāmas tvayā vā garuḍa vihāya tvām athāpi vā
Wir werden gehen, o Garuḍa, sei es mit dir oder auch ohne dich.“

[Anm.: Dreizeiliger Vers unter einer Versmarke im Quelltext, hier als eine Einheit mit drei Wort-für-Wort-Zeilen wiedergegeben.]

{brahmovāca:} evaṃ nāgair ucyamāna ādityaṃ darśayāmi vaḥ / ity uktvā gaganaṃ śīghraṃ jagāmādityasaṃmukhaḥ //

{Brahmā sprach:} So von den Schlangen angesprochen, [sagte er:] „Ich zeige euch [nun erst recht] die Sonne“ – dies gesagt habend, flog er rasch durch den Himmel, der Sonne entgegen.

Wort für Wort
evaṃ nāgair ucyamāna ādityaṃ darśayāmi vaḥ
So von den Schlangen angesprochen, [sagte er:] „Ich zeige euch [nun erst recht] die Sonne“ –
ity uktvā gaganaṃ śīghraṃ jagāmādityasaṃmukhaḥ
dies gesagt habend, flog er rasch durch den Himmel, der Sonne entgegen.

dagdhabhogā nipetus te dvīpaṃ taṃ vīraṇaṃ prati / bahavaḥ śatasāhasrāḥ pīḍitā dagdhavigrahāḥ //

Mit versengten Leibern fielen sie auf jene Insel Vīraṇa herab – viele hunderttausend, gequält, mit verbrannten Körpern.

Wort für Wort
dagdhabhogā nipetus te dvīpaṃ taṃ vīraṇaṃ prati
Mit versengten Leibern fielen sie auf jene Insel Vīraṇa herab –
bahavaḥ śatasāhasrāḥ pīḍitā dagdhavigrahāḥ
viele hunderttausend, gequält, mit verbrannten Körpern.

putrāṇām ārtasaṃnādaṃ patitānāṃ mahītale / āśvāsituṃ samāyātā tān sā kadrūḥ suvihvalā //

Um das Klagegeschrei [ihrer] auf die Erde gestürzten Söhne zu trösten, kam jene Kadrū, zutiefst bestürzt, zu ihnen.

Wort für Wort
putrāṇām ārtasaṃnādaṃ patitānāṃ mahītale
Um das Klagegeschrei [ihrer] auf die Erde gestürzten Söhne
āśvāsituṃ samāyātā tān sā kadrūḥ suvihvalā
zu trösten, kam jene Kadrū, zutiefst bestürzt, zu ihnen.

uvāca vinatāṃ kadrūs tava putro 'tiduṣkṛtam / kṛtavān atidurmedhā yeṣāṃ śāntir na vidyate //

Kadrū sprach zu Vinatā: „Dein Sohn hat eine überaus üble Tat vollbracht, der überaus Törichte, für die es keine Linderung gibt.“

Wort für Wort
uvāca vinatāṃ kadrūs tava putro 'tiduṣkṛtam
Kadrū sprach zu Vinatā: „Dein Sohn hat eine überaus üble Tat vollbracht,
kṛtavān atidurmedhā yeṣāṃ śāntir na vidyate
der überaus Törichte, für die es keine Linderung gibt.“

nānyathā kartum āyāti svāmivākyaṃ phaṇīśvaraḥ / sa kāśyapo bṛhattejā yady atra syād anāmayam //

„Der Herr der Schlangen [Garuḍa] vermag nicht anders zu handeln als [nach] das Wort seiner Herrin [zu tun]; wenn jener Kāśyapa [Garuḍa], von großer Glut, hier heilsam [handeln würde] –“

Wort für Wort
nānyathā kartum āyāti svāmivākyaṃ phaṇīśvaraḥ
„Der Herr der Schlangen vermag nicht anders zu handeln als [nach] das Wort seiner Herrin [zu tun];
sa kāśyapo bṛhattejā yady atra syād anāmayam
wenn jener Kāśyapa, von großer Glut, hier heilsam [handeln würde] –“

[Anm.: Der genaue Bezug dieses Verses (Verhältnis Garuḍa – „Herrin“) bleibt unsicher [?].]

bhavec caivaṃ kathaṃ śāntiḥ putrāṇāṃ mama bhāmini / kadrvās tad vacanaṃ śrutvā vinatā hy atibhītavat //

„– wie könnte dann Linderung für meine Söhne eintreten, o Herrin?“ Nachdem sie diese Worte der Kadrū gehört hatte, war Vinatā überaus erschrocken.

Wort für Wort
bhavec caivaṃ kathaṃ śāntiḥ putrāṇāṃ mama bhāmini
„– wie könnte dann Linderung für meine Söhne eintreten, o Herrin?“
kadrvās tad vacanaṃ śrutvā vinatā hy atibhītavat
Nachdem sie diese Worte der Kadrū gehört hatte, war Vinatā überaus erschrocken.

putram āha mahātmānaṃ garuḍaṃ vihagādhipam //*

Sie sprach zu ihrem großherzigen Sohn, dem Herrscher der Vögel, Garuḍa.

Wort für Wort
putram āha mahātmānaṃ
Sie sprach zu ihrem großherzigen Sohn,
garuḍaṃ vihagādhipam
dem Herrscher der Vögel, Garuḍa.

[Anm.: Unvollständiger Halbvers im Quelltext (mit * markiert), hier wie überliefert wiedergegeben.]

{vinatovāca:} nedaṃ yuktataraṃ putra bhūṣaṇaṃ vinayena hi / vartituṃ yuktam ity uktaṃ vaiparītyaṃ na yujyate //

{Vinatā sprach:} „Dies ist nicht angemessener, mein Sohn – der Schmuck [der Tugend] besteht ja in Demut; es ziemt sich zu handeln, wie gesagt wurde – das Gegenteil geziemt sich nicht.“

Wort für Wort
nedaṃ yuktataraṃ putra bhūṣaṇaṃ vinayena hi
„Dies ist nicht angemessener, mein Sohn – der Schmuck [der Tugend] besteht ja in Demut;
vartituṃ yuktam ity uktaṃ vaiparītyaṃ na yujyate
es ziemt sich zu handeln, wie gesagt wurde – das Gegenteil geziemt sich nicht.“

nāmitreṣv api kartavyaṃ sadbhir jihmaṃ kadācana / śrotriye cāntyaje vāpi samaṃ candraḥ prakāśate //

„Selbst gegenüber Feinden sollen die Guten niemals Krummes tun; sowohl dem Veda-Kundigen als auch dem Kastenlosen leuchtet der Mond gleichermaßen.“

Wort für Wort
nāmitreṣv api kartavyaṃ sadbhir jihmaṃ kadācana
„Selbst gegenüber Feinden sollen die Guten niemals Krummes tun;
śrotriye cāntyaje vāpi samaṃ candraḥ prakāśate
sowohl dem Veda-Kundigen als auch dem Kastenlosen leuchtet der Mond gleichermaßen.“

kurvanty aniṣṭaṃ kapaṭais ta eva mama putraka / prasahya kartuṃ ye sākṣād aśaktāḥ puruṣādhamāḥ //

„Nur jene niedrigsten Menschen, die es offen [und] mit Gewalt zu tun nicht vermögen, mein Söhnchen, tun Übles durch List.“

Wort für Wort
kurvanty aniṣṭaṃ kapaṭais ta eva mama putraka
„Nur jene tun Übles durch List, mein Söhnchen,
prasahya kartuṃ ye sākṣād aśaktāḥ puruṣādhamāḥ
die es offen [und] mit Gewalt zu tun nicht vermögen, jene niedrigsten Menschen.“

{brahmovāca:} vinatā ca tataḥ prāha kadrūṃ tāṃ sarpamātaram //*

{Brahmā sprach:} Und Vinatā sprach dann zu jener Kadrū, der Schlangenmutter.

Wort für Wort
vinatā ca tataḥ prāha
Und Vinatā sprach dann
kadrūṃ tāṃ sarpamātaram
zu jener Kadrū, der Schlangenmutter.

[Anm.: Unvollständiger Halbvers im Quelltext (mit * markiert), hier wie überliefert wiedergegeben.]

{vinatovāca:} kiṃ kṛtvā śāntir abhyeti putrāṇāṃ te karomi tat / jarayā tu gṛhītās te vada śāntiṃ karomi tat //

{Vinatā sprach:} „Was soll ich tun, damit Linderung für deine Söhne eintritt? Das will ich tun. Sie sind ja vom Alter (jarā) ergriffen – sag es, [und] ich werde jene Linderung bewirken.“

Wort für Wort
kiṃ kṛtvā śāntir abhyeti putrāṇāṃ te karomi tat
„Was soll ich tun, damit Linderung für deine Söhne eintritt? Das will ich tun.
jarayā tu gṛhītās te vada śāntiṃ karomi tat
Sie sind ja vom Alter ergriffen – sag es, [und] ich werde jene Linderung bewirken.“

{brahmovāca:} kadrūr apy āha vinatāṃ rasātalagataṃ payaḥ / tenābhiṣecitānāṃ me putrāṇāṃ śāntir eṣyati //

{Brahmā sprach:} Kadrū sagte darauf zu Vinatā: „Durch das in Rasātala befindliche Wasser – wenn meine Söhne damit besprengt werden, wird ihnen Linderung zuteilwerden.“

Wort für Wort
kadrūr apy āha vinatāṃ rasātalagataṃ payaḥ
Kadrū sagte darauf zu Vinatā: „Durch das in Rasātala befindliche Wasser –
tenābhiṣecitānāṃ me putrāṇāṃ śāntir eṣyati
wenn meine Söhne damit besprengt werden, wird ihnen Linderung zuteilwerden.“

kadrvās tad vacanaṃ śrutvā rasātalagataṃ payaḥ / kṣaṇenaiva samānīya nāgāṃs tān abhyaṣecayat / tataḥ provāca garuḍo maghavānaṃ śatakratum //

Nachdem sie diese Worte der Kadrū gehört hatte, holte sie binnen eines Augenblicks das in Rasātala befindliche Wasser und besprengte jene Schlangen damit. Darauf sprach Garuḍa zu Maghavan [Indra], dem Herrn der hundert Opfer:

Wort für Wort
kadrvās tad vacanaṃ śrutvā rasātalagataṃ payaḥ
Nachdem sie diese Worte der Kadrū gehört hatte, [holte sie] das in Rasātala befindliche Wasser
kṣaṇenaiva samānīya nāgāṃs tān abhyaṣecayat
binnen eines Augenblicks herbei und besprengte jene Schlangen damit.
tataḥ provāca garuḍo maghavānaṃ śatakratum
Darauf sprach Garuḍa zu Maghavan, dem Herrn der hundert Opfer:

[Anm.: Dreizeiliger Vers unter einer Versmarke im Quelltext, hier als eine Einheit mit drei Wort-für-Wort-Zeilen wiedergegeben.]

{garuḍa uvāca:} meghāś cāpy atra varṣantu trailokyasyopakāriṇaḥ //*

{Garuḍa sprach:} „Auch die Wolken sollen hier regnen, zum Nutzen der drei Welten.“

Wort für Wort
meghāś cāpy atra varṣantu
„Auch die Wolken sollen hier regnen,
trailokyasyopakāriṇaḥ
zum Nutzen der drei Welten.“

[Anm.: Unvollständiger Halbvers im Quelltext (mit * markiert), hier wie überliefert wiedergegeben.]

{brahmovāca:} tathā vavarṣa parjanyo nāgānām abhavac chivam / rasātalabhavaṃ gāṅgaṃ nāgasaṃjīvanaṃ payaḥ //

{Brahmā sprach:} So regnete der Regengott, [und] Heil widerfuhr den Schlangen; das aus Rasātala stammende Gaṅgā-Wasser [war] Lebenskraft für die Schlangen.

Wort für Wort
tathā vavarṣa parjanyo nāgānām abhavac chivam
So regnete der Regengott, [und] Heil widerfuhr den Schlangen;
rasātalabhavaṃ gāṅgaṃ nāgasaṃjīvanaṃ payaḥ
das aus Rasātala stammende Gaṅgā-Wasser [war] Lebenskraft für die Schlangen.

jarāśokavināśārtham ānītaṃ garuḍena yat / yatrābhiṣecitā nāgās tan nāgālayam ucyate //

Was von Garuḍa herbeigebracht wurde, um Alter und Kummer zu vernichten – der Ort, wo die Schlangen damit besprengt wurden, wird „Nāgālaya“ (Schlangenwohnsitz) genannt.

Wort für Wort
jarāśokavināśārtham ānītaṃ garuḍena yat
Was von Garuḍa herbeigebracht wurde, um Alter und Kummer zu vernichten –
yatrābhiṣecitā nāgās tan nāgālayam ucyate
der Ort, wo die Schlangen damit besprengt wurden, wird „Nāgālaya“ genannt.

garuḍena yato vāri ānītaṃ tad rasātalāt / tad gāṅgaṃ vāri sarveṣāṃ sarvapāpapraṇāśanam //

Weil das Wasser von Garuḍa aus Rasātala hergebracht wurde, [ist] jenes Gaṅgā-Wasser für alle die Vernichtung aller Sünde.

Wort für Wort
garuḍena yato vāri ānītaṃ tad rasātalāt
Weil das Wasser von Garuḍa aus Rasātala hergebracht wurde,
tad gāṅgaṃ vāri sarveṣāṃ sarvapāpapraṇāśanam
[ist] jenes Gaṅgā-Wasser für alle die Vernichtung aller Sünde.

jarāyā vāraṇaṃ yasmān nāgānām abhavac chivam / rasātalabhavaṃ gāṅgaṃ nāgasaṃjīvanaṃ yataḥ //

Weil es die Abwehr des Alters bewirkte [und] den Schlangen Heil widerfuhr, weil das aus Rasātala stammende Gaṅgā-Wasser die Lebenskraft der Schlangen war –

Wort für Wort
jarāyā vāraṇaṃ yasmān nāgānām abhavac chivam
Weil es die Abwehr des Alters bewirkte [und] den Schlangen Heil widerfuhr,
rasātalabhavaṃ gāṅgaṃ nāgasaṃjīvanaṃ yataḥ
weil das aus Rasātala stammende Gaṅgā-Wasser die Lebenskraft der Schlangen war –

jarāśokavināśārthaṃ gaṅgāyā dakṣiṇe taṭe / sākṣād amṛtasaṃvāhā vañjarā sābhavan nadī //

– zur Vernichtung von Alter und Kummer, auf dem Südufer der Gaṅgā, wurde jener, unmittelbar den Nektar (amṛta) führende [Strom] zum Fluss Vañjarā.

Wort für Wort
jarāśokavināśārthaṃ gaṅgāyā dakṣiṇe taṭe
– zur Vernichtung von Alter und Kummer, auf dem Südufer der Gaṅgā,
sākṣād amṛtasaṃvāhā vañjarā sābhavan nadī
wurde jener, unmittelbar den Nektar führende [Strom] zum Fluss Vañjarā.

jarādāridryasaṃtāpa-hāriṇī kleśavāriṇī / rasātalabhavā gaṅgā martyalokabhavā tu yā //

Sie ist die Wegnehmerin der Qual von Alter und Armut, die Abwehrerin von Leid – die eine Gaṅgā [Vañjarā], aus Rasātala stammend, [trifft] auf jene, die in der Welt der Sterblichen entsteht.

Wort für Wort
jarādāridryasaṃtāpa-hāriṇī kleśavāriṇī
Sie ist die Wegnehmerin der Qual von Alter und Armut, die Abwehrerin von Leid –
rasātalabhavā gaṅgā martyalokabhavā tu yā
die eine Gaṅgā, aus Rasātala stammend, [trifft] auf jene, die in der Welt der Sterblichen entsteht.

tayoś ca saṃgamo yaḥ syāt kiṃ punas tatra varṇyate / yasyānusmaraṇād eva nāśaṃ yānty aghasaṃcayāḥ //

Und was für ein [Ort] wäre wohl der Zusammenfluss der beiden – was ließe sich darüber noch weiter sagen –, durch dessen bloßes Gedenken schon Ansammlungen von Sünde vergehen?

Wort für Wort
tayoś ca saṃgamo yaḥ syāt kiṃ punas tatra varṇyate
Und was für ein [Ort] wäre wohl der Zusammenfluss der beiden – was ließe sich darüber noch weiter sagen –,
yasyānusmaraṇād eva nāśaṃ yānty aghasaṃcayāḥ
durch dessen bloßes Gedenken schon Ansammlungen von Sünde vergehen?

tatra ca snānadānānāṃ phalaṃ ko vaktum īśvaraḥ / sapādaṃ tatra tīrthānāṃ lakṣam āhur manīṣiṇaḥ //

Und wer wäre imstande, dort die Frucht von Baden und Geben zu verkünden? 125.000 (sapāda-lakṣa) Tīrthas [gleichwertig] nennen es die Weisen.

Wort für Wort
tatra ca snānadānānāṃ phalaṃ ko vaktum īśvaraḥ
Und wer wäre imstande, dort die Frucht von Baden und Geben zu verkünden?
sapādaṃ tatra tīrthānāṃ lakṣam āhur manīṣiṇaḥ
125.000 (sapāda-lakṣa) Tīrthas [gleichwertig] nennen es die Weisen.

sarvasaṃpattidātṝṇāṃ sarvapāpaughahāriṇām / vañjarāsaṃgamasamaṃ tīrthaṃ kvāpi na vidyate / yadanusmaraṇenāpi vipadyante vipattayaḥ //

Unter allen Reichtum spendenden, alle Sündenfluten hinwegnehmenden [Tīrthas] gibt es nirgends ein dem Vañjarā-Saṃgama gleichwertiges Tīrtha – schon durch dessen bloßes Gedenken lösen sich Unglücksfälle auf.

Wort für Wort
sarvasaṃpattidātṝṇāṃ sarvapāpaughahāriṇām
Unter allen Reichtum spendenden, alle Sündenfluten hinwegnehmenden [Tīrthas]
vañjarāsaṃgamasamaṃ tīrthaṃ kvāpi na vidyate
gibt es nirgends ein dem Vañjarā-Saṃgama gleichwertiges Tīrtha –
yadanusmaraṇenāpi vipadyante vipattayaḥ
schon durch dessen bloßes Gedenken lösen sich Unglücksfälle auf.

[Anm.: Dreizeiliger Vers unter einer Versmarke im Quelltext, hier als eine Einheit mit drei Wort-für-Wort-Zeilen wiedergegeben.]

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